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Die Spirit-Archive

Inhalt:

Deutsche Comics
Band 1: 1940



Die Spirit-Archive Band 1     Cover
Will Eisners Spirit 2. Juni bis 29. Dezember 1940
Salleck Publications (DC)
Preis: € 46,- Normalausgabe 69,- Vorzugsausgabe
T: Eisner
Z: Eisner
Inhalt:US-Will Eisner´s The Spirit Archive Vol. 1
Die erste definitive Spirit-Gesamtausgabe ist vom Format her vergleichbar mit den anderen DC-Archiv-Bänden, die bereits bei Dino und Panini erschienen sind. Hier geht es allerdings nicht um einen (beliebigen) Superhelden, sondern um einen der bekanntesten und einflussreichsten amerikanischen Comic überhaupt, der die Welt der Zeitungscomics revolutionierte. Will Eisner war ein relativ junger und unbedeutender Comicautor als er 1940 gefragt wurde, ob er eine wöchentliche farbige Comic-Beilage erstellen könnte. Sein Vorteil war seine Verlässlichkeit! Er erfand „mal eben“ drei Serien, deren heute bekannteste er selber in kompletter Eigenregie mit wöchentlich sieben Seiten übernahm, den Spirit. Der Spirit ist Denny Colt, der seinen vermeintlichen Tod ausnutzt, um Verbrecher so zu jagen, wie er es als ans Gesetz gebundener Polizist nicht könnte. Gewollt stellt er sich also außerhalb der öffentlichen Ordnung und doch ist er spießig genug, um mit der Tochter des Commissioners Dolan anzubandeln und mit dem Polizeichef selbst zusammenzuarbeiten. Seine Freiheitsliebe zeigt sich dagegen in der Wahl seines Sidekicks, einem minderjährigen und farbigen Straßenjungen und der Wahl seiner „Höhle“ in einer Gruft. Schon sehr schnell gibt Eisner ein einheitliches Erscheinungsbild der ersten Seite zugunsten von das jeweilige Thema illustrierenden ganzseitigen Bildern auf, was für damalige Zeiten schon fast ein Affront gegen den Herausgeber war, da so die Bewerbung sehr schwierig war. Die Serie hatte aber glücklicherweise einen solchen Erfolg bei den Lesern, dass Eisner seinen Chef überzeugen konnte, dass der Verkauf durch ein Logo zurückgehen würde. Die Geschichten als solche sind zum Teil für heutige Verhältnisse scheinbar etwas lahm. Die Ganoven sind alle nicht so richtig böse und vieles läuft in einer harmlosen fast spaßigen Atmosphäre ab. 1940 war allerdings – und das wird leicht vergessen – nicht nur vor dem 11. September, sondern auch vor dem Zweiten Weltkrieg (zumindest für Amerikaner!) und damit vor Pearl Harbour und dem Holocaust. Die tatsächliche Gewalt und Brutalität, die nur kurze Zeit später auch von den Amerikanern wahrgenommen werden sollte, hätte vorher niemals den Schreibtisch eines Zeitungsverlegers passieren können. Dadurch gelingt es Eisner aber auch, die Finger auf die kleinen, nicht weniger schmerzhaften Wunden zu legen. Und das in einer neuen Art und Weise, die bereits das Können des Mannes andeutet, der später noch viele Neuheiten in die amerikanische Comic-Welt einbringen sollte, etwa die Graphic Novel.

Kritik:
Noch nie hat es eine komplette Spirit-Ausgabe gegeben, geschweige denn in einem einheitlichen (und angemessenen!) Format. Jetzt endlich hat sich der momentan wohl ambitionierteste „Küchentisch-Verleger“, dessen Geschäft schon lange die Ausmaße selbst einer Schlossküche überstiegen hat, der Aufgabe gestellt, die Archive auf Deutsch zu veröffentlichen. Der erste Band präsentiert alle Abenteuer des Jahres 1940, eine Bibliographie der deutschen Ausgaben und drei Vorworte von Will Eisner himself, Alan Moore und R. C. Harvey. Leider fehlt einem der Interviews ein Absatz, er wird aber als einleger komplettiert. Da Eckart Schott bereits an der Übersetzung des zweiten Bandes sitzt, könnte der Zeitplan, der ein Erscheinen des zweiten Bandes noch in diesem Jahr vorsieht, tatsächlich eingehalten werden. Die Normalausgabe ist bereits als fadengeheftetes Hardcover ausgezeichnet ausgestattet, doch wer noch einen drauflegen möchte, kann das mit dem Erwerb einer der 200 nummerierten Vorzugsausgaben tun, der ein signierter Druck beiliegt! Sicherlich ist der Preis von 46,- EURO nicht mal so eben für jeden machbar; die Gegenleistung besteht aber in einem der wenigen echten Meilensteine der Comic-Literatur überhaupt. Und außerdem entsprechen sowohl die Seitenzahl als auch der Preis dem von fünf durchschnittlichen Alben. Hit-Tipp!


-Bat- Note: 1

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