Comix-Online.com

Thumbnail di Sano

Interview mit Bruno di Sano

geführt am Sonntag, 06. April 2003 in Dortmund

Guten Tag Herr Bruno di Sano! Würden Sie sich kurz selber vorstellen?

Ja, gerne. Ich wurde am 14.10.1951 in Lüttich geboren. Nach meiner Schulzeit habe ich zunächst als Automechaniker gearbeitet und abends in meiner Freizeit gezeichnet. Im Alter von 29 Jahren erhielt ich dann ein Angebot von Lombard. Deshalb habe ich meinen alten Beruf aufgegeben und angefangen, bei dem Magazin Tintin zunächst Kurzgeschichten zu zeichnen. Bei Lombard habe ich Dufaux kennengelernt, einen Szenaristen, der ebenfalls gerade mit seiner Profilaufbahn begann. Mit ihm habe ich mehrere Jahre zusammengearbeitet und wir haben uns zusammen weiterentwickelt. Dufaux hat dann seine eigene Serie Jessica Blandy gestartet und ich bin zu Boomerang/Arboris gewechselt. Dort habe ich begonnen, erotische Kurzgeschichten zu schreiben und zu zeichnen. das war vor ungefähr 10 Jahren.

Was sind Ihre Vorlieben?

Das, was ich gerade mache! Also die Zusammenarbeit mit Walthery an "Ich, die Sexbombe"! Bisher waren es immer Kurzgeschichten und jetzt mache ich albenlange Geschichten! In den Kurzgeschichten ist es im Grunde immer das Gleiche. In längeren Geschichten ist mehr Abwechslung drin.

Wie läuft die Zusammenarbeit mit Walthery?

Oh, sehr gut. Walthery ist im Grunde sehr stark mit Natacha, seiner Hauptserie, beschäftigt. An unserem Projekt ist er mehr überwachend tätig. Natürlich macht er auch was, aber eigentlich mache ich die ganze Arbeit.

Wer ist Ihr Lieblingsszenarist?

Eindeutig Mythic.

Warum?

Wir sind seit 15 Jahren befreundet. Wir haben uns in der ganzen Zeit zusammen weiter entwickelt. Mythic hatte die Idee zu Rubine und hatte ursprünglich mich als Zeichner vorgeschlagen. Lombard meinte aber, dass ich besser Frauen zeichnen könne und wollte daher, dass Walthery Rubine übernimmt. Trotzdem mag ich Mythic besonders.

Haben Sie am Anfang Ihrer Laufbahn Vorbilder gehabt, an denen Sie sich orientiert haben?

Ja, selbstverständlich! Martin, Cubellier, Herge, Franquin, Jije, die ganze große Riege der Zeichner. Dazu kommt Walt Disney (lacht).

Disney ist der einzige amerikanische, nicht frankobelgische Name in dieser Reihe.

Ja, aber die Trickfilme waren prägend! Sie waren fantastisch.

Herr di Sano, haben Sie einen Tipp für junge deutsche Comiczeichner oder -autoren? In Deutschland ist es sehr schwierig, mit Comics genug Geld zum Leben zu verdienen.

Ja. Meiner Meinung nach sollten junge Künstler schnell Kontakt zu französischen oder belgischen Verlagen suchen und sich dort ihre Sporen verdienen. Erst, wenn sie einen gewissen Erfolg haben, sollten sie sich zurück in ihr Heimatland orientieren. Ein Beispiel dafür ist zum Beispiel Gregorz Rosinsky, der als Pole vor dem gleichen Problem stand. Jetzt ist er international be- und anerkannt. Wenn er jetzt nach Polen fährt, ist er auch dort ein Star. Ein anderes Beispiel ist Gürcel, ein türkischer Autor, der ebenfalls in der Rote Ohren-Serie zeichnet und sehr erfolgreich ist.
Ein deutsches Beispiel wäre Andreas.
Ein Problem sehe ich darin, dass es sehr wenigen Magazinen gibt, in denen junge Künstler vorveröffentlichen können und die auch Werbung für sie machen.

Viele junge Künstler veröffentlichen zunächst in Fanzines. Sehen sie darin eher eine Gefahr für den Stil, da viele sehr horrorlastig und experimentell orientiert sind, oder eine Chance?

Die Gefahr besteht, dass man sich auf ein zu kleines Publikum einschießt. Man erreicht ein großes Publikum nur dann, wenn man kommerziell orientiert arbeitet. Es gibt aber auch Beispiele dafür, dass in Fanzines ein eigener und später sehr erfolgreicher Stil entsteht. Wir

alle kennen Zep, der mit Titeuf inzwischen auch international sehr erfolgreich ist.

Comix-Online und SF-Radio/Soundwords sind beide Internet-Projekte. Sehen Sie in den sog. Neuen Medien etwas wirklich Neues oder eher nur einen zusätzlichen Vertriebsweg?

Im Internet sehe ich eine große Chance für etwas wirklich Neues. Man braucht aber mehr und gezieltere Werbung, damit die potentiellen Leser auch wissen, wo sie hinklicken sollen. Das Angebot spricht nicht für sich selber, man muss es sehr stark bekannt machen.

Gibt es Unterschiede von französischen oder belgischen Veranstaltungen zu deutschen?

Nein, inzwischen sind die Veranstaltungen sehr ähnlich, da die Freunde der Comics sich überall ähnlich verhalten. Neulinge sind eher selten und auch diese verhalten sich ähnlich. Aber die wirklichen Freunde der Comics sind international.

Möchten Sie Ihren deutschen Fans noch etwas mitteilen?

Ich freue mich, in nächster Zeit öfter in Deutschland zu sein und meine deutschen Fans besser kennen zu lernen, weil die Freunde der Comics eine einzige große Familie bilden. Egal, ob es deutsche, schweizer, französische, belgische oder holländische Menschen sind, es sind alles Freunde der Comics!

Herr di Sano, ich bedanke mich für das sehr nette Gespräch!
Außerdem bedanke ich mich bei Martin Surmann für die kompetente, freundliche und ganz spontane Bereitschaft, als Übersetzer an diesem Gespräch teilzunehmen!

Thumbnail Sketch di Sano

Ihr könnt gleich von hier zu der Besprechung von Heisse Köpfe 23 wechseln!