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Einzelbände

Inhalt:

Deutsche Comics

Ogoniok und Myetzko   
Amnea oder: Die fliegende Teekanne   
Der Sarcophag   
Dr. Dodo schreibt ein Buch   



Ogoniok und Myetzko    Cover
Salleck Publications
Preis: DM 29,80 € 15,-
T: Toppi
Z: Toppi

Inhalt:
Bereits der zweite Hardcover bei Eckart Schott mit Geschichten des Italieners Sergio Toppi! Zwei schwarz-weiße Geschichten über das übersinnliche, das Anfang des letzten Jahrhunderts noch deutlicher im Alltag verankert war, als heute. Die erste erzählt das letzte Jagderlebnis eines russischen adeligen Beamten, der im einem falschen Gebiet jagt und den Bewohnern nicht glauben will, dass es besser wäre, dort nicht dem Wild nachzustellen. Er trifft auf Ogoniok, einen Schamanen, der mit seiner auf den Zaren gestützten vermutlichen Allmacht schnell aufräumt... Die zweite Erzählung handelt von der langen Verbundenheit zweier ruthenischer Häuser, deren eines dem anderen auf ewig dienen muss. Solange der eine da ist, wird dem anderen nichts geschehen, doch der Preis ist der Tod...

Kritik:
Durch die feinen schwarz-weißen Linien und Flächen kommt der Horror viel besser zur Geltung, als wenn es sich um eine kolorierte Arbeit handeln würde. Die Alltäglichkeit des Übersinnlichen und die Selbstverständlichkeit mit der das Nicht-Fassbare neben der offiziellen Ordnung existiert kann nur im östlichen Teil Europas so funktionieren und auch nur damals, denn heutzutage ist die Technik viel zu alltäglich geworden um Magie in diesem Ausmaß noch zu zu lassen. Obwohl beide Erzählungen nicht grausam, gewalttätig oder rasant sind, fesseln sie mehr als vieles modernes! Wenn es doch mehr gute Erzähler gäbe, die auch noch ihre Geschichten so genial umsetzen können, dann wäre es um den Comic sicherlich nicht so schlecht bestellt. Leider versuchen viele ihre mangelnde Eignung hinter ganz viel greller Farbe, Rasanz und extremen Körperbau ihrer Protagonisten zu verstecken. Das hat Toppi mit Sicherheit nicht nötig! Dazu kommt, dass der Band auch noch in edler Ausstattung im Hardcover erscheint! Wem das noch nicht genug ist, der kann sich eines von 125 signierten Exemplaren mit Grafik besorgen. Hit-Tipp des Monats!

-Bat- Note: 1


Amnea oder: Die fliegende Teekanne    Cover
Carlsen (Originalausgabe)
Preis: DM 49,90 € 26,- (limitierte Luxusausgabe: € 50,-)
T: Nadolny
Z: Loomit

Inhalt/Kritik:
Amnea oder: Die fliegende Teekanne Ein hochdekorierter, sog. „ernsthafter“ Literat und ein weltbekannter Sprayer treffen sich, lernen sich schätzen und verabreden, zusammen ein Projekt zu schaffen. Als erstes überzeihen sie natürlich die Dead-Line fast um ein ganzes Jahr doch schließlich erscheint ein 80-seitiges märchenhaftes comicbook, das irgendwo zwischen Avantgarde und Fanzinekultur anzusiedeln ist. Nadolny schafft es seine Figuren, die immer sehr gut mit Sprache umgehen können, auch in der sprachreduzierten Comicwelt mit Sprache hantieren zu lassen, wenn auch nur über den Umweg eines (märchenhaften) Computers. Der Erzähler spinnt darauf den Handlungsfaden und als eine Protagonistin versucht, die Handlung zu ändern (und vor allem: zu vereinfachen!) wird ihr dieses verweigert, da zu viele Nebenpersonen unberücksichtigt blieben. Ein SELIM ist Amnea natürlich trotzdem nicht geworden, aber die Handschrift wird schon deutlich. Auf der anderen Seite durfte der Sprayer Loomit einige seiner Figuren beisteuern und durch seine Kunst gleichzeitig dafür sorgen, dass das Werk auch in der Subkulturszene wahrgenommen werden wird. Ob es dort auch ankommen wird ist nicht zuletzt wegen des relativ hohen Preises fraglich. Eine reine Inhaltsangabe erübrigt sich hier m. E., da es auf den Handlungsverlauf eigentlich nicht ankommt; wichtig sind die Interaktionen der Figuren, die kleinen Begebenheiten auf dem Weg vom Anfang zum Ende.
Mir verbleibt, Carlsen für das eingegangene Wagnis zu danken, die schöne Ausstattung zu loben (!!!) und zu hoffen, dass Amnea – vielleicht gerade in der Weihnachtszeit – genug Käufer findet um vielleicht ähnliche Projekte in Zukunft realisierbar erscheinen zu lassen.

-Bat- Note: 2


Der Sarcophag    Cover
Egmont Ehapa (Dargaud)
Preis: DM 29,80
T: Christin
Z: Bilal

Inhalt:F-Le Sarcophage
Das Komitee für die Planung und Organisation des Museums der Zukunft bittet um die mithilfe solventer Investoren und hat deshalb eine Broschüre produziert, die das Expose des geplanten Musentempels verdeutlichen soll. Natürlich dürfen diese Informationen später nicht an das Publikum geraten, denn das soll das Museum ja besuchen! Begleitet von theoretischen Aussagen über Museen der Zukunft werden die Planungen des Komitees anhand von Gebäuden erläutert: Check-Point Museumseingang, Gebäude 1 – Das Gedächtniskonservatorium - mit Glasnost-Saal, Taliban-Saal, dem großen Basar, dem Zoo, dem Saal der historischen Monumente und der letzten Versammlung, Gebäude 2 – Die Fabrik der Moderne – mit Sälen für Kosmetik, Einkaufserlebnisse, Wettkämpfe, Reiche und Strafanstalt, Gebäude 3 – Zentrale der Zukunft – mit Kommandozentrale, Waffen- und Spielsaal, Spiegelsaal und Lebensverlängerung sowie dem Gebäude 4 – dem Sarcophag. Begleitet wird das Ganze von Zitaten über den Atom´unfall` in Tschernobyl und Fotos.

Kritik:
Wenn der Sarkasmus aufhört, fängt der Zynismus an. Zwischen diesen beiden Polen bewegt sich das Dreamteam des politischen Comics in diesem Werk, das kein Comic ist. Zwar gibt es eine Einheit von Bild und Text, Vorbild ist aber eher der dadaismus oder die politische Collage eines Heartfield denn eine Bildgeschichte! Viel bissiger kann man die Tendenzen der modernen Welt und ihren Zynismus nicht darstellen und auch die edle Aufmachung als Halbleinen (wie eine solche Werbebroschüre wohl auch wirklich aufgemacht wäre) im krassen Gegensatz zu den teilweise ekligen menschenverachtenden Inhalten ist bereits Inhalt! Für mich der Must-Have des Sommers (unter der Voraussetzung des Must-Read!!!). Leider wird sich das Feuilleton aber wohl wieder um eine Stellungnahme herum drücken, denn es handelt sich ja nur um einen Comic, nicht um ernstzunehmende Literatur... Schade, denn die beiden Autoren hätten mehr Beachtung verdient!

-Bat- Note: 1+


Dr. Dodo schreibt ein Buch    Cover
Carlsen Verlag (Originalausgabe)
Preis: € 14,00
T: Könnecke
Z: Könnecke

Inhalt:
Wenn ein bekannter Kinderbuchautor einen (Kinder-)Comic schreibt und zeichnet, dann kann das entweder gehörig in die Hose gehen, total langweilig sein oder – wie hier – eine gute Ergänzung des bisherigen Schaffens werden! Ole Könnecke hatte schon lange vor, neben den rein sprachlich aufgebauten und von Bildern nur unterstützten Kinderbüchern etwas mehr graphisch orientiertes zu fabrizieren. Ganz konnte er sich allerdings von seiner Herkunft nicht freimachen, denn das Thema des Schreibens ist gleichzeitig auch das Thema des Comics geworden. Der „Held“ Dr. Dodo ist gelangweilt und beschließt daher aus lauter Verzweiflung selber ein Buch zu verfassen. Da der etwas altkluge Autor weiß, dass der erste Satz der Schwerste ist, beginnt er halt mit dem zweiten! Doch auch so stolpert der Autor in mehrere Fallen wie Unlogik, unrettbare Situationen, zu leichte Vorhersehbarkeit und schwammige Personen. Irgendwie rettet sich der Held und mit ihm sein Geschöpf allerdings immer und so schließt sich zum Schluss der Kreis...

Kritik:
Ein Erstlingswerk, das gleich den Max-und-Moritz-Preis für den besten Kindercomic gewinnt ist sicherlich nicht das, wovon ein Autor träumt, der mit seinem Werk hausieren geht. Zumindest ein realistisch denkender Autor wird wissen, dass Newcomer bei so etwas nie eine Chance haben! Doch Ole Könnecke ist ja kein Newcomer und Dr. Dodo ist zwar sein erster Comic, ansonsten aber ist er in den Bibliotheken und Büchereien gut vertreten. So hat sich wahrscheinlich auch die Suche nach einem Verlag nicht so kompliziert ausgenommen, wie gemeinhin, denn der Autor musste ja nur ein paar Türen weiter. Trotzdem ist Carlsen (und dem Autor) da ein guter Wurf gelungen, denn wenn sich die Geschichte meines Erachtens auch nicht für Kinder eignet, so ist es doch ein gutes Teil für Jugendliche geworden. Die Ausstattung mit dickem, saugendem Papier und im Hardcover tut natürlich auch ein übriges. Nicht nur für diejenigen, die selber schon immer mal wissen wollten, wie ein Buch geschrieben wird, sondern für alle geeignet. Tipp!

-Bat- Note: 3+


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