Comix-Online.com -- Rezis -- Edition 52

Inhalt:

Deutsche Comics

Ulf K.
Das Jahr in dem wir Weltmeister wurden
Tango de la Mort
Floralia
Floralia-Skizzenbuch

Uli Oesterle
Frass

Laska Comix
Kosmonaut Laika



Das Jahr in dem wir Weltmeister wurden     Cover
Collection ubu imperator 1
Edition 52 (Originalausgabe)
Preis: DM
T: Ulf K./Dierßen
Z: Ulf K.
Inhalt:
Es ist 1974, die Haare sind lang, die Helden heißen noch Netzer und Hoeness und sind nicht als Quasselstrippen, sondern als Fußballer berühmt. Die deutsche Fußballnationalmannschaft wird nach 20 Jahren erstmals (endlich) wieder Weltmeister und ganze Jahrgänge von Jungen können noch heute alle Aufstellungen auswendig. Der Ich-Erzähler ist ein solcher Junge, der eigentlich ganz normal ist/war. Sein Freund Rüdiger war jedoch etwas Besseres, denn er hatte bessere Fußballschuhe, konnte besser spielen und durfte somit aussuchen, wen er spielte. Erst als Hendrik neu in die Stadt kam, änderte sich alles...

Kritik:
Eine sehr liebenswerte Geschichte mit sehr viel Sinn für die Details und viel Verständnis für damals. Hier sitzt niemand, der alles aus seiner Jugend vergessen oder verklärt hat, sondern einer, der sich an die hellen und dunklen Seiten seiner Jugend erinnern kann und will. Dabei sei mal dahingestellt, ob es die eigene oder eine virtuelle Generationsvergangenheit ist. Liebenswert, einfach, aber nicht banal! Die Zeichnungen erinnern mich ein bisschen an Sempé, vielleicht auch wegen der ähnlichen Grundstimmung. Tipp!


-Bat- Note: 2+


Tango de la Mort     Cover
Edition 52 (Originalausgabe)
Preis: €
T: Ulf K.
Z: Ulf K.
Inhalt:
Ein deutscher Indi verlässt die heimatlichen Gefilde und wird zu einem gefeierten Indistar bei den französischen Nachbarn. Damit nicht genug: auch in der Heimat erkennen immer mehr das Talent des Zeichners und die FAZ, eine der größeren Tageszeitungen bietet ein Forum und siehe da, auch beim Komitee des Max-und-Moritz-Preises wird man hellhörig oder besser –sichtig und nominiert Ulf K. gleich zwei Mal! Diese Sammlung von Bildergeschichten war der Auslöser und sie bieten wirklich eine schöne Sammlung für den melancholischen Alltag! Eingeteilt in die Bereiche „sehr persönlich“, „einfach Paris“, „brennende Herzen“, „Sonne, Mond und Sterne“, „von seltsamen Herren“, „Ende mit Schrecken“, und „Geschichten vom Tod“ gibt es einen Reprint der ursprünglich im Selbstverlag, also mit dem Kopierer hergestellten werke, die zeigen, wie schön und traurig man in schwarz-weiß arbeiten kann. Obwohl in vielen Geschichten der Witz dominiert, handelt es sich in keiner einzigen um Sachen wie Spion und Spion oder ähnliche Gag-Cartoons, sondern es sind eher Clownerien, die hier stattfinden. Zum Teil sind die Geschichten wohl autobiograpisch – wie es dann immer so schön heißt – aber was sollen sie denn sonst sein, wenn ein Zeichner nicht fremde Welten oder Überwesen porträtieren möchte, sondern das Leben...

Kritik:
Unbedingt empfehlenswert! Soviel ruhige, traurige und trotzdem schöne Geschichten hat es lange nicht mehr gegeben, da sich heute kaum noch einer Zeit lässt, die kleinen Dinge wirken zu lassen. Obwohl es auch hier um „normale“ Sachen wie das Ende einer Beziehung geht, sind die Details, die hier im Vordergrund stehen, anders. Wenn man bei einem Comic einen Anlesetipp geben könnte, wäre das hier meiner: „Der Clown, den niemand wollte“. Kaufen, genießen und nochmal genießen!


-Bat- Note: 1

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Floralia     Cover
Edition 52 (Originalausgabe)
Preis: €
T: Ulf K.
Z: Ulf K.
Inhalt:
Schon wieder eine märchenhafte Geschichte aus den Händen des mich ein wenig an Sempé erinnernden Ruhrpottlers und wieder dreht sie sich um das Gegensatzpaar, das immer zusammen gehört: Liebe und Tod! Aber es geht nicht – wie heute so oft – um brutalste Gewaltdarstellungen oder die in Hass umschlagende, weil enttäuschte Liebe, überhaupt steht nicht die Gewalt im Vordergrund, sondern sie passiert eben eher beiläufig. Floralia ist ein Comic über die Liebe eines Mannes, der eigentlich nichts richtig ist, zu einer Blume. Diese allerdings wird von einem anderen seiner Liebe geopfert und somit zerstört. Dem tragischen und nun alleine gelassenen Helden bleibt nichts als Trauer und selbst in dieser geht ihm noch etwas „daneben“, so dass es zu einem tödlichen Unfall kommt. Auf der Flucht begegnet er endlich dem einzigen, der ihm helfen kann, dem Tod!...

Kritik:
Zauberhafte Zeichnungen, die mit ihren warmen erdigen Tönen im krassen Gegensatz zu der Bitterkeit der Geschichte stehen. Aber nie verlässt Ulf den Weg, den sein Schaffen von Anfang an beschreitet: Mitgefühl für den Lebenden, klare und feste Moralvorstellungen, die weder spießig noch egoistisch sind, und der versuch, auch bitterste Inhalte noch so darzustellen, dass über die freundliche Darstellung ein Zugang zu allen Seiten gefunden werden kann. Zu recht wurde Ulf für den diesjährigen Max-und-Moritz-Preis gleich zwei mal nominiert: als bester deutschsprachiger Künstler und für die beste deutschsprachige Eigenproduktion! Nicht nur für Romantiker ein Muss!


-Bat- Note: 1


Floralia-Skizzenbuch     Cover
Edition 52 (Originalausgabe)
Preis: €
T: Ulf K.
Z: Ulf K.
Inhalt:
Für die absoluten Fans gibt es eine Herzensgabe: 500 nummerierte und signierte Exemplare eines kleinformatigen 20-seitigen Büchleins mit Skizzen und Zirkus-Plakaten zu bzw. aus Floralia.

Kritik:
Für die Fans ein Must-Have, für alle anderen eine nette Spielerei, die einen kleinen, natürlich ausgewählten Einblick in das Arbeitsleben von Ulf K. gewährt. Wohl das Geschenk für den am deutschen (erfolgreichen) Autorencomic Interessierten!


-Bat- Note: 1

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Frass     Cover
Edition 52 (Originalausgabe)
Preis: €
T: Uli Oesterle
Z: Uli Oesterle
Inhalt:
Serafin Brute II. ist Feinschmecker. Nicht von Berufs wegen, sondern aus seinem Lebensgefühl heraus. Glücklicherweise ist der Mann so reich, dass er sich nicht nur leisten kann, sein Leben in den Fresstempeln dieser Welt zu verbringen, er kann es sich auch noch leisten, das gleiche Vergnügen seinem Hund Bunuel und bezahlten schönen Frauen zu gönnen. Dafür nimmt der Gaumen Gottes auch einiges an Verachtung in Kauf. Seine drei Mägen wollen schließlich versorgt sein... Eines Tages ereilt ihn jedoch ein schrecklicher Schicksalsschlag: Sein Geschmackssinn ist tot. Das schönste Sushi, der schrecklichste Burger und selbst sein geliebter Hund, alles schmeckt gleich – nach nichts! Wird der König der Gourmets geheilt werden können?

Kritik:
Eine Story, die in ihrer Konsequenz an Filme wie das große Fressen erinnert. Zum Glück ist ein Comic einfach nicht so widerlich wie ein Film (oder muss es zumindest nicht sein!) . Wieder ist es der Edition 52 gelungen, ein unübliches Format mit unüblicher Technik herauszubringen, dass zwar nicht zu den absoluten Perlen der deutschen Comic-Literatur gehört, (anders als der Vorgänger!), das aber in jede ernsthafte Sammlung deutscher Comics gehört. Oesterles Stil ist dem Holzschnitt angenähert, er spielt mit dunklen Schatten und groben Konturen, die gut zu dem makabren Inhalt passen. Nichts an Frass ist nett, aber auch nichts richtig eklig! Geheimtipp!


-Bat- Note: 3+

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Kosmonaut Laika     Cover
Elinguis! 1
Edition 52 (Originalausgabe)
Preis: €
T: Laska Comix
Z: Laska Comix
Inhalt:
Die neueste Reihe der Edition 52 startet gleich mit einem Paukenschlag, denn die Laskas haben sich überreden lassen, etwas außerhalb ihres eigenen Labels zu machen! Den älteren unter euch dürfte Kosmonaut Laika noch ein Begriff sein, denn sie war eine Heldin. Nie zuvor war ein Hund so weit weg von der Erde gewesen. Genau diese Entfernung/Entfremdung wird hier thematisiert und in einer zunächst beruhigenden Eintönigkeit beschrieben. Doch dann versagt leider die Technik und Laika findet sich allein im Weltraum wieder bis ..., ja bis sie Besuch bekommt und wie im Kino einen echten SF-Streifen mit außerirdischen genießen darf. Schade nur, dass der Film nicht ewig gehen kann...

Kritik:
Nicht nur von der Story her ein echtes Schmankerl!!! Auch die graphische Umsetzung der vielen kleinen Ideen und Feinheiten ist ausnehmend gut gelungen. Auch das Seitenlayout stimmt bis ins Letzte, da die Größe der Panels den äußeren Ereignissen optimal angepasst ist. Schade nur, dass die Geschichte so kurz (und damit so schnell vorbei) ist. Tipp!


-Bat- Note: 1

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