Auguria 1

Auguria 1: Ecce Signum

Story: Peter Nuyten
Zeichnungen: 
Peter Nuyten

Originaltitel: Auguria 1: Ecce Signum

Splitter Verlag

Hardcover Überformat | 80 Seiten | Farbe | 18,80 € |

ISBN: 978-3-96219-192-4

Cover Auguria 1

Zwei klassische Themen des europäischen Comics erleben seit einigen Jahren ein unerwartetes Comeback: Neben dem Western gibt es auch immer mehr neue „Sandalen-Comics“. Der Niederländer Peter Nuyten ist in beiden zuhause. Nach dem dreibändigen Western Apache Junction erscheint nun mit Auguria 1 seine Interpretation der germanischen Aufstände gegen das alte Rom. Der Splitter-Verlag bietet beiden Szenarien eine Heimstatt in guter Gesellschaft.

Wir schreiben das Jahr 69 nach Christus. Der Imperator und Kaiser Nero ist seit etwas über einem Jahr verstorben und die Nachfolge ist umstritten. Verschiedenste Feldherren haben ihre militärische Macht benutzt um sich zu Caesaren ausrufen zu lassen und die Machtverhältnisse verschieben sich ständig. Intrigen und politische Ränkespiele nehmen ihren Lauf und die dem Römischen Reich eingegliederten fremdländischen Stämme werden einerseits wie Schachfiguren benutzt, erkennen andererseits aber auch Möglichkeiten, sich von dem Römischen Joch zu befreien.

Detail Auguria 1 page 34

Peter Nuytens Geschichte setzt genau hier an und erzählt von dem Versuch Vespasians, die germanischen Batavier als Hilfstruppen in seinem Kampf gegen Aulus Vitelius um die Kaiserkrone einzusetzen. Er benutzt einen erfolglosen militärischen Unterführer der Kämpfe in Judäa um den Anführer der Rheintruppen zu einer Rebellion anzustiften.

In einem zweiten parallelen Handlungsstrang geht es eher mythologisch zu. Die Prophetin Veleda hat in einer Vision die Zukunft gesehen; sie ist allerdings nicht unbedingt kompatibel zu den Vorstellungen des Wannabe-Kaisers. Dazu kommen dann noch ein paar Akteure, die einfach nur überleben wollen… Die Verquickung der unterschiedlichen Eben gelingt Nuyten sehr gut.

Detail Auguria 1 page 72

Netterweise wird der Comic durch ein paar ausführliche Hintergrundinformationen zur Geschichte der Bataver und des Zustandes des Römischen Reiches in der Nachfolge Neros ergänzt. Sicherlich gibt es den einen oder die andere Geschichtsleistungskursabsolvent*in mit eben diesem Spezialwissen. Den meisten dürfte es aber wie mir gehen: Dankbar werden diese Einordnungen gelesen, die quasi nebenbei ein wenig Spezialwissen etwa für Trivial Pursuit vermitteln. Wie auch zum Beispiel bei Murena werden dabei Begriffe erläutert. Dazu kommt aber auch ein grafisch brillant aufbereiteter Text der einen schwermütig an die Textwüste der Schulbuchlektüre zurückdenken lässt. Viele Schulbücher könnten sich hier Anregungen holen…

Die Zeichnungen von Peter Nuyten sind handwerklich absolut in Ordnung. Gesichter und historische Dekors gelingen ausgesprochen gut und sind auf hohem Niveau. Der Detailreichtum der Zeichnungen lässt keine Wünsche übrig.

Detail Auguria 1 page 8

Einige der Seiten kommen sogar ohne Worte aus und vermitteln einen guten Einblick der germanischen Landschaft, die vielen Römern so geheimnisvoll, unwirtlich und unverständlich erschienen sein muss. Auch Schlachten werden dargestellt, ohne allerdings dabei Selbstzweck wie etwa bei Millers 300 zu sein. Der absolute Wow-Effekt stellt sich aber nicht ein. Liegt es daran, dass Nuyten oft zuviel Text integriert? Daran, dass die Seitenaufteilung dann doch zu klassisch ist?

Fazit: Für Fans von Historiencomics sicherlich ein Must-Have! Für alle anderen (nur) eine gute und lohnenswerte Anschaffung; handwerkliche Meisterleistung, spannende Geschichte, viel Hintergrundmaterial in gewohnter Super-Splitter-Qualität!

Dazu passen lauwarmer Met und plattdeutsche oder friesische Gesänge. Ich empfehle dazu die frühen Laway.

© der Abbildungen 2019 Splitter Verlag

ZACK 237

ZACK 237 (März 2019)

Herausgeber: Klaus D. Schleiter

Chefredaktion: Georg F. W. Tempel
Verlag MOSAIK Steinchen für Steinchen Verlag
Heft Din A 4 | 84 Seiten | Farbe | 7,90 €
ISSN: 1438-2792

cover ZACK 237

Schon wieder ist ein Monat vergangen und das ZACK 237 liegt pünktlich im Briefkasten…

Dieses Mal beschert es uns als Serienstart eine neue Geschichte um Lisbeth Salander als eigenständige Fortführung der ursprünglichen Trilogie von Stieg Larsson. Milennium Saga: Versuchung von Sylvain Runberg steht neben den von David Lagercrantz fortgesetzten Romanen und bringt schon auf den ersten Seiten typische Elemente dieser Reihe auf die Zeichenblätter. Lisbeth wird in eine Schlägerei verwickelt und muss erkennen, dass Geheimdienste dahinterstecken; Blomquist legt sich mit Rechten an und dem Magazin geht es mal wieder schlecht. Runberg hatte bereits die Originalromane als Comic aufbereitet und darf jetzt ohne Vorlage in einer dreibändigen Reihe seine neue Version erzählen. Die Umsetzung erfolgt durch Belén Ortega die bisher eher im Manga zu Hause war. Kraftvolle Action wechselt sich mit ruhigen Momentaufnahme ab. Die Serie scheint eine tolle Bereicherung des Portfolios zu werden und wird von Georg F. W. Tempel auch sehr enthusiastisch angekündigt.

ZACK 237 page 10

Sauvage geht in den dritten Teil und bestätigt die Kritik der letzten Besprechung. Tolle Ansätze, gute Bildaufteilung aber die Kolorierung ist Geschmackssache.

Mortensens Abenteuer dagegen halten, was der Auftakt in der letzten Nummer versprochen hatte. Der Däne Lars Jacobsen lässt seinen Zeitreisenden verzweifeln als ihm die einzige Möglichkeit, seine eigene Zeit wieder zu erreichen, genommen wird. Ohne Zeitpistole wäre er verloren und dann wird er auch noch eingekerkert. Plötzlich scheint sich aber eine neue Möglichkeit zu ergeben, denn er bekommt unerwartete Hilfe. Spannung, abwechslungsreiches Seitenlayout und viele Perspektivenwechsel – mehr braucht ein guter Comic nicht.

ZACK 237 page 43

Empire USA 2.1 bringt weitere Hintergrundinformationen über die handelnden Personen und ihre Beziehungen untereinander. Da dieses der erste Band der neuen Staffel ist, wird dem Setting naturgemäß etwas mehr Raum gegeben. Das schadet allerdings nicht, denn durch die Vielschichtigkeit der einzelnen Handlungsstränge im Szenario von Desberg und die Abwechslungen im Artwork von Reculé bleiben genügend Spannung und Tempo erhalten.

Ein weiteres Highlight ist Tizombi, eine Reihe von One-Pagern von Cazenove und Maury. Mit einem sehr netten schwarzen Humor versehen, verzaubern die kurzen Geschichten um ein Goth-Girl und ihre untoten Freunde den Alltag. Dabei stehen existentialistische Fragestellungen gleichberechtigt neben den charakterlichen Auswirkungen von Fähigkeiten der verzehrten Nahrung auf unterbelichtete Zombies.

Verabschieden müssen wir dagegen Jack Cool; Manini und Mangin ziehen noch einmal alle Register um die Geschichte mit dem Privatdetektiv Jack Cool, dem Aussteiger Jesus-Grau und der Familie Mansfield zu einem – wirklich unerwarteten – Ende zu bringen.  Um es zu gestehen: Der Anfang des ersten Teils hat mich nicht vom Hocker gerissen. Im Laufe der Zeit haben mich aber sowohl die Story als auch die teilweise sehr experimentellen, teilweise klassischen Zeichnungen mitgerissen. Sicherlich ein Highlight unter den Perlen, die das ZACK immer mal wieder entdeckt!

ZACK 237 page 70

Der Magazinteil dieser Ausgabe widmet sich einerseits dem italienischen Zeichner Serpieri und seiner bei Schreiber & Leser erschienenen Collection, andererseits gibt es das erste der angekündigten fünf Interviews zur Geschichte des ZACK. Den Anfang macht Klaus Schleiter, der Gründer des MOSAIK Steinchen für Steinchen Verlages. Ursprünglich mit seiner Werbeagentur für den alten DDR-Verlag nach der Wende tätig, nahm er eine Treuhand-Entscheidung zum Anlass, auch als Verleger für das MOSAIK tätig zu sein. Später kam dann mit dem ZACK noch ein weiteres klassisches Magazin – dieses Mal allerdings mit West-Geschichte – dazu.

Dazu passen frisch gepresster Orangensaft für den Vitaminhaushalt und Musik aus Schweden: Hoffmaestro.

Abbildungen © 2019 MOSAIK Steinchen für Steinchen Verlag und den jeweiligen Zeichnern und Verlagen

Ernst Kahl Ausstellung im Museum Caricatura Frankfurt

Ernst Kahl – Vergessene Katastrophen

Wann: 07. Februar bis 12. Mai 2019

Wo: Caricatura Museum Frankfurt – Museum für komische Kunst,

Weckmarkt 17, 60311 Frankfurt am Main

Eintritt: 6 €, ermäßigt 3€

Plakat Ausstellung Ernst Kahl 2019

Der Künstler

Seit dem 7. Februar und noch bis zum 12. Mai zeigt das Museum für komische Kunst – Caricatura eine Werkschau zum 70. Geburtstag von Ernst Kahl. Der Schleswig-Holsteiner hat ein wechselhaftes Leben hinter sich. Zwei abgebrochene Ausbildungen und ein nicht beendetes Studium an der Hochschule für bildende Künste in Hamburg haben aber nicht geschadet, denn er ist einer der bekanntesten Deutschen Karikaturisten mit einem nicht immer unfrivolen Blick auf Deutsche Geschichte im Allgemeinen und Alltagsbegebenheiten im Besonderen.

Kahls Wirken beschränkt sich nicht auf eine Kunstart; er ist Maler, Zeichner, Installationskünstler, Schriftsteller, Musiker, Filmemacher und Drehbuchautor. Nicht einfach, dem in einer Ausstellung gerecht zu werden, zumal die meisten Deutschen eines seiner Werke kennen werden: Der Kassenschlager Werner – Beinhart entstand nach seinem Drehbuch und auch mit Detlev Buck hat er zusammengearbeitet. Die Ausstellung konzentriert sich aber auf andere Dinge.

Ausstellung Ernst Kahl 2019

Die Ausstellung zeigt aber nicht nur eine unglaubliche Anzahl an Originalen, sondern bietet auch ein paar Songbeispiele seines musikalischen Werkes, Installationen und steinzeitliche Fundstücke aus dem hohen Norden. Das Ganze ist in einem tollen Ambiente angerichtet, das alleine schon einen Besuch wert wäre. Die Werke Kahls nehmen das Erdgeschoß und den ersten Stock ein, die Dauerausstellung über die „Neue Frankfurter Schule“ im zweiten Stock rundet den Museumsbesuch ab. Empfehlenswert ist es, zumindest bei guten Wetter noch ein weiteres Stockwerk zu erklimmen und inmitten von Titanic-Covern einen Kaffee zu genießen und dazu noch einen Blick über Frankfurt vom Balkon aus einzuschieben.

Pausenraum Caricatura

Ernst Kahl hat mehrere Hauptthemen auf die er immer wieder zurückkommt. Neben der Spießigkeit des Deutschen Bürgertums und seinem nicht immer souveränen Umgang mit der Deutschen Vergangenheit (Kolonialzeit, Drittes Reich) verarbeitet er seine Reiseeindrücke in Bildern. So finden sich Eindrücke aus Tanger neben solchen aus Kuba und erlauben manchmal einen etwas anderen Blickwinkel. Dabei ist Kahl weder ein linientreuer Linker noch ein Vertreter der Mehrheit.

Es finden sich aber auch seine Arbeiten für die taz Hamburg und für die konkret die seine politischen Sympathien dann doch deutlich erkennen lassen. Über allem steht aber immer seine Lust am Absurden!

Bild Pop-Corn (c) Ernst Kahl
Pop-Corn_(c) Ernst Kahl

Ein weiteres häufiges Thema seiner Arbeiten sind mit sexuellen Anspielungen gespickte Momentaufnahmen und bildliche Darstellungen von Redensarten oder alltägliche Worte. Beispiele dafür sind etwa berühmten „dicksten Kartoffeln“ oder „Bienenstich“ oder „Jagdwurst“. Entsprechende Umsetzungen kennt man natürlich auch von anderen, etwa Ruthe oder Schwarwel, Kahls Interpretationen haben aber einen eigenen Ansatz.

Nicht vergessen sollte auch seine kontroverse documenta-Installation der „für die Rettung des tropischen Regenwaldes fastenden Pflanzen“. Sie führte zu der Erkenntnis, dass in Deutschland zwar Kinder geschlagen werden können, der deutsche Gummibaum aber eines besseren Schutzes bedürfe. Die Ausstellung zeigt dazu eines der vertrockneten und abgestorbenen Originalblätter!

Text zur Ausstellung Ernst Kahl 2019

Wer einen ungefährlichen Museumsbesuch absolvieren möchte, der keine Fragen stellt und schöne Motive präsentiert, sollte seine Planung ohne einen Museumsbesuch im caricatura machen. Wer es aber verkraftet, seine Vorurteile zu hinterfragen, und es abkann, dass das Lachen auch mal im Halse stecken bleibt, dem sei ein Besuch wärmstens angeraten.

Und sonst?

Das Museum für komische Kunst existiert übrigens seit 2008 und befindet sich im alten Leinwandhaus, das 1892 das erste eigene Gebäude des Historischen Museums gewesen war. Es ist direkt zwischen Dom und Rhein gelegen und in fußläufiger Entfernung zu einigen Parkhäusern und besitzt ca. 7000 Originale der Neuen Frankfurter Schule sowie weitere 3500 Zeichnungen anderer Karikaturisten.

Dauerausstellung NFS caricatura

Die Öffnungszeiten sind nicht direkt an der etwas unscheinbaren Eingangstür angebracht, so dass sich teilweise verwunderte Besucher in spe fragen, ob sie denn wohl richtig seien. Haben sie die Ausstellung erst einmal betreten, verschwinden Alltagsmissmut und Verwunderung aber schnell aus den Gesichtern. Sie werden ersetzt durch alle Schattierungen von Schmunzeln bis lautem Gelächter. Das freundliche Personal tut ein Übriges um den Besuch zu einem entspannten Genuss zu machen!

Die Ausstellung für „zu Hause“:

Cover Ausstellungskatalog
(c) Verlag Antje Kunstmann 2019

Der Katalog zur Ausstellung ist im Verlag Antje Kunstmann erschienen (ISBN 978-3-95614-311-3 | 192 Seiten | 25 €) und bietet neben dem Abdruck der ausgestellten Werke auch noch ein paar Anmerkungen über Kahls Beiträge zu verschiedenen Kasseler Caricaturas bzw. documentas von Herausgeber und Kurator Achim Frenz. Als Hardcover ausgestaltet und auf gutem Papier bietet der Band die beste Möglichkeit, die Eindrücke der Ausstellung zu Hause nachvollziehen zu können.

Ein Manko haben die Ausstellung und der Katalog allerdings: Fast alle Texte sind nur auf Deutsch angebracht. Natürlich ist es so, dass die Werke deutsche Titel haben. Da der Witz sich aber oft nur im Zusammenspiel aus Text und Bild erschließt wäre eine Übersetzung ins Englische hilfreich.

Dazu passen Frankfurter Äppelwoi und natürlich Songs von Ernst Kahl, etwa Ponyhof oder der Pudelsong.

© aller Abbildungen wie angegeben

© Fotos Sven Krantz-Knutzen 2019 mit freundlicher Genehmigung des caricatura – Museum für komische Kunst

Moebius-Ausstellung in Brühl

MŒBIUS
15.9.2019 – 16.2.2020
Max Ernst Museum Brühl des LVR

UPDATE: Hier geht es zu der Besprechung der Ausstellung

Das Max Ernst Museum Brühl des LVR zeigt eine Ausstellung mit visionären Bildwelten des bedeutenden französischen Comiczeichners und Szenaristen Jean Giraud (1938-2012), der unter dem Namen »Mœbius« international bekannt geworden ist. Mœbius erforschte die Sphären der Träume und der Science-Fiction. Mit seiner immensen Imaginationskraft schuf er in präziser Strichführung surreale Welten im ständigen Fluss. In seinen Geschichten treffen utopische Architekturen und futuristische, menschenüberfüllte Megametropolen auf Wüstenlandschaften und schamanistische Reisen durch Raum und Zeit.

Bei Mœbius verschwimmen die Genregrenzen zwischen Comicstrip und Kunst. Seine fantastischen Erzählungen werden für den Betrachter dabei zur Seelenreise in das Ich des großen Meisters der Linie und damit in unbekannte Bereiche der Fantasie, die überraschend detailgenau und suggestiv Form annehmen.

Die Ausstellung widmet sich dem umfangreichen Werk von Mœbius und seinen komplexen Bildgeschichten: Ausgehend von seinen Notizbüchern (»Carnets«), in denen er grundlegende Ideen seiner Bildproduktion konzentriert hat, über skizzenhafte Zeichnungen, szenisch gegliederte Comicfolgen, abstrakte Gemälde bis hin zu populären Druckgrafiken wird das Spektrum seiner faszinierenden Zeichenkunst ausgebreitet.

In Zusammenarbeit mit Moebius Production

Abb.: Arzak le rocher, 1995, Gouache und Acryl auf Papier © 2019 Moebius Production

Robbedoes special 3

Robbedoes special 3 – De Wolfman

Story:  Marc Legendre
Zeichnungen: 
Charel Cambré

Dupuis
Softcover | 48 Seiten | Farbe | 7,50 €
ISBN:
978-90-314-3648-4

Cover Robbedoes special 3

Im mittlerweile dreieinhalbten niederländischen Abenteuer müssen Robbedoes/Spirou und Kwabbernoot/Fantasio mal wieder eine Reportage schreiben. Sie sind vom touristischen Dienst eingeladen um eine Oase der Natur namens Machin, in der außer Luchsen, Füchsen, Waschbären und Hirschen nichts den Wanderer ablenkt, in einem Artikel festzuhalten und natürlich zu lobpreisen. Sehr zum Ärger Fantasios sind sie allerdings nicht die einzigen, denn auch Izerlijm/Stefanie hat den gleichen Auftrag. Ihre Herberge ist gerade im Begriff, den ursprünglichen Bezug des Namens von Wolf in Wichtel zu ändern. Der Grund für diesen Wechsel ist der Plan eines reichen amerikanischen Inverstors der eben dort in Machin einen Freizeitpark errichten möchte.

Während Robbedoes und Izerlijm diesen Wechsel bedauern und die Kommerzialisierung hinterfragen, versucht Kwabbernoot wie so oft einzig Izerlijm auszustechen und alles andere auszublenden. Da er ein altes Wolfskostüm findet, schmiedet er den Plan, sich als Wolf zu verkleiden und hofft, dass Robbedoes ein Foto des Wolfes schießen wird. Mit diesem glaubt er, den internen Wettkampf um die beste Reportage gewinnen zu können.

Robbedoes special 3 page 1

Natürlich ist der amerikanische Investor Mr. Richinuff nicht nur zwielichtig, sondern ein Schurke, wie er im Buche steht. Schnell wird klar, dass hinter seinen Plänen für einen Freizeitpark mit einem künstlich angelegten, geflutetem See etwas ganz anders steckt. Die wirkliche Entdeckung seiner finsteren Pläne gleicht einem Krimi.

Begleitet wird das Ganze von einer Reihe von Slapstickeinlagen Kwabbernoots und witzigen Gags von Spip/Pips, die den Comic eher für ein jugendliches Publikum klassifizieren.

Die beiden Künstler, die mit den mittlerweile neun Bänden um Amoras im modernisierten Suske und Wiske-Kosmos bewiesen haben, dass sie mit der eher härteren Gangart vorzüglich umgehen können, lassen hier ihrer Liebe zu dem klassischen Slapstick freien Lauf. Eingebettet in das Spirouuniversum wissen sie um die Konstanten der handelnden Personen. Marc Legendre fügt aber neue Nuancen hinzu und reiht einerseits Gags aneinander, liefert andererseits aber auch einen klassischen Krimiplot ab.

Zeichnerisch darf der/die Leser*in hier keine Innovationen erwarten. Das ganze Abenteuer ist aber von Charel Cambré auf hohem Funny-Niveau gezeichnet und bietet ruhige, die Natur abbildende Szenen genauso wie actionbetonte schnelle Schnitte. Grundsätzlich bestehen die Seiten aus vier Reihen wobei teilweise zwei zu einer kombiniert werden.

Robbedoes special 3 page 22

Die Special-Reihe liefert alles, was man von einer klassischen Spirou/Robbedoes-Geschichte erwartet und könnte problemlos in die „offizielle“ Serie integriert werden. Diese scheint allerdings vom (französischsprachigen) Magazin Spirou und auf Deutsch bei Carlsen herausgegebenen Reihe eingestellt worden zu sein. Wer das bedauert und nach Fortsetzungen sucht, sollte nicht zögern, zu diesen Bänden zu greifen.

Wer mag, darf sich auf die Suche nach Zitaten anderer Comics begeben: Eine ganze Reihe klassischer frankobelgischer und niederländischer Figuren geben sich hier ein Stelldichein.

Dazu passen Kräuterlimonade und meine holländische Lieblingsband: Mr. Review.

© der Abbildungen 2018 Dupuis

Chinaman – Klassiker des Monats Februar

Chinaman – Serie in 9 Bänden

Text: Serge Le Tendre

Zeichnungen: Olivier TaDuc

NL: Dupuis

DE: teilweise bei Splitter Verlag (alt), Salleck Publications, ZACK (Mosaik)

Cover Chinaman 3

Chinaman ist eine klassische Westernserie von dem Szenaristen Serge Le Tendre und dem Zeichner Olivier TaDuc. Beide kommen aus Frankreich und haben sich für diese Reihe von der Fernsehserie „Kung Fu“ inspirieren lassen. Ihr Held, John Chinaman, ist zwar ebenfalls als Chinese in den USA mit der fremden Kultur konfrontiert und setzt asiatische Kampftechniken ein, er ist allerdings – zumindest anfangs – noch sehr beeinflusst von den chinesischen Triaden und damit nicht so eindeutig „gut“ wie Caine. Insgesamt sind zwischen 1997 und 2007 im französischen Original neun Teile erschienen.

Die deutsche Veröffentlichungsgeschichte ist leider lückenhaft: Neben zwei Bänden im „alten“ Splitter-Verlag und zwei weiteren bei Salleck Publications sind drei Abenteuer in den Anfangsjahren des „neuen“ ZACK in Fortsetzungen erschienen. Alle 4 Softcover sind noch erhältlich. Für eine Komplettveröffentlichung wäre daher Finix wohl der einzige Weg.

In den Niederlanden hat die Serie dagegen mehr Anklang gefunden: Alle Bände sind bei Dupuis teilweise sogar mehrfach erschienen und sind noch lieferbar.

Cover Chinaman 7

Der größte Erfolg von Le Tendre ist sicherlich die Reihe Auf der Suche nach dem Vogel der Zeit, einer der ersten großen Fantasy-Reihen des modernen Autorencomics und gezeichnet von Régis Loisel. Mittlerweile ist auch eine zweite Staffel erschienen. Der Autor hatte seine Comic-Karriere eigentlich als Zeichner beginnen wollen. Pierre Christin konnte ihn allerdings nach dem Abschluss eines Zeichenseminars überzeugen, doch lieber seine Stärken als Szenarist auszuleben. Weitere von ihm verfasste Szenarien mit verschiedenen Zeichnern sind ebenfalls auf Deutsch erhältlich: Tai Dor, oder Jackie Kottwitz seinen als Beispiele genannt. Auch hier gilt, dass auf Niederländisch erheblich mehr Werke vorliegen!

Die Serie Chinaman verfolgt einen reizvollen Ansatz inmitten all der Westernserien. Sie ist keinesfalls dem Genre „Neowestern“ zuzuschreiben, thematisiert aber neben den traditionellen Themen des Einzelkämpfers, der unwirtlichen Natur und der schweren Aufbauarbeit in teils gesetzlosen Umgebungen auch den alltäglichen Rassismus der Schmelztiegelnation und beleuchtet das Leben der eingewanderten Chinesen. Sie ist daher auch mehr als 20 Jahre nach Erscheinen des ersten Bandes definitiv lesenswert!

Chinaman 4 page 13

Inhalt:

John Chinaman ist der neue Name den sich Chen Long Anh in der neuen Welt gegeben hat. Der Western spielt in den fünfziger Jahren des 19. Jahrhunderts als viele Chinesen aus unterschiedlichsten Gründen ihre alte Heimat verlassen haben um in Amerika ihr Glück zu finden. Für die meisten bedeutete das schwere Arbeit bei geringem Lohn, fehlende gesellschaftliche Akzeptanz und Gehorsam gegenüber den Regeln der Triaden. Obwohl Chen als ausgebildeter Kämpfer der Triaden nach Amerika kommt verweigert er bereits im ersten Band den Gehorsam und muss sich gegen seinen Förderer durchsetzen.

Er muss daher fliehen und beginnt seine Reisen durch den amerikanischen Kontinent, die ihn zunächst nach Oregon führen. Neben den Härten der Wildnis und des Rassismus wird er aber immer noch von seinen alten Mitstreitern verfolgt.

Auch der dritte Band zeigt John im Konflikt mit seiner Umwelt. Er versucht, ein Mädchen zu beschützen, und wird fälschlicherweise der Entführung derselben beschuldigt. Alltäglicher Rassismus und Ablehnung aller nicht Einheimischen sind ein klassisches Westernthema.

Auch der Konflikt zwischen irischen und chinesischen Arbeitern beim Bau der großen Eisenbahnlinien ist ein altbekanntes Motiv unzähliger Erzählungen in Film oder Comic. Und wieder gerät John zwischen die Fronten.

Immer wieder wird John Chinaman daran gehindert, sein Glück und Ruhe zu finden. Einerseits jagen ihn Desperados und Mitglieder der Triaden, die auf seine Spur gekommen sind, andererseits kann er es auch nicht lassen, üble Dinge geschehen zu lassen und legt sich beispielsweise mit einem Zuhälter an.

cover ZACK 48

Immer wieder wird in der Serie das Thema der Ablehnung alles Andersartigen variiert und so verwundert es auch nicht, dass eine ganze Stadtbevölkerung sich gegen die zuziehenden Chinesen wehren will. Wie immer gibt es hier aber nicht nur schwarz und weiß so dass die Konfliktlinien quer durch alle Schichten laufen.

Dem folgen noch eine „Road-Movie“ Geschichte und ein Abenteuer um den letzten Mitwisser über das Versteck einer Beute. Beide Bände haben eine spezielle Note durch das Mitwirken von John, könnten so ähnlich aber auch in anderen Settings funktionieren.

Grafik:

Der 1962 geborene Olivier TaDuc ist Franzose mit einem vietnamesischen Hintergrund, der auf für die Zeichnungen etwa bei XIII Mystery, Takuan oder Stille Rebellionen verantwortlich ist. Seine Zeichnungen sind detailreich und zeigen von einem gewissenhaften Quellenstudium. Seine Ansichten der alten Chinatown sind genauso kunstfertig und genau wie die Darstellung eines Segelschiffes, der Landschaft oder der Einflüsse chinesischer Kampftechniken auf die Körperhaltung des Helden. Im Laufe der Bände werden die Zeichnungen etwas grobflächiger und detailärmer und wirken dadurch etwas weniger realistisch.

Chinaman 1 page 13

Der Aufbau der Seiten folgt generell dem klassischen vierzeiligen Muster; die Höhen der Zeilen sind aber nicht statisch und variieren häufig. Auch sind einzelne Panele über mehrere Zeilen gestreckt und nehmen häufig die gesamte Breite der Seite ein. Es ist also genügend Abwechslung vorhanden. TaDuc beherrscht dabei sowohl die ruhige Sequenz als auch die vom Film übernommenen schnellen Schnitte mit ständigem Perspektivenwechsel, wenn die Action es erfordert.

Details:

1 De berg van goud Dupuis Die Goldberge Splitter c/o Salleck Publications
2 Met gelijke wapens Dupuis Mit gleichen Waffen Splitter c/o Salleck Publications
3 Voor Rose Dupuis Für Rose Salleck Publications
4 De roestvreters Dupuis Die Rostfresser Salleck Publications
5 Tussen twee oevers Dupuis Zwischen zwei Ufern ZACK 48 – 51
6 Bloedbroeders Dupuis    
7 Confrontatie in Blue Hill Dupuis Zweikämpfe in Blue Hill ZACK 63 – 66
8 De gehangenen Dupuis Die Gehängten ZACK 101 – 104
9 Tucano Dupuis    

Dazu passen chinesischer Grüntee und starker Kaffee sowie Country der etwas anderen Art, etwa von 16 Horsepower.

© der Abbildungen der niederländischsprachigen Version 2019 Dupuis

© der Abbildungen der deutschsprachigen Version 2005 Salleck Publications

© der Abbildungen ZACK-Cover 2003 Mosaik Steinchen für Steinchen Verlag

Batman – Die Vorgeschichte zur Hochzeit

Batman Sonderband – Die Vorgeschichte zur Hochzeit

Story: Tim Seeley
Zeichnungen: 
Brad Walker, Minkyu Jung, Javier Fernandez u. a.

Originaltitel: Batman: Prelude to the Wedding 1-5  (2018)

Panini Comics
Prestige | 132 Seiten | Farbe | 15,99 €
ISBN: 
978-3-7416-1145-2

cover Batman - Vorgeschichte zur Hochzeit

Hochzeiten werfen ihren Schatten voraus, insbesondere natürlich königliche! Neben den realen Hochzeiten gibt es momentan aber eine, die fast ebenso viel Aufmerksamkeit bekommen möchte: Die des Dunklen Ritters mit der Königin der Diebe – Batman und Catwoman. Aus offensichtlichen Gründen können sie nicht als Bruce Wayne und Selina Kyle heiraten. Selbstverständlich kennen aber einige Vertraute die geheimen Identitäten und so ist alles nicht ganz so einfach. Wenn dazu noch Ängste, Wünsche, Kontrollwahn und Superschurken kommen, mit anderen Worten, der Alltag in Gotham, dann haben alle ein wenig zu tun.

In den USA gibt es – wie immer bei Großereignissen – eine ganze Reihe von One-Shots, die Figuren, die weniger im Rampenlicht stehen, Raum zur Entfaltung geben und natürlich zusätzliche Verkäufe generieren sollen. Üblicherweise stehen bei solchen Events Neudefinitionen des ganzen Kosmos an, die alles „Neu“, spannender und wieder zugänglicher machen sollen oder aber eine ganze Riege altgedienter Recken durch neue Charaktere ersetzen. Der Markt der Comic-Leser*innen wird dadurch aber nicht größer und viele der Getreuen sind einfach nur genervt (aus mehr oder weniger akzeptablen Gründen) und kehren den Serien den Rücken. Bei den Batman-getriebenen Events geht es dagegen häufig nicht um einen Neustart, sondern um systemimmanente Veränderungen. In Deutschland sind diese Ergänzungshefte meistens in Form von Paperbacks erschienen, die es den Leser*innen ermöglichen, dem Spannungsbogen zu folgen, die Händler*innen aber mit kalkuliertem Risiko schützen.

Detail aus Batman - Vorgeschichte zur Hochzeit

Bruce und Selina haben sich in ihren Alter Egos schon seit Jahrzenten immer wieder romantisch angenähert und wieder entzweit. Teilweise war aus der Diebin schon eine Kämpferin für das Gute geworden doch ganz hat die Katze das Mausen nie lassen wollen. Nun also endlich der nächste Schritt.

Die hier gesammelten Hefte bieten durchaus spannende Einblicke aus ungewohnten Perspektiven. War der Joker schon im Lego-Movie arg enttäuscht, dass Batman ihn nicht als Lieblingsfeind bezeichnen wollte, wird hier seine emotionale Anspannung im Warten auf eine Einladung zur Hochzeit noch einmal größer. Er bleibt seinem psychopathischen Muster dabei allerdings sehr treu.

Auch der Kontrollwahn Batmans wird nett herausgearbeitet, wenn Nightwing mit der Überwachung des Mädelsabends vor der Hochzeit betraut wird. Es sei allerdings die Frage erlaubt, ob das einen guten Start in die Ehe verspricht… Und auch das Patchwork-Familien-Thema wird angesprochen, wenn Damian Selina fragt, ob sie mit Bruce Kinder haben möchte.

Detail aus Batman - Vorgeschichte zur Hochzeit

Einen kleinen Höhepunkt stellt für mich die Kostümparty im Bat Burger dar, die es Clark Kent, Dick Grayson und Bruce Wayne ermöglichen soll, unerkannt den Junggesellenabschied zu feiern. Allerdings haben die Drei ihre Pläne ohne Hush gemacht, der unbeabsichtigt verlorene Seelen ins Spiel bringt.

Ebenfalls basierend auf einer witzigen Idee ist die Episode zwischen Harley Quinn und dem Joker, die die gegenseitige Beziehung inklusive dem Neid aufeinander gelungen darstellt.

Detail aus Batman - Vorgeschichte zur Hochzeit

Das Paperback bietet altbekannten Gegenspielern Raum zur Entfaltung und trägt zu deren Entwicklung bei. Natürlich werden alle Originalcover mit abgedruckt. Graphisch bewegen sich die Geschichten aber eher im Altbekannten und liefern zwar solide Kost, stechen jedoch nicht heraus. Wer abseits der Pfade Neues entdecken will, ist hier falsch. Aber ist nicht gerade eine Hochzeit ein Anlass, das Bekannte zu genießen?

Der Sonderband mündet direkt in die Batman Ausgaben 25 und 26, die im April erscheinen werden.

Dazu passen White Wedding von Billy Idol und ein Cocktail mit viel Angostura.

© der Abbildungen 2018, 2019 DC Comics, c/o Panini Verlag

ZACK 236

ZACK 236 (Februar 2019)

Herausgeber: Klaus D. Schleiter

Chefredaktion: Georg F. W. Tempel
Verlag MOSAIK Steinchen für Steinchen Verlag
Heft Din A 4 | 84 Seiten | Farbe | 7,90 €
ISSN: 1438-2792

Cover ZACK 236

In diesem Heft startet bereits die zweite der für 2019 angekündigten neuen Serien: Mortensens Abenteuer von Lars Jakobsen. Der dänische Autor und Zeichner ist in Deutschland möglicherweise wegen seines Strips über frustrierte Hennen bekannt; einige Folgen liefen als Zeichentrick in der Sendung mit der Maus. Zudem hat er bereits rund 250 Geschichten für Anders And, das dänische Donald Duck-Magazin verfasst. Die Geschichten um Mortensen sind Zeitreise-Abenteuer. Der Titelheld ist ein Zeitgeheimagent, der Kriminelle daran hindern will, die Vergangenheit ihrer Schätze zu berauben. Dafür benötigt er allerdings seine Zeitpistole… Graphisch startet der Comic, von dem im Original bereits 5 Bände erschienen sind, erst einmal im klassischen 4-Streifen Layout, das manchmal etwas aufgebrochen wird. Der Ankündigungstext benennt dazu Einflüsse von Herge, die teilweise auch zu entdecken sind.  Ich finde aber auch Anklänge an Tabary.

Zack 236 page 14

Fortgesetzt wird Sauvage, der für mich den größten Widerspruch im Heft darstellt: Der Text von Yann ist immer wieder spannend und auch der Plot der Geschichte ist keinesfalls reizlos, die Zeichnungen und insbesondere die Kolorierung von Felix Meynet macht aber immer alles wieder zu Nichte. Schade eigentlich.

Wesentlich stimmiger ist dagegen Jack Cool von Manini und Mangin. Die Merry Prankster sind im Haus von Tommy Neary angekommen um einer Erweckungszeremonie beizuwohnen. Während deutlich wird, dass sich Drogen und Feuer nicht unbedingt positiv ergänzen hat Jack ein Erfolgserlebnis, denn er findet die vermisste Tochter. Wie es mit dieser Story um die Mansfields weitergeht und ob sich zwischen Jack und Jesus-Grau noch etwas entwickelt, wird die Zukunft zeigen.

Detail ZACK 236 page 38

Der Weg des Untergangs findet dagegen leider in dieser Ausgabe sein Ende. Es bleibt zu hoffen, dass Corteggiani und Tisselli sich irgendwann einmal auf eine weitere Zusammenarbeit verabreden werden, denn der Western verknüpft spannende Thematik und grandiose Bilder äußerst gut und macht einfach Lust auf Mehr! Inhaltlich bekommt die Story auf den letzten Bildern noch einmal einen Twist, mehr sei aber nicht verraten!

In Empire USA 2.1 werden ein paar mehr Details über den mysteriösen Tod von Duanne Els bekannt und vielschichtige Verbindungen zu Russland und in die Türkei sowie zu Terroristen in Lettland spielen eine Rolle, der Leser*in fehlen aber noch entscheidende Versatzstücke. Genau so funktioniert des Konzept „Fortsetzung folgt…“ Graphisch ist Henri Reculé nicht der schlechteste Vertreter der aktuellen franko-belgischen (nicht-Fantasy-)Schule und daher definitiv sein Geld wert!

Detail ZACK 236 page 54

Ergänzend gibt es weitere Geschichten der gnadenlos guten Tizombi sowie die deutlich schlechteren aber immer noch bereichernden Parker & Badger, den zweiten Teil des Überblicks über Kinofilme nach franko-belgischen Comics (Asterix – Bäche und Flüsse), eine Vorstellung des Neustarts von Courtney Crumrin und lesenswerte Überlegungen von Bernd Glasstetter!

Mehr zum aktuellen Konzept des ZACK im Interview mit dem Chefredakteur.

Dazu passen das neue Album Encore von The Specials und kolumbianischer Hochlandkaffee.

Abbildungen © 2019 MOSAIK Steinchen für Steinchen Verlag und den jeweiligen Zeichnern und Verlagen

Interview mit Georg F. W. Tempel

Der Chefredakteur des ZACK-Magazins stellt sich unseren Fragen

Das ZACK-Magazin aus dem Mosaik – Steinchen für Steinchen-Verlag feiert in diesem Jahr sein 20-jähriges Bestehen. Grund genug für comix-online, dem aktuellen Chefredakteur Georg F. W. Tempel ein paar Fragen zu stellen. Da ich selbst zu der Generation gehöre, die durch das Zack im Koralle-Verlag nachhaltig in der Leidenschaft für franko-belgische Comics geprägt worden ist, habe ich mich über diese Gelegenheit sehr gefreut. Comics aus diesem Spektrum werden auch in Zukunft ein wesentlicher Bestandteil der comix-online-Berichte bleiben.

Georg F. W. Tempel
Georg F. W. Tempel

c-o: Hallo Georg. Könntest du dich den Leser*innen von comix-online kurz vorstellen? Du bist ja in der deutschen Comicgeschichte alles andere als ein unbeschriebenes Blatt.

Tatsächlich bin ich schon seit weit über 30 Jahren in der Comic-Szene tätig. Wie bei vielen anderen meiner Generation waren meine ersten Berührungen mit den Comics die Hefte aus dem Hause Kauka und Bastei, wozu in den 1970ern dann natürlich „ZACK“ gekommen ist. Während meines BWL-Studiums in Mannheim habe ich für das dortige Stadtmagazin Comic-Rezensionen verfasst, worüber ich Kontakte zu verschiedenen Verlagen bekommen habe. Mitte der 1980er Jahre bin ich dann beim Reiner-Feest-Verlag eingestiegen, hatte ein kurzes Intermezzo beim Norbert Hethke Verlag, für den ich angefangen habe, das DC-Segment aufzubauen – wir haben uns wegen unterschiedlicher Programmauffassungen dann im Gütlichen getrennt -, und war schließlich ab 1991 beim Ehapa Verlag. 1994 und 1995 habe ich parallel zu meiner Ehapa-Tätigkeit das „Beavis & Butt-Head“-Magazin für den Dino Verlag betreut. Bei Ehapa war ich vor allem für sog. „Trendthemen“ wie „Akte X“, „Tankgirl“, die Fleetway Publikatonen und natürlich die Manga zuständig. Zusammen mit dem damaligen Bereichsleiter Klaus M. Mrositzki war ich an der Gründung der Verlagsbereiche Cultfish (ursprünglich Bücher zu TV-Themen wie „Big Brother“) und Egmont Manga & Anime (EMA) beteiligt. Und seit 2009, seit meiner Trennung von Ehapa, bin ich über das Redaktionsbüro Blattgold GmbH, das meiner Frau und mir gehört, für „ZACK“ verantwortlich. Ansonsten sind wir viel für die Funke Gruppe, den Klambt Verlag, Burda u.a. tätig.

c-o: 2019 feiert das „neue“ ZACK sein zwanzigjähriges Jubiläum. Du hast zwar im Editorial der Januar-Ausgabe schon einen kurzen Ausblick gegeben, aber wie sieht euer Jubiläumsprogram aus?

Wie ich ja bereits in bewusstem Editorial geschrieben habe, werden wir im Jubiläumsjahr etliche neue Serien starten wie etwa Bonneville von Marvano oder Empire USA 2 von Desberg und diversen Zeichnern. Außerdem wollen wir uns in einer Reihe von Interviews allen früheren Chefredakteuren des Heftes aus der Mosaik-Ära widmen. In der März-Ausgabe kommt aber erst einmal der Verleger Klaus Schleiter zu Wort, der ein bisschen über den Mosaik Steinchen für Steinchen Verlag und dessen Philosophie erzählen wird. Weitere Ideen gibt es ebenfalls schon, aber von denen ist noch keine wirklich spruchreif.

c-o: Wie würdest du die Zielgruppe des „ZACK“ beschreiben? Generation (Koralle-)ZACK oder größer?

Auf alle Fälle macht die Generation „ZACK“ einen Großteil der Leser aus. Aber glücklicherweise gewinnen wir immer wieder neue und jüngere Leser hinzu.

c-o: Das ZACK hat neben den Comics auch immer zwei größere Artikel über Serien oder Künstler bzw. TV/Film-Adaptionen, einen Rezensionsteil und einen immer erfrischenden Kommentar. Wie wichtig sind diese Bestandteile für dich?

Ich denke, ein Comic-Magazin, in dem Comic an Comic geklebt ist, wird auf Dauer schnell langweilig. Deshalb sind mir die redaktionellen Beiträge als „Brecher“ sehr wichtig. Sicherlich lässt sich über die Qualität der einzelnen Artikel streiten, aber ich versuche immer, eine gewisse Aktualität zu wahren, was bei einem Monatsmagazin in Zeiten des Internet allerdings immer schwieriger wird. Ein bisschen diebische Vorfreude habe ich immer, wenn Bernd Glasstetters Kolumne „Das Allerletzte“ oder mein Editorial kontroverse Themen behandeln, da ich oft schon im Voraus weiß, wie die Reaktionen der Leser in etwa sein werden. Aber ich schätze, so ein paar Ecken und Kanten tun dem Heft ganz gut.

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c-o: Von vielen anderen Verlagen ist man es mittlerweile gewohnt, dass Abonnenten einen Bonus in Form von Variant-Ausgaben ober Beigaben erhalten. Die letzte vergleichbare Aktion des ZACK war eine signierte Grafik 2011 in der Nummer 150. Steht ihr über solchen Dingen oder warum macht ihr nichts in dieser Richtung?

Ich denke, hier muss man sich die Philosophie des gesamten Verlages anschauen. Die Leser von „ZACK“ und „Mosaik“ sollen zufrieden sein, weil sie gerade ein tolles Heft gelesen haben, das ihnen eine gewisse Zeit „versüßt“ hat, und nicht weil sie irgendein Gimmick geschenkt bekommen. Und zum anderen ist gerade „ZACK“ so knapp kalkuliert, das hier eigentlich kein Spielraum ist, um solche Aktionen zu fahren.

c-o: Wie schätzt du den deutschen Comic-Markt ein? Es gibt immer mehr kleine Verlage, der Markt wird aber dominiert durch die Veteranen EHAPA und Carlsen mit ihren Long-Sellern einerseits und Splitter andererseits. Oder betrifft euch der Albenmarkt nicht so sehr, da ihr euch hauptsächlich auf das Magazin und Jean Graton konzentriert?

Wir hatten uns mit der ZACK-Edition ja am Albenmarkt versucht, mussten aber schmerzlich erfahren, dass das französische Konzept der Vorveröffentlichung im Magazin mit anschließender Albenveröffentlichung in Deutschland nicht funktioniert. Die verkaufte Auflage war so gering, dass sich die Alben einfach nicht vernünftig kalkulieren ließen. Es ist zwar nicht schön, wenn man Serien abbrechen muss, aber ich denke, dass wir die meisten Reihen zu einem guten Ende gebracht haben. Insofern haben wir also mit dem Albenmarkt kaum mehr was am Hut.

Messestand ZACK

Generell sehe ich aber schon, dass der Comic-Markt Probleme mit den Auflagen hat. Will man seine freien Mitarbeiter ordentlich bezahlen und als Verlag auch noch Geld verdienen, wird die Luft schon dünn. Ehapa hat sich sicherlich nicht wegen Erfolgs weitgehend aus dem franko-belgischen Albenmarkt verabschiedet. Und Carlsen geht bei seinem Programm ja auch eher auf Nummer sicher. Und hört man sich ein wenig in der Szene um, dann bekommt man schon zu hören, dass einige Verlage kräftig an der Kostenschraube drehen und eher fragwürdige Modelle bei der Ermittlung der Übersetzer- oder Redakteurshonorare ansetzen. Schön ist das alles nicht.

c-o: Ergänzende Frage: Vor einigen Jahren hattet ihr noch einen stetigen Ausstoß an Alben. Jetzt wechselt auch Lady S. zu einem neuen Verlag und ihr veröffentlicht anscheinend nur noch Michel Vaillant und Julie Wood von Jean Graton bzw. seinen Nachfolgern während einige der im ZACK publizierten Serien z.B. bei Salleck und Splitter als Album erscheinen. Ist das eine gewollte Kooperations-Situation oder den rückläufigen Alben-Auflagen geschuldet?

Da wir uns aus dem Alben-Segment aus o.g. Gründen verabschiedet haben, ist das eine gewollte Kooperationssituation. Wobei es den französischen Lizenzgebern natürlich zusätzlich recht ist, wenn sie ihre Rechte zweimal verwerten können.

c-o: Nicht viele Comicschaffende sind wie du von Altmeistern in einem Comic verewigt worden. Wie fühlt man sich, wenn jemand wie Seron  eine Figur nach einem selbst erschaffen hat?

Natürlich ist man auf eine solche „Verewigung“ stolz. Der einzige Wermutstropfen war, dass das bewusste Album nicht mehr bei Feest-Comics escheinen konnte, da die Rechte an den „Minimenschen“ aus strategischen Gründen von Dupuis nicht mehr verlängert worden waren.

comix-online artist

c-o: Hast du eine Lieblingsserie oder Einzelveröffentlichung während deiner Zeit als Chefredakteur des ZACK?

Den einen Lieblingscomic gibt es eigentlich nicht, da ich nur Storys ins Heft nehme, die mir selbst auch gefallen. Aber tatsächlich finde ich die Serien von Marvano – „Grand Prix“, „Die jüdische Brigade“ und „Bonneville“ – unglaublich gut, da sie bestes Infotainment sind: Man bekommt nicht nur eine spannende Geschichte zu lesen, sondern kann auch noch viel über historische Hintergründe und Zusammenhänge erfahren. Dieser doppelte Nutzen macht mir großen Spaß.

c-o: Hast du es jemals bereut, eine Geschichte abgelehnt zu haben? Wenn ja, welche?

Für „ZACK“ fällt mir da spontan nichts ein, da wir die Serien aktiv anfragen. Aus meiner Ehapa Zeit wären das allerdings „Die Simpsons“ und „Star Wars“, die wir damals in der Programmkonferenz gemeinsam als „nicht verkäuflich“ eingeschätzt hatten. Dumm gelaufen, oder …?

c-o: Vielen Dank für das Gespräch!

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Abbildungen © 2019 MOSAIK Steinchen für Steinchen Verlag

Foto ZACK-Club © 2019 Sven Krantz-Knutzen

Batman – Der schwarze Spiegel

Batman – Der schwarze Spiegel

Story: Scott Snyder
Zeichnungen: 
Jock und Francesco Francavilla

Originaltitel: Detective Comics 871 – 881 (2011)

Panini Comics
Prestige | 300 Seiten | Farbe | 29,00 €
ISBN:
978-3-7416-1127-8

Es existiert auch ein Hardcover in limitierter Auflage

cover Batman - Der Schwarze Spiegel

Der schwarze Spiegel beweist, dass erneute Veröffentlichungen auch ihr Gutes haben können.

Ursprünglich bereits 2011 in Detective Comics erschienen und von Panini schon vor Jahren in zwei Sammelbänden herausgebracht, vereint der jetzt erschienene Comic alle Geschichten um die Rückkehr des geheilten (?) Psychopathen James Gordon, jr. in einem 300 Seiten starken Band.

Ein wenig Hintergrundwissen ist erforderlich, um diese Geschichte verstehen zu können: Bruce Wayne war scheinbar verstorben, das Cape somit verwaist. Dick Grayson hat die Rolle des maskierten Beschützers übernommen, keinesfalls aber auch angenommen. Während Bruce mehr als einmal den Rächer gab, ist Dick ein Beschützer. Auch ist er nicht so mit den Schatten verwoben und so darf Commisioner Gordon sich wundern, dass der Maskierte noch auf dem Dach steht obwohl das Signal gerade ausgeschaltet worden ist. Gotham selbst hat sich aber nicht verändert; es ist immer noch die gefährlichste Stadt der USA mit den übelsten Schurken und einem großen Anteil an Verderbtheit bei seinen Bewohnern. Wenn überhaupt anders, dann ist es in der Stadt eher noch schlimmer geworden, denn die neue Garde der Verbrecher kennt „keinen Anstand“ mehr und mordet noch mehr.

Dick Grayson wohnt zwar in dem ehemaligen Wayneschen Penthouse und wird von Alfred unterstützt, er hat sich mit seiner Rolle und Umgebung aber noch nicht anfreunden können. Immer wieder kommen Erinnerungen an seine Eltern hoch, die Gotham als den Punkt beschrieben haben, an dem man weitergehen muss als überall sonst. Überhaupt spielen Erinnerungen in diesen Geschichten eine große Rolle: Seien es Artefakte aus den großen Batman-Geschichten der Vergangenheit wie der Kuhfuß, mit dem der Joker Robin getötet hat, seien es Erinnerungen von James oder Barbara Gordon an die Jugend von James, jr. Alles wird geschickt miteinander verwoben und so ist die Storyline auch sowohl für Afficionados als auch für Neueinsteiger vielschichtig zu genießen.

Backcover Batman - Der Schwarze spiegel
Der Band beinhaltet auch einige Cover der Einzelausgaben und Variants

Scott Snyder ist wohl der Superstar unter den aktuellen Batman Autoren und hat die Geschichte des Dunklen Ritters über mehrere Definitionen hinweg geprägt. Er beweist, dass er ein guter Autor ist, der auch über mehrere mehrteilige Stories hinweg einen Plot entwickeln und zu einer Gesamtgeschichte verweben kann und der Brite Jock (das ist Mark Simpson) und Francesco Francavilla setzen das abwechselnd sehr gut um. Die Bilder sehen nicht aus, wie aus einem Mainstreamcomic amerikanischer Prägung; zu viel Schwarz, zu unscharf und düster sind die Bilder, die gerade dadurch gewinnen. Beide haben bereits eine eindrucksvolle Liste an Veröffentlichungen vorzuweisen.

Wer sollte sich dieses Paperback kaufen? Zunächst einmal alle, die zu irgendeiner Zeit Batman-Fans waren und es noch nicht im Schrank stehen haben, denn es bietet gerade durch den Vergleich des Batmans, wie Dick ihn interpretiert, mit dem „Original“ Einsichten in die Gefühlswelt von Bruce Wayne, die zwar nicht neu sind, aber innovativ herausgearbeitet werden. Der verbissene, getriebene Bruce ist ein Kind Gothams: immer Vollgas, immer an der Grenze und oft darüber hinaus. Dick dagegen (und auch James und Barbara Gordon) haben ein anderes Menschenbild: Sie glauben zwar nicht mehr wirklich an das Gute, haben aber die Hoffnung nicht aufgegeben, dass es doch irgendwo da draußen sein könnte.

Detail Batman - Der Schwarze Spiegel

Einige Batman-Stories der letzten Jahre litten daran, dass immer neue Schurken auftauchten, alte immer abstrusere Dinge taten und sich das Ganze eigentlich nur selbst referenziert hat. Hier ist aber ein Beispiel an gutem Storytelling, das durch die beiden Zeichner düster, nicht artifiziell aber auch nicht banal umgesetzt wird.

Außerdem ist es für alle ein Schnäppchen, die die alten Ausgaben auf einschlägigen Plattformen suchten, denn die aufgerufenen Preise sind teilweise absurd.

Die dritte Zielgruppe sind diejenigen, die einfach nur eine gut erzählte Psychopaten-Story mögen. Auf den dreihundert Seiten wird erst stückchenweise klar, wer wirklich hinter einigen Sachen steckt, und der Horror entwickelt sich langsam und teilweise auch erst im Rückblick. Dazu gehört auch, dass die Beweggründe und die innere „Rechtfertigung“ nicht ausgespart bleiben und zu dem gruseligen Gefühl beitragen. Zudem finde ich persönlich es angenehm, dass es hier keine Superkräfte oder Mystery-Elemente gibt und das Ende in gewisser Weise offenbleibt.

Dazu passen Long Island Icetea und Frustration – Empires of shame perfekt.

© der Abbildungen 2011, 2019 DC Comics, c/o Panini Verlag