Gratis Comic Tag 2020 – weitere Perlen

GCT 2020 zum Vierten – persönliche weitere Empfehlungen ohne „Rubrik“

Nun steht der Gratis Comic Tag 2020 also wirklich kurz vor der Tür! Comix-online hat bereits einige der diesjährigen Gratishefte vorgestellt: Western, von deutschsprachigen Künstler*innen und für Kids. Es gibt aber noch so viel mehr, dass eine letzte kleine subjektive Liste folgen soll. Dieser Liste werden keine Comics fernöstlicher Stilrichtungen angehören; Nicht, dass mir nicht der eine oder andere Titel durchaus gefallen würde, ich traue mir selbst schlichtweg nicht zu, auch nur halbwegs eine Einordnung hinzubekommen und so würde ich über ein „Das gefällt mir“ nicht hinauskommen. Ich gelobe Besserung.

Illustration: Artur Fast

Alle Infos zum GCT, insbesondere eine Suchmaschine für Aktionen in eurer Nähe und alle Titel findet ihr auf der offiziellen Seite.

Die Rückkehr aufs Land

Jean-Yves Ferri und Manu Larcenet haben ein (mittlerweile) dreibändiges Meisterwerk verfasst, das durch Corona eine ungeahnte Aktualität erfahren hat. Viele Großstädter haben sich während des Lockdowns überlegt, dass eine Kleinstadt doch auch Vorteile hätte: Die Konkurrenz um das Klopapier ist geringer, der Garten bietet mehr Auslauf als der Etagenbalkon und die Fahrten zur Arbeitsstelle fallen schließlich bei Homeoffice weg. Die Rückkehr aufs Land beschreibt in kurzen Episoden alle Tücken, die jetzt eben gefehlt haben und lässt das Knollenmännchen, mehr noch aber seine unerschütterliche Frau Prüfungen bestehen, die teilweise nur mit Kartons zu bewältigen sind. Sehr liebevolle Halbseiter die auf Deutsch bei Reprodukt erschienen sind.

Roald Dahl reloaded

Hexen hexen ist ein Kinderbuchklassiker des bereits 1990 verstorbenen Autoren Roald Dahl. Er erscheint immer wieder in neuen Fassungen und ist in der von Pénélope Bagieu Teil des Reprodukt-Beitrages zum GCT 2020. Oma muss als Ablenkung Geschichten erzählen, um von der Trauer abzulenken und Geschichten über Hexen eignen sich dazu besonders, denn schließlich gibt es ja keine, oder doch? Liebevolle Geschichte, die aber für sehr zartbesaitete nicht ganz geeignet ist. Bagieus Zeichnungen sind kantig, nicht einfach und schon gar nicht weichgespült. Trotzdem oder viel eher gerade deswegen kann man als Leser*in aber glauben, dass Sorgen ernst genommen werden und findet möglicherweise die gewünschte Ablenkung.

Klassische und urbane Sagen

Klassiker zuerst: Unter dem Label „Mythen der Antike“ werden klassische Stoffe neu aufbereitet und geraten dadurch vielleicht wieder in den Blickwinkel der jungen Generation. Falls nicht, finden sich wenigstens ältere Leser*innen, die die Geschichten nur wiederauffrischen wollen. Als Beispiel findet sich der komplette erste Teil (von drei) der Ilias im Programm. Clotilde Bruneau hat den Text aufbereitet, Pierre Taranzano hat das Ganze in schöne Bilder gepackt. Klassische frankobelgische Schule (allerdings mit teilweise computergenerierten Hintergründen) aus dem Hause Splitter.

Die Entstehungsgeschichte der Teenage Mutant Ninja Turtles behandelt dagegen moderne urbane Mythen. Im klassischen Schwarz-Weiß müssen die mutierten Schildkröten ihren bis dato größten Kampf gegen Ninjas durchstehen. Mehr von Eastman und Laird’s Epen bei Dani Books. Als Zugabe präsentiert dieses Heft ein paar Entwürfe und Illustrationen und lohnt sich schon deswegen!

Fantastisches London

Viktorianisches England, Crime and Suspense, Fantastische Begebenheiten und eine unerschrockene Heldin sind die Ingredienzien dieser Serie von Thierry Gloris und Jacques Lamontagne aus dem Splitter-Verlag. Pik-As ist eine fantastische Detektei die Fälle im Grenzbereich übernimmt. Die sehr detaillierten Zeichnungen bieten das Böse, das Unglückliche aber auch das Schöne ungeschminkt dar und platzieren das Ganze vor ungemein detaillierten Hintergründen. Ein Fest für die Augen! Das Heft enthält den kompletten ersten Band Die Parapsychologin und könnte dafür sorgen, dass gleich sieben Titel auf der Einkaufsliste landen.

Horror von Alan Moore

Cinema Purgatorio ist eine Reihe von ineinander verwobenen Geschichten, die dem Kopf Alan Moores entsprungen sind. Teilweise zeichnet er selbst für das Szenario verantwortlich, teilweise hat er diese Aufgabe anderen überlassen. Im Original sind insgesamt 5 verschiedene Geschichten Teil dieses Universums. In jedem der insgesamt 18 Hefte der Serie ist jeweils ein Kapitel erschienen. Die auf Deutsch beim Dantes Verlag erscheinenden Ausgaben widmen sich aber jeweils nur einer Storyline. Drei erste Kapitel werden hier vorgestellt. Schwarz-weiß Horror (nur) für Erwachsene.

Und sonst

Daneben gibt es noch viele weitere Titel und jede*r von euch sollte einen eigenen Blick auf das große Angebot werfen. Eine Nichtaufnahme hier ist kein Indiz für einen schlechten Comic, sondern viel eher limitierten Zeitbudgets geschuldet!

Nutzt das Event um mal wieder in einen Comic-Shop, einen Schauraum, eine teilnehmende Buchhandlung oder einen anderen Ort zu gehen und nehmt nicht nur Hefte mit, sondern schaut euch um und besucht die Stätte eures Vertrauens auch danach wieder.

Die geschenkten Hefte lassen sich dann überall genießen, vorzugsweise mit einer an den verschwindenden Sommer erinnernden Limonade und einer Playlist mit College Punk.

© der Abbildungen 2020 Gratis Comic Tag und den jeweiligen Verlagen und Künstler*innen

Dorison/Parnotte – Aristophania 2

Band 2: Der Verbannte König

Story: Xavier Dorison

Zeichnungen: Joël Parnotte

Originaltitel: ARISTOPHANIA – PROGREDIENTES

Splitter Verlag

Hardcover | 64 Seiten | Farbe | 16,00 € |

ISBN: 978-3-96219-390-4

Der ewige Kampf Gut gegen Böse geht weiter

Hier kommen die Guten aus dem Norden und werden weltweit von allen Philosophen und Religionen als Hexen verfolgt. Schon deswegen mussten sich die Anhänger*innen von Azur verstecken, ihre Tempel im Verborgenen errichten. Das wäre allerdings alles nicht so schlimm, gäbe es nicht auch noch die Bösen um den Verbannten König die das Azur, die Naturkraft, vernichten wollen. Mehr im ersten Band.

Mitten in diesem Konflikt befinden sich die drei Kinder, die von Aristophania aufgenommen worden sind. Sie glaubt, dass eines von ihnen den Weg zur sagenhaften Morgenrot-Quelle finden wird, die die Entscheidung bringen könnte. Noch scheitern die Drei aber selbst an der einfachsten der verschiedenen Aufgaben, die sie auf ihrem Weg zur Knappenschaft bewältigen müssen.

Im Laufe der Zeit erfahren die Kinder und damit auch die Leser*innen was Azur eigentlich ist, wie man es vernichten oder aber auch heilen kann und welche Kräfte es in ihren Anhänger*innen wecken kann. Wir erfahren aber auch, dass sowohl die einfachen Bauersleute den satanischen Kräften nicht wohlgesonnen sind, die Bösen dafür aber immer stärker werden.

Es gibt weitere Opfer, ablehnende Entscheidungen und natürlich auch Verrat in diesem Band. Es folgen aber noch zwei weitere und so gibt es auch die Flamme der Hoffnung, des Verständnisses und der Liebe! Und natürlich stehen dort hüben wie drüben Symbole, um den Bezug zur Wirklichkeit nicht zu verlieren: schwarz rauchende Fabriken, ungehobelte Kerle und Gewalt auf der einen Seite, grüne Natur, weibliche Führungspersönlichkeiten und die Liebe zum Leben auf der anderen. Auch die jugendliche Ungeduld, die alles verderben kann, hat ihren Auftritt. Xavier Dorison hat sein Bestes gegeben und die Geschichte ist spannend geworden!

Grandiose Landschaften und eindringliche Emotionen

Es sind nicht nur die Inhalte, die auch den zweiten Band von Aristophania zu einem Genuss machen, Joël Parnotte weiß das Ganze auch in Bildsprache zu übertragen! Während das Gute in hellen Farben erscheint, fast schon zwitschernd vor sich hin tönend, das Brot des Bäckers eigentlich schon duftet und selbst der unterirdische, versteckte Tempel in warmen Brauntönen beruhigt, sind die Bösen hart, laut, unsympathisch und dunkel. Die Gegensätze sind aber nicht so plakativ, wie es jetzt klingen mag, sondern eingebettet in die Grundstimmung wie eine gute musikalische Untermalung eines Filmes, die man nur wahrnehmen würde, wenn sie fehlen würde.

Parnotte hat es nicht immer leicht, denn es gibt viel Text zu integrieren und die Mundpartien wollen ihm nicht immer gelingen. Insgesamt macht er seine Sache aber sehr gut und trägt dadurch dazu bei, dass aus allen diesen im einzelnen durchaus bekannt anmutenden Versatzstücken nicht nur eine spannende Story, sondern eben auch ein guter Comic wird!

Die Darbietung

Natürlich ist der Splitter-Standard mit Hardcover im Überformat, guten Farben auf gutem Papier und einem Vorsatz-Bildchen immer noch spitze! Auch der Preis ist angemessen und so sollte einem nur noch entweder der Gang in den nächsten Comicladen vor Ort oder der Mausclick zum Onlinehändler des Vertrauens zum Erfolg fehlen. Vielleicht lässt sich das ja mit dem Gratis Comic Tag kombinieren, der Corona-bedingt im September stattfindet.

Zur Lektüre empfehle ich einen leichten Rotwein, etwa von Toni Jost und einen Klassiker: The Violent Femmes!

© der Abbildungen Splitter Verlag GmbH & Co. KG · Bielefeld 2020 / DARGAUD BENELUX (DARGAUD-LOMBARD S.A.) 2019, by Doriso

JUMP 1 – August 2020 und StripGlossy 17 – June 2020

JUMP 1

Herausgeber: Mirjam van der Kaaden & Seb van der Kaaden

Chefredaktion Tim

Verlag Uitgeverij Personalia

Heft Din A 4 | 48 Seiten | Farbe | 4,25 €
ISBN: 978-9-49284-086-8

Das JUMP ist ein neues, monatliches Comic-Magazin für Kinder in den  Niederlanden und im flämischen Teil von Belgien. Früher gab es verschiedene Magazine für diese Zielgruppe, etwa Robbedoes, Kuifje oder Suske en Wiske weekblad. Heute sind nur noch die verschiedenen Titel aus dem Hause Disney übriggeblieben sowie TV-Lizenzprodukte. Zeit also, etwas Neues zu wagen.

Das neue Comic-Magazin für Kinder

Der Chefredakteur Tim

Die Chefredaktion ist mit Tim besetzt, einem 10-jährigen. Näher dran an der Zielgruppe war wahrscheinlich noch nie eines der Magazine für Kinder. Tim ist ein typischer Vertreter seiner Altersgruppe, denn er spielt Computerspiele, skatet und malt selbst Comics. Was läge also näher, als auf seine Auswahl zu vertrauen. Tim macht aber noch mehr, denn er führt Interviews mit Comickünstler*innen. Diese haben nicht nur Fragen, die Erwachsene glaubhaft nicht wirklich stellen dürften, sie sind auch noch grafisch aufbereitet und lockern das Ganze dadurch sehr gut auf! Weiter so!

Chefredakteur Sven – Foto GEERT JOB SEVINK

Die Comics

Titelheld*innen sind Dweezil, Brains, Lisa und der Hund Armando, zusammen JUMP. Sie sind ein so unterschiedlicher Haufen, dass sie sich perfekt ergänzen und geben ihrem Schöpfer Charel Cambré endlich einmal das Vergnügen, seine eigenen Figuren weiterzuentwickeln. Damit ist ein echtes Comic-Schwergewicht (Robbedoes, Amoras) am Start, dem man anmerkt, dass er wie immer mit viel Spaß beteiligt ist. Das Covermotiv ist dann auch gleich als Poster zum Herausnehmen ein Extra.

Dazu kommt eine bunte Mischung aus kleinen Strips, Einseitern und längeren Geschichten. Stilistisch geht es dabei von dem Marcinelle-artigen Stil Cambrés bis zu chaotischen Kritzeleien. Die Witze, die Zeichenschule und das Niveau der Geschichten sind dabei auf das Publikum ab 8 ausgerichtet, ohne allerdings darauf beschränkt zu sein. Im Gegensatz zum Eppo werden hier die Comics für Ältere aber wohl ausbleiben.

Aber auch ein Klassiker ist dabei: Suske en Wiske von Willy Vandersteen haben es nach Jahren endlich wieder in ein Magazin geschafft. Den Anfang macht De Koddige Kater. Gefallen hat mir das einleitende Gespräch von Tim mit Helena, dem real existierenden Vorbild für die Figur der Wiske!

Passt das?

Ja, das passt sogar gut! Comics für Kinder sind der Einstieg in so vieles und minderwertige Qualität oder das Fehlen von Angeboten sind später nicht wieder aufzufangen. Dem Konzept entsprechend wird JUMP auch im Supermarkt ausliegen, die angepeilte Zielgruppe geht noch nicht in andere Verkaufsstellen. Mehr dazu auch im Interview mit Verlagsleiter Seb van der Kaaden. Viel Glück mit diesem Projekt, dem Wirken des jungen Chefredakteurs und dem Konzept!

Dazu eine Erdbeermilch und ein Tonträger der letzten Kinderdisco!

Stripglossy 17 – Korona Krisis

Herausgeber: Mirjam van der Kaaden & Seb van der Kaaden

Verlag Uitgeverij Personalia
Heft Din A 4 | 104 Seiten | s/w / Farbe | 8,95 €
ISBN: 978-9-49284-085-1

Etwas später als gewohnt das Review der aktuellen StripGlossy. Geplant war, sie zusammen mit dem Interview zu bringen, das sich wegen Corona und dem Projekt JUMP aber immer mehr nach hinten geschoben hatte. Nun ja, es ist immer noch früh genug denn die nächste Ausgabe kommt erst im September.

Ist alles farblos geworden?

Wenn man die 17. Glossy durchblättert, könnte man fast diesen Eindruck gewinnen. Zwar hat sich ein wenig Farbigkeit in den Artikel über die Comic-Ikone Hein de Kort geschlichen. Sie ist aber eher (chaotisches) layouterisches Stilmittel denn inhaltlicher Bestandteil. Fred de Heij erzählt weiter hinten im Heft, wie sehr er von schwarz-weißen Comics geprägt worden ist, welche Linienführung er (nicht) vermisst hat und wie sehr eine gute Kolorierung schlechte Zeichnungen „verbessern“ kann.

Die Farblosigkeit soll aber natürlich vor allem an die Einschränkungen durch die Krise erinnern: Angst um die Gesundheit, vor finanziellen Einbußen, vor dem Verlust des „Normalen“ und die Unsicherheit, wie es weitergehen wird.

Viele der kurzen Comics haben dann auch die aktuelle Situation zum Thema und setzen sich satirisch mit Klopapierkaufaktionen (Van de Redactie, Spaghetti), den Abstandsregeln (Man en Paard) oder Viruserkrankungen im Allgemeinen (Rode SFYNX, Margreet de Heer oder Sjors & Sjimmie) auseinander. Sehr eindringlich ist dabei das grafische Tagebuch von Anco Dijkman über einen Krankenhausaufenthalt mit Coronaverdacht!

Ein ganz neuer Blick

Auf jeden Fall aber ist diese Ausgabe eine (wohl einzigartige) Gelegenheit, die länger laufenden Geschichten unter einem ganz neuen Blickwinkel kennenzulernen! Metro 2033, Tom Poes, Jelmer und sogar De Generaal bieten ihre Seiten dar, wie sie sonst nur der Kolorist zu sehen bekommt. Diese Details werden vereinzelt in Luxusausgaben dargeboten oder sind auf Ausstellungen der Originalzeichnungen sichtbar. In dieser Breite aber hat das etwas Einmaliges. Dazu kommt die Chance Saul noch einmal anders wahrzunehmen, denn hier werden tatsächlich die Vorzeichnungen gezeigt. Allein das ist schon ein Grund, das Heft auch jetzt noch kurz vor Erscheinen der Nummer 18 auf die Einkaufsliste zu setzen.

Für die Leser*innen des ZACK bieten sich im Übrigen auch zwei besondere Einblicksmöglichkeiten, denn hier findet sich die schwarz-weiße Variante für Spaghetti aus der 255 und Saul wird dort demnächst in Farbe folgen.

Fazit

StripGlossy beweist erneut, dass das Konzept lebt, sich ständig neu erfindet und noch lange nicht totgeritten ist. Thema von außen angenommen, ernsthaft behandelt und präsentiert, den Spaß dabei nicht verloren und als Chance genommen, um Außergewöhnliches zu präsentieren! Was will man mehr?

Dazu ein kühles Landbier und The Maytals!

Abbildungen © 2020 StripGlossy / JUMP / Personalia vof

Foto GEERT JOB SEVINK

Interview mit Seb van der Kaaden

Der Chef der Uitgeverij Personalia stellt sich unseren Fragen

Die Uitgeverij Personlia gibt es seit 1999. In diesem Verlag erscheinen nicht nur Comics in verschiedenen Formaten, sondern auch andere Titel, der Schwerpunkt liegt aber sicherlich auf „Strips“.

Der Verlag

Einerseits ist den Leser*innen von comix-online sicherlich schon die eine oder andere Rezension des StripGlossy aufgefallen, handelt es sich doch um eine sehr besondere Mischung aus aktuellen Comics aus dem niederländischen Sprachraum und Artikeln über die Frauen und Männer hinter den Bildern. Eine Besprechung der Corona-Ausgabe kommt in ein paar Tagen. Neu ist dagegen JUMP, ein regelmäßiges Comic-Magazin für Kinder. Auch hier gibt es in ein paar Tagen Näheres.

Das neue Comic-Magazin für Kinder

Zum anderen hat die Uitgeverij Personalia aber auch den niederländischen Comic des Jahres 2019 verlegt: „De Meimoorden“ von Jacques Post und Eric Heuvel. Daneben erscheinen Reihen mit Comics aus Jugendzeitschriften, etwa der Tina, aber auch eine wunderschöne Hardcover-Gesamtausgabe des Generaals!

Schließlich hat Georg F. W. Tempel im aktuellen Editorial des ZACK gerade verkündet, dass die Unterschrift unter ein Kooperationsabkommen gesetzt worden sei. Neben den bereits angesprochenen Morden im Mai betrifft das auch die neuen Abenteuer von Spaghetti und eine zusätzliche Serie, die weiter unten erwähnt werden wird. . .

Ich habe mit Seb van der Kaaden, dem Verlagsleiter, ein (coronabedingt schriftliches) Interview führen können. Fragen und Antworten sind dabei auf Englisch.

Die Person

c-o: Hi Seb. Comix-online is not limited to German language but tries to have one eye on the Dutch speaking market too. Could you introduce yourself please, knowing that some of the German readers may not be as familiar with your background?

Seb van der Kaaden an seinem Schreibtisch – Foto GEERT JOB SEVINK

I am an independent publisher for more than twenty years now. First started out by big publishing houses such as Sanoma and Reed Elsevier responsible for especially business magazines. My drive is to add value and to have lots of fun doing it. Readers know when a product is made with passion. So that is always our goal number one: making products with passion. If your work does not give you any satisfaction, please go do something else.

c-o: You’ve started with StripGlossy some years ago and introduced a new concept. StripGlossy contains 50% strips (=Comics) and 50% editorial content, has notable artists as guest-editors and has already expanded to albums. Could you elaborate a bit on your concept and its challenges?

The comic market is very conservative. A lot of comic publishers do not believe in digital publishing and do not often understand the importance of paid promotion such as advertising in print or online, and rarely invest in instore promotion or new distribution channels. These are all opportunities and StripGlossy is aiming on all of them.

Our content strategy is based on the glossy concept. Great photo’s, exclusive stories with also famous people outside the comic market and of course new comics of high quality. So, a glossy that is not only interesting for the comic lover but also for a larger audience who is interested in exciting stories and great art work. We see comics as a tool to highlight subjects such a black lives matter or Eurovision Songfestival for example. Besides that, we want to give the reader more inside information about the comic artists and their motivations.

some StripGlossy cover

     

Kooperation mit Deutschen Verlagen

c-o: De Meimoorden, one of your titles has recently been acclaimed as Album of the year 2019 in the Netherlands, so, congratulations! Did you expect that honor? And will that help in convincing artists to publish in the Glossy?

I knew that the combination of Jacques Post and Eric Heuvel was very special; both are very good and serious in their work, both have got a big interest in WorldWarII and both wanted to work together for many years but there was never enough money to finance the project. Add to this that it is 75 years ago that the Netherlands were liberated, and you have some good ingredients for a success story.

After five years, StripGlossy has proven itself to be a serious platform for many artists. So, it is nowadays more a matter of ‚kill your darlings‘.

Cover des ZACK mit dem Start der Morde im Mai

c-o: You’ve sold some licenses for your strips to the German ZACK. Are there any other plans or contracts regarding German publishers? How difficult is it to sell licenses from Dutch comics to other languages?

The Germain market is very willing to publish Dutch comics. Zack Magazine is prepublishing De Meimoorden, Spaghetti and soon Saul. The album rights of De Meimoorden are already sold to Kult Comics. Several French and Spanish publishers want to buy album rights also. You have to invest time to build a relationship and to gain each other trust but it is definitely worth it. 

c-o: If you compare the Nederlands-speaking Comic-Market to the German or French-speaking, are there any differences?

Germain publishers are very straight going and easy to communicate. With French publishers it takes a little longer to gain their trust.   

Corona und die Folgen

c-o: And of course, one question everyone asks currently: What has been the impact of corona and what will stay different?

We started a new children’s comic magazine Jump – based on the comic of Charel Cambré, who is well known for is successful spin-offs of Spirou (Robbedoes) and Suske and Wiske. The chief editor is the ten-year-old Tim. In addition to the distribution through bookstores, we distribute this title through supermarkets. After all, everyone has to eat. And as said before, we distribute our comics also online. So even in times of corona we sell a lot of comics.

c-o: One personal question at the end: What has been your driver for becoming a comic publisher?

First of all: I love to laugh. And secondly: comics are a hidden treasure. Young people are learning through comics to read with pleasure again – the main reason we started Jump. But last but not least: comics can make difficult themes, like abuse, more open for discussion and can even have a preventive effect.

c-o: Anything you would like to say to the (mostly) German readers of this interview?

Please keep on reading and enjoying the work of Dutch artists!

Vielen Dank erneut an Seb für die Beantwortung der Fragen. Beim Lesen könnte euch eine Tasse fair gehandelter Kaffee schmecken und Musik von den Hotknives!

Abbildungen © 2020 StripGlossy / JUMP / Personalia vof

Abbildung ZACK-Cover © 2020 Mosaik Steinchen für Steinchen Verlag

Foto GEERT JOB SEVINK

Gratis Comic Tag 2020 – Comics für KIDS

GCT 2020 zum Dritten – Comics (nicht nur) für Kids – eine Übersicht

Der diesjährige Gratis Comic Tag ist anders als alle anderen: Nicht nur, dass er im September stattfindet, er ist auch noch dezentral und Corona-bedingt (hoffentlich) etwas weniger vom Gedränge geprägt. Alle Infos zum GCT findet ihr auf der offiziellen Website. Dort könnt ihr auch sehen, wann und wo bei euch in der Nähe welche Aktionen stattfinden werden.

Illustration: Artur Fast

Comix-online will Euch im Vorhinein den einen oder anderen Tipp geben, um im großen Angebot an Titeln das für euch richtige zu entdecken. In Teil 1 wurden Western, in Teil 2 Comics von deutschsprachigen Künstler*innen vorgestellt. Heute folgen Titel mit dem Label „Comics für Kids“. Das ist etwas verwirrend, denn zum einen sind nicht alle Titel mit diesem Label für jedes Alter geeignet, zum anderen gibt es auch Hefte ohne diese Bezeichnung, die Kindern sehr viel Spaß machen dürften. Wie immer gilt aber, dass es sich hierbei um eine persönliche Meinung handelt und nicht etwa um eine fundierte Analyse der Altersangemessenheit…

Alte Bekannte

Comics für Kids lassen sich unter verschiedenen Aspekten sortieren und sicherlich haben alle ihre Berechtigung. Beginnen möchte ich mit Titeln, die die Eltern kennen. Der eine oder die andere mag vielleicht beschließen, sie zunächst einmal selbst zu lesen und dann weiterzugeben.

In diese Kategorie gehört mit Sicherheit Onkel Dagobert und Donald Duck von Don Rosa. Die Egmont Comic Collection ist schon seit Jahrzehnten der Verlag für Comics mit dem Label Walt Disney und als solche auch der Hausverlag für den Barks-Epigonen Don Rosa. Eine Library seines Namens ist gerade gestartet und „Der Sohn der Sonne“ ist aus Band 1. Onkel Dagobert und sein Widersacher Mac Moneysac geraten mal wieder aneinander und die Ducks gehen auf die Suche nach einem Schatz der Inkas. Ich mag diese extrem detailreichen Bilder mit den vielen Strichen und freue mich über jede Gelegenheit, Don Rosa mal wieder zu lesen.

Die Minions haben nun schon ein Jahrzehnt auf dem Buckel und zählen damit als alte Bekannte. Waren sie anfangs nur als Sidekick gedacht, haben sie sich mittlerweile zum Star entwickelt und durften ihre wortlosen Scherze und Slapsticks bereits 2014 auch in Form eines Comics präsentieren. Renaud Collin und Didier Ah-Koon geben ihr Bestes. Für die kurze Unterhaltung zwischendurch, aber wohl eher für Jungs.

Natürlich darf auch Bibi Blocksberg nicht fehlen. Ihrem Comic fehlt zwar das entsprechende Label, die Abenteuer der 13-jährigen Hexe mit ihrer Freundin Miyu passen hier aber am Besten rein. Die Zeichnungen kommen von der Japanerin Hirara Natsume, die Texte von Olivia Vieweg (die auch in Teil Zwei hätte auftauchen können). Die bei Tokyopop erscheinenden Abenteuer sind schneller als die bekannten Geschichten, vielleicht auch etwas schräger. Sie dürften sich aber um einiges näher an der Welt der 8 bis 10-jährigen Mädchen bewegen als die alten Hörspiele und dienen natürlich als erster Einstieg in die Welt der Mangas.

Abenteuer wird es immer geben

Splitter/toonfish ist der mittlerweile größte Comic-Verlag in Deutschland und bringt weiterhin eine große Anzahl an neuen Reihen auf den Markt. Während sich Splitter dabei um Comics für Erwachsene kümmert, bedient toonfish die Kleineren. In Der Club der Drei Schwestern versuchen drei junge Mädchen mit sich und ihrer Umwelt klar zu kommen. Einerseits scheint ihre Mutter ein Geheimnis verbergen zu wollen, andererseits scheint ein komischer Traum doch Bezüge zur Wirklichkeit zu haben. Barbucci zeichnet traumhaft, verspielt und liebevoll nach einem Szenario von Di Gregorio. Dieses Heft mit dem Anfang von Teil 1 mag zu dem einen oder anderen Eintrag auf einer Wunschlist führen.

Die Campbells sind vom Setting etwas klassischer: Ein alleinerziehender Pirat möchte nur noch für seine heranwachsenden Töchter da sein und gibt sein spannendes Leben daher auf. Nur sieht die Umwelt das manchmal anders und so werden die Drei immer wieder mit der Vergangenheit konfrontiert. Natürlich hinkt der Vergleich, aber wer Lust an Pippi Langstrumpf hatte sollte es hiermit versuchen. Jose Munuera ist ein Meister der familientauglichen Unterhaltung und liefert hier ganz viele kleine Häppchen ab, die unbedingt ausprobiert werden sollten. Mehr im Carlsen Verlag.

Auch Valentin aus der Feder von Goscinny und gezeichnet von Tabary macht Spaß. Die Geschichten sind schon etwas älter und einen Vagabunden wie Valentin trifft man heute nicht mehr. Die Geschichten sind aber so liebevoll, die Emotionen so zart und der Slapstick so laut krachend, dass es trotzdem nicht aus der Zeit gefallen wirkt. Der All-Verlag hat gerade eine Gesamtausgabe gestartet.

Superheld*innen sind super!

In der diesjährigen Champions League steht Cristiano Ronaldo oder auch CR7 nicht im Finale. Dafür hat er jetzt seine eigene Comic-Serie und darf in StrikerForce das Übel dieser Welt bekämpfen. Die Idee dabei ist gar nicht schlecht, denn es gibt ein Gadget, dass Superschurken keine Chance lässt. Es muss seinen Gegner aber mit hoher Geschwindigkeit treffen und wer wäre da besser geeignet als der Ballkünstler? Ronaldo selbst verhehlt seine Begeisterung für Superhelden nicht und hofft auf die integrative Kraft dieser Geschichten. Umgesetzt ist das Ganze im Animated-Style, der eher nur jüngere ansprechen dürfte.

Comics haben es nicht erst seit Corona schwer und eigentlich haben es nur Mangas geschafft, sich wirklich im Buchhandel zu etablieren. Dies gilt umso mehr in den Vereinigten Staaten. Kein Wunder also, dass die Verlage versuchen, sich mit Graphic Novels für Kids und Heranwachsende dort positionieren wollen. Diese angepeilte Zielgruppe würde nie in Comic-Shops gehen und wäre daher ansonsten verloren. Panini ink bringt 3 Leseproben dieses Genres in einem Heft und behandelt dabei relevante Themen:

Die 15-jährige Harleen Quinzel ist ein engagiertes Mädchen. Sie ist nicht konsumorientiert, macht sich Gedanken und ist zudem auf sich allein gestellt. Damit ist eine Katastrophe fast schon vorprogrammiert. Der junge Bruce Wayne ist dagegen schon 18 als er zu Sozialstunden in Arkham verdonnert wird. Es kommt zu einer Begegnung mit den kriminellen Nightwalkern. Das Heft beschließen die ersten Seiten der Geschichte von Mera. Die Prinzessin des Unterwasserreichs will sich den Wünschen ihres Vaters nicht fügen.

Und sonst?

In diese Übersicht könnten auch noch andere Titel einsortiert werden, die das Label ebenfalls nicht aufweisen, oder andere, die bereits unter einer anderen Überschrift besprochen worden sind. Es geht hier aber nicht um Vollständigkeit und daher ist das selbstverständlich nur der Anreiz, auch die anderen Folgen zu lesen.

Mit dem Gratis Comic Tag bekommen natürlich Verlage die Möglichkeit, für ihre Produkte zu werben. Gleichzeitig können sich aber auch Händler präsentieren und potenziellen Comic-Fans die breite Auswahl vorführen. Nicht zuletzt ist es eine Super Gelegenheit, in Sachen hineinzuschnuppern, die man sonst nicht entdeckt hätte. Deshalb an dieser Stelle ein großes Dankeschön an all die Held*innen im Hintergrund, die dieses Event möglich machen!

Dazu passen die großartigen Randale, die Rockmusik für Kinder machen (etwa den Hardrockhasen Harald) und ein Nojito!

© der Abbildungen 2020 Gratis Comic Tag und den jeweiligen Verlagen und Künstler*innen

Swolfs/Montaigne – Prinz der Nacht 9

Arkanea

Story: Yves Swolfs
Zeichnungen: 
Thimothee Montaigne

Originaltitel: Le Prince de la nuit: Tome 9, ARKANÉA

Splitter Verlag

Hardcover Überformat | 48 Seiten | Farbe | 16,00 € |

ISBN: 978-3-96219-318-8

Arkanea beendet den dreibändigen Zyklus um die Entstehung und Jugend Kergans, seine ersten Handlungen als Vampir und vor allem um die Beziehung mit seiner Schöpferin Arkanea. Kurz: Wie wurde aus einem durchschnittlichen Vampir der Prinz der Nacht?

Die Story

Dakien ist ein Gebiet im Osten Europas, das noch traditionsbewusst genug ist, damit Erzählungen über Vampire Schrecken verbreiten können. Das Christentum hat bereits Einzug gehalten, seine Diener gebrauchen aber das Schwert fast noch häufiger als das Wort und Erzählungen über Folter im Namen des Herren verbreiten den gleichen Schrecken wie die über die Kreaturen der Nacht!

Kergan ist an seine Schöpferin Arkanea gebunden, sieht sich aber längst nicht mehr in der Rolle des bedingungslos folgenden. Zudem hat er sich die die junge Anna verguckt und sie – gegen den Willen seiner Herrin – zu einer Vampirin gemacht.

Während Arkanea gefoltert wird muss Kergan feststellen, dass die Bindung zwischen seiner Schöpferin und ihm ihn alle ihre Schmerzen erdulden lässt. Schon das wäre ein Grund, ihr helfen zu wollen. Wie aber soll er in die Burg kommen, in der der Inquisitor haust, denn er muss ja eingeladen werden. Wie es weiter geht bleibt dem Lesegenuss vorbehalten.

Spannende Story von Yves Swolfs über Beziehungen zwischen Lehrer*in und Schüler*in, gerade durch den Vergleich der beiden Erschaffenden und ihrer Unterschiedlichkeit. Zudem werden die Redlichkeit und Ernsthaftigkeit der Kirchendiener in Frage gestellt. Dient die Folter wirklich Gott oder vielleicht doch (auch) den Gelüsten des Folterers? Das Ganze ist auch ohne die zum dritten Zyklus gehörenden Bände 7 und 8 verständlich, besser ist es aber, sie in Gänze zu genießen!

Die Zeichnungen

Thimothee Montaigne ist im Vergleich zu dem letzten Album noch etwas sicherer geworden. Die Städte und die Burg sind gut getroffen und bieten je nach Bedarf das richtige Maß an Detail. Dadurch spielen sie sich nicht in den Vordergrund, erlauben aber ein gutes Framing. Die Gesichter und ihre Emotionen sind glaubwürdig, abwechslungsreich aber doch wieder zu erkennen. Heutzutage fast schon herauszuheben: Es gibt keine voyeuristischen Szenen in diesem Comic! Sowohl die Erschaffung der neuen Vampirin als auch die Folter kommen ohne zu viel Detail aus.

Montaigne hat genügend Blick- und Tempiwechsel in seinen Bildern. Die Folge von Nahaufnahmen und Totalen lässt ebenfalls ein gutes Tempo aufkommen. Die Bilder wirken in ihren rechteckigen Rahmen in drei oder vier Reihen aber etwas brav. Das Überlappen von Reihen und die großformatigen Panels setzt er noch etwas zu wenig ein, aber das ist ein Jammern auf relativ hohem Niveau.

Insgesamt ein würdiger Abschluss der drei Bände und ein Beweis dafür, dass Yves Swolfs nicht nur blutrünstige Western kann! Die Aufmachung von Splitter tut ein Übriges: Überformat und Hardcover sind im Regal eben doch was Feines!

Dazu passt Musik aus dem Archiv (Aber nicht, dass ich damit sagen möchte, dass die Herren auch etwas Blut getrunken hätten): The Pirates in der Rockpalast-Session aus den 70-ern! Begleitet von einem Wallufer Spätburgunder aus dem Rheingau wird aus dem Paket zum Lesen, Hören und Schmecken garantiert ein schöner Abend!!

© der Abbildungen Splitter Verlag GmbH & Co. KG ·   Bielefeld 2020

© Editions Glénat 2019 by Swolfs, Montaigne – Tous droits réservés

Gratis Comic Tag 2020 – Graphische Literatur aus deutschsprachigen Landen

GCT 2020 zum Zweiten – Titel von deutschsprachigen Künstler*innen – eine Übersicht

Der zweite Teil des Überblicks über die diesjährigen Titel des Gratis Comic Tages wirft einen Blick auf deutschsprachige Künstler*innen. Erfreulich viele von ihnen haben es zwischen die Heftdeckel geschafft. Außerdem ist es beachtlich, wie groß das Spektrum der Stilarten und Themen ist. Teil 1 hatte das Thema Western. Alle Infos zum GCT findet ihr auf der offiziellen Website.

Oskar Rohr, der Fußball und der Nationalsozialismus

Ich habe lange überlegt, in welcher Reihenfolge ich die Titel präsentieren möchte, immer war klar, dass ich mit diesem Titel anfangen möchte. Der gebürtige Münsteraner Julian Voloj hat sich darauf spezialisiert, Comic-Biografien von Menschen zu schreiben, die aufgrund äußerer Umstände ihren Weg nicht so einfach gehen konnten.

Nach Joe Shuster und Jean-Michel Basquiat beschreibt er erstmals ein deutsches Thema: Oskar Rohr war ein begnadeter Fußballer; als Stürmer war er maßgeblich an der ersten Deutschen Meisterschaft des FC Bayern München 1932 beteiligt und doch kennt heute kaum jemand seinen Namen. Als Jude teilte er das Schicksal von Millionen anderen als Internierter in einem Konzentrationslager! Seine Geschichte und damit auch eine Geschichte des Deutschen Fußballs unter dem Hakenkreuz wird in der bei Carlsen erschienen Graphic Novel Ein Leben für den Fußball von Julian Voloj (Text) und Marcin Podolec (Zeichnungen) erzählt. Das Heft zum GCT enthält den Anfang der Geschichte bis zum Wechsel nach München.

Kindercomic mit Piff-Puff-Bäng und Happy End

Der Kasseler Verlag Rotopol profitiert sicherlich von seiner Nähe zur dortigen Kunsthochschule denn er hat sich auf innovative, persönliche Werke spezialisiert, die von den Künstler*innen selbst getrieben werden. Dabei wagt er sich nicht nur auf den Bereich der Graphic Novel für Erwachsene, sondern bietet das Gleiche auch für Kinder! Allein schon dieses Wagnis ist es Wert, gewürdigt zu werden.

Pimo & Rex von dem ebenfalls aus der Münsteraner Ecke kommenden Thomas Wellmann bietet eine fast schon anarchische Geschichte über die beiden Helden Pimo & Rex die als Reisegefährten nach einer wilden Kneipenfeierei eine junge Frau vor düsteren Gestalten retten müssen. Magret wird von Wesen mit Zauberkräften entführt doch die Helden können sie – natürlich – befreien, müssen vorher aber noch einen Kampf gegen Skelette bestehen.

„Kinder“ ist für diesen Comic sicherlich auslegungsfähig. Es gibt genügend Anspielungen auf das Leben von Erwachsenen, die von Kleineren sicherlich nicht verstanden werden können und auch die Kampfthematik ist nicht jedermanns Sache. Für etwas Ältere könnte das aber gut funktionieren!

Horror und ein Zombie mit Superkräften

Seit Jahren ist Levin Kurio mit seinen Weissblech Comics beim GCT dabei. Der Schleswig-Holsteiner aus Schönwalde ist dabei ein echtes Multitalent, denn er ist in den meisten Fällen nicht nur für den Text, sondern auch Zeichnungen und Farben zuständig! In der WC-Anthologienreihe Horrorschocker erscheinen seit mittlerweile 56 Ausgaben Stories im Stil der alten Klassiker die die Leser*innen das Gruseln lehren sollen. Seite kurzem hat Levin auch Spaß an Superheld*innen mit deutscher Provenienz gefunden, wenn auch natürlich mit einem eigenen Dreh: die Origin-Geschichte von Zombieman beweist seine Lust am Fabulieren.

(c) 2020 Levin Kurio

Eine Ankündigung sei gewagt: So niemand etwas dagegen hat wird es in absehbarer Zeit ein Weissblech-Horror-Spezial auf comix-online geben. Seid gespannt was dort geschrieben sein wird.

Die Superheld*innen-Universen von ASH, LDH und Trachtman

Eher klassische Wesen mit Superkräften gibt es einerseits bei Austrian Superheroes-ASH und Liga der Deutschen Helden-LDH. Mittlerweile tummeln sich dort schon richtig viele Figuren in dem vor fünf Jahren gestarteten Universum.

ASH präsentiert dabei in diesem Jahr Heldinnen! Jedes der Hefte besteht aus einer längeren Story in Fortsetzungen und ein oder mehreren Kurzgeschichten mit Fokus auf die einzelnen Figuren. Hier gibt es gleich vier davon: Diana ist eine Geschichte über das Wasserwesen Donauweibchen gezeichnet von Isa Griesenberger in einem sehr US-artigen Stil. Team Berlin erzählt warum Göre und LAN zusammenarbeiten. Dozerdraws hat dafür einen eher am animated-style orientierten Weg gefunden. In Wasserscharaden getextet von Eggy und gezeichnet von Dagmar Wyka treffen wir Donauweibchen wieder, die zusammen mit Lorelei Unsinn macht.

Schwestern von Eli Baum übt deutliche Kritik am Heimwesen der katholischen Kirche in sehr schönen Bildern. Graphisch sicherlich am herausragendsten in diesem Heft. Den Abschluss bildet eine Geschichte über Lady Heumarkt und die Liebe von Benedict Anatol Thill und Verena Loisel mit sehr verzerrten Zeichnungen, die ebenfalls aus der Masse herausstechen. Wenn nicht anders angegeben sind die Texte von Harald Havas, der es geschafft hat, ein ganzes Universum mit Leben zu füllen UND andere daran teilhaben zu lassen. Die Vielfalt allein in diesem Heft beweist, dass Superheld*innen auch künstlerisch vielfältig und divers sein können!

Daneben gibt es auch noch den bayerischen Superhelden Trachtman von Christoph Kloiber und Henning Mehrtens. Wer ist der Echte ist die titelgebende Frage, denn bei einem Besuch in Bamberg (was zu Franken gehört und damit bereits einen Auslandseinsatz für den Helden bedeutet) kommt es zu einer Wiederauferstehung eines 1628 auf dem Scheiterhaufen verbrannten Hexers der Rache nehmen will. Im Kampf mit ihm wird Trachtman durch die Alternativwelten geworfen und sammelt dort Kräfte von seinen anderen Inkarnationen ein. Die Szenarien sind mehr oder weniger witzig, herausragend ist jedoch der Craftbiergnom der den goldenen Hopfen stehlen will! Vielleicht eher lokal von Interesse, schon wegen der deutlichen Dialekt-Färbung.

Und dann war da noch Werner

Lang lang ist es her, dass ein langnasiger Motorradfahrer mit Vorliebe für Bier und Wortwitz seinen ersten Auftritt hatte. Seitdem hat Werner 13 Bände hingelegt, die alle bei Bröseline neu verlegt worden sind. Ausschnitte aus den Bänden 7 bis 12 gibt es in 2020, die früheren Bände waren bereits im letzten Jahr zu sehen. Die Zeichnungen und Kurzgeschichten von Brösel (d. i. Rötger Feldmann) sind platt, laden zu erhöhtem Bierkonsum und Arbeitsverweigerung ein und respektieren weder Ausbilder, Polizisten oder Nazis. Vielleicht waren die Bände deswegen in den Neunzigern mehr Hype als ein neuer Asterix und der Film und das Rennen haben sicherlich dazu beigetragen. Die Karawane ist längst weitergezogen, der Hype findet woanders statt, aber Werner ist immer noch da.

Dazu passen – extra für den Craftbiergnom – ein Josefs Dunkel aus der Josefs-Brauerei Bigge und natürlich deutsche Musik von The Frits aus Wattenscheid.

© der Abbildungen 2020 Gratis Comic Tag und den jeweiligen Verlagen und Künstler*innen