Michel Vaillant 54: Die Bugatti-Affäre

Cover Michel Vaillant 54

Story: Jean Graton
Zeichnungen: Jean Graton, Studio Graton

ZACK-Edition – MOSAIK Steinchen für Steinchen Verlag
Softcover | 48 Seiten | Farbe | 13,00 €
ISBN: 978-3-86462-148-2

Michel Vaillant ist wohl DIE bekannteste Rennfahrerserie überhaupt weltweit und ihr Erfinder und anfangs auch alleiniger Szenarist und Zeichner Jean Graton war ein ständiger Gast auf allen Rennstrecken dieser Erde um das Flair der Piste und der Boxen, den Geruch und das Adrenalin hautnah einzufangen. So spielen in dieser Serie nicht nur die erfundenen Personen des Clans Vailant und ihrer Hauptgegner mit, sondern auch unzählige echte Rennfahrer. Noch heute besteht diese enge Verbindung: So nahmen beispielsweise am 24 Stunden Rennen von Le Mans im letzten Jahr (2017) zwei Oreca 07 für das Team Vaillante Rebellion unter anderem gesteuert von Nelson Piquet junior, Nicolas Prost und Bruno Senna teil. Damit wurde ein Vaillante aus der zweiten Staffel von der neuen Generation vormaliger Weltmeister gefahren.

Die allererste Geschichte wurde bereits 1957 in Tintin veröffentlicht und war von Graton noch in der klaren Linie Herges angelegt. Später wurden die Zeichnungen aufgelockerter und moderner und Graton erhielt die Unterstützung seines Sohnes Phillippe bei den Szenarien und des Studios Graton bei den Zeichnungen. Bis 2007 sind 70 Alben in der nun sogenannten ersten Staffel erschienen von denen aktuell 61 Bände in der ZACK-Edition erhältlich sind!

Michel Vaillant 54 page 18

Nach den ersten Anfängen als Michael Voss noch in der Mickyvsision 1965 und den grandiosen Zeiten im alten ZACK hatte Michel Vaillant in Deutschland eine Verlags-Odyssee durchzustehen, ehe der jetzige Verlag vor 12 Jahren begann, nach und nach zunächst alle unveröffentlichten und dann alle vergriffenen Publikationen einheitlich neu herauszubringen. Auch die lesenswerte zweite Staffel mit neuen Kreativen und einer modernisierten Handlung läuft bereits seit 2012 und ist ebenfalls im MOSAIK Verlag auf Deutsch erschienen. Den Vorabdruck bietet der Tradition folgend das „neue“ ZACK!

Der aktuelle Band (Nummer 54) erschien erstmalig vor 20 Jahren auf Deutsch und ist jetzt um redaktionelle Inhalte ergänzt und in guter Druckqualität wieder aufgelegt worden. Da es sich bei „Die Bugatti-Affäre“ eigentlich eher um einen Krimi handelt, ist dieser Band sehr zeitlos! Steve Warson – zu dieser Zeit noch mit Julie Wood liiert, die daher ebenfalls kurze Auftritte hat – wird von einem ehemaligen Schulkameraden gebeten, an einer Geburtstagsüberraschung für dessen todkranken Vater mitzuwirken. Er möchte ihm ein Rennen in Zandvoort mit klassischen Bugatti-Autos und aktuellen erfolgreichen Fahren schenken und wer wäre besser für eine solche Aufgabe geeignet als Steve, der immer schnell zu begeistern ist. Da es für ein solches Unterfangen einiger Bugattis bedarf, kommt die Cité de l’Automobile – Musée National – Collection Schlumpf zu einem großen Auftritt, denn Steve besucht dieses größte Automobilmuseum der Welt in Mühlhausen. Alleine diese Bilder sind es schon wert, den Comic zu lesen!

Michel Vaillant 54, page 10

Wie für Serien aus dieser Zeit typisch, steht nicht alleine die Handlung im Vordergrund: Immer wieder werden Rennstrecken und Autos – wie auch hier – detailliert vorgestellt und beschrieben. Die Zielgruppe sind halt technikbegeisterte Jungen und männliche Erwachsene. Dass dieses Konzept auch heute noch funktioniert lässt sich immer wieder beobachten, wenn Jungen oder Jugendliche bei Messen am Stand von Michel Vaillant die Alben durchblättern! Ein wesentliches Erfolgsmerkmal von Michel Vaillant ist dabei die Akribie der Vorbereitungen und die Genauigkeit der Darstellungen. So ließe sich dieses Album durchaus als Museumsführer für einige Bugattis aus der Automobilstadt verwenden.

Zurück zum Ablauf: Nachdem Steve es unter großen Schwierigkeiten tatsächlich geschafft hat, alle Beteiligten zur Mitwirkung zu überreden und ein phantastisches Rennen in Zandvoort stattgefunden hat, soll dem todkranken, im Rollstuhl sitzenden und vor Rührung überwältigtem Mann eine Nacht im Kreise der Oldtimer ermöglicht werden.

ACHTUNG SPOILER: Am folgenden Tag beginnt dann die Krimihandlung, die auf sehr offensive Weise mit den guten und schlechten Charaktereigenschaften von Steve Warson aber auch von Michel Vaillant spielt. Der sonst so strahlende Held muss sich tatsächlich am Ende entschuldigen.

Die Zeichnungen bewegen sich hauptsächlich im strengen 4×2 Layout mit teilweisen Verbindungen innerhalb der Zeile oder von zwei Zeilen. Selten wird auch einmal ein dreizeiliger Aufbau verwendet. Die ganzseitigen Illustrationen dienen entweder der katalogartigen Darstellung vieler unterschiedlicher Modelle oder dienen der Dramatik und der Geschwindigkeit im Rennverlauf und sind daher bewusst eingesetztes und für die jeweilige Aufgabe optimales Stilmittel gerade wegen ihrer Exklusivität!

Michael Vaillant 54, page 46

Klare Kaufempfehlung für diesen Titel der trotz seines Alters auch heute noch nichts von seinem Reiz verloren hat: Klassische Autos, Lautstärke der Motoren und ein ehrlicher Betrug J

Dazu passen ein guter und starker Kaffee und der Sound dröhnender Motoren.

Abbildungen © 2018 MOSAIK Steinchen für Steinchen Verlag

StripGlossy 9 – Juni 2018

Herausgeber: Mirjam van der Kaaden & Seb van der Kaaden

Verlag StripGlossy Personalia vof
Heft Din A 4 | 132 Seiten | Farbe | 8,95 €
ISSN: N/A

Schon im dritten Jahr erscheint bei unseren Nachbarn in Leens/Groningen das Magazin StripGlossy, dass sich der niederländisch-sprachigen Comic Kultur verschrieben hat. Alle drei Monate erscheint ein neues Heft mit einem externen Schwerpunktredakteur und einem ansprechenden Mix aus Comicbeiträgen und Artikeln bzw. Interviews. Für alle, die den Überblick über die Entwicklungen in diesem Markt behalten oder gewinnen wollen ist StripGlossy wegen der Vielfalt der Themen  eine gute Möglichkeit. Einen ersten Einblick bietet die Webseite www.stripglossy.nl. Der Titel leitet sich aus dem niederländischen Wort für Comics „Strip“ und dem verwendeten „glossy“ Papier ab. Natürlich sind alle Texte in Niederländisch verfasst. Während die gesprochen Sprache durchaus schwer zu verstehen ist erschließt sich der Inhalt beim Lesen ganz gut, wenn man des Englischen und des Plattdeutschen oder Kölschen Dialekts mächtig ist.

Bild Seite 41

StripGlossy ist in den Niederlanden fast überall im Zeitschriftenhandel und in Comicläden erhältlich und kann auch in Deutschland abonniert werden.

Viele niederländische Werke sind mittlerweile auch in Deutschland erhältlich. Das betrifft nicht nur die Disney-Zeichner (Daan Jippes zum Beispiel) sondern auch Serien wie Rhonda (im ZACK) oder Storm und Agent 327 (bei Splitter) um von Klassikern wie dem General gar nicht zu reden. Trotzdem gibt es dort viel mehr zu entdecken!

Comix-online möchte den Blick über die Landesgrenzen nie verlieren und deshalb werde ich auch weiterhin immer mal wieder einen Hinweis auf lesenswerte Veröffentlichungen aus den Niederlanden geben. StripGlossy gehört definitiv dazu!

Die aktuelle Ausgabe wurde von Fred de Heij betreut und enthält teilweise expliziten Content. Im Vorwort erklären die Herausgeber, dass sie die Leser*innen nicht zwingen möchten, diesen Teil (es handelt sich um sechs Seiten) zu lesen/anzusehen. Deshalb sind die entsprechenden Seiten versiegelt und müssen nicht geöffnet werden. Trotzdem enthält das Cover den Hinweis, dass diese Ausgabe für 18+ empfohlen wird. Auch das Titelbild selber spielt mit diesem Thema da es temperaturabhängige Schwärzungen enthält. Den Herausgebern war vermutlich nicht in den Sinn gekommen, dass die Temperaturen dieses Sommers  grundsätzlich den Effekt auslösen werden. Mensch sollte sich davon aber nicht abschrecken lassen, die übrigen 126 Seiten sind von dieser Klassifizierung nicht betroffen.

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Die aktuelle Ausgabe stellt zunächst Fred de Heij mit der bekannten Technik des Fragebogens und zwei Beispielen seines Schaffens vor; handelt es sich bei Pulpman  um eine eher karikatureske Version eines Clowns ist De Overval ein klassischer Western. Beide Werke sind meines Wissens nach nicht auf Deutsch erhältlich. Daran anschließend wird ein Frühwerk von Dick MatenaFinn – abgedruckt. Im späteren Verlauf ist daraus Flynn geworden. Während Elemente der späteren Serie schon durchaus zu erkennen sind, ist der Bezug auf den klassischen Pulp, der als Inspiration diente, hier noch sehr deutlich zu erkennen.

Die Seiten von Ger Apeldoorn und Luca Salvagno bieten dagegen einen ersten Einblick in die  brandneue Serie De Jongens van de Witt die im sogenannten „goldenen Zeitalter“ spielt. Die Niederlande sind zwar sehr stolz auf diese Zeit, erlauben aber auch eine durchaus despektierliche Sicht! Weitere Comics sind von dem oben schon erwähnten Daan Jippes (Beterman, einer herrlichen Superheldenparaodie), Jesse van Muylwijck mit einer sehr spannenden Parodie eines Richters und Peter de Smet mit einer Geschichte des Generals sowie vielen weiteren lesenswerten Stories.

Besonders erwähnen möchte ich noch die Rubrik des „Strip Battles“. Zwei Teams erhalten die Möglichkeit zu einem vorgegebenen Thema eine Seite abzuliefern. Die Leser*innen dürfen dann voten, von wem sie mehr sehen möchten und das Gewinnerteam darf in den kommenden vier Ausgaben jeweils eine Story veröffentlichen. Natürlich sind auch die Gewinner der Battles der letzten Ausgaben vertreten. Meines Erachtens eine perfekte Möglichkeit für neue Teams bzw. Texter/Zeichner in einer Person!

Strip-Battle - Seite 67

Der gesondert gesicherte Strip ist dann erneut von Fred de Heij.

Abgerundet wird das Ganze mit News, Verkaufscharts und Werbung nicht nur für die großen Verlage.

Dazu passt The Men they couldn’t hang – Waiting for Bonaparte und ein Weizen oder noch besser ein Witbier.

Abbildungen © 2018 StripGlossy / Personalia vof

MOSAIK – Anna, Bella & Caramella – 37/2018

Herausgeber: Klaus D. Schleiter

Autor/Szenario: Jens U. Schubert

Zeichnungen: Jens Fischer
Verlag MOSAIK Steinchen für Steinchen Verlag
Heft KF | 52 Seiten | Farbe | 3,40 €
ISSN: 0323-8857

Mit einem Feuerwerk und einer Tortenschlacht feiert der Ableger der erfolgreichen Mosaik-Reihe mit den Abrafaxen bereits seinen 10. Geburtstag. Comix-online gratuliert herzlich!

Auch in diesem spin-off geht es um drei Zeitreisende, die ihre jeweiligen Charaktereigenschaften einbringen um gemeinsam Abenteuer erfolgreich zu bestehen. Im Gegensatz zur Hauptserie sind es hier aber drei Mädchen – Anna, Bella und Caramella – die für die Unterhaltung ihrer Leserinnen und Leser sorgen. Die Redaktion achtet dabei ausdrücklich darauf, keine Geschlechterklischees zu bedienen und entwirft sowohl die Reisen der Abrafaxe als auch diese hier für die ganze Familie. Trotzdem stehen hier starke Frauen im Mittelpunkt: so hatten zum Beispiel die Nobelpreisträgerin Marie Curie oder die weltweit erste Programmiererin und Mathematikerin Ada Byron schon ihren Auftritt.

Die aktuelle Ausgabe ist Teil des seit der Nummer 35 laufenden Abenteuers in London. Gekonnt werden personenbezogene Elemente der waghalsigen und kein Risiko scheuenden Anna und der organisierenden Bella mit zeitgeschichtlichem Flair vermischt. So gebietet die Ehre den Adligen selbstverständlich etwas Unwahres zu sagen, nicht aber, etwas Wahres möglicherweise zu verschweigen. Eingebettet in ein Fest mit geplantem Feuerwerk und ungeplanter Tortenschlacht versuchen die Heldinnen ihre Zeitkarte wieder zu erlangen und müssen dafür ein hohes Risiko eingehen.

Die Zeichnungen sind dabei sehr detailreich und teilweise karikierend. Die Panele sind immer drei-reihig angeordnet, umfassen aber oft in der horizontalen oder vertikalen Verbindungen und sind daher sehr aufgelockert.

Abgerundet wird das Ganze durch ein Preisrätsel, einen Bericht über den Weg von der ersten Idee bis zur fertigen Seite und die „Wissensbeiträge“ über physikalische und biologische Kenntnisse auf die im Heft angespielt wurde. Dazu gibt es dann noch ein Backrezept für die „einfachste Torte der Welt“ die sich mit dem beigefügten Bastelbogen noch verzieren lässt.

Auch ein Überblick über die Inhalte der letzten 10 Jahre und die Aufteilung der einzelnen Hefte auf die Handlungsbögen fehlt nicht.

Liebevoll, kind- und familiengerecht, ohne Plastikmüll und pädagogisch sinnvoll – eine ernsthafte Alternative zu vielen anderen Magazinen für diese Zielgruppe!

Und was hört und trinkt mensch dazu? Selbstgemachte Limonade und eine Kinderlieder-playlist natürlich.

Abbildungen © 2018 MOSAIK Steinchen für Steinchen Verlag

Die Ferien sind vorbei

Nun geht es also wieder weiter… Meine Sommerferien sind leider wieder vorbei, haben mich aber einige spannende Entdeckungen machen lassen.

Neben einigen Rezensionen aus dem deutschen Markt folgen hier in Kürze Berichte über ein holländisches Magazin mit einem hohen Comic Anteil aber auch vielen Artikeln und Interviews und über den Abschluss der zweiten Amoras-Reihe.

Außerdem möchte ich den Hype um Spirou in Berlin, den deutschen Beitrag zu dieser langlebigen Serie, nutzen um auch andere landesspezifische Ergänzungen vorzustellen.

Meine liebsten Comic-Shops Teil 3: Stripwinkel Fantasia, Amsterdam

Der „Stripwinkel Fantasia“ liegt an der Buitenveldertselaan 174 in 1081 AC Amsterdam in einem kleinen Areal mit mehreren Geschäften und einem Parkplatz und ist nur sonntags geschlossen. Montags öffnet das Ladengeschäft allerdings erst mittags. Fantasia betreibt auch einen Online-shop: https://www.stripwinkelfantasia.nl/ bzw. https://fantasiashop.nl

Das Ladengeschäft ist alles andere als geräumig, macht aber das Beste aus der Enge. Neben einem kleinen aber feinen Merchandise-Bereich im Eingangsbereich wird die rechte Ladenhälfte von einer großzügigen Ausstellungsfläche für neue Comics an der Wand und einem großen halbhohen Regal eingenommen. Der Betreiber legt Wert darauf, nicht nur die gängige Ware auszustellen, sondern hält auch Luxusausgaben und kleinere Verlage bereit. Im hinteren rechten Teil finden sich die aus allen klassischen Darstellungen bekannten Kästen mit second-hand-Ware in unterschiedlichsten Zuständen.

So weit so gut: Freundliches Personal und ein großes Angebot sind zwar selten, machen aber noch keinen wirklichen Unterschied.

Fantasia bemüht sich jedoch seit Jahren kontinuierlich darum, seinen Kund*innen auch Signierstunden und selbst produzierte Luxusausgaben und ExLibris in kleiner Auflage anzubieten. Hier ist insbesondere die Verbindung mit Hermann zu erwähnen, der einmal pro Jahr den Laden besucht und jeweils eine kleine Serie von neuen Kunstdrucken erlaubt. In diesem Jahr fand sie am 10 März statt und wurde von einer speziellen Luxusausgabe des zweiten Teils von „Duke“ und 8 neuen Drucken in 200-er Auflage begleitet.

Im hinteren Ladenbereich liegt eine große Anzahl von prall gefüllten Mappen mit den Restbeständen dieser Aktionen so dass man genügend Zeit mitbringen sollte. Neben älteren Drucken aus der Comanche und Andy Morgan-Zeit sind auch aktuellere signierte und limitierte Drucke für einen sehr fairen Preis zu erwerben. Die besondere Beziehung zu Hermann Huppen ist auch die Begründung für die Möglichkeit, die Comanche-Ausgabe des Splitter-Verlages hier erwerben zu können.

Da der Laden vom Hauptbahnhof in Amsterdam mit öffentlichen Verkehrsmittel in ca 25 Minuten zu erreichen ist, solltet ihr unbedingt einen Besuch einplanen, wenn ihr denn schon in Amsterdam seid.