Munuera, Béka/Etien – Spirou präsentiert 3 + 4

Spirou präsentiert 3 – Zyklotrop 3 – Lady Z.

Story: Munuera
Zeichnungen: Munuera

Originaltitel: ZORGLUB – Lady Z

Carlsen Verlag
Softcover | 64 Seiten | Farbe | 12,99 €
ISBN: 978-03-551-77706-5

Spirou präsentiert 4 – Rummelsdorf –Enigma

Story: Béka
Zeichnungen: David Etien

Originaltitel: Champignac – Enigma

Carlsen Verlag
Softcover | 64 Seiten | Farbe | 12 €
ISBN: 978-03-551-77676-1

Nebenfiguren im Fokus

Spirou ist nicht nur der Name eines wöchentlichen belgischen Comic-Magazins sondern auch der Name des Titelhelden. Seit er von Rob-Vel erstmals gezeichnet worden war, hat er zwar eine ganze Reihe von Vätern gehabt, war aber immer wieder im Magazin präsent. Eine erste größere Pause gab es, als sein berühmtester Zeichner Andre Franquin wegen einer scheren Depression nicht mehr arbeiten konnte und das laufende Abenteuer unterbrochen werden musste.

Seit dem sind viele Kreative gekommen und gegangen. Mittlerweile hat sich die Hauptserie schon lange verabschiedet und Spinn-offs haben ihren Platz eingenommen. Neben der langlebigen Serie um den kleinen Spirou und spezieller Serien in den Nachbarländern waren das vor allem One-Shots (Spirou par …/ Robbedoes door …), die in Deutschland unter dem Label Spirou und Fantasio Spezial erscheinen.

SE EBEL PORTOLKYZ!

Seit einiger Zeit gibt es aber auch Geschichten über die Nebenfiguren der Hauptserie. Den Anfang machten die Erzählungen von Munuera über Zyklotrop, einen ehemaligen Studienkollegen des Grafen von Rummelsdorf, und seine „Tochter“ Zandra. Zyklotrop ist boshaft, größenwahnsinnig aber auch tollpatschig und damit perfekt geeignet, in einer wahnwitzigen Klamaukreihe den Helden zu geben. Seine Tochter ist ebenfalls sehr intelligent, setzt ihre Fähigkeiten aber anders ein: Sie möchte Spaß haben und nicht die Welt beherrschen! Trotzdem muss sie ihren „Vater“ ein ums andere Mal retten. Obwohl sie sich wie ein Teenager benimmt, ist sie kein menschliches Wesen. Die beiden „Z.“ werden von Fredorg, einem mechanischen Butler, unterstützt.

Im aktuellen, bereits dritten Band Lady Z. möchte Zyklotrop viel Geld mit dem Verkauf von Klonen machen. Sie können nicht nur aus der DNA lebender Personen erzeugt werden, sondern auch aus der bereits verstorbener. Ob es allerdings eine gute Idee ist, die Markteinführung mit einem Elvis-Klon zu machen, der nur eine sehr begrenzte Haltbarkeit aufweist und als Kunden einen russischen Mafiosi zu haben, sei dahin gestellt. Auch intern bastelt Zyklotop an weiteren Replikanten.

Grafisch liefert Munuera eine saubere Arbeit ab. Der Stil ist vereinfacht und Computerkoloriert, lässt aber trotzdem alle Details erkennen. Das Markenzeichen der Serie ist jeweils eine doppelte Ausklappseite, die ein riesiges Splash-Panel zeigt. Witziges spinn-off, das nicht an die Qualitäten der Arbeiten von Franquin oder Tome & Janri heranreicht, dafür aber auch gesellschaftliche Probleme nur karikieren möchte. Das Lesealter wird dementsprechend mit ab 10 Jahren angegeben.

Pankratius Hieronymus Ladislaus Adalbert, Graf von Rummelsdorf 

Gleichzeitig ist als Nummer 4 der Reihe der erste Teil der dem Grafen selbst gewidmeten Bände erschienen. Die Geschichte spielt 1940; der Graf wird mit einer Geheimbotschaft nach England eingeladen. In dem kleinen Örtchen Bletchley versuchen verschiedenste Menschen mit speziellen Begabungen die von den Deutschen mit einer Enigma verschlüsselten Nachrichten zu dechiffrieren.  Zwar gibt es eine erbeutete Maschine, die komplexen Codes werden aber täglich neu eingestellt und so muss ein Muster gefunden werden.

Eine spannende Geschichte mit bekannten Teilnehmern wie etwa Alan Turig, dessen Test zur Qualität einer Künstlichen Intelligenz noch heute Verwendung findet, oder Ian Fleming, der später Romane über Geheimagenten schreiben sollte. Béka (das sind das französische Autorengespann Bertrand Escaich und Caroline Roque) hat hier sehr geschickt eine spannende Geschichte aus der Zeit des Zweiten Weltkrieges als Grundlage genommen. Der Mix aus historischen Fakten und der erfundenen Verwicklung des Grafen von Rummelsdorf überzeugt. Der Graf kümmert sich bereits als Jungspund um die speziellen Eigenschaften verschiedener Pilze und weiß diese einzusetzen, ist aber gleichzeitig auch ein wenig trottelig.

David Etien hat das an den Stil der Hauptserie angelehnt umgesetzt, dabei aber auch gleichzeitig modernisiert. Herausgekommen ist eine etwas erwachsenere Interpretation, die trotzdem noch zielgruppenadäquat rüberkommt. Tipp für alle, denen die Hauptserie fehlt.

Dazu passen die witzigen Klänge des Melbourne Ska Orchestra und – wegen des ersten Teils – ein Virgin Sunrise!

© der Abbildungen 2019 Dupuis/2020 Carlsen Verlag GmbH, Hamburg