Jean-Michel Charlier präsentiert Band 1
Story: Jean-Michel Charlier
Zeichnungen: Artur Aldoma Puig
Originaltitel: Kean-Michel Charlier présente: Brice Bolt 1 & 2
Blattgold Verlag – ZACK Edition
Hardcover | 128 Seiten | Farbe | 39,00 € | ISBN: 978-3-949987-74-8

Jean-Michel Charlier war einer der produktivsten Szenaristen seiner Zeit und auch einer der erfolgreichsten. Zunächst arbeitete er an Buck Danny und für Dupuis an Serien wie Die Biber-Patrouille, später wechselte er zu Pilote und startete etwa Tanguy & Laverdure oder Leutnant Blueberry. Der studierte Jurist arbeitete zeitweilig an acht Serien zur gleichen Zeit. Eine davon war Marc Dacier, eine Reihe über die realistisch gezeichneten Abenteuer eines Journalisten. Nach dem Weggang von Eddy Paape, dem Zeichner, überarbeitete Charlier das bereits geplante nächste Szenario. Mit dem neuen Zeichner wurde daraus Brice Bolt!
Zu innovativ für Spirou
Prinzipiell hat sich am Setting nicht viel verändert: Der bekannteste Journalist der Zeitung L´Eclair, Brice Bolt, bekommt den Auftrag, eine Sensationsmeldung zu überprüfen. In der Südsee scheint eine Horde monströs großer Krabben eine Insel überfallen zu haben. Das Konkurrenzblatt Clairon beschließt, ebenfalls seinen besten Mann auf die Story anzusetzen um „das Schmierenblatt zu entlarven“.
Die Reise gestaltet sich von Beginn an sehr schwierig. Man versucht, Bolt zu überfahren, die Tickets werden storniert, die Wohnung des zweiten Reporters, Luc Deferre, wird in die Luft gesprengt. Bolt wird schließlich sogar in einer südamerikanischen Diktatur zum Tode verurteilt. Glücklicherweise hat Deferre aber seine eigene Auffassung von der Ehre des Berufstandes und so beschließen die Beiden, zunächst zusammenzuarbeiten.

Es gelingt ihnen schließlich, die Insel zu erreichen. Dort bewahrheitet sich nicht nur die Geschichte der Krabben, sie bekommen es auch mit weiteren riesenhaft vergrößerten Tieren und Insekten zu tun. Natürlich steckt dahinter ein Plan, doch werden sie lange genug überleben, um ihn aufdecken zu können? Charlier schöpft aus dem Vollen und präsentiert einen Wissenschaftsschocker vom Feinsten. Natürlich müssen die Finsteren Jungs auch einer uns Deutschen leider wohlbekannten Ideologie folgen…
Zeichnungen mit vielen Farben
Der Zeichner Artur Aldoma Puig bringt frischen Wind in das Spirou-Magazin! Seine realistischen Zeichnungen sind bunt eingefärbt, Grün- und Rottöne bestimmen die Panel. Seine Monster sind schrecklich und die Zeichnungen sind keineswegs auf ein kindliches Publikum ausgerichtet. Tatsächlich beschweren sich Leser*innen und vor allem Eltern zuhauf. Während das Magazin zunächst versucht, mit positiven Statements dagegen zusteuern, endet der Versuch schließlich doch mit dem zweiten Teil dieses Doppelbandes.

Puig war einer der spanischen Agentur-Zeichner, der für das Ausland, und hier vor allem für englische Magazine, arbeitete. Dieser Stil war auf dem Festland noch nicht wirklich bekannt und seiner Zeit in den damaligen Magazinen weit voraus. Umso erfreulicher ist es, dass wir mit dieser Gesamtausgabe jetzt in den Genuss dieser Zeichnungen kommen. Sicherlich Geschmackssache, für mich aber eine sehr willkommene, zu schnell verwelkte Blüte in der Zeit von Spirou!
Gesamtausgabe mit ausführlichen Dossier
Nicht nur, dass Georg F. W. Tempel mal wieder eine neue Reihe gestartet hat, die die vergessenen Perlen des großen Szenaristen (erstmals) auf den deutschen Markt bringt, die Bände sollen auch jeweils ein ausführliches Dossier mit Hintergründen zu der Zeit, der Serie und natürlich den Zeichnern enthalten! Wenn sie dem Muster dieses ersten Teils folgen, ist das großartig!

Die Reihe kommt als gut gebundenes Hardcover auf leicht glänzendem Papier. In der vollen Sonne ist das vielleicht nicht super gut lesbar, aber wer nimmt schon ein Hardcover mit an den Strand? Es bleibt zu hoffen, dass diese Reihe genügend Käufer*innen finden wird!
Dazu passen The Courettes mit „Shake“ und ein fruchtiger Cocktail eurer Wahl.
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