ZACK 328 (Oktober 2026)

ZACK 328

Herausgeber/Chefredaktion: Georg F. W. Tempel

Blattgold Verlag

Heft Din A 4 | 100 Seiten | Farbe | 9,70 €
ISSN: 1438-2792

Cover ZACK 328

Auch wenn die Temperaturen noch nicht unbedingt an den Herbst erinnern (man denke nur an den Spruch für die Winterreifen: O bis O), das Motorradfahren wird schon gefährlich mit all dem Laub auf der Straße. Insofern tröstet das Cover vielleicht dein Einen oder die Andere ein wenig.

Der Neustart

Es ist noch gar nicht so lange her, da lief der erste Teil der Neuauflage von Ray Ringo im ZACK. Vor 5 Monaten endete der Vorabdruck, mittlerweile ist auch das Album bei Splitter erschienen. Der Held, der eigentlich mit seiner Verlobten ein neues Leben anfangen wollte, musste hinnehmen, dass diese zunächst von ihrer grausamen Familie entführt worden war, nur um dann von einem Trupp Indianer verschleppt zu werden. Die Gefangene enthält einen die Leser*innen aufklärenden erweiterten Rückblick aus ihrer Warte und spielt in tiefsten Winter. Roman Surzhenko muss sich dementsprechend der Herausforderung stellen, die verschneite Landschaft in jedem Panel anders darzustellen (und es gelingt ihm bravourös). Éric Corbeyran ist ein alter Hase des Storytellings, der die Geschichte der Verfolgung spannend auf die Sprechblasen verteilt!

ZACK 328 page 27

Die Fortsetzungen

Familiengeheimnisse sind immer die Schlimmsten. Jahrelang glaubt man an das Gute und plötzlich erfährt man von den Leichen, die irgendwo tief unten im Keller versteckt worden sind. Zunächst einmal muss Julie Wood aber beweisen, dass ihre gute Platzierung im ersten Rennen keine Eintagsfliege war. Philippe Pelaez verbindet die Krimistory mit den Rennszenen und der Comig-of-Age-Zutat zu einer gut lesbaren, aufeinander abgestimmten Choreografie, Claudio Stassi ist in seinen Zeichnungen manchmal etwas zu schematisch, prinzipiell aber gut unterwegs. Nur die Kolorierung lässt etwas Herzblut vermissen.

ZACK 328 page 5

In Ghost Squadron stellt sich mittlerweile ernsthaft die Frage nach der Qualität der verfügbaren Maschinen; teilweise wäre Klapperkiste ein treffenderer Ausdruck. Zudem ist fraglich, wer sie denn fliegen kann oder sollte. Zumindest wird klar, dass die Entscheidungen nicht ganz freiwillig getroffen werden können. Eine Flieger-Serie der etwas besonderen Art von Patrice Buendia mit Zeichnungen von Damien Andrieu. Wenn es denn einen Wermutstropfen gibt, dann die manchmal etwas zu schnell gezeichneten Mundpartien. Ansonsten ist das Anschauen der Panel ein großer Spaß.

ZACK 328 page 43

Wie viel Leid kann eine Frau ertragen? Betrogen, vergewaltigt, zum Tode verurteilt, nach Indien verschifft, verheiratet, aber dem Geliebten fern, … Nun aber deutet sich ein Wechsel an, denn als ihr Bruder sie in ihrem eigenen Palast bedroht, reagiert ihr Mann, der Maharadscha sofort und emotional und will den offiziellen Statthalter Frankreichs zum Tode verurteilen. Wird in Rani die Rolle der Königin die Rolle der Verletzten überragen? Mitreißendes Geschehen in exotischer Umgebung aus früheren Zeiten von Jean Van Hamme und Alcante, routiniert gezeichnet von Francis Vallès. Fast ist es schade, dass nur noch ein weiterer Band aussteht, aber noch bleibt genügend Zeit, die Serie zu würdigen!

Detail ZACK 328 page 57

Aus der Vergangenheit in die Zukunft: Die Welt hat den Zugriff auf das Web, Mobiltelefonie und ähnliche „Errungenschaften“ verloren, eine brutale Regierung unterdrückt das Volk. Trotzdem gibt es einen Prozess gegen den Anführer der Rebellion (auch wenn das Urteil natürlich längst feststeht).  Der zukünftige Anwalt des Gefangenen, seine Auftraggeberin und ihre Schwester spielen ihre Rollen in einem immer undurchschaubarer werdenden Geflecht aus Politik, Erweckungsfantasien und Alltag in einer postapokalyptischen Welt, grandios angerührt von Hans van Oudenaarden ist Wynona eine sehr positive Bereicherung des Franko-Belgischen Standards!

ZACK 328 page 71

Und auch die Brigade Verhoeven läuft weiter: Der Bomber hat weitere Sprengsätze versteckt, die üblichen polizeilichen Methoden versagen und ein Sonderling muss versuchen, den Karren aus dem Dreck zu ziehen, bevor weitere Explosionen losgehen. Leider ergeben aber die bekannten Fakten wenig Sinn. Eine gut konstruierte Abfolge von unerwarteten Kleinigkeiten von Pascal Bertho nach den Romanen von Pierre Lemaître, auf das Papier (oder wohl eher das Tablet) gebracht von Yannick Corboz. Es lohnt sich, nicht nur die einzelnen Panel zu betrachten sondern jeweils auch die ganze Seite!

Detail ZACK 328 page 87

Und sonst?

Im zweiten Teil der längeren Tizombi-Erzählung kämpfen sich die Freund*innen durch einige Level, um schließlich die Frage nach der Intelligenz zu stellen – sehr spaßig, ich bin ein großer Fan dieser Serie, auch wenn sie bei den Jahrespolls leider nie gut abschneidet. Nirgendwo sonst wird das Horror-Genre so schön auf den Arm genommen.

Dazu kommen gleich zwei Interviews: mit Thomas Gronle-Legron über seine Graphic Novel Das Ritual und mit Colin Wilson. Im ersten Teil des längeren Interviews geht es vor allem um die Jugend von Blueberry. Dazu kommen News, Rezensionen und der Keller von Frank Neubauer, Der Rückblick auf das ZACK vor 50 Jahren, Der Ritter und Parker & Badger. Für eine lange Kurzweil ist also gesorgt!

Dazu passen Mark Foggo mit dem „St. Valentinesday Massacre“ und ein Spezi.

© der Abbildungen bei den jeweiligen Künstlern und Verlagen / Blattgold GmbH, Bad Dürkheim 2026

Lucas Museum of Narrative Art

A sweeping journey through the images that tell our stories

Herausgeber/Autor: Jessica Hundley

Mit Beiträgen von: George Lucas, Guillermo del Toro, Ryan Linkof

Originalausgabe

Taschen Verlag

Hardcover 2 Bände im Schuber | 832 Seiten | Farbe | 175,00 € | ISBN: 978-3-7544-0564-2 (EN)

Cover Lucas Museum of Narrative Art
Art © Don Maitz

George Lucas hat ein eigenes Museum for Narrative Art eröffnet. Das ist zunächst schon mal eine gute Nachricht, denn sie enthält die Mitteilung, dass das, was eine der bedeutendsten Geschichten der Science-Fiction hat entstehen lassen, nachvollziehbar wird. Die Nachrichtensendungen transportieren diese Meldung, zeigen die wunderschöne moderne Architektur des Museumsgebildes mit seinen 30 Galerien, und verweisen auf die Person des Stifters und dass sein Kunstbegriff auch unterhaltende Kunst umfasst. Das ist die eine Seite!

Die andere ist, dass hinter diesem Museum und seiner Eröffnungsschau eine Theorie der erzählenden Kunst steht, die so ausführlich und anschaulich dargestellt ihrer Gleichen sucht. Es gibt viele Sammler*innen von Kunstwerken. Viele von ihnen sammeln sogar mit einem Ziel: ein*e Künstler*in, eine Richtung, eine Geografie, ein Thema, oftmals weiter eingeschränkt. George Lucas hat im Laufe der Jahre 40.000 Artefakte gesammelt, die ihn berührt haben, ohne auch nur ein einziges davon wieder zu verkaufen. Diese persönliche Motivation hat dazu geführt, dass die Werke sich in einer Weise ähnelten, die es erlaubte, eine Theorie damit zu unterfüttern.

Alle diese Kunstwerke erzählen eine Story, unterfüttern sie oder stellen sie in Frage, selbst wenn das des Schaffenden nicht immer ausdrücklich klar war!

Ein Bild ist neutral?

Keinesfalls! Ein Bild steht fast immer in einem Zusammenhang. Es normiert Erwartungen, schafft einen Rahmen des Erwartbaren, Erlaubten, Frivolen, … Selbst eine Flucht in eine romantische Landschaft, ein abstraktes Muster, ein Stillleben ist eine Aussage, erst recht die Darstellung einer soziologischen Begebenheit.

Das fängt bei den Geschichten für Kinder an: Ist es eine heile, konservative Welt mit einem normierten Familienbegriff? Oder gibt es Patchworkhintergründe und queere Eltern? Sind die Kinder gemischt nach Ethnien, Geschlecht und Alter oder separiert? Alle diese scheinbar unwesentlichen Details bilden den Hintergrund der ersten Prägung, die nicht von den Eltern ausgeht und damit quasi objektiv wahrgenommen wird. Die Darstellung der heilen Familie in der Vorstadt (Stichwort: Tradwives) unterscheidet sich von der Influencer-Welt, der Schichtarbeit, der Land-WG. Es ist aber nicht nur die Darstellung, die sich unterscheidet, es ist auch der damit bezweckte Impetus.

Lucas Museum of Narrative Art drawing from Rockwell
Norman Rockwell
Age of Romance, cover for The Saturday Evening Post,
November 10, 1923. Oil on canvas, 30 x 24 in. (76.2 x 61 cm)

Ganz plump ausgedrückt: Unterstützen das Bild und seine Narration die herrschenden Verhältnisse, stellen sie sie in Frage oder rufen sie gar zu einer revolutionären Aktion auf? Es ist wichtig, sich der Tatsache bewusst zu sein, dass Bilder in einem Kontext lesbar sind.

Der Massendruck bot eine Möglichkeit, dieses Medium in viele Haushalte zu bringen, die Rezeption war aber immer noch individuell: beim Zeitung-/Magazinlesen, beim Betrachten des Kunstdruckes an der Wand, beim Durchblättern eines Bildbandes.

Vom Individuum zur Gruppe

Jede individuelle Rezeption mag Folgen haben, sie mag sogar im Gespräch mit Anderen Unterstützung finden und somit kollektive Entscheidungen beeinflussen; das ist aber kaum planbar. Anders ist es mit öffentlichen Präsentationen: ein Mural (Wandbild) erreicht nicht nur die gesamte Nachbar*innenschaft, sondern zieht vielleicht sogar Auswärtige an, eine Ausstellung, noch mehr ein Film garantiert eine Gleichzeitigkeit des Erlebens und ermöglicht dadurch Interaktion und kollektive Beeinflussung.

Das soll im Übrigen keineswegs nur negativ klingen! Eine Unterstützung von Tierschutz und Umweltbewusstsein, eine Änderung im täglichen Verhalten wie Mülltrennung, Aufklärung über krankheitsfördernde Umstände sind – zumindest für mich – sehr positive Folgen dieser subtilen, aber wirksamen Präsentation von narrativer Kunst. Nicht zuletzt basiert unsere demokratische, freie Gesellschaft auf der Interaktion und der Vereinbarung auf das Beste für Alle.

Ein weiterer Aspekt kommt hinzu: Gemalte Bilder und erschaffene Skulpturen haben immer etwas Subjektives und unterliegen damit einem gewissen Vorbehalt. Ein Foto hingegen bildet die Realität ab, niemand kann es anzweifeln (nun ja, schon immer konnten Fotos manipuliert werden, aber nie war es einfacher als heute mit AI). Dokumentarfilme mit bewegten Bildern waren noch eindringlicher: Seeing is believing!

Lucas Museum of Narrative Art drawing from Colescott
Robert Colescott
George Washington Carver
Crossing the Delaware:
Page from an American History
Textbook, 1975. Acrylic on
canvas, 78 1/2 x 98 1/4 in.
(199.4 x 249.6 cm)


© Estate of Robert Colescott / VG Bild-Kunst, Bonn 2026

Der Museumskatalog führt nicht nur diese Gedanken sehr viel tiefer aus, allerdings auf Englisch, er führt auch eine Vielzahl an Beispielen aus der umfangreichen Sammlung an. Diese belegen positive wie negative Elemente, zeigen an Gegensätzen die Wirkung und hinterfragen ein ums andere Mal die teilweise behauptete Objektivität. Schon die Auswahl des Motivs hat einen Einfluss!

Die Glaubwürdigkeit der Kulisse

Der erste Band des zweiteiligen Kataloges schließt mit dem filmischen Star Wars Universum. Es geht nicht nur darum, welch großartige Story der Film erzählt (oder besser die Vielfältigkeit der erzählten Geschichten, die sich zu einem modernen Mythos verbinden), sondern auch darum, was man tun muss, um die Glaubwürdigkeit zu erreichen.

Das fängt damit an, dass die Kulissen, Raumschiffe und Kleidungsstücke nicht sauber poliert sind. Die damaligen SF-Filme sahen oftmals so aus, als ob die Putzkolonne das Setting gerade verlassen hatte. In Star Wars waren die Sachen alt, geflickt, staubbedeckt und damit … glaubhaft! Die Sandleute hatten nicht nur Männer, sondern auch Kinder und Frauen; diese unterschieden sich in ihren Klamotten. Die heute ikonische Prinzessin Leia trug etwas, das Adel ausstrahlte, im Kampf aber nicht behinderte, die Fahrzeuge und die fremden Wesen waren erkennbar anders, konnten aber funktionieren.

George Lucas hatte nie vor, nur einen erfolgreichen Film zu drehen, er wollte ein Universum erschaffen, bevölkern und mit den Geschichten in diesem Setting Prinzipien Gehör verschaffen, Probleme des Erwachsenwerdens, des Gegensatzes von Gut und Böse, von Machtmissbrauch thematisieren und ernst genommen werden. Dafür ist/war es notwendig, sich mit diesem Setting alle Mühe zu geben, um eine glaubwürdige Basis zu haben.

Lucas Museum of Narrative Art drawing from Chiang
Doug Chiang
Starship Landing Platform (detail), production art for Star
Wars: Episode II — Attack of the Clones, 2000. Acrylic on board,
10 5/8 x 17 3/4 in. (27 x 45.1 cm)

© & TM Lucasfilm Ltd. All Rights Reserved

Der zweite Band des monumentalen Werkes bleibt bei der erzählten Geschichte, führt sie allerdings von der Leinwand zurück auf das Papier. Imaginierte Welten entführen die Betrachter*innen und zeigen etwas, das nicht existiert, aber doch eine bestimmte Funktion erfüllen soll. Diese kann zunächst einmal positiv sein, also ein Ideal darstellen oder eine Auffassung von gemeinsamer Geschichte definieren.

Ein Beispiel dafür ist die Besiedlung des sog. „Wilden Westens“. Weder war dieser leer, noch gingen die ursprünglichen Bewohner*innen freiwillig. Die Neuankömmlinge waren keineswegs immer friedlich oder voll mit guten, demokratischen Gedanken. Trotzdem ist auch durch die Darstellung in Pulps, in Gemälden und Comics eine Basis für ein Verständnis dieser Geschichte geschaffen worden, dass als Gründungsmythos dient (und natürlich auch von Foto und Film unterstützt wurde). Im Endeffekt beruht ein Großteil der Identität der Vereinigten Staaten auf dieser – die Geschichte nicht unwesentlich formenden – erzählten „Wahrheit“.

Diese Welten beziehen sich aber nicht nur auf die Geschichte, sie sind auch in anderen sowohl soziologischen als auch philosophischen Bereichen spürbar. Da wäre zunächst der Bereich Romantik und Abenteuer. Natürlich werden die zukünftigen Erwachsenen auch durch das geprägt, was sie als Kinder und Jugendliche als Rollenbilder vorgesetzt bekommen. Die heile Familie, der allen Gefahren trotzende und Andersartige abschlachtende Held sind die eine Seite, das hilfsbereite Kind in einer offenen Gesellschaft, das solidarische Leben von Erwachsenen die andere.

In enger Wechselwirkung dazu stehen die Themen Science-Fiction und Fantasy; Während erstere eher gesellschaftliche Visionen und Dystopien beschreibt, spielen in letzterem wieder die Helden, seltener Heldinnen, und Machtstrukturen eine Rolle. Abschießend geht der Katalog auf wenige Künstler*innen spezifisch ein, die pars pro toto stehen.

Must Have!

George Lucas und seine Frau Mellody Hobson haben letzte Woche bei der Eröffnung des Museums den ersten 100 Besucher*innen persönlich die Hand geschüttelt. Das neu errichtete Bauwerk ist schon ohne Ausstellung einen Besuch wert, die Schau mit ihren fast eineinhalb Tausend Stücken erst recht! Wer es aus welchen Gründen auch immer wie die meisten von uns nicht nach Kalifornien schaffen sollte, hat mit dem Katalog Lucas Museum of Narrative Art eine echte Alternative! Gut aufbereitet, informativ und einordnend und trotzdem locker lesbar ist das Werk ein heißer Anwärter für das Sachbuch des Jahres!

Wer sich auf die Reise macht, sollte den Katalog vorher lesen, sich seine eigenen Gedanken machen und versuchen, diesen im Gebäude mit seinen 30 Sälen zu folgen. Die Werke sind im Original mit Sicherheit noch eindrucksvoller, die Theorie des visuellen Erzählens und seine Folgen ist in Häppchen vorab genossen wahrscheinlich besser verständlich als bei einem Besuch.

In beiden Fällen ist der Schuber mit seinen zwei Bänden nicht nur ein Hingucker im Regal, sondern auch ein lehrreicher und begeisternder Zeitvertreib bei allen Wartereien!

Dazu passen Gustav Holst mit „Die Planeten“, ein Espresso (aus Äthiopischen Bohnen) und ein guter Bordeaux.

© der Abbildungen 2026 Lucas Museum of Narrative Art | 2026 Taschen GmbH, Köln

Das Blake und Mortimer Lexikon

52 Stichworte!

Hrsg.: Jean-Pierre Naugrette

Vorwort: Yves Sente

Originaltitel: Blake & Mortimer de A à Z (Éditions de La Martinière/Le Monde)

Carlsen Comics
Hardcover | 144 Seiten | Farbe | 30,00 € | ISBN: 978-3-551-80917-9

Cover Blake und Mortimer Lexikon

Bei unseren französischen Nachbarn hat der Comic schon im Allgemeinen einen wesentlich höheren Stellenwert als bei uns. Zwar ist auch hier der neue Asterix sowohl ein Medienereignis mit Sonderausgaben von sonst eher „ernsthaften“ Publikationen als auch gigantischen Verkaufszahlen. Ansonsten aber wird die Gattung eher nicht öffentlich gewürdigt. Im Nachbarland haben dagegen viele Serien nicht nur eine hohe Verkaufsauflage, sie werden auch durch Sonderausgaben von Magazinen wie Geo oder Zeitungen wie Le Monde gewürdigt. Diese vereinen populärwissenschaftliche Erkenntnisse, Artikel über die Serie und Abbildungen zu einem gut lesbaren Band.

Zwei englische Gentleman mit einer verzweigten Geschichte

Das Blake und Mortimer Lexikon ist die deutsche Übersetzung einer vor zwei Jahren erschienenen Veröffentlichung der renommierten Zeitung Le Monde. In etwas mehr als 50, meist zweiseitigen stichwortbezogenen Artikeln widmet es sich den Helden von „Archäologie-Fiktion“ bis „Z’ong“. Einige der Beiträge sind Serien-immanent und beschreiben Gegner, Personen oder häufig wiederkehrende Orte, andere beziehen sich eher auf den Schöpfer, Edgar P. Jacobs, und seine Nachfolger*innen.

Ihnen ist gemeinsam, dass der gut lesbare und Hintergründe erläuternde Text von einer Vielzahl von Abbildungen begleitet und unterstützt wird. Auch für eingefleischte Fans ist es dabei sehr schön, dass die meisten Stichworte mit Panel aus mehreren Alben bebildert sind. Dadurch lassen sich sowohl stilistische Unterschiede begreifen als auch Verbindungen ziehen.

Blake und Mortimer Lexikon page 4
© der Abbildungen Éditions Blake & Mortimer / Studio Jacobs, 2024 | Le Monde 2021, 2024 | 2024 Éditions de La Martinière | 2026 Carlsen Verlag GmbH, Hamburg

Wer also schon immer einmal wissen wollte, welche Beziehung die Serie zu James Bond hat, was der Centaur-Club ist oder welche Rolle Okkultismus in verschiedenen Ausprägungen in und für die Serie spielt, sollte den mit einem Glanzlack-Motiv versehenen Hardcover-Band aufschlagen und sich überraschen lassen.

Ein Lexikon? Wirklich? Ja!

Wie immer ist die Nutzung eines Lexikons eine sehr persönliche Sache: man kann es von vorne nach hinten lesen, den Index nutzen um zu einem bestimmten Stichwort zu springen oder das Buch irgendwo aufschlagen … Natürlich können die meisten Fragen mittlerweile auch von einem der vielen LLMs beantwortet werden. Diese würden aber zumindest juristische Probleme haben, ihre Antworten auch so wirkungsvoll zu bebildern und man müsste natürlich auch auf all die Fragen kommen, die der Herausgeber hier gesammelt hat.

Blake und Mortimer Lexikon page 6
© der Abbildungen Éditions Blake & Mortimer / Studio Jacobs, 2024 | Le Monde 2021, 2024 | 2024 Éditions de La Martinière | 2026 Carlsen Verlag GmbH, Hamburg

Wer sich mit der Serie schon länger beschäftigt hat, kennt das Dossier der Reddition, die Blake & Mortimer Bibliothek mit Informationen zu den Werken von Jacobs und vielleicht noch mehr. Trotzdem bleibt der Genuss des Schmökerns über die jahrzehntelange Geschichte, ihre Verästelungen und Unterschiede (etwa im Rollenbild der Frau)!

Dazu passen eine der englischten Bands der Pop-Musik, Madness, und ein London Pride Ale.

© der Abbildungen Éditions Blake & Mortimer / Studio Jacobs, 2024 | Le Monde 2021, 2024 | 2024 Éditions de La Martinière | 2026 Carlsen Verlag GmbH, Hamburg

ZACK 327 (September 2026)

ZACK 327

Herausgeber/Chefredaktion: Georg F. W. Tempel

Blattgold Verlag

Heft Din A 4 | 100 Seiten | Farbe | 9,70 €
ISSN: 1438-2792

Cover ZACK 327

Zurück an die Arbeit ist das wohl typische Gefühl des Septembers; der Urlaub ist noch in den Gedanken, die neuen Eindrücke setzen sich so langsam, und die vormals unbekannten Speisen und Gewürze verlangen nach einer Wiederholung. Nur die wenigsten werden allerdings so viel Exotik erlebt haben, wie sie das Covermotiv suggeriert: die zum Tode verurteilte und geflohene Französin hat es mittlerweile wirklich zur Rani, zur Herrscherin, gebracht. Der vorletzte Teil der Serie startete im letzten Heft.

Die Neustarts

Es gibt aber noch zwei andere Heldinnen, die auf die Seiten des ZACK zurückkehren; den Anfang macht Wynona. Wir erinnern uns: Eine sehr heftige Sonneneruption hat alle Chip-basierten Technologien auf der Erde zerstört, in diesem Post-Katastrophen-Szenario wird ein heruntergekommener Anwalt damit beauftragt, den Anführer des Widerstandes zu verteidigen, allerdings ohne Vorbereitungszeit und mit miesen Aussichten. Bevor es dazu kommt, muss der Held allerdings noch eine Begegnung mit dem Großvater der Heldin überstehen. Das Opfer ist die spannende Fortsetzung des Öko/SF/Thrillers von Hans van Oudenaarden (VanO).

ZACK 327 page 39

Vor kurzem ist gerade der erste Teil der neuen Geschichten mit Julie Wood als Album erschienen, jetzt geht es im ZACK schon weiter mit dem zweiten Streich: Familiengeheimnisse! Warum mussten die Eltern der nun von ihrem Onkel aufgezogenen Wood-Kinder sterben? Und warum interessieren sich sowohl staatliche Behörden als auch augenscheinliche Gangster plötzlich für eine alte Werkstatt? Während Julie weiter an ihrer zukünftigen Moto-Cross Karriere arbeitet, zeigt sich, wie brutal der Gegner zu sein scheint. Spannender Re-Boot mit immer besser werden Zeichnungen von Claudio Stassi nach einem Szenario von Philippe Pelaez.

ZACK 327 page 71

Die Fortsetzungen

Ohne die Hilfe der Frau des Gouverneurs von Pondicherry hätte Jolane niemals überleben können, um so größer ist das Bedauern der Rani, als sie ihr mitteilt, dass sie Indien Richtung Frankreich verlassen werden und dass ihr Erzfeind der Nachfolger ihres Mannes werden wird. Die Königin hat aber auch in ihrem Palast mit Widrigkeiten zu kämpfen: Nicht nur ihre modernen Ideen werden teilweise abgelehnt, auch die anderen Frauen des Maharadscha wollen auf ihre Privilegien nicht verzichten. Flott zu lesendes Drama in acht Akten von Jean Van Hamme und Alcante, stilsicher umgesetzt von Francis Vallès.

ZACK 327 page 5

Ghost Squadron ist ein moderner Vertreter des Flieger-Genres, der ein wenig Thrill mitbringt. 1953 wird der Deserteur Fletcher Williams von seiner Vergangenheit eingeholt und zu einem besonderen Auftrag gezwungen: Er soll einen verschollenen Milliardär aufspüren, sein letzter Aufenthaltsort war Das verfluchte Atoll. Patrice Buendia schickt seine Held*innen nicht nur in die Vergangenheit, er kann sie auch ganz handfesten Situationen aussetzen; Damien Andrieu zeichnet heruntergekommene Typen, Boote und Flugzeuge mit den gleichen – guten – Ergebnis.

Detail ZACK 327 page 59

Warum versucht ein Sohn, seine Mutter, Rosie, mit Bombenanschlägen freizupressen, obwohl sie seine Verlobte getötet hat? Dieser Frage müssen verschiedene Dienststellen der Pariser Polizeibehörden nachgehen, der erpresserische Täter will aber nur mit Kommissar Verhoeven reden. Die Zeit läuft, denn das angekündigte nächste Ziel würde Kinder als Opfer haben. Nachgeben oder den Fall rechtzeitig lösen, welche Alternative ist vielversprechender? Brigade Verhoeven ist ein Krimi mit zynischen und poetischen Momenten von Pascal Bertho nach den Romanen von Pierre Lemaître, die Yannick Corboz in einem modernen Stil zur vollen Blüte bringt.

Detail ZACK 327 page 23

Die Abschiede

Pfeifenrauch und Seidenstrümpfe geht – leider – zunächst einmal zu Ende. Das Frühwerk von Étienne Willem besticht durch eine spannende Story die englische Adelspolitik mit einem Kriminalfall verknüpft, weibliche Stärken und männliche Selbstsicherheit aufeinanderprallen lässt, den von dem Zeichner bekannten Stil, der zu grotesken Übertreibungen in der Darstellung von Figuren neigt, bereits deutlich erkennen lässt und nebenbei eine aufgeräumte Katze zeigt. Die letzte Folge beinhaltet die Auflösung des Falles und erklärt das Vorkommen des Schwarzen Flecks. Wie gut, dass es noch weitere Teile gibt.

ZACK 327 page 85

Und sonst?

Normalerweise gibt es von Tizombi nur One-Pager; Tizombi ist verschwunden ist eine mehrseitige Ausnahme in zwei Teilen! Auch Der Ritter und Parker & Badger sind dabei, Michael Klein erzählt über das ZACK vor 50 Jahren, Bernd Hinrichs bespricht den sehr empfehlenswerten Taschen-Band mit Hal Foster‘s Tarzan und Andreas Eikenroth wird zu seinem Georg–Büchner-Zyklus befragt. Damit erlaubt das September-ZACK eine anhaltende Begleitung im Übergang von Sommer-Ferien zu den ersten Herbst-Stimmungen.

Dazu passen Cock Sparrer mit der Split-EP „Back to the Bones“ und ein Grauburgunder.

© der Abbildungen bei den jeweiligen Künstlern und Verlagen / Blattgold GmbH, Bad Dürkheim 2026

ZACK 326 (August 2026)

ZACK 326

Herausgeber/Chefredaktion: Georg F. W. Tempel

Blattgold Verlag

Heft Din A 4 | 100 Seiten | Farbe | 9,70 € | ISSN: 1438-2792

Cover ZACK 326

Die Urlaubszeit ist in vollem Gange und man möchte hoffen, dass das aktuelle Cover kein Omen ist, zeigt es doch die Überreste eines abgestürzten Flugzeugs. Das Bild gehört zu der neuen Serie Ghost Squadron, die in diesem Heft ihren ersten Deutschland-Auftritt hat. Ansonsten passt das Heft aber natürlich sowohl in das Handgepäck, den Koffer oder den Tisch für den Urlaub auf Balkonien!

Die Neustarts

Ghost Squadron ist tatsächlich ein echter Neustart und keine Rückkehr, obwohl der Texter, Patrice Buendia, gerade ZACK-Leser*innen sehr bekannt ist, erscheinen doch sowohl Tanguy & Laverdure als auch die Flügel der Zeit unter diesem Label, lediglich Buck Danny findet sich woanders. Zeichner Damien Andrieu hat zwar mit Buendia schon anderweitig zusammengearbeitet, die Titel sind aber auf Deutsch (noch) nicht erschienen. Hier geht es um einen Deserteur, der 1953 von der CIA aufgespürt wird. Sein ehemaliger Vorgesetzter lässt dem ehemaligen Fliegerass die Wahl: Er begibt sich auf die Suche nach einem verschollenen Milliardär oder geht in den Knast. Das verfluchte Atoll ist der letzte bekannte Ort.

ZACK 326 page 5

Wieder dabei ist dagegen Jolane, die mittlerweile zur Rani, der Frau des Radschah, geworden ist. In ihrem siebten und vorletzten Album Königin muss sie mit der Situation klarkommen, dass die Mutter ihres Gemahls sie bekämpft, da sie die heiligen Traditionen nicht achtet und den Radschah zu einem modernen, aufgeklärten Monarchen machen will. Gleichzeitig ist sie nicht „in der Lage“, für einen männlichen Nachkommen zu sorgen. Stress haben Jean Van Hamme und  Alcante also wieder vorprogrammiert, Francis Vallès setzt das ursprünglich als TV-Serie konzipierte Geschehen professionell wie gewohnt um.

ZACK 326 page 37

Die Fortsetzungen

Der kleinwüchsige Kommissar Verhoeven wird bei diesem Fall an sein eigenes, nicht aufgearbeitetes Verhältnis zu seiner Mutter erinnert, fordert der vermutliche Bombenattentäter doch die Freilassung seiner Mutter, die aufgrund der Tötung seiner Partnerin einsitzt. Während er sich gerne raushalten würde, scheitert Antiterror mit einem sehr zynisch dargestellten Versuch. Werden die Mitglieder der Brigade Verhoeven den Fall voranbringen können bevor die nächste Bombe explodiert? Rosie ist eine spannende Geschichte von Pascal Bertho nach den Romanen von Pierre Lemaître, die von Yannick Corboz sehr abwechslungsreich zu Papier gebracht wurde.

ZACK 326 page 21

Pfeifenrauch und Seidenstrümpfe habe ich im letzten Review als „cosy & english“ bezeichnet. Hinzuzufügen wäre dem vielleicht, dass die Gegenspieler bei der Londoner Polizei keineswegs höflich miteinander umgehen und nicht einmal den Anschein dazu wahren. Das tut dem Genuss allerdings keinen Abbruch, der viel zu dicke Kommissar und sein viel zu dünner Gegenspieler können sich dadurch Bälle zuwerfen. Es scheint sich endlich eine Spur zu ergeben, allerdings ist Der Schwarze Fleck noch nicht überall gefunden worden. Ein vorzügliches Frühwerk von Étienne Willem.

ZACK 326 page 50

Die Abschiede

Auch in diesem Heft gibt es zwei Abschiede, einer davon ist für immer.

Während Harry & Platte auf der Suche nach dem Brandstifter sind, der in der Gegend von Nizza mehrere Feuer gelegt hat, wüten tatsächlich die schlimmsten Feuer seit langer Zeit in Südeuropa und vertreiben Bewohner*innen, Tourist*innen und Landwirtschaft aus vielen Gebieten. Man kann nur hoffen, dass in der Realität die Löscharbeiten ebenfalls erfolgreich verlaufen werden. Denis Lapière und Alain Sikorski haben mit Feuer & Schwert eine klassische Story des Duos geschrieben und dem Ganzen doch ein wenig „Moderne“ verpasst, die allerdings auch schon mehr als 30 Jahre auf dem Buckel hat!

ZACK 326 page 65

Der Bucklige von Montfoucon verlässt uns dagegen für immer, der History-Dreiteiler ist mit Unser Vater beendet. Wie wird der Bruderkrieg ausgehen? Noch scheinen Pierre und Quasimodo auf der siegreichen Seite zu stehen, besitzen sie doch den Brief, der die Legitimität des Königs anfechten kann. Eric Stalner kombiniert seine Panel zu anspruchsvollen und schönen Seiten, Philippe Pelaez hat dazu das passende Szenario verfasst, das historisches Ambiente und Kostüme, Verrat und Leidenschaft miteinander kombiniert.

ZACK 326 page 83

Und sonst?

Als Pausenunterhaltung dienen Der Ritter, Parker & Badger und Tizombi mit sehr humorigen Einlagen, wie immer begleitet von News, dem Rückblick auf das ZACK vor 50 Jahren und einigen Rezensionen. Dazu kommt eine Vorschau auf die neue Reihe Aus der Spur vom Verfasser dieser Zeilen und der abschließende Teil eines Interviews mit Francois Walthéry, dem Mann hinter Natascha und anderen Serien, das aus dem Französischen übernommen wurde. Auch die August-Ausgabe des ZACK bietet damit genügend Stoff für ein paar Urlaubsmomente!

Dazu passen Sondaschule mit „Pommesbude“ und ein alkoholfreies Weizen von Brand.

© der Abbildungen bei den jeweiligen Künstlern und Verlagen / Blattgold GmbH, Bad Dürkheim 2026

ICOM COMIC! Jahrbuch 2026

Schwerpunkt: Comics über Rechtsextremismus

Herausgeber: Burkhard Ihme
Interessenverband Comic E.V.
Softcover | 268 Seiten | Farbe | 15,25 €
ISBN: 978-3-88834-956-0

Cover ICOM COMIC! Jahrbuch 2026

Mit der Präzision eines Uhrwerks erscheint Jahr für Jahr das ICOM COMIC! Jahrbuch; die 26. Ausgabe im Jahr 2026. Wie meistens gibt es neben Berichten aus den Independent Werkstätten, Länderberichten, Interviews und natürlich den Preisträger*innen der diesjährigen ICOM Independent Comic Preise sowie der XPPen Preise auch wieder ein Schwerpunktthema. Angesichts des überall zu beobachtenden Rechtsrucks und dem Versuch, Geschichte neu zu schreiben, ist es kein Wunder, dass es in diesem Jahr um Comics über Rechtsextremismus geht.

Der Schoß ist fruchtbar noch

Auf fast 140 Seiten werden Comics zum Thema Faschismus/ Rechtsradikalismus/ Drittes Reich/ Neonazis vorgestellt. Dabei steht keineswegs nur der Bereich Independent im Vordergrund; hier geht es wirklich um einen zwar subjektiven, aber doch ziemlich umfassenden Überblick, der unabhängig ist vom Status der beteiligten Künstler*innen und Verlage. Thematisch sinnvoll gruppiert stellen verschiedene Autor*innen Comics mit bibliographischen Angaben, Inhaltsangabe, Einordnung und Abbildungen dar. Während ich solche Zusammenstellungen aus den Niederlanden durchaus kenne, ist mir ein derartig umfassendes Dossier aus Deutschland nicht bekannt.

Bevor sich jetzt die falsche Seite beschwert: Es geht dabei nicht um geschichtsklitternde Werke oder solche, die die Verbrechen der Deutschen Wehrmacht leugnen. Der Alltag im Dritten Reich, der Widerstand und Erlebnisse aus den besetzten Gebieten sind dagegen sehr wohl dabei. Es ist gut zu sehen, wie viele Comics es zu diesem Thema gibt, welche Vielfalt an Themen, Standpunkten und Stilrichtungen zu finden ist und wieviel Ernsthaftigkeit dabei zu Tage tritt. Die Demokratie ist noch nicht am Ende. Mit dabei ist zum Beispiel auch „Andi“, ein Comic vom Verfassungsschutz.

Die Preisträger*innen

Ein weiterer Schwerpunkt sind wie in jedem Jahr die von einer Jury Auserwählten. Alle nominierten Titel werden vorgestellt und bekommen dadurch ihre verdiente Bühne. Wie immer kommen dazu die Interviews mit den Gewinner*innen des letzten Jahres. Da das Jahrbuch immer passend zur Preisverleihung erscheint, kann es die aktuellen Besten zwar verkünden, Reaktionen aber nicht einschließen. Dies erfolgen dann jeweils im nächsten Jahr. Gleichzeitig ist dadurch ein erneuter Push für die Sichtbarkeit gewährleistet.

Bester Independent Comic in der Kategorie Selbstveröffentlichung wurde Herrmann von Ray Henderson. Der Autor veröffentlicht nicht nur im Selfpublishing, sondern auch beim ungarischen Verlag 5 Panels. Die Internationalität ist auch hier nicht mehr aufzuhalten! Der beste Independent Comic als Verlagsveröffentlichung ist in diesem Jahr Der Zahn von Ayse Klinge aus dem Kibitz Verlag. Comics für Kinder sind also nicht nur in Erlangen preiswürdig! Der Sonderpreis geht an Titus Ackermann und würdigt sowohl seine Arbeit für mogamobo, ein Umsonst (!) Comicmagazin mit einer Auflage von mittlerweile mehr als 2.000.000 verteilten Exemplaren als auch seine Miniserie Was vom Leben übrig bleibt!

Der XPPen-Preis für herausragende Digitale Comics geht an zwei Teams: Tinkerville Blues von Michael Mikolajczak und Andreas Möller, mehrere Noir-Kurzcomics, die im gleichen Universum spielen wie Die Spinne. Ebenfalls ausgezeichnet wurde der Fantasy-Titel Onaya – Rise of a Druidess von Luphialia und Mario Affenzeller. Auch hier gibt es Inhaltsangaben und Bildmaterial und somit genügend „Werbung“ um den Einen oder die Andere zum Kaufen zu überreden.

Ein Blick auf die Szene

Dazu kommen mehrere Interviews, die sowohl die Bereiche Comic als auch Cartoon/Karikatur beleuchten. Der Band enthält auch viele Cartoons, die in den üblichen Zusammenstellungen eher nicht enthalten sind und stellt somit eine wichtige Bereicherung dar. Die lesenswerten Länderberichte aus USA und den Niederlanden erlauben einen Einblick in die Szene. Hier geht es weniger um einzelne Titel, sondern mehr um Befindlichkeiten und Strategien. Den Schluss bildet wie üblich der Bericht über Kurz- und Trickfilme. Diese sind zwar offizieller Bestandteil und auch Teil des Covers, stellen aber nur einen kleinen, nichtsdestotrotz interessanten Anteil.

Muss das sein? – JA!

Es gibt viele Publikationen, Magazine und Wiederveröffentlichungen bei denen sich die Frage stellt, ob die Welt wirklich darauf gewartet hat. Und auch Erstveröffentlichungen hätten manchmal lieber nie das Licht der Welt gesehen. Das ICOM COMIC! Jahrbuch ist dagegen ein Highlight des deutschen Comicjahres. Nirgendwo sonst gibt es in dieser geballten Form Einblicke in und aus der Szene und Empfehlungen. Der Preis ist zudem unschlagbar günstig, die 268 Seiten kosten weniger als der aktuelle Lucky Luke Hardcover! Zudem ist es erfrischend zu lesen, dass eine Szene Stellung bezieht!

Dazu passen ein Erdinger Dunkel und im Hintergrund läuft das Mod-Radio UK!

© der Abbildungen Verleger, Zeichner und Fotografen c/o Interessenverband Comic e.V. ICOM 2026

ZACK 325 (Juli 2026)

ZACK 325

Herausgeber/Chefredaktion: Georg F. W. Tempel

Blattgold Verlag

Heft Din A 4 | 100 Seiten | Farbe | 9,70 €
ISSN: 1438-2792

Cover ZACK 325

Die letzten Tage haben dazu verleitet, Bewegungen einzustellen und mehr zu lesen als gewöhnlich. Für die kommenden Tage ist es zwar nicht mehr ganz so heiß, die Ablenkungen durch die Fußball-WM dürften dafür bei vielen aber kleiner geworden sein, denn zumindest die Deutschen und ihre Nachbar*innen aus den Niederlanden, also der Großteil der Zielgruppe dieser Seiten, dürfen ja nicht mehr mitspielen.  Das erste der beiden Sommer-Hefte ist übrigens eine Besonderheit, enthält es doch keinen Neustart.

Die Fortsetzungen

Das Titelbild entstammt der im letzten Heft gestarteten neuen Serie Brigade Verhoeven. Der Vierteiler von Pascal Bertho nach den Romanen von Pierre Lemaître ist ein Thriller, der fast schon zu dem Noir-Segment gehört. Band 1 – Rosie – begann mit einem Bombenanschlag mitten in Paris. Es stellt sich heraus, dass der Verursacher scheinbar noch mehrere dieser Sprengkörper besitzt und auch damit droht, sie einzusetzen. Was hat die Mutter des vermutlichen Täters mit der Sache zu tun? Dynamische Zeichnungen von Yannick Corboz mit anfangs teilweise verwirrenden Kolorierungen.

ZACK 325 page 5

Der Bucklige von Montfoucon ist neben einem Historiendrama auch ein Stück über Rache und den Zwist zwischen Geschwistern. Der bereits dritte Teil von Unser Vater zeigt einen Kampf aus der Jugend der Brüder mit lebenslangen Folgen. Als sie sich lange Jahre später wieder gegenüberstehen wird sich zeigen müssen, ob Blutsverwandtschaft oder Feindschaft den Ausgang der Begegnung bestimmen werden. Hübsche Bilder von Eric Stalner machen das Mantel-und-Degen-Stück von Philippe Pelaez zu einem visuellen Genuss. Es empfiehlt sich aber, die Story am Stück (erneut) zu lesen.

Detail ZACK 325 page 23

Ein weiterer Kriminalfall, dieses Mal aus der Sparte „cosy & english“ ist mit Pfeifenrauch und Seidenstrümpfe betitelt. Inspektor Arbuckle, ein fülliger Pfeifenraucher, versucht seit Jahren Sir Walter Rutherford als Kriminellen zu überführen. Jetzt scheint er endlich einen Zeugen gefunden zu haben und versteckt ihn bei sich zu Hause. Mitten in der Nacht meldet die Katze allerdings einen unerwarteten Besucher, oder doch nicht? Der schwarze Fleck ist eine sehr nostalgische Story von Étienne Willem mit viel Humor, ausgeprägten Riechwerkzeugen und wunderbaren Stereotypen.

Detail ZACK 325 page 53

Das heiße Wetter der letzten Tage hat auch dazu geführt, dass man überall an die steigende Waldbrandgefahr erinnert worden ist. Harry & Platte werden während eines Auftrages in der Nähe von Nizza von gleich mehreren Feuern überrascht. Dramatische Szenen ergeben sich, als sie und ein ganzer Trupp von Feuerwehreinheiten zwischen der Feuerfront und einer abgerutschten Straße eingeschlossen scheinen. Denis Lapière und Alain Sikorski entwerfen eine spannende Story in der sich die Protagonisten nicht nur der menschlichen Gewalt erwehren müssen, sondern auch Naturgewalten gegenübertreten: Feuer und Schwert sozusagen!

ZACK 325 page 69

Die Abschiede

Nichts geht mehr in Libertalia; das Konzept einer Gesellschaft von Freien ist gescheitert an der Machtgier und dem Egoismus Einzelner. Wie so oft enden revolutionäre Projekte mindestens genauso blutig, wie sie begonnen haben, und passenderweise heißt dieser Teil denn auch Die Wege zur Hölle. Rudi Miel & Fabienne Pigière haben eine etwas andere Piratenstory gebaut und sehr anspruchsvoll verflochten; Paolo Grello hat das in Bilder gepackt, die für ein frankobelgisches Magazin eher ungewöhnlich sind. Die stricheligen, an Gemälde erinnernden Bilder habe aber einen großen Reiz, vor allem am Stück (und damit im Zweifel erneut) genossen.

ZACK 325 page 39

Nach dem Ende des zweiten Teils verlassen uns nun zunächst auch Charel Cambré und Marc Legendre wieder. In Heute frischer Fisch wird endlich das abgetrennte Dorf wieder mit seinem Land vereint, Vorräte können erneut beschafft werden. Auch eine Feier wird veranstaltet die die beiden Helden zunächst vor ein großes Problem stellt, ihnen aber letztendlich einen Erkenntnisgewinn verschafft. Roadmovie, Kunstkritik, anarchistischer Humor und die Hinterfragung vieler Vorurteile machen Spaß, brauchen aber auch manchmal eine Pause. Insofern ist das Timing perfekt!

ZACK 325 page 85

Und sonst?

Der Ritter und Parker & Badger sorgen für die Abwechslung zwischen den Serien. Das Gleiche wird auch von den News, dem Rückblick auf das ZACK vor 50 Jahren und die Rezensionen geleistet. Dazu kommt eine längere Einführung in die Brigade Verhoeven vom Verfasser dieser Zeilen und der erste Teil eines Interviews mit dem Mann hinter Natascha und anderen Serien: Francois Walthéry. Genügend Stoff also für einige Abende!

Dazu passen Dropkick Murphys mit „Body of an American“ und ein O’Hara‘s.

© der Abbildungen bei den jeweiligen Künstlern und Verlagen / Blattgold GmbH, Bad Dürkheim 2026

Reddition 83 – Watchmen

Ein Überblick zum 40. Jahrestag der Erstveröffentlichung

Herausgeber: Volker Hamann
Verlag Volker Hamann, Edition Alfons
Heft Din A 4 | 84 Seiten | Farbe | 12,00 €
ISSN: n/a

Cover Reddition 83

In den 80-er Jahren gab es einige Comics, die das Superhelden-Genre für immer verändern sollten. Einer davon ist The Dark Knight Returns von Frank Miller und ein paar weitere Titel aus dem Batman-Universum. Ebenfalls aus dieser Zeit ist der erste Band der Graphic Novel Maus von Art Spiegelman deren Einfluss ebenfalls nicht unterschätzt werden darf. Dieses Dossier aber widmet sich der zwölfteiligen Miniserie Watchmen, einem Meilenstein der Comic-Geschichte, den beteiligten Künstlern, Neben- Folge- und Begleitprojekten sowie der Diskussion über die erlaubten Grenzen der Vermarktung.

Die Ausgangssituation

Watchmen und einige andere immer noch lesenswerte Superheldencomics aus dieser Zeit wären ohne die sogenannte „British Invasion“ nicht möglich gewesen. Der britische Comicmarkt war in den 70-ern nicht sehr international. Es gab zwar Kooperationen mit (hauptsächlich) spanischen Zeichnern und Studios, diese produzierten aber für den britischen Markt. Die Magazine enthielten kaum Lizenzmaterial und folgten eigenen Themen. Peter Schimkat beleuchtet in einigen Beiträgen den Markt und einige der britischen Szenaristen und Zeichner. Diese fanden, angelockt durch Talentscouts, durchaus ihren Weg in die Staaten.

Reddition 83 pages 4, 9

Die Künstlerporträts

Im Laufe des wie immer sehr umfangreichen und gut recherchierten Dossiers werden Alan Moore, Len Wein, Bill Siekiewicz, Eddie Campbell und Dave Gibbons vorgestellt. Damit ist das Spektrum bewusst weit gefasst, um einen wirklichen Überblick bieten zu können. Die Autoren bemühen sich dabei, nicht nur die künstlerischen Elemente zu beschreiben, sondern auch auf die Psyche und die „Ticks“ der Personen einzugehen. Gerade im kreativen Bereich sind diese oft maßgeblich für das Ergebnis.

Dazu gehört dann eben auch, dass die Erfinder der Serie, die damals ein kongeniales Team gebildet haben, seit vielen Jahren nicht mehr miteinander reden und sehr unterschiedliche Auffassungen über andere Verwertungen wie bewegte Bilder oder Preqels haben.

Es gibt wieder einen Mix aus beschreibendem Artikel, Interview und einordnender Meinung. Einzig die Grammatik scheint einem Autoren etwas durcheinandergeraten zu sein (es mag sich allerdings auch um einen Dialekt handeln); beim Lesen überraschen jedenfalls einige der gesetzten Zeichen. Das ist allerdings ein „Meckern auf hohem Niveau“!

Reddition 83 pages 66, 81

Die Verwertungen

Der Comic ist als Heftserie erschienen, als Sammelbandedition, als einbändige Ausgabe, als Jubiläumsausgabe, als … Sowohl DC Comics als auch die ausländischen Lizenznehmer (In Deutschland Carlsen und Panini) haben immer wieder neue Editionen verlegt. Fairerweise sei angemerkt, dass diese auch gekauft wurden! DC hat aber auch eine Passage des Vertrages ausgenutzt, um eine Reihe von Prequels, ein Crossover und ein Sequel zu veröffentlichen, die je nach Thema mehr oder weniger kritisch aufgenommen worden waren. Wie weit muss ein Verlag die Wünsche eines Autoren berücksichtigen? Und wie weit darf ein Verlag gehen, der unzweifelhaft Geld verdienen muss? Die Fragen werden gestellt, dankenswerterweise aber nicht von der Kanzel herab beantwortet. Jede*r Leser*in möge sich selbst ein Bild machen.

Als Service werden dabei alle Miniserien kurz vorgestellt und inhaltlich eingeordnet. Und auch die Versuche, das Werk in bewegte Bilder zu übertragen werden vorgestellt und bewertet. Dabei fällt auf, wie schwierig es ist, die Komplexität und Verschränkheit einer Literaturform (und ja, für mich sind Comics Teil der Literatur) im Medium Film darzustellen. Selbst der Comic nimmt schon viel der eigenen Vorstellungskraft, die es uns ermöglicht, das Gelesene wahrzunehmen und zu „erleben“. Trotzdem können Gleichzeitigkeiten quasi nachträglich im Gehirn erzielt werden. Im sequenziellen und passiven Sehen ist das deutlich schwieriger. So ist der Comic im Comic als Konzept völlig logisch, das Lesen eines Comics im Film aber unheimlich schwierig darzustellen.

Reddition 83 page 72

Der perfekte Begleiter zur Serie

Viele Comics gehören in eine bestimmte Zeit, manchmal auch zu einem bestimmten Lebensabschnitt. Nur wenige Comics haben es wirklich verdient, über die Jahrzehnte hinweg immer wieder gelesen zu werden. Dazu gehören The Watchmen (oder Deutsch – „Die Wächter“) ganz ohne Zweifel! Wer schon immer mal wieder vorhatte, sich dieses Vergnügen erneut zu gönnen, sollte vorher dieses Dossier lesen und auf Grund der Lektüre in der Lage sein, neue Dinge zu entdecken. Allen anderen, die sich mit den Fragen von Politik, Bedrohung, Manipulation, Recht und Gerechtigkeit beschäftigen, einen sehr unterhaltsamen, gleichzeitig aber auch fordernden Ansatz mit immer noch überragenden grafischen Umsetzungen genießen wollen, können von der Einführung durch dieses Dossier nur profitieren.

Vielleicht noch der Hinweis, dass das Dossier einen Spoiler enthält, der einen wesentlichen Teil der Geschichte verrät. Dieser Spoiler ist im Zweifel aber sowieso bekannt. Für Abonnent*innen der Zeitschrift liegt der Reddition 83 wie immer ein Goodie bei. Dieses Mal eine wie immer von Volker Hamann sorgfältig recherchierte und bebilderte Bibliographie aller amerikanischen und deutschen Ausgabe der Watchmen und der assoziierten Serien zwischen 1986 und 2026 im Heftformat.

Beilage Reddition 83

Dazu passen New Order mit „State of the Nation ” und ein Absinth.

© der Abbildungen Cover © DC, 2019, ansonsten bei den jeweiligen Autoren und Verlagen / Verlag Volker Hamann, Edition Alfons 2026

Hal Foster’s Tarzan. The Complete Sunday Comics

1931 – 1937

Herausgeber/Autor: Dian Hanson

Artist: Hal Foster

Originalausgabe

Taschen Verlag

Hardcover XXL | 392 Seiten | Farbe | 200,00 € | ISBN: 978-3-7544-0264-1 (EN, DE, FR)

Cover Hal Foster's Tarzan
(c) Tarzan Hal Foster newspaper strips © ERB, Inc. All Rights Reserved.

Es gibt nicht viele Ikonen der Popkultur deren Ruf unabhängig von Schauspieler*innen oder Künstler*innen ist. Abgesehen von einigen Superheld*innen gehören dazu anthropomorphe Wesen aus dem Disney-Universum, ein schwertschwingender Barbar, ein maskierter und berittener Rächer und auf jeden Fall auch die Erfindung von Edgar Rice Burroughs: Tarzan! Ob als Held von Pulp-Romanen, auf der Leinwand oder sogar als Musical-Star, Tarzan hat sich schon lange von seinen Ursprüngen befreit und ist zu einem Mythos geworden, der immer noch größer wird. Dazu beigetragen haben mit großer Wahrscheinlichkeit auch die Comics von Hal Foster!

Die kleine Flucht am Wochenende

Es ist schon viel über die Ursprünge der Zeitungsstrips geschrieben worden. Die Stars dieser Szene wurden zu Millionären, der Kampf der Zeitungsgiganten um die besten Talente war legendär. Und doch ist der Hintergrund relativ einfach: wie bekomme ich die Käufer*innen meiner Zeitung dazu, dass sie auch am nächsten Tag wieder zu meinem Blatt greifen? Der Tagesstrip musste also in einem Streifen die Leser*innen abholen, etwas Neues hinzufügen und mit einem Cliffhanger schließen, um die Neugierde in klingende Münze umzuwandeln.

Die Sonntagsseiten hatten es da viel einfacher. Das Prinzip ist natürlich das Gleiche, es stand aber eine ganze Seite zur Verfügung. Die Entwicklung der Figuren konnte ausführlicher geschehen, die Hintergründe konnten ausgearbeitet werden und nicht zuletzt waren diese Seiten farbig. Während heutzutage bei vielen die Assoziation Zeitungscomics gleich Kinderseite fällt, richteten sich die Werke damals explizit an Erwachsene. Foster musste daher gegenüber den Stories aus den Pulps keine Abstriche machen, Folter, Mord, freizügig gekleidete Frauen finden sich somit in allen Geschichten wieder.

Hal Foster's Tarzan - the 2029 run
(c) Tarzan Hal Foster newspaper strips © ERB, Inc. All Rights Reserved.

Vom illustrierten Text zu Prinz Eisenherz

Die erste Umsetzung erfolgte noch in Tagessteifen. 1929 erschien Tarzan of the Apes in 60 Folgen von jeweils fünf Bildern zu einem Auszug des Textes, der unter den Illustrationen platziert worden war. Die nicht kolorierten Streifen lassen die spätere Dynamik noch etwas vermissen, zeugen aber schon von der Kompositionsfähigkeit von Foster. Er weiß genau, wann es besser ist, eine Figur nur von hinten zu zeigen, wann eine Totale besser ist und wann Action dargestellt werden muss. Die Meisterschaft, das Gewünschte mit so wenig Strichen wie möglich darzustellen, fehlt zwar noch, die Beherrschung des Schwarzraums ist aber schon deutlich zu erkennen. Wie einige andere Vorläufer auch enthält der Band nicht nur die im Titel angekündigten Sundays, sondern auch diese Abfolge von Daylies!

Nach Abschluss dieses Runs, der in England veröffentlicht worden war, hatte der aufstrebende Zeichner Foster keine Lust, sich weiterhin auf den täglichen Stress und die weiteren Einschränkungen einzulassen. Trotzdem hatte die Umsetzung auch das Interesse der amerikanischen Newspapers geweckt. Wie der sehr gut lesbare und wissensreiche einführende Artikel (in drei Sprachen: Englisch, Deutsch und Französisch) beschreibt, war Burroughs mit den Ergebnissen seines Nachfolgers/Vorgängers allerdings alles andere als zufrieden. Und so kam es, dass Foster ab dem 27. September 1931 die Sonntagsseiten übernahm. Üblicherweise hatte der Künstler nun 12 Panels und eine über die ganze Breite gehende Kopfzeile zur Verfügung. Und auch in diesem Setting behielt er seine Angewohnheit bei, mit schwarzen Flächen zu arbeiten. Einige der zusätzlich abgedruckten, nicht kolorierten Beispiele zeigen, wieviel Tiefe diese Eigenheit den Bildern verliehen hat.

Das erste Abenteuer spielt in der Wüste in einer arabischen Gegend, 1932 geht es dann zurück in den Dschungel. Während einige der Gegner*innen durchaus stereotyp dargestellt werden, versucht Foster doch durchgehend, nicht nur Vorurteilen Raum zu geben, sondern auch „Gut“ und „Böse“ entsprechend darzustellen. Zudem war die zeitimmanente Erwartung, etwas „Exotisches“ präsentiert zu bekommen. Gegenstand der Zeichnungen sind immer wieder Kämpfe mit Tieren. Die Gegner sind Löwen, Affen oder Krokodile und fordern dem König des Dschungels alles ab. Natürlich hilft es dabei, einen muskelbepackten Körper zu haben der nur wenig von Stoff bedeckt ist. Auch diese Erwartungen an „den guten, weil weißen Wilden“ werden somit erfüllt.

Hal Foster's Tarzan Sunday pages - 122/123
(c) Tarzan Hal Foster newspaper strips © ERB, Inc. All Rights Reserved.

Die männlichen Leser dürften neben der Anerkennung der Kraft eher die Bekleidungen der weiblichen Protagonistinnen wertgeschätzt haben. Auch hier wurden zwar nie Konventionen verletzt, ihre Grenzen wurden aber das eine oder andere Mal angetestet. Etwas Fantasy-lastig wird es dann später im Jahr. Man darf nicht vergessen, dass die Welt keineswegs vollständig erforscht war. Neben Gerüchten und Sagen über Meeresungeheuer gab es noch vollkommen unbekannte Landstriche in denen Tiere und Pflanzen aus der Vergangenheit hätte überdauern können. Und so muss sich auch Tarzan mit Dinosauriern herumschlagen.

1933 steht unter dem Motto „Das Monster“. Nicht nur in der realen Welt schwingt sich ein Massenmörder zum Herrscher einer Nation auf und wird schließlich eine ganze Welt in einen Krieg verwickeln, auch im Comic gibt es Menschen, die nur sich selbst für voll nehmen. 1934 sind dann schon erste Vorboten der späteren, noch erfolgreicheren Serie von Hal Foster zu sehen; Prinz Eisenherz wird die Geschichte eines Jünglings und späteren edlen Ritters erzählen, der Grenzen weder kennt noch akzeptiert. Sowohl die Konzeption der Seiten als auch die Farben sind bereits ähnlich, auch Frisuren lassen sich im Rückblick wiedererkennen.

Während 1935 im Zeichen der Liebe und der verschiedenen Frauen steht, die umworben, verstanden und verteidigt werden wollen, geht es 1936 ans Eingemachte. Tarzans Aufgaben erfordern zunächst wieder mehr Action, er wird allerdings verurteilt und muss sich beweisen. Wieder steht eine Frau in der Mitte des Konflikts. Am Ende erfolgt dann ein auch inhaltlich bedeutsamer Kontakt mit moderner Technik. Während die meisten bisherigen Stories fast zu jeder Zeit hätten spielen können, taucht nun die wirkliche Moderne in Form eines Flugzeugs auf. 1937 endet dann der Run, Prinz Eisenherz wird ab jetzt bis zum Ende das Comic-Schaffen von Hal Foster bestimmen.

Hal Foster's Tarzan Sunday pages - 308/309
(c) Tarzan Hal Foster newspaper strips © ERB, Inc. All Rights Reserved.

Eine Karriere, die einen Roman ermöglichen würde…

Man mag den früheren Zeiten hinterhertrauern oder auch nicht. Mit Sicherheit war das Leben vor 100 Jahren mit dem heutigen in keiner Weise zu vergleichen. Natürlich gab es auch damals „gerade Lebensläufe“ die bruchlos von der Jugend bis ins hohe Alter verliefen. Viel häufiger waren aber Wendungen, die Ortswechsel, unterschiedliche Berufe und Leben an der Armutsgrenze einschlossen. Wer Glück hatte, fand schließlich genügend Halt, um eine Familie ernähren zu können, vielleicht sogar zu Ansehen zu gelangen; vielen gelang das allerdings nicht.

Auch der Weg von Hal Foster, der in der gut lesbaren und sehr informativen Einführung von Dian Hanson beschrieben wird, war alles andere als gradlinig oder erfolgversprechend. Zwar hatte der junge Hal den Vorteil, Bildung aufsaugen zu wollen, allein, die Verhältnisse ließen das nicht immer zu. Dieser Band ist für den einführenden Teil dreisprachig, die Comics sind als Faksimile naturgemäß nur auf Englisch abgedruckt. Es lohnt sich aber trotzdem, alle drei Teile zumindest durchzublättern, da sie alle unterschiedlich illustriert sind.

Hal Foster's Tarzan - Secondary content
(c) Tarzan Hal Foster newspaper strips © ERB, Inc. All Rights Reserved.

Die Autorin hat bereits mehr als 50 Bücher verantwortet, unter anderem den Taschen-Band über Frank Frazetta und Werke über Pin-Up und Fantasy Art.

Ein wertvoller Bestandteil einer guten Sammlung

Man kann Comics auf viele verschiedene Weisen genießen. Am einfachsten ist sicherlich die rein konsumtive Art: lesen, sich freuen, und weitergeben. Viele werden irgendwann anfangen, die besten Werke aufheben, sammeln und somit komplettieren zu wollen. Dann wird vielleicht aus dem Heft mit schlechter Papierqualität der Sammelband und aus diesem die Gesamtausgabe mit zusätzlichen Informationen und Illustrationen. Man fängt an, andere Serien der gleichen Künstler*innen haben zu wollen oder aber andere Highlights aus dem gleichen thematischen Bereich. Das ist der Anfang einer Sammlung!

Der zweite Schritt liegt oft darin, sich mit Werken über sein Hobby einzudecken: Fachzeitschriften und Bücher über Comics erlauben Einordnungen und stellen Beziehungen her. Gleichzeitig erlauben sie auch ein Verständnis über die Anfänge und Comic-Meilensteine, die bereits in der Vergangenheit liegen. Hal Foster’s Tarzan ist ein solcher: die Qualität der Zeichnungen, die Foster über die Jahre entwickelt hat, die Beherrschung der Linien und Flächen, die zusammen ein Größeres ergeben, ist auch heute noch Maßstäbe setzend.

Natürlich sind die Seiten nicht das erste Mal publiziert worden. Das XXL-Format ermöglicht es aber, die Seiten quasi original aufzunehmen, entspricht das Format doch den früheren Sonntagsseiten weitgehend. Die Reproduktionen versuchen auch, die originalen Farben und Rasterungen so gut wie möglich wiederzugeben. Der Unterschied liegt daher in der Qualität des Papiers und in der hervorragenden Aufmachung als reichlich illustriertes Hardcover mit passendem Umverpackungskarton. Der Inflation geschuldet ist der Preis dieser Bände allerdings um 25 Euro auf nun 200 gestiegen. Der Band passt zu den anderen Comic-Libraries von Taschen: Carl Barks‘ Donald Duck, Weird Science, Marvel!

Dazu ein Raffo Lavorazione Grezza und einen Klassiker: Desmond Dekker mit „The Israelites“.

© der Abbildungen 1929, 1931 – 1937, 2026 Edgar Rice Burroughs, Inc. / 2026 Taschen GmbH, Köln

ZACK Sonderheft 4 (2026)

13 Stories aus dem Graton-Universum

Herausgeber/Chefredaktion: Georg F. W. Tempel

Blattgold Verlag

Heft Din A 4 | 100 Seiten | Farbe | 9,70 €
ISSN: 1438-2792

Cover ZACK Sonderheft 4
Variante A

Obwohl wir in Deutschland relativ gut versorgt sind was Michel Vaillant angeht, gibt es doch noch ein paar „blind spots“. Einer davon ist die Reihe Palmares Inedit. Ein Band war bei Seven Island erschienen, zwei sind mittlerweile in der ZACK-Spezial-Reihe (als Band 15 und 19) aufgelegt worden und die Geschichten über die Familie Labourdet sind ab dem Herbst geplant. Im zweimal pro Jahr erscheinenden ZACK-Sonderheft wird jetzt eine weitere Lücke angegangen.

Die großen Legenden des Motorsports

Denn daneben gibt es auch noch seit 1995 die Michel Vaillant Dossiers. Nur ein einziger Band dieser mittlerweile 18 Teile umfassenden Serie hat es bisher nach Deutschland geschafft: Das Buch über Louis Chevrolet erschien in einer limitierten Sonderauflage. Die Dossiers widmen sich „Legenden“: rennfahrende Schauspieler wie James Dean oder Steve McQueen, Formel 1 Piloten wie Senna oder Fangio, Konstrukteure wie eben jener Chevrolet oder Enzo Ferrari und mittlerweile auch Rennstrecken wie Paul Ricard oder Zandvoort.

Allen Ausgaben gemeinsam ist ein großer Anteil an Artikeln über die jeweiligen Themengebiete die geballte Fachkompetenz in lesbarer Art und Weise darbieten. MV ist bei unseren Nachbar*innen eben nicht nur ein Comic, sondern auch eine Marke, die aus dem Renngeschehen nicht wegzudenken ist. Außerdem erlaubt die dortige Comic-Tradition auch die Kombination aus Unterhaltung und Sachkenntnis. Natürlich dürfen auch zum Inhalt passende Comics nicht fehlen. Diese sind teilweise aus den regulären Alben entnommen, oft aber auch speziell entwickelt worden.

Cover ZACK Sonderheft 4
Variante B

Dreizehn der besten Geschichten sind in diesem Sonderheft versammelt. Die ersten reichen stilistisch einige Jahrzehnte zurück. Die frühen Comics wurden vom Studio Graton realisiert, die neueren von der aktuellen Garde, die wir auch aus der zweiten Staffel kennen. Gerade die Vielfalt der Themen und der jeweiligen zeichnerischen Umsetzungen macht den Reiz dieses Heftes aus.

Eine fragmentarische Geschichte des Motorrennsports in Bildern

Echte Fans haben in Deutschland keine andere Möglichkeit, als sich die Dossiers auf Französisch oder Niederländisch zuzulegen. Jetzt gibt es aber wenigstens die Möglichkeit, die besten Comics aus den Bänden genießen zu können. Falls sich das Heft gut genug verkauft, verspricht die Redaktion bereits einen Folgeband. Aber auch für die Leser*innen, die einfach nur mal in das Michel Vaillant Universum hineinschnuppern und den Erfolg dieser Serie nachvollziehen wollen, bietet das Heft einen guten Einstieg. Es geht eben nicht nur um eine Kunstfigur die losgelöst von der realen Welt im Kreis fährt, viele reale Menschen waren Teil dieser Geschichte(n) und haben es genossen.

Für das Heft wurden zwei verschiedene Covervarianten gedruckt. Im Bahnhofszeitschriftenhandel kann man sich die gewünschte Ausgabe aussuchen, bei der Bestellung muss man seinen Favoriten angeben. Zusätzlich enthält das Heft noch eine Einführung in die Serien des MV-Kosmos und einen Überblick über die bisherigen Dossiers vom Verfasser dieser Zeilen.

Dazu passen „Nothing like You“ von Cock Sparrer und natürlich ein Champagner.

© der Abbildungen Dupuis 1995 – 2025, Graton Éditeur 2026, by Jean Graton / Blattgold GmbH, Bad Dürkheim 2026

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