Hal Foster’s Tarzan. The Complete Sunday Comics

1931 – 1937

Herausgeber/Autor: Dian Hanson

Artist: Hal Foster

Originalausgabe

Taschen Verlag

Hardcover XXL | 392 Seiten | Farbe | 200,00 € | ISBN: 978-3-7544-0264-1 (EN, DE, FR)

Cover Hal Foster's Tarzan
(c) Tarzan Hal Foster newspaper strips © ERB, Inc. All Rights Reserved.

Es gibt nicht viele Ikonen der Popkultur deren Ruf unabhängig von Schauspieler*innen oder Künstler*innen ist. Abgesehen von einigen Superheld*innen gehören dazu anthropomorphe Wesen aus dem Disney-Universum, ein schwertschwingender Barbar, ein maskierter und berittener Rächer und auf jeden Fall auch die Erfindung von Edgar Rice Burroughs: Tarzan! Ob als Held von Pulp-Romanen, auf der Leinwand oder sogar als Musical-Star, Tarzan hat sich schon lange von seinen Ursprüngen befreit und ist zu einem Mythos geworden, der immer noch größer wird. Dazu beigetragen haben mit großer Wahrscheinlichkeit auch die Comics von Hal Foster!

Die kleine Flucht am Wochenende

Es ist schon viel über die Ursprünge der Zeitungsstrips geschrieben worden. Die Stars dieser Szene wurden zu Millionären, der Kampf der Zeitungsgiganten um die besten Talente war legendär. Und doch ist der Hintergrund relativ einfach: wie bekomme ich die Käufer*innen meiner Zeitung dazu, dass sie auch am nächsten Tag wieder zu meinem Blatt greifen? Der Tagesstrip musste also in einem Streifen die Leser*innen abholen, etwas Neues hinzufügen und mit einem Cliffhanger schließen, um die Neugierde in klingende Münze umzuwandeln.

Die Sonntagsseiten hatten es da viel einfacher. Das Prinzip ist natürlich das Gleiche, es stand aber eine ganze Seite zur Verfügung. Die Entwicklung der Figuren konnte ausführlicher geschehen, die Hintergründe konnten ausgearbeitet werden und nicht zuletzt waren diese Seiten farbig. Während heutzutage bei vielen die Assoziation Zeitungscomics gleich Kinderseite fällt, richteten sich die Werke damals explizit an Erwachsene. Foster musste daher gegenüber den Stories aus den Pulps keine Abstriche machen, Folter, Mord, freizügig gekleidete Frauen finden sich somit in allen Geschichten wieder.

Hal Foster's Tarzan - the 2029 run
(c) Tarzan Hal Foster newspaper strips © ERB, Inc. All Rights Reserved.

Vom illustrierten Text zu Prinz Eisenherz

Die erste Umsetzung erfolgte noch in Tagessteifen. 1929 erschien Tarzan of the Apes in 60 Folgen von jeweils fünf Bildern zu einem Auszug des Textes, der unter den Illustrationen platziert worden war. Die nicht kolorierten Streifen lassen die spätere Dynamik noch etwas vermissen, zeugen aber schon von der Kompositionsfähigkeit von Foster. Er weiß genau, wann es besser ist, eine Figur nur von hinten zu zeigen, wann eine Totale besser ist und wann Action dargestellt werden muss. Die Meisterschaft, das Gewünschte mit so wenig Strichen wie möglich darzustellen, fehlt zwar noch, die Beherrschung des Schwarzraums ist aber schon deutlich zu erkennen. Wie einige andere Vorläufer auch enthält der Band nicht nur die im Titel angekündigten Sundays, sondern auch diese Abfolge von Daylies!

Nach Abschluss dieses Runs, der in England veröffentlicht worden war, hatte der aufstrebende Zeichner Foster keine Lust, sich weiterhin auf den täglichen Stress und die weiteren Einschränkungen einzulassen. Trotzdem hatte die Umsetzung auch das Interesse der amerikanischen Newspapers geweckt. Wie der sehr gut lesbare und wissensreiche einführende Artikel (in drei Sprachen: Englisch, Deutsch und Französisch) beschreibt, war Burroughs mit den Ergebnissen seines Nachfolgers/Vorgängers allerdings alles andere als zufrieden. Und so kam es, dass Foster ab dem 27. September 1931 die Sonntagsseiten übernahm. Üblicherweise hatte der Künstler nun 12 Panels und eine über die ganze Breite gehende Kopfzeile zur Verfügung. Und auch in diesem Setting behielt er seine Angewohnheit bei, mit schwarzen Flächen zu arbeiten. Einige der zusätzlich abgedruckten, nicht kolorierten Beispiele zeigen, wieviel Tiefe diese Eigenheit den Bildern verliehen hat.

Das erste Abenteuer spielt in der Wüste in einer arabischen Gegend, 1932 geht es dann zurück in den Dschungel. Während einige der Gegner*innen durchaus stereotyp dargestellt werden, versucht Foster doch durchgehend, nicht nur Vorurteilen Raum zu geben, sondern auch „Gut“ und „Böse“ entsprechend darzustellen. Zudem war die zeitimmanente Erwartung, etwas „Exotisches“ präsentiert zu bekommen. Gegenstand der Zeichnungen sind immer wieder Kämpfe mit Tieren. Die Gegner sind Löwen, Affen oder Krokodile und fordern dem König des Dschungels alles ab. Natürlich hilft es dabei, einen muskelbepackten Körper zu haben der nur wenig von Stoff bedeckt ist. Auch diese Erwartungen an „den guten, weil weißen Wilden“ werden somit erfüllt.

Hal Foster's Tarzan Sunday pages - 122/123
(c) Tarzan Hal Foster newspaper strips © ERB, Inc. All Rights Reserved.

Die männlichen Leser dürften neben der Anerkennung der Kraft eher die Bekleidungen der weiblichen Protagonistinnen wertgeschätzt haben. Auch hier wurden zwar nie Konventionen verletzt, ihre Grenzen wurden aber das eine oder andere Mal angetestet. Etwas Fantasy-lastig wird es dann später im Jahr. Man darf nicht vergessen, dass die Welt keineswegs vollständig erforscht war. Neben Gerüchten und Sagen über Meeresungeheuer gab es noch vollkommen unbekannte Landstriche in denen Tiere und Pflanzen aus der Vergangenheit hätte überdauern können. Und so muss sich auch Tarzan mit Dinosauriern herumschlagen.

1933 steht unter dem Motto „Das Monster“. Nicht nur in der realen Welt schwingt sich ein Massenmörder zum Herrscher einer Nation auf und wird schließlich eine ganze Welt in einen Krieg verwickeln, auch im Comic gibt es Menschen, die nur sich selbst für voll nehmen. 1934 sind dann schon erste Vorboten der späteren, noch erfolgreicheren Serie von Hal Foster zu sehen; Prinz Eisenherz wird die Geschichte eines Jünglings und späteren edlen Ritters erzählen, der Grenzen weder kennt noch akzeptiert. Sowohl die Konzeption der Seiten als auch die Farben sind bereits ähnlich, auch Frisuren lassen sich im Rückblick wiedererkennen.

Während 1935 im Zeichen der Liebe und der verschiedenen Frauen steht, die umworben, verstanden und verteidigt werden wollen, geht es 1936 ans Eingemachte. Tarzans Aufgaben erfordern zunächst wieder mehr Action, er wird allerdings verurteilt und muss sich beweisen. Wieder steht eine Frau in der Mitte des Konflikts. Am Ende erfolgt dann ein auch inhaltlich bedeutsamer Kontakt mit moderner Technik. Während die meisten bisherigen Stories fast zu jeder Zeit hätten spielen können, taucht nun die wirkliche Moderne in Form eines Flugzeugs auf. 1937 endet dann der Run, Prinz Eisenherz wird ab jetzt bis zum Ende das Comic-Schaffen von Hal Foster bestimmen.

Hal Foster's Tarzan Sunday pages - 308/309
(c) Tarzan Hal Foster newspaper strips © ERB, Inc. All Rights Reserved.

Eine Karriere, die einen Roman ermöglichen würde…

Man mag den früheren Zeiten hinterhertrauern oder auch nicht. Mit Sicherheit war das Leben vor 100 Jahren mit dem heutigen in keiner Weise zu vergleichen. Natürlich gab es auch damals „gerade Lebensläufe“ die bruchlos von der Jugend bis ins hohe Alter verliefen. Viel häufiger waren aber Wendungen, die Ortswechsel, unterschiedliche Berufe und Leben an der Armutsgrenze einschlossen. Wer Glück hatte, fand schließlich genügend Halt, um eine Familie ernähren zu können, vielleicht sogar zu Ansehen zu gelangen; vielen gelang das allerdings nicht.

Auch der Weg von Hal Foster, der in der gut lesbaren und sehr informativen Einführung von Dian Hanson beschrieben wird, war alles andere als gradlinig oder erfolgversprechend. Zwar hatte der junge Hal den Vorteil, Bildung aufsaugen zu wollen, allein, die Verhältnisse ließen das nicht immer zu. Dieser Band ist für den einführenden Teil dreisprachig, die Comics sind als Faksimile naturgemäß nur auf Englisch abgedruckt. Es lohnt sich aber trotzdem, alle drei Teile zumindest durchzublättern, da sie alle unterschiedlich illustriert sind.

Hal Foster's Tarzan - Secondary content
(c) Tarzan Hal Foster newspaper strips © ERB, Inc. All Rights Reserved.

Die Autorin hat bereits mehr als 50 Bücher verantwortet, unter anderem den Taschen-Band über Frank Frazetta und Werke über Pin-Up und Fantasy Art.

Ein wertvoller Bestandteil einer guten Sammlung

Man kann Comics auf viele verschiedene Weisen genießen. Am einfachsten ist sicherlich die rein konsumtive Art: lesen, sich freuen, und weitergeben. Viele werden irgendwann anfangen, die besten Werke aufheben, sammeln und somit komplettieren zu wollen. Dann wird vielleicht aus dem Heft mit schlechter Papierqualität der Sammelband und aus diesem die Gesamtausgabe mit zusätzlichen Informationen und Illustrationen. Man fängt an, andere Serien der gleichen Künstler*innen haben zu wollen oder aber andere Highlights aus dem gleichen thematischen Bereich. Das ist der Anfang einer Sammlung!

Der zweite Schritt liegt oft darin, sich mit Werken über sein Hobby einzudecken: Fachzeitschriften und Bücher über Comics erlauben Einordnungen und stellen Beziehungen her. Gleichzeitig erlauben sie auch ein Verständnis über die Anfänge und Comic-Meilensteine, die bereits in der Vergangenheit liegen. Hal Foster’s Tarzan ist ein solcher: die Qualität der Zeichnungen, die Foster über die Jahre entwickelt hat, die Beherrschung der Linien und Flächen, die zusammen ein Größeres ergeben, ist auch heute noch Maßstäbe setzend.

Natürlich sind die Seiten nicht das erste Mal publiziert worden. Das XXL-Format ermöglicht es aber, die Seiten quasi original aufzunehmen, entspricht das Format doch den früheren Sonntagsseiten weitgehend. Die Reproduktionen versuchen auch, die originalen Farben und Rasterungen so gut wie möglich wiederzugeben. Der Unterschied liegt daher in der Qualität des Papiers und in der hervorragenden Aufmachung als reichlich illustriertes Hardcover mit passendem Umverpackungskarton. Der Inflation geschuldet ist der Preis dieser Bände allerdings um 25 Euro auf nun 200 gestiegen. Der Band passt zu den anderen Comic-Libraries von Taschen: Carl Barks‘ Donald Duck, Weird Science, Marvel!

Dazu ein Raffo Lavorazione Grezza und einen Klassiker: Desmond Dekker mit „The Israelites“.

© der Abbildungen 1929, 1931 – 1937, 2026 Edgar Rice Burroughs, Inc. / 2026 Taschen GmbH, Köln

Jahresrückblick 2025 – Die besten Comics

Und wieder: Die besten Titel des Jahres und ein wenig mehr

Was für ein Jahr: Kriege laufen weiter und Bewohner*innen, die Natur und die weltweite Stimmung leiden darunter. Es scheint fast so, als ob wir uns im vorletzten Teil einer Serie befinden würde, in der alles auf den abschließenden Kampf „Gut“ gegen „Böse“ hinausläuft. Leider auch mit dem üblichen Twist, dass bisher für „Gut“ gehaltene Spieler plötzlich die Seite wechseln. Nun ja, aufgeben gilt nicht.

Drei Jahre ist es jetzt her, dass ChatGPT auf den Markt kam. Die Ausmaße der disruptiven Wirkung auf das gesamte Publishing sind noch nicht abzusehen, aber viele Kreative und Verlage mussten bereits feststellen, dass Ignoranz in diesem Falle nicht weiterhilft. Auch hier bleibt es spannend.

comix-online Reporter
Immer für euch unterwegs

Viele Leser*innen dieser Seite gehören der Generation der Boomer an. Während sich damit einerseits die Rente schon als Lebenswahrheit darstellt oder zumindest innerhalb der nächsten fünf Jahre darstellen wird, sterben immer mehr „alte Bekannte“ aus Kunst und Politik, die unsere Jugend geprägt haben. Wie gut, dass es wenigstens immer wieder Neu-Veröffentlichungen von Klassikern gibt…

Ein wenig Eigenlob muss sein: Mehr als 110.000 direkte Zugriffe auf einzelne Artikel stellen ein Wachstum von 10% gegenüber dem letzten Jahr dar. VIELEN DANK! Wie immer freue ich mich über Feedback und Kritik. Ich werde allerdings nicht aufhören, zu gendern. Das Ergebnis meiner Tätigkeiten war auch in diesem Jahr wieder in diversen Ausgaben des ZACK, im ZACK-Sonderheft und in der Sprechblase zu lesen. Übersetzungen fanden sich in den (sehr empfehlenswerten) Integralen von Sammy & Jack und der Zentauren (nur redaktioneller Teil) sowie bei der deutschen Ausgabe von Nicky Saxx.

Die besten Comics

Nun aber zu meiner ganz persönlichen Auswahl der Top-Titel des Jahres. Viele andere Titel sind trotzdem empfehlenswert. Es lohnt sich also immer noch, in die einzelnen Besprechungen zu schauen.

Der beste Comic des Jahres ist eine ganz alte Kamelle (wie war das mit den prägenden Einflüssen der Jugend?): Der erste Band von Sgt. Kirk von Héctor Oesterheld und Hugo Pratt. Der Western in schwarz-weiß vereinbart Kritik an den herrschenden Verhältnissen und dem Status Quo, Humor, Absurditäten, Spannung und eine herausragende Behandlung des doch wieder häufig vertretenen Genres. Zudem sind die reduzierten Zeichnungen von Pratt oftmals genial, nie aber schlecht.

Cover Sgt. Kirk 1

Platz 2 geht ebenfalls an einen Klassiker, allerdings einen junggebliebenen! Der 41. Asterix, Asterix in Lusitanien, vereint halbwegs zeitlos verpackte Anspielungen auf Politik und Zeitgeschehen, überspitze, aber sympathievolle Darstellungen der den Portugies*innen zugeschriebenen Eigenschaften und viel Humor. Während Didier Conrad mittlerweile so gefestigt ist, dass er eigene Akzente im Stil von Uderzo setzen kann, beweist Fabcaro in seinem zweiten Streich, dass die Wahl zu Recht auf ihn gefallen ist.

Und noch eine alte Kamelle: Auf Platz 3 kann sich ein alter Koralle-ZACK-Held platzieren: Häuptling Feuerauge kämpft mit allem und meistens verliert er. Die beiden ersten Jahre inklusive der Sonntagsseiten in einem Album. Leider hat sich der Band nicht so gut verkauft, dass eine Fortsetzung zu erwarten ist.

Platz 4 ist wieder eine Neuerscheinung, und zwar eine der wenigen, die mich komplett überzeugt haben: Habeamus Bastard ist eine Mischung aus Thriller, Noir und – trotz allem – Humor, ja, sogar Slapstick. Schwartzmann und Vallée zeigen, dass man auch in Zeiten des Streaming-Serien-Überflusses noch intelligente und neue Inhalte ohne bewegte Bilder erzeugen kann.

Platz 5 geht an einen Comic, der in Deutschland noch gar nicht erschienen ist, möglicherweise auch nie erscheinen wird. Die Amoras-Saga ist mittlerweile bei ihrer dritten Serie angekommen: De Helden van Amoras konzentrieren sich wieder mehr auf Suske und Wiske und ihr Verhältnis zueinander. Das Cover sorgte für Herzanfälle und Verzweiflung, zeigte es die Beiden doch bei einem innigen Kuss. Natürlich ist alles ganz anders, aber das wäre ein Spoiler.

Die besten Graphic Novels

Bitte verzeiht mir die etwas willkürliche Trennung zwischen Comics, Graphic Novels und Gesamtausgaben. Ich habe die für mich passendste Zuordnung getroffen, bin mir aber bewusst, dass man das auch ganz anders machen könnte.

Platz 1 geht in diesem Jahr an einen deutschen Titel: Rude Girl von Birgit Weyhe. Ja, ich weiß, dass er eigentlich in 2024 gehört, er ist aber nun Mal erst in 2025 bei mir aufgeschlagen und ich möchte ihn keineswegs unterschlagen. Es geht um eine Migrantin aus der Karibik, die ihre Jugend in den USA verbringt. Äußere Zwänge, traditionelle Erwartungen und rassistische Alltäglichkeiten bestimmen ihr Leben, bis sie sich zu einem Leben als Rude Girl entscheidet. Die Skinhead- und Punk-Subkultur gibt ihr Halt und lässt ihr Raum für ihre eigene Entwicklung. Auf einer Metaebene geht es darum, ob und wie eine Weiße das Leben einer Migrantin beschreiben kann und darf.

Cover Weyhe - Rude Girl

Platz 2 geht an einen Spätwestern. Wiedersehen mit Comanche von Romain Renard ist einerseits eine Weiterführung der von Greg und Hermann entwickelten innovativen Westernserie Comanche über einen ehemaligen Revolverhelden der geläutert auf einer Farm hilft. Dabei verliebte er sich in die Farmbesitzerin und tötet schließlich einen extrem grausamen Gangster. Da dieser bereits entwaffnet war, musste der Held fliehen. Nun wird er Jahrzehnte später aufgespürt und soll einer Autorin Auskunft über das vergangene Zeitalter geben. Selten habe ich eine gleichzeitig so schonungslose Abrechnung mit den alten Träumen wie sorgsame Annäherung an komplexe Persönlichkeiten gelesen. Die in Grautönen gehaltene Geschichte passt in die literarische Tradition der gesellschaftlichen Dekonstruktion der Mittelklasse, spielt allerdings in etwas früherer Zeit als üblich.

Platz 3 ist eine Mischung aus Horror und Antikriegsballade und spielt während des Ersten Weltkrieges. Die Ballade vom Soldaten Odawaa erzählt von den Schrecken des Krieges und der psychologischen Kriegsführung. Sie zeigt einen in einer kanadischen Einheit kämpfenden Indianer, der sich fast unbemerkt in Stellungen bringen kann, die es ihm erlauben zu töten. Christian Rossi zeigt in düsteren Bildern den Schrecken auf beiden Seiten der Frontlinie, Cédric Apikian hat sich von tatsächlichen Begebenheiten zu dieser Story inspirieren lassen.

Die besten Gesamtausgaben

Auch bei den Gesamtausgaben stehen eher ältere Serien im Vordergrund. Die beste GA des Jahres ist aber eine aktuelle Geschichte, die in den letzten drei Jahren im ZACK vorabgedruckt worden war: Das Mädchen von der Weltausstellung verknüpft historische Fakten mit einer Soap-Geschichte. Ursprünglich auf fünf Bände angelegt, konnten nur drei erscheinen bevor der Zeichner verstarb. Sie nehmen jeweils eine der Weltausstellungen in Paris zum Anlass, das Leben von Sophie Kleinnagel zu schildern. Sie lebt in einem Wohnwagen von der Wahrsagerei und gerät jeweils in eine Kriminalgeschichte. Zudem ändern sich die Beziehungen ihrer Mitmenschen zu ihr, entwickelt sie sie doch vom kleinen Kind zu einer jungen Frau, die Begehrlichkeiten weckt.

Cover Mädchen von der Weltausstellung Gesamtausgabe

Platz 2 und 3 kommen aus dem gleichen Verlag. Der Taschen-Verlag hat sich in den letzten Jahren zu einem Spezialisten für XXL-formatige Wiederveröffentlichungen von Klassikern der Comic-Geschichte entwickelt. Zunächst wäre da Band 1 der EC Comics Library mit dem ersten Band der Weird Science Ausgaben von 1950 -1952. Science-Fiction Stories mit grandiosem Artwork und einem typischen Twist in der Geschichte, der sie zu zeitlosen Perlen macht. Ein Coffee-table-book der Extraklasse. Man sollte dem Besuch allerdings nicht erlauben, sich darin zu vertiefen, denn dann ist es aus mit der Verabredung.

Das gleiche Format und Prinzip der sorgfältigen Reproduktion der klassischen Veröffentlichung wurde auch bei der Disney Comics Library angewendet. Der erste Band von Carl Barks’s Donald Duck präsentiert Schätze aus Four Color Comics zwischen 1942 und 1950. Natürlich kennen wir diese Geschichten, haben sie möglicherweise sogar schon mehrfach zu Hause, aber meistens in der deutschen Übersetzung und nicht im Original. Dieses bietet aber einen deutlich anderen Lesegenuss als die auf deutsche Bildungsbürger ausgerichtete Qualitätsarbeit von Erika Fuchs und ihren Adepten. Beide Bände sind übrigens auf den Quadratzentimeter umgerechnet echte Schnäppchen, haben aber ihren Preis. Trotzdem sind sie ihn wert!

Die besten Sekundärwerke

In jedem Jahr vertreten, dieses Jahr mal wieder auf Platz 1: Die Reddition hat – wohl zum letzten Mal – zwei Ausgaben in einem Jahr geschafft: Während es in der ersten Jahreshälfte um Autos im Comic ging, widmete sich die Winterausgabe dem 2024 verstorbenen André Juillard. Dem Team um Volker Hamann gelingt es immer wieder, extrem detailreich zu informieren, ohne dabei in eine akademische Langatmigkeit zu verfallen. Die Artikel werden durch Illustrationen, Fotos und Listen sinnvoll ergänzt und sind ein Must-Have für alle, die sich tiefer mit ihrer Leidenschaft beschäftigen wollen. Für Abonnent*innen gibt es jeweils eine limitierte Beilage.

Zu Platz 2 gibt es leider keine Rezension, ich habe es nicht geschafft, diese Masse an Informationen, Statements und Wertungen in eine halbwegs überschaubare Besprechung zu packen. Trotzdem ist Black Comics von Alexander Braun erneut ein Meisterwerk! Der Autor bezieht klare Positionen, begründet sie aber sehr nachvollziehbar und füllt fast nebenbei die Seiten mit einer Masse von Informationen, die ihres Gleichen sucht. Egal ob Blackfacing, „Indianer-Debatte“, Superhelden, Gay & Porn oder graphic novel, alle Bereiche finden ihre Erwähnung. Wie immer sollte jede Veröffentlichung von Alexander Braun ihren Weg ins Regal finden. Wenn möglich, sollte man den Lesegenuss mit einem Besuch in den begleitenden Ausstellungen im schauraum in Dortmund kombinieren. Aktuell läuft dort eine Lucky Luke Ausstellung (natürlich ebenfalls mit einem Katalog).

Platz 3 geht an Deutschlands größtes Magazin für klassische Comics, die Sprechblase. Gerhard Förster hat mit der 250. Ausgabe noch einmal alles gegeben. Mittlerweile ist der Staffelstab an ein neues Team überreicht worden. Wie immer ist viel zu viel auf den Seiten untergebracht worden und für manche Abbildung wäre eine Lupe hilfreich. Aber genau diese Liebe zu den Details machte den Reiz der Förster-Ausgaben aus.

Die besten Magazine

Gibt es eine Überraschung in dieser Kategorie? Nein, nicht wirklich.

Platz 1 geht wie im Vorjahr an das ZACK. Das Magazin hat mittlerweile sein 50-jähriges Jubiläum gefeiert (mit einer kleinen Unterbrechung) und ist in der aktuellen Form bei der Ausgabe 318 angekommen. Die Mischung aus traditionellen, runderneuerten Serien wie Michel Vaillant oder Rick Master und neuem Material wie etwa Rani oder Amoras ist auf dem deutschen Markt einzigartig. Die von euch meistgeklickte Nummer war die 310 aus dem April, Platz 5 der Jahrescharts! Das ZACK-Sonderheft hat sich mittlerweile ebenfalls etabliert und erscheint zweimal jährlich.

Totgesagte leben länger: Das ZEBRA hat zwar sein Erscheinen eingestellt, hat aber ein Ferien-Sonderheft herausgebracht. Diese Idee, an alte Traditionen anzuknüpfen und eine Rahmenhandlung um viele Absurditäten zu knüpfen gefällt! Die Zebras beweisen Jahr um Jahr, dass Independent auch ohne Sex und Superkräfte in Deutschland funktionieren kann. Platz 2 ist damit redlich verdient.

Für Platz 3 hat sich ein deutsches Eigengewächs qualifizieren können das ebenfalls in diesem Jahr Geburtstag gefeiert hat: Das mosaik hat nun 600 Ausgaben auf dem Buckel, die Zeitschrift gibt es seit 70 Jahren und die Helden, die drei Abrafaxe, werden 50. Empfohlen von der Stiftung Lesen bieten die Hefte nicht nur kindgerechte Stories mit viel historischem Hintergrund, sie haben auch immer einen redaktionellen Teil mit erläuternden Artikeln, Spielen, Experimenten und Kochrezepten. Der Inhalt kann aber auch von Erwachsenen mit einem etwas anderen Verständnis gelesen werden. Zu Recht eines der erfolgreichsten Comicprojekte hierzulande!

Und dann ist da noch …

Der Tradition dieser Rückblicke folgend fehlt noch eine besondere Erwähnung. Diese geht in diesem Jahr nicht an den neuen Trend der Erotik-Comics, obwohl es durchaus bemerkenswert ist, was man heutzutage öffentlich verkaufen kann. Noch vor wenigen Jahren wären Indizierungen und Prozesse gefolgt.

Ich möchte vielmehr auf einen Klassiker hinweisen, der nun wieder erhältlich ist: Section R  von Raymond Reding. Damals im Koralle-ZACK waren einige Geschichten abgedruckt worden, allerdings nicht immer in der richtigen Reihenfolge. Die Albenveröffentlichung macht das jetzt besser. Die Stories handeln von einer Agentur mit zwei Partner*innen, die Missstände im Sport wie etwa Doping oder Wettbewerbsbetrügereien aufdecken. Der Geist der 60-er bestimmt die Zeichnungen und das Tempo, die Inhalte sind leider immer noch aktuell.

Cover Section R 1

Eure Lieblinge

Zum Schluss wie üblich die Charts der Zugriffe:

Ganz oben steht Hägar. Der Beitrag aus dem Jahr 2022 hat auch in 2025 die meisten Leser*innen angezogen.

Cover Hägar Gesamtausgabe 1973

Platz 2 geht an den Rückblick auf 2024. Die Jahreszusammenfassung gibt eine gewichtete, persönliche Empfehlung.

2025 war wieder ein Asterix-Jahr. Die begleitende Berichterstattung erhielt über das ganze Jahr die drittmeisten Zugriffe.

Auf Platz 4 folgt der erste Erotiktitel: Thrax von Trif verknüpft eine Geschichte aus dem alten Rom noch expliziter mit sexuellen Handlungen als üblich, hat aber trotzdem noch eine sehr komplexe Handlung. Auf Platz 5 dann das beste ZACK: die Nummer 310. Fast alle Ausgaben sind hoch platziert, werden aber nicht einzeln aufgeführt.

Auf den Plätzen 6 bis 10 folgen Der fünfte Band des Sammy und Jack Integrals, Band 3 der neuen Minimenschen Gesamtausgabe, der zweite Band der Djinn Sammelbände, Sgt. Kirk und Band 12 der zweiten Staffel von Michel Vaillant.

Wie immer also eine bunte Mischung. Für das kommende Jahr wünscht comix-online allen Leserinnen und Lesern einen guten Start, viel Erfolg und Gesundheit. Hoffentlich bleibt uns die Hoffnung auf eine friedliche, gerechte und erhaltenswerte Zukunft erhalten!

© der Abbildungen bei den jeweiligen Zeichner*innen und Verlagen

Disney Comics Library. Carl Barks’s Donald Duck. Vol. 1.

1942 – 1950

Herausgeber/Autor: Jim Fanning

Artist: Carl Barks

Originalausgabe

Taschen Verlag

Hardcover XXL | 636 Seiten | Farbe | 175,00 € ISBN: 978-3-8365-9636-7 (EN)

Cover Disney Comics Library 1 - Carl Bark's Donald Duck Vol 1
© 2025 Disney

Wer die sehr empfehlenswerte ultimative Chronik über Donald Duck aus dem Taschen Verlag gelesen hat, weiß, dass der heute wohl bekannteste erfundene Held vieler Filme und unzähliger Comics weltweit Donald Duck heißt. Dafür gibt es ein ganzes Bündel an Erklärungen zu denen ohne Zweifel auch die von Carl Barks getexteten und gezeichneten Geschichten über Donald (und die ganze weitere Schar der Entenhausener Bewohner*innen) gehören. Zu damaligen Zeiten gab es keine Nennung der Verantwortlichen im Comic, es war einer von Walt Disney. Carl Barks aber hat es geschafft, sich in dieser erzwungenen Anonymität einen Ruf als „der gute Zeichner“ zu erarbeiten. Mittlerweile sind seine Arbeiten bekannt und auch mehrfach veröffentlicht, der Künstler war selbst noch zu Lebzeiten eine anerkannte Berühmtheit geworden.

Wissenschaft und Unterhaltung

Der Taschen-Verlag hat es sich zur Aufgabe gemacht, Klassiker der Comic-Geschichte basierend auf Reproduktionen der Originalausgaben in inzwischen mehreren Library-Reihen wieder auf den Markt zu bringen. Nach einigen Bänden aus dem Marvel-Universum folgte zuletzt der erste Band der Reihe Weird Science aus dem Hause EC. Nun also klassische Stories von Carl Barks aus der Four Color Reihe, alle zwischen 1942 und 1950 erschienen. Der Band folgt dem gleichen Konzept: Nach einem (wie immer empfehlenswerten) einführenden Essay von Jim Fanning erfolgt der Abdruck der Reproduktionen der damaligen Hefte. Dabei wird nichts verändert oder geschönt und so sind die Innenseiten der Umschläge auch nicht vierfarbig.

Illu Disney Comics Library 1 - Carl Bark's Donald Duck Vol 1
© 2025 Disney

Gerade für deutsche Leser*innen der Geschichten bietet dieser Band mit den englischen Originalen einen nicht zu unterschätzenden Vorteil. Wir sind es gewohnt diese Geschichten in ihrer Übersetzung zu lesen die aufgrund der deutschen Besonderheiten einen gewissen bildungsbürgerlichen Anspruch hat, um der Schmutz-und-Schund-Diskussion auszuweichen. Im Original lesen wir dagegen Slang-Wörter, karikierende Grammatik und Kraftausdrücke. Für mich eine gute Möglichkeit, die bekannten Geschichten noch einmal „neu“ zu entdecken!

Neben Einseitern und kürzeren Geschichten sind natürlich auch alle Klassiker wie Lost in the Andes, Luck of the North, Donald Duck and the Mummyʼs Ring oder Donald Duck Finds Pirate Gold enthalten. Wie kaum ein anderer schaffte es Barks, seine Ideen mit tatsächlichen wissenschaftlichen Erkenntnissen anzureichern und spannende, zugleich aber zeitlose Geschichten daraus zu kreieren. Auch hierauf geht der einführende Essay näher ein! Wir finden daher viereckicge Eier, im ewigen Eis konservierte Schätze aber auch geheimnisvolle ägyptische Mumien.

Example Disney Comics Library 1 - Carl Bark's Donald Duck Vol 1

XXL-Format für den Kaffeetisch

International heißt das XXL-Format des Buches „coffee-table book“, da man es selten beim Lesen wirklich in der Hand halten möchte. Natürlich geht das, eine Auflagefläche ist aber durchaus zu empfehlen! Das Super-Format erlaubt es, die Kompositionen der Seiten als auch der einzelnen Bilder genauestens aufnehmen zu können. Und es beweist, dass die Zeichnungen gut genug sind, diese extreme Vergrößerung dulden zu können, ohne „komisch“ zu wirken!

Zu den Zeichnungen selbst ist eigentlich kein weiters Wort notwendig: Carl Barks verknüpft die Einfachheit mit den notwendigen Details, bringt jede gewünschte Dynamik in die Panels, basiert seine abstrahierten Ideen auf tatsächlichen örtlichen wie technischen Gegebenheiten und ist damit immer dicht genug an der Realität, um glaubwürdig bleiben zu können. Gerade diese Meisterschaft hat ihn damals aus der Masse der anonymen Zeichner herausgehoben und kennzeichnet ihn noch immer als einen der besten Duck-Zeichner der Welt.

Example 2 Disney Comics Library 1 - Carl Bark's Donald Duck Vol 1
© 2025 Disney

Es gibt Bücher, die man seinen Besucher*innen nicht erklären muss. Dazu gehören etwa Cartoon-Bände auf der Toilette, Kochbücher oder Bildbände über spezielle Urlaubsziele. Dieser Band gehört ebenfalls in diese Kategorie, den – die Erlaubnis vorausgesetzt – jede*r wird anfangen darin rumzublättern, sich teilweise erinnern, grundsätzlich aber Positives murmelnd lachen.

Nostalgie? Ja! Aber zeitlos!

Muss man sich den Barks schon wieder kaufen? Selbst wer die komplette Library schon zu Hause hat, könnte bei diesem Band in das Überlegen kommen. Zum einen ist das Format etwas Besonderes und erlaubt einen anderen Zugang. Für die meisten Leser*innen hier bei uns ist es zudem nicht üblich, die Stories im Original zu haben. Sie lassen uns ganz andere Inhalte entdecken als die bekannten Übersetzungen! Und nicht zuletzt kann man den Band wunderbar gemeinsam genießen!

Weihnachten steht vor der Tür und damit auch die Frage nach den entsprechenden Geschenken. Für Comic-Fans im Allgemeinen, für Duck-isten im Besonderen dürfte der erste Band der Disney Library mit den Klassikern aus der ersten Barks-Ära sicherlich in Frage kommen. Für mich ist die englische Sprache eine Besonderheit, die positiv zu bewerten ist. Auf jeden Fall erfordern die Texte keine allzu tiefen Kenntnisse. Der Preis ist sicherlich ein Faktor, liegt aber deutlich unter dem Kilopreis von gutem Rindfleisch. Abgerundet wird die Ausgabe mit detaillierten bibliographischen Angaben zu allen Stories und Kurzbiographien der erwähnten Personen.

Essay Disney Comics Library 1 - Carl Bark's Donald Duck Vol 1
© 2025 Disney

Dazu ein Abtij-Bier, hier würde ich ein Dubbel empfehlen, und Gute-Laune-Musik, etwa einen der Ska, Ska, Skandal Sampler.

© der Abbildungen 2025 Disney Enterprises, Inc. / 2025 Taschen GmbH

Walt Disney’s Children’s Classics

1937 – 1953

Herausgeber: Kenneth Shue

Autor: Charles Solomon

Artists: Mary Blair, Al Dempster, Campbell Grant, John Hench, Dick Kelsey, Tom Oreb, Retta Scott Worcester, Mel Shaw

Originalausgabe

Taschen Verlag

Hardcover | 376 Seiten | Farbe | 40,00 €

ISBN: 978-3-8365-9925-2 (EN)

Cover Disney's Children's Classics

Wenn man sich heute den Disney-Konzern anschaut, vereint dieser nicht nur viele Marken unter einem Dach, sondern bespielt auch alle Register von Themenparks über Print, Streaming, Kino bis hin zu SFX und anderen IT-Inhalten. So kommt es, dass heute etwa Donald Duck als Wolverine agieren kann. Auch früher schon setzte das Disney-Imperium crossmediale Strategien um. Und so können wir nun in einer schönen Sammlung die Kinderbücher bewundern, die damals die Kinofilme begleiteten.

Moral und Unterhaltung

Die großen Disney-Kinofilme (nun ja, die meisten, einige sind heute unter Verschluss) tauchen immer wieder im Kino und auf Streaming-Plattformen auf, werden als Realverfilmung neu aufgenommen und erfreuen immer noch Millionen von Zuschauer*innen in vielen Ländern der Welt. Wie kommt es, dass ausgerechnet diese Inhalte dem Zahn der Zeit widerstanden haben und nicht obsolet geworden sind?

Disney's Children's Classics page "Dumbo"

Einerseits hat das natürlich etwas mit der gelieferten Qualität zu tun. Die Disney-Studios haben Sorgfalt über Zeit gestellt und mit allen zur Verfügung stehenden Mitteln Meisterwerke geschaffen. Es liegt aber auch an einer gewissen Zeitlosigkeit der Inhalte. Die ausgewählten Stoffe (teilweise schon damals mit einer langen Historie versehen) beziehen sich nicht auf Tagesereignisse: In Pinocchio geht es um das Ehrlichsein, in Bambi um das Leben und Sterben, in Dumbo um Minderwertigkeitskomplexe und bei Peter Pan schließlich um den Wunsch der ewigen Kindheit.

Natürlich gibt es noch weitere Geschichten in diesem Band die ebenso bekannt und berühmt sind. Für alle wird das originale Kinderbuch (auf Englisch) abgedruckt, das damals parallel zu den Filmen auf den Markt gekommen war. In kindgerechter Sprache steht hier die Story im Mittelpunkt, die Bilder assistieren nur. Dadurch eignet sich der Band im Übrigen perfekt zum Vorlesen, die kleinen Zuhörer*innen können dann selbständig die Geschichte anhand der Bilder nacherleben.

Disney's Children's Classics page "Pinocchio"

Kindgerechte Präsentation

Heutzutage sind die Inhalte cross-medial aufeinander abgestimmt, kein Jota ist im Film, im Buch, im Comic unterschiedlich dargestellt. Und die Held*innen (etwa bei den Disney’s Prinzessinen) erleben dann immer mehr und neue Abenteuer im Vermarktungskonzept. Hier ist das noch nicht so der Fall. Zwar sind einzelnen Zeichnungen (etwa bei Schneewittchen) den Verfilmungen sehr nah, es wird aber nichts dazu gedichtet.

Der Schwierigkeitsgrad der hier versammelten Bücher ist durchaus unterschiedlich: Während teilweise nur zwei oder drei Zeilen Text von einem Bild illustriert werden, sind es anderswo bis zu mehreren Absätzen. Trotzdem sollten die Anforderungen nicht zu hoch sein. Zudem ist das Niveau des Englischen kindgerecht. Vor ein paar Jahren gab es viele private Schulen zum Englischlernen für Kinder. Dieser Trend hat wegen des besseren Unterrichts in Grundschulen abgenommen. Trotzdem kann eine Unterstützung durch (Groß-)Eltern nicht schaden.

Disney's Children's Classics page "Peter Pan"

… und ein Nostalgie-Faktor

Obendrein ist das Buch auch etwas für die Erwachsenen, besitzt es doch einen hohen Nostalgie-Faktor. Fast jede*r der Generation ZACK wird das eine oder andere dieser Bücher zu Hause gehabt haben, allerdings wohl eher auf Deutsch, war Englisch doch damals kein Alltagserfordernis. Von der Aufmachung her passt es super zu den Kompendien über Micky Maus und Donald Duck, besitzt aber keine Überschneidungen!

Der Band ist Halb-Leinengebunden und besitzt ein Lesebändchen. Wer tiefer einsteigen möchte, findet ein sehr informatives Essay über die Filme und Bücher von Disney sowie Kurzbiographien über die Künstler*innen und zusätzliche Illustrationen. Ich würde den Band vielleicht nicht mit an den Strand nehmen, aber draußen den Sommerabend genießen und schmökern, das kann man schon.

Disney's Children's Classics page "Bambi"

Dazu ein leichter Sommer-Cocktail, etwa Aperol Spritz, und Rocksteady, etwa Stompin‘ on the Moon Vol. 1.

© der Abbildungen 2025 Disney Enterprises, Inc. / 2025 Taschen GmbH

Lee/Ditko, Kirby, Romita Sr. – Hulk. Vol. 1. 1962–1966

Marvel Comics Library. Hulk. Vol. 1

Story: Stan Lee
Zeichnungen: Steve Ditko, Jack Kirby, John Romita Sr.

Herausgeber: Douglas Wolk
Originalausgabe
– The Incredible Hulk 1 – 6 & Tales to Astonish 59 – 83

Taschen Verlag

Hardcover XXL | 670 Seiten | Farbe | 175,00 €

ISBN: 978-3-8365-9161-4

Cover Taschen Marvel Comics Library Hulk Vol. 1

Vor ein paar Jahren startete der Taschen Verlag die preisgekrönte Serie Marvel Comics Library: Im riesigen Format 28 x 39,5 cm werden die Superheld*innencomics der ersten Stunde peu a peu sorgfältig restauriert neu aufgelegt und mit einem Vorwort von Fachleuten versehen auf den Markt gebracht.  The Incredible Hulk passt natürlich in diese Reihe, ist er doch nach den Fantastic Four die zweite Schöpfung von Stan Lee und Jack Kirby. Im Gegensatz zu den anderen Bänden Avengers, X-Men, Spider-Man ist es aber keine Superheldenserie. Hier findet eine Verknüpfung der Science-Fiction-lastigen sonstigen Serien mit Motiven aus dem Horror-Genre statt!

Man or Monster or … both?

The Incredible Hulk ist die Erscheinungsform, in die Dr. Bruce Banner, einer der klügsten Menschen der Welt und seines Zeichens Wissenschaftler in einer US Army-Einrichtung, mutiert. Banner war der verantwortliche Leiter für einen Versuch mit einer experimentellen Bombe. Da er bemerkt hatte, dass ein Unbeteiligter sich auf das Gelände begeben hatte, wollte er ihn retten und wurde dabei einer sehr großen Menge an Gammastrahlung ausgesetzt. Der Junge, Rick Jones, entwickelt sich im Laufe der Zeit zu seinem Side-Kick und wird auch in anderen Serien auftauchen. Banner selbst überlebt die Bestrahlung, wird aber mit Einbruch der Nacht zum Hulk.

page 1 from the first The incredible Hulk

Das Monster ist eine der Marvel-Figuren, die eine bemerkenswerte Wandlung durchmachen mussten. Seine Hautfarbe war im ersten Heft noch grau, wurde dann aber aufgrund drucktechnischer Probleme zu grün umgewandelt. In seiner Origin-Story erfahren wir, dass sich der Mensch bei Einbruch der Nacht in ein Monster verwandelt. Diese Verwandlung wird bei Tagesanbruch rückwärts vollzogen. Später kann er sich mit Hilfe von Gammastrahlen in seine jeweils andere Inkarnation verwandeln, bevor dann starke Emotionen ebendiese auslösen. Im Laufe der Zeit kamen dann noch andere Inkarnationen hinzu die jeweils unterschiedliche Fähigkeiten und emotionale Besonderheiten besitzen.

Zudem waren sich Szenarist und Zeichner nicht immer einig: Obwohl es oftmals so aussah, als ob der Hulk fliegen könne, bestand sein Erfinder Stan Lee darauf, dass er nur zu unglaublich weiten und hohen Sprünge in der Lage sei. Davon unabhängig war der grüne Gigant somit in der Lage, sowie unerwartete Positionsveränderungen in seiner Inkarnation als Wissenschaftler als auch sichtbare in seiner Monsterform zu bewerkstelligen. Er stellt damit seine Verfolger, hauptsächlich in der Form von verbohrten, rachsüchtigen Militärs, immer wieder vor unlösbare Aufgaben.

Comic page within Taschen Marvel Comics Library Hulk Vol. 1

Blessing or curse?

Bei dem ambivalenten Charakter stellt sich die Frage, ob er einfach nur eine Katastrophe darstellt, die Eigentum vernichtet und Menschenleben in Gefahr bringt, oder ob sich hinter der oftmals ungelenken Gewalt eine hilfreiche Seele verbirgt.

Schon die kurzfristige Zusammenarbeit mit den Avengers lässt darauf schließen, dass die Grenzen nicht klar gezogen werden können. Aber auch in diesem Band sind widersprüchliche Aussagen verborgen. Einerseits rettet der Hulk alle Insassen eines Zuges vor einem Unglück mit schwerwiegenden Folgen und verteidigt mehrfach die Souveränität gleich der ganzen Erde gegenüber außerirdischen Invasoren, andererseits gerät er immer wieder in Situationen, in denen er, oftmals aus Wut, Verzweiflung oder Frustration, über die Stränge schlägt.

Im Zuge des Übereifers seiner Feinde beim Militär wird er sogar gleichzeitig von den amerikanischen Vertretern als Überläufer und Deserteur und von der kommunistischen Seite als Spion und Feind verfolgt. Kein Wunder, dass eine seiner Lieblingsbeschäftigungen die Zerstörung von Panzern jeder Seite ist. Da sein Hauptgegner nicht nur militärischer Kommandant, sondern auch gleichzeitig Vater seiner Angebeteten ist, wünschte sich wohl mehr als einer der pubertierenden Leser in ähnlichen Situationen gleichermaßen ausrasten zu können.

Comic page within Taschen Marvel Comics Library Hulk Vol. 1

Die Serie

Während es heute unvorstellbar ist, dass Pressevertriebe Einfluss auf die Anzahl der Serien hatten, war das in den 50-er und 60-er Jahren in den USA ein alltägliches Problem. Titel mussten also sehr gezielt ausgewählt und lanciert werden. The Incredible Hulk hatte dementsprechend nur eine kurze Laufzeit und kam gerade mal auf sechs Ausgaben. Schon die letzten beiden davon deuten aber daraufhin, wie es weiter gehen sollte, enthalten sie doch schon jeweils zwei halblange Stories. Und tatsächlich migrierte das Monster nach der Einstellung der eigenen Serie in eine Anthologie-Reihe, die Tales to Astonish! In diesem teilte er sich die Seiten zunächst mit dem Giant-Man, später dann mit dem Submariner.

Glücklicherweise erlaubt die perfekte chronologische Sammlung aller Solo-Abenteuer der ersten Jahre das Verfolgen der oftmals über mehrere Hefte laufenden Handlungsbögen. Das war damals nicht unbedingt üblich und verdeutlicht erneut die Sonderstellung der etwas unterschätzten Serie.

double page image from Taschen Marvel Comics Library Hulk Vol. 1

Wie immer erlauben die sorgfältigen Reproduktionen der Originalhefte eine Kombination aus einer den Originalen nachempfundenen Haptik und eine perfekte Abbildung der einzelnen Panel, die auf dem damaligen Papier deutlich schlechter aussahen. Das Großformat gibt den sorgfältig komponierten Seiten noch mehr Wirkung und die Bindung und die Aufmachung mit Lesebändchen und passendem Karton zeugt von Wertigkeit (und der Aufmerksamkeit des Verlages gegenüber klassischen „Schätzen“)!

Eine wachsende Sammlung

Die Taschen Marvel Comics Library (die mit der EC Comics Library gerade eine Schwester bekommen hat) wächst und wächst! Sie ist bereits eine unverzichtbare Sammlung der Anfänge der Marvel-Erfolgsgeschichte und bringt somit Meilensteine der Comic-Geschichte in unsere Regale. Da wir heutzutage immer mehr dazu neigen, Geschichte und Hintergründe zu verdrängen, ja, zu ignorieren, ist es auch wichtig, eine zeitgeschichtliche Einordnung mitzuliefern. Jeder Band enthält daher eine sehr persönliche, trotzdem aber auf alle Begleitumstände eingehende Einführung eines Experten. In diesem Fall ist es erneut Douglas Wolk, der die Innovationen und Wirkungen des Hulk verständlich darlegt.

Intro to Taschen Marvel Comics Library Hulk Vol. 1

Die Leser*innen in Deutschland und den Niederlanden müssen allerdings eine (kleine) Pille schlucken: Sowohl die Einführung als auch alle Comics sind in der Originalsprache, also in Englisch. Das XXL-Book ist zwar nicht für den Strandurlaub oder als zusätzliches Gepäckstück beim Wandern geeignet, sollte aber den Urlaub auf Balkonien zu einem Glanzstück werden lassen! Wie immer gibt es übrigens für Sammler*innen wieder eine limitierte Vorzugsausgabe mit Metallcover.

Dazu passen Andy & Joey mit „Your Wondering Now“ aus dem Jahr 1966 und ein Negroni, der gerade ebenfalls ein „Comeback“ feiert.

© der Abbildungen 2024 Marvel / 2024 Taschen Verlag

Geissman  – EC Comics Library. Weird Science. Vol. 1

1950 – 1952

Herausgeber/Autor: Grant Geissman

Artist: Bill Gaines, Al Feldstein, Wally Wood, Harry Harrison, Harvey Kurtzman, Jack Kamen u.a.
Originalausgabe

Taschen Verlag

Hardcover XXL | 462 Seiten | Farbe | 150,00 €

ISBN: 978-3-8365-9733-3 (EN)

Cover Weird Science Vol 1

Anfang der 50-er-Jahre waren die Schrecken des Zweiten Weltkrieges gerade einmal fünf Jahre her. Der Abwurf der Atombomben über Hiroshima und Nagasaki hatten die Weltgeschichte verändert, die „Wissenschaft“ hatte begonnen, eine stärkere Rolle als Panzer zu spielen. Waren in der Vergangenheit Science-Fiction-Themen eher Abenteuer gewesen, die in fremden Gegenden spielten, war die Vernichtung der Menschheit ein nun durchaus gängiges Szenario. Diese Bilder mussten sich die Konsument*innen aber oftmals in ihrem Kopf selber erzeugen, denn die visuelle Umsetzung von Science-Fiction wurde durch Serien wie Flash Gordon dominiert.

Eine Revolution!

Doch dann kam der New Trend der EC-Comics und mit ihm Weird Science und Weird Fantasy! Die zunehmenden UFO-Sichtungen wurden genauso thematisiert wie eine potentielle Überlegenheit einer außerirdischen Zivilisation. Weiße „Täter“ wurden plötzlich zu „Opfern“ in dem sie kolonialisiert, ausgebeutet, vermessen oder aber einfach vernichtet wurden. Altbekannte moralische Grundsätze des Zusammenlebens wurden in Frage gestellt oder sogar ad absurdum geführt. Das weibliche Geschlecht ließ sich nicht mehr auf die Küche und die Kinder reduzieren, sie waren aktive, verführerische und tödliche Bestandteile der neuen Ordnung.

panel Weird Science Vol 1

Gleichzeitig wurden Monster, Mutationen und auch Vernichtungen bildlich dargestellt und schufen damit eine ganz neue Ästhetik, die nichts mehr mit den vom Orient inspirierten Zeichnungen zu tun hatten, die in einem Tarzan-Comic aber auch auf dem Mars oder einem anderen Planeten für das „Fremdartige“ sorgen sollten. Das „Neue“ war anders, eklig und gefährlich, aber eben auch verführerisch und inspirierend!

Zudem spielte die Science-Fiction nun endlich auch ihre Extrapolationsfähigkeiten aus: Es ging um wissenschaftliche Grenzbereiche, das Hinüberwechseln in andere Universen, die in uns liegen, aber auch um psychologische Fragestellungen. Immer wieder tauchte die vorher nie gestellte Frage auf, wie weit Wissenschaft gehen darf und wie sie ethisch zu kontrollieren wäre. Heute können wir uns nicht mehr vorstellen, Fragen und Themen dieser Art nicht im Kino, im Streaming und natürlich auch in Comics zu sehen. 1950 war das eine Revolution!

Comic Weird Science Vol 1

Die ersten elf Ausgabe des ersten „echten“ Science-Fiction Comics!

Wie Grant Geissman schon in seinem fantastischen Kompendium über die Geschichte des EC-Verlages ausgeführt hat: Neben Leuten, die umsetzen, benötigt es immer einen, der als Katalysator Sachen ermöglicht! Hätte es nicht den durch ein Unglück verursachten, ungewollten Einstieg von Bill Gaines in den Verlag seines Vaters gegeben, und wäre es nicht dazu gekommen, dass ein kongeniales Gespann Story-Ideas am Fließband ausgebrütet hätte, würden Monster vielleicht immer noch niedlich aussehen. Natürlich haben viele Faktoren das visuelle Geschehen von heutiger Science-Fiction beeinflusst: Star Trek, 2001, Barbarella, Babylon 5, … Insbesondere der SF-Comic war aber nach der EC-Ära nie wieder so wie vorher!

Intro Weird Science Vol 1

Diese Ausgabe bietet die Chance, die Entwicklung mitzuvollziehen. Die ersten elf Ausgaben dieser Heftreihe sind hier komplett abgedruckt, sie enthalten also auch die Leser*innenbriefseiten, Textbeiträge und Anzeigen. Es mag dabei heute wie ein Treppenwitz wirken, dass ganzseitige Anzeigen die Kids auffordern, ihren Eltern zu erklären, dass die EC-Magazine des New Trend dem Comics Code unterfallen und daher geprüftermaßen unbedenklich sind. Dank der sehr ausführlichen bibliographischen Angaben kann jeder Beitrag bestimmten Künstlern zugewiesen werden. Jede*r kann daher z.B. nachvollziehen, warum die kombinierten Arbeiten von Harrison und Wood ein Erfolg waren, die Arbeiten von Harrison alleine aber nicht.

Must-Have für Science-Fiction-Fans

Must-Have ist eine Eigenschaft, die oft genug von Marketing-Abteilungen verwendet wird und für den guten Abverkauf sorgen soll. Sie ist aber auch ein Qualitätsmerkmal: Wer sich ernsthaft mit einem Thema beschäftigen will, kommt daran nicht vorbei. Wer verstehen will, warum und vor allem wie Science-Fiction den Schritt von der Space-Opera machen konnte, wird hier viele Anfänge von späteren Linien finden können. Das gebrochene Verhältnis zu den Auswirkungen von Technologie, der ethiklose Wahnsinn, das Hinterfragen von Moral durch die Betrachtung von außen, das Fehlen jeglicher Schranken bei gefräßigen, hungrigen Tieren und vieles mehr findet sich hier!

Dazu kommt eine wie immer vorzügliche Einleitung, die in diesem ersten Band von Grant Geissman stammt. Der hervorragende Kenner von EC-Titeln und preisgekrönte Musiker erzählt detailreich und doch persönlich. Das Coffeetable-Format der Taschen-Bände hat mittlerweile in einigen Haushalten Einzug gehalten, sind doch schon Werke über EC, Donald und Mickey, aber eben auch die ersten Jahrgänge der Marvel-Serien erschienen. Besser kann man die Inhalte nicht präsentieren!

Es gibt im Übrigen auch hiervon eine limitierte Collector‘s Edition! Aber auch die reguläre Ausgabe wiegt bereits fast 4 Kilogramm, besitzt einen schönen Umschlag, ein Lesebändchen und kommt in einem passenden, extra angefertigten Karton.

Detail Weird Science Vol 1

Das „Köln-Concert“ von Keith Jarrett ist gerade 50 Jahre alt geworden. Vielleicht kann man es ja aus dem Schrank hervorholen und zu den Comics, die noch einmal 25 Jahre mehr auf dem Buckel haben, genießen! Und dazu in kleinen Häppchen einen wirklich alten Whisky nach Wahl mit Torf- oder Sherry-Aromen.

© der Abbildungen 2024 by William M. Gaines Agent, Inc / 2025 Taschen GmbH

Jahresrückblick 2024 – Die besten Comics

Meine Jahresbestenliste und ein paar Worte zum Geleit

Das Jahr 2024 ist zu Ende, viele der „Errungenschaften“ leider nicht. In der Ukraine ist schon wieder ein Kriegswinter, Wahlen haben in mehreren Ländern rechtspopulistische und rechtsradikale Parteien gestärkt, deren Ziel es ist, die Demokratie zu beseitigen und trotz allen Hypes um KI gibt es natürlich immer noch kein Mittel gegen Krebs. Immerhin wurde die Welt von dem syrischen Diktator befreit, ob das neue Regime besser ist, wird sich erst noch zeigen müssen.

In der Welt der bunten Bilder wurden einige 90. und 100. Geburtstage gefeiert, viele der „großen“ Alten haben uns verlassen. Es gab aber auch einige Neuentdeckungen.

comix-online Reporter
Immer für euch unterwegs

Die Zugriffszahlen für comix-online konnten gehalten werden: Erneut mehr als 100.000 direkte Zugriffe auf einzelne Artikel, also ohne die Startseite! Vielen Dank für dieses Vertrauen! Auch wenn die Seite längst „erwachsen“ geworden ist, besteht doch immer die Möglichkeit etwas zu verbessern. Ich freue mich daher auf Euer Feedback. Persönlich habe ich wieder als Übersetzer für die redaktionellen Seiten im zweiten Band der Zentauren sowie der Sammy & Jack-Integral-Reihe gewirkt, für Nicky Saxx auch den Comicteil übersetzt und diverse Artikel im ZACK sowie erstmals in der Sprechblase veröffentlicht.

Die besten Comics

Der beste Comic kommt für mich in diesem Jahr aus Deutschland: Gevatter von Schwarwel beschreibt schonungslos den Kampf mit der Depression und der Umwelt. Ursprünglich in einzelnen Haften erschienen sind die fünf Phasen jetzt als Comic erschienen. Unbedingt empfehlenswert!

Cover Schwarwel Gevatter Gesamtausgabe

Platz 2 ist nicht unbedingt eine Überraschung für langjährige Leser*innen dieser Seite: Die deutsche Ausgabe der Chroniken von Amoras bringt die Fortsetzung der sechsteiligen Amoras 2047-Sage, die hierzulande im ZACK erscheint, endlich auch auf Deutsch unter die Leute. Legendre und Cambré haben dem etwas angestaubten Suske und Wiske-Stoff neues Leben eingehaucht und eine spannende Endzeit-sage geschrieben. Die Chroniken greifen dabei einzelne Episoden aus Gegenwart, Vergangenheit und Zukunft auf.

Und auch Platz 3 geht an in der ZACK-Edition erschienes Werk: Dr. Radar von Simsolo und Bézian ist eine Noir-Krimi-Erzählung in einem sehr eigenwilligen Strich. Für Fans des klassischen Krimis ein Muss, für Leser*innen anspruchsvolle Comics ebenfalls!

Platz 4 ist ebenfalls ein älteres Werk, das neu aufgelegt wurde: Das Abenteuer ohne Helden im Verbund mit 20 Jahre danach erzählt die Geschichte, die mit einem Flugzeugabsturz beginnt, mit menschlicher Schwäche und Stärke weitergeht und schließlich Korruption thematisiert. Van Hamme und Dany zelebrieren Geschichte und Zeichnungen.

Platz 5 schließlich geht an eine Weiterentwicklung eines Klassikers: Die Veröffentlichung von Gaston 22 ist das Ergebnis eines jahrelangen Rechtstreites. Delaf führt den Chaoten genau dort weiter, wo Franquin aufgehört hatte. Vielleicht etwas altmodisch, aber liebenswert, chaotisch und genauso anarchistisch wie zuvor!

Die besten Graphic Novels

Wie immer ist die Abgrenzung zwischen Comic und Graphic Novel schwierig. Trotzdem: Meine persönliche Auswahl:

Platz 1 geht auch hier an ein Werk von einem deutschen Künstler, der allerdings mittlerweile in den Niederlanden lebt: Columbusstraße erzählt die Geschichte von Tobi Dahmens Vorfahren während der Jahre 1935 – 45. Sehr persönlich, angreifbar aber auch nichts beschönigend macht sich Dahmen dieses Mal nicht an seine eigene Geschichte wie im Fahrradmod, sondern begibt sich auf die Suche nach Schuld, Verschulden und Zeitgeist.

Cover Dahmen - Columbusstraße

Und auch Platz 2 wird von einem deutschen Künstler eingenommen: Digger von Ralf Marczinczik ist eine Geschichte über einen Straftäter, die Einsamkeit und – vor allem – die Hoffnung! Dieser Band hat 2024 bereits einige Preise abgeräumt, sein Auftauchen ist daher wenig überraschend.

Auf den dritten Platz hat sich ein Werk geschoben, dass erst vor Kurzem erschienen ist: Ava von Emilio Ruiz und Ana Miralles erzählt eine kurze Episode aus dem Leben von Ava Gardner. Die Hollywood-Diva hatte wahrlich kein leichtes Leben und auch ihr Umfeld musste unter ihrer Berühmtheit leiden. Obwohl ihre Zeit in Brasilien nur sehr kurz war, gelingt es den Künstler*innen doch, viele Probleme in diesen Zeitpunkt zu packen und das Ganze mit brillanten Bildern darzustellen.

Die besten Gesamtausgaben

Gesamtausgaben haben immer ein wenig den Beigeschmack der Geschäftemacherei. Sie können aber auch eine endlich angemessene Veröffentlichungsform darstellen, mit Informationen angereichert sein und Werk und Künstler*innen würdigen. Drei Beispiele, die mich in 2024 überzeugt haben:

Zunächst einmal die wunderschöne Ausgabe der kompletten Modesty Blaise Strips aus dem Bocola-Verlag! Nicht nur sind Papier und Format den Zeitungsstrips absolut angemessen, die Herausgeber haben sich ebenfalls bemüht, auch die Strips, die nur in einer kleinen schottischen Zeitung erschienen sind, einzufügen. Dazu kommen perfekte Einleitungen von O’Donnel selbst. Wer auf 60-er Jahre-Flair und Agent*innen steht, ist hier genau richtig!

Cover Modesty Blaise 1

Platz 2 geht an die Neuedition der Boule und Bill-Streifen von Jean Roba. Die Einseiter mit den Familiengeschichten sind natürlich schon oft veröffentlicht worden. Trotzdem: Eine Gesamtausgabe bietet die Möglichkeit, Entwicklungen zu betrachten, zu genießen und immer wieder mal ein paar Seiten zu genießen.

Platz 3 geht an Mikaël und die Gesamtausgabe des ersten Teils der New-York-Trilogie: Giant! Im Mittelpunkt dieser Serie steht die Stadt selbst. Natürlich gibt es handelnde Personen, in diesem Fall irische Arbeiter, in der Gesamtschau wird aber klar, dass ihre Geschichten nur pars pro toto stehen. Geniale Bilder und eine ergreifende Story. Die ersten beiden Teile, Giant und Bootblack, sind als Vorabdruck im ZACK erschienen, Teil 3, Harlem, ist bei Splitter erschienen.

Die besten Sekundärwerke

Das allerbeste Sekundärwerk des Jahres ist ein XXL-Wälzer – Donald Duck – The ultimate History bzw. die ultimative Chronik ist ein Kompendium zum 90. Geburtstags des Superstars. Sie beleuchtet den Weg vom ersten Auftritt, den Nebendarsteller-Rollen bis hin zum Alleinunterhalter. Der Band erwähnt dabei alle (!!) Filme, konzentriert sich bei den Comics auf die Werke von Carl Barks, bezieht aber auch Werbung, Themenparks und alles Weitere mit ein. Das Buch ist sowohl auf Deutsch als auch auf Englisch und Französisch bei Taschen erschienen und sollte in keiner Disney-Sammlung fehlen!

Cover Donald Duck. The Ultimate History

Platz 2 ist (zumindest hier bei uns in Deutschland) ebenfalls im Zusammenhang mit einem Jubiläum erschienen: Die Spirou-Deluxe-Reihe stellt Werke von Franquin in einen neuen Zusammenhang, veröffentlicht die schwarz-weißen Zeichnungen neben der bekannten kolorierten Fassung und vermittelt eine große Menge an Informationen über Künstler und Hintergründe. Bisher erschienen sind der Liliput-Trick und die Bravo Brothers.

Platz 3 schließlich geht an das Kompendium über in Deutschland erschienene Horror-Comics: Der absolute Horror von Christian Blees listet auf, vermittelt Inhalte, erklärt Trends und versammelt eine wahnsinnige Menge an Informationen auf kleinem Raum! Für Fans des bebilderten Grusels ein Muss!

Die besten Magazine

Und auch in diesem Jahr geht der Preis für das beste Magazin wieder an das ZACK! Auf mittlerweile 100 Seiten pro Monat wird ein Überblick über aktuelle europäische Comics geboten, der seines Gleichen sucht. Dazu kommt inzwischen ein Ableger: Das ZACK-Sonderheft. Die am häufigsten angeklickte Ausgabe war die Jubiläumsnummer 300.

Cover ZACK 300

War im letzten Jahr Platz 3 ein Nachruf, ist es in diesem Jahr einer auf das Magazin, das es auf Platz 2 geschafft hat: Das ZEBRA hat mit der Nummer 19/20 sein Erscheinen eingestellt. Schade, war es doch immer ein Einblick in die Welten des deutschen Independent-Bereiches.

Wieder in die Top 3 haben es die Magazine des Zauberstern Verlages geschafft. Was mit dem Phantom begonnen hatte, wird durch Mikros, Flash Gordon, Van Helsing und Savage Dragon verstärkt! In 2025 kommt noch ein Phantom Spezial dazu. Eine kleine Bemerkung sei erlaubt: Der Wandelnde Geist wandelt auch woanders, etwa bei Kult und in der ZACK-Edition! Dort ist er nicht schlechter!

Und dann ist da noch …

… eine unheimliche Fleißarbeit. Nach mehreren Jahren des Wartens hat Bernd Weckwerth es tatsächlich geschafft, die Chronik der Koralle-ZACK-Ära in den Handel zu bringen! Auf 400 Seiten werden nicht nur alle Hefte, Alben und Taschenbücher vorgestellt, sondern auch die Poster, Sammelalben etc. Dazu gibt es viele anekdotenhafte Bemerkungen zu Serien und Künstler*innen und ein paar erhellende Artikel!

Cover ZACK-Chronik

Eure Lieblinge in 2024

Eure Charts, basierend auf den Abrufzahlen:

Platz 1 geht wie im letzten Jahr an Hägar und die Gesammelten Chroniken von 1973, gefolgt vom Jahresrückblick auf 2023 und Spirou und Fantasio Spezial 42. Bei dem letzteren Titel haben die Zugriffe erst nach dem Auslisten des Titels sehr stark zugenommen. Auf Platz 4 folgt mit der Jubiläumsnummer 300 der erste ZACK-Titel, auf Platz 5 erneut Messalina von Mitton.

Die weiteren Plätze: Donald Duck – The Ultimate History, Di CaroDie Geheimnisse des Maison Fleury 1, Giant von Mikaël, Der 1. Band der Chroniken von Amoras und Gaston 22 von Delaf.

Für 2025 wünsche ich Euch alles Gute! Kommt gut rein! Mögen uns im kommenden Jahr Katastrophen erspart bleiben, möge die Demokratie sich als standhaft erweisen und mögen sich möglichst viele Rassismus, Sexismus, Homophobie und ähnlichen Auswüchsen entgegenstellen.

© der Abbildungen bei den jeweiligen Verlagen und Künstler*innen

Giger  – Mythologies for the Future

The biomechanical art of HR Giger (dreisprachig EN FR DE)

Herausgeber/Autor: Hans Werner Holzwarth, Andreas J. Hirsch

Artist: HR Giger
Originalausgabe

Taschen Verlag

Hardcover XXL | 506 Seiten | Farbe | 175,00 €

ISBN: 978-3-8365- 7716-8 (Multilingual (EN FR DE)

Cover HR Giger

Ein Kunstband in einem Comic-Magazin, ja, passt das denn? Die Antwort kann nur lauten „Ja!“, ist doch die Neunte Kunst selber nur eine unter vielen anderen Kunstformen, unter denen es eine Unmenge an Überschneidungen gibt. Dabei sind immer wieder Trendsetter zu beobachten, die neue Wege eröffnet haben. Diese Wege breiten sich dann aber über viele Ausdrucksformen aus. So entstehen in der gestaltenden Kunst, der Malerei, im Film und eben auch im Comic Artefakte, die von dem Neuen inspiriert worden sind. Einer dieser Freigeister war Hans Rudolf Giger, dessen Todestag sich 2024 zum zehnten Mal jährte.

BLACK!

Der Schweizer Künstler, 1940 in Chur geboren, absolvierte nach dem Abitur zunächst eine Bauzeichnerlehre, bevor er Innenarchitektur und Industriedesign studiert. Bereits während dieser Zeit veröffentlicht er eigene Zeichnungen in Untergrundzeitungen. Seine späteren Themen lassen sich schon erkennen, die Stilrichtungen ändern sich allerdings noch. Ab 1968 arbeitet er nicht mehr als Angestellter und kann von seiner Kunst leben.

Der Weg führt weg von den Zeichnungen hin zu Öl und Acryl-Gemälden und Airbrushkunstwerken. Immer wieder tauchen Verbindungen von biologischen und mechanischen Bestandteilen auf. Die sogenannten Biomechanoiden zeigen einen düsteren Blick auf die Zukunft, sollen verstören und kommen gleichzeitig eigenartig morbid daher. Außerdem enthalten sie immer wieder sexuelle Komponenten, die sich auch auf den katholischen Hintergrund Gigers zurückführen lassen.

HR Giger page 108

Wesentlicher Bestandteil seines Schaffens sind seine Filmdesignbeiträge, insbesondere natürlich für Alien von 1979. Die ikonographische Figur ist mittlerweile Allgemeingut der Pop-Kultur, Giger wurde dafür mit einem Oscar (Visual Effects) belohnt. Und natürlich ist sie auch der Star einer Vielzahl von Comic-Stories und Cross-Overs. Der Band zeigt aber auch seine teilweise nicht einmal verwendeten Arbeiten für andere Filme, wie etwa Dune. Immer wieder zeigt sich darin seine Ausbildung im Möbeldesign, die er in sehr spezieller Weise mit seinen biomechanischen Themen verknüpft.

Die Ausgabe

Ich weiß nicht, wer schon einmal versucht hat, ein Kunstwerk durch das Betrachten einer Postkarte zu erschließen. Ich bin der Meinung, dass das gar nicht funktioniert. Das vom Taschen-Verlag gewählte Format geht einen anderen Weg: das Coffee-table-book im XXL-Format erlaubt tatsächlich eine Seitengröße von 29 x 39,5 cm und lässt sich durch Doppel- und Ausklappseiten noch deutlich erweitern. Natürlich sind es immer noch nicht die echten Kunstwerke, sie kommen dem Original aber schon sehr nahe.

Nun ist das Betrachten der Werke die eine Sache, die Erklärung der Werke (und ihrer Auswahl) sowie die Einordnung in das Weltgeschehen die andere. Hier ist es Andreas J. Hirsch zu verdanken, dass er die Leser*innen mit großem Sachverstand, aber eben auch in einer nicht abgehobenen Art und Weise durch das Werk des verstorbenen HR Giger führt. Obwohl dieses Buch kein Ausstellungskatalog ist, merkt man ihm doch an, dass der Autor bereits Ausstellungen, auch von Giger, kuratiert hat!

HR Giger page 78

Nicht jede*r ist des Englischen so weit mächtig, dass der gleiche Genuss in der fremden Sprache erzielt werden könnte. Das Werk ist daher komplett dreisprachig. Die einzige Schwierigkeit: Arme oder Unterlage müssen in der Lage sein, 6,2 Kg auf längere Zeit halten zu können.

Was lange wärt …

Dieses Buch wurde noch zu Lebzeiten des Künstlers begonnen. Nun hat sich sein Todestag bereits zum zehnten Mal gejährt. Alle hier aufgezeigten Befürchtungen sind in diesem Jahrzehnt allerdings keineswegs obsolet geworden. Im Gegenteil: Mit dem Einzug von Generative AI hat das Thema der künstlichen Intelligenz und der Bedrohung des „natürlichen“ Lebens eine neue Dimension bekommen. Umweltverschmutzung und Klimakrise sind nicht mehr nur noch globale Bedrohungen, die aktuellen Kriege haben gezeigt, dass ökologische Katastrophen als Folgeerscheinung geplant werden.

Wann also wäre diese Mischung aus Horror, psychedelischen Fragestellungen und Surrealismus relevanter als heute? Das Buch gibt natürlich einen Einblick in die Werke, vernachlässigt aber auch die Wirkung auf andere nicht und stellt dadurch immer wieder die Verbindung zu Politik, Kunst und Unterhaltung her. Anstatt jetzt sehr lange aufzuzählen, für welche Zielgruppen der Band geeignet wäre, entscheide ich mich für das Gegenteil: Wer auf Romantik und Liebe steht, ist hier möglicherweise falsch.

HR Giger The work

Dazu passen „Chrome“ von Debbie Harry (mit einen Album-Cover von Giger) und ein poor man’s Black Velvet.

© der Abbildungen 2024 Carmen Giger (HR Giger Estate) / 2024 Taschen GmbH

Ankündigung – Donald Duck. The Ultimate History – UPDATE Berlin

Die ultimative Chronik zum 90. Geburtstag live in Berlin mit Ulrich Schröder


Herausgeber:
Daniel Kothenschulte, David Gerstein, J. B. Kaufman
Originalausgabe

Taschen Verlag

Hardcover XXL | 564 Seiten | Farbe | 175,00 €

ISBN: 978-3-8365-5278-3 (Deutsche Ausgabe)

Cover Donald Duck. The Ultimate History

Seit 1934 ist Donald Duck eine der beliebtesten Comicfiguren, und er war in mehr Filmen zu sehen als jeder andere Protagonist von Disney. Dieser Band zeigt seltene Zeichnungen, Originalausgaben und Schnappschüsse aus der Produktion, charmante Sammlerstücke, unvollendete Filmprojekte sowie unveröffentlichte Arbeiten vom „Duck Man“ Carl Barks.

Was passiert, wenn ein Kunst-Verlag, ein passionierter Fan, und ein 90. Geburtstag zusammenkommen? Die ultimative (und wohl unüberbietbare) Chronik über die erfolgreichste erfolglose Ente der Welt!

Die Präsentation der deutschen Ausgabe in BERLIN

Nach dem großen Erfolg der bisherigen Präsentationen auf der Frankfurter Buchmesse und im Taschen-Store in Köln kommen auch die Fans in Berlin auf ihre Kosten! Am Freitag, 7. März, von 17 bis 18 Uhr im Berliner TASCHEN Store (Schlüterstraße 39, 10629 Berlin) signiert Herausgeber Daniel Kothenschulte und personalisiert Disney Comic-Illustrator Ulrich Schröder die Bücher mit einer Donald Duck Zeichnung. Es wird nicht so viele Gelegenheiten geben, den Herausgeber und den bekanntesten deutschen Disney-Zeichner zusammen zu erleben, daher sollte man sich dieses ziemlich exklusive Event vormerken.

Aus der Pressemitteilung:

Nichts ist so erfolgreich wie der Erfolg, sagt das Sprichwort, aber bei Donald Duck ist das Gegenteil der Fall: Die Offenheit, mit der Donald seine Schwächen preisgibt, gewinnt unsere Herzen und bleibt unvergesslich.

Erleben Sie Donalds Lebenswerk aus neun Jahrzehnten in einer der umfangreichsten illustrierten Publikationen über das Disney-Universum. Nach TASCHENs Mickey Mouse: Die ultimative Chronik verfolgen wir nun die Karriere von Mickeys einzigem Rivalen im Kampf um den Titel der beliebtesten Disney-Figur. Beginnend mit seinem Debüt im Kurzfilm The Wise Little Hen in der Reihe Silly Symphony am 9. Juni 1934 dokumentiert dieser Band Donalds über 170 Zeichentrickfilme, seine Abenteuer im Comic und im Fernsehen sowie seine Auftritte in Themenparks. Als besonderes Schmankerl für seine Fans sind die Autoren zudem tief in Disneys Schatzkammern eingetaucht, um die Geschichte seiner unvollendeten Filmprojekte zu erzählen.

Taschen Donald Duck Leitmotiv 3
(c) Disney 2024 | Taschen 2024

Dank des beispiellosen Zugangs zu den umfangreichen historischen Archiven und Sammlungen von Disney sowie zu öffentlichen und privaten Sammlungen konnten seltene Konzeptzeichnungen, Story-Skizzen, Hintergrundbilder, Animations- und Comic-Zeichnungen sowie historische Fotos zutage gefördert werden. Wir begegnen dem Werk aller wichtigen Künstler in Film und Comic, die die Figur Donald geprägt haben. Eine umfassende Würdigung erfährt der als „Duck Man“ verehrte, legendäre Comicerzähler Carl Barks, dessen noch nie gezeigte frühe Storyboard-Zeichnungen hier zu sehen sind.

Das Must-Have für Fans

Comix-online durfte bereits einen Vorab-Blick in das großformatige Werk werfen und ich muss sagen, dass ich begeistert bin! Mehr Fakten sind nicht möglich und das Layout ist wie schon bei der Mickey-Mouse Chronik perfekt. Es lädt dazu ein, die Abbildungen (die bei diesem Seitenformat groß genug sind!) zu betrachten, erlaubt einen guten Lesefluss dank der gut strukturierten Texte und bietet selbst für Spezialist*innen noch Neues!

Man merkt dem Taschen-Verlag bei all seinen Publikationen an, dass die gesamte Mannschaft großen Respekt vor Kunst und Künstler*innen hat. Natürlich ist der Sinn eines Unternehmens, Geld zu verdienen. Aber man kann das eben auch mit dem gebührenden Maß an Hochachtung tun. Genau solche Kleinigkeiten sind es, die das Werk für die Leser*innen zu einer Besonderheit werden lassen!

Übrigens sei gesagt, dass Weihnachten vor der Tür steht …

Das Werk wird am 19. Oktober auf der Frankfurter Buchmesse vorgestellt. Dabei werden sowohl Daniel Kothenschulte als auch Ulrich Schröder anwesend sein und Bücher signieren!

Dazu passen Bad Guy von den Interrupters und ein Kaffee für die Wartezeit in der Signierschlange …

© der Abbildungen 2024 Disney Enterprises, Inc. / 2024 Taschen GmbH

Lee, Thomas/Heck – Avengers. Vol. 2. 1965–1967

Marvel Comics Library. Avengers. Vol. 2

Story: Stan Lee, Roy Thomas
Zeichnungen: Don Heck

Herausgeber: Christopher Priest
Originalausgabe

Taschen Verlag

Hardcover XXL | 666 Seiten | Farbe | 150,00 €

ISBN: 978-3-8365-9159-1

Cover Lee Thomas/Heck Avengers 2

Es ist nicht immer einfach, einen langen Atem zu haben. Viele Projekte sind schon (zu) schnell wieder gescheitert. Die XXL Marvel Comics Library jedoch ist jetzt schon in ihrem dritten Jahr! Die Library wurde gleich mit dem ersten Band mit einem Eisner-Award ausgezeichnet und hat es sich zum Ziel gesetzt, die herausragenden Anfänge der Marvel-Comics zu präsentieren. Das gewählte Format entspricht den Originalzeichnungen, bietet also eher den Blick der Künstler als den der damaligen Leser*innen. Alle Originale wurden sorgfältig digital reproduziert und auf einem Papier gedruckt, dass die Haptik des damaligen Papiers mit heutiger Qualität widerspiegelt.

Ein Team steht füreinander ein?

The Avengers war ursprünglich so etwas wie ein Schnellschuss. Einerseits sollte die Popularität der Hauptfiguren ausgenutzt werden, andererseits waren Autor und Zeichner mit den Figuren bereits vertraut. Christopher Priest weist in seinem einführenden Essay allerdings klar auf ein Problem hin. Zwar waren die Avengers-Stories fortlaufend, was zur damaligen Zeit alles andere als üblich war, die eigenen Reihen der Held*innen aber eben auch. Daher hatten sich viele damalige Fans in Briefen an Marvel gewandt, um nachzufragen, wie sie gleichzeitig in so unterschiedlichen Konflikten involviert sein könnten.

Detail Cover Marvel Comics Library Avengers 2 Intro

Bis auf Cap wurde das Team daraufhin neu besetzt und Hawkeye, Scarlet Witch und Quicksilver durften sich bewähren. Während in den meisten anderen Serien die Held*innen aber immer gut waren, war bei den Avengers der Wurm drin. Die Führungsrolle war streitig, persönliche Konflikte kamen hinzu und so hatte die Enchantress ein leichtes Spiel, die Avengers öffentlich fertig zu machen. Nicht nur waren sie nicht mehr ein Team, sie wurden sogar gesucht! Obwohl diese Herausforderung schlussendlich gemeinsam gelöst wurde, war das doch der Anfang vom Ende für dieses Team.

Im weiteren Verlauf kehrten The Wasp und Giant-Man zurück und versprühten noch einmal der Geist der Anfangsjahre! Die Stories werden wieder lustiger und sind erneut darauf ausgerichtet, ein Wir-für-die-Welt-und-gegen-den-Rest-Gefühl zu vermitteln. Dazu kommen Black Widow und Hercules, die das Team verstärken. Die Bedrohungen bleiben dabei im üblichen Rahmen: außerirdische Gegner haben außergewöhnliche Kräfte, lokale Gegner eher ein zu großes Selbstvertrauen.

Während die Verdienste von Stan Lee schon damals unbestritten waren, ist der Schritt zu Roy Thomas doch beachtlich. Zwar war er schon eine Zeitlang involviert, die The Avengers Ausgabe 35 (Cover date Dezember, Sales-date Oktober 1966) nennt den jungen Künstler allerdings erstmals als Script-Verantwortlichen. Eine lange Karriere sollte folgen!

Detail Cover Marvel Comics Library Avengers 2 Comic

Monat für Monat eine Überraschung!

Leser*innen von comix-online sind eher mit Comics aus dem frankobelgischen Raum sozialisiert worden. Zwar wurden und werden Geschichten oftmals in Magazinen vorangedruckt, die Frequenz ist aber relativ eindeutig: ein Album pro Jahr. Es gibt zwar Ausnahmen, etwa Sammy oder Amoras, grundsätzlich haben die Leser*innen aber Zeit, die Geschichten zu verdauen. Im amerikanischen Comic-Business ist das komplett anders! Im Normalfall erscheinen die Hefte monatlich, teilweise mit mehren parallelen Serien und zusätzlichen Kombinationen/Team-Ups.

Um die meist männlichen jugendlichen Leser zu fesseln ist daher etwas mehr nötig: Das Layout war bereits in den 60-er Jahren deutlich offener und flexibler, die Splash-page ein notwendiges Gestaltungselement. Und auch Elemente des Pulp flossen immer wieder ein, denn die Spandex-Anzüge der Heldinnen waren nicht unbedingt dazu geeignet, ihre Körper nicht herauszustellen. Und so finden wir auch bei Don Heck immer wieder Posen, die nur diesem Zweck dienen, in der Realität aber unerreichbar wären.

Detail Cover Marvel Comics Library Avengers 2 Illu

Grundsätzlich ist Heck aber ein Meister seines Faches: viel Action, die teilweise sehr vollen Textblasen sind gut eingearbeitet und die Perspektiven wechseln ständig, so dass beim Lesen kaum eine Atempause forciert wird. Für Hintergründe ist nicht wirklich viel Platz. Wenn sie aber doch vorhanden sind, bieten sie ein gutes Setting sowohl in der Großstadt, im Labor oder im Weltall.

Und auch für Fans des unvergleichlichen Wallace Wood lohnt sich im Übrigen ein Blick in diese Gesamtausgabe, zeichnet er doch für die Inks der ersten Ausgaben verantwortlich!

Eine voluminöse und wertige Sammlung

Warum kaufen wir uns heute noch/wieder Comics, die wir in unserer Jugend gelesen haben? Natürlich ist einer der Faktoren die Qualität der damaligen Sachen. Während vieles zu Recht vergessen wurde, hat einiges eben doch überdauert und bewiesen, dass es nicht nur auf seine Zeit bezogen war. Es gehört aber auch ein wenig Nostalgie dazu, die schönen Erinnerungen an die Fluchten der Kindheit und Jugend wiederholen zu wollen. Wenn man sich das heute leisten kann (und die meisten von uns können das), dann möchte man das auch in einer angemessenen Form präsentiert bekommen!

Die Taschen Marvel Comics Library macht genau das: die besten Marvel-Geschichten, die die Grundlage für die heutigen Blockbuster gelegt haben, in einer ultimativen Präsentation! Mit einem Seitenpreis von etwas über 22 Cent ist das Kompendium im Übrigen deutlich unter aktuellen Albenpreisen und der extra angefertigte Karton ist noch ein schöner Bonus!

Cover Lee Thomas/Heck Avengers 2 VZA

Wer es ganz besonders mag, kann eine limitierte Luxusausgabe in einem sehr speziellen Schuber für 500 € erwerben. Natürlich macht sich der zweite Band im Regal besonders gut, wenn Band 1 daneben steht. Es sind aber auch bereits Ausgaben von Spider-Man, Silver Surfer oder Fantastic Four erschienen.

Dazu passen Musik von Donovan (Sunshine Superman) und ein Rusty Nail bzw. ein Pink Squirrel.

© der Abbildungen 2024 Marvel / 2024 Taschen Verlag

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