DC Black Label – Joker/Harley 1

Psychogramm des Grauens

Story: Kami Garcia
Zeichnungen: 
Mico Suayan, Mike Mayhew, Jason Badower

Originaltitel: US-Joker/Harley: Criminal Sanity 1-3

Panini Comics
Hardcover Überformat | 108 Seiten | SW & Farbe | 20,00 €
ISBN: 
978-3-7416-2035-5

DC Black Label ist die Anlaufstelle für Geschichten, die keine intensive Beschäftigung mit einer jahrelangen Kontinuität erfordern, da sie mit den laufenden Reihen nicht verknüpft sind. Dadurch bieten sie die Möglichkeit, Figuren in einem ganz anderen Licht zu präsentieren und mit Was-wäre-wenn-Szenarien zu spielen. Und die Titel sind meistens Flaggschiffe oder Leuchttürme und bieten daher Szenarien und Zeichnungen deutlich oberhalb des Durchschnittes!

Psychogramm einer kriminellen Karriere

Auch wenn Batman immer noch der erfolgreichste „Held“ des DC-Universums ist, haben doch einige seiner Gegenspieler*innen ihm längst den Rang in punkto innovativität abgelaufen. Insbesondere der Joker und seine ehemalige Geliebte Harley Quinn bieten hierfür herausragende Ansatzpunkte, haben doch Psychologinnen/Profilerinnen und Psychopathen gerade auch im TV/Streaming-Serienmarkt Hochkonjunktur.

Psychogramm des Grauens reiht sich in diese Thematik ein: Harley arbeitet als Profilerin mit dem GCPD und analysiert Taten um dien Täter*innen auf die Spur zu kommen. Gotham ist dafür der wohl beste Ort denn es zieht diese Typen an wie Licht die Motten. Gleichzeitig hat sie aber immer noch nicht den Mord an ihrer Geliebten verwunden. Er wird dem Joker zugeschrieben und geschah vor fünf Jahren, ist aber immer noch unaufgeklärt.

In wechselnden Zeitebenen erzählt Kami Garcia in den ersten drei Teilen dieser Miniserie von Harley, ihrem verbissenen Kampf um Aufklärung und ihrem Alltag in einer Welt in der nicht alle Polizisten sind wie James Gordon. Ignoranz, Gewalt und Frauenfeindlichkeit, Homophobie und Bildungsferne sind – auch auf Vorgesetztenebene – weit verbreitet und erschweren durch die Vorurteile die Aufklärung der Taten.

Während in Rückblicken die Geschichte zweier misshandelter Kinder erzählt wird, die sich später zunächst gegensätzlich entwickeln werden, mordet ein Unbekannter und stellt seine Opfer in besonderen Posen zur Schau. Sie sind fachgerecht zerlegt, wieder zusammengenäht und stellen teilweise Kunstwerke nach.

Herausragende Bilder

Gleich drei Zeichner tragen mit ihren herausragenden Bildern zur eindrücklichen Stimmung dieser Miniserie bei: Mico Suayan, Mike Mayhew und Jason Badower bringen die Gegenwart in schwarz-weiß auf das Papier. Keine Kolorierung überdeckt die Fähigkeiten der Zeichner; Kontraste zeigen Emotionen und verstärken Stimmungen und durch das Fehlen der Farbe wird der hardboiled Ansatz noch unterstützt. Jede einzelne Szene könnte Bestandteil einer Netflix- oder HBO-Produktion sein!

Die Rückblicke auf die Kindheiten sind dagegen fast schon fotorealistisch in Farbe wiedergegeben. Die Gewalt der jeweiligen Elternteile (Vater gegenüber dem Jungen, die Mutter gegenüber dem Mädchen) und ihre Verachtung der Opfer wird durch diesen Gegensatz noch deutlicher herausgestellt.

Das Layout der Seiten folgt keinem klassischen Schema, sondern ist nur situationsgetrieben. Auch dadurch wird Spannung erzeugt oder gehalten. Fast würde man sich wünschen, dass der Band auch noch „Filmmusik“ enthielte. Zum Schluss noch der Hinweis, dass bei dem ganzen Schwarz-weiß zwei Farben sehr gezielt ihren Einsatz finden: Grün und Rot. Jede*r darf jetzt kurz überlegen, was damit wohl gekennzeichnet sein könnte. . .

Die Ausgabe

Natürlich gehören bei Panini ein paar Worte zu den Künstler*innen genauso zum Standard wie die Galerie mit Covern und Variants. Üblicherweise wird das aber im Premiumformat präsentiert. Die (wohl drei) Teile von Joker/Harley kommen aber als Hardcover im Überformat daher und bieten somit XXL-Genuss! Ehrlicherweise muss man sagen, dass nicht alle Zeichnungen aus amerikanischen Heften dieses größere Format vertragen. Hier kommen die Details aber viel besser zum Tragen!

Cover der limitierten Variantausgabe

Für alle Batman-Gelegenheitsleser*innen ein Fest! Für alle Police/FBI-Profiler-Serienfans den Versuch wert, das Medium zu wechseln! Für alle, die toughe, selbstbestimmte Heldinnen lieben ein Tipp! Und nebenbei für alle, die gut gezeichnete Thriller mögen, natürlich auch.

Dazu passen Bad Cop/Bad Cop vorzüglich und ein Brooklyn Lager.

© der Abbildungen 2019,2020DC Comics c/o Panini Verlags GmbH

Gratis Comic Tag 2020 – Comics für KIDS

GCT 2020 zum Dritten – Comics (nicht nur) für Kids – eine Übersicht

Der diesjährige Gratis Comic Tag ist anders als alle anderen: Nicht nur, dass er im September stattfindet, er ist auch noch dezentral und Corona-bedingt (hoffentlich) etwas weniger vom Gedränge geprägt. Alle Infos zum GCT findet ihr auf der offiziellen Website. Dort könnt ihr auch sehen, wann und wo bei euch in der Nähe welche Aktionen stattfinden werden.

Illustration: Artur Fast

Comix-online will Euch im Vorhinein den einen oder anderen Tipp geben, um im großen Angebot an Titeln das für euch richtige zu entdecken. In Teil 1 wurden Western, in Teil 2 Comics von deutschsprachigen Künstler*innen vorgestellt. Heute folgen Titel mit dem Label „Comics für Kids“. Das ist etwas verwirrend, denn zum einen sind nicht alle Titel mit diesem Label für jedes Alter geeignet, zum anderen gibt es auch Hefte ohne diese Bezeichnung, die Kindern sehr viel Spaß machen dürften. Wie immer gilt aber, dass es sich hierbei um eine persönliche Meinung handelt und nicht etwa um eine fundierte Analyse der Altersangemessenheit…

Alte Bekannte

Comics für Kids lassen sich unter verschiedenen Aspekten sortieren und sicherlich haben alle ihre Berechtigung. Beginnen möchte ich mit Titeln, die die Eltern kennen. Der eine oder die andere mag vielleicht beschließen, sie zunächst einmal selbst zu lesen und dann weiterzugeben.

In diese Kategorie gehört mit Sicherheit Onkel Dagobert und Donald Duck von Don Rosa. Die Egmont Comic Collection ist schon seit Jahrzehnten der Verlag für Comics mit dem Label Walt Disney und als solche auch der Hausverlag für den Barks-Epigonen Don Rosa. Eine Library seines Namens ist gerade gestartet und „Der Sohn der Sonne“ ist aus Band 1. Onkel Dagobert und sein Widersacher Mac Moneysac geraten mal wieder aneinander und die Ducks gehen auf die Suche nach einem Schatz der Inkas. Ich mag diese extrem detailreichen Bilder mit den vielen Strichen und freue mich über jede Gelegenheit, Don Rosa mal wieder zu lesen.

Die Minions haben nun schon ein Jahrzehnt auf dem Buckel und zählen damit als alte Bekannte. Waren sie anfangs nur als Sidekick gedacht, haben sie sich mittlerweile zum Star entwickelt und durften ihre wortlosen Scherze und Slapsticks bereits 2014 auch in Form eines Comics präsentieren. Renaud Collin und Didier Ah-Koon geben ihr Bestes. Für die kurze Unterhaltung zwischendurch, aber wohl eher für Jungs.

Natürlich darf auch Bibi Blocksberg nicht fehlen. Ihrem Comic fehlt zwar das entsprechende Label, die Abenteuer der 13-jährigen Hexe mit ihrer Freundin Miyu passen hier aber am Besten rein. Die Zeichnungen kommen von der Japanerin Hirara Natsume, die Texte von Olivia Vieweg (die auch in Teil Zwei hätte auftauchen können). Die bei Tokyopop erscheinenden Abenteuer sind schneller als die bekannten Geschichten, vielleicht auch etwas schräger. Sie dürften sich aber um einiges näher an der Welt der 8 bis 10-jährigen Mädchen bewegen als die alten Hörspiele und dienen natürlich als erster Einstieg in die Welt der Mangas.

Abenteuer wird es immer geben

Splitter/toonfish ist der mittlerweile größte Comic-Verlag in Deutschland und bringt weiterhin eine große Anzahl an neuen Reihen auf den Markt. Während sich Splitter dabei um Comics für Erwachsene kümmert, bedient toonfish die Kleineren. In Der Club der Drei Schwestern versuchen drei junge Mädchen mit sich und ihrer Umwelt klar zu kommen. Einerseits scheint ihre Mutter ein Geheimnis verbergen zu wollen, andererseits scheint ein komischer Traum doch Bezüge zur Wirklichkeit zu haben. Barbucci zeichnet traumhaft, verspielt und liebevoll nach einem Szenario von Di Gregorio. Dieses Heft mit dem Anfang von Teil 1 mag zu dem einen oder anderen Eintrag auf einer Wunschlist führen.

Die Campbells sind vom Setting etwas klassischer: Ein alleinerziehender Pirat möchte nur noch für seine heranwachsenden Töchter da sein und gibt sein spannendes Leben daher auf. Nur sieht die Umwelt das manchmal anders und so werden die Drei immer wieder mit der Vergangenheit konfrontiert. Natürlich hinkt der Vergleich, aber wer Lust an Pippi Langstrumpf hatte sollte es hiermit versuchen. Jose Munuera ist ein Meister der familientauglichen Unterhaltung und liefert hier ganz viele kleine Häppchen ab, die unbedingt ausprobiert werden sollten. Mehr im Carlsen Verlag.

Auch Valentin aus der Feder von Goscinny und gezeichnet von Tabary macht Spaß. Die Geschichten sind schon etwas älter und einen Vagabunden wie Valentin trifft man heute nicht mehr. Die Geschichten sind aber so liebevoll, die Emotionen so zart und der Slapstick so laut krachend, dass es trotzdem nicht aus der Zeit gefallen wirkt. Der All-Verlag hat gerade eine Gesamtausgabe gestartet.

Superheld*innen sind super!

In der diesjährigen Champions League steht Cristiano Ronaldo oder auch CR7 nicht im Finale. Dafür hat er jetzt seine eigene Comic-Serie und darf in StrikerForce das Übel dieser Welt bekämpfen. Die Idee dabei ist gar nicht schlecht, denn es gibt ein Gadget, dass Superschurken keine Chance lässt. Es muss seinen Gegner aber mit hoher Geschwindigkeit treffen und wer wäre da besser geeignet als der Ballkünstler? Ronaldo selbst verhehlt seine Begeisterung für Superhelden nicht und hofft auf die integrative Kraft dieser Geschichten. Umgesetzt ist das Ganze im Animated-Style, der eher nur jüngere ansprechen dürfte.

Comics haben es nicht erst seit Corona schwer und eigentlich haben es nur Mangas geschafft, sich wirklich im Buchhandel zu etablieren. Dies gilt umso mehr in den Vereinigten Staaten. Kein Wunder also, dass die Verlage versuchen, sich mit Graphic Novels für Kids und Heranwachsende dort positionieren wollen. Diese angepeilte Zielgruppe würde nie in Comic-Shops gehen und wäre daher ansonsten verloren. Panini ink bringt 3 Leseproben dieses Genres in einem Heft und behandelt dabei relevante Themen:

Die 15-jährige Harleen Quinzel ist ein engagiertes Mädchen. Sie ist nicht konsumorientiert, macht sich Gedanken und ist zudem auf sich allein gestellt. Damit ist eine Katastrophe fast schon vorprogrammiert. Der junge Bruce Wayne ist dagegen schon 18 als er zu Sozialstunden in Arkham verdonnert wird. Es kommt zu einer Begegnung mit den kriminellen Nightwalkern. Das Heft beschließen die ersten Seiten der Geschichte von Mera. Die Prinzessin des Unterwasserreichs will sich den Wünschen ihres Vaters nicht fügen.

Und sonst?

In diese Übersicht könnten auch noch andere Titel einsortiert werden, die das Label ebenfalls nicht aufweisen, oder andere, die bereits unter einer anderen Überschrift besprochen worden sind. Es geht hier aber nicht um Vollständigkeit und daher ist das selbstverständlich nur der Anreiz, auch die anderen Folgen zu lesen.

Mit dem Gratis Comic Tag bekommen natürlich Verlage die Möglichkeit, für ihre Produkte zu werben. Gleichzeitig können sich aber auch Händler präsentieren und potenziellen Comic-Fans die breite Auswahl vorführen. Nicht zuletzt ist es eine Super Gelegenheit, in Sachen hineinzuschnuppern, die man sonst nicht entdeckt hätte. Deshalb an dieser Stelle ein großes Dankeschön an all die Held*innen im Hintergrund, die dieses Event möglich machen!

Dazu passen die großartigen Randale, die Rockmusik für Kinder machen (etwa den Hardrockhasen Harald) und ein Nojito!

© der Abbildungen 2020 Gratis Comic Tag und den jeweiligen Verlagen und Künstler*innen

Gratis Comic Tag 2020 – Graphische Literatur aus deutschsprachigen Landen

GCT 2020 zum Zweiten – Titel von deutschsprachigen Künstler*innen – eine Übersicht

Der zweite Teil des Überblicks über die diesjährigen Titel des Gratis Comic Tages wirft einen Blick auf deutschsprachige Künstler*innen. Erfreulich viele von ihnen haben es zwischen die Heftdeckel geschafft. Außerdem ist es beachtlich, wie groß das Spektrum der Stilarten und Themen ist. Teil 1 hatte das Thema Western. Alle Infos zum GCT findet ihr auf der offiziellen Website.

Oskar Rohr, der Fußball und der Nationalsozialismus

Ich habe lange überlegt, in welcher Reihenfolge ich die Titel präsentieren möchte, immer war klar, dass ich mit diesem Titel anfangen möchte. Der gebürtige Münsteraner Julian Voloj hat sich darauf spezialisiert, Comic-Biografien von Menschen zu schreiben, die aufgrund äußerer Umstände ihren Weg nicht so einfach gehen konnten.

Nach Joe Shuster und Jean-Michel Basquiat beschreibt er erstmals ein deutsches Thema: Oskar Rohr war ein begnadeter Fußballer; als Stürmer war er maßgeblich an der ersten Deutschen Meisterschaft des FC Bayern München 1932 beteiligt und doch kennt heute kaum jemand seinen Namen. Als Jude teilte er das Schicksal von Millionen anderen als Internierter in einem Konzentrationslager! Seine Geschichte und damit auch eine Geschichte des Deutschen Fußballs unter dem Hakenkreuz wird in der bei Carlsen erschienen Graphic Novel Ein Leben für den Fußball von Julian Voloj (Text) und Marcin Podolec (Zeichnungen) erzählt. Das Heft zum GCT enthält den Anfang der Geschichte bis zum Wechsel nach München.

Kindercomic mit Piff-Puff-Bäng und Happy End

Der Kasseler Verlag Rotopol profitiert sicherlich von seiner Nähe zur dortigen Kunsthochschule denn er hat sich auf innovative, persönliche Werke spezialisiert, die von den Künstler*innen selbst getrieben werden. Dabei wagt er sich nicht nur auf den Bereich der Graphic Novel für Erwachsene, sondern bietet das Gleiche auch für Kinder! Allein schon dieses Wagnis ist es Wert, gewürdigt zu werden.

Pimo & Rex von dem ebenfalls aus der Münsteraner Ecke kommenden Thomas Wellmann bietet eine fast schon anarchische Geschichte über die beiden Helden Pimo & Rex die als Reisegefährten nach einer wilden Kneipenfeierei eine junge Frau vor düsteren Gestalten retten müssen. Magret wird von Wesen mit Zauberkräften entführt doch die Helden können sie – natürlich – befreien, müssen vorher aber noch einen Kampf gegen Skelette bestehen.

„Kinder“ ist für diesen Comic sicherlich auslegungsfähig. Es gibt genügend Anspielungen auf das Leben von Erwachsenen, die von Kleineren sicherlich nicht verstanden werden können und auch die Kampfthematik ist nicht jedermanns Sache. Für etwas Ältere könnte das aber gut funktionieren!

Horror und ein Zombie mit Superkräften

Seit Jahren ist Levin Kurio mit seinen Weissblech Comics beim GCT dabei. Der Schleswig-Holsteiner aus Schönwalde ist dabei ein echtes Multitalent, denn er ist in den meisten Fällen nicht nur für den Text, sondern auch Zeichnungen und Farben zuständig! In der WC-Anthologienreihe Horrorschocker erscheinen seit mittlerweile 56 Ausgaben Stories im Stil der alten Klassiker die die Leser*innen das Gruseln lehren sollen. Seite kurzem hat Levin auch Spaß an Superheld*innen mit deutscher Provenienz gefunden, wenn auch natürlich mit einem eigenen Dreh: die Origin-Geschichte von Zombieman beweist seine Lust am Fabulieren.

(c) 2020 Levin Kurio

Eine Ankündigung sei gewagt: So niemand etwas dagegen hat wird es in absehbarer Zeit ein Weissblech-Horror-Spezial auf comix-online geben. Seid gespannt was dort geschrieben sein wird.

Die Superheld*innen-Universen von ASH, LDH und Trachtman

Eher klassische Wesen mit Superkräften gibt es einerseits bei Austrian Superheroes-ASH und Liga der Deutschen Helden-LDH. Mittlerweile tummeln sich dort schon richtig viele Figuren in dem vor fünf Jahren gestarteten Universum.

ASH präsentiert dabei in diesem Jahr Heldinnen! Jedes der Hefte besteht aus einer längeren Story in Fortsetzungen und ein oder mehreren Kurzgeschichten mit Fokus auf die einzelnen Figuren. Hier gibt es gleich vier davon: Diana ist eine Geschichte über das Wasserwesen Donauweibchen gezeichnet von Isa Griesenberger in einem sehr US-artigen Stil. Team Berlin erzählt warum Göre und LAN zusammenarbeiten. Dozerdraws hat dafür einen eher am animated-style orientierten Weg gefunden. In Wasserscharaden getextet von Eggy und gezeichnet von Dagmar Wyka treffen wir Donauweibchen wieder, die zusammen mit Lorelei Unsinn macht.

Schwestern von Eli Baum übt deutliche Kritik am Heimwesen der katholischen Kirche in sehr schönen Bildern. Graphisch sicherlich am herausragendsten in diesem Heft. Den Abschluss bildet eine Geschichte über Lady Heumarkt und die Liebe von Benedict Anatol Thill und Verena Loisel mit sehr verzerrten Zeichnungen, die ebenfalls aus der Masse herausstechen. Wenn nicht anders angegeben sind die Texte von Harald Havas, der es geschafft hat, ein ganzes Universum mit Leben zu füllen UND andere daran teilhaben zu lassen. Die Vielfalt allein in diesem Heft beweist, dass Superheld*innen auch künstlerisch vielfältig und divers sein können!

Daneben gibt es auch noch den bayerischen Superhelden Trachtman von Christoph Kloiber und Henning Mehrtens. Wer ist der Echte ist die titelgebende Frage, denn bei einem Besuch in Bamberg (was zu Franken gehört und damit bereits einen Auslandseinsatz für den Helden bedeutet) kommt es zu einer Wiederauferstehung eines 1628 auf dem Scheiterhaufen verbrannten Hexers der Rache nehmen will. Im Kampf mit ihm wird Trachtman durch die Alternativwelten geworfen und sammelt dort Kräfte von seinen anderen Inkarnationen ein. Die Szenarien sind mehr oder weniger witzig, herausragend ist jedoch der Craftbiergnom der den goldenen Hopfen stehlen will! Vielleicht eher lokal von Interesse, schon wegen der deutlichen Dialekt-Färbung.

Und dann war da noch Werner

Lang lang ist es her, dass ein langnasiger Motorradfahrer mit Vorliebe für Bier und Wortwitz seinen ersten Auftritt hatte. Seitdem hat Werner 13 Bände hingelegt, die alle bei Bröseline neu verlegt worden sind. Ausschnitte aus den Bänden 7 bis 12 gibt es in 2020, die früheren Bände waren bereits im letzten Jahr zu sehen. Die Zeichnungen und Kurzgeschichten von Brösel (d. i. Rötger Feldmann) sind platt, laden zu erhöhtem Bierkonsum und Arbeitsverweigerung ein und respektieren weder Ausbilder, Polizisten oder Nazis. Vielleicht waren die Bände deswegen in den Neunzigern mehr Hype als ein neuer Asterix und der Film und das Rennen haben sicherlich dazu beigetragen. Die Karawane ist längst weitergezogen, der Hype findet woanders statt, aber Werner ist immer noch da.

Dazu passen – extra für den Craftbiergnom – ein Josefs Dunkel aus der Josefs-Brauerei Bigge und natürlich deutsche Musik von The Frits aus Wattenscheid.

© der Abbildungen 2020 Gratis Comic Tag und den jeweiligen Verlagen und Künstler*innen

DC Black Label – Der Fluch des Weissen Ritters

Batman – Der Fluch des Weissen Ritters

Story: Sean Murphy
Zeichnungen: 
Sean Murphy, Klaus Janson (Von Freeze)
Farben: Matt Hollingsworth

Originaltitel: US-Batman: Curse of the White Knight 1-8; US-Batman: White Knight presents Von Freeze

Panini Comics
Broschur | 268 Seiten | Farbe | 27,00 €
ISBN: 
978-3-7416-1838-3

Um es vorwegzunehmen: Dieses Sequel zu Der Weisse Ritter ist eine der besten Batman-Geschichten seit langem und gehört in jede Batman-Sammlung!

Der Inhalt

Der Joker ist wieder er selbst und Jack Napier, der eloquente Politiker, der Gotham für immer verändern wollte, ist nur noch eine Möglichkeit innerhalb der Psyche des irren Massenmörders. Auch Batman/Bruce Wayne ist wieder er selbst, allerdings von erheblichen Zweifeln geplagt und kurz davor, seine Geheimidentität preiszugeben. Jim Gordon dagegen hat sich definitiv verändert; er möchte die von Napier vorgebrachten Ideen umsetzen, die Eliten bekämpfen und entmachten sowie für die Bewohner*innen Gothams als Bürgermeister da sein.

Im zur Seite steht eine neue Behörde, das GTO, in der seine Tochter Barbara, Nightwing aber auch Rene Montoya oder Sgt. Bullock und andere für eine neue Gesellschaftsordnung kämpfen.

Auf einer parallelen Erzählebene geht es um ein dunkles Geheimnis aus den Gründertagen. Ursprünglich war Gotham ein Piratenloch und wurde von Edmond Wayne und Bakkar, einem Krieger-Priester des Ordens von St. Dumas befreit als sie Laffy Arkham töteten. Aus für uns zunächst ungeklärter Ursache kam es zum Zerwürfnis zwischen den Beiden und heutzutage ist nur noch das Vermögen der Waynes in Gotham repräsentiert. Das Geheimnis wurde aber scheinbar vom Joker entdeckt und scheint grundlegend zu sein.

Da die Eliten sich mit ihrer Entmachtung nicht abfinden wollen, versuchen sie auf mehreren Wegen, die Zukunft Gothams nach ihren Plänen zu gestalten. Einer davon ist der Versuch, Azrael, einen Krieger des Ordens von St. Dumas, als neuen Batman zu präsentieren. Und dann gibt es auch noch die schwangere Harley Quinn/Harleen Quinzel die nichts lieber möchte als ihren Jack zurück zu bekommen und dafür sogar unerwartete Bündnisse eingeht.

Da es sich bei Black Label immer um eine Geschichte außerhalb der Kontinuität handelt, darf (reichlich) Blut fließen und der eine oder andere liebgewordene Hauptcharakter verlässt die Bühne. Emotionen, Anspielungen auf die Hauptserie und Überspitzungen der gewohnten Charaktereigenschaften machen das Lesen zu einem Genuss!

Sean Murphy beweist noch weitgehender als in der ersten Miniserie wie gut er die Figuren verstanden hat und was alles aus diesem bekannten Setting herauszukitzeln ist. Durch die Verknüpfung von Historie und Gegenwart schafft er sogar noch eine weitere Dimension von Fragen/Problemen die Anknüpfungspunkte für weitere Hefte bieten würden.

Die zusätzliche Geschichte Von Freeze wird von Murphy als „deleted scene“ bezeichnet. Sie spielt in der Vergangenheit in Nazi-Deutschland und wirft einen Blick auf unmenschliche Forschungen, Antisemitismus und die Frage nach dem Verhältnis von Ethik und Moral auf der einen und wirtschaftlichen Interessen auf der anderen Seite!

Die Zeichnungen

Hatte ich bei Teil 1 noch geschrieben, dass die Zeichnungen von Sean Murphy Potential für Verbesserungen enthalten würden, ist jetzt zu bemerken, dass es realisiert und gehoben wurde! Detailgenaue Zeichnungen mit einer gehörigen Portion Realismus führen zu Figuren, die möglicherweise eine Rasur nötig hätten, deren Körperbau aber wenigstens möglich ist. Gerade die Gesichtsausdrücke sind immer noch etwas karikierend überzogen, bringen dadurch aber eben auch die emotionale Nähe rüber.

Auch die Kolorierung von Matt Hollingsworth ist angenehm zurückhaltend und unterstützend. Es gibt keine Kaugummibunten Quitschefarben sondern realistische Kompositionen und die Bräunung der in der Vergangenheit spielenden Episoden ist ebenfalls gut gelungen.

Der Stil von Klaus Janson ist etwas härter, sollte aber Batman-Fans ebenfalls vertraut sein. Als in Deutschland geborenem Künstler war es für ihn eine besondere Herausforderung die Nazi-Brutalität darzustellen. Die Geschichte bietet einen interessanten neuen Aspekt in der Beziehung der Waynes und Mr. Freeze und stellt alte Gewohnheiten und Vorurteile in Frage.

Die Ausgabe

Natürlich ist es schön, dass wir hier nicht 9 Monate auf die Komplettierung dieser tollen Story warten mussten, sondern alles schön handlich in einem gut gebundenen Paperback serviert bekommen. Die Cover werden wieder mitgeliefert und dazu gibt es auch noch einführende Worte und ein paar unkolorierte Zeichnungen, die einen Einblick in das Wirken Murphy’s geben.

Gerade die weiblichen Figuren Harley Quinn und Barbara Gordon haben hier mehr Platz zur Entfaltung, so dass sie alles andere als Anhängsel sind, und auch Ruth spielt eine große Rolle.

Wer möchte kann das Ganze auch als limitiertes Hardcover für gerade einmal 9 € mehr erwerben!

Variantcover der limitierten Ausgabe

Von mir eine uneingeschränkte Empfehlung für Batman-Fans aber eben auch für Gelegenheitsleser*innen und Fans der klassischen 80-er und 90-er Jahre!

Die mehr als 260 Seiten brauchen ein wenig um (erstmals) verschlungen zu werden und für den Anfang ist deshalb Wasser wohl angemessen, da am wenigsten ablenkend. Für den zweiten Durchgang vielleicht einen gut gekühlten Riesling und dazu die immer noch guten Peter & The Test Tube Babies!  

© 2019, 2020 DC Comics c/o Panini Comics

DC Black Label – Der letzte Ritter auf Erden

Batman  – Der letzte Ritter auf Erden

Story: Scott Snyder
Zeichnungen: 
Greg Capullo
Tusche: Jonathan Glapion | Farben: FCO Plascencia

Originaltitel: US-Batman: Last Knight on Earth 1-3

Panini Comics
Broschur | 188 Seiten | Farbe | 20,00 €
ISBN: 
978-3-7416-1797-3

Greg Capullo ist seit Jahrzehnten einer DER Topzeichner auf dem amerikanischen Markt. Was bei image unter anderem mit Spawn und Angela begann (die Fans der alten comix-online-Seite werden sich erinnern) ging später bei DC mit Batman weiter. Gerade im Team mit Autor Scott Snyder erschienen unzählige moderne Klassiker des Bat-Mythos. Nun nutzen die beiden die Chance, eine Geschichte über den Dunklen Ritter abseits des Kanons zu schreiben. Das Black Label erlaubt eigenständige Stories jenseits aller Anforderungen der Kontinuität und ist damit so etwas wie das neue Elseworlds – nur wesentlich düsterer!

Die Story

Bruce Wayne erwacht in einer Zwangsjacke und das erste Gesicht, das er zu sehen bekommt, ist das des Jokers. Man versucht ihm klarzumachen, dass er „dieses ganze Batman-Sache“ nur in seinem Kopf zusammenphantasiere. Ständig verprügele er Menschen, zerstöre Sachen und werde nun hoffentlich endlich geheilt. Bruce glaubt diesen Berichten von Alfred allerdings nicht und flieht aus Arkham. Sein „Batanzug“ ist eine spezielle Art von Zwangsjacke, seine Maske dient angeblich seinem Schutz vor Selbstverletzungen.

Dazu kommt eine Reflektion ob möglicherweise der alles auslösende Moment in der Crime-Alley gar nicht so ungewollt war. Der gesamte Bat-Mythos steht plötzlich unter einem Fragezeichen und das muss man erst einmal schaffen!

In einer Tour de Force trifft Batman auf weitere Held*innen und erfährt peu a peu, dass er, Batman, die Welt zerstört habe und nun Omega herrsche. Dieser sei entweder Batman selbst oder aber zumindest von seinem Blute und schaffe eine Welt, die keine Gewalt und Auflehnung mehr zulasse, kurzum eine Diktatur. Begleitet wird Bruce auf seiner Tour von dem Kopf des Jokers, der in einer Art Laterne „wohnt“ und sich wünscht, der nächste Robin zu werden.

Zusammen mit Wonder Woman und anderen ehemaligen Mitstreiter*innen gelingt es Bruce schließlich, in das Hauptquartier Omegas einzudringen und den Showdown einzuläuten.

Die Wertung

Grafisch ist Greg Capullo immer noch ein Genuss! Realistische Gesichter mit Bartstoppeln und Emotionen, genügend Details um auch in einem europäischen Vergleich zu überzeugen und trotzdem dynamische Seiten wie in einem US-Comic und brillante, klar abgegrenzte Farben!  Dazu kommen sarkastische Züge und eine wenig Ironie in der Darstellung des Jokers.

Snyders Story ist einerseits sehr erfrischend: die bekannten Figuren in einem komplett neuen Setting wiederzufinden, ihre Verletzungen zu betrachten und ihren Sarkasmus. Andererseits ist Weniger manchmal Mehr und so frage ich mich, ob die beiden hier nicht etwas über das Ziel hinausgeschossen sind. Der letzte Ritter auf Erden ist ohne Vorkenntnisse zu lesen, das wirkliche Verständnis stellt sich aber erst ein, wenn man mit allen oder zumindest vielen Hinweisen etwas anfangen kann und die Unterschiede zum regulären Vorbild erkennt.

Insofern vermute ich, dass dieser Band möglicherweise nicht zu der langen Reihe an ewigen Klassikern gehören wird. Nichtsdestotrotz ist es aber eine spannende, grafisch geniale Geschichte über einen entwurzelten Batman der einmal mehr gegen sich selbst antreten muss und seine Ambivalenz aus Retter und Diktator ausspielt.

Cover der Variant Ausgabe

Für Fans der Fledermaus ein Muss, lassen Snyder und Capullo doch ihre gesamte Historie auflaufen, für Freunde des Capullo-Zeichenstils ebenfalls! Alle anderen mögen diesen Band als Einstieg begreifen, bei Interesse nach dem Original suchen und so rückwärts das Bat-Universum für sich erschließen! Für Sammler*innen gibt es natürlich auch wieder eine limitierte Hardcoverausgabe.

Dazu passen ein Faxe Starkbier und die Buzzcocks!

© der Abbildungen 2019, 2020 DC Comics c/o Panini Verlag

Marvel Comics 1000

Die Jubiläumsausgaben 1000 und 1001

Story: Al Ewing und viele andere
Zeichnungen: 
Steve Epting und viele andere

Originaltitel: US-Marvel Comics 1000, 1001 (2019)

Panini Comics

Broschur | 132 Seiten | Farbe | 15,99 €
ISBN: 
978-3-7416-1566-5

Marvel wurde im letzten Jahr 80 Jahre alt und hat mit verschiedensten Publikationen sein Jubiläum gefeiert. Begonnen hatte alles 1939 mit dem Comic-Ableger Timely Comics. Das mit Pulps etablierte Konzept sollte mit einem anderen Medium fortgeführt werden und schon der erste Titel ließ (rückwirkend) Großes erahnen, kam er doch als Marvel Comics #1 heraus. Er präsentierte die ursprüngliche Fackel, den Sub-Mariner und – damals noch Mainstream – den Westernhelden Masked Raider.

1941 wurde Stan Lee die Leitung übertragen und 1951 erfolgte der erste Namenswechsel zu Atlas Comics. Wieder 10 Jahre später hieß es dann Marvel Comics und so blieb es bis heute. Diese Kontinuität galt allerdings nicht auf Seite der Eigentümer, denn Marvel wechselte ein ums andere Mal den Besitzer bis schließlich 2009 Disney den Verlag übernahm.

Die Ausgabe

Eine besondere Art des Feierns waren die Titel Marvel Comics 1000 und 1001 vom Oktober und Dezember des letzten Jahres, die nun auch auf Deutsch in einem Sammelband erschienen sind. Natürlich ist so ein Rückblick immer eine persönliche Auswahl der Highlights und Meilensteine, dieser ist allerdings eine besonders gelungene! Marvel Comics 1000 präsentiert für jedes der abgelaufenen 80 Jahre genau eine Seite mit einem prägenden Detail, erstellt von den aktuellen Superstars der Szene.

Dabei kommen viele Szenarios von Al Ewing, dem es dadurch gelingt, so etwas wie einen roten Faden durch die Geschichte zu verfolgen und ein Geheimnis aus den Anfangstagen durch all die Jahrzehnte weiter zu entwickeln. Dabei gelingt es sogar, den Bogen von dem Masked Raider und die Three X’s über Conan und Darth Vader bis hin in die Zukunft zu spinnen und das Gesicht hinter der Maske zu enthüllen.

Nicht immer ist die Story stringent und mehr als einmal werden die Durchschnittsleser*innen ein Nachschlagewerk ihrer Wahl bemühen wollen um festzustellen, welche Serie oder welche Hauptfigur hier gerade im Fokus steht. Das ist meiner Meinung nach aber kein Manko, sondern ein positiver Nebeneffekt. Lasst euch dadurch vor allem nicht abschrecken: da jedes Teilchen genau eine Seite umfasst, ist auch bei Nichtwissen weder der Lesefluss eingeschränkt noch wird die Geschichte unverständlich.

Zeichnerisch bieten die beiden Jubi-Nummern alles, was geht. Es macht keinen Sinn, jetzt Namen zu droppen, denn (fast) alle, die nicht rechtlich daran gehindert sind, für Marvel zu schreiben oder zu zeichnen und Lust hatten, sind auch dabei. Stilistisch geht es daher von klassisch über kindgerecht, von Fantasy-orientiert bis hin zu fast schon expressionistisch und auch die Textmenge variiert von sehr wenig bis hin zur gerade eben noch Platz für eine winzige Illustration lassend.

Die Empfehlung

Gewisse Meilensteine gehören in jede Comic-Sammlung. Marvel Comics 1000 ist einer davon! Welche Ausgabe ihr euch schlussendlich ins Regal stellen wollt, bleibt euch überlassen, aber das hier ist definitiv der Preis-Leistungs-Sieger und das limitierte Hardcover ist verlagsvergriffen.

Zugleich ist dieser Band eine Leistungsschau von über 100 aktuellen Kreativen und bietet eine einmalige Gelegenheit für einen Überblick in die Spitzenklasse der (US-)Comic-Branche.

limitierte Hardcover-Ausgabe

Dazu passt das New York Ska Jazz Ensemble und ein Mix-Kasten mit dem Besten, was euer Getränke-Dealer zu bieten hat.

© der Abbildungen 2020 Marvel Characters B.V. c/o Panini Comics, Stuttgart

MacKay/Foreman – Black Cat 1

Auf Raubzug

Story: Jed MacKay
Zeichnungen: 
Travel Foreman, Michael Dowling

Originaltitel: US-Black Cat (2019), 1 – 5

Panini Comics

Broschur | 124 Seiten | Farbe | 14,99 €
ISBN: 
978-3-7416-1607-5

Jedes vernünftige Comic-Universum benötigt eine Heldin, die den Grenzbereich des Legalen und des Illegalen abdeckt, zwar mit den anderen Held*innen gegen das absolut Böse kämpft, andererseits aber auch für ihren eigenen Luxus Eigentumsrechte missachtet. Bei Marvel ist das Black Cat, die vor Jahren fast Spidey geheiratet hätte und nun wieder ihre eigene Serie füllen darf!

Die Serie

Felicia Hardy ist ein Poster Girl mit schlohweißen Haaren und einer Maskierung, die auch nur im Comic als solche durchgehen kann. Sie hat sich in der jüngeren Vergangenheit hauptsächlich in den Veröffentlichungen des Wandkrabblers betätigt und sich im Zuge der Auseinandersetzungen mit der Diebesgilde auf die Seite der „Guten“ gestellt. Infolgedessen liegt sie mit der von Odessa Drake geführten Organisation im Clinch!

Die Katze kann aber auch ansonsten das Mausen nicht sein lassen und bricht daher in das Anwesen von Dr. Strange ein. Natürlich verläuft dieser Raubzug nicht wie geplant und Freund*innen magischer Einschübe kommen voll auf ihre Kosten. Ähnlich turbulent aber auf ganz andere Weise verläuft auch der zweite größere Diebeszug: Das Objekt der Begierde befindet sich im Hauptquartier der Fantastischen Vier und Johnny Storm erlebt ein Rendezvous der unerwarteten Art.

Zusätzlich gibt es noch ein wenig Rahmenhandlung um auch für die weiteren Abenteuer den Grund zu legen. Sehr positiv dabei ist der Bezug auf die schon lange Geschichte der maskierten Diebin: alte Gefährten kehren zurück und die Fähigkeit, ihren Gegner*innen Pech zu bringen ist immer für einen Lacher gut!

Die Umsetzung

Jed MacKay hat das Storytelling übernommen und trifft den ironischen, leicht amüsierten Grundton der Serie sehr gut. Black Cat ist kein weiblicher Deadpool, die ihre Gegner totquatscht, aber auch kein bierernster Charakter. Spaß und ein gewisse Hedonismus sind gepaart mit Abenteuerlust und Adrenalinsucht; eine gute Ausgangsposition für witzige Dialoge und irrsinnige Twists.

Travel Foreman und Michael Dowling setzen das ganz gefällig in Bilder um. Der Seitenaufbau ist klassisch genug um nicht mit Image verwechselt zu werden, aber abwechslungsreich genug. Die Gesichter gerade der Nebenfiguren könnten manchmal etwas ausdrucksstärker sein und die körperbegrenzenden Linien etwas feiner, aber grundsätzlich ist das eine völlig zufriedenstellende Arbeit der Beiden!

Wie immer gibt es einige Cover (und den Rest in einen separaten Miniheft!)  und ein paar weiterführende Informationen in einem angemessenen Paperback! Gerade in Zeiten des auf die eigenen vier Wände begrenzten Lebens ein netter Sonnenstrahl oder etwas weniger poetisch: Gute Unterhaltung aus dem Haus der Ideen! Natürlich sind auch wieder Variantausgaben am Start!

Das Extra-Heft!

Dazu passen die fröhlichen The Busters und ein Nojito!

© der Abbildungen 2020 Marvel Characters B.V. c/o Panini Comics, Stuttgart

Johns/Frank – Doomsday Clock 4 von 4

Doomsday Clock 4 – Das Ende von Allem?

Story: Geoff Johns
Zeichnungen: Gary Frank

Originaltitel: US-Doomsday Clock 10 – 12

Panini Comics

Broschur | 124 Seiten | Farbe | 14,99 € |

ISBN: 978-3-7416-1778-2

Dr. Manhattan gegen Superman lautet die Paarung und es ist unklar, ob einer der beiden gewinnen, alles vernichtet oder etwas Neues daraus entstehen wird. Die zwölfteilige Miniserie brauchte mehr als zwei Jahre um einerseits das DC-Helden Universum als auch das der Watchmen-Figuren miteinander agieren zu lassen.

Das Finale

Die Supermen-Theorie kann mittlerweile als bestätigt gelten: Die einzelnen Staaten haben bewusst Held*innen gezüchtet um sie für nationale Zwecke einsetzen zu können. Die dabei entstandenen nationalen Konflikte wurden in Kauf genommen und so sind ab jetzt politische Motivationen für Superheld*innen nicht mehr nur Ausnahme, sondern gewollt (wobei das für „amerikanische“ Superwesen wie Captain America natürlich schon immer galt und auch das KGBeast hieß natürlich nicht umsonst genau so).

Was in diesem Schlussviertel dazukommt ist, dass Eingriffe in historische Abläufe neue Universen schaffen und nicht einfach nur die Geschichte umschreiben. Diese Multiversen stehen dabei in einer Beziehung.

Und es kommt natürlich auch zu dem erwarteten Showdown zwischen den wohl mächtigsten nicht göttlichen Superhelden im DC-Universum! – spannend, mehrschichtig und episch…

Die Zeichnungen

Gary Frank weiß, was er kann und er ist geübt darin, das auch zu zeigen. Die Zeichnungen sind auf hohem Niveau, allerdings nicht innovativ, von der Mitte des zwölften Bandes mal ausgenommen. Dadurch enttäuschen sie aber auch niemanden, die Serie ist nicht von einem Independent Label, sondern soll die Konsument*innen des Mainstreams erreichen! Aufgabe erfüllt würde ich sagen!

Die Auswirkungen

Die Geschichte von Superman wird (mal wieder) umgeschrieben, allerdings nicht so radikal wie viele befürchtet hatten. Der Stählerne bleibt uns erhalten.

Im Bereich der weiteren Superheld*innen sieht es schon etwas anders aus, denn hier ergeben sich tatsächlich relevante Änderungen und so wird in Kürze eine erste neue Serie starten. Was sich allerdings alles noch daraus ergeben wird, ist noch gar nicht so deutlich und muss sich erst in der Zukunft und im Zusammenhang der anderen Mega-Events zeigen.

Auch für den jetzt wieder getrennten Watchmen-Kosmos haben sich neue Perspektiven ergeben, die sicherlich auch zu neuen Geschichten führen werden. Die Welt ist gerettet und ein kleiner Clark betritt die Spielfläche…

Auf jeden Fall eine mir persönlich deutlich sympathischere Art der Umdefinition der bisherigen Geschichte als die über eine Unzahl von Serien laufenden Mega-Events, die Leser*innen zwingen, Serien zu kaufen, die sie eigentlich nicht haben wollen und immer nur kleine Puzzlesteinchen verraten. Hier ist es konzentriert und fokussiert!

Natürlich gibt es den Band auch wieder als limitiertes Hardcover (555 Exemplare) und als limitiertes Softcover (999 Stück).

Cover der limitierten Hardcoverausgabe

Dazu passen aus gegebenem Anlass Bob & Marcia und eine „Grüne Wiese“ – Stay home and healthy!

© der Abbildungen 2019/2020 DC Comics c/o Panini Comics, Stuttgart

Soule/Noto – Daredevil

Der Tod von Daredevil

Story: Charles Soule 
Zeichnungen: Phil Noto

Originaltitel: US-Daredevil 606 – 612 (2017)

Panini Comics

Broschur | 172 Seiten | Farbe | 17,99 € | 
ISBN: 978-3-7416-0988-6

Superhelden, auch bekannte, verschwinden manchmal. Oder sterben.

Manchmal kehren sie zurück, wie Wolverine vor kurzem. Manchmal nicht.

In Zeiten vor dem Internet war es schwierig, diese Fragen zu klären, heute nicht. Hier wird es aber keinen Spoiler geben, denn das macht das Leben langweilig!

Die Storyline

Mit den sieben Heften aus dem Jahr 2017 verabschiedete sich das Kreativteam Charles Soule und Phil Noto mit einem Knaller von der Serie um den blinden Anwalt Matt Murdock, der als Daredevil in New York das Böse bekämpft. Seitdem sein alter Feind, der Gangsterboss Kingpin unter seinem richtigen Namen Wilson Fisk Bürgermeister der Stadt geworden ist, hat sich die Situation noch einmal verschärft.

Daredevil versucht daher fast schon verzweifelt, Fisk Wahlbetrug und Korruption nachzuweisen und stellt ein Team mit Cipher, dem hackenden Mutanten, dem Inhuman Frank McGee sowie dem Reader zusammen. Letzterer ist ein ebenfalls blinder Superheld, der die Kraft besitzt, das was er liest, real werden zu lassen. Das mag manchmal praktisch sein, manchmal ist es das definitiv nicht und so besitzt er eine Braille-beschriebene Karte, die das letzte Ereignis wieder negiert.

Spannenderweise tritt auch das Alter Ego von Matt Murdock auf, dass er sich virtuell gegeben hatte um seine Identität zu verschleiern. Nun aber tritt ihm sein Bruder Mike real entgegen und findet es gar nicht witzig als die Frage der Negationskarte gestellt wird…

Fisk hat von dem Plan des Teams Wind bekommen und setzt seinerseits gleich eine ganze Handvoll Schurken auf Daredevil an die Phil Noto Gelegenheit geben, seine Fähigkeit in der Darstellung von Kampfszenen zu beweisen. Einige dieser Szenen sind dabei durchaus lustig und gut konzipiert; nicht nur Deadpool kann dumme Sprüche reißen.

Immer wieder taucht ein allerdings wirklich gefährlicher Gegenspieler auf, der mit knöchernen Messern um sich wirft und auch im Nahkampf durchaus Paroli zu geben versteht: Vigil. Tatsächlich geht es in diesen sieben Heften um Leben und Tod, allerdings anders als zunächst gedacht und das potentielle Ende ist der Titel der Geschichte!

Das Artwork

Charles Soule hat Daredevil seinen Stempel aufgedrückt und einen vielbeachteten Run abgeliefert. Obwohl ich persönlich Daredevil spätestens seit Frank Miller für einen der besten Marvel-Charaktere halte, sprechen die Verkaufszahlen eine andere Sprache und so ist die Serie immer mal wieder „on hold“. Üblicherweise liegt Daredevil dabei in einem Cliffhanger-Zwischenzustand im tiefsten Schlamassel und das nächste Team darf sehen, wie es damit klarkommt. Auch Soule beendet seine Ära nach diesem Muster mit einem „Paukenschlag“.

Dabei benutzt er Nebenfiguren, die er auch im Wolverinespektrum mit Inhalten versehen hat und spielt so quasi in seinem eigenen Universum. Über die Serien hinweg sind Frank McGee und Cipher dadurch viel besser charakterisiert und „Helden-tauglicher“ als sonstiges Beiwerk. Das ist einer der Vorteile eines verknüpften Serienuniversums.

Phil Noto beginnt mit einem schwarzen Rahmen um jedes Bild der später wegfällt. Gleichzeitig ändert sich der Zeichenstil von einer Standardablieferung hin zu wie gemalt wirkenden freieren Bildern, die qualitativ deutlich besser sind. Dadurch wird auch die Frage glaubwürdig, ob es sich eigentlich um eine reale oder traumhafte Begebenheit handelt.

Die Ausgabe

Natürlich hat Panini wieder alle regulären Cover von Phil Noto seitenfüllend abgedruckt und noch ein paar Variantabbildungen dazugepackt! So soll es sein. Das glatte Papier spiegelt nicht und gibt die Farben angemessen wieder und das ganze ist auch als limitiertes Hardcover (333 Exemplare) für 27 € erhältlich! Nicht nur für Sammler*innen von letzten Ausgaben sicherlich eine Frage wert!

Wer an Helden der zweiten Reihe wie etwa den Inhumans Spaß hatte, Deadpool mag oder aber gerne Krimiorientierte Superheldenstories liest, liegt hier auf jeden Fall richtig!

Dazu passen „Gang of Four“ und ein American Pale Ale von der Bronx Brewery.

© der Abbildungen 2020 Marvel c/o Panini Comics, Stuttgart

Soule/Shalvey – Die Rückkehr von Wolverine

Wolverine ist zurück!

Story: Charles Soule
Zeichnungen: Declan Shalvey, Steve McNiven

Originaltitel: US-The Return of Wolverine 1-5

Panini Comics

Broschur | 140 Seiten | Farbe | 16,99 € |
ISBN: 978-3-7416-1343-2

Nachdem gefühlt das ganze Marvel-Universum den getöteten und danach verschwundenen Wolverine gesucht hatte, ist er tatsächlich zurück! Wirklich? Ja! Einer der beliebtesten X-Men, Held vieler Verfilmungen und Comics, weilt wieder unter den Lebenden und hat sogar sein Kostüm übergezogen. Ob er allerdings wirklich er selbst ist oder nicht bleibt wohl eher abzuwarten…

Die Handlung

Wolverine kommt in einem Labor inmitten eines Blutbads zu sich. Er hat keine Ahnung, ob er das Schlamassel angerichtet hat, bekommt aber immerhin noch geflüstert, dass Persephone und ihre Organisation Soteira „Schuld“ sein und getötet werden müssten. In einem weiteren Gemetzel kann der zutiefst verstörte Mutant fliehen. Er trifft eine Frau, die ihm berichtet, dass Soteira ihren Sohn entführt habe und die ihn um Hilfe bittet. Wieder folgt Actionszene auf Actionszene bis die beiden schließlich den geheimen Stützpunkt der Organisation gefunden haben.

Auch die anderen X-Men konnten ihren alten Mitstreiter orten und haben große Sorgen um ihn, ist er doch im Feindesland. Die Begegnung endet allerdings anders als erwartet und wirft für die Zukunft viele Fragen auf. Wolverine erkennt aber wenigstens, dass Persephone dabei ist, die gesamte Erdbevölkerung auszulöschen und auch, dass nur er diese Bedrohung beseitigen kann.

Niemand kann bisher sagen, ob Logan wirklich wieder lebt oder nur zurück ist, wer ihn lenkt oder ob er der Alte ist/werden kann. Die letzte Seite könnte aber als Hoffnungsschimmer gewertet werden.

Die Umsetzung

Charles Soule hatte schon die vorhergehenden Miniserien über die Suche nach Wolverine verantwortet und führt den Story-Arch konsequent weiter. Die verzweifelten Bemühungen des Helden, seine eigene Vergangenheit zu verstehen und verschüttete Erinnerungen Bröckchen für Bröckchen wiederzufinden, sind sehr gut gelungen. Auch die Versuche, Logan zu manipulieren sind durchaus glaubhaft. Seine neue Superkraft ist dagegen vielleicht etwas too much.

Shalvey und McNiven setzen den Plot routiniert um. Kreative Seitengestaltung erlaubt Abwechslung und die farblosen Rückblicke ermöglichen es auch Comicneulingen, zeitliche Abläufe hinzubekommen. Guter Durchschnitt, der dem Beliebtheitsgrad des Kämpfers entspricht und sicherlich niemanden abschreckt.

Für Fans des Mutanten ohne Frage ein Muss, für Marvel-Kinogänger eigentlich ebenfalls und auch als Neueinstieg geeignet! Für Kinder ist das Teil wegen der Gewaltszenen allerdings eher nicht geeignet.

Panini hat wie immer nicht nur die regulären Cover mit abgedruckt, sondern auch ein paar Variants dazu gepackt. Wer noch mehr davon haben möchte sollte sich die deutsche Variantausgabe holen.

Dazu passen The UK Subs (ja, die gibt es auch immer noch) Westcoast IPA.

© der Abbildungen 2019 Marvel c/o Panini Comics, Stuttgart