Doomsday Clock 2 von 4

Doomsday Clock 2 – Über Wasser gehen

Story: Geoff Johns
Zeichnungen: Gary Frank

Originaltitel: US-Doomsday Clock 4 – 6

Panini Comics

Broschur | 108 Seiten | Farbe | 13,99 € |

ISBN: 978-3-7416-1514-6

Der Backcovertitel lautet Versammlung des Bösen und beschreibt den Inhalt der US-Ausgaben 4 bis 6 ziemlich gut. Wer auch immer irgendwie BÖSE ist, gibt sich hier sein Stelldichein. Im Mittelpunkt stehen aber zunächst der neue Rorschach, der aus Arkham wieder befreit wird, sowie Marionette und Mime, die neuen Superschurken, die zunächst dem Joker Konkurrenz zu machen scheinen. Die Besprechung des ersten Teils ist hier.

Zusätzlich versucht der Riddler eine neue Vereinigung aufzubauen, der Joker versucht, Spaß zu haben und die verschiedenen Länder der Welt außerhalb der USA versuchen, eigene Super-Gruppen aufzubauen.

Derweil kämpft in den US der aufgewühlte und von Lex Luthor immer wieder aufgestachelte Mob gegen die Superhelden und die sogenannte Supermen-Theorie gewinnt immer mehr Anhänger.

In gewisser Weise könnte das also sogar eine überspitzte Version der heutigen Situation sein, denn finstere Mächte benutzen social media um mit Fake-News Länder zu destabilisieren, aber glücklicherweise sind wir von ähnlichen Auswüchsen wie hier im Comic noch weit entfernt.

Spannend und auch logisch hergeleitet ist dagegen die Originstory für Marionette und Mime, deren Eltern als Immigrant*innen Opfer von kriminellen Strukturen geworden sind. In diesen Fällen hat Gewalt Gegengewalt erzeugt und kleine Monster erschaffen. Die Geschichte ist von Geoff Johns sauber erzählt und wird von Gary Frank kongenial umgesetzt. Auch der verrückte Joker gelingt den beiden gut. Auch die Verknüpfung von Comic und begeleitendem Infomaterial wie Zeitungsausschnitten oder Akten ist witzig und knüpft an den Klassiker von Moore und Gibbons an.

Cover der limitierten Hardcoverausgabe

Natürlich wird dieses Crossover aus dem bekannten (aktuellen) DC-Universum und der Welt der Watchmen die Realität für Gotham verändern. Aber genauso natürlich werden die Lieblingsheld*innen auch danach noch die Frontcover der DC-Titel bevölkern. Wer die Hintergründe des anstehenden Wechsels begreifen möchte, wird um doomsday clock nicht herumkommen. Und wer Variants sammelt, kann auch hier zuschlagen!

Dazu passen ein Arrogant Bastard Ale aus der Stone Brauerei und düstere Klänge von den Sisters of Mercy!

© der Abbildungen 2019 DC Comics c/o Panini Comics, Stuttgart

Bunn/Bagley – Deadpool

Deadpool – Mord ist sein Geschäft

Story: Cullen Bunn 
Zeichnungen: Mark Bagley

Originaltitel: US-Deadpool: Assassin 1-6 (2018)

Panini Comics

Broschur | 148 Seiten | Farbe | 16,99 € | 
ISBN: 978-3-7416-1173-5

Die Story

Deadpool ist einer der lustigsten Superhelden überhaupt, ist allerdings wahrlich nicht jedermanns Sache. Auch wenn er von Zeit zu Zeit mit den „Guten“ kämpft und seine Prinzipien hat; er ist und bleibt ein Auftragskiller! Ihm kommt zu Gute, dass seine Verletzungen rasend schnell heilen und er dadurch so etwas wie quasi unsterblich ist. Da Wade Wilson – so sein bürgerlicher Name – allerdings auch fast die größte Klappe im nicht eben leisen Marveluniversum hat, springt er von ungünstiger Situation zu Fettnapf und wieder zurück. Deadpool will allerdings nur noch wenige Jobs machen um sich dann auf sein Altenteil zurückzuziehen.

Seine Aufträge beschafft ihm Weasel, ein Broker für blutrünstige Aufträge der mittlerweile ein Doppelleben führt und privat eine bürgerliche Zweisamkeitsfassade aufgebaut hat. Weasel hat die Skrupel Deadpools nicht, jeder, der zahlt, wird vermittelt, denn auch Weasel möchte aussteigen. [und für alle, die sich jetzt fragen, wie das mit der Kontinuität zusammenhängt: Ja, Weasel ist eigentlich schon tot. Diese Miniserie gehört aber nicht unbedingt in die Kontinuität und so darf der Broker noch einmal auf Erden wandeln].

Während anfangs noch alles glatt läuft und unser Held nur eine Söldnertruppe nebst Ninja-Abteilung niedermetzeln muss ist der zweite Auftrag schon schwieriger. Einerseits geht es darum, einen Mann zu beschützen, und dabei eine Vielzahl von Killern aus der Mördergilde abzuwehren, andererseits erweist sich das zu schützende Menschlein als unwürdig und nicht mit den Prinzipien Wades vereinbar. Zu dem Stress zwischen Killer und Auftraggeber aufgrund des letzteren kommt also hinzu, dass sich Belladonna Boudreaux, die Anführerin der Mördergilde gezwungen sieht, eine Fehde gegen Deapool zu starten. Neben seinen auftragsbedingten Gegner*innen hat er es ab jetzt also auch mit der gesamten Gilde zu tun.

Er bekommt aber auch Unterstützung von Threnody, die ihre Energie aus dem Prozess des Sterbens anderer zieht. Für den Showdown fehlt noch eine Prise Herzschmerz: Weasel und seine schwangere Frau werden in den Konflikt mit hineingezogen und im Endeffekt geht es um Grusel-Alien-Momente…

Die Umsetzung

Inhaltlich hat Cullen Bunn keine allzu großen Herausforderungen zu bewältigen: Das Großmaul Deadpool muss sich nur mit abstrusen Gegner*innen prügeln, rasante Action durchleben und Sprüche in etwa im Niveau der 80-er absondern. Trotzdem gelingt es auch hier wieder, den vorlauten Antihelden sympathisch rüber kommen zu lassen. Durch seinen Ehrenkodex, der es nur erlaubt, böse Böse zu töten und seine hohe Meinung von Freundschaft und daraus erwachsende Pflichten relativiert sich der unmoralische Ansatz deutlich.

Mark Bagley ist vor allem durch seinen Spider-Man Run bekannt. Dekors, Kostüme und Monster gelingen sehr detailreich und selbst die Mundpartien sind nicht immer stereotyp. Was hier geboten wird ist die hohe Kunst des amerikanischen Anspruchs, ständig neue Kreative mit Abenteuern von dem Konzern gehörenden Held*innen zu beauftragen und dabei Höchstleistungen zu erwarten. Die Umsetzung gelingt gut: wechselnder Seitenaufbau von dreireihigem Standard bis zur Doppelseite; Perspektivenwechsel, Lautmalereien und Lichtgeblitzel bringen die Action rüber.

Für alle Fans des lauten Humors, die viel Blut sehen können (tatsächlich ist das Ganze sogar jugendfrei und harmloser als so manche TV-Serie; die positive Darstellung dieser Art von Broterwerb mag trotzdem einigen aufstoßen) und vor Teenager-Sprüchen keine Angst haben.

Dazu passen eine Bloody Mary (altersangemessenerweise möglicherweise ohne Alkohol) und Crossover etwa von Rage against the Machine.

© der Abbildungen Marvel Characters B.V. c/o Panini-Verlag 2018, 2019

DC Black Label – Der Weisse Ritter

Batman  – Der Weisse Ritter

Story: Sean Murphy
Zeichnungen: 
Sean Murphy
Farben: Matt Hollingsworth

Originaltitel: US-Batman: White Knight 1-8

Panini Comics
Broschur | 220 Seiten | Farbe | 22,00 €
ISBN: 
978-3-7416-0984-8

Schon wieder eine neue Sub-Reihe? Ja, aber dieses Mal eine spannende! Unter dem neuen Black Label werden düstere Geschichten um die Recken aus dem DC-Universum erzählt, die nicht in die Kontinuität eingebunden sind und damit neue Perspektiven erlauben. Zudem muss niemand das Gefühl haben, dass er/sie ohne Lexikon nichts verstehen würde, denn diese Erzählungen sollen kein Wissen voraussetzen. Kommt euch bekannt vor? Erinnert an Elseworlds? Ja, natürlich, mich auch. Die Inhalte sollen aber düsterer sein. Klingt auf jeden Fall spannend, denn viele der besten Geschichten von früher sind genau unter diesem Label erschienen.

Der Weiße Ritter hat ein sehr modernes Thema: Die öffentliche Meinung und daraus resultierende, sich verselbständigende Bewegungen.

Batman, schon immer kein gewaltfreier Kämpfer, verprügelt den Joker vor laufender Kamera und zwingt ihn, unbekannte Substanzen zu schlucken, die er bei sich hatte. Aufgrund dieser „Medizin“ entwickelt sich der Joker zu dem angesehenen Politiker Mr. Jack Napier, der für das Ghetto Gothams, Backport, in den Gemeinderat einziehen will. Napier deckt auf, dass es einen geheimen Fonds gibt, der durch Batman verursachte Schäden bereinigt und zieht eine direkte Linie von Polizeigewalt und Korruption zu Batman. Unterstützt wird er dabei von allen Wahlbeamten, die ihr Fähnchen wie immer in den Wind hängen, und von Harley Quinn, die ihre alte Identität wieder annimmt.

Auch Batmans Gefährt*innen Nightwing und Batgirl sehen ihre Zweifel an der noch vorhandenen geistigen Gesundheit Batmans bestätigt und müssen sich für eine Seite entscheiden. Wird Gotham den Dunklen Ritter tatsächlich gegen den neuen Weißen Ritter austauschen? Gehört der Joker ins Rathaus und Batman nach Arkham?

Natürlich spielen auch andere Superschurken eine Rolle und geben sich ein Stelldichein… Besonders spaßig dabei die gedoppelte Harley, die je nach Extremstandpunkt den alten oder den neuen Joker liebt.

Viele Versatzstücke in dieser Miniserie kommen einem bekannt vor: Jokers Bemühen, von Batman geliebt zu werden und seine ständige Enttäuschung erinnern an das Lego-Movie. Fake-News und den wechselseitigen Einfluss von Medien und Bewegungen erleben wir jeden Tag neu und den Versuch, alle Schurken zu vereinen, haben wir auch bereits mehrfach miterlebt. Die Frage, ob Batman nicht eigentlich ein militanter Reaktionär oder sogar Schlimmeres sei, ist seit den 80-ern ebenfalls immer wieder aufgeworfen worden (und auch gar nicht so einfach zu beantworten).

Hier gelingt es Sean Murphy aber, etwas neues, Eigenständiges zu kreieren. Die Versatzstücke sind so stimmig, dass Napiers Aufstieg und seine vielfältige Unterstützung glaubwürdig werden. Die Talkshows kann man fast hören und die einfachen Antworten der Politiker im Kreuzfeuer leider auch. Die sich daraus entwickelnde zwangsläufige Abfolge, die fast schon Horror- oder Psycho-Elemente besitzt, ist ebenfalls klar definiert und ein Ausweg scheint nicht in Sicht.

Auch grafisch weiß Murphy zu überzeugen. Sein Werk ist nicht bahnbrechend, hat aber seine Qualitäten. Der Boxkampf zwischen Batman und Napier gehört mit Sicherheit zu den Seiten, die im Gedächtnis bleiben werden. Viele Soundwords und Speedlines lassen das Ganze wie Popcorn-Kino rüberkommen. Die Farben von Matt Hollingsworth tun ein Übriges. Im Gegensatz zur Klasse-Story ist das Artwork aber „nur“ guter Durchschnitt.

Die Ausgabe an sich lässt dagegen wieder einmal keine Wünsche übrig: der glanzapplizierte Joker vor dem Batman-Altar auf dem Cover ist schon ein echter Hingucker und auch die verschiedenen (Alternativ) Cover als Trenner zwischen den einzelnen Heften machen den ersten Black Label-Band zu einem schönen Stück in der Batman-Sammlung! Es existiert auch ein limitiertes, verlagsvergriffenes Hardcover mit anderem Covermotiv.

Dazu passen ein Bier mit (Arbeiter-)Tradition, etwa ein gekühltes Porter von Anchour, und eine Ghetto-taugliche Mischung aus Rap und Punk, etwa von Kevin Abstract.

© 2017, 2018 DC Comics c/o Panini Comics

Die Hochzeit von Batman und Catwoman

Batman & Catwoman – Das Hochzeitsalbum

Story: Tom King
Zeichnungen: 
Mikel Janín/Joelle Jones, Mikel Janín und Gäste, Michael Lark/Lee Weeks

Originaltitel: US-Batman 44 & 50; US-Batman Annual 2

Panini Comics
Überformat | 124 Seiten | Farbe | 29,00 €
ISBN: 
978-3-7416-1162-9

Nach den Vorbereitungen für eine Hochzeit erfolgt typischerweise die Feierlichkeit als solche. Dazu gehören Rückblicke auf das Vorleben der Partner*in und gute Ratschläge für die Zukunft, witzige Spielchen und Geheimnistuerei, denn Braut und Bräutigam dürfen sich schließlich nicht in ihrem Outfit sehen, bevor es ernst wird. Der vorliegende, überformatige Prachtband aus dem Hause Panini ermöglicht genau das. Aber halt, gab es nicht schon im Vorfeld genügend Gerüchte, dass Batman und Catwoman nie heiraten würden? Wer nicht gespoilert werden mag, muss hier und jetzt aufhören, weiter zu lesen und sich den Band zulegen; er lohnt sich.

Detail Entwurf Hochzeitskleid aus Batman Catwoman Hochzeitsalbum

Der Band ist in drei Teile geteilt: die Auswahl des Brautkleides, die Hochzeitsnacht und eine elseworld-Story mit den verheirateten, mittlerweile alt gewordenen Bruce und Selina. Alle drei Geschichten sind mit einer so großen Anzahl von Verweisen auf die 80-jährige Vergangenheit der beiden gespickt, dass man sich dankenswerterweise entschieden hat, einen Artikel hinzuzufügen, der die referenzierten Comics und ihren Inhalt kurz vorstellt und Originalabbildungen enthält, die es dem/der Leser*in erlauben, die Kostüme zu identifizieren.

Das Kleid

Die Auswahl des Brautkleides läuft dabei für eine Diebin etwas anders ab als für den Erben eines großen Vermögens. Selina bricht standesgemäß bei einem Brautausstatter ein und durchlebt alle Stadien von Verzweiflung über (enttäuschte) Hoffnung bis hin zum abschließenden Triumph. Im Anhang wird das von Joelle Jones entworfene Kleid dann auch noch genügend gewürdigt! Für viele Jungs wahrscheinlich das erste Mal, dass sie sich mit Modeentwürfen beschäftigen.

Die Hochzeit

Nicht nur die Auswahl der Trauzeugen sorgt – zumindest auf Batmans Seite – für einen anrührenden, fast tränenreichen Moment. Auch die Hochzeit als solche steht unter einem komischen Stern. Es beginnt schon mit dem Ort: Soll es ein klassisches Ambiente sein oder vielleicht doch die Dächer als prägendes Moment der Beziehung? Darf der vollziehende Richter nüchtern sein und damit eine Gefahr für die Zukunft darstellen oder sollte er nicht doch völlig besoffen und damit der Erinnerungsfähigkeit beraubt sein? Und lassen die Umstände eine Hochzeit überhaupt zu?

Natürlich ist das US-Heft 50 bereits in der regulären Serie als 26. Ausgabe erschienen und auch die Presse hat damals wie jetzt darüber berichtet. Wer es wissen möchte, weiß daher bereits, dass die Hochzeit (noch) nicht stattgefunden hat.

Die Beiträge einer immensen Anzahl von Künstler*innen mit einer eigenen Seite, eingepasst in den flow dieser Jubiläumsnummer ist aber so genial und selten, dass selbst enttäuschte hier wohl unbedingt zuschlagen werden wollen. Immer abwechselnd treiben Mikel Janín auf einer Doppelseite und Gastzeichner*innen auf einer folgenden Doppelseite die Story von Tom King voran. Hier zeigt sich, was ein gutes Lektorat leisten kann! Fast alle Gastseiten sind so gut, dass man sie sich als Poster vorstellen könnte und gerade bei diesem Mittelteil kommt das Überformat besonders zur Geltung!

Die projizierte Zukunft

In der Geschichte aus dem Batman Annual 2 haben Bruce und Selina schließlich doch geheiratet. Auch hier spielen wieder Referenzen auf frühere Abenteuer eine Rolle, streiten sich die beiden doch über ihre gemeinsame Vergangenheit und die unterschiedlichen Erinnerungen daran wie es sich für ein Ehepaar gehört. Der Grundtenor ist trotzdem nicht fröhlich. Batman und Catwoman sind zwei der wenigen Ausnahmen im Superheldenkosmos, denn sie haben außer den antrainierten Fähigkeiten keine Superkräfte, sind folglich daher auch menschlichen Gebrechen nicht fern. Einer von beiden wird tatsächlich im Verlauf der Geschichte einer Krankheit erliegen und versucht vorher, sein Leben zu ordnen.

Detail Batman Catwoman Hochzeitsalbum Elseworld

Die Empfehlung

Loriot hat einmal gesagt, dass ein Leben ohne Mops möglich aber sinnlos sei. Ganz so verhält es sich hier natürlich nicht, ein Leben ohne das Hochzeitsalbum wird genauso gelingen wie eines mit. Trotzdem ist diese Zusammenstellung dieses ausgezeichneten Materials sehr gelungen. Die Ausstattung mit Hardcover, Glanzlackapplikation auf dem Cover und exzellentem Papier, das die Farben gut zur Geltung bringt, lässt die Zeichnungen der Creme de la Creme der Batmanzunft perfekt zur Geltung kommen. Die Hinzufügung der elseworld-Story ermöglicht ein klein wenig Hoffnung, dass die Beiden sich in ferner Zukunft doch noch finden werden, und die erläuternden Hinweise zur Aufklärung der geschichtlichen Referenzen helfen allen. Kauftipp für alle Fans amerikanischer Superhelden-Comics und ein schönes Sammlerstück. Natürlich kann man stattdessen auch die 80 verschiedenen Variants der Hochzeitsnummer 26 sammeln…

Dazu passen ein original italienischer Pro Secco und Frank Sinatra!

© der Abbildungen 2018, 2019 DC Comics, c/o Panini Verlag

Gratis Comic Tag 2019 – Deutsche Superhelden

Superhelden aus Deutschland und Österreich im 2019er Gratis Comic Tag – eine Übersicht

Wie angekündigt sollen ein paar Titel des diesjährigen Gratis Comic Tags näher besprochen werden um euch ein paar Tipps zu geben, was sich lohnen könnte.

Header GCT

Die Liste mit allen Titeln gibt es hier und wenn ihr schauen wollt, wo in eurer Nähe Läden mitmachen, könnt ihr hier eine Umkreis-Suche starten. Der GCT findet am 12. Mai statt.

Dieser erste Artikel bringt euch vier Titel mit deutschsprachigen Superhelden näher. Lange Zeit war es sehr still in diesem Bereich. Es gab den einen oder anderen Helden aus der Lehning-Ära, der als Superheld durchgegangen wäre und dann waren da natürlich die „Helden“ Anfang dieses Jahrtausends und ein paar andere Titel. Es handelte sich dabei aber eher um deutsche Varianten von amerikanischen Mainstream-Helden. Oft fehlte es an der Verlässlichkeit der Produktionstermine oder das neue Heft dauerte einfach zu lange und irgendwie sind dann alle wieder verschwunden.

Parallel dazu und quasi unter Radarhöhe der öffentlichen Aufmerksamkeit gab es aber schon immer den Independent-Bereich und in diesem Sammelbecken kreativer Ideen und Publikationen auch schon immer etwas andere Superhelden. Seit ungefähr drei Jahren hat sich diese Schiene nun plötzlich Aufmerksamkeit erworben und aufgrund des Erfolges der Austrian Super Heroes (ASH) sind auch andere Helden en vogue. Eine Einführung in die verschiedenen Universen kann hier aus Platzgründen nicht erfolgen. Die Sammelbände haben aber meistens eine Zusammenfassung der bisherigen Stories der jeweiligen Universen und auch die Sprechblase bietet regelmäßig einen Überblick.

cover GCT 2019 ASH

Die Austrian Super Heroes sind dann auch mit einem Titel beim GCT 2019 vertreten. Das Heft beinhaltet eine längere Story (Lumpen) aus ASH 12 sowie zwei kürzere Origin-Stories über Siggi (aus ASH 16) und die Wassernixe Donauweibchen (aus ASH 11). Alle Geschichten sind von demselben Autoren, Harald Havas, werden aber von verschiedenen Zeichner*innen umgesetzt. Dadurch wird einerseits die Kontinuität der Handlung perfekt gewährleistet, gerade, wenn Origins oder Sologeschichten eingestreut werden, andererseits wird aber trotzdem für Abwechslung in der grafischen Umsetzung gesorgt. Cooles Artwork mit „anderen“ Held*innen, professionell umgesetzt und alle zwei Monate neu. Definitiv einen Blick wert.

Cover GCT 2019 Captain Berlin

Ebenfalls schon lange dabei ist Jörg Buttgereits Captain Berlin. Der Superheld aus der Hauptstadt wurde ursprünglich bereits 1982 als Filmheld konzipiert. 2006 kam er erstmals zurück und zwar in einem Hörspiel für den WDR. Es sollte dann noch weitere Jahre dauern bis 2013 dann tatsächlich der erste Captain Berlin Comic bei Weissblech Comics erschien. Der Held kämpft gegen Nazis und sonstige Monster, insbesondere aber auch gegen seine Erzfeindin Ilse von Blitzen. Getextet von Levin Kurio und gezeichnet von Rainer F. Engel bietet der Comic besten Trash und spaßige Unterhaltung. Natürlich scheinen immer wieder Anklänge an Indiana Jones durch und die Monster könnten aus der Blütezeit der 50er und 60er Jahre stammen, die Plots stammen aber aus der heutigen Zeit. Für den GCT gibt es eine abgeschlossene Geschichte aus dem vergriffenen vierten Heft. Wie auch bei ASH sind aber Sammelbände der vergriffenen Ausgaben erhältlich. Für nostalgische SF-Fans eigentlich ein Must-Try!

Cover GCT 2019 Trachtman

Eng mit dem Captain-Berlin-Universum verknüpft ist Tracht Man. Der Bayerische Held von Christopher Kloiber und Henning Mertens von Plem Plem Productions ist noch etwas grotesker als die beiden anderen Titel. Der Kampf von Tracht Man mit dem Wolpertinger mit einem Auftritt des Captains in einer Nebenrolle ist eher Comedy als Superheldengeschichte, kann aber durchaus überzeugen. Schnelle Wechsel, haarsträubende Storywechsel und ein Ritt durch verschiedenste Stile bieten Entertainment pur. Diese Geschichte ist dem Tracht Man Sonderheft  entnommen. Daneben gibt es aber auch eine reguläre Heftreihe.

cover GCT 2019 Kultgescshichten

Einen etwas anderen Ansatz verfolgen die Kultgeschichten der Leipziger von Kult Comics/Comic Combo. Unter diesem Titel bringen sie nun schon wiederholt Ausschnitte ihres aktuellen Programms. Zu dem Thema Deutsche Superhelden passt der einführende Ausschnitt aus „Das Kamäleon“ von Björn Hammel und Sascha Dörp von dem der  erste Band diesen Herbst erscheinen wird. Ein Held mit Superkräften und einer unscheinbaren Tarnidentität, ein Kommissaranwärter, der in einer Band spielt, eine Organisation, die sich gegen Lautstärke wehrt und auf die Stille setzt sind die Versatzstücke aus denen sich eine spannende und düstere Mischung aus Superhelden- und Thriller-Motiven entwickelt. Tipp!!  Dazu kommen noch drei Kurzgeschichten um den letzten Kobold und seinen Freund, die Waldrappe, von Dirk Seliger und Stefan Pede, die einen Vergleich mit aktuellen Geschichten in Spirou oder dem ZACK nicht scheuen müssen.

Dazu passen Craftbiere am besten. Musikalische Untermalung sollte den Spaßfaktor unterstützen: Attila the Stockbroker!

© 2019 ASH, Weissblech Comics, Plem Plem Productions, Comic Combo, Leipzig

Jagd auf Wolverine 1

Jagd auf Wolverine 1 (von 2) – Auf der Spur einer Leiche

Story: Charles Soule, Tom Taylor, Mariko Tamaki
Zeichnungen: David Marquez, Matteo Buffagni, Butch Guice, R. B. Silva

Originaltitel: 

US-Hunt for Wolverine 1 /
US-Hunt for Wolverine: Weapon Lost 1-4 /
US-Hunt for Wolverine: Adamantium Agenda 1-4

Panini Comics

Broschur | 220 Seiten | Farbe | 22 € |
ISBN: 978-3-7416-1186-5

Cover Jagd auf Wolverine 1

Bei den großen amerikanischen Comic-Universen ist es üblich geworden, alle paar Jahre neu zu „starten“. Auch Marvel ist gerade erneut damit beschäftigt. Ein solches Unterfangen ändert Origins von altbekannten Held*inn*en, bringt neue Charaktere und manchmal kommen auch Tote (oder besser für tot Gehaltene) zurück. So auch hier: Wolverine, der immer etwas andere X-Man mit den Admantiumkrallen und den besonderen Heilkräften, ist wieder da.

Die Suche nach ihm ist selbst ein Event und zog sich durch mehrere Miniserien, die von Panini auf Deutsch in zwei dicken Paperbacks veröffentlicht werden. Der jetzt erschienene erste Teil enthält gleich neun US-Ausgaben. Netterweise enthält ein kurzer Artikel auch die „Vorgeschichte“, denn es hatte schon in vielen regulären Ausgaben Hinweise auf seine Rückkehr gegeben, natürlich auch um Spannung aufzubauen und die Leser*innen zum Kauf der Spezialhefte zu bewegen.

Page aus Jagd auf Wolverine

Achtung: die drei kommenden Absätze spoilern einen Teil des Inhalts. Es ist schwierig, 220 Seiten zusammenzufassen ohne den einen oder anderen Spannungsbogen aufzulösen.

Die Jagd auf Wolverine beginnt damit, dass die Reavers, kriminelle Cyborgs, das Grabmal Wolverines entdeckt haben. Sie schaffen sogar, es zu öffnen, müssen allerdings feststellen, dass es leer ist. Dank eines Flashback auf die Beerdigung wird auch den Leser*innen klar, dass Wolverines Leichnam nie dort gewesen ist. Leider ist aber auch sein echtes, unscheinbares Grab nicht mehr mit einer Leiche gefüllt.

Daredevil, Nur, Misty Knight und Cypher machen sich auf die Suche nach dem Mutanten. Aufgrund der Hilfe des Internet-kranken Cypher finden sie immer mehr Spuren, denen sie folgen können, sind sich aber nicht sicher, ob es noch der Mann ist, den sie einst kannten. Zu viele Indizien deuten auf eine Hinwendung zum Bösen oder führen ins Leere. Diese Suche, im Original als Weapon Lost 1-4 erschienen, enthält viele Kampfszenen; die Held*innen entgehen mehrfach nur knapp dem Tod und dürfen all ihre Waffen einsetzen. Trotzdem steht hier das investigative Moment im Vordergrund.

Detail aus Jagd auf Wolverine 1

Der folgende Vierteiler The Admantium Agenda featured ein anderes Team aus den Reihen der Avengers: Iron Man, Jessica Jones, Luke Cage und Spider-Man. Sie erfahren, dass die komplette DNA-Sequenz eines Mutanten auf einer geheimen Auktion an den Meistbietenden verkauft werden soll, müssen jedoch feststellen, dass es um Danielle Cage, die Tochter von Luke und Jessica geht. Nach einem reinen Action-Gewitter können sie einerseits verhindern, dass die DNA ihrer Tochter in fremde Hände gerät, müssen aber auch erfahren, dass Sinister eine Sammlung mit DNA-Proben aller Menschen aufgebaut hat. Auch diese Miniserie lebt von vielen Rückblicken auf bekannte wie unbekannte Ereignisse in der Vergangenheit und ermöglicht es somit auch Neu-Einsteigern, dem Plot zu folgen. Sie wirft allerdings auch eine Frage auf, die das Marvel-Universum noch beschäftigen wird.

Die weiteren Folgen Claws of a Killer und Mystery in Madripor sowie das abschließende Heft Dead Ends folgen dann im Mai im zweiten deutschen Sammelband.

Die Autoren haben sich erfolgreich darum bemüht, den zu einer Gesamtgeschichte verwobenen, aufeinanderfolgenden Miniserien jeweils einen eigenen Geschmack zu geben. Es handelt sich nicht um eine nur aus Marketing-Gründen auseinandergezogene Einheit. Unterschiedliche Akteure toben sich in unterschiedlichen Genres aus. Und obwohl es in beiden Teilen um die Aufdeckung unbekannten Tatsachen und um die Lösung eines „Falls“ geht, ist das erste Abenteuer als Krimi konstruiert, der zweite ist dagegen ein Popcorn-Action-Spektakel mit viel Pyrotechnik im Hintergrund.

page aus Jagd auf Wolverine 1

Graphisch sind die Hefte alle im typischen Marvel-Style. Gemeinsam ist ihnen, dass Rückblicke in sehr gedämpften Farben die Geschichten vorantreiben. Die erste Miniserie ist realistischer gezeichnet, die Köpfe der Figuren sind erkennbarer, haben allerdings durch die Überzeichnung in der zweiten nicht mehr Ausdruck. Ein sehr flexibles Seitenlayout, Soundwords und Splashes machen das Ganze modern und sehenswert.

Für alle Marvel-Komplettisten eh keine Frage. Wolverine-Fans werden wissen wollen, wie es weitergeht und werden nicht enttäuscht. Marvel-Gelegenheitsleser*innen sollten ebenfalls einen Blick riskieren. Selten wird eine Geschichte mit so vielen Beteiligten erzählt, die abgeschlossen und ohne viel Vorwissen verständlich ist.

Natürlich sind alle Original-Cover ebenfalls abgedruckt.

Dazu passen wie es sich für eine lange Nacht gehört wachhaltende Getränke mit Koffein aber ohne Zucker genannt Kola sowie Northern Soul, etwa searching for the young soul rebels von den unterschätzten Dexy’s Midnight Runners.

© der Abbildungen 2019 Marvel c/o Panini Comics, Stuttgart

Doomsday Clock 1

Doomsday Clock 1 – Die Rückkehr der Watchmen

Story: Geoff Johns
Zeichnungen: Gary Frank

Originaltitel: US-Doomsday Clock 1 – 3

Panini Comics

Broschur | 108 Seiten | Farbe | 13,99 € |

ISBN: 978-3-7416-1270-1

Cover Doomsday Clock 1

Die Watchmen sind wieder da! Nach dem grandiosen ersten Auftritt Anfang der 80-er Jahre und den später nachgeschobenen Prequeln verbinden sich jetzt das Universum der Watchmen und das reguläre DC-Universum zu einem gemeinsamen. Natürlich wird dadurch das letztere für immer verändert und der Titel „Doomsday Clock“ deutet dann ja auch Einschneidendes an. Die im Original ursprünglich für die Laufzeit von einem Jahr geplante Mini-Serie wird hierzulande in vier Sammelbänden erscheinen und so den hiesigen Leser*innen die gleichen Chancen wie in den USA bieten: Im Endeffekt werden nämlich die regulären Reihen und Doomsday Clock zu einen gemeinsamen Höhepunkt führen. Mittlerweile sind seit November 2017 9 Ausgaben erschienen, die drei noch fehlenden Hefte sollen bis Mai folgen.

Die Geschichte ist nicht nur für diejenigen interessant, die das gesamte DC-Spektrum im Blick haben wollen. Zum Hintergrund:  Aktuell stehen alle Superhelden im Rahmen der Diskussion um die „Supermen-Theorie“ unter Generalverdacht und in der öffentlichen Kritik. Gleichzeitig müssen auch Ozymandias und Rohrschach in ihrer Welt feststellen, dass der wahnsinnige Plan mit einer gefakten Bedrohung von außen und tatsächlichen Millionen toter Menschen keineswegs zu einer friedlichen Zukunft geführt hat. Um ihre Welt zu retten begeben sie sich auf die Suche nach Dr. Manhattan und gelangen dadurch auf die andere Erde. Begleitet werden sie dabei von einem verrückten Gaunerpärchen, Mime und Marionette.

Doomsday clock 1 - Ausschnitt 1

In der Watchmen-Serie wurde damals die Frage thematisiert, ob Superhelden per se faschistisch sind. Die verwendeten Stilmittel waren revolutionär und die Reihe ein Meilenstein der US Comic-Geschichte. Diese Erwartung muss man etwas herunterschrauben wenn man an die heutige Reinkarnation heran geht. Natürlich ist der Hintergrund der „anderen“ Vigilanten immer noch der Gleiche, es geht jedoch nicht um eine kurzfristige, provozierende Miniserie, sondern um den neuen Background eines Millionengeschäftes mit unzähligen Serien und Filmen.

Die Doomsday Clock oder Weltuntergangsuhr ist dabei nicht nur eine graphische Referenz an die Originalserie, sondern mit der Integration des Superman-Logos auch ein Hinweis auf das Kommende. Die Miniserie wird schließlich nicht nur zwei Universen verschmelzen, sie bildet auch den Abschluss der mit The New 52 und Rebirth begonnenen Veränderungen.

Doomsday clock 1 - Ausschnitt 2

Johns ermöglicht aber trotzdem geniale kleine Momente in der großen Geschichte wenn er Rohrschach Batmans Frühstück essen lässt und dieser ihn dafür erstmal duschen schickt oder wenn Marionette in einer üblen Spelunke fragt, wer denn dieser Joker sein soll, dem dort alles gehöre.

Auch die Entwicklungen im traditionellen DCU mit dem Kampf zwischen Lexcorp, dem Firmenimperium von Lex Luthor, und Wayne Enterprises um Macht und Kontrolle bieten zusätzlichen Konfliktstoff, der über die simple Prügelei mit Metawesen deutlich hinausgeht. DC wird damit einerseits realistischer, lässt andererseits aber weiterhin Götter und Paralleluniversen zu.

Zeichnerisch bietet Gary Frank qualitativ hochwertigen US-Mainstream. Bewegungen, Perspektivwechsel und Kampfszenen sind auf hohem Niveau. Splash-Panels sucht man dagegen nahezu vergeblich. Gut gelungen ist der Trick, politische oder gesellschaftliche Hintergrundinformationen durch die „Abbildung“ von Zeitschriften oder Web-Artikeln einzuführen. Dadurch enthält der Plot mehr Tiefe ohne aufgebläht zu werden und erinnert gleichzeitig an die alte Serie.

Die Mini-Serie ist nicht nur für Fans der alten Watchmen oder klassische Batman/Superman-Leser*innen geeignet, sondern für alle empfehlenswert, die einer längeren Storyline folgen wollen, in der es nicht nur um die üblichen bösen Bedrohungen durch Metawesen geht, sondern die wirtschaftliche und politische Lage im Fokus stehen.

Doomsday clock 1 - Ausschnitt 3

Wie bei Panini üblich gibt es auch zwei limitierte Variant-Ausgaben.

Was trinkt man zu Beginn eines langen Abends dessen Ausgang noch in keiner Weise abzusehen ist? Nichts, was einen zu schwer belasten würde. Ich empfehle daher ein leichtes Session IPA! Als Untermalung muss es etwas düster sein: Leonard Cohen und You want it darker.

© der Abbildungen 2019 DC Comics c/o Panini Comics, Stuttgart

Am 11. Mai 2019 ist Gratis Comic Tag

Header GCT

Am zweiten Samstag im Mai freuen sich Comic-Liebhaber*innen in Deutschland besonders, denn an diesem Tag gibt es Geschenke! Schon zum 10. Mal findet der Gratis Comic Tag nun statt!

Der deutsche GCT ist eine der größten verlagsübergreifenden Kooperationen der hiesigen Buchbranche. Zahlreiche Verlagshäuser, von den Marktführern bis zur Independent-Schmiede, tun sich auch 2019 zusammen, um die Erfolgsgeschichte fortzuschreiben: 2010: ca. 150 Standorte und 170.000 Hefte; 2015: ca. 230 Standorte und 230.000 Hefte; 2017: ca. 320 Standorte und 380.000 Hefte; 2018: ca. 420 Standorte und 1/2 Million Hefte. 2019 nehmen ca. 450 Standorte teil und die Gesamtauflage hat die Marke von über 600.000 Heften geknackt.

Viele Händler planen an diesem Tag besondere Aktionen, Signierstunden oder Gewinnspiele – Schaut einfach mal wieder bei eurem Lieblingsladen vorbei. Die Liste aller teilnehmenden Locations findet ihr hier: www.gratiscomictag.de/haendlersuche

In diesem Jahr gibt es sieben Hefte speziell für Kids und 27 Publikationen, die sich an ältere Leser*innen richten, erstmals zum Teil sogar mit 64 Seiten! Alle Titel gibt es hier: http://www.gratiscomictag.de/comics/

In Kürze werde ich hier den einen oder anderen Titel kurz vorstellen um euch ein paar Anregungen zu geben!

Batman – Die Vorgeschichte zur Hochzeit

Batman Sonderband – Die Vorgeschichte zur Hochzeit

Story: Tim Seeley
Zeichnungen: 
Brad Walker, Minkyu Jung, Javier Fernandez u. a.

Originaltitel: Batman: Prelude to the Wedding 1-5  (2018)

Panini Comics
Prestige | 132 Seiten | Farbe | 15,99 €
ISBN: 
978-3-7416-1145-2

cover Batman - Vorgeschichte zur Hochzeit

Hochzeiten werfen ihren Schatten voraus, insbesondere natürlich königliche! Neben den realen Hochzeiten gibt es momentan aber eine, die fast ebenso viel Aufmerksamkeit bekommen möchte: Die des Dunklen Ritters mit der Königin der Diebe – Batman und Catwoman. Aus offensichtlichen Gründen können sie nicht als Bruce Wayne und Selina Kyle heiraten. Selbstverständlich kennen aber einige Vertraute die geheimen Identitäten und so ist alles nicht ganz so einfach. Wenn dazu noch Ängste, Wünsche, Kontrollwahn und Superschurken kommen, mit anderen Worten, der Alltag in Gotham, dann haben alle ein wenig zu tun.

In den USA gibt es – wie immer bei Großereignissen – eine ganze Reihe von One-Shots, die Figuren, die weniger im Rampenlicht stehen, Raum zur Entfaltung geben und natürlich zusätzliche Verkäufe generieren sollen. Üblicherweise stehen bei solchen Events Neudefinitionen des ganzen Kosmos an, die alles „Neu“, spannender und wieder zugänglicher machen sollen oder aber eine ganze Riege altgedienter Recken durch neue Charaktere ersetzen. Der Markt der Comic-Leser*innen wird dadurch aber nicht größer und viele der Getreuen sind einfach nur genervt (aus mehr oder weniger akzeptablen Gründen) und kehren den Serien den Rücken. Bei den Batman-getriebenen Events geht es dagegen häufig nicht um einen Neustart, sondern um systemimmanente Veränderungen. In Deutschland sind diese Ergänzungshefte meistens in Form von Paperbacks erschienen, die es den Leser*innen ermöglichen, dem Spannungsbogen zu folgen, die Händler*innen aber mit kalkuliertem Risiko schützen.

Detail aus Batman - Vorgeschichte zur Hochzeit

Bruce und Selina haben sich in ihren Alter Egos schon seit Jahrzenten immer wieder romantisch angenähert und wieder entzweit. Teilweise war aus der Diebin schon eine Kämpferin für das Gute geworden doch ganz hat die Katze das Mausen nie lassen wollen. Nun also endlich der nächste Schritt.

Die hier gesammelten Hefte bieten durchaus spannende Einblicke aus ungewohnten Perspektiven. War der Joker schon im Lego-Movie arg enttäuscht, dass Batman ihn nicht als Lieblingsfeind bezeichnen wollte, wird hier seine emotionale Anspannung im Warten auf eine Einladung zur Hochzeit noch einmal größer. Er bleibt seinem psychopathischen Muster dabei allerdings sehr treu.

Auch der Kontrollwahn Batmans wird nett herausgearbeitet, wenn Nightwing mit der Überwachung des Mädelsabends vor der Hochzeit betraut wird. Es sei allerdings die Frage erlaubt, ob das einen guten Start in die Ehe verspricht… Und auch das Patchwork-Familien-Thema wird angesprochen, wenn Damian Selina fragt, ob sie mit Bruce Kinder haben möchte.

Detail aus Batman - Vorgeschichte zur Hochzeit

Einen kleinen Höhepunkt stellt für mich die Kostümparty im Bat Burger dar, die es Clark Kent, Dick Grayson und Bruce Wayne ermöglichen soll, unerkannt den Junggesellenabschied zu feiern. Allerdings haben die Drei ihre Pläne ohne Hush gemacht, der unbeabsichtigt verlorene Seelen ins Spiel bringt.

Ebenfalls basierend auf einer witzigen Idee ist die Episode zwischen Harley Quinn und dem Joker, die die gegenseitige Beziehung inklusive dem Neid aufeinander gelungen darstellt.

Detail aus Batman - Vorgeschichte zur Hochzeit

Das Paperback bietet altbekannten Gegenspielern Raum zur Entfaltung und trägt zu deren Entwicklung bei. Natürlich werden alle Originalcover mit abgedruckt. Graphisch bewegen sich die Geschichten aber eher im Altbekannten und liefern zwar solide Kost, stechen jedoch nicht heraus. Wer abseits der Pfade Neues entdecken will, ist hier falsch. Aber ist nicht gerade eine Hochzeit ein Anlass, das Bekannte zu genießen?

Der Sonderband mündet direkt in die Batman Ausgaben 25 und 26, die im April erscheinen werden.

Dazu passen White Wedding von Billy Idol und ein Cocktail mit viel Angostura.

© der Abbildungen 2018, 2019 DC Comics, c/o Panini Verlag

Batman – Der schwarze Spiegel

Batman – Der schwarze Spiegel

Story: Scott Snyder
Zeichnungen: 
Jock und Francesco Francavilla

Originaltitel: Detective Comics 871 – 881 (2011)

Panini Comics
Prestige | 300 Seiten | Farbe | 29,00 €
ISBN:
978-3-7416-1127-8

Es existiert auch ein Hardcover in limitierter Auflage

cover Batman - Der Schwarze Spiegel

Der schwarze Spiegel beweist, dass erneute Veröffentlichungen auch ihr Gutes haben können.

Ursprünglich bereits 2011 in Detective Comics erschienen und von Panini schon vor Jahren in zwei Sammelbänden herausgebracht, vereint der jetzt erschienene Comic alle Geschichten um die Rückkehr des geheilten (?) Psychopathen James Gordon, jr. in einem 300 Seiten starken Band.

Ein wenig Hintergrundwissen ist erforderlich, um diese Geschichte verstehen zu können: Bruce Wayne war scheinbar verstorben, das Cape somit verwaist. Dick Grayson hat die Rolle des maskierten Beschützers übernommen, keinesfalls aber auch angenommen. Während Bruce mehr als einmal den Rächer gab, ist Dick ein Beschützer. Auch ist er nicht so mit den Schatten verwoben und so darf Commisioner Gordon sich wundern, dass der Maskierte noch auf dem Dach steht obwohl das Signal gerade ausgeschaltet worden ist. Gotham selbst hat sich aber nicht verändert; es ist immer noch die gefährlichste Stadt der USA mit den übelsten Schurken und einem großen Anteil an Verderbtheit bei seinen Bewohnern. Wenn überhaupt anders, dann ist es in der Stadt eher noch schlimmer geworden, denn die neue Garde der Verbrecher kennt „keinen Anstand“ mehr und mordet noch mehr.

Dick Grayson wohnt zwar in dem ehemaligen Wayneschen Penthouse und wird von Alfred unterstützt, er hat sich mit seiner Rolle und Umgebung aber noch nicht anfreunden können. Immer wieder kommen Erinnerungen an seine Eltern hoch, die Gotham als den Punkt beschrieben haben, an dem man weitergehen muss als überall sonst. Überhaupt spielen Erinnerungen in diesen Geschichten eine große Rolle: Seien es Artefakte aus den großen Batman-Geschichten der Vergangenheit wie der Kuhfuß, mit dem der Joker Robin getötet hat, seien es Erinnerungen von James oder Barbara Gordon an die Jugend von James, jr. Alles wird geschickt miteinander verwoben und so ist die Storyline auch sowohl für Afficionados als auch für Neueinsteiger vielschichtig zu genießen.

Backcover Batman - Der Schwarze spiegel
Der Band beinhaltet auch einige Cover der Einzelausgaben und Variants

Scott Snyder ist wohl der Superstar unter den aktuellen Batman Autoren und hat die Geschichte des Dunklen Ritters über mehrere Definitionen hinweg geprägt. Er beweist, dass er ein guter Autor ist, der auch über mehrere mehrteilige Stories hinweg einen Plot entwickeln und zu einer Gesamtgeschichte verweben kann und der Brite Jock (das ist Mark Simpson) und Francesco Francavilla setzen das abwechselnd sehr gut um. Die Bilder sehen nicht aus, wie aus einem Mainstreamcomic amerikanischer Prägung; zu viel Schwarz, zu unscharf und düster sind die Bilder, die gerade dadurch gewinnen. Beide haben bereits eine eindrucksvolle Liste an Veröffentlichungen vorzuweisen.

Wer sollte sich dieses Paperback kaufen? Zunächst einmal alle, die zu irgendeiner Zeit Batman-Fans waren und es noch nicht im Schrank stehen haben, denn es bietet gerade durch den Vergleich des Batmans, wie Dick ihn interpretiert, mit dem „Original“ Einsichten in die Gefühlswelt von Bruce Wayne, die zwar nicht neu sind, aber innovativ herausgearbeitet werden. Der verbissene, getriebene Bruce ist ein Kind Gothams: immer Vollgas, immer an der Grenze und oft darüber hinaus. Dick dagegen (und auch James und Barbara Gordon) haben ein anderes Menschenbild: Sie glauben zwar nicht mehr wirklich an das Gute, haben aber die Hoffnung nicht aufgegeben, dass es doch irgendwo da draußen sein könnte.

Detail Batman - Der Schwarze Spiegel

Einige Batman-Stories der letzten Jahre litten daran, dass immer neue Schurken auftauchten, alte immer abstrusere Dinge taten und sich das Ganze eigentlich nur selbst referenziert hat. Hier ist aber ein Beispiel an gutem Storytelling, das durch die beiden Zeichner düster, nicht artifiziell aber auch nicht banal umgesetzt wird.

Außerdem ist es für alle ein Schnäppchen, die die alten Ausgaben auf einschlägigen Plattformen suchten, denn die aufgerufenen Preise sind teilweise absurd.

Die dritte Zielgruppe sind diejenigen, die einfach nur eine gut erzählte Psychopaten-Story mögen. Auf den dreihundert Seiten wird erst stückchenweise klar, wer wirklich hinter einigen Sachen steckt, und der Horror entwickelt sich langsam und teilweise auch erst im Rückblick. Dazu gehört auch, dass die Beweggründe und die innere „Rechtfertigung“ nicht ausgespart bleiben und zu dem gruseligen Gefühl beitragen. Zudem finde ich persönlich es angenehm, dass es hier keine Superkräfte oder Mystery-Elemente gibt und das Ende in gewisser Weise offenbleibt.

Dazu passen Long Island Icetea und Frustration – Empires of shame perfekt.

© der Abbildungen 2011, 2019 DC Comics, c/o Panini Verlag