ZACK 259

ZACK 259 (Januar 2021)

Herausgeber/Chefredaktion: Georg F. W. Tempel

Blattgold Verlag

Heft Din A 4 | 84 Seiten | Farbe | 7,90 €
ISSN: 1438-2792

Schon wieder hat ein neues Jahr begonnen und Georg F. W. Tempel hat bereits einiges von dem mitgeteilt, was das gerade zum Comic-Magazin des Jahres gewählte ZACK in diesem Jahr bringen wird. Die erste Neuerung ist in der Nummer 259 erstmals zu begutachten: Das modernisierte Layout! Für die älteren unter uns eine etwas größere Schrift und ein aufgelockertes, gleichzeitig aber informativeres Seitenlayout. Eure Meinung dazu gerne als Kommentar!

Die Neustarts

Das Januarheft startet gleich mit einer neuen Serie: Das Mädchen von der Weltausstellung kombiniert verschiedene Elemente: Einerseits nimmt sie die sieben Weltausstellungen (und zwei Kolonialausstellungen), die in Paris stattgefunden haben, zum Anlass, eine Geschichte über eine sehr lange Zeit zu erzählen. Die Heldin Julie ist in dem ersten Band, der 1855 spielt, noch ein junges Mädchen, wird im letzten Teil aber bereits 93 Jahre alt sein. Jack Manini, der im ZACK bereits mit einigen Serien vertreten war, verbindet klassische Krimi-Aspekte mit seiner leichten Gesellschaftskritik und seiner Lust am Fabulieren und Willem Étienne darf seiner Leidenschaft frönen, Erfindungen darzustellen.

Étienne ist in Deutschland bisher nicht so bekannt, hat mit Ein Affe am Himmel aber bereits überzeugen können. Hier darf er weder Tierfiguren zeichnen noch echten Steampunk abliefern. Die Geschichte bietet aber genug Raum für große und kleine Bilder, liebevoll entworfene Personen und vor allem wechselnde Dekors!

Außerdem startet mit den Macaronis eine weitere Zusammenarbeit mit dem holländischen StripGlossy. In den 70er Jahren erschienen die Abenteuer von Dick Matena und Dino Attanasio über eine Fußballmannschaft im Mafia-Umfeld auch auf Deutsch, dann war es lange still. Nun hat Dick Matena sie wieder reaktiviert. Die erste vierseitige Folge dürfte einige Bundesligaklubs zum Nachdenken anregen. Mehr zu den Originalserien und ihren modernen Inkarnationen in StripGlossy 13.

Die Fortsetzung

Giant geht natürlich in die nächste Runde. Der gutmütige riesenhafte Ire hat erfahren, dass die Frau seines Kollegen sich mit ihren Kindern nach New York aufgemacht hat um zu ihrem Mann zu ziehen. Als sie in seiner Wohnung steht, müsste er ihr eigentlich mitteilen, dass er bereits vor Monaten gestorben ist. Doch wird er ihr tatsächlich die Wahrheit sagen? In eine spannende Story verpackte Sozialkritik und Beschreibung der Verhältnisse vor rund 100 Jahren in New York von Mikaël mit grandiosen Bildern! Eine der besten aktuellen Graphic Novels!

Die Abschiede

Gleich drei Serien enden in diesem Heft (vorerst).

Tanguy & Laverdure haben in der von Buendia und Zumbiehl verfassten Doppelepisode um das Wüstenschwert den Auftrag in der Region von Dahman und Nijaq im Nahen Osten für Stabilität zu sorgen. Die Situation ist aber eskaliert und es läuft ein offener Angriff. Während Tanguy versucht, aus der Luft einzugreifen, befindet sich Laverdure mitten in der umkämpften Hauptstadt.  Dramatische Ereignisse, politisch auf der Höhe der Zeit, aber nicht belehrend und zeichnerisch von Philippe sehr gut umgesetzt. Neben all der Action schaffen es die Autoren aber auch, das psychologische Zusammenspiel der beiden Helden zu beleuchten. Gut gemacht!

Auch die Episode um die Milliarde der Emigranten aus der Serie Die Bank endet hier. Boisserie und Guillaume haben nichts weniger vor als die europäische Geschichte aus einem neuen Blickwinkel zu erzählen, dem der Finanz. Im Mittelpunkt stehen zunächst die verfeindeten Geschwister de Saint-Hubert. Während es ihm gelungen ist, das Vermögen der Familie zurück zu erlangen, muss sie sich verkaufen um zu Einfluss zu gelangen. Wer wird die Eisenbahnlinie bauen dürfen? Und dann gibt es da noch einen aus der Sippe, der lange auf seinen Auftritt warten musste. Julien Maffres Zeichnungen sind nicht immer „schön“, denn er überzeichnet Emotionen. Dafür bringt er aber auch die Gefühlswelt der handelnden Personen gut rüber und ergänzt das Ganze durch formidable Hintergründe! Wie bei einer guten Serie erfordert es die Story allerdings, am Ball zu bleiben.

Stilistisch ganz anders ist Harmony von Mathieu Reynés: Modern, digital und actiongeladen. In dem letzten Teil von Ago kommt es zum Kampf zwischen den Mutanten und es wird deutlich, dass es um viel mehr geht als den Versuch einer politischen Gruppe, menschliche Waffen zu erschaffen. Perfekter Cliffhanger des Science-Fiction-Spektakels aus dem französischen Spirou-Magazin!

Und sonst?

Parker & Badger, die beiden sympathischen Loser, versuchen gleich zweimal ihr Leben zu meistern und auch der Vater der Sterne darf doppelt daran scheitern, seine Erwachsenenwelt seiner Tochter aufzwingen zu wollen. In Tizombi stellt sich die Frage einer Priorisierung zwischen Essen und Diskussion.

Dazu kommen natürlich News und Rezensionen, ein Artikel über EVROPA, ein Comic über das Nachkriegs-Ex-Jugoslawien und einer über Grönland Odyssee.

Wie immer eine gelungene Mischung aus klassischen, aber neu interpretierten Serien und dem Besten von heute.

Dazu passen das teilweise herausfordernde break thru des New York-Ska Jazz Emsembles und ein  Gin Tonic auf Wacholder, Rosamarin und Chili-Basis.

© der Abbildungen 2021 bei den jeweiligen Zeichnern und Verlagen c/o Blattgold GmbH

Jahresrückblick 2020

Corona, Tops & Flops und gute Wünsche

Ein seltsames Jahr geht zu Ende. Schon lange war immer wieder befürchtet worden, dass eine bisher unbekannte Krankheit sich pandemisch ausbreiten und unzählige Tote verursachen könnte. Mit COVID-19 ist dieses Schreckgespenst Realität geworden und was bisher undenkbar schien ist plötzlich Alltag: Die Menschen tragen auch in Europa Masken wenn sie aus dem Haus gehen, Geschäfte sind über längere Zeiträume geschlossen, ja, es gibt sogar Ausgangssperren. In einigen Gebieten können die Toten nicht mehr schnell genug beerdigt werden und die Krankenhäuser sind über die Kapazitätsgrenzen hinaus mit Patient*innen belegt. Vor einem Jahr wäre das einzig ein Szenario für ein Katastrophensetting gewesen.

Corona hat auch den Comic-Markt ein wenig durcheinander gewirbelt: Erlangen hat nur digital stattgefunden, die Comic-Cons sind ausgefallen, die Rudolph-Dirks-Awards wurden ohne Publikum verliehen, der Gratis-Comic-Tag wurde auf den September dezentralisiert und findet in 2021 gar nicht statt.

Ich wünsche euch und uns allen, dass das kommende Jahr besser wird, die Krankheit mit Impfungen eingedämmt werden kann, und Verschwörungstheoretiker*innen wieder im Keller verschwinden. Vielleicht können wir ja sogar den gemeinsamen Willen, Sterbefälle nicht einfach hinzunehmen, auf andere Ursachen ausdehnen. Andere Gefahrenquellen gibt es genügend.

R.I.P.

Auch 2020 sind wieder viele Akteure im Comicgeschäft verstorben; Größen der franko-belgischen Tradition wie auch der US-amerikanischen sowie ein „Urgestein“ der deutschen Comic-Szene. Da ich hier keineswegs einen vollständigen Nekrolog bieten kann und möchte, sei an die folgenden Namen exemplarisch erinnert: Wolfgang J. Fuchs, Albert Uderzo, Mort Drucker, Dennis O’Neil, André-Paul Duchâteau, Alex Varenne, Malik und Richard Corben.

Die besten Comics in 2020

Ich möchte heute meine Favoriten aus den Erscheinungen von 2020 vorstellen: rein subjektiv und unbeeinflusst. Um das etwas zu gliedern erfolgt die Vorstellung in fünf Kategorien: Alben, Graphic Novels, Gesamtausgaben, Sekundärwerke und Zeitschriften. Dazu kommt dann noch die Reihenfolge der Beiträge basierend auf den Zugriffszahlen in 2020. Wer möchte sei dazu aufgefordert, die eigene „Bestenliste“ als Kommentar zu posten!

Album des Jahres

Für mich ein wenig unerwartet, aber der beste Comic kommt tatsächlich aus dem Superheldenbereich: Joker/Harley – Psychogramm des Grauens ist eine vielschichtige Story von Kami Carcia ohne Schnickschnack, Superkräfte oder göttliche Wesen. Elemente aus Cop-Serien, Psychologie und DC-Universe werden geschickt verwoben und das mit außergewöhnlichem Artwork! Ich bin sehr gespannt auf die beiden noch fehlenden Teile dieser Miniserie unter dem Black Label.

Lucky Luke begleitet mein Leben schon seit fast fünfzig Jahren. Irgendwie immer lustig, gut gezeichnet aber auch ein wenig austauschbar. Schon die letzten Bände von Achdé und Jul haben gezeigt, dass sich das mehr und mehr ändert, aber die Fackeln im Baumwollfeld sind wirklich beeindruckend: aktuelle Themen, der erste farbige Hauptcharakter, starke Frauenfiguren und ein Humor, der auf verschiedenen Altersstufen wirkt, ohne aufgesetzt zu sein! Platz 2!

Platz 3 geht an ein Endzeitszenario: Zep hat mit The End einen Ökothriller allererster Güte abgeliefert. Die Natur schlägt zurück, ist aber doch noch irgendwie versöhnlich dabei. Unterlegt mit dem Refrain eines Doors-Song entwickeln die Bilder eine sehr eigene Stimmung.

Der vierte Rang geht an die Kronieken van Amoras: Legendre und Cambré haben die klassische All-Age-Serie Suske en Wiske auf eine sehr spannende Weise modernisiert und auf ein Niveau für Erwachsene gehoben. Umweltpolitik, Korruption, Gewalt, Arbeitslosigkeit; es gibt kaum ein aktuelles Thema, das nicht irgendwie in die Stories eingeflossen ist. Dazu kommt ein enormes Arbeitstempo der beiden Künstler. Wer kein Niederländisch versteht, darf sich trotzdem freuen: vom Sommer 2021 an wird die Amoras-Sage im ZACK erscheinen.

Und nicht zu vergessen Aristophania! Gute Hexen und Zauberer gegen die Truppen des Verbannten Königs und mittendrin ein paar Kinder, die Hoffnungsträger*innen sein könnten. Grandiose Landschaften und eindrucksvolle Emotionen von Joel Parnotte, eine spannende Story von Xavier Dorison, was will man mehr!

Die besten Graphic Novels in 2020

Bei den Graphic Novels hat es in 2020 so viele gute gegeben, dass die Auswahl wirklich schwerfällt. Trotzdem musste ich mich für fünf entscheiden:

Platz 1 geht an Der Wolf von Jean-Marc Rochette! Der uralte Kampf zwischen Tier und Mensch, gegen die Unbillen der Natur und das Eindringen der Zivilisation auch in die letzten Schutzräume werden mit großartigen Bildern erzählt! Ein Beweis dafür, dass ein Comicprogramm nicht groß sein muss, um tolle Sachen zu produzieren!

Unmittelbar darauf folgt mit CH Links ein Verlag, der eigentlich nicht für Comics bekannt ist: Meine freie deutsche Jugend erzählt die Geschichte über das Heranwachsen in der ehemaligen DDR, mit allen Situationen, die nur dort passieren konnten, aber auch dem Charme der Kindheitserinnerungen. Dies gelingt ohne Hass und auch das ist erwähnenswert! Eine gute Adaption des Romans von Claudia Busch durch Thomas Henseler und Susanne Buddenberg.

Platz drei geht an Omaha, eine Geschichte nur für Erwachsene! Kate Worley erzählt die Geschichte einer Frau, die ihren Platz in der Gesellschaft sucht und mit männlichen Machtstrukturen, Bigotterie, Korruption, Erpressung und Mord aber auch mit Liebe und Freundschaft umzugehen hat. Die Bilder von Reed Waller sind teilweise mehr als freizügig aber nie voyeuristisch! Klassiker der Independents und der Fur-Art, der jetzt wieder aufgelegt wird.

Platz 4 ist eine Literaturadaption. Die Insel des Dr. Moreau von Adams und Rodríguez modernisiert die klassische Story von H.G. Wells behutsam. Tolles Artwork für ein politisch hochbrisantes Thema, gespickt mit einem Kampf der Geschlechter. Besser als Kino!

Platz 5 geht an die wohl klassischste aller Graphic Novels, die jetzt endlich und erstmals komplett auf Deutsch vorliegt: Corto Maltese von Hugo Pratt! Gespickt mit Hinweisen auf Literatur und in historischen Zusammenhängen spielend, graphisch sowohl in schwarz-weiß als auch farbig funktionierend und dann auch noch mit vielen Illustrationen und Artikeln in einer einheitlichen Hardcoverausgabe!

Die besten Gesamtausgaben in 2020

Das Nest von Regis Loisel und Jean-Louis Tripp ist ein Comic-Roman über neun Bände. Eins bis drei sind im ersten Teil der gerade erschienen Gesamtausgabe versammelt. Ein kleines Dorf in Kanada muss sich der Moderne stellen: selbständige Frauen, unmännliche Männer und ganz viel Verwirrung bei den Traditionalisten. Großartig! Platz 1!

© 2018 Casterman, © Carlsen Verlag GmbH, Hamburg 2020

Paolo Eleuteri Serpieri dürfte vielen bekannt sein als Zeichner von Druuna, einer sehr freizügigen SF-Serie. Seine Kariere begonnen hat er aber mit sehr einfühlsamen Geschichten über die Eroberung des sog. Wilden Westens, die Vernichtung der amerikanischen Ureinwohner und den Kampf gegen die Natur. Die mit dem vierten Band abgeschlossene Collection Serpieri – Western hat diese Kurzgeschichten (zum Teil erstmals) dem deutschen Publikum wieder zugänglich gemacht. Platz 2!

Gleich mit zwei Bänden ist Walhalla – Die gesammelte Saga in diesem Jahr gestartet. In der aus dem Dänischen übersetzten Serie von Peter Madsen und Henning Kure werden die nordischen Heldensagen lebendig. Fast perfekte Ausgabe mit reichlich Hintergrundmaterial und Illustrationen sowie Angaben zu den ursprünglichen Mythen. Erschienen in der Edition Roter Drache.

Abgeschlossen ist die Ausgabe aller Science-Fiction und Fantasy Stories die Wally Wood für den EC-Verlag gezeichnet hat. Nach Szenarios von Bill Gaines, Al Feldstein und Ray Bradbury hat Wood unvergessliche Monster geschaffen, aber vor allem Stimmungen kreiert, die den Leser*innen noch heute Gänsehaut über die Arme jagen und damit Platz 4 verdient.

Schließlich den Weg in die Top five gefunden hat auch Aria von Michel Weyland. Die Kriegerin Aria ist unabhängig, löst die Aufgaben eher mit dem Köpfchen als mit dem Schwert, kann sich aber trotzdem durchsetzen, wenn es darauf ankommt. Sie lebt in einer teils brutalen, teils romantischen Welt und hat ein ganz eigenständiges Kapitel im Buch der Fantasy geschrieben. Zwei Bände pro Jahr mit vielen Illustrationen, weiterführenden Texten und Gedanken von Weyland zur Entstehungsgeschichte jedes Albums.

Eine lobende Erwähnung geht an Kult Comics für die Veröffentlichung von den Werken Eric Heuvels. Nicht nur die bekannten Serien January Jones und Bud Broadway, auch die educational comics, Carbeau oder Gezeichnet hats… erscheinen in schöner Regelmäßigkeit und perfekter Aufmachung, aber eben nicht als Gesamtausgabe und deshalb nicht in diese Kategorien passend!

Die besten Sekundärwerke in 2020

Das ohne jeden Zweifel beste Sekundärwerk des Jahres ist The History of EC Comics von Grant Geissman! Das großformatige und voluminöse Werk aus dem Taschen Verlag wiegt mehr als 6 Kilo und präsentiert über 1000 Abbildungen! Dazu kommt der sehr fundierte Text des langjährigen Kenners der Materie, allerdings auf Englisch. Mit diesem Band beweist Taschen mal wieder, dass Kunstdarbietung, detailreiche Inhaltsvermittlung und perfektes Coffee-table-book keine Widersprüche sein müssen, sondern sich super ergänzen können!

Platz zwei geht an einen Ausstellungskatalog. Kein leichtes Thema in diesem Jahr, waren doch Museen über lange Zeit geschlossen und mussten Pläne über geplante Exhibitions immer mal wieder neu geschrieben werden.  Fix & Foxi – Die Entdeckung von Spirou, Lucky Luke und den Schlümpfen ist eigentlich begleitend zu einer Ausstellung im Karikaturmuseum Krems erschienen, ermöglicht aber natürlich auch den Genuss zu Hause. Während die Geschichte des Kauka-Verlages schon das eine oder andere Mal Gegenstand von Veröffentlichungen und Katalogen war, liegt der Schwerpunkt hier auf der Einführung der frankobelgischen Klassiker in den deutschen Markt.

Auch der dritte Platz geht an die Edition Alfons: Die Reddition ist beständig, informativ, tiefschürfend und reich und sinnvoll illustriert. Die Redaktion geht Themen breit an und präsentiert damit einen Überblick, der seines Gleichen sucht. In diesem Jahr ging es zunächst um Zeitungscomics in Deutschland und dann um die Serie Blake und Mortimer.

Die besten Zeitschriften in 2020

Monat für Monat präsentiert der Gewinner eine genreübergreifende Auswahl an europäischen und anderen Comics: das ZACK vereinigt Klassiker, moderne Varianten davon und eine große Zahl an traditionellen wie auch innovativen Serien für mehrere Generationen von Lesern und Leserinnen. Die alten Recken wie Rick Master und Michel Vaillant wurden modernisiert, moderne Serien wie Giant, Haute Cuisine oder Millennium präsentiert und preisgekrönte Werke wie die Morde im Mai veröffentlicht. Dazu kommen Artikel, Infos und Kurzgeschichten.

Der zweite Platz geht an ein Magazin in unserem Nachbarland: JUMP. Die Uitgeverij Personalia hat schon vor einigen Jahren mit dem ebenfalls absolut empfehlenswerten StripGlossy ein sehr erfolgreiches Konzept gelauncht und versucht jetzt wieder etwas Neues. Während früher Kinder eine ganz natürliche Zielgruppe von Comic-Magazinen waren, gibt es diese mittlerweile entweder als ganz spezielle Themenmagazine, meistens orientiert an TV-Sendungen, oder aber als Disney-Publikationen. Ein unabhängiges, comic-fixiertes Medium ist dagegen neben den auf ältere Leser*innen ausgerichteten Heften nicht mehr anzutreffen. Genau diese Lücke versucht Jump zu schließen!

Platz drei geht an das auflagenstärkste Comic-Heft Deutschlands. Mosaik ist eine Institution und begeistert seit über 540 Monaten kleine und große Leser*innen mit den Abenteuern der Abrafaxe in der Zeit. Aktuell befinden sich die Drei in der Südsee zu Zeiten des deutschen Kaiserreiches. In Zusammenarbeit mit der Stiftung Lesen gibt es in jedem Heft weiterführende Infos, Spiele und Museumstipps.

Comeback des Jahres

Zum Schluss noch das Comeback des Jahres: In den 80-er-Jahren war Dani Futuro zu Gast auf den Seiten des Koralle-ZACK und brachte es 1983 auf drei Alben bei Semic. Seit ein paar Tagen ist er zurück und kommt erstmals komplett und einheitlich in insgesamt acht Bänden beim All Verlag! Band 1 beschreibt die Rettung des verschollenen Jungen Dani. Rezension der Nummer 2 folgt in Kürze.

Eure Lieblinge in 2020

Unangefochtener Spitzreiter in 2020 bei den von euch geklickten Beiträgen ist die Ankündigung des Goldenen Hinkelsteins von Uderzo und Goscinny. Dahinter kommen der Katalog zur brillanten Moebius-Ausstellung in Brühl, der aktuelle Lucky Luke, der Jahresrückblick 2019 und der erste Teil von Omaha!

Auf dem sechsten Platz die Vorstellung des zweiten Halbjahres aus dem All Verlag, Geissman’s History of EC Comics, Zep, Der Serienkompass zu Corto Maltese und Walhalla 1.

Lakota, Mechanica Celaestium, Tunga 4, mosaik 532 und das interview mit Ralf König sind 11 – 15, Michel Vaillant 60, Asterix 38, das ZACK 250, der Ausblick von Georg Tempel auf Zack im Jahr 2021 und Allein 11 beschließen den Reigen der meistgelesenen 20.

Was bleibt?

Ich wünsche allen Leser*innen von comix-online Frohe Weihnachten und ein Glückliches neues Jahr, Vrolijk kerstfeest en een gelukkig nieuw jaar und vor allem Gesundheit für Euch und eure Lieben! Stay safe and healthy!

Musikalisch passt zu dieser Zeit des Jahres etwas Weihnachtliches: The Pogues and Kirsty MacColl mit Fairytale of New York! Dazu ein Kerstbock und die Reise durch die Empfehlungen kann losgehen.

© aller Abbildungen bei den jeweiligen Verlagen und Künstler*innen wie in den Linkzielen genannt.

ZACK im Jahr 2021 – Ausblicke von Georg F. W. Tempel

Spannende Einblicke in die Planung

Nach mehr als 20 Jahren hat das ZACK den Verlag gewechselt und erscheint jetzt bei Blattgold. Der Chefredakteur bleibt aber derselbe und so ist auch für die nötige Kontinuität gesorgt. Georg F. W. Tempel hat mit Corona-tauglichem Abstand die folgenden Fragen von comix-online beantwortet. Ich werde das Magazin natürlich weiterhin begleiten und neben den normalen Rezensionen auch für die eine oder andere Serie einen Serienkompass erstellen. Also: Fortsetzung folgt …

Chefredakteur und Verleger in einer Person – Georg F. W. Tempel

Neues Layout und neue Serien

c-o: Hallo Georg, mitten in der Diskussion um einen neuen Lockdown mag man manchmal gar nicht mehr an die Zukunft denken. Trotzdem würde ich mich über einen Ausblick auf das kommende Jahr 2021 für das ZACK freuen. Du hast ja mittlerweile neben der Chefredaktion auch die Verleger-Rolle übernommen.

ZACK-Logo

Ja, da hast du Recht, keiner weiß, wie es in den nächsten Wochen und Monaten weitergehen wird bzw. wohin das alles führen wird. Zumindest haben wir – unsere Grafikerin Sibylle und ich – die Zeit genutzt, um ein bisschen am Layout des Magazins zu feilen. Möglicherweise fällt es vielen gar nicht auf, aber wir haben versucht, das Ganze etwas großzügiger und luftiger zu gestalten. Weitere Details sind die Rubriken am oberen Rand zu Beginn der einzelnen Comics und Beiträge sowie die Zeile am unteren Rand der Seiten. Auch die Artikel werden in Zukunft aufgeräumter aussehen. Und da wir alle nicht jünger werden, haben wir die Schriftgröße angehoben. Ich denke, das dürfte das Lesen der Textbeiträge vereinfachen.

Die neue Einstiegsseite

Außerdem haben wir für 2021 einige – wie wir finden – tolle Lizenzen eingekauft bzw. diskutieren darüber. Los geht’s im Januar mit Das Mädchen von der Weltausstellung, einer Historien-Serie von Jack Manini und Étienne Willem mit einem Schuss Fantastik. Von Willem starten wir im Juni mit Les Artilleuses dann auch gleich die neueste Serie. Im März werden wir mit zwei sehr unterschiedlichen SF-Serien die Leser erfreuen: zum einen Terence Trolley von Serge Le Tendre und Patrick Boutin-Gagné und zum anderen Saul von Willem Ritstier und Apriyadi Kusbiantoro in klassischer Don Lawrence-Optik. Ligne claire-Fans bedienen wir im Juni mit der dänischen Krimi-Serie Aida Nur von Sussi Beech, und mit dem bisher in Deutschland noch unveröffentlichten Jerry Spring-Album von Franz dürften auch Westernfans auf ihre Kosten kommen.

Besonders freue ich mich zudem auf Amoras von Charel Cambré, die modernisierte und erwachsene Version des Klassikers Suske & Wiske. Beide Abenteuer starten im Juli. Außerdem diskutieren wir mit Blackboot gerade den zweiten Teil der New York-Trilogie von Mikael, dessen Giant bei den Lesern sehr gut angekommen ist. Und möglicherweise können wir Ende des Jahres Emile Bravo im Heft begrüßen, was wiederum die Ligne claire-Fans erfreuen dürfte. Und natürlich setzen wir alle begonnenen Serien fort.

Die Zusammenarbeit mit StripGlossy

c-o: Das ZACK übernimmt mehrere Serien aus dem StripGlossy aus der Uitgeverij Personalia (Die Maimorde, Saul, Spaghetti, Macaronis). Wäre in Zukunft vielleicht auch ein umgekehrter Weg denkbar, bei dem Serien zuerst im ZACK erscheinen und dann ggf andere Publikationsformen finden?

Tatsächlich haben wir darüber mit Seb van der Kaaden – im Speziellen über Spaghetti – schon mal gesprochen. Möglich wäre es also. Das hängt natürlich auch davon ab, was Strip Glossy noch in der Pipeline hat.

Auch die Comics bekommen einen neuen Header

Alben aus der ZACK-Edition

c-o: Mit der ersten Ausgabe aus dem Blattgold-Verlag gab es die Möglichkeit für Abonnent*innen ein limitiertes Michel Vaillant Album mit Werbecomics zu erwerben. Kannst du schon sagen, wie diese Aktion angenommen worden ist und ob möglicherweise weitere Aktionen dieser Art geplant sind?

Tatsächlich konnten wir die Zahl der Neu-Abonnenten erfreulich erhöhen. Deshalb sind wir auch sehr zufrieden mit der Aktion und denken über ein weiteres Album in 2021 nach. Ich könnte mir vorstellen eins bis zwei Alben pro Jahr auf diese Art zu veröffentlichen.

Nur für Abonnenten

c-o: Bleiben wir bei dem beliebten Rennfahrer: Die erste Staffel ist ja bis auf einige Sonderbände mittlerweile komplett. Wird es zu der im ZACK laufenden zweiten Staffel weiterhin Alben geben?

Da wir als Blattgold die Alben der zweiten Staffel nicht veröffentlichen, sondern weiterhin der Mosaik Verlag die Serie im Portfolio hat, kann ich darüber eigentlich nichts sagen. Aber gerade Anfang Dezember habe ich die Übersetzung des neunten Albums – Duelle – für den Mosaik Verlag redigiert, da hier wohl irgendeine Werbe-Aktion damit geplant ist. Ich denke, das ist Aussage genug. Bei uns wird die Story im Sommer 2021 in ZACK erscheinen.

Wer vermisst die Wahlen der beliebtesten Serie?

c-o: Seit langen Jahren war die Wahl des ZACK-Helden bzw. später der beliebtesten ZACK-Serie Tradition. Wie sieht es damit in diesem Jahr aus?

Tatsächlich habe ich keine Wahl des ZACK-Helden 2020 geplant, da die Zahl der Teilnehmer zum einen seit Jahren rückläufig ist und zum anderen es eigentlich nie eine wirkliche Überraschung bei den Ergebnissen gegeben hat. Ich fand das Ganze immer ein bisschen redundant, ein Spaß, der aber keine wirkliche Aussagekraft hat, weil die Teilnehmerzahl nicht den Leser-Querschnitt repräsentiert. Sollte jetzt aber der Sturm der Entrüstung über mir einbrechen, würde sich die Wahl ja auch noch im März durchführen lassen …

seit Kurzem dabei – Geschichten aus dem ZACK-Keller

c-o:Möchtest du den Leser*innen von comix-online noch etwas mit auf den Weg geben?

Kauft mehr ZACK! 😉 Nein, das wäre billig! Im Ernst: Geben Sie in diesen Zeiten auf sich acht und bleiben Sie gesund! Ich hoffe, dass wir alle uns 2022 gesund und munter auf dem Comic Salon in Erlangen wieder sehen werden.

c-o: Danke für die Aus- und Einblicke aus erster Hand!

© der Abbildungen 2019/2020 Blattgold Gmbh und den jeweiligen Verlagen

ZACK 258

ZACK 258 (Dezember 2020)

Herausgeber/Chefredaktion: Georg F. W. Tempel

Blattgold Verlag

Heft Din A 4 | 84 Seiten | Farbe | 7,90 €
ISSN: 1438-2792

Das erste Weihnachtsgeschenk ist schon da: Das ZACK hat erstmals ein umlaufendes Cover und das sogar mit einem Weihnachtsbaum! In den mehr als zwanzig Jahren ist das erst das vierte weihnachtliche Motiv nach den Ausgaben 66/2004, 150/2012 und dem bisher unerreichten 78/2005! Hoffen wir also, dass der neue Verlag auch weitere layouterische Neuigkeiten mit sich bringt!

Die Coverstory: Giant

In diesem ZACK gibt es zwar keinen Neustart aber der in 257 begonnene zweite Teil der Graphic Novel Giant von Mikaël hat mit seinem weihnachtlichen Motiv den Platz auf diesem Cover mehr als verdient. Im New York des Jahres 1932 wird einerseits immer mehr Raum für die prosperierende Wirtschaft benötigt und Wolkenkratzer schießen aus dem Boden. Berühmte Fotomotive entsprechen aber nicht immer dem harten Leben. Andererseits herrscht bittere Armut und Männer stehen für Gelegenheitsjobs Schlange. Die Reviere sind zwischen den unterschiedlichen Einwanderergruppen verteilt und werden blutig verteidigt.

Armut herrscht aber auch in Europa und so versuchen viele Frauen ihren Männern nach Amerika zu folgen und müssen die „Immigration“ passieren. Auf diesem Hintergrund entwickelt Mikaël eine spannende Geschichte über einen irischen Arbeiter, der trotz seiner Statur ein großes Herz hat. Giant hatte es nicht geschafft, der Frau seines verstorbenen Kollegen die Wahrheit über dessen Unfall zu schreiben und muss nun erfahren, dass sie sich auf den Weg gemacht hat. Für mich eine der besten aktuellen Serien!

Die Fortsetzungen

Aber es gibt natürlich auch noch ganz andere Geschichten: Das Wüstenschwert steuert so langsam auf die Entscheidung zu. Mick Tanguy versucht den Angriff der feindlichen Kräfte aus der Luft abzuwehren und muss feststellen, dass eine List angewendet wird. Laverdure, der für fluguntauglich erklärt worden war, versucht derweil die Terroristen in der Hauptstadt zu bekämpfen. Natürlich ist das Skript von Patrice Buendia und Frédéric Zumbiehl übertrieben und auf Action ausgerichtet. Tatsächlich kann man sich aber sehr gut vorstellen wie heutzutage Stellvertreterkriege mit wirtschaftlichen Interessen kombiniert werden können und religiöse Eiferer das Kanonenfutter geben. Sébastien Philippe hat das Ganze in schöne Bilder gesetzt. Wüsten, Flugzeuge und Straßenkampf liegen ihm gut und so wird er nicht nur Fans der alten Serie für sich gewinnen können.

Die Milliarde der Emigranten führt uns dagegen in den ersten Teil des 19. Jahrhunderts. Julien Maffre zeichnet die Bank mehr in Pastelltönen und lässt Action eher selten das Tempo bestimmen. Boisserie & Guillaume erzählen ihren Wirtschaftskrimi gemächlich und erklären ganz nebenbei, welche Entscheidungskriterien Investitionen beeinflussen können. Eisenbahnlinienplanung kann auch außerhalb des Wilden Westens spannend sein!

Harmony bringt uns dann wieder zurück in die heutige Zeit. Die Frage des Umgangs mit einer Gruppe von Kindern mit speziellen Fähigkeiten steht im Mittelpunkt: Sollen sie geschützt und gefördert oder zu Waffen umfunktioniert werden? In Ago kommt es erneut zu einer gewalttätigen Auseinandersetzung als die geflohenen mutierten Kinder und ihre Begleiter*innen von dem militärischen Einsatzleiter auf der Straße gestellt werden. Mathieu Reynés hat eine sehr moderne Story geschaffen die SF und Mystery-Elemente miteinander verbindet. Grafisch legt er Wert auf Emotionen und so sind häufig nur formatfüllende Gesichtsausschnitte zu sehen. Er kann aber auch detaillierte Umgebungen präsentieren und ist sehr abwechslungsreich. Spannende Story mit sehenswerter Umsetzung!

Der Abschied

13 Tage Vorbereitungszeit hatte Michel Vaillant für sein erstes Formel 1-Rennen seit Jahren. Körperliche und mentale Fitness sind absolute Voraussetzung für diesen Sport, bei dem es auf hundertstel Sekunden ankommt und eine minimale Unaufmerksamkeit Millionen kosten kann. Es braucht aber auch eine gute Taktik, um auf Wettergegebenheiten reagieren zu können und Reifenwechsel zu timen. Wird der erfahrene Rennfahrer in einem unbekannten Team mit ebenfalls unbekanntem Gerät alles abrufen können?

Philippe Graton und Denis Lapiére sind absolute Kenner der Materie und schaffen es, diese ganze Kenntnis zudem noch spannend zu verpacken! Nie kommt das Ganze belehrend rüber! Das liegt allerdings auch an Benjamin Benétau und Vincent Dutreuil, die die Bilder dazu geliefert haben. Wie bei einer Reportage wird das Geschehen von kleinen, überlagerten Panels aus kommentiert, der Regen und die Motorengeräusche so gut visualisiert, dass es fast zu hören ist. Das Thema ist sicherlich eher für eine kleinere Zielgruppe, die Umsetzung aber so gut, dass auch andere ihren Spaß daran haben werden! Für die voraussichtlich 8 Monate bis zum nächsten Abenteuer bleiben nur Alben übrig.

Und sonst?

Bernd Hinrichs präsentiert den schon 10. Teil seiner Serie über Comicverfilmungen abseits der Superheldenstories und mit der Vorstellung der Graphic Novel von George Takei schließt sich in gewisser Weise ein Kreis: Als Sulu war er Teil der Crew der Enterprise die zu Koralle-Zeiten auch durch das ZACK flog. Unter seinem Namen hat er eine Geschichte über seine Jugend geschrieben – They called us enemy beschreibt die Internierungen von japanisch-stämmigen US-Bürger*innen während des Zweiten Weltkriegs. Gut, dass auch solche Themen im ZACK ihren Platz haben!

Dazu kommen wie üblich der Vater der Sterne, Parker & Badger sowie eine Untersuchung des richtigen Jagdverhaltens in Tizombi von Cazenove und Maury. Meiner Meinung nach immer noch gnadenlos unterschätzte Zwischenmahlzeiten!

Musikalische Untermalung könnten bei diesem Heft The Primitives mit ihrem zeitlos schönen Gitarrenpop bieten. Warum dazu nicht mal einen Tonic mit einem selbstangesetzten Gin auf Wodka-Basis mit Wacholderbeeren, Chili und Orangenschalen probieren?

© der Abbildungen 2020 bei den jeweiligen Zeichnern und Verlagen c/o Blattgold GmbH

ZACK 257

ZACK 257 (November 2020)

Herausgeber/Chefredaktion: Georg F. W. Tempel

Blattgold Verlag

Heft Din A 4 | 84 Seiten | Farbe | 7,90 €
ISSN: 1438-2792

Die Ausgabe für den Monat des neuen Teil-Lockdowns enthält genügend virtuelle Reisemöglichkeiten, um den eigenen vier Wänden ein wenig entfliehen zu können. Außerdem erlaubt sie ein wenig Vorfreude: Einerseits wird das letzte, in Deutschland bisher noch unveröffentlichte Jerry Spring-Album im kommenden Sommer seinen Weg in das ZACK finden, vor allem aber die aktuell beste Serie aus dem niederländischen Sprachraum: Amoras! Freut euch auf eine sehr moderne Version eines Klassikers! Und noch eine Vorbemerkung: Nur Abonnenten haben die Möglichkeit, das limitierte Michel Vaillant Spezial 1 zu erwerben. Ein ganz spannender Versuch, Sammler- und Verlagsumsatzinteressen zu vereinen, oder? Schreibt eure Meinung gerne in die Kommentarfelder! Und eine entschuldigung vorweg: Der Scanner ist leider auch in den Lockdown gegangen und deshalb musste ich auf Fotos zurückgreifen.

Der Neustart

Giant ist zurück! Die von Mikaël allein verantwortete Serie erzählt vom Kampf der irischen Arbeiter im New York des Jahres 1932 gegen Arbeitsbedingungen, Armut und andere Migranten, insbesondere die Italiener. Jede Nationalität hat sich ihr eigenes Revier geschaffen und verteidigt es. Giant hatte das am eigenen Leib erfahren müssen und wird jetzt von Arbeitskollegen in seine Wohnung geschleppt und dort von einem Tierarzt behandelt. Gleichzeitig haben Mary Ann und ihre Kinder Staaten Island erreicht und versuchen, in die USA einreisen zu dürfen. Mary Ann war die Frau von Giants Arbeitskollegen Ryan. Der große Ire hatte es aber nicht über sein Herz gebracht, ihr vom Tod ihres Mannes zu schreiben, sondern hatte sogar in seinem Namen geschrieben und Geld geschickt. – Eindrucksvolle Bilder, die die damalige Armut und Arbeitsbedingungen gut wiedergeben und einen Blick auf europäische Wirtschaftsflüchtlinge werfen. So lange ist das noch gar nicht her. History Graphic Novel.

Die Fortsetzungen

Schon in die zweite Runde geht Das Wüstenschwert aus der Reihe Tanguy & Laverdure. Die beiden Kampfpiloten der französischen Armee sind auf einem Einsatz im Nahen Osten und versuchen, einen Krieg zu verhindern. Laverdure war mit seiner Maschine angestürzt und auf Umwegen auf einem Minengelände im Grenzgebiet gelandet. Dort muss er feststellen, dass in dem schwerbewachten Areal illegal Bodenschätze abgebaut werden. Die islamistischen Rebellen scheinen darin verwickelt zu sein! Spannende Geschichte von Buendia und Zumbiehl die etwas erzählen, was durchaus passieren könnte, und so sehr aktuell sind. Philippe bekommt dadurch die Möglichkeit neben Fluggeräten und Luftkämpfen auch Wüsten und vor allem viele menschliche Aktionen zu zeichnen und bewältigt beide Aufgaben grandios. Politischer (aber nicht nationaler) Fliegercomic.

Auch Die Bank war im letzten Heft gestartet, bekommt aber erst jetzt das Titelbild. Boisserie & Guillaume zeichnen ein Sittengemälde über das Frankreich Mitte des 19. Jahrhunderts. Prostitution oder vielleicht besser Mätressentum ist gerade auch in den höheren Schichten gang und gäbe und verspricht noch immer Einfluss. Da Charlotte de Saint-Hubert so zwar viele Informationen bekommt, ihren Bruder aber trotzdem nicht besiegen kann, ist sie gezwungen, noch einen Schritt weiterzugehen. Maffre setzt die Texte mit eigenwilligem Strich um. Dabei legt er keinen Wert auf Schönheit, sondern auf Emotionen und schafft so eine eindringliche Stimmung! History-Thriller aus der Hochfinanz.

Weiter geht es mit Harmony. Im dritten Teil von Ago versuchen die mutierten Kinder aus ihrem Gefängnis zu entkommen. Harmony gelingt es dabei, Kontakt zu den verbündeten Erwachsenen aufzunehmen. Richards Reaktionen werden immer gewalttätiger und die ersten Toten sind bereits zu beklagen. Die Mutantenstory von Mathieu Reynés nimmt immer mehr Fahrt auf, die am Computer entstandenen Zeichnungen und vor allem ihr Layout sind sehr abwechslungsreich und unterstützen die Dynamik. Da Harmony ursprünglich für eine Magazinveröffentlichung konzipiert worden war (Spirou) sitzen die Cliffhanger natürlich perfekt! Mutanten-Science Fiction aus der Jetztzeit.

Den Abschluss (und keinesfalls das Schlusslicht) bildet Michel Vaillant. Er hatte 13 Tage Zeit, sich auf sein erstes Formel 1-Rennen seit Jahren vorzubereiten und nun ist es endlich soweit! Als er das erste Mal am Steuer des Boliden sitzt und sich zu qualifizieren versucht, kommt ihm natürlich seine große Erfahrung zu Hilfe aber wird das für eine gute Platzierung reichen? Aber es gibt ja auch noch die gute Nase des Champions. Philippe Graton und Denis Lapière sind auf den Pisten dieser Welt zuhause und können daher sehr detailliert die Abläufe beschreiben und sie in eine spannende Geschichte einbauen. Benéteau und Dutreuil sind mit ihren Zeichnungen auf gleichem Niveau! Modernisierte Form des Motorsportklassikers!

Und sonst?

Natürlich sind der Vater der Sterne und Tizombi wieder dabei aber auch mit gleich zwei neuen Auftritten der rasende Spaghetti. Wie gut, dass er seinen Weg aus dem StripGlossy in das ZACK geschafft hat. Dazu kommen News, Rezensionen, ein Artikel über die aktuelle L. Frank-Gesamtausgabe und eine tiefergehende Besprechung von Prinz Gigahertz. Wie immer also eine runde Sache. Für 4 Wochen Corona-bedingte Entschleunigung wird das natürlich nicht reichen, es ist aber zumindest schon mal ein sehr guter Anfang!

Dazu passen der vor kurzem verstorbene Soul-Interpret Johnny Nash und angesichts der viel zu warmen Temperaturen ein gekühlter moderner Riesling!

© der Abbildungen 2020 bei den jeweiligen Zeichnern und Verlagen c/o Blattgold GmbH

Schnurrer – Das war Schwermetall 2

Band 2: 1988 – 1999

Texte zur graphischen Literatur Band 4

Text: Achim Schnurrer

Verlag Volker Hamann Edition Alfons

Paperback | 240 Seiten | Farbe | 24,95 €

ISBN: 978-3-946266-22-8

Schwermetall?

Das Comicmagazin Schwermetall war eine der langlebigsten Comicpublikationen Deutschlands und hat sicherlich einen prägenden Einfluss auf eine ganze Menge von Comicleser*innen gehabt. Wenn ich dem Autor glauben darf, waren die Geschlechter durchaus ungleich verteilt aber beide vorhanden. Das Magazin lebte von seiner Vielfalt in der Themenauswahl, der dargebotenen Stilrichtungen, dem Ruf der abgedruckten Künstler*innen, vor allem aber sicherlich wegen seiner Freizügigkeit.

Achim Schnurrer war die letzten 14 Jahre Chefredakteur von Schwermetall und dem Schwestermagazin U-Comix, später auch Verlagsinhaber der Edition der Comics. Dieser Verlag übernahm in den 90-ern den Alpha Comic Verlag und die beiden Magazine sowie diverse Albenpublikationen. Der erste Teil des Rückblicks ist bereits vor einiger Zeit als Band 2 dieser Reihe erschienen.

Achim Schnurrer erzählt in einem sehr launigen Stil anhand der Cover und Inhaltsverzeichnisse der Ausgaben 100 bis 219/220 und verrät dabei die eine oder andere Episode mit diversen Künstler*innen oder Freund*innen der Neunten Kunst. Schwermetall richtete sich explizit nur an Erwachsene und brachte die Inhalte von Metal Hurlant, Charlie Mensuel, Hara Kiri oder Zona nach Deutschland. Dazu gab es immer wieder auch deutsche Beiträge, die dann teilweise sogar den umgekehrten Weg gingen. Moebius, Andreas oder etwa Miguelanxo Prado fanden so ihren Weg nach Deutschland. Daneben gab es aber auch Künstler wie Magnus, Serpieri oder Denis Sire deren Werke eher dicht an pornographischer Natur waren.

Wer in diese Zeit eintauchen möchte, findet mit den Erinnerungen von Achim Schnurrer, die dieser in Art einer Kaminfeueratmosphäre erzählt, sicherlich einen guten Einstieg. Wer damals in der Sprechblase die Erinnerungen von Peter Wiechmann verfolgt hat, weiß, was ich meine.

Strong arm of the law

Wie könnte es anders sein: Immer gibt es jemanden, der sich an der Kunst stört, sie nicht versteht und deshalb glaubt, andere davor beschützen zu müssen. So war es auch damals: Ein Staatsanwalt meinte jugendgefährdendes Material in Comics im Allgemeinen, im speziellen aber in solchen des Alpha Comic Verlages zu finden. In einer beispiellosen Verfolgungswelle wurden Verlag, Auslieferung und hunderte Buchhandlungen in ganz Deutschland durchsucht, absurde Konstrukte in die Welt gesetzt (etwa, dass das Cover „Maus“ von Spiegelman den Nationalsozialismus verherrliche) und verschiedenste Prozesse angestrengt.

Damals gab es eine große Welle der Solidarität und viele der Verfahren wurden eingestellt. Im Ergebnis waren aber Kunst der Comics/Alpha Comic und die Auslieferung Packwahn pleite und Schwermetall und U-Comix verschwanden von der Bildfläche. Sehr emotionale Ausführungen dazu in diesem Band! Natürlich stehen diese Anfeindungen in einer langen Deutschen Tradition gegen sog. Schmutz und Schund. Und ebenso natürlich kommen viele Argumente aus den USA von dem berüchtigten Herrn Wertham und galten schon damals als widerlegt. Der Schaden war aber angerichtet!

Ein weißer, alter Mann regt sich auf

Schnurrer schlägt allerdings einen großen Bogen von der größtenteils  berechtigten Kritik an der überzogenen Reaktion des Staates gegen „die Kunst“ zu der heutigen Debatte um Rassismus, Sexismus und korrektes Verhalten. Der sich selbst als weißen, alten Mann bezeichnende Autor will nicht verstehen, dass sich Künstler (sic!) die Frage gefallen lassen müssen, ob ihre Geschichten frauenverachtend und gewaltverherrlichend sind! Es ist alles andere als Zensur, wenn sich Minderheiten über die Behandlung durch Mehrheiten beschweren, wenn Frauen misogyne Erzählungen kritisieren und nicht mehr unter dem Label der Kunstfreiheit hinnehmen wollen.

Hier zeigt sich leider sehr deutlich, dass Nutznießer der Macht (also Männer in führenden Positionen) dazu neigen, jede Kritik als unberechtigt abzutun. Dabei kommen allerdings sehr witzige Konstrukte zum Vorschein, wie etwa, dass  ein Künstler, der Frauen auf ihre ständige Verfügbarkeit als Sexobjekt reduziert und die entsprechenden Handlungen auch aus allen Perspektiven voyeuristisch darstellt, ja eigentlich Kritik an dem eindimensionalen Männerbild übe.

War im ersten Teil die Auseinandersetzung mit diesem Thema noch gänzlich unterblieben, hat Schnurrer sie hier in einem Extrakapitel wenigstens geführt. Leider nicht mit sich selber, mit einer zeitgebundenen Einstellung die aus heutiger Sicht anders zu betrachten wäre, sondern nur mit den seiner Ansicht nach moral-getriebenen Kritikern, die schon wieder Zensur ausüben wollten.

Im letzten ZACK gab es einen gut hergeleiteten Kommentar über die Vergleichbarkeit von Sex-Shops und Comic-Läden in den 70-er Jahren. Leider beweist Achim Schnurrer wie wenig abwegig dieser Vergleich war. Comic-Läden haben sich seitdem sehr stark geändert und die Comic-Kultur hat sich weltweit geöffnet und entwickelt. Für einige der alten Protagonisten gilt das leider nicht!

Fazit

Die Texte zur graphischen Literatur wollen einen Einblick in die faszinierende Welt der Comics und darüber hinaus bieten. Das gelingt sicherlich! Außerdem ist dieser Band natürlich eine Fundgrube für alle Statistiker*innen unter uns: was ist wann und wo erschienen, inklusive Originaltitel und Erstveröffentlichungsangaben. Wie immer bei der Edition Alfons lobenswert und hilfreich.

Auch die launigen Erinnerungen an die Zeit von Schwermetall sind auf jeden Fall ein Zeitdokument und somit interessant. Die Statements zur aktuellen Debatte werden dagegen hoffentlich nicht unwidersprochen bleiben.

Dazu passen eine Kanne Kaffee und die Lassie Singers!

© der Abbildungen 2020 by Achim Schnurrer / Edition Alfons

ZACK 256

ZACK 256 (Oktober 2020)

Herausgeber/Chefredaktion: Georg F. W. Tempel

Blattgold Verlag

Heft Din A 4 | 84 Seiten | Farbe | 7,90 €
ISSN: 1438-2792

Alles neu macht in diesem Fall der Oktober und so erscheint das ZACK ab dieser Ausgabe über alles gesehen bei dem dritten Verlag, nämlich der Blattgold GmbH. Ansonsten ändert sich aber wenig, denn Internet und social-media Auftritte bleiben unverändert, die Chefredaktion auch! Für Abonnent*innen gibt es allerdings jetzt die Möglichkeit, neue limitierte Titel der ZACK-Edition zu erwerben. Sie sind nur mit der jeweiligen Abo-Nummer bestellbar und dienen somit auch der Leser*innenbindung. Der erste Band ist eine Sammlung von Werbecomics des klassischsten unter allen ZACK-Helden: Michel Vaillant. Ein interessanter neuer Ansatz auf dem schwierigen Markt – comix-online wird weiter berichten!

Die Neustarts

Gleich zwei Serien gehen mit neuen Fortsetzungen an den Start: Den Anfang machen die französischen Kampfpiloten Tanguy & Laverdure. Das Wüstenschwert schließt direkt an die letzte Geschichte an und so findet sich Ernest Laverdure mitten in der Wüste Bidayat neben seinem abgestürzten Flugzeug wieder. Er befindet sich im Grenzgebiet von Dahman und Nijaq das von scheinbar religiös begründeten Streitigkeiten bedroht wird, aber auch Gebiet von Drogenschmugglern und wirtschaftlichen Ausbeutern ist. Da die Region von strategischer Bedeutung für Frankreich ist, befinden sich die beiden Piloten dort auf offizieller Mission. Grandiose Zeichnungen von Sébastien Philippe unterstützen eine politisch interessante, spannungsgeladene Story von Patrice Buendia und Frédéric Zumbiehl. Sehr gelungene Neuinterpretation eines Klassikers, immer noch etwas französisch patriotisch, aber offen!

Ebenfalls wieder dabei ist Die Bank von Pierre Boiserie & Philippe Guillaume. Die Milliarde der Emigranten beginnt im Paris des Jahres 1825. Charlotte de Saint-Hubert, die Heldin der Story, glaubt aufgrund eines neuen Gesetzes ihr verlorenes Vermögen zurückerhalten zu können und beginnt den mühsamen Weg durch die Bürokratie. Dadurch könnte sie vielleicht ihre Tätigkeit als Prostituierte aufgeben, doch sie stößt auf unerwartete Schwierigkeiten. Julien Maffre ist ein Meister des Dekors und der Architektur und versieht seine Personen mit einem leicht karikierenden Antlitz. Sehenswert!

Die Fortsetzungen

Mathieu Reynés macht bei Harmony alles allein. Die Erzählung über mutierte Kinder mit besonderen Eigenschaften und den Versuch des militärisch-industriellen Komplexes, diese Fähigkeiten auszubeuten, ist bereits in der dritten Runde, Ago, und bekommt immer mehr handelnde Akteure. Während sich auf der staatlichen Seite der Konflikt um die „Führung“ der Kinder fortsetzt, bekommen diese ohne es zu wissen neue Verbündete. Spannende, modern erzählte und mit technischem Equipment grafisch gut erzählte Serie aus Spirou.

Der oben bereits angesprochene klassische Rennfahrer erlebt auch in seiner modernen Reinkarnation gerade spannende 13 Tage. Genau diese Zeit verbleibt Michel Vaillant zwischen Entscheidung und erstem Formel 1-Rennen seit Jahren für seine Vorbereitung. Philippe Graton und Denis Lapière sind ganz dicht dran am tatsächlichen Ablauf und so erfahren wir mehr über das Reglement bezüglich der Trainingsfahrten. Alles ist heutzutage limitiert und so darf der Pilot in Spe immer noch nicht hinter dem Steuer seines Wagens Platz nehmen. Währenddessen fängt die Presse an, ihr Spiel zu spielen. Der Grat zwischen Held und Loser ist sehr schmal.

Der Abschied

Der für mich bisher beste Western des Jahres ist leider schon wieder durch. Der Sheriff von Jérôme Felix beschreibt sehr desillusioniert den Übergang des Zeitalters der Cowboys in das industrielle Zeitalter, das von Eisenbahnen und Konzernen geprägt sein wird. Es bringt aber auch die Unterschiede zwischen Schein und Wirklichkeit, Moral und Gewinn zum Vorschein. Paul Gastine hat den One-Shot brillant umgesetzt: wechselnde Panel-Größen unterstützen die Geschwindigkeit, die Farben werden von den anfänglich hellen optimistischen Tönen immer dunkler und der klassische Show-Down offenbart die filmischen Anleihen!

Und sonst?

Auch im neuen Verlag beweist das ZACK seine Ausnahmestellung auf dem deutschen Markt: Nirgendwo sonst bekommt man als Leser*in einen so großen Querschnitt aktueller, nicht US-amerikanisch oder asiatisch geprägter Comic-Kunst und die Ankündigungen im Vorwort für neue Serien deuten an, dass es so weiter geht!

Die „Füller“ wie Tizombi, Parker & Badger und in dieser Ausgabe sogar der Vater der Sterne tragen ebenfalls zum Genuss bei! Dazu kommen wie immer die Rubriken mit News, Rezensionen und einer Liste der in diesem Monat erscheinenden Comics mit hohem Nutzwert. Der schon neunte Teil über Comicverfilmungen von Bernd Hinrichs ist mittlerweile bei den Schlümpfen angekommen und Christian Endres stellt Unfollow vor.

Also: Bleibt zuhause und macht euch eine schöne Zeit mit dem aktuellen ZACK, genießt ein kühles Kellerbier und lauscht den Interruptors, die ebenfalls eine moderne Variante einer klassischen Richtung abliefern!

© der Abbildungen 2020 bei den jeweiligen Zeichnern und Verlagen c/o Blattgold GmbH

ZACK 255

ZACK 255 (September 2020)

Herausgeber: Klaus D. Schleiter

Chefredaktion: Georg F. W. Tempel
MOSAIK Steinchen für Steinchen Verlag
Heft Din A 4 | 84 Seiten | Farbe | 7,90 €
ISSN: 1438-2792

Der Neustart

Emotionen prägen diese Ausgabe und auch der dritte Teil von Harmony verspricht bereits auf dem Cover eine Menge davon. In Ago wird ein wenig aus dem Verborgenen erzählt und es wird klar, dass die Kräfte, die bei Harmony und einigen anderen Kindern auftreten, keine zufälligen Mutationen sind, sondern in Bezug zueinanderstehen. William muss seine Wut zügeln, um Leben zu retten, Tala ist noch die Ruhe selbst und die Leitung der Operation scheint wieder offen für Veränderungen zu sein. Mathieu Reynés schafft es erneut, Spannung von der ersten Seite an aufzubauen und eine einzigartige Mutantengeschichte zu erzählen. Sein Stil ist dabei viel detaillierter geworden und die Computergrafikeffekte werden zum Glück seltener eingesetzt. Moderner Actionkracher mit Mystery-Komponenten.

Die Fortsetzungen

Es dürfte allgemein bekannt sein, dass die gehobene Küche kein Platz für Sentimentalitäten bietet und der Ton oft mehr als rau ist. So schlagen die Wellen auch im Hauptgang des Dreiteilers Haute Cuisine hoch, geht es doch schließlich um verletztes Vertrauen, Neid und die Gier nach Erfolg. Trotzdem schaffen es Fanny Desmarés und Delphine Lehéricey, auch wärmere Töne in ihre Geschichte einzubauen. Luc Bradys Talent liegt eher in der Stimmung und der szenischen Abfolge der Zeichnungen, die den Fluss der Geschichte sehr gut treiben. Die Gesichter sind nicht immer ganz gelungen.

Michel Vaillant ist zwar ein Rennfahrer mit Leib und Seele, er hat aber schon lange nicht mehr am Steuer eines Formel 1 Boliden gesessen. Nun bleiben ihm nur 13 Tage, um sich darauf vorzubereiten, und Phillipe Graton und Dennis Lapière nutzen all ihre fundierte Fachkenntnis um uns Leser*innen daran teilhaben zu lassen. Alle Hobbysportler*innen können für sich selbst feststellen, was alles zu einem Top-Profi fehlt: die Einheit zwischen körperlicher und mentaler Fitness muss auf den Punkt da sein, von der fehlerfreien Beherrschung des technischen Gerätes mal abgesehen. Spannende Einblicke in das Geschehen vor dem Rennen, von Benjamin Benéteau und Vincent Dutreuil ansprechend umgesetzt. Dieser Klassiker hat den Sprung in die Moderne wahrlich geschafft!

Emotionen ganz anderer Art stehen bei den Vorkommnissen in dem kleinen Örtchen Sundance im Vordergrund: Nach dem Tod des kleinen Bennett sinnen Russell und Kirby auf Rache. Sie haben ein Ultimatum gestellt und wollen, dass der Mörder ausgeliefert wird. Die Lehrerin versucht zu erklären und steht plötzlich zwischen den beiden Männern. Jerôme Felix hat mit Der Sheriff einen Western im Stil der alten Klassiker geschaffen, Paul Gastine verleiht dem Ganzen eine lange nicht gesehene Lebendigkeit. Es bleibt dabei: dieser One-Shot ist für mich ein heißer Kandidat für den ZACK-Helden des Jahres.

Der Abschied

Die Millenium-Saga ist dagegen mit dem Ende von Versuchung vorerst wieder aus dem ZACK verschwunden. Es stehen noch einige offene Fragen im Raum: Wer steckt hinter der geheimnisvollen Organisation Sparta? Was ist die Verbindung zu den Frauenhassern? Und schließlich interessiert natürlich auch, ob Lisbeth und Mikael die fast ausweglose Situation in dem Seminargebäude überleben können. Sylvain Rumbergs Weiterführung der Geschichte um die Hackerin ist ein formidabler Thriller, der dem Original das Wasser reichen kann. Belén Ortega setzt das Ganze so krachend und düster um, dass es Spaß macht! Jetzt beginnt die Wartezeit auf den nächsten Teil.

Der (nicht minder wichtige) Rest

Natürlich wäre da ZACK nicht komplett ohne die Infos, Rezensionen und die Kurzcomics! Während Tizombi und der Vater der Sterne ja schon lange dazugehören, taucht Spaghetti erst das zweite Mal auf. Glücklicherweise gibt es aber eine Vereinbarung mit der Uitgeverij Personalia über eine langfristige Zusammenarbeit. Mehr dazu im Interview mit Seb van der Kaaden.

Die längeren Beiträge befassen sich in der 255 mit den neuen Abenteuern von Corto Maltese, dem einzigen ZACK-Helden dessen Geschichte zu Koralle-Zeiten abgebrochen worden war und dem Schloss der Tiere!

Noch ist es möglich, dass Heft draußen zu genießen. Wegen der Nachbarn empfiehlt sich daher eher leisere Musik, etwa Parallel Lines von Blondie und ein gut gekühlter, leichter Weißwein.

Abbildungen © 2020 MOSAIK Steinchen für Steinchen Verlag und den jeweiligen Zeichnern und Verlagen

JUMP 1 – August 2020 und StripGlossy 17 – June 2020

JUMP 1

Herausgeber: Mirjam van der Kaaden & Seb van der Kaaden

Chefredaktion Tim

Verlag Uitgeverij Personalia

Heft Din A 4 | 48 Seiten | Farbe | 4,25 €
ISBN: 978-9-49284-086-8

Das JUMP ist ein neues, monatliches Comic-Magazin für Kinder in den  Niederlanden und im flämischen Teil von Belgien. Früher gab es verschiedene Magazine für diese Zielgruppe, etwa Robbedoes, Kuifje oder Suske en Wiske weekblad. Heute sind nur noch die verschiedenen Titel aus dem Hause Disney übriggeblieben sowie TV-Lizenzprodukte. Zeit also, etwas Neues zu wagen.

Das neue Comic-Magazin für Kinder

Der Chefredakteur Tim

Die Chefredaktion ist mit Tim besetzt, einem 10-jährigen. Näher dran an der Zielgruppe war wahrscheinlich noch nie eines der Magazine für Kinder. Tim ist ein typischer Vertreter seiner Altersgruppe, denn er spielt Computerspiele, skatet und malt selbst Comics. Was läge also näher, als auf seine Auswahl zu vertrauen. Tim macht aber noch mehr, denn er führt Interviews mit Comickünstler*innen. Diese haben nicht nur Fragen, die Erwachsene glaubhaft nicht wirklich stellen dürften, sie sind auch noch grafisch aufbereitet und lockern das Ganze dadurch sehr gut auf! Weiter so!

Chefredakteur Sven – Foto GEERT JOB SEVINK

Die Comics

Titelheld*innen sind Dweezil, Brains, Lisa und der Hund Armando, zusammen JUMP. Sie sind ein so unterschiedlicher Haufen, dass sie sich perfekt ergänzen und geben ihrem Schöpfer Charel Cambré endlich einmal das Vergnügen, seine eigenen Figuren weiterzuentwickeln. Damit ist ein echtes Comic-Schwergewicht (Robbedoes, Amoras) am Start, dem man anmerkt, dass er wie immer mit viel Spaß beteiligt ist. Das Covermotiv ist dann auch gleich als Poster zum Herausnehmen ein Extra.

Dazu kommt eine bunte Mischung aus kleinen Strips, Einseitern und längeren Geschichten. Stilistisch geht es dabei von dem Marcinelle-artigen Stil Cambrés bis zu chaotischen Kritzeleien. Die Witze, die Zeichenschule und das Niveau der Geschichten sind dabei auf das Publikum ab 8 ausgerichtet, ohne allerdings darauf beschränkt zu sein. Im Gegensatz zum Eppo werden hier die Comics für Ältere aber wohl ausbleiben.

Aber auch ein Klassiker ist dabei: Suske en Wiske von Willy Vandersteen haben es nach Jahren endlich wieder in ein Magazin geschafft. Den Anfang macht De Koddige Kater. Gefallen hat mir das einleitende Gespräch von Tim mit Helena, dem real existierenden Vorbild für die Figur der Wiske!

Passt das?

Ja, das passt sogar gut! Comics für Kinder sind der Einstieg in so vieles und minderwertige Qualität oder das Fehlen von Angeboten sind später nicht wieder aufzufangen. Dem Konzept entsprechend wird JUMP auch im Supermarkt ausliegen, die angepeilte Zielgruppe geht noch nicht in andere Verkaufsstellen. Mehr dazu auch im Interview mit Verlagsleiter Seb van der Kaaden. Viel Glück mit diesem Projekt, dem Wirken des jungen Chefredakteurs und dem Konzept!

Dazu eine Erdbeermilch und ein Tonträger der letzten Kinderdisco!

Stripglossy 17 – Korona Krisis

Herausgeber: Mirjam van der Kaaden & Seb van der Kaaden

Verlag Uitgeverij Personalia
Heft Din A 4 | 104 Seiten | s/w / Farbe | 8,95 €
ISBN: 978-9-49284-085-1

Etwas später als gewohnt das Review der aktuellen StripGlossy. Geplant war, sie zusammen mit dem Interview zu bringen, das sich wegen Corona und dem Projekt JUMP aber immer mehr nach hinten geschoben hatte. Nun ja, es ist immer noch früh genug denn die nächste Ausgabe kommt erst im September.

Ist alles farblos geworden?

Wenn man die 17. Glossy durchblättert, könnte man fast diesen Eindruck gewinnen. Zwar hat sich ein wenig Farbigkeit in den Artikel über die Comic-Ikone Hein de Kort geschlichen. Sie ist aber eher (chaotisches) layouterisches Stilmittel denn inhaltlicher Bestandteil. Fred de Heij erzählt weiter hinten im Heft, wie sehr er von schwarz-weißen Comics geprägt worden ist, welche Linienführung er (nicht) vermisst hat und wie sehr eine gute Kolorierung schlechte Zeichnungen „verbessern“ kann.

Die Farblosigkeit soll aber natürlich vor allem an die Einschränkungen durch die Krise erinnern: Angst um die Gesundheit, vor finanziellen Einbußen, vor dem Verlust des „Normalen“ und die Unsicherheit, wie es weitergehen wird.

Viele der kurzen Comics haben dann auch die aktuelle Situation zum Thema und setzen sich satirisch mit Klopapierkaufaktionen (Van de Redactie, Spaghetti), den Abstandsregeln (Man en Paard) oder Viruserkrankungen im Allgemeinen (Rode SFYNX, Margreet de Heer oder Sjors & Sjimmie) auseinander. Sehr eindringlich ist dabei das grafische Tagebuch von Anco Dijkman über einen Krankenhausaufenthalt mit Coronaverdacht!

Ein ganz neuer Blick

Auf jeden Fall aber ist diese Ausgabe eine (wohl einzigartige) Gelegenheit, die länger laufenden Geschichten unter einem ganz neuen Blickwinkel kennenzulernen! Metro 2033, Tom Poes, Jelmer und sogar De Generaal bieten ihre Seiten dar, wie sie sonst nur der Kolorist zu sehen bekommt. Diese Details werden vereinzelt in Luxusausgaben dargeboten oder sind auf Ausstellungen der Originalzeichnungen sichtbar. In dieser Breite aber hat das etwas Einmaliges. Dazu kommt die Chance Saul noch einmal anders wahrzunehmen, denn hier werden tatsächlich die Vorzeichnungen gezeigt. Allein das ist schon ein Grund, das Heft auch jetzt noch kurz vor Erscheinen der Nummer 18 auf die Einkaufsliste zu setzen.

Für die Leser*innen des ZACK bieten sich im Übrigen auch zwei besondere Einblicksmöglichkeiten, denn hier findet sich die schwarz-weiße Variante für Spaghetti aus der 255 und Saul wird dort demnächst in Farbe folgen.

Fazit

StripGlossy beweist erneut, dass das Konzept lebt, sich ständig neu erfindet und noch lange nicht totgeritten ist. Thema von außen angenommen, ernsthaft behandelt und präsentiert, den Spaß dabei nicht verloren und als Chance genommen, um Außergewöhnliches zu präsentieren! Was will man mehr?

Dazu ein kühles Landbier und The Maytals!

Abbildungen © 2020 StripGlossy / JUMP / Personalia vof

Foto GEERT JOB SEVINK

Interview mit Seb van der Kaaden

Der Chef der Uitgeverij Personalia stellt sich unseren Fragen

Die Uitgeverij Personlia gibt es seit 1999. In diesem Verlag erscheinen nicht nur Comics in verschiedenen Formaten, sondern auch andere Titel, der Schwerpunkt liegt aber sicherlich auf „Strips“.

Der Verlag

Einerseits ist den Leser*innen von comix-online sicherlich schon die eine oder andere Rezension des StripGlossy aufgefallen, handelt es sich doch um eine sehr besondere Mischung aus aktuellen Comics aus dem niederländischen Sprachraum und Artikeln über die Frauen und Männer hinter den Bildern. Eine Besprechung der Corona-Ausgabe kommt in ein paar Tagen. Neu ist dagegen JUMP, ein regelmäßiges Comic-Magazin für Kinder. Auch hier gibt es in ein paar Tagen Näheres.

Das neue Comic-Magazin für Kinder

Zum anderen hat die Uitgeverij Personalia aber auch den niederländischen Comic des Jahres 2019 verlegt: „De Meimoorden“ von Jacques Post und Eric Heuvel. Daneben erscheinen Reihen mit Comics aus Jugendzeitschriften, etwa der Tina, aber auch eine wunderschöne Hardcover-Gesamtausgabe des Generaals!

Schließlich hat Georg F. W. Tempel im aktuellen Editorial des ZACK gerade verkündet, dass die Unterschrift unter ein Kooperationsabkommen gesetzt worden sei. Neben den bereits angesprochenen Morden im Mai betrifft das auch die neuen Abenteuer von Spaghetti und eine zusätzliche Serie, die weiter unten erwähnt werden wird. . .

Ich habe mit Seb van der Kaaden, dem Verlagsleiter, ein (coronabedingt schriftliches) Interview führen können. Fragen und Antworten sind dabei auf Englisch.

Die Person

c-o: Hi Seb. Comix-online is not limited to German language but tries to have one eye on the Dutch speaking market too. Could you introduce yourself please, knowing that some of the German readers may not be as familiar with your background?

Seb van der Kaaden an seinem Schreibtisch – Foto GEERT JOB SEVINK

I am an independent publisher for more than twenty years now. First started out by big publishing houses such as Sanoma and Reed Elsevier responsible for especially business magazines. My drive is to add value and to have lots of fun doing it. Readers know when a product is made with passion. So that is always our goal number one: making products with passion. If your work does not give you any satisfaction, please go do something else.

c-o: You’ve started with StripGlossy some years ago and introduced a new concept. StripGlossy contains 50% strips (=Comics) and 50% editorial content, has notable artists as guest-editors and has already expanded to albums. Could you elaborate a bit on your concept and its challenges?

The comic market is very conservative. A lot of comic publishers do not believe in digital publishing and do not often understand the importance of paid promotion such as advertising in print or online, and rarely invest in instore promotion or new distribution channels. These are all opportunities and StripGlossy is aiming on all of them.

Our content strategy is based on the glossy concept. Great photo’s, exclusive stories with also famous people outside the comic market and of course new comics of high quality. So, a glossy that is not only interesting for the comic lover but also for a larger audience who is interested in exciting stories and great art work. We see comics as a tool to highlight subjects such a black lives matter or Eurovision Songfestival for example. Besides that, we want to give the reader more inside information about the comic artists and their motivations.

some StripGlossy cover

     

Kooperation mit Deutschen Verlagen

c-o: De Meimoorden, one of your titles has recently been acclaimed as Album of the year 2019 in the Netherlands, so, congratulations! Did you expect that honor? And will that help in convincing artists to publish in the Glossy?

I knew that the combination of Jacques Post and Eric Heuvel was very special; both are very good and serious in their work, both have got a big interest in WorldWarII and both wanted to work together for many years but there was never enough money to finance the project. Add to this that it is 75 years ago that the Netherlands were liberated, and you have some good ingredients for a success story.

After five years, StripGlossy has proven itself to be a serious platform for many artists. So, it is nowadays more a matter of ‚kill your darlings‘.

Cover des ZACK mit dem Start der Morde im Mai

c-o: You’ve sold some licenses for your strips to the German ZACK. Are there any other plans or contracts regarding German publishers? How difficult is it to sell licenses from Dutch comics to other languages?

The Germain market is very willing to publish Dutch comics. Zack Magazine is prepublishing De Meimoorden, Spaghetti and soon Saul. The album rights of De Meimoorden are already sold to Kult Comics. Several French and Spanish publishers want to buy album rights also. You have to invest time to build a relationship and to gain each other trust but it is definitely worth it. 

c-o: If you compare the Nederlands-speaking Comic-Market to the German or French-speaking, are there any differences?

Germain publishers are very straight going and easy to communicate. With French publishers it takes a little longer to gain their trust.   

Corona und die Folgen

c-o: And of course, one question everyone asks currently: What has been the impact of corona and what will stay different?

We started a new children’s comic magazine Jump – based on the comic of Charel Cambré, who is well known for is successful spin-offs of Spirou (Robbedoes) and Suske and Wiske. The chief editor is the ten-year-old Tim. In addition to the distribution through bookstores, we distribute this title through supermarkets. After all, everyone has to eat. And as said before, we distribute our comics also online. So even in times of corona we sell a lot of comics.

c-o: One personal question at the end: What has been your driver for becoming a comic publisher?

First of all: I love to laugh. And secondly: comics are a hidden treasure. Young people are learning through comics to read with pleasure again – the main reason we started Jump. But last but not least: comics can make difficult themes, like abuse, more open for discussion and can even have a preventive effect.

c-o: Anything you would like to say to the (mostly) German readers of this interview?

Please keep on reading and enjoying the work of Dutch artists!

Vielen Dank erneut an Seb für die Beantwortung der Fragen. Beim Lesen könnte euch eine Tasse fair gehandelter Kaffee schmecken und Musik von den Hotknives!

Abbildungen © 2020 StripGlossy / JUMP / Personalia vof

Abbildung ZACK-Cover © 2020 Mosaik Steinchen für Steinchen Verlag

Foto GEERT JOB SEVINK