Bob Morane ist eine Serie, die medienübergreifend funktioniert! Am Anfang standen die Romane für Jugendliche von Henri Vernes. Die ersten Comic-Umsetzungen erschienen dann in einem belgischen Magazin für moderne Frauen und eroberten von dort aus nicht nur andere Magazine, sondern auch Zeitungen im In- und Ausland. Hörspiele und Adaptionen für das Fernsehen folgten und mittlerweile erscheinen sogar Comics, die nicht mehr auf Romanen des Erfinders fußen. Die Anfänge gibt es gesammelt in der Bob Morane Classic Reihe.
Eine vertrackte Zeitreise und Verdächtigungen in Chinatown
Sollte jemand der Titel des Bandes bekannt vorkommen, hat dieser Mensch gut aufgepasst. Eine Version ist nämlich bereits vor rund zwei Jahren als ZACK Spezial 11 erschienen. Damals als Faksimile des Zeitschriftenabdrucks veröffentlicht, erscheint die Geschichte nun als acht Seiten kürzere Albumversion im Rahmen der Gesamtausgabe der Moranes von Attanasio und Forton.
Das Schwert des Paladin führt Bob und seinen Begleiter Bill Ballantime zurück in die Vergangenheit. Eine junge Frau wird bedrängt und angefeindet, da einer ihrer Vorfahren die fränkischen Truppen den Sarazenen ausgeliefert haben soll. Bob und Bill erinnern sich an das Rolandlied und greifen ein. Dabei treffen sie auf alte Bekannte und haben ohne ihr Wissen einen blinden Passagier dabei.
Die Perlenkette ist dagegen ein eher klassischer Kriminalfall. Unsere Helden sind in San Franciscos Chinatown unterwegs als ihnen ein bestimmter Laden empfohlen wird. Angeblich könne man dort Ming-Vasen erstehen. Tatsächlich werden sie dort aber niedergeschlagen und als Täter eines Raubes verdächtigt. Während Bill von der Polizei festgesetzt wird, muss nun Bob ihre Unschuld beweisen. Beide Geschichten vereinen die typische Mischung aus Spannung, unerwarteten Wendungen sowie starken Frauenfiguren und erfüllen somit alle Erwartungen der Leser*innen.
Klassische frankobelgische Comickunst
Gerald Forton ist ein typischer Vertreter der realistischen Comics aus dem französischen und belgischen Raum dieser Zeit, nämlich Anfang der 60-er Jahre. Die technischen Möglichkeiten, Bilder digital zu veredeln waren noch nicht gegeben, die Kolorierung durfte nicht zu filigran sein, da Drucktechnik und Papierqualität nicht mit heutigen Ansprüchen vergleichbar waren.
Trotzdem wussten die Akteure sehr genau, wie man Spannungsbogen zu konstruieren hatte und mitreißende Geschichten bildlich erzählen musste. Die Konkurrenz der bewegten Bilder um das Taschengeld war auch damals schon zu spüren!
Empfehlenswert
Die Reihe ist aufgrund des sehr flexiblen Settings so spannend, dass sie auch heute noch funktioniert. Die Klassiker sind grafisch aufgrund der Vorlagen nicht immer ein Augenschmaus, als Zeitdokument aber trotzdem ok. Und gerade der Vergleich mit der Zeitschriftenvariante ist zusätzlich reizvoll, ermöglicht er doch das Aufspüren der notwendigen Wiederholungen im sequenziellen resp. der Kürzungen im einheitlichen Publizieren.
Wie immer gibt es beim Verlag passende Drucke und für Vorbesteller jeweils ein Schmankerl für ein Abonnement über fünf Bände.
Dazu passt ein Hit des Jahres 1964, Millie mit „My Boy Lollipop“, und ein Dortmunder-Actien-Bier.
Heft Din A 4 | 100 Seiten | Farbe | 9,70 € ISSN: 1438-2792
Wie schnell doch die Zeit vergeht … Hiermit ist bereits die Hälfte der diesjährigen ZACK-Nummern erschienen! Zwei komplett neue Serien starten mit dieser Ausgabe, dazu noch ein Auftritt von Isnogud; für lange Sommerabende allemal genug Lesestoff.
Die Neustarts
Coverboy ist ein Detektiv, nämlich Inspektor Arbuckle. Dieser ist der Held eines Frühwerkes von Étienne Willem namens Pfeifenrauch und Seidenstrümpfe. Teil 1, Der schwarze Fleck, enthält keine Fantasy-Elemente, wie wir es aus seinen späteren Geschichten kennen, besitzt aber bereits den gleichen Strich und auch einen sehr ähnlichen Humor. Die Geschichte führt zurück in das England, in dem Adel noch etwas ganz Besonderes war, in dem Verbrechen und dessen Aufklärung noch Handarbeit waren und eine Tasse Tee respektive ein Whisky selbst wichtige Probleme noch in der Priorität nach hinten schieben konnten. Die zweiseitige Einführung im Heft stammt im Übrigen vom Verfasser dieser Zeilen.
Ebenfalls neu ist der Thriller Brigade Verhoeven von Pascal Bertho nach einem Roman von Pierre Lemaître. Mitten in einem Ausgehviertel explodiert eine Bombe. Gleichzeitig stellt Kommandant Camille Verhoeven einen neuen Mitarbeiter für sein Team zur Verbrechensbekämpfung ein. Dieses besteht aus schrägen Vögeln und scheinbar inkompatiblen Personen, ist aber sehr erfolgreich. Die modernen, aufgrund der Kolorierung etwas abstrahiert wirkenden Zeichnungen stammen von Yannick Corboz. Teil eins der dreiteiligen Serie trägt den Titel Rosie.
Die Fortsetzungen
Harry & Platte sind auf der Suche nach dem Urheber eines Computervirus in der Gegend von Nizza. Ein Freund will ihnen bei einem privaten Rundflug die Gegend und die Wohnorte der möglichen ´Verdächtigen zeigen, als sie ein außer Kontrolle geratenes Feuer entdecken. Während die beiden Detektive später die einzelnen Personen abklappern, wird deutlich, dass es mehrere Feuer gibt die sowohl Eigentum als auch Helfer*innen bedrohen. Feuer und Schwert ist klassische Comickunst von Denis Lapière und Alain Sikorski.
Weiter geht es mit dem Buckligen von Montfoucon. Unser Vater hat den mit ziemlich unfeinen Mitteln geführten Kampf zweier Parteien um den französischen Thron zum Inhalt. Nicht immer sind die Fronten klar und die Rolle der Frauen ist zeitgemäß leider noch ein zusätzliches Thema, erden sie doch bestenfalls ignoriert. Ein verzwicktes Historiendrama von Philippe Pelaez, gezeichnet von Eric Stalner mit ansprechenden Zeichnungen und frischem Layout.
Zurück in die Gegenwart geht es in Heute frischer Fischvon und mit Charel Cambré und Marc Legendre. Die beiden Comickünstler auf der Suche nach dem Stoff für einen neuen Titel sind immer noch in einem kleinen, von der Außenwelt abgeschnittenen spanischen Dorf gestrandet. Ihre spezielle Art, mit Problemen umzugehen, führt zu vielen unschönen Situationen und die mangelhafte Beherrschung der Sprache tut ein Übriges. Nicht immer PC, aber sehr humorvoll, dieses moderne Roadmovie.
Zum Schluss geht es noch einmal um die anspruchsvollen, aber leider auch leicht scheiternden Ansprüche an und für eine gerechte Gesellschaft: in Libertalia führen Die Wege zur Hölle. Die Gründe dafür sind vielfältig: Macht, Gier, toxische Lust aber auch falsche Ideale, vielleicht sogar auch ein zu optimistisches Menschenbild. Jedenfalls müssen die Initiatoren der anarchistischen Gemeinschaft feststellen, dass alles zusammenbricht. Anspruchsvolle und herausfordernde, zugleich aber auch lohnende Story von Rudi Miel & Fabienne Pigière mit eindringlichen Bildern von Paolo Grello.
Und sonst?
Die Onepager in diesem Heft zeigen drei Seiten aus einem aktuellen, bei Dani Books erscheinenden Isnogud-Bandes. In ihnen stellt sich der Möchtegern-Kalif aktuellen Fragestellungen. Außerdem gibt es den Keller, die Rezensionen und die News von Frank Neubauer, den Rückblick auf das ZACK vor 50 Jahren von Michael Klein und eine Vorstellung von Claudio StassisRepública vom Verfasser dieser Zeilen.
Dazu passen The Easybeats mit „Friday on my mind“ und ein Weißburgunder eurer Wahl.
Der Klassiker von Edgar P. Jacobs wird mittlerweile von unterschiedlichen Teams fortgesetzt, die Bände erscheinen daher in durchaus hoher Frequenz. Für den Zeichner ist es bereits der vierte Band, für den Texter der elfte. Die Erwartungen dürfen also hoch sein.
Krimi und Science-Fiction zugleich
Wie so oft in dieser Serie mischen sich die Elemente einer Kriminalgeschichte mit wissenschaftlichen. Dabei geht es manchmal, wie etwa bei dem Tigerhai um sehr irdische Entwicklungen, also den normalen technischen Fortschritt, teilweise um mythologische Einschläge wie beim letzten Band, manchmal aber auch um tatsächlich außerirdische Technologie und Besucher*innen. Schon Jacobs hatte die Atlantiden eingeführt, die technisch überlegenen Bewohner*innen eines fernen Planeten. Cover und Titel deuten an, dass wir es mit ihnen zu tun haben werden.
Zunächst aber passieren in der Nordsee seltsame Dinge: Menschen und Tiere sterben plötzlich, Jahrhunderte alte Leichen werden angespült und es kommt sogar zu einem Tsunami mit gravierenden Folgen. Commander Blake wird mit der Untersuchung der Vorfälle beauftragt während sich sein Freund, Professor Mortimer, in Schottland mit vulkanischen Böden beschäftigt. Sie erkennen schließlich, dass verschiedene Vorkommnisse zusammengehören und beschließen der Sache zusammen auf den Grund zu gehen.
Im Zentrum der Geschehnisse scheint ein Schiff zu stehen auf dem der ihnen wohlbekannte Doktor Grossgrabenstein Forschungen durchführt. Dieser war unseren Helden schon früher einmal begegnet, allerdings zunächst als Maskierung des Schurken Olrik. Aber auch bei den Atlantiden gibt es eine ernsthafte Bedrohung, denn eine ihrer drei Sonnen kollabiert und die Energieversorgung kann nicht mehr aufrechterhalten werden.
Zeichnungen im klassischen Stil
Peter van Dongen zeichnet ganz im klassischen Stil der Geschichten von Edgar P. Jacobs, jedoch ohne ihn dabei zu kopieren. Die Seiten sind im Streifen-Layout gestaltet, allein die Höhe der Streifen variiert von Seite zu Seite. Nur ein einziges Panel ist kreisförmig, sonst sind nur rechte Winkel zu sehen. Serientypisch haben fast alle Panel eine ganze Menge an Text der meistens als Sprechblase ausgestaltet ist. Die beiden Hauptfiguren, aber auch Olrik weichen leicht von den Originalen und anderen Interpretationen ab, wirken aber trotzdem vertraut.
Die Zeichnungen selbst haben eine hohe Dynamik und wirken wie aus einer 60-er Jahre Verfilmung, etwa „Die Zwei“ oder „Mit Schirm, Charme und Melone“: es gibt kein überflüssiges Pyro-Gemetzel! Die Bilder unterstützen dadurch die Handlung, die ein gewisses britisches Tempo hat. Obwohl die Uhr tickt, wird niemand richtig nervös und man kann es sich kaum vorstellen, dass jemand ins Schwitzen gerät. Gleichzeitig leidet darunter die Spannung nicht!
Eine gute Fortsetzung
Das für mich Spannende an dieser Reihe ist, wie aktuelle Teams alte Hinweise und Fäden aufnehmen und daraus etwas Neues basteln. Mittlerweile ist das Geflecht so groß, dass die Abhängigkeiten schon über mehrere Teams und in beide zeitlichen Richtungen gehen. Das bedeutet aber auch, dass neue Leser*innen quasi mit jedem Band neu einsteigen können und sich sowohl rückwärts als auch vorwärts weiterhangeln können.
Yves Sente hat sich zu dem aktuellen Stammautoren entwickelt, der seine Referenzen nicht mehr nachschlagen muss, weil er sie verinnerlicht hat. Dadurch bekommt die Reihe eine hohe immanente Stabilität. Die Bände, die ein wenig aus diesem Konzept rausfallen, erscheinen in der Spezial-Reihe. Wer mehr wissen möchte, sei auf das bald erscheinende Lexikon oder das Dossier der Reddition verwiesen.
Dazu passen The Yardbirds mit „Heart full of Soul“ und ein London Ale.
Es gibt nicht viele Ikonen der Popkultur deren Ruf unabhängig von Schauspieler*innen oder Künstler*innen ist. Abgesehen von einigen Superheld*innen gehören dazu anthropomorphe Wesen aus dem Disney-Universum, ein schwertschwingender Barbar, ein maskierter und berittener Rächer und auf jeden Fall auch die Erfindung von Edgar Rice Burroughs: Tarzan! Ob als Held von Pulp-Romanen, auf der Leinwand oder sogar als Musical-Star, Tarzan hat sich schon lange von seinen Ursprüngen befreit und ist zu einem Mythos geworden, der immer noch größer wird. Dazu beigetragen haben mit großer Wahrscheinlichkeit auch die Comics von Hal Foster!
Die kleine Flucht am Wochenende
Es ist schon viel über die Ursprünge der Zeitungsstrips geschrieben worden. Die Stars dieser Szene wurden zu Millionären, der Kampf der Zeitungsgiganten um die besten Talente war legendär. Und doch ist der Hintergrund relativ einfach: wie bekomme ich die Käufer*innen meiner Zeitung dazu, dass sie auch am nächsten Tag wieder zu meinem Blatt greifen? Der Tagesstrip musste also in einem Streifen die Leser*innen abholen, etwas Neues hinzufügen und mit einem Cliffhanger schließen, um die Neugierde in klingende Münze umzuwandeln.
Die Sonntagsseiten hatten es da viel einfacher. Das Prinzip ist natürlich das Gleiche, es stand aber eine ganze Seite zur Verfügung. Die Entwicklung der Figuren konnte ausführlicher geschehen, die Hintergründe konnten ausgearbeitet werden und nicht zuletzt waren diese Seiten farbig. Während heutzutage bei vielen die Assoziation Zeitungscomics gleich Kinderseite fällt, richteten sich die Werke damals explizit an Erwachsene. Foster musste daher gegenüber den Stories aus den Pulps keine Abstriche machen, Folter, Mord, freizügig gekleidete Frauen finden sich somit in allen Geschichten wieder.
Die erste Umsetzung erfolgte noch in Tagessteifen. 1929 erschien Tarzan of the Apes in 60 Folgen von jeweils fünf Bildern zu einem Auszug des Textes, der unter den Illustrationen platziert worden war. Die nicht kolorierten Streifen lassen die spätere Dynamik noch etwas vermissen, zeugen aber schon von der Kompositionsfähigkeit von Foster. Er weiß genau, wann es besser ist, eine Figur nur von hinten zu zeigen, wann eine Totale besser ist und wann Action dargestellt werden muss. Die Meisterschaft, das Gewünschte mit so wenig Strichen wie möglich darzustellen, fehlt zwar noch, die Beherrschung des Schwarzraums ist aber schon deutlich zu erkennen. Wie einige andere Vorläufer auch enthält der Band nicht nur die im Titel angekündigten Sundays, sondern auch diese Abfolge von Daylies!
Nach Abschluss dieses Runs, der in England veröffentlicht worden war, hatte der aufstrebende Zeichner Foster keine Lust, sich weiterhin auf den täglichen Stress und die weiteren Einschränkungen einzulassen. Trotzdem hatte die Umsetzung auch das Interesse der amerikanischen Newspapers geweckt. Wie der sehr gut lesbare und wissensreiche einführende Artikel (in drei Sprachen: Englisch, Deutsch und Französisch) beschreibt, war Burroughs mit den Ergebnissen seines Nachfolgers/Vorgängers allerdings alles andere als zufrieden. Und so kam es, dass Foster ab dem 27. September 1931 die Sonntagsseiten übernahm. Üblicherweise hatte der Künstler nun 12 Panels und eine über die ganze Breite gehende Kopfzeile zur Verfügung. Und auch in diesem Setting behielt er seine Angewohnheit bei, mit schwarzen Flächen zu arbeiten. Einige der zusätzlich abgedruckten, nicht kolorierten Beispiele zeigen, wieviel Tiefe diese Eigenheit den Bildern verliehen hat.
Das erste Abenteuer spielt in der Wüste in einer arabischen Gegend, 1932 geht es dann zurück in den Dschungel. Während einige der Gegner*innen durchaus stereotyp dargestellt werden, versucht Foster doch durchgehend, nicht nur Vorurteilen Raum zu geben, sondern auch „Gut“ und „Böse“ entsprechend darzustellen. Zudem war die zeitimmanente Erwartung, etwas „Exotisches“ präsentiert zu bekommen. Gegenstand der Zeichnungen sind immer wieder Kämpfe mit Tieren. Die Gegner sind Löwen, Affen oder Krokodile und fordern dem König des Dschungels alles ab. Natürlich hilft es dabei, einen muskelbepackten Körper zu haben der nur wenig von Stoff bedeckt ist. Auch diese Erwartungen an „den guten, weil weißen Wilden“ werden somit erfüllt.
Die männlichen Leser dürften neben der Anerkennung der Kraft eher die Bekleidungen der weiblichen Protagonistinnen wertgeschätzt haben. Auch hier wurden zwar nie Konventionen verletzt, ihre Grenzen wurden aber das eine oder andere Mal angetestet. Etwas Fantasy-lastig wird es dann später im Jahr. Man darf nicht vergessen, dass die Welt keineswegs vollständig erforscht war. Neben Gerüchten und Sagen über Meeresungeheuer gab es noch vollkommen unbekannte Landstriche in denen Tiere und Pflanzen aus der Vergangenheit hätte überdauern können. Und so muss sich auch Tarzan mit Dinosauriern herumschlagen.
1933 steht unter dem Motto „Das Monster“. Nicht nur in der realen Welt schwingt sich ein Massenmörder zum Herrscher einer Nation auf und wird schließlich eine ganze Welt in einen Krieg verwickeln, auch im Comic gibt es Menschen, die nur sich selbst für voll nehmen. 1934 sind dann schon erste Vorboten der späteren, noch erfolgreicheren Serie von Hal Foster zu sehen; Prinz Eisenherz wird die Geschichte eines Jünglings und späteren edlen Ritters erzählen, der Grenzen weder kennt noch akzeptiert. Sowohl die Konzeption der Seiten als auch die Farben sind bereits ähnlich, auch Frisuren lassen sich im Rückblick wiedererkennen.
Während 1935 im Zeichen der Liebe und der verschiedenen Frauen steht, die umworben, verstanden und verteidigt werden wollen, geht es 1936 ans Eingemachte. Tarzans Aufgaben erfordern zunächst wieder mehr Action, er wird allerdings verurteilt und muss sich beweisen. Wieder steht eine Frau in der Mitte des Konflikts. Am Ende erfolgt dann ein auch inhaltlich bedeutsamer Kontakt mit moderner Technik. Während die meisten bisherigen Stories fast zu jeder Zeit hätten spielen können, taucht nun die wirkliche Moderne in Form eines Flugzeugs auf. 1937 endet dann der Run, Prinz Eisenherz wird ab jetzt bis zum Ende das Comic-Schaffen von Hal Foster bestimmen.
Man mag den früheren Zeiten hinterhertrauern oder auch nicht. Mit Sicherheit war das Leben vor 100 Jahren mit dem heutigen in keiner Weise zu vergleichen. Natürlich gab es auch damals „gerade Lebensläufe“ die bruchlos von der Jugend bis ins hohe Alter verliefen. Viel häufiger waren aber Wendungen, die Ortswechsel, unterschiedliche Berufe und Leben an der Armutsgrenze einschlossen. Wer Glück hatte, fand schließlich genügend Halt, um eine Familie ernähren zu können, vielleicht sogar zu Ansehen zu gelangen; vielen gelang das allerdings nicht.
Auch der Weg von Hal Foster, der in der gut lesbaren und sehr informativen Einführung von Dian Hanson beschrieben wird, war alles andere als gradlinig oder erfolgversprechend. Zwar hatte der junge Hal den Vorteil, Bildung aufsaugen zu wollen, allein, die Verhältnisse ließen das nicht immer zu. Dieser Band ist für den einführenden Teil dreisprachig, die Comics sind als Faksimile naturgemäß nur auf Englisch abgedruckt. Es lohnt sich aber trotzdem, alle drei Teile zumindest durchzublättern, da sie alle unterschiedlich illustriert sind.
Die Autorin hat bereits mehr als 50 Bücher verantwortet, unter anderem den Taschen-Band über Frank Frazetta und Werke über Pin-Up und Fantasy Art.
Ein wertvoller Bestandteil einer guten Sammlung
Man kann Comics auf viele verschiedene Weisen genießen. Am einfachsten ist sicherlich die rein konsumtive Art: lesen, sich freuen, und weitergeben. Viele werden irgendwann anfangen, die besten Werke aufheben, sammeln und somit komplettieren zu wollen. Dann wird vielleicht aus dem Heft mit schlechter Papierqualität der Sammelband und aus diesem die Gesamtausgabe mit zusätzlichen Informationen und Illustrationen. Man fängt an, andere Serien der gleichen Künstler*innen haben zu wollen oder aber andere Highlights aus dem gleichen thematischen Bereich. Das ist der Anfang einer Sammlung!
Der zweite Schritt liegt oft darin, sich mit Werken über sein Hobby einzudecken: Fachzeitschriften und Bücher über Comics erlauben Einordnungen und stellen Beziehungen her. Gleichzeitig erlauben sie auch ein Verständnis über die Anfänge und Comic-Meilensteine, die bereits in der Vergangenheit liegen. Hal Foster’sTarzan ist ein solcher: die Qualität der Zeichnungen, die Foster über die Jahre entwickelt hat, die Beherrschung der Linien und Flächen, die zusammen ein Größeres ergeben, ist auch heute noch Maßstäbe setzend.
Natürlich sind die Seiten nicht das erste Mal publiziert worden. Das XXL-Format ermöglicht es aber, die Seiten quasi original aufzunehmen, entspricht das Format doch den früheren Sonntagsseiten weitgehend. Die Reproduktionen versuchen auch, die originalen Farben und Rasterungen so gut wie möglich wiederzugeben. Der Unterschied liegt daher in der Qualität des Papiers und in der hervorragenden Aufmachung als reichlich illustriertes Hardcover mit passendem Umverpackungskarton. Der Inflation geschuldet ist der Preis dieser Bände allerdings um 25 Euro auf nun 200 gestiegen. Der Band passt zu den anderen Comic-Libraries von Taschen: Carl Barks‘ Donald Duck, Weird Science, Marvel!
Dazu ein Raffo Lavorazione Grezza und einen Klassiker: Desmond Dekker mit „The Israelites“.
Wer hätte das gedacht, als im ZACK 83 die erste Folge von Allein vorabgedruckt wurde. Ziemlich genau 20 Jahre sind seit dem vergangen, mittlerweile ist der 16. Band der Reihe erschienen! Damals war Mirko Piredda noch am ZACK beteiligt. Nach seinem Ausscheiden und der Gründung eines eigenen Verlages blieb er der Serie treu. Die Serie ist in Zyklen eingeteilt; ihre jeweilige Zuordnung lässt sich an den Farben der Nummerierung erkennen. Aktuell befinden wir uns im vierten, hellblauen Zyklus.
Ein Krieg ist im Gange
Anstelle von Rückblicken auf die Hintergründe der Serie verweise ich auf die Rezensionen der Vorläufer. Im letzten Band hatten die Kinder nach der geglückten Flucht vor den monströsen und mörderischen „Beschützern“ Hinweise auf die Vergangenheit der Zwischenwelt und ihrer Bewohner*innen finden können. Während sie noch immer von Saul und seinen Truppen gejagt werden, haben sie sich auf die Suche nach Isebel gemacht.
Die Gefangene von Antesalem ist eben jene gesuchte Isebel. Bis Dodji sie allerdings findet wird die Gemeinschaft vor schwere Prüfungen gestellt. Noch immer macht Saul Jagd auf die Kinder, weitet seine Aktionen aber auch auf andere Bewohner*innen aus. Und auch die Unterwelt scheint aktiv zu sein. Aus all dem lässt sich nur der Schluss ziehen, dass mittlerweile der Krieg in der Zwischenwelt ausgebrochen ist.
Fabien Vehlmann bietet in dieser an Krisen nicht armen Zeit keinen Eskapismus in eine heile Welt. Dass die handelnden Personen in dieser Geschichte alle gestorben sind, ist dabei noch der harmloseste Fakt, denn Brutalität, Herrschsucht und Größenwahn wirken besonders schrecklich, wenn die Protagonist*innen Kinder sind. Eine sehr spannende, sich immer mehr auffächernde Serie, die mit jedem neuen Band noch einen „drauflegt“!
Kinder, Monster, Maschinen
Die obige Konstellation weckt Assoziationen zu Horrorfilmen. Ganz so schlimm ist es tatsächlich nicht, denn die Serie wird immer noch (und von Anfang an) im Spirou-Magazin vorabgedruckt. Die offizielle Empfehlung ist ab 10 Jahren. Diese Einschätzung beruht mit Sicherheit auch auf den Bildern von Bruno Gazzotti, der es schafft das Grauen visuell darzustellen, gleichzeitig aber auch immer die Möglichkeit der Überwindung des Ganzen.
Teilweise nimmt ein slapstickhafter Humor die Schärfe, teilweise der unerschütterliche Glaube an den Sieg des Guten wie ihn nur Kinder haben können. Und tatsächlich können die Bilder, die nicht so viel zeigen, in unterschiedliche Richtungen fortgeschrieben werden; jede*r ist somit Regisseur*in für das Nicht-Gezeigte. Diese Fähigkeit besitzen nicht mehr viele Zeichner*innen.
Spannung pur
Es gibt Serien, die gut gezeichnet und geskriptet sind, bei denen es aber auch nicht wirklich eine Rolle spielt, wann der nächste Band erscheint. Und dann gibt es Serien wie Allein, wo die lange Wartezeit zumindest mich oftmals verleitet, doch schon mal bei unseren westlichen Nachbar*innen einen Blick auf die dortigen Ausgaben zu werfen, weil ich es nicht abwarten kann.
Eine kluge, sauber komponierte und sich immer in weitere Höhen schraubende Geschichte mit dazu passenden Bildern, die keine Krisen ausspart, philosophische Fragen aufwirft, den Gegensatz zwischen Gut und Böse thematisiert, durch die Kinder eine andere Perspektive einnimmt und dann auch noch spannend ist, was will man mehr. Wer ein bisschen mehr über den Hintergrund erfahren möchte, sollte einen Blick in das Making Off werfen. Außerdem sollte man, wenn die Zeichnungen gefallen überlegen, sich die ganze (auf 22 Bände konzipierte) Serie zuzulegen.
Dazu passen The Molotovs mit “More, More, More” und ein Virgin Mojito.
1967 markierte das Ende des Runs von Gérald Forton für Bob Morane, 26 Jahre später griff er abermals zum Zeichenstift. Erneut präsentiert Georg F. W. Tempel eine Besonderheit dieser langlebigen Reihe als ZACK-Spezial-Album. Obwohl die Limitierung mit 777 Exemplaren höher ist als gewöhnlich, lohnt sich eine schnelle Bestellung da fast alle Alben mittlerweile verlagsvergriffen sind.
Ein sehr abgeschiedenes Tal
Die Serie Bob Morane richtete sich ursprünglich an jugendliche Leser. Der dieser Comic-Umsetzung zugrundeliegende Band erschien erstmals 1953 in der Reihe Marabout Junior, in Deutschland wohl am ehesten dem Schneider-Buch aus den 70-er Jahren vergleichbar. Es ging um Thrill, Exotik und Spannung in einer Weise, die Jugendliche zwar fesseln, sie aber auch nicht überfordern sollte. Die Welt war damals noch deutlich unbekannter und geheimnisvoller als heutzutage, political correctness noch komplett unbekannt.
Der erste schockierende Moment ist der erzwungene Absturz von Morane und seinem Begleiter Bill Ballantine auf einem Flug über Neuguinea. Ihre Passagiere entpuppen sich als Gangster, die sakrale Edelsteine entwenden wollen. Da das Flugzeug zerstört worden ist, müssen sie sich nun nicht nur um die Verhinderung des Raubzugs kümmern, sondern auch für eine Rückkehr in die Zivilisation sorgen. Schnell treten auch Alfourous auf, die zwei der Gangster gefangen nehmen. Die Darstellung der Krieger und ihres Stammes ist zwar nicht unbedingt rassistisch, aber auch nicht frei von Stereotypen.
Im weiteren Verlauf treffen unsere Helden auf weitere Weiße, die in dem Tal gestrandet sind, haben mit sich bekämpfenden Bewohner*innen zu tun, treffen auf „edle Wilde“ wie auf solche, die noch Menschenopfer praktizieren, und versuchen, den Plan der Gangster zu verhindern. Die Geschichte ist spannend, Vernes vergisst nicht, zwischendurch immer wieder eine Portion Humor einzustreuen, und natürlich geht sie gut aus.
Ein Produkt der 90-er
Forton ist sichtlich bemüht, den Anforderungen der Zeit zu begegnen. Sowohl die Zeichnungen selbst als auch die Kolorierung sind deutlich moderner als während seines ersten Runs und auch bei der Darstellung der nativen Bewohner*innen ist sein Versuch anzuerkennen, auf Stereotypen weitgehend zu verzichten. Beim Paipai gelingt das nur bedingt.
Ansonsten werden die Zeichnungen alle Fans des realistischen frankobelgischen Magazin-Comics alter Schule überzeugen können. Sowohl Figuren als auch Dschungel und Vulkan/Berg-Szenen wirken durchdacht und korrekt, die Dynamik lässt ebenfalls nichts zu wünschen übrig. Allein das konsequent durchgezogene dreistreifige Layout mag etwas irritieren, ist aber aufgrund wechselnder Höhen nicht schematisch.
Eine Empfehlung
Für die Sammler*innen der ZACK-Spezial-Reihe gibt es wahrscheinlich nur höchst selten einen Grund, einen Band auszulassen. Das höllische Tal wird aber zu Recht auch Gelegenheitskäufer*innen anziehen – spannend, keinesfalls veraltet oder altertümlich, aber nostalgisch und nicht zuletzt zeichnerisch ansprechend beweisen Vernes und Forton, dass Idee und Teamwork auch nach so langer Pause noch funktioniert haben.
Wer will kann wieder einen ebenfalls limitierten Druck zu diesem Album bestellen und wer den kompletten Run von Forton lesen möchte kann selbstverständlich noch bei der Gesamtausgabe Bob Morane Classic einsteigen.
Dazu passen The Interrupters zum Beispiel mit „You’re gonne find a way out“ und ein SP Lager!
Was als lustige Fingerübung begann, ist mittlerweile bereits eine kleine Serie: Spirou hatte feststellen müssen, dass der Absatz der Produkte des Dupuis-Verlages in den Sinkflug gegangen war und deswegen beschlossen, sich als Superpage, also als europäischer Superheld, zu betätigen und der Zeitschrift die Exklusivrechte daran zu übertragen. Zwar hatte der Graf Rummelsdorf ihn mit einigen Gadgets ausgestattet, nicht alle Aktionen waren aber glücklich verlaufen. Und dann gab es nicht nur kostümierte Gegner*innen, er hatte auch andere dazu verleitet, sich ebenfalls verkleidet auf die Dächer zu begeben.
Eine KI und ihre „lustigen“ Ideen
Eigentlich hatte unser Held ja noch weiter abtauchen wollen, doch dann erreicht ihn eine Nachricht aus der hervorgeht, dass seine Tarnidentität aufgeflogen ist. Wenn er das Geheimnis bewahren möchte, soll er zu einer bestimmten Zeit an einem bestimmten Ort sein. Natürlich macht er sich mit seinem Sidekick Redwing dahin auf. Der Treffpunkt ist die Zentrale von Gaia, einer New-Tech-Firma mit Sitz in Neu-Brüssel.
Dort angekommen muss der Superpage feststellen, dass alle Ausgänge verschlossen sind und das Hochhaus langsam von unten nach oben zufriert. Glücklicherweise bekommt er Unterstützung von der doch nicht toten Lubna, aka „Die Jägerin“. Immerhin können sie noch das Geheimnis ergründen, doch dann frieren sie ein.
Jahrzehnte später werden sie in einer ganz anders aussehenden Umgebung wieder wach: die Natur scheint sich die urbane Landschaft zurückgeholt zu haben. Doch zunächst müssen sie sich bösartiger Drohnen erwehren. Fabien Vehlmann hat aus dem etwas unstimmigen und klamaukhaften Anfang der Serie eine gut lesbare Science-Fiction-Geschichte gemacht, die neben der Frage über die Gefährlichkeit der KI mit Zeitreise-Problemen und Religionskritik um die Ecke kommt.
Noch mehr Fabelwesen
Die Reihen aus dem Spirou-Universum waren schon immer von vielen Tieren bevölkert, nicht alle davon gibt es wirklich. Dieser Band fügt noch einige weitere hinzu. Yoann hat sichtlich Spaß daran, eine Zukunftsvision von Flora und Fauna zu erschaffen, bei der nicht immer ganz klar ist, was davon „natürlich“ und was „künstlich“ ist. Auch bei den Gadgets darf er sich austoben und so bekommt sogar das Motomol einen neuen Auftritt.
Ein großer Spaß, der sich sowohl als großes Fragezeichen lesen lässt als auch als spannende Geschichte, die Eskapismus in Überlänge verspricht und ermöglicht. Sollte sich die Serie auch weiterhin in diese Richtung entwickeln ist es eine gute Ergänzung zu der Hauptreihe. Aber die Zuordnung zu verschiedenen Labeln ist ohnehin kaum möglich, sortiert doch Carlsen schon traditionell völlig eigenständig.
Spirou kann auch Science-Fiction (und ein wenig Superheld)
Tatsächlich hat mich dieser Band überzeugt und meine Skepsis zur Seite gewischt. Braucht die Welt noch mehr Superheld*innen? Nein, sicherlich nicht. Bei der Gaia-Strategie handelt es sich aber um eine clever konstruierte Geschichte, die genug aus dem Spirou-Kosmos enthält, um langjährige Fans zufrieden zu stellen, die Modernität der Superheld*innen-Idee aufnimmt und mit einem Science-Fiction-Szenario richtige Fragen stellt.
Die Gadgets vom Grafen erinnern zudem an die Anfänge von Phantomias aus den Zeiten von „Donald mal ganz anders“ und dürften die älteren Leser*innen ebenfalls schmunzeln lassen. Viel Spaß also!
Dazu passen Cock Sparrer mit „Hand on my Heart“ und ein Kompel Ondergronds.
Über einen steten Zulauf von Western braucht man sich aktuell keine Sorgen zu machen und auch die Eastern aus chinesischer oder japanischer Vergangenheit haben in Deutschland einen relativ guten Stand. „Der Osten“ ist aber viel größer und so ist es schon deswegen zu begrüßen, dass die neue Serie Elang Jawa, übersetzt Java-Adler, diesem Mix auch den indonesischen Raum hinzufügt.
Ein Wettkampf und seine Vorgeschichte
Die Geschichte, die laut dem Vorwort des Szenaristen zwar nicht wahr, im indonesischen Raum aber verbreitet ist, erzählt die Entstehungsgeschichte der Grenzen zwischen Ost- und West-Mataram und spielt im Jahr 1755. Damals war die Insel für Händler und andere Wohlhabende kein schönes Pflaster. Hunderte von Banditen überfielen Transporte und Städte und hatten sich sogar eine eigene Infrastruktur mit Dörfern und Handelsplätzen geschaffen.
Es wurde daraufhin ein Mobiles Einsatz Kommando namens Paksi Katon unter der Führung von Patih Notonegora geschaffen, um diesem Albtraum ein Ende zu bereiten. Der wenig feinfühlige und brutale Soldat schaffte es tatsächlich, die Struktur von Pasar Setan zu zerstören. Dabei wurde der Bandit Wulung festgenommen.
Die niederländische Kolonialmacht hatte beschlossen, das bisherige Königreich aufzuteilen. Jedes der neuen Reiche sollte zum Sonnenaufgang einen Krieger entsenden, der Treffpunkt der beiden würde die neue Grenze markieren. Politik war schon damals manchmal ein schmutziges Spiel und so wurde Wulung dazu auserkoren, sein Land zu vertreten. Kurze Zeit vorher hatte er ein vom Anführer der Paksi Katon getötetes Exemplar des magischen Elang Jawa, des Java Adlers gefunden und ihn wiederbelebt…
Dynamischer Realismus
Während Nugros die Geschichte spannend erzählt, hat Kusbiantoro die ungleich schwierigere Aufgabe, Realismus und Magie miteinander zu vereinbaren. Es geht nicht nur um die dynamisch wiedergegebenen Kampfszenen, die wirklich gut gelungen sind, sondern auch darum, Magie so in die Geschichte zu integrieren, dass sie trotzdem noch einigermaßen glaubwürdig bleibt. Allerdings sind wir es natürlich von Märchen und Sagen aus vielen Kulture gewöhnt, dass Übernatürliches eine Rolle spielt. Und so ist auch der Elefantenmensch zu sehen.
Der Held kommt dabei etwas tollpatschig daher und hat somit – trotz seiner räuberischen Profession – von Anfang an die Sympathien auf seiner Seite. Zudem ist auch die Natur in ihren vielen Facetten ein Hingucker. Der Urwald kann gleichzeitig überwältigend schön und tödlich sein und genau dieser Gegensatz findet sich in den Bildern wieder.
Etwas Neues wagen!
Für unsere niederländischen Nachbar*innen hat Indonesien aufgrund ihrer eigenen kolonialen Vergangenheit einen viel höheren Stellenwert als bei uns. Kultur, Küche und Landschaft dieser Regionen sind keine Besonderheiten und auch der Austausch von Künstler*innen ist viel selbstverständlicher. Für uns Deutsche ist das Thema zwar keine Terra Incognita mehr, Bestandteil es Alltäglichen ist es aber auch nicht.
Insofern ist es begrüßenswert, mit dieser neuen Reihe ein paar klitzekleine Einblicke bekommen zu können, vor allem, wenn sie so spannend und gut gemacht daherkommen! Für Liebhaber*innen gibt es beim Verlag wieder eine limitierte Vorzugsausgabe mit umlaufendem Variantcover und beigefügtem Druck! Es bleibt zu hoffen, dass die Serie genügend Käufer*innen finden wird und weitere Bände somit finanzierbar bleiben.
Dazu passen Ali Baba Ska! und ein Bittermen’s Friend.
Heft Din A 4 | 100 Seiten | Farbe | 9,70 € ISSN: 1438-2792
Spanien, eine Taperia, draußen sind es 20 Grad, und doch steht auf dem Cover der Aufdruck MÄRZ… Egal, auch dieses Heft ist eine gelungene Mischung und sollte keinesfalls bis zum nächsten Urlaub liegen bleiben.
Der Neustart
Zwei sympathische Künstler porträtieren sich selbst und ihre Reise in den Süden: Heute frischer Fisch ist von und mit Charel Cambré und Marc Legendre, den beiden, die auch schon Adaptionen von Spirou & Fantasio oder Amoras vorgelegt haben. Ihre Satire spielt mit Vorurteilen gegen Nationalitäten, sexuelle Orientierung, Berufe, Lifestyles und alles andere. Fettnäpfchen können gar nicht genug geschützt sein, die beiden finden sie und springen voll hinein. Dabei nehmen sie sich selbst nicht aus und das machte es dann zu einem Vergnügen. Auch Brückenbauer ist allerdings nichts für Überkorrekte!
Zudem gibt Henri Vaillant seinen Einstieg in das Magazin: Die Kurzgeschichte Die Fliege mit den goldenen Augen ist nur in einer speziellen französischen Sonderausgabe des Bandes über den Gründer der Familiendynastie erschienen. Umso erfreulicher ist es, dass sie hier abgedruckt werden durfte. Sie vereint einen aktuellen Teil in einer etwas gewöhnungsbedürftigen Weise und einen zweifarbig gehaltenen Rückblick nach einem Szenario von Dennis Lapière mit Zeichnungen von Marc Bourgne.
Die Fortsetzungen
Die Nahtoderfahrung erklärt zwar, wie der wertvolle Diamant gestohlen werden konnte, er ist aber immer noch verschwunden. Jeff Mistral und die geheimnisvolle Lucie müssen sich aber zunächst mal aus ihrer Gefangenschaft befreien (wobei es etwas verwirrend ist, dass die beiden ersten Seiten in vertauschter Reihenfolge abgedruckt sind). Danach geht es Schlag auf Schlag weiter Ein spannender neuer „alter“ Krimi von Olivier Andrieu mit sehenswerten Zeichnungen von Alain Julié, der Lust auf mehr macht. Allein das Lettering könnte etwas weniger brüllend sein.
Der wohl spannendste Cliffhanger der letzten Zeit (zumindest für Leser*innen, die keine Möglichkeit haben, den Originalveröffentlichungen im Ausland zu folgen) war der Tod von Michel Vaillant im letzten Heft. Wie gut, dass es sich nur um einen Traum gehandelt hat. Doch halt, keine Entwarnung, denn das bedeutet, dass der oder die Killer noch frei herumlaufen. Und tatsächlich kommt es in Erlösung zu einem Attentat mit einer sehr persönlichen Wendung für Steve Warson. Spannung, Krimi-Elemente, Drama und ansprechende zeichnerische Umsetzungen, ebenfalls von Daniel Lapière getextet und umgesetzt von Marc Bourgne & Eilam.
Ray Ringo (der früher bei Koralle Hondo hieß) ist auf der Suche nach seiner entführten Verlobten und macht Bekanntschaft mit einem Trupp älterer Männer. Diese geben sich zwar als gottesfürchtige Reisende aus, dieser Schein trügt allerdings wie so oft. Die Neuauflage dieser Serie von Éric Corbeyran mit Zeichnungen von Roman Surzhenko wirkt vertraut, nimmt sie doch viele klassische Elemente auf, überführt diese aber in einen modernen Zeichenstil und fügt auch ein paar härtere Szenen hinzu, die man bei der Shiloh Ranch oder High Chaparral eher nicht gesehen hätte. Für mich eine der Entdeckungen des noch frischen Jahres!
Der schon wieder als Jahressieger in der Gunst der Leser*innenschaft stehende Rick Master steht in Konkurrenz zu seiner Freundin Nadine, die ebenfalls eine Titelseitenstory schreiben möchte.Tatsächlich gelingt ihr ein Scoop! Währenddessen trifft Rick auf vier als Beatles maskierte Idioten als Dead Sugar die Bühne betritt… Eine humorvolle, von Anspielungen auf Kultur und Politik nur so strotzende neue Folge von Simon Van Liemt, die garantiert wieder vorne landen wird. Zusammen mit Zidrou wurde der doch etwas altbackene Journalist runderneuert und besetzt nun das humorige Krimifeld fast ohne Konkurrenz.
Der Abschied
Verabschieden dürfen wir uns von der abstrusen Geschichte von Jean Regnaud mit Aleksis Strogonov. Tamo lieferte eine Geschichte über Widerstandsbewegungen, die ihnen jede Berechtigung, ja auch jede Ernsthaftigkeit abspricht. Ich verstehe nicht, was Émile Bravo dazu gebracht hat, diesen Auftrag anzunehmen. Hier herrscht die reine Freude am Zerstören vor.
Und sonst?
Erinnert sich noch jemand an den Skandal um die Spirou-Adaption von Dany? In diesem Heft kommt der Künstler selbst zu Wort, da der erste Teil eines längeren Interviews von ActuaBD mit ihm abgedruckt wird. Lesenswert! Dazu ein Beitrag vom Verfasser dieser Zeilen über die nun von Capia gezeichnete Fortsetzung von Das Paris der Wunder, Michael Klein mit dem Rückblick auf das ZACK vor 50 Jahren und Frank Neubauer mit News, Rezis und spitzen Worten.
Die kürzeren Comicbeiträge von Parker & Badger, Der Ritter und StarFixion dürfen natürlich ebenfalls nicht fehlen.
Dazu passen Dakka Skanks mit „You can’t cancel this“ und ein Boots Night Bier von Ahoi.
Einerseits ist es erfreulich, dass viele Serien mittlerweile sehr schnell nach ihrer Originalveröffentlichung auch auf Deutsch erscheinen. Man muss allerdings manchmal dann in den sauren Apfel beißen und etwas länger auf die Folgebände warten. In diesem Fall sind zwischen der Veröffentlichung des ersten Bandes von Sigi und dieses rund zwei Jahre vergangen.
Reiseprobleme
Wir befinden uns in den 30-er Jahren des letzten Jahrhunderts. Die Nazis haben in Deutschland die Macht übernommen und bereits ihr Programm zur Vernichtung der Jüdinnen und Juden gestartet. Das Reich ist aber noch nicht komplett gefestigt und sucht durch auch sportliche Erfolge sein Prestige zu verbessern. In diesem Sinne unterstützt das Regime heimlich die Pläne von Sigrid Hassler in einem Serienauto die Welt zu umrunden. Diese weiß davon nichts und sieht zwar Gefahren für ihre Reise und Lösungen, bringt diese aber keineswegs mit einem Plan in Verbindung.
In Peru hat ein Fahrzeug ihrer kleinen Kolonne mal wieder eine Panne. Ein Haciendabesitzer eilt ihr mit seinen Angestellten zu Hilfe. Seine Ranch wird im Wesentlichen von japanischen Arbeitern am Laufen gehalten. Es gab damals (verbürgt!) ein Abkommen mit Japan, das „überschüssige“ Bauern aus Japan zu Frondiensten in Peru zwang. Wer nicht spurt, bekommt die Peitsche oder Schlimmeres in retour. Natürlich kann Sigi es nicht lassen und mischt sich ein. Als sie dann auch noch die sexuellen Avancen des Rancheros zurückweist, muss die Truppe fliehen.
In einer Parallelhandlung zeigt sich, wie man in Berlin Ideologie und Erpressung kombinieren kann. Eine nicht standesgemäße Geliebte kann geduldet werden, eine jüdische zwingt zu kompletter Unterwerfung. Und leider gibt es immer wieder Männer, die ihre (kleine) Macht grenzenlos ausüben und Frauen foltern und töten.
Historie in Sepia
David Morancho legt wie auch schon im ersten Teil einen leichten Sepia-Filter über seine Zeichnungen. Das passt zur Stimmung in der Terra Inca, zeigt einerseits die andere Luft, dämpft aber auch etwas die Schwingungen, die durch das ganze Unausgesprochene erzeugt werden. Während die Heldin Sigi einerseits voller Tatendrang ist, ist sie doch gleichzeitig zwar unerschrocken, aber auch naiv. Diese Emotion wird durch ihre Körperhaltungen und die im Gesicht sichtbaren Überraschungen unterstützt.
Ansonsten ist die Landschaft einfach grandios und ist ein fast schon ein echter „Mitspieler“ – die Felder und vor allem die unwirtlichen Berglandschaften gelingen grandios und der Verweis auf die lange Kultur der Gegend verfängt ebenfalls! Auf Deutsch liegt von diesem Zeichner aktuell nur noch Sara Lone vor.
Ein etwas anderer Blick auf die Geschichte des Motorsports!
Motorsport ist eine Männerdomäne, Frauen können so etwas nicht … Quatsch! Sigi (bzw. ihr historisches Vorbild) beweist, dass auch Frauen Strapazen aushalten können, sich zu helfen wissen und zu Höchstleistungen fähig sind. Das war aktuell nicht nur bei Olympia zu sehen, es wird jeden Tag hunderttausende Male bewiesen. Leider gibt es immer noch eine bestimmte Sorte Mann, die das nicht glauben will und Frauen am liebsten hinter dem Herd anbinden würde.
Sigi beweist, dass dem nicht so ist, die Story beweist aber auch, dass es nicht immer so einfach ist, die Wahrheit vollständig zu entdecken. Manchmal muss man auch hinter die Kulissen sehen. Zu den politischen Begebenheiten während des Faschismus muss man dagegen eher nichts hinzufügen.
Dazu passen U2 mit „American Obituary“, und ein Glas frisches Wasser.