Giardino – Das Doppelleben des Max Friedman Gesamtausgabe 1

Ungarische Rhapsodie & Hetzjagd in Istanbul

Story & Zeichnungen: Vittorio Giardino

Originaltitel:  La dopia vide de Max Fridman

Salleck Publications

Hardcover | 240 Seiten | Farbe | 39,90 € | ISBN: 978-3-89908-854-0

Cover Max Friedman Gesamtausgabe 1

Die 80-er Jahre waren die große Zeit des Comic-Romans. Das Medium war erwachsen geworden, hatte über Science-Fiction und Erotik den Weg in die Vergangenheit unternommen und war nun bei den Themen der Jetztzeit angekommen, die eher in das psychologische gingen: Wie reagieren Menschen auf Veränderungen und Probleme. Neben den klassischen westeuropäischen Ländern tat sich insbesondere in Italien einiges. Während Hugo Pratt immer wieder als Vertreter des Comic-Romans genannt wird, fällt der Name seines Landsmannes Vittorio Giardino leider zu selten.

Ein Spion wider Willen

Die Rolle des „Spions“ ist in der Literatur und im Comic sehr unterschiedlich definiert. Während die einen sofort an 007 denken, an Glamour, Sex und Popcorn-Action, sind andere eher bei John Le Carré und dem eher unscheinbaren Typ, der nicht weniger gefährlich lebt, sich aber eher bedeckt hält. Max Friedman gehört eher zur zweiten Kategorie. Zwar ist er bekannt, kann sich also nicht unerkannt bewegen, ist aber kein Cocktailparty-Held. Seine aktive Zeit ist eigentlich vorbei, wie so oft in diesem Sujet ist es aber so, dass er sich der Vergangenheit nicht ganz entledigen kann. Und so ist die „Firma“ doch immer noch irgendwie Teil seines Lebens.

Die Geschichten spielen 1938; Europa hat die Auswirkungen des Ersten Weltkriegs noch nicht überwunden, steht aber schon wieder an der Schwelle eines neuen Kriegs. Hitler bedroht seine tschechischen und österreichischen Nachbarstaaten und das Russland unter Stalin ist vor allem für seine eigenen Leute eine tödliche Bedrohung. Außenpolitisch kann man es noch nicht richtig einschätzen. Diese Lage führt dazu, dass sich in den politischen Zentren Agent*innen aller Coleur gegenseitig bespitzeln, bekämpfen, Allianzen schließen und brechen und somit ihre eigene Berechtigung beweisen.

Max Friedman Gesamtausgabe 1 page 150

Max Friedman hatte seine aktive Zeit eigentlich schon beendet, wird aber trotzdem nach Budapest geschickt. Dort waren innerhalb kürzester Zeit gleich mehrere Agenten getötet worden. Max gelingt es, die letzte Überlebende der Gruppe ausfindig zu machen, sich in dem Haifischbecken zu behaupten und zu fliehen. Dabei kommt es zu einer kurzen Phase des privaten Glücks, die aber natürlich nicht lange anhält. Auch die Hetzjagd in Istanbul beweist die Ambivalenz der Dienste denen das „große Ziel“ oftmals über das Leben des Einzelnen geht. Giardino beschreibt die Menschen, packt sie unerwartete, herausfordernde Situationen und scheint teilweise selbst erstaunt darüber, wie sie sich verhalten. Diese fast schon wie beobachtende Distanz wirkende Methode lässt Max Friedman wie einen mehrbändigen Roman ablaufen.

Realismus in der Fassung der 80-er

Vittorio Giardino ist ein Meister der realistischen Zeichnung. Seine Darstellungen von Buda und Pest als auch von den unterschiedlichen Facetten Istanbuls zeugen von guter Beobachtungsgabe und der Fähigkeit, das selbst Gesehene um Jahrzehnte zurückversetzt transponiert wiederzugeben. Sein Held ist ein bürgerlicher, in sich selbst ruhender Mann. Er glaubt an das Gute, hat aber schon lange aufgehört, in seiner Arbeit idealistische Züge zu sehen. Diese Grundstimmung lässt sich in fast jeder Zeichnung als Grundmotiv erkennen: Es geht nicht um Action oder vordergründige Ziele.

Max Friedman Gesamtausgabe 1 page 151

Die Geschichten sind in italienischen Magazinen vorabgedruckt worden, die zweite in dem Corto-Maltese-Magazin. Während ansonsten in Italien die Fumetti vorherrschten – zu dieser Zeit auch schon mit einem hohen Anteil an Gewalt und Sex – waren die neuen Themen ebenfalls erfolgreich. Vieles davon profitierte von den Erfahrungen in Lateinamerika und der von dort mitgebrachten Art, Geschichten zu erzählen und politische Motive zu integrieren.

Eine vorbildliche Gesamtausgabe

Max Friedman hatte seinen ersten Auftritt in Deutschland 1985 beim Carlsen Verlag, damals noch unter dem Sublevel „comic art“. Beide hier zusammengefassten Bände erschienen damals. Band 3 bis 5 dagegen kamen erst ab 2000 bei Salleck Publications heraus. Nun also die mustergültig editierte Gesamtausgabe, die die Anfänge endlich wieder verfügbar macht.

Anhang Max Friedman Gesamtausgabe 1 page 197

Neben Einleitungen von Giardino enthält der Band eine große Anzahl von zusätzlichen Illustrationen und Skizzen sowie ein ausführliches Interview mit dem Künstler. Dieses gibt einen Einblick in das Verständnis für die Zeit vor dem Zweiten Weltkrieg, das Giardino in seinen Erzählungen versucht hat, umzusetzen: die Ablehnung von Totalitarismus, von der Behauptung, (als einziger) die absolute Wahrheit zu kennen und dem Willen, die eigene Meinung anderen auch mit Gewalt aufzuzwingen.

Dazu passen Bob Marley & Amy Winehousemit „Silent Thunder“ und ein guter Barolo!

© der Abbildungen Vittorio Giardino 2026 / 2026 Eckart Schott Verlag

Reddition 83 – Watchmen

Ein Überblick zum 40. Jahrestag der Erstveröffentlichung

Herausgeber: Volker Hamann
Verlag Volker Hamann, Edition Alfons
Heft Din A 4 | 84 Seiten | Farbe | 12,00 €
ISSN: n/a

Cover Reddition 83

In den 80-er Jahren gab es einige Comics, die das Superhelden-Genre für immer verändern sollten. Einer davon ist The Dark Knight Returns von Frank Miller und ein paar weitere Titel aus dem Batman-Universum. Ebenfalls aus dieser Zeit ist der erste Band der Graphic Novel Maus von Art Spiegelman deren Einfluss ebenfalls nicht unterschätzt werden darf. Dieses Dossier aber widmet sich der zwölfteiligen Miniserie Watchmen, einem Meilenstein der Comic-Geschichte, den beteiligten Künstlern, Neben- Folge- und Begleitprojekten sowie der Diskussion über die erlaubten Grenzen der Vermarktung.

Die Ausgangssituation

Watchmen und einige andere immer noch lesenswerte Superheldencomics aus dieser Zeit wären ohne die sogenannte „British Invasion“ nicht möglich gewesen. Der britische Comicmarkt war in den 70-ern nicht sehr international. Es gab zwar Kooperationen mit (hauptsächlich) spanischen Zeichnern und Studios, diese produzierten aber für den britischen Markt. Die Magazine enthielten kaum Lizenzmaterial und folgten eigenen Themen. Peter Schimkat beleuchtet in einigen Beiträgen den Markt und einige der britischen Szenaristen und Zeichner. Diese fanden, angelockt durch Talentscouts, durchaus ihren Weg in die Staaten.

Reddition 83 pages 4, 9

Die Künstlerporträts

Im Laufe des wie immer sehr umfangreichen und gut recherchierten Dossiers werden Alan Moore, Len Wein, Bill Siekiewicz, Eddie Campbell und Dave Gibbons vorgestellt. Damit ist das Spektrum bewusst weit gefasst, um einen wirklichen Überblick bieten zu können. Die Autoren bemühen sich dabei, nicht nur die künstlerischen Elemente zu beschreiben, sondern auch auf die Psyche und die „Ticks“ der Personen einzugehen. Gerade im kreativen Bereich sind diese oft maßgeblich für das Ergebnis.

Dazu gehört dann eben auch, dass die Erfinder der Serie, die damals ein kongeniales Team gebildet haben, seit vielen Jahren nicht mehr miteinander reden und sehr unterschiedliche Auffassungen über andere Verwertungen wie bewegte Bilder oder Preqels haben.

Es gibt wieder einen Mix aus beschreibendem Artikel, Interview und einordnender Meinung. Einzig die Grammatik scheint einem Autoren etwas durcheinandergeraten zu sein (es mag sich allerdings auch um einen Dialekt handeln); beim Lesen überraschen jedenfalls einige der gesetzten Zeichen. Das ist allerdings ein „Meckern auf hohem Niveau“!

Reddition 83 pages 66, 81

Die Verwertungen

Der Comic ist als Heftserie erschienen, als Sammelbandedition, als einbändige Ausgabe, als Jubiläumsausgabe, als … Sowohl DC Comics als auch die ausländischen Lizenznehmer (In Deutschland Carlsen und Panini) haben immer wieder neue Editionen verlegt. Fairerweise sei angemerkt, dass diese auch gekauft wurden! DC hat aber auch eine Passage des Vertrages ausgenutzt, um eine Reihe von Prequels, ein Crossover und ein Sequel zu veröffentlichen, die je nach Thema mehr oder weniger kritisch aufgenommen worden waren. Wie weit muss ein Verlag die Wünsche eines Autoren berücksichtigen? Und wie weit darf ein Verlag gehen, der unzweifelhaft Geld verdienen muss? Die Fragen werden gestellt, dankenswerterweise aber nicht von der Kanzel herab beantwortet. Jede*r Leser*in möge sich selbst ein Bild machen.

Als Service werden dabei alle Miniserien kurz vorgestellt und inhaltlich eingeordnet. Und auch die Versuche, das Werk in bewegte Bilder zu übertragen werden vorgestellt und bewertet. Dabei fällt auf, wie schwierig es ist, die Komplexität und Verschränkheit einer Literaturform (und ja, für mich sind Comics Teil der Literatur) im Medium Film darzustellen. Selbst der Comic nimmt schon viel der eigenen Vorstellungskraft, die es uns ermöglicht, das Gelesene wahrzunehmen und zu „erleben“. Trotzdem können Gleichzeitigkeiten quasi nachträglich im Gehirn erzielt werden. Im sequenziellen und passiven Sehen ist das deutlich schwieriger. So ist der Comic im Comic als Konzept völlig logisch, das Lesen eines Comics im Film aber unheimlich schwierig darzustellen.

Reddition 83 page 72

Der perfekte Begleiter zur Serie

Viele Comics gehören in eine bestimmte Zeit, manchmal auch zu einem bestimmten Lebensabschnitt. Nur wenige Comics haben es wirklich verdient, über die Jahrzehnte hinweg immer wieder gelesen zu werden. Dazu gehören The Watchmen (oder Deutsch – „Die Wächter“) ganz ohne Zweifel! Wer schon immer mal wieder vorhatte, sich dieses Vergnügen erneut zu gönnen, sollte vorher dieses Dossier lesen und auf Grund der Lektüre in der Lage sein, neue Dinge zu entdecken. Allen anderen, die sich mit den Fragen von Politik, Bedrohung, Manipulation, Recht und Gerechtigkeit beschäftigen, einen sehr unterhaltsamen, gleichzeitig aber auch fordernden Ansatz mit immer noch überragenden grafischen Umsetzungen genießen wollen, können von der Einführung durch dieses Dossier nur profitieren.

Vielleicht noch der Hinweis, dass das Dossier einen Spoiler enthält, der einen wesentlichen Teil der Geschichte verrät. Dieser Spoiler ist im Zweifel aber sowieso bekannt. Für Abonnent*innen der Zeitschrift liegt der Reddition 83 wie immer ein Goodie bei. Dieses Mal eine wie immer von Volker Hamann sorgfältig recherchierte und bebilderte Bibliographie aller amerikanischen und deutschen Ausgabe der Watchmen und der assoziierten Serien zwischen 1986 und 2026 im Heftformat.

Beilage Reddition 83

Dazu passen New Order mit „State of the Nation ” und ein Absinth.

© der Abbildungen Cover © DC, 2019, ansonsten bei den jeweiligen Autoren und Verlagen / Verlag Volker Hamann, Edition Alfons 2026

Kris/Lambil – Die Blauen Boys 49

Irish Melody

Story: Kris
Zeichnungen: Willy Lambil

Originaltitel: Le Tuniques Bleues 66

Salleck Publications

Softcover | 48 Seiten | Farbe | 12,00 € | 
ISBN: 978-3-89908-847-2

Cover Die Blauen Boys 49

Begonnen hatte die Blauen Boys anfangs hauptsächlich als humoriger Nachfolger für den von Spirou zur Konkurrenz gewechselten Lucky Luke mit Zeichnungen von Salverius nach Szenarien von Raoul Cauvin. Als Zeichner übernahm nach dem Tod des ersten Willy Lambil. Mittlerweile ist auch Cauvin verstorben und Kris hat die Aufgabe übernommen, die sich immer mehr zur Armee- und kriegskritischen Reihe entwickelten Abenteuer der beiden Soldaten der Nordstaaten fortzuführen.

Auswanderer im Mittelpunkt

Niemand mit weißer Hautfarbe in Amerika hat keine Migrationswurzeln. Umso erstaunlicher sind manche Debatten, die Einwander*innen ehrliche Motive absprechen wollen, schließlich sind viele der Zugezogenen unzweifelhaft „politische Flüchtlinge“ gewesen, die meisten jedoch waren Wirtschaftsflüchtlinge, die sich weniger Hunger und Prosperität versprachen. Viele davon kamen aus Irland. Wie alle anderen Gruppen auch brachten sie ihre Folklore mit sich und St. Patrick ist in den USA noch immer ein riesiges Fest.

Kris spielt mit den Vorurteilen über die Iren: traurige Lieder, fröhlich dargebracht, Stout, das vor dem Servieren „wie ein Soldat“ ruhen muss und der Wunsch für ein befreites, vereinigtes Irland. Sgt. Chesterfield, auffällig durch seine roten Haare, wird von einem Angehörigen der Irischen Brigade (der Nordstaaten) als Cousin identifiziert und rutscht langsam in eine emotionale Zwickmühle: Möchte er sich als „Corny“ seinen vermeintlichen Landsleuten anschließen oder weiterhin zusammen mit „seiner einzigen Familie“ Blutch in der Infanterie dienen.

Die Blauen Boys 49 page 13

Die Kritik an den Zuständen im Krieg, die Missachtung der menschlichen Schicksale durch die Generäle und der Widerspruch zwischen soldatischen Lebenswirklichkeiten und Befehlen wird deutlich, als sich Irische Brigaden auf beiden Seiten des Schlachtfeldes gegenüberstehen. Irish Melody ist eine traditionsbewusste und gelungene Fortführung der Erfolgsserie. Im Original gibt es mittlerweile schon weitere neue Bände.

Gelungene Überspitzung

Natürlich sind die Vorurteile gegenüber der irischen Kultur eine Steilvorlage für jeden guten Zeichner. Auch Lambil genießt es, Menschen in grünen Kostümen als Leprechaun oder am Tresen mit einem Guiness darzustellen. Und auch die Lust am Singen lässt sich den Bildern ablesen. Besonders gut gelingen ihm in diesem Band die Gesichtsausdrücke seiner beiden Helden, die darüber zweifeln, was sie tun sollen.

Die Blauen Boys 49 page 14

Und auch die Freund*innen der Natur kommen in diesem Band wieder auf ihre Kosten. Wie immer sind einige Tiere die Stars ihrer Panel, selbst wenn sie nur wie zufälliges Beiwerk wirken. Und auch der Detailreichtum der Hintergründe lädt zum Verweilen bzw. zum mehrmaligen Lesen ein. Mehr kann man von einer Reihe mit fast 70 Bänden nun wahrlich nicht verlangen!

Die Perpetuierung eines erfolgreichen Konzepts!

Die Blauen Boys sind eine echte Erfolgsgeschichte und haben schon lange bewiesen, dass sie mehr als ein lückenfüllender Ersatz sind. Mehr noch, da niemand mehr von der Originalbesetzung dabei ist, ist auch klar, dass das Konzept als Solches funktioniert. Natürlich braucht es auf künstlerischer Seite genügend Talent um das auch an die Käufer*innen zu bringen. Bei Lambil steht das außer Frage und Kris hat einen guten Start!

Detail Die Blauen Boys 49 page 17

Gleichzeitig erscheint auch der siebte Band der Gesamtausgabe (Rezension folgt). Nachdem nun alle bei Bastei veröffentlichten Geschichten eine vernünftige Übersetzung und eine angemessene Form gefunden haben, werden auch die bei Carlsen erschienenen Bände aufgenommen. Damit wird ab jetzt der deutsche Sonderweg in der Zählung der Bände offensichtlich, hatte man sich damals doch entschieden, mit einer „1“ neu zu starten.

Dazu passen Keith and Tex mit „Gun Life“ und ein Starnberger Helles!

© der Abbildungen DUPUIS 2022 – Lambil & Kris / 2026 Eckart Schott Verlag

Flix/Kleist – Lucky Luke Hommage 8

Die Grimm Brothers

Story: Flix
Zeichnungen: 
Reinhard Kleist

Originalausgabe

Egmont Comic Collection

Softcover/Hardcover | 48 Seiten | Farbe | 9,99 € / 17,00 € | ISBN: n/a / 978-3-7704-1184-9

Cover Lucky Luke Hommage 8
© Lucky Comics 2026 /Story House Egmont

Eine weitere Hommage aus deutschen Landen. Mawil und Ralf König hatten sich bereits mit dem Cowboy, der schneller schießt als sein Schatten beschäftigen dürfen, Flix brachte schon Spirou und das Marsupilami in die deutsche Hauptstadt. Und auch die Hauptserie hat immer mal wieder Bezüge zu deutschen Einwander*innen aufgenommen, zuletzt die deutsche Braukultur.

Märchen und ihre Folgen

Co-Helden dieser Geschichte sind die Brüder Grimm. Bekannt für ihre Sammlung von deutschen Märchen und ihre Beschäftigung mit der deutschen Sprache begeben sie sich in diesem Album auf eine Reise, die nie stattgefunden hat: Sie machen eine Lesetour durch die Vereinigten Staaten. Sie treten in verschiedenen Saloons auf, die mit europäischen Salons jedoch wenig gemein haben.

Zudem ist das amerikanische Publikum an ihren Haus- und Hofmärchen nicht interessiert. Lucky Luke hat jedoch eine Idee, wie die Reise möglicherweise gerettet werden könnte: Es müssten amerikanische Märchen präsentiert werden! Da die beiden allerdings Sammler und keineswegs Geschichtenerfinder wie ein gewisser Herr Andersen sind, muss zunächst eine Quelle gefunden werden.

Werbung für Lucky Luke Hommage 8
© Lucky Comics 2026 /Story House Egmont

Die Rettung scheint in Form von Ma Dalton gefunden zu sein: Das Publikum ist begeistert von der Erzählung über die Daltons. Diese allerdings fühlen sich auf das Übelste verleumdet, sollen sie doch plötzlich gut geworden sein. Das Spektakel möge beginnen… Flix schreibt recht witzig, baut viele Reminiszenzen ein und trifft auch den Ton einer Hommage recht gut.

Unverkennbar ein Kleist

Reinhard Kleist hat sich zuletzt immer wieder an Helden der Popkultur abgearbeitet und die Essenz ihres Lebens in Form von Graphic Novels veröffentlicht: Beispiele sind David Bowie und Johnny Cash. Insofern passt es, dass er den beiden deutschen Gelehrten, deren Werke immer noch in vielen deutschen Kinderstuben zur Grundausstattung gehören, ein fiktives Denkmal setzt. Wer genau hinschaut, wird Charaktere aus seinen anderen Werken hier wiederfinden.

Sein Strich ist stark angelehnt an die erwarteten Figuren, lässt sich aber eindeutig als „echter Kleist“ erkennen. Diese Mischung aus klassischem frankobelgischem Comic und künstlerischem Graphic Novel Stil ist zunächst einmal etwas verwirrend. Man muss sich erst ein wenig eingrooven, dann aber passt das Ganze zumindest für mich. Die Hintergründe sind allerdings manchmal etwas zu psychedelisch geraten, die Traumsequenz dagegen fantastisch!

Illustration zu Lucky Luke Hommage 8
© Lucky Comics 2026 /Story House Egmont

Eine gelungene Hommage!

Eine Hommage ist etwas anderes als ein One-Shot: Er soll einen fremden Blick auf wesentliche Elemente werfen, diese aber in einer freundlich anerkennenden, jedoch eigenen Weise darstellen. Das gelingt hier gut. Flix nimmt viele Elemente der Serie mit hohem Wiedererkennungswert auf, Kleist zeichnet die Figuren erkennbar und anders.

Die Idee, klassische Figuren der deutschen Literaturgeschichte in den Wilden Westen zu verpflanzen und sie dort als Fremdkörper agieren zu lassen, hat ihren Charme, wird außerhalb von Deutschland aber kaum funktionieren. Und insofern bestätigt dieser Comic sich in gewisser Weise auf der Metaebene selbst. Wie immer gibt es neben der Softcover-Kioskausgabe auch eine gebundene für den Buchhandel und eine limitierte Vorzugsaugabe mit Variantcover und Gimmicks.

Dazu passen Bruce Springsteen, etwa mit „Western Stars“ und ein Bulleit Rye.

© der Abbildungen © Lucky Comics 2026 /Story House Egmont

Reimerthi, Avenell/Bade – Phantom – Die Heiner Bade Collection 1

Der weiße Elefant & Der Geisterpirat

Story: Claes Reimerthi, Donne Avenell
Zeichnungen: 
Heiner Bade

Originaltitel: Den vita Elefanten (Fantomen 14/2008); Spökpiraten (Fantomen 16/2002)

edition Comics & Mehr

Hardcover | 72 Seiten | Farbe | 22 € | ISBN: 978-3-912447-01-9

Cover Phantom - Heiner Bade Collection 1

Und noch eine Serie über einen der ältesten noch publizierten Superhelden der Welt. Der wandelnde Geist dürfte vielen aus der Generation ZACK noch aus frühen Jahren bekannt sein, war die Bastei-Serie doch überall zu finden. Danach wurde es zumindest bei uns sehr ruhig über den maskierten Helden, der seit Generationen über Bangalla wacht. Vor einigen Jahren explodierte dann die aufgestaute Nachfrage und hält bis heute an. Mehr zur Serie und den Veröffentlichungen im Werk von Christian Blees, Comics erscheinen unter anderem bei Zauberstern, Kult, und in der ZACK-Edition.

Wilderei und ein Fluch

Die neue Reihe widmet sich ausschließlich Geschichten mit Lee Falk‘s Phantom, die von Heiner Bade gezeichnet worden sind. Der in Hamburg geborene und 2025 verstorbene Zeichner lebte allein von seiner Comickunst, ist in Deutschland aber trotzdem weitgehend unbekannt. Um der damaligen Verpflichtung zum Dienst mit der Waffe zu entgehen, hatte sich Bade entschlossen, nach Schweden auszuwandern. Dort in Sicherheit setzte er seine in Hamburg begonnene Leidenschaft fort, Zeichnungen und Comics zu entwerfen und fand tatsächlich eine Anstellung als Zeichner für das in Schweden sehr erfolgreiche Fantomen-Magazin. Seine Werke wurden in vielen Ländern nachgedruckt, haben aber meistens den Weg in sein Heimatland bisher verpasst. Um wenigstens die besten seiner Arbeiten auch hier zu präsentieren, hat Michael Beck seine vielfältigen Tätigkeiten im Bereich der Neunten Kunst um einen Comic-Verlag ergänzt.

Phantom - Heiner Bade Collection 1 page 3

In Der weiße Elefant wird die Geschichte eines Wilderers erzählt. Nicht von ungefähr erinnert bereits der Titel an die Geschichte von Moby Dick: Er ist von dem Tier besessen und möchte es zur Strecke bringen. Bei einer Begegnung hatte das Tier die gesamte Expedition aufgerieben, allein der Antiheld war verletzt übriggeblieben und anschließend zu einer langen Gefängnisstrafe verurteilt worden. Nun macht er sich, mittlerweile mit einem Holzbein versehen, nach seiner Entlassung wieder auf die Jagd. Verständlicherweise möchte das Phantom allerdings eingreifen.

Der Geisterpirat ist eine Geschichte über moderne und klassische Piraten. An der Küste vor Bangalla sind viele ehemaligen Piratenschätze mit ihren Schiffen gesunken oder wurden dort von Piraten versteckt. Immer wieder tauchen moderne Schatzsucher auf, die die Schätze mit allen Mitteln an sich bringen wollen. Beim aktuellen Versuch müssen wieder Unschuldige leiden und so erreicht ein Hilferuf den wandelnden Geist. Die erste Aktion missglückt und es scheint so, als ob ein mit einem Geisterschiff reisender Geisterpirat den Maskierten retten würde.

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Action und Natur

Die Zeichnungen von Heiner Bade vereinen die typischen und erwartbaren Actionszenen mit wunderschönen Naturszenarien. Die Landschaft ist eigentlich nur Beiwerk, macht das Ansehen der Bilder aber zu einem Genuss! Und auch der majestätische Dickhäuter ist eine Augenweide. In der zweiten Geschichte, die ursprünglich in schwarz-weiß erschienen und erst später koloriert erneut abgedruckt worden war, zeigt Bade, dass er auch „Grusel“ kann. Das Geisterschiff, der Pirat und selbst die Höhle würden jeder Dungeon-Story gut zu Gesicht stehen.

Natürlich ist die Anzahl der Themen rund um den maskierten Helden, der seit Jahrzehnten immer wieder in Erscheinung treten darf, limitiert. Umso mehr kommt es auf den Zeichner an, der diesen Geschichten seinen eigenen Akzent geben kann und über eine reine Routineumsetzung hinausgehende Bilder schafft. Genau das konnte Heiner Bade und deswegen ist es auch richtig, seine besten Arbeiten größtenteils erstmals hier in Deutschland zu präsentieren!

Phantom - Heiner Bade Collection 1 page 5

Einen ersten und zweiten Blick wert!

Komplettsammler*innen werden hier bedenkenlos zuschlagen können – die Qualität der Stories und Zeichnungen liegt weit über dem Durchschnitt! Aber auch Gelegenheitsleser*innen sollten nicht nur einen Blick riskieren: Die Geschichte des Übergangs vom Vater zum Sohn, die hinter der „Unsterblichkeit“ steht, ist schnell verstanden und mehr Vorwissen braucht es nicht. Der Held kämpft für die Menschlichkeit, für die Schwachen, die Natur und Gerechtigkeit, ist also einer der typischen „Guten“. Er besitzt allerdings keine Superkräfte, kann sich somit nur auf sein Geschick und auf seine Einbindung in die lokale Community verlassen.

Der Band enthält zusätzlich eine Einführung in das Leben des Zeichners von Bernd Frenz sowie in die beiden abgedruckten Geschichten und als Gimmick in der ersten Auflage auch noch ein doppelseitiges Poster der Totenkopfhöhle. Die auf 77 Exemplare limitierte Vorzugsausgabe kommt mit anderem Cover und einem ebenfalls limitierten Druck!

Dazu passen Cock Sparrer mit „Watch your back“ und ein Carlsberg Elefant.

© der Abbildungen 2026 King Features Syndicate, Inc/Distr. Bulls | Egmont Publishing AB | 2026 edition comics & mehr

Vernes/Forton – Bob Morane Classic 9

Das Schwert des Paladins

Story: Henri Vernes
Zeichnungen: 
Gérald Forton
Originaltitel: 
L´Épée du Paladin & La Rivière des perles

Blattgold Verlag – ZACK Edition

Hardcover | 72 Seiten | Farbe | 24,00 € |ISBN: 978-3-949987-51-9

Cover Bob Morane Classic 9

Bob Morane ist eine Serie, die medienübergreifend funktioniert! Am Anfang standen die Romane für Jugendliche von Henri Vernes. Die ersten Comic-Umsetzungen erschienen dann in einem belgischen Magazin für moderne Frauen und eroberten von dort aus nicht nur andere Magazine, sondern auch Zeitungen im In- und Ausland. Hörspiele und Adaptionen für das Fernsehen folgten und mittlerweile erscheinen sogar Comics, die nicht mehr auf Romanen des Erfinders fußen. Die Anfänge gibt es gesammelt in der Bob Morane Classic Reihe.

Eine vertrackte Zeitreise und Verdächtigungen in Chinatown

Sollte jemand der Titel des Bandes bekannt vorkommen, hat dieser Mensch gut aufgepasst. Eine Version ist nämlich bereits vor rund zwei Jahren als ZACK Spezial 11 erschienen. Damals als Faksimile des Zeitschriftenabdrucks veröffentlicht, erscheint die Geschichte nun als acht Seiten kürzere Albumversion im Rahmen der Gesamtausgabe der Moranes von Attanasio und Forton.

Das Schwert des Paladin führt Bob und seinen Begleiter Bill Ballantime zurück in die Vergangenheit. Eine junge Frau wird bedrängt und angefeindet, da einer ihrer Vorfahren die fränkischen Truppen den Sarazenen ausgeliefert haben soll. Bob und Bill erinnern sich an das Rolandlied und greifen ein. Dabei treffen sie auf alte Bekannte und haben ohne ihr Wissen einen blinden Passagier dabei.

Bob Morane Classic 9 page 3

Die Perlenkette ist dagegen ein eher klassischer Kriminalfall. Unsere Helden sind in San Franciscos Chinatown unterwegs als ihnen ein bestimmter Laden empfohlen wird. Angeblich könne man dort Ming-Vasen erstehen. Tatsächlich werden sie dort aber niedergeschlagen und als Täter eines Raubes verdächtigt. Während Bill von der Polizei festgesetzt wird, muss nun Bob ihre Unschuld beweisen. Beide Geschichten vereinen die typische Mischung aus Spannung, unerwarteten Wendungen sowie starken Frauenfiguren und erfüllen somit alle Erwartungen der Leser*innen.

Klassische frankobelgische Comickunst

Gerald Forton ist ein typischer Vertreter der realistischen Comics aus dem französischen und belgischen Raum dieser Zeit, nämlich Anfang der 60-er Jahre. Die technischen Möglichkeiten, Bilder digital zu veredeln waren noch nicht gegeben, die Kolorierung durfte nicht zu filigran sein, da Drucktechnik und Papierqualität nicht mit heutigen Ansprüchen vergleichbar waren.

Trotzdem wussten die Akteure sehr genau, wie man Spannungsbogen zu konstruieren hatte und mitreißende Geschichten bildlich erzählen musste. Die Konkurrenz der bewegten Bilder um das Taschengeld war auch damals schon zu spüren!

Bob Morane Classic 9 page 4

Empfehlenswert

Die Reihe ist aufgrund des sehr flexiblen Settings so spannend, dass sie auch heute noch funktioniert. Die Klassiker sind grafisch aufgrund der Vorlagen nicht immer ein Augenschmaus, als Zeitdokument aber trotzdem ok. Und gerade der Vergleich mit der Zeitschriftenvariante ist zusätzlich reizvoll, ermöglicht er doch das Aufspüren der notwendigen Wiederholungen im sequenziellen resp. der Kürzungen im einheitlichen Publizieren.

Wie immer gibt es beim Verlag passende Drucke und für Vorbesteller jeweils ein Schmankerl für ein Abonnement über fünf Bände.

Bob Morane Classic 9 page 5

Dazu passt ein Hit des Jahres 1964, Millie mit „My Boy Lollipop“, und ein Dortmunder-Actien-Bier.

© der Abbildungen Vernes – Bob Morane Inc / Forton – Ed. Hibou | 2026 Blattgold GmbH, Bad Dürkheim

Sente/van Dongen – Blake & Mortimer 28

Die Atlantische Bedrohung

Story: Yves Sente

Zeichnungen: Peter van Dongen

Originaltitel: La Menace Atlante

Carlsen Comics
Softcover | 64 Seiten | Farbe | 12,00 € | ISBN: 978-3-551-80916-2

Cover Blake & Mortimer 28

Der Klassiker von Edgar P. Jacobs wird mittlerweile von unterschiedlichen Teams fortgesetzt, die Bände erscheinen daher in durchaus hoher Frequenz. Für den Zeichner ist es bereits der vierte Band, für den Texter der elfte. Die Erwartungen dürfen also hoch sein.

Krimi und Science-Fiction zugleich

Wie so oft in dieser Serie mischen sich die Elemente einer Kriminalgeschichte mit wissenschaftlichen. Dabei geht es manchmal, wie etwa bei dem Tigerhai um sehr irdische Entwicklungen, also den normalen technischen Fortschritt, teilweise um mythologische Einschläge wie beim letzten Band, manchmal aber auch um tatsächlich außerirdische Technologie und Besucher*innen. Schon Jacobs hatte die Atlantiden eingeführt, die technisch überlegenen Bewohner*innen eines fernen Planeten. Cover und Titel deuten an, dass wir es mit ihnen zu tun haben werden.

Zunächst aber passieren in der Nordsee seltsame Dinge: Menschen und Tiere sterben plötzlich, Jahrhunderte alte Leichen werden angespült und es kommt sogar zu einem Tsunami mit gravierenden Folgen. Commander Blake wird mit der Untersuchung der Vorfälle beauftragt während sich sein Freund, Professor Mortimer, in Schottland mit vulkanischen Böden beschäftigt. Sie erkennen schließlich, dass verschiedene Vorkommnisse zusammengehören und beschließen der Sache zusammen auf den Grund zu gehen.

Blake & Mortimer 28 page 3

Im Zentrum der Geschehnisse scheint ein Schiff zu stehen auf dem der ihnen wohlbekannte Doktor Grossgrabenstein Forschungen durchführt. Dieser war unseren Helden schon früher einmal begegnet, allerdings zunächst als Maskierung des Schurken Olrik. Aber auch bei den Atlantiden gibt es eine ernsthafte Bedrohung, denn eine ihrer drei Sonnen kollabiert und die Energieversorgung kann nicht mehr aufrechterhalten werden.

Zeichnungen im klassischen Stil

Peter van Dongen zeichnet ganz im klassischen Stil der Geschichten von Edgar P. Jacobs, jedoch ohne ihn dabei zu kopieren. Die Seiten sind im Streifen-Layout gestaltet, allein die Höhe der Streifen variiert von Seite zu Seite. Nur ein einziges Panel ist kreisförmig, sonst sind nur rechte Winkel zu sehen. Serientypisch haben fast alle Panel eine ganze Menge an Text der meistens als Sprechblase ausgestaltet ist. Die beiden Hauptfiguren, aber auch Olrik weichen leicht von den Originalen und anderen Interpretationen ab, wirken aber trotzdem vertraut.

Blake & Mortimer 28 page 4

Die Zeichnungen selbst haben eine hohe Dynamik und wirken wie aus einer 60-er Jahre Verfilmung, etwa „Die Zwei“ oder „Mit Schirm, Charme und Melone“: es gibt kein überflüssiges Pyro-Gemetzel! Die Bilder unterstützen dadurch die Handlung, die ein gewisses britisches Tempo hat. Obwohl die Uhr tickt, wird niemand richtig nervös und man kann es sich kaum vorstellen, dass jemand ins Schwitzen gerät. Gleichzeitig leidet darunter die Spannung nicht!

Eine gute Fortsetzung

Das für mich Spannende an dieser Reihe ist, wie aktuelle Teams alte Hinweise und Fäden aufnehmen und daraus etwas Neues basteln. Mittlerweile ist das Geflecht so groß, dass die Abhängigkeiten schon über mehrere Teams und in beide zeitlichen Richtungen gehen. Das bedeutet aber auch, dass neue Leser*innen quasi mit jedem Band neu einsteigen können und sich sowohl rückwärts als auch vorwärts weiterhangeln können.

Blake & Mortimer 28 page 5

Yves Sente hat sich zu dem aktuellen Stammautoren entwickelt, der seine Referenzen nicht mehr nachschlagen muss, weil er sie verinnerlicht hat. Dadurch bekommt die Reihe eine hohe immanente Stabilität. Die Bände, die ein wenig aus diesem Konzept rausfallen, erscheinen in der Spezial-Reihe. Wer mehr wissen möchte, sei auf das bald erscheinende Lexikon oder das Dossier der Reddition verwiesen.

Dazu passen The Yardbirds mit „Heart full of Soulund ein London Ale.

© der Abbildungen 2025 Éditions Blake & Mortimer / Studio Jacobs (Dargaud-Lombard S.A.) | 2026 Carlsen Verlag GmbH, Hamburg

Hal Foster’s Tarzan. The Complete Sunday Comics

1931 – 1937

Herausgeber/Autor: Dian Hanson

Artist: Hal Foster

Originalausgabe

Taschen Verlag

Hardcover XXL | 392 Seiten | Farbe | 200,00 € | ISBN: 978-3-7544-0264-1 (EN, DE, FR)

Cover Hal Foster's Tarzan
(c) Tarzan Hal Foster newspaper strips © ERB, Inc. All Rights Reserved.

Es gibt nicht viele Ikonen der Popkultur deren Ruf unabhängig von Schauspieler*innen oder Künstler*innen ist. Abgesehen von einigen Superheld*innen gehören dazu anthropomorphe Wesen aus dem Disney-Universum, ein schwertschwingender Barbar, ein maskierter und berittener Rächer und auf jeden Fall auch die Erfindung von Edgar Rice Burroughs: Tarzan! Ob als Held von Pulp-Romanen, auf der Leinwand oder sogar als Musical-Star, Tarzan hat sich schon lange von seinen Ursprüngen befreit und ist zu einem Mythos geworden, der immer noch größer wird. Dazu beigetragen haben mit großer Wahrscheinlichkeit auch die Comics von Hal Foster!

Die kleine Flucht am Wochenende

Es ist schon viel über die Ursprünge der Zeitungsstrips geschrieben worden. Die Stars dieser Szene wurden zu Millionären, der Kampf der Zeitungsgiganten um die besten Talente war legendär. Und doch ist der Hintergrund relativ einfach: wie bekomme ich die Käufer*innen meiner Zeitung dazu, dass sie auch am nächsten Tag wieder zu meinem Blatt greifen? Der Tagesstrip musste also in einem Streifen die Leser*innen abholen, etwas Neues hinzufügen und mit einem Cliffhanger schließen, um die Neugierde in klingende Münze umzuwandeln.

Die Sonntagsseiten hatten es da viel einfacher. Das Prinzip ist natürlich das Gleiche, es stand aber eine ganze Seite zur Verfügung. Die Entwicklung der Figuren konnte ausführlicher geschehen, die Hintergründe konnten ausgearbeitet werden und nicht zuletzt waren diese Seiten farbig. Während heutzutage bei vielen die Assoziation Zeitungscomics gleich Kinderseite fällt, richteten sich die Werke damals explizit an Erwachsene. Foster musste daher gegenüber den Stories aus den Pulps keine Abstriche machen, Folter, Mord, freizügig gekleidete Frauen finden sich somit in allen Geschichten wieder.

Hal Foster's Tarzan - the 2029 run
(c) Tarzan Hal Foster newspaper strips © ERB, Inc. All Rights Reserved.

Vom illustrierten Text zu Prinz Eisenherz

Die erste Umsetzung erfolgte noch in Tagessteifen. 1929 erschien Tarzan of the Apes in 60 Folgen von jeweils fünf Bildern zu einem Auszug des Textes, der unter den Illustrationen platziert worden war. Die nicht kolorierten Streifen lassen die spätere Dynamik noch etwas vermissen, zeugen aber schon von der Kompositionsfähigkeit von Foster. Er weiß genau, wann es besser ist, eine Figur nur von hinten zu zeigen, wann eine Totale besser ist und wann Action dargestellt werden muss. Die Meisterschaft, das Gewünschte mit so wenig Strichen wie möglich darzustellen, fehlt zwar noch, die Beherrschung des Schwarzraums ist aber schon deutlich zu erkennen. Wie einige andere Vorläufer auch enthält der Band nicht nur die im Titel angekündigten Sundays, sondern auch diese Abfolge von Daylies!

Nach Abschluss dieses Runs, der in England veröffentlicht worden war, hatte der aufstrebende Zeichner Foster keine Lust, sich weiterhin auf den täglichen Stress und die weiteren Einschränkungen einzulassen. Trotzdem hatte die Umsetzung auch das Interesse der amerikanischen Newspapers geweckt. Wie der sehr gut lesbare und wissensreiche einführende Artikel (in drei Sprachen: Englisch, Deutsch und Französisch) beschreibt, war Burroughs mit den Ergebnissen seines Nachfolgers/Vorgängers allerdings alles andere als zufrieden. Und so kam es, dass Foster ab dem 27. September 1931 die Sonntagsseiten übernahm. Üblicherweise hatte der Künstler nun 12 Panels und eine über die ganze Breite gehende Kopfzeile zur Verfügung. Und auch in diesem Setting behielt er seine Angewohnheit bei, mit schwarzen Flächen zu arbeiten. Einige der zusätzlich abgedruckten, nicht kolorierten Beispiele zeigen, wieviel Tiefe diese Eigenheit den Bildern verliehen hat.

Das erste Abenteuer spielt in der Wüste in einer arabischen Gegend, 1932 geht es dann zurück in den Dschungel. Während einige der Gegner*innen durchaus stereotyp dargestellt werden, versucht Foster doch durchgehend, nicht nur Vorurteilen Raum zu geben, sondern auch „Gut“ und „Böse“ entsprechend darzustellen. Zudem war die zeitimmanente Erwartung, etwas „Exotisches“ präsentiert zu bekommen. Gegenstand der Zeichnungen sind immer wieder Kämpfe mit Tieren. Die Gegner sind Löwen, Affen oder Krokodile und fordern dem König des Dschungels alles ab. Natürlich hilft es dabei, einen muskelbepackten Körper zu haben der nur wenig von Stoff bedeckt ist. Auch diese Erwartungen an „den guten, weil weißen Wilden“ werden somit erfüllt.

Hal Foster's Tarzan Sunday pages - 122/123
(c) Tarzan Hal Foster newspaper strips © ERB, Inc. All Rights Reserved.

Die männlichen Leser dürften neben der Anerkennung der Kraft eher die Bekleidungen der weiblichen Protagonistinnen wertgeschätzt haben. Auch hier wurden zwar nie Konventionen verletzt, ihre Grenzen wurden aber das eine oder andere Mal angetestet. Etwas Fantasy-lastig wird es dann später im Jahr. Man darf nicht vergessen, dass die Welt keineswegs vollständig erforscht war. Neben Gerüchten und Sagen über Meeresungeheuer gab es noch vollkommen unbekannte Landstriche in denen Tiere und Pflanzen aus der Vergangenheit hätte überdauern können. Und so muss sich auch Tarzan mit Dinosauriern herumschlagen.

1933 steht unter dem Motto „Das Monster“. Nicht nur in der realen Welt schwingt sich ein Massenmörder zum Herrscher einer Nation auf und wird schließlich eine ganze Welt in einen Krieg verwickeln, auch im Comic gibt es Menschen, die nur sich selbst für voll nehmen. 1934 sind dann schon erste Vorboten der späteren, noch erfolgreicheren Serie von Hal Foster zu sehen; Prinz Eisenherz wird die Geschichte eines Jünglings und späteren edlen Ritters erzählen, der Grenzen weder kennt noch akzeptiert. Sowohl die Konzeption der Seiten als auch die Farben sind bereits ähnlich, auch Frisuren lassen sich im Rückblick wiedererkennen.

Während 1935 im Zeichen der Liebe und der verschiedenen Frauen steht, die umworben, verstanden und verteidigt werden wollen, geht es 1936 ans Eingemachte. Tarzans Aufgaben erfordern zunächst wieder mehr Action, er wird allerdings verurteilt und muss sich beweisen. Wieder steht eine Frau in der Mitte des Konflikts. Am Ende erfolgt dann ein auch inhaltlich bedeutsamer Kontakt mit moderner Technik. Während die meisten bisherigen Stories fast zu jeder Zeit hätten spielen können, taucht nun die wirkliche Moderne in Form eines Flugzeugs auf. 1937 endet dann der Run, Prinz Eisenherz wird ab jetzt bis zum Ende das Comic-Schaffen von Hal Foster bestimmen.

Hal Foster's Tarzan Sunday pages - 308/309
(c) Tarzan Hal Foster newspaper strips © ERB, Inc. All Rights Reserved.

Eine Karriere, die einen Roman ermöglichen würde…

Man mag den früheren Zeiten hinterhertrauern oder auch nicht. Mit Sicherheit war das Leben vor 100 Jahren mit dem heutigen in keiner Weise zu vergleichen. Natürlich gab es auch damals „gerade Lebensläufe“ die bruchlos von der Jugend bis ins hohe Alter verliefen. Viel häufiger waren aber Wendungen, die Ortswechsel, unterschiedliche Berufe und Leben an der Armutsgrenze einschlossen. Wer Glück hatte, fand schließlich genügend Halt, um eine Familie ernähren zu können, vielleicht sogar zu Ansehen zu gelangen; vielen gelang das allerdings nicht.

Auch der Weg von Hal Foster, der in der gut lesbaren und sehr informativen Einführung von Dian Hanson beschrieben wird, war alles andere als gradlinig oder erfolgversprechend. Zwar hatte der junge Hal den Vorteil, Bildung aufsaugen zu wollen, allein, die Verhältnisse ließen das nicht immer zu. Dieser Band ist für den einführenden Teil dreisprachig, die Comics sind als Faksimile naturgemäß nur auf Englisch abgedruckt. Es lohnt sich aber trotzdem, alle drei Teile zumindest durchzublättern, da sie alle unterschiedlich illustriert sind.

Hal Foster's Tarzan - Secondary content
(c) Tarzan Hal Foster newspaper strips © ERB, Inc. All Rights Reserved.

Die Autorin hat bereits mehr als 50 Bücher verantwortet, unter anderem den Taschen-Band über Frank Frazetta und Werke über Pin-Up und Fantasy Art.

Ein wertvoller Bestandteil einer guten Sammlung

Man kann Comics auf viele verschiedene Weisen genießen. Am einfachsten ist sicherlich die rein konsumtive Art: lesen, sich freuen, und weitergeben. Viele werden irgendwann anfangen, die besten Werke aufheben, sammeln und somit komplettieren zu wollen. Dann wird vielleicht aus dem Heft mit schlechter Papierqualität der Sammelband und aus diesem die Gesamtausgabe mit zusätzlichen Informationen und Illustrationen. Man fängt an, andere Serien der gleichen Künstler*innen haben zu wollen oder aber andere Highlights aus dem gleichen thematischen Bereich. Das ist der Anfang einer Sammlung!

Der zweite Schritt liegt oft darin, sich mit Werken über sein Hobby einzudecken: Fachzeitschriften und Bücher über Comics erlauben Einordnungen und stellen Beziehungen her. Gleichzeitig erlauben sie auch ein Verständnis über die Anfänge und Comic-Meilensteine, die bereits in der Vergangenheit liegen. Hal Foster’s Tarzan ist ein solcher: die Qualität der Zeichnungen, die Foster über die Jahre entwickelt hat, die Beherrschung der Linien und Flächen, die zusammen ein Größeres ergeben, ist auch heute noch Maßstäbe setzend.

Natürlich sind die Seiten nicht das erste Mal publiziert worden. Das XXL-Format ermöglicht es aber, die Seiten quasi original aufzunehmen, entspricht das Format doch den früheren Sonntagsseiten weitgehend. Die Reproduktionen versuchen auch, die originalen Farben und Rasterungen so gut wie möglich wiederzugeben. Der Unterschied liegt daher in der Qualität des Papiers und in der hervorragenden Aufmachung als reichlich illustriertes Hardcover mit passendem Umverpackungskarton. Der Inflation geschuldet ist der Preis dieser Bände allerdings um 25 Euro auf nun 200 gestiegen. Der Band passt zu den anderen Comic-Libraries von Taschen: Carl Barks‘ Donald Duck, Weird Science, Marvel!

Dazu ein Raffo Lavorazione Grezza und einen Klassiker: Desmond Dekker mit „The Israelites“.

© der Abbildungen 1929, 1931 – 1937, 2026 Edgar Rice Burroughs, Inc. / 2026 Taschen GmbH, Köln

Graton, Duval/Graton – ZACK Spezial 19: Michel Vaillant präsentiert :

Der Unbekannte der Tour de France

Story: Jean Graton, Yves Duval

Zeichnungen: Jean Graton

Originaltitel: Palmares Inedit 6 – L´innconnu du Tour de France

Blattgold Verlag – ZACK Edition

Softcover | 64 Seiten | Farbe | 18,00 € | Limitiert auf 777 + 55 Exemplare | ISBN: n/a

Cover ZACK Spezial 19

Wie schon in der Besprechung zum ZACK Sonderheft 4 angemerkt: Michel Vaillant ist momentan wirklich präsent! Während sich die Gesamtausgabe der ersten Staffel dem Ende nähert, ist die zweite in voller Fahrt. Dazu kommen die Legenden, der Spinn-Off zu Henri Vaillant, dem Gründer des Unternehmens Vaillante, der Reboot von Julie Wood und erstmals Auszüge der Dossiers. Es fehlten dagegen noch die meisten Bände der Reihe Palmares Inedit. Während die Familie Labourdet ab dem Herbst ihre eigene Reihe bekommt, liegen die Sport-Stories nun erstmals komplett auf Deutsch vor.

Das berühmteste Radrennen der Welt im Fokus

Auch wer sich nicht unbedingt für den Radsport interessiert, hat auf jeden Fall schon einmal von der Tour de France gehört. Das TV-Programm wartet mit Sondersendungen und Livebildern auf und viele sonst nicht so sportbegeisterte Deutsche können den Unterschied zwischen einem Gelben und einem Gepunkteten Trikot erklären. Eine Zeitlang drehte sich die Diskussion hauptsächlich darum, wer des Dopings (noch nicht) überführt worden war; mittlerweile gilt die Sportart aber wieder als sauber.

Die Anfänge der Tour als Werbemaßnahme einer Sportzeitschrift, die Entwicklung von einem Rennen über wenige Etappen hin zu einem fast einen Monat andauernden Spektakel und die Helden der ersten Jahre sind aber weitgehend unbekannt. Jean Graton war nicht nur ein begeisterter Anhänger des Motorsports, zu Beginn seiner Karriere hat er sich auch dem Radsport sehr hingezogen gefühlt.

ZACK Spezial 19 page 4

Diese Leidenschaft merkt man den, teilweise zusammen mit Yves Duval geschriebenen Episoden an: der Sportsgeist, der unbedingte Wille, durchzuhalten und zu gewinnen, die Aufgaben im Team und sogar die Taktik während eines so langen Rennens sind Themen der Kurzgeschichten, die in spannende und auch noch heute lesbare Episoden verpackt worden sind. Natürlich haben sie alle einen kleinen nostalgischen Touch, aber sie handeln ja auch von den Anfängen!

Unverwechselbarer Graton-Stil

Die Leidenschaft für den Sport wird nicht nur in den Stories deutlich, auch die Zeichnungen sind akkurat und lassen die Anspannungen und Gefühle der jeweiligen Akteure fast greifbar erscheinen. Die meisten Geschichten würden heute wohl als „Bio-Pic“ bezeichnet werden, sie sind aber alles andere als distanziert. Die Leser*innen werden direkt in das Geschehen geworfen und sind quasi live mit dabei, wenn der Berganstieg ansteht oder der Reifen geflickt werden muss.

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Vom Stil her entsprechen die Zeichnungen dem frühen Graton, sind sie doch zwischen 1954 und 1964 erstmals im Tintin-Magazin erschienen. Fans des klassischen Michel Vaillants werden einige Gesichtszüge und Panel-Layouts wiedererkennen. Die Akribie und die Detailbesessenheit waren schon damals vorhanden und machen die Geschichten zu einem Genuss für alle Fans der Sportcomics.

Nicht nur für Komplettist*innen

Weiteres Lob hieße, Eulen nach Athen zu tragen. Sportcomics sind sicherlich nicht jedermanns Sache, Radsport im Allgemeinen ist nicht unbedingt ein Quotenhit. Hier aber geht es um eines der größten Events der Sportwelt, die Tour de France, und ihre Anfänge. Die Qualität von Duval und Graton steht außer Frage und es handelt sich auch keineswegs um einen Aufguss von Bekanntem, da der Band bisher nicht auf Deutsch erschienen war.

Ich bin mir ziemlich sicher, dass auch Band 19 der ZACK-Spezial-Reihe in Kürze als „vergriffen“ gelistet werden wird. Wer mag, kann sich beim Verlag auch noch einen dazu passenden, ebenfalls limitierten Druck bestellen. Dieser hat allerdings ein Auto-Motiv.

limitierter Druck zu ZACK Spezial 19

Dazu passen Queen mit „Bicycle Race“ und ein isotonisches Getränk eurer Wahl!

© der Abbildungen Dupuis 2003 by Jean Graton, Yves Duval, M. Deverchin | 2026 Blattgold GmbH

Vernes/Forton – ZACK Spezial 18: Bob Morane 5

Das höllische Tal

Story: Henri Vernes

Zeichnungen: Gérald Forton

Originaltitel: La vallée infernale

Blattgold Verlag – ZACK Edition

Softcover | 48 Seiten | Farbe | 14,00 € | Limitiert auf 777 + 55 Exemplare | ISBN: n/a

Cover ZACK Spezial 18

1967 markierte das Ende des Runs von Gérald Forton für Bob Morane, 26 Jahre später griff er abermals zum Zeichenstift. Erneut präsentiert Georg F. W. Tempel eine Besonderheit dieser langlebigen Reihe als ZACK-Spezial-Album. Obwohl die Limitierung mit 777 Exemplaren höher ist als gewöhnlich, lohnt sich eine schnelle Bestellung da fast alle Alben mittlerweile verlagsvergriffen sind.

Ein sehr abgeschiedenes Tal

Die Serie Bob Morane richtete sich ursprünglich an jugendliche Leser. Der dieser Comic-Umsetzung zugrundeliegende Band erschien erstmals 1953 in der Reihe Marabout Junior, in Deutschland wohl am ehesten dem Schneider-Buch aus den 70-er Jahren vergleichbar. Es ging um Thrill, Exotik und Spannung in einer Weise, die Jugendliche zwar fesseln, sie aber auch nicht überfordern sollte. Die Welt war damals noch deutlich unbekannter und geheimnisvoller als heutzutage, political correctness noch komplett unbekannt.

Der erste schockierende Moment ist der erzwungene Absturz von Morane und seinem Begleiter Bill Ballantine auf einem Flug über Neuguinea. Ihre Passagiere entpuppen sich als Gangster, die sakrale Edelsteine entwenden wollen. Da das Flugzeug zerstört worden ist, müssen sie sich nun nicht nur um die Verhinderung des Raubzugs kümmern, sondern auch für eine Rückkehr in die Zivilisation sorgen. Schnell treten auch Alfourous auf, die zwei der Gangster gefangen nehmen. Die Darstellung der Krieger und ihres Stammes ist zwar nicht unbedingt rassistisch, aber auch nicht frei von Stereotypen.

ZACK Spezial 18 page 3

Im weiteren Verlauf treffen unsere Helden auf weitere Weiße, die in dem Tal gestrandet sind, haben mit sich bekämpfenden Bewohner*innen zu tun, treffen auf „edle Wilde“ wie auf solche, die noch Menschenopfer praktizieren, und versuchen, den Plan der Gangster zu verhindern. Die Geschichte ist spannend, Vernes vergisst nicht, zwischendurch immer wieder eine Portion Humor einzustreuen, und natürlich geht sie gut aus.

Ein Produkt der 90-er

ZACK Spezial 18 page 4

Forton ist sichtlich bemüht, den Anforderungen der Zeit zu begegnen. Sowohl die Zeichnungen selbst als auch die Kolorierung sind deutlich moderner als während seines ersten Runs und auch bei der Darstellung der nativen Bewohner*innen ist sein Versuch anzuerkennen, auf Stereotypen weitgehend zu verzichten. Beim Paipai gelingt das nur bedingt.

Ansonsten werden die Zeichnungen alle Fans des realistischen frankobelgischen Magazin-Comics alter Schule überzeugen können. Sowohl Figuren als auch Dschungel und Vulkan/Berg-Szenen wirken durchdacht und korrekt, die Dynamik lässt ebenfalls nichts zu wünschen übrig. Allein das konsequent durchgezogene dreistreifige Layout mag etwas irritieren, ist aber aufgrund wechselnder Höhen nicht schematisch.

Detail ZACK Spezial 18 page 7

Eine Empfehlung

Für die Sammler*innen der ZACK-Spezial-Reihe gibt es wahrscheinlich nur höchst selten einen Grund, einen Band auszulassen. Das höllische Tal wird aber zu Recht auch Gelegenheitskäufer*innen anziehen – spannend, keinesfalls veraltet oder altertümlich, aber nostalgisch und nicht zuletzt zeichnerisch ansprechend beweisen Vernes und Forton, dass Idee und Teamwork auch nach so langer Pause noch funktioniert haben.

Wer will kann wieder einen ebenfalls limitierten Druck zu diesem Album bestellen und wer den kompletten Run von Forton lesen möchte kann selbstverständlich noch bei der Gesamtausgabe Bob Morane Classic einsteigen.

Druck ZACK Spezial 18

Dazu passen The Interrupters zum Beispiel mit „You’re gonne find a way out“ und ein SP Lager!

© der Abbildungen Vernes – Bob Morane Inc./Forton – Ed. Hibou| 2026 Blattgold GmbH

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