Vernes/Attanasio – Bob Morane Classic 3

Der grüne Schrecken

Story: Henri Vernes
Zeichnungen: 
Dino Attanasio
Originaltitel: 
La Terreur Verte

Blattgold Verlag – ZACK Edition

Hardcover | 64 Seiten | Farbe | 20,00 €

ISBN: 978-3-949987-29-8

Cover Bob Morane Classic 3

Zurück in die Vergangenheit: Der Glaube an den Fortschritt ist noch wesentlich ungetrübter als heutzutage. Es gibt zwar Ahnungen über Gefahren, diese werden aber allgemein als beherrschbar angesehen. Dafür ist der Krieg noch nicht zum Spielfeld der Bildschirmakteure geworden und von Menschen durchgeführte Aktionen können noch Situationen entscheiden. Der dritte Band der Bob Morane Classic-Reihe enthält eine Geschichte, die erstmals 1960 veröffentlicht worden war.

Viva la revolución!

Diese Geschichte startet in Amazonia, der Hauptstadt eines fiktiven südamerikanischen Landes. Wie in fast allen entsprechenden Ländern zu Beginn der 60-er Jahre gab es einen Diktator und eine dagegen kämpfende Guerilla. In diesem Falle sind es die „Bartträger“, die dem Land die Freiheit bringen wollen. Gleich auf der ersten Seite geraten Bob Morane und seine Begleiter Bill Ballantime sowie Professor Clairembart in Konflikt mit der lokalen Polizei. Es gelingt ihnen jedoch, aus der Hauptstadt zu fliehen.

Ihr eigentliches Ziel war eine alte Ruine, die möglicherweise aus der Zeit vor den Inkas stammen könnte. Der Weg dorthin ist beschwerlich und von einigen überraschenden Momenten begleitet. Schließlich holt auch die politische Lage die Helden wieder ein und sie werden gezwungen, sich für eine Seite zu entscheiden.

Wissenschaftliches Begleitmotiv für die Geschichte ist die Tatsache, dass der Urwald mit Atombomben gerodet worden war, um Platz für die neue Metropole Amazonia zu schaffen. Heutzutage würde niemand mehr auf diese Idee kommen, damals war sie durchaus geeignet, einem Plot Suspens hinzuzufügen! Geschickt löst Henri Vernes das Spannungsverhältnis zwischen Nutzen und Folgen im Rahmen einer Actionstory und benennt es der grüne Schrecken!

Routinierter Realismus

Dino Attanasio folgt dem damaligen Standard und schafft eine sehr realistische, gleichwohl vierstreifig strukturierte Geschichte. Die einzelnen Panel sind teilweise extrem detailliert, die Farbgebung mutet etwas nostalgisch an, passt aber zu diesem Setting. Natürlich würde man die Geschichte heute anders zeichnen, so aber versprüht der Band einen zwar etwas altmodischen Charme, keinesfalls aber einen etwas muffigen Geruch!

Backcover Bob Morane Classic 3

Auffällig ist, dass man damals mit deutlich weniger „Pyro-Technik“ ausgekommen ist und die Kampfszenen keine epische Überbreite einnehmen. Davon könnte sich manch modernes Werk eine Scheibe abschneiden. Attanasio ist bei uns im Wesentlichen wegen seiner Funnies a la Spaghetti bekannt, beweist aber wie etwa auch in Jimmy Stone, dass ein Schwerpunkt im realistischen Abenteuercomic lag.

Gesamtausgabe in Einzelbänden

Die Reihe Bob Morane Classic wird alle 19 Geschichten von Dino Attanasio und Gérald Forton in 16 Bänden zusammenfassen. Die Bände haben eine sehr breite Zielgruppe, befriedigen sie doch einerseits die Abenteuerlust von Jungen, sollten aber trotzdem auch die Leserinnen einer der damals größten Frauenzeitschriften ansprechen. Diese Mischung erfordert eine etwas größere Werkzeugkiste und ist vermutlich auch der Grund, warum die Comics auch nach über 60 Jahren noch funktionieren!

Der Band kommt wie immer in einer schönen Hardcoverausgestaltung. Das leicht glänzende Papier bringt die Farben gut zur Geltung und fasst sich auch beim Lesen gut an. Wer den alten frankobelgischen Abenteuercomic mag und vor kleinen Science-Fiction-Elementen nicht zurückschreckt, liegt hier richtig!

Dazu passen Jethro Tull mit „Too old to Rock’n’Roll, too young to die“ und ein Stout eigener Wahl.

© der Abbildungen Vernes – Bob Morane Inc / Attanasio – Ed. Hibou | 2024 Blattgold GmbH, Bad Dürkheim

Cauvin/Berck – Sammy & Jack Integral 4

1978 – 1981

Story: Raoul Cauvin
Zeichnungen: 
Berck
Originaltitel:
Sammy Integraal 4

Kult Comics

Hardcover | 272 Seiten | Farbe | 39,00 € | 
ISBN: 978-3-96430-252-6

Cover Sammy & Jack Integral 4

Cauvin ist einer der produktivsten Szenarist*innen seiner Zeit gewesen. Dabei deckte er verschiedenste Gebiete ab, allerdings immer mit einem unverkennbaren Humor. Seine Westernserie Die Blauen Boys verband Situationskomik mit einer geharnischten Kritik an Kriegen, Kadavergehorsam und Autoritäten, Die kranken Schwestern nahmen Arztserien auf die Schippe, Pierre Tombal das Leben und Sterben an sich. Wie auch in Sammy & Jack ist der Humor dabei teils slapstikhaft, oft genug aber auch komplett anarchistisch. Die Integral-Reihe enthält alle Episoden, auch die Kurzgeschichten, erstmals komplett und in chronologischer Reihenfolge.

Leibwächter mit weltweiten Einsätzen

Das Setting mit zwei gegensätzlichen Charakteren funktioniert innerhalb einer Geschichte perfekt. Damit trotzdem genügend Abwechslung eingebaut werden kann, ist es notwendig den lokalen Bezug immer wieder zu verändern. Neben den in Chicago spielenden Prohibitionsstories versetzt Cauvin seine Leibwächter Sammy & Jack daher immer wieder in fremde Gegenden. Das große Bibbern ist eine Wissenschaftskatastrophenstory: Ein Experiment geht schief und einer der Beteiligten ist nun eine unermesslich heiße Batterie. Die einzige Chance ihn vor der Überhitzung zu bewahren ist eine Reise an den Nordpol. Leider erweckt sein Zustand auch Begehrlichkeiten.

Sammy & Jack Integral 4 page 53

Passend zur baldigen Fußball-EM thematisiert Die Gorillas machen ein Tor sowohl übergriffige Fußballfans als auch Hooliganismus. Manchmal vergessen wir alle, dass es doch nur ein Spiel ist bzw. sein sollte! Zurück in den USA werden unsere Gorillas in Hollywood für einen Mafiafilm gecastet. Die Darstellung einer queeren Persönlichkeit würde heutzutage sicherlich etwas anders laufen müssen, die Story an sich hat aber ihren Charme.

In deutscher Erstveröffentlichung kommt nun endlich auch die Episode Ku-Klux-Klan zu uns. Dieses Highlight parodiert die leider gar nicht lustige amerikanische rassistische Realität und spielt mit der Beschränktheit der weißen Protagonisten. Die Mischung aus Dumm und Böse liefert genügend Stoff für den explosiven Inhalt. Erstaunlich, dass diese Geschichte bisher immer ausgelassen worden war.

Sammy & Jack Integral 4 page 57

Bester Spirou-Style

Arthur Berckmans bzw. Berck hat seinen Stil über die Jahre perfektioniert und liefert hier sehr routiniert hochklassige Zeichnungen ab. Sowohl in den Kurzgeschichten als auch in den vier Alben ist zu merken, dass die Zusammenarbeit mit Cauvin klappt, seine eigenen Stärken eingesetzt werden können und Langeweile vermieden wird.

Der ausführliche redaktionelle Teil gibt einen Einblick in Zeiten der Karriere, in denen das nicht der Fall war. Anhand der ausführlichen Illustrationen ist der Werdegang und auch die Professionalisierung nachzuvollziehen.

Sammy & Jack Integral 4 page 58

Fast schon ein Teil einer kommentierten Werksausgabe

Das hier übersetze Integral ist sehr ausführlich bezüglich des Werdeganges der Kreativen und enthält zudem noch umfassende Artikel zu den einzelnen Abenteuern. Den Leser*innen wird dadurch ein ganz anderer Zugang zu den Geschichten ermöglicht, liegen einige der Ereignisse doch schon mehr als 40 Jahre in der Vergangenheit. Trotzdem sind die Stories und Gags aber nicht veraltet, sondern entwickeln ihren Humor immer noch mit der gleichen Schärfe. Es sei hier erwähnt, dass der Verfasser dieser Zeilen für die Übersetzung der redaktionellen Beiträge verantwortlich war.

Wie immer gibt es auch eine limitierte Vorzugsausgabe mit Variantcover und drucksigniertem ExLibris. Zu empfehlen ist der Band definitiv allen, die Semi-Funnies aus der Hochzeit des Spirou-Magazins mögen: Explosionen, haarsträubende Experimente, ein sich kabbelndes Duo und spannende Handlungsabläufe!

Dazu passen Earth, Wind and Fire mit „Boogie Wonderland“, und ein Cuba Libre.

© der Abbildungen Dupuis, 1980, 1981, 1982, 1983 / Berck, 2023 / 2023 Comic Combo, Leipzig

Fromental, Bocquet/Floc‘h – Die Kunst des Krieges

Ein Abenteuer von Blake & Mortimer in New York

Story: Jean-Luc Fromental, José-Louis Bocquet nach Edgar P. Jacobs

Zeichnungen: Floc’h nach Edgar P. Jacobs

Originaltitel: Un autre regard sur Blake & Mortimer : L`Art de la guerre

Carlsen Comics
Hardcover | 124 Seiten | Farbe | 26,00 €
ISBN: 
978-3-551-79414-7

Cove Blake & Mortimer Spezial 3

Unter dem Reihentitel Blake & Mortimer Spezial bringt der Carlsen-Verlag in unregelmäßigen Abständen Werke heraus, die nicht in die reguläre Reihe und ihre Kontinuität gehören, trotzdem aber dem Blake & Mortimer Kosmos zugehörig sind. Als dritter Band ist gerade Die Kunst des Krieges erschienen.

Der Feind sitzt in Russland

Die Geschichte spielt in der Vergangenheit und könnte doch kaum aktueller sein. Während Blake vor der UN-Vollversammlung einen Vortrag über Abrüstung halten soll, passieren in New York seltsame Dinge. Unter anderem wird ein Mann dabei ertappt, dass er nachts im verschlossenen Metropolitan-Museum „Bei Horus Ver“ auf eine alte ägyptische Stele ritzt. Der verwirrt wirkende Täter kann festgenommen werden und entpuppt sich als … Olrik.

Natürlich sind unsere beiden Briten bemüht herauszufinden, was hinter dem Ganzen steckt. Immer wieder wird Blake allerdings in Form eines running gags daran erinnert, dass seine wirkliche Priorität der Vortrag sei und er ihn doch bitte einreichen möge. Bürokratie trifft hier auf Kriminalistik. Und auch das klassische Werk Die Kunst des Krieges spielt eine wiederkehrende Rolle.

Fromental und Bocquet schaffen es, eine spannende, verzwickte Suche zu schildern die viele falsche Wege andeutet. Wie immer gibt es dabei auch psychologische Aspekte zu beachten. Im Gegensatz zum Original ist der Anteil von erklärenden Textboxen allerdings sehr gering.

Klassische Moderne

Floc’h verbindet die Ligne Claire mit einer modernen Abstraktion. Da der Comic zudem in einem dreistreifigen Layout daherkommt, wirkt er zunächst ein wenig aufgebläht. Schon nach wenigen Seiten stellt sich dadurch aber eine einzigartige Stimmung ein, die in gewisser Weise an die sprichwörtliche britische Ruhe beim Teetrinken erinnert. Mag es auch noch so hektisch zugehen, die Helden nehmen sich Zeit.

Logo Blake & Mortimer

Dazu kommt, dass die Zeichnungen etwas grobschlächtig daherkommen. Nicht nur fehlen naturgemäß die Details im Hintergrund, auch die Figuren nähern sich in ihrer Darstellung an eine schematische Weise an. Dadurch schafft Floc’h seine eigene Interpretation des Klassikers und verhindert, als Epigone abgestempelt zu werden.

Passende Erweiterung der Serie

In der Spezial-Reihe erscheinen Bände, die nicht ganz den Vorgaben der Serie entsprechen. Hier sind weder die Autoren bereit, extrem lange Texte zu schreiben, noch folgt der Zeichner dem sehr realistischen Stil von Jacobs und abstrahiert kräftig. Bei anderen Reihen würde dieser Band daher als sehr eigenständige Hommage durchgehen. Inhaltlich werden Fans aber nicht antäuscht sein. Alle Elemente einer klassischen Blake & Mortimer-Geschichte sind vorhanden!

Die Herausgabe als Hardcover unterstreicht die Besonderheit, der Preis ist für Ausstattung und Umfang absolut angemessen. Fast mag man es bedauern dass das Backcover wohl nicht als eigenständiger Druck escheinen wird.

Dazu passen The Selecter mit “Celebrate the Bullet“ und Lander Bräu Strong Beer.

© der Abbildungen Éditions Blake & Mortimer / Studio Jacobs (Dargaud-Lombard S.A.) 2023 | 2024 Carlsen Verlag GmbH, Hamburg

Cothias/Juillard – Die 7 Leben des Falken III 1

Fünfzehn Jahre später

Story: Patrick Cothias
Zeichnungen: 
André Juillard

Originaltitel: Les 7 Vies de L´Epervier – Troisième époque 1 – Quinze ans après

Splitter Verlag

Hardcover Überformat | 56 Seiten | Farbe | 17,00 € | 
ISBN: 978-3-98721-300-7

Cover Die 7 Leben des Falken III 1

Historische Serien waren eine Zeitlang der absolute Renner, füllten sogar ein eigenes Comic-Magazin. Der Boom ist zwar mittlerweile ein wenig abgeflaut, es gibt aber immer noch genügend Serien, die es bisher nicht komplett nach Deutschland geschafft haben. So ist zwar das Werk von Bourgeon komplett auf Deutsch erschienen, Serien wie Malefosse oder eben die 7 Leben des Falken warten aber noch auf ihre Vollendung.

Nach 15 Jahren ist einiges anders als gedacht

De vorliegende Band startet Fünfzehn Jahre später als das Ende des zweiten Zyklus. Ariane, gedemütigt und vergewaltigt, war nach Nordamerika ausgewandert. Nun allerdings kehrt sie zusammen mit ihrem Mann, einem Mohawk, ihrem Vater sowie Grandpin nach Frankreich zurück. Sehr schnell treffen sie dort auf einen alten Feind, den Vicomte de Roquefeuille, der auf Rache sinnt.

Ihre Reise zum König wird dadurch unterbrochen. Immerhin finden sie heraus, dass das totgeglaubte Kind Arianes möglicherweise doch nicht gestorben ist. Es entwickeln sich daraufhin eine Reihe von Auseinandersetzungen, die teils mit überzeugenden Worten gewonnen werden wollen, andererseits aber auch einfach nur gewalttätiger Natur sind. Immer wieder geht es dabei um Geheimnisse, Intrigen und labile Bündnisse.

Die 7 Leben des Falken III 1 page 3

Und ebenfalls erwartbarer Weise wird die Heldin gefangengenommen und muss eine Vergewaltigung erdulden. Im Jahre 1642 zählte das Leben und vor allem die Unversehrtheit einer Frau nicht viel. Männer nutzten ihre körperliche Überlegenheit schamlos aus. Dazu kamen damals wie heute der Einsatz von Vergewaltigungen als Waffe in kriegerischen Auseinandersetzungen.

Ein Meisterwerk grafischen Erzählens

Ein dreistreifiges Layout wird fast durchgehend verwendet und bildet somit ein ziemlich festes Raster. André Juillard beherrscht die Wiedergabe der Körpersprache und seine Figuren sehen somit auch sehr realistisch aus. Dazu kommen detaillierte Hintergründe und zeitangemessene Bekleidungen. Selbst die Musketiere, die einen Gastauftritt haben, wirken bekannt.

Actionszenen wie etwa auf Seite 20 sehen aus wie ein Standbild aus einer Filmszene. Nur selten geraten die Bilder etwas zu starr. Die Geschichte braucht keine erklärenden Worte, sondern entwickelt sich aus der Dynamik der Zeichnungen heraus! Ich würde auch einen Blick auf die Zeichnung des Backcovers empfehlen. Sie wäre einen Druck wert.

Die 7 Leben des Falken III 1 page 5

Mantel-und-Degen, hurra!

Splitter hat bereits die beiden anderen Zyklen jeweils in einem Band aufgelegt und startet nun eine dreibändige Ausgabe des dritten. Die Serie zählt zu DEN Klassikern ihres Genres, ist aber in Deutschland nur lückenhaft erschienen. Dieser Band war vor 10 Jahren bereits bei Kult erschienen, die beiden anderen Teile des Zyklus werden als deutsche Erstausgaben in Kürze folgen.

Detail Die 7 Leben des Falken III 1 page 11

Dazu passen mittelalterliche Musik und ein Glas französischen Rotweins!

© der Abbildungen Dargaud 2014, by Juillard, Cothias | Splitter Verlag GmbH & Co. KG, Bielefeld 2024

Roba – Boule & Bill Gesamtausgabe 1

1959 – 1963

Story: Jean Roba mit Maurice Rossy

Zeichnungen: Jean Roba

Originaltitel: Boule & Bill

Carlsen Comics

Hardcover | 268 Seiten | Farbe | 38,00 €
ISBN: 
978-3-551-80266-8

Boule und Bill Gesamtausgabe 1 Cover

One-Pager, also Gags, die genau eine Seite einnehmen, sind eine typische Publikationsform in Magazinen. Einerseits dienen sie durchaus als Ankerpunkt in der Kund*innenbindung und zählen oft zu den beliebtesten Serien, andererseits sind sie auch als Trenner zwischen zwei Beiträgen beliebt. Dadurch können sie sowohl in Stadtmagazinen und Illustrierten auftreten als auch in Magazinen wie Spirou, Tintin/Kuifje oder ZACK. Die Spielarten dieser Serien sind so weit wie das gesamte Comic-Spektrum hergibt, Tiere sind jedoch definitiv beliebt.

Ein Junge und sein Cocker Spaniel

Mittlerweile sind im Original in der regulären Serie 44 Sammelbände erschienen. Autoren und Zeichner haben genauso gewechselt wie Verlage und selbst der Zuschnitt der Bände hat sich geändert. Auch in Deutschland gab es die eine oder andere Veränderung. Alles begann bereits 1964 unter dem Namen Schnieff und Schnuff bei Kauka. Später publizierte Ehapa bevor der Salleck-Verlag (der im Übrigen in diesem Band immer noch in einem Panel beworben wird) und Finix übernahmen. Jetzt also die Gesamtausgabe bei Carlsen!

Das erste Abenteuer kam in Form eines Mini-Recits und hat zwar schon die späteren Figuren, atmet aber noch eine komplett andere Stimmung aus. Erst danach kommen die lustigen, teils klamaukhaften Einseiter im Rahmen der Familie. Der siebenjährige Boule und sein Cocker Spaniel Bill erleben Abenteuer aus der Sicht der „Kleinen“, der Vater versucht den Spagat zwischen Erzieher und Kumpel und scheitert daher hin und wieder.

Die Mutter dagegen räumt zwar auf und beseitigt alle Schäden, ist aber auch ganz klar die gefürchtete (und geachtete) Respektsperson. Die Nachbarin dagegen ist die Vertreterin des Kleingeistes und ihre Katze der Antagonist zu Bill. Die Geschichten sind niedlich, kindgerecht und haben trotzdem manchmal eine Komponente für Erwachsene.

Boule und Bill Gesamtausgabe 1 Detail

Einfach schön

Die Zeichnungen von Roba sind einfach schön! Man merkt ihnen an, dass Roba an drei Abenteuern von Spirou zusammen mit Franquin gearbeitet hat. Kompositionen und Tempo stimmen und die Zeichnungen verbreiten den Charme der Marcinelle Schule. Realismus und Gemütlichkeit bilden eine Einheit.

Dementsprechend waren die Seiten in Deutschland auch sowohl in Lupo und Fix und Foxi als auch im ZACK vertreten. Für heutige Kinder wären sie wahrscheinlich zu langweilig. Die zu Geld gekommenen früheren Kinder werden sich aber an fast jeder Seite erfreuen können, sind die Gags doch gewissermaßen zeitlos.

Eine schöne Gesamtausgabe

Der Band enthält sowohl eine internationale Einführung als auch einen auf Deutschland bezogenen Beitrag und rahmt die Geschichten somit angemessen. Viele zusätzliche Abbildungen, die nur in Spirou enthalten waren, ergänzen die hier chronologisch und komplett wiedergegeben One-Pager.

Die hier abgedruckten ersten drei Originalalben (mit deutlich höherer Seitenzahl als die spätere Variante) ergeben auch ein angemessenes Preis-Leistungsverhältnis. Wer die Sachen also nicht ohnehin zuhause im Regal hat und auf die große Generation der frankobelgischen Zeichner steht, sollte hier unbedingt einen Blick riskieren!

Dazu passen “Pass the Durchie“ und eine Zitronenbuttermilch.

© der Abbildungen Roba/Dupuis, 2021 | 2024 Carlsen Verlag GmbH, Hamburg

Vernes/Forton – ZACK Spezial 11: Bob Morane

Das Schwert des Paladins

Story: Henri Vernes
Zeichnungen: 
Gérald Forton
Originaltitel: 
L’épée du Paladin (Femmes d´Aujourd´hui 1017 – 1043 ; 1967/68)

Blattgold Verlag – ZACK Edition

Softcover | 64 Seiten | Farbe| 18,00 € | nur für ZACK-Abonnent*innen

Limitiert auf 555 + 55 Exemplare

ISBN: n/a

Cover ZACK Spezial 11

Ein weiteres Kleinod frankobelgischer Klassiker wartet auf seine Leser*innen. Diese Ausgabe enthält die ungekürzte 56-seitige Fassung, die später für das Album zusammengestrichen wurde. Wer also das Leben eines Album-Redakteurs besser verstehen möchte, kann diese Ausgabe mit der Albumfassung, die in der Reihe Bob Morane Classic noch erscheinen wird, vergleichen.

Ein Zeitreiseabenteuer

Manche Purist*innen hätten gerne alles fein säuberlich voneinander getrennt: hier ist die Agentenstory, hier der Science-Fiction-Plot und hier sind die Abenteuergeschichten. Bob Morane, eine seit langer Zeit laufende Serie, vermixt die Zutaten und erfindet sich daher in gewisser Weise immer wieder neu. Natürlich werden bereits verwendete Komponenten auch gerne neu verknüpft, ansonsten kann man nicht mehr als 100 lange Handlungsstränge erfinden, sie sind aber immer wieder ganz anders.

Der aktuelle Band lässt Bob Morane und seinen Sidekick Bill Ballantime in der Zeit zurückreisen. Eigentlich geht es nur um den Beweis der Wirksamkeit der Maschine, einmal vor Ort können sich die beiden Helden aber nicht zurückhalten und mischen sich auf der Seite der ungerechterweise bedrohten Burgherrin ein. Um die Vorwürfe zu entkräften wäre ein Beweis wie das Schwert des Paladins äußert hilfreich.

Die wahre Spannung und Güte einer Geschichte zeigt sich häufig erst in dem „Drumherum“. Die Leser*innen erfahren sehr schnell, dass es noch einen weiteren Gast an Bord der Maschine gibt. Dieser versucht, dieselbe im Auftrag einer feindlichen Nation zu kidnappen. Fernes spielt hier sehr geschickt mit den verschiedenen Handelnden, die alle nur ein beschränktes Überblickswissen haben.

Details ZACK Spezial 11

Qualitativ hervorragendes Faksimile

Heutzutage sind wir es natürlich gewöhnt, Comics durchgehend in Farbe zu genießen. Früher war es durchaus üblich, nur jede zweite Seite zu kolorieren und den Rest im schwarz-weißen Original zu belassen. Diese Ausgabe ist nicht nur ungekürzt, sie bildet auch die damalige Originalpräsentation in der französischsprachigen Frauenzeitschrift ab. Für Fans von Forton ein Glücksgriff, kann man doch dadurch genau erkennen, welche Anteile vom Zeichner und welche von der Kolorierung kommen.

Forton ist ein Meister der Schraffuren und schafft eine Stimmung, die perfekt zu dieser historischen Science-Fiction passt. Ambiente, Dekors und Kleidung sind „alt“, die Gedanken (und natürlich auch das Fahrzeug, in dem die Zeitreisenden sich bewegen) sind „neu“.

Klassiker

Die ZACK-Spezial Alben schaffen eine perfekte Mischung aus hoher Qualität und Spannung einerseits, Nostalgie andererseits. Man sieht den Geschichten an, dass sie nicht aktuell sind. Technik und Wortschatz passen nicht in den heutigen Alltag und Netflix und Co würden viel mehr Pyrotechnik einsetzen. Nichtsdestotrotz sind die Geschichten nicht veraltet! Natürlich erfordert die kleine Auflage Kompromisse: Der Zwischenhandel samt seinen Gewinnmargen und Kostendeckungsbeiträgen bleibt außen vor und Einmalkosten können nur auf wenige Exemplare verteilt werden.

Es könnte daher sein, dass die Limitierung nicht unbedingt einen Wertsteigerungseffekt zeitigen wird. Trotzdem ist die Serie für Fans eine echte Empfehlung und wird scheinbar auch angenommen. Die ersten Bände sind jedenfalls alle vergriffen. Ein echtes Plus sind im Übrigen auch die zwei Interviews mit Henri Vernes und Gérald Forton über die Entstehung und die Hintergründe!

Dazu passen Blondie mit „Fade away and radiate“ und ein französischer Landwein!

© der Abbildungen Vernes – Bob Morane Inc./Forton – Ed. Hibou| 2024 Blattgold GmbH

Blutch – Lucky Luke Hommage 6

Die Ungezähmten

Story: Blutch
Zeichnungen: 
Blutch

Originaltitel: Lucky Luke – Les Indomptés

Story House Egmont

Softcover/Hardcover | 48 Seiten | Farbe | 8,99 € / 16,00 € |

ISBN: n/a / 978-3-7704-0902-0

Cover Lucky Luke Hommage 6

Auch der Cowboy, der schneller schießt als sein Schatten, muss sich der Gegenwart stellen. Plötzlich weht ein neuer Wind und der Claim dieses Bandes ist „Der Mann, der den Zaun erschoss“. Trotzdem ändert sich nicht alles: immerhin rauchen weiterhin nur die Schurken!

Ein moderner Mann kümmert sich um die Kinder

Lucky Luke war bisher ein typischer männlicher Berufstätiger. Er arbeitete ohne Unterlass, kannte weder Ferien noch Feierabend, und war nicht bereit, irgendwelche täglichen Aufgaben zu übernehmen. Und wenn doch Aufgaben dieser Art zu erledigen waren, war es eher wahrscheinlich, dass Jolly Jumper sie übernommen hätte. Nun aber gerät er in eine Zwickmühle.

Unser Held sorgt dafür, dass ein Kleinkrimineller, Rufus Kinker, eingebuchtet wird. Nun sind aber seine beiden minderjährigen Geschwister ohne Aufsicht. Zudem sind sie so unerzogen, dass keine Institution sie in ihre Obhut nehmen möchte. Es bleibt ihm also nicht übrig als die Aufsicht zu übernehmen und gleichzeitig der Hoffnung nachzujagen, dass die Eltern nur verschwunden und nicht gestorben sein mögen.

Blutch, wie sich Christian Hincker in der Comicwelt nennt, ist es mit Die Ungezähmten gelungen, dem Kosmos des lonesome Cowboys eine neue Facette hinzuzufügen. Die Figuren bleiben gleich, verhalten sich auch wie erwartet, und doch ist alles Neu. Chapeau!

Nicht so rund

Blutch zeichnet nicht so rund wie etwa Morris oder Achde. Seine Figuren sehen irgendwie dreckiger aus, passen dadurch eher in einen Western, fallen aber aus dem erwarteten Schema. Nicht, dass man jetzt gleich in das Italo-Western Genre fallen würde, aber John Wayne ist es auch nicht mehr…

Wer damit klar kommt, wird seinen Spaß an dem Band haben. Die Kinder sind unerzogen, aber nicht bösartig. Die Ganoven sind nicht gesetzestreu, aber ebenfalls nicht wirklich bösartig. Die Indianer sind etwas schematisch dargestellt, ebenfalls aber sympathisch. Und die Bürger sind wie eh und je eine Katastrophe und wollen stets das Beste (für sich) und schaffen das Schlechte (für alle).

Nicht nur für Komplett-Sammler*innen

Natürlich gibt es eine ganze Menge an Menschen, die aus Prinzip jedes neue Album von Lucky Luke kaufen. Im Zuge des aktuellen Western-Revivals dürfte es aber auch eine Anzahl von Interessierten geben, die nicht wegen, sondern trotz des Reihentitels einen Kauf in Erwähnung ziehen. Denen sei gesagt, dass ein Blick sich lohnt. Blutch’s Version des Cowboys ist modern, spannend erzählt und abseits der ausgetretenen Pfade.

Natürlich wird der Absatz in Deutschland dem der Version von Ralf König nicht gleichen. Trotzdem lohnt ein Blick! Wie immer gibt es eine Kiosk-Version und eine gebundene Ausgabe für den Buch- und Fachhandel.

Dazu passen ein Maibock und der gute alte Ian Dury.

© Lucky Comics 2024/ Egmont EHAPA Media GmbH, Berlin 2024

Delaf – Gaston 22

Die Rückkehr eines Chaoten

Story: Delaf nach André Franquin

Zeichnungen: Delaf nach André Franquin

Originaltitel: Gaston 22 – Le Retour de Lagaffe

Carlsen Comics
Hardcover | 48 Seiten | Farbe | 15,00 €
ISBN: 
978-3-551-64001-7

Cover Gaston 22

Wir feiern (immer noch) den 100. Geburtstag eines der besten Comic-Künstler überhaupt, der den europäischen Comic wie nur wenige andere beeinflusst hat: André Franquin. Viele seiner Werke sind gerade in Sondereditionen neu erschienen, die Zeitschrift Spirou hat gar eine sehr schöne Sondernummer (4473 – 4474) veröffentlicht. Natürlich sind mit diesem Namen Serien wie Spirou und Fantasio oder Mausi und Paul verknüpft, das gelb-schwarze Wundertier hüpft über die Seiten. Daneben gibt es aber auch die anarchistische Seite, die sich in einigen Schwarzen Gedanken äußert, in der Kritik an der Institution Kirche, vor allem aber in den Abenteuern des Büroboten Gaston.

Zurück in die Zukunft …

21 Bände mit den aberwitzigen Geschichten von Gaston sind erschienen und eine sehr lange Zeit sah es so aus, als ob es dabei bleiben würde. Zwar kamen immer neue Gesamtausgaben auf den Markt und wurden teilweise vergessene Bruchstücke hinzugefügt, Neues schien aber verboten zu sein. Natürlich mal abgesehen von den unzähligen Hommagen und Cameoauftritten. Schließlich schon es so weit zu sein, der Kanadier Delaf (mit bürgerlichem Namen Marc Delafontaine) fabrizierte einige Seiten, aber ein Rechtstreit verhinderte zunächst die Veröffentlichung. Bis jetzt …

Die Jahrzehnte, die zwischen Band 21 und Band 22 liegen, haben in gewisser Weise gar nicht stattgefunden. Fräulein Trudel ist noch genauso die alte wie Herr Bruchmüller, Demel oder Polizist Knüsel. Während das bei Letzteren nicht weiter schadet, ist das Rollenbild der verliebten Kollegin leider „leicht“ veraltet. Die Gags funktionieren trotzdem und bringen das gesamte Ensemble auf die Bühne: sogar Spirou, Demels Vorgänger Fantasio und das Marsupilami dürfen mittun!

Gaston 22 page 3

Die Gags modernisieren die Umgebung nur leicht und sind daher für Kids möglicherweise nicht ohne Erklärung verständlich. Das mobile Telefon ist für die Älteren unter uns aber ein genauso großer Spaß wie der Campingurlaub und die nur auf Papier vorhandenen Verträge. Es gibt aber auch bereits erste E-Bikes und Reminiszenzen an Spider-Man. Ein gelungener Versuch, den alten Stallgeruch aufzunehmen und (sehr zaghaft) zu modernisieren.

Zeichnungen, die das Flair einfangen

Natürlich ist Delaf kein Franquin. Wer das erwartet, glaubt aber auch an den Weihnachtsmann. Delaf kopiert jedoch den Stil sehr originalgetreu und schafft damit das Vertrauen, das es braucht, eine Meisterserie fortsetzen zu können. Einige Bilder mögen etwas zu voll sein, natürlich fehlt die lustige, immer wieder andere Signatur und das Tempo stimmt (noch) nicht immer.

Gaston 22 page 4

Das ist aber ein Meckern auf hohem Niveau! Für mich springt der Funke über, der Irrwitz aus Respektlosigkeit, grenzenloser Naivität und unbekümmertem Urvertrauen wird durch die Zeichnungen perfekt unterstützt. Weiter so! (Und: Ja, ich weiß, dass es Purist*innen gibt, die das Ganze nur als Affront verstehen während anderen die Modernisierung nicht weit genug geht…).

Ein gelungenes Comeback

Viele alte Serien aus der Blütezeit des frankobelgischen Comics sind „runderneuert“ wieder auf dem Markt, andere sehen sich eher den Traditionen verbunden. Der „neue“ Gaston gehört definitiv in die zweite Kategorie. Kids sind eindeutig nicht die Zielgruppe! Fairerweise muss man allerdings zugestehen, dass die beruflichen Erlebnisse einer Redaktion schon immer aus der Welt der Erwachsenen entnommen waren.

Wir haben heutzutage viel zu wenig Spaß in unserer auf Verwertung und Optimierung getrimmten Welt. Gaston ist definitiv ein Ereignis, eine Naturgewalt, von der man hofft, dass sie andere Firmen heimsuchen und die eigene verschonen möchte. Trotzdem gibt sie genau das, was fehlt: Anarchie im Alltag! Für mich ein Top-Tipp!

Dazu passen Bite Me Bambi mit “Bad Boyfriend“ und ein Grauburgunder.

© der Abbildungen Delaf d`après Franquin Dupuis 2023 | 2024 Carlsen Verlag GmbH, Hamburg

Franquin – Huba!

Eine Marsupilami-Liebesgeschichte

Story: André Franquin

Zeichnungen: André Franquin (Adaption Catheline & Frédéric Jannin)

Originaltitel: Houba ! Une histoire d´Amour

Carlsen Comics
Hardcover Querformat | 64 Seiten | Farbe | 18,00 €
ISBN: 
978-3-551-71129- 8

Cover Franquin - Huba!

Wenn ein berühmter Autor einen runden Geburtstag feiert, erst recht, wenn es der 100. ist, erscheinen alle möglichen Sonderausgaben. Einerseits versucht natürlich der Verlag, Umsatz zu machen, andererseits ist es oft auch eine wirkliche Anerkennung der Leistung. Zum Jubiläum von André Franquin erscheinen auf Deutsch einige spezielle Ausgaben, u.a. eine neue Gaston Gesamtausgabe, Luxuseditionen der Bravo Brothers und der Schwarzen Gedanken. Neu ist ebenfalls die Geschenkband-Edition der wohl bekanntesten Marsupilami-Geschichte überhaupt.

Romantik pur

Die Geschichte über die Anbahnung einer Liebesbeziehung war ursprünglich eingebettet in ein Abenteuer der Serie um Spirou und Fantasio. Das Nest im Urwald erzählte von einer Expedition in den Urwald Palumbiens und das Fabeltier, genannt Marsupilami, war fortan der heimliche Star der Serie. Franquin behielt jedoch die Rechte an der Figur als er die Geschichten um Spirou in andere Hände abgab, um zusammen mit Batem eine eigene Reihe zu starten. Erst vor einigen Jahren und nach jahrelangem Gezerre konnte die Figur erneut in ihrer eigentlichen Serie wieder auftreten.

Franquin - Huba! - Detail 1

Dieser Band enthält die wortlose Liebesgeschichte zweier Marsupilamis. „Er“ lebt sein Leben im Urwald, bis er auf „Sie“ trifft und sofort begeistert ist. Zunächst einmal muss er sie allerdings überzeugen, dass sein Werben ernst gemeint ist. Da es sich um eine Liebesgeschichte handelt wird nicht zu viel verraten, wenn erwähnt wird, dass aus dieser Beziehung drei Kinder entstehen.

Neben der gehörigen Portion Romantik besticht die Geschichte aber auch mit dem unverwechselbaren Humor der bitterbösen Klamauk auf Kosten von Großkatzen und Piranhas mit dem liebevollen Schmunzeln über die Sorgen junger Eltern beim Entwirren der verknoteten Schwänze mischt.

Modernisierte Zeichnungen

Die Geschichte erscheint in einer leicht modernisierten Form, adaptiert von den beiden Jannins und auf das Querformat ummontiert. Die einzelnen Panel sind dadurch etwas größer und kommen naturgemäß besser zur Geltung. Während die Figuren selbst unverändert sind, ist der Hintergrund teilweise angepasst worden. Das stört aber nicht.

Franquin - Huba! - Detail 2

Die Details in den Blättern der Pflanzenwelt des Urwaldes laden dazu ein, Überraschungen und Anspielungen zu entdecken. Die Körpersprache der Tiere drückt viel mehr aus als jedes Wort vermöchte und die Fähigkeit, Eigenarten zu präsentieren, ist perfekt ausgebildet.

Ein Geschenk …

… für alle, die Humor, Romantik und Kunstfertigkeit zu schätzen wissen. Wer diese Geschichte noch nicht hat, sollte durchaus überlegen, sich selbst ein Geschenk zu machen! Alle Altersstufen werden ihre Lesart finden. Insofern kann man damit eigentlich nichts verkehrt machen. Und in heutigen Zeiten kann es auch mal notwendig sein, etwas Unbeschwertes haben oder verschenken zu wollen.

Franquin - Huba! - Detail 3

Der doch stattliche Preis wird über ein vernünftig fadengebundenes Hardcover gerechtfertigt, das im eher ungewohnten Querformat daher kommt.

Dazu passen The Smiths mit “Some Girls are bigger than others“  und ein trockener Prosecco.

© der Abbildungen Dupuis, Dargaud-Lombard SA 2010, by Franquin| 2024 Carlsen Verlag GmbH, Hamburg

Vernes/Attanasio – Bob Morane Classic 2

Das Geheimnis der Antarktis

Story: Henri Vernes
Zeichnungen: 
Dino Attanasio
Originaltitel: 
Le secret de L´antarctique

Blattgold Verlag – ZACK Edition

Hardcover | 64 Seiten | Farbe | 20,00 €

ISBN: 978-3-949987-28-1

Cover Bob Morane Classic 2

Seit Anfang der 50-er Jahre erlebt der ehemalige Offizier Bob Morane seine Abenteuer in Buchform, seit 1959 auch als Comic. Mehr als 200 Werke sind mittlerweile erschienen, der erste Roman, der auf Deutsch verlegt worden war, ist jetzt wieder erhältlich. Die Comics haben es in Deutschland auf die Seiten des Koralle-ZACK geschafft und die jüngeren Werke sind seitdem immer wieder mal veröffentlicht worden. Die Anfänge allerdings waren bisher sträflich vernachlässigt worden. Aktuell erscheinen die Bände von William Vance im All Verlag, die späteren Sonderbände sowie die regulären Ausgaben von Dino Attanasio und Gerald Forton in der ZACK-Edition. Die Anfänge allerdings waren bisher sträflich vernachlässigt worden.

Dinosaurier und moderne Zivilisationen

Bob Morane und sein Freund und Begleiter Bill Ballantime begleiten einen befreundeten Professor in die Antarktis. Er hat sich in den Kopf gesetzt, das Geheimnis der Antarktis zu lösen. Er vermutet, dass es dort eine Stadt im Eis geben müsse, die von Überlebenden der sagenhaften und untergegangenen Kultur Mu erbaut worden ist. Zwar gelangen die drei mit einem kleinen Flugzeug fast bis an ihr Ziel, sie müssen nach einem Beschuss von feindlichen Fliegern allerdings notlanden.

Tatsächlich entdecken die Abenteurer Reste einer alten Zivilisation unter dem Eis, werden aber von einem Erdbeben überrascht und können nicht mehr zurückkehren. Auf ihrem weiteren Weg müssen sie viele Gefahren überstehen bevor sie schließlich in einer von hohem Eis umschlossenen Landschaft herauskommen die an Caprona, das vergessene Land erinnert. Wie schaffen es drei Menschen der Jetztzeit, den urzeitlichen Fleischfressern zu entkommen?

Neben den urzeitlichen Wesen beherbergt das Tal aber noch mehr Menschen. Sie haben sich hierhin zurückgezogen und eine eigentlich friedliche, technologiebasierte Gemeinschaft gegründet, die dem Rest der Welt weit überlegen ist. Natürlich müssen Bob und Bill wieder die Kartoffeln aus dem Feuer holen, machen das aber auch auf eine spannende und halbwegs logische Art und Weise. Mit den Urzeitviechern darf man stringente Logik allerdings nicht erwarten.

Ein frankobelgischer Klassiker

Henri Vernes hat immer wieder Ausflüge in die Science-Fiction oder die Fantasy unternommen, lässt seinen Helden aber grundsätzlich ähnlich wie James Bond operieren. Er ist allerdings deutlich jugendfreier und enthält kaum sexuelle Anspielungen. Dementsprechend brav ist auch die Umsetzung in einer der größten französischsprachigen Frauenzeitschriften der damaligen Zeit. Dino Attanasio präsentiert Bob (und auch den Sidekick Bill) als gut gebaute, trainierte aber anständige Herren.

Bob Morane Druck
Von Dino Attanasio signierter Druck

Die urzeitliche Flora und Fauna gelingen gut, sogar in Kombination mit den aus damaliger Sicht sehr fortschrittlichen Maschinen. Was in einem Film wie dem angesprochenen Caprona heutzutage eher etwas bemüht wirkt, hat im Comic zwar etwas Patina angesetzt, sorgt aber nicht für Lachanfälle. Im Gegensatz, das Werk ist immer noch gut zu lesen und dürfte jeden Fan des klassischen frankobelgischen Abenteurercomics erfreuen!

Liebevolle Gesamtausgabe des Bob Morane-Frühwerkes

Obwohl die klassischen Stories spannend geschrieben und grafisch hochklassig umgesetzt sind, fehlte doch bisher eine adäquate deutsche Veröffentlichung. Georg F. W. Tempel setzt das in der ZACK-Edition super um, verzichtet auf Gelegenheitskäufer und kann daher auch eine kleine Auflage kostendeckend herstellen. Dazu kommen Gimmicks wie limitierte Drucke, die für Subskriptionen vorgesehen sind.

Jeder Band enthält einen kleinen redaktionellen Beitrag mit Abbildungen der Originalcover, Anzeigen und natürlich bibliografischen Angaben. Und natürlich beweist Attanasio wie auch bei Spaghetti oder den Macaronis, dass er einer der Großen war.

Dazu passen T. Rex („Ride A White Swan“) und ein transportfähiges, kälteresistentes Faxe Dosenbier.

© der Abbildungen Vernes – Bob Morane Inc / Attanasio – Ed. Hibou | 2023 Blattgold GmbH, Bad Dürkheim

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