Goscinny/Tabary – Valentin 1

Valentin Gesamtausgabe Band 1

Story: René Goscinny (Kurzgeschichten), Jean Tabary 
Zeichnungen: Jean Tabary 

Originaltitel: Valentin le vagabond – Intégrale volume 1

All Verlag

Hardcover | 248 Seiten | Farbe | 29,80 € | 
ISBN: 978-3-946522-76-8

Es gibt ein paar Namen, die das Herz von Comic-Fans höherschlagen lassen. Einer davon ist der des französischen Szenaristen René Goscinny, der so klassische Geschichten wie Asterix, Lucky Luke oder den kleinen Nick getextet hat. Einiges davon ist sehr zeitlos, anderem haftet ein wenig mehr ein etwas nostalgischen Geruch an. Viele Klassiker gewinnen ihren Charme genau daraus!

Die Serie

Valentin ist dafür ein sehr gutes Beispiel! Er ist ein Vagabund und schon diese Bezeichnung wird möglicherweise heute nicht mehr verstanden. Sie bedeutet, dass der Held dieser Serie kein Zuhause hat, sondern im Wald, in Scheunen und vielleicht auch mal in Zimmern schläft. Er hat kein festes Einkommen, er arbeitet wenn nötig und nur für das Nötige – Luxusgüter wie Uhren, Wechselklamotten, sogar fließendes warmes Wasser sind im fremd. Trotzdem ist er nicht verwahrlost: Seine Taschen mögen voller Löcher sein, Valentin ist stets frisch rasiert und nutzt den Regen zum Duschen.

Mit seiner freundlichen, etwas naiven Art bietet er sich als Zielscheibe für derben Spott an und natürlich auch als erster Verdächtiger sollte mal etwas abhandengekommen sein. Zu seinem Glück gibt es aber zumindest zwei Personengruppen, die noch bedeutend einfältiger sind: Polizisten und Kriminelle! Beide tänzeln in mehreren Geschichten um den Vagabunden herum und sorgen für eine Slapstick-Pointe nach der nächsten.

Das trifft auch schon den Kern der Geschichten. Legt Goscinny anfangs in den vier Kurzgeschichten noch das Setting für den Rest und beschreibt den Kauz, lässt Tabary in den vier folgenden albenlangen Geschichten ein Feuerwerk von Situationskomik abbrennen. Manchmal hat man das Gefühl, dass der Szenarist keine Ahnung davon hat, was zwei Seiten weiter passieren wird und sich der Leser*in gleich überraschen lässt. Das macht eindeutig aber auch den (auch heute noch zündenden) Reiz der Stories aus.

Die Geschichten

Die Kurzgeschichten Der Snob, Das Burgleben und Valentin beim Wintersport zeigen in Variationen die Ungeeignetheit des Vagabunden für geregelte Arbeit. Nicht, dass er nicht wollte, er findet einfach keine Befriedigung in materiellen Dingen, ist zu neugierig und auch zu ungeschickt. Dass er daneben aber ein Herz aus Gold hat wird spätestens in Der Ausbrecher klar!

Der widerspenstige Gefangene ist die erste von Tabary allein verfasste Erzählung. Goscinny hatte sich übernommen und musste sein Engagement konzentrieren. Gleichzeitig hatte er bei Tabary nach einer albenlange Serie für Pilote gefragt und dieser hatte ihm den Ausbau des gemeinsam begonnenen versprochen. Das Landleben ist kein Zuckerschlecken, insbesondere nicht für einen Knecht, der die Tochter des Bauern heiraten möchte. Abstruse aber liebenswerte Ideen werden (erfolglos) angegangen und führen zu ersten Polizei-Kapriolen.

Diese werden in Valentin gibt dem Affen Zucker noch abstruser. Ein Affe im Anzug und vier Gangster kreuzen den Weg von Valentin. Dieser kann mal wieder sein Helfersyndrom nicht unterdrücken und eine teils vollkommen verrückte, daneben aber auch spannende Kriminalgeschichte nimmt ihren Lauf.

Auch Die schlechten Triebe karikiert den Materialismus der Gesellschaft. Während sich der Vater darüber freut, den lange vermissten Sohn wiederzufinden, sehen dessen Geschwister nur ihren geldwerten Vorteil. Bitterböse und doch mit unerschütterlicher Zuversicht, denn die kleinen Kinder geben zur Hoffnung Anlass!

Der Gangsterboss beschließt den ersten Band. Wild, anarchisch, liebenswert und somit unbedingt lesenswert. Da der Geschichte allerdings die geforderte Seitenlänge fehlt, ist sie nie in einem Album erschienen.

Dazu kommen einführende Worte des Herausgebers denen man anmerkt, wieviel Spaß und Herzblut in diesem Projekt stecken!

Die Zeichnungen

Jean Tabary hat neben dem Szenario natürlich auch alle Zeichnungen erstellt. Der Stil ist seinem wohl bekanntesten Zyklus über den Großwesir, der so gerne Kalif werden würde anstelle des Kalifen nicht unähnlich. Insbesondere die Nasen der (im wahrsten Sinne des Wortes) Gezeichneten lassen den gleichen Ursprung recht deutlich erkennen.

Das Layout ist zeittypisch und reglementiert. Wilde, innovative Ausbrüche sind hier nicht zu erwarten aber immerhin ragt schon mal das eine oder andere Detail über den Panelrand hinaus. Die Hintergründe dieses Funnies sind ausgesprochen detailreich und auf Grund ihrer Kolorierung sehr fröhlich. Besonders anzumerken sind die Mimiken der im Vollbild gezeichneten Gesichter in ihrer Vielfalt!

Die Wertung

„Eine vergessene Perle“ lautet der Titel für die Anmerkungen zu der letzten Geschichte und genau das könnte auch als Überschrift über dem ganzen Werk stehen! Die in Pilote veröffentlichten Geschichten über den Vagabunden sind nicht so veraltet wie Stan & Laurel, würden heute aber natürlich auch nicht mehr so geschrieben werden können. Sie wieder zu lesen macht aber Spaß und bringt ein etwas unbekannteres Werk von zwei Großen der Comickunst zurecht wieder in die Regale!

Cover der limitierten Vorzugsausgabe

Die Aufmachung in schönem Hardcover und etwas übergroßem Format tut ihr Übriges und für Sammler*innen gibt es auch wieder eine limitierte Spezialausgabe mit nummeriertem Exlibris.

Dazu passen Jim Bob und ein Mischgetränk auf TriTop-Basis.

© der Abbildungen 2020 All Verlag GmbH / 2018 IMAV éditions / Goscinny – Tabary 

Dupa – Cubitus komplett

Cubitus 33 – Eingelocht!

Zugleich Klassiker des Quartals 2020/2

Text: Dupa (Luc Dupanloup)
Zeichnungen: Dupa

Originaltitel: Tu te la coules douce …

Piredda Verlag

Softcover | 48 Seiten | Farbe | 13,00 €
ISBN:978-3-941279-16-2

Die Serie

1972 ist das erste Album der meist ein- bis dreiseitigen Geschichten um den weißen Hund, sein Herrchen Bojenberg und die Katze Paustian erschienen, bis 2002 folgten 38 weitere.  Die letzten beiden enthalten zwar noch Material des als Dupa publizierenden Belgiers Luc Dupanloup, kamen aber erst nach seinem Tod auf den Markt.  Später sind dann noch fünf weitere von einem anderen Autorenteam veröffentlicht worden. Im französischen bzw. niederländischen Sprachraum bevölkerten die Geschichten als Cubitus/Dommel die Seiten von Tintin bzw. Kuifje.

Wie so oft war die deutsche Veröffentlichung dieser klassischen Serie schwierig. Zwar war Cubitus eine der beliebtesten Figuren im ZACK und auch unter anderem in Felix mit von der Partie, konsistente Albenreihen sind aber schwieriger. Den Anfang hatte der Carlsen-Verlag gemacht: 14 Bände, die den Originalen 7 bis 20 entsprachen, die beiden darauffolgenden sind bei Phoenix erschienen. Nach einer längeren Phase des Wartens hat dann der Piredda-Verlag die Aufgabe der Komplettierung übernommen und mit 17 bis 33 in deutscher Folge-Nummerierung und den ersten sechs Bänden als „Blaue Reihe“ unter dem Classic-Label alle noch fehlenden nachgereicht.

Mit dem jetzt gerade erschienenen Band 33 „Eingelocht!“ liegen also erstmals alle Dupa-Bände auf Deutsch vor. Alle Stories handeln von dem dicken, intelligenten weißen Hund Cubitus. Er lebt bei Herrn Bojenberg, einem alten Seemann mit einem großen Interesse an komplizierten Dingen und einem alten Motoradgespann, das sehr pflegebedürftig ist. Unverwechselbares Kennzeichen des Hundes ist sein gelber Puschelschwanz. Dritte Hauptfigur ist die Katze Paustian, der totale Gegensatz zu Cubitus. Ihr Verhältnis führt manchmal zu brachialem Humor, aber auch zu philosophischen Diskursen. Im Zweifel verliert dabei die Katze.

Die Zeichnungen sind Tintin-typisch: Reduktion auf das Wesentliche, oft flächige Hintergründe und meistens ein klassisches vier-reihiges Layout, das manchmal überspannt wird. Dupa konzentriert sich in der Darstellung des Hundekörpers auf die Mimik und schafft es, unglaublich viele unterschiedliche Gesichtsausdrücke zu kreieren! Er selbst taucht übrigens in Band 33 auch auf.

Der aktuelle Band

Eingelocht! enthält 27 Geschichten aus unterschiedlichen Jahrzehnten. Das ist auch der einzige Wermutstropfen, denn bereits die Originalbände enthalten die Geschichten keineswegs in chronologischer Reihenfolge. Zudem merkt man den Geschichten an, dass sie 20 Jahre alt sind. Moderne Gags haben mehr und vor allem andere technische Gadgets. Wenn man sich die heutigen Gag-Füller in Spirou oder EPPO anschaut, funktionieren sie auch anders. Trotzdem ist Cubitus eine liebenswerte Reihe mit Einfällen, die auch heute noch ihren Charme haben!

Wenn sich Cubitus und Paustian aufzählen, wie viele Unbillen sie zu ertragen hatten, wenn unüberlegt ausgesprochene Worte plötzlich für ernst genommen werden, Faulheit thematisiert wird oder aber einfach wahnwitzige Ideen in Bilder umgesetzt werden, dann ist das zeitlos! Einige sind dabei sehr liebevoll, wenn es aber das Verhältnis von Hund und Katze im Zentrum steht, dann geht es um Erbfeindschaft und somit um das Ganze. Wer sich (oder seine Kinder) mit Micky Maus und Donald Duck unterhalten kann, wird hier auch richtig liegen. Für die Fans des alten ZACK ist Cubitus sowieso nie unmodern geworden!

Die einzelnen Alben von Carlsen, Phoenix und Koralle sind lange vergriffen und sollten für 3 bis 6 Euro einfach zu bekommen sein, die Bände von Piredda sind noch lieferbar. Da die meisten Softcover in viele kleine Abschnitte unterteilt sind, eignen sie sich besonders dazu, auf der Garten- oder Balkonliege im „Urlaub daheim“ abwechselnd mit dem Sonnenbad genossen zu werden.

Dazu passen dann „Lockdown“ von der Specials Band (Neville Staples) und wahlweise eine Rhabarber-Schorle oder ein Aperol/Rhabarber-Spritz.

© der Abbildungen 2020 Piredda Verlag/Le Lombard (Dargaud-Lombard SA) 2002 by Dupa

Duchâteau/Denayer – Alain Chevallier 1

Ein Champion geht durch die Hölle

Story: André-Paul Duchâteau 
Zeichnungen: Christian Denayer 

Originaltitel: Enfer pour un champion

All Verlag

Hardcover | 48 Seiten | Farbe | 15,80 € | 
ISBN: 978-3-946522-96-6

Wahrscheinlich ist es nur ein witziger Zufall der im gleichen Monat die Veröffentlichung des einen ZACK-Motorsporthelden erfolgreich enden lässt während die des anderen startet. Alain Chevallier hatte einen Auftritt im Koralle-ZACK als Rolf Thomsen und kommt nun unter seinem eigentlichen Namen zurück nach Deutschland. Ansgar Lüttgenau veröffentlicht in seinem All Verlag viele alte Perlen aus den Siebziger und Achtziger Jahren in mustergültiger Ausstattung neu. So dürfen wir auch hier ein größeres Format, Hardcover und vor allem die Chance auf eine zügige und vollständige Veröffentlichung voraussetzen.

Die Autoren

Das Szenario für diese Serie über einen französischen Rennfahrer stammt von André-Paul Duchâteau der nicht nur den ZACK-Leser*innen wohl hauptsächlich durch seine Krimiserie Rick Master bekannt sein dürfte. Es sind aber auch noch viele andere seiner Serien auf Deutsch erschienen, unter anderem auch Yalek zusammen mit Denayer. Zwischenzeitlich hatte er auch die Leitung von Lombard inne.

Christian Denayer hatte sich seine Rennsportsporen bereits im Studio Graton verdient. Dort war er für Hintergründe und Autos verantwortlich gewesen bevor er dann zu Tibet und Rick Master gewechselt war. Irgendwann hatte Le Soir dann eine Rennfahrerserie bestellt und das Ergebnis waren immerhin 17 Alben! In seiner Einführung schreibt er selber, dass dieser erste Band noch nicht seinen eigenen Ansprüchen genügt hätte. Trotzdem ist das natürlich der Anfang von allem. Parallel ist im Übrigen auch Band 8 „Die Rivalen“ erschienen – Besprechung hier auf comix-online folgt in Kürze.

Die  Story

Alain Chevallier gehört zu einem französischen Team das mit drei Wagen an der Serie von Langstrecken-Rennen teilnimmt. Bei den 24-Stunden von Daytona liegen die Wagen in aussichtsreicher Position als es plötzlich zu einem folgenschweren Unfall kommt. Alain war gerade von seinem Kollegen überholt worden als dieser scheinbar ohne Ursache ins Schlingern gerät. Unser Held kann nicht mehr ausweichen und das andere Fahrzeug überschlägt sich und fängt Feuer. Später wird Alain von der Sensationspresse beschuldigt werden. Auch beim nächsten Rennen kommt es zu einem unerklärlichen Ausfall.

Die Geschichte bringt eine Mischung aus packenden Rennszenen sowohl auf der Strecke als auch später bei einer Verfolgungsjagd auf der Straße als auch einer spannenden Who-dunnit-Story die den Leser*innen zwar Einblicke erlaubt, wesentliche Teile aber bis zum Schluss verschlossen hält.

Die Zeichnungen

Das Titelbild passt nicht wirklich zu der Geschichte. Die Begründung dazu findet sich im Vorwort von Zeichner Christian Denayer! Die Rennszenen und die Hintergründe lassen erkennen, dass es sich hier um einen bekannten und geübten, auch gefragten Studiozeichner handelt. Bildaufbau, Strich und Perspektive sind gut und stimmig! Bei den Gesichtern und Körperproportionen ist diese Meisterschaft noch nicht ganz erreicht. Die Figuren sind zwar eindeutig zu erkennen und charakterisiert, ihr Gewicht und ihre Größe sind aber noch Schwankungen unterworfen. Eine Steigerung ist aber schon im Laufe dieses Albums zu erkennen!

Der Held und seine Freundin entsprechen den Vorgaben der damaligen Zeit. Tina ist selbständig und berufstätig und steht somit weder immer zur Verfügung noch ist sie reines Beiwerk. Trotzdem muss sie Krimitypisch leiden.

Ein Champion geht durch die Hölle ist ein Einstieg in eine Serie, die nicht verleugnen kann, dass ihre Schöpfer von zwei bekannten Serien aus der Schule der klaren Linie kommen. Sowohl Anklänge an Rick Master als auch an Michel Vaillant schaden aber natürlich nicht. Für die Fans der Generation ZACK sicherlich genau das richtige! Wie beim All Verlag üblich gibt es natürlich auch wieder eine auf 111 Exemplare limitierte Vorzugsausgabe mit signiertem ExLibris.

signiertes Ex Libris der Vorzugsausgabe

Dazu passen in Anbetracht der sommerlichen Temperaturen ein Mischgetränk aus sauren Südfrüchten und Weizenbier sowie die etwas schnelleren Klänge von Ska-P.

© der Abbildungen 2020 All Verlag GmbH / 1973 by André-Paul Duchateau und Christian Denayer 

P & J Graton – Michel Vaillant komplett

Band 64 Operation Mirage

Story: Philippe Graton
Zeichnungen: Jean Graton, Studio Graton

Originaltitel: Opération Mirage

ZACK-Edition

MOSAIK Steinchen für Steinchen Verlag
Softcover | 48 Seiten | Farbe | 13,00 €
ISBN: 978-3-86462-157-4

Herzlichen Glückwunsch

Erstmals liegt mit dieser Veröffentlichung die gesamte Serie Michel Vaillant einheitlich und komplett auf Deutsch vor! Was vor 14 Jahren mit dem Band 52 „F 3000“ begonnen hatte, ist jetzt abgeschlossen. Im schönen und regelmäßigen Abstand von 2 Monaten sind zunächst die auf Deutsch noch unveröffentlichten Alben des ZACK-Helden erschienen und dann nach und nach die bereits bei Carlsen, Koralle, EHAPA und Seven Islands publizierten Bände. Wer mitgesammelt hat konnte sich seine MV-Sammlung aufbauen und seit 2014 sogar um die im gleichen Design erscheinende zweite Staffel der neuen Abenteuer ergänzen.

Michel Vaillant umringt von Kollegen

An einigen Stellen im Internet ist bereits laute Kritik daran geäußert worden, dass die Bände nicht nachgedruckt werden und somit die Serie ja nicht komplett lieferbar wäre. Ich denke, dass man nicht außer Acht lassen sollte, dass der erste Band im Original 1959 veröffentlicht worden ist, der letzte 2006 und dass deshalb eine Kalkulation durchaus den wirtschaftlichen Erfolg eines Nachdrucks anzweifeln darf. Vielleicht gibt es ja eine Möglichkeit als e-comic. Ein Print-on-Demand würde ob des notwendigen Verkaufspreises eher keine Lösung sein. Zumindest die aktuellen Bände sind aber lieferbar.

Immerhin 49 der Bände beinhalten zusätzliche redaktionelle Seiten mit Informationen von Gerhard Förster, Frank Neubauer, Anselm Blocher, Jürgen Veile und Wim Simons, die in die einzelnen Geschichten einführen, Details und Hintergründe aus dem echten Leben beisteuern und nicht zuletzt auch Fotos und Zeichnungen ergänzt haben. Auch wenn nicht alle Bestandteile der französischen Integralausgabe hierzulande veröffentlicht worden sind, auf diese Seiten kann der Mosaik Verlag stolz sein!

Der Verlag hat im Übrigen angekündigt, dass noch nicht Schluss sei und noch eine Überraschung warten würde – seid gespannt! Mehr Infos auf comix-online sobald möglich. Für Julie Wood bleibt aus (erneut wirtschaftlichen Überlegungen) allerdings nur eine möglichst große Nachfrage bei Finix. Vielleicht können die fehlenden Bände der Gesamtausgabe ja dort den Weg in das Programm finden! Ihr könnt gerne im Kommentarfeld eure Meinung zu dieser Idee kundtun.

Die Werksspionage in der Autoindustrie und ihr „Held“

Hans Lehmann ist die reale Figur, der Philippe Graton als Lans Hellman seine Referenz erwiesen hat. Der deutsche Fotograph war der Schrecken der Automobilfirmen und hatte sowohl als Paparazzi als auch als mit illegalen Methoden arbeitender „Spion“ einige Errungenschaften bereits veröffentlicht, bevor die Hersteller ihr eigenes Marketing hatten ablaufen lassen können. Für die jeweiligen Firmen kann das einen Verlust von mehreren Millionen $ bedeuten!

In Operation Mirage geht es aber auch um das Design der Fahrzeuge und vor allem um die Tests, die vor Marktreife durchlaufen werden müssen: Wie verhält sich ein am Reißbrett entworfenes Fahrzeug im „richtigen“ Straßenverkehr, wie bei extremer Kälte oder Hitze?

Michel übernimmt dabei die Rolle für seinen Bruder Jean-Pierre, den Test des neuen GT von Vaillante durchzuführen und vor allem, dabei die Geheimhaltung zu bewahren. Es scheint aber einen Maulwurf zu geben, denn immer ist Lans Hellman schon da und macht seine Fotos…

Die Umsetzung

Phillipe Graton hat – wie immer – seine Hausaufgaben gemacht und präsentiert eine spannende Spionagestory, garniert mit Einblicken in das Verhältnis der zwei Brüder Vaillant und auch in das Eheleben von Michel and Francoise. Lesenswert auch Abseits eines Faibles für Motorsport! Es gibt immer noch das Vorurteil, dass sich die Reihe qualitativ im Laufe der Zeit immer weiter verschlechtert habe. Dem ist allerdings entschieden zu entgegnen, dass mit Übernahme der Szenaristentätigkeit durch Phillipe die Geschichten den besten von seinem Vater mindestens gleichwertig geworden sind.

Auch zeichnerisch ist an diesem Band nichts auszusetzen! Christian Papazoglakis und Frédéric Pauwels haben den Stil Jean Gratons sowohl in den bewegten Fahrszenen als auch mit stehenden Figuren gut umgesetzt. Die eine oder andere Unsicherheit gegenüber den Model-Sheet bezüglich der Gesichter verrät, dass der Altmeister auch nicht mehr die Zeichnung der Gesichter durchgeführt hat. Insofern deutet sich hier die zweite Staffel schon an.

Die Wertung

Michel Vaillant als Serie hat eine klar definierte Zielgruppe und doch gehen viele der Bände – so auch dieser – in ihrer Konzeption und Thematik weit darüber hinaus: Geschichte und Ökonomie (53 – Nacht von Carnac), Events und Terrorismus (63 – Cairo) oder aber Werksspionage wie in diesem Band sind Themen nicht nur für 14-jährige Jungen! Wer die Serie nicht kennt, sollte also ruhig mal einen Blick in diesen Klassiker riskieren! Der aktuelle Band 8 der zweiten Staffel startet übrigens in ZACK 254.

Mit einem Tusch für die vollbrachte, mustergültige Veröffentlichung der Michel Vaillant-Alben (es gibt noch ein paar Dossiers und Kurzgeschichten-Bände) und für dieses spannende, auch allein und außerhalb der Rennsportbegeisterten lesbare, und damit perfekte Abschlussalbum passen zur Begleitung der Lektüre nur Champagner und Desmond Dekker!

Abbildungen © 2020 Graton Editeur/Jean and Phillipe Graton und MOSAIK Steinchen für Steinchen Verlag

Lucky Luke und die Ungerechtigkeit in den Südstaaten

Fackeln im Baumwollfeld thematisiert die Ungerechtigkeit gegenüber Afroamerikanern

© 2020 Lucky Comics/Egmont Ehapa Media – „obs/Egmont Ehapa Media GmbH/Lucky Comics / Egmont Ehapa“


Lucky Luke betritt erstmals in 75 Jahren den Süden der Vereinigten Staaten: Das neue Album „Fackeln im Baumwollfeld“ führt den einsamen Cowboy tief in den Bundesstaat Louisiana, wo er auf den berühmten afroamerikanischen Marshal Bass Reeves trifft. Wird es unseren Helden gelingen, auch in den morastigen Sümpfen Louisianas für Gerechtigkeit zu sorgen?

Lucky Luke 99 Fackeln im Baumwollfeld erscheint am 29. Oktober bei Egmont Ehapa Media und ist die dritte Zusammenarbeit von Jul und Achdé. Natürlich haben sie sich von den aktuellen Ereignissen beeinflussen lassen.

Zur Story

Ein Geschenk des Himmels oder doch eher ein Fluch? Lucky Luke kann es kaum fassen: Eine Witwe und große Verehrerin hat ihm ausgedehnte Baumwollfelder im südlichen Louisiana vermacht. Ohne es zu wollen, ist er auf einmal Eigentümer einer riesigen Plantage und muss entsetzt feststellen, dass seine Angestellten von den Gutsbesitzern der Umgebung terrorisiert werden.

Die reichen Pflanzer begrüßen Lucky Luke als einen der Ihren, doch er setzt alles daran, seine Erbschaft unter die schwarzen Farmer zu verteilen. In seinem Kampf gegen die Mächtigen der Gegend erhält er völlig unerwartet Unterstützung von den Daltons, die ihn eigentlich umlegen wollten. Außerdem sind da noch die französischsprachigen Cajuns aus den Bayous, die vom Reichtum des Südens ausgeschlossen sind.

In seiner Not erhält Lucky Luke den Beistand eines ganz besonderen Westernhelden: Bass Reeves war der erste schwarze Marshal westlich des Mississippi und ging als einer der besten Schützen seiner Zeit in die Geschichte ein. Die Freundschaft zwischen Bass Reeves und dem Mann, „der schneller zieht als sein Schatten“, der Bundesstaat Louisiana und ein spannender, historischer Hintergrund, in dem sich viele aktuelle Ereignisse widerspiegeln, machen das 99. Abenteuer des einsamen Cowboys hoffentlich zu einer ganz besonderen Geschichte. – Stay tuned!

© der Abbildung 2020 Lucky Comics/Egmont Ehapa Media

P & J Graton – Michel Vaillant 63

Kairo

Story: Philippe Graton
Zeichnungen: Jean Graton, Studio Graton

Originaltitel: Cairo

ZACK-Edition

MOSAIK Steinchen für Steinchen Verlag
Softcover | 48 Seiten | Farbe | 13,00 €
ISBN: 978-3-86462-156-7

Der Sommerurlaub in fernen Ländern wird dieses Jahr wohl ausfallen müssen, aber der aktuelle 63. Band der ersten Staffel von Michel Vaillant bringt uns nach Afrika, mitten in die Rallye Dakar – Kairo. Der Vorläufer dieses Rennens, die Rallye Paris – Dakar war bereits das Thema von Band 41. 1982 hatte Philippe Graton gerade seinen Militärdienst abgeleistet und war mit der Kamera unterwegs um für seinen Vater die Dokumentation zu erstellen. 18 Jahre später sollte er erneut mit der Kamera dabei sein, dieses Mal allerdings zur Vorbereitung seines eignen Szenarios.

Die Rallye Dakar – Kairo 2000

Zur guten Tradition der Serie gehört es, dass das wirkliche Renngeschehen, der Tross, die Sicherheit und alles andere die Basis der Erzählung bilden. Mag es um die Jagd auf Gangster gehen, die Beziehungen der Akteure im Vordergrund stehen oder aber wie hier die Machenschaften skrupelloser Privatsender für die Einschaltquoten über alles gehen, das Szenario ist immer perfekt recherchiert. Mehr zur Serie hier.

Auch in diesem Fall werden den Leser*innen daher sehr viele Informationen rund um das Rennen mitgegeben: Welche Fahrzeug-Kategorien dürfen teilnehmen, wie viele Menschen gehören zum Tross (und es sind wirklich erstaunlich viele, nämlich annähernd 2000!) und wieviel Liter Kraftstoff wurden ausgegeben. Natürlich werden auch wieder einige der teilnehmenden Prototypen en Detail vorgestellt und die Vorbereitung der Fahrer*innen genau beschrieben.

Das Ganze – fast schon im Stil einer Reportage aufgezogen – ist aber trotzdem nur Begleitmusik zur Story: Vaillante hat zwei Teams gemeldet und auch Jacky Ickx fährt zusammen mit seiner Tochter Vanina mit. Zum späteren Leidwesen aller Beteiligten sind aber auch die Texas Drivers mit Hawkins, Cramer und Payntor dabei. Unterstützt werden sie von Vince Hummer, der die drei noch überbieten kann.

Wie auch bei der echten Rallye 2000 lassen sich Sport und Politik nicht immer trennen. Einerseits gibt es Kritik an dem Monsterunternehmen, zu dem sich das ursprüngliche Event für Amateure entwickelt hat. Zwar wird der angefallene Müll gesammelt und verbrannt, der ökologische Fußabdruck ist aber trotzdem gewaltig und Korruption im Gefolge des Trosses nicht zu verhindern. Zudem kam in jenem Jahr noch die Bedrohung von islamistischen Terroristen hinzu: Die Etappen quer durch Niger wurden gecancelt und alle Personen, Fahrzeuge und Gegenstände per Luftbrücke nach Libyen geflogen.

Die Umsetzung

War Jean Graton noch kritisiert worden, dass seine Szenarios im Laufe der Zeit an Qualität eingebüßt hätten, machte sein Sohn Philippe es deutlich besser. Einerseits hat er es geschafft, genau die gleiche Sorgfalt und Detailtreue in der Darstellung der Rennwirklichkeit beizubehalten, andererseits sind die Stories aber wieder lesbar und spannend. Der Lärm der Motoren und die Ehrfurcht vor den Aktiven aber auch vor den Unbillen der Natur – Hitze, Weite und Tierwelt – sind deutlich spürbar. Gleichzeitig scheut sich Graton aber auch nicht, die kriminellen Aktivitäten der Texas Drivers auf ihre Auftraggeber zurückzuführen und eben auch auf den Willen des verwöhnten TV-Publikums, das spektakuläre Bilder sehen will.

Wer möchte, kann auch eine Verbeugung vor dem Altmeister der klaren Linie und dem von ihm gegründeten Magazin suchen, das Michel Vaillant lange Zeit eine Heimat war.

Die Zeichnungen werden zwar noch Jean Graton zugeschrieben, tatsächlich hat er aber eher überwachende und beratende Funktionen gehabt; die tatsächlichen Zeichner waren Christian Papazoglakis und Frédéric Pauwels sowie Guillaume Lopez für die Fahrzeuge. Die beiden waren erst kurz vorher eingestiegen und haben sowohl die Akteure als auch das Ambiente sehr gut hinbekommen. Die Zeichnungen sind sehr dynamisch, die Szene mit dem Elefanten grandios und die Integration dieser Menge an Text muss man auch erst mal hinbekommen!

Die Wertung

Obwohl dieser Band schon 20 Jahre alt ist, atmet er keineswegs den Geruch des etwas Angestaubten aus. Spannend, gut komponiert und auf der (damaligen) Höhe der Zeit. Für die Generation ZACK daher zu Recht immer noch sehr gut lesbar und definitiv (im Gegensatz zu ein paar Durchhängern in den 50-er Nummern) nicht nur Komplettsammlern zu empfehlen. Die heute 14-jährigen erreicht die Geschichte aber eher nicht mehr. Alle irgendwie an Motorsport Interessierten sollten aber auf jeden Fall einen Blick in die neue, zweite Staffel werfen!

Die Ausgabe an sich in der ZACK-Edition ist aber perfekt! Neben gutem, nicht zu glänzendem Papier gibt es zwei zusätzliche redaktionelle Seiten mit vielen Informationen rund um Kairo und ein paar Bildern. Zudem fehlt jetzt nur noch ein Album und Michel Vaillant liegt erstmals komplett und einheitlich mit allen 70 Bänden der ersten Staffel (und bereits sieben der neuen Serie) auf Deutsch vor. Für alle, die mal reinschnuppern wollen, definitiv eine gute Möglichkeit!

Dazu passen am Besten die Skatalites, etwa mit in Orbit und viel Mineralwasser und 5 Gramm Salz.

Abbildungen © 2020 Graton Editeur/Jean and Phillipe Graton und MOSAIK Steinchen für Steinchen Verlag

Asterix Sensation – Der goldene Hinkelstein

Ein „neues“ Abenteuer von René Goscinny und Albert Uderzo

ASTERIX®- OBELIX®- IDEFIX® / © 2019 LES EDITIONS ALBERT RENE / GOSCINNY – UDERZO


Manchmal fördern Arbeiten im Archiv unerwartete Schätze zu Tage: Egmont Ehapa Media verkündet mit großer Vorfreude die Attraktion des Jahres aus dem
Asterix-Universum: Am 21. Oktober 2020 erscheint das Sonderalbum „Der
goldene Hinkelstein“. Ein Asterix-Abenteuer von den original
Asterix-Vätern, mit Texten von René Goscinny und Zeichnungen von
Albert Uderzo.

Das ganze Dorf ist in Aufruhr: Troubadix hat beschlossen, am
legendären Gesangswettbewerb für die Barden Galliens teilzunehmen.
Der Gewinner des Wettbewerbs wird traditionell mit dem goldenen
Hinkelstein ausgezeichnet. Weil auch die Römer großes Interesse an
diesem Wettbewerb haben, werden Asterix und Obelix beauftragt,
Troubadix zu seinem Schutz zu begleiten. Sie dürfen ihm nicht von der
Seite weichen – koste es, was es wolle!

Das einzigartige Abenteuer wurde 1967 in Frankreich als Schallplatte
mit Begleitheft veröffentlicht, jedoch niemals als Album und noch nie
in deutscher Sprache! Für heutige Leser hat die Geschichte echten
Seltenheitswert: Die Story ist von René Goscinny mit dem für ihn
typischen Witz und Esprit verfasst, die Zeichnungen tragen den
meisterhaften und unverwechselbaren Pinselstrich Albert Uderzos.

Ende 2019 wurden die Zeichnungen, die Albert Uderzo 1967 zur
Untermalung des genialen Szenarios seines Freundes anfertigte, von
Uderzos treuesten Mitarbeitern und noch unter Aufsicht des im März
2020 verstorbenen Maestros höchstselbst restauriert.
© der Abbildung  ASTERIX®- OBELIX®- IDEFIX® / © 2019 LES EDITIONS ALBERT RENE / GOSCINNY – UDERZO

Duchâteau/Tibet – Rick Master Gesamtausgabe 8

1974 – 1976

Story: André-Paul Duchâteau
Zeichnungen: Tibet

Originaltitel: RIC HOCHET – L‘INTÉGRALE 6-7

Splitter Verlag

Hardcover Überformat | 168 Seiten | Farbe | 34,00 € |

ISBN:  978-3-95839-584-8

Die Serie

In Zeiten wie diesen, wo nicht nur Restaurants und Kneipen geschlossen sind und Kinoabende verteilt vor den Fernsehgeräten stattfinden, hat der eine oder die andere vielleicht die Zeit, sich Klassikern zu widmen. Ich möchte heute daher den aktuellen Band der Rick Master Gesamtausgabe näher vorstellen. Die erste Geschichte um den Journalisten, seinen Freund Kommissar Bourdon, dessen Nichte Nadine und die gemeinsam gelösten Kriminalfälle ist bereits 1955 erschienen und bis zum Tod des Zeichners Tibet im Jahr 2010 wurden insgesamt 77 Alben verlegt!

In Deutschland debütierte der blonde Held in MV-Comix und war dann Stammgast im Koralle-ZACK. In den verschiedenen Publikationen waren die Geschichten allerdings nicht chronologisch und zudem oft auch nur gekürzt oder ummontiert erschienen. Die folgenden Alben bei Koralle, Bastei, Carlsen und Kult schafften es nicht, die Serie komplett einheitlich zu bringen. Dem setzt die seit 2017 bei Splitter erscheinende Gesamtausgabe ein Ende: in 25 Bänden werden alle Abenteuer erhältlich sein! Zudem beinhaltet jeder Band reichlich Zusatzmaterial in Form von Covern der ursprünglichen Tintin-Veröffentlichungen, Ausschnitten aus anderen Werken von Tibet und André-Paul Duchâteau und natürlich Artikeln über die Beiden und ihre Serie.

Auch die neuen Abenteuer von Rick Master von Van Liemt und Zidrou werden von Splitter als Alben verlegt. Die Vorveröffentlichung erfolgt im ZACK. Die Gesamtausgabe erscheint alle zwei Monate und zwar abwechselnd mit einer überarbeiteten Neuveröffentlichung von alten und mit neuen Bänden.

Band 8

Der gerade erschienene Band 8 umfasst die Jahre 1974 – 1976 und damit eine der spannendsten Phasen der Serie. Rick Master öffnet sich erstmals dem Thema Science-Fiction und beweist einmal mehr die Wandlungsfähigkeit der Autoren. Natürlich ändert sich nichts am Grundkonzept, nur die Varianz wird größer.

Den Beginn macht zunächst der dritte Teil des Porträts von André-Paul Duchâteau. Volker Hamann beweist einmal mehr sein grandioses Wissen um die Welt der Neunten Kunst und seine Fähigkeit, dieses auch weiterzugeben! Im Mittelpunkt dieser 20 Seiten stehen die anderen Serien des Texters, unter anderem das bald auch auf Deutsch wieder startende Rennfahrer-Epos Andre Chevallier (bzw. Rolf Thomsen wie es im Koralle-ZACK betitelt war). Schon allein die zusätzlichen Illustrationen würden einen Kauf rechtfertigen.

Die ersten Seiten von Angriff der Ausserirdischen wurden im November 1974 im Tintin veröffentlicht, die erste deutsche Ausgabe kam 1977 als ZACK-Album 17. Der etwas absonderliche Frédéric Louaisil hatte 1970 behauptet, im Finistère auf der Straße des Unmöglichen Außerirdische gesehen zu haben. Nun, 1974, stößt er bei einem abendlichen Spaziergang im Nebel scheinbar erneut auf fremde Wesen und wird bei dem Versuch, diese zu fotografieren von einem blitzartigen Schlag getroffen. Sein Neffe Bob sowie Rick sollen helfen, diese Geschichte zu beweisen.

Im Laufe der Zeit werden mehrere Personen vermisst oder aber auf grausame Weise zugerichtet tot aufgefunden und Panik macht sich im Ort bereit. Selbst der französische Präsident wird eingeschaltet und auch Kommissar Bourdon quartiert sich vor Ort ein… Sehr spannendes Who-dunnit in einer Gegend, in der übernatürliche Phänomene von niemandem ausgeschlossen werden!

Auch Die Linie des Todes beginnt mysteriös: Scheinbar unabhängig voneinander sterben drei Menschen an einem Herzinfarkt. In einem der Fälle kann Rick Master gerade noch verhindern, dass unschuldige Kinder ebenfalls sterben müssen. Es ist schon auffällig genug, dass die Ereignisse gleichzeitig stattgefunden haben, doch als Rick und Bourdon feststellen müssen, dass die drei Orte auf einer geraden Linie liegen, gilt es eine Erklärung zu finden. Sie müssen feststellen, dass Professor Hermelin an einer Strahlenwaffe gearbeitet hat…

Deutsche Leser*innen durften an der Aufklärung dieses Falles mit allen Wirrungen und Verirrungen insbesondere des Kommissars im Jahre 1977 über fünf Folgen des ZACK teilhaben, mussten allerdings auf den ersten ungekürzten Genuss noch ein wenig warten.

Den Abschluss bildet Eine heiße Spur von 1975/76. Auch diese Geschichte schaffte es relativ schnell nach Deutschland, allerdings nur in die ZACK-Parade und musste daher im ungewohnten Taschenbuchformat überzeugen. Waren die Arbeiten von Aidans extra dafür konzipiert, in beiden Formaten zu funktionieren (vgl. etwa Tunga), musste hier mehr Hand angelegt werden.

Erneut dreht es sich um eine scheinbare wissenschaftliche Errungenschaft, denn es geht das Gerücht, dass es eine Möglichkeit gäbe, seine Identität spurlos und komplett zu verändern. Der Preis dafür sind zwar 5 Millionen aber für echte Gangster wäre das eine akzeptable Summe und so machen sich Rick, Kommissar Bourdon und Nadine auf in die winterlichen Berge! Rasante Action gepaart mit Spannung und vielen Leichen!

Die Zeichnungen

Tibet schaffte es über die Laufzeit von mehr als fünfzig Jahren stets, den sich wandelnden Anforderungen der Leser*innen gerecht zu werden! Obwohl die handelnden Personen sich altersmäßig nicht veränderten, die Dekors, die Fahrzeuge und die Settings taten es sehr wohl.

Mitte der siebziger Jahre gab es schon die eine oder andere Veränderung in der frankobelgischen Comic-Landschaft. Der Erwachsenencomic, die Revolte, freiere Sexualitätsdarstellungen hatten ihren Siegeszug angetreten und von all dem waren Tibet und Rick Master weit entfernt. Nichtsdestotrotz geht es hier um einen Klassiker aus dem Tintin-Magazin, dem von Hergé verantworteten Hort der klaren Linie, mit 4-Panel-Reihen aus denen sich mal drei ergeben können, um rechteckige Rahmen und höchstens mal ein Soundword.

Tibets Meisterschaft waren vielleicht nicht die Gesichter. In der leicht karikierenden Darstellung der Personen als Ganzes ist aber die Geschwindigkeit der Actionszenen bereits angelegt. Kein Dekors lenkt von dem Wesentlichen der Handlung ab und wenn es gezeichnet wird, hat es auch eine Aufgabe in der Erklärung der Umgebung oder der Schaffung einer Stimmung! Und das beherrscht er meisterhaft!

Die Wertung

Wunderschöne und wertige Aufmachung für den Klassiker! Das Vorwort und die Abbildungen, die ausführlichen Hinweise zu den bisherigen Veröffentlichungen sind Bestandteile einer nahezu perfekten Gesamtausgabe! Dazu kommt, dass diese Reihe wohl tatsächlich und erstmalig alle Abenteuer des Journalisten in einheitlicher Form präsentieren wird. Generell also schon mal ein großes Lob an den Splitter-Verlag!

Wer erstmal reinschnuppern möchte, ist mit Band 8 sicherlich gut bedient; die Geschichten sind spannend, nicht zu zeitgebunden und Tibet hatte zu dieser Zeit nicht nur eine große Lust zu zeichnen, sondern befand sich auch auf dem (lange andauernden) Höhepunkt seiner Schaffenskraft. Also nicht nur jetzt eine Empfehlung!

Nadine hätte vermutlich Musik gehört, die im deutschen TV in der disco gelaufen wäre, Rick hätte allein möglicherweise lieber der Hitparade gelauscht. Beides gefällt mir als Basis für einen Soundtrack dazu nicht besonders und so empfehle ich eher The Undertones, etwa mit „Teenage Kicks“ vom Ende des Jahrzehnts und dazu einen oder zwei Glenmorangie.

© der Abbildungen Splitter-Verlag 2020, ÉDITIONS DU LOMBARD (DARGAUD-LOMBARD S.A.) 2004/2005

Robber/Blutch – Wo ist Kiki?

Ein Abenteuer von Harry und Platte

Text: Robber

Zeichnungen: Blutch

Originaltitel: Tif et Tondu de Blutch et Robber – Mais où est Kiki?

Salleck Publications

Hardcover | 78 Seiten | Farbe | 19,00 € |

ISBN: 978-3-89908-721-5

Harry und Platte waren schon etwas in die Jahre gekommen. Ihren ersten Auftritt hatten sie 1938 und sie waren eine von vielen Comics, die vom Slapstick lebten und bei denen der Humor deutlich über einem stringenten Storyaufbau stand. Mitte der 50-er Jahre erlebte die Serie allerdings einen rasanten Wechsel: Mit den Szenarios von Rosy für die Zeichnungen von Will, der Figur des Schock und spannenden Episoden erreichte die Serie ihren Höhepunkt. Auch unter Tillieux und Desberg zeichnete Will fleißig weiter und erst mit seinem Rückzug begann der Niedergang.

Mit der ebenfalls bei Salleck erschienenen dreibändigen Origin-Story des behelmten Verbrechers Schock Die Geister von Knightgrave wurde der erste Versuch eines Relaunchs gestartet. Er war anscheinend erfolgreich genug um jetzt mit dem aktuellen Album von Blutch und Robber einen weiteren Mosaikstein hinzuzufügen!

Die Story

Es beginnt mit einem Einbruch; die beiden Täter können entkommen und die herbeigerufene Polizei findet den gefesselten Besitzer der Villa sowie einen Raum mit einer Vielzahl von gestohlenen Bildern und Kunstgegenständen vor. Die Leser*innen können unschwer entdecken, dass Harry und Platte hinter diesem Coup stecken.

Bei einer Lesung ihres neuen Buches über eben diesen Kunsthehler (das es auf französisch wirklich gibt!) erhält Harry ein Buch mit der Frage, wo Kiki sei, und versucht noch den Überbringer zu stellen. Tatsächlich stellt sich heraus, dass die Comtesse, häufige Begleiterin der beiden Helden, verschwunden ist, und viele Anzeichen deuten auf eine Entführung. Dazu kommt, dass sich die Tochter des Einbruchsopfers nicht damit abfinden will, dass ihr Vater im Knast sitzt. Sie versucht mit allen Mitteln, ihn zu befreien und schnell wird deutlich, dass es eine Verbindung geben könnte.

Robber gelingt es, eine sehr ausbalancierte Geschichte zwischen Situationskomik und sogar Klamauk auf der einen und einer raffinierten Kriminalgeschichte auf der anderen Seite abzuliefern, die dazu noch ein phantastisches Element enthält. Sie passt sich daher sehr gut an die Essenz der Originalserie an, modernisiert aber trotzdem.

Die Zeichnungen

Blutch ist ein hochdekorierter Künstler und einer der aktuellen Stars der französischen Szene. Seine bisherigen Arbeiten waren allerdings alles andere als leichter Mainstream und auch mit dieser Adaption bewegt er sich nicht in seichtem Fahrwasser. Seine Figuren sind auf den ersten Blick nicht gemäß der klaren Linie oder der Marcinelle-Schule, zu überzeichnet und zu „dunkel“ kommen sie daher. Während Harry seinem Vorgänger äußerlich noch sehr ähnlich sieht, ist Platte ohne ihn kaum einzuordnen. Dabei sind alle markanten Merkmale vorhanden und nur leicht verschoben. Das allein ist schon Grund genug für Fans, diesen Band zu kaufen und für alle, die dem momentanen Trend der “Hommage-Bände“ frönen, sowieso!

Für die betulichen 60-er Jahre wären die Zeichnungen zu krass, in den später aufkommenden Zeitschriften mit Comics für Erwachsene aber sicherlich hochwillkommen gewesen. Heute sind sie nicht mehr schockierend, die Bildsprache hat sich gewandelt und für die nachgewachsenen Leser*innen, die die Originale nicht aus ihrer Jugend kennen, ist der Stil sicherlich viel akzeptabler als das Original und so verwundert es auch nicht, dass das Album im französischen Spirou vorabgedruckt worden war.

Die Wertung

Für mich eine sehr gelungene Modernisierung einer schon früher sehr guten Serie. Die alten Hasen werden viele kleine Hinweise und Zitate auf das Original finden, den Neueinsteiger*innen wird eine schnelle, leicht überdrehte Krimigeschichte mit Mystery-Elemente geboten!

Das übergroße Format im Hardcover, das feste, die Farben sehr gut zur Geltung bringende Papier und der dafür sehr angemessene Preis verhindern definitiv einen Fehlkauf und wer will, kann sogar zu einer limitierten Vorzugsausgabe greifen, die zusätzlich ein signiertes ExLibris und Zeichnungen enthält.

Cover der limitierten Vorzugsausgabe

Wer jetzt noch weiterlesen möchte: Nicht nur die oben bereits erwähnte Serie um den Hintergrund des Schock erscheint bei Salleck Publications, auch die Originalserie erscheint hier in chronologischer Abfolge als Gesamtausgabe!

Dazu passen die grandiosen Berurier Noir aus Frankreich und ein Triple Secret des Moines.

© der Abbildungen DUPUIS 2020 by Robber, Blutch / Eckart Schott Verlag

Albert Uderzo ist tot

Foto Albert Uderzo - Fotograf:© 2020 LES EDITIONS ALBERT RENE
Albert Uderzo – Asterix-Legende. „obs/Egmont Ehapa Media GmbH/© 2020 LES EDITIONS ALBERT RENE“

Ohne ihn hätte es die weltberühmten Comic-Helden Asterix und Obelix nicht gegeben: Nun ist Albert Uderzo im hohen Alter von 92 Jahren gestern Nacht im Kreis seiner Familie an einem Herzinfarkt verstorben.

Gemeinsam mit dem begnadeten Geschichtenerzähler René Goscinny erschuf er das Asterix-Universum, welches seit Generationen für Jung und Alt ein weltweiter gallischer Dauerrenner ist. Sein Motto lautete, dass das Arbeiten in der Comic-Branche jung hält.

Albert Uderzos langjähriger deutscher Verlag Egmont Ehapa Media GmbH zur traurigen Nachricht: „Die Welt hat einen großen Zeichner verloren. Zugleich bleiben wir reich beschenkt zurück mit den einzigartigen Comic-Geschichten aus Gallien. Durch die Abenteuer von Asterix wird Albert Uderzo uns und den Lesern in bunter, humorvoller Erinnerung bleiben. Wir bedanken uns bei ihm für eine vertrauensvolle und außergewöhnliche verlegerische Partnerschaft über ein halbes Jahrhundert und für all seine pointierten Zeichnungen und Geschichten.“

Asterix® – Obelix® – Idefix ® / © 2019 Les Éditions Albert René / Goscinny – Uderzo

Albert Uderzo wurde am 25. April 1927 geboren. Alles deutete darauf hin, dass er mit seinen Händen Großes vorhatte: Albert Uderzo kam mit sechs Fingern an jeder Hand zur Welt. Seine Eltern beschlossen jedoch diese beiden überzähligen Finger entfernen zu lassen. Als Sechsjähriger Knirps lieferte er schon die ersten, beinahe druckreifen Zeichnungen zu Hause ab. Da erst bemerkte man, dass der Junge farbenblind war. Auch dieses Hindernis konnte ihn nicht stoppen. Mit 14 Jahren engagierte ihn ein Pariser Verlag. Mit 18 zeichnete er bereits seine eigenen Comic-Strips. Das Zeichentalent scheint ihm wirklich in die Wiege gelegt worden zu sein, denn er besuchte zu keiner Zeit eine Kunstakademie. Seinen unverwechselbaren Strich bringt er sich selbst bei und verbessert sich durch permanentes Üben. 1951 schlägt seine große Stunde. Er begegnet Jean Michel Charlier und insbesondere René Goscinny. Mit Charlier entstehen die Abenteuer der beiden tollkühnen Piloten „Tanguy und Laverdure“. Zusammen mit René Goscinny entwickelt er zunächst „Umpah-Pah“. Zwischen den beiden Künstlern bahnt sich eine lebenslange, sehr innige Freundschaft an. Seinen großen Durchbruch feierte er 1961, als die gallischen Abenteuer in Frankreich schon in Form von kompletten Comic-Geschichten in 48-seitigen Alben erscheinen. Der Asterix-Funke zündet und nur wenige Jahre später und begeistert in ganz Europa. Seinen größten Verlust erlebte er 1977: Nach dem plötzlichen Tod seines besten Freundes René Goscinny wollte das Zeichnergenie mit Asterix Schluss machen. Aber seine Fans überzeugten ihn weiterzumachen und so soll es auch jetzt sein: Auch wenn er diese Welt verlassen hat, durch Asterix wird der großartige Künstler in den Herzen der Leser für immer weiterleben.

Unter Verwendung einer Pressemitteilung von Egmont EHAPA Media – www.egmont.de und www.asterix.com

Abbildung: obs/Egmont Ehapa Media GmbH/© 2020 LES EDITIONS ALBERT RENE