Vernes/Forton – ZACK Spezial 18: Bob Morane 5

Das höllische Tal

Story: Henri Vernes

Zeichnungen: Gérald Forton

Originaltitel: La vallée infernale

Blattgold Verlag – ZACK Edition

Softcover | 48 Seiten | Farbe | 14,00 € | Limitiert auf 777 + 55 Exemplare | ISBN: n/a

Cover ZACK Spezial 18

1967 markierte das Ende des Runs von Gérald Forton für Bob Morane, 26 Jahre später griff er abermals zum Zeichenstift. Erneut präsentiert Georg F. W. Tempel eine Besonderheit dieser langlebigen Reihe als ZACK-Spezial-Album. Obwohl die Limitierung mit 777 Exemplaren höher ist als gewöhnlich, lohnt sich eine schnelle Bestellung da fast alle Alben mittlerweile verlagsvergriffen sind.

Ein sehr abgeschiedenes Tal

Die Serie Bob Morane richtete sich ursprünglich an jugendliche Leser. Der dieser Comic-Umsetzung zugrundeliegende Band erschien erstmals 1953 in der Reihe Marabout Junior, in Deutschland wohl am ehesten dem Schneider-Buch aus den 70-er Jahren vergleichbar. Es ging um Thrill, Exotik und Spannung in einer Weise, die Jugendliche zwar fesseln, sie aber auch nicht überfordern sollte. Die Welt war damals noch deutlich unbekannter und geheimnisvoller als heutzutage, political correctness noch komplett unbekannt.

Der erste schockierende Moment ist der erzwungene Absturz von Morane und seinem Begleiter Bill Ballantine auf einem Flug über Neuguinea. Ihre Passagiere entpuppen sich als Gangster, die sakrale Edelsteine entwenden wollen. Da das Flugzeug zerstört worden ist, müssen sie sich nun nicht nur um die Verhinderung des Raubzugs kümmern, sondern auch für eine Rückkehr in die Zivilisation sorgen. Schnell treten auch Alfourous auf, die zwei der Gangster gefangen nehmen. Die Darstellung der Krieger und ihres Stammes ist zwar nicht unbedingt rassistisch, aber auch nicht frei von Stereotypen.

ZACK Spezial 18 page 3

Im weiteren Verlauf treffen unsere Helden auf weitere Weiße, die in dem Tal gestrandet sind, haben mit sich bekämpfenden Bewohner*innen zu tun, treffen auf „edle Wilde“ wie auf solche, die noch Menschenopfer praktizieren, und versuchen, den Plan der Gangster zu verhindern. Die Geschichte ist spannend, Vernes vergisst nicht, zwischendurch immer wieder eine Portion Humor einzustreuen, und natürlich geht sie gut aus.

Ein Produkt der 90-er

ZACK Spezial 18 page 4

Forton ist sichtlich bemüht, den Anforderungen der Zeit zu begegnen. Sowohl die Zeichnungen selbst als auch die Kolorierung sind deutlich moderner als während seines ersten Runs und auch bei der Darstellung der nativen Bewohner*innen ist sein Versuch anzuerkennen, auf Stereotypen weitgehend zu verzichten. Beim Paipai gelingt das nur bedingt.

Ansonsten werden die Zeichnungen alle Fans des realistischen frankobelgischen Magazin-Comics alter Schule überzeugen können. Sowohl Figuren als auch Dschungel und Vulkan/Berg-Szenen wirken durchdacht und korrekt, die Dynamik lässt ebenfalls nichts zu wünschen übrig. Allein das konsequent durchgezogene dreistreifige Layout mag etwas irritieren, ist aber aufgrund wechselnder Höhen nicht schematisch.

Detail ZACK Spezial 18 page 7

Eine Empfehlung

Für die Sammler*innen der ZACK-Spezial-Reihe gibt es wahrscheinlich nur höchst selten einen Grund, einen Band auszulassen. Das höllische Tal wird aber zu Recht auch Gelegenheitskäufer*innen anziehen – spannend, keinesfalls veraltet oder altertümlich, aber nostalgisch und nicht zuletzt zeichnerisch ansprechend beweisen Vernes und Forton, dass Idee und Teamwork auch nach so langer Pause noch funktioniert haben.

Wer will kann wieder einen ebenfalls limitierten Druck zu diesem Album bestellen und wer den kompletten Run von Forton lesen möchte kann selbstverständlich noch bei der Gesamtausgabe Bob Morane Classic einsteigen.

Druck ZACK Spezial 18

Dazu passen The Interrupters zum Beispiel mit „You’re gonne find a way out“ und ein SP Lager!

© der Abbildungen Vernes – Bob Morane Inc./Forton – Ed. Hibou| 2026 Blattgold GmbH

Duval/Funcken – ZACK Spezial 17: Leutnant Burton

Serenade in Colt-Dur

Story: Yves Duval

Zeichnungen: Liliane & Fred Fucken

Originaltitel: Lieutenant Burton

Blattgold Verlag – ZACK Edition

Softcover | 56 Seiten | Farbe | 16,00 € | Limitiert auf 555 + 55 Exemplare | ISBN: n/a

Cover ZACK Spezial 17

Das ZACK war besonders zu seinen Koralle-Zeiten bekannt für die Westernserien: Leutnant Blueberry, Comanche, Hondo (=Ray Ringo), Lucky Luke, Häuptling Feuerauge und noch mehr! Außer zu den unsäglichen Wiechmann-Zeiten hätte auch Leutnant Burton in das Magazin gepasst. Vermutlich hätte man die Kurzgeschichten aber ummontiert und in die ZACK-Parade gepackt. Wie dem auch sei, nun haben sie den Weg nach Deutschland geschafft.

Tapfer, edelmütig und redlich

Zwischen 1962 und 1967 erschienen insgesamt 13 Kurzgeschichten im Journal Tintin resp. Kuifje über den Soldaten des 7. Kavallerieregiments der US-Armee. Die Geschichten spielen in etwa zwischen 1867 und 1875 und stammen von Yves Duval, der sie allerdings teilweise unter seinem Pseudonym Michel Deverchin veröffentlicht hat. Der Offizier steht für Gerechtigkeit, Ehre und Aussöhnung, und bildet daher ein Ideal ab, das im Zuge der Vietnam-Proteste und der 68-er immer mehr in Frage gestellt werden wird.

In vier- bis fünfseitigen Geschichten, die erste ist sogar noch im Querformat, wird der Offizier zusammen mit seinem Sidekick Sgt. Kinsley in verschiedene, oft archetypische Situationen verwickelt. Er muss mit einem Offizier einer anderen Einheit darüber streiten, wer tapferer ist, muss Frieden stiften und aufgebrachte Parteien auf beiden Seiten beruhigen und schließlich auch mit Zivilisten umgehen.

ZACK Spezial 17 page 7

Die Stories passen in den Rahmen der belgischen Comic-Magazine der damaligen Zeit. Im Grunde handelt es sich um Pfadfinder-Motive und auch die Armee wird nicht wirklich als eine Truppe dargestellt, die für mörderische Massaker verantwortlich war, gleichzeitig aber auch immer in der Gefahr stand, selbst einem Angriff zu unterliegen. Trotzdem sind sie so geschickt aufgebaut, dass sie auch heute noch lesbar sind.

Realismus pur

Das Ehepaar Liliane und Fred Fucken stellt im Bereich der frankobelgischen Comiczeichner*innen der 50er und 60er Jahre eine Ausnahme dar, arbeitete doch hier ein Ehepaar zusammen an den Seiten und benannte das auch als gemeinsame Tätigkeit. Die beiden hatten den typischen Weg hinter sich und mit Illustrationen und Aufgaben innerhalb einer Serie von Kurzgeschichten angefangen. Als ihr Talent bemerkt wurde, erhielten sie mehr und mehr Gelegenheit zu eigenen Arbeiten.

ZACK Spezial 17 page 8

Die realistischen Zeichnungen basieren auf akribischer Recherche, besonders bezüglich der Technik und der Militärkunde. Und so haben die beiden schließlich nicht nur das Wissen in Comics angewendet, sondern auch eine umfangreiche, 18-bändige Sammlung über heereskundliche Forschungen herausgebracht, die auch heute noch als Referenzwerk gilt.

Ein klassischer Western

Die Reihe ZACK Spezial sammelt Perlen der heute fast vergessenen Hochzeit des frankobelgischen Comics und präsentiert diese – oft genug als deutsche Erstveröffentlichung – in ansprechender Aufmachung und zu einem fairen Preis. Das Nachteil, den man dafür gerne in Kauf nimmt, ist, dass die limitierten Bände (in diesem Fall 555 + 55 Exemplare) nicht über den Buchhandel, sondern im Wesentlichen nur über den Verlag bezogen werden können. Dafür kann dort allerdings auch gleich ein passender Druck mitbestellt werden.

Druck ZACK Spezial 17

Die ersten 12 Bände dieser Reihe sind bereits vergriffen, es lohnt sich also bei Interesse nicht zu lange zu warten. Neben den Fans der Klassiker können bei der Serenade in Colt-Dur auch Western-Fans unbedenklich zugreifen: spannende und abwechslungsreiche Kurzgeschichten im erwarteten Themenumfeld, meistens mit einem kleinen „Extra“.

Dazu passen Billy Bob Thornton zum Beispiel mit „That Mountain“ und ein classic Bourbon!

© der Abbildungen Funcken/Duval – Edition Hibou 2025| 2026 Blattgold GmbH

Oesterheld/Pratt – Sgt. Kirk 2

Zweite Epoche

Story: Héctor Oesterheld

Zeichnungen: Hugo Pratt
Originaltitel:
 Sargento Kirk; Misterix 264 – 265, 266 – 267, 268 – 269, 270 – 272, 273 – 275, 276 – 277, 278 – 280, 281 – 283, 297 – 302, 303 – 308.

schreiber & leser

Hardcover | 196 Seiten | Farbe | 32,80 € | ISBN: 978-3-96582-218-4

Cover Sgt. Kirk 2

Band 1 dieser auf vier Teile angelegten Gesamtausgabe der schwarz-weißen Geschichten über den ehrenwerten Soldaten Sgt. Kirk, der das Gewissen höher hält als Befehle, hatte es auf comix-online zum Comic des Jahres geschafft.

Was ist gerecht?

Der Grundkonflikt der Geschichten von Hector Oesterheld ist natürlich geprägt durch die politische Situation in Argentinien, dem Heimatland des Autors und der aktuellen Wahlheimat des Zeichners Hugo Pratt. Nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges war das Land gespalten. Während einerseits hunderte von Nazis dort Asyl fanden und eine wichtige Rolle in der lokalen Gemeinschaft zu spielen begannen, war die Mehrheit der armen Bevölkerung politisch eher links eingestellt. Mehrere, schließlich erfolgreiche Militärputsche waren die Folge; Oesterheld selbst fiel dem letzten zum Opfer und wurde verschleppt und getötet.

Diese sehr oft gewaltsam ausgetragenen Gegensätze fanden ihre Entsprechung in den Kämpfen der oft tumben und ehrenlosen „Weißen“ gegen die eher naturverbundenen, nicht weniger brutalen, aber ehrenbewussten „Indianer“. Zwar gibt es auf beiden Seiten auch individuelle Abweichungen, das Prinzip aber stimmt. Und so ist Kirk, der immer wieder versucht, sich selbst so zu verhalten, dass er auf sich selbst stolz sein kann, ein Wanderer zwischen den Welten.

Sgt. Kirk 2 page 10

Von den Indianern als einer der ihren anerkannt, gilt er für die Weißen als Renegat und wurde zum Tode verurteilt. Um weiteres Töten in seinem Namen zu verhindern, beschließt er sich zu stellen. Seine Freunde inszenieren aber einen Angriff aus das Fort um ihn zu befreien und so muss er sich erneut taktisch falsch entscheiden. Die einzelnen zunächst im Misterix erschienenen Geschichten ergeben eine zusammenhängende Geschichte, erlauben aber trotzdem ein Einsteigen. Schließlich wollte man das Magazin ja auch an neue Leser*innen verkaufen können.

Die Kraft der Schatten

Pratt war schon immer jemand, der mit wenigen Strichen nicht nur Atmosphäre erschaffen, sondern auch eine Geschichte in einem Panel erzählen konnte. In diesen Bildern kommt aber auch seine Fähigkeit zum Tragen, den Schatten meisterhaft zu verwenden. Damit kreiert er nicht nur Tiefe, sondern auch Stimmung. Es war allerdings nicht nur die künstlerische Entscheidung, die zu diesen Techniken führte, es lag auch an der Qualität des benutzten Papiers, rau und saugfähig, wie es war.

Sgt. Kirk 2 page 11

Die Zeichnungen bieten alles, was die Liebhaber*innen eines klassischen Westerns sehen wollen: Pferde, Rodeo, Indianer und Soldaten, Kämpfe, Szenen im Fort, die unermesslich schöne, aber auch gefährliche Landschaft und die Lagerfeuerromantik. Sie stehen aber auch im Ziel der Zeitungsstrips und der Sonntagsseiten und erzählen in kleinen Häppchen eine große Geschichte.

Moderner als mancher glaubt

Die Frage nach der Ehrenhaftigkeit des eigenen Tuns, der Wunsch, das Handeln selbst dann an moralischen Leitlinien auszurichten, wenn es den Tod bedeuten könnte, ist keinesfalls altmodisch. Gerade heute in einer Zeit der sich überlappenden Krisen ist es wichtig, den moralischen Kompass zu beachten. Auch insofern ist Sgt. Kirk ein wichtiges Werk! Es macht aber auch Spaß, den Western zu genießen, der immer wieder auf großartige Filme des Genres verweist.

Logo Sgt. Kirk 2

Zudem ist auch die Ausgabe ein paar Zeilen wert! Das Hardcover wirkt hochwertig, der gut zu lesende Anhang verweist in vielen kleineren Abschnitten auf historische Hintergründe der Geschichte selbst oder der Autoren sowie auf die Reminiszenzen. Dazu kommen ein paar kolorierte Titelbilder der italienischen Rintintin & Sgt. Kirk-Ausgaben.

Dazu passen Marty Robbins mit „The Hanging Tree“ und ein Cactus Jack.

© der Abbildungen 1953, Cong S.A., Schweiz | 1953 Hoirie Oesterheld | 2026 Verlag Schreiber & Leser, Hamburg

Siehst du es?

Grafische Erzählungen über den Schriftsteller Siegfried Lenz

Hrsg: Siegfried Lenz Stiftung & Studiengang Illustration HAW Hamburg

Story:Siegfried Lenz, 16 Autor*innen

Zeichnungen: 16 Zeichner*innen

Originalausgabe

Carlsen Comics
Hardcover | 272 Seiten | Farbe | 26,00 €
ISBN: 
978-3-551-80941-4

Cover Siehst Du es?

Am 17. März dieses Jahres wäre der 2014 verstorbene Siegfried Lenz 100 Jahre alt geworden. Es gibt nur sehr wenige Literaten seines Kalibers in der deutschen Nachkriegsgeschichte und so ist es nicht weiter verwunderlich, dass auch eine grafische Annäherung an ihn erscheint. Zusammen mit der von Lenz selbst gegründeten Stiftung hat der Studiengang Illustration des Fachbereichs Design der HAW Hamburg 19 Episoden versammelt, die sich mal sehr persönlich, mal distanziert beschreibend mit verschiedenen Etappen aus dem Leben des Autors befassen.

Ein ganzes Leben in Bildern, …

Die Sammlung ist chronologisch aufgebaut und beginnt bereits mit der Kindheit des Jubilars. In Ostpreußen geboren liebt der kleine Junge das Wasser, das Fischen und das Lesen, kann sich aber auch der Hitlerjugend nicht entziehen. Der Krieg folgt und die Diskrepanz zwischen Propaganda und Realität wird erlebbar.

Von nun an steht der Schriftsteller im Mittelpunkt. Wahres Schreiben kommt von innen heraus und so ist das Leben, sind die Gedanken und Gefühle nicht von dem Prozess des Schreibens trennbar. Der Mensch braucht eine geeignete Umgebung, um produktiv sein zu können. Für Lenz war das Norddeutschland und Dänemark, war das Geborgenheit in der Familie und im Umfeld, waren das herausfordernde Gespräche und alltägliche Begebenheiten, die es ihm erlaubten, exemplarische Romane, Erzählungen und Essays zu schreiben.

Siehst Du es? page 10

Seine zwei Ehen, seine Freundschaft mit Helmut und Loki Schmidt, sein vertrautes Verhältnis zu seinem Lektor tauchen immer wieder auf und bilden das Gerüst, in dem Lenz sich entfalten konnte. Jede einzelne Episode aus seinem Leben besteht dabei in diesem Band aus zwei Teilen: die grafische Darstellung nach dem Gusto des/der Zeichner*in, und ein passender Originaltext aus dem vielfältigen Werk. Und dabei werden größtenteils keine Ausschnitte aus dem literarischen Werk genommen, sondern Briefe, Vorträge oder Beiträge, die nicht schon hundertmal gelesen worden sind!

… sehr unterschiedlichen Bildern, …

Wie es sich für einen Sammelband gehört, noch dazu für die Arbeiten der Teilnehmer*innen eines Studienganges, sind die Arbeiten stilistisch sehr unterschiedlich. Einige der Beiträge entsprechen dem, was man als Leser*in unter dem Stichwort „Graphic Novel“ erwarten würde. Anderes dagegen sieht eher aus, wie eine Abfolge von Illustrationen, wie sie etwa die „Fliegenden Blätter“ fabriziert haben.

Siehst Du es? page 11

So unterschiedlich die Zeichnungen auch sind, allen gemeinsam ist der Respekt vor der Person Siegfried Lenz. Er wird zwar nicht auf ein Denkmal gestellt und somit verfremdet, er wird aber auch nicht in Frage gestellt. Durch die Originaltexte kommt eine sehr schöne Spannung auf. Manchmal übernehmen die Arbeiten Passagen aus dem jeweils folgenden Abdruck, manchmal erzählen sie auch komplementär.

… dass es wert ist, präsentiert zu werden.

Für mich ist Siegfried Lenz einer meiner Lieblingsschriftsteller und daher war ich sehr gespannt, ob diese Hommage mich begeistern würde. Der Stil der Zeichnungen trifft nicht immer meinen Geschmack, ist aber handwerklich vollkommen in Ordnung! Die Behutsamkeit der Annäherung und die Achtsamkeit gegenüber dem Menschen (nein, eigentlich gegenüber allen Menschen, über die geschrieben und gezeichnet wird) ist aber deutlich.

Siehst Du es? page 14

Für Menschen meines Alters, für die Helmut Schmidt, Günter Grass und auch die bleierne Zeit erlebte Gegenwart waren, ist der Band ein Genuss. Ob Jugendliche damit begeistert werden können, wage ich zu bezweifeln. Aber das ist sicherlich auch nicht die Aufgabe dieses Werkes!

Dazu passen Inga und Wolf mit „Was ich noch zu sagen hätte“ und ein Glas Lübecker Rotspon.

© der Abbildungen 2026 Carlsen Verlag GmbH, Hamburg

Seron – Die Minimenschen Gesamtausgabe 4

1976 – 1978

Story: Hao (=Mittéï), Stephen Desberg
Zeichnungen: 
Pierre Seron
Originaltitel: 
Les Petits Hommes – L´integrale 4: 1976 – 1978

Blattgold Verlag – ZACK Edition

Hardcover | 232 Seiten | Farbe | 45,00 € | ISBN: 978-3-949987-81-6

Cover Minimenschen Gesamtausgabe 4

Die nun wohl endgültige Gesamtausgabe der Geschichten mit den Minimenschen geht in die vierte Runde (von Zehn). Wer die Einzelausgaben besitzt und die Inhalte wiederfinden möchte, muss ein wenig hin- und herspringen, erfolgt die Ausgabe doch nun strikt chronologisch. Neben Kurzgeschichten, die Anfang der 90-er in den Minis Classics erschienen waren, enthält das Integral die Alben 7, 9 und 10.

Daheim und unterwegs

Das Vorwort weist bereits darauf hin: Im Universum der durch Kontakt mit einem Meteoriten verkleinerten Minimenschen gibt es storytechnisch Unterschiede zwischen den Kurzgeschichten, die oftmals im Umfeld der von den Minis bewohnten Höhle spielen und den längeren Geschichten, die die gesamte Welt viel stärker einbeziehen und oftmals größere Reisen beinhalten. Während erstere oftmals traditionell sind und eher das ruhige Leben mit kleinen Besonderheiten beschreiben, sind die Alben mit fantastischen Elementen versehen und gehören eher dem Science-Fiction-Genre an.

Minimenschen Gesamtausgabe 4 page 16

Die Liebesgrüße aus Nippon beginnen relativ harmlos: ein U-Boot lässt irgendwelche Stoffe vor der Küste Rochafleurs ab. Kurze Zeit später aber beginnen Ranken zu einer enormen Größe zu wachsen und scheinen dabei eine Intelligenz zu besitzen, die sie zu einem Atom-Zentrum führt. Seron bezieht hier klar Stellung gegen die unkontrollierte Risiken in Kauf nehmende Wissenschaftspolitik.

Der Zweiteiler Das Dreieck des Teufels und Das Volk der Tiefsee lässt die Minis das Geheimnis des Bermuda-Dreiecks lüften. Hier steht ein seit Generationen schwelender Konflikt zwischen zwei Völkern im Hintergrund und wieder kommt Serons humanistische Orientierung deutlich zum Vorschein!

Minimenschen Gesamtausgabe 4 page 17

Ein grandioser Klassiker

Über Pierre Seron gab es schon immer Diskussionen (die den Künstler zu seinen Lebzeiten übrigens schwer belastet haben). Die einen behaupten, dass er nichts anderes sei als ein, zudem noch schlechter, Epigone des „großen“ André Franquin, die anderen sehen in seinen Zeichnungen einen zwar ähnlichen, aber selbständigen Ansatz. Aufgrund der Verknüpfung von Humor und Humanismus sei das ein nirgendwo sonst zu findender Ansatz.

Wie dem auch sei, für mich sind die Geschichten manchmal etwas zu schematisch, erlauben aber auch beim x-ten Mal neue Entdeckungen. Die Mischung aus leichter Karikatur und dem typischen Marcinelle-Stil ist großartig und lässt zumindest mich immer wieder schmunzeln. Man darf allerdings keine heutigen Maßstäbe anlegen, denn auch Seron ist ein Kind seiner Zeit.

Detail Minimenschen Gesamtausgabe 4 page 18

Eine ansprechende Gesamtausgabe

Wie man es von einer Gesamtausgabe erwarten kann, enthält auch dieses Integral zusätzliche Informationen, Illustrationen, Titelbilder der Magazin-Vorveröffentlichungen und bibliographische Angaben. Das Hardcover ist wertig, das Papier passt zu den Farben und die Kurzgeschichten bringen Auftritte mit weiteren Held*innen der damaligen Zeit wie etwa den Schlümpfen oder Gaston. Man kann also eigentlich nichts falsch machen!

Zusätzlich gibt es direkt beim Verlag wieder eine limitierte Vorzugsausgabe mit Variantcover und ebenfalls limitiertem Druck. Definitiv sollte das eine Überlegung wert sein!

Cover Minimenschen Gesamtausgabe 4 VZA

Dazu passen Rocksteady von den Pioneers und ein bunter Fruchtsaftmix.

© der Abbildungen Dupuis 2012, by Seron, Hao, Desberg | 2026 Blattgold GmbH, Bad Dürkheim

Cauvin/Berck –Sammy & Jack Integral 6

1986 – 1988

Story: Raoul Cauvin
Zeichnungen: 
Berck (Artur Berckmans)
Originaltitel:
Sammy – Integral 6

Kult Comics

Hardcover | 264 Seiten | Farbe | 39,00 € | 
ISBN: 978-3-96430-256-4

Cover Sammy & Jack Integral 6

Wow, schon mehr als die Hälfte ist geschafft! Die auf zehn Bände konzipierte Integral-Reihe mit den Bodyguards Sammy & Jack ist mittlerweile in der zweiten Hälfte der 80-er Jahre angekommen. Die Ölkrise ist überwunden, Hollywood erzählt noch schöne Geschichten, produziert aber auch Horrormovies. Geschichten über die Mafia werden im Wesentlichen noch mit der Prohibitionszeit verbunden und nicht mit dem heutigen Drogen-, Sex- und Auftragskiller Konglomerat.

Katastrophen, Gags und strake Frauen

Der Zeitraum dieses Bandes umfasst zwar nur drei Jahre, in ihnen sind aber vier Alben erschienen. Wie immer erweist sich Raoul Cauvin als vortrefflicher Lieferant von Szenarien, die den beiden Helden weitere Entwicklungen erlauben. Miss Kay zeigt einen größtenteils vollkommen aufgelösten Mitarbeiter, der bei fast jeder Äußerung seines Chefs tiefer in den Sessel sinken möchte und haufenweise Tabletten schluckt. Der wahre Grund für diese Krankheit ist, dass er weiß, wer hinter dem Pseudonym Miss Kay steckt, es aber partout nicht verraten möchte.

Sammy & Jack Integral 6 page 57

Der Mann aus dem Jenseits ist eine Mischung aus Mystery und Rachekomödie. Ein Erblasser weigert sich, seine wohlverdiente, nun ja, seine Ruhe zu finden und geistert munter vor sich her, bis endlich sein ehemaliger Besitz an den richtigen Erben übertragen worden ist. Bei dieser Aktion gehen Sammy & Jack mehr als einmal die Nerven durch, es ist aber auch sonst nicht alles so, wie es zu sein scheint. Die Diva handelt dann wieder von einer starken Frau, die sich vor Stalkern schützen lassen möchte. Die Gorillas geben dabei kein gutes Bild ab.

Die abschließende Story spielt in großer und luftiger Höhe. Es scheint so, dass ein Bauunternehmer im Visier von irgendjemandem steht, der ständig auf die in großer Höhe arbeitenden Arbeiter schießt. Bevor sich niemand mehr traut zu arbeiten, werden unsere beiden Helden engagiert. Ein netter running Gag in Rififi in den Wolken ist die Frage der Chefposition!

Sammy & Jack Integral 6 page 58

Qualität im Akkord

Es ist schon erstaunlich, wie groß der Output von Szenarist*innen und Autor*innen sein kann. Noch beachtlicher ist es allerdings auf der Seite der Zeichner*innen. Neben all den zusätzlichen Illustrationen, Covern, Werbematerialien etc. schaffen die meisten Künstler*innen nach eigener Aussage etwa ein bis zwei Seiten pro Arbeitswoche. Abzüglich Urlaubes und Krankheit kommt das in etwa mit einem Album pro Jahr hin. Berck hatte sich selbst aber das Ziel gesetzt, in zwei Jahren drei Alben zu veröffentlichen. Trotz dieser hohen Zahl sind dabei allerdings keine Qualitätsabstriche zu verzeichnen!

Die Bilder von Berck sind sehr dynamisch, bewegen sich aber in einem sehr klassischen vierstreifigem Layout. Ziemlich oft explodieren Bomben und knattern Maschinengewehre wie man es in einem Comic, der im Mafiaumfeld spielt, auch erwartet. Trotzdem schafft der Zeichner es, die Bilder ohne Blut auskommen zu lassen. Sie sind daher nicht gewalttätiger als das, was zu dieser Zeit im Kinderfernsehen lief (Der rosarote Panther etwa oder Tom & Jerry). Cauvins Humor wird durch seine Gestaltung unterstützt; die beiden zusammen bilden ein starkes Team.

Detail Sammy & Jack Integral 6 page 60

Ein Genuss für Fans der frankobelgischen Klassiker

Die Serie lief in Deutschland hauptsächlich in den Kauka Publikationen. Nach deren Einstellung gab es nur noch sporadische Versuche, deutsche Ausgaben zu lancieren. Die beiden letzten Alben erscheinen daher hier in deutscher Erstveröffentlichung! Der Band ermöglicht insofern nicht nur eine Reise in die Vergangenheit, sondern erlaubt auch, Neues zu entdecken.

Die Reihe hebt sich von anderen Gesamtausgaben durch einen sehr ausführlichen redaktionellen Teil ab; die beiden Comic-Journalisten Joris de Smet und David Steenhuijse haben wieder eine Unmenge an Fakten und Illustrationen ausgegraben und lesbar zusammengestellt. Die Übersetzung dieser Beiträge erfolgte durch den Verfasser dieser Zeilen. Natürlich gibt es auch wieder eine limitierte Vorzugsausgabe mit Variantcover und einem beigefügten Druck.

Cover Sammy & Jack Integral 6 VZA

Dazu passen The Gems mit „Year of the Snake“ und ein Old Fashioned.

© der Abbildungen Dupuis 1986, 1987, 1988, by Cauvin & Berck / 2026 Comic Combo, Leipzig

MOSAIK 91 von Hannes Hegen (Juni 1964/Dezember 2025)

Das Konzert unter Wasser

Story: Hannes Hegen
Zeichnungen: 
Ulf S. Graupner, Steffen Jähle

MOSAIK Steinchen für Steinchen Verlag

Kleinformat | 24 Seiten | Farbe | 15 € 
ISSN: 
N/A

Cover Mosaik von Hannes Hegen 91

Zum 70. Geburtstag kann man sich schon mal etwas gönnen! Zumal, wenn es die eigene Geschichte betrifft! Die aktuelle Serie hat gerade neu begonnen.

Der Hintergrund

1963 übte der Verlag „Junge Welt“, ein DDR-Staatsbetrieb zunehmend Druck auf Hannes Hegen, das Mastermind hinter der erfolgreichen Comic-Zeitschrift Mosaik, aus. Die laufende Story um den Erfinder Wilhelm Bauer war nicht konform genug mit den ideologischen Zielen des Staates: zu klamaukig, zu sehr Bürgertum-orientiert, zu wenig Bezug auf die Errungenschaften der Arbeiterklasse … Sie wurde daher abrupt beendet, die historisch angelegte Ritter-Runkel-Serie begann.

Hegen hatte aber schon zwei weitere Hefte fertig getextet; diese hätten die Geschichte zu einem guten Ende gebracht. Teil 1 davon, Das Duell an der Newa, erschien zum 100. Geburtstag von Johannes Hegenbarth (das ist Hannes Hegen), der abschließende zweite Teil, Das Konzert unter Wasser, liegt nun auch vor. Die Texte stammen aus dem Nachlass, die Zeichnungen wurden unter Anlehnung an das damalige Konzept von Ulf S. Graupner ausgeführt. Steffen Jähle liefert dazu die Hintergründe und die Kolorierung.

Mosaik von Hannes Hegen 91 page 2

Ein nasses Vergnügen

Anlässlich der Krönung des Zaren Alexander II. soll in Kronstadt, einer St. Petersburg vorgelagerten Festung, eine Flottenparade durchgeführt werden. Ursprünglich hätte dort auch das Tauchboot des Erfinders Wilhelm Bauer präsentiert werden sollen.

Der Geheimdienst des Zaren befürchtet nun aber preußische und österreichische Spione, die aktuellen Arbeitgeber von Dig und Dag, und versucht den Auftritt zu verhindern. Allerlei klamaukhafte Vorkommnisse sorgen aber für ein nasses Spektakel, das auch heute noch mit 60 Jahren Verzögerung lesenswert ist. Nur die Sprache ist ein wenig veraltet und Texte setzt man mittlerweile nicht mehr unter die Zeichnung, sondern platziert sie in Sprechblasen.

Mosaik von Hannes Hegen 91 page 3

Das Heft ist im Zeitschriftenhandel nicht erhältlich und kann nur über einen speziellen Shop bestellt werden. Während einerseits der Preis für 24 Seiten auf den ersten Blick ein wenig hoch erscheint, muss man sich doch die Frage stellen, wieviel man sonst für Zeitgeschichte bezahlt. Für den Preis eines Kinoabends (ohne Getränke und Popcorn) bekommt man ein Heft direkt aus dem Giftschrank. Hautnaher kann man deutsche (Comic-)Geschichte nicht erfahren!

Freuen wir uns also, dass so direkte Eingriffe der Zensur bei uns noch nicht wieder möglich ist. Die Erfahrungen aus anderen Ländern zeigen allerdings, wie schnell es dazu kommen kann.

Dazu passen Billy Bragg mit „City of Heroes” und ein Wernesgrüner.

© der Abbildungen 2025 MOSAIK Steinchen für Steinchen Verlag + PROCOM Werbeagentur GmbH

Charlier/Puig – Brice Bolt Gesamtausgabe

Jean-Michel Charlier präsentiert Band 1

Story: Jean-Michel Charlier

Zeichnungen: Artur Aldoma Puig
Originaltitel: 
Kean-Michel Charlier  présente: Brice Bolt 1 & 2

Blattgold Verlag – ZACK Edition

Hardcover | 128 Seiten | Farbe | 39,00 € | ISBN: 978-3-949987-74-8

Cover Jean-Michel Charlier präsentiert 1

Jean-Michel Charlier war einer der produktivsten Szenaristen seiner Zeit und auch einer der erfolgreichsten. Zunächst arbeitete er an Buck Danny und für Dupuis an Serien wie Die Biber-Patrouille, später wechselte er zu Pilote und startete etwa Tanguy & Laverdure oder Leutnant Blueberry. Der studierte Jurist arbeitete zeitweilig an acht Serien zur gleichen Zeit. Eine davon war Marc Dacier, eine Reihe über die realistisch gezeichneten Abenteuer eines Journalisten. Nach dem Weggang von Eddy Paape, dem Zeichner, überarbeitete Charlier das bereits geplante nächste Szenario. Mit dem neuen Zeichner wurde daraus Brice Bolt!

Zu innovativ für Spirou

Prinzipiell hat sich am Setting nicht viel verändert: Der bekannteste Journalist der Zeitung L´Eclair, Brice Bolt, bekommt den Auftrag, eine Sensationsmeldung zu überprüfen. In der Südsee scheint eine Horde monströs großer Krabben eine Insel überfallen zu haben. Das Konkurrenzblatt Clairon beschließt, ebenfalls seinen besten Mann auf die Story anzusetzen um „das Schmierenblatt zu entlarven“.

Die Reise gestaltet sich von Beginn an sehr schwierig. Man versucht, Bolt zu überfahren, die Tickets werden storniert, die Wohnung des zweiten Reporters, Luc Deferre, wird in die Luft gesprengt. Bolt wird schließlich sogar in einer südamerikanischen Diktatur zum Tode verurteilt. Glücklicherweise hat Deferre aber seine eigene Auffassung von der Ehre des Berufstandes und so beschließen die Beiden, zunächst zusammenzuarbeiten.

Brice Bolt page 19

Es gelingt ihnen schließlich, die Insel zu erreichen. Dort bewahrheitet sich nicht nur die Geschichte der Krabben, sie bekommen es auch mit weiteren riesenhaft vergrößerten Tieren und Insekten zu tun. Natürlich steckt dahinter ein Plan, doch werden sie lange genug überleben, um ihn aufdecken zu können? Charlier schöpft aus dem Vollen und präsentiert einen Wissenschaftsschocker vom Feinsten. Natürlich müssen die Finsteren Jungs auch einer uns Deutschen leider wohlbekannten Ideologie folgen…

Zeichnungen mit vielen Farben

Der Zeichner Artur Aldoma Puig bringt frischen Wind in das Spirou-Magazin! Seine realistischen Zeichnungen sind bunt eingefärbt, Grün- und Rottöne bestimmen die Panel. Seine Monster sind schrecklich und die Zeichnungen sind keineswegs auf ein kindliches Publikum ausgerichtet. Tatsächlich beschweren sich Leser*innen und vor allem Eltern zuhauf. Während das Magazin zunächst versucht, mit positiven Statements dagegen zusteuern, endet der Versuch schließlich doch mit dem zweiten Teil dieses Doppelbandes.

Brice Bolt page 20

Puig war einer der spanischen Agentur-Zeichner, der für das Ausland, und hier vor allem für englische Magazine, arbeitete. Dieser Stil war auf dem Festland noch nicht wirklich bekannt und seiner Zeit in den damaligen Magazinen weit voraus. Umso erfreulicher ist es, dass wir mit dieser Gesamtausgabe jetzt in den Genuss dieser Zeichnungen kommen. Sicherlich Geschmackssache, für mich aber eine sehr willkommene, zu schnell verwelkte Blüte in der Zeit von Spirou!

Gesamtausgabe mit ausführlichen Dossier

Nicht nur, dass Georg F. W. Tempel mal wieder eine neue Reihe gestartet hat, die die vergessenen Perlen des großen Szenaristen (erstmals) auf den deutschen Markt bringt, die Bände sollen auch jeweils ein ausführliches Dossier mit Hintergründen zu der Zeit, der Serie und natürlich den Zeichnern enthalten! Wenn sie dem Muster dieses ersten Teils folgen, ist das großartig!

Brice Bolt Dossier

Die Reihe kommt als gut gebundenes Hardcover auf leicht glänzendem Papier. In der vollen Sonne ist das vielleicht nicht super gut lesbar, aber wer nimmt schon ein Hardcover mit an den Strand? Es bleibt zu hoffen, dass diese Reihe genügend Käufer*innen finden wird!

Dazu passen The Courettes mit „Shake“ und ein fruchtiger Cocktail eurer Wahl.

© der Abbildungen fordisbooksandpictures 2025 | 2025 Blattgold GmbH, Bad Dürkheim

MiTacq – Die Biber-Patrouille Gesamtausgabe 8

Abschlussband : 1990 – 1994

Story: MiTacq, Marc Wasterlain
Zeichnungen: MiTacq

Originaltitel:  La Patrouille des Castors – L´integrale 8

Salleck Publications

Hardcover | 224 Seiten | Farbe | 39,90 € | ISBN: 978-3-89908-826-7

Cover Die Biber-Patrouille Gesamtausgabe 8

Die Landschaft der Jugendzeitschriften im katholischen Belgien und damit auch diejenige der Comicmagazine wäre ohne die Pfadfinderbewegung ganz anders verlaufen. Nicht nur das kirchliche Institutionen wie etwa Averbode (siehe hier) Möglichkeiten zur Veröffentlichung von Zeichnungen und Comics boten, auch als Thema von erfolgreichen Serien sind nicht nur international das Fähnlein Fieselschweif aus dem Disney-Universum, sondern lokal eben auch etwa De Donderpaatjes oder die Biber mehreren Generationen bekannt.

Jeden Tag eine gute Tat

Le Castors bzw. die Mitglieder der Biber-Patrouille sind ein Trupp von Pfadfindern, die im Laufe ihres Lebens schon einige Abenteuer erlebt haben. Ursprünglich hatte der Zeichner MiTacq die Serie zusammen mit dem Szenaristen Jean-Michel Charlier entwickelt. Nach 22 Alben war Schluss mit der Gemeinsamkeit, MiTacq setzte die Arbeit zunächst mit anderen Szenaristen wie etwa Marc Wasterlain beim ersten Band dieser Sammlung fort. Für die beiden anderen Geschichten holte er sich Hilfe von seinem langjährigen Freund Jacques Stoquart, mit dem er zusammen brainstormte.

Dieser abschließende Band der Gesamtausgabe enthält die letzten beiden Alben sowie die Anfänge einer zwar noch begonnen, aber nicht mehr fertiggestellten, die die SOS Kinderdörfer in den Vordergrund gestellt hätte. Außerdem sind als Bonus zwei Kurzgeschichten mit den Boms, einer anderen Serie des Zeichners enthalten. Flut über Mésin zwingt die Biber, unmittelbare Hilfe bei einer Überschwemmungskatastrophe zu leisten. Die Serie ist im Laufe der Jahre immer moderner geworden und so geht es auch um Geburtshilfe. Zudem zeigt sich, dass die Umwelt immer wichtiger wird. Dementsprechend klären die Helden auch ein schweres Entsorgungsverbrechen auf.

3 Jahre später erschien dann das letzte komplette Album, Der Blitzstein, das Anklänge an eine Science-Fiction-Story enthält. Während die Landbevölkerung sich in jahrhundertealten Vorurteilen ergeht, entdecken die Biber, dass ein radioaktiver Meteorit eine Rolle spielen könnte.  In beiden Bänden müssen die Jugendlichen auch mit alterstypischen Problemen wie Angst vor dem Versagen, Beziehung der Eltern, Schule und Mädchen klarkommen. MiTacq gelingt eine vorurteilsfreie und einfühlsame Schilderung dieser Situationen.

Realismus im Dupuis-Stil

Anfang der 90-er Jahre war bei Dupuis ein realistischer Stil en vogue, der einerseits im Gegensatz zu den Knollennasen stand, andererseits aber doch meilenweit vom Realismus eines Hermann (etwa in Comanche) entfernt war. Selbst in größter Gefahr und einer körperlichen Auseinandersetzung gibt es keine Schweißperlen oder sichtbare Verletzungen. Trotzdem erlaubt die Gesamtausgabe einen Vergleich der Entwicklung des Zeichners über immerhin fast 40 Jahre. Mehrfach hat er seinen Stil an die aktuellen Anforderungen der Leser*innenschaft angepasst.

Und so ist es auch ein Glücksfall, dass die ersten Seiten des letzten Bandes, der Schiffbruch der Marie-Jolie, nur in der noch nicht kolorierten Reinzeichnung vorliegen. Sie enthalten eine weitere Entwicklung, die Handlungen werden expliziter und das bärtige Gesicht in der Totalen hatte man so vorher auch nicht gesehen. Dank dieser Ausgabe bei Salleck Publications liegen nun also alle Bände auf Deutsch vor, nachdem der Bastei-Verlag in der 80er-Jahren nur die von Charlier getexteten Geschichten veröffentlicht hatte.

Ein einflussreicher Klassiker

Die Biber-Patrouille wird von vielen, heute erfolgreichen Zeichner*innen aus dem frankobelgischen Raum als prägender Einfluss benannt. Die Gesamtausgabe bietet nicht nur eine angemessene Form für die Comics, mit den begleitenden Texten und den zusätzlichen Abbildungen und Illustrationen bleiben hier auch keine Wünsche offen.

Liebhaber*innen von gut konstruierten Abenteuern mit jugendlichen Held*innen sind bei den Bibern gut aufgehoben. Zudem wurde es Zeit, dass diese Serie auf Deutsch eine ansprechende Publikation bekommen hat. Wer also noch Hefte der Blauen Panther zu Hause hat, sollte sie gegen diese empfehlenswerte Sammlung eintauschen.

Cover Die blauen Panther 7

Dazu passen Pink Floyd mit „The Wall“ und ein Virgin Margherita!

© der Abbildungen DUPUIS 2017, Bastei-Verlag 1980 / 2025 Eckart Schott Verlag

Reddition 82 – André Juillard

Ein Überblick über eine erfolgreiche Laufbahn

Herausgeber: Volker Hamann
Verlag Volker Hamann, Edition Alfons
Heft Din A 4 | 84 Seiten | Farbe | 12,00 €
ISSN: n/a

Cover Reddition 82

Nach der thematischen Nummer 81 über Autos im Comic widmet sich die aktuelle wieder einem Künstler und den Kollegen, mit denen er besonders eng zusammengearbeitet hat. Sie ist dem im letzten Jahr verstorbenen André Juillard gewidmet, der hierzulande sowohl mit seinen Historiencomics (Arno, Die sieben Leben des Falken) als auch als Zeichner der neuen Blake & Mortimer Bände erfolgreich war.

Die Begeisterung für die Vergangenheit

Wie immer beginnt das Dossier mit einem sehr ausführlichen Hauptartikel; Volker Hamann rollt das Leben und Wirken des 1948 in Paris geborenen Zeichners und Autors aus. Er wuchs bei seiner Großmutter auf, da seine Mutter bereits in seinem vierten Lebensjahr verschied. Obwohl seine Familie seine Zeichenkünste durchaus anerkennt und förderte, sollte der Junge „etwas Anständiges“ lernen. André brach das Medizinstudium allerdings nach zwei Jahren ab und landete schließlich bei den Comics.

Reddition 82 page 4/5

Das Ende der 70-er Jahre stand im Zeichen der Comics für Erwachsene, insbesondere erfreuten sich historische Stoffe großer Beliebtheit. Nach einigen Fingerübungen schließlich kam es zu der Zusammenarbeit mit Patrick Cothias. Dieser schrieb die Texte zu Masquerouge (Der rote Falke) und schließlich zu den sieben Leben des Falken, einem Epos, das sich auf viele Zyklen und Nebenserien erstreckte. Nicht alle davon wurden von Juillard umgesetzt.

Unterbrochen wurde die Arbeit am „Falken“ durch eine weitere historische Serie, die von Jacques Martin getextet wurde: Arno. Ein Musiker, dessen Wege sich immer wieder mit denen von Napoleon Bonaparte kreuzten, war zwar eine spannende Kombination, der Erfolg blieb jedoch bescheiden.

Den ganz großen Erfolg bei den Kritikern erreichte Juillard schließlich mit dem blauen Tagebuch, einem Werk, zu dem er Text und Zeichnungen beisteuerte. Die größten Verkaufserfolge jedoch gelangen mit der Fortsetzung einer klassischen Serie aus den Anfängen des Tintin-Magazins: Blake & Mortimer.

Reddition 82 page 50/51

Die weiteren Artikel

Neben diesem – wie immer ausgiebig bebildertem – Überblick widmen sich die weiteren Artikel des Heftes vertiefenden Analysen über einzelne Gebiete. Dazu gehören einerseits die Künstler, mit denen Juillard erfolgreich zusammengearbeitet hatte: Didier Convard (von Jan Roidner), Patrick Cothias und Yves Sente (von Stefan Schmatz) und Jacques Martin (erneut Volker Hamann). Wie immer kenntnisreich und gleichzeitig lesbar geschrieben, führen diese Aufsätze tiefer in die Details der Kooperationen ein, beschreiben Emotionen und Arbeitsweisen, aber auch Hindernisse.

Artikel über den Falken und Arno beschäftigen sich tiefer mit den Serien, ein Überblick über die Historiencomics der 80-er von Klaus Schikowski und über eine der Lieben des Zeichners, die Stadt Paris, runden das Bild des Comiczeichners und -autors ab. Allerdings ist er auch als Illustrator tätig gewesen. Seine Werke wurden in drei Bänden verlegt (Péle-Méle, in Deutschland über Salleck Publications zu beziehen). Auch sie werden hier vorgestellt. Dazu kommt wie immer eine ausführliche Comicographie von Volker Hamann, die auch die deutschen Veröffentlichungen enthält.

Reddition 82 page 60/61

In Deutschland einzigartig

Während in anderen Ländern mit einer größeren Comictradition Sekundärartikel, Zeitschriften und Sonderausgaben fast selbstverständlich bereits in mittleren Sortimenten zu finden sind, sieht es hier bei uns leider etwas anders aus. Es gibt zwar durchaus einige Zeitschriften mit einem special-special-interest scope, eine echte Konkurrenz zur Reddition aber gibt es nicht.

Wer sich vertieft und doch nicht akademisch mit der Neunten Kunst auseinandersetzen will, kommt an der Reddition nicht vorbei. Leider lässt das Pensum von Volker Hamann in Zukunft nur noch eine Ausgabe pro Jahr zu. Umso wichtiger ist es, dem Kleinverlag mit einem Abonnement eine Planbarkeit zu ermöglichen. Als Belohnung gibt es immer ein Extra (nein, kein Plastik-Gimmick). In diesem Fall eine Broschüre mit der Kurzgeschichte Verhängnisvolle Leidenschaft, einem Schmankerl für Comicsammler*innen.

Beilage Reddition 82

Dazu passen Cindy & Bert mit „Der Hund von Baskerville ” und ein Primitivo eurer Wahl.

© der Abbildungen Cover © 2004, Galerie Daniel Maghen, sowie bei den jeweiligen Autoren und Verlagen / Verlag Volker Hamann, Edition Alfons 2025

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