Star Wars Comics Library. Vol. 1.

1977 – 1979

Herausgeber/Autor: Paul Duncan

Artists: Roy Thomas, Howard Chaykin, Archie Goodwin, Carmine Infantino u. a.

Originalausgabe

Taschen Verlag

Hardcover XXL | 680 Seiten | Farbe | 175,00 € | ISBN: 978-3-7544-0579-6 (EN)

Cover Star Wars Library Vol. 1
© & TM 2026 Lucasfilm Ltd. / 2026 Taschen GmbH, Köln

Wir schreiben das Jahr 1977 – Science Fiction war ein großes Thema zumindest im deutschen Taschenbuchbereich und präsentierte sich vielfältig: Klassische Space Opera stand neben der (englisch) New Wave, Kurzgeschichtensammlungen hatten ihren Platz wie mehrbändige Serien und auch Fantasy in den unterschiedlichsten Ausprägungen gehörte dazu. Neben Verlagen wie Heyne oder Goldmann gehörte das Thema auch bei suhrkamp selbstverständlich dazu. Im Bereich der bewegten Bilder aber gab es eine gewisse Müdigkeit; das nächste „ganz große Ding“ ließ auf sich warten.

Und dann kam Star Wars!

Der Film brachte viele Dinge zusammen, die vorher separiert gewesen waren, revolutionierte die Tricktechnik und verstand es, eine Geschichte um die Geschichte zu verkaufen. Wer startet schon eine Reihe mit dem vierten Teil von Neun? Das Gesamtkunstwerk bestand aus dem Kinofilm, den Comics, Romanen und Merchandising und wurde zu einem riesigen Erfolg. Ein Selbstläufer? Nein!

Die Geschichte um die Comic-Reihe

Paul Duncan ist ein bekannter Filmhistoriker und kennt nicht nur erfolgreiche Mechanismen (und ihre erfolglosen Geschwister), er kann auch darüber schreiben! Erfreulicherweise würzt er seine Einführung mit zahlreichen Anekdoten; so erfahren wir unter anderem, was Richard Burton und Liz Taylor mit „The Star Wars“ zu tun haben.

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Für George Lucas, das Mastermind hinter der Idee, war es wichtig, die Uraufführung des Films vorzubereiten und anzuteasern, trotzdem aber noch genügend Überraschungen in petto haben zu können. Der Comic zum Film sollte in 6 Heften erscheinen; das vierte sollte zeitgleich mit dem Kinostart auf dem Markt sein. Die Leser*innen der Hefte würden also Teile der Story bereits kennen, gleichzeitig aber mitfiebern, wie es weitergehen würde. Roy Thomas war dazu auserkoren, dass Filmdrehbuch in ein Comic-Szenario umzuwandeln, für die Zeichnungen hatte sich Lucas für den noch relativ jungen Künstler Howard Chaykin entschieden, der jedoch schon ein wenig Erfahrung mit dem SF-Comic besaß.

Die Produktionsprozesse der beiden Medien mussten parallel laufen, beide konnten sich ab einem gewissen Zeitpunkt nicht mehr aufeinander beziehen. Dementsprechend enthält der Comic Szenen, die zwar im ursprünglichen Skript standen, es aber nicht in den Film geschafft haben. Noch viel auffälliger waren allerdings Abweichungen im Aussehen der handelnden Wesen. Während Luke Skywalker bewusst älter und männlicher dargestellt wurde, war Chaykin bei Jabba the Hut auf sich gestellt. Zum Zeitpunkt der Zeichnung war noch kein Foto vorhanden und so sehen wir einen humanoiden Körper…

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… and beyond

Marvel war eigentlich gar nicht an diesem Titel interessiert, hatte es doch genügend eigene Probleme. Angeblich änderte sich diese Meinung erst, als klar wurde, dass für die ersten 100.000 verkauften Exemplare keine Lizenzgebühren abzuführen wären. Tatsächlich verkauften sich von den ersten Exemplaren mehr als eine Million Hefte, Star Wars wurde zu einem Longseller und setzte sich für eine (kurze) Zeit an die Spitze der erfolgreichsten Marvel-Titel. Dieser Band versammelt die ersten 23 Hefte der Serie als restaurierte Reproduktionen, inklusive der Titelbilder, Fanseiten und Anzeigen in exzellenter Qualität!

Es ist nicht so einfach, den Hype zu verstetigen, vor allem dann nicht, wenn Restriktionen zu beachten sind. Die von Marvel verantworteten, der Filmadaption folgenden Stories durften nicht auf das Verhältnis von Luke und Leia eingehen, keine Konfrontation von Luke und Darth Vader beinhalten, den Staus Quo bezüglich des Imperiums und der Rebellen nicht verändern, … Kurz gesagt, sie durften eigentlich nichts von dem zeigen, was die Fans lesen wollten!

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Diese Herausforderung löst das wechselnde Team von Kreativen iterativ. Am Anfang ist es naturgemäß schwieriger, herauszufinden, was das Publikum wollen wird. Man folgt also zunächst der Storyline, dass Han Solo in finanziellen Schwierigkeiten steckt und vergrößert diese noch. Dabei wird die Figur des Schmugglers ausgebaut und vertieft. Gleichzeitig steht das Verhältnis zwischen ihm und Chewbacca im Mittelpunkt.

Dem Comic gelingt es dabei immer besser, die im Film nonverbale Kommunikation auch ohne die dort verwendeten Töne in den Griff zu bekommen (das gilt im Übrigen auch für R2-D2, der im amerikanischen Original üblicherweise Artoo gerufen wird). Es entgeht jedoch trotzdem ein großer Teil des „Niedlichkeitsfaktors“, der nicht abgebildet werden kann. Dabei experimentiert das Team mit den aus der Mischung aus Fantasy und Space Opera erlaubten Ingredienzien: neue Wesen, Kombinationen aus Bekanntem und Unerwartetem, niedliches Aussehen und toughes Verhalten. Eines der Ergebnisse ist eine Art Killer-Hase, der für einige Episoden an der Seite von Han kämpft.

Action, Technologie und mehr

 Sehr geschickt wird im Übrigen immer wieder mit den Grundelementen gespielt, die den Film (und das Franchise) so erfolgreich mach(t)en: Zum einen gibt es häufig psychologische Konflikte, etwa wenn Luke sich nicht entscheiden kann, seinem Wunsch auf die Akademie zu gehen zu folgen oder bei seinem Onkel zu bleiben, oder wenn er verzweifelt über den Egoismus von Han doziert, der persönliche Motive über den Kampf für die Freiheit stellt.

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Zum anderen gibt es Todessterne und andere Kampfmaschinen, die alles bis dahin Vorstellbare übertreffen. Obwohl die feindliche Übermacht so unüberwindbar erscheint, gibt es aber doch immer diesen einen kleinen unentdeckten Punkt, der dem Gegner die Möglichkeit bietet, mit Mut und Geschick zu siegen. Hier zeigen sich klar Auswirkungen sowohl des „kalten Krieges“ in dem sich die Welt in den 70-ern befand, als auch die Traumata, die das überlegene US-Militär in Ostasien erlebt hatte. Dschungel-Rebellen waren in der Lage, die hochtechnisierte Armee auf Reisfeldern zu schlagen!

Ebenfalls einer Bemerkung wert sind die mitabgedruckten Anzeigen: Einerseits zeigen sie den Traum von jungen, amerikanischen Lesern (sic!): Fernrohre, Detektivspielzeug, Waffen. Diese Bedürfnisse werden von einem teils doch ziemlich militaristischen Setting in den Stories ohne Zweifel erfüllt. Der zweite Block der Anzeigen dreht sich – wie auch in den anderen Marvel-Titeln aus der Marvel Comics Library – um die Gründung eines eigenen Businesses mit Grußkarten oder ähnlichem. Das ist der amerikanische Traum …

Dazu aber kommen Anzeigen, die sich um Muskelaufbau und ähnliches bewegen und dem schmächtigen Jungen vorgaukeln, wie ein bei den Mädchen erfolgreicher Mann aussehen sollte. Diese (prä-)pubertären Vorstellungen finden ihre Referenz im Verhältnis von Luke und Leia, Han und Leia und in einigen Mitstreiterinnen von Han, die eher in einen Conan-Comic passen würden. Auch der Film spielt natürlich insbesondere während Leias Gefangenschaft mit dieser Motivation.

Der Star Wars Comic

Dieser Band enthält die ersten 23 Ausgaben der bei Marvel erschienen Reihe, die vom 12. April 1977 bis zum 27. Mai 1986 ohne Unterbrechung lief und insgesamt 107 reguläre Ausgaben umfasste. Wie in den Jahren üblich, kamen teilweise Annuals hinzu, in Summe allerdings nur drei. Es ist davon auszugehen, dass der Erfolg der Serie Marvel in den Jahren 1977 und 1978 vor dem Bankrott bewahrte und selbst 1979 und 1980 noch zu den erfolgreichsten Comic-Titeln gehörte.

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Im Laufe der Zeit änderten sich der Geschmack der Leser*innen und die Publikationsmethoden: Mini-Serien und Trade-Paperbacks gewannen an Anteilen und Serien wurden oftmals neu gestartet um einerseits alte Kontinuitätsanforderungen zu beseitigen, andererseits neue Marketinganreize setzen zu können.

Mittlerweile gibt es eine fast unüberschaubare Vielzahl von Serien aus über die Zeiten  unterschiedlichen Verlagen und mit ausdifferenzierten Zielgruppen: Comics für Erwachsene und für Jugendliche im traditionellen Stil, animated oder Manga-like, im Kanon und außerhalb … Es gibt sogar Werke für den deutschen Markt, die in Amerika nie erschienen sind. Hier ist mittlerweile alles bei Panini konzentriert, im Ursprungsland gehören Lucasfilm und Marvel schon lange zu Disney. Dementsprechend gibt es auch eine Art von Cross-over, in dem bekannte Entenhausener*innen die Rolle von Marvel-Helden übernehmen (z.B. Minnie im LTB 600). Für Star Wars blieb es allerdings bisher bei Parodien.

Ein wichtiger Bestandteil in der Reihe der Comic-Libraries

Taschen hat über die Jahre den Bereich der überformatigen Comic-Libraries Stück für Stück ausgebaut und Meilensteine der Comics in ihr veröffentlicht. Sicherlich ist diese Sammlung noch weit davon entfernt, komplett zu sein, sie enthält aber schon jetzt eine beachtliche Bandbreite: Alles hatte mit den bahnbrechenden ersten Jahrgängen der Marvel-Held*innen angefangen: Avengers, Hulk, Spider-Man und Co sind dadurch endlich im Original in perfekter Reproduktion und mit lesbaren und sinnvollen Einführungen versehen in den Regalen vieler Leser*innen vertreten.

Der Comic-Bereich ist aber natürlich viel breiter: EC-Comics mit einer Übersicht und dem ersten Band der Weird-Science folgten, Kompendien über Mickey und Donald wurden ergänzt durch eine Carl-Barks-Sammlung und schließlich schaffte es auch ein erster Zeitungscomic, Tarzan, in diese Reihe. Star Wars schließt nun eine Lücke zwischen den SF-Stories von EC und den Marvel-Superhelden. Mehr ist mit Sicherheit zu erwarten!

Kann das Buch die gleiche Sensation sein, die der Comic und der Film damals waren? Nein, natürlich nicht! Die Szenen des Films und die folgenden Geschichten sind längst Bestandteil des popkulturellen Bewusstseins und somit nichts atemberaubend Neues mehr. Die Sammlung kann aber Erinnerungen an die Zeit hervorrufen, als das Ganze Neu war und erstmals konsumiert wurde. Und auch das ist ein gutes Gefühl, das von Format und Druckqualität unterstützt wird.

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Das Coffeetable-Book hat sein Gewicht auch buchstäblich, es wiegt mehr als 5,5 Kilo! Der XXL-Band hat allerdings auch ein Format von 28 * 39,5 cm und kommt mit 680 Seiten. Wem das nicht genug ist sei gesagt, dass es auch eine limitierte, in Kunstleder gebundene Ausgabe mit eingefasstem ChromaLuxe-Aluminiumprint gibt, die in einem Schuber verwahrt wird. Beide Ausgaben kommen mit einem speziellen, bedruckten Transportkarton.

Dazu passen die ebenfalls über lange Jahre erfolgreichen, damals revolutionären The Who, die eine Subkultur prägten, mit Rock-Opern erfolgreich waren und immer noch auf der Bühne stehen, sowie ein Social Butterfly Cocktail, der an die legendären Kneipenszenen erinnert.

Abbildungen © & TM 2026 Lucasfilm Ltd. / 2026 Taschen GmbH, Köln

Vernes/Forton – Bob Morane Classic 10

Das Geheimnis der 7 Tempel

Story: Henri Vernes
Zeichnungen: 
Gérald Forton
Originaltitel: 
Le secret des 7 temples

Blattgold Verlag – ZACK Edition

Hardcover | 64 Seiten | Farbe | 20,00 € |ISBN: 978-3-949987-52-6

Cover Bob Morane Classic 10

Zwei Drittel der Bob Morane Classic-Reihe sind geschafft. Während die Bände von William Vance beim All-Verlag erscheinen, versammelt diese Reihe alle regulären Alben von Dino Attanasio und Gérald Forton, die zeitlich vor den anderen liegen. Als Vierter in der Reihe hatte Coria übernommen, eine Gesamtausgabe seiner 40 Folgen wurde gerade von Blattgold angekündigt.

Eine Suche im Dschungel

Grundlage für die Reihe sind die von Henri Vernes geschriebenen Bücher für Jugendliche; die Stories vereinen daher eine spannende Grundstory, die allerdings nicht übermäßig brutal sein darf, überraschende Wendungen, und einen Helden, der zwar nicht allmächtig ist, aber doch jedes Problem lösen kann. Außerdem ist üblicherweise eine schöne Frau beteiligt, die aber im Gegensatz etwa zu den Romanen von Edgar Wallace nicht jedes Mal gerettet werden muss.

Diesem Prinzip folgt natürlich auch das Geheimnis der 7 Tempel: Eine junge Frau beschwert sich an der Hotelrezeption über den Zustand ihres Zimmers und unser Held – ganz Kavalier der alten Schule – bietet ihr an, das Zimmer mit ihm zu tauschen. In der Nacht taucht ein schwerverletzter Mann in Moranes Zimmer auf, übergibt ihm eine Karte und stirbt. Natürlich hatte er erwartet, jemand anderen dort zu finden.

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Tatsächlich macht sich eine Gruppe, zu der Morane, Ballantime und die junge Frau, eine Reporterin, gehören, auf, um das Geheimnis zu lüften. Der Weg führt durch den fast unüberwindbaren Dschungel, doch durch einen Zufall ist es gelungen, sich ortskundige Hilfe zu beschaffen …

Der Comic aus einer Frauenzeitschrift

Gerald Forton hat die Serie gleich in mehreren Zeitschriften betreut, diese Geschichte ist in Femmes d’Aujourd’hui, der weitverbbreiteten Zeitschrift für Frauen erschienen. Damit wurde nicht nur eine weitere Zielgruppe geschaffen, auch die Kinder der lesenden Mütter wurden so an das Medium herangeführt. Voraussetzung war dafür natürlich eine hohe und gleichbleibende Qualität: Weder durften die Stories die Mütter abschrecken, noch durften die Zeichnungen dem moralischen Kodex widersprechen.

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Und so sind die Zeichnungen gleichzeitig realistisch und „nicht-alles-zeigend“. Verletzungen mögen einen Verband erfordern, bluten aber nicht. Der Urwald mag die Kleidung am Ärmel zerfetzen, der Oberkörper bleibt bedeckt. Dieser Spagat – der natürlich der ganzen Comic-Industrie in Frankreich und Belgien, die zu dieser Zeit streng katholisch geprägt war, zugrunde lag – gelingt Forton gut. Seine Bilder sind dramatisch genug für Jungen, aber harmlos genug für Eltern!

Ein Klassiker der Jugendliteratur

Bob Morane und Kommissar Maigret sind die bekanntesten literarischen Schöpfungen belgischer Autoren. Beide vereint eine die Zeiten überdauernde Spannung. Natürlich sind die Geschichten „veraltet“ und mit einem hohen Nostalgiefaktor versehen. Trotzdem funktionieren sie aber immer noch!

Detail Bob Morane Classic 10 page 7

Bob Morane ist ein klassischer ZACK-Held, der es damals allerdings nur auf wenige Veröffentlichungen gebracht hat. Erst jetzt werden seine Geschichten endlich auch auf Deutsch zugänglich gemacht, zudem in einer sehr ansprechenden Form. Für Abonnent*innen gibt es von Zeit zu Zeit kleine Schmankerl, die Bände sind aber auch einzeln erhältlich!

Dazu passen Cock Sparrer mit „Because you’re young” und ein Kirsch-Korn-Mix.

© der Abbildungen Vernes – Bob Morane Inc / Forton – Ed. Hibou | 2026 Blattgold GmbH, Bad Dürkheim

Delporte/Forton – ZACK Spezial 20: Alain Cardan 4

Der Exodus der Anch-Gemeinschaft

Story: Yvan Delporte

Zeichnungen: Gérald Forton

Originaltitel: Alain Cardan – L´exode de la croix ansee

Blattgold Verlag – ZACK Edition

Softcover | 52 Seiten | Farbe | 16,00 € | Limitiert auf 555 + 55 Exemplare | ISBN: n/a

Cover ZACK Spezial 20

Alain Cardain erschien zwischen 1956 und 1960 zunächst in dem Magazin Risque-tout, später in Spirou. Der Detektiv arbeitet für das IFZ, das Internationale Forschungszentrum der UNO, die Geschichten sind im Grenzbereich zwischen wissenschaftlichem Abenteuer und Science-Fiction. Mit diesem Band liegen nun alle Seiten der Detektive des Himmels gesammelt vor!

Ein Exodus der Entrechteten

Die Welt ist verunsichert, denn im Laufe eines Mai werden an verschiedenen Stellen der Erde Eintritte von Raketen beobachtet. Oft sind sie bereits geborgen und verschwunden bevor offizielle Stellen Zugriff erlangen können. Als man doch einer unbeschädigten Rakete habhaft werden kann, stellt sich heraus, dass die Besatzung keineswegs außerirdisch ist: ein kleiner Affe ist der einzige Passagier.

Natürlich sind die Staaten der Erde nervös und sorgen sich um ihre Sicherheit. Neben den Militärs wird auch das IFZ der UNO beauftragt, herauszufinden, wer und was hinter den Starts steckt. Zwangsläufig findet der geniale Held schnell einen Hinweis und kann die Urheber lokalisieren. Es handelt sich um eine Gruppe Unterdrückter, zunächst Farbiger, schnell aber auch Betroffene anderer -ismen.

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Da der Standort nun bekannt ist und vor allem klar ist, dass die angewendeter Technologie sehr fortschrittlich ist, versuchen einige Staaten, dieses Geheimnisses habhaft zu werden. Können die Anch ihren Plan umsetzen? Durchaus spannende, aber zeitgemäß vorhersehbare Geschichte mit interessanten Ideen von Yvan Delporte.

Realismus pur

Leser*innen der Reihe ist der Stil von Gérald Forton bereits aus mehreren Serien und Epochen bekannt. Alain Cardan liegt zeitlich vor Bob Morane, auch das vierseitige Vorwort weist darauf hin, dass hier trotzdem schon grafische Vorläufer zu finden sind.

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Da einige Seiten in der originalen, zweifarbigen Kolorierung abgedruckt werden, erhöht sich der Nostalgiefaktor um Einiges. Fast geht dadurch unter, dass auch die Rückblicke in einem eigenen Farbschema ausgeführt werden.

Ein beachtliches „Frühwerk“

Forton war in den 60-ern einer der „Großen“ im frankobelgischen Comic-Zirkus! Alain Cardain hat sicherlich noch nicht alle Elemente der späteren Werke, zeigt aber bereits deutlich, wohin die Reise gehen wird.

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Die Reihe ZACK-Spezial hat es sich zur Aufgabe gemacht, nicht nur Dinge anzureißen, sondern auch zu Ende zu bringen. Manchmal ist dafür nur ein Band nötig, wie etwa bei Patrick Leman, in diesem Fall brauchte es vier! Die ersten 17 Folgen sind bereits verlagsvergriffen, die limitierte Auflage ist also richtig kalkuliert. Wer will kann auch wieder einen dazu passenden Druck bestellen.

Dazu passen Elvis Costello & The Attractions mit „(What’s so funny ´bout) Peace, Love And Understanding“ und ein nicht überall verfügbares reines Wasser!

© der Abbildungen Forton/Delporte – Edition Hibou 2025| 2026 Blattgold GmbH

Charlier/Herbert – Simba Lee Gesamtausgabe

Jean-Michel Charlier präsentiert Band 2

Story: Jean-Michel Charlier

Zeichnungen: Herbert (Geldhof)
Originaltitel: 
Jean-Michel Charlier  présente: Simba Lee 1 & 2

Blattgold Verlag – ZACK Edition

Hardcover | 128 Seiten | Farbe | 39,00 € | ISBN: 978-3-949987-74-8

Cover Jean-Michel Charlier präsentiert - Simba Lee

Während viele der Werke von Jean-Michel Charlier Welterfolge sind und in vielen Sprachen und Editionen in den Regalen stehen (Blueberry, Der rote Korsar, Tanguy & Laverdure, Marc Dacier, …), gibt es doch eine ganze Reihe von Serien, die nicht diese Bekanntheit erlangt haben, trotzdem aber keineswegs reizlos sind. Die Reihe Jean-Michel Charlier präsentiert hat es sich zur Aufgabe gemacht, diese Schätze erneut zu heben und ansprechend zu präsentieren. Das bedeutet zugleich, dass alle Ausgaben ein Dossier haben, das auf die Hintergründe eingeht, zusätzliche Illustrationen präsentiert und Kontext gibt. Auf Deutsch erscheint die Sammlung in der ZACK-Edition.

Im tiefsten Dschungel

Simba Lee ist ein weißer Akteur, der in einer gewissen Tradition steht: Jungle Jim, Tiger Joe und natürlich auch die „Ur-Väter“ Tarzan von E. R. Burroughs und die Figuren von H. R. Haggard standen Pate für den Abenteurer. Er hat gute Kontakte zu den indigenen Stämmen, gleichzeitig aber auch großen Respekt vor den noch unerforschten Gegenden im Herzen Afrikas. Die ursprünglichen Bewohner*innen werden mit europäischen, (post-)kolonialen Augen gesehen. Daher sind einige von ihnen „vor kurzer Zeit noch Kannibalen gewesen“ und Fremden gegenüber misstrauisch und abergläubisch.

Trotzdem werden sie in Safari nach Dialo benötigt. Drei verschiedene Personengruppen möchten Lee, der den verliehenen Vornamen „Simba“ angenommen hat, zu einer Expedition verleiten. Dabei geht es um Fußabdrücke, die an ein urzeitliches Monstrum denken lassen, den Gewinn einer Safari und die Unterstützung einer jungen Frau, die auf der Suche nach ihrem verschollenen Vater ist. Die Expedition gerät mehrfach in lebensbedrohliche Situationen, erreicht aber schließlich ihr Ziel. Dort klären sich tatsächlich einige offene Fragen, die von der spannenden und verzweigten Geschichte aufgeworfen worden waren.

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Auch die zweite Geschichte, Das Karapata-Reservat, bringt eine ähnliche Figurenkonstellation. Wieder ist es eine junge Frau, die von den patriarchalisch argumentierenden Männern ausgeschlossen werden soll, sich aber in das Abenteuer hineindrängt (und auch tatsächlich eine aktive, mitentscheidende Rolle einnimmt)! Hier geht es um Korruption, skrupellose Großwildjäger und den Verlust angestammter Privilegien. Beide Stories sind nicht frei von Vorurteilen und nicht mehr angemessenen Darstellungen, gehen aber thematisch in die richtige Richtung hin zu Gleichberechtigung und Verantwortung.

Ein visuell überzeugendes Afrika

Der Zeichner, mit dem Charlier hier zusammengearbeitet hat, kennt Zentralafrika aus eigener Anschauung, hat er doch mehrere Jahre dort gelebt und gearbeitet. Ohne jetzt die Geschichte der Belgier*innen im Kongo detailliert aufzuarbeiten, darf doch vermutet werden, dass es für Herbert (Geldhof) schwierig gewesen sein muss, sich komplett von den rassistischen und kolonialen Gegebenheiten frei zu machen. Seine Bilder von Afrika und seinen Bewohner*innen sind zwar nicht komplett frei davon, beweisen aber eine genaue Beobachtungsgabe, Detailtreue und Respekt!

Simba Lee GA page 20

Zeitgenössische Kritiker bemängelten teilweise, dass seine Figuren etwas hölzern wirken würden. Tatsächlich wirken die Personen in ganz seltenen Fällen wie „eingeklebt“. Die sehr große Mehrheit der Zeichnungen ist aber zwar zeitgebunden und wirkt daher etwas nostalgisch, gleichzeitig aber vollkommen in Ordnung! Herausstechend sind jedoch definitiv die Panel, die die Natur zum Helden machen!

Empfehlenswerte Dossiers!

Gerade bei etwas älteren Serien vermisst man als heutige*r Leser*in teilweise den Kontext. Ausdrücke und Situationen sind nicht mehr selbstverständlich, Spannungsbögen teilweise nur schwer nachvollziehbar. Das beste Beispiel dafür ist eine Autopanne aus der Zeit, in der es noch keine Mobiltelefone gab, denn die daraus resultierende Gefahr ist heute kaum noch nachzuvollziehen. Die Dossiers geben eine gut lesbare Einführung in die Hintergründe des belgischen Kolonialismus, die begleitenden Comics in anderen Magazinen und die Marktsituation.

Detail Simba Lee GA page 23

Und auch die beruflichen Veränderungen von Charlier spielen eine Rolle, taucht doch sein Name nur auf einer einzigen Seite während der lange laufenden Vorveröffentlichungen auf. Eine mögliche Erklärung dafür findet sich in dem Text. Dazu kommt eine Vielzahl an Abbildungen, Originalseiten und Fotos. Alle Seiten wurden einheitlich neu koloriert und damit an heutige Standards angepasst. Eine klare Empfehlung für die Fans des klassischen frankobelgischen Abenteuer-Comics, der hier zudem auch noch Frauen aufweist, die sich der typischen Opferrolle entziehen.

Dazu passen „Tonight“ von Social Distortion und ein Kaluha.

© der Abbildungen Fordisbooksandpictures, 2025 | 2026 Blattgold GmbH, Bad Dürkheim

Giardino – Das Doppelleben des Max Friedman Gesamtausgabe 1

Ungarische Rhapsodie & Hetzjagd in Istanbul

Story & Zeichnungen: Vittorio Giardino

Originaltitel:  La dopia vide de Max Fridman

Salleck Publications

Hardcover | 240 Seiten | Farbe | 39,90 € | ISBN: 978-3-89908-854-0

Cover Max Friedman Gesamtausgabe 1

Die 80-er Jahre waren die große Zeit des Comic-Romans. Das Medium war erwachsen geworden, hatte über Science-Fiction und Erotik den Weg in die Vergangenheit unternommen und war nun bei den Themen der Jetztzeit angekommen, die eher in das psychologische gingen: Wie reagieren Menschen auf Veränderungen und Probleme. Neben den klassischen westeuropäischen Ländern tat sich insbesondere in Italien einiges. Während Hugo Pratt immer wieder als Vertreter des Comic-Romans genannt wird, fällt der Name seines Landsmannes Vittorio Giardino leider zu selten.

Ein Spion wider Willen

Die Rolle des „Spions“ ist in der Literatur und im Comic sehr unterschiedlich definiert. Während die einen sofort an 007 denken, an Glamour, Sex und Popcorn-Action, sind andere eher bei John Le Carré und dem eher unscheinbaren Typ, der nicht weniger gefährlich lebt, sich aber eher bedeckt hält. Max Friedman gehört eher zur zweiten Kategorie. Zwar ist er bekannt, kann sich also nicht unerkannt bewegen, ist aber kein Cocktailparty-Held. Seine aktive Zeit ist eigentlich vorbei, wie so oft in diesem Sujet ist es aber so, dass er sich der Vergangenheit nicht ganz entledigen kann. Und so ist die „Firma“ doch immer noch irgendwie Teil seines Lebens.

Die Geschichten spielen 1938; Europa hat die Auswirkungen des Ersten Weltkriegs noch nicht überwunden, steht aber schon wieder an der Schwelle eines neuen Kriegs. Hitler bedroht seine tschechischen und österreichischen Nachbarstaaten und das Russland unter Stalin ist vor allem für seine eigenen Leute eine tödliche Bedrohung. Außenpolitisch kann man es noch nicht richtig einschätzen. Diese Lage führt dazu, dass sich in den politischen Zentren Agent*innen aller Coleur gegenseitig bespitzeln, bekämpfen, Allianzen schließen und brechen und somit ihre eigene Berechtigung beweisen.

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Max Friedman hatte seine aktive Zeit eigentlich schon beendet, wird aber trotzdem nach Budapest geschickt. Dort waren innerhalb kürzester Zeit gleich mehrere Agenten getötet worden. Max gelingt es, die letzte Überlebende der Gruppe ausfindig zu machen, sich in dem Haifischbecken zu behaupten und zu fliehen. Dabei kommt es zu einer kurzen Phase des privaten Glücks, die aber natürlich nicht lange anhält. Auch die Hetzjagd in Istanbul beweist die Ambivalenz der Dienste denen das „große Ziel“ oftmals über das Leben des Einzelnen geht. Giardino beschreibt die Menschen, packt sie unerwartete, herausfordernde Situationen und scheint teilweise selbst erstaunt darüber, wie sie sich verhalten. Diese fast schon wie beobachtende Distanz wirkende Methode lässt Max Friedman wie einen mehrbändigen Roman ablaufen.

Realismus in der Fassung der 80-er

Vittorio Giardino ist ein Meister der realistischen Zeichnung. Seine Darstellungen von Buda und Pest als auch von den unterschiedlichen Facetten Istanbuls zeugen von guter Beobachtungsgabe und der Fähigkeit, das selbst Gesehene um Jahrzehnte zurückversetzt transponiert wiederzugeben. Sein Held ist ein bürgerlicher, in sich selbst ruhender Mann. Er glaubt an das Gute, hat aber schon lange aufgehört, in seiner Arbeit idealistische Züge zu sehen. Diese Grundstimmung lässt sich in fast jeder Zeichnung als Grundmotiv erkennen: Es geht nicht um Action oder vordergründige Ziele.

Max Friedman Gesamtausgabe 1 page 151

Die Geschichten sind in italienischen Magazinen vorabgedruckt worden, die zweite in dem Corto-Maltese-Magazin. Während ansonsten in Italien die Fumetti vorherrschten – zu dieser Zeit auch schon mit einem hohen Anteil an Gewalt und Sex – waren die neuen Themen ebenfalls erfolgreich. Vieles davon profitierte von den Erfahrungen in Lateinamerika und der von dort mitgebrachten Art, Geschichten zu erzählen und politische Motive zu integrieren.

Eine vorbildliche Gesamtausgabe

Max Friedman hatte seinen ersten Auftritt in Deutschland 1985 beim Carlsen Verlag, damals noch unter dem Sublevel „comic art“. Beide hier zusammengefassten Bände erschienen damals. Band 3 bis 5 dagegen kamen erst ab 2000 bei Salleck Publications heraus. Nun also die mustergültig editierte Gesamtausgabe, die die Anfänge endlich wieder verfügbar macht.

Anhang Max Friedman Gesamtausgabe 1 page 197

Neben Einleitungen von Giardino enthält der Band eine große Anzahl von zusätzlichen Illustrationen und Skizzen sowie ein ausführliches Interview mit dem Künstler. Dieses gibt einen Einblick in das Verständnis für die Zeit vor dem Zweiten Weltkrieg, das Giardino in seinen Erzählungen versucht hat, umzusetzen: die Ablehnung von Totalitarismus, von der Behauptung, (als einziger) die absolute Wahrheit zu kennen und dem Willen, die eigene Meinung anderen auch mit Gewalt aufzuzwingen.

Dazu passen Bob Marley & Amy Winehousemit „Silent Thunder“ und ein guter Barolo!

© der Abbildungen Vittorio Giardino 2026 / 2026 Eckart Schott Verlag

Reddition 83 – Watchmen

Ein Überblick zum 40. Jahrestag der Erstveröffentlichung

Herausgeber: Volker Hamann
Verlag Volker Hamann, Edition Alfons
Heft Din A 4 | 84 Seiten | Farbe | 12,00 €
ISSN: n/a

Cover Reddition 83

In den 80-er Jahren gab es einige Comics, die das Superhelden-Genre für immer verändern sollten. Einer davon ist The Dark Knight Returns von Frank Miller und ein paar weitere Titel aus dem Batman-Universum. Ebenfalls aus dieser Zeit ist der erste Band der Graphic Novel Maus von Art Spiegelman deren Einfluss ebenfalls nicht unterschätzt werden darf. Dieses Dossier aber widmet sich der zwölfteiligen Miniserie Watchmen, einem Meilenstein der Comic-Geschichte, den beteiligten Künstlern, Neben- Folge- und Begleitprojekten sowie der Diskussion über die erlaubten Grenzen der Vermarktung.

Die Ausgangssituation

Watchmen und einige andere immer noch lesenswerte Superheldencomics aus dieser Zeit wären ohne die sogenannte „British Invasion“ nicht möglich gewesen. Der britische Comicmarkt war in den 70-ern nicht sehr international. Es gab zwar Kooperationen mit (hauptsächlich) spanischen Zeichnern und Studios, diese produzierten aber für den britischen Markt. Die Magazine enthielten kaum Lizenzmaterial und folgten eigenen Themen. Peter Schimkat beleuchtet in einigen Beiträgen den Markt und einige der britischen Szenaristen und Zeichner. Diese fanden, angelockt durch Talentscouts, durchaus ihren Weg in die Staaten.

Reddition 83 pages 4, 9

Die Künstlerporträts

Im Laufe des wie immer sehr umfangreichen und gut recherchierten Dossiers werden Alan Moore, Len Wein, Bill Siekiewicz, Eddie Campbell und Dave Gibbons vorgestellt. Damit ist das Spektrum bewusst weit gefasst, um einen wirklichen Überblick bieten zu können. Die Autoren bemühen sich dabei, nicht nur die künstlerischen Elemente zu beschreiben, sondern auch auf die Psyche und die „Ticks“ der Personen einzugehen. Gerade im kreativen Bereich sind diese oft maßgeblich für das Ergebnis.

Dazu gehört dann eben auch, dass die Erfinder der Serie, die damals ein kongeniales Team gebildet haben, seit vielen Jahren nicht mehr miteinander reden und sehr unterschiedliche Auffassungen über andere Verwertungen wie bewegte Bilder oder Preqels haben.

Es gibt wieder einen Mix aus beschreibendem Artikel, Interview und einordnender Meinung. Einzig die Grammatik scheint einem Autoren etwas durcheinandergeraten zu sein (es mag sich allerdings auch um einen Dialekt handeln); beim Lesen überraschen jedenfalls einige der gesetzten Zeichen. Das ist allerdings ein „Meckern auf hohem Niveau“!

Reddition 83 pages 66, 81

Die Verwertungen

Der Comic ist als Heftserie erschienen, als Sammelbandedition, als einbändige Ausgabe, als Jubiläumsausgabe, als … Sowohl DC Comics als auch die ausländischen Lizenznehmer (In Deutschland Carlsen und Panini) haben immer wieder neue Editionen verlegt. Fairerweise sei angemerkt, dass diese auch gekauft wurden! DC hat aber auch eine Passage des Vertrages ausgenutzt, um eine Reihe von Prequels, ein Crossover und ein Sequel zu veröffentlichen, die je nach Thema mehr oder weniger kritisch aufgenommen worden waren. Wie weit muss ein Verlag die Wünsche eines Autoren berücksichtigen? Und wie weit darf ein Verlag gehen, der unzweifelhaft Geld verdienen muss? Die Fragen werden gestellt, dankenswerterweise aber nicht von der Kanzel herab beantwortet. Jede*r Leser*in möge sich selbst ein Bild machen.

Als Service werden dabei alle Miniserien kurz vorgestellt und inhaltlich eingeordnet. Und auch die Versuche, das Werk in bewegte Bilder zu übertragen werden vorgestellt und bewertet. Dabei fällt auf, wie schwierig es ist, die Komplexität und Verschränkheit einer Literaturform (und ja, für mich sind Comics Teil der Literatur) im Medium Film darzustellen. Selbst der Comic nimmt schon viel der eigenen Vorstellungskraft, die es uns ermöglicht, das Gelesene wahrzunehmen und zu „erleben“. Trotzdem können Gleichzeitigkeiten quasi nachträglich im Gehirn erzielt werden. Im sequenziellen und passiven Sehen ist das deutlich schwieriger. So ist der Comic im Comic als Konzept völlig logisch, das Lesen eines Comics im Film aber unheimlich schwierig darzustellen.

Reddition 83 page 72

Der perfekte Begleiter zur Serie

Viele Comics gehören in eine bestimmte Zeit, manchmal auch zu einem bestimmten Lebensabschnitt. Nur wenige Comics haben es wirklich verdient, über die Jahrzehnte hinweg immer wieder gelesen zu werden. Dazu gehören The Watchmen (oder Deutsch – „Die Wächter“) ganz ohne Zweifel! Wer schon immer mal wieder vorhatte, sich dieses Vergnügen erneut zu gönnen, sollte vorher dieses Dossier lesen und auf Grund der Lektüre in der Lage sein, neue Dinge zu entdecken. Allen anderen, die sich mit den Fragen von Politik, Bedrohung, Manipulation, Recht und Gerechtigkeit beschäftigen, einen sehr unterhaltsamen, gleichzeitig aber auch fordernden Ansatz mit immer noch überragenden grafischen Umsetzungen genießen wollen, können von der Einführung durch dieses Dossier nur profitieren.

Vielleicht noch der Hinweis, dass das Dossier einen Spoiler enthält, der einen wesentlichen Teil der Geschichte verrät. Dieser Spoiler ist im Zweifel aber sowieso bekannt. Für Abonnent*innen der Zeitschrift liegt der Reddition 83 wie immer ein Goodie bei. Dieses Mal eine wie immer von Volker Hamann sorgfältig recherchierte und bebilderte Bibliographie aller amerikanischen und deutschen Ausgabe der Watchmen und der assoziierten Serien zwischen 1986 und 2026 im Heftformat.

Beilage Reddition 83

Dazu passen New Order mit „State of the Nation ” und ein Absinth.

© der Abbildungen Cover © DC, 2019, ansonsten bei den jeweiligen Autoren und Verlagen / Verlag Volker Hamann, Edition Alfons 2026

Kris/Lambil – Die Blauen Boys 49

Irish Melody

Story: Kris
Zeichnungen: Willy Lambil

Originaltitel: Le Tuniques Bleues 66

Salleck Publications

Softcover | 48 Seiten | Farbe | 12,00 € | 
ISBN: 978-3-89908-847-2

Cover Die Blauen Boys 49

Begonnen hatte die Blauen Boys anfangs hauptsächlich als humoriger Nachfolger für den von Spirou zur Konkurrenz gewechselten Lucky Luke mit Zeichnungen von Salverius nach Szenarien von Raoul Cauvin. Als Zeichner übernahm nach dem Tod des ersten Willy Lambil. Mittlerweile ist auch Cauvin verstorben und Kris hat die Aufgabe übernommen, die sich immer mehr zur Armee- und kriegskritischen Reihe entwickelten Abenteuer der beiden Soldaten der Nordstaaten fortzuführen.

Auswanderer im Mittelpunkt

Niemand mit weißer Hautfarbe in Amerika hat keine Migrationswurzeln. Umso erstaunlicher sind manche Debatten, die Einwander*innen ehrliche Motive absprechen wollen, schließlich sind viele der Zugezogenen unzweifelhaft „politische Flüchtlinge“ gewesen, die meisten jedoch waren Wirtschaftsflüchtlinge, die sich weniger Hunger und Prosperität versprachen. Viele davon kamen aus Irland. Wie alle anderen Gruppen auch brachten sie ihre Folklore mit sich und St. Patrick ist in den USA noch immer ein riesiges Fest.

Kris spielt mit den Vorurteilen über die Iren: traurige Lieder, fröhlich dargebracht, Stout, das vor dem Servieren „wie ein Soldat“ ruhen muss und der Wunsch für ein befreites, vereinigtes Irland. Sgt. Chesterfield, auffällig durch seine roten Haare, wird von einem Angehörigen der Irischen Brigade (der Nordstaaten) als Cousin identifiziert und rutscht langsam in eine emotionale Zwickmühle: Möchte er sich als „Corny“ seinen vermeintlichen Landsleuten anschließen oder weiterhin zusammen mit „seiner einzigen Familie“ Blutch in der Infanterie dienen.

Die Blauen Boys 49 page 13

Die Kritik an den Zuständen im Krieg, die Missachtung der menschlichen Schicksale durch die Generäle und der Widerspruch zwischen soldatischen Lebenswirklichkeiten und Befehlen wird deutlich, als sich Irische Brigaden auf beiden Seiten des Schlachtfeldes gegenüberstehen. Irish Melody ist eine traditionsbewusste und gelungene Fortführung der Erfolgsserie. Im Original gibt es mittlerweile schon weitere neue Bände.

Gelungene Überspitzung

Natürlich sind die Vorurteile gegenüber der irischen Kultur eine Steilvorlage für jeden guten Zeichner. Auch Lambil genießt es, Menschen in grünen Kostümen als Leprechaun oder am Tresen mit einem Guiness darzustellen. Und auch die Lust am Singen lässt sich den Bildern ablesen. Besonders gut gelingen ihm in diesem Band die Gesichtsausdrücke seiner beiden Helden, die darüber zweifeln, was sie tun sollen.

Die Blauen Boys 49 page 14

Und auch die Freund*innen der Natur kommen in diesem Band wieder auf ihre Kosten. Wie immer sind einige Tiere die Stars ihrer Panel, selbst wenn sie nur wie zufälliges Beiwerk wirken. Und auch der Detailreichtum der Hintergründe lädt zum Verweilen bzw. zum mehrmaligen Lesen ein. Mehr kann man von einer Reihe mit fast 70 Bänden nun wahrlich nicht verlangen!

Die Perpetuierung eines erfolgreichen Konzepts!

Die Blauen Boys sind eine echte Erfolgsgeschichte und haben schon lange bewiesen, dass sie mehr als ein lückenfüllender Ersatz sind. Mehr noch, da niemand mehr von der Originalbesetzung dabei ist, ist auch klar, dass das Konzept als Solches funktioniert. Natürlich braucht es auf künstlerischer Seite genügend Talent um das auch an die Käufer*innen zu bringen. Bei Lambil steht das außer Frage und Kris hat einen guten Start!

Detail Die Blauen Boys 49 page 17

Gleichzeitig erscheint auch der siebte Band der Gesamtausgabe (Rezension folgt). Nachdem nun alle bei Bastei veröffentlichten Geschichten eine vernünftige Übersetzung und eine angemessene Form gefunden haben, werden auch die bei Carlsen erschienenen Bände aufgenommen. Damit wird ab jetzt der deutsche Sonderweg in der Zählung der Bände offensichtlich, hatte man sich damals doch entschieden, mit einer „1“ neu zu starten.

Dazu passen Keith and Tex mit „Gun Life“ und ein Starnberger Helles!

© der Abbildungen DUPUIS 2022 – Lambil & Kris / 2026 Eckart Schott Verlag

Flix/Kleist – Lucky Luke Hommage 8

Die Grimm Brothers

Story: Flix
Zeichnungen: 
Reinhard Kleist

Originalausgabe

Egmont Comic Collection

Softcover/Hardcover | 48 Seiten | Farbe | 9,99 € / 17,00 € | ISBN: n/a / 978-3-7704-1184-9

Cover Lucky Luke Hommage 8
© Lucky Comics 2026 /Story House Egmont

Eine weitere Hommage aus deutschen Landen. Mawil und Ralf König hatten sich bereits mit dem Cowboy, der schneller schießt als sein Schatten beschäftigen dürfen, Flix brachte schon Spirou und das Marsupilami in die deutsche Hauptstadt. Und auch die Hauptserie hat immer mal wieder Bezüge zu deutschen Einwander*innen aufgenommen, zuletzt die deutsche Braukultur.

Märchen und ihre Folgen

Co-Helden dieser Geschichte sind die Brüder Grimm. Bekannt für ihre Sammlung von deutschen Märchen und ihre Beschäftigung mit der deutschen Sprache begeben sie sich in diesem Album auf eine Reise, die nie stattgefunden hat: Sie machen eine Lesetour durch die Vereinigten Staaten. Sie treten in verschiedenen Saloons auf, die mit europäischen Salons jedoch wenig gemein haben.

Zudem ist das amerikanische Publikum an ihren Haus- und Hofmärchen nicht interessiert. Lucky Luke hat jedoch eine Idee, wie die Reise möglicherweise gerettet werden könnte: Es müssten amerikanische Märchen präsentiert werden! Da die beiden allerdings Sammler und keineswegs Geschichtenerfinder wie ein gewisser Herr Andersen sind, muss zunächst eine Quelle gefunden werden.

Werbung für Lucky Luke Hommage 8
© Lucky Comics 2026 /Story House Egmont

Die Rettung scheint in Form von Ma Dalton gefunden zu sein: Das Publikum ist begeistert von der Erzählung über die Daltons. Diese allerdings fühlen sich auf das Übelste verleumdet, sollen sie doch plötzlich gut geworden sein. Das Spektakel möge beginnen… Flix schreibt recht witzig, baut viele Reminiszenzen ein und trifft auch den Ton einer Hommage recht gut.

Unverkennbar ein Kleist

Reinhard Kleist hat sich zuletzt immer wieder an Helden der Popkultur abgearbeitet und die Essenz ihres Lebens in Form von Graphic Novels veröffentlicht: Beispiele sind David Bowie und Johnny Cash. Insofern passt es, dass er den beiden deutschen Gelehrten, deren Werke immer noch in vielen deutschen Kinderstuben zur Grundausstattung gehören, ein fiktives Denkmal setzt. Wer genau hinschaut, wird Charaktere aus seinen anderen Werken hier wiederfinden.

Sein Strich ist stark angelehnt an die erwarteten Figuren, lässt sich aber eindeutig als „echter Kleist“ erkennen. Diese Mischung aus klassischem frankobelgischem Comic und künstlerischem Graphic Novel Stil ist zunächst einmal etwas verwirrend. Man muss sich erst ein wenig eingrooven, dann aber passt das Ganze zumindest für mich. Die Hintergründe sind allerdings manchmal etwas zu psychedelisch geraten, die Traumsequenz dagegen fantastisch!

Illustration zu Lucky Luke Hommage 8
© Lucky Comics 2026 /Story House Egmont

Eine gelungene Hommage!

Eine Hommage ist etwas anderes als ein One-Shot: Er soll einen fremden Blick auf wesentliche Elemente werfen, diese aber in einer freundlich anerkennenden, jedoch eigenen Weise darstellen. Das gelingt hier gut. Flix nimmt viele Elemente der Serie mit hohem Wiedererkennungswert auf, Kleist zeichnet die Figuren erkennbar und anders.

Die Idee, klassische Figuren der deutschen Literaturgeschichte in den Wilden Westen zu verpflanzen und sie dort als Fremdkörper agieren zu lassen, hat ihren Charme, wird außerhalb von Deutschland aber kaum funktionieren. Und insofern bestätigt dieser Comic sich in gewisser Weise auf der Metaebene selbst. Wie immer gibt es neben der Softcover-Kioskausgabe auch eine gebundene für den Buchhandel und eine limitierte Vorzugsaugabe mit Variantcover und Gimmicks.

Dazu passen Bruce Springsteen, etwa mit „Western Stars“ und ein Bulleit Rye.

© der Abbildungen © Lucky Comics 2026 /Story House Egmont

Reimerthi, Avenell/Bade – Phantom – Die Heiner Bade Collection 1

Der weiße Elefant & Der Geisterpirat

Story: Claes Reimerthi, Donne Avenell
Zeichnungen: 
Heiner Bade

Originaltitel: Den vita Elefanten (Fantomen 14/2008); Spökpiraten (Fantomen 16/2002)

edition Comics & Mehr

Hardcover | 72 Seiten | Farbe | 22 € | ISBN: 978-3-912447-01-9

Cover Phantom - Heiner Bade Collection 1

Und noch eine Serie über einen der ältesten noch publizierten Superhelden der Welt. Der wandelnde Geist dürfte vielen aus der Generation ZACK noch aus frühen Jahren bekannt sein, war die Bastei-Serie doch überall zu finden. Danach wurde es zumindest bei uns sehr ruhig über den maskierten Helden, der seit Generationen über Bangalla wacht. Vor einigen Jahren explodierte dann die aufgestaute Nachfrage und hält bis heute an. Mehr zur Serie und den Veröffentlichungen im Werk von Christian Blees, Comics erscheinen unter anderem bei Zauberstern, Kult, und in der ZACK-Edition.

Wilderei und ein Fluch

Die neue Reihe widmet sich ausschließlich Geschichten mit Lee Falk‘s Phantom, die von Heiner Bade gezeichnet worden sind. Der in Hamburg geborene und 2025 verstorbene Zeichner lebte allein von seiner Comickunst, ist in Deutschland aber trotzdem weitgehend unbekannt. Um der damaligen Verpflichtung zum Dienst mit der Waffe zu entgehen, hatte sich Bade entschlossen, nach Schweden auszuwandern. Dort in Sicherheit setzte er seine in Hamburg begonnene Leidenschaft fort, Zeichnungen und Comics zu entwerfen und fand tatsächlich eine Anstellung als Zeichner für das in Schweden sehr erfolgreiche Fantomen-Magazin. Seine Werke wurden in vielen Ländern nachgedruckt, haben aber meistens den Weg in sein Heimatland bisher verpasst. Um wenigstens die besten seiner Arbeiten auch hier zu präsentieren, hat Michael Beck seine vielfältigen Tätigkeiten im Bereich der Neunten Kunst um einen Comic-Verlag ergänzt.

Phantom - Heiner Bade Collection 1 page 3

In Der weiße Elefant wird die Geschichte eines Wilderers erzählt. Nicht von ungefähr erinnert bereits der Titel an die Geschichte von Moby Dick: Er ist von dem Tier besessen und möchte es zur Strecke bringen. Bei einer Begegnung hatte das Tier die gesamte Expedition aufgerieben, allein der Antiheld war verletzt übriggeblieben und anschließend zu einer langen Gefängnisstrafe verurteilt worden. Nun macht er sich, mittlerweile mit einem Holzbein versehen, nach seiner Entlassung wieder auf die Jagd. Verständlicherweise möchte das Phantom allerdings eingreifen.

Der Geisterpirat ist eine Geschichte über moderne und klassische Piraten. An der Küste vor Bangalla sind viele ehemaligen Piratenschätze mit ihren Schiffen gesunken oder wurden dort von Piraten versteckt. Immer wieder tauchen moderne Schatzsucher auf, die die Schätze mit allen Mitteln an sich bringen wollen. Beim aktuellen Versuch müssen wieder Unschuldige leiden und so erreicht ein Hilferuf den wandelnden Geist. Die erste Aktion missglückt und es scheint so, als ob ein mit einem Geisterschiff reisender Geisterpirat den Maskierten retten würde.

Phantom - Heiner Bade Collection 1 page 4

Action und Natur

Die Zeichnungen von Heiner Bade vereinen die typischen und erwartbaren Actionszenen mit wunderschönen Naturszenarien. Die Landschaft ist eigentlich nur Beiwerk, macht das Ansehen der Bilder aber zu einem Genuss! Und auch der majestätische Dickhäuter ist eine Augenweide. In der zweiten Geschichte, die ursprünglich in schwarz-weiß erschienen und erst später koloriert erneut abgedruckt worden war, zeigt Bade, dass er auch „Grusel“ kann. Das Geisterschiff, der Pirat und selbst die Höhle würden jeder Dungeon-Story gut zu Gesicht stehen.

Natürlich ist die Anzahl der Themen rund um den maskierten Helden, der seit Jahrzehnten immer wieder in Erscheinung treten darf, limitiert. Umso mehr kommt es auf den Zeichner an, der diesen Geschichten seinen eigenen Akzent geben kann und über eine reine Routineumsetzung hinausgehende Bilder schafft. Genau das konnte Heiner Bade und deswegen ist es auch richtig, seine besten Arbeiten größtenteils erstmals hier in Deutschland zu präsentieren!

Phantom - Heiner Bade Collection 1 page 5

Einen ersten und zweiten Blick wert!

Komplettsammler*innen werden hier bedenkenlos zuschlagen können – die Qualität der Stories und Zeichnungen liegt weit über dem Durchschnitt! Aber auch Gelegenheitsleser*innen sollten nicht nur einen Blick riskieren: Die Geschichte des Übergangs vom Vater zum Sohn, die hinter der „Unsterblichkeit“ steht, ist schnell verstanden und mehr Vorwissen braucht es nicht. Der Held kämpft für die Menschlichkeit, für die Schwachen, die Natur und Gerechtigkeit, ist also einer der typischen „Guten“. Er besitzt allerdings keine Superkräfte, kann sich somit nur auf sein Geschick und auf seine Einbindung in die lokale Community verlassen.

Der Band enthält zusätzlich eine Einführung in das Leben des Zeichners von Bernd Frenz sowie in die beiden abgedruckten Geschichten und als Gimmick in der ersten Auflage auch noch ein doppelseitiges Poster der Totenkopfhöhle. Die auf 77 Exemplare limitierte Vorzugsausgabe kommt mit anderem Cover und einem ebenfalls limitierten Druck!

Dazu passen Cock Sparrer mit „Watch your back“ und ein Carlsberg Elefant.

© der Abbildungen 2026 King Features Syndicate, Inc/Distr. Bulls | Egmont Publishing AB | 2026 edition comics & mehr

Vernes/Forton – Bob Morane Classic 9

Das Schwert des Paladins

Story: Henri Vernes
Zeichnungen: 
Gérald Forton
Originaltitel: 
L´Épée du Paladin & La Rivière des perles

Blattgold Verlag – ZACK Edition

Hardcover | 72 Seiten | Farbe | 24,00 € |ISBN: 978-3-949987-51-9

Cover Bob Morane Classic 9

Bob Morane ist eine Serie, die medienübergreifend funktioniert! Am Anfang standen die Romane für Jugendliche von Henri Vernes. Die ersten Comic-Umsetzungen erschienen dann in einem belgischen Magazin für moderne Frauen und eroberten von dort aus nicht nur andere Magazine, sondern auch Zeitungen im In- und Ausland. Hörspiele und Adaptionen für das Fernsehen folgten und mittlerweile erscheinen sogar Comics, die nicht mehr auf Romanen des Erfinders fußen. Die Anfänge gibt es gesammelt in der Bob Morane Classic Reihe.

Eine vertrackte Zeitreise und Verdächtigungen in Chinatown

Sollte jemand der Titel des Bandes bekannt vorkommen, hat dieser Mensch gut aufgepasst. Eine Version ist nämlich bereits vor rund zwei Jahren als ZACK Spezial 11 erschienen. Damals als Faksimile des Zeitschriftenabdrucks veröffentlicht, erscheint die Geschichte nun als acht Seiten kürzere Albumversion im Rahmen der Gesamtausgabe der Moranes von Attanasio und Forton.

Das Schwert des Paladin führt Bob und seinen Begleiter Bill Ballantime zurück in die Vergangenheit. Eine junge Frau wird bedrängt und angefeindet, da einer ihrer Vorfahren die fränkischen Truppen den Sarazenen ausgeliefert haben soll. Bob und Bill erinnern sich an das Rolandlied und greifen ein. Dabei treffen sie auf alte Bekannte und haben ohne ihr Wissen einen blinden Passagier dabei.

Bob Morane Classic 9 page 3

Die Perlenkette ist dagegen ein eher klassischer Kriminalfall. Unsere Helden sind in San Franciscos Chinatown unterwegs als ihnen ein bestimmter Laden empfohlen wird. Angeblich könne man dort Ming-Vasen erstehen. Tatsächlich werden sie dort aber niedergeschlagen und als Täter eines Raubes verdächtigt. Während Bill von der Polizei festgesetzt wird, muss nun Bob ihre Unschuld beweisen. Beide Geschichten vereinen die typische Mischung aus Spannung, unerwarteten Wendungen sowie starken Frauenfiguren und erfüllen somit alle Erwartungen der Leser*innen.

Klassische frankobelgische Comickunst

Gerald Forton ist ein typischer Vertreter der realistischen Comics aus dem französischen und belgischen Raum dieser Zeit, nämlich Anfang der 60-er Jahre. Die technischen Möglichkeiten, Bilder digital zu veredeln waren noch nicht gegeben, die Kolorierung durfte nicht zu filigran sein, da Drucktechnik und Papierqualität nicht mit heutigen Ansprüchen vergleichbar waren.

Trotzdem wussten die Akteure sehr genau, wie man Spannungsbogen zu konstruieren hatte und mitreißende Geschichten bildlich erzählen musste. Die Konkurrenz der bewegten Bilder um das Taschengeld war auch damals schon zu spüren!

Bob Morane Classic 9 page 4

Empfehlenswert

Die Reihe ist aufgrund des sehr flexiblen Settings so spannend, dass sie auch heute noch funktioniert. Die Klassiker sind grafisch aufgrund der Vorlagen nicht immer ein Augenschmaus, als Zeitdokument aber trotzdem ok. Und gerade der Vergleich mit der Zeitschriftenvariante ist zusätzlich reizvoll, ermöglicht er doch das Aufspüren der notwendigen Wiederholungen im sequenziellen resp. der Kürzungen im einheitlichen Publizieren.

Wie immer gibt es beim Verlag passende Drucke und für Vorbesteller jeweils ein Schmankerl für ein Abonnement über fünf Bände.

Bob Morane Classic 9 page 5

Dazu passt ein Hit des Jahres 1964, Millie mit „My Boy Lollipop“, und ein Dortmunder-Actien-Bier.

© der Abbildungen Vernes – Bob Morane Inc / Forton – Ed. Hibou | 2026 Blattgold GmbH, Bad Dürkheim

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