I’m a poor lonesome Cowboy – Interview mit Achdé und Jul

Aus Anlass des neuen Lucky Luke Abenteurers „Ein Cowboy in Paris“ stellten sich der Zeichner Achdé und der Texter Jul am 7.11.2018 den Fragen der Presse. Auch comix-online hat die Gelegenheit genutzt! Die Besprechung dieses Bandes findet ihr hier.

Vorweg aber noch ein paar Details zu den Künstlern:

Achdé (Hervé Darmenton) wurde 1961 in Lyon geboren und zeichnet Comics seit rund dreißig Jahren. Er übernahm Lucky Luke mit der Geschichte Der französische Koch, auf Deutsch als kleinformatiges Hardcover erstmals 2003 veröffentlicht. Seit 2011 arbeitet Achdé auch an Onepagern über Lucky Kid.

Jul ist der Künstlername des 1974 geborenen Julien Lucien Berjeaut. Das aktuelle Album ist seine zweite Zusammenarbeit mit Achdé nach „Ein gelobtes Land“. Auf Deutsch liegt von seinen weiteren Arbeiten bisher kaum etwas vor.

Achdé, Sie haben für Lucky Luke schon mit einigen Szenaristen zusammengearbeitet. Wie ist es zu der Zusammenarbeit mit Jul gekommen und aus welchen Gründen haben Sie sich entschieden, wieder mit ihm zusammenzuarbeiten?

Achdé: Zuerst gab es diese gute Idee, die Jul vorgeschlagen hat, und die fand ich so gut, dass ich mir gleich eine Dokumentarsendung über die Freiheitstatue angeschaut habe. Dann habe ich diese an Jul weitergereicht und ihn gebeten, sich das mal anzuschauen. Die Idee fand er so super, dass wir mit dem Verleger gesprochen, der die Idee auch fantastisch fand. Und außerdem hat die Zusammenarbeit beim ersten Band „Das gelobte Land“ so gut geklappt, dass es dumm gewesen wäre, die Teamkonstellation zu wechseln.

Könnten Sie für die Leser von comix-online beschreiben, wie die Zusammenarbeit mit Achde aussieht? Treffen Sie sich oder ist die Zusammenarbeit ausschließlich remote? Ist das Szenario mit seinen Vorgaben durch sie bereits komplett fertig oder akzeptieren Sie Ideen von Achde und integrieren diese?

Jul: Ich mache ein vollständiges Szenario und das gebe ich dann an Achdé weiter. Er macht sich dann daran, dieses Szenario zu zeichnen und die Seiteneinteilung vorzunehmen. Dabei stößt er dann womöglich hier und da darauf, dass es zeichnerisch nicht flüssig genug umzusetzen ist ganz, dass es verschiedene Probleme bei den Zeichnungen gibt, die man dann eben wieder anpassen muss und darüber diskutieren Achdé und ich dann.

Achdé: Ich mache auch gern Vorschläge zu den historischen Ereignissen. Die Leser wissen meine historischen Kenntnisse zu schätzen.

Jul: In diesem Album zum Beispiel gibt es die Szene, in der Lucky Luke Paris besichtigt, und jedes Panel ist wie eine Postkarte aufgebaut, eben mit den typischen Dingen, die man mit Paris verbindet, Notre Dame, den Boulevards, den Cafés. Ich wollte das eigentlich schnell abhandeln, denn ich dachte, es sei besser, die Geschichte an sich weiter zu behandeln, aber Achdé meinte, das muss alles vorkommen, und ich habe mich überzeugen lassen und ich bin auch sehr froh darüber.

Der neue Band von Lucky Luke enthält wesentlich mehr Anspielungen auf die aktuelle politische Situation als frühere Werke. Warum haben Sie sich entschieden, zeitbezogener zu werden und welche Absichten verfolgen Sie dabei?

Jul: Eigentlich ein Zufall. Das Thema der Freiheitsstatue ist an sich schon ein gutes Thema für eine Geschichte. Dass dann auch der aktuelle Bezug herrscht, ist ein reiner Zufall. Alles, was erzählt wird, hat eigentlich einen historischen Hintergrund, zum Beispiel die Olympischen Spiele, die erwähnt werden. Demnächst werden in Paris auch wieder Olympischen Spiele stattfinden und damals wurden dort auch Olympischen Spiele vorbereitet. Oder die Streiks, die wir heute haben, Streiks gab es auch damals um 1880. Oder Attentate, da gab es die ebenso welche zu dieser damaligen Zeit. Oder dass es Politiker gegeben hat, die gegen Immigration sind, die versuchen, Leute auszugrenzen oder auszusperren – das sind alles Vorkommnisse, die es damals gegeben hat und bei denen es uns aber so vorkommt, als seien das alles Anspielungen auf die heutige Zeit. Uns kommen die Dinge oft so vor, als würden sie uns das erst Mal passieren, als seien sie ganz neue Phänomene. Vielleicht trägt der neue Lucky Luke-Band nun dazu bei, dass wir verstehen, dass es solche Geschehnisse und Erscheinungen auch damals schon gegeben hat.

Comix-online ist ein Magazin für Deutsche und niederländische Leser. Sehen sie irgendwelche Unterschiede in der nationalen Rezeption von Lucky Luke in den beiden Märkten? Ein Unterschied ist auf jeden Fall die Vorveröffentlichung der neuen Geschichte in dem niederländischen Magazin EPPO.

Achdé: Natürlich hängt auch alles von einer guten Übersetzung ab. Der Übersetzer ist nicht nur dazu da, alles Wort für Wort zu übersetzen, sondern die ganze Geschichte anzupassen, zu adaptieren, damit auch der Leser dann die ganzen Anspielungen versteht, auch in der Fremdsprache, und das muss in jeder Sprache eben auch individuell angepasst werden. Es gibt in Lucky Luke auf jeden Fall verschiedenen Verständnisebenen, und das betrifft nicht nur den Band hinsichtlich seiner Übertragung in verschiedene Sprachen. Selbst im Französischen zum Beispiel zwischen Jung und Alt: Meine eigenen Kinder haben die Szene mit Madame Bovary erst gar nicht verstanden. Junge Leute lesen über so etwas hinweg, weil so etwas auch im Schulplan heutzutage, scheint mir, überhaupt nicht mehr enthalten ist, eben wie Madame Bovary im Literaturunterricht, während die Szene, die in Paris, also in der Großstadt, spielt, wo es viele Geschäfte gibt, diese Szene hat meine Kinder sofort angesprochen – dass man in einer Großstadt shoppen geht, das versteht jedes Kind sofort.

Arbeiten Sie lieber an den langen Lucky Luke Geschichten oder an den Onepagern mit dem Kid und warum?

Achdé: Wenn ich mit Jul zusammenarbeite, also als Team, dann ist das natürlich eine ganz andere Vorgehensweise – das gefällt mir auch. Aber wie gesagt, das kann man eigentlich gar nicht vergleichen. Wenn ich eine Geschichte, also eine Onepager für Lucky Kid mache, dann ist das natürlich ein ganz anderer Ansatz: Ich mache das Szenario selber, den Text selber, natürlich die Zeichnungen. Das ist dann eine Geschichte, die eben lustig sein soll, sonst nichts. Das mag ich auch, aber wie gesagt, das ist etwas ganz anderes als die klassischen Lucky Luke-Alben.

Würden sie den Lesern von comix-online noch gerne etwas sagen?

Jul: Der Wille, den traditionellen Lucky Luke fortzuführen, so wie er immer existiert hat, ist gepaart mit dem Wunsch, immer zu überraschen und etwas Neues zu bringen. Und so, wie uns das Vergnügen bereitet, hoffen wir, dass es so bleibt, dass auch die Leser weiterhin an Lucky Luke Vergnügen haben, ihn lesen und ihm treu bleiben.

Vielen Dank Achdé und Jul sowie Anja Adam und Maria Schreier von Egmont Publishing für die Vermittlung und Übersetzung!

© der Abbildungen Egmont Publishing

Lucky Luke – Ein Cowboy in Paris

Werbegrafik Lucky Luke 97

Lucky Luke 97 – Ein Cowboy in Paris
Story: 
Jul nach Morris
Zeichnungen: 
Achdé
Originaltitel: 
Un cowboy à Paris

Egmont EHAPA Media
A4 | 48 Seiten | Farbe | Softcover 6,90 €  | Hardcover 12,00 €
ISBN: 
N/A | 978-3-7704-4040-5

//Ab dem 8. November im Handel erhältlich!//

Cover Lucky Luke 97

Die zweite Zusammenarbeit zwischen Achdé und Jul bringt den
Cowboy, der schneller schießt als sein Schatten, erstmalig nach Europa.

Zugleich ist der Band gespickt mit Anspielungen auf die aktuelle politische und gesellschaftliche Situation und steht unter dem Motto „Ein Plädoyer für die Freiheit“. Nein, Lucky Luke steht nicht plötzlich in der ersten Reihe der Revolution, keine Bange! Er nimmt aber die Art der Anspielungen aus der Tradition des Uderzo/Goscinny-Asterix auf und bietet daher auch erwachsenen Lesern nicht nur viele Momente des Schmunzelns sondern teilweise auch der Verzweiflung weil vieles, was vor Kurzem noch undenkbar gewesen wäre heute schon  beinah als harmlos aufgefasst wird. Der mittlerweile siebte Band von Achdé mit Geschichten um den erwachsenen Westernhelden zeigt einerseits die ganze Routine in den Zeichnungen des Morris-Nachfolgers, beweist aber andererseits den Spaß an Details und witzigen Szenen wenn Jolly Jumper beispielsweise während des Captain’s Dinners Heu (fr)isst. Zudem macht es dem gebürtigen Franzosen augenscheinliches Vergnügen mit der Brille des Amerikaners auf seine Hauptstadt zu schauen.

Detail Lucky Luke 97 page 28

Worum geht es: Das Abenteuer beginnt ganz klassisch da Lucky Luke die Daltons zurück in ein Gefängnis transportiert. Dabei begegnen sie Auguste Bartholdi der mit dem Arm der zukünftigen Freiheitsstatue auf Promo-Tour durch die Vereinigten Staaten ist. Er muss Geld sammeln um die Statue durch Gustave Eiffel in Paris fertigstellen und nach Amerika verschiffen zu lassen. Unser Held ist nicht nur der Beschützer hilfsbedürftiger Ladys und so begleitet und verteidigt er auch Bartholdi auf seiner Tour. Sein Gegenspieler ist ein Gefängnisdirektor der auf eben jener Insel, auf der die Freiheitsstatue aufgestellt werden soll, ein ausbruchssicheres Gefängnis errichten möchte. Er ist dabei unschwer als Prototyp des polternden Populisten zu erkennen der heutzutage so oft von sich reden macht.

Detail Lucky Luke 97 page 24

Aufgrund der bereits verübten Anschläge wird Luke von höchster präsidialer Stelle gebeten, auch den Transport der Statue von Paris
nach New York zu begleiten und sicherzustellen. Während bisherige Schifffahrten den Cowboy kalt ließen wird sein Verdauungstrakt nun auf das Äußerste beansprucht.

In Paris lernt Lucky alle wichtigen Sehenswürdigkeiten kennen und nimmt am gesellschaftlichen Leben teil. Zu einem Running Gag wird dabei seine Schwarz/Gelb/Rote Kleidung!

Der „Cowboy in Paris“ ist sein Geld wert! Spannende Story, gute  Zeichnungen, grafische und textliche Details, die zum mehrmaligen Lesen
auffordern – was will man mehr!

Dazu passen ein petit café und französischer Country, etwa von Raphaelle Dess.

Werbebild Lucky Luke 97

In Kürze hier auf comix-online ein Interview mit Achdé und Jul!

© der Abbildungen 2018 Lucky Comics und Egmont EHAPA Medien GmbH

Asterix der Gallier – Klassiker des Monats Oktober 2018

Asterix der Gallier – Jubiläumsausgabe 2018
Story: 
René Goscinny
Zeichnungen: 
Albert Uderzo
Originaltitel: 
Astérix le Gaulois

Egmont EHAPA Media
A4 | 56 Seiten | Farbe | Softcover 7,50 €  | Hardcover 15,00 €
ISBN: 
N/A | 978-3-7704-4043-6

Cover Jubilaeumsausgabe Asterix der Gallier
(c) ASTERIX®- OBELIX®- IDEFIX® / © 2018 LES EDITIONS ALBERT RENE / GOSCINNY – UDERZO

Was ist eigentlich ein Klassiker? Definitiv wohl ein Titel, der seit 50 Jahren auf dem deutschen Markt erhältlich ist und dessen immer noch erscheinende neue Folgen mit einer Millionenauflage über den Ladentisch gehen!

Asterix der Gallier ist das erste Abenteuer von 1959, ursprünglich in Pilote erschienen und von René Goscinny und Albert Uderzo in Eigenregie entwickelt um den immer wieder verlangten Klonen von erfolgreichen amerikanischen oder europäischen Serien etwas Eigenes entgegenzusetzen. Die beiden Franzosen haben sich dabei ein Setting ausgesucht, dass allen potentiellen Leser*innen in Frankreich aus der Schule bekannt, im Comic bisher aber noch nicht breitgetreten worden war: Die Geschichte der Gallier.

Asterix als Serie war nie als Comic für Kinder konzipiert, sondern bot und bietet mit all seinen Anspielungen auf die aktuelle politische Entwicklung Spaß auch für Erwachsene. Zudem liehen im Laufe der Zeit immer wieder bekannte Personen aus Politik, Film und Showbusiness Nebenfiguren ihr Gesicht. Der Name des Helden ist dabei das Ergebnis der Zusammenfassung von zwei Kriterien: er sollte mit A beginnen (jede*r Bibliothekar*in wird wissen, warum) und an den gallischen Helden Vercingetorix erinnern. Ein Asterikus ist die Bezeichnung für ein kleines Sternchen und da der Held nicht dem Model der Superhelden entsprechen sollte, sondern klein zu sein hatte, war der Name gefunden. Besonderen Spaß hatten die Beiden im Folgenden daran, alle Namen der Gallier auf –ix enden zu lassen. In späteren Abenteuern wurde dieses Spielchen auch auf andere Völker angewendet.

Die vorliegende Jubiläumsausgabe enthält den klassischen ersten Band in neuen Farben und mit dem noch von Uderzo 2006 gezeichneten neuen Titelbild sowie 8 zusätzliche Seiten mit Bildmaterial und einem Text von Volker Hamann zur Entstehungsgeschichte.

Cover Asterix 1 1971
Cover der Ausgabe von 1971 © ASTERIX®- OBELIX®- IDEFIX® / © 2018 LES EDITIONS ALBERT RENE / GOSCINNY – UDERZO

Obwohl schon viele zum Stammpersonal der Gallier gehörende Aktive vertreten sind, sehen sie teilweise noch etwas anders aus. Erst im Laufe der Zeit haben sie sich zu den ikonographischen Figuren entwickelt die heute nahezu jeder Westeuropäer kennt. Insbesondere Idefix fehlt hier aber noch, da er erst im 5.Asterix-Band Tour de France seinen ersten Auftritt hatte.

1966 wurde diese erste Asterix-Geschichte erstmals auf Deutsch in Kaukas LUPO modern veröffentlicht, allerdings in einer sehr eigenwilligen Übersetzung und unter dem Titel Siggi der Unverwüstliche. Rolf Kauka wurden die Lizenzen nach der Veröffentlichung von insgesamt 4 Titeln entzogen und Adolf Kabatek konnte den Stuttgarter EHAPA-Verlag überzeugen, nicht nur die freigewordene Lizenz für das Magazin MV-Comics zu übernehmen, sondern auch dem Beispiel der Tim-Bücher des Carlsen-Verlages zu folgen und ein Asterix-Buch herauszugeben. Das war der Beginn einer Erfolgsgeschichte ohne gleichen. 1968 erschienen die ersten beiden Bände sowohl in einer Softcover-Kiosk-Ausgabe als auch als gebundenes Hardcover für den Buchhandelsvertrieb und daran hat sich bis heute nichts geändert. Natürlich gibt und gab es zusätzliche Veröffentlichungen in Sammelbänden, Mundartausgaben, Wimmelbücher und und und.

Zur Story: Asterix, Obelix und die anderen Gallier wohnen zu Zeiten von Julius Cäsar in einem kleinen Dorf, das als einziges in Gallien nicht von den Römern besetzt worden ist. Es ist zwar von vier römischen Lagern umzingelt, die dort stationierten Legionäre haben allerdings kein leichtes Leben denn Miraculix, der Druide des Dorfes, besitzt das Rezept für einen unbesiegbar machenden Zaubertrank den die Dorfbewohner regelmäßig zu sich nehmen. Begegnungen zwischen Galliern und Römern nehmen daher immer einen sehr einseitigen und für die Römer äußerst schmerzhaften Verlauf. Um hinter das Geheimnis der übermenschlichen Kräfte der Gallier zu kommen wird ein Legionär als Gallier verkleidet und auf Spionagemission geschickt. Ihm gelingt es, den Trank zu probieren und beweist seine Stärke im Kampf gegen seine Legionärskollegen eindrücklich.

Detail Asterix 1 Jubilaeumsausgabe page 49
© ASTERIX®- OBELIX®- IDEFIX® / © 2018 LES EDITIONS ALBERT RENE / GOSCINNY – UDERZO

Da der Trank seine Wirkung allerdings nur zeitlich begrenzt entfaltet und der Spion das Rezept nicht mitgebracht hat, lässt Gaius Bonus den Druiden entführen um mithilfe des Trankes Cäsar werden zu können. Miraculix und der ihm zu Hilfe kommende Asterix machen sich als Gefangene über die Römer lustig und beweisen ein immer wiederkehrendes Grundmuster der Serie: Übermacht alleine genügt nicht, wenn Witz, Zusammenhalt, Schläue und ein wenig Zaubertrank auf Seiten der Gallier stehen…

Lohnt sich der Kauf dieser Sonderausgabe? Wer den Band schon sein Eigen nennt wird alleine wegen des neuen Covers möglicherweise nicht bereit sein, Geld auszugeben. Wer allerdings auch nur ein wenig Interesse an den Hintergründen zur Entstehungsgeschichte hat und gerne auch begleitendes Bildmaterial anschaut, wird an den acht zusätzlichen Seiten seine Freude haben! Wer Asterix der Gallier dagegen noch nicht gelesen haben sollte, kann jetzt unbedenklich zuschlagen!

Im Übrigen verlost COMIX-online fünf Exemplare der Softcover-Ausgabe! Wer teilnehmen möchte, erfährt im facebook-Auftritt von COMIX-online alles Notwendige. Vielen Dank an EGMONT EHAPA Media für die Bereitstellung der Gewinne!

Dazu passt natürlich lauwarme Cervesia und Musik aus vergangenen Zeiten. Die Aufzeichnungen von Troubadix sind im Laufe der Zeiten leider/glücklicherweise verloren gegangen aber Saltatio Mortis tut es auch.

Detail Asterix 1 Jubilaeumsausgabe page 48
© ASTERIX®- OBELIX®- IDEFIX® / © 2018 LES EDITIONS ALBERT RENE / GOSCINNY – UDERZO

© der Abbildungen ASTERIX®- OBELIX®- IDEFIX® / © 2018 LES EDITIONS ALBERT RENE / GOSCINNY – UDERZO

90 Jahre Micky Maus

Frontcover_ECC_90-Jahre-MM_
(c) 2018 Disney

90 Jahre Micky Maus

Originalausgabe

Text: diverse

Zeichnungen: diverse

Egmont Comic Collection

Hardcover | 180 Seiten | Farbe | 25.00 €

ISBN: 978-3-7704-3994-2

Die wohl bekannteste Maus der Welt wird 90 Jahre alt und das muss gefeiert werden. Der deutsche Hausverlag des Disney-Imperiums bringt daher ein wohlfeiles Hardcover mit Glückwünschen und Stories heraus.

Da Egmont ja schon einige Erfahrung mit Jubiläumsbänden hat ist auch dieser eine Genuss für Leser*innen, die noch nicht alles haben. Die abgedruckten Stories bieten einen guten Querschnitt da sie aus den Jahren 1936, 1945, 1956, 1968, 1996, 1998, und 2004 stammen. Natürlich sind Floyd Gottfredson/Al Taliaferro und Carl Barks vertreten, auch Romano Scarpa darf nicht fehlen! Über die Auswahl der anderen Zeichner/Autoren kann man streiten. Mit Ulrich Schröder ist immerhin auch ein deutscher (Co-)Zeichner aufgenommen worden. Italien und Skandinavien sind dagegen jeweils zwei Mal vertreten.

Gleich die erste Geschichte ist ein Abenteuer, dass es nur im Comic geben kann: Micky versucht sich als Gärtner und probiert ein Mittelchen aus um seine Pflanzen wachsen zu lassen. Da der Erfolg leider etwas zu gewaltig ist, muss er die Pflanze wieder schrumpfen und verkleinert sich selbst gleich mit. Nach einer netten Interaktion mit einer Wespe gerät Micky in ein Buch mit den Abenteuern von Robin Hood und muss sich in diesem Setting beweisen. Natürlich bleibt Micky der unschlagbare Held und nimmt es sogar mit Richard Löwenherz auf. Pikanterweise trifft er dabei auf Minerva die seiner Minnie wie aus dem Gesicht geschnitten ist…

Detail aus 90 Jahre Micky Maus pg 26
(c) 2018 Disney

Der Hinweis auf Autoren und Zeichner erfolgt leider erst ganz am Ende in dem Quellenverzeichnis. Immerhin enthält es Egmont-typisch auch die Informationen zur Erstveröffentlichung sowohl überhaupt als auch in Deutschland. Immerhin gibt es direkt im Anschluss einen Artikel zu Gottfredson.

Die zweite Geschichte zeigt eine ganz andere Maus. Zu der damaligen Zeit war die Standardisierung der Figuren im Disney-Kosmos noch nicht weit fortgeschritten und so sind zum Beispiel die Ohren deutlich kleiner. Paul Murry zeichnet einen draufgängerischen Micky, der mit weniger Details auskommt, nicht ganz so chaotisch ist, aber auch noch nicht dem Vorstadtbewohner entspricht, der aus Abgrenzung zu Donald aus dem Charakter geworden ist. Auch hier erfolgt ein Beitrag über die Zeit und den Künstler, der eine Einordnung erlaubt.

Die folgende Episode um den roten Hut zeigt schon den heute bekannten Micky während Minnie noch etwas anders als gewohnt daherkommt. Natürlich sind alle bekannten Story-Elemente bereits vorhanden: Minnie ist schon etwas zickig und Micky stellt sich teilweise als Opfer dar. Im Wesentlichen ist das Setting der klassischen Detektivgeschichte aber nicht zu verkennen. Die Geschichte ist aber ein Unikum und daher wert, in diesem Jubiläumsband abgedruckt zu werden, handelt es sich doch um DAS Micky-Abenteuer von Carl Barks. Der folgende Artikel bezieht sich auch auf die begnadete Übersetzerin Dr. Erika Fuchs. Ihr Beitrag zum Erfolg der Geschichten in Deutschland kann sicherlich nicht hoch genug angesetzt werden.

Die folgenden Geschichten sind sicherlich repräsentativ für die „moderne“ Darstellung der Maus im Comic und für sich allemal lesenswert. Sie stellen aber keine Highlights dar und repräsentieren somit ein wenig das Schattendasein, dass die Maus im Vergleich zu ihrem cholerischen und liebenswetten Kollegen Donald führen muss. Trotzdem enthalten auch die Geschichten um den etwas tragischen Charakter immer wieder auch Innovationen wie die Traumsequenzen aus der Geschichte „Der Traumklau“ von den McGreals und Pelaez.

Die „Monstermaus“ von Cochet, Schröder und Rodriguez ist sogar extrem modern und ein Lesetipp!

Insgesamt ist der Band eine gelungene Darstellung der Entwicklung der Maus von einem chaotischen Slapstick-Charakter über einen Vorstadt-Spießer hin zu einem immer noch Innovationen aufgeschlossenen und liebenswerten Charakter.

Detail 90 Jahre Micky Maus pg 62
(c) Disney 2018

Wer wirklich das Potential der Ikone Micky Maus ausloten will, muss auch (!) zu den Hommagen der franko-belgischen Zeichner greifen. Wer wirklich etwas über die Künstler wissen will, muss zu Sekundärliteratur über die Zeichner greifen (wie dem gerade neu aufgelegten Bändchen über die Zeichner hinter der Signatur Walt Disney. Wer aber einfach nur Geschichten über die letzten 90 Jahre von Micky Maus in Deutschland genießen möchte ist mit diesem Band bestens bedient!

Was passt zu einem Band mit über 190 Seiten? Definitiv etwas, das lange Zeit benötigt um zu reifen: Setzt also einen Cold Brew Coffee an, genießt ein wenig von dem Comic, füllt ab und um, lest weiter und trinkt das leckere Resultat bei den letzten Geschichten! Hören könnt ihr dabei alles, was nicht ablenkt – Easy Listening oder Lounge würden sich anbieten.

© aller Abbildungen 2018 Disney