Swysen/Bazile – Chaplin

Ein Leben für den Film

Autor: Bernard Swysen

Zeichner: Bruno Bazile

Originaltitel: Les étoiles de l´histoire: Chaplin

Panini Comics

Hardcover | 88 Seiten | Farbe | 20,00 €

ISBN: 978-3-7416-1951-9

Ein schwieriger Mann

Biografien sind prinzipiell immer spannend: die beschriebenen Personen haben etwas Besonderes und taugen daher als Vorbild oder zur Abschreckung. Zudem müssen sie bekannt genug sein um potenzielle Käufer*innen anzulocken, denn der Verlag will ja schließlich auch leben. Es ist also sehr wahrscheinlich, dass sich um die Person entweder Mythen ranken oder aber Skandale.

Bei Charles Chaplin ist es eine Mischung aus allem: Ein berühmter Schauspieler und Regisseur, der es irgendwann geschafft hat aus der Stummfilmzeit in die Moderne zu wechseln, mit der Figur des Tramp ein „Erfinder“ im Bereich der Comedy, als Mitbegründer der „United Artists“ ein Pionier des Autorenkinos und ein skandalumwitterter Lebemann der mehrfach Minderjährige heiraten musste um die Schwangerschaft zu legalisieren.

Bernard Swysen beschreibt den Menschen dahinter sehr liebevoll. Beginnend mit seinem Start in einfachen und immer einfacher werdenden Verhältnissen und Rückschlägen in der Theaterkarriere erzählt er das Hadern des jungen Chaplin mit seiner Heimat England und seiner traditionellen Strenge. In Amerika fand er Weite, Anerkennung und das Gefühl, dass jede*r etwas werden kann.

Swysen beschreibt aber auch die Enttäuschungen, die Charles mit seinen Frauen erlebte. Irgendwie waren seine ersten Ehefrauen immer nur hinter dem Geld, dem Glamour und der Abfindung her. Die Kritik an Chaplin, der sich immer wieder mit jungen, minderjährigen Mädchen vergnügte und damit die Grundlage für das spätere Verhalten selbst zu verantworten hatte, wird zwar erwähnt, hätte aber auch prominenter seien können. Seine übertriebene, fast schon zwanghaft Akkuratesse wird dagegen deutlich und lässt erahnen, warum er oft genug mit sadistischen und diktatorischen Zügen beschrieben worden ist.

Neben der glücklichen Zeit mit Oona, seiner wohl vierten Frau, stehen auch seine Filme und ihre Rezeption sowie die Vorwürfe im Nachkriegsamerika wegen angeblicher Zersetzung und kommunistischer Ideen im Mittelpunkt. Schließlich erklärte sein Wunschland, dass es ihn nicht mehr wolle und so wurde die Schweiz zu seinem Refugium.

Die Zeichnungen

Bruno Bazile ist in Frankreich durchaus bekannt, hat er doch unter anderem die Geschichten um Sarkozix verfasst. Da diese sich aber mit französischer Innenpolitik beschäftigen ist eine Übersetzung kaum wahrscheinlich. Aber er ist auch noch für ein paar andere Serien verantwortlich. In dieser Graphic Novel beweist er, dass er sich nicht zu verstecken braucht. Seine Zeichnungen von Chaplin und seinen Begleitern erlauben es, die Figuren altern zu sehen. Auch bekannte Schauspieler wie etwa Douglas Fairbanks und natürlich sowohl der „echte“ Chaplin als auch seine Filmfiguren sind gut getroffen.

Regelmäßige Leser*innen von comix-online wissen, dass eines meiner Qualitätskriterien die Mundpartie ist. Oft genug fällt den Künstler*innen nichts anderes ein, als immer wieder die gleiche Lippenstellung mit einer weißen Füllung zu präsentieren. Bazile bietet zwar auch noch etwas Luft nach oben hin zu einer realistischen Darstellung, ist aber sehr flexibel und trifft fast immer den richtigen Ausschnitt und Winkel!

Die Ausgabe

Ansonsten bewegt sich der Band mit seinen 70 Comic-Seiten auf klassischen frankobelgischen Pfaden. Ruhiges Layout, detaillierte Hintergründe und durch das Überformat auch visuell sehr ansprechend! Dankenswerter Weise gibt es auch noch einen Anhang mit einer Übersicht aller Filme von Charles Chaplin, übersichtlich sortiert nach Jahr und Studio und ein paar Fotos aus seinem Leben. Insofern eine runde Sache!!

Dazu passen eigentlich eher dramatische Klänge ohne Gesang, am besten mit ein wenig Knistern. Wäre mir aber ehrlich gesagt zu langweilig ohne den dazu laufenden Film. Daher also in Erinnerung an den gerade verstorbenen Toots Hibbert die Empfehlung für Toots & the Maytals mit „Reggae Got Soul“ und dazu ein Gin Tonic!

© der Abbildungen 2020 Panini Verlags Gmbh / DUPUIS 2019, by Swyers, Bazile | Charlie Chaplin TM © Bubbles Inc. S. A.

Smith/Duursema – Avatar

Avatar – Tsu’Teys Pfad

Story: Sherri L. Smith (nach James Camerons Film)

Zeichnungen: Jan Duursma, Doug Wheatley (Brüder)

Originaltitel: US-Avatar: TsuTey’s path 1 – 6, Avatar – Brothers (from Free Comic Book Day 2017)

Panini Comics

Broschur | 148 Seiten | Farbe | 18,00 €
ISBN: 
978-3-7416-1432-3

James Camerons Avatar von 2009 ist immer noch einer der erfolgreichsten Filme der Welt und eröffnete tricktechnisch ganz neue Horizonte. Was folgt aus einem Blockbuster? Richtig: die große Maschine läuft an und neben Merchandising erfolgt eine Zweitverwertung in Comic und Literatur und aus einem Film wird eine Reihe. Bei Avatar hat das alles ein wenig länger gedauert als üblicherweise und so handelt es sich bei Tsu’Teys Pfad tatsächlich um die erste offizielle Comicveröffentlichung.

Der Inhalt

Auf dem Mond Pandora wohnen die Na’Vi im Einklang mit der Natur. Obwohl sie keine Vegetarier sind und sich von gejagten Tieren ernähren, stehen sie doch mit ihrer Umwelt und allen anderen Lebewesen in direktem Kontakt. Sie können sich über eine Art außen liegender Synapsen mit anderen Lebewesen und Pflanzen verbinden und darüber Gefühle und Gedanken austauschen. Ihre Lebensweise kommt der Vorstellung eines Paradieses wohl relativ nahe. Natürlich gibt es Gefahren und auch Tod, das Ganze ist aber im Rahmen einer akzeptierten Ordnung.

Gestört wird das gesamte Gefüge durch die Menschen. Sie haben entdeckt, dass der Mond Bodenschätze beherbergt, die abgebaut werden sollen. Wie so üblich interessieren ökologische Aspekte bei wirtschaftlich getriebenen Projekten herzlich wenig und so wird der Abbau durch militärische Aktionen begleitet und die Vernichtung des ökologischen Systems steht bevor. Sollte sich jemand an die Ereignisse im Regenwalt erinnert fühlen?

Die Menschen haben es geschafft, Avatare zu erschaffen. Menschen können einen Körper steuern und sich somit in das Leben des Stammes der Omatikaya „einschleichen“. Die Himmelsmenschen werden zwar als Traumwanderer erkannt, sind aber trotzdem Teil des Alltags. Ihre Aufgabe ist es, die Aktionen zu unterstützen, den Widerstand zu spalten und schlussendlich auszuschalten. Auch Jake Sully ist einer dieser Grenzgänger, verliebt sich aber in eine der Na’Vi – Neytiri – und zweifelt an seinem Auftrag.

Im Gegensatz zum Film wird die bekannte Story aus anderer Perspektive erzählt. Tsu’Tey ist einer der größten Krieger der Omatikaya und traut den Traumwandlern nicht. Eigentlich würde er sie gerne töten, muss aber hinnehmen, dass sie Teil der Stammesgemeinschaft werden. Als es zum Kampf kommt wird diese Kooperation aber auf eine neue Probe gestellt.

Zusätzlich ist auch noch die Kurzgeschichte Brüder abgedruckt; Bei ihr handelt es sich eher um eine Fingerübung für Sherry L. Smith: Verschmelzungen zwischen Na’Vi und Tier, Gefühlsübertragung und Action. Das scheint hilfreich gewesen zu sein, denn ihr Aufbau der Geschichte ist sehr stringent und logisch. Nicht immer ist es einfach, eine bekannte Story neu zu erzählen, weil der Spannungsbogen anders trägt. Ihr gelingt es aber in einer sehr lesenswerten Version die zwischen „privaten“ und kämpferischen Stellen sehr geschickt wechselt.

Die Zeichnungen

Auch Jan Duursma ist nicht unbekannt im Bereich der Comicadaptionen von filmischer Science-Fiction. Ihm gelingt es (für mich ehrlicherweise unerwartet) gut, die 3-D animierten Na’vi in zweidimensionale Bilder zu übertragen. Landschaft, fremdartige Wesen und auch die Humanoiden Handlungsträger sind ansprechend und „anders“ genug! Bei einigen Hintergründen wirken die Figuren allerdings wie draufkopiert. Insgesamt ist das aber eine gute Leistung!

Das Seitenlayout ist eine gute Mischung aus traditioneller Erzählweise und komponierten Bildern mit komplexerer Struktur. Kein innovatives Feuerwerk, aber das wäre bei einem Blockbuster, somit also bei einem Mainstreamwerk eher hinderlich!

Fazit

Gelungener Auftakt der Reihe mit Geschichten aus dem Avatar-Universum! Im Laufe der nächsten Jahre werden nicht nur drei neue Filme auf den Markt kommen, sondern auch ihre Adaptionen und wahrscheinlich auch begleitende Geschichten. Wir können gespannt sein! Wie immer gehören natürlich auch alle Cover zum Lieferumfang

Dazu passen die sehr melodischen Guitar Gangsters die mittlerweile auch schon über 30 Jahre dabei sind und ein Red Ale.

© der Abbildungen 2020 Panini Verlags GmbH / Twentieth Century Fox Film Corporation

Regnauld/Seiter – Das Herz des Zorro

Das Herz des Zorro

Story: Roger Seiter
Zeichnungen: 
Pascal Regnauld

Originaltitel: Balle tragique pour une série Z

Schreiber und Leser

Hardcover | 64 Seiten | Farbe | 16,95 € |

ISBN:  978-3-96582-002-9

Eine der besonders netten Reihen bei schreiber & leser ist mit Nachtprogramm betitelt. Hier erscheinen aus dem Rahmen fallende Einzeltitel für Entdecker*innen und abenteuerlustige Leser*innen. Das Herz des Zorro ist darunter die aktuellste Veröffentlichung.

Der Inhalt

Wir springen in das Jahr 1957, mitten in den heißen Sommer. Jimmy White ist einer der typischen mittelmäßigen Männer dieser Zeit. Er hat schon als Stuntman gearbeitet, als Double und aktuell hat seine Agentin ihn als Statisten für die Disney-Serie Zorro untergebracht. Der Job ist nicht sehr anspruchsvoll, seine Frau ist vor kurzem verschwunden und die Polizei, genauer gesagt ein Detective glaubt, dass White sie umgebracht habe. Außerdem ist da noch die Sache mit dem Geldverleiher…

Bei einer Drehszene wird unser Held vom Star der Serie mit einem Degen verletzt, auf eine Kolumnistin wird ein Attentat verübt und ein Sternchen wird ermordet. Natürlich hofft Jason Boyd, dass er alle diese Verbrechen dieses Mal aufklären könne, und ist fest davon überzeugt, dass nur Jimmy als Täter in Frage kommen kann.

Glücklicherweise hat Jimmy aber auch noch seine Agentin Brenda, die bereit ist, viel mehr zu tun als üblich. Roger Seiter gelingt es, in dieser Story einerseits das Flair des klassischen Noir-Thrillers aufleben zu lassen. Andererseits tauchen aber auch viele der bekannten Gesichter des Filmbusiness der End-Fünfziger auf und die Studioatmosphäre wird perfekt wiedergegeben. Die Handlung läuft dabei ab wie ein Film.

Der gebürtige Straßburger Seiter ist im französischen Comic wahrlich kein Unbekannter, sein Werk hat es aber bisher im Wesentlichen nicht in die deutsche Sprache geschafft. Schade eigentlich.

Die Zeichnungen

Pascal Regnauld ist hierzulande bekannter, zeichnet er doch seit dem 10. Band an den Geschichten von Inspektor Canardo mit.

Er nimmt das filmische in seinen Zeichnungen auf und kombiniert Totale mit Weitwinkel und schnellen Schnitten auf schwarzem Hintergrund.

Die Figuren sind leicht grotesk überzeichnet und in den Details reduziert. Umso wesentlicher ist die ebenfalls von Regnauld ausgeführte Kolorierung, die mit Schattierungen Kontur gibt. Gedämpfte Farben ermöglichen ein sehr stimmiges Ambiente für diesen Thriller, dem man nicht auf den ersten Blick ansieht, dass er aus diesem Jahrzehnt stammt!

Die Empfehlung

Braucht ihr noch ein kurzfristiges Weihnachtsgeschenk? Wenn ja, mit diesem Band macht ihr nichts falsch für Filmfans, Noir-Adicts und Leser*innen guter Geschichten.

Der Band ist erschwinglich, gut verarbeitet und wertig, im Zweifel nicht bereits vorhanden, da doch eher aus einem Nicht-Mainstream-Verlag, und vor allem wirklich gut!

Dazu passen Madness mit ihrer neuen Single „The Bullingdon Boys“ und ein klassischer Whisky Sour!

© der deutschen Ausgabe 2019 Scheiber&Leser

© der Abbildungen Éditions Glenat 2019 by Roger Seiter & Pascal Regnauld

Houser/Stott: Doctor Who

Der Dreizehnte Doctor: Ein neuer Anfang!

Story: Jody Houser

Zeichnungen: Rachael Stott, Giorgia Sposito

Originaltitel: UK-Titan Books: Doctor Who: The thirteenth Doctor Vol 1 & Free Comic Book Day Issue, 2019

Panini Comics

Klappenbroschur | 132 Seiten | Farbe | 17,00 €

ISBN: 978-3-7416-1437-8

Eine kurze Einführung

Dr. Who ist so britisch wie Fish & Chips oder Salt and Vinegar Crisps, hat aber auch außerhalb der Insel eine immer größere Fangemeinde. Die erste Folge dieser Kult-TV-Serie wurde am 23. November 1963 ausgestrahlt und der erste Doctor verstarb bereits 1975. Während andere Serien sich mühsam über nächste Generationen hangeln mussten, übernahm hier einfach der nächste Doctor als weitere Inkarnation des vorherigen und so amtiert seit zwei Jahren der mittlerweile Dreizehnte. Und da sich selbst in Good Old England alles ändert ist „er“ erstmals weiblich: Jodie Whittaker verkörpert den Doctor recht erfolgreich. Die Comics folgen der TV-Serie mit ihrem Personal und so sind nun auch in Deutschland die hier bei Panini erscheinenden ersten Bände des (oder der?) dreizehnten Doctors erhältlich.

Der Doctor ist ein Timelord, ein Außerirdischer, der mit seiner Zeitmaschine in der Zeit reisen kann. Diese wird TARDIS genannt und sieht auf der Erde aus wie eine Polizeinotrufsäule, für Nicht-Engländer in etwa also wie eine Telefonzelle. Die TARDIS ist nicht nur eine Maschine sondern scheint auch eine Art KI zu sein und weiß daher auch von Zeit zu Zeit, wann sie ungerufen aufzutauchen hat. Und da das Alleinsein uncool ist hat der Doctor auch immer Begleiter*innen um sich.

Der Inhalt

Der dreizehnte Doctor und ihre Truppe werden bei der Betrachtung eines besonderen Himmelsschauspiels von einem Mann gestört, der vom Himmel fällt. Sie beschließen, der Sache auf den Grund zu gehen und gelangen mit Hilfe der TARDIS in das Reich des Sammlers. Dieser – ebenfalls ein Außerirdischer – hat zwei Menschen gezwungen, für ihn wertvolle Kunstschätze zu stehlen. Zusätzlich hat er noch ein paar Kinder in seiner Gewalt.

Der Timelord kann so eine Verfehlung natürlich nicht durchgehen lassen und daher geht es nun darum, den Sammler zu überlisten, die gefangenen Kinder unversehrt zu befreien und wenn möglich auch noch die Diebe wider Willen zu retten. Die Begleiter*innen, die ebenfalls neu und somit unbekannt sind, werden dabei mit ihren Eigenarten geschildert und dürfen sich profilieren.

Die Bonusstory des diesjährigen Free Comic Book Days zeigt die multinationale und diverse Truppe auf einem Rummel. Leider gibt es eine besondere Regel beim Wurfstand: Der Verlierer – also eigentlich jeder Teilnehmer – wird Bestandteil des Gewinnsortiments und geht in den Besitz des Budenbesitzers über. Das ist mal eine ganz andere Art der Jahrmarktsblamage…

Die Umsetzung

Technisch ist an der Klappenbroschur des Panini-Verlages nichts auszusetzen: Vernünftige Bindung, gutes Papier, satte Farben und sogar Glanzlackapplikationen auf dem Umschlag!

Auch storytechnisch gefallen mir die beiden Geschichten von Jody Houser, die sich ihre Meriten u. a. mit Star Wars, Spider-Man und Stranger Things redlich verdient hat: spannend, humorvoll und gut getimed. Auch Giorgia Sposito, die die Bonusgeschichte gezeichnet hat, liefert eine gute Leistung ab! Sie ist noch jung und steht am Anfang ihrer Karriere, wird aber in diesem Segment sicherlich eine brillante Zukunft haben. Enttäuschend sind dagegen die Zeichnungen von Rachael Stott. Auch Rachael hat eigentlich eine ganz beeindruckende Liste von Titeln in ihrer Liste, die Einfühlung in Dr. Who gelingt aber nur suboptimal. Die Titelheldin sieht fast in jeder Zeichnung anders aus; ihr geschätztes Alter reicht von etwa 15 bis 40 und das Gesicht geht von rundlich über länglich hin zu fast spitz. Auch die Haare wirken manchmal wie frisch gewaschen und sehen direkt im nächsten Bild fettig aus. Schade eigentlich, denn die anderen Figuren sind ganz ordentlich geraten und Dekors und der Sammler sogar gut. Ansonsten gibt es das typische „Heft-Layout“ mit Soundwords und bunten Knalleffekten in üblicher Qualität.

Natürlich gibt es wieder eine Galerie der Titelbilder der verschiedenen Ausgaben als Bonus und eine Einführung in die Charaktere der Doktrin und ihre Begleiter*innen.

Dazu passen ein englisches Bitter und The Carrols mit z. B. Surrender Your Love.

© der Abbildungen 2019 BBC c/o Panini Verlag, Stuttgart

Game of Thrones – Königsfehde 1

George R. R. Martin – Königsfehde 1 – Das Lied von Eis und Feuer

Story: Landry Q. Walker nach George R. R. Martin
Zeichnungen: 
Mel Rubi

Originaltitel: A Clash of Kings: The Graphic Novel: Volume 1

Panini Comics
Klappenbroschur | 192 Seiten | Farbe | 20,00 €
ISBN: 
978-3-7416-1234-3

Cover Koenigsfehde Teil 1

Alle sieben Staffeln von Game of Thrones zum wiederholten Male gesehen und die Bücher gelesen und trotzdem ist es noch nicht Mitte April? Was soll man bloß tun, um die Wartezeit bis zur finalen Staffel zu überbrücken? – Eine sehr gute Idee könnte es sein, einen Blick in die bei Dynamite veröffentlichte Comic-Adaption von Walker und Rubi zu werfen! Der erste Teil des zweiten Originalromans Königsfehde ist gerade auf Deutsch erschienen! Neben der regulären Paperback-Ausgabe ist das Ganze auch als Hardcover für 29,00 € erhältlich.

Der erste Roman in der Umsetzung von Daniel Abraham und Tommy Patterson ist in 24 Folgen, verteilt auf vier deutsche Bände, zwischen 2012 und 2015 ebenfalls von Panini verlegt worden.

Landry Q. Walker gelingt es mit dem ersten Band von Königsfehde, eine eigenständige Version der hinlänglich bekannten Geschichte zu erzeugen. Er nimmt sich viel Zeit für die einzelnen Sequenzen und wechselt ständig zwischen den Schauplätzen. Naturgemäß sind viele Bestandteile des Romans in Regieanweisungen für den Künstler übertragen worden um die Texte entzerren zu können. Die Menge der lesend aufzunehmenden Information steht dadurch in einem guten Verhältnis zu dem grafischen Eindruck.

Detail Koenigsfehde Teil 1

In der Vergangenheit hat Walker bereits einige Serien unter anderem von DC oder Image geschrieben und auch mit Dean Coontz zusammengearbeitet. Mel Rubi hat ebenfalls schon eine lange Liste von Veröffentlichungen, hauptsächlich für Marvel und Dark Horse. Beide sind also im US-Markt zwar keine Superstars aber auch alles andere als Durchschnitt. In dieser Serie zeigen sie, warum.

Mel Rubi setzt das Szenario perfekt um. Es ist schwierig, sich den bildlichen Vorgaben der Megaserie von HBO zu entziehen, denn fast jede*r „kennt“ Tyrion, Cersei oder Jon Snow. Ruby ist mit seinen Zeichnungen viel näher am Original der Romane, schließlich muss er auch keine Schauspieler*innen finden, die der Beschreibung entsprechen. Seine Figuren sind aber immerhin nahe genug am Bild der TV-Serie um erkannt zu werden. Meiner Meinung nach sind die gelungensten Interpretationen Daenerys, die die Durchquerung de Wüste zu bewältigen hat, Tyrion, der seinen Posten als Hand des Königs gegen alle Widerstände zu verteidigen hat und in der Spinne Varys einen Freund findet sowie Arya, die auf ihrer Flucht vor König Joffrey mit dem Treck zur Mauer die Schrecken des Krieges kennenlernen muss. Alle Drei weisen deutliche Abweichungen zu ihrer TV-Erscheinung auf: Die Mutter der Drachen ist deutlich jünger und nach ihrer Feuerprobe auch ohne Haare, entwickelt sich aber zu der Anführerin, die später tatsächlich Anspruch auf den Eisernen Thron erheben wird. Der Zwerg ist sogar noch kleiner und verlebter, zeigt aber mit jeder Faser einen unbändigen Überlebenswillen und vor allem den Wunsch, Westeros zu dienen und das (Über-)Leben seiner Bewohner*innen vor die Interessen seiner Familie zu stellen. Arya schließlich war schon immer nicht die Hohe Tochter, darf aber hier zusätzlich das verängstigte, junge Mädchen sein, das gezwungen ist, hart zu werden um zu überleben.

Detail Koenigsfehde Teil 1

Auch die Rückkehr Theons auf die Eiseninseln und die Begegnung mit seinem Vater ist perfekt in Bilder gekleidet. Stannis Baratheon ist genau der sauertöpfische Widerling, den ich mir beim Lesen der Romane vorgestellt habe und Sam Tarly deutet an, dass er über sich hinaus wachsen wird…

Und es gibt noch einen Unterschied zu Buch und Serie: Der Comic lässt nicht aus, legt aber wesentlich weniger Wert auf die Darstellung von Gewalt oder Sex.

Falls jemand den Inhalt tatsächlich nicht kennen sollte: Der König des Landes Westeros ist tot und fünf potentielle Nachfolger kämpfen um den Thron. Gleichzeitig droht aus dem Norden eine neue Gefahr: Neben den sogenannten Wildlingen von jenseits der Mauer marschiert eine Armee von Wiedergängern unter dem Nachtkönig gegen das Reich der Lebenden. Und: in der Vergangenheit hatte ein Herrscherhaus insbesondere aufgrund seiner Drachen geherrscht. Mit der Tötung aller Drachen war auch die Macht des Hauses Targaryen gebrochen. Nun aber hat Daenerys, die letzte ihres Geschlechts, drei lebende Drachenjungen und versucht eine Armee aufzustellen, um ihr Reich zurück zu erobern. Während der Autor George R. R. Martin fünf Bände des Liedes von Eis und Feuer geschrieben hat, die die Grundlage der Fernsehserie bilden, sind die letzten Staffeln die Grundlage für noch zu schreibende Bücher.

Detail Koenigsfehde Teil 1

Für Fans von Game of Thrones ein Must-Have! Für alle Fantasy-Leser*innen, die es bisher irgendwie geschafft haben, dem Hype zu entgehen, ist jetzt die perfekte Gelegenheit, den Widerstand aufzugeben und einzusteigen. Und alle, die zwar den US-Stil mögen, die typischen US-Storylines aber eher nicht, sollten ebenfalls einen Blick riskieren. Hoffentlich darf dieses Team auch den nächsten Band umsetzen.

Wie bei Panini üblich, wird das Ganze natürlich mit dem Abdruck einzelner Originalcover abgerundet. Das Team hat sich dabei für die Dynamite-Abo-Variants entschieden die hier eher selten zu bekommen sind.

Dazu passen Rotwein (den guten Dornischen wird es hier allerdings nicht geben) oder die GoT-Sonderedition von Talisker und guter alter Rock’n‘Roll, etwa von Motörhead.

© 2019 George R. R. Martin, Panini Comics für die deutsche Ausgabe

Aquaman – Der Thron von Atlantis

Aquaman – Der Thron von Atlantis – Die Inspiration zum Kino Blockbuster

Story: Geoff Jones
Zeichnungen: 
Paul Pelletier, Ivan Reis

Originaltitel: Justice League (2011) 15-17, Aquaman (2011), 15-16

Panini Comics
Prestige | 132 Seiten | Farbe | 14,99 €
ISBN: 
978-3-7416-1031-8

Cover Aquaman - Der Thron von Atlantis

Der seit Dezember 2018 in den Kinos recht erfolgreich laufende „Aquaman“ ist der aktuelle Film des DC Extended Universe mit Jason Momoa in der Titelrolle. Inspiriert wurde der Film durch die hier besprochene Story von 2011.

Aquaman ist Gründungsmitglied der Justice League und damit fester Bestandteil der DC Heldenvereinigung, die regelmäßig Schurken bekämpft und Probleme löst. Er hat allerdings ein Problem, denn Arthur Curry – so sein richtiger Name – ist der Sohn eines Menschen und einer atlantischen Prinzessin. Als solcher kann Arthur zwar unter anderem unter Wasser atmen, sich mit allen Meereslebewesen verständigen und besonders schnell schwimmen, er ist aber kein „reiner“ Atlanter und somit nicht von allen Wasserwesen akzeptiert. Aber auch seine Mitstreiter Batman, Superman und Wonder Woman zweifeln immer mal wieder gerne, ob er sich wirklich der menschlichen Seite anschließen wird oder doch den Atlantern.

Als sich Orm, der Halbbruder Aquamans und aktueller Herrscher in Atlantis, nach einem Angriff mit Marschflugkörpern auf die Zivilisation in der Tiefe entschließt, amerikanische Küstenstädte anzugreifen um es den Landbewohner heimzuzahlen, müssen die Superhelden alle Kräfte aufbieten um die Opferzahlen nicht zu hoch werden zu lassen.

Detail aus Aquaman - Der Thron von Atlantis

Im Laufe der Auseinandersetzungen stellt sich heraus, dass Orm genauso manipuliert wird wie auch menschliche Beteiligte und dass ein ganz anderer Gegner im Hintergrund die Fäden zieht. Trotzdem stellt sich die Frage der Bestrafung, schließlich wurden ja Menschen geschädigt. Die Frage sei erlaubt, ob die gleiche Logik bei einer Reaktion auf einen Angriff auf menschliche Stätten und einer scheinbaren Reaktion gegen den scheinbaren Feind angewendet worden wäre. Wenn ja, müsste der eine oder andere amerikanische Präsident sich wohl verantworten…

Der Comic bietet rasante Action, brillante Monster und epische Schlachten in Kino-Popcorn-Manier und Überbreite. Alle Beteiligten leben ihren emotionalen Background komplett aus und neben den „Hilfstruppen“ der Justice League – besonders liebenswert Element Woman – hat auch Mera einen starken Auftritt. Wer also den Film schon gesehen hat, darf getrost den Hintergrund erlesen. Wer den Film noch sehen möchte, die Zweitverwertung beginnt ja bald, kann den Comic getrost lesen, da es genügend Unterschiede gibt.

Jones liefert solide Superheldenkost ab und erlaubt im Hintergrund ein paar Fragestellungen über die Legitimation von Gewalt. Ob sie allerdings wirklich gestellt werden sollten oder ob sie sich nur bei einem nicht patriotisch nationalistischen Leser aufdrängen, sei mal dahingestellt. Das Artwork ist teilweise grandios, die atlantischen Hilfstruppen überzeugen mit ihrer Mischung aus Tiefseestyle und überzeichneten Beisserchen und selbst die Gesichter in Nahaufnahmen wissen durchaus zu überzeugen.

Detail aus Aquaman - Der Thron von Atlantis

Insgesamt also sehr gediegene Kost! Die Übernahme eines Filmmotivs als Covermotiv hilft, den Zusammenhang zwischen den beiden Welten des DC Universe herzustellen und für die Fans sind die „richtigen“ Originalcover selbstverständlich im Anhang abgedruckt.

Dazu passen Popcorn, Cola und Charts!

© der Abbildungen 2013, 2018 DC Comics, c/o Panini Verlag

Hilda – Comics für Kinder

Hilda

Story: Luke Pearson
Zeichnungen: 
Luke Pearson
Originaltitel: Hilda

5 Bände bei Reprodukt 
Großformat | je 36 Seiten | Farbe | 18,00 €

2 Bände bei Reprodukt 
Softcover | je 40 Seiten | Farbe | 13,00 €

13 Folgen auf Netflix
Je 24 Minuten| Staffel 1 – 2018

cover Hilda und der Troll

Hilda ist ein Mädchen. Sie hat blaue Haare, ist unerschrocken, neugierig und immer bereit, sich auf etwas Unerwartetes einzulassen. Hilda hat ihren eigenen Willen. Hilda hat einen Hund. Hilda ist also genau die Heldin, die nicht nur Eltern, sondern vor allem Kinder in Geschichten lieben. Luke Pearson ist gelungen, was nur Wenige schaffen wie etwa Astrid Lindgren oder Sven Nordquist: Auch visuell wirkende Hauptfiguren für das Lese- und Seh-alter ab 6 Jahren. Nachdem der Berliner Reprodukt-Verlag in seinem Kindercomic-Programm Hilda schon seit einigen Jahren pflegt und zum Beispiel auch über den Gratis-Comic-Tag 2017 kräftig Werbung macht, ist Hilda jetzt plötzlich der Star vieler Feuilleton-Beiträge denn Netflix hat eine Serie daraus gemacht.

Hilda liebt Tiere und kann sich mit Ihnen verständigen. Sie ist aber auch fähig, die Wesen zu sehen, die andere nicht wahrnehmen: Trolle, Riesen, Wolkenartige und Wassergeister. Sie zeigt keine Angst, sondern ist bereit, die Welt der anderen zu verstehen, sieht die Gefahr, die von den achtlosen Erwachsenen ausgelöst wird und versucht zu vermitteln.

Detail aus Hilda und der Troll

Spielen die ersten beiden Bände noch im Wald und damit in einer der kindlichen Lebenswelt eher fremden Umgebung, müssen Hilda und ihre Mutter danach in die Stadt umziehen und erlauben somit Abenteuer, die aufgrund der bekannteren Umgebung direkt die kindliche Phantasie anregen können.

Pearsons Figuren haben klare Konturen, große Augen und nicht zu viele Details. Emotionen und Geschwindigkeiten werden in einfacher Bildsprache vermittelt so dass auch noch-nicht-Selbstleser gut folgen können. Die Bildaufteilung orientiert sich grundsätzlich am klassischen Raster, hat aber immer wieder ganzseitige Layouts und ist daher sehr abwechslungsreich.

Logo Netflix Hilda

Hier gibt es den Trailer von Netflix.

Die Umsetzung auf Netflix ist gut gelungen, insbesondere wurde die Altersgruppe erfreulicherweise getroffen. Hilda ist noch etwas kantiger und grobflächiger als im Comic, bewegt sich aber nicht so cartoonhaft wie etwa Heidi in der Umsetzung der 80-er Jahre. Der Charme der Geschichten bleibt erhalten und über die filmische Präsentation wird wahrscheinlich sogar ein noch größeres Publikum erreicht. Es bleibt zu hoffen, dass Eltern nicht nur auf die filmische Version setzen, sondern zusätzlich zu dem einen oder anderen Comic greifen, schon allein um den Kindern das Verstehen von gedruckten graphischen Erzählungen beizubringen.

Dazu passt Früchtetee, natürlich ungesüßt.

Abbildungen Hilda und der Troll © 2013 – 2018  Reprodukt

Abbildung Netflix-Logo © 2018 Netflix, Inc.