Lucas Museum of Narrative Art

A sweeping journey through the images that tell our stories

Herausgeber/Autor: Jessica Hundley

Mit Beiträgen von: George Lucas, Guillermo del Toro, Ryan Linkof

Originalausgabe

Taschen Verlag

Hardcover 2 Bände im Schuber | 832 Seiten | Farbe | 175,00 € | ISBN: 978-3-7544-0564-2 (EN)

Cover Lucas Museum of Narrative Art
Art © Don Maitz

George Lucas hat ein eigenes Museum for Narrative Art eröffnet. Das ist zunächst schon mal eine gute Nachricht, denn sie enthält die Mitteilung, dass das, was eine der bedeutendsten Geschichten der Science-Fiction hat entstehen lassen, nachvollziehbar wird. Die Nachrichtensendungen transportieren diese Meldung, zeigen die wunderschöne moderne Architektur des Museumsgebildes mit seinen 30 Galerien, und verweisen auf die Person des Stifters und dass sein Kunstbegriff auch unterhaltende Kunst umfasst. Das ist die eine Seite!

Die andere ist, dass hinter diesem Museum und seiner Eröffnungsschau eine Theorie der erzählenden Kunst steht, die so ausführlich und anschaulich dargestellt ihrer Gleichen sucht. Es gibt viele Sammler*innen von Kunstwerken. Viele von ihnen sammeln sogar mit einem Ziel: ein*e Künstler*in, eine Richtung, eine Geografie, ein Thema, oftmals weiter eingeschränkt. George Lucas hat im Laufe der Jahre 40.000 Artefakte gesammelt, die ihn berührt haben, ohne auch nur ein einziges davon wieder zu verkaufen. Diese persönliche Motivation hat dazu geführt, dass die Werke sich in einer Weise ähnelten, die es erlaubte, eine Theorie damit zu unterfüttern.

Alle diese Kunstwerke erzählen eine Story, unterfüttern sie oder stellen sie in Frage, selbst wenn das des Schaffenden nicht immer ausdrücklich klar war!

Ein Bild ist neutral?

Keinesfalls! Ein Bild steht fast immer in einem Zusammenhang. Es normiert Erwartungen, schafft einen Rahmen des Erwartbaren, Erlaubten, Frivolen, … Selbst eine Flucht in eine romantische Landschaft, ein abstraktes Muster, ein Stillleben ist eine Aussage, erst recht die Darstellung einer soziologischen Begebenheit.

Das fängt bei den Geschichten für Kinder an: Ist es eine heile, konservative Welt mit einem normierten Familienbegriff? Oder gibt es Patchworkhintergründe und queere Eltern? Sind die Kinder gemischt nach Ethnien, Geschlecht und Alter oder separiert? Alle diese scheinbar unwesentlichen Details bilden den Hintergrund der ersten Prägung, die nicht von den Eltern ausgeht und damit quasi objektiv wahrgenommen wird. Die Darstellung der heilen Familie in der Vorstadt (Stichwort: Tradwives) unterscheidet sich von der Influencer-Welt, der Schichtarbeit, der Land-WG. Es ist aber nicht nur die Darstellung, die sich unterscheidet, es ist auch der damit bezweckte Impetus.

Lucas Museum of Narrative Art drawing from Rockwell
Norman Rockwell
Age of Romance, cover for The Saturday Evening Post,
November 10, 1923. Oil on canvas, 30 x 24 in. (76.2 x 61 cm)

Ganz plump ausgedrückt: Unterstützen das Bild und seine Narration die herrschenden Verhältnisse, stellen sie sie in Frage oder rufen sie gar zu einer revolutionären Aktion auf? Es ist wichtig, sich der Tatsache bewusst zu sein, dass Bilder in einem Kontext lesbar sind.

Der Massendruck bot eine Möglichkeit, dieses Medium in viele Haushalte zu bringen, die Rezeption war aber immer noch individuell: beim Zeitung-/Magazinlesen, beim Betrachten des Kunstdruckes an der Wand, beim Durchblättern eines Bildbandes.

Vom Individuum zur Gruppe

Jede individuelle Rezeption mag Folgen haben, sie mag sogar im Gespräch mit Anderen Unterstützung finden und somit kollektive Entscheidungen beeinflussen; das ist aber kaum planbar. Anders ist es mit öffentlichen Präsentationen: ein Mural (Wandbild) erreicht nicht nur die gesamte Nachbar*innenschaft, sondern zieht vielleicht sogar Auswärtige an, eine Ausstellung, noch mehr ein Film garantiert eine Gleichzeitigkeit des Erlebens und ermöglicht dadurch Interaktion und kollektive Beeinflussung.

Das soll im Übrigen keineswegs nur negativ klingen! Eine Unterstützung von Tierschutz und Umweltbewusstsein, eine Änderung im täglichen Verhalten wie Mülltrennung, Aufklärung über krankheitsfördernde Umstände sind – zumindest für mich – sehr positive Folgen dieser subtilen, aber wirksamen Präsentation von narrativer Kunst. Nicht zuletzt basiert unsere demokratische, freie Gesellschaft auf der Interaktion und der Vereinbarung auf das Beste für Alle.

Ein weiterer Aspekt kommt hinzu: Gemalte Bilder und erschaffene Skulpturen haben immer etwas Subjektives und unterliegen damit einem gewissen Vorbehalt. Ein Foto hingegen bildet die Realität ab, niemand kann es anzweifeln (nun ja, schon immer konnten Fotos manipuliert werden, aber nie war es einfacher als heute mit AI). Dokumentarfilme mit bewegten Bildern waren noch eindringlicher: Seeing is believing!

Lucas Museum of Narrative Art drawing from Colescott
Robert Colescott
George Washington Carver
Crossing the Delaware:
Page from an American History
Textbook, 1975. Acrylic on
canvas, 78 1/2 x 98 1/4 in.
(199.4 x 249.6 cm)


© Estate of Robert Colescott / VG Bild-Kunst, Bonn 2026

Der Museumskatalog führt nicht nur diese Gedanken sehr viel tiefer aus, allerdings auf Englisch, er führt auch eine Vielzahl an Beispielen aus der umfangreichen Sammlung an. Diese belegen positive wie negative Elemente, zeigen an Gegensätzen die Wirkung und hinterfragen ein ums andere Mal die teilweise behauptete Objektivität. Schon die Auswahl des Motivs hat einen Einfluss!

Die Glaubwürdigkeit der Kulisse

Der erste Band des zweiteiligen Kataloges schließt mit dem filmischen Star Wars Universum. Es geht nicht nur darum, welch großartige Story der Film erzählt (oder besser die Vielfältigkeit der erzählten Geschichten, die sich zu einem modernen Mythos verbinden), sondern auch darum, was man tun muss, um die Glaubwürdigkeit zu erreichen.

Das fängt damit an, dass die Kulissen, Raumschiffe und Kleidungsstücke nicht sauber poliert sind. Die damaligen SF-Filme sahen oftmals so aus, als ob die Putzkolonne das Setting gerade verlassen hatte. In Star Wars waren die Sachen alt, geflickt, staubbedeckt und damit … glaubhaft! Die Sandleute hatten nicht nur Männer, sondern auch Kinder und Frauen; diese unterschieden sich in ihren Klamotten. Die heute ikonische Prinzessin Leia trug etwas, das Adel ausstrahlte, im Kampf aber nicht behinderte, die Fahrzeuge und die fremden Wesen waren erkennbar anders, konnten aber funktionieren.

George Lucas hatte nie vor, nur einen erfolgreichen Film zu drehen, er wollte ein Universum erschaffen, bevölkern und mit den Geschichten in diesem Setting Prinzipien Gehör verschaffen, Probleme des Erwachsenwerdens, des Gegensatzes von Gut und Böse, von Machtmissbrauch thematisieren und ernst genommen werden. Dafür ist/war es notwendig, sich mit diesem Setting alle Mühe zu geben, um eine glaubwürdige Basis zu haben.

Lucas Museum of Narrative Art drawing from Chiang
Doug Chiang
Starship Landing Platform (detail), production art for Star
Wars: Episode II — Attack of the Clones, 2000. Acrylic on board,
10 5/8 x 17 3/4 in. (27 x 45.1 cm)

© & TM Lucasfilm Ltd. All Rights Reserved

Der zweite Band des monumentalen Werkes bleibt bei der erzählten Geschichte, führt sie allerdings von der Leinwand zurück auf das Papier. Imaginierte Welten entführen die Betrachter*innen und zeigen etwas, das nicht existiert, aber doch eine bestimmte Funktion erfüllen soll. Diese kann zunächst einmal positiv sein, also ein Ideal darstellen oder eine Auffassung von gemeinsamer Geschichte definieren.

Ein Beispiel dafür ist die Besiedlung des sog. „Wilden Westens“. Weder war dieser leer, noch gingen die ursprünglichen Bewohner*innen freiwillig. Die Neuankömmlinge waren keineswegs immer friedlich oder voll mit guten, demokratischen Gedanken. Trotzdem ist auch durch die Darstellung in Pulps, in Gemälden und Comics eine Basis für ein Verständnis dieser Geschichte geschaffen worden, dass als Gründungsmythos dient (und natürlich auch von Foto und Film unterstützt wurde). Im Endeffekt beruht ein Großteil der Identität der Vereinigten Staaten auf dieser – die Geschichte nicht unwesentlich formenden – erzählten „Wahrheit“.

Diese Welten beziehen sich aber nicht nur auf die Geschichte, sie sind auch in anderen sowohl soziologischen als auch philosophischen Bereichen spürbar. Da wäre zunächst der Bereich Romantik und Abenteuer. Natürlich werden die zukünftigen Erwachsenen auch durch das geprägt, was sie als Kinder und Jugendliche als Rollenbilder vorgesetzt bekommen. Die heile Familie, der allen Gefahren trotzende und Andersartige abschlachtende Held sind die eine Seite, das hilfsbereite Kind in einer offenen Gesellschaft, das solidarische Leben von Erwachsenen die andere.

In enger Wechselwirkung dazu stehen die Themen Science-Fiction und Fantasy; Während erstere eher gesellschaftliche Visionen und Dystopien beschreibt, spielen in letzterem wieder die Helden, seltener Heldinnen, und Machtstrukturen eine Rolle. Abschießend geht der Katalog auf wenige Künstler*innen spezifisch ein, die pars pro toto stehen.

Must Have!

George Lucas und seine Frau Mellody Hobson haben letzte Woche bei der Eröffnung des Museums den ersten 100 Besucher*innen persönlich die Hand geschüttelt. Das neu errichtete Bauwerk ist schon ohne Ausstellung einen Besuch wert, die Schau mit ihren fast eineinhalb Tausend Stücken erst recht! Wer es aus welchen Gründen auch immer wie die meisten von uns nicht nach Kalifornien schaffen sollte, hat mit dem Katalog Lucas Museum of Narrative Art eine echte Alternative! Gut aufbereitet, informativ und einordnend und trotzdem locker lesbar ist das Werk ein heißer Anwärter für das Sachbuch des Jahres!

Wer sich auf die Reise macht, sollte den Katalog vorher lesen, sich seine eigenen Gedanken machen und versuchen, diesen im Gebäude mit seinen 30 Sälen zu folgen. Die Werke sind im Original mit Sicherheit noch eindrucksvoller, die Theorie des visuellen Erzählens und seine Folgen ist in Häppchen vorab genossen wahrscheinlich besser verständlich als bei einem Besuch.

In beiden Fällen ist der Schuber mit seinen zwei Bänden nicht nur ein Hingucker im Regal, sondern auch ein lehrreicher und begeisternder Zeitvertreib bei allen Wartereien!

Dazu passen Gustav Holst mit „Die Planeten“, ein Espresso (aus Äthiopischen Bohnen) und ein guter Bordeaux.

© der Abbildungen 2026 Lucas Museum of Narrative Art | 2026 Taschen GmbH, Köln

Simsolo/Bézian – Doktor Radar 3

Tod in Venedig

Story: Noël Simsolo

Zeichnungen: Frédéric Bézian
Originaltitel: 
Docteur Radar: Morts à Venise

Blattgold Verlag – ZACK Edition

Hardcover | 64 Seiten | Farbe | 22,00 € | ISBN: 978-3-949987-20-5

Cover Doktor Radar 3

Nicht nur die TV-Serien wie Babylon Berlin erlauben eine Rückkehr in vergangene Zeiten, auch Comic-Romane sind dazu vorzüglich geeignet. Im Gegensatz zum Film können sie aber auch mit Leichtigkeit nicht nur die Zeitreise ermöglichen, sondern sich durch die Zeichnungen auch stilistisch viel besser annähern als es der Film jeweils könnte.

Radar ist zurück!

Die mit diesem Band abgeschlossene Miniserie spielt Ende des zweiten Jahrzehnts des letzten Jahrhunderts. Schon das ist eine wilde und anregende Zeit, setzte sich doch die Moderne erstmals großflächig durch und in Szene. Autos bevölkerten die Straßen und selbst Flugzeuge waren nicht mehr nur noch auf Fotos zu bewundern. Dabei bestimmt die Gleichzeitigkeit von Gegensätzen die Zeit: Die Mode war nie freizügiger und doch waren die Anzüge hochgeschlossen. Der Champagner floss und die Leute verhungerten. Der Fortschritt versprach Frieden und brachte Krieg.

In diesem Rahmen spielten sich verschiedene Settings von verschrobenen Kriminellen ab, sei es Fantomas oder Gestalten von Fritz Lang. Auch der Held dieser Geschichte, Doktor Radar, ist ein solcher Typ. Von sich selbst überzeugt, möchte er Herrscher der Welt werden, und setzt dazu seine Schergen ein, die mit äußerster Brutalität zu Wege gehen.

Doktor Radar 3 page 3

Dem wirken nur seine ewigen Widersacher Ferdinand Straub und Pascin entgegen, die natürlich ebenfalls ihre Rolle in diesem Spiel haben. Drama, Gewalt und Größenwahn sind die Elemente in dieser vorzüglichen Geschichte

Expressionistisches Comic-„Kino“

Bézian hat genau die richtige Weise gefunden, dieses Drama zu Papier zu bringen: In kräftigen Farben und einem hohen Schwarz-Anteil zeichnet er Fratzen, maskenhafte Gesichter mit großen Augen, die auf angedeuteten Körpern sitzen, gerasterte Klamotten tragen und die ständige Überspitzung glaubhaft umsetzen. Die sehr zurückhaltende Bildsprache übernimmt die Sprache des Stummfilms und schafft damit eine einzigartige Atmosphäre!

Doktor Radar 3 page 4

Leider ist der Comic bisher nicht so erfolgreich, wie er es verdient hätte. Während heutzutage teilweise Gekritzel preiswürdig ist, hat es echte Kunst oftmals schwierig, ein Publikum zu finden. Dabei kommen hier künstlerisches Vermögen, Anspruch und eine sehr gut lesbare Geschichte zusammen. Niemand muss befürchten, nicht gut unterhalten zu werden!

Fast schon ein Must-Have!

Doktor Radar ist anders als der typische Thriller, sicherlich. Wer Blofeld oder seine Nachfolger als den typischen Welteroberer sieht, wird in diesem Vorgänger trotzdem sein Vergnügen haben! Wer lieber Basam Damdu in dieser Rolle sieht, hat es noch leichter! Allein die Zeichnungen wirken auf den ersten Seiten nicht vertraut, ziehen aber die/den /Leser*in magisch ein und machen es schwer, vor dem Ende aufzuhören.

Doktor Radar 3 page 5

Wer also schon auf der Suche nach Weihnachtsgeschenken ist oder sich selbst etwas Gutes tun möchte, sollte unbedingt einen Blick in diesen Dreiteiler werfen! Es lohnt sich. Direkt beim Verlag gibt es übrigens eine limitierte Vorzugsausgabe mit Variantcover und exklusiven Drucken…

Dazu passen Poems for Layla mit „Doscyk Doscyk“ und ein Absinth.

© der Abbildungen Editions Glénat 2021, by Noël Simsolo & Frédéric Bézian | 2026 Blattgold GmbH, Bad Dürkheim

ZACK 327 (September 2026)

ZACK 327

Herausgeber/Chefredaktion: Georg F. W. Tempel

Blattgold Verlag

Heft Din A 4 | 100 Seiten | Farbe | 9,70 €
ISSN: 1438-2792

Cover ZACK 327

Zurück an die Arbeit ist das wohl typische Gefühl des Septembers; der Urlaub ist noch in den Gedanken, die neuen Eindrücke setzen sich so langsam, und die vormals unbekannten Speisen und Gewürze verlangen nach einer Wiederholung. Nur die wenigsten werden allerdings so viel Exotik erlebt haben, wie sie das Covermotiv suggeriert: die zum Tode verurteilte und geflohene Französin hat es mittlerweile wirklich zur Rani, zur Herrscherin, gebracht. Der vorletzte Teil der Serie startete im letzten Heft.

Die Neustarts

Es gibt aber noch zwei andere Heldinnen, die auf die Seiten des ZACK zurückkehren; den Anfang macht Wynona. Wir erinnern uns: Eine sehr heftige Sonneneruption hat alle Chip-basierten Technologien auf der Erde zerstört, in diesem Post-Katastrophen-Szenario wird ein heruntergekommener Anwalt damit beauftragt, den Anführer des Widerstandes zu verteidigen, allerdings ohne Vorbereitungszeit und mit miesen Aussichten. Bevor es dazu kommt, muss der Held allerdings noch eine Begegnung mit dem Großvater der Heldin überstehen. Das Opfer ist die spannende Fortsetzung des Öko/SF/Thrillers von Hans van Oudenaarden (VanO).

ZACK 327 page 39

Vor kurzem ist gerade der erste Teil der neuen Geschichten mit Julie Wood als Album erschienen, jetzt geht es im ZACK schon weiter mit dem zweiten Streich: Familiengeheimnisse! Warum mussten die Eltern der nun von ihrem Onkel aufgezogenen Wood-Kinder sterben? Und warum interessieren sich sowohl staatliche Behörden als auch augenscheinliche Gangster plötzlich für eine alte Werkstatt? Während Julie weiter an ihrer zukünftigen Moto-Cross Karriere arbeitet, zeigt sich, wie brutal der Gegner zu sein scheint. Spannender Re-Boot mit immer besser werden Zeichnungen von Claudio Stassi nach einem Szenario von Philippe Pelaez.

ZACK 327 page 71

Die Fortsetzungen

Ohne die Hilfe der Frau des Gouverneurs von Pondicherry hätte Jolane niemals überleben können, um so größer ist das Bedauern der Rani, als sie ihr mitteilt, dass sie Indien Richtung Frankreich verlassen werden und dass ihr Erzfeind der Nachfolger ihres Mannes werden wird. Die Königin hat aber auch in ihrem Palast mit Widrigkeiten zu kämpfen: Nicht nur ihre modernen Ideen werden teilweise abgelehnt, auch die anderen Frauen des Maharadscha wollen auf ihre Privilegien nicht verzichten. Flott zu lesendes Drama in acht Akten von Jean Van Hamme und Alcante, stilsicher umgesetzt von Francis Vallès.

ZACK 327 page 5

Ghost Squadron ist ein moderner Vertreter des Flieger-Genres, der ein wenig Thrill mitbringt. 1953 wird der Deserteur Fletcher Williams von seiner Vergangenheit eingeholt und zu einem besonderen Auftrag gezwungen: Er soll einen verschollenen Milliardär aufspüren, sein letzter Aufenthaltsort war Das verfluchte Atoll. Patrice Buendia schickt seine Held*innen nicht nur in die Vergangenheit, er kann sie auch ganz handfesten Situationen aussetzen; Damien Andrieu zeichnet heruntergekommene Typen, Boote und Flugzeuge mit den gleichen – guten – Ergebnis.

Detail ZACK 327 page 59

Warum versucht ein Sohn, seine Mutter, Rosie, mit Bombenanschlägen freizupressen, obwohl sie seine Verlobte getötet hat? Dieser Frage müssen verschiedene Dienststellen der Pariser Polizeibehörden nachgehen, der erpresserische Täter will aber nur mit Kommissar Verhoeven reden. Die Zeit läuft, denn das angekündigte nächste Ziel würde Kinder als Opfer haben. Nachgeben oder den Fall rechtzeitig lösen, welche Alternative ist vielversprechender? Brigade Verhoeven ist ein Krimi mit zynischen und poetischen Momenten von Pascal Bertho nach den Romanen von Pierre Lemaître, die Yannick Corboz in einem modernen Stil zur vollen Blüte bringt.

Detail ZACK 327 page 23

Die Abschiede

Pfeifenrauch und Seidenstrümpfe geht – leider – zunächst einmal zu Ende. Das Frühwerk von Étienne Willem besticht durch eine spannende Story die englische Adelspolitik mit einem Kriminalfall verknüpft, weibliche Stärken und männliche Selbstsicherheit aufeinanderprallen lässt, den von dem Zeichner bekannten Stil, der zu grotesken Übertreibungen in der Darstellung von Figuren neigt, bereits deutlich erkennen lässt und nebenbei eine aufgeräumte Katze zeigt. Die letzte Folge beinhaltet die Auflösung des Falles und erklärt das Vorkommen des Schwarzen Flecks. Wie gut, dass es noch weitere Teile gibt.

ZACK 327 page 85

Und sonst?

Normalerweise gibt es von Tizombi nur One-Pager; Tizombi ist verschwunden ist eine mehrseitige Ausnahme in zwei Teilen! Auch Der Ritter und Parker & Badger sind dabei, Michael Klein erzählt über das ZACK vor 50 Jahren, Bernd Hinrichs bespricht den sehr empfehlenswerten Taschen-Band mit Hal Foster‘s Tarzan und Andreas Eikenroth wird zu seinem Georg–Büchner-Zyklus befragt. Damit erlaubt das September-ZACK eine anhaltende Begleitung im Übergang von Sommer-Ferien zu den ersten Herbst-Stimmungen.

Dazu passen Cock Sparrer mit der Split-EP „Back to the Bones“ und ein Grauburgunder.

© der Abbildungen bei den jeweiligen Künstlern und Verlagen / Blattgold GmbH, Bad Dürkheim 2026

Buendia, Zumbiehl/Jolivet – Die Flügel der Zeit 2

Die Zeit der Kämpfe

Story: Patrice Buendia, Frédéric Zumbiehl
Zeichnungen: 
Olivier Jolivet
Originaltitel: 
Les ailes du temps 2 – Le temps de l´affrontement

Blattgold Verlag – ZACK Edition

Hardcover | 48 Seiten | Farbe | 16,00 € | ISBN: 978-3-949987-82-3

Cover Flügel der Zeit 2

Fliegerserien gab und gibt es in großer Anzahl. Mal steht der militärische Aspekt im Vordergrund, mal ein Krimiplot, teilweise ist es auch nur der Rahmen für eine Soap Opera. Und natürlich gibt es auch eine ganze Reihe von Serien, die mit dem Phänomen der Zeitreise spielen. Die Unterschiede bei letzterem sind gewaltig: von der Familienserie Suske und Wiske über das Abenteuer für Jungen in Bob Morane bis hin zu Stoffen wie die Zeitmaschine von H.G. Wells. Die Flügel der Zeit kombiniert die beiden Gattungen.

Feindliche Doppeldecker und ein übereifriger Agent

Eine Wissenschaftlerin und ein Pilot die sich zudem noch nicht einmal gut leiden können werden während eines experimentellen Hyperschallfluges durch die Zeit gewirbelt und befinden sich plötzlich kurz hinter den Linien im Frankreich des Jahres 1917. Während „sie“ versucht, die Rolle einer längst verstorbenen entfernten Verwandten einzunehmen, muss „er“ als Amerikaner zunächst als ihr Diener auftreten. Da sie für die Rückkehr in ihre Zeit aber ein paar Ersatzteile brauchen die es – wenn überhaupt – nur bei der Luftwaffe gibt, lässt „Dunk“ sich überreden, als Pilot die Deutschen zu bekämpfen. Soweit der Rückblick.

Die Beiden stehen aber in ständiger Gefahr der Entdeckung. Ihre erfundene Geschichte entspricht nicht der Aktenlage und in Kriegszeiten ist jede Ungewissheit ein Verdacht auf Spionage. Die Zeit drängt daher. Immerhin haben die beiden eine mögliche Lösung gefunden, die allerdings eine weit höhere Geschwindigkeit und Flughöhe erfordert, als die damaligen Maschinen bewältigen können. Sie müssen also zwangsläufig einen Ingenieur hinzuziehen.

Flügel der Zeit 2 page 3

Gefahr droht aber nicht nur von dem französischen Geheimdienst, auch die deutschen Piloten unter dem „Roten Baron“ scheinen unbesiegbar und fügen der französischen Luftwaffe schwere Verluste zu. Dunk versucht, die Lage zu entschärfen und schlägt eine andere Art der Luftüberwachung vor, gerät auf seiner ersten Mission aber sofort in eine Luftschlacht.

Luftschlachten und History

Olivier Jolivet ist kein Unbekannter im Bereich der Fliegercomics, hat er doch bereits das Team Rafale zu Papier gebracht. Die Flügel der Zeit ermöglichen es ihm, sich bei den Doppel- und Trippeldeckern auszutoben. Das Tempo der Schlachten ist deutlich reduziert, aus Luft-Luft-Raketen werden Maschinengewehre, die Action ist aber vergleichbar und gut gelöst!

Flügel der Zeit 2 page 4

Die Szenen, die die Zeit von vor 110 Jahren darstellen, sind ebenfalls gut gelungen. Ganz selten wirkt eine Körperposition leicht verunglückt oder passen Hintergrund und Vordergrund nicht ganz zusammen. Grundsätzlich aber ist die Arbeit sehr solide und übersteht auch ohne Weiteres ein zweites, langsameres Lesen! Wer sich beim ZACK abgeholt fühlt, wird auch hier sein Vergnügen haben.

Empfehlenswerter Sujetmix!

Es ist nicht ganz leicht, die Ansprüche von technikbegeisterten Leser*innen und solchen, die eher Wert auf eine ausgefeilte und ansprechende Rahmenhandlung Wert legen, gleichzeitig zu bedienen. Dem Team Patrice Buendia und Frédéric Zumbiehl gelingt das wie immer gut; die Kabbeleien, der Konflikt der heutigen Erwartung mit dem damaligen Verhalten und die Spannung betten die Luftkämpfe in ein ansprechendes Abenteuer ein.

Detail Flügel der Zeit 2 page 8

Ob die Tiefe der Figuren für eine 20-bändige Reihe langen würde, weiß ich nicht. Da die Serie aber auf genau einen Handlungsbogen angelegt ist, macht das auch nichts. Für diesen Zweck sind die Figuren und ihre Konflikte allemal ausreichend und der Mix ist selten genug, um zu faszinieren; eine klare Empfehlung also für die Fans der klassischen frankobelgischen Comic-Unterhaltung.

Dazu passen „Flieger“ von Extrabreit und ein La Chouffe IPA.

© der Abbildungen 2025 Dupuis, by Buendia, Zumbiehl, Jolivet | 2026 Blattgold GmbH, Bad Dürkheim

Jarry/Vax – Länder von Ynuma 1

Roter Samurai

Story: Nicola Jarry

Zeichnungen: Vax

Originaltitel: Terres D´Ynuma – Volume 1

Splitter Verlag

Hardcover Überformat |72 Seiten | Farbe | 18,00 € | ISBN: 978-3-69258-002-9

Cover Länder von Ynuma 1

Der Splitter-Verlag hat einige Reihen mit Samurai in der Heldenrolle im Programm. Zudem ist er die deutsche Heimat für moderne französische Fantasyserien. Wen wundert es daher, dass der erste Band dieser neuen Folge über die Länder von Ynuma einen aus der Kriegerkaste zum Titelhelden hat.

Der Kodex als Leitfaden

Grundlage dieses neuen Kontinents ist eine Welt, die von menschenähnlichen Wesen bewohnt wird. Dazu gibt es allerdings auch noch andere Wesen wie Elfen oder Kugo. Titelheld ist der rote Samurai, ein Kugo, der sich aufgrund einer schicksalhaften Begebenheit in seiner Vergangenheit verpflichtet hat, den Weg des Kriegers zu gehen. Wir werden später erfahren, dass das nicht unbedingt auch der Wille seiner Familie gewesen ist.

Leider wird die Welt auch von Dämonen bevölkert; diese ernähren sich von Lebewesen, aber auch von ihren Erinnerungen und Emotionen und können die Gestalt von Toten übernehmen. Die Priesterin Mei-Jen, der sich der Samurai verpflichtet hat, ist eine Exorzistin, die gerufen wird, um die Dämonen zu bekämpfen. Während sie die Beschwörungen per Kalligraphie ausführt, hilft der Kämpfer mit dem Schwert.

Länder von Ynuma 1 page 3

Der erste Band besteht aus mehreren Episoden, die jeweils einen Kampf mit einer dämonischen Inkarnation beschreiben. Jarry nutzt die Erlebnisse, um die Figuren zu entwickeln und ihnen sowohl Geschichte als auch Interaktionen zu verleihen. Dabei wird vor allem klar, dass die Priesterin modern, offen und kreativ ist, der ältere Samurai schweigsam, regelgebunden und sich selbst verachtend. Allein schon die Einleitungsseiten sind ein Genuss.

Fernöstlich angehauchte Fantasywelt

Obwohl es sich eindeutig um eine Welt handelt, in der nichtmenschliche Lebensformen zum Standard dazugehören, legt Vax die Flora und Fauna so an, dass die Leser*innen sich in einer fernöstlichen Welt wähnen. Insofern brauchen auch die Hinweise auf einen Kodex nur wenige Erläuterungen, die Details mögen fehlen, die Richtung ist offensichtlich. Die Zeichnungen sind extrem detailreich, man möchte fast bei jedem Panel verweilen (und gleichzeitig schnell vorankommen). Ein Comic, der diese beiden widersprüchlichen Wünsche weckt, hat alles richtig gemacht!

Detail Länder von Ynuma 1 page 4

Besondere Erwähnung verdient auch die Tatsache, dass im Gegensatz zu fast allen anderen modernen Comics, weder Liebe noch Sex zu den gezeigten Emotionen gehört! Die Bilder sind aber auch ohne dieses Beiwerk aussagekräftig genug, das Aussehen der Seiten ist immer wieder neu, trotzdem aber nicht beliebig. Das Layout folgt einfach der Notwendigkeit, Geschehnisse kleiner oder größer, kürzer oder länger darzustellen.

Eine spannende neue Welt – na ja, wenigstens ein neuer Kontinent

Was aussieht wie eine neue Welt, eben Ynuma, ist tatsächlich nur ein neuer Inselkontinent auf einem bekannten Planeten, nämlich Aquilon. Auf zwei anderen, Arran und Ogon, tummeln sich bereits einige sehr erfolgreiche Serien. Bestandteil einer Franchise zu sein, tut der Qualität dieses ersten Bandes aber keinen Abbruch. Das fernöstliche Ambiente, die Zeichnungen, die Kapiteleinführungsseiten und die Story sind jeden Cent wert!

Länder von Ynuma 1 page 5

Der einzige Wermutstropfen ist die Tatsache, dass die folgenden Bände – die Serie ist zunächst einmal auf fünf Bände angelegt – von anderen Teams verantwortet werden. Es bleibt zu hoffen, dass auch das kommende diese feine Mischung aus Horror und Humor hinbekommt und dabei östlichen Charme in den Zeichnungen verspüren lässt. Falls ja, gibt es keinen Grund, die Serie nicht zu sammeln!

Dazu passen Oreskaband mit ihrer Version von „Monkey Man“ und ein Hibiki Harmony!

© der Abbildungen Èditions Soleil 2025 by Nicolas Jarry and Vax | Splitter Verlag GmbH & Co.  , Bielefeld 2026

ZACK 326 (August 2026)

ZACK 326

Herausgeber/Chefredaktion: Georg F. W. Tempel

Blattgold Verlag

Heft Din A 4 | 100 Seiten | Farbe | 9,70 € | ISSN: 1438-2792

Cover ZACK 326

Die Urlaubszeit ist in vollem Gange und man möchte hoffen, dass das aktuelle Cover kein Omen ist, zeigt es doch die Überreste eines abgestürzten Flugzeugs. Das Bild gehört zu der neuen Serie Ghost Squadron, die in diesem Heft ihren ersten Deutschland-Auftritt hat. Ansonsten passt das Heft aber natürlich sowohl in das Handgepäck, den Koffer oder den Tisch für den Urlaub auf Balkonien!

Die Neustarts

Ghost Squadron ist tatsächlich ein echter Neustart und keine Rückkehr, obwohl der Texter, Patrice Buendia, gerade ZACK-Leser*innen sehr bekannt ist, erscheinen doch sowohl Tanguy & Laverdure als auch die Flügel der Zeit unter diesem Label, lediglich Buck Danny findet sich woanders. Zeichner Damien Andrieu hat zwar mit Buendia schon anderweitig zusammengearbeitet, die Titel sind aber auf Deutsch (noch) nicht erschienen. Hier geht es um einen Deserteur, der 1953 von der CIA aufgespürt wird. Sein ehemaliger Vorgesetzter lässt dem ehemaligen Fliegerass die Wahl: Er begibt sich auf die Suche nach einem verschollenen Milliardär oder geht in den Knast. Das verfluchte Atoll ist der letzte bekannte Ort.

ZACK 326 page 5

Wieder dabei ist dagegen Jolane, die mittlerweile zur Rani, der Frau des Radschah, geworden ist. In ihrem siebten und vorletzten Album Königin muss sie mit der Situation klarkommen, dass die Mutter ihres Gemahls sie bekämpft, da sie die heiligen Traditionen nicht achtet und den Radschah zu einem modernen, aufgeklärten Monarchen machen will. Gleichzeitig ist sie nicht „in der Lage“, für einen männlichen Nachkommen zu sorgen. Stress haben Jean Van Hamme und  Alcante also wieder vorprogrammiert, Francis Vallès setzt das ursprünglich als TV-Serie konzipierte Geschehen professionell wie gewohnt um.

ZACK 326 page 37

Die Fortsetzungen

Der kleinwüchsige Kommissar Verhoeven wird bei diesem Fall an sein eigenes, nicht aufgearbeitetes Verhältnis zu seiner Mutter erinnert, fordert der vermutliche Bombenattentäter doch die Freilassung seiner Mutter, die aufgrund der Tötung seiner Partnerin einsitzt. Während er sich gerne raushalten würde, scheitert Antiterror mit einem sehr zynisch dargestellten Versuch. Werden die Mitglieder der Brigade Verhoeven den Fall voranbringen können bevor die nächste Bombe explodiert? Rosie ist eine spannende Geschichte von Pascal Bertho nach den Romanen von Pierre Lemaître, die von Yannick Corboz sehr abwechslungsreich zu Papier gebracht wurde.

ZACK 326 page 21

Pfeifenrauch und Seidenstrümpfe habe ich im letzten Review als „cosy & english“ bezeichnet. Hinzuzufügen wäre dem vielleicht, dass die Gegenspieler bei der Londoner Polizei keineswegs höflich miteinander umgehen und nicht einmal den Anschein dazu wahren. Das tut dem Genuss allerdings keinen Abbruch, der viel zu dicke Kommissar und sein viel zu dünner Gegenspieler können sich dadurch Bälle zuwerfen. Es scheint sich endlich eine Spur zu ergeben, allerdings ist Der Schwarze Fleck noch nicht überall gefunden worden. Ein vorzügliches Frühwerk von Étienne Willem.

ZACK 326 page 50

Die Abschiede

Auch in diesem Heft gibt es zwei Abschiede, einer davon ist für immer.

Während Harry & Platte auf der Suche nach dem Brandstifter sind, der in der Gegend von Nizza mehrere Feuer gelegt hat, wüten tatsächlich die schlimmsten Feuer seit langer Zeit in Südeuropa und vertreiben Bewohner*innen, Tourist*innen und Landwirtschaft aus vielen Gebieten. Man kann nur hoffen, dass in der Realität die Löscharbeiten ebenfalls erfolgreich verlaufen werden. Denis Lapière und Alain Sikorski haben mit Feuer & Schwert eine klassische Story des Duos geschrieben und dem Ganzen doch ein wenig „Moderne“ verpasst, die allerdings auch schon mehr als 30 Jahre auf dem Buckel hat!

ZACK 326 page 65

Der Bucklige von Montfoucon verlässt uns dagegen für immer, der History-Dreiteiler ist mit Unser Vater beendet. Wie wird der Bruderkrieg ausgehen? Noch scheinen Pierre und Quasimodo auf der siegreichen Seite zu stehen, besitzen sie doch den Brief, der die Legitimität des Königs anfechten kann. Eric Stalner kombiniert seine Panel zu anspruchsvollen und schönen Seiten, Philippe Pelaez hat dazu das passende Szenario verfasst, das historisches Ambiente und Kostüme, Verrat und Leidenschaft miteinander kombiniert.

ZACK 326 page 83

Und sonst?

Als Pausenunterhaltung dienen Der Ritter, Parker & Badger und Tizombi mit sehr humorigen Einlagen, wie immer begleitet von News, dem Rückblick auf das ZACK vor 50 Jahren und einigen Rezensionen. Dazu kommt eine Vorschau auf die neue Reihe Aus der Spur vom Verfasser dieser Zeilen und der abschließende Teil eines Interviews mit Francois Walthéry, dem Mann hinter Natascha und anderen Serien, das aus dem Französischen übernommen wurde. Auch die August-Ausgabe des ZACK bietet damit genügend Stoff für ein paar Urlaubsmomente!

Dazu passen Sondaschule mit „Pommesbude“ und ein alkoholfreies Weizen von Brand.

© der Abbildungen bei den jeweiligen Künstlern und Verlagen / Blattgold GmbH, Bad Dürkheim 2026

Pevel/Créty – Ledergesicht 2

Die Witwe

Story: Pierre Pevel

Zeichnungen: Stéphane Créty
Originaltitel: 
Gueule de cuir: La veuve

Blattgold Verlag – ZACK Edition

Hardcover | 64 Seiten | Farbe |20,00 € | ISBN: 978-3-949987-64-9

Cover Ledergesicht 2

Es gibt viele History-Serien über Konflikte im Frankreich von Ludwig XIII. und Kardinal Richelieu, einige davon gehören sogar zur Weltliteratur. Und natürlich gibt es auch genügend Serien, die von den Ideen des Tarots beeinflusst sind und sich mit schwarzer Magie beschäftigen. Die wenigsten allerdings vereinen diese beiden Themen. Ledergesicht enthält zudem noch Elemente eines Superheldencomics, verleiht doch die Maske übermenschliche Kräfte.

Eine umkämpfte Stadt

Wie in Band 1 eingeführt, gibt es einen Kampf zwischen verschiedenen Triaden im Zodiak des Teufels. Unser Held hat die Maske übergestreift und ist somit ein Teil des Spiels, ohne es allerdings bereits komplett zu verstehen. Insbesondere ist ihm nicht klar, ob scheinbare Verbündete nicht in Wahrheit doch ein eigenes Spiel spielen. Dementsprechend verheimlicht er auch, dass der vormalige Träger der Maske keineswegs gestorben ist und versteckt ihn.

Der König der Gräber, Oberster der ersten Triade, überschwemmt die Stadt Paris mit einer vernichtenden Droge. Eigentlich kann diese nur von dem Alchimisten, dem Anführer der zweiten Triade, hergestellt worden sein, doch dieser wird seit einem Jahr vermisst. Parallel dazu versucht der König der Gräber die lokalen Pariser Herrscher der nächtlichen Aktivitäten auszuschalten. Wird es gelingen, dem etwas entgegenzusetzen?

Ledergesicht 2 page 3

Pevel füllt auch diesen zweiten Teil mit spannenden Actionszenen in den Gassen und über den Dächern und schickt seine Akteure in verzwickte Handlungsstränge. Langweilig wird einem beim Lesen sicherlich nicht. Da zudem auch Hintergrund über die Triaden geboten wird und am Schluss wieder ein Tagebucheintrag Erhellendes enthält, ist auch für Leser*innen, die mit den Geheimnissen des Tarot nicht vertraut sind, die Handlung unproblematisch zu verstehen.

Ein düsteres Mantel-und-Degen Stück!

Créty verknüpft zwei verschiedene Stilrichtungen: einerseits erinnern seine dynamischen Zeichnungen an die typischen frankobelgischen Mantel-und-Degen Abenteuer. Die Linienführung ermöglicht es ihm, diese Szenen gleichzeitig glaubwürdig und actionreich wiederzugeben. Er kombiniert diese detailreichen Zeichnungen aber mit einer düsteren, an Dark Fantasy erinnernden Farbpalette und hebt dadurch die mystischen Elemente hervor.

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Während des Lesens kann man sich in den Straßenschluchten verlieren, die Innenausstattung der Gebäude ist fast schon fotorealistisch und trotzdem vermeint man, den Umhang des maskierten Rächers rascheln zu hören. Damit spricht der Comic sowohl Leser*innen, die Batman gewöhnt sind, als auch Fans von D‘ Artagnan an!

Klassische Moderne!

Oftmals hat man den Eindruck, dass man sich zwischen klassischem Stil und modernem entscheiden muss. Pevel und Créty beweisen, dass es auch anders geht und mixen sowohl inhaltlich als auch zeichnerisch munter beide Welten. Diese Mischung hätte schief gehen können, tut sie aber nicht! Ledergesicht ist ein Genuss!

Cover Ledergesicht 2 VZA

Wer will kann direkt beim Verlag eine limitierte Vorzugsausgabe mit Variantcover und limitierter Grafik bestellen. Diese verknüpft den Gothamartigen Einfluss mit dem Charme des vergangenen Paris!

Dazu passen The Specials mit „Friday Night, Saturday Morning“ von der Live from the Cathedral-LP und ein Pink Gin Tonic.

© der Abbildungen 2025 – Drakoo par Pevel, Créty & Maffre | 2025 Blattgold GmbH, Bad Dürkheim

Stassi – República

Für die Freiheit

Story und Zeichnungen: Claudio Stassi
Originaltitel: 
República

Blattgold Verlag – ZACK Edition

Hardcover | 160 Seiten | Farbe |32,00 € | ISBN: 978-3-949987-84-7

Cover Stassi - Republica

Auch wenn viele die Erinnerung bereits verdrängt haben und geschichtslos in die Zukunft blicken: Faschistische Regime in Europa hat es auch nach Ende des Zweiten Weltkrieges noch gegeben. Das Recht des Stärkeren hat immer zur Folge, dass es Menschen gibt, die nicht zu den Stärkeren gehören und dementsprechend die geballte Gewalt erdulden müssen. República erzählt eine solche Geschichte aus den Anfängen von Francos Spanien.

Liebe in Zeiten der Gewalt

Claudio Stassi erzählt in seiner Graphic Novel gleich mehrere Geschichten, die zwar miteinander verwoben sind, aber alle ihre eigene Berechtigung und Folgen haben. Sie alle haben aber etwas mit Macht und Missbrauch derselben zu tun. Am einfachsten ist vielleicht diejenige der Rebellen: Nach einem blutigen Bürgerkrieg hatte General Franco ein auf die Kirche gestütztes, faschistisches Regime errichtet und unter seinen vorherigen Gegner*innen blutig aufgeräumt. Die Verschleppten, Gefolterten und Ermordeten zählen mehrere hunderttausend Menschen. Auch in República geht es um den verzweifelten Kampf der verbliebenen Kämpfer*innen für die Freiheit.

Parallel wird die Geschichte eines Filmdokumentes erzählt. Am 14. April 1931 war die spanische Republik ausgerufen worden. Die Proklamation war damals gefilmt worden, die Filmrolle überdauerte die Diktatur in einem Versteck und wurde erst 2008 wieder gefunden. Stassi erzählt eine bewegende, aber erfundene Zwischenepisode dieser Rolle, einem Fanal für die Freiheit!

Stassi - Republica page 5

Und schließlich gibt es eine Episode über eine tragische Liebe, quasi eine Romeo-und-Julia-Version. Die Tochter eines Rebellen und der Sohn des Stadtkommandanten haben eine heimliche Beziehung. Während sich die Tochter Illusionen über die Kraft der Liebe macht, findet sich der Sohn mit den Spielregeln der Macht ab. Wie weit die Verachtung reicht, wird schließlich ihre Erfahrung sein. Und auch die Liebe zwischen Kindern wird durch Gewalt von Seiten des Staates beendet.

Realismus in blau-grau

Der Grundton fast aller Seiten in diesem Band ist ein graues Blau, düster, unheimlich und drohend wie eine aufkommende Gewitterfront. Stassi zeichnet in diesen Hintergrund hinein und erlaubt sehr präzise Formen und Ausdrücke mit einer fast aquarellhaften Farbgebung. Dadurch wird der Kontrast zwischen den weichen Farbübergängen und den harten Konturen deutlich verschärft. Gewalt und Hass, Angst und Verzweiflung sind nicht nur in den Gesichtszügen deutlich zu erkennen.

Stassi - Republica page 8

República ist dabei keineswegs eine aus der Distanz gezeichnete Reportage, sie ist vielmehr ein flammendes Manifest für Gleichheit, Gerechtigkeit und Freiheit! Kaum ein Panel lässt daran einen Zweifel. Trotzdem überzeichnet Stassi nicht: die Bösen sind keine sichtbaren Ausgeburten der Hölle, es sind einfach kleingeistige und machtbesessene Individuen, die ihr Ego über alles andere stellen.

Nie wieder ist jetzt!

Bei uns in Deutschland hat die Elterngeneration der jetzigen Generation ZACK den Faschismus und seine Folgen noch aus eigener Anschauung erlebt. Was wir heute sehen, ist eine Ignoranz gegenüber, ja sogar die Leugnung der Geschichte. Geschichte wiederholt sich, das zweite Mal als Farce. Leider sind die Folgen des Ganzen nicht weniger spürbar. Insofern ist es wichtig, immer wieder darauf hinzuweisen, dass Freiheit und Demokratie nicht selbstverständlich sind. Sie müssen erkämpft und bewahrt werden!

Stassi - Republica page 9

Auch die Erinnerung an das, was war, ist dabei ein wichtiger Baustein. Insofern sei es diesem Band gleich doppelt gegönnt, die Verkaufserwartungen deutlich zu übertreffen. Der einzige historische Fehler: „1984“ erschien erst 1948. Wer will kann auch zur Vorzugsausgabe mit alternativem Cover und zwei limitierten Drucken greifen.

Dazu passen The Busters mit „Wehrt Euch!“ und ein Ahoi 69.

© der Abbildungen Claudio Stassi, 2024 | 2026 Blattgold GmbH

ZACK 325 (Juli 2026)

ZACK 325

Herausgeber/Chefredaktion: Georg F. W. Tempel

Blattgold Verlag

Heft Din A 4 | 100 Seiten | Farbe | 9,70 €
ISSN: 1438-2792

Cover ZACK 325

Die letzten Tage haben dazu verleitet, Bewegungen einzustellen und mehr zu lesen als gewöhnlich. Für die kommenden Tage ist es zwar nicht mehr ganz so heiß, die Ablenkungen durch die Fußball-WM dürften dafür bei vielen aber kleiner geworden sein, denn zumindest die Deutschen und ihre Nachbar*innen aus den Niederlanden, also der Großteil der Zielgruppe dieser Seiten, dürfen ja nicht mehr mitspielen.  Das erste der beiden Sommer-Hefte ist übrigens eine Besonderheit, enthält es doch keinen Neustart.

Die Fortsetzungen

Das Titelbild entstammt der im letzten Heft gestarteten neuen Serie Brigade Verhoeven. Der Vierteiler von Pascal Bertho nach den Romanen von Pierre Lemaître ist ein Thriller, der fast schon zu dem Noir-Segment gehört. Band 1 – Rosie – begann mit einem Bombenanschlag mitten in Paris. Es stellt sich heraus, dass der Verursacher scheinbar noch mehrere dieser Sprengkörper besitzt und auch damit droht, sie einzusetzen. Was hat die Mutter des vermutlichen Täters mit der Sache zu tun? Dynamische Zeichnungen von Yannick Corboz mit anfangs teilweise verwirrenden Kolorierungen.

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Der Bucklige von Montfoucon ist neben einem Historiendrama auch ein Stück über Rache und den Zwist zwischen Geschwistern. Der bereits dritte Teil von Unser Vater zeigt einen Kampf aus der Jugend der Brüder mit lebenslangen Folgen. Als sie sich lange Jahre später wieder gegenüberstehen wird sich zeigen müssen, ob Blutsverwandtschaft oder Feindschaft den Ausgang der Begegnung bestimmen werden. Hübsche Bilder von Eric Stalner machen das Mantel-und-Degen-Stück von Philippe Pelaez zu einem visuellen Genuss. Es empfiehlt sich aber, die Story am Stück (erneut) zu lesen.

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Ein weiterer Kriminalfall, dieses Mal aus der Sparte „cosy & english“ ist mit Pfeifenrauch und Seidenstrümpfe betitelt. Inspektor Arbuckle, ein fülliger Pfeifenraucher, versucht seit Jahren Sir Walter Rutherford als Kriminellen zu überführen. Jetzt scheint er endlich einen Zeugen gefunden zu haben und versteckt ihn bei sich zu Hause. Mitten in der Nacht meldet die Katze allerdings einen unerwarteten Besucher, oder doch nicht? Der schwarze Fleck ist eine sehr nostalgische Story von Étienne Willem mit viel Humor, ausgeprägten Riechwerkzeugen und wunderbaren Stereotypen.

Detail ZACK 325 page 53

Das heiße Wetter der letzten Tage hat auch dazu geführt, dass man überall an die steigende Waldbrandgefahr erinnert worden ist. Harry & Platte werden während eines Auftrages in der Nähe von Nizza von gleich mehreren Feuern überrascht. Dramatische Szenen ergeben sich, als sie und ein ganzer Trupp von Feuerwehreinheiten zwischen der Feuerfront und einer abgerutschten Straße eingeschlossen scheinen. Denis Lapière und Alain Sikorski entwerfen eine spannende Story in der sich die Protagonisten nicht nur der menschlichen Gewalt erwehren müssen, sondern auch Naturgewalten gegenübertreten: Feuer und Schwert sozusagen!

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Die Abschiede

Nichts geht mehr in Libertalia; das Konzept einer Gesellschaft von Freien ist gescheitert an der Machtgier und dem Egoismus Einzelner. Wie so oft enden revolutionäre Projekte mindestens genauso blutig, wie sie begonnen haben, und passenderweise heißt dieser Teil denn auch Die Wege zur Hölle. Rudi Miel & Fabienne Pigière haben eine etwas andere Piratenstory gebaut und sehr anspruchsvoll verflochten; Paolo Grello hat das in Bilder gepackt, die für ein frankobelgisches Magazin eher ungewöhnlich sind. Die stricheligen, an Gemälde erinnernden Bilder habe aber einen großen Reiz, vor allem am Stück (und damit im Zweifel erneut) genossen.

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Nach dem Ende des zweiten Teils verlassen uns nun zunächst auch Charel Cambré und Marc Legendre wieder. In Heute frischer Fisch wird endlich das abgetrennte Dorf wieder mit seinem Land vereint, Vorräte können erneut beschafft werden. Auch eine Feier wird veranstaltet die die beiden Helden zunächst vor ein großes Problem stellt, ihnen aber letztendlich einen Erkenntnisgewinn verschafft. Roadmovie, Kunstkritik, anarchistischer Humor und die Hinterfragung vieler Vorurteile machen Spaß, brauchen aber auch manchmal eine Pause. Insofern ist das Timing perfekt!

ZACK 325 page 85

Und sonst?

Der Ritter und Parker & Badger sorgen für die Abwechslung zwischen den Serien. Das Gleiche wird auch von den News, dem Rückblick auf das ZACK vor 50 Jahren und die Rezensionen geleistet. Dazu kommt eine längere Einführung in die Brigade Verhoeven vom Verfasser dieser Zeilen und der erste Teil eines Interviews mit dem Mann hinter Natascha und anderen Serien: Francois Walthéry. Genügend Stoff also für einige Abende!

Dazu passen Dropkick Murphys mit „Body of an American“ und ein O’Hara‘s.

© der Abbildungen bei den jeweiligen Künstlern und Verlagen / Blattgold GmbH, Bad Dürkheim 2026

Giardino – Das Doppelleben des Max Friedman Gesamtausgabe 1

Ungarische Rhapsodie & Hetzjagd in Istanbul

Story & Zeichnungen: Vittorio Giardino

Originaltitel:  La dopia vide de Max Fridman

Salleck Publications

Hardcover | 240 Seiten | Farbe | 39,90 € | ISBN: 978-3-89908-854-0

Cover Max Friedman Gesamtausgabe 1

Die 80-er Jahre waren die große Zeit des Comic-Romans. Das Medium war erwachsen geworden, hatte über Science-Fiction und Erotik den Weg in die Vergangenheit unternommen und war nun bei den Themen der Jetztzeit angekommen, die eher in das psychologische gingen: Wie reagieren Menschen auf Veränderungen und Probleme. Neben den klassischen westeuropäischen Ländern tat sich insbesondere in Italien einiges. Während Hugo Pratt immer wieder als Vertreter des Comic-Romans genannt wird, fällt der Name seines Landsmannes Vittorio Giardino leider zu selten.

Ein Spion wider Willen

Die Rolle des „Spions“ ist in der Literatur und im Comic sehr unterschiedlich definiert. Während die einen sofort an 007 denken, an Glamour, Sex und Popcorn-Action, sind andere eher bei John Le Carré und dem eher unscheinbaren Typ, der nicht weniger gefährlich lebt, sich aber eher bedeckt hält. Max Friedman gehört eher zur zweiten Kategorie. Zwar ist er bekannt, kann sich also nicht unerkannt bewegen, ist aber kein Cocktailparty-Held. Seine aktive Zeit ist eigentlich vorbei, wie so oft in diesem Sujet ist es aber so, dass er sich der Vergangenheit nicht ganz entledigen kann. Und so ist die „Firma“ doch immer noch irgendwie Teil seines Lebens.

Die Geschichten spielen 1938; Europa hat die Auswirkungen des Ersten Weltkriegs noch nicht überwunden, steht aber schon wieder an der Schwelle eines neuen Kriegs. Hitler bedroht seine tschechischen und österreichischen Nachbarstaaten und das Russland unter Stalin ist vor allem für seine eigenen Leute eine tödliche Bedrohung. Außenpolitisch kann man es noch nicht richtig einschätzen. Diese Lage führt dazu, dass sich in den politischen Zentren Agent*innen aller Coleur gegenseitig bespitzeln, bekämpfen, Allianzen schließen und brechen und somit ihre eigene Berechtigung beweisen.

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Max Friedman hatte seine aktive Zeit eigentlich schon beendet, wird aber trotzdem nach Budapest geschickt. Dort waren innerhalb kürzester Zeit gleich mehrere Agenten getötet worden. Max gelingt es, die letzte Überlebende der Gruppe ausfindig zu machen, sich in dem Haifischbecken zu behaupten und zu fliehen. Dabei kommt es zu einer kurzen Phase des privaten Glücks, die aber natürlich nicht lange anhält. Auch die Hetzjagd in Istanbul beweist die Ambivalenz der Dienste denen das „große Ziel“ oftmals über das Leben des Einzelnen geht. Giardino beschreibt die Menschen, packt sie unerwartete, herausfordernde Situationen und scheint teilweise selbst erstaunt darüber, wie sie sich verhalten. Diese fast schon wie beobachtende Distanz wirkende Methode lässt Max Friedman wie einen mehrbändigen Roman ablaufen.

Realismus in der Fassung der 80-er

Vittorio Giardino ist ein Meister der realistischen Zeichnung. Seine Darstellungen von Buda und Pest als auch von den unterschiedlichen Facetten Istanbuls zeugen von guter Beobachtungsgabe und der Fähigkeit, das selbst Gesehene um Jahrzehnte zurückversetzt transponiert wiederzugeben. Sein Held ist ein bürgerlicher, in sich selbst ruhender Mann. Er glaubt an das Gute, hat aber schon lange aufgehört, in seiner Arbeit idealistische Züge zu sehen. Diese Grundstimmung lässt sich in fast jeder Zeichnung als Grundmotiv erkennen: Es geht nicht um Action oder vordergründige Ziele.

Max Friedman Gesamtausgabe 1 page 151

Die Geschichten sind in italienischen Magazinen vorabgedruckt worden, die zweite in dem Corto-Maltese-Magazin. Während ansonsten in Italien die Fumetti vorherrschten – zu dieser Zeit auch schon mit einem hohen Anteil an Gewalt und Sex – waren die neuen Themen ebenfalls erfolgreich. Vieles davon profitierte von den Erfahrungen in Lateinamerika und der von dort mitgebrachten Art, Geschichten zu erzählen und politische Motive zu integrieren.

Eine vorbildliche Gesamtausgabe

Max Friedman hatte seinen ersten Auftritt in Deutschland 1985 beim Carlsen Verlag, damals noch unter dem Sublevel „comic art“. Beide hier zusammengefassten Bände erschienen damals. Band 3 bis 5 dagegen kamen erst ab 2000 bei Salleck Publications heraus. Nun also die mustergültig editierte Gesamtausgabe, die die Anfänge endlich wieder verfügbar macht.

Anhang Max Friedman Gesamtausgabe 1 page 197

Neben Einleitungen von Giardino enthält der Band eine große Anzahl von zusätzlichen Illustrationen und Skizzen sowie ein ausführliches Interview mit dem Künstler. Dieses gibt einen Einblick in das Verständnis für die Zeit vor dem Zweiten Weltkrieg, das Giardino in seinen Erzählungen versucht hat, umzusetzen: die Ablehnung von Totalitarismus, von der Behauptung, (als einziger) die absolute Wahrheit zu kennen und dem Willen, die eigene Meinung anderen auch mit Gewalt aufzuzwingen.

Dazu passen Bob Marley & Amy Winehousemit „Silent Thunder“ und ein guter Barolo!

© der Abbildungen Vittorio Giardino 2026 / 2026 Eckart Schott Verlag

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