Geissman – The History of EC Comics

Das ultimative Kompendium

Autor: Grant Geissman

Taschen Verlag

Hardcover XXL-Format mit Schutzumschlag und Leseband | 592 Seiten | Farbe | 150,00€

ISBN: 978-3-8365-4976-9

Das Buch

Mehr als 6 Kilogramm wiegt das XXL-Hardcover im Format 29 x 39,5 cm! Obwohl gut gebunden besteht die Gefahr, dass es bei falscher Lagerung „schief“ wird und daher kommt es in einem stabilen Karton. Auf seinen 592 Seiten zeigt es mehr als 1000 Abbildungen, davon rund 100 noch nie gesehene aus dem Familienarchiv. Neben Fotos, Verträgen und natürlich ganz vielen Panels und Seiten aus den Comics gehören dazu auch Silverprints, also handkolorierte Vorlagen für den Coverdruck. Zu dem Bildmaterial gehört auch eine vollständige Galerie aller Cover von 1933 bis 1956!

Dabei hat das Coffee-Table-Book aber nicht nur grafisch etwas zu bieten, denn auch inhaltlich ist eine so umfangreiche, komplette Verlagsgeschichte nirgendwo zu finden. Natürlich gab es gerade im englischen Sprachraum schon viele Bücher, aber eben immer nur über Ausschnitte und auch die Essays etwa in der aktuellen Wally Wood-Reihe im All Verlag oder das Dossier in der Reddition 62 sind eher als Ergänzung zu verstehen.

Bill Gaines und Al Feldstein 1950

Einen kleinen Haken hat die Sache allerdings: Das in der ersten Auflage auf 5000 Exemplare limitierte Werk ist nur in englischer Sprache erhältlich. Trotzdem – und das sei hier bereits verraten – ist es jeden Cent seiner 150 Euro wert. Die langen Winterabende kommen schon bald, die Kneipe ist wegen Corona eh nicht zu empfehlen und schließlich steht ja auch Weihnachten fast schon vor der Tür.

Das Buch folgt strikt der zeitlichen Chronologie und reichert die Fakten mit Anekdoten, persönlichen Begebenheiten, Biografien und einer unvorstellbaren Fülle von Abbildungen an.

Der Autor

Mit Grant Geissman hat der Verlag einen international renommierten Kenner der Materie gefunden, war er doch derjenige, der mit dem vorherigen Herausgeber Russ Cochran extra einen neuen Verlag gegründet hatte um die Reihe der EC Archives fortzusetzen als Gemstone damit aufgehörte. Sein erstes Buch zu diesem Komplex war MAD gewidmet und ist bereits vor 25 Jahren erschienen, weitere folgten. Nun ist also das Opus Magnum zur ganzen Geschichte des Verlages erhältlich.

Hauptberuflich ist Geissman übrigens im 45-ten Jahr seiner Profikarriere als sehr bekannter Jazz-Musiker und war bereits mehrfach für den Emmy nominiert, etwa für Monk und Two and a half Men.

Eine tragische Vater-Sohn-Beziehung steht am Anfang

Max Gaines gründete zunächst den Verlag All American Comics, in dem Flash, Green Lantern und Wonder Woman starteten, wurde dann aber von seinen Partnern herausgekauft. Mit diesem Geld hatte Max dann 1944 EC Comics gegründet; das E stand dabei zunächst für Educational. Zwar verkauften sich die bereits bei AAC gestarteten Picture Comics of the Bible gut, der Rest der Titel aber nicht und so wurde aus dem E ein Entertaining. Als er 1946 bei einem Bootsunfall starb, wurde sein Sohn William (Bill), der gerade dabei war, sein Lehrerexamen zu machen, von der Mutter gebeten, den Verlag fortzuführen. Sein Vater hatte nie ein gutes Haar an ihm gelassen und nichts hatte ihm ferner gelegen, als in die Fußstapfen seines Vaters zu treten, aber er beugte sich dem Drängen und fand langsam in seine Rolle.

Wie damals üblich sprangen Verlage auf ein gerade erfolgreich platziertes Thema und melkten die Käufer solange es ging. Den richtigen Profit machten dabei aber vor allem die Trendsetter und so kam es, dass der gerade frisch gestartete Al Feldstein seine Chef, der zugleich ein Freund war, überzeugen konnte, selbst ein Thema zu kreieren: Langsam wandelten sich die Crime und Western orientierten Titel hin zu Horror-Geschichten. Anfangs noch eine Geschichte pro Heft war bald eine ganze Gruppe von Titeln nur diesem Thema verpflichtet.

Der New Trend

The Haunt of Fear, Tales from the Crypt, The Vault of Horror starteten den New Trend. Die Geschichten hatten jeweils einen festen Erzähler: The Vault-Keeper, The Crypt-Keeper und The Old Witch. Diese waren aber nicht an bestimmte Titel gebunden und erschufen dadurch eine übergreifende Identifikation.  Zu dieser Zeit stießen viele neue Mitarbeiter zu EC die alle auf ihre Art prägend und einzigartig waren: Graham Ingles, Wallace Wood (zunächst noch im Duo mit dem späteres SF-Autor Harry Harrison), Jack Davies oder Joe Orlando. Alle diese Künstler werden intensiv vorgestellt.

Das Horror-Thema wurde bereits nach kurzer Zeit durch Weird Science und Weird Fantasy und damit auf die ersten echten Science-Fiction-Themen ergänzt. In den Pulps und Radio-Hörspielen hatte es diese Themen schon länger gegeben, im Comic war das aber neu und startete erneut einen neuen Hype.

Diese Aufarbeitung von Geissman stoppt aber nicht bei all den bekannten Namen. Das besondere hier ist, dass auch Personen wie Marie Severin ihre Credits bekommen. Sie war diejenige, die den Geschichten ihre Farben gab. Waren vorher nur Freelancer am Werk, prägte sie ab 1951 tatsächlich den Stil und sorgte zugleich für einen gewissen Ausgleich, galt sie doch als das „katholische Gewissen“ des Verlages und milderte die eine oder andere Übertreibung der Boys ab.

Der wahre Horror ist die Realität: Krieg und SuspenStories

Die Fans erwarteten mehr und Gaines konnte auf sein altes Motto zurückkommen: Während bei anderen Verlagen die Zeichnung im Vordergrund steht ist es bei EC die Story. Zusammen mit Kurtzman wurden Kriegs-Comics entwickelt, kurze Zeit später von Crime SuspenStories. Diese neuen Geschichten boten vor allem ein Forum für Kommentare zur menschlichen Verfassung – Rassismus, Bigotterie, Drogen, Korruption etc. standen immer wieder Pate für die mit einem typischen EC-Ende versehenen Stories. Neben einem großen Zuspruch durch die Fans führte das aber auch zu einer geheimen FBI-Untersuchung: Kriegscomics, die nicht den Heroismus sondern den Schrecken in den Mittelpunkt stellen wurden unter dem Aspekt der feindlich gesinnten Wehrkraftzersetzung untersucht.

Die abgedruckten Bildbeispiele zeigen diesen Anspruch im Detail. Einerseits wird Kurtzmans detailbesessenes Mikromanagement deutlich, andererseits werden trotz der in den 50-er Jahren limitierten grafischen und drucktechnischen Möglichkeiten die Seitenaufbauten, das Spiel zwischen Licht und Schatten und die gewählten ausschnitte als Stilmittel erkennbar. Film Noir oder Will Eisner’s Spirit sind weitere Einflüsse.

Und dann wurde es verrückt

Wenn Horror und Science-Fiction zwar inhaltliche Marktführertitel sind, Umsätze aber zurückgehen, muss etwas Neues her. Da traf es sich gut, dass Harvey Kurtzman, immer etwas neidisch auf die Einkünfte Al Feldsteins, mehr Geld brauchte und so wurde ein comic Comic Book entwickelt, das die ganze Welt erobern sollte. Mit MAD wurden die EC-typischen Twists in das Satirische gedreht und Comics, TV und Film-Persiflagen erstellt und damit komplett neue Käufer*innenschichten erschlossen. Natürlich gab es die eine oder andere witzige oder juristische Auseinandersetzung, die jeweils hier ihre Beschreibung und Würdigung erfährt. Auch die internen Streitigkeiten, etwa um Panic, das einzig offizielle MAD-Plagiat, sind nachzulesen!

Das Ende naht – Wertham und die Folgen

Schon immer hatte es Kritik an den Themen und insbesondere den Darstellungen von Horror, Gewalt und Sexualität gegeben aber 1954 erreichte die Debatte einen Höhepunkt. Innerhalb weniger Monate hatte die Jagd, angeführt von dem Psychologen Wertham und einigen Elternverbänden zur Etablierung einer Selbstzensur der amerikanischen Comicverlage geführt und zur Aufgabe der Crime und Horror-Titel von Gaines‘ EC Comics. Es folgte die Clean, Clean Line mit Titeln wie Piracy, Psychoanalysis oder Aces High. Niemand erinnert sich an diese Titel, oder?

Die ganze Diskussion hatte allerdings auch eine positive Auswirkung, denn MAD wandelte sich vom Comic-Book in ein Magazin, änderte Format und Preis und fiel somit nicht unter den beschneidenden Comic-Code! Da alle anderen Versuche floppten blieb MAD als einziger EC-Titel übrig. Schließlich musste dann noch eine harte Entscheidung getroffen werden: Kurtzman ging und der zwischenzeitlich entlassene Feldstein übernahm das Ruder von MAD und kurz drauf tauchte Alfred E. Neumann erstmals auf dem Cover auf.

Damit begann eine weitere Erfolgsgeschichte die schließlich zu mehr als 2,5 Millionen verkauften Exemplaren führen sollte, später aber unter anderen Dächern als EC. EC inspirierte unzählige spätere Independent-Aktivist*innen und auch dieses ist in diesem Prachtband beschrieben und dokumentiert!

Must Have

Der Kauftipp dieses Jahres im Bereich der Comic-Sekundärliteratur! Kein Verlag hat Comics für Erwachsene (im positiven Sinn) so geprägt wie der EC-Verlag und noch heute sind Horror und Science-Fiction-Fans von der Qualität überzeugt. Gleichzeitig hat MAD Maßstäbe gesetzt und ganze Generationen von Komikern und Comedians weltweit beeinflusst. Schließlich hat sich EC – vor allem auch in den Kriegs-Comics – nie auf blinden Patriotismus und falsche Heldenverehrung verlassen, sondern gesellschaftlich relevante Themen wie Rassismus und Drogenkonsum angesprochen.

Die Zusammenstellung all dieser Fakten mit der unglaublichen Fülle von Bildmaterial durch Grant Geissman wird der Qualität und Einzigartigkeit des EC-Verlages gerecht, allerdings ohne dabei in Lobhudelei zu verfallen. Geissman ist ein intimer Kenner und Experte, aber kein Fanboy! Trotzdem ist kein einziger Satz dieses Mammutwerkes überflüssig oder gar langweilig. Die Abbildungen sind in Sekundärtiteln oft eher gut gemeint als wirklich hilfreich: Details lassen sich mit der Lupe gerade noch erkennen. Das XXL-Format erlaubt Bildgrößen, die Details wiedergeben, grafische Entwicklungen klar werden lassen oder aber eine ganze Geschichte auf zwei Doppelseiten (lesbar!) zu platzieren. Alleine schon deswegen ein Must-Have für alle, die ein bisschen mehr über Comics wissen wollen!

Keine Musikempfehlung könnte tatsächlich für das ganze Werk reichen. Immerhin ein ganzes Stück würdet ihr mit dem Konzertmitschnitt von Tay Mahal & Keb‘ Mo‘ Band kommen (Jazz San Siver 2017). Der Genuss von einem Mackmyra Vinterglöd könnte ebenfalls helfen!

© der Abbildungen 2020 TASCHEN GmbH / by William M. Gaines, Agent, Inc.

Smith/Duursema – Avatar

Avatar – Tsu’Teys Pfad

Story: Sherri L. Smith (nach James Camerons Film)

Zeichnungen: Jan Duursma, Doug Wheatley (Brüder)

Originaltitel: US-Avatar: TsuTey’s path 1 – 6, Avatar – Brothers (from Free Comic Book Day 2017)

Panini Comics

Broschur | 148 Seiten | Farbe | 18,00 €
ISBN: 
978-3-7416-1432-3

James Camerons Avatar von 2009 ist immer noch einer der erfolgreichsten Filme der Welt und eröffnete tricktechnisch ganz neue Horizonte. Was folgt aus einem Blockbuster? Richtig: die große Maschine läuft an und neben Merchandising erfolgt eine Zweitverwertung in Comic und Literatur und aus einem Film wird eine Reihe. Bei Avatar hat das alles ein wenig länger gedauert als üblicherweise und so handelt es sich bei Tsu’Teys Pfad tatsächlich um die erste offizielle Comicveröffentlichung.

Der Inhalt

Auf dem Mond Pandora wohnen die Na’Vi im Einklang mit der Natur. Obwohl sie keine Vegetarier sind und sich von gejagten Tieren ernähren, stehen sie doch mit ihrer Umwelt und allen anderen Lebewesen in direktem Kontakt. Sie können sich über eine Art außen liegender Synapsen mit anderen Lebewesen und Pflanzen verbinden und darüber Gefühle und Gedanken austauschen. Ihre Lebensweise kommt der Vorstellung eines Paradieses wohl relativ nahe. Natürlich gibt es Gefahren und auch Tod, das Ganze ist aber im Rahmen einer akzeptierten Ordnung.

Gestört wird das gesamte Gefüge durch die Menschen. Sie haben entdeckt, dass der Mond Bodenschätze beherbergt, die abgebaut werden sollen. Wie so üblich interessieren ökologische Aspekte bei wirtschaftlich getriebenen Projekten herzlich wenig und so wird der Abbau durch militärische Aktionen begleitet und die Vernichtung des ökologischen Systems steht bevor. Sollte sich jemand an die Ereignisse im Regenwalt erinnert fühlen?

Die Menschen haben es geschafft, Avatare zu erschaffen. Menschen können einen Körper steuern und sich somit in das Leben des Stammes der Omatikaya „einschleichen“. Die Himmelsmenschen werden zwar als Traumwanderer erkannt, sind aber trotzdem Teil des Alltags. Ihre Aufgabe ist es, die Aktionen zu unterstützen, den Widerstand zu spalten und schlussendlich auszuschalten. Auch Jake Sully ist einer dieser Grenzgänger, verliebt sich aber in eine der Na’Vi – Neytiri – und zweifelt an seinem Auftrag.

Im Gegensatz zum Film wird die bekannte Story aus anderer Perspektive erzählt. Tsu’Tey ist einer der größten Krieger der Omatikaya und traut den Traumwandlern nicht. Eigentlich würde er sie gerne töten, muss aber hinnehmen, dass sie Teil der Stammesgemeinschaft werden. Als es zum Kampf kommt wird diese Kooperation aber auf eine neue Probe gestellt.

Zusätzlich ist auch noch die Kurzgeschichte Brüder abgedruckt; Bei ihr handelt es sich eher um eine Fingerübung für Sherry L. Smith: Verschmelzungen zwischen Na’Vi und Tier, Gefühlsübertragung und Action. Das scheint hilfreich gewesen zu sein, denn ihr Aufbau der Geschichte ist sehr stringent und logisch. Nicht immer ist es einfach, eine bekannte Story neu zu erzählen, weil der Spannungsbogen anders trägt. Ihr gelingt es aber in einer sehr lesenswerten Version die zwischen „privaten“ und kämpferischen Stellen sehr geschickt wechselt.

Die Zeichnungen

Auch Jan Duursma ist nicht unbekannt im Bereich der Comicadaptionen von filmischer Science-Fiction. Ihm gelingt es (für mich ehrlicherweise unerwartet) gut, die 3-D animierten Na’vi in zweidimensionale Bilder zu übertragen. Landschaft, fremdartige Wesen und auch die Humanoiden Handlungsträger sind ansprechend und „anders“ genug! Bei einigen Hintergründen wirken die Figuren allerdings wie draufkopiert. Insgesamt ist das aber eine gute Leistung!

Das Seitenlayout ist eine gute Mischung aus traditioneller Erzählweise und komponierten Bildern mit komplexerer Struktur. Kein innovatives Feuerwerk, aber das wäre bei einem Blockbuster, somit also bei einem Mainstreamwerk eher hinderlich!

Fazit

Gelungener Auftakt der Reihe mit Geschichten aus dem Avatar-Universum! Im Laufe der nächsten Jahre werden nicht nur drei neue Filme auf den Markt kommen, sondern auch ihre Adaptionen und wahrscheinlich auch begleitende Geschichten. Wir können gespannt sein! Wie immer gehören natürlich auch alle Cover zum Lieferumfang

Dazu passen die sehr melodischen Guitar Gangsters die mittlerweile auch schon über 30 Jahre dabei sind und ein Red Ale.

© der Abbildungen 2020 Panini Verlags GmbH / Twentieth Century Fox Film Corporation

Adams/Rodríguez – Die Insel des Dr. Moreau

Die Insel des Dr. Moreau

Story: Ted Adams, Gabriel Rodríguez nach H. G. Wells

Zeichnungen: Gabriel Rodríguez

Originaltitel: The Island of Dr. Moreau 1 & 2

Panini Comics
Hardcover | 108 Seiten | Farbe | 25,00 €
ISBN: 
978-3-7416-1752-2

Herbert George Wells ist einer der Wegbereiter der modernen Science-Fiction und als solches ein Klassiker, viele seiner Werke sind aber zu Unrecht ein wenig in Vergessenheit geraten. Teilweise liegt das daran, dass der Stoff keine Adaption in bewegten Bildern erfahren hat, teilweise wahrscheinlich eher daran, dass die Kinoversionen nicht in der Lage waren, sich nachhaltig in das Gedächtnis zu spielen.

Die Insel des Dr. Moreau gehört sicherlich zu den Letzteren, denn an sich ist der Roman an Aktualität und Thematik sehr frisch! Wenn er wie in dieser Fassung dann auch noch leicht modernisiert daherkommt ist ein Bestseller eigentlich schon vorprogrammiert. Hmmh, zumindest hätte er das verdient!

Die Story

Ellie Prendick ist eine studierte Biologin, die sich 1896 nach einem Schiffsunglück irgendwo im Pazifik an das Ufer einer abgelegenen Pazifikinsel retten kann. Dort trifft sie auf einen abgehalfterten Säufer, Mr. Montgomery, einen von der Hochschule suspendierten Wissenschaftler, Dr. Moreau, und ein paar kapuzenbewehrte Angestellte. Schnell erinnert sie sich an die grausamen Experimente des Dr. mit Lebewesen, wegen denen er Europa hatte verlassen müssen und muss feststellen, dass er seine Experimente nicht nur fortgesetzt hat, sondern auch Kreaturen geschaffen hat, die halb menschlich, halb tierisch zu sein scheinen.

Während einige der Kreaturen sich dieser Situation scheinbar klaglos unterordnen und andere durch eine Quasi-Religion gehalten werden, scheinen andere mit ihrer Rolle unzufrieden zu sein. Durch das Auftauchen der Fremden wird nicht nur Montgomery zu einem sabbernden Etwas, auch die Wesen erkennen, dass sich Machtverhältnisse verschoben haben.

Kaum ein Roman dieser Zeit ist so aktuell, wenn es um die Grenzen des Machbaren geht. Überall greift die Menschheit durch Gentechnik in evolutionäre Prozesse ein, verändert oder zerstört die Umwelt und lässt ethische Diskussionen über die eigene Tätigkeit nicht mehr zu. Geändert wurde in dieser Adoption von Ted Adams und Gabriel Rodríguez lediglich das Geschlecht der Besucherin, die im Original noch männlich war. Dadurch kommt in der Graphic Novel eine weitere Konfliktschicht hinzu.

Das Artwork

Rodríguez hat fast die gesamte Geschichte im Doppelseitenlayout angelegt; die Leserichtung geht also immer von links nach ganz rechts und macht nicht wie üblich in der Mitte der Seite halt. Dadurch ergeben sich ungewohnte Bildmöglichkeiten, insbesondere für Landschaften im Panorama-Modus und für Ansammlungen von Geschöpfen. Die Zeichnungen sind sehr detailreich und erlauben sowohl rasante Action durch die Abfolge vieler Panels in einer Reihe als auch ruhig bei flächefüllenden Illustrationen. Die Ausgabe bietet dabei die seltene Möglichkeit, das gesamte Werk in seinen Bleistiftzeichnungen vor der Kolorierung zu betrachten, da diese ebenfalls enthalten sind.

Erst diese reinen Zeichnungen bieten die Chance, den Zeichner in Reinkultur zu sehen, denn gerade im amerikanischen Raum können inks and colours sowohl in positiver als auch in negativer Seite den ursprünglichen Künstler komplett verändern. In dem zusätzlich auch noch abgedruckten Interview darf Gabriel Rodríguez dann auch noch erklären, warum er sich für dieses innovative Layout entschieden hat und warum die Beiden diesen Stoff adaptiert haben.

Die Empfehlung

IDW ist aktuell einer der innovativsten Plätze im amerikanischen Comic-Business. Diese Literaturadaption ist dafür ein weiterer Beweis, denn sie vereinigt handwerkliches Können auf hohem Niveau mit der Auswahl relevanter Themen und sinnvollen Goodies wie Reinzeichnungen und Interview.

Auch die deutsche Ausstattung ist angemessen: Hardcover mit Glanzlackapplikation, größeres Format und festes Papier lassen den Preis von 25 € als der Wertigkeit entsprechend erscheinen. Definitiv ein Band auch für diejenigen, die sonst mit Material aus den USA nicht so viel anfangen können! Für mich einer der Kandidaten für die Jahresbestenliste: politisches Thema wie aktuell auch z.B. bei Schreiber & Leser und gut gemachte Science-Fiction und nicht nur für die Älteren, die H. G. Wells noch in der Schule gelesen haben.

Dazu passen alter Hardrock in neuen Schläuchen von Samantha Fish und ein Bier aus der inklusiven Josefs-Brauerei Bigge.

© der Abbildungen 2020 Panini Verlags GmbH / Ted Adams, Gabriel Rodríguez & Idea & Design Works, LLC

Legendre/Cambré – Kronieken van Amoras 6

De Kronieken van Amoras 6: De Underdog

Story: Willy Vandersteen, Marc Legendre
Zeichnungen: Charel Cambré

Standaard Uitgeverij 
Softcover | 48 Seiten | Farbe | 7,99 €
ISBN: 978-90-02-26980-6 

Die Story

Im letzten Band hatte Sidonia ihren Gewinn noch dafür verwendet, einen Wohnwagen zu kaufen um allen einen Sommerurlaub zu ermöglichen. Nun ist das Geld bereits wieder Mangelware und Sus und Wiske versuchen, ihren Beitrag zu leisten. Wiske war beim Straßensport angegriffen worden und Suske ihr beigesprungen. Den viel größeren Gegner hatte er mit der Faust niedergestreckt und so die Aufmerksamkeit eines komischen Typen erlangt.

Viel Geld wäre im Kampfsport zu verdienen, besonders für ein so junges, unbekanntes Talent, dass auch noch so unscheinbar aussehe, ein Underdog eben. Tatsächlich lassen sich die beiden darauf ein, doch dann begreifen sie langsam, dass der Sinn der Auseinandersetzung nicht der sportliche Wettkampf, sondern die Wetten am Rande sind und der Ausgang der Kämpfe manchmal geplant ist.

Ab dann überschlagen sich die Ereignisse: Wiske wird entführt, Jerom und Lambiek wandeln auf komischen Pfaden und Sidonia verabschiedet sich auf ein geheimnisvolles Wochenende.

Die Umsetzung

Das Tempo, in dem Legendre und Cambré neue Abenteuer vorlegen, ist schon beachtlich, ist es doch erst sieben Monate her, das Band 5 erschienen war. Der Qualität der Zeichnungen oder der Story ist das nicht anzumerken, denn beide sind auf hohem Niveau. Der Zeichenstil erinnert manchmal an den von Michel Vaillant, lässt aber den altbekannten Vandersteen-Stil noch erkennen.

Die Story ist sauber aufgebaut und steigt mitten in das Kampfgeschehen ein; der Werdegang wird dann als Rückblick erzählt. Ständig wird zwischen actionbetonten und ruhigen Abschnitten gewechselt. Dialoge und Situationsbeschreibungen wie etwa das fehlende Geld werden genauso sorgfältig präsentiert wie Reaktionen auf verlorene Wetten oder andere Halbweltthemen.

Für mich definitiv eine der besten aktuellen europäischen Serien – spannend, modern, actionorientiert aber nicht gewaltverherrlichend, schnell erzählt und trotzdem mit nachvollziehbaren Charakteren gefüllt!

Es gibt im Übrigen ein Ex Libris für alle Käufer*innen mit Bezug zu Corona.

Dazu passen The Younghearts und ein Kompaan Vrijbuiter.

© der Abbildungen: Standaard Uitgeverij 2020

All Verlag Programm zweites Halbjahr 2020

Ansgar Lüttgenau stellt das Programm für das zweite Halbjahr 2020 vor und beantwortet die Fragen von comix-online

Ansgar Lüttgenau (links) und Maza, Zeichner von Wunderwaffen, in Erlangen 2014

Wie den meisten bekannt sein dürfte, ist der All Verlag unter der Leitung von Ansgar Lüttgenau sehr darauf erpicht, Perlen und bisher ungehobene Schätze aufzuspüren. Während andere Verlage älteres Material fast nur noch als Gesamtausgabe veröffentlichen, wird hier Serie für Serie entschieden, welcher Weg der Beste ist. Daher erscheinen einige Titel wie etwa Wayne Shelton als Integral, andere wie Bruno Brazil oder Luc Orient erstmals in ihrer Geschichte komplett als einzelne Hardcoverbände mit umfangreichem Bonusmaterial.

Für das zweite Halbjahr dieses Jahres hat der Herausgeber wieder zwei neue Serien ins Programm genommen. Darüber, über die Folgen von Corona und vieles mehr gibt das folgende Interview Auskunft, das wir Ende Mai geführt haben. Natürlich darf hier der Hinweis auf die Vorzugsausgaben nicht fehlen: limitiert auf 111 Exemplare gibt es entweder ein Variantcover oder einen Schutzumschlag und ein limitiertes Ex Libris obendrauf!

Das Interview

c-o: Hallo Ansgar, dies ist bereits das zweite Mal, dass Du Dein neues Programm auf comix-online vorstellst. Das erste Halbjahr 2020 ist ja nun ganz anders verlaufen als wir alle uns das gedacht hätten. Welchen Einfluss hatte Corona auf den All Verlag?

Ich denke das war überall ähnlich. Die Umsätze im stationären Handel sind ziemlich eingebrochen, dafür haben die Bestellungen in unserem Onlineshop deutlich angezogen. Wobei das den Ausfall des stationären Handels natürlich nicht ausgeglichen hat. Da der Verlag aber eh nur ein Hobby ist und wir nicht davon leben (müssen), ist der Umsatzrückgang ärgerlich aber kein wirkliches Problem.

Die Überraschung: Dani Futuro kommt komplett und in Farbe!

c-o: Auch im kommenden Halbjahr bleibst du Deinem Versprechen treu, fast vergessene Schätze zu präsentieren: Dani Futuro ist ein Knaller nicht nur für die „Generation ZACK“. Kannst Du ein wenig darüber erzählen, wie Du zu der Serie gekommen bist und wie die Abstimmung mit dem Zeichner Carlos Giménez aussieht?

Ich hatte von verschiedenen Seiten gehört, dass Carlos nur an einer Veröffentlichung von Dani Futuro in schwarz/weiß interessiert wäre. Da bei dieser Serie aber gerade die Farben den besonderen Reiz ausmachen, war es bisher zu keiner Veröffentlichung in Deutschland gekommen. Auch in Spanien liegt die Serie aktuell übrigens nur in schwarz/weiß vor. Nachdem ich den Zeichner kontaktiert hatte, wurde recht schnell klar, dass es sich wohl um ein Missverständnis gehandelt hatte. Carlos war begeistert, dass jemand die Arbeit auf sich nehmen wollte, digitale Druckdaten zu erstellen und die Serie in Farbe zu veröffentlichen. Er hatte wohl nur deshalb auf einer schwarz/weiß Ausgabe bestanden, weil es keine Druckdaten der farbigen Seiten gab. Carlos, übrigens ein sehr höflicher älterer Herr, hat uns dann mit einer großen Menge von Illustrationen, (teilweise unveröffentlichten) Covern und anderem Bildmaterial versorgt, so dass wir auch für diese Serie wieder einen interessanten Bonusteil anfertigen können. Vielleicht ist auch noch interessant, dass wir beim einscannen der französischen Farbalben festgestellt haben, dass dort Bildstreifen und auch mal eine ganze Seiten gekürzt wurden. Anselm Blocher, der für die Übersetzung und den Bonusteil verantwortlich ist, ist es aber gelungen alte farbige spanische Magazinveröffentlichungen der fehlenden Teile zu finden, so dass wir die Geschichten nach 40 Jahren erstmals wieder komplett präsentieren können.

c-o: Einen ganz anderen Bestseller im Programm des All Verlags stellen die Wunderwaffen dar. Dabei handelt es sich um eine Alternativ-Welt Science-Fiction, die den Zweiten Weltkrieg anders ausgehen lässt und gleichzeitig Aliens in die Handlung einführt. Neben einem neuen Band startet jetzt auch der Ableger Wunderwaffen – Geheime Missionen. Was ist die Zielgruppe für diese Geschichten? Gibt es Überschneidungen zwischen den Leser*innen der SF-Titel von den klassischen Wally Wood-Bänden, den ZACK-Helden Luc Orient und Dani Futuro, dem eher harten Hombre und den Wunderwaffen?

Die Frage nach der Zielgruppe dieser Serie kann ich dir leider nicht wirklich beantworten. Ich nehme an, es sind Menschen die sich für Flieger- bzw. Kriegscomics interessieren. Und davon gibt es scheinbar eine ganze Menge. Wuderwaffen war lange Zeit unsere am besten laufende Serie. Natürlich gibt es auch bei dieser Serie Überschneidungen mit unserem sonstigen Programm. Das sehe ich ja an den Bestellungen in unserem Shop. Allerdings weniger mit 50er-Jahre SF à la Wally Wood oder den Zack-Helden. Eher mit Titeln wie Bärenzahn.

c-o: Aber auch die Freunde des Abenteuers kommen mit Bruno Brazil, Wayne Shelton und dem Abschluss von Hel´Blar auf ihre Kosten, oder?

Ich denke auch. Mit Bruno sind wir ja bald durch und auch bei Wayne Shelton werden wir bis auf ein Album das letzte verfügbare Material präsentieren. Neben einem exklusiv für die deutsche Ausgabe erstellten Cover wird der Band mit Album 12 auch eine bisher auf Deutsch unveröffentlichte Geschichte beinhalten. Besonders schön finde ich auch, dass wir Hel’Blar jetzt doch noch abschließen können. Eine Zeit sah es nach der Insolvenz des französischen Partners nicht so gut dafür aus.

c-o: Bei zwei Serienneustarts und nur einem Serienabschluss besteht die Gefahr, in der Zukunft zu festgelegt zu sein. Dürfen wir auch in naher Zukunft noch Überraschungen erwarten oder geht es erstmal darum, Sachen zu Ende zu bringen?

Serien zu Ende zu bringen ist sehr wichtig, auch für das Vertrauen der Käufer in den Verlag. Deshalb ziehen wir auch schon mal Reihen durch, die man bei kaufmännischen Betrachtungsweise sofort einstellen müsste. Spannender sind für mich aber natürlich neue Reihen. Wenn man langlaufende Serien im Programm hat, ist man normalerweise natürlich festgelegt. Da hast Du Recht. Die Alternative ist, das Programm auszuweiten, damit neue Programmplätze entstehen. Das haben wir in den letzten Jahren ja auch kontinuierlich gemacht. Außerdem werden wir im übernächsten Programm, das auch schon zu 99 % feststeht, 3 Serien beenden und nur eine neu starten. Damit relativiert sich diese Problematik dann wieder etwas.

c-o: Zu guter Letzt die Frage, ob Du unseren Leser*innen mitteilen möchtest, welcher Comic im ersten Halbjahr überraschend gut gelaufen ist und auf welche Veröffentlichung Du dich am meisten freust?

Mit Abstand am besten gelaufen ist Hombre. Trotz (oder gerade wegen) der heftigen Kritik im Comicforum wegen der Entscheidung erst einmal nur die verfügbaren Farbseiten zu bringen, war die erste Auflage bereits nach wenigen Monaten vergriffen. Parallel zur Veröffentlichung des 2. Bandes haben wir den 1. nachgedruckt um die Serie komplett verfügbar zu halten. Im 2. Band ist übrigens, neben den noch vorhandenen Farb- und schwarz/weiß-Geschichten die wir von dem spanischen Lizenzgeber bekommen haben, auch die erste von 12 Farbgeschichten die wir aus einer französischen Albenreihe entnommen und selbst aufbereitet haben. Diese 12 Geschichten sind exklusiv nur in unserer Ausgabe in Farbe. Selbst in der aktuellen spanischen Gesamtausgabe sind die nur in s/w. Nochmal zurück zur Kritik im Comicforum. Natürlich haben wir die Geschichten nicht wild durcheinander in den Büchern platziert, sondern bis auf eine Ausnahme in der umgekehrten Reihenfolge ihrer Erstveröffentlichung. Wenn man sich die Bücher in umgekehrter Reihenfolge ins Regal stellt, also 3, 2, 1, sind die Geschichten wieder (fast) in der richtigen Reihenfolge. Im kommenden Programm freue ich mich am meisten auf Dani Futuro. Wie gesagt, Neues ist immer am spannendsten.

Aber auch jeder neue Band von Wally Wood ist für mich etwas Besonderes. Das sieht man schon daran, dass das in der Regel das einzigste Buch ist, das ich nach der Anlieferung aus der Druckerei nochmal komplett lese. Normalerweise habe ich mich im Herstellungsprozess so intensiv mit den Büchern beschäftigt, dass ich die Bücher in- und auswendig kenne. Das ist natürlich auch bei Wally Wood der Fall aber die Geschichten mit ihrem speziellen Twist faszinieren mich bei jedem lesen erneut.

Cover der limitierten Vorzugsausgabe

c-o: Danke Ansgar für die Beantwortung der Fragen! Wie gut, dass es Menschen gibt von deren Hobbies alle anderen profitieren!

Das Programm für das zweite Halbjahr

August 2020 
Wunderwaffen 9Der Teufel gibt sich die Ehre
Wunderwaffen – Geheime Mission 1Das Phantom-U-Boot
Die sechste Waffe 6Geistertanz
September 2020 
Bruno Brazil 7Kaimane im Reisfeld
Bruno Brazil 8Sturm über den Aleuten
Wally WoodAus dem EC-Archiv Teil 3
November 2020 
Luc Orient 6Der Krater des Verderbens
Luc Orient 7Die Legion der verfluchten Engel
Hel’Blar2Der König unter dem Grabhügel
Dezember 2020 
Dani Futuro 1Das verschollene Raumschiff
Dani Futuro 2Wenn das Monster angreift
Wayne SheltonGesamtausgabe Buch 4

© aller Abbildungen 2020 All Verlag GmbH und den jeweiligen Lizenzgebern

Zep – The End

Ein Ökothriller

Story: Zep
Zeichnungen: 
Zep

Originaltitel: The End

Schreiber und Leser

Hardcover | 96 Seiten | Farbe | 19,80 € |

ISBN:  978-3-96582-026-5

Vor Corona schien es nur ein Thema zu geben: Die drohende ökologische Katastrophe, ausgelöst durch den menschenverursachten Klimawandel und die daraus erwachsenden Folgen für die Menschheit. Jetzt ist die Mode vorbei und Viren, Verschwörungstheorien und Rassismus haben die aktuelle Medienhoheit. Trotzdem sollten wir uns nichts vormachen: Das Thema Ökologie wird uns weiterhin beschäftigen müssen.

Der in der Schweiz geborene Comickünstler Zep hat zwei Standbeine. Einerseits arbeitet er an seinem Millionenseller Titeuf für alle Altersgruppen, andererseits veröffentlicht er schon seit Längerem inhaltlich getriebene Graphic Novels. In The End fabuliert er eine Antwort der Natur auf das Ausbleiben des Wandels.

Die Story      

Die Dystopie beginnt romantisch mit einem Liebespärchen in der Natur, doch schon nach wenigen Augenblicken sind die beiden tot und es liegen noch weitere Leichen herum – Szenenwechsel: Ein Praktikant tritt seine Stelle bei einem leicht verschrobenen Wissenschaftler in Schweden an. Dieser ist nicht nur ein Liebhaber der Doors (und der Titel ist auch eine Reminiszenz daran) sondern glaubt, eine Eigenart der DNA aller Bäume entdeckt zu haben. Seiner Meinung nach speichern alle Bäume die gesamte Geschichte der Erde in ihrer DNA, löschen diese aber, wenn Menschen dem Baum zu nahekommen. Er konnte diesen Fund nur in einem vor Millionen Jahren tiefgefrorenen Baum nachweisen.

Er geht weiter davon aus, dass Bäume miteinander kommunizieren und dafür sowohl Gase als auch Pilze nutzen. Die Bäume seien sogar so etwas wie die Hüter der Erde. Natürlich wurde er dafür angefeindet und hat schließlich seinen Lehrstuhl verloren. Leicht verbittert arbeitet er in der schwedischen Einsamkeit weiter an seinen Ideen.

Der Praktikant findet im Wald unbekannte Pilze und versucht, diese auf die nahegelegene Chemiefabrik zurückzuführen. Er selbst war früher Aktivist einer Öko-Gruppe und scheut den Einsatz unerlaubter Mittel nicht. Tatsächlich schlägt wie so oft Ökonomie Ökologie und so gibt es genügend illegale Entsorgungen. Wird die Natur zurückschlagen?

Das Artwork

Die meisten Bilder bestehen nur aus einer Farbe, schwarzen Konturen und manchmal weißen Flächen. Die dadurch erzeugte Stimmung passt perfekt zu dem Thema, zumal die Farben mit ihren Erdtönen bzw. dem gewählten Grün der Natur entsprechen. Die Zeichnungen sind dabei durchaus realistisch, allerdings durch die Kolorierung sehr zurückhaltend. Da die einzelnen Bilder keine Rahmen haben wirkt das Ganze dabei sehr luftig und „natürlich“ im Gegensatz zur menschgemachten „Ordnung“.

Im Gegensatz zu manchem post-Katastrophen-Szenario steht hier im Übrigen die Action nie im Vordergrund! Die Schockeffekte wirken auch ohne Gewalt und die Erklärung ist durchaus einleuchtend. Natürlich kann man der Story von Zep vorwerfen, etwas esoterisch zu sein, aber auch dafür gibt es eine lange Tradition zu der unter anderem der im Werbetext genannte Mega-Roman „Herr der Ringe“ gehört. Bäume sind schließlich nicht die schlechtesten Erdretter! Und tatsächlich erweisen sie sich auch in gewisser Weise als fair!

Kurzum: Top Tipp für alle, die über Corona den Klimawandel nicht vergessen haben, für alle, die gut gemachte Science-Fiction mögen und für alle, die eine spannende Story abseits ausgetretener Pfade lieben! Die Ausstattung im Hardcover mit schwerem Papier tut ihr übriges!

Dazu passen ein nachhaltig angebauter Wein und ein Album von Pole, etwa „2“. Natürlich mag der Eine oder die Andere auch die Doors auflegen wollen…

© der Abbildungen 2020 Verlag Schreiber & Leser / 2019 Rue de Sèvres, Paris

Ritstier/Kusbiantoro – Saul 2

Endstation

Story: Willem Ritstier
Zeichnungen: Apri Kusbiantoro

Originalausgabe

Uitgeverij Personalia

Softcover | 48 Seiten | Farbe | 8,95 € |

ISBN: 978-94-928-4051-6

Wie gewohnt publiziert Personalia viele der in StripGlossy vorveröffentlichten Comics anschließend als Album. Jelmer und die Meimoorden habe ich bereits besprochen, die Fantasy-Serie Saul folgt nun, wenn auch mit dem zweiten Band.

Die Story

Saul ist ein typischer Fantasyheld: muskelbepackt, kampferprobt und freier Oberkörper. Der Planet Boritas auf dem die Geschichte spielt bietet einerseits archaische Krieger, die mit Schwertern oder Pfeil und Bogen ausgerüstet sind, andererseits aber auch Reste einer technischen Zivilisation, die über U-Boote und andere fortschrittliche Maschinen verfügt. Das Wissen darum ist aber den meisten verlorengegangen.

Im ersten Band ist Saul von Lea, einer Schwertkämpferin und Kopfgeldjägerin, gefangengenommen worden. Lea will – und das ist der Start der zweiten Folge – Saul in der Hauptstadt Hyremdahr abliefern um die auf ihn ausgesetzte Belohnung von 80.000 Sem zu kassieren. Auf dem Weg in die Stadt müssen sie ein großes Wasser überqueren, finden allerdings keinen Skipper, der sie übersetzen würde. Sie alle haben Angst da bisher niemand zurückgekehrt ist.

Die beiden machen sich also in einem kleinen Boot selbst auf den Weg und damit beginnt die gefährliche und abenteuerliche Reise die jede*n Rollenspieler*in in hellste Freude versetzen würde! Ungeheuer, tierische Gegner, technische Fallen, der Fantasie sind kaum Grenzen gesetzt. Die Story von Willem Ritstier folgt natürlich genretypischen Pfaden, macht das aber auf durchaus spannende Weise und weiß daher zu gefallen! Für alle Storm oder Conan Fans und natürlich für die Liebhaber*innen von Flash Gordon empfiehlt sich durchaus ein Blick!

In den Niederlanden ist Ritstier durchaus bekannt da er in fast allen Comic-Magazinen und auch in einigen Tageszeitungen mit seinen Strips vertreten war. In Deutschland ist nur wenig davon veröffentlicht und so dürfte er am ehesten als Szenarist von Ronson und eines Storm-spinn offs in Erinnerung geblieben sein.

Die Zeichnungen

Apri Kusbiantoro zeichnet ganz in der Tradition von Don Lawrence, dem ursprünglichen Zeichner von Trigan und Storm. Die Gesichter sehen zwar nicht immer gleich aus, es gelingt ihm aber überzeugend, Emotionen in ihnen darzustellen! Sein Verständnis des Körpers ist dagegen sehr hoch entwickelt und so sehen die Kampfszenen sehr realistisch aus.

Für dieses Genre ist ebenfalls notwendig, dass der Zeichner fremde Welten glaubwürdig darstellen kann: Flora und Fauna müssen nicht nur furchteinflößend sein, sondern auch so andersartig, dass Leser*innen sich sofort in einer fremden Umgebung wähnen. Auch das gelingt dem in Indonesien geborenen Künstler sowohl bei den technisch geprägten Landschaften als auch unter Wasser perfekt! Die Affen wirken dagegen etwas wie aus einem frühen Science-Fiction Film.

Der Seitenaufbau und die Gestaltung der einzelnen Panels sind sehr flexibel und abwechslungsreich genug. Obwohl Kusbiantoro an dem klassischen Aufbau festhält sprengen einzelne Rahmen immer wieder das Muster und verlassen auch die rechteckige Form und selbst ganzseitige Illustrationen finden ihren Platz.

Ein gelungenes klassisches Fantasyabenteuer mit SF Einschlag braucht etwas härtere Musik als Begleitung; ein Grund mal Tagada Jones zu empfehlen! Dazu passt die „Hopfenanarchie“ vom Brauhaus Thombansen.

Abbildungen © 2019 Uitgeverij Personalia

All Verlag Programm 2020 und Interview mit Ansgar Lüttgenau

Das erste Halbjahr 2020 bringt Klassiker für alle! Überraschungen inklusive 🙂

Ansgar Lüttgenau, Programmleiter von All Comics beantwortete unsere Fragen

Das neue Jahr steht vor der Tür und damit auch die neuen Halbjahresprogramme der Comic-Verlage. Ich habe kurz vor Weihnachten das folgende Interview mit Ansgar Lüttgenau geführt. In den ersten sechs Monaten von 2020 werden insgesamt elf verschiedene Titel erscheinen. Jeden einzelnen davon wird es auch als limitierte Vorzugsausgabe geben!

c-o: Hallo Ansgar, kannst Du Dich den Leser*innen von comix-online kurz vorstellen? Was machst du, wenn Du nicht gerade am neuen Programm bastelst?

Obwohl wir mit mehr als 20 Neuerscheinungen im Jahr mittlerweile eine Größe erreicht haben, die eigentlich eine Vollzeitbeschäftigung voraussetzt, läuft der ganze Verlag immer noch als Hobby so nebenher. Den Lebensunterhalt verdiene ich im Vertrieb bei einer Wirtschaftsauskunftei und wenn ich nach Feierabend mal nichts für den Verlag machen muss, freuen sich auch die Kinder mal ihren Vater zu sehen.

c-o: Der All-Verlag wird immer mehr zu einem Ort für Klassiker; 2019 hast du einerseits alte ZACK-Recken wie Bruno Brazil und Luc Orient zurückgebracht, andererseits aber auch mit Wally Wood einen Altmeister der Science Fiction verlegt. Natürlich dürfen wir bei dieser Aufzählung auch André Franquin nicht vergessen. Welche Überraschung bietet das neue Programm?

Ein Verlag für Klassiker. Das ist tatsächlich die Richtung in die es gehen wird. Speziell Klassiker für die es keine Druckdaten im Ausland mehr gibt, sollen in den nächsten Jahren das Rückgrat des Programms bilden. In dem Bereich gibt es noch echte Perlen, an die sich wegen des Aufwands niemand sonst ranwagt. Sozusagen als Test veröffentlichen wir ab Mai die Serie Alain Chevallier von Christian Denayer von dem wir ja auch schon Wayne Shelton im Programm haben. Diese Rennfahrerserie, die es seit Jahrzehnten auch in Frankreich nur noch antiquarisch gibt, lief übrigens in den 1970er Jahren unter dem Titel Rolf Thomsen auch im alten Zack. Das hat dann natürlich auch was mit Autorenpflege zu tun, die uns sehr wichtig ist. Deshalb wird es auch weiteres Material von Paape und Vance geben. Aber das ist noch Zukunftsmusik.

Neben André Franquin werden demnächst (vielleicht) auch noch weitere große Namen zu den bei uns veröffentlichten Künstlern zählen. Los gehts in diesem Programm mit Goscinny und Tabary. An weiten Projekten z.B. von Moebius und Hermann arbeiten wir. Mal sehen, was da noch geht.

c-o: Wie schwierig ist es, gleichzeitig für Serien wie Hombre auf der einen und etwa Valentin auf der anderen Seite Werbung zu machen?

Da musst du unseren Grafiker fragen. Der hat da mehr oder weniger freie Hand. Im Prinzip macht das aber keinen großen Unterschied. Wichtig ist eigentlich nur, dass man die richtige Werbung im richtigen Objekt macht. Für den Franquin/Gotlib-Titel Slowburn haben wir zum Beispiel eine „Anzeige“ im aktuellen Buchjournal gemacht, das in einer Auflage von 220.000 Exemplaren in fast jeder Buchhandlung in Deutschland ausliegt. Das bot sich einfach an, weil wir für diesen Titel, der sich optimal als kleines Geschenk eignet, als Absatzkanal weniger den Comichandel sondern mehr den klassischen Buchhandel sehen. Außerdem versuchen wir natürlich immer auch außerhalb des klassischen Comicbereichs wahrgenommen zu werden und haben uns in letzter Zeit deshalb besonders gefreut, dass unsere Titel auch in Medien wie dem Tagesspiegel bzw. der Süddeutschen Zeitung Erwähnung gefunden haben.

Vorzugsausgabe von Alwilda 2

c-o: In den folgenden Monaten wirst Du einerseits vier Gesamtausgaben bringen, daneben startet mit Alain Chevallier aber auch ein Klassiker wieder mit Einzelbänden. Welche Überlegungen stecken dahinter? Oder folgst du damit den Vorgaben der Lizenzgeber?

Meiner Meinung nach geht der Trend grundsätzlich wieder zu Einzelbänden. Die nehmen zwar mehr Platz im Regal weg, bieten aber eine viel bessere Möglichkeit eine Serie zu präsentieren. Wenn es allerdings wie bei Lady S. oder Wayne Shelton bereits Einzelalben in adäquater Form gibt, entscheiden wir uns in der Regel für Gesamtausgaben. Aber keine Regel ohne Ausnahme. Welche Publikationsform wir wählen, entscheiden wir im Einzelfall. Nicht zuletzt spielt dabei natürlich auch die Überlegung nach der Verkäuflichkeit eine große Rolle. Vom Lizenzgeber gibt es diesbezüglich eigentlich normalerweise keine Vorgaben.

Vorzugsausgabe Lady S. 2

c-o: Im Regelfall erscheinen neben dem regulären Band auch Vorzugsausgaben. Warum sollte man sich diese zulegen?

Gute Frage. Unsere Vorzugsausgaben enthalten ja einen Schutzumschlag oder ein Variantcover und ein auf 111 Exemplare limitiertes nummeriertes und, wenn der Zeichner noch lebt, auch signiertes Exlibris. Das macht die Bücher grundsätzlich um einiges hochwertiger. Außerdem bekommt man nur in den Vorzugsausgaben das komplette Bildmaterial. Bei Luc Orient sind das zum Beispiel Illustrationen die für französische Exlibris, Poster usw. entstanden und als Drucke nur in unseren VZA enthalten sind. Bei Bruno Brazil sind es Cover der französischen Alben Neuausgaben und bei Hombre bzw. Wally Wood Alben- und Heftcover die nicht im Bonusteil auftauchen sondern die wir exklusiv nur für unsere Exlibris verwenden. Bei Alben von Künstlern die noch unter uns weilen, wie Lady S. oder Wayne Shelton lassen wir natürlich exklusiv neue Illustrationen anfertigen. Für mich ist dabei der direkte Kontakt mit dem Künstler eigentlich immer das interessanteste. Manchmal gibt es dabei aber auch Anforderungen die kaum zu erfüllen sind. So hatte sich der 79jährige Richard Corben ausbedungen die Exlibris Blätter von Schatten auf dem Grab nur zu signieren, wenn die Versand- und Zollformalitäten auch für die Rücksendung komplett von uns übernommen werden. Da das von Deutschland aus nicht möglich war, mussten wir einen in den USA lebenden Onkel meiner Frau, von dessen Existenz ich erst wenige Wochen vorher durch Zufall überhaupt erst erfahren hatte, bitten das für uns zu übernehmen. Das Ganze war eine ziemlich aufwändige Aktion die mehrere Monate gedauert hat und die ich mir so sicher nicht nochmal antun würde.

c-o: Wie sieht es 2020 mit Messen und Börsen aus? Kann man euch im nächsten Jahr irgendwo auch persönlich treffen?

Natürlich werden wir auch 2020 wieder im Mai und November einen Stand auf unserer „Heimbörse“ in Köln haben. Wer die nächsten Luc Orient Ausgaben oder die Valentin Gesamtausgabe von Goscinny bereits einige Zeit vor dem eigentlichen Verkaufsstart erwerben will, sollte dorthin kommen. Meist haben wir dort das Maiprogramm erstmals dabei. Die wichtigste Veranstaltung im nächsten Jahr wird für uns aber der Comic Salon in Erlangen sein. Da wir bis dahin auf fast 100 Veröffentlichungen zurückblicken können, ist es an der Zeit endlich auch in diesem Bereich etwas professioneller aufzutreten. Deshalb haben wir uns entschlossen eigens einen Messestand bauen zu lassen an dem wir dann mit Christian Denayer (Wayne Shelton/Alain Chevallier) und Philippe Aymond (Lady S./Bruno Brazil Neue Abenteuer) zwei unserer „Hauskünstler“ adäquat präsentieren können.

c-o: Dein Tipp für das erste Halbjahr? Was sollte man sich als Comicfan auf gar keinen Fall entgehen lassen?

Da müsste ich ja jetzt das komplette Programm aufzählen. Aber für mich persönlich sind natürlich die alten Zack-Serien Luc Orient, Bruno Brazil und aktuell Alain Chevallier (Rolf Thomsen) ein besonderes Highlight, weil ich damit aufgewachsen bin. Außerdem freue ich mich immer über einen neuen Band der Wally Wood Gesamtausgabe. Da erscheint der nächste Band aber erst wieder im 2. Halbjahr 2020. Übrigens eins der wenigen Bücher die ich nochmal lese, wenn sie von der Druckerei geliefert worden sind. Bei den meisten Büchern reicht es mir, wenn ich sie während des Produktionsprozesses x-mal gelesen habe.

Ex Libris der Hombre Vorzugsausgabe

c-o: Für die Statistik zum Abschluss noch ein kurzer Rückblick auf 2019: Was waren deine Topseller? Gab es positive oder negative Überraschungen mit denen Du so nicht gerechnet hättest?

Unser Topseller ist immer noch Wunderwaffen. Davon gehen immer jeweils deutlich über 1000 Exemplare mit der ersten Auslieferung in den Handel. Einige Bände sind bereits in der 3. Auflage und es stehen schon wieder weitere Ausgaben zur Neuauflage an. Ein unerwarteter Verkaufserfolg war auch Hombre. Obwohl wir uns in unserem Internetform einige Kritik wegen der nicht chronologischen Veröffentlichung gefallen lassen mussten, ist der Titel seit einigen Wochen, bis auf ein paar Büchern in unseren Shop, komplett vergriffen.  Voraussichtlich wird es eine Neuauflage zusammen mit Band 2 im Februar geben. Slowburn und Die neuen Abenteuer von Bruno Brazil werden wohl die nächsten Topseller werden. Genaueres kann man aber erst sagen, wenn die erste Abrechnung vom Vertrieb vorliegt.

c-o: Besten Dank und wir freuen uns mit Dir auf das starke Programm!

Das Programm im Detail:

Februar
Bruno Brazil 5 Die Nacht der Schakale
Bruno Brazil 6 Höllentanz in Sacramento
HombreGesamtausgabe Band 2
März
Alwilda 2 Die Piratin der Ostsee
Die Wege von Malefosse Gesamtausgabe Band 4
Mai
Luc Orient 5Der stählerne Wald
Luc Orient 6Das Geheimnis der 7 Lichter
Valentin Gesamtausgabe Band 1
Juni
Alain Chevallier 1 Ein Champion geht durch die Hölle
Alain Chevallier 8Die Rivalen
Lady S.Gesamtausgabe 2

© der Abbildungen All-Verlag 2020

Camp 3 – Dezember 2019

Camp – Magazin für Comic, Illustration und Trivialkultur– Ausgabe 3

Herausgeber: Volker Hamann und Matthias Hofmann
Verlag Volker Hamann, Edition Alfons
Heft Din A 4 | 148 Seiten | Farbe | 15,00 €
ISSN: n/a

Der Untertitel „Magazin für Comic, Illustration und Trivialkultur“ gibt ziemlich genau wieder was Leser*innen von CAMP erwarten dürfen! 148 prall gefüllte, stabile und mit unzähligen Abbildungen versehene Seiten entführen in völlig unterschiedliche Spielarten der Populärkultur und laden – jahreszeitlich passend – zu gemütlichen Stunden am Kaminfeuer ein. Das Schwesterprojekt „Reddition“ widmet sich dagegen seit über 30 Jahren jeweils einem oder zwei Themen aus der Welt der Comics.

Man mag bei der CAMP möglicherweise eine gewisse Konstanz vermissen, erschien doch die erste Ausgabe bereits 2014, die zweite dann 2016 und gerade noch in diesem Jahrzehnt nun die dritte! Das Konzept wurde aber beibehalten und nur modernisiert: lange, in die Tiefe gehende Artikel, auch, aber nicht ausschließlich über fast vergessene Comicschätzchen. Dazu kommen Beiträge über die (fast vergessenen) Illustrator*innen, die in der ersten Nachkriegsjahren mit ihren Titelbildern für den Siegeszug des Taschenbuchs gesorgt haben und neue Literatur in das geistig verdorrte Deutschland transportierten oder eine Untersuchung über die Form und Gestalt der Raumschiffe in der Science-Fiction-Literatur bzw. wiederum in ihren Titelillustrationen.

Comic-Geschichte

Der Schwarze Wolf hat es bei Bastei auf immerhin 119 übersetzte Episoden gebracht; Im Original bei Vaillant/Pif Gadget gab es 161. Durch die hier abgedruckte Geschichte reduziert sich die Lücke um eine weitere Geschichte. Ulrich Wick erzählt aber auch die Geschichte dahinter, den etwas anderen Anspruch des französischen Magazins aus dem Verlag der Kommunistischen Partei, und die Referenzen auf eben diese Serie in der französischen Literatur.

Bob Kane ist sicherlich den meisten ein Begriff, gilt er doch als der Erfinder von Batman. Wieviel wirklich von ihm stammt und welchen Anteil andere wie Bill Finger oder die verschiedensten Geisterzeichner gehabt haben könnten, untersucht Will Murray.

Dazu gibt es eine Übersicht über die verschiedensten Laurel & Hardy-Comics. Durch den Film im letzten Jahr wurden die Beiden wieder in das (Massen-)Bewusstsein gebracht; die Comics über sie sind eher keine Erfolgsgeschichte.

S. Clay Wilson ist ein Vertreter des amerikanischen Underground. Eine Zeitlang war er auch in Deutschland „hip“ und durfte etwa für 2001 Burroughs illustrieren. Seit 2008 ist der Künstler ein Pflegefall und auf Spenden angewiesen.

Den Grenzbereich vom Comic zur Illustration nimmt Loriot ein. Dietrich Grünewald erzählt, warum Loriot hier trotzdem richtig ist und führt in seine Werke ein.

Illustration

Magische Postkarten sind old-school. Sie lassen sich nur einmal in einen neuen Zustand versetzen, erlauben es dadurch aber eine sequentielle Geschichte zu erzählen. Man braucht nur eine Wärmequelle… Anfang des letzten Jahrhunderts waren diese auch im Comic-Bereich ein beliebtes Werbemittel. Sie sind aber leider ziemlich in Vergessenheit geraten. Hier erfolgt der blick zurück.

Bei Dave McKean sind die Ansichten durchaus geteilt: Während die einen von seinen neue Wege beschreitenden Bildern/Collagen schwärmen, die dem Comic etwa in Arkham Asylum neue Horizonte erschlossen hätten, halten andere es für artifiziellen überflüssigen Krams. Unzweifelhaft hat McKean aber eine völlig neue Darstellungsform in den US-Mainstream gebracht.

Trivialkultur

Abschließend wird noch der amerikanische Fanzine-/Magazin Herausgeber Charles N. Brown gewürdigt der das „Locus“ von 1968 bis zu seinem Tod im Jahre 2000 gemacht und geprägt hat. Das Locus gibt es immer noch und es ist immer noch eine der wichtigsten Informationsquellen in, über und für Science-Fiction!

Der Blick nach Japan darf nicht fehlen. Hier geht es aber nicht um eine der vielen Manga-Serien oder Richtungen, sondern um „ero guro“, ein zugrunde liegendes Kunstphänomen, das schon älter ist und viele Wildheiten mit sich bringt.

Fazit

Tiefergehende Information ist heute nicht unbedingt selbstverständlich und oft fehlt dafür auch wirklich die Zeit. Umso schöner, dass das CAMP unregelmäßig (und deshalb umso willkommener) dieses Bedürfnis befriedigt und „unnützes Wissen“ in seiner besten Form darbietet!

Viele, tiefgehende Artikel und sorgfältig ausgewählte ergänzende Illustrationen in einem stimmigen Layout sind die 15 € allemal wert! Mein Tipp für die anstehenden Urlaubstage zur Flucht in triviale Welten, gerne auch ohne einen Kamin!

Dazu passen irgendwie schräge und unbekanntere Klänge: Grabt doch mal nach deutscher Mod-Musik (zur falschen Zeit am falschen Ort) oder nach Northern Soul Perlen! Ein Bordeaux sollte dabei unterstützend wirken können.

© der Abbildungen bei den Autoren und Verlagen c/o Edition Alfons 2019

Feldstein/Wood – Aus dem EC-Archiv 2

Alle Science Fiction und Fantasy Stories Band 2 (1951 – 1952)

Story: Bill Gaines & Al Feldstein
Zeichnungen: Wallace Wood

Originaltitel: EC Archive 2

All Verlag

Hardcover | 160 Seiten | Farbe | 29,80 € |

ISBN: 978-3-946522-68-3

Let’s get weird!

Ach was waren das für Zeiten: unaufgeregt, von keiner Klima- oder Gesundheitskrise betroffen und zukunftsorientiert! Schick angezogene Männer und Frauen, gerne im Fantasie-Uniform-Style, laufen rauchend durch Raumschiffe, betreten fremde Welten und erkennen, dass der Schein manchmal trügt, gleiche Entwicklung auch gleiche Ergebnisse bringt oder dass heiraten tödliche Folgen haben kann.

In allen im zweiten Band der Sammlung von Wally Woods Geschichten aus den EC-Magazinen steht die Technik nicht im Vordergrund. Sie ermöglicht Raumflüge, Zeitsprünge und alles andere, hat aber immer nur unterstützenden Charakter. Der Mensch bleibt derjenige, der Katastrophen auslöst, wenn er sich mal wieder allmächtig fühlt, seinen sexistischen Vorlieben folgt oder einfach nur zu spät reagiert.

Dazu kommen dann auch noch Geschichten, die der Menschheit einen Spiegel vorhalten, etwa indem sich die Entdecker einer uralten Marszivilisation mit dem Konzept des „Monsters“ auseinandersetzen müssen.  Mein Tipp für ein erstes Reinlesen ist aber „ Projekt … Überleben“.

Die Umsetzung

Insgesamt 18-mal darf Wally Wood seine Zeichenkunst in Geschichten zeigen, 7-mal werden zusätzlich ganzseitige Illustrationen von Covermotiven integriert. Im Mittelpunkt stehen dabei wieder die beiden Reihen Weird Fantasy und Weird Science aber auch der in Shock Suspenstory 2 enthaltene Beitrag fehlt nicht.

Keiner kann Monster so genial in Szene setzen ohne im Vorfeld schon eine klare Richtung vor zu geben. Oft ist bis zum letzten pageturner nicht klar, auf welcher Seite sich Monstrositäten offenbaren werden und wo die Opfer zu verorten sind. Der Seitenaufbau ist dabei gar nicht mal so abwechslungsreich. Auf die grafisch ansprechende, individuelle (und in der deutschen Ausgabe perfekt übersetzte/angepasste) Startseite erfolgt ein relativ starres dreireihiges Schema. Dieses variiert in der Anzahl der Panele sowie der Höhe häufig und bietet anhand der Schraffuren und der vielen Details ein perfektes Gerüst für die kräftige aber immer noch unterstützende Kolorierung.

Wood bietet aber nicht nur anregende fremde Landschaften sondern auch einen fast perfekten Einblick in die Emotionen seiner Figuren über die Gesichtszüge und Körperhaltung und lässt sich den Stress der kurzen Abgabefristen nicht anmerken.

Abgerundet wird der Band durch den Essay von Helmut Kronthaler über das offizielle Verhältnis zwischen Verleger Gaines und Ideenlieferant Ray Bradbury sowie einer Comicographie der von Bradbury autorisierten Adaptionen seiner Stories in den EC-Titeln.

Der Ausblick

Leider wird es nur drei Bände geben, denn dann ist das Material erschöpft. Diese lohnen sich aber unbedingt und sollten nicht nur bei allen Liebhaber*innen klassischer Science Fiction, der Gruselgeschichten und der Pulps im Regal stehen, sondern auch bei denjenigen, die gute, kurze Geschichten lieben, die nicht vorhersehbar sind, spannend und ohne Popcornkinoelemente auskommen! Schade, dass aufgrund der politischen Umstände diese Blüte der Horror/Fantasy/Science Fiction-Literatur nur eine kurze Lebensspanne hatte. Aber vielleicht verdanken wir dieser Situation dafür die Langlebigkeit des MAD.

ExLibri der Vorzugsausgabe

Natürlich gibt es auch wieder eine limitierte Vorzugsausgabe mit anderem Cover und einem ExLibris. – Zu Band 1.

Dazu passen quietschbunte Cocktails und die herrlich schrägen Horrorpops!

© der Abbildungen 2019 All-Verlag, Wipperfürth

© 2019 William M. Gaines, Agent, Inc