Lucas Museum of Narrative Art

A sweeping journey through the images that tell our stories

Herausgeber/Autor: Jessica Hundley

Mit Beiträgen von: George Lucas, Guillermo del Toro, Ryan Linkof

Originalausgabe

Taschen Verlag

Hardcover 2 Bände im Schuber | 832 Seiten | Farbe | 175,00 € | ISBN: 978-3-7544-0564-2 (EN)

Cover Lucas Museum of Narrative Art
Art © Don Maitz

George Lucas hat ein eigenes Museum for Narrative Art eröffnet. Das ist zunächst schon mal eine gute Nachricht, denn sie enthält die Mitteilung, dass das, was eine der bedeutendsten Geschichten der Science-Fiction hat entstehen lassen, nachvollziehbar wird. Die Nachrichtensendungen transportieren diese Meldung, zeigen die wunderschöne moderne Architektur des Museumsgebildes mit seinen 30 Galerien, und verweisen auf die Person des Stifters und dass sein Kunstbegriff auch unterhaltende Kunst umfasst. Das ist die eine Seite!

Die andere ist, dass hinter diesem Museum und seiner Eröffnungsschau eine Theorie der erzählenden Kunst steht, die so ausführlich und anschaulich dargestellt ihrer Gleichen sucht. Es gibt viele Sammler*innen von Kunstwerken. Viele von ihnen sammeln sogar mit einem Ziel: ein*e Künstler*in, eine Richtung, eine Geografie, ein Thema, oftmals weiter eingeschränkt. George Lucas hat im Laufe der Jahre 40.000 Artefakte gesammelt, die ihn berührt haben, ohne auch nur ein einziges davon wieder zu verkaufen. Diese persönliche Motivation hat dazu geführt, dass die Werke sich in einer Weise ähnelten, die es erlaubte, eine Theorie damit zu unterfüttern.

Alle diese Kunstwerke erzählen eine Story, unterfüttern sie oder stellen sie in Frage, selbst wenn das des Schaffenden nicht immer ausdrücklich klar war!

Ein Bild ist neutral?

Keinesfalls! Ein Bild steht fast immer in einem Zusammenhang. Es normiert Erwartungen, schafft einen Rahmen des Erwartbaren, Erlaubten, Frivolen, … Selbst eine Flucht in eine romantische Landschaft, ein abstraktes Muster, ein Stillleben ist eine Aussage, erst recht die Darstellung einer soziologischen Begebenheit.

Das fängt bei den Geschichten für Kinder an: Ist es eine heile, konservative Welt mit einem normierten Familienbegriff? Oder gibt es Patchworkhintergründe und queere Eltern? Sind die Kinder gemischt nach Ethnien, Geschlecht und Alter oder separiert? Alle diese scheinbar unwesentlichen Details bilden den Hintergrund der ersten Prägung, die nicht von den Eltern ausgeht und damit quasi objektiv wahrgenommen wird. Die Darstellung der heilen Familie in der Vorstadt (Stichwort: Tradwives) unterscheidet sich von der Influencer-Welt, der Schichtarbeit, der Land-WG. Es ist aber nicht nur die Darstellung, die sich unterscheidet, es ist auch der damit bezweckte Impetus.

Lucas Museum of Narrative Art drawing from Rockwell
Norman Rockwell
Age of Romance, cover for The Saturday Evening Post,
November 10, 1923. Oil on canvas, 30 x 24 in. (76.2 x 61 cm)

Ganz plump ausgedrückt: Unterstützen das Bild und seine Narration die herrschenden Verhältnisse, stellen sie sie in Frage oder rufen sie gar zu einer revolutionären Aktion auf? Es ist wichtig, sich der Tatsache bewusst zu sein, dass Bilder in einem Kontext lesbar sind.

Der Massendruck bot eine Möglichkeit, dieses Medium in viele Haushalte zu bringen, die Rezeption war aber immer noch individuell: beim Zeitung-/Magazinlesen, beim Betrachten des Kunstdruckes an der Wand, beim Durchblättern eines Bildbandes.

Vom Individuum zur Gruppe

Jede individuelle Rezeption mag Folgen haben, sie mag sogar im Gespräch mit Anderen Unterstützung finden und somit kollektive Entscheidungen beeinflussen; das ist aber kaum planbar. Anders ist es mit öffentlichen Präsentationen: ein Mural (Wandbild) erreicht nicht nur die gesamte Nachbar*innenschaft, sondern zieht vielleicht sogar Auswärtige an, eine Ausstellung, noch mehr ein Film garantiert eine Gleichzeitigkeit des Erlebens und ermöglicht dadurch Interaktion und kollektive Beeinflussung.

Das soll im Übrigen keineswegs nur negativ klingen! Eine Unterstützung von Tierschutz und Umweltbewusstsein, eine Änderung im täglichen Verhalten wie Mülltrennung, Aufklärung über krankheitsfördernde Umstände sind – zumindest für mich – sehr positive Folgen dieser subtilen, aber wirksamen Präsentation von narrativer Kunst. Nicht zuletzt basiert unsere demokratische, freie Gesellschaft auf der Interaktion und der Vereinbarung auf das Beste für Alle.

Ein weiterer Aspekt kommt hinzu: Gemalte Bilder und erschaffene Skulpturen haben immer etwas Subjektives und unterliegen damit einem gewissen Vorbehalt. Ein Foto hingegen bildet die Realität ab, niemand kann es anzweifeln (nun ja, schon immer konnten Fotos manipuliert werden, aber nie war es einfacher als heute mit AI). Dokumentarfilme mit bewegten Bildern waren noch eindringlicher: Seeing is believing!

Lucas Museum of Narrative Art drawing from Colescott
Robert Colescott
George Washington Carver
Crossing the Delaware:
Page from an American History
Textbook, 1975. Acrylic on
canvas, 78 1/2 x 98 1/4 in.
(199.4 x 249.6 cm)


© Estate of Robert Colescott / VG Bild-Kunst, Bonn 2026

Der Museumskatalog führt nicht nur diese Gedanken sehr viel tiefer aus, allerdings auf Englisch, er führt auch eine Vielzahl an Beispielen aus der umfangreichen Sammlung an. Diese belegen positive wie negative Elemente, zeigen an Gegensätzen die Wirkung und hinterfragen ein ums andere Mal die teilweise behauptete Objektivität. Schon die Auswahl des Motivs hat einen Einfluss!

Die Glaubwürdigkeit der Kulisse

Der erste Band des zweiteiligen Kataloges schließt mit dem filmischen Star Wars Universum. Es geht nicht nur darum, welch großartige Story der Film erzählt (oder besser die Vielfältigkeit der erzählten Geschichten, die sich zu einem modernen Mythos verbinden), sondern auch darum, was man tun muss, um die Glaubwürdigkeit zu erreichen.

Das fängt damit an, dass die Kulissen, Raumschiffe und Kleidungsstücke nicht sauber poliert sind. Die damaligen SF-Filme sahen oftmals so aus, als ob die Putzkolonne das Setting gerade verlassen hatte. In Star Wars waren die Sachen alt, geflickt, staubbedeckt und damit … glaubhaft! Die Sandleute hatten nicht nur Männer, sondern auch Kinder und Frauen; diese unterschieden sich in ihren Klamotten. Die heute ikonische Prinzessin Leia trug etwas, das Adel ausstrahlte, im Kampf aber nicht behinderte, die Fahrzeuge und die fremden Wesen waren erkennbar anders, konnten aber funktionieren.

George Lucas hatte nie vor, nur einen erfolgreichen Film zu drehen, er wollte ein Universum erschaffen, bevölkern und mit den Geschichten in diesem Setting Prinzipien Gehör verschaffen, Probleme des Erwachsenwerdens, des Gegensatzes von Gut und Böse, von Machtmissbrauch thematisieren und ernst genommen werden. Dafür ist/war es notwendig, sich mit diesem Setting alle Mühe zu geben, um eine glaubwürdige Basis zu haben.

Lucas Museum of Narrative Art drawing from Chiang
Doug Chiang
Starship Landing Platform (detail), production art for Star
Wars: Episode II — Attack of the Clones, 2000. Acrylic on board,
10 5/8 x 17 3/4 in. (27 x 45.1 cm)

© & TM Lucasfilm Ltd. All Rights Reserved

Der zweite Band des monumentalen Werkes bleibt bei der erzählten Geschichte, führt sie allerdings von der Leinwand zurück auf das Papier. Imaginierte Welten entführen die Betrachter*innen und zeigen etwas, das nicht existiert, aber doch eine bestimmte Funktion erfüllen soll. Diese kann zunächst einmal positiv sein, also ein Ideal darstellen oder eine Auffassung von gemeinsamer Geschichte definieren.

Ein Beispiel dafür ist die Besiedlung des sog. „Wilden Westens“. Weder war dieser leer, noch gingen die ursprünglichen Bewohner*innen freiwillig. Die Neuankömmlinge waren keineswegs immer friedlich oder voll mit guten, demokratischen Gedanken. Trotzdem ist auch durch die Darstellung in Pulps, in Gemälden und Comics eine Basis für ein Verständnis dieser Geschichte geschaffen worden, dass als Gründungsmythos dient (und natürlich auch von Foto und Film unterstützt wurde). Im Endeffekt beruht ein Großteil der Identität der Vereinigten Staaten auf dieser – die Geschichte nicht unwesentlich formenden – erzählten „Wahrheit“.

Diese Welten beziehen sich aber nicht nur auf die Geschichte, sie sind auch in anderen sowohl soziologischen als auch philosophischen Bereichen spürbar. Da wäre zunächst der Bereich Romantik und Abenteuer. Natürlich werden die zukünftigen Erwachsenen auch durch das geprägt, was sie als Kinder und Jugendliche als Rollenbilder vorgesetzt bekommen. Die heile Familie, der allen Gefahren trotzende und Andersartige abschlachtende Held sind die eine Seite, das hilfsbereite Kind in einer offenen Gesellschaft, das solidarische Leben von Erwachsenen die andere.

In enger Wechselwirkung dazu stehen die Themen Science-Fiction und Fantasy; Während erstere eher gesellschaftliche Visionen und Dystopien beschreibt, spielen in letzterem wieder die Helden, seltener Heldinnen, und Machtstrukturen eine Rolle. Abschießend geht der Katalog auf wenige Künstler*innen spezifisch ein, die pars pro toto stehen.

Must Have!

George Lucas und seine Frau Mellody Hobson haben letzte Woche bei der Eröffnung des Museums den ersten 100 Besucher*innen persönlich die Hand geschüttelt. Das neu errichtete Bauwerk ist schon ohne Ausstellung einen Besuch wert, die Schau mit ihren fast eineinhalb Tausend Stücken erst recht! Wer es aus welchen Gründen auch immer wie die meisten von uns nicht nach Kalifornien schaffen sollte, hat mit dem Katalog Lucas Museum of Narrative Art eine echte Alternative! Gut aufbereitet, informativ und einordnend und trotzdem locker lesbar ist das Werk ein heißer Anwärter für das Sachbuch des Jahres!

Wer sich auf die Reise macht, sollte den Katalog vorher lesen, sich seine eigenen Gedanken machen und versuchen, diesen im Gebäude mit seinen 30 Sälen zu folgen. Die Werke sind im Original mit Sicherheit noch eindrucksvoller, die Theorie des visuellen Erzählens und seine Folgen ist in Häppchen vorab genossen wahrscheinlich besser verständlich als bei einem Besuch.

In beiden Fällen ist der Schuber mit seinen zwei Bänden nicht nur ein Hingucker im Regal, sondern auch ein lehrreicher und begeisternder Zeitvertreib bei allen Wartereien!

Dazu passen Gustav Holst mit „Die Planeten“, ein Espresso (aus Äthiopischen Bohnen) und ein guter Bordeaux.

© der Abbildungen 2026 Lucas Museum of Narrative Art | 2026 Taschen GmbH, Köln

Das Blake und Mortimer Lexikon

52 Stichworte!

Hrsg.: Jean-Pierre Naugrette

Vorwort: Yves Sente

Originaltitel: Blake & Mortimer de A à Z (Éditions de La Martinière/Le Monde)

Carlsen Comics
Hardcover | 144 Seiten | Farbe | 30,00 € | ISBN: 978-3-551-80917-9

Cover Blake und Mortimer Lexikon

Bei unseren französischen Nachbarn hat der Comic schon im Allgemeinen einen wesentlich höheren Stellenwert als bei uns. Zwar ist auch hier der neue Asterix sowohl ein Medienereignis mit Sonderausgaben von sonst eher „ernsthaften“ Publikationen als auch gigantischen Verkaufszahlen. Ansonsten aber wird die Gattung eher nicht öffentlich gewürdigt. Im Nachbarland haben dagegen viele Serien nicht nur eine hohe Verkaufsauflage, sie werden auch durch Sonderausgaben von Magazinen wie Geo oder Zeitungen wie Le Monde gewürdigt. Diese vereinen populärwissenschaftliche Erkenntnisse, Artikel über die Serie und Abbildungen zu einem gut lesbaren Band.

Zwei englische Gentleman mit einer verzweigten Geschichte

Das Blake und Mortimer Lexikon ist die deutsche Übersetzung einer vor zwei Jahren erschienenen Veröffentlichung der renommierten Zeitung Le Monde. In etwas mehr als 50, meist zweiseitigen stichwortbezogenen Artikeln widmet es sich den Helden von „Archäologie-Fiktion“ bis „Z’ong“. Einige der Beiträge sind Serien-immanent und beschreiben Gegner, Personen oder häufig wiederkehrende Orte, andere beziehen sich eher auf den Schöpfer, Edgar P. Jacobs, und seine Nachfolger*innen.

Ihnen ist gemeinsam, dass der gut lesbare und Hintergründe erläuternde Text von einer Vielzahl von Abbildungen begleitet und unterstützt wird. Auch für eingefleischte Fans ist es dabei sehr schön, dass die meisten Stichworte mit Panel aus mehreren Alben bebildert sind. Dadurch lassen sich sowohl stilistische Unterschiede begreifen als auch Verbindungen ziehen.

Blake und Mortimer Lexikon page 4
© der Abbildungen Éditions Blake & Mortimer / Studio Jacobs, 2024 | Le Monde 2021, 2024 | 2024 Éditions de La Martinière | 2026 Carlsen Verlag GmbH, Hamburg

Wer also schon immer einmal wissen wollte, welche Beziehung die Serie zu James Bond hat, was der Centaur-Club ist oder welche Rolle Okkultismus in verschiedenen Ausprägungen in und für die Serie spielt, sollte den mit einem Glanzlack-Motiv versehenen Hardcover-Band aufschlagen und sich überraschen lassen.

Ein Lexikon? Wirklich? Ja!

Wie immer ist die Nutzung eines Lexikons eine sehr persönliche Sache: man kann es von vorne nach hinten lesen, den Index nutzen um zu einem bestimmten Stichwort zu springen oder das Buch irgendwo aufschlagen … Natürlich können die meisten Fragen mittlerweile auch von einem der vielen LLMs beantwortet werden. Diese würden aber zumindest juristische Probleme haben, ihre Antworten auch so wirkungsvoll zu bebildern und man müsste natürlich auch auf all die Fragen kommen, die der Herausgeber hier gesammelt hat.

Blake und Mortimer Lexikon page 6
© der Abbildungen Éditions Blake & Mortimer / Studio Jacobs, 2024 | Le Monde 2021, 2024 | 2024 Éditions de La Martinière | 2026 Carlsen Verlag GmbH, Hamburg

Wer sich mit der Serie schon länger beschäftigt hat, kennt das Dossier der Reddition, die Blake & Mortimer Bibliothek mit Informationen zu den Werken von Jacobs und vielleicht noch mehr. Trotzdem bleibt der Genuss des Schmökerns über die jahrzehntelange Geschichte, ihre Verästelungen und Unterschiede (etwa im Rollenbild der Frau)!

Dazu passen eine der englischten Bands der Pop-Musik, Madness, und ein London Pride Ale.

© der Abbildungen Éditions Blake & Mortimer / Studio Jacobs, 2024 | Le Monde 2021, 2024 | 2024 Éditions de La Martinière | 2026 Carlsen Verlag GmbH, Hamburg

ZACK 327 (September 2026)

ZACK 327

Herausgeber/Chefredaktion: Georg F. W. Tempel

Blattgold Verlag

Heft Din A 4 | 100 Seiten | Farbe | 9,70 €
ISSN: 1438-2792

Cover ZACK 327

Zurück an die Arbeit ist das wohl typische Gefühl des Septembers; der Urlaub ist noch in den Gedanken, die neuen Eindrücke setzen sich so langsam, und die vormals unbekannten Speisen und Gewürze verlangen nach einer Wiederholung. Nur die wenigsten werden allerdings so viel Exotik erlebt haben, wie sie das Covermotiv suggeriert: die zum Tode verurteilte und geflohene Französin hat es mittlerweile wirklich zur Rani, zur Herrscherin, gebracht. Der vorletzte Teil der Serie startete im letzten Heft.

Die Neustarts

Es gibt aber noch zwei andere Heldinnen, die auf die Seiten des ZACK zurückkehren; den Anfang macht Wynona. Wir erinnern uns: Eine sehr heftige Sonneneruption hat alle Chip-basierten Technologien auf der Erde zerstört, in diesem Post-Katastrophen-Szenario wird ein heruntergekommener Anwalt damit beauftragt, den Anführer des Widerstandes zu verteidigen, allerdings ohne Vorbereitungszeit und mit miesen Aussichten. Bevor es dazu kommt, muss der Held allerdings noch eine Begegnung mit dem Großvater der Heldin überstehen. Das Opfer ist die spannende Fortsetzung des Öko/SF/Thrillers von Hans van Oudenaarden (VanO).

ZACK 327 page 39

Vor kurzem ist gerade der erste Teil der neuen Geschichten mit Julie Wood als Album erschienen, jetzt geht es im ZACK schon weiter mit dem zweiten Streich: Familiengeheimnisse! Warum mussten die Eltern der nun von ihrem Onkel aufgezogenen Wood-Kinder sterben? Und warum interessieren sich sowohl staatliche Behörden als auch augenscheinliche Gangster plötzlich für eine alte Werkstatt? Während Julie weiter an ihrer zukünftigen Moto-Cross Karriere arbeitet, zeigt sich, wie brutal der Gegner zu sein scheint. Spannender Re-Boot mit immer besser werden Zeichnungen von Claudio Stassi nach einem Szenario von Philippe Pelaez.

ZACK 327 page 71

Die Fortsetzungen

Ohne die Hilfe der Frau des Gouverneurs von Pondicherry hätte Jolane niemals überleben können, um so größer ist das Bedauern der Rani, als sie ihr mitteilt, dass sie Indien Richtung Frankreich verlassen werden und dass ihr Erzfeind der Nachfolger ihres Mannes werden wird. Die Königin hat aber auch in ihrem Palast mit Widrigkeiten zu kämpfen: Nicht nur ihre modernen Ideen werden teilweise abgelehnt, auch die anderen Frauen des Maharadscha wollen auf ihre Privilegien nicht verzichten. Flott zu lesendes Drama in acht Akten von Jean Van Hamme und Alcante, stilsicher umgesetzt von Francis Vallès.

ZACK 327 page 5

Ghost Squadron ist ein moderner Vertreter des Flieger-Genres, der ein wenig Thrill mitbringt. 1953 wird der Deserteur Fletcher Williams von seiner Vergangenheit eingeholt und zu einem besonderen Auftrag gezwungen: Er soll einen verschollenen Milliardär aufspüren, sein letzter Aufenthaltsort war Das verfluchte Atoll. Patrice Buendia schickt seine Held*innen nicht nur in die Vergangenheit, er kann sie auch ganz handfesten Situationen aussetzen; Damien Andrieu zeichnet heruntergekommene Typen, Boote und Flugzeuge mit den gleichen – guten – Ergebnis.

Detail ZACK 327 page 59

Warum versucht ein Sohn, seine Mutter, Rosie, mit Bombenanschlägen freizupressen, obwohl sie seine Verlobte getötet hat? Dieser Frage müssen verschiedene Dienststellen der Pariser Polizeibehörden nachgehen, der erpresserische Täter will aber nur mit Kommissar Verhoeven reden. Die Zeit läuft, denn das angekündigte nächste Ziel würde Kinder als Opfer haben. Nachgeben oder den Fall rechtzeitig lösen, welche Alternative ist vielversprechender? Brigade Verhoeven ist ein Krimi mit zynischen und poetischen Momenten von Pascal Bertho nach den Romanen von Pierre Lemaître, die Yannick Corboz in einem modernen Stil zur vollen Blüte bringt.

Detail ZACK 327 page 23

Die Abschiede

Pfeifenrauch und Seidenstrümpfe geht – leider – zunächst einmal zu Ende. Das Frühwerk von Étienne Willem besticht durch eine spannende Story die englische Adelspolitik mit einem Kriminalfall verknüpft, weibliche Stärken und männliche Selbstsicherheit aufeinanderprallen lässt, den von dem Zeichner bekannten Stil, der zu grotesken Übertreibungen in der Darstellung von Figuren neigt, bereits deutlich erkennen lässt und nebenbei eine aufgeräumte Katze zeigt. Die letzte Folge beinhaltet die Auflösung des Falles und erklärt das Vorkommen des Schwarzen Flecks. Wie gut, dass es noch weitere Teile gibt.

ZACK 327 page 85

Und sonst?

Normalerweise gibt es von Tizombi nur One-Pager; Tizombi ist verschwunden ist eine mehrseitige Ausnahme in zwei Teilen! Auch Der Ritter und Parker & Badger sind dabei, Michael Klein erzählt über das ZACK vor 50 Jahren, Bernd Hinrichs bespricht den sehr empfehlenswerten Taschen-Band mit Hal Foster‘s Tarzan und Andreas Eikenroth wird zu seinem Georg–Büchner-Zyklus befragt. Damit erlaubt das September-ZACK eine anhaltende Begleitung im Übergang von Sommer-Ferien zu den ersten Herbst-Stimmungen.

Dazu passen Cock Sparrer mit der Split-EP „Back to the Bones“ und ein Grauburgunder.

© der Abbildungen bei den jeweiligen Künstlern und Verlagen / Blattgold GmbH, Bad Dürkheim 2026

Buendia, Zumbiehl/Jolivet – Die Flügel der Zeit 2

Die Zeit der Kämpfe

Story: Patrice Buendia, Frédéric Zumbiehl
Zeichnungen: 
Olivier Jolivet
Originaltitel: 
Les ailes du temps 2 – Le temps de l´affrontement

Blattgold Verlag – ZACK Edition

Hardcover | 48 Seiten | Farbe | 16,00 € | ISBN: 978-3-949987-82-3

Cover Flügel der Zeit 2

Fliegerserien gab und gibt es in großer Anzahl. Mal steht der militärische Aspekt im Vordergrund, mal ein Krimiplot, teilweise ist es auch nur der Rahmen für eine Soap Opera. Und natürlich gibt es auch eine ganze Reihe von Serien, die mit dem Phänomen der Zeitreise spielen. Die Unterschiede bei letzterem sind gewaltig: von der Familienserie Suske und Wiske über das Abenteuer für Jungen in Bob Morane bis hin zu Stoffen wie die Zeitmaschine von H.G. Wells. Die Flügel der Zeit kombiniert die beiden Gattungen.

Feindliche Doppeldecker und ein übereifriger Agent

Eine Wissenschaftlerin und ein Pilot die sich zudem noch nicht einmal gut leiden können werden während eines experimentellen Hyperschallfluges durch die Zeit gewirbelt und befinden sich plötzlich kurz hinter den Linien im Frankreich des Jahres 1917. Während „sie“ versucht, die Rolle einer längst verstorbenen entfernten Verwandten einzunehmen, muss „er“ als Amerikaner zunächst als ihr Diener auftreten. Da sie für die Rückkehr in ihre Zeit aber ein paar Ersatzteile brauchen die es – wenn überhaupt – nur bei der Luftwaffe gibt, lässt „Dunk“ sich überreden, als Pilot die Deutschen zu bekämpfen. Soweit der Rückblick.

Die Beiden stehen aber in ständiger Gefahr der Entdeckung. Ihre erfundene Geschichte entspricht nicht der Aktenlage und in Kriegszeiten ist jede Ungewissheit ein Verdacht auf Spionage. Die Zeit drängt daher. Immerhin haben die beiden eine mögliche Lösung gefunden, die allerdings eine weit höhere Geschwindigkeit und Flughöhe erfordert, als die damaligen Maschinen bewältigen können. Sie müssen also zwangsläufig einen Ingenieur hinzuziehen.

Flügel der Zeit 2 page 3

Gefahr droht aber nicht nur von dem französischen Geheimdienst, auch die deutschen Piloten unter dem „Roten Baron“ scheinen unbesiegbar und fügen der französischen Luftwaffe schwere Verluste zu. Dunk versucht, die Lage zu entschärfen und schlägt eine andere Art der Luftüberwachung vor, gerät auf seiner ersten Mission aber sofort in eine Luftschlacht.

Luftschlachten und History

Olivier Jolivet ist kein Unbekannter im Bereich der Fliegercomics, hat er doch bereits das Team Rafale zu Papier gebracht. Die Flügel der Zeit ermöglichen es ihm, sich bei den Doppel- und Trippeldeckern auszutoben. Das Tempo der Schlachten ist deutlich reduziert, aus Luft-Luft-Raketen werden Maschinengewehre, die Action ist aber vergleichbar und gut gelöst!

Flügel der Zeit 2 page 4

Die Szenen, die die Zeit von vor 110 Jahren darstellen, sind ebenfalls gut gelungen. Ganz selten wirkt eine Körperposition leicht verunglückt oder passen Hintergrund und Vordergrund nicht ganz zusammen. Grundsätzlich aber ist die Arbeit sehr solide und übersteht auch ohne Weiteres ein zweites, langsameres Lesen! Wer sich beim ZACK abgeholt fühlt, wird auch hier sein Vergnügen haben.

Empfehlenswerter Sujetmix!

Es ist nicht ganz leicht, die Ansprüche von technikbegeisterten Leser*innen und solchen, die eher Wert auf eine ausgefeilte und ansprechende Rahmenhandlung Wert legen, gleichzeitig zu bedienen. Dem Team Patrice Buendia und Frédéric Zumbiehl gelingt das wie immer gut; die Kabbeleien, der Konflikt der heutigen Erwartung mit dem damaligen Verhalten und die Spannung betten die Luftkämpfe in ein ansprechendes Abenteuer ein.

Detail Flügel der Zeit 2 page 8

Ob die Tiefe der Figuren für eine 20-bändige Reihe langen würde, weiß ich nicht. Da die Serie aber auf genau einen Handlungsbogen angelegt ist, macht das auch nichts. Für diesen Zweck sind die Figuren und ihre Konflikte allemal ausreichend und der Mix ist selten genug, um zu faszinieren; eine klare Empfehlung also für die Fans der klassischen frankobelgischen Comic-Unterhaltung.

Dazu passen „Flieger“ von Extrabreit und ein La Chouffe IPA.

© der Abbildungen 2025 Dupuis, by Buendia, Zumbiehl, Jolivet | 2026 Blattgold GmbH, Bad Dürkheim

Star Wars Comics Library. Vol. 1.

1977 – 1979

Herausgeber/Autor: Paul Duncan

Artists: Roy Thomas, Howard Chaykin, Archie Goodwin, Carmine Infantino u. a.

Originalausgabe

Taschen Verlag

Hardcover XXL | 680 Seiten | Farbe | 175,00 € | ISBN: 978-3-7544-0579-6 (EN)

Cover Star Wars Library Vol. 1
© & TM 2026 Lucasfilm Ltd. / 2026 Taschen GmbH, Köln

Wir schreiben das Jahr 1977 – Science Fiction war ein großes Thema zumindest im deutschen Taschenbuchbereich und präsentierte sich vielfältig: Klassische Space Opera stand neben der (englisch) New Wave, Kurzgeschichtensammlungen hatten ihren Platz wie mehrbändige Serien und auch Fantasy in den unterschiedlichsten Ausprägungen gehörte dazu. Neben Verlagen wie Heyne oder Goldmann gehörte das Thema auch bei suhrkamp selbstverständlich dazu. Im Bereich der bewegten Bilder aber gab es eine gewisse Müdigkeit; das nächste „ganz große Ding“ ließ auf sich warten.

Und dann kam Star Wars!

Der Film brachte viele Dinge zusammen, die vorher separiert gewesen waren, revolutionierte die Tricktechnik und verstand es, eine Geschichte um die Geschichte zu verkaufen. Wer startet schon eine Reihe mit dem vierten Teil von Neun? Das Gesamtkunstwerk bestand aus dem Kinofilm, den Comics, Romanen und Merchandising und wurde zu einem riesigen Erfolg. Ein Selbstläufer? Nein!

Die Geschichte um die Comic-Reihe

Paul Duncan ist ein bekannter Filmhistoriker und kennt nicht nur erfolgreiche Mechanismen (und ihre erfolglosen Geschwister), er kann auch darüber schreiben! Erfreulicherweise würzt er seine Einführung mit zahlreichen Anekdoten; so erfahren wir unter anderem, was Richard Burton und Liz Taylor mit „The Star Wars“ zu tun haben.

Detail Star Wars Library Vol. 1 28a

Für George Lucas, das Mastermind hinter der Idee, war es wichtig, die Uraufführung des Films vorzubereiten und anzuteasern, trotzdem aber noch genügend Überraschungen in petto haben zu können. Der Comic zum Film sollte in 6 Heften erscheinen; das vierte sollte zeitgleich mit dem Kinostart auf dem Markt sein. Die Leser*innen der Hefte würden also Teile der Story bereits kennen, gleichzeitig aber mitfiebern, wie es weitergehen würde. Roy Thomas war dazu auserkoren, dass Filmdrehbuch in ein Comic-Szenario umzuwandeln, für die Zeichnungen hatte sich Lucas für den noch relativ jungen Künstler Howard Chaykin entschieden, der jedoch schon ein wenig Erfahrung mit dem SF-Comic besaß.

Die Produktionsprozesse der beiden Medien mussten parallel laufen, beide konnten sich ab einem gewissen Zeitpunkt nicht mehr aufeinander beziehen. Dementsprechend enthält der Comic Szenen, die zwar im ursprünglichen Skript standen, es aber nicht in den Film geschafft haben. Noch viel auffälliger waren allerdings Abweichungen im Aussehen der handelnden Wesen. Während Luke Skywalker bewusst älter und männlicher dargestellt wurde, war Chaykin bei Jabba the Hut auf sich gestellt. Zum Zeitpunkt der Zeichnung war noch kein Foto vorhanden und so sehen wir einen humanoiden Körper…

Detail Star Wars Library Vol. 1 43a
© & TM 2026 Lucasfilm Ltd. / 2026 Taschen GmbH, Köln

… and beyond

Marvel war eigentlich gar nicht an diesem Titel interessiert, hatte es doch genügend eigene Probleme. Angeblich änderte sich diese Meinung erst, als klar wurde, dass für die ersten 100.000 verkauften Exemplare keine Lizenzgebühren abzuführen wären. Tatsächlich verkauften sich von den ersten Exemplaren mehr als eine Million Hefte, Star Wars wurde zu einem Longseller und setzte sich für eine (kurze) Zeit an die Spitze der erfolgreichsten Marvel-Titel. Dieser Band versammelt die ersten 23 Hefte der Serie als restaurierte Reproduktionen, inklusive der Titelbilder, Fanseiten und Anzeigen in exzellenter Qualität!

Es ist nicht so einfach, den Hype zu verstetigen, vor allem dann nicht, wenn Restriktionen zu beachten sind. Die von Marvel verantworteten, der Filmadaption folgenden Stories durften nicht auf das Verhältnis von Luke und Leia eingehen, keine Konfrontation von Luke und Darth Vader beinhalten, den Staus Quo bezüglich des Imperiums und der Rebellen nicht verändern, … Kurz gesagt, sie durften eigentlich nichts von dem zeigen, was die Fans lesen wollten!

Detail Star Wars Library Vol. 1 676a
© & TM 2026 Lucasfilm Ltd. / 2026 Taschen GmbH, Köln

Diese Herausforderung löst das wechselnde Team von Kreativen iterativ. Am Anfang ist es naturgemäß schwieriger, herauszufinden, was das Publikum wollen wird. Man folgt also zunächst der Storyline, dass Han Solo in finanziellen Schwierigkeiten steckt und vergrößert diese noch. Dabei wird die Figur des Schmugglers ausgebaut und vertieft. Gleichzeitig steht das Verhältnis zwischen ihm und Chewbacca im Mittelpunkt.

Dem Comic gelingt es dabei immer besser, die im Film nonverbale Kommunikation auch ohne die dort verwendeten Töne in den Griff zu bekommen (das gilt im Übrigen auch für R2-D2, der im amerikanischen Original üblicherweise Artoo gerufen wird). Es entgeht jedoch trotzdem ein großer Teil des „Niedlichkeitsfaktors“, der nicht abgebildet werden kann. Dabei experimentiert das Team mit den aus der Mischung aus Fantasy und Space Opera erlaubten Ingredienzien: neue Wesen, Kombinationen aus Bekanntem und Unerwartetem, niedliches Aussehen und toughes Verhalten. Eines der Ergebnisse ist eine Art Killer-Hase, der für einige Episoden an der Seite von Han kämpft.

Action, Technologie und mehr

 Sehr geschickt wird im Übrigen immer wieder mit den Grundelementen gespielt, die den Film (und das Franchise) so erfolgreich mach(t)en: Zum einen gibt es häufig psychologische Konflikte, etwa wenn Luke sich nicht entscheiden kann, seinem Wunsch auf die Akademie zu gehen zu folgen oder bei seinem Onkel zu bleiben, oder wenn er verzweifelt über den Egoismus von Han doziert, der persönliche Motive über den Kampf für die Freiheit stellt.

Star Wars Library Vol. 1 page

Zum anderen gibt es Todessterne und andere Kampfmaschinen, die alles bis dahin Vorstellbare übertreffen. Obwohl die feindliche Übermacht so unüberwindbar erscheint, gibt es aber doch immer diesen einen kleinen unentdeckten Punkt, der dem Gegner die Möglichkeit bietet, mit Mut und Geschick zu siegen. Hier zeigen sich klar Auswirkungen sowohl des „kalten Krieges“ in dem sich die Welt in den 70-ern befand, als auch die Traumata, die das überlegene US-Militär in Ostasien erlebt hatte. Dschungel-Rebellen waren in der Lage, die hochtechnisierte Armee auf Reisfeldern zu schlagen!

Ebenfalls einer Bemerkung wert sind die mitabgedruckten Anzeigen: Einerseits zeigen sie den Traum von jungen, amerikanischen Lesern (sic!): Fernrohre, Detektivspielzeug, Waffen. Diese Bedürfnisse werden von einem teils doch ziemlich militaristischen Setting in den Stories ohne Zweifel erfüllt. Der zweite Block der Anzeigen dreht sich – wie auch in den anderen Marvel-Titeln aus der Marvel Comics Library – um die Gründung eines eigenen Businesses mit Grußkarten oder ähnlichem. Das ist der amerikanische Traum …

Dazu aber kommen Anzeigen, die sich um Muskelaufbau und ähnliches bewegen und dem schmächtigen Jungen vorgaukeln, wie ein bei den Mädchen erfolgreicher Mann aussehen sollte. Diese (prä-)pubertären Vorstellungen finden ihre Referenz im Verhältnis von Luke und Leia, Han und Leia und in einigen Mitstreiterinnen von Han, die eher in einen Conan-Comic passen würden. Auch der Film spielt natürlich insbesondere während Leias Gefangenschaft mit dieser Motivation.

Der Star Wars Comic

Dieser Band enthält die ersten 23 Ausgaben der bei Marvel erschienen Reihe, die vom 12. April 1977 bis zum 27. Mai 1986 ohne Unterbrechung lief und insgesamt 107 reguläre Ausgaben umfasste. Wie in den Jahren üblich, kamen teilweise Annuals hinzu, in Summe allerdings nur drei. Es ist davon auszugehen, dass der Erfolg der Serie Marvel in den Jahren 1977 und 1978 vor dem Bankrott bewahrte und selbst 1979 und 1980 noch zu den erfolgreichsten Comic-Titeln gehörte.

Detail Star Wars Library Vol. 1 46a
© & TM 2026 Lucasfilm Ltd. / 2026 Taschen GmbH, Köln

Im Laufe der Zeit änderten sich der Geschmack der Leser*innen und die Publikationsmethoden: Mini-Serien und Trade-Paperbacks gewannen an Anteilen und Serien wurden oftmals neu gestartet um einerseits alte Kontinuitätsanforderungen zu beseitigen, andererseits neue Marketinganreize setzen zu können.

Mittlerweile gibt es eine fast unüberschaubare Vielzahl von Serien aus über die Zeiten  unterschiedlichen Verlagen und mit ausdifferenzierten Zielgruppen: Comics für Erwachsene und für Jugendliche im traditionellen Stil, animated oder Manga-like, im Kanon und außerhalb … Es gibt sogar Werke für den deutschen Markt, die in Amerika nie erschienen sind. Hier ist mittlerweile alles bei Panini konzentriert, im Ursprungsland gehören Lucasfilm und Marvel schon lange zu Disney. Dementsprechend gibt es auch eine Art von Cross-over, in dem bekannte Entenhausener*innen die Rolle von Marvel-Helden übernehmen (z.B. Minnie im LTB 600). Für Star Wars blieb es allerdings bisher bei Parodien.

Ein wichtiger Bestandteil in der Reihe der Comic-Libraries

Taschen hat über die Jahre den Bereich der überformatigen Comic-Libraries Stück für Stück ausgebaut und Meilensteine der Comics in ihr veröffentlicht. Sicherlich ist diese Sammlung noch weit davon entfernt, komplett zu sein, sie enthält aber schon jetzt eine beachtliche Bandbreite: Alles hatte mit den bahnbrechenden ersten Jahrgängen der Marvel-Held*innen angefangen: Avengers, Hulk, Spider-Man und Co sind dadurch endlich im Original in perfekter Reproduktion und mit lesbaren und sinnvollen Einführungen versehen in den Regalen vieler Leser*innen vertreten.

Der Comic-Bereich ist aber natürlich viel breiter: EC-Comics mit einer Übersicht und dem ersten Band der Weird-Science folgten, Kompendien über Mickey und Donald wurden ergänzt durch eine Carl-Barks-Sammlung und schließlich schaffte es auch ein erster Zeitungscomic, Tarzan, in diese Reihe. Star Wars schließt nun eine Lücke zwischen den SF-Stories von EC und den Marvel-Superhelden. Mehr ist mit Sicherheit zu erwarten!

Kann das Buch die gleiche Sensation sein, die der Comic und der Film damals waren? Nein, natürlich nicht! Die Szenen des Films und die folgenden Geschichten sind längst Bestandteil des popkulturellen Bewusstseins und somit nichts atemberaubend Neues mehr. Die Sammlung kann aber Erinnerungen an die Zeit hervorrufen, als das Ganze Neu war und erstmals konsumiert wurde. Und auch das ist ein gutes Gefühl, das von Format und Druckqualität unterstützt wird.

Detail Star Wars Library Vol. 1 33a
© & TM 2026 Lucasfilm Ltd. / 2026 Taschen GmbH, Köln

Das Coffeetable-Book hat sein Gewicht auch buchstäblich, es wiegt mehr als 5,5 Kilo! Der XXL-Band hat allerdings auch ein Format von 28 * 39,5 cm und kommt mit 680 Seiten. Wem das nicht genug ist sei gesagt, dass es auch eine limitierte, in Kunstleder gebundene Ausgabe mit eingefasstem ChromaLuxe-Aluminiumprint gibt, die in einem Schuber verwahrt wird. Beide Ausgaben kommen mit einem speziellen, bedruckten Transportkarton.

Dazu passen die ebenfalls über lange Jahre erfolgreichen, damals revolutionären The Who, die eine Subkultur prägten, mit Rock-Opern erfolgreich waren und immer noch auf der Bühne stehen, sowie ein Social Butterfly Cocktail, der an die legendären Kneipenszenen erinnert.

Abbildungen © & TM 2026 Lucasfilm Ltd. / 2026 Taschen GmbH, Köln

Delporte/Forton – ZACK Spezial 20: Alain Cardan 4

Der Exodus der Anch-Gemeinschaft

Story: Yvan Delporte

Zeichnungen: Gérald Forton

Originaltitel: Alain Cardan – L´exode de la croix ansee

Blattgold Verlag – ZACK Edition

Softcover | 52 Seiten | Farbe | 16,00 € | Limitiert auf 555 + 55 Exemplare | ISBN: n/a

Cover ZACK Spezial 20

Alain Cardain erschien zwischen 1956 und 1960 zunächst in dem Magazin Risque-tout, später in Spirou. Der Detektiv arbeitet für das IFZ, das Internationale Forschungszentrum der UNO, die Geschichten sind im Grenzbereich zwischen wissenschaftlichem Abenteuer und Science-Fiction. Mit diesem Band liegen nun alle Seiten der Detektive des Himmels gesammelt vor!

Ein Exodus der Entrechteten

Die Welt ist verunsichert, denn im Laufe eines Mai werden an verschiedenen Stellen der Erde Eintritte von Raketen beobachtet. Oft sind sie bereits geborgen und verschwunden bevor offizielle Stellen Zugriff erlangen können. Als man doch einer unbeschädigten Rakete habhaft werden kann, stellt sich heraus, dass die Besatzung keineswegs außerirdisch ist: ein kleiner Affe ist der einzige Passagier.

Natürlich sind die Staaten der Erde nervös und sorgen sich um ihre Sicherheit. Neben den Militärs wird auch das IFZ der UNO beauftragt, herauszufinden, wer und was hinter den Starts steckt. Zwangsläufig findet der geniale Held schnell einen Hinweis und kann die Urheber lokalisieren. Es handelt sich um eine Gruppe Unterdrückter, zunächst Farbiger, schnell aber auch Betroffene anderer -ismen.

ZACK Spezial 20 page 3

Da der Standort nun bekannt ist und vor allem klar ist, dass die angewendeter Technologie sehr fortschrittlich ist, versuchen einige Staaten, dieses Geheimnisses habhaft zu werden. Können die Anch ihren Plan umsetzen? Durchaus spannende, aber zeitgemäß vorhersehbare Geschichte mit interessanten Ideen von Yvan Delporte.

Realismus pur

Leser*innen der Reihe ist der Stil von Gérald Forton bereits aus mehreren Serien und Epochen bekannt. Alain Cardan liegt zeitlich vor Bob Morane, auch das vierseitige Vorwort weist darauf hin, dass hier trotzdem schon grafische Vorläufer zu finden sind.

ZACK Spezial 20 page 4

Da einige Seiten in der originalen, zweifarbigen Kolorierung abgedruckt werden, erhöht sich der Nostalgiefaktor um Einiges. Fast geht dadurch unter, dass auch die Rückblicke in einem eigenen Farbschema ausgeführt werden.

Ein beachtliches „Frühwerk“

Forton war in den 60-ern einer der „Großen“ im frankobelgischen Comic-Zirkus! Alain Cardain hat sicherlich noch nicht alle Elemente der späteren Werke, zeigt aber bereits deutlich, wohin die Reise gehen wird.

ZACK Spezial 20 page 5

Die Reihe ZACK-Spezial hat es sich zur Aufgabe gemacht, nicht nur Dinge anzureißen, sondern auch zu Ende zu bringen. Manchmal ist dafür nur ein Band nötig, wie etwa bei Patrick Leman, in diesem Fall brauchte es vier! Die ersten 17 Folgen sind bereits verlagsvergriffen, die limitierte Auflage ist also richtig kalkuliert. Wer will kann auch wieder einen dazu passenden Druck bestellen.

Dazu passen Elvis Costello & The Attractions mit „(What’s so funny ´bout) Peace, Love And Understanding“ und ein nicht überall verfügbares reines Wasser!

© der Abbildungen Forton/Delporte – Edition Hibou 2025| 2026 Blattgold GmbH

ZEBRA – Commander Cork 40 Jahre Jubiläumsausgabe

ZEBRA-Sonderband 30

Herausgeber: ZEBRA-Redaktion
ZEBRA c/o Georg K Berres oder GoGer att web.de
Din A4 geheftet | 32 Seiten | s/w | 0,00 €
ISBN/ISSN: n/a

Cover ZEBRA Sonderband 30

Wow, 40 Jahre ist es her, dass die erste Episode des Verwaltungsangestellten vom Planeten Meta-Pengo erschienen ist! Comix-online gratuliert!

Mittlerweile sind fünf Paperbacks mit Commander Corks Abenteuern (natürlich begleitet von seiner Assistentin Reena Torgan, einer Mutantin) erschienen und weitere sind laut der ZEBRA-Redaktion in Vorbereitung! Und auch in den regulären ZEBRA-Ausgaben sind weitere Episoden abgedruckt. Um das Spektakel (und ein solches ist es wirklich!) aus Science-Fiction, schwarzem und manchmal auch nur flachem Humor und Kritik an Verwaltungen im Allgemeinen zu feiern, ist zum Jubiläum eine Gratis-Leseprobe als ZEBRA-Sonderband 30 erschienen. Natürlich sind alle lieferbaren Publikationen gelistet.

In Erlangen wurden sie bereits verteilt, auf anderen Messen und beim Händler des Vertrauens mag es noch weitere Exemplare geben. Wer die Story bisher noch nicht kannte, sollte auf jeden Fall einen Blick darauf werfen! Wer nicht lacht, findet auch den berühmten Passierschein nicht lustig. Mehr über die Urgesteine der Independent-Szene hier oder hier.

Einleitung ZEBRA Sonderband 30

Die Crew hat Köln als ihren Sitz. Daher passen dazu die Banana Peel Slippers, etwa mit „Fairground“ und ein Sommersud von Hellers.

© der Abbildungen 2026 bei den jeweiligen Zeichner*innen und Verlagen c/o ZEBRA-Redaktion, Köln

Vernes/Forton – Bob Morane Classic 9

Das Schwert des Paladins

Story: Henri Vernes
Zeichnungen: 
Gérald Forton
Originaltitel: 
L´Épée du Paladin & La Rivière des perles

Blattgold Verlag – ZACK Edition

Hardcover | 72 Seiten | Farbe | 24,00 € |ISBN: 978-3-949987-51-9

Cover Bob Morane Classic 9

Bob Morane ist eine Serie, die medienübergreifend funktioniert! Am Anfang standen die Romane für Jugendliche von Henri Vernes. Die ersten Comic-Umsetzungen erschienen dann in einem belgischen Magazin für moderne Frauen und eroberten von dort aus nicht nur andere Magazine, sondern auch Zeitungen im In- und Ausland. Hörspiele und Adaptionen für das Fernsehen folgten und mittlerweile erscheinen sogar Comics, die nicht mehr auf Romanen des Erfinders fußen. Die Anfänge gibt es gesammelt in der Bob Morane Classic Reihe.

Eine vertrackte Zeitreise und Verdächtigungen in Chinatown

Sollte jemand der Titel des Bandes bekannt vorkommen, hat dieser Mensch gut aufgepasst. Eine Version ist nämlich bereits vor rund zwei Jahren als ZACK Spezial 11 erschienen. Damals als Faksimile des Zeitschriftenabdrucks veröffentlicht, erscheint die Geschichte nun als acht Seiten kürzere Albumversion im Rahmen der Gesamtausgabe der Moranes von Attanasio und Forton.

Das Schwert des Paladin führt Bob und seinen Begleiter Bill Ballantime zurück in die Vergangenheit. Eine junge Frau wird bedrängt und angefeindet, da einer ihrer Vorfahren die fränkischen Truppen den Sarazenen ausgeliefert haben soll. Bob und Bill erinnern sich an das Rolandlied und greifen ein. Dabei treffen sie auf alte Bekannte und haben ohne ihr Wissen einen blinden Passagier dabei.

Bob Morane Classic 9 page 3

Die Perlenkette ist dagegen ein eher klassischer Kriminalfall. Unsere Helden sind in San Franciscos Chinatown unterwegs als ihnen ein bestimmter Laden empfohlen wird. Angeblich könne man dort Ming-Vasen erstehen. Tatsächlich werden sie dort aber niedergeschlagen und als Täter eines Raubes verdächtigt. Während Bill von der Polizei festgesetzt wird, muss nun Bob ihre Unschuld beweisen. Beide Geschichten vereinen die typische Mischung aus Spannung, unerwarteten Wendungen sowie starken Frauenfiguren und erfüllen somit alle Erwartungen der Leser*innen.

Klassische frankobelgische Comickunst

Gerald Forton ist ein typischer Vertreter der realistischen Comics aus dem französischen und belgischen Raum dieser Zeit, nämlich Anfang der 60-er Jahre. Die technischen Möglichkeiten, Bilder digital zu veredeln waren noch nicht gegeben, die Kolorierung durfte nicht zu filigran sein, da Drucktechnik und Papierqualität nicht mit heutigen Ansprüchen vergleichbar waren.

Trotzdem wussten die Akteure sehr genau, wie man Spannungsbogen zu konstruieren hatte und mitreißende Geschichten bildlich erzählen musste. Die Konkurrenz der bewegten Bilder um das Taschengeld war auch damals schon zu spüren!

Bob Morane Classic 9 page 4

Empfehlenswert

Die Reihe ist aufgrund des sehr flexiblen Settings so spannend, dass sie auch heute noch funktioniert. Die Klassiker sind grafisch aufgrund der Vorlagen nicht immer ein Augenschmaus, als Zeitdokument aber trotzdem ok. Und gerade der Vergleich mit der Zeitschriftenvariante ist zusätzlich reizvoll, ermöglicht er doch das Aufspüren der notwendigen Wiederholungen im sequenziellen resp. der Kürzungen im einheitlichen Publizieren.

Wie immer gibt es beim Verlag passende Drucke und für Vorbesteller jeweils ein Schmankerl für ein Abonnement über fünf Bände.

Bob Morane Classic 9 page 5

Dazu passt ein Hit des Jahres 1964, Millie mit „My Boy Lollipop“, und ein Dortmunder-Actien-Bier.

© der Abbildungen Vernes – Bob Morane Inc / Forton – Ed. Hibou | 2026 Blattgold GmbH, Bad Dürkheim

Sente/van Dongen – Blake & Mortimer 28

Die Atlantische Bedrohung

Story: Yves Sente

Zeichnungen: Peter van Dongen

Originaltitel: La Menace Atlante

Carlsen Comics
Softcover | 64 Seiten | Farbe | 12,00 € | ISBN: 978-3-551-80916-2

Cover Blake & Mortimer 28

Der Klassiker von Edgar P. Jacobs wird mittlerweile von unterschiedlichen Teams fortgesetzt, die Bände erscheinen daher in durchaus hoher Frequenz. Für den Zeichner ist es bereits der vierte Band, für den Texter der elfte. Die Erwartungen dürfen also hoch sein.

Krimi und Science-Fiction zugleich

Wie so oft in dieser Serie mischen sich die Elemente einer Kriminalgeschichte mit wissenschaftlichen. Dabei geht es manchmal, wie etwa bei dem Tigerhai um sehr irdische Entwicklungen, also den normalen technischen Fortschritt, teilweise um mythologische Einschläge wie beim letzten Band, manchmal aber auch um tatsächlich außerirdische Technologie und Besucher*innen. Schon Jacobs hatte die Atlantiden eingeführt, die technisch überlegenen Bewohner*innen eines fernen Planeten. Cover und Titel deuten an, dass wir es mit ihnen zu tun haben werden.

Zunächst aber passieren in der Nordsee seltsame Dinge: Menschen und Tiere sterben plötzlich, Jahrhunderte alte Leichen werden angespült und es kommt sogar zu einem Tsunami mit gravierenden Folgen. Commander Blake wird mit der Untersuchung der Vorfälle beauftragt während sich sein Freund, Professor Mortimer, in Schottland mit vulkanischen Böden beschäftigt. Sie erkennen schließlich, dass verschiedene Vorkommnisse zusammengehören und beschließen der Sache zusammen auf den Grund zu gehen.

Blake & Mortimer 28 page 3

Im Zentrum der Geschehnisse scheint ein Schiff zu stehen auf dem der ihnen wohlbekannte Doktor Grossgrabenstein Forschungen durchführt. Dieser war unseren Helden schon früher einmal begegnet, allerdings zunächst als Maskierung des Schurken Olrik. Aber auch bei den Atlantiden gibt es eine ernsthafte Bedrohung, denn eine ihrer drei Sonnen kollabiert und die Energieversorgung kann nicht mehr aufrechterhalten werden.

Zeichnungen im klassischen Stil

Peter van Dongen zeichnet ganz im klassischen Stil der Geschichten von Edgar P. Jacobs, jedoch ohne ihn dabei zu kopieren. Die Seiten sind im Streifen-Layout gestaltet, allein die Höhe der Streifen variiert von Seite zu Seite. Nur ein einziges Panel ist kreisförmig, sonst sind nur rechte Winkel zu sehen. Serientypisch haben fast alle Panel eine ganze Menge an Text der meistens als Sprechblase ausgestaltet ist. Die beiden Hauptfiguren, aber auch Olrik weichen leicht von den Originalen und anderen Interpretationen ab, wirken aber trotzdem vertraut.

Blake & Mortimer 28 page 4

Die Zeichnungen selbst haben eine hohe Dynamik und wirken wie aus einer 60-er Jahre Verfilmung, etwa „Die Zwei“ oder „Mit Schirm, Charme und Melone“: es gibt kein überflüssiges Pyro-Gemetzel! Die Bilder unterstützen dadurch die Handlung, die ein gewisses britisches Tempo hat. Obwohl die Uhr tickt, wird niemand richtig nervös und man kann es sich kaum vorstellen, dass jemand ins Schwitzen gerät. Gleichzeitig leidet darunter die Spannung nicht!

Eine gute Fortsetzung

Das für mich Spannende an dieser Reihe ist, wie aktuelle Teams alte Hinweise und Fäden aufnehmen und daraus etwas Neues basteln. Mittlerweile ist das Geflecht so groß, dass die Abhängigkeiten schon über mehrere Teams und in beide zeitlichen Richtungen gehen. Das bedeutet aber auch, dass neue Leser*innen quasi mit jedem Band neu einsteigen können und sich sowohl rückwärts als auch vorwärts weiterhangeln können.

Blake & Mortimer 28 page 5

Yves Sente hat sich zu dem aktuellen Stammautoren entwickelt, der seine Referenzen nicht mehr nachschlagen muss, weil er sie verinnerlicht hat. Dadurch bekommt die Reihe eine hohe immanente Stabilität. Die Bände, die ein wenig aus diesem Konzept rausfallen, erscheinen in der Spezial-Reihe. Wer mehr wissen möchte, sei auf das bald erscheinende Lexikon oder das Dossier der Reddition verwiesen.

Dazu passen The Yardbirds mit „Heart full of Soul“ und ein London Ale.

© der Abbildungen 2025 Éditions Blake & Mortimer / Studio Jacobs (Dargaud-Lombard S.A.) | 2026 Carlsen Verlag GmbH, Hamburg

Vehlmann/Yoann – Spirou und Fantasio Spezial 45

Der Superpage 3: Die Gaia-Strategie

Story: Fabien Vehlmann

Zeichnungen: Yoann

Originaltitel: Supergroom 3: La Stratégie-Gaia

Carlsen Comics
Softcover | 88 Seiten | Farbe | 14,00 € | ISBN: 978-3-551-80751-9

Cover Spirou & Fantasio Spezial 45

Was als lustige Fingerübung begann, ist mittlerweile bereits eine kleine Serie: Spirou hatte feststellen müssen, dass der Absatz der Produkte des Dupuis-Verlages in den Sinkflug gegangen war und deswegen beschlossen, sich als Superpage, also als europäischer Superheld, zu betätigen und der Zeitschrift die Exklusivrechte daran zu übertragen. Zwar hatte der Graf Rummelsdorf ihn mit einigen Gadgets ausgestattet, nicht alle Aktionen waren aber glücklich verlaufen. Und dann gab es nicht nur kostümierte Gegner*innen, er hatte auch andere dazu verleitet, sich ebenfalls verkleidet auf die Dächer zu begeben.

Eine KI und ihre „lustigen“ Ideen

Eigentlich hatte unser Held ja noch weiter abtauchen wollen, doch dann erreicht ihn eine Nachricht aus der hervorgeht, dass seine Tarnidentität aufgeflogen ist. Wenn er das Geheimnis bewahren möchte, soll er zu einer bestimmten Zeit an einem bestimmten Ort sein. Natürlich macht er sich mit seinem Sidekick Redwing dahin auf. Der Treffpunkt ist die Zentrale von Gaia, einer New-Tech-Firma mit Sitz in Neu-Brüssel.

Dort angekommen muss der Superpage feststellen, dass alle Ausgänge verschlossen sind und das Hochhaus langsam von unten nach oben zufriert. Glücklicherweise bekommt er Unterstützung von der doch nicht toten Lubna, aka „Die Jägerin“. Immerhin können sie noch das Geheimnis ergründen, doch dann frieren sie ein.

Spirou - Der Superpage 3 page 6

Jahrzehnte später werden sie in einer ganz anders aussehenden Umgebung wieder wach: die Natur scheint sich die urbane Landschaft zurückgeholt zu haben. Doch zunächst müssen sie sich bösartiger Drohnen erwehren. Fabien Vehlmann hat aus dem etwas unstimmigen und klamaukhaften Anfang der Serie eine gut lesbare Science-Fiction-Geschichte gemacht, die neben der Frage über die Gefährlichkeit der KI mit Zeitreise-Problemen und Religionskritik um die Ecke kommt.

Noch mehr Fabelwesen

Die Reihen aus dem Spirou-Universum waren schon immer von vielen Tieren bevölkert, nicht alle davon gibt es wirklich. Dieser Band fügt noch einige weitere hinzu. Yoann hat sichtlich Spaß daran, eine Zukunftsvision von Flora und Fauna zu erschaffen, bei der nicht immer ganz klar ist, was davon „natürlich“ und was „künstlich“ ist. Auch bei den Gadgets darf er sich austoben und so bekommt sogar das Motomol einen neuen Auftritt.

Spirou - Der Superpage 3 page 8

Ein großer Spaß, der sich sowohl als großes Fragezeichen lesen lässt als auch als spannende Geschichte, die Eskapismus in Überlänge verspricht und ermöglicht. Sollte sich die Serie auch weiterhin in diese Richtung entwickeln ist es eine gute Ergänzung zu der Hauptreihe. Aber die Zuordnung zu verschiedenen Labeln ist ohnehin kaum möglich, sortiert doch Carlsen schon traditionell völlig eigenständig.

Spirou kann auch Science-Fiction (und ein wenig Superheld)

Tatsächlich hat mich dieser Band überzeugt und meine Skepsis zur Seite gewischt. Braucht die Welt noch mehr Superheld*innen? Nein, sicherlich nicht. Bei der Gaia-Strategie handelt es sich aber um eine clever konstruierte Geschichte, die genug aus dem Spirou-Kosmos enthält, um langjährige Fans zufrieden zu stellen, die Modernität der Superheld*innen-Idee aufnimmt und mit einem Science-Fiction-Szenario richtige Fragen stellt.

Spirou - Der Superpage 3 page 9

Die Gadgets vom Grafen erinnern zudem an die Anfänge von Phantomias aus den Zeiten von „Donald mal ganz anders“ und dürften die älteren Leser*innen ebenfalls schmunzeln lassen. Viel Spaß also!

Dazu passen Cock Sparrer mit „Hand on my Heart“ und ein Kompel Ondergronds.

© der Abbildungen 2025 Dupuis | 2026 Carlsen Verlag GmbH, Hamburg

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