Straczynski/Deodato jr. – The Resistance 1

Eine neue Ordnung

Story: Joseph Michael Straczynski
Zeichnungen: Mike Deodato Jr.

Originaltitel: US-The Resistance 1-6

Panini Comics
Prestige | 164 Seiten | Farbe | 20,00 €
ISBN: 978-03-7416-2227-4

Cover Straczynski/Deodato jr. – The Resistance 1

Jetzt auch noch ein Comic über eine Pandemie? Haben wir nicht genug Probleme vor der Haustür? Aber Moment, der Comic ist ja von kurz VOR COVID-19… Also: Vorurteile wieder zurück in die Schublade. Was bleibt, sind die hohen Erwartungen denn bereits mit Babylon 5 hat JMS die Messlatte extrem hoch gelegt und auch im Folgenden immer wieder sein Talent bewiesen. Nach vielen Betätigungen in fremden Universen erfolgt nun die Genesis eines komplett neuen. Es soll die Basis für viele weitere Geschichten einer unbekannten Vielzahl von Kreativen werden.

Ein neues Zeitalter nach der Pandemie

Die Geschichte spielt in der Jetzt-Zeit; alles geht seinen gewohnten Gang und die Menschen reisen Kreuz und Quer durch die Welt. Doch eines Tages passiert es, dass ein Erreger (und seine Herkunft wird hier nicht verraten) den ersten Wirt findet und von diesem Zeitpunkt an geht es ganz schnell. Wir alle kennen heute die animierten Grafiken aus hunderten von Sondersendungen und insofern vergisst man beim Lesen schnell, dass diese Fiktion nur kurz nach ihrer Veröffentlichung tatsächlich Realität geworden ist.

Detail The Resistance 1

Glücklicherweise haben wir aber nicht den von Straczynski erdachten Virus abbekommen denn bereits in der ersten Welle sterben 400 Millionen Menschen auf der Erde und eine Impfung ist nicht in Sicht. Doch dann ist es vorbei und von einem Tag auf den anderen scheint die Seuche beendet. Einige Überlebende haben jedoch besondere Kräfte entwickelt, Superkräfte. Dabei wurden keine unterschiede gemacht und so sind jetzt Arbeitslose wie Milliardär*innen, Süchtige wie Spitzensportler*innen, gute und Böse mit diesen Kräften ausgestattet.

Es entwickelt sich eine neue Industrie, die versucht der Superwesen Herr zu werden und Held*innen wie Schurk*innen ausstattet und mit Verträgen knebelt. Daneben gibt es aber auch einige, die das nicht mit sich machen lassen wollen und so ist das Grundsetting gelegt. Ach ja, und es gibt natürlich Politik! Einige Staaten versuchen, ihre Territorien zu vergrößern, Diktaturen gehen unter und entstehen und die Großen fallen in den Kalten Krieg zurück.

Innovative Zeichnungen

Der Ruf, der Mike Deodato Jr. vorauseilt, ist fast noch größer, hat er doch fast alles bei Marvel schon gezeichnet und auch Serien wie Wonder Woman oder Xena zu Erfolgen geführt. Nun sind der bekannte Mainstream-Zeichner und JMS zu AWA (Artists, Writers & Artisans) gewechselt, um ihre eigenen Figuren zu erschaffen. Das Universum soll für viele Projekt offenstehen, die Figuren der Resistance allerdings gehören den beiden.

page from The Resistance 1

Das Layout folgt oft einem festen Raster, das über die Seitenbegrenzungen hinaus geht und die Zeichnungen in den unendlichen Raum ausfasern lässt. Um dabei nicht eintönig zu werden sind immer wieder auch ganzseitige Illustrationen, klassische Streifenfolgen oder verschränkte Layouts eingestreut und bieten in ihrer Mischung eine perfekte Fläche für die realistischen Zeichnungen Deodatos. Er wechselt das Erzähltempo häufig und variiert dann auch die Panelgröße entsprechend. Dazu kommen Rückblicke in opaken Farben und Medien wiederspiegelnde Facetten. Dabei zitiert er durchaus den einen oder anderen Klassiker wie etwa Watchmen. Und dankenswerte Weise legt er wenig Wert auf die Ergebnisse von Gewalt!

Erwartungen erfüllt?

Ich denke schon, dass The Resistance die Erwartungen der meisten Leser*innen erfüllt! Die Post- (oder vielleicht auch in-between-) Pandemie-Erfahrungen decken sich mit dem hier Beschriebenen und die beste Science-Fiction war schon immer die, die von der Wirklichkeit nicht so einfach unterscheidbar war. Die Zeichnungen sind auf hohem amerikanischem Niveau und die Geschichte ist keineswegs ein langweiliger erster Band, der die Umgebung und die Figuren zwar einführt, sonst aber wenig zu bieten hat.

Backcover Straczynski/Deodato jr. – The Resistance 1

Straczynski hat eine ganze Menge Elemente verknüpft und kann damit witzige Begebenheiten genauso gut erzählen wie dramatische, traumatische, politische oder zynische. Kurzum: Er beschreibt tatsächlich eine Welt und erzählt nicht nur eine Geschichte in einer existierenden. Natürlich ermöglicht die Nähe zur Realität aber den Leser*innen das unbewusste Füllen von Lücken durch das alltägliche. Insgesamt also ein gelungener Neustart und eine Empfehlung für alle, die mal neue Superheld*innen kennenlernen wollen und nicht mit Lemiere schon genug davon haben.

Neben den bereits üblichen Covern enthält der Band auch noch Auszüge aus dem Szenario inklusive der Vorentwürfe und eine längere Erklärung von JMS zur Vorgeschichte der Serie.

Dazu passen Los Fastidios mit ihrem Corona-Album „From Lockdown to the World“ und ein typisches Stay at Home-Getränk: selbst gebrautes Bier.

© der Abbildungen 2020 Artists, Writers & Artisans Inc., Panini Verlag GmbH

Zack 262

ZACK 262 (April 2021)

Herausgeber/Chefredaktion: Georg F. W. Tempel

Blattgold Verlag

Heft Din A 4 | 84 Seiten | Farbe | 7,90 €
ISSN: 1438-2792

Cover ZACK 262

Der Frühling ist da und macht angeblich alles neu. Wie aber schon Theodor Fontane in Frühling verkündet hat:

Wohl zögert auch das alte Herz
und atmet noch nicht frei;
es bangt und sorgt: Es ist erst März,
und März ist noch nicht Mai.

Das April-ZACK 262 liegt genau dazwischen, ist aber schon eine seltene Pflanze, denn es enthält weder Neustart noch Abschluss einer Geschichte.

Die Fortsetzungen – Geschichten aus der Vergangenheit,

Das Titelmotiv stammt dieses Mal aus der Fantasy-Serie Saul von den beiden Niederländern Willem Ristier und Apriyadi Kusbiantoro. Der Held war im letzten Heft auf seiner Flucht von Zwergen gerettet worden. Diese hatten ihm den lebenden Mantel umgelegt, der nun langsam beginnt, Einfluss auf den Träger auszuüben. Er soll einen Krieger aus dem Träger machen. Derweil hat das auf Sauls Ergreifen ausgelobte Kopfgeld eine Jägerin angelockt. Auch sie begegnet dem Schneetiger, der ihr sein Geheimnis offenbart. Spannende Melange aus Action und bekannten aber neu gemixten Zutaten im Storm-Stil. Auffallend ist hier, dass die Zwerge nichts Niedliches an sich haben!

ZACK 262 Page 21

Danach geht es in das Frankreich des Jahres 1743. Die uneheliche Tochter des verstorbenen Marquis de Valcourt war zum Tode verurteilt worden und hatte von der Befreiung eines Anführers einer Truppe von Gesetzlosen profitieren können. Nicht alle im Lager sind aber über ihre Anwesenheit erfreut und auch sie selbst muss sich über ihre neue Lage klar werden. In Die Räuberin muss sich die zukünftige Rani langsam damit abfinden, dass ihre bisherigen Ansichten in einem neuen Leben nicht zählen werden. Spannende History-Serie von Altmeister Van Hamme und Alcante mit grandiosen Landschaften von Francis Vallés.

Jack Manini erzählt Geschichten über das Mädchen von der Weltausstellung in Paris. 1855 ist ein Auftritt des Kaisers Napoleon III. geplant und ein Offizier wird erpresst, um ihn öffentlich zu ermorden. Mit Hilfe der kleinen Julie versucht dieser, die Entführer zu enttarnen, um seine Geliebte aus ihren Fängen befreien zu können doch der Plan scheint schief zu gehen! Willem Étienne setzt die Geschichte gekonnt um. Er verwendet dabei durchaus moderne Layouts, bleibt aber grundsätzlich im vertrauten Streifenraster. Mit schnellen Schnitten schafft er Tempo und Dramatik und variiert dabei auch geschickt die Perspektive. Wer Bastos & Zakuski mochte wird auch hier erfreut sein!

ZACK 262 Page 38

Gegenwart und Zukunft

Nach all der Dramatik bringt Spaghetti den Klamauk zurück: Kampf um Fahrgäste mit allen Mitteln in Taxi! Der niederländische Tausendsassa Daan Jippes bringt die neuen Abenteuer der Figur von Dino Attanasio nach Geschichten von Frans Hasselaar zu Papier. Klassischer Füller in hoher Qualität!

ZACK 262 Page 53

Bei all der Vergangenheitsorientierung tut es gut, einen Sprung in die Zukunft zu machen: Terence Trolley öffnet das Fenster zum Gehirn und zeigt eine Welt, in der einige wenige Psy-Fähigkeiten haben. Natürlich rufen besondere Fähigkeiten auch die verschiedensten potentiellen Nutznießer*innen auf den Plan und nicht alle haben gute Absichten. Etwas ruppige Zeichnungen von Patrick Boutin-Gagné passen sehr gut zu dem Szenario von Serge Le Tendre das kein nettes Bild der Zukunft entwirft! Etwas erwachsener als das auf einem ähnlichen Grundsetting startende Harmony.

Abschließend bringt uns Empire USA 2.3 zurück in die Gegenwart. Der Kampf zwischen verschiedenen russischen Oligarchen und dem Amerikaner Marlin Deckart wird teilweise im Jet-Set ausgetragen, führt aber auch zu blutigen Auseinandersetzungen auf der Straße. Immer wieder sind auch Top-Models involviert. Und dabei versucht der Held, Jared, doch eigentlich nur die letzten Stunden vor der Ermordung seines Freundes zu rekonstruieren. Spannender Thriller mit ansprechenden Zeichnungen von Griffo der darauf wartet wegen der vielen Personen und Querverbindungen nach Komplettierung noch einmal am Stück gelesen zu werden! Ein guter Vertreter des Krimi-/Thriller-Genres!

ZACK 262 Page 68

Der ZACK-Held des Jahres 2019 ist … – Tusch!!

… wieder ein Western! Ich hatte meiner Meinung oft genug Ausdruck verliehen und dem One-Shot einiges zugetraut und tatsächlich hat Der Sheriff gewonnen! Auch sonst hat es einige Verwerfungen gegeben obwohl immer noch drei „Klassiker“ in neuem Gewand unter den ersten Fünf sind. Die Silbermedaille wurde von den Leser*innen an Rick Master verliehen! Von den in diesem Heft vertretenen Serien hat es Rani gleich mit dem ersten Teil auf das Treppchen geschafft – wie gut, dass hier noch einiges zu erwarten ist! Die komplette Liste gibt es online.

Und sonst?

Mein Lieblings-Onpager Tizombi hat es leider nicht in die Top Ten geschafft. Trotzdem lernen wir auch in dieser Ausgabe Neues über Schwierigkeiten auf dem Friedhof! Dazu kommen Parker & Badger und der Vater der Sterne mit alltäglichen Problemen. In einem Interview darf der deutsche Marvelzeichner Jonas Scharf über seine Projekte berichten und es geht um Rassismus im Geisterhaus. Das April ZACK 262 bietet einen bunten Frühlingsstrauß und dürfte alle Erwartungen erfüllen! Zum Schluss daher noch zwei Ankündigungen: Die Michel Vaillant-Gesamtausgabe wird im Herbst bei Egmont erscheinen (Näheres dazu bald hier) und ZACK-Abonnent*innen dürfen sich auf ein weiteres Spezial-Album freuen!

Zu diesem Heft passen ein frühlingshafter Kräuter-Gin mit Bitter Lemon und die guten alten Blechreiz mit „Which side are you on?“.

© der Abbildungen 2021 bei den jeweiligen Verlagen und Künstlern c/o Blattgold GmbH; © des Comix-online-Logos 2000 – 2021 Sven Krantz-Knutzen

Aymond/Bollée – Bruno Brazil – Die neuen Abenteuer 2

Bruno Brazil – Black Program Teil 2

Story: Lauren-Frédéric Bollée 
Zeichnungen: Philippe Aymond

Basierend auf den Charakteren von Greg und Vance

Originaltitel: Les Nouvelles Aventures de Bruno Brazil – Tome 2 Black Program

All Verlag

Hardcover | 56 Seiten | Farbe | 15,80 € | 
ISBN: 978-3-96804-028-8

Aymond Bollée Bruno Brazil neuen Abenteuer 2 Cover

In Bruno Brazil Band 9 war das Kommando Kaiman, eine Truppe von Geheimagent*innen unter Führung von Bruno Brazil, entscheidend geschlagen worden. Drei Agenten waren im Laufe der Einsätze gestorben, zwei weitere schwer verletzt und ihr Chef bedurfte der psychologischen Betreuung. Obwohl es schon in den siebziger Jahren Ideen gab, die Geschichte fortzuentwickeln, folgten nur noch ein paar Kurzgeschichten. 2019 war es dann aber endlich soweit:  Laurent-Frédéric Bollée schrieb ein zweiteiliges Szenario zu den Neuen Abenteuern und Philippe Aymond setzte das ganze grafisch um: Black Program war geboren!

Zurück zu den Wurzeln

Bereits in Teil 1 war es Brazil gelungen, seine Dämonen in Schach zu halten und die Reste des Teams wieder zusammen zu fügen. Altbekannte Gegner*innen waren plötzlich zu Opfern geworden und immer wieder tauchte ein Name auf: Black Program. Nun zeigt es sich, dass die NASA nach dem Ende der bemannten Raumfahrt zum Mond keineswegs aufgehört hatte, sondern eine geheime Apollo 18 Mission zum Mars durchgeführt worden war. Zwar hatte es Probleme gegeben, beide Astronauten hatten aber zur Erde zurückkehren können.

Black Program 2 page 23

Es wird klar, dass Ottoman und Rebelle nicht nur eine Basis im südamerikanischen Dschungel gebaut hatten und die zweite wieder in Benutzung zu sein scheint. Die dahinterstehende Organisation steht in Verbindung mit den anschlägen und auch mit dem überlebenden Astronauten. Bruno und Gaucho machen sich auf den Weg, diese zu suchen, und werden dabei von Nomade und Whip aus dem Hintergrund unterstützt. Dazu scheint es noch ein Geheimnis zwischen Bruno und Rebelle zu geben.

Die Story von Laurent-Frédéric Bollée ist sicherlich etwas anders gelagert als die damaligen Geschichten von Greg: Neben den weiterhin vorkommenden Agententhriller-Aspekten, den Actioneinlagen und der Teamchemie, bei denen der Originalton sehr passend weitergeführt wird, tauchen auch Science-Fiction-Elemente auf. Diese passen technologisch vielleicht nicht ganz zu den Gegebenheiten Ende der Siebziger Jahre, integrieren sich in das Storykonzept aber ganz gut und machen neugierig auf weitere Folgen. Das neue Kreativteam hat definitiv den Mumm, den Klassiker zwar ehrfürchtig fortzusetzen, dabei aber gleichzeitig auch kräftig zu erneuern!

Aymond Bollée Bruno Brazil neuen Abenteuer 2page 24

Brillante Hintergründe und viel Action

Während man die Story ohne größere Verrenkungen mit dem Original verbinden kann fällt das bei den Zeichnungen etwas schwerer! Natürlich hat Philippe Aymond einen eigenen Stil (und ich glaube auch nicht, dass Vance‘ Strich einfach zu kopieren wäre). Die Figuren haben auch einen hohen Wiedererkennungsfaktor, es fühlt sich aber trotzdem ein wenig so an als ob die Schauspieler*innen in der Staffelpause ausgewechselt worden wären. Dabei macht Aymond seine Sache gut; die Dschungelszenen sind erstklassig und auch die Darstellung des Weltraums, der technischen Labore, überhaupt aller Umgebungen gelingen ihm ausgesprochen gut.

Die Figuren wirken dagegen manchmal etwas unbeholfen was sich meines Erachtens nach auf eine einzige Schwachstelle zurückführen lässt: Die Mundpartie! Die Lippen sind zu Botox-lastig und die ewig-gleiche weiße Zahnreihe wirkt irritierend.

 Black Program 2 page 29

Das ist aber nur ein Schönheitsfehler! Actionszenen wechseln sich mit Meetings oder sogar Familienbildern ab und die eine oder andere Reminiszenz an andere Serien hat auch den Weg in das Album geschafft.

Fazit

Die Serie gehört sicherlich zu DEN Klassikern des europäischen Comics. Im Gegensatz zu vielen Anderen hatte sie allerdings nur eine relativ kurze Laufzeit und so ist es zu begrüßen, dass auch Bruno Brazil nun ein zweites Leben erlaubt worden ist. Story-technisch ist der Spagat zwischen reiner Nachahmung und moderner Weiterentwicklung gelungen. Zeichnerisch befindet sich das Team auf sehr gutem Weg dahin. Es bleibt also zu hoffen, dass weitere Abenteuer folgen werden!

Bruno Brazil - neue Abenteuer 2 page 26

Dankenswerter Weise bringt der All-Verlag aktuell nicht nur Bruno Brazil – die Neuen Abenteuer heraus, sondern legt auch die alten erneut auf. Im Buchregal passen also beide Reihen perfekt zueinander! Hardcover, Überformat, gutes Papier und die Möglichkeit, eine limitierte Vorzugsausgabe mit Schutzumschlag und signiertem ExLibris zu erwerben, sind ein Lob wert!

Dazu könnte sicherlich ein gut gekühltes Westcoast-IPA schmecken und Cock Sparrer, die in den letzten 5 Jahrzehnten jeweils mindestens einen Tonträger veröffentlicht haben, schlagen dazu die musikalische Brücke aus den Siebzigern!

Bruno Brazil - neue Abenteuer 2 ExLibris
ExLibris der limitierten VZA

© der Abbildungen Éditions du Lombard (Dargaud-Lombard S.A.) 2020 by Aymond, Bollée

© der deutschen Ausgabe All-Verlag Wipperfürth, 2021

Zack 261

ZACK 261 (März 2021)

Herausgeber/Chefredaktion: Georg F. W. Tempel

Blattgold Verlag

Heft Din A 4 | 84 Seiten | Farbe | 7,90 €
ISSN: 1438-2792

Cover ZACK 261

Diese Ausgabe läutet schon wieder den Abschied vom ersten Quartal des Jahres ein. Wir hatten in einigen Gegenden Deutschlands das erste Mal seit Jahren wieder Schnee und ansonsten haben wir coronabedingt aufgeräumt, viel gelesen oder ferngesehen und lustige Frisuren bekommen. Mit diesem ZACK lernen wir zwei weitere neue Serien kennen.

Die Neustarts

Den Anfang macht Terence Trolley, die neue Serie von Serge Le Tendre. Dieser ist in Deutschland alles andere als unbekannt, hat er doch sowohl im Fantasybereich mit Auf der Suche nach dem Vogel der Zeit als auch mit dem Western Chinaman schon große Duftmarken gesetzt. Letztere war im Übrigen auch im ZACK vertreten und wartet immer noch auf die angekündigte Gesamtausgabe. Die aktuelle Serie thematisiert die Frage wie weit „Wissenschaft“ gehen darf, wo genetische Manipulationen aufhören müssen. Patrick Boutin-Gagné zeichnet dazu in einem sehr rauen Stil; zarte Details sind seine Sache nicht, aber zu diesem Thema passt das ganz gut. Im ersten Teil von Das Fenster zum Gehirn fällt eine außergewöhnliche Gedankenkraft eines Jungen bei einem Rummelbesuch auf und wird weitergemeldet.

ZACK 261 page 5

Es gibt noch einen weiteren Neustart im Grenzbereich zwischen Fantasy und Science-Fiction: Saul, eine im Stil von Storm sehr realistisch gezeichnete Saga kommt aus dem StripGlossy. Der lebende Mantel erzählt die Geschichte eines Geflüchteten. Zu Unrecht eines Verbrechens bezichtigt, flieht er aus der Hauptstadt seines Planeten Boritas. Ein Wirbelsturm verschlägt ihn in das Land der Riesen, die ihn sofort töten wollen. Und auch eine Großkatze ist nicht gerade freundlich gesinnt. Willem Ritstier ist bei unseren westlichen Nachbarn ein sehr bekannter und vielseitiger Szenarist, der aus Lombok stammende Zeichner Apriyadi Kusbiantoro war bisher mehr in der Werbung unterwegs.

ZACK 261 page 39

Beide neuen Serien versprechen mit ganz unterschiedlichen Zeichenstilen spannende Unterhaltung!

Die Fortsetzungen

In eine ganz andere Zeit, nämlich das Frankreich des Jahres 1743, versetzt uns Rani. In Die Räuberin wird die unschuldig zum Tode Verurteilte befreit und entdeckt eine ganz andere Gesellschaft: die der Ausgestoßenen, Vertriebenen und Entrechteten. Jean Van Hamme und Alcante haben ein sehr dichtes Szenario geschaffen das Francis Vallès genügend Möglichkeiten lässt, Menschen in allen Lebenslagen und Landschaften zu zeichnen. Mehr zu den Hintergründen der schönen Historiengeschichte im Serienkompass, der aber Spoiler enthält!

ZACK 261 page 23

Spaghetti ist ein ganz klassischer Funny von Dino Attanasio und René Goscinny. Der rasende Lieferant von warmen Speisen wurde für das StripGlossy von Daan Jippes modernisiert. Hier darf er gleich zwei aufeinander aufbauende One-Pager nach Szenarios von Frans Hasselaar durchleiden. Empfehlenswert!

Das Mädchen von der Weltausstellung geht mit dem ersten Teil Paris, 1855 bereits in die dritte Runde. Ein Soldat war gezwungen worden, eine Bombe auf der Ausstellung zu platzieren, um seine Frau zu retten. Diese entpuppt sich zwar als Blindgänger zu Testzwecken, der nun folgende Auftrag ist aber noch gewaltiger. Kann Julie mit ihren hellseherischen Fähigkeiten helfen? Jack Manini erzählt eine spannende Geschichte rund um die Attraktionen der Weltausstellung und Willem Étienne setzt die Mischung etwa im Stil von Bastos und Zakusky kongenial um.

ZACK 261 page 53

In Empire USA 2.3 versucht Jared, der Held, immer noch herauszufinden, was sein Freund gemacht hat, bevor er ermordet worden war. Es ist klar, dass russische Oligarchen eine Rolle gespielt haben, und dass es eine Gruppe von ehemaligen KGB-lern gibt, die sich den neuen Verhältnissen angepasst haben. Es scheint aber auch Verbindungen zu Supermodels zu geben. Griffo zeichnet einen harten Thriller mit Blut und nackter Haut den Stephen Desberg entwickelt hat. Es würde mich nicht wundern, wenn diese Geschichte über kurz oder lang bei einem der Streaminganbieter auf der Liste stehen würde.

ZACK 261 page 72

Und sonst?

Natürlich gibt es neue Geschichten von der Friedhofs-WG um Tizombi, in der es um (misslungene) Romantik, das richtige Feiern und die Körperpflege geht. Wie immer unterscheiden sich dabei Gepflogenheiten von Lebenden und Untoten ein wenig. Der Vater der Sterne ist dabei, das grandiose Mechanica Caelestium wird vorgestellt, das frankoblegische Comic-Kino geht in die elfte Runde und Rezis, News sowie Frank Neubauers ZACK-Keller runden das Programm ab.

Der ZACK-Held sollte mittlerweile gewählt worden sein. Im Kommentar dürfen gerne Prognosen abgegeben werden. Sicherlich gute Chancen darauf hat Michel Vaillant dessen „Vater“ Jean Graton Anfang des Jahres gestorben ist. Natürlich würdigt das Editorial einen der letzten Vertreter der Generation, die das „alte“ ZACK geprägt haben.

Der Frühling kommt mit frischem Wind, der Winterschlaf ist zu Ende! Lasst euch also mitnehmen von zwei komplett neuen Serien, genießt das (zum zehnten Mal in Folge zu warme) Wetter und bleibt gesund! Dazu passen möglicherweise ein Altbier und als Ausblick auf das kommende die neue Single von den Dropkick Murphys!

© der Abbildungen 2021 bei den jeweiligen Verlagen und Künstlern c/o Blattgold GmbH

Interview mit Charel Cambré und Marc Legendre

Üblicherweise finden Interviews mit Comic-Künstler*innen auf Veranstaltungen statt. Mehr oder weniger geplant hat man einen Termin, quetscht sich in irgendeine halbwegs ruhige Ecke und spricht miteinander. COVID-19 hat leider auch dem einen Riegel vorgeschoben; Ausstellungen, Börsen und andere Events sind abgesagt oder finden online statt. Ich bin daher sehr froh, dass Charel Cambré und Marc Legendre bereit waren, meine Fragen Corona-konform schriftlich zu beantworten.

Marc Legendre and Charel Cambré at the harbour
Charel Cambré and Marc Legendre

Wer ist …? Die Künstler

Wer comix-online bereits etwas länger folgt, wird die beiden Namen bereits das eine oder andere Mal gelesen haben. Sie haben drei Geschichten unter dem Titel Robbedoes special miteinander entwickelt. Sie waren allein für den niederländisch-sprachigen Markt vorgesehen und hatten Spirou und Fantasio (um die hier in Deutschland gebräuchlichen Namen zu verwenden) in eine modernisierte, aber doch mit Reminiszenzen an die klassische Serie gespickte Version verwandelt.

Cover Robbedoes spezial 1

Parallel dazu hatte Charel über die Jahre an einer mittlerweile 17 Bände umfassenden Serie Jump gearbeitet. Diese war im letzten Jahr namensgebender Inhalt für ein neues, auf Kinder zugeschnittenes Magazin. Daneben veröffentlicht der Belgier unter anderem auf facebook strips, die sich mit der königlichen Familie oder Fußballer beschäftigen. Marc, 1956 in Antwerpen geboren, war bereits 1993 Chefredaktuer des Suske en Wiske weekblads und textete unter anderem neue Abenteuer des Roten Ritters. Er hat also eine lange Verbindung zu Comics von Willy Vandersteen.

2013 war es dann soweit: Das erste Abenteuer von Amoras erschien bei Standaard. Suske en Wiske für Erwachsene in einer dystopischen Welt im Jahre 2047 mit all dem klassischen Personal der offiziellen Serie und als Reminiszenz an das erste Abenteuer der Reihe von 1945 das auf der Insel Amoras spielt. Innerhalb kurzer Zeit hatten die beiden die geplanten sechs Bände abgeliefert. Wegen des großen Erfolgs wurde die Reihe um die folgenden Kronieken van Amoras erweitert. Hier stehen einzelne Akteure oder Themen im Vordergrund. Aktuell ist der Band sieben.

Making of Amoras Cover

Das Interview

c-o: Marc, Charel, readers of comix-online know you because of Amoras, Robbedoes special and Jump, but the typical German comics-reader does not. Do you have any reason for not being that well-known on this side of the border?

Charel: I had a lot of series here in the past and still have now. They always are quite popular series, so I guess that’s the main reason.

Marc: I think there’s no real reason why our books are well known in Germany. Of course we ‚d like to be well known on your side of the border, but it’s never easy to sell your products. Biebel was an overwhelming succes in Holland and Flanders, it sold well in France, Italy, Greece, Turky… Everyone who sees Biebel, loves the character, but I don’t know why it never appealed to a German editor.

Das Königspaar mal anders
Das Königspaar mal anders

c-o: Charel, you create a lot of stuff around Dutch and Flemish celebrities and the Elftal. How important is it for you to live in the same setting as your stories?

Charel: I follow what happens in the media, but nowadays that’s possible everywhere, I guess.

c-o: Marc, you are doing another series from Willy Vandersteen, the Red Knight, currently. How is it to work in someone else’s ideas?

Marc: Well, I read this books as a child and me and my brothers were huge fans of these series. I could never dream that one day I would be making this stories myself. So it’s a Wonderfull feeling. The heritage of Willy Vandersteen is enormous. The characters, the world in which the adventures take place, their way of acting and speaking… it’s a real joy to get the opportunity to collaborate and to introduce these classic series to a new generation of readers.

Die Zeit mit Robbedoes

c-o: You stopped working on Robbedoes as the character was not open enough to be added by own ideas. But then you started drawing another very classical group of characters, although modernized and twisted. How did you assure your artist’s freedom on the one compared with the other?

Charel: The main reason why we decided not to work on Spirou anymore is because I expected more from the project. Also, Dupuis wouldn’t publish the albums in French for some mysterious reason, call it the huge gap between the two cultures in our country. I can’t see another reason. A shame I think, so we moved on.

Cover Robbedoes special 3

Marc: For the first album, Happy Family, we got carte blanche and we could do whatever we wanted. It felt as a present and we enjoyed ourselves. But from the second album onwards, a lot of people interfered. For some mysterious reason we could not use the southcoast of France anymore. A complete idiot in the story should become less idiot, France should become Holland etc. Also we got the message that it could not be just amusement, they literally proposed us to change the Far West for Mesopotamia in a story that I wrote. There it ends.

Die Zusammenarbeit

c-o: Charel, how is your collaboration with Marc Legendre? Are you involved in storytelling or is your work strictly divided into story-writing and artwork?

Charel: Sometimes the Idea for a Kronieken album comes from me, sometimes from Marc, but Marc always decides how the story goes. Amoras was our first big project together, since then we worked on 3 Spirou Family albums and now, we’re working on yet a few other projects. We are like a married couple, sometimes I hate him and vice versa, but we work great together.

Marc Legendre and Charel Cambré on the beach
Charel Cambré and Marc Legendre

c-o: Marc, what would you add from your perspective?

Marc: Like Charel says, sometimes we use his ideas, sometimes mine. We have different opinions about comics and storytelling. I believe readers are intelligent enough to understand the story we’re telling while Charel likes to explain everything. So we’ve regular clashes. Sometimes he wins, sometimes I lose hahaha.

c-o: Amoras is some sort of Science-Fiction and you did already a piece of illness with the Killerbacterie. Have you ever thought of a situation like the current pandemic as a setting for a story? Or has reality outperformed thinking?

Charel: Hahaha, no, that was a total coincidence. We are working now on a new project called “Fresh Fish” which has a bit of that element in it. It appears in the Eppo magazine in Holland.

Marc: I’m not sure readers are looking forward to more stories about covid and corona. They want their normal life back.

Preliminary page from Fresh Fish
a first glimpse on the new project Fresh Fish

Amoras kommt nach Deutschland in das ZACK

c-o: It is already announced that ZACK will start Amoras in August. What would you like to tell your German readers?

Charel: I really hope they like the drawings but even more, the story Marc has written. We think it gives a new dimension to the Suske and Wiske universe, without touching their DNA.

Marc: Enjoy reading as much as we enjoy making it!

Danke für dieses Interview! Natürlich wird comix-online die beiden Künstler weiter im Auge behalten und auch die Veröffentlichung im ZACK begleiten.

(c) der Abbildungen 2013 – 2016 DUPUIS, 2013 – 2021 Standaard Uitgeverijj, Charel Cambré und Marc Legendre; Fotos by permission of Charel Cambré und Marc Legendre

Stellmann – Science Fiction Pop Art Nick

Die sensationelle Dokumentation über Hansrudi Wäschers „Nick, der Weltraumfahrer“

Text: Kai Stellmann
Originalausgabe

Verlag Pegasos-Comics UG

Hardcover | 276 Seiten | Farbe | 36,00 €
ISBN:978-3-9821984-0-8

Cover Stellmann Nick, der Weltraumfahrer

Deutschland, Ende der Fünfziger Jahre: Die Kriegsfolgen sind größtenteils überwunden, das Wirtschaftswunder hat Fuß gefasst, die Stimmung ist aber immer noch stark konservativ geprägt. Aus den USA ist eine Kampagne herübergeschwappt die Bildgeschichten für den Auslöser von Verrohung der Jugend hält und schon wieder zur Verbrennung von Schund aufruft. Es gibt eine Institution die Publikationen auf Verstöße gegen den Jugendschutz überprüft und gegebenenfalls indiziert. Trotzdem lassen sich viele Kinder und Jugendliche den Spaß nicht verbieten und kaufen oder tauschen Piccolos, kleine Hefte mit farbigem Umschlag und einem Streifen an schwarz-weißen Bildern, die anfangs für 20 Pfennig verkauft werden.

Der Autor, Kai Stellmann, hat diese Zeit als Kind selbst erlebt. Er beschreibt die Piccolos nicht aus der Sicht des Sammlers, sondern als Leser und Fan. In späteren Jahren hat er selbst eine Buchhandlung für Comics in Bremen geführt und Comic-Käufer*innen wie mich beraten.

Für 20 Pfennig Abenteuer

Während anfangs viele der Comics-Serien als Übersetzungen aus Italien kommen, hier aber oft der Indizierung zum Opfer fallen, setzt sich im Laufe der Zeit ein Name immer mehr durch: Hansrudi Wäscher. Dieser hatte als Kind in der Schweiz lange Zeit im Bett verbringen müssen und dort italienische Comics verschlungen. Als Erwachsener sollte er einen riesigen Ausstoß von Bildgeschichten produzieren und zum wesentlichen Zeichner der später nach dem bekanntesten Verlag sogenannten Generation Lehning werden.

Wäscher zeichnete und textete Dschungelabenteuer, Rittergeschichten und Science-Fiction für mehr als 1100 Piccolos und über 400 Großbände in nur 15 Jahren und bewies damit seine Ausnahmestellung. Dazu muss gesagt werden, dass die produzierten Seiten nicht nur quantitativ aus der Masse hervorstechen, sie waren auch für die damalige Zeit auf einem qualitativ sehr hohen Niveau und wurden vielfach nachgedruckt bzw. fortgesetzt. Es stellt sich daher die berechtigte Frage nach der Herkunft all der grundlegenden Ideen für diese doch sehr unterschiedlichen Genres.

Detail Stellmann Nick, der Weltraumfahrer 1

Quellen der Inspiration

Für die Serien um Nick, zunächst als Der Weltraumfahrer, später als Pionier des Weltraums hat Kai Stellmann sich in jahrelanger Recherche bemüht, alle Einflüsse aufzuspüren und zusammenzustellen. Die „sensationelle Dokumentation“ Science Fiction Pop Art beschreibt akribisch für jeden der 13 Piccolo- und 10 Großband-Zyklen die Werke, aus denen Wäscher seine Ideen gezogen hat. Die Ursprünge liegen teils in Romanen, teils in Comics und Zeitungsstrips, verwerten aber auch Science-Fiction-Filme der damaligen Zeit.

Ich möchte hier nicht spoilern und auf Quellen verweisen, ein paar seien aber gestattet: Brick Bradford, Mystery in Space und Metaluna 4 antwortet nicht. Auch Nick war natürlich selbst wieder eine Quelle für Folgewerke und so sind auch Hinweise auf diese Rezeptionen, z. B. in Perry Rhodan oder Verfilmungen wie Stargate in der Ausarbeitung enthalten.

Detail Stellmann Nick, der Weltraumfahrer 2

Der Aufbau der einzelnen Zyklen folgt immer dem gleichen Schema: Auf eine grobe Inhaltsangabe der einzelnen Hefte bzw. Großbände folgt eine Herleitung welche Quellen Wäscher vermutlich benutzt hat und meistens auch noch eine tabellarische Übersicht der einzelnen Sequenzen oder Motive. Dabei arbeitet Stellmann auch mit vielen Bildzitaten, um deutlich zu machen, dass Details sehr eng kopiert worden sind. Alle diese Auflistungen haben aber nicht das Ziel, den Autor der tausende von Seiten erstellt hat als Plagiator zu bezeichnen. Im Gegenteil, Stellmann treibt eine große Ehrfurcht vor Wäscher und seiner Fähigkeit, Elemente neu zu verknüpfen oder sogar erstmals vertieft und vollständig darzustellen.

Der Kauftipp

Der Autor bringt immer wieder Querverweise auf andere Serien von Wäscher, bezieht die späteren Abenteuer mit ein und verknüpft die damaligen Lebensumstände direkt mit dem Serieninhalt, etwa wenn es um Ideen eines Serienendes geht. Persönlich wird es dann, wenn die auf der beiliegenden CD befindlichen Stücke in den Kontext von Nick gestellt werden. Warum ist das jeweilige Stück entstanden und wer war beteiligt? Dieses eingeflossene Herzblut unterscheidet dieses Buch von einem trockenen Sachbuch!

Detail Stellmann Nick, der Weltraumfahrer 3

Insofern ist die Dokumentation Science Fiction Pop Art nicht nur ein Blick hinter die Kulissen, sondern ein Must-Have für die Generation Lehning, Wäscher-Fans im Allgemeinen und auch für Liebhaber*innen der Science-Fiction der 50-er Jahre, egal in welchem Medium. Und nebenbei bemerkt: Für die akribische Arbeit und die liebevolle Ausgestaltung im eigenen Verlag mit CD ist das Preis-Leistungs-Verhältnis mehr als angemessen!

Natürlich passt dazu nur die auf der beiliegenden CD enthaltene Musik von Wolfsmond bzw. den Wild Black Jets. Man kann sich hier festlesen, deshalb kann ein Old Pulteney nebst einer Flasche Wasser nicht schaden.

© der Abbildungen 2020 Pegasos-Comics UG (haftungsbeschränkt)

Orlando – Wonder Woman 13

Die wilde Jagd“ mit dem Jubiläumsheft 750

Story: Steve Orlando, Gail Simone, Greg Rucka, Scott Snyder u. a.
Zeichnungen: 
Bryan Hitch, Colleen Doran, Max Raynor, Jesus Merino, Nicola Scott u. a.

Originaltitel: Wonder Woman (2017) 82-83 & 750 – 753

Panini Comics

Klappenbroschur | 244 Seiten | Farbe | 26,00 €
ISBN: 
978-3-7416-2232-8

Cover Wonder Woman Sammelband 13

Wonder Woman ist eine der ältesten noch laufenden Superheld*innenserien und spätestens nach dem Blockbuster von vor ein paar Jahren auch wieder im Bewusstsein von Nicht-Nerds angekommen. Ursprünglich entwickelt wurde sie 1941 von dem Psychologen William Moulton Marston in Zusammenarbeit mit Max Gaines, dem späteren Gründer von EC-Comics. Ausschlaggebend war, dass es keine Superheldin gab, typisch weibliche Attribute also überhaupt keinen Platz in diesem Genre hatten.

Im Laufe ihrer 80-jährigen Geschichte wurde die Figur nebst ihrer Entstehungsgeschichte mehrfach überarbeitet. Geblieben ist ihr Status als Amazonenprinzessin und die Tatsache, dass Diana – so ihr richtiger Name – sowohl auf der Amazoneninsel Themyscira als auch auf der Erde unter Menschen leben darf. Die Unsterblichkeit der Amazonen hat sie allerdings verwirkt.

Detail Wonder Woman Sammelband 13

Der Kampf gegen Cheetah

Eine ihrer wiederkehrenden Hauptgegnerinnen ist Cheetah bzw. Dr. Barbara Minerva. Diese handelte jahrelang in unbedingtem Gehorsam gegenüber dem Gott Urzkartaga bis Wonder Woman sie davon hatte befreien können. Nun lebt sie in dem Wahn, diese Rettung vergelten zu müssen und Wonder Woman ebenfalls von dem Einfluss ihrer Göttin, Hera, zu befreien.

Nun wissen wir natürlich anhand einer ganzen Reihe von Beispielen (Conan, She, Buffy), dass es nicht ganz so einfach ist, Göttinnen zum Erscheinen zu bewegen. Cheetah versucht daher, Amazonen und auch Wonder Woman selbst in so ausweglose Situationen zu bringen, dass Hera schließlich auftauchen muss, um sie dann zu töten. Die wilde Jagd hat begonnen.

Detail Wonder Woman Sammelband 13

Kollateralschäden und neue Nazis

Aber auch in ihrem Alltag in Boston hat Diana mit Problemen zu kämpfen. Sie sieht es als ihre Aufgabe an, Schurk*innen zu vermöbeln und dingfest zu machen. Aus ihrer Sicht sind die dabei entstehenden Bruchschäden schlimmstenfalls eine lästige Begleiterscheinung. Die Stadt Boston sieht das aber anders und vermutet, dass viele Kämpfe gar nicht stattfinden würden, wenn die Superheldin nicht da wäre. Sie stellt daher Detective Nunes ab, um Diana zu überwachen und gegebenenfalls festzusetzen.

Das wäre normalerweise schon nicht schön, wird aber zum Problem, wenn sich eine mittelalterliche Schwertkämpferin in die Jetztzeit verirrt und mit ihrem Schwert um sich schlägt. Und dann wäre da ja auch noch Warmaster. Die Tochter von Naziterrorist*innen hat den Tod ihrer Eltern nicht verdaut und will sich an Wonder Woman rächen.

Detail Wonder Woman Sammelband 13
nur eine der Doppelseiten

Die Jubiläumsnummer 750

Jahrzehntelang hat DC seine Serien immer wieder neu gestartet. Man glaubte, dass hohe Nummern für Neueinsteiger*innen eher abschreckend wären. Dadurch vergibt man sich aber natürlich auch ein paar Jubiläen und so hatten bereits Superman und der Mitternachtsdetektiv ihre zusammengezählte 1000. Ausgabe. Auch diese Heldin hat eine faszinierende Nummer geschafft und die Zählung sprang von 83 auf 750! Wie immer bei solchen Ereignissen erlebt nicht nur die Hauptstory einen besonderen Lauf (siehe oben), es erscheint auch eine extra-dicke Ausgabe mit vielen Gastbeiträgen und noch mehr Variant-covern!

Da Wonder Woman hierzulande nicht in einzelnen Heften, sondern in Sammelbänden erscheint, hat man sich bei Panini glücklicherweise entschieden, alles in das Paperback zu packen. Es enthält daher acht zusätzliche Stories aus verschiedenen Wonder Woman Inkarnationen sowie eine immense Anzahl an Pin-Ups und Titel-Varianten. Gut gemacht!

Die Zeichnungen

Nicht nur die zusätzlichen Stories bringen unterschiedliche Interpretationen der Amazone in unsere Sammlungen; Nein, auch die regulären Hefte sind jeweils von anderen Künstler*innen gestaltet. Die Heldin wird dabei wirklich unterschiedlich dargestellt und gleitet mal eher in die realistische, mal eher in die zeichentrickartige Welt. Mir persönlich gefallen die Seiten von Max Raynor am besten. Auf jeden Fall ist es wahrscheinlich einmalig in einem Sammelband einer laufenden Serie 12 unterschiedliche Künstler*innen bzw. Teams vereinigt zu finden!

Detail Wonder Woman Sammelband 13

Die Wertung

Wonder Woman wurde lange Zeit unterschätzt. Tatsächlich ist sie in ihrem Ursprung feministisch, lebt mittlerweile offiziell ihre Bisexualität aus und ironisiert ihr eigenes Kostüm. Damit ist sie zwar nicht die einzige moderne Heldin im amerikanischen Superhelden-Mainstream, aber doch weit vorne. Im Rahmen dieser Gattung sind die Themen erfreulich irdisch, auch wenn die Akteure göttlichen Ursprungs sein mögen und somit nicht nur für Hardcorefans. Gerade dieser Band ist auch für Neueinsteiger*innen gut geeignet, da er kaum Vorwissen erfordert und wegen der Jubiläumsstorys sogar noch einen breiten Überblick über die unterschiedlichen Facetten der Figur gibt.

Wer sich schon vorher für WW interessiert hat, muss allerdings zugreifen, denn diese Ansammlung an Illustrationen wird so schnell nicht wieder erscheinen (und wer möchte schon bis zur Nummer 1000 warten). Außerdem ist allein das Ausklappcover einen Blick wert!

Dazu passen The Yeah Yeah Yeahs und ein Weißwein mit geringem Säureanteil fast perfekt.

© der Abbildungen 2020/2021 DC c/o Panini Comics

Mora/Giménez – Dani Futuro 2

Wenn das Monster angreift

Story: Victor Mora
Zeichnungen: Carlos Giménez

All Verlag

Hardcover | 56 Seiten | Farbe | 15,80 € |

ISBN: 978-3-96804-022-6

Wie bereits zu Band 1 erwähnt ist der spanische Science-Fiction Klassiker Dani Futuro zurück auf dem deutschen Markt. Der All Verlag präsentiert erstmals alle Geschichten in acht einzelnen Hardcover, ergänzt mit weiteren Illustrationen und Interviews.

Die Geschichten in Band 2

Die titelgebende Geschichte Wenn das Monster angreift eröffnet den Reigen. Sie ist etwas besonderes denn nur zwei der Stories stammen nicht aus der Feder von Victor Mora und dieses ist eine davon: Luis Vigil Garcia war integraler Bestandteil der spanischen Science-Fiction Gemeinde und durfte sich auch an Dani beteiligen. Aufgrund einer notwendigen Reparatur nimmt die Galaktos eine Umlaufbahn um einen Asteroiden ein. Dani und iris erkunden den Himmelskörper und müssen feststellen, dass seine kleinen Bewohner*innen von einem Monster terrorisiert werden. Schnell finden sie heraus, dass es sich scheinbar um einen fehlfunktionierenden Kampfcyborg handelt.

Auch die totgeweihte Stadt ist ein wenig zukunftskritisch. Eine ehedem sehr florierende und wohlhabende Welt ist aufgrund wieder aufgebrochener vulkanischer Aktivität dem Untergang geweiht. Wie wir es auch heutzutage erleben dürfen gibt es immer irgendwelche Spinner die Veränderungen, seien sie noch so lebensnotwendig, als Eingriff in ihre „Rechte“ sehen und sich dagegen wehren.

Als wäre das noch nicht genug, stürzen Dani und Iris auf dem Planet der Vergangenheit ab. Es handelt sich um eine mittelalterliche Welt ohne Technik und der eine oder die andere mag sich das alte Star Trek-Wissen hervorholen: Einmischung in solche Zivilisationen führt immer zu kritischen Situationen.

Dazu gibt es wieder viele Titelbilder aber auch Hintergrundinformationen von Dr. Anselm Blocher, der auch Hinweise auf versteckte Referenzen gibt.

Das Artwork

Es gibt wahrscheinlich grundsätzlich zwei Reaktionen auf die Zeichnungen von Carlos Giménez: Ein kleiner Teil wird sagen, dass diese bunte, mit formen und Farben spielende und Regeln missachtende Kunst des Guten zu viel sei. Die (hoffentlich) größere Gruppe wird sich daran erfreuen und vor jedem Umblättern überlegen, was jetzt wohl kommen mag.

Trotz aller pessimistischen Zwischentöne sind die Zeichnungen optimistisch, Mut machend und Freude verbreitend! Der All Verlag hat sich mit der Kolorierung Mühe gegeben und viele Seiten liebevoll restauriert und das Resultat beweist, dass es sich gelohnt hat! Natürlich atmen diese Zeichnungen Zeitgeist, allerdings den gleichen, den auch etwa Valerian und Veronique anfangs verströmt haben und das ist ja nicht verkehrt. Während Raumschiffe heute sehr technisch aussehen müssen und ihre Funktion visualisieren, war damals viel mehr Flexibilität möglich.

Ein Cyborg kann daher gefährlich wirken und die Zähne fletschen, um gleich auf der nächsten Seite fast zu einem Blumenkind zu mutieren. Giménez bringt genau diese Wandlungsfähigkeit zum Ausdruck und nutzt Farben, Umgebung und Geschwindigkeit der Sequenzen, um Stimmungen zu transportieren.

Fazit

Muss man das haben? Ja, irgendwie schon! Als Science-Fiction-Fan sowieso, denn diese klassische Serie vermittelt ein Feeling, dass es heute so nicht mehr gibt. Wer spanische Comics mag wird auch zuschlagen wollen. Eine Graphic novel mit einer tiefschürfenden Auseinandersetzung mit der damaligen politischen Situation wäre undenkbar gewesen aber es finden sich auch hier sehr versteckte Andeutungen. Zudem atmet diese Serie den Geist des Übergangs aus den 60-ern in die 70-er. Es gibt keine Grenzenlose Zukunftsgläubigkeit mehr. Viele Ideen und Hoffnungen haben sich buchstäblich in Rauch aufgelöst und das Erwachen aus dem Rausch war manchmal schmerzhaft.

Nicht, dass hier ein falscher Eindruck entstehet: Dani Futuro ist keineswegs pessimistisch, aber die Serie ermöglicht zwischen den Bildern einen kleinen Blick auf die Frage, ob das alles so richtig ist, was passiert.

Ex Libris der Vorzugsausgabe

Natürlich ist selbst die normale Ausgabe wieder als Hardcover ausgeführt und handwerklich gut gemacht. Dazu gibt es wie immer eine auf 111 Exemplare limitierte Vorzugsausgabe mit signiertem Ex Libris.

Begleitend ein Maracuja-basierter Ipanema und guter alter Merseybeat von  Gerry and the Pacemakers (R.I.P.).

© der Abbildungen 1970 Victor Mora & Carlos Giménez, 2020 All Verlag

ZACK 259

ZACK 259 (Januar 2021)

Herausgeber/Chefredaktion: Georg F. W. Tempel

Blattgold Verlag

Heft Din A 4 | 84 Seiten | Farbe | 7,90 €
ISSN: 1438-2792

Schon wieder hat ein neues Jahr begonnen und Georg F. W. Tempel hat bereits einiges von dem mitgeteilt, was das gerade zum Comic-Magazin des Jahres gewählte ZACK in diesem Jahr bringen wird. Die erste Neuerung ist in der Nummer 259 erstmals zu begutachten: Das modernisierte Layout! Für die älteren unter uns eine etwas größere Schrift und ein aufgelockertes, gleichzeitig aber informativeres Seitenlayout. Eure Meinung dazu gerne als Kommentar!

Die Neustarts

Das Januarheft startet gleich mit einer neuen Serie: Das Mädchen von der Weltausstellung kombiniert verschiedene Elemente: Einerseits nimmt sie die sieben Weltausstellungen (und zwei Kolonialausstellungen), die in Paris stattgefunden haben, zum Anlass, eine Geschichte über eine sehr lange Zeit zu erzählen. Die Heldin Julie ist in dem ersten Band, der 1855 spielt, noch ein junges Mädchen, wird im letzten Teil aber bereits 93 Jahre alt sein. Jack Manini, der im ZACK bereits mit einigen Serien vertreten war, verbindet klassische Krimi-Aspekte mit seiner leichten Gesellschaftskritik und seiner Lust am Fabulieren und Willem Étienne darf seiner Leidenschaft frönen, Erfindungen darzustellen.

Étienne ist in Deutschland bisher nicht so bekannt, hat mit Ein Affe am Himmel aber bereits überzeugen können. Hier darf er weder Tierfiguren zeichnen noch echten Steampunk abliefern. Die Geschichte bietet aber genug Raum für große und kleine Bilder, liebevoll entworfene Personen und vor allem wechselnde Dekors!

Außerdem startet mit den Macaronis eine weitere Zusammenarbeit mit dem holländischen StripGlossy. In den 70er Jahren erschienen die Abenteuer von Dick Matena und Dino Attanasio über eine Fußballmannschaft im Mafia-Umfeld auch auf Deutsch, dann war es lange still. Nun hat Dick Matena sie wieder reaktiviert. Die erste vierseitige Folge dürfte einige Bundesligaklubs zum Nachdenken anregen. Mehr zu den Originalserien und ihren modernen Inkarnationen in StripGlossy 13.

Die Fortsetzung

Giant geht natürlich in die nächste Runde. Der gutmütige riesenhafte Ire hat erfahren, dass die Frau seines Kollegen sich mit ihren Kindern nach New York aufgemacht hat um zu ihrem Mann zu ziehen. Als sie in seiner Wohnung steht, müsste er ihr eigentlich mitteilen, dass er bereits vor Monaten gestorben ist. Doch wird er ihr tatsächlich die Wahrheit sagen? In eine spannende Story verpackte Sozialkritik und Beschreibung der Verhältnisse vor rund 100 Jahren in New York von Mikaël mit grandiosen Bildern! Eine der besten aktuellen Graphic Novels!

Die Abschiede

Gleich drei Serien enden in diesem Heft (vorerst).

Tanguy & Laverdure haben in der von Buendia und Zumbiehl verfassten Doppelepisode um das Wüstenschwert den Auftrag in der Region von Dahman und Nijaq im Nahen Osten für Stabilität zu sorgen. Die Situation ist aber eskaliert und es läuft ein offener Angriff. Während Tanguy versucht, aus der Luft einzugreifen, befindet sich Laverdure mitten in der umkämpften Hauptstadt.  Dramatische Ereignisse, politisch auf der Höhe der Zeit, aber nicht belehrend und zeichnerisch von Philippe sehr gut umgesetzt. Neben all der Action schaffen es die Autoren aber auch, das psychologische Zusammenspiel der beiden Helden zu beleuchten. Gut gemacht!

Auch die Episode um die Milliarde der Emigranten aus der Serie Die Bank endet hier. Boisserie und Guillaume haben nichts weniger vor als die europäische Geschichte aus einem neuen Blickwinkel zu erzählen, dem der Finanz. Im Mittelpunkt stehen zunächst die verfeindeten Geschwister de Saint-Hubert. Während es ihm gelungen ist, das Vermögen der Familie zurück zu erlangen, muss sie sich verkaufen um zu Einfluss zu gelangen. Wer wird die Eisenbahnlinie bauen dürfen? Und dann gibt es da noch einen aus der Sippe, der lange auf seinen Auftritt warten musste. Julien Maffres Zeichnungen sind nicht immer „schön“, denn er überzeichnet Emotionen. Dafür bringt er aber auch die Gefühlswelt der handelnden Personen gut rüber und ergänzt das Ganze durch formidable Hintergründe! Wie bei einer guten Serie erfordert es die Story allerdings, am Ball zu bleiben.

Stilistisch ganz anders ist Harmony von Mathieu Reynés: Modern, digital und actiongeladen. In dem letzten Teil von Ago kommt es zum Kampf zwischen den Mutanten und es wird deutlich, dass es um viel mehr geht als den Versuch einer politischen Gruppe, menschliche Waffen zu erschaffen. Perfekter Cliffhanger des Science-Fiction-Spektakels aus dem französischen Spirou-Magazin!

Und sonst?

Parker & Badger, die beiden sympathischen Loser, versuchen gleich zweimal ihr Leben zu meistern und auch der Vater der Sterne darf doppelt daran scheitern, seine Erwachsenenwelt seiner Tochter aufzwingen zu wollen. In Tizombi stellt sich die Frage einer Priorisierung zwischen Essen und Diskussion.

Dazu kommen natürlich News und Rezensionen, ein Artikel über EVROPA, ein Comic über das Nachkriegs-Ex-Jugoslawien und einer über Grönland Odyssee.

Wie immer eine gelungene Mischung aus klassischen, aber neu interpretierten Serien und dem Besten von heute.

Dazu passen das teilweise herausfordernde break thru des New York-Ska Jazz Emsembles und ein  Gin Tonic auf Wacholder, Rosamarin und Chili-Basis.

© der Abbildungen 2021 bei den jeweiligen Zeichnern und Verlagen c/o Blattgold GmbH

Mora/Giménez – Dani Futuro 1

Das verschollene Raumschiff

Story: Victor Mora
Zeichnungen: Carlos Giménez

All Verlag

Hardcover | 56 Seiten | Farbe | 15,80 € |

ISBN: 978-3-96804-020-2

Ende 1969 begrüßt ein Jugendlicher die Leser*innen des spanischen Magazins Gazeta und weist daraufhin, dass bald seine Abenteuer im Weltall beginnen werden. Im kommenden Jahr ist es dann soweit und Dani Futuro erlebt seine Abenteuer. Gleich am Anfang steht die Origin: Während eines Fluges zu seinem Vater stürzt Dani(el) über dem ewigen Eis ab. Er verbringt 135 Jahre im Tiefschlaf und wird dann von Basil Dosian in das Leben zurückgeholt.

1972 und nochmals 1974 fand der weißhaarige Jüngling seinen Weg auf die Seiten des Koralle-ZACK, 1983 erschienen die ersten drei Alben bei Semic, einem Carlsen Ableger. Ja und nun, 37 Jahre später, kehrt der Überlebende zurück und wird im All Verlag von Ansgar Lüttgenau erstmals komplett in 8 Einzelbänden veröffentlicht werden. Das Comeback des Jahres!

Die Geschichten

Der erste Band Das verschollene Raumschiff enthält zunächst einmal einführendes Material: Dr. Anselm Blocher erzählt von den Hintergründen, die zu der Story geführt haben, dem Konkurrenzdruck auf dem spanischen Markt und den schwierigen Anfängen. Dazu werden viele Abbildungen nicht nur von Magazin-Covern präsentiert, sondern auch die farblichen Unterschiede zwischen der französischen und der spanischen Variante aufgezeigt. Vorbildlich für eine Gesamtausgabe. Was fehlt sind einzig die Angaben zu den Veröffentlichungen der einzelnen Geschichten.

Victor Mora hat einzelne, kurze Geschichten geschrieben, die die Figur des Überlebenden und die wissenschaftlichen Hintergründe zunächst langsam einführen. Der Junge begreift sich in seiner neuen Umgebung zu der neben seinem „Erwecker“ Dosian auch dessen Nichte Iris gehört langsam, geht dann aber mit Übermut freudestrahlend auf die neuen Möglichkeiten zu. Dadurch kann er verschiedene Rollen übernehmen: die des Überraschten, die des verspielten aber auch die des Retters.

Zur Unterstützung bringt Mora immer wieder abstruse Ideen ein: ein beleidigter Roboter zieht einem Gast den Teppich unter den Füßen weg, zwei andere künstliche Wesen scheinen nichts anderes zu tun als (schrecklich) zu singen und der Weltraumfahrer Kohl heißt so, weil er nur seinen eigenen, in der Rakete gezüchteten Kohl ist.

Die Zeichnungen

Anfang der Siebziger hatte sich die Gesellschaft gerade geändert: Flower Power und Pop Art, das Ausmisten der Gesellschaft und ein starker Fortschrittsglaube hatten überall neue Ideen aufkommen lassen und so konnte selbst im Spanien unter Franco eine Comic-Kultur entstehen, die vor Farben und Formen nur so explodierte. Carlos Giménez hat in Dani Futuro wirklich viel experimentieren können und so sind die Zeichnungen auch heute noch ein Genuss!

Für die Leser*innen damals muss das aber neben den strengen sonstigen Serien in Tintin oder ZACK befremdlich gewirkt haben, ging es doch sogar über die Innovationen in Valerian hinaus. Und für die wirklich innovativen Magazine war das anvisierte Publikum zu jung.

Die Empfehlung

Für uns heutige Leser*innen ist die Serie auf jeden Fall ein Kleinod, das seine Fans finden wird. Wie immer bringt der All Verlag handwerklich überzeugende und inhaltlich gut strukturierte Gesamtausgaben in Einzelbänden heraus. Das Layout ist gut durchdacht, die ergänzenden Beiträge fügen sich perfekt ein und für die Sammler*innen gibt es wieder eine limitierte Vorzugsausgabe mit signiertem ExLibris!

Ex Libris der Vorzugsausgabe

Für alle Fans von nicht dystopischer Science-Fiction, jung gebliebene ZACK-Leser*innen und alle, die Comics mögen, die ein wenig gegen den Strich sind!

Dazu passen ein langsam die Farbe wechselnder Maui Mule und Glam Rock, etwa von den alten Sweet!

© der Abbildungen 1969/70 Victor Mora & Carlos Giménez, 2020 All Verlag