Ummels/Heuvels – Carbeau Integral

Carbeau – Barone & Boliden

Story: Noël Ummels
Zeichnungen: Eric Heuvel

Originaltitel: Carbeau – Integral

Kult Comics

Hardcover | 160 Seiten | farbig | 30,00 € |

ISBN: 978-3-96430-040-9

Der Leipziger Verlag baut mit diesem Titel seinen Zeichner Eric Heuvel weiter auf, handelt es sich doch bereits um die vierte Reihe des sympathischen Amsterdamers.

Der Inhalt

Berlinetta de Carbeau ist die junge, autoverrückte Erbin einer der größten Oldtimersammlungen Europas. Dazu hat sie auch noch den Landsitz der Familie und ein nicht unbeträchtliches Vermögen bekommen. Die junge Baronin, Berli genannt, möchte die Autos allerdings nicht nur betrachten und so kutschiert sie mit den verschiedensten Modellen durch die Gegend.

Ihr Sidekick wird Logan, ein begabter Automechaniker, der auf die falsche Bahn gekommen war und sich als Hooligan bereits vor Gericht verantworten musste. Da seine früheren Kumpels immer mehr in das rechtsradikale Milieu abdriften, löst sich Logan von ihnen. Dieser Prozess ist allerdings nicht einfach und bildet einen der Handlungsstränge über die Alben hinweg.

Die bisherigen drei Geschichten wurden in den Niederlanden in der „AutoWeek“ vorveröffentlicht. Die Zielgruppe ist also klar umrissen: Autofans, die neben den Fahrberichten und Gerüchten rund um Fahrzeuge noch ein wenig thematisch passende Unterhaltung geboten bekommen sollen. Noël Ummels, nicht nur Texter dieser Reihe, sondern auch Chefredakteur des Auto-Magazins erklärt in einem ebenfalls enthaltenen Interview, wie es dazu gekommen war und beantwortet auch Fragen zu den Hintergründen der einzelnen Stories!

Der erste Teil Ferrari 250 GT Berlinetta stellt zunächst einmal die Personen vor und führt in das Setting ein. Das titelgebende Fahrzeug war kurze Zeit vor dem Tod des Vaters der Heldin gestohlen worden. Da es ihrem Vater sehr am Herzen gelegen hatte – schließlich hat er seine Tochter danach benannt – versucht diese es zusammen mit Logan wiederzufinden. Es entwickelt sich eine spannende Krimigeschichte die natürlich nicht an rasanten Fahrten spart.

Shelby Cobra Dragonsnake hat ein anderes Auto in prominenter Rolle. Berli lässt sich überreden, an einer Milliardärsrallye teilzunehmen die von Kabul nach Moskau führen soll. Selbstverständlich dürfen an dieser Rennfahrt nur Oldtimer teilnehmen und Heuvel darf wieder beweisen, wieviel Kenntnis er in diesem Metier besitzt! Logan muss einerseits mit seiner Eifersucht klarkommen, denn der Organisator scheint ihm zu viel Interesse an seiner Kumpanin und Chefin zu zeigen, andererseits spielt aber auch die Politik eine Rolle, denn Rebellen und der russische Geheimdienst haben ihre eigenen Pläne. Die Personen haben sich hier schon etwas entwickelt und stehen nicht mehr auf so wackeligen Füssen wie am Anfang!

Vollends etabliert hat sich die Reihe dann mit dem bisher letzten Teil der auch erstmals nicht nur in der AutoWeek sondern auch im Eppo vorabgedruckt worden ist. Großer Mercedes 770 K bringt nicht nur bezogen auf das Fahrzeug einen Bezug auf das Dritte Reich mit; es geht auch um Kollaboration während der Besatzung, jüdisches Vermögen und um heutige Neonazistrukturen. Begleitet wird das Ganze von einer klar positionierten Auseinandersetzung mit dem populistischen, rein auf Auflagenhöhe setzenden Boulevardjournalismus übelster Prägung und seinen Folgen. Inhaltlich und vom Aufbau her die beste der drei Geschichten.

Die Zeichnungen

Eric Heuvels zählt zu den besten Vertretern der aktuellen Ligne Claire (siehe die Besprechung zu Meimoorden) und hat neben seinen Serien immer auch an politischen Themen, etwa für das Anne-Frank-Haus, gearbeitet. Es ist daher nicht unbedingt erstaunlich, dass eine Serie mit einer attraktiven aber vor allem modernen und selbständigen Heldin, in der alte Autos eine große Rolle spielen, seine begeisterte Zustimmung gefunden hat.

Der Seitenaufbau ist dementsprechend klassisch angelegt, auch wenn sich die Anzahl der Streifen mal ändert oder einzelne Bilder über ihren eigentlich zugewiesenen Platz hinauswachsen. Selbst die Personen scheinen ihren Rahmen sprengen zu wollen und so verlassen Hände oder Füße auch manchmal ihre Zeichnung. Die flächige Kolorierung und die Strukturierung sind natürlich ebenfalls wie erwartet. Trotzdem atmet aus keinem einzigen Bild dieses Comics Nostalgie oder gar Altertümliches! Wer January Jones, die Fliegerinnen von Salleck Publications oder Blake und Mortimer liebt, wird auch hier nicht enttäuscht werden.

Die Ausstattung

Das Integral beinhaltet neben den drei Stories alle Titelbilder, die eine oder andere Illustration und ein paar Fotos zu Originalen. Das bereits angesprochene Interview führt insbesondere den deutschen Leser in einige der zugrundeliegenden niederländischen Gegebenheiten ein und führt daher zu einem viel besseren Verständnis. Das Kult Comics Integral typische Papier ist etwas dicker und daher sehr wertig und satt und auch der Preis ist völlig angemessen! Natürlich gibt es auch wieder eine – bereits verlagsvergriffene – limitierte Vorzugsausgabe.

Detail aus dem ExLibris der Vorzugsausgabe

Dieser Comic bringt die traditionelle Brüsseler Schule in das aktuelle Jahrzehnt und hat dabei auch noch eine Heldin, was weder im Motorsport noch im (Comic-)Krimi zu häufig vorkommt! Alles richtig gemacht also und wir werden hoffentlich weitere Fortsetzungen genießen können!

Dazu empfehle ich– passend zu Berlis Landsitz – einen Cragganmore 21 und das New York Ska Jazz Ensemble, etwa mit Minor Moods!

© der Abbildungen 2020 Comic Combo, Leipzig; © 2019 Uitgeverij L

35 Jaar Weekblad Kuifje – Klassiker des Quartals – Frühjahr 2020

35 Jaar Weekblad Kuifje – 35 Jaar Humor

Text: div

Zeichnungen: div

Herausgeber/Uitgever: Raymond Leblanc

De Lombard Uitgaven

Hardcover | 1981 |128 Seiten | farbig | (vergriffen)
ISBN: 90-6421-339-9

In der Reihe Klassiker des Quartals soll heute ein Magazin gewürdigt werden, das von 1946 an fast 50 Jahre lang wöchentlich erschienen ist und ursprünglich der niederländisch-sprachige Ableger des Brüsseler Magazin Tintin gewesen ist. Nach der Einstellung dieses Magazins 1988 lief die flämische Ausgabe Kuifje weiter und hatte von 1989 an eine eigene französische Ausgabe unter dem Titel Hello Bédé. 1993 war dann endgültig Schluss! Zwischenzeitlich waren von dem Heft wöchentlich über 600.000 Exemplare verkauft worden.

1981 erschien das Hardcover „35 Jaar Weekblad Kuifje – 35 Jaar Humor“ zur Feier des Jubiläums bei Lombard das antiquarisch noch für rund 10€ in lesbarem Zustand erhältlich sein sollte. Für besonders gut erhaltene Exemplare mit Schutzumschlag muss deutlich mehr angelegt werden.

Die Konkurrenz

Während der gesamten Zeit lieferte sich Tintin/Kuifje ein Wettrennen mit Spirou/Robbedoes. Versammelte das erstere hauptsächlich die Brüsseler Schule mit der Ligne Claire um sich, war das zweitere das Publikationsorgan der Ecole Marcinelle. Trotzdem wechselten Zeichner und Autoren zwischen den Magazinen. Andre Franquin war der einzige, der unter seinem Namen eine Zeitlang gleichzeitig für beide Magazine tätig war. Robbedoes/Spirou war anfangs auch während der deutschen Besetzung Belgiens erschienen und dann von den Deutschen verboten worden. Das Magazin aus dem Hause Dupuis bzw. sein Chefredakteur hatte dabei den Widerstand teilweise aktiv unterstützt. Hergé hatte sich während des Krieges dagegen unter das Dach der von Deutschen gesteuerten Le Soir begeben und sich nach Kriegsende wegen Kollaborationsvorwürfen verteidigen müssen. Der Popularität seiner Figuren tat das keinen Abbruch.

Mitte der 60-er Jahre war die Fortsetzung Kuifjes schon einmal gefährdet; der Inhalt entsprach nicht mehr dem Geschmack des „neuen“ jungen Publikums. Ab dem 1. Oktober 1965 änderte der gerade eingesetzte Chefredakteur Greg das Konzept und brachte längere Fortsetzungen und neue, moderne aber auch Gewalt nicht mehr aussparende Geschichten, etwa Luc Orient, Bruno Brazil oder Comanche. Diese Neuausrichtung war nicht nur ein zweiter Frühling, sondern etablierte eine ganze neue Generation von Serien und Künstlern. Konzeptgemäß sind in dieser auf die humorigen Serien fokussierten Ausgabe keine Beispiele der neuen Reihen enthalten. Obwohl das Blatt mit dem Spruch „von 7 bis 77 Jahren“ warb, waren ab diesem Zeitpunkt sicherlich nicht alle Inhalte auch für alle Altersgruppen gleich geeignet.

Mit der 68-er Bewegung kamen aber auch andere Herausforderungen auf die Macher der „alten“ Magazine hinzu. Das politische Klima liberalisierte sich mehr und mehr und die katholisch-konservative Ausrichtung von Kuifje war nicht mehr en-vogue. Künstler*innen wollten neue Sachen ausprobieren, Rechte an ihren Figuren behalten und gleichzeitig drohte die zunehmende Nutzung von Kino und Fernsehen den Printmedien erstmals die zahlenden Kund*innen wegzunehmen. Neben Fantasy/SF-lastigen Titeln wie Heavy Metal/Schwermetall kamen auch moderne Hefte wie Pilote oder (A Suivre) in die Regale. Im Endeffekt überlebt hat davon aber bis auf Spirou und eher Satire-lastige Magazine wie Charlie Hebdo keines.

Etwas anders sieht es im niederländisch-sprachigen Markt aus: Zwar sind das Suske-en-Wiske-Weekblad und Robbedoes mittlerweile ebenfalls verschwunden, das Eppo (vormals PEP) existiert aber wieder!

Der Inhalt

In diesem Band werden in chronologischer Abfolge Beispiele für die humorigen Comics aus Kuifje abgedruckt. Den Beginn macht dabei (natürlich) ein Zweiseiter von Hergé mit Kwik en Fluppke (dt. Stupps und Steppke) von 1947. Zu Beginn sind übrigens durchaus noch schwarzweiße bzw. schwarz-rote Beiträge dabei, da nicht jede Seite vierfarbig angelegt war.

Die Auszüge geben einen guten Überblick über die Entwicklung des Magazininhalts: Waren anfangs noch Slapstick und Humor in altbackener Weise gefragt, wandelte sich der Inhalt über die Jahre zu auch heute noch lesbaren Klassikern wie Dommel/Cubitus oder Roodoog/Häuptling Feuerauge. Deutschen Leser*innen sind die Serien teilweise aus dem alten Koralle-ZACK bekannt das anfangs einen Teil des Materials in Lizenz abgedruckt, später sogar einige der Zeichner und Szenaristen abgeworben und mit eigenen Verträgen ausgestattet hatte. Ganz zum Schluss kommen dann auch Karrikaturartige Beiträge hinzu.

Viele der Serien zählen noch heute zu den Klassikern! Dazu gehört sicherlich Ton en Tinneke (Mausi und Paul). Diese klassische Familienserie wurde von Greg und Franquin entwickelt als letzterer frustriert von den Zuständen bei Dupuis eine Alternative gesucht hatte. Im Endeffekt hatte das dann zu einer Doppelbelastung geführt die Franquins Gesundheit sicherlich nicht zuträglich war. In dieser Zusammenstellung ist nicht nur die erste Seite überhaupt von 1955 (mit einem Szenario von Peyo) enthalten, sondern auch weitere Versionen durch Attanasio (1966), Mittéï und Cricri (1974) sowie Walli (1981).

Daneben gibt es aber noch weitere Beispiele von aktuell laufenden Reihen, etwa Dirk-Jan, der im Eppo Heft für Heft dabei ist. Auch Olivier Blunder (Albert Enzian) oder Robin Hoed (Robin aus dem Wald) gehören dazu.

Kooperation mit Willy Vandersteen

Interessant ist auch, dass Suske en Wiske von 1948 bis 1959 ein Gastspiel in Kuifje geben hatte. Die acht Abenteuer, die heute unter der Bezeichnung „Blaue Reihe“ laufen, hatten einen etwas anderen Zuschnitt als die traditionelle („Rote“) Reihe und musste ohne Tante Sidonia und Jerom (auf Deutsch in den Bastei-Zeiten Wastl) auskommen. Nach einem Zerwürfnis zwischen Willy Vandersteen und Hergé wurde die vorgesehene neunte Geschichte nicht mehr veröffentlicht. In diese Zusammenstellung wurden von Vandersteen daher nur zwei Seiten seiner Serie über den kleinen Prinzen ´t Prinske aufgenommen.

Fazit

Heute würden die meisten der abgedruckten Gags nicht mehr als zeitgerecht empfunden werden. Als Dokument dieser Entwicklung ist die Sammlung aber gut geeignet. Zudem war das Magazin in seiner Zeit absolut stilprägend sowohl für die Niederlande und Flandern direkt als auch über die verschiedenen Publikationen aus dem Kauka-Imperium und das ZACK in Deutschland.

Dazu passen eigentlich nur der King (selbstverständlich ist in diesem Zusammenhang Elvis damit gemeint, der im Januar 85 Jahre alt geworden wäre), ein Tomaten-Mayonnaise-Pilz und ein klassisches Grolsch.

© der Abbildungen de Lombard Uitgaven, Brüssel 1981

Pietersma/Wijtsma – Jelmer 1

Wie dienen wij hiermee?

Story: Josse Pietersma
Zeichnungen: Roelof Wijtsma

Originalausgabe

Uitgeverij Personalia

Softcover | 56 Seiten | Farbe | 8,95 € |

ISBN: 978-94-928-4050-9

Ein neuer Comic über die Kreuzzüge? Mit Blut und Schwert gegen die Ungläubigen und Hau-Drauf?

Der Inhalt

Nein, Jelmer ist anders! Eigentlich möchte der Held der Abenteuer gar nicht in den Krieg ziehen, sondern in seinem Friesland für den Unterhalt seiner Familie sorgen. Doch es kommt anders und so sticht eine große Gruppe Friesen in See um für die Befreiung Jerusalems zu streiten.

In verschiedenen Rückblicken wird diese Fahrt geschildert und auch gezeigt, wie willkommen die Pilger für alle Beutelschneider und Taugenichtse waren. Schließlich hat der Tross 1218 Damiste, eine Stadt in Ägypten, erreicht. Die Stadt blockiert durch eine zwischen ihren Stadtmauern und einem auf einer kleinen Insel in der Mündung gebauten Turm gespannte Eisenkette die einfahrt in den Fluss und damit den Zugriff auf das Hinterland.

Damiste scheint zunächst einmal uneinnehmbar doch Jelmer scheint vom Herrn ausgewählt und sein Freund und Begleiter ist ein innovativer Baumeister. Werden die beiden das Blatt wenden können? In einem parallelen Strang fragt sich Jelmer immer intensiver, ob seine Vorstellung von religiösen Pilgern, die die Heilige Stadt demütig befreien werden, und die Wirklichkeit zueinander passen.

Das Szenario stammt von Josse Pietersma, der im Anhang auch näher vorgestellt wird. Eigentlich hatte Josse Geschichte studiert und war damit weit weg von Comics. Es ergab sich aber ein Erkenntnisgewinn, dass über dieses Medium Inhalte gut vermittelbar sind. Dem verdanken wir nun diese Serie, die natürlich eine fiktive Geschichte erzählt, sich dabei aber immer en g an bekannte Fakten hält.

Das Artwork

Roetof Wijtsma ist schon etwas bekannter, läuft sein Fußball-Strip über Roel Dijkstra doch schon etwas länger. Hier darf er zeigen, dass er auch die Vergangenheit darstellen kann: Farbpalette, Dekors, Gebäude, Kleidung und Frisuren bedürfen einer großen Recherche, wenn sie glaubhaft sein wollen und dürfen doch nicht steif und lehrbuchartig daherkommen.

Das Ergebnis kann sich sehen lassen: die Mischung aus realistischem Hintergrund und leicht überzeichneten Gesichtern in der Nahaufnahme passt gut zueinander und nimmt uns als Leser*innen von Anfang an mit. Die Sorgen der zurückbleibenden Familien drücken sich genauso glaubhaft aus wie die Horden von Geschäftemachern vor den Sehenswürdigkeiten der Pilgerfahrt und der Luxus der Priester in ihren Zelten!

In Jelmer stehen nicht die heldenhaften Ritter in ihren Schlachten im Vordergrund, sondern die Mitglieder des einfachen, gutgläubigen Fußvolks, das zu Tausenden geopfert wurde.

Da der zweite Band schon für Oktober kommenden Jahres angekündigt ist, würde sich auch eine Übersetzung in das Deutsche anbieten. Natürlich gibt es einen Bezug zu den niederländischen Friesen, das sollte aber kein Hindernis darstellen.

Dazu passen ein Abteibier (Karmeliet) eurer Wahl und The Templars aus NYC.

© der Abbildungen 2019 Uitgevereij Personalia

StripGlossy 14 Asterix – September 2019

Stripglossy 14 – Schwerpunkt: 60 Jahre Asterix

Herausgeber: Mirjam van der Kaaden & Seb van der Kaaden

Verlag StripGlossy Personalia vof
Heft Din A 4 | 132 Seiten | Farbe | 8,95 €
ISBN: 978-94-928-4058-5

Schwerpunkt der aktuellen StripGlossy ist Asterix, der kleine Gallier, der gerade seinen 60-sten Geburtstag feiert und mit seinem in Kürze erscheinenden Album wieder die Buchumsätze retten wird. Zu diesem Jubiläum ist bereits eine offizielle Hommage erschienen, die mal mehr Strips und Texte (französische Ausgabe) mal nur Strips (deutsche Ausgabe) enthält. Wer sich diesen Band gekauft hat, sollte unbedingt auch hier einen Blick riskieren denn das Glossy enthält sechs weitere Strips!

Schwerpunkt 60 Jahre Asterix

Wie üblich ist der den Iconen der Comic-Welt gewidmete Bereich vielgestaltig gefüllt und beginnt mit einem großen Artikel über die Väter von Asterix. Auch andere Künstler, etwa Fred de Heij kommen zu Wort und dürfen ihre Geschichte über Goscinny und Uderzo oder aber Asterix und Umpah-Pah erzählen. Natürlich werden auch Ferry und Conrad befragt und es wird gerätselt, ob das kommende 38. Album das letzte sein könnte. Schließlich hat Albert Uderzo mehr als einmal verlauten lassen, dass seine Figuren ihn nicht überleben sollen und er die Fäden nicht weggeben möchte. Mal sehen, ob sich der finanzielle Hunger der Erben oder die letzte Verfügung durchsetzen werden. Zum Glück lebt der Meister ja noch.

Die Artikel sind ausführlich bebildert aber auch wieder mit reichlich Comic-Material versehen. Von Goscinny und Uderzo gibt es neben Zeichnungen eine Seite des aufgegebenen Versuches mit „Roman de Renart“ und „Hoempa Pa“ (deutsch Umpah-Pah), zwei Vorläufern des Galliers. Auch Ferri und Conrad steuern einen Streifen bei (auf Deutsch), der schon in der WELT zu sehen war. Spannend wird es aber mit den Hommagen: Fred De Heij, Frans Hasselaar/Daan Jippes, Meinte Strickwerda, Willem Ristier/Apriyadi Kusbiantoro und Vick Debergh lassen ihrer Fantasie freien Lauf und liefern hohe Qualität ab! Natürlich kann es bei einigen nicht schaden, die jeweils eigene Figur zu kennen, notwendig ist es aber nicht.

Anmerkung: der Scanner ist gerade nicht funktionsfähig…

Und wem das immer noch nicht genug ist, darf in reichlich Bildmaterial schwelgen, das den Besuch Supermans im Gallien des Jahres 53 in Action Comics 579 zeigt. Sollte mich nicht wundern, wenn dieses Heft in der nahen Zukunft häufiger gesucht werden würde.

Seb und Mirjam van der Kaden haben es sich zum Prinzip gemacht, Themen wirklich ausführlich darzustellen und so wird zum Vergleich auch ein anderer „Erbe“ einer großen Serie vorgestellt: Achdé! Neben dem lesenswerten Bericht und vielen Fotos gibt es zwei Strips von Kid Lucky und eine schon etwas ältere Zeichnung mit Asterix und Lucky Luke von dem sympathischen Franzosen.

Comics

Auch sonst bietet die 14. Folge der Glossy wieder eine Menge an Comics von Cartoons oder Streifen (Madelfried), Einseitern wie Z-Man hin zu Kurzgeschichten und albenlangen Stories.

Zu Ende gehen die Vorabdrucke von Saul, einer Science-Fiction in Storm-Tradition von Willem Ristier und Apriyadi Kusbiantoro sowie von Jelmer, einer Kreuzfahrergeschichte von Josse Pietersma & Roelof Wijtsma. Eine Rezension des gerade erschienenen Softcover-Bandes von Jelmer folgt in Kürze. Es gibt aber auch Neues von Spaghetti (siehe StripGlossy 13), dem General, dem kleinen General und Sjors & Sjimmie, diverse andere Kurzgeschichten unter dem groben Thema Halloween, eine Fortsetzung der neuen Abenteuer von Tom Poes (siehe StripGlossy 10) und eine neue Ausgabe des Strip-Battles! In der neuen Runde treten Ralph Dikmans und Wouter Winter gegeneinander an. Die Gewinner*innen der Battles der letzten Jahre sind natürlich auch wieder mit Arbeiten vertreten!

Tatsächlich gibt es noch mehr in diesem Heft aber ein wenig Überraschendes soll ja noch verbleiben! StripGlossy ist eine perfekte Mischung aus Information, die nicht trocken daherkommt, sondern immer versucht, den Menschen hinter dem/der Künstler*in zu präsentieren, modernen Comics aus dem niederländischen Sprachraum und News! Da der Comic-Anteil rund 50% ausmacht helfen die Bilder auf der Hälfte aller Seiten dem Verständnis. Für die übrigen 50% ist es sinnvoll, niederländisch lesen zu können. Trotzdem volle Punktzahl!

 Dazu passen erst ein Chocomel und dann ein Weizen der Brouwerij Groninger und The Pioneers.

Abbildungen © 2019 StripGlossy / Personalia vof

Cartooning Syria

Revised and expanded (2nd) Edition

Herausgeber: Ronald Bos
Originalausgabe

Uitgeverij Jürgen Maas

Broschur | 240 Seiten | Farbe | 19,95 € |

ISBN: 978-94-91921-44-5

Karikaturen oder Cartoons sind ein schwieriges Unterfangen: sie müssen mit einem, maximal zwei Bildern und minimalem Text Betrachter*innen unterschiedlicher Herkunft, Bildung und Alter ansprechen und etwas auslösen. Ziel muss es also sein, mit Symbolen und (grafischen) Allgemeinplätzen eine spezifische Aussage zu treffen. Was im schnelllebigen Alltag wegen der Platzierung einer Karikatur in der Zeitung neben einer tagesaktuellen Meldung noch einigermaßen funktioniert, wird in Sammelbänden schon schwieriger, denn der Kontext fehlt vollkommen.

Noch schwieriger wird es, wenn anstelle eines gemeinsamen Erfahrungshorizontes plötzlich die internationale Bühne gesucht wird. Was im nahen Umfeld vielleicht noch vorausgesetzt werden kann, ist in diesem Rahmen nicht mehr zu beeinflussen und so müssen noch plakativere Bilder gefunden werden.

Cartooning Syria versucht, politische Karikaturen zum Thema Krieg in Syrien zusammenzustellen und für Frieden (und Freiheit) zu werben. Sie richten sich daher gegen Assad, aber auch gegen den IS/DAESH und andere streng religiöse Gruppen, gegen die kriegsbeteiligten Mächte USA und Russland, vor allem aber sind sie FÜR etwas, nämlich das Recht auf Leben, auf Meinungsfreiheit und auf Zukunft.

Sie benutzen dabei Bilder, die auch von Nicht-Syrern verstanden werden: Bomben und andere Waffen, Blut und immer wieder die Umrisse Syriens. Themen sind die tägliche Gewalt und natürlich die Flucht mit all ihren Lebensgefahren.

Die Zusammenstellung beschränkt sich dabei nicht auf 39 Künstler*innen aus Syrien bzw. anderen arabischen Staaten, sondern enthält in ihrer zweiten Auflage auch Werke von europäischen Cartoonist*innen. Sie reflektiert damit die Ausstellungen in Europa und bietet uns als Rezipient*innen der Bilder die Möglichkeit, den fremden und den eigenen Blick zu vergleichen.

Abgerundet wird die Ausgabe von 156 Bildern mit Portraits und Essays über bekannte und zum Teil im Konflikt getötete Cartoonisten und über die Stellung der Karikaturen in der syrischen Revolution. Dabei wird im Übrigen nicht nur auf „revolutionäre“ Künstler verwiesen, sondern auch auf regierungstreue, denn die Auseinandersetzung um die Meinungsherrschaft wird natürlich von beiden Seiten geführt. Obwohl es sich um einen Verlag aus Amsterdam handelt, ist der Text komplett in Englisch. Es sollte also keine Verständigungsschwierigkeiten geben.

Die Sammlung wird niemanden überzeugen, die eine oder andere Seite zu vertreten. Sie ist aber ein gutes Beispiel dafür, dass fast überall und immer die Leidtragenden einer kriegerischen Auseinandersetzung eigentlich das gleiche wollen: Das Recht auf ein – nämlich ihr – Leben und auf eine angstfreie Zukunft für sich und ihre Kinder!

Dazu passen weder ein Getränk noch Musik irgendwelcher Art.

© 2019 by the authors and the cartoonists

Legendre/Cambré – Kronieken van Amoras 4

De Kronieken van Amoras 4: Gardavu!

Story: Willy Vandersteen, Marc Legendre
Zeichnungen: Charel Cambré

Standaard Uitgeverij 
Softcover | 48 Seiten | Farbe | 7,99 €
ISBN: 978-90-02-26773-4 

De zwarte Madam ist zurück! Allein diese Aussage machte schon neugierig auf den vierten Teil des Spin-offs der alternativen, für ein erwachsenes Publikum gedachten Abenteuer von Suske und Wiske im Amoras-Kosmos. Die Kronieken konzentrieren sich dabei auf einzelne Personen, sollen aber trotzdem den Kosmos weiter aus- und aufeinander aufbauen.

Die ursprüngliche Reihe unter dem Titel Amoras erzählte in sechs Bänden auf dystopische Weise ein Zukunftsszenario mit viel Gewalt, großer Kluft zwischen Arm und Reich und führte Androiden in die ansonsten eher beschauliche Welt des Longsellers von Willy Vandersteen ein. Die ersten drei Bände der folgenden Kronieken hatten sich unter dem Titel de Zaak Krimson auf die Beziehung zwischen Lambik und dem Psychopathen Krimson konzentriert.

Die Geschichte

Die schwarze Madam gehört zu den beliebteren Nebenfiguren der Originalserie und ist immer ein wenig tragisch. Einerseits ist sie irgendwie böse, andererseits viel zu theatralisch, um es wirklich zu sein. So nimmt sie eher die Rolle eines Quälgeistes ein. Nun taucht sie also wieder auf und möchte mit ihrer neuen Theaterrevue Gardavu! den Sprung nach Amerika schaffen. Ihr Programm ist aber – natürlich – viel zu ernst und so sucht sie nach einer Möglichkeit, Humor hinzuzufügen.

Lambik und Jerom scheinen gerade Recht zu kommen, um mit ihrer unfreiwilligen Komik das Programm aufzupeppen. Währenddessen muss sich Sidonia in einer nicht wirklich passenden Parallelhandlung mit dem Vorwurf auseinandersetzen, ein Luxuskleid geklaut zu haben. Der spannendere Teil dreht sich aber um den Androiden Diez. Sie ist im letzten Teil beschädigt worden und liegt nun im Müll wo sie von Theofiel Boemerang gefunden wird, der sie als Putzroboter und für andere Dinge aufpeppen möchte. Natürlich ist Diez damit nicht einverstanden und es entwickelt sich eine muntere Verfolgungsjagd mit verschiedenen Beteiligten zu denen neben Suske und Wiske, Jerom und Teofil auch die geheimnisvolle Academie gehört. Letzteres möchte sein Eigentum zurückhaben und scheut vor Gewaltanwendung nicht zurück…

Die Umsetzung

Über die Qualität der Zeichnungen von Charel Cambré noch ein Wort zu verlieren, hieße fast schon Eulen nach Athen zu tragen! Seine Bilder sind so voller Dynamik, dass man beim Lesen fast schon erwartet, dass die Figuren aus dem Rahmen springen und anfangen, sich zu bewegen.  Im gelingen dabei Dekors genauso gut wie Menschen und auch die Mischung aus Technik und humanem Aussehen der Androiden gelingt ihm ausgesprochen gut (ohne dabei in das niedliche Aussehen abzugleiten, dass etwa beim ersten Robbedoes Spezial-Abenteuer zum Tragen kam).

Die Bilder sind dabei viel heller und freundlicher als in den anderen Bänden und spielen auch mehr mit Ironie. Während sich sonst der dystopische Charakter fast in jeder Kolorierung zeigte, könnte das aktuelle Abenteuer heute spielen. Der alternative, erwachsene Touch ist immer noch im Zeichenstil deutlich, die Stimmungen gleichen sich aber an.

In gewisser Weise gilt das auch für die Storyline von Marc Legendre. Obwohl die Geschichte in sich stimmig ist und spannend erzählt wird, trägt sie wenig zu einem alternativen Kosmos bei. Vielleicht brauchten die Beiden auch einfach ein wenig Ruhe im Umfeld um die Geschichte mit Diez ein wenig voranzutreiben um dann im nächsten Teil wieder Fahrt aufzunehmen.

Von den Zeichnungen her ist auch dieser Teil ein absoluter Kauf Tipp, die Story spricht dagegen eher Komplett-Sammler an.

Dazu gehört „Bohemian Rhapsody“ von The Queen, denn nichts anderes würde wirklich zu der Revue Gardavu! passen. Heutzutage für solche Shows fast schon üblich wäre ein spezielles Craft Bier. Es würde stark gehopft sein und eher dunkel!

© der Abbildungen: Standaard Uitgeverij 2019

Preisträger 2019

Auch 2019 gibt es wieder eine Übersicht mit ausgewählten Comicawards aus diesem Jahr. Natürlich gibt es noch viel mehr. Wenn ihr einen bestimmten Preis in dieser Übersicht vermissen solltet, nutzt doch bitte die Kommentarfunktion.

Festival International de la Bande Dessinée Angoulême

Stripshap Prijzen

ICOM Independent Comic Preis

Eisner Awards

Post/Heuvel – De Meimoorden

De Meimoorden 1940 – 1948

Story: Jacques Post
Zeichnungen: Eric Heuvel

Originalausgabe

Uitgeverij Personalia

Softcover | 80 Seiten | Farbe | 11,99 € |

ISBN: 978-94-928-4042-4

Der Comic von Jacques Post und Eric Heuvel basiert auf einem bereits 1984 erschienenen Buch von Post und wurde in den letzten zwei Jahren in StripGlossy vorabgedruckt. Er war im Mai dieses Jahres der meistverkaufte niederländisch sprachige Comic in den Niederlanden und auch in Belgien mit Platz 6 sehr erfolgreich (Quelle: StripGlossy 13).

Die Geschichte

De Meimoorden (auf Deutsch: Die Morde im Mai) ist auf den ersten Blick ein spannender Krimi aus dem Rotterdam des Jahres 1940. Der Vater der Hauptperson Henk Maalbeck ist ein Taxifahrer und wird ermordet, das Taxi wird geklaut.  Henk versucht nun, die Hintergründe zu verstehen und aufzuklären.

Ein zweiter Handlungsstrang beschreibt die Verwicklungen von deutschen Spionen zur Vorbereitung des unmittelbar bevorstehenden Überfalls der Niederlande und ihre persönlichen Bereicherungsmotive sowie den Einmarsch und die Bombardierung Rotterdams selber.  Jacques Post bedient sich dabei zweier Zeitlinien. Einerseits müssen Henk und seine Freundin Leentje inmitten der Wirren überleben und zugleich versuchen, die Hintergründe aufzudecken, andererseits geht es um die parlamentarische Enquetekommision, die 1948 versucht, die Verwicklungen von Einheimischen aufzuspüren und zu bewerten.

Post bringt unheimlich viel an historischem Detail in dieser Geschichte unter und dementsprechend ist der Textanteil teilweise sehr hoch, allerdings immer noch geringer als etwa bei Blake und Mortimer. Es geht dabei um den deutschen Spion Flenter, der mit dem niederländischen Steuerberater Moret krumme Dinger dreht und um die Verwicklung des lokalen Polizeichefs Dechy, der mehr weiß, als er dürfte.

Die Geschichte springt aber nicht nur zeitlich hin und her. Flenter verlässt Rotterdam kurz nach dem Mord und kehrt zunächst nach Deutschland zurück um dann während der Invasion wieder niederländischen Boden zu betreten. Nicht immer sind die einzelnen Handlungen den Strängen ohne Weiteres zuzuordnen so dass den Leser*innen ein Mitdenken abverlangt wird. Zugleich wird vieles an historischen Fakten durch fiktive persönliche Erlebnisse ergänzt, so dass die Geschichte verständlicher, aber auch emotionaler wird.

Gerade für deutsche Leser*innen ist die Story nicht einfach. Einerseits wird die Effizienz der deutschen Eroberungsarmee gezeigt, die Widerstand im Keim erstickt und wenig Skrupel besitzt. Auch die Vorbereitung durch Spionage und verdeckte Aktionen wird deutlich und zeigt die Akribie des Plans. Andererseits wird aber auch deutlich, welche Folgen der Einmarsch für die Bevölkerung und insbesondere die Stadt Rotterdam hatte. Die Zerstörung war immens und auch das wird in den Bildern sehr deutlich. Glücklicherweise hat es die europäische Nachkriegsgeschichte geschafft, Europa zu befrieden und staatliche Machtgelüste zu überwinden. Trotzdem ist es nicht unbedingt selbstverständlich, dass die heutige Generation die Deutschen mit einer so großen Freundlichkeit willkommen heißt.

Die Umsetzung

Eric Heuvel ist in Deutschland zwar vor allem durch seine Geschichten um January Jones bekannt. Er hat aber auch viele Sachcomics geschrieben, unter anderem in Zusammenarbeit mit der Anne Frank Stiftung einen Comic über das Schicksal einer jüdischen Familie in den Niederlanden unter deutscher Besetzung, der unter dem Titel Die Suche auch auf Deutsch erschienen ist.

Heuvel ist ein Vertreter der Ligne claire, auch wenn seine Zeichnungen teilweise vor Details schier zu bersten scheinen. Er scheint es sich zur Aufgabe gemacht zu haben, unheimlich viele kleine Details in seinen Zeichnungen unterzubringen, und der als Grundlage dienende Roman bietet viel davon. Zudem ist Heuvel im Thema drin und hat ein (Bild-)Wissen der damaligen Zeit angesammelt, das fast jede Szene möglich macht. Manchmal ist aber ein zu großes Detail-Wissen hinderlich für den Flow und so befördern einige Bilder nicht die Geschichte, sondern stehen separat.

Abgesehen davon ist es aber eine gelungene Umsetzung, die die Schrecken anschaulich darstellt und gleichzeitig die Kriminalstory vorantreibt.

Comics, die den Zweiten Weltkrieg zum Thema haben, sind aktuell en vogue. Oft stehen dabei aber die technische Faszination im Vordergrund oder das Soldatenleben. Hier geht es zwar auch um die Hintergründe, im Vordergrund aber steht der Alltag der Zivilbevölkerung.

Die Sprache stellt meiner Ansicht nach nicht zu große Herausforderungen und ist daher keine echte Barriere. Außerdem unterstützen die Bilder aufgrund ihres Detailreichtums und helfen über unbekannte Wendungen hinweg. Vielleicht findet sich ja auch ein deutscher Verlag für die Geschichte der Uitgeverij Personalia. Es wäre zu wünschen! Es gibt im Übrigen auch eine Hardcoverausgabe für 19,99€.

Dazu passen ein Cassis und Golden Earring, die mehr zu bieten haben als das bekannte Radar Love!

Abbildungen © 2019 StripGlossy / Personalia vof

StripGlossy 13 – Juni 2019

Stripglossy 13 – Schwerpunkt: Dino Attanasio

Herausgeber: Mirjam van der Kaaden & Seb van der Kaaden

Verlag StripGlossy Personalia vof
Heft Din A 4 | 132 Seiten | Farbe | 8,95 €
ISBN: 978-94-928-4054-7

Im Mittelpunkt der 13. Ausgabe der StripGlossy aus Leens bei Groningen steht der italienischstämmige Dino Attanasio. Attanasio arbeitete zunächst in Italien in der Zeichentrickfilmbranche, emigriert aber schon 1948 zusammen mit Vater und Bruder nach Brüssel. Nach kurzer Zeit wechselte er von dem Zeichentrickfilm zum unbewegten Comic. Da Belgien (mindestens) zweisprachig ist, kommt er dort auch ohne Kenntnisse des Holländischen gut zurecht und wenn es doch einmal von Nöten ist, übersetzt seine Frau.

Dino Attanasio

Dino Attanasio hat nie den Sprung in die erste Reihe der frankobelgischen Künstler*innen geschafft; umso mehr bleibt jetzt (wieder) zu entdecken. Seine Comic-Karriere began zunächst bei Spirou/Robbedoes doch schon bald erfolgt der Wechsel zu Tintin/Kuifje wo er unter anderem Ton en Tineke (auf Deutsch Mausi und Paul) von André Franquin übernimmt. Daneben entwickelte er Bob Morane und zeichnete nach Texten von René Goscinny den Funny Spaghetti. Ab 1964 kommen dann der Detektiv-Funny Johnny Goodby nach Szenarios u.a. von Martin Lodewijk für Pep/Eppo und gegen Ende der 60-er Jahre die Serie „Macaroni’s“ über einen italienischen Fußballverein im Spannungsfeld der (amerikanisch/italienischen) Mafia. Letztere erschien in Deutschland in dem Taschenbuch 1.FC Fußball & Comic, das die Möglichkeit bot, die Bundesligaergebnisse einzutragen und sich daher bei Jungen einer großen Beliebtheit erfreute.

Dino Attanasios Serien stehen aber fast noch mehr im Licht dieser Ausgabe. Schon das Titelbild ist eine Hommage von Danier (d.i. Daan Jippes) an die Serie Spaghetti und es folgt im Heft noch ein aktueller Vierseiter von Jippes nach einem Text von Frans Hasselaar. Daneben gibt es aber aus der Originalserie die (Sjors-)Einführungsseite von 1974 sowie die dort referenzierte erste Geschichte. Und da die Liebe (auch zu einer Comicfigur) ja bekanntlich durch den Magen geht, ermöglicht man den Leser*inneneinen ersten Einblick in das Ende des Jahres erscheinende Stripkookboek mit einem Rezept für Entenbrust in Limoncello!

Auch die Macaroni’s bekommen ihre Neuinterpretation, gezeichnet und getextet von Dick Matena. Zum Schluss darf natürlich auch Johnny Goodbye nicht fehlen: Neben dem Reprint einer Originalseite von Attanasio dürfen Robbert Damen und Michiel Offerman ihre Version zum Beste geben. Moderner, den Ton aber treffend!

StripGlossy bietet damit eine umfangreiche Mischung aus Informationen über den Künstler Dino Attanasio und Comics entweder von ihm selbst oder aber von anderen als Hommage ausgestaltet. Die informativen Beiträge sind dabei sowohl als Interview als auch als Artikel gestaltet und daher wiederum sehr abwechslungsreich. Durch diese ergibt sich ein gutes Bild des Wahlbelgiers. In den meisten Magazinen gibt es oft entweder nur das Eine oder das Andere und das alleine ist schon ein Grund, diese Ausgabe zu kaufen (auch für diejenigen Leser*innen ernst gemeint, die des Niederländischen nicht soo mächtig sind).

Die Comics

Wie gehabt enthält das StripGlossy aber auch eine ganze Reihe an anderen Comics. Das Spektrum reicht dabei von Ein-Bild-Karikaturen über klassische Strips wie Gilles de Geus, der großartige de Generaal oder Tom Poes und aktuelle Helden wie Beterman (von vanO, dessen Serie Rhonda in ZACK publiziert worden ist) über die regelmäßigen Serien wie FFlint (eine Detektivgeschichte von Ger Apeldoorn und Fred de Heij), Saul (eine Storm-ähnliche Serie von Willem Ritstier und Apri Kusbiantoro), den Noir-Krimi Nick Name von Alex van Koten und die Kreuzfahrergeschichte Jelmer von Josse Pietersma und Roelof Wijtsma.

Dazu kommen noch kürzere, von Artikeln begleitete Comic-Seiten etwa von den WiRoJas, Claire oder sogar einer Disney-Geschichte. Wer einen Überblick über die Entwicklung der Neunten Kunst in unserem Nachbarland abseits der Standaard Uitgeverij gewinnen möchte, kommt eigentlich an StripGlossy nicht herum.

Insgesamt also wieder 132 Seiten prall gefüllt mit aktuellen und klassischen Comics aus dem Niederländisch-sprachigen Raum (bzw. in der entsprechenden Übersetzung), Artikeln, Interviews und News über das aktuelle Geschehen, ein paar weiterführenden Anzeigen die mehrere Stunden lesevergnügen bereiten sollten und sich zudem auch noch für das Archiv eignen! In Kürze erfahrt ihr mehr über das StripGlossy und das neue Albenprogramm der Herausgeber auf comix-online – stay tuned!

Dazu passen ein eisgekühltes Peroni und italienischer Ska von Banda Bassotti.

Abbildungen © 2019 StripGlossy / Personalia vof

Gautier/Oger – Mijn Oorlog

Mijn Oorlog – van La Rochelle tot Dachau

Story: G. P. Gautier
Zeichnungen: 
Tiburce Oger

Microbe Strips
Hardcover | 80 Seiten | Farbe | 21,95 €
ISBN: 
978-9492621443

Mijn Oorlog erzählt die (Über-)Lebensgeschichte von Guy-Pierre Gautier, einem französischen Resistance-Kämpfer mit sozialistisch/ kommunistischem Hintergrund. Nachdem er in Frankreich gefasst worden war, wurde er zunächst in Frankreich selbst interniert, später dann aber in das KZ Dachau überführt, dass als Stätte billiger Arbeitskräfte für die umliegenden Werke diente.

In den Niederlanden ist die Autobiographie bei dem kleinen Label Microbe erschienen, ein deutscher Verleger hat sich noch nicht gefunden. Vielleicht wäre das kommende 75-jährige Jubiläum der Befreiung von der Nazi-Herrschaft ja ein geeignetes Datum? Während die Schicksale der jüdischen Opfer in Deutschland zumindest nicht mehr verschwiegen, teilweise sogar sehr vielschichtig behandelt werden, und der bürgerliche Widerstand ebenfalls seinen Platz in der Aufarbeitung gefunden hat, sind der Kampf und die Verluste der Linken noch nicht so im (literarischen) Alltag angekommen.

Gautier erzählt ehrlich und eindringlich seinen Lebensweg vom unbedarften Jugendlichen aus La Rochelle zum Kämpfer gegen die Besatzung Frankreichs durch die Deutschen und beschreibt dabei einerseits, wie viele seiner Generation auf die verschiedensten Weisen „verheizt“ worden sind, andererseits aber auch, dass für viele eine Alternative gar nicht bestanden hat. In Rückblicken, ausgehend von der mit militärischen Ehren durchgeführten Verleihung des Ritters der Ehrenlegion für Guy-Pierre Gautier am 8. Mai 2015, werden schlaglichtartig Szenen aus dem Leben aufgereiht und verknüpfen sich so zu einer Geschichte.

Tiburce Oger hat die Erzählungen in Bilder übersetzt. In Deutschland bekannt ist er durch seine im Splitter-Verlag erschienenen Western Buffalo Runner und Canoe Bay. In diesem Werk darf er jedoch die Erinnerungen seines eigenen Großvaters mütterlicherseits umsetzen. Man merkt den Zeichnungen die persönliche Betroffenheit an, sie gehen unter die Haut und lassen keine Details aus. Teilweise erscheint „das Böse“ in den Gesichtern der Deutschen KZ-Aufseher und SS-Männer als Fratze, aber es gelingt Oger durchaus zu differenzieren.

80 Seiten sind einerseits viel zu wenig, um die – exemplarische – Leidensgeschichte Gautiers von 1943 bis zu seiner persönlichen Befreiung am 30. April 1945 zu beschreiben, andererseits sind sie aber genug, um sich vor Augen zu führen, dass so etwas nie wieder passieren darf; Nicht in Europa aber auch sonst nirgendwo!

Die Graphic Novel sollte überall in den Niederlanden und dem flämischen Teil Belgiens erhältlich sein.

Dazu passen Wasser, etwas abgestanden, und „Die Moorsoldaten“.

© Rue de Sèveres, Paris, 2017, Tiburce Oger