Vance/Albert – Bruno Brazil 2

Kommando Kaiman

Story: Louis Albert (Greg) 
Zeichnungen: William Vance

Originaltitel: Commando Caiman

All Verlag

Hardcover | 68 Seiten | Farbe | 15,80 € | 
ISBN: 978-3-946522-52-2

Auch der zweite Band der Abenteuer von Bruno Brazil aus der Feder von Louis Albert (d. i. Greg), gezeichnet von William Vance, ist bereits erschienen. War der weißhaarige Held in den Kurzgeschichten und im ersten Abenteuer noch solo als Geheimagent im Stile eines James Bond unterwegs, hat die Serie nun zu ihrer wahren Ausrichtung gefunden und präsentiert sich als knallharte Action.  Wer einen Vergleich der Wandlung möchte, kann sich den Wechsel in etwa von Bonanza zu einem Italo-Western vorstellen. Mit dieser neuen Ausrichtung schaffte die Serie endgültig den Sprung zu den beliebtesten Serien sowohl in Tintin als auch später im ZACK des Koralle-Verlages. Sowohl das ZACK als auch die spätere Albenveröffentlichung im Carlsen-Verlag startete dann auch aus Marketingerwägungen mit dieser zweiten Folge.

Die Story

In Fernsehprogrammen tauchen weltweit plötzlich Einblendungen auf, die von einer Piratenstation zu kommen scheinen. Geheimdienste befürchten, dass diese Sequenzen zur Manipulation der Zuschauer*innen geeignet sein könnten, und planen, den Störsender zu beseitigen. Immerhin ist auch der ungefähre Standort im Dschungel bekannt, eine Operation scheint aber sehr gefährlich. Also muss der beste Mann des Geheimdienstes, eben Bruno Brazil ran, der zur Bedingung erklärt, sein eigenes Team zusammenstellen zu dürfen.

Im Folgenden werden die einzelnen Teammitglieder vorgestellt, die zwar alle eine militärische Vergangenheit haben, in der Zwischenzeit aber bestenfalls im Zirkus, im schlechtesten Fall aber im Knast gelandet sind. Nach einer kurzen aber intensiven Trainingseinheit geht es los und schon vor dem wirklichen Beginn scheint der erste Kandidat, Gaucho Morales, aus dem Team zu fallen. Auch Brunos kleiner Bruder Billy steht im Mittelpunkt, denn er ist sich nicht sicher, ob er wirklich schon gut genug ist und leidet unter Komplexen.

Auf dem Gelände des Piratensenders kommt es zu einer harten Auseinandersetzung zwischen dem „Kommando Kaiman“, also der Spezialeinheit, und den Gangstern. Wer im ersten Band noch geglaubt hatte, dass Gewaltszenen nur angedeutet werden würden, wird hier eines anderen belehrt. Obwohl mit heutigen Augen betrachtet relativ harmlos, stellte die Serie (ähnlich einer anderen wohlbekannten Serie von Greg namens Comanche) eine neue Qualität für das früher eher betuliche Comic-Heft Tintin/Kuifje dar. Dazu kommt der harte Zeichenstil von Vance, der den einen oder anderen tapferen Pfandfinder unter den Leser*innen deutlich erschreckt haben dürfte.

Trotz aller Gewalt steht diese aber nicht als Selbstzweck im Raum, sondern versucht den Alltag dieser Sondereinsatztruppe darzustellen und damit auch die Bedrohung durch eine neue Art von Feind abzubilden. Der kalte Krieg ist in höchsten Zügen, das Feindbild des bösen Kommunisten in Europa aber schon nicht mehr vermittelbar und so müssen modernere Gegner geschaffen werden.

Die Umsetzung

Wie bereits erwähnt, hat William Vance mit diesem Album seinen harten Strich gefunden. Schraffuren schaffen Kontraste im Vordergrund und der Hintergrund wird oft nur durch die Kolorierung akzentuiert. Die Bildausschnitte wirken oft wie von einer begleitenden Kamera, die Schnitte sind teilweise schnell und von Perspektivwechseln begleitet. Das Grundraster der Seite bleibt aber zunächst traditionell im vierreihigen Layout mit gezielten Überspannungen in Actionszenen. Die Details der Menschen sind nur in Nahaufnahmen ausgearbeitet, mit zunehmender Distanz verschwinden die Genauigkeiten und werden durch Linien ersetzt, die nur noch Emotionen erkennen lassen.

Der moderne Stil kam nicht nur damals gut an und so ist die Serie auch so viele Jahre nach ihrer Erstveröffentlichung (die letzte Folge erschien im Tintin 29/69 heute vor genau 50 Jahren) immer noch ein Erfolg. Wie gut, dass die Generation ZACK mittlerweile genügend Geld hat, um alle ihre Jugenderinnerungen wieder neu zu erstehen. Der All-Verlag hat aber auch eine mustergültige Hardcover-Ausgabe vorgelegt und der editorielle Begleittext von Bernd Weckwert tut sein Übriges. Wie schon im ersten Band werden darüber hinaus viele Originalcover und Zeichnungen sowie Fotos präsentiert.

Ausschnitt aus dem Ex Libris der limitierten Vorzugsausgabe

Der All-Verlag setzt dabei auch seine Verkaufspolitik fort, limitierte Vorzugsausgaben anzubieten. Neben einem Schutzumschlag gehört dazu ein drucksigniertes Ex-Libris in einer Auflage von 111 Exemplaren!

In Fernsehkrimis gehen die Held*innen oft am Ende der Episode in eine nette Bar um etwas zu trinken. Zu diesem Comic passt das nicht wirklich und so könnte es eher ein nicht zu edler Whisky aus dem Flachmann im Wartebereich eines improvisierten Lazaretts sein; es passt dazu also ein typischer Whisky für Film-Agenten: Black & White. Musikalisch könnt ihr euch von eher anstrengen Klängen begleiten lassen: Die frühen Black Sabbath nehmen das Feeling ganz gut auf.

© der Abbildungen 2019 All-Verlag

Vance/Albert – Bruno Brazil 1

Der Hai, der zweimal starb

Story: Louis Albert (Greg) 
Zeichnungen: William Vance

Originaltitel: Le requin qui mourut deux fois

All Verlag

Hardcover | 68 Seiten | Farbe | 15,80 € | 
ISBN: 978-3-946522-50-8

Zurzeit erfreuen sich Serien nach einem Szenario von Greg hoher Beliebtheit; nun ist auch der Geheimagent Bruno Brazil zurück.

Der Hintergrund

Bruno gehörte mit zu den Serien, die die Operation Kanonenschuss zu Neuausrichtung von Tintin/Kuifje von der ersten Sekunde an begleitet haben. Das Magazin war in Schieflage geraten, wurde als altbacken wahrgenommen und traf nicht mehr den Zeitgeist der jugendlichen Leser. Michel Regnier, so der bürgerliche Name von Greg, wurde beauftragt, das Heft zu modernisieren und die Chefredaktion zu übernehmen. Er startete mit gleich vier Serien aus seiner Feder (unter anderem Luc Orient, der ebenfalls im All-Verlag erneut veröffentlicht wird) und entschied sich, eine davon unter einem weiteren Pseudonym zu veröffentlichen: Louis Albert! Das Los – so geht die Geschichte – fiel auf Bruno Brazil.

William Vance, der auserkorene Zeichner, hatte sich schon erste Sporen verdient, sollte aber mit dem weißhaarigen Geheimagenten richtig durchstarten. Was anfänglich noch mit einigen Kurzgeschichten (die später mit einer Rahmenhandlung versehen worden sind und mit Band 11 den Abschluss der Reihe bilden werden) begonnen hatte, durfte mit Dem Hai, der zweimal starb ein erstes langes Abenteuer durchleben. Schon im zweiten Band (Rezension folgt in Kürze) sollte der James Bond-Verschnitt ein Team bekommen und den Geheimagentencomic zu neuer Blüte führen.

In Deutschland wurden die Geschichten zunächst im Koralle-ZACK abgedruckt. Dem folgte eine kurze Zeit bei Bastei bevor der Carlsen-Verlag eine erste komplette Ausgabe verlegte. Vor ein paar Jahren erschien dann bei EHAPA eine Integral-Ausgabe, die ebenfalls nicht mehr lieferbar ist. Nun also wieder einzelne Bände, allerdings erstmals in größerem Format und als Hardcover bei dem rührigen All-Verlag, der nicht nur eine großartige Druckqualität auf Superpapier bietet, sondern auch noch einen redaktionellen Teil von Bernd Weckwert. Dort sind nicht nur Hintergründe erläutert, sondern auch viele Illustrationen integriert aus der wechselvollen Geschichte des Helden. Zu guter Letzt wird dort auch auf die Änderungen am Text in der ersten ZACK-Veröffentlichung, in der aus einem Nazi-Schergen ein Mafioso wurde.

Die Geschichte

Alles beginnt rasant: Gleich das erste Panel stellt einen Verkehrsunfall dar, bei dem nicht nur drei Tote zu beklagen sind; ein Mann wird schwerverletzt in ein Krankenhaus eingeliefert und ruft sofort den Geheimdienst auf den Plan, handelt es sich doch um einen untergetauchten Alt-Nazi. Wäre das nicht schon Grund genug um Aufregung zu verursachen, wird er zusätzlich mit einem ebenfalls verschwundenen U-Boot in Verbindung gebracht, das einen großen Goldschatz transportiert haben soll. Natürlich vermutet Colonel L (sic!), dass Kurt Schellenburg den Ort kennt und setzt seinen besten Mann, eben Bruno Brazil, auf den Fall an.

Alles beginnt rasant: Gleich das erste Panel stellt einen Verkehrsunfall dar, bei dem nicht nur drei Tote zu beklagen sind; ein Mann wird schwerverletzt in ein Krankenhaus eingeliefert und ruft sofort den Geheimdienst auf den Plan, handelt es sich doch um einen untergetauchten Alt-Nazi. Wäre das nicht schon Grund genug um Aufregung zu verursachen, wird er zusätzlich mit einem ebenfalls verschwundenen U-Boot in Verbindung gebracht, das einen großen Goldschatz transportiert haben soll. Natürlich vermutet Colonel L (sic!), dass Kurt Schellenburg den Ort kennt und setzt seinen besten Mann, eben Bruno Brazil, auf den Fall an.

In bester 60-er Jahre Geheimagentenmanier gibt es in der Folge Schießereien, Entführungen Tote und Verfolgungsjagden. Natürlich gibt es auch eine hübsche Agentin, die entführt wird und gerettet werden muss und mehr oder weniger tumbe Gegenspieler. Der größte Teil der Handlung findet in einem fiktiven mittelamerikanischen Land statt, so dass Vance auch seine Fähigkeiten in der Landschaftsdarstellung ausspielen kann! Grandiose Bilder wechseln sich mit rasanten Actionszenen ab und beweisen schon im ersten Band die Klasse dieser Serie.

Auch Storytechnisch bietet der Hai alles, was Leser*+innen sich von einer Geheimagentenstory wünschen können: unerwartete Fallen, schier ausweglose Situationen und eine (halbwegs) logische Auflösung. Zum Schluss sei noch erwähnt, dass auch diese Geschichte in das Konzept von Tintin passt: Sie ist zwar für ein älteres Publikum geschrieben und enthält deutlich mehr Gewalt als damals üblich, am Schluss beweist sich aber in mehrfacher Hinsicht, dass das Böse nicht gewinnen kann.

In der Flut der Neuveröffentlichungen der Klassiker aus der alten ZACK-Zeit ist sicherlich nicht alles Wert, gesammelt, vor allem aber erneut gelesen zu werden. Die Abenteuer von Bruno Brazil, vor allem die mit dem Kommando Kaiman, gehören aber auf jeden Fall dazu. Sie atmen einerseits natürlich den Geruch des Vergangenen aus. Heutzutage sind Kommunikationsmittel und Skrupellosigkeit viel weiter als damals und gleichzeitig Unwissenheit und Unschuld viel geringer. Vom Prinzip sind die Geschichten aber immer noch möglich und vor allem ist die frauenrolle in dieser Serie ihrer Zeit in den späteren Bänden weit voraus. Wer die Serie nicht schon als Integral im Regal stehen hat, kann unbedenklich zuschlagen und dabei die exzellenten Zusatzinformationen genießen.

Ausschnitt aus dem Ex Libris der VZA

Es gibt im Übrigen auch eine auf 111 Exemplare limitierte Vorzugsausgabe mit einem drucksignierten Ex Libris. Und auch auf neue Abenteuer dürfen wir uns freuen denn die Serie wird fortgesetzt und die neuen Abenteuer werden ebenfalls im Kürze beim All-Verlag erscheinen.

Dazu passen Cocktails und Beat etwa von den Small Faces oder den ostdeutschen Sputniks.

© der Abbildungen 2019 All-Verlag