Vernes/Forton – Bob Morane Classic 9

Das Schwert des Paladins

Story: Henri Vernes
Zeichnungen: 
Gérald Forton
Originaltitel: 
L´Épée du Paladin & La Rivière des perles

Blattgold Verlag – ZACK Edition

Hardcover | 72 Seiten | Farbe | 24,00 € |ISBN: 978-3-949987-51-9

Cover Bob Morane Classic 9

Bob Morane ist eine Serie, die medienübergreifend funktioniert! Am Anfang standen die Romane für Jugendliche von Henri Vernes. Die ersten Comic-Umsetzungen erschienen dann in einem belgischen Magazin für moderne Frauen und eroberten von dort aus nicht nur andere Magazine, sondern auch Zeitungen im In- und Ausland. Hörspiele und Adaptionen für das Fernsehen folgten und mittlerweile erscheinen sogar Comics, die nicht mehr auf Romanen des Erfinders fußen. Die Anfänge gibt es gesammelt in der Bob Morane Classic Reihe.

Eine vertrackte Zeitreise und Verdächtigungen in Chinatown

Sollte jemand der Titel des Bandes bekannt vorkommen, hat dieser Mensch gut aufgepasst. Eine Version ist nämlich bereits vor rund zwei Jahren als ZACK Spezial 11 erschienen. Damals als Faksimile des Zeitschriftenabdrucks veröffentlicht, erscheint die Geschichte nun als acht Seiten kürzere Albumversion im Rahmen der Gesamtausgabe der Moranes von Attanasio und Forton.

Das Schwert des Paladin führt Bob und seinen Begleiter Bill Ballantime zurück in die Vergangenheit. Eine junge Frau wird bedrängt und angefeindet, da einer ihrer Vorfahren die fränkischen Truppen den Sarazenen ausgeliefert haben soll. Bob und Bill erinnern sich an das Rolandlied und greifen ein. Dabei treffen sie auf alte Bekannte und haben ohne ihr Wissen einen blinden Passagier dabei.

Bob Morane Classic 9 page 3

Die Perlenkette ist dagegen ein eher klassischer Kriminalfall. Unsere Helden sind in San Franciscos Chinatown unterwegs als ihnen ein bestimmter Laden empfohlen wird. Angeblich könne man dort Ming-Vasen erstehen. Tatsächlich werden sie dort aber niedergeschlagen und als Täter eines Raubes verdächtigt. Während Bill von der Polizei festgesetzt wird, muss nun Bob ihre Unschuld beweisen. Beide Geschichten vereinen die typische Mischung aus Spannung, unerwarteten Wendungen sowie starken Frauenfiguren und erfüllen somit alle Erwartungen der Leser*innen.

Klassische frankobelgische Comickunst

Gerald Forton ist ein typischer Vertreter der realistischen Comics aus dem französischen und belgischen Raum dieser Zeit, nämlich Anfang der 60-er Jahre. Die technischen Möglichkeiten, Bilder digital zu veredeln waren noch nicht gegeben, die Kolorierung durfte nicht zu filigran sein, da Drucktechnik und Papierqualität nicht mit heutigen Ansprüchen vergleichbar waren.

Trotzdem wussten die Akteure sehr genau, wie man Spannungsbogen zu konstruieren hatte und mitreißende Geschichten bildlich erzählen musste. Die Konkurrenz der bewegten Bilder um das Taschengeld war auch damals schon zu spüren!

Bob Morane Classic 9 page 4

Empfehlenswert

Die Reihe ist aufgrund des sehr flexiblen Settings so spannend, dass sie auch heute noch funktioniert. Die Klassiker sind grafisch aufgrund der Vorlagen nicht immer ein Augenschmaus, als Zeitdokument aber trotzdem ok. Und gerade der Vergleich mit der Zeitschriftenvariante ist zusätzlich reizvoll, ermöglicht er doch das Aufspüren der notwendigen Wiederholungen im sequenziellen resp. der Kürzungen im einheitlichen Publizieren.

Wie immer gibt es beim Verlag passende Drucke und für Vorbesteller jeweils ein Schmankerl für ein Abonnement über fünf Bände.

Bob Morane Classic 9 page 5

Dazu passt ein Hit des Jahres 1964, Millie mit „My Boy Lollipop“, und ein Dortmunder-Actien-Bier.

© der Abbildungen Vernes – Bob Morane Inc / Forton – Ed. Hibou | 2026 Blattgold GmbH, Bad Dürkheim

ZACK 324 (Juni 2026)

ZACK 324

Herausgeber/Chefredaktion: Georg F. W. Tempel

Blattgold Verlag

Heft Din A 4 | 100 Seiten | Farbe | 9,70 €
ISSN: 1438-2792

Cover ZACK 324

Wie schnell doch die Zeit vergeht … Hiermit ist bereits die Hälfte der diesjährigen ZACK-Nummern erschienen! Zwei komplett neue Serien starten mit dieser Ausgabe, dazu noch ein Auftritt von Isnogud; für lange Sommerabende allemal genug Lesestoff.

Die Neustarts

Coverboy ist ein Detektiv, nämlich Inspektor Arbuckle. Dieser ist der Held eines Frühwerkes von Étienne Willem namens Pfeifenrauch und Seidenstrümpfe. Teil 1, Der schwarze Fleck, enthält keine Fantasy-Elemente, wie wir es aus seinen späteren Geschichten kennen, besitzt aber bereits den gleichen Strich und auch einen sehr ähnlichen Humor. Die Geschichte führt zurück in das England, in dem Adel noch etwas ganz Besonderes war, in dem Verbrechen und dessen Aufklärung noch Handarbeit waren und eine Tasse Tee respektive ein Whisky selbst wichtige Probleme noch in der Priorität nach hinten schieben konnten. Die zweiseitige Einführung im Heft stammt im Übrigen vom Verfasser dieser Zeilen.

ZACK 324 page 5

Ebenfalls neu ist der Thriller Brigade Verhoeven von Pascal Bertho nach einem Roman von Pierre Lemaître. Mitten in einem Ausgehviertel explodiert eine Bombe. Gleichzeitig stellt Kommandant Camille Verhoeven einen neuen Mitarbeiter für sein Team zur Verbrechensbekämpfung ein. Dieses besteht aus schrägen Vögeln und scheinbar inkompatiblen Personen, ist aber sehr erfolgreich. Die modernen, aufgrund der Kolorierung etwas abstrahiert wirkenden Zeichnungen stammen von Yannick Corboz. Teil eins der dreiteiligen Serie trägt den Titel Rosie.

ZACK 324 page 73

Die Fortsetzungen

Harry & Platte sind auf der Suche nach dem Urheber eines Computervirus in der Gegend von Nizza. Ein Freund will ihnen bei einem privaten Rundflug die Gegend und die Wohnorte der möglichen ´Verdächtigen zeigen, als sie ein außer Kontrolle geratenes Feuer entdecken. Während die beiden Detektive später die einzelnen Personen abklappern, wird deutlich, dass es mehrere Feuer gibt die sowohl Eigentum als auch Helfer*innen bedrohen. Feuer und Schwert ist klassische Comickunst von Denis Lapière und Alain Sikorski.

ZACK 324 page 21

Weiter geht es mit dem Buckligen von Montfoucon. Unser Vater hat den mit ziemlich unfeinen Mitteln geführten Kampf zweier Parteien um den französischen Thron zum Inhalt. Nicht immer sind die Fronten klar und die Rolle der Frauen ist zeitgemäß leider noch ein zusätzliches Thema, erden sie doch bestenfalls ignoriert. Ein verzwicktes Historiendrama von Philippe Pelaez, gezeichnet von Eric Stalner mit ansprechenden Zeichnungen und frischem Layout.

ZACK 324 page 37

Zurück in die Gegenwart geht es in Heute frischer Fisch von und mit Charel Cambré und Marc Legendre. Die beiden Comickünstler auf der Suche nach dem Stoff für einen neuen Titel sind immer noch in einem kleinen, von der Außenwelt abgeschnittenen spanischen Dorf gestrandet. Ihre spezielle Art, mit Problemen umzugehen, führt zu vielen unschönen Situationen und die mangelhafte Beherrschung der Sprache tut ein Übriges. Nicht immer PC, aber sehr humorvoll, dieses moderne Roadmovie.

ZACK 324 page 56

Zum Schluss geht es noch einmal um die anspruchsvollen, aber leider auch leicht scheiternden Ansprüche an und für eine gerechte Gesellschaft: in Libertalia führen Die Wege zur Hölle. Die Gründe dafür sind vielfältig: Macht, Gier, toxische Lust aber auch falsche Ideale, vielleicht sogar auch ein zu optimistisches Menschenbild. Jedenfalls müssen die Initiatoren der anarchistischen Gemeinschaft feststellen, dass alles zusammenbricht. Anspruchsvolle und herausfordernde, zugleich aber auch lohnende Story von Rudi Miel & Fabienne Pigière mit eindringlichen Bildern von Paolo Grello.

Detail ZACK 324 page 85

Und sonst?

Die Onepager in diesem Heft zeigen drei Seiten aus einem aktuellen, bei Dani Books erscheinenden Isnogud-Bandes. In ihnen stellt sich der Möchtegern-Kalif aktuellen Fragestellungen. Außerdem gibt es den Keller, die Rezensionen und die News von Frank Neubauer, den Rückblick auf das ZACK vor 50 Jahren von Michael Klein und eine Vorstellung von Claudio Stassis República vom Verfasser dieser Zeilen.

Dazu passen The Easybeats mit „Friday on my mind“ und ein Weißburgunder eurer Wahl.

© der Abbildungen bei den jeweiligen Künstlern und Verlagen / Blattgold GmbH, Bad Dürkheim 2026

Sente/van Dongen – Blake & Mortimer 28

Die Atlantische Bedrohung

Story: Yves Sente

Zeichnungen: Peter van Dongen

Originaltitel: La Menace Atlante

Carlsen Comics
Softcover | 64 Seiten | Farbe | 12,00 € | ISBN: 978-3-551-80916-2

Cover Blake & Mortimer 28

Der Klassiker von Edgar P. Jacobs wird mittlerweile von unterschiedlichen Teams fortgesetzt, die Bände erscheinen daher in durchaus hoher Frequenz. Für den Zeichner ist es bereits der vierte Band, für den Texter der elfte. Die Erwartungen dürfen also hoch sein.

Krimi und Science-Fiction zugleich

Wie so oft in dieser Serie mischen sich die Elemente einer Kriminalgeschichte mit wissenschaftlichen. Dabei geht es manchmal, wie etwa bei dem Tigerhai um sehr irdische Entwicklungen, also den normalen technischen Fortschritt, teilweise um mythologische Einschläge wie beim letzten Band, manchmal aber auch um tatsächlich außerirdische Technologie und Besucher*innen. Schon Jacobs hatte die Atlantiden eingeführt, die technisch überlegenen Bewohner*innen eines fernen Planeten. Cover und Titel deuten an, dass wir es mit ihnen zu tun haben werden.

Zunächst aber passieren in der Nordsee seltsame Dinge: Menschen und Tiere sterben plötzlich, Jahrhunderte alte Leichen werden angespült und es kommt sogar zu einem Tsunami mit gravierenden Folgen. Commander Blake wird mit der Untersuchung der Vorfälle beauftragt während sich sein Freund, Professor Mortimer, in Schottland mit vulkanischen Böden beschäftigt. Sie erkennen schließlich, dass verschiedene Vorkommnisse zusammengehören und beschließen der Sache zusammen auf den Grund zu gehen.

Blake & Mortimer 28 page 3

Im Zentrum der Geschehnisse scheint ein Schiff zu stehen auf dem der ihnen wohlbekannte Doktor Grossgrabenstein Forschungen durchführt. Dieser war unseren Helden schon früher einmal begegnet, allerdings zunächst als Maskierung des Schurken Olrik. Aber auch bei den Atlantiden gibt es eine ernsthafte Bedrohung, denn eine ihrer drei Sonnen kollabiert und die Energieversorgung kann nicht mehr aufrechterhalten werden.

Zeichnungen im klassischen Stil

Peter van Dongen zeichnet ganz im klassischen Stil der Geschichten von Edgar P. Jacobs, jedoch ohne ihn dabei zu kopieren. Die Seiten sind im Streifen-Layout gestaltet, allein die Höhe der Streifen variiert von Seite zu Seite. Nur ein einziges Panel ist kreisförmig, sonst sind nur rechte Winkel zu sehen. Serientypisch haben fast alle Panel eine ganze Menge an Text der meistens als Sprechblase ausgestaltet ist. Die beiden Hauptfiguren, aber auch Olrik weichen leicht von den Originalen und anderen Interpretationen ab, wirken aber trotzdem vertraut.

Blake & Mortimer 28 page 4

Die Zeichnungen selbst haben eine hohe Dynamik und wirken wie aus einer 60-er Jahre Verfilmung, etwa „Die Zwei“ oder „Mit Schirm, Charme und Melone“: es gibt kein überflüssiges Pyro-Gemetzel! Die Bilder unterstützen dadurch die Handlung, die ein gewisses britisches Tempo hat. Obwohl die Uhr tickt, wird niemand richtig nervös und man kann es sich kaum vorstellen, dass jemand ins Schwitzen gerät. Gleichzeitig leidet darunter die Spannung nicht!

Eine gute Fortsetzung

Das für mich Spannende an dieser Reihe ist, wie aktuelle Teams alte Hinweise und Fäden aufnehmen und daraus etwas Neues basteln. Mittlerweile ist das Geflecht so groß, dass die Abhängigkeiten schon über mehrere Teams und in beide zeitlichen Richtungen gehen. Das bedeutet aber auch, dass neue Leser*innen quasi mit jedem Band neu einsteigen können und sich sowohl rückwärts als auch vorwärts weiterhangeln können.

Blake & Mortimer 28 page 5

Yves Sente hat sich zu dem aktuellen Stammautoren entwickelt, der seine Referenzen nicht mehr nachschlagen muss, weil er sie verinnerlicht hat. Dadurch bekommt die Reihe eine hohe immanente Stabilität. Die Bände, die ein wenig aus diesem Konzept rausfallen, erscheinen in der Spezial-Reihe. Wer mehr wissen möchte, sei auf das bald erscheinende Lexikon oder das Dossier der Reddition verwiesen.

Dazu passen The Yardbirds mit „Heart full of Soulund ein London Ale.

© der Abbildungen 2025 Éditions Blake & Mortimer / Studio Jacobs (Dargaud-Lombard S.A.) | 2026 Carlsen Verlag GmbH, Hamburg

ZACK 323 (Mai 2026)

ZACK 323

Herausgeber/Chefredaktion: Georg F. W. Tempel

Blattgold Verlag

Heft Din A 4 | 100 Seiten | Farbe | 9,70 €
ISSN: 1438-2792

Kaum werden die Nächte kürzer, sitzt schon ein Buckliger mitten in der Nacht auf einem Gargoyle … Die Mai-Ausgabe des ZACK bringt wieder frischen und sehr abwechslungsreichen Lesestoff.

Cover ZACK 323

Die Neustarts

Wow, ein Heft für alle, die schon immer auf eine gute Gelegenheit zum Start gewartet haben, gibt es doch zwei komplette Neustarts und eine erste Kurzgeschichte von einer neuen Heldin.

Beginnen wir mit dem Coverboy, dem Buckligen von Montfoucon. Unser Vater ist der Titel der neuen Episode von Philippe Pelaez, gezeichnet von Eric Stalner. Karl VIII. sitzt auf dem französischen Thron, die Herrschaft wird allerdings durch die Aktivitäten von Louis d´Orléans bedroht. Es scheint zwei Dokumente zu geben die beweisen, dass Louis nicht der Sohn von Charles ist. In diesem Fall hätte er keinen Anspruch auf den Thron. Während Pierre und Quasimodo, der Bucklige, auf Seiten von Louis stehen, schickt die Schwester des Königs ihre grausamen Handlanger aus. Spannende und gut gezeichnete History-Serie.

ZACK 323 page 5

Ebenfalls neu ist das erste „lange“ Abenteuer der beiden Detektive Harry & Platte von Denis Lapière und Alain Sikorski. Band 41 heißt Feuer und Schwert und bringt die beiden wie auch schon in den Kurzgeschichten dichter an die Jetztzeit; sie müssen herausfinden, wer einen Virus in die IT einer Kapitalanlagegesellschaft bringen konnte. Klassische frankobelgische Zeichenkunst in modernem Layout und spannend obendrein!

ZACK 323 page 55

Bob Morane kennt jede*r ZACK-Leser*in, aber Caro Morane? Wie bereits vor einigen Ausgaben eingeführt, ist Vernes, der literarische Schöpfer von Bob, der Vormund von Caro. Die Geschichten beruhen angeblich auf den Erzählungen eines Zeitreisenden. Caro, mittlerweile eine junge Frau, macht sich in Kuba auf die Suche nach ihrer Herkunft und trifft dort auf Fidel … Spannendes, ursprünglich schwarz-weißes Experiment von Phil Cottarel! Der Hinweis auf Band 2 ist im Übrigen ein Druckfehler.

Picture ZACK 323 page 43

Die Fortsetzungen

Der Roadtrip Heute frischer Fisch von und mit Charel Cambré und Marc Legendre geht bereits in die dritte Runde von Brückenbauer. Noch immer sitzen die beiden in dem kleinen spanischen Dörfchen fest. Ihre neue Unterkunft erweist sich als frühere Strandbar und so prallen Erwartungen der Bevölkerung und Ambitionen der „Helden“ nicht wirklich zielgerichtet aufeinander. Die beiden spielen weiterhin lustvoll mit Vorurteilen und teilen kräftig aus.

ZACK 323 page 27

Und auch das grafisch anspruchsvolle Libertalia geht weiter. Der Tod der jungen Frau wird zwar gerächt, es handelt sich aber um einen Fall von Selbstjustiz. Das Experiment ist gefährdeter denn je. Zudem ist natürlich auch fast die gesamte Welt hinter den Freibeutern her. Ein freiheitliches Experiment darf keinesfalls gelingen und zu einem gesellschaftlichen Gegenentwurf aufsteigen. Die Wege zur Hölle beschreiben Rudi Miel & Fabienne Pigière sehr eindringlich – Anarchie ist alles andere als einfach. Paolo Grello setzt die Geschichte in Bilder um.

Detail ZACK 323 page 69

Der Abschied

Vorerst verabschiedet sich das Western-Genre wieder aus dem ZACK, denn Ray Ringos Rückkehr endet zunächst. Rays Zukünftige, Lean, konnte zwar befreit werden, musste von Ray aber in einer Höhle zurückgelassen werden. Sie ist jedoch nicht gewillt, dort zu bleiben und macht sich auf den Weg, nur um von ihren ehemaligen Peinigern aufgelesen zu werden. Das Finale von Devil’s Gate ist blutig und hat einen Cliffhanger, der es in sich hat. Glücklicherweise ist der Vertrag für den Abdruck des zweiten Bandes von Éric Corbeyran und Roman Surzhenko bereits unterschrieben.

ZACK 323 page 85

Und sonst?

Die Onepager in diesem Heft stammen von dem Ritter, Parker & Badger sowie Tizombi. Dazu stellt der Verfasser dieser Zeilen Simba Lee von Charlier und Herbert vor und Bernd Hinrichs den lesenswerten Band Siehst du es? über Siegfried Lenz. Abgerundet wird das Heft mit News, Meinung und Rezensionen sowie dem Rückblick auf das ZACK vor fünfzig Jahren.

Dazu passen The Pioneers mit „You keep telling me“ und ein Aperol Spritz.

© der Abbildungen bei den jeweiligen Künstlern und Verlagen / Blattgold GmbH, Bad Dürkheim 2026

ZACK 322 (April 2026)

ZACK 322

Herausgeber/Chefredaktion: Georg F. W. Tempel

Blattgold Verlag

Heft Din A 4 | 100 Seiten | Farbe | 9,70 €
ISSN: 1438-2792

Cover ZACK 322

Nach der Wärme kommt die Kälte zurück – so ist das Aprilwetter nun Mal. Umso besser, dass auch das ZACK 322 vollgepackt ist mit Comics und Informationen und dem Regen und Hagel somit den Schrecken nimmt.

Der Neustart

Das Coverbild zeigt einen der blutverschmierten Piraten aus der Serie Libertalia, die mit Die Wege zur Hölle in ihre letzte Runde startet. Ein Schiff kehrt zurück nach Libertalia, dem Rückzugsort an der Küste von Madagaskar, an dem alles anders sein sollte: gleichberechtigt, ohne Rassismus, und ohne äußere Zwänge. Wie so oft bei vergleichbaren Experimenten gibt es aber immer wieder einige wenige, die nicht mitspielen wollen und die Idee gefährden. Das ist hier auch nicht anders, einige Männer meinen, Frauen nicht nur benutzen, sondern auch töten zu können und sollen nun belangt werden. Kann die Idee überleben? Graphisch heraufordernde, aber überzeugende Serie mit Bildern von Paolo Grello nach Texten von Rudi Miel & Fabienne Pigière.

ZACK 322 page 5

Auch Neu ist Cor Morelli. Ein Mann fühlt sich verfolgt und kann sich nicht wirklich erklären, warum. Dabei ist es nur Der Nächste! Kein schlechter Anfang für Aloys Ooster.

ZACK 322 page 80

Die Fortsetzungen

Charel Cambré und Marc Legendre lassen sich selbst in Heute frischer Fisch auftreten. Auf ihrer Reise in den Süden, um neuen Stoff für ihre Comics zu finden, sind sie in einem kleinen Dorf gestrandet und aufgrund eines Erdrutsches von der übrigen Welt abgeschnitten. Das hindert sie allerdings nicht daran, weiterhin in jedes Fettnäpfchen zu treten und sich Feinde zu machen. Nicht immer PC, aber sehr spaßig!

ZACK 322 page 21

Ray Ringo, ZACK-Held von früher, ist mit einem Re-Boot zurück und überzeugt mit einem sehr klassischen Western, der natürlich an die heutigen Anforderungen angepasst ist. Nachdem Ringo seine Verlobte befreien konnte, erfährt er mehr über ihre Vergangenheit und auch über die der Mormonen, die er bereits kennengelernt hat. Beide Seiten sorgen dafür, dass ihre Ausgangsposition an Stärke gewinnt. Devil’s Gate von Éric Corbeyran geschrieben bleibt spannend, allerdings wesentlich unterstützt durch die sehr dynamischen Zeichnungen von Roman Surzhenko!

ZACK 322 page 33

Die Abschiede

Gleich drei Geschichten finden in dieser Ausgabe ihr Ende! Den Anfang macht Jeff Mistral mit Nahtoderfahrung. Der Franzose Olivier Andrieu war seines Jobs im Computerbereich überdrüssig geworden und hat eine Figur entwickelt, die an die klassischen frankobelgischen Detektive der 60-er erinnert. Humor, spannende Wendungen und gute Zeichnungen von Alain Julié machen die Serie zum Vergnügen, nicht nur für Fans alter Autos! Einzig das Lettering könnte etwas weniger aufdringlich ausfallen. Der zweite Teil ist schon fertig!

ZACK 322 page 47

Ebenfalls fertig hat Michel Vaillant. Erlösung trifft es allerdings nicht ganz. Zwar scheint der Substrang mit der Atomwaffendivision zunächst abgeschlossen zu sein, der Kampf gegen den Krebs ist es aber noch nicht. Und natürlich geht es auch um Rennen, stehen doch die 500 Meilen an: Steve kann nicht fahren, Michel wollte eigentlich nicht und Elsa steht vor einer großen Bewährungsprobe. Tolle Rennszenen von Marc Borugne & Eilam nach einer Story von Daniel Lapiere.

ZACK 322 page 65

Und schließlich ist auch der ZACK-Held der letzten Jahre, Rick Master, schon wieder als Abschied zu vermelden. Dead Sugar ist sicherlich eine seiner größten Herausforderungen, setzt sie doch darauf, Kriminelle nicht einer ungewissen Behandlung durch die Justiz zu übergeben, sondern zu erschießen. Als Nadine bei einem Unfall lebensgefährlich verletzt wird, stellt sie Rick vor eine Wahl. Nach etwas müdem Anfang hat die Story doch noch die Kehrtwendung geschafft und ist eine Fragen aufwerfende, spannende Geschichte geworden, die gleichzeitig die Figur der Nadine vom Sidekick zu mehr Eigenständigkeit verholfen hat. Gute Leistung von Simon Van Liemt mit ansprechenden Zeichnungen von Zidrou.

ZACK 322 page 85

Und sonst?

Dazu der zweite Teil des Interviews mit Dany, der sich in seinen Aussagen etwas verrennt, ein Beitrag vom Verfasser dieser Zeilen über die neue Reihe Elang Jawa in der ZACK-Edition, der Rückblick auf das ZACK vor 50 Jahren und News und Meinungen von Frank Neubauer.

Dazu passen Joe Jackson mit „I’m the Man“ und ein Frühlingsbock.

© der Abbildungen bei den jeweiligen Künstlern und Verlagen / Blattgold GmbH, Bad Dürkheim 2026

Cauvin/Berck –Sammy & Jack Integral 6

1986 – 1988

Story: Raoul Cauvin
Zeichnungen: 
Berck (Artur Berckmans)
Originaltitel:
Sammy – Integral 6

Kult Comics

Hardcover | 264 Seiten | Farbe | 39,00 € | 
ISBN: 978-3-96430-256-4

Cover Sammy & Jack Integral 6

Wow, schon mehr als die Hälfte ist geschafft! Die auf zehn Bände konzipierte Integral-Reihe mit den Bodyguards Sammy & Jack ist mittlerweile in der zweiten Hälfte der 80-er Jahre angekommen. Die Ölkrise ist überwunden, Hollywood erzählt noch schöne Geschichten, produziert aber auch Horrormovies. Geschichten über die Mafia werden im Wesentlichen noch mit der Prohibitionszeit verbunden und nicht mit dem heutigen Drogen-, Sex- und Auftragskiller Konglomerat.

Katastrophen, Gags und strake Frauen

Der Zeitraum dieses Bandes umfasst zwar nur drei Jahre, in ihnen sind aber vier Alben erschienen. Wie immer erweist sich Raoul Cauvin als vortrefflicher Lieferant von Szenarien, die den beiden Helden weitere Entwicklungen erlauben. Miss Kay zeigt einen größtenteils vollkommen aufgelösten Mitarbeiter, der bei fast jeder Äußerung seines Chefs tiefer in den Sessel sinken möchte und haufenweise Tabletten schluckt. Der wahre Grund für diese Krankheit ist, dass er weiß, wer hinter dem Pseudonym Miss Kay steckt, es aber partout nicht verraten möchte.

Sammy & Jack Integral 6 page 57

Der Mann aus dem Jenseits ist eine Mischung aus Mystery und Rachekomödie. Ein Erblasser weigert sich, seine wohlverdiente, nun ja, seine Ruhe zu finden und geistert munter vor sich her, bis endlich sein ehemaliger Besitz an den richtigen Erben übertragen worden ist. Bei dieser Aktion gehen Sammy & Jack mehr als einmal die Nerven durch, es ist aber auch sonst nicht alles so, wie es zu sein scheint. Die Diva handelt dann wieder von einer starken Frau, die sich vor Stalkern schützen lassen möchte. Die Gorillas geben dabei kein gutes Bild ab.

Die abschließende Story spielt in großer und luftiger Höhe. Es scheint so, dass ein Bauunternehmer im Visier von irgendjemandem steht, der ständig auf die in großer Höhe arbeitenden Arbeiter schießt. Bevor sich niemand mehr traut zu arbeiten, werden unsere beiden Helden engagiert. Ein netter running Gag in Rififi in den Wolken ist die Frage der Chefposition!

Sammy & Jack Integral 6 page 58

Qualität im Akkord

Es ist schon erstaunlich, wie groß der Output von Szenarist*innen und Autor*innen sein kann. Noch beachtlicher ist es allerdings auf der Seite der Zeichner*innen. Neben all den zusätzlichen Illustrationen, Covern, Werbematerialien etc. schaffen die meisten Künstler*innen nach eigener Aussage etwa ein bis zwei Seiten pro Arbeitswoche. Abzüglich Urlaubes und Krankheit kommt das in etwa mit einem Album pro Jahr hin. Berck hatte sich selbst aber das Ziel gesetzt, in zwei Jahren drei Alben zu veröffentlichen. Trotz dieser hohen Zahl sind dabei allerdings keine Qualitätsabstriche zu verzeichnen!

Die Bilder von Berck sind sehr dynamisch, bewegen sich aber in einem sehr klassischen vierstreifigem Layout. Ziemlich oft explodieren Bomben und knattern Maschinengewehre wie man es in einem Comic, der im Mafiaumfeld spielt, auch erwartet. Trotzdem schafft der Zeichner es, die Bilder ohne Blut auskommen zu lassen. Sie sind daher nicht gewalttätiger als das, was zu dieser Zeit im Kinderfernsehen lief (Der rosarote Panther etwa oder Tom & Jerry). Cauvins Humor wird durch seine Gestaltung unterstützt; die beiden zusammen bilden ein starkes Team.

Detail Sammy & Jack Integral 6 page 60

Ein Genuss für Fans der frankobelgischen Klassiker

Die Serie lief in Deutschland hauptsächlich in den Kauka Publikationen. Nach deren Einstellung gab es nur noch sporadische Versuche, deutsche Ausgaben zu lancieren. Die beiden letzten Alben erscheinen daher hier in deutscher Erstveröffentlichung! Der Band ermöglicht insofern nicht nur eine Reise in die Vergangenheit, sondern erlaubt auch, Neues zu entdecken.

Die Reihe hebt sich von anderen Gesamtausgaben durch einen sehr ausführlichen redaktionellen Teil ab; die beiden Comic-Journalisten Joris de Smet und David Steenhuijse haben wieder eine Unmenge an Fakten und Illustrationen ausgegraben und lesbar zusammengestellt. Die Übersetzung dieser Beiträge erfolgte durch den Verfasser dieser Zeilen. Natürlich gibt es auch wieder eine limitierte Vorzugsausgabe mit Variantcover und einem beigefügten Druck.

Cover Sammy & Jack Integral 6 VZA

Dazu passen The Gems mit „Year of the Snake“ und ein Old Fashioned.

© der Abbildungen Dupuis 1986, 1987, 1988, by Cauvin & Berck / 2026 Comic Combo, Leipzig

ZACK 321 (März 2026)

ZACK 321

Herausgeber/Chefredaktion: Georg F. W. Tempel

Blattgold Verlag

Heft Din A 4 | 100 Seiten | Farbe | 9,70 €
ISSN: 1438-2792

Cover ZACK 321

Spanien, eine Taperia, draußen sind es 20 Grad, und doch steht auf dem Cover der Aufdruck MÄRZ… Egal, auch dieses Heft ist eine gelungene Mischung und sollte keinesfalls bis zum nächsten Urlaub liegen bleiben.

Der Neustart

Zwei sympathische Künstler porträtieren sich selbst und ihre Reise in den Süden: Heute frischer Fisch ist von und mit Charel Cambré und Marc Legendre, den beiden, die auch schon Adaptionen von Spirou & Fantasio oder Amoras vorgelegt haben. Ihre Satire spielt mit Vorurteilen gegen Nationalitäten, sexuelle Orientierung, Berufe, Lifestyles und alles andere. Fettnäpfchen können gar nicht genug geschützt sein, die beiden finden sie und springen voll hinein. Dabei nehmen sie sich selbst nicht aus und das machte es dann zu einem Vergnügen. Auch Brückenbauer ist allerdings nichts für Überkorrekte!

ZACK 321 page 5

Zudem gibt Henri Vaillant seinen Einstieg in das Magazin: Die Kurzgeschichte Die Fliege mit den goldenen Augen ist nur in einer speziellen französischen Sonderausgabe des Bandes über den Gründer der Familiendynastie erschienen. Umso erfreulicher ist es, dass sie hier abgedruckt werden durfte. Sie vereint einen aktuellen Teil in einer etwas gewöhnungsbedürftigen Weise und einen zweifarbig gehaltenen Rückblick nach einem Szenario von Dennis Lapière mit Zeichnungen von Marc Bourgne.

ZACK 321 page 18

Die Fortsetzungen

Die Nahtoderfahrung erklärt zwar, wie der wertvolle Diamant gestohlen werden konnte, er ist aber immer noch verschwunden.  Jeff Mistral und die geheimnisvolle Lucie müssen sich aber zunächst mal aus ihrer Gefangenschaft befreien (wobei es etwas verwirrend ist, dass die beiden ersten Seiten in vertauschter Reihenfolge abgedruckt sind). Danach geht es Schlag auf Schlag weiter Ein spannender neuer „alter“ Krimi von Olivier Andrieu mit sehenswerten Zeichnungen von Alain Julié, der Lust auf mehr macht. Allein das Lettering könnte etwas weniger brüllend sein.

Detail ZACK 321 page 28

Der wohl spannendste Cliffhanger der letzten Zeit (zumindest für Leser*innen, die keine Möglichkeit haben, den Originalveröffentlichungen im Ausland zu folgen) war der Tod von Michel Vaillant im letzten Heft. Wie gut, dass es sich nur um einen Traum gehandelt hat. Doch halt, keine Entwarnung, denn das bedeutet, dass der oder die Killer noch frei herumlaufen. Und tatsächlich kommt es in Erlösung zu einem Attentat mit einer sehr persönlichen Wendung für Steve Warson. Spannung, Krimi-Elemente, Drama und ansprechende zeichnerische Umsetzungen, ebenfalls von Daniel Lapière getextet und umgesetzt von Marc Bourgne & Eilam.

ZACK 321 page 41

Ray Ringo (der früher bei Koralle Hondo hieß) ist auf der Suche nach seiner entführten Verlobten und macht Bekanntschaft mit einem Trupp älterer Männer. Diese geben sich zwar als gottesfürchtige Reisende aus, dieser Schein trügt allerdings wie so oft.  Die Neuauflage dieser Serie von Éric Corbeyran mit Zeichnungen von Roman Surzhenko wirkt vertraut, nimmt sie doch viele klassische Elemente auf, überführt diese aber in einen modernen Zeichenstil und fügt auch ein paar härtere Szenen hinzu, die man bei der Shiloh Ranch oder High Chaparral eher nicht gesehen hätte. Für mich eine der Entdeckungen des noch frischen Jahres!

ZACK 321 page 51

Der schon wieder als Jahressieger in der Gunst der Leser*innenschaft stehende Rick Master steht in Konkurrenz zu seiner Freundin Nadine, die ebenfalls eine Titelseitenstory schreiben möchte.Tatsächlich gelingt ihr ein Scoop! Währenddessen trifft Rick auf vier als Beatles maskierte Idioten als Dead Sugar die Bühne betritt… Eine humorvolle, von Anspielungen auf Kultur und Politik nur so strotzende neue Folge von Simon Van Liemt, die garantiert wieder vorne landen wird. Zusammen mit Zidrou wurde der doch etwas altbackene Journalist runderneuert und besetzt nun das humorige Krimifeld fast ohne Konkurrenz.

ZACK 321 page 67

Der Abschied

Verabschieden dürfen wir uns von der abstrusen Geschichte von Jean Regnaud mit Aleksis Strogonov. Tamo lieferte eine Geschichte über Widerstandsbewegungen, die ihnen jede Berechtigung, ja auch jede Ernsthaftigkeit abspricht. Ich verstehe nicht, was Émile Bravo dazu gebracht hat, diesen Auftrag anzunehmen. Hier herrscht die reine Freude am Zerstören vor.

Detail ZACK 321 page 83

Und sonst?

Erinnert sich noch jemand an den Skandal um die Spirou-Adaption von Dany? In diesem Heft kommt der Künstler selbst zu Wort, da der erste Teil eines längeren Interviews von ActuaBD mit ihm abgedruckt wird. Lesenswert! Dazu ein Beitrag vom Verfasser dieser Zeilen über die nun von Capia gezeichnete Fortsetzung von Das Paris der Wunder, Michael Klein mit dem Rückblick auf das ZACK vor 50 Jahren und Frank Neubauer mit News, Rezis und spitzen Worten.

Die kürzeren Comicbeiträge von Parker & Badger, Der Ritter und StarFixion dürfen natürlich ebenfalls nicht fehlen.

Dazu passen Dakka Skanks mit „You can’t cancel this“ und ein Boots Night Bier von Ahoi.

© der Abbildungen bei den jeweiligen Künstlern und Verlagen / Blattgold GmbH, Bad Dürkheim 2026

ZACK 320 (Februar 2026)

ZACK 320

Herausgeber/Chefredaktion: Georg F. W. Tempel

Blattgold Verlag

Heft Din A 4 | 100 Seiten | Farbe | 9,70 €
ISSN: 1438-2792

Cover ZACK 320

Und noch ein weiteres Heft mit gleich vier klassischen ZACK-Serien. Wenn das kein Grund für nostalgische Gefühle ist … Aber halt: Da war doch was: die Abenteuer waren – besonders in der Wiechmann-Zeit – teilweise extrem gekürzt. Die Veröffentlichungsreihenfolge war manchmal sehr eigenwillig, es gab ein Maschinenlettering, … Zum Glück sind alle diese Punkte mittlerweile Geschichte und nicht mehr zeitgemäß. Daher gibt es runderneuerte und komplette Geschichten mit einem angenehm lesbaren Lettering in guter Übersetzung!

Die Fortsetzungen

Den Anfang macht der Coverboy des Monats Ray Ringo (der früher bei Koralle Hondo hieß). Er hat gerade den Job bei Wells Fargo gekündigt, begleitet aber trotzdem noch ein letztes Mal eine Kutsche. Diese hätte eigentlich von seiner Frau gelenkt werden sollen, musste aber verletzungsbedingt absagen. Seine Reise soll ihn nun zu ihr führen. Ihr Ersatz schildert zunächst einmal seinen tragischen, aber prägenden Werdegang. Endlich gestartet, entdecken sie, dass eine der Stationen überfallen wurde, nur ein Überlebender kann von dem Massaker berichten. Hier erfährt Ringo auch, dass seine Verlobte auf dieser Poststelle war und entführt worden ist. Devil’s Gate ist ein klassischer Western mit viel Action von Éric Corbeyran mit Zeichnungen von Roman Surzhenko der hoffen lässt, dass der Re-Start nicht nur von kurzer Dauer bleibt.

ZACK 320 page 5

Auch Jeff Mistral geht in die zweite Runde. Der Detektiv trifft sich mit einer „Lucie“ in einer Bar. Dort erklärt sie ihm, dass ihr Partner den Diamanten gestohlen hat, nun aber in ernsten Schwierigkeiten stecke. Aufgrund einer Nahtoderfahrung habe er spezielle Fähigkeiten. Und kurz darauf tauchen die besagten Schwierigkeiten auch schon leibhaftig auf. Ein Krimi, der in den 60-ern spielt und in der Tradition von Jeff Jordan oder Harry & Platte steht. Eine gut konstruierte Geschichte von Olivier Andrieu mit sehenswerten Zeichnungen von Alain Julié.

Detail ZACK 320 page 19

Wer gerne Autos im Comic sieht, darf sich beim Weiterblättern auch weiter freuen. Gleich danach startet nämlich die Qualifikation für das Rennen in Indianapolis, an dem Michel Vaillant, Steve Warson und Elsa teilnehmen werden. Steve wird dabei als Lockvogel des FBI auftreten und teilweise gedoubelt werden. So hofft man, den Killern ein Schnippchen schlagen zu können. Wird diese Rechnung aufgehen? Erlösung ist ein weiterer Baustein in der eine lange Geschichte erzählenden zweiten Staffel, die aktuell von Daniel Lapière getextet wird. Für die Zeichnungen sorgen Marc Bourgne & Eilam.

ZACK 320 page 33

Danach geht es weiter mit der abstrusen Geschichte von Jean Regnaud aus der Aleksis Strogonov Reihe. In Tamo gibt es sich bekämpfende Separatisten, Kleinwüchsige, Journalisten, Dörfler*innen und Liebeskummer. Alles wird von Émile Bravo zu Papier gebracht.

Detail ZACK 320 page 47

Rick Master ohne seinen Ferrari? Das ist sogar einen Metawitz wert … Ist in Paris ein neuer Bandenkrieg ausgebrochen? Oder spielt Dead Sugar einfach nur ihr eigenes Spiel? Rick wird jedenfalls von einem seiner Erzfeinde um Hilfe angefleht da er sonst von der toughen Lady erschossen werden würde. Simon Van Liemt hat eine weitere Story geschrieben die Nadine zu einem eigenständigen Auftritt verhilft, gleichzeitig aber dem Titelhelden weitere Entwicklungen ermöglicht. Zidrou setzt das sehr dynamisch um und verknüpft Retro-Charme mit Action.

ZACK 320 page 61

Die Abschiede

Jerusalem hat es auf Amoras in die Villa von Krimson geschafft, muss sich aber nun mit Achiel, dem Butler, auseinandersetzen. Sie bietet ihm eine Zusammenarbeit an. In der Zwischenzeit hat es auch Wiske geschafft, das Anwesen zu erreichen. Sie ist verzweifelt und wütend und das ist eine explosive Mischung. Fern des Ganzen versucht Suske einen Plan zu entwickeln, alle wieder zurückzuholen. Das wird aber erst im letzten Kapitel der Saga ausprobiert werden können. Für mich bleibt Amoras von Marc Legendre und Charel Cambré eine der ganz großen aktuellen Comic-Serien die viel mehr Erfolg verdient hätte.

ZACK 320 page 75

Während Tanguy sich in China seines Lebens nicht sicher sein kann, versucht Laverdure auf der anderen Seite, Provokationen der chinesischen Kampfjets zu überleben. Verrat ist wieder nur der Auftakt und bis zum Weiterlesen müssen wir mit einem heftigen Cliffhanger leben. Patrice Buendia & Frederic Zumbiehl sind mit ihrer Story dicht am Puls der Zeit, Sebastien Philippe zeigt die Ritter der Lüfte in allen Situationen.

ZACK 320 page 88

Und sonst?

Dazu kommen passende Geschichten von dem Ritter. Auch Parker & Badger haben mit heftigen Unbillen zu kämpfen und Margotik erörtert mit Tizombi die Frage, ob sie den Friedhof verlassen und zu ihrer Familie zurückkehren sollte.

Michael Klein erinnert an das ZACK vor 50 Jahren, Frank Neubauer informiert und lästert, Bernd Hinrichs stellt den gnadenlos guten Taschen-Band mit Barks-Stories vor und der Verfasser dieser Zeilen gibt ein wenig Hintergrundwissen zum ersten Band der Carol Welsh-Gesamtausgabe zum Besten.

Dazu passen Barns Courtney mit „Glitter & Gold“ und ein Blanc de Noire.

© der Abbildungen bei den jeweiligen Künstlern und Verlagen / Blattgold GmbH, Bad Dürkheim 2026

MiTacq – Die Biber-Patrouille Gesamtausgabe 8

Abschlussband : 1990 – 1994

Story: MiTacq, Marc Wasterlain
Zeichnungen: MiTacq

Originaltitel:  La Patrouille des Castors – L´integrale 8

Salleck Publications

Hardcover | 224 Seiten | Farbe | 39,90 € | ISBN: 978-3-89908-826-7

Cover Die Biber-Patrouille Gesamtausgabe 8

Die Landschaft der Jugendzeitschriften im katholischen Belgien und damit auch diejenige der Comicmagazine wäre ohne die Pfadfinderbewegung ganz anders verlaufen. Nicht nur das kirchliche Institutionen wie etwa Averbode (siehe hier) Möglichkeiten zur Veröffentlichung von Zeichnungen und Comics boten, auch als Thema von erfolgreichen Serien sind nicht nur international das Fähnlein Fieselschweif aus dem Disney-Universum, sondern lokal eben auch etwa De Donderpaatjes oder die Biber mehreren Generationen bekannt.

Jeden Tag eine gute Tat

Le Castors bzw. die Mitglieder der Biber-Patrouille sind ein Trupp von Pfadfindern, die im Laufe ihres Lebens schon einige Abenteuer erlebt haben. Ursprünglich hatte der Zeichner MiTacq die Serie zusammen mit dem Szenaristen Jean-Michel Charlier entwickelt. Nach 22 Alben war Schluss mit der Gemeinsamkeit, MiTacq setzte die Arbeit zunächst mit anderen Szenaristen wie etwa Marc Wasterlain beim ersten Band dieser Sammlung fort. Für die beiden anderen Geschichten holte er sich Hilfe von seinem langjährigen Freund Jacques Stoquart, mit dem er zusammen brainstormte.

Dieser abschließende Band der Gesamtausgabe enthält die letzten beiden Alben sowie die Anfänge einer zwar noch begonnen, aber nicht mehr fertiggestellten, die die SOS Kinderdörfer in den Vordergrund gestellt hätte. Außerdem sind als Bonus zwei Kurzgeschichten mit den Boms, einer anderen Serie des Zeichners enthalten. Flut über Mésin zwingt die Biber, unmittelbare Hilfe bei einer Überschwemmungskatastrophe zu leisten. Die Serie ist im Laufe der Jahre immer moderner geworden und so geht es auch um Geburtshilfe. Zudem zeigt sich, dass die Umwelt immer wichtiger wird. Dementsprechend klären die Helden auch ein schweres Entsorgungsverbrechen auf.

3 Jahre später erschien dann das letzte komplette Album, Der Blitzstein, das Anklänge an eine Science-Fiction-Story enthält. Während die Landbevölkerung sich in jahrhundertealten Vorurteilen ergeht, entdecken die Biber, dass ein radioaktiver Meteorit eine Rolle spielen könnte.  In beiden Bänden müssen die Jugendlichen auch mit alterstypischen Problemen wie Angst vor dem Versagen, Beziehung der Eltern, Schule und Mädchen klarkommen. MiTacq gelingt eine vorurteilsfreie und einfühlsame Schilderung dieser Situationen.

Realismus im Dupuis-Stil

Anfang der 90-er Jahre war bei Dupuis ein realistischer Stil en vogue, der einerseits im Gegensatz zu den Knollennasen stand, andererseits aber doch meilenweit vom Realismus eines Hermann (etwa in Comanche) entfernt war. Selbst in größter Gefahr und einer körperlichen Auseinandersetzung gibt es keine Schweißperlen oder sichtbare Verletzungen. Trotzdem erlaubt die Gesamtausgabe einen Vergleich der Entwicklung des Zeichners über immerhin fast 40 Jahre. Mehrfach hat er seinen Stil an die aktuellen Anforderungen der Leser*innenschaft angepasst.

Und so ist es auch ein Glücksfall, dass die ersten Seiten des letzten Bandes, der Schiffbruch der Marie-Jolie, nur in der noch nicht kolorierten Reinzeichnung vorliegen. Sie enthalten eine weitere Entwicklung, die Handlungen werden expliziter und das bärtige Gesicht in der Totalen hatte man so vorher auch nicht gesehen. Dank dieser Ausgabe bei Salleck Publications liegen nun also alle Bände auf Deutsch vor, nachdem der Bastei-Verlag in der 80er-Jahren nur die von Charlier getexteten Geschichten veröffentlicht hatte.

Ein einflussreicher Klassiker

Die Biber-Patrouille wird von vielen, heute erfolgreichen Zeichner*innen aus dem frankobelgischen Raum als prägender Einfluss benannt. Die Gesamtausgabe bietet nicht nur eine angemessene Form für die Comics, mit den begleitenden Texten und den zusätzlichen Abbildungen und Illustrationen bleiben hier auch keine Wünsche offen.

Liebhaber*innen von gut konstruierten Abenteuern mit jugendlichen Held*innen sind bei den Bibern gut aufgehoben. Zudem wurde es Zeit, dass diese Serie auf Deutsch eine ansprechende Publikation bekommen hat. Wer also noch Hefte der Blauen Panther zu Hause hat, sollte sie gegen diese empfehlenswerte Sammlung eintauschen.

Cover Die blauen Panther 7

Dazu passen Pink Floyd mit „The Wall“ und ein Virgin Margherita!

© der Abbildungen DUPUIS 2017, Bastei-Verlag 1980 / 2025 Eckart Schott Verlag

Simenon, Fromental/Yslaire – Der Schnee war schmutzig

Ein „Roman Dur“

Story: Georges Simenon, Jean-Luc Fromental

Zeichnungen: Bernard Yslaire

Originaltitel: La Neige était sale

Carlsen Comics
Hardcover | 104 Seiten | Farbe | 24,00 €
ISBN: 
978-3-551-80637-6

Cover Simenon - Der Schnee war schmutzig

Comic-Adaptionen von erfolgreichen Krimis waren schon immer ein Bestandteil des erfolgreichen Spektrums. Deutsche Leser*innen mögen sich noch an Derrick, Schimanski oder Wilsberg erinnern, die alle als Bildgeschichte in den Regalen standen. Auch international reüssiert dieses Genre gerade wieder: In Serie erscheinen Umsetzungen der Romane von Agatha Christie, die Werke nach Leo Malet werden neu aufgelegt. Nun also auch Gerges Simenon! Der 1989 verstorbene belgische Schriftsteller war noch erfolgreicher als der ebenfalls vielschreibende Henri Vernes. Die meisten werden Simenon wohl aufgrund seiner Krimis mit Kommissar Maigret kennen; er hat daneben aber auch eine Vielzahl von anderen Büchern geschrieben, darunter 117 sogenannte Roman Durs.

Gewalt und Mord in einer besetzten Stadt

Der Schnee war schmutzig wird als einer der besten Romane von Simenon bezeichnet und mit existenzialistischen Werken untern anderem von Camus verglichen. Brauchte der Autor normalerweise rund zwei Wochen, um einen Roman zu schreiben, ließ er sich für diesen sogar drei Wochen Zeit. Das Ergebnis ist ein desillusionierendes Werk. Der „Held“ ist ein 18-jähriger Sohn einer Bordellbetreiberin. Sein Leben besteht darin, gefühllos durch diese Welt zu gehen, mit Frauen zu schlafen, Gaunereien zu begehen, sich zu betrinken und schließlich auch, Menschen umzubringen.

Zunächst scheint dabei alles glatt zu gehen, er bekommt sogar eine Bestätigung, dass die Besatzungsmacht ihm freie Hand und freies Geleit gewährt. Obwohl Frank Friedmaier keine Ziele hat und eigentlich auch keinen Antrieb hat, lebt er so ein recht sorgloses Leben, verachtet gleichzeitig aber diese Sicherheit und alles um ihn herum. Neudeutsch ein echter Stinkstiefel!

Simenon - Der Schnee war schmutzig page 5

Doch plötzlich wendet sich das Blatt, die nicht näher definierte Besetzungsmacht verschleppt ihn und beginnt eine sowohl körperliche wie psychologische Foltertortur. Wird es ihm gelingen, nun doch einen Halt im Leben zu finden und zu überleben? Oder wird das eine Böse das andere Böse vernichten? Zudem stellt sich die Frage, wie einige der Personen, deren Psyche und Emotionen Frank ignoriert hatte, sich nun verhalten werden.

Atemberaubend

Die von Fromental für das grafische Medium umgesetzte Geschichte wird von Yslaire kongenial gezeichnet. Schon in den Serien um Sambre war sein melancholischer Stil prägend, Serien wie der XX. Himmel festigten diesen Ruf. Auch hier legt er keinen Wert auf Hochglanzschönheit. Seine Figuren sind rau, haben Macken und sehen dadurch „normal“ aus. Allein ihre Erlebnisse machen sie unverwechselbar.

Die Stadt zeigt sich in einem grauen Winterkleid: düster, kalt und feindselig. Die Wohnungen und Kneipen sind von einem niedrigen Standard und haben alle schon bessere Zeiten gesehen. Allein das Gefängnis und seine Umgebung machen einen sanierten Eindruck und stellen dadurch einen grotesken Widerspruch zur in ihm ausgeübten Brutalität dar.

Simenon - Der Schnee war schmutzig page 6

Noir vom Feinsten

Simenon steht bei den Meisten wohl noch in der „Krimi-Ecke“. Sein Maigret ist es auch immer noch wert, gelesen oder gesehen zu werden! Der Schnee war schmutzig ist aber eine andere Nummer: dunkel, deprimierend, faszinierend und spannend zugleich! Man beobachtet Frank dabei, immer und immer wieder noch einen drauf zu packen. Gleichzeitig ist aber auch die Reaktion der Obrigkeit vollkommen daneben. Das Verhalten der Mutter ist desaströs und dasjenige der missbrauchten Nachbarstochter verstörend.

Das Nachwort von Jean-Luc Fromental, der auch schon Blake & Mortimer nach New York geschickt hat, ordnet diesen Roman Dur etwas ein und beschreibt eine vermutete Intention. Schlussendlich nehmen wir heute aufgrund der vielen anderen Werke Simenon nicht als Existentialisten war. Dieser Band muss den Vergleich mit Camus oder Satre aber nicht scheuen!

Simenon - Der Schnee war schmutzig Umschlag innen

Dazu passen Brigitte Calls me Baby mit „Slumber Party“ und ein Cointreau.

© 1948 Georges Simenon Limited © der Abbildungen 2024 Fromental – Yslaire – Dargaud Benelux (Dargaud-Lombard s.a.) | 2026 Carlsen Verlag GmbH, Hamburg

error: Content is protected !!