Star Wars Comics Library. Vol. 1.

1977 – 1979

Herausgeber/Autor: Paul Duncan

Artists: Roy Thomas, Howard Chaykin, Archie Goodwin, Carmine Infantino u. a.

Originalausgabe

Taschen Verlag

Hardcover XXL | 680 Seiten | Farbe | 175,00 € | ISBN: 978-3-7544-0579-6 (EN)

Cover Star Wars Library Vol. 1
© & TM 2026 Lucasfilm Ltd. / 2026 Taschen GmbH, Köln

Wir schreiben das Jahr 1977 – Science Fiction war ein großes Thema zumindest im deutschen Taschenbuchbereich und präsentierte sich vielfältig: Klassische Space Opera stand neben der (englisch) New Wave, Kurzgeschichtensammlungen hatten ihren Platz wie mehrbändige Serien und auch Fantasy in den unterschiedlichsten Ausprägungen gehörte dazu. Neben Verlagen wie Heyne oder Goldmann gehörte das Thema auch bei suhrkamp selbstverständlich dazu. Im Bereich der bewegten Bilder aber gab es eine gewisse Müdigkeit; das nächste „ganz große Ding“ ließ auf sich warten.

Und dann kam Star Wars!

Der Film brachte viele Dinge zusammen, die vorher separiert gewesen waren, revolutionierte die Tricktechnik und verstand es, eine Geschichte um die Geschichte zu verkaufen. Wer startet schon eine Reihe mit dem vierten Teil von Neun? Das Gesamtkunstwerk bestand aus dem Kinofilm, den Comics, Romanen und Merchandising und wurde zu einem riesigen Erfolg. Ein Selbstläufer? Nein!

Die Geschichte um die Comic-Reihe

Paul Duncan ist ein bekannter Filmhistoriker und kennt nicht nur erfolgreiche Mechanismen (und ihre erfolglosen Geschwister), er kann auch darüber schreiben! Erfreulicherweise würzt er seine Einführung mit zahlreichen Anekdoten; so erfahren wir unter anderem, was Richard Burton und Liz Taylor mit „The Star Wars“ zu tun haben.

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Für George Lucas, das Mastermind hinter der Idee, war es wichtig, die Uraufführung des Films vorzubereiten und anzuteasern, trotzdem aber noch genügend Überraschungen in petto haben zu können. Der Comic zum Film sollte in 6 Heften erscheinen; das vierte sollte zeitgleich mit dem Kinostart auf dem Markt sein. Die Leser*innen der Hefte würden also Teile der Story bereits kennen, gleichzeitig aber mitfiebern, wie es weitergehen würde. Roy Thomas war dazu auserkoren, dass Filmdrehbuch in ein Comic-Szenario umzuwandeln, für die Zeichnungen hatte sich Lucas für den noch relativ jungen Künstler Howard Chaykin entschieden, der jedoch schon ein wenig Erfahrung mit dem SF-Comic besaß.

Die Produktionsprozesse der beiden Medien mussten parallel laufen, beide konnten sich ab einem gewissen Zeitpunkt nicht mehr aufeinander beziehen. Dementsprechend enthält der Comic Szenen, die zwar im ursprünglichen Skript standen, es aber nicht in den Film geschafft haben. Noch viel auffälliger waren allerdings Abweichungen im Aussehen der handelnden Wesen. Während Luke Skywalker bewusst älter und männlicher dargestellt wurde, war Chaykin bei Jabba the Hut auf sich gestellt. Zum Zeitpunkt der Zeichnung war noch kein Foto vorhanden und so sehen wir einen humanoiden Körper…

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… and beyond

Marvel war eigentlich gar nicht an diesem Titel interessiert, hatte es doch genügend eigene Probleme. Angeblich änderte sich diese Meinung erst, als klar wurde, dass für die ersten 100.000 verkauften Exemplare keine Lizenzgebühren abzuführen wären. Tatsächlich verkauften sich von den ersten Exemplaren mehr als eine Million Hefte, Star Wars wurde zu einem Longseller und setzte sich für eine (kurze) Zeit an die Spitze der erfolgreichsten Marvel-Titel. Dieser Band versammelt die ersten 23 Hefte der Serie als restaurierte Reproduktionen, inklusive der Titelbilder, Fanseiten und Anzeigen in exzellenter Qualität!

Es ist nicht so einfach, den Hype zu verstetigen, vor allem dann nicht, wenn Restriktionen zu beachten sind. Die von Marvel verantworteten, der Filmadaption folgenden Stories durften nicht auf das Verhältnis von Luke und Leia eingehen, keine Konfrontation von Luke und Darth Vader beinhalten, den Staus Quo bezüglich des Imperiums und der Rebellen nicht verändern, … Kurz gesagt, sie durften eigentlich nichts von dem zeigen, was die Fans lesen wollten!

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Diese Herausforderung löst das wechselnde Team von Kreativen iterativ. Am Anfang ist es naturgemäß schwieriger, herauszufinden, was das Publikum wollen wird. Man folgt also zunächst der Storyline, dass Han Solo in finanziellen Schwierigkeiten steckt und vergrößert diese noch. Dabei wird die Figur des Schmugglers ausgebaut und vertieft. Gleichzeitig steht das Verhältnis zwischen ihm und Chewbacca im Mittelpunkt.

Dem Comic gelingt es dabei immer besser, die im Film nonverbale Kommunikation auch ohne die dort verwendeten Töne in den Griff zu bekommen (das gilt im Übrigen auch für R2-D2, der im amerikanischen Original üblicherweise Artoo gerufen wird). Es entgeht jedoch trotzdem ein großer Teil des „Niedlichkeitsfaktors“, der nicht abgebildet werden kann. Dabei experimentiert das Team mit den aus der Mischung aus Fantasy und Space Opera erlaubten Ingredienzien: neue Wesen, Kombinationen aus Bekanntem und Unerwartetem, niedliches Aussehen und toughes Verhalten. Eines der Ergebnisse ist eine Art Killer-Hase, der für einige Episoden an der Seite von Han kämpft.

Action, Technologie und mehr

 Sehr geschickt wird im Übrigen immer wieder mit den Grundelementen gespielt, die den Film (und das Franchise) so erfolgreich mach(t)en: Zum einen gibt es häufig psychologische Konflikte, etwa wenn Luke sich nicht entscheiden kann, seinem Wunsch auf die Akademie zu gehen zu folgen oder bei seinem Onkel zu bleiben, oder wenn er verzweifelt über den Egoismus von Han doziert, der persönliche Motive über den Kampf für die Freiheit stellt.

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Zum anderen gibt es Todessterne und andere Kampfmaschinen, die alles bis dahin Vorstellbare übertreffen. Obwohl die feindliche Übermacht so unüberwindbar erscheint, gibt es aber doch immer diesen einen kleinen unentdeckten Punkt, der dem Gegner die Möglichkeit bietet, mit Mut und Geschick zu siegen. Hier zeigen sich klar Auswirkungen sowohl des „kalten Krieges“ in dem sich die Welt in den 70-ern befand, als auch die Traumata, die das überlegene US-Militär in Ostasien erlebt hatte. Dschungel-Rebellen waren in der Lage, die hochtechnisierte Armee auf Reisfeldern zu schlagen!

Ebenfalls einer Bemerkung wert sind die mitabgedruckten Anzeigen: Einerseits zeigen sie den Traum von jungen, amerikanischen Lesern (sic!): Fernrohre, Detektivspielzeug, Waffen. Diese Bedürfnisse werden von einem teils doch ziemlich militaristischen Setting in den Stories ohne Zweifel erfüllt. Der zweite Block der Anzeigen dreht sich – wie auch in den anderen Marvel-Titeln aus der Marvel Comics Library – um die Gründung eines eigenen Businesses mit Grußkarten oder ähnlichem. Das ist der amerikanische Traum …

Dazu aber kommen Anzeigen, die sich um Muskelaufbau und ähnliches bewegen und dem schmächtigen Jungen vorgaukeln, wie ein bei den Mädchen erfolgreicher Mann aussehen sollte. Diese (prä-)pubertären Vorstellungen finden ihre Referenz im Verhältnis von Luke und Leia, Han und Leia und in einigen Mitstreiterinnen von Han, die eher in einen Conan-Comic passen würden. Auch der Film spielt natürlich insbesondere während Leias Gefangenschaft mit dieser Motivation.

Der Star Wars Comic

Dieser Band enthält die ersten 23 Ausgaben der bei Marvel erschienen Reihe, die vom 12. April 1977 bis zum 27. Mai 1986 ohne Unterbrechung lief und insgesamt 107 reguläre Ausgaben umfasste. Wie in den Jahren üblich, kamen teilweise Annuals hinzu, in Summe allerdings nur drei. Es ist davon auszugehen, dass der Erfolg der Serie Marvel in den Jahren 1977 und 1978 vor dem Bankrott bewahrte und selbst 1979 und 1980 noch zu den erfolgreichsten Comic-Titeln gehörte.

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Im Laufe der Zeit änderten sich der Geschmack der Leser*innen und die Publikationsmethoden: Mini-Serien und Trade-Paperbacks gewannen an Anteilen und Serien wurden oftmals neu gestartet um einerseits alte Kontinuitätsanforderungen zu beseitigen, andererseits neue Marketinganreize setzen zu können.

Mittlerweile gibt es eine fast unüberschaubare Vielzahl von Serien aus über die Zeiten  unterschiedlichen Verlagen und mit ausdifferenzierten Zielgruppen: Comics für Erwachsene und für Jugendliche im traditionellen Stil, animated oder Manga-like, im Kanon und außerhalb … Es gibt sogar Werke für den deutschen Markt, die in Amerika nie erschienen sind. Hier ist mittlerweile alles bei Panini konzentriert, im Ursprungsland gehören Lucasfilm und Marvel schon lange zu Disney. Dementsprechend gibt es auch eine Art von Cross-over, in dem bekannte Entenhausener*innen die Rolle von Marvel-Helden übernehmen (z.B. Minnie im LTB 600). Für Star Wars blieb es allerdings bisher bei Parodien.

Ein wichtiger Bestandteil in der Reihe der Comic-Libraries

Taschen hat über die Jahre den Bereich der überformatigen Comic-Libraries Stück für Stück ausgebaut und Meilensteine der Comics in ihr veröffentlicht. Sicherlich ist diese Sammlung noch weit davon entfernt, komplett zu sein, sie enthält aber schon jetzt eine beachtliche Bandbreite: Alles hatte mit den bahnbrechenden ersten Jahrgängen der Marvel-Held*innen angefangen: Avengers, Hulk, Spider-Man und Co sind dadurch endlich im Original in perfekter Reproduktion und mit lesbaren und sinnvollen Einführungen versehen in den Regalen vieler Leser*innen vertreten.

Der Comic-Bereich ist aber natürlich viel breiter: EC-Comics mit einer Übersicht und dem ersten Band der Weird-Science folgten, Kompendien über Mickey und Donald wurden ergänzt durch eine Carl-Barks-Sammlung und schließlich schaffte es auch ein erster Zeitungscomic, Tarzan, in diese Reihe. Star Wars schließt nun eine Lücke zwischen den SF-Stories von EC und den Marvel-Superhelden. Mehr ist mit Sicherheit zu erwarten!

Kann das Buch die gleiche Sensation sein, die der Comic und der Film damals waren? Nein, natürlich nicht! Die Szenen des Films und die folgenden Geschichten sind längst Bestandteil des popkulturellen Bewusstseins und somit nichts atemberaubend Neues mehr. Die Sammlung kann aber Erinnerungen an die Zeit hervorrufen, als das Ganze Neu war und erstmals konsumiert wurde. Und auch das ist ein gutes Gefühl, das von Format und Druckqualität unterstützt wird.

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Das Coffeetable-Book hat sein Gewicht auch buchstäblich, es wiegt mehr als 5,5 Kilo! Der XXL-Band hat allerdings auch ein Format von 28 * 39,5 cm und kommt mit 680 Seiten. Wem das nicht genug ist sei gesagt, dass es auch eine limitierte, in Kunstleder gebundene Ausgabe mit eingefasstem ChromaLuxe-Aluminiumprint gibt, die in einem Schuber verwahrt wird. Beide Ausgaben kommen mit einem speziellen, bedruckten Transportkarton.

Dazu passen die ebenfalls über lange Jahre erfolgreichen, damals revolutionären The Who, die eine Subkultur prägten, mit Rock-Opern erfolgreich waren und immer noch auf der Bühne stehen, sowie ein Social Butterfly Cocktail, der an die legendären Kneipenszenen erinnert.

Abbildungen © & TM 2026 Lucasfilm Ltd. / 2026 Taschen GmbH, Köln

Di Caro – Die süßeste aller Früchte 1

Der klassische Kuchenwettbewerb – Mal anders

Story und Zeichnungen:  Gabriele Di Caro

Originaltitel: Le fruit le plus doux

Splitter Verlag

Hardcover Überformat |64 Seiten | Farbe | 19,80 € | ISBN: 978-3-68950-070-2

Cover Die süßeste aller Früchte 1

Gabriele Di Caro ist in Deutschland längst kein Unbekannter mehr; seine Interpretation der Morde an Frauen im London des ausgehenden 19. Jahrhunderts (Maison Fleury) sowie seine Kurzgeschichten über Begegnungen (Hinter dem Paradies) haben bewiesen, dass man splitternackte Inhalte mit einem vernünftigen Inhalt verknüpfen kann.

Eine jahrzehntelange Feindschaft

Seine neue Serie, Die süßeste aller Früchte, spielt kurz nach Ende des Zweiten Weltkrieges irgendwo auf dem Land in den Vereinigten Staaten. Das örtliche Leben spielt sich zu großen Teilen im Diner ab, der Friseur weiß über alles Bescheid und ein, wenn nicht der Höhepunkt des Jahres ist der Wettstreit um die süßesten Früchte des Ortes. Ronald will ihn gewinnen, wenigstens ein Mal, doch bisher war Larry nicht zu schlagen.

Ein kleiner Reporter wird in das Örtchen gesandt, um über den Wettbewerb zu berichten. Während er sich einerseits mit seiner Vermieterin beschäftigt, holt ihn andererseits seine Vergangenheit in Form von zwei Geldeintreibern ein. Außerdem gibt es noch die Angestellte im Diner, die die Männer verrückt macht und den Vamp gibt.

Die süßeste aller Früchte 1 page 3

Kern der Geschichte ist aber eine Fee die Ronald die süßesten Früchte verspricht. Er darf sie allerdings erst in sieben Tagen ernten und muss sie bis dahin beschützen. Das ist leichter gesagt als getan, handelt es sich doch bei den Früchten um sehr freizügige Frauen. Wird Ronald der Aufgabe gewachsen sein?

50-er Jahre Feeling

Die Geschichte spielt in den frühen 50-er Jahren und Di Caro vermittelt in seinen Zeichnungen genau dieses Flair. Man riecht die Mischung aus Schweiß von der harten Arbeit, den überall geduldeten Zigarettenqualm und der Parfüms, die zur Vervollständigung getragen werden. Dazu kommt der Sound dicker Schlitten und die Klänge aus der Music-Box. Dieses Setting ist wirklich gut gelungen!

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Wie man bei dem Sub-Label allerdings erwarten darf, ist das nur die Bühne für körperliche Aktivitäten, die auch ziemlich explizit geraten. Der Band ist daher auch nur für Erwachsene geeignet. Bei seinen Werken ist der Künstler bemüht, die Frauen nicht zu Objekten zu machen. Der Blick bleibt allerdings der eines Mannes.

Mehr Haut als tragischer Held

Oft sind die heute noch bekannten Geschichten aus dem Amerika der 50-er Jahre sehr melodramatisch. Der Held ist zartfühlend und unverstanden, versteckt das Ganze aber unter einer rauen Schale. Die Frauen sind mitfühlend, können aber nicht wirklich helfen und leiden daher ebenfalls. Diese Grundstimmung fehlt hier. Es gibt zwar ebenfalls Verlierer, diese fügen sich aber in ihren Platz. Man weiß allerdings noch nicht, wie sich die Geschichte weiterentwickeln wird; für Drama ist jedenfalls noch Platz.

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Auch dieser Splitternackt-Band wird sich nicht schlecht verkaufen, er ist handwerklich auch gut gemacht! Und auch die Story ist zwar genretypisch, hat aber ihre Kniffe. Für Fans gibt es ebenfalls eine limitierte Sonderausgabe mit Variantcover, Bonusmaterial und einem beigelegtem Druck! UPDATE: Band 2 ist gerade erschienen.

Dazu passen Bite Me Bambi mit „Do the Damned“ und ein Miller‘s!

© der Abbildungen 2025 Gabriele Di Caro, represented by Tabou Editions, France | Splitter Verlag GmbH & Co.  , Bielefeld 2026

Reddition 83 – Watchmen

Ein Überblick zum 40. Jahrestag der Erstveröffentlichung

Herausgeber: Volker Hamann
Verlag Volker Hamann, Edition Alfons
Heft Din A 4 | 84 Seiten | Farbe | 12,00 €
ISSN: n/a

Cover Reddition 83

In den 80-er Jahren gab es einige Comics, die das Superhelden-Genre für immer verändern sollten. Einer davon ist The Dark Knight Returns von Frank Miller und ein paar weitere Titel aus dem Batman-Universum. Ebenfalls aus dieser Zeit ist der erste Band der Graphic Novel Maus von Art Spiegelman deren Einfluss ebenfalls nicht unterschätzt werden darf. Dieses Dossier aber widmet sich der zwölfteiligen Miniserie Watchmen, einem Meilenstein der Comic-Geschichte, den beteiligten Künstlern, Neben- Folge- und Begleitprojekten sowie der Diskussion über die erlaubten Grenzen der Vermarktung.

Die Ausgangssituation

Watchmen und einige andere immer noch lesenswerte Superheldencomics aus dieser Zeit wären ohne die sogenannte „British Invasion“ nicht möglich gewesen. Der britische Comicmarkt war in den 70-ern nicht sehr international. Es gab zwar Kooperationen mit (hauptsächlich) spanischen Zeichnern und Studios, diese produzierten aber für den britischen Markt. Die Magazine enthielten kaum Lizenzmaterial und folgten eigenen Themen. Peter Schimkat beleuchtet in einigen Beiträgen den Markt und einige der britischen Szenaristen und Zeichner. Diese fanden, angelockt durch Talentscouts, durchaus ihren Weg in die Staaten.

Reddition 83 pages 4, 9

Die Künstlerporträts

Im Laufe des wie immer sehr umfangreichen und gut recherchierten Dossiers werden Alan Moore, Len Wein, Bill Siekiewicz, Eddie Campbell und Dave Gibbons vorgestellt. Damit ist das Spektrum bewusst weit gefasst, um einen wirklichen Überblick bieten zu können. Die Autoren bemühen sich dabei, nicht nur die künstlerischen Elemente zu beschreiben, sondern auch auf die Psyche und die „Ticks“ der Personen einzugehen. Gerade im kreativen Bereich sind diese oft maßgeblich für das Ergebnis.

Dazu gehört dann eben auch, dass die Erfinder der Serie, die damals ein kongeniales Team gebildet haben, seit vielen Jahren nicht mehr miteinander reden und sehr unterschiedliche Auffassungen über andere Verwertungen wie bewegte Bilder oder Preqels haben.

Es gibt wieder einen Mix aus beschreibendem Artikel, Interview und einordnender Meinung. Einzig die Grammatik scheint einem Autoren etwas durcheinandergeraten zu sein (es mag sich allerdings auch um einen Dialekt handeln); beim Lesen überraschen jedenfalls einige der gesetzten Zeichen. Das ist allerdings ein „Meckern auf hohem Niveau“!

Reddition 83 pages 66, 81

Die Verwertungen

Der Comic ist als Heftserie erschienen, als Sammelbandedition, als einbändige Ausgabe, als Jubiläumsausgabe, als … Sowohl DC Comics als auch die ausländischen Lizenznehmer (In Deutschland Carlsen und Panini) haben immer wieder neue Editionen verlegt. Fairerweise sei angemerkt, dass diese auch gekauft wurden! DC hat aber auch eine Passage des Vertrages ausgenutzt, um eine Reihe von Prequels, ein Crossover und ein Sequel zu veröffentlichen, die je nach Thema mehr oder weniger kritisch aufgenommen worden waren. Wie weit muss ein Verlag die Wünsche eines Autoren berücksichtigen? Und wie weit darf ein Verlag gehen, der unzweifelhaft Geld verdienen muss? Die Fragen werden gestellt, dankenswerterweise aber nicht von der Kanzel herab beantwortet. Jede*r Leser*in möge sich selbst ein Bild machen.

Als Service werden dabei alle Miniserien kurz vorgestellt und inhaltlich eingeordnet. Und auch die Versuche, das Werk in bewegte Bilder zu übertragen werden vorgestellt und bewertet. Dabei fällt auf, wie schwierig es ist, die Komplexität und Verschränkheit einer Literaturform (und ja, für mich sind Comics Teil der Literatur) im Medium Film darzustellen. Selbst der Comic nimmt schon viel der eigenen Vorstellungskraft, die es uns ermöglicht, das Gelesene wahrzunehmen und zu „erleben“. Trotzdem können Gleichzeitigkeiten quasi nachträglich im Gehirn erzielt werden. Im sequenziellen und passiven Sehen ist das deutlich schwieriger. So ist der Comic im Comic als Konzept völlig logisch, das Lesen eines Comics im Film aber unheimlich schwierig darzustellen.

Reddition 83 page 72

Der perfekte Begleiter zur Serie

Viele Comics gehören in eine bestimmte Zeit, manchmal auch zu einem bestimmten Lebensabschnitt. Nur wenige Comics haben es wirklich verdient, über die Jahrzehnte hinweg immer wieder gelesen zu werden. Dazu gehören The Watchmen (oder Deutsch – „Die Wächter“) ganz ohne Zweifel! Wer schon immer mal wieder vorhatte, sich dieses Vergnügen erneut zu gönnen, sollte vorher dieses Dossier lesen und auf Grund der Lektüre in der Lage sein, neue Dinge zu entdecken. Allen anderen, die sich mit den Fragen von Politik, Bedrohung, Manipulation, Recht und Gerechtigkeit beschäftigen, einen sehr unterhaltsamen, gleichzeitig aber auch fordernden Ansatz mit immer noch überragenden grafischen Umsetzungen genießen wollen, können von der Einführung durch dieses Dossier nur profitieren.

Vielleicht noch der Hinweis, dass das Dossier einen Spoiler enthält, der einen wesentlichen Teil der Geschichte verrät. Dieser Spoiler ist im Zweifel aber sowieso bekannt. Für Abonnent*innen der Zeitschrift liegt der Reddition 83 wie immer ein Goodie bei. Dieses Mal eine wie immer von Volker Hamann sorgfältig recherchierte und bebilderte Bibliographie aller amerikanischen und deutschen Ausgabe der Watchmen und der assoziierten Serien zwischen 1986 und 2026 im Heftformat.

Beilage Reddition 83

Dazu passen New Order mit „State of the Nation ” und ein Absinth.

© der Abbildungen Cover © DC, 2019, ansonsten bei den jeweiligen Autoren und Verlagen / Verlag Volker Hamann, Edition Alfons 2026

Hal Foster’s Tarzan. The Complete Sunday Comics

1931 – 1937

Herausgeber/Autor: Dian Hanson

Artist: Hal Foster

Originalausgabe

Taschen Verlag

Hardcover XXL | 392 Seiten | Farbe | 200,00 € | ISBN: 978-3-7544-0264-1 (EN, DE, FR)

Cover Hal Foster's Tarzan
(c) Tarzan Hal Foster newspaper strips © ERB, Inc. All Rights Reserved.

Es gibt nicht viele Ikonen der Popkultur deren Ruf unabhängig von Schauspieler*innen oder Künstler*innen ist. Abgesehen von einigen Superheld*innen gehören dazu anthropomorphe Wesen aus dem Disney-Universum, ein schwertschwingender Barbar, ein maskierter und berittener Rächer und auf jeden Fall auch die Erfindung von Edgar Rice Burroughs: Tarzan! Ob als Held von Pulp-Romanen, auf der Leinwand oder sogar als Musical-Star, Tarzan hat sich schon lange von seinen Ursprüngen befreit und ist zu einem Mythos geworden, der immer noch größer wird. Dazu beigetragen haben mit großer Wahrscheinlichkeit auch die Comics von Hal Foster!

Die kleine Flucht am Wochenende

Es ist schon viel über die Ursprünge der Zeitungsstrips geschrieben worden. Die Stars dieser Szene wurden zu Millionären, der Kampf der Zeitungsgiganten um die besten Talente war legendär. Und doch ist der Hintergrund relativ einfach: wie bekomme ich die Käufer*innen meiner Zeitung dazu, dass sie auch am nächsten Tag wieder zu meinem Blatt greifen? Der Tagesstrip musste also in einem Streifen die Leser*innen abholen, etwas Neues hinzufügen und mit einem Cliffhanger schließen, um die Neugierde in klingende Münze umzuwandeln.

Die Sonntagsseiten hatten es da viel einfacher. Das Prinzip ist natürlich das Gleiche, es stand aber eine ganze Seite zur Verfügung. Die Entwicklung der Figuren konnte ausführlicher geschehen, die Hintergründe konnten ausgearbeitet werden und nicht zuletzt waren diese Seiten farbig. Während heutzutage bei vielen die Assoziation Zeitungscomics gleich Kinderseite fällt, richteten sich die Werke damals explizit an Erwachsene. Foster musste daher gegenüber den Stories aus den Pulps keine Abstriche machen, Folter, Mord, freizügig gekleidete Frauen finden sich somit in allen Geschichten wieder.

Hal Foster's Tarzan - the 2029 run
(c) Tarzan Hal Foster newspaper strips © ERB, Inc. All Rights Reserved.

Vom illustrierten Text zu Prinz Eisenherz

Die erste Umsetzung erfolgte noch in Tagessteifen. 1929 erschien Tarzan of the Apes in 60 Folgen von jeweils fünf Bildern zu einem Auszug des Textes, der unter den Illustrationen platziert worden war. Die nicht kolorierten Streifen lassen die spätere Dynamik noch etwas vermissen, zeugen aber schon von der Kompositionsfähigkeit von Foster. Er weiß genau, wann es besser ist, eine Figur nur von hinten zu zeigen, wann eine Totale besser ist und wann Action dargestellt werden muss. Die Meisterschaft, das Gewünschte mit so wenig Strichen wie möglich darzustellen, fehlt zwar noch, die Beherrschung des Schwarzraums ist aber schon deutlich zu erkennen. Wie einige andere Vorläufer auch enthält der Band nicht nur die im Titel angekündigten Sundays, sondern auch diese Abfolge von Daylies!

Nach Abschluss dieses Runs, der in England veröffentlicht worden war, hatte der aufstrebende Zeichner Foster keine Lust, sich weiterhin auf den täglichen Stress und die weiteren Einschränkungen einzulassen. Trotzdem hatte die Umsetzung auch das Interesse der amerikanischen Newspapers geweckt. Wie der sehr gut lesbare und wissensreiche einführende Artikel (in drei Sprachen: Englisch, Deutsch und Französisch) beschreibt, war Burroughs mit den Ergebnissen seines Nachfolgers/Vorgängers allerdings alles andere als zufrieden. Und so kam es, dass Foster ab dem 27. September 1931 die Sonntagsseiten übernahm. Üblicherweise hatte der Künstler nun 12 Panels und eine über die ganze Breite gehende Kopfzeile zur Verfügung. Und auch in diesem Setting behielt er seine Angewohnheit bei, mit schwarzen Flächen zu arbeiten. Einige der zusätzlich abgedruckten, nicht kolorierten Beispiele zeigen, wieviel Tiefe diese Eigenheit den Bildern verliehen hat.

Das erste Abenteuer spielt in der Wüste in einer arabischen Gegend, 1932 geht es dann zurück in den Dschungel. Während einige der Gegner*innen durchaus stereotyp dargestellt werden, versucht Foster doch durchgehend, nicht nur Vorurteilen Raum zu geben, sondern auch „Gut“ und „Böse“ entsprechend darzustellen. Zudem war die zeitimmanente Erwartung, etwas „Exotisches“ präsentiert zu bekommen. Gegenstand der Zeichnungen sind immer wieder Kämpfe mit Tieren. Die Gegner sind Löwen, Affen oder Krokodile und fordern dem König des Dschungels alles ab. Natürlich hilft es dabei, einen muskelbepackten Körper zu haben der nur wenig von Stoff bedeckt ist. Auch diese Erwartungen an „den guten, weil weißen Wilden“ werden somit erfüllt.

Hal Foster's Tarzan Sunday pages - 122/123
(c) Tarzan Hal Foster newspaper strips © ERB, Inc. All Rights Reserved.

Die männlichen Leser dürften neben der Anerkennung der Kraft eher die Bekleidungen der weiblichen Protagonistinnen wertgeschätzt haben. Auch hier wurden zwar nie Konventionen verletzt, ihre Grenzen wurden aber das eine oder andere Mal angetestet. Etwas Fantasy-lastig wird es dann später im Jahr. Man darf nicht vergessen, dass die Welt keineswegs vollständig erforscht war. Neben Gerüchten und Sagen über Meeresungeheuer gab es noch vollkommen unbekannte Landstriche in denen Tiere und Pflanzen aus der Vergangenheit hätte überdauern können. Und so muss sich auch Tarzan mit Dinosauriern herumschlagen.

1933 steht unter dem Motto „Das Monster“. Nicht nur in der realen Welt schwingt sich ein Massenmörder zum Herrscher einer Nation auf und wird schließlich eine ganze Welt in einen Krieg verwickeln, auch im Comic gibt es Menschen, die nur sich selbst für voll nehmen. 1934 sind dann schon erste Vorboten der späteren, noch erfolgreicheren Serie von Hal Foster zu sehen; Prinz Eisenherz wird die Geschichte eines Jünglings und späteren edlen Ritters erzählen, der Grenzen weder kennt noch akzeptiert. Sowohl die Konzeption der Seiten als auch die Farben sind bereits ähnlich, auch Frisuren lassen sich im Rückblick wiedererkennen.

Während 1935 im Zeichen der Liebe und der verschiedenen Frauen steht, die umworben, verstanden und verteidigt werden wollen, geht es 1936 ans Eingemachte. Tarzans Aufgaben erfordern zunächst wieder mehr Action, er wird allerdings verurteilt und muss sich beweisen. Wieder steht eine Frau in der Mitte des Konflikts. Am Ende erfolgt dann ein auch inhaltlich bedeutsamer Kontakt mit moderner Technik. Während die meisten bisherigen Stories fast zu jeder Zeit hätten spielen können, taucht nun die wirkliche Moderne in Form eines Flugzeugs auf. 1937 endet dann der Run, Prinz Eisenherz wird ab jetzt bis zum Ende das Comic-Schaffen von Hal Foster bestimmen.

Hal Foster's Tarzan Sunday pages - 308/309
(c) Tarzan Hal Foster newspaper strips © ERB, Inc. All Rights Reserved.

Eine Karriere, die einen Roman ermöglichen würde…

Man mag den früheren Zeiten hinterhertrauern oder auch nicht. Mit Sicherheit war das Leben vor 100 Jahren mit dem heutigen in keiner Weise zu vergleichen. Natürlich gab es auch damals „gerade Lebensläufe“ die bruchlos von der Jugend bis ins hohe Alter verliefen. Viel häufiger waren aber Wendungen, die Ortswechsel, unterschiedliche Berufe und Leben an der Armutsgrenze einschlossen. Wer Glück hatte, fand schließlich genügend Halt, um eine Familie ernähren zu können, vielleicht sogar zu Ansehen zu gelangen; vielen gelang das allerdings nicht.

Auch der Weg von Hal Foster, der in der gut lesbaren und sehr informativen Einführung von Dian Hanson beschrieben wird, war alles andere als gradlinig oder erfolgversprechend. Zwar hatte der junge Hal den Vorteil, Bildung aufsaugen zu wollen, allein, die Verhältnisse ließen das nicht immer zu. Dieser Band ist für den einführenden Teil dreisprachig, die Comics sind als Faksimile naturgemäß nur auf Englisch abgedruckt. Es lohnt sich aber trotzdem, alle drei Teile zumindest durchzublättern, da sie alle unterschiedlich illustriert sind.

Hal Foster's Tarzan - Secondary content
(c) Tarzan Hal Foster newspaper strips © ERB, Inc. All Rights Reserved.

Die Autorin hat bereits mehr als 50 Bücher verantwortet, unter anderem den Taschen-Band über Frank Frazetta und Werke über Pin-Up und Fantasy Art.

Ein wertvoller Bestandteil einer guten Sammlung

Man kann Comics auf viele verschiedene Weisen genießen. Am einfachsten ist sicherlich die rein konsumtive Art: lesen, sich freuen, und weitergeben. Viele werden irgendwann anfangen, die besten Werke aufheben, sammeln und somit komplettieren zu wollen. Dann wird vielleicht aus dem Heft mit schlechter Papierqualität der Sammelband und aus diesem die Gesamtausgabe mit zusätzlichen Informationen und Illustrationen. Man fängt an, andere Serien der gleichen Künstler*innen haben zu wollen oder aber andere Highlights aus dem gleichen thematischen Bereich. Das ist der Anfang einer Sammlung!

Der zweite Schritt liegt oft darin, sich mit Werken über sein Hobby einzudecken: Fachzeitschriften und Bücher über Comics erlauben Einordnungen und stellen Beziehungen her. Gleichzeitig erlauben sie auch ein Verständnis über die Anfänge und Comic-Meilensteine, die bereits in der Vergangenheit liegen. Hal Foster’s Tarzan ist ein solcher: die Qualität der Zeichnungen, die Foster über die Jahre entwickelt hat, die Beherrschung der Linien und Flächen, die zusammen ein Größeres ergeben, ist auch heute noch Maßstäbe setzend.

Natürlich sind die Seiten nicht das erste Mal publiziert worden. Das XXL-Format ermöglicht es aber, die Seiten quasi original aufzunehmen, entspricht das Format doch den früheren Sonntagsseiten weitgehend. Die Reproduktionen versuchen auch, die originalen Farben und Rasterungen so gut wie möglich wiederzugeben. Der Unterschied liegt daher in der Qualität des Papiers und in der hervorragenden Aufmachung als reichlich illustriertes Hardcover mit passendem Umverpackungskarton. Der Inflation geschuldet ist der Preis dieser Bände allerdings um 25 Euro auf nun 200 gestiegen. Der Band passt zu den anderen Comic-Libraries von Taschen: Carl Barks‘ Donald Duck, Weird Science, Marvel!

Dazu ein Raffo Lavorazione Grezza und einen Klassiker: Desmond Dekker mit „The Israelites“.

© der Abbildungen 1929, 1931 – 1937, 2026 Edgar Rice Burroughs, Inc. / 2026 Taschen GmbH, Köln

Disney Comics Library. Carl Barks’s Donald Duck. Vol. 1.

1942 – 1950

Herausgeber/Autor: Jim Fanning

Artist: Carl Barks

Originalausgabe

Taschen Verlag

Hardcover XXL | 636 Seiten | Farbe | 175,00 € ISBN: 978-3-8365-9636-7 (EN)

Cover Disney Comics Library 1 - Carl Bark's Donald Duck Vol 1
© 2025 Disney

Wer die sehr empfehlenswerte ultimative Chronik über Donald Duck aus dem Taschen Verlag gelesen hat, weiß, dass der heute wohl bekannteste erfundene Held vieler Filme und unzähliger Comics weltweit Donald Duck heißt. Dafür gibt es ein ganzes Bündel an Erklärungen zu denen ohne Zweifel auch die von Carl Barks getexteten und gezeichneten Geschichten über Donald (und die ganze weitere Schar der Entenhausener Bewohner*innen) gehören. Zu damaligen Zeiten gab es keine Nennung der Verantwortlichen im Comic, es war einer von Walt Disney. Carl Barks aber hat es geschafft, sich in dieser erzwungenen Anonymität einen Ruf als „der gute Zeichner“ zu erarbeiten. Mittlerweile sind seine Arbeiten bekannt und auch mehrfach veröffentlicht, der Künstler war selbst noch zu Lebzeiten eine anerkannte Berühmtheit geworden.

Wissenschaft und Unterhaltung

Der Taschen-Verlag hat es sich zur Aufgabe gemacht, Klassiker der Comic-Geschichte basierend auf Reproduktionen der Originalausgaben in inzwischen mehreren Library-Reihen wieder auf den Markt zu bringen. Nach einigen Bänden aus dem Marvel-Universum folgte zuletzt der erste Band der Reihe Weird Science aus dem Hause EC. Nun also klassische Stories von Carl Barks aus der Four Color Reihe, alle zwischen 1942 und 1950 erschienen. Der Band folgt dem gleichen Konzept: Nach einem (wie immer empfehlenswerten) einführenden Essay von Jim Fanning erfolgt der Abdruck der Reproduktionen der damaligen Hefte. Dabei wird nichts verändert oder geschönt und so sind die Innenseiten der Umschläge auch nicht vierfarbig.

Illu Disney Comics Library 1 - Carl Bark's Donald Duck Vol 1
© 2025 Disney

Gerade für deutsche Leser*innen der Geschichten bietet dieser Band mit den englischen Originalen einen nicht zu unterschätzenden Vorteil. Wir sind es gewohnt diese Geschichten in ihrer Übersetzung zu lesen die aufgrund der deutschen Besonderheiten einen gewissen bildungsbürgerlichen Anspruch hat, um der Schmutz-und-Schund-Diskussion auszuweichen. Im Original lesen wir dagegen Slang-Wörter, karikierende Grammatik und Kraftausdrücke. Für mich eine gute Möglichkeit, die bekannten Geschichten noch einmal „neu“ zu entdecken!

Neben Einseitern und kürzeren Geschichten sind natürlich auch alle Klassiker wie Lost in the Andes, Luck of the North, Donald Duck and the Mummyʼs Ring oder Donald Duck Finds Pirate Gold enthalten. Wie kaum ein anderer schaffte es Barks, seine Ideen mit tatsächlichen wissenschaftlichen Erkenntnissen anzureichern und spannende, zugleich aber zeitlose Geschichten daraus zu kreieren. Auch hierauf geht der einführende Essay näher ein! Wir finden daher viereckicge Eier, im ewigen Eis konservierte Schätze aber auch geheimnisvolle ägyptische Mumien.

Example Disney Comics Library 1 - Carl Bark's Donald Duck Vol 1

XXL-Format für den Kaffeetisch

International heißt das XXL-Format des Buches „coffee-table book“, da man es selten beim Lesen wirklich in der Hand halten möchte. Natürlich geht das, eine Auflagefläche ist aber durchaus zu empfehlen! Das Super-Format erlaubt es, die Kompositionen der Seiten als auch der einzelnen Bilder genauestens aufnehmen zu können. Und es beweist, dass die Zeichnungen gut genug sind, diese extreme Vergrößerung dulden zu können, ohne „komisch“ zu wirken!

Zu den Zeichnungen selbst ist eigentlich kein weiters Wort notwendig: Carl Barks verknüpft die Einfachheit mit den notwendigen Details, bringt jede gewünschte Dynamik in die Panels, basiert seine abstrahierten Ideen auf tatsächlichen örtlichen wie technischen Gegebenheiten und ist damit immer dicht genug an der Realität, um glaubwürdig bleiben zu können. Gerade diese Meisterschaft hat ihn damals aus der Masse der anonymen Zeichner herausgehoben und kennzeichnet ihn noch immer als einen der besten Duck-Zeichner der Welt.

Example 2 Disney Comics Library 1 - Carl Bark's Donald Duck Vol 1
© 2025 Disney

Es gibt Bücher, die man seinen Besucher*innen nicht erklären muss. Dazu gehören etwa Cartoon-Bände auf der Toilette, Kochbücher oder Bildbände über spezielle Urlaubsziele. Dieser Band gehört ebenfalls in diese Kategorie, den – die Erlaubnis vorausgesetzt – jede*r wird anfangen darin rumzublättern, sich teilweise erinnern, grundsätzlich aber Positives murmelnd lachen.

Nostalgie? Ja! Aber zeitlos!

Muss man sich den Barks schon wieder kaufen? Selbst wer die komplette Library schon zu Hause hat, könnte bei diesem Band in das Überlegen kommen. Zum einen ist das Format etwas Besonderes und erlaubt einen anderen Zugang. Für die meisten Leser*innen hier bei uns ist es zudem nicht üblich, die Stories im Original zu haben. Sie lassen uns ganz andere Inhalte entdecken als die bekannten Übersetzungen! Und nicht zuletzt kann man den Band wunderbar gemeinsam genießen!

Weihnachten steht vor der Tür und damit auch die Frage nach den entsprechenden Geschenken. Für Comic-Fans im Allgemeinen, für Duck-isten im Besonderen dürfte der erste Band der Disney Library mit den Klassikern aus der ersten Barks-Ära sicherlich in Frage kommen. Für mich ist die englische Sprache eine Besonderheit, die positiv zu bewerten ist. Auf jeden Fall erfordern die Texte keine allzu tiefen Kenntnisse. Der Preis ist sicherlich ein Faktor, liegt aber deutlich unter dem Kilopreis von gutem Rindfleisch. Abgerundet wird die Ausgabe mit detaillierten bibliographischen Angaben zu allen Stories und Kurzbiographien der erwähnten Personen.

Essay Disney Comics Library 1 - Carl Bark's Donald Duck Vol 1
© 2025 Disney

Dazu ein Abtij-Bier, hier würde ich ein Dubbel empfehlen, und Gute-Laune-Musik, etwa einen der Ska, Ska, Skandal Sampler.

© der Abbildungen 2025 Disney Enterprises, Inc. / 2025 Taschen GmbH

Weyhe  – Rude Girl

Eine Annäherung

Text & Zeichnungen: Birgit Weyhe

avant-verlag
Broschur | 312 Seiten | Farbe | 26,00 €
ISBN: 978-3-96445-068-5

Cover Weyhe - Rude Girl

Normalerweise werden hier Neuerscheinungen besprochen. Gerade in heutigen Zeiten sind aber Bücher (und ja, Comics sind auch Bücher) sehr schnell aus dem Sichtfeld verschwunden. Teilweise ist dadurch die Sichtbarkeit auf einen einzigen Monat beschränkt. Deshalb gab es hier vor einiger Zeit die Rubrik „Klassiker des Monats/Quartals“ um einige Werke wieder hervorzuholen. Zwar kann ich es nicht leisten, diese Rubrik wieder ständig zu füllen, Rude Girl aber hat es verdient, Aufmerksamkeit zu bekommen!

Eine mehrstufige Auseinandersetzung

Birgit Weyhe, eine weiße, deutsche Comicschaffende nimmt an einem Austausch mit amerikanischen Germanist*innen teil und beginnt einen Austausch insbesondere mit Priscilla Layne, einer afroamerikanischen Germanistik-Professorin mit karibischen Wurzeln. Ihre Geschichte fasziniert die Autorin, doch schnell kommt es zur Diskussion über kulturelle Aneignung, ihre Folgen (selbst „gut gemeint“ ist halt meistens das Gegenteil von „Gut“) und eine Annäherung. Schließlich einigen sich die Beiden über das weitere Prozedere für die Entstehung dieses Werkes.

Weyhe - Rude Girl page 35

Dieses Metagespräch ist genauso Bestandteil der Graphic Novel wie auch die Geschichte selbst. Für uns Leser*innen ist das hilfreich, gibt es doch einerseits die Möglichkeit, die „Richtigkeit“ der Darstellung bestätigt zu bekommen, und andererseits die Möglichkeit, an der Entstehung teilnehmen zu können und Gefühle und Ängste viel direkter zu verstehen.

Priscilla Layne wird in den USA als Tochter einer Migrantin geboren und muss mit verschiedenen Vorurteilen klar kommen: denen ihrer Community bezüglich des „erwarteten Verhaltens“, denen der black Community, die sie für zu hell empfindet, denen der weißen Community für die sie zu „schwarz“ ist und schließlich allen Höhen und Tiefen einer Pubertät. Schließlich findet sie ihren eigenen Weg und ihre Selbstsicherheit als „Rude Girl“. Ihr Weg in die Skinhead (und Punk)-Szene wird sehr glaubwürdig beschrieben und von kleinen Alltagssituationen und vor allem musikalischen Einflüssen begleitet. Jede*r aus der Subkultur wird sich selbst teilweise darin wiederfinden können.

Weyhe - Rude Girl page 34

Unerwartete Farben

Birgit Weyhe zeichnet irgendwo im Grenzbereich zwischen realistisch und abstrakt. Im Gegensatz zu einigen Selbsterfahrungswerken ist hier nicht nur Intention, sondern auch eine gehörige Portion Können vorhanden. Die schwarzen Zeichnungen werden mit einem gelblichen Grün und einem orangen Farbton akzentuiert. Dadurch ist wenig Ablenkung vorhanden, trotzdem aber auch die Möglichkeit gegeben, Dinge hervorzuheben. Die Metateile sind dagegen einfarbig.

Obwohl Weyhe ihren Figuren Eigenheiten gibt, ist die Intention nicht die fotografische Wiedergabe.; es geht um „das Problem“, „das Gefühl“ oder „die Situation“. Dadurch wird einerseits eine gewisse Distanz geschaffen zwischen der Story und den Leser*innen, andererseits erleichtert es auch das Hineinfinden in die jeweils beschriebene Situation.

Weyhe - Rude Girl page 24

Tipp für den Weihnachtsbaum

Weihnachten ist nur noch wenige Wochen entfernt. Es beginnt also das Sammeln von Ideen. Rude Girl erzählt nicht nur über die Subkultur der Skinheads (und beantwortet mal wieder die Frage, warum alle Kulturen, Hautfarben, Traditionen Teil dieser anti-rassistischen Bewegung sein können) und die verwandter Szenen, es ist auch ein sehr guter coming-of-age-Roman.

Zudem führt das Werk einfühlsam in die Situation von Migrant*innen und ihre Wahrnehmung ein. Es wäre sehr schade, wenn Rude Girl nicht immer noch eine große Anzahl von Käufer*innen finden würde.

Dazu passen No Respect mit Excuse my smile und ein Dosenbier.

© der Abbildungen Birgit Weyhe & avant-verlag GmbH, 2022

Diverse – Creepshow 1

Tales of Suspense and Horror!!

Story: Burnham, Dini, Lapham, …
Zeichnungen: 
Burnham, McCrea, Lapham, …

Originaltitel: Creepshow Vol. 1 (# 1 – 5)

Splitter Verlag

Hardcover Überformat |128 Seiten | Farbe | 29,80 € | 
ISBN: 978-3-68950-078-8

Cover Creepshow 1

Für mich persönlich wird der Maßstab für ein Horror-Comic-Magazin immer noch von den Heften aus dem EC-Verlag gesetzt. Qualität der Zeichnungen, Twist der Plots und gesellschaftliche Relevanz der Stories im Verhältnis zum Unterhaltungswert waren damals neu, bleiben aber bis heute unübertroffen. Seitdem haben sich Maßstäbe verschoben, mehr kann gezeigt werden, ohne dass ein Skandal entsteht, aber ist das auch immer wünschenswert?

Das richtige für den beginnenden Herbst

Die Nächte werden wieder länger und kälter, die Blätter beginnen bereits zu fallen und erste Morgennebel steigen auf. Genau die richtige Jahreszeit also, um den Schrecken in die Wohnungen zu bringen. Was EC begonnen hatte, wurde von Warren fortgesetzt und schließlich von Stephen King und George A. Romero unter dem Namen Creepshow fortgeführt. Nun ist Creepshow zurück und präsentiert pro Ausgabe zwei Geschichten von Stars der amerikanischen Comic-Landschaft ganz unterschiedlicher Stilrichtungen. Dieser Band enthält die ersten fünf Hefte!

Creepshow 1 page 7

Gleich der Opener nimmt eine Tradition aufs Korn, die gruseliger kaum sein könnte: Halloween! Wer hat sich nicht schon über einige Kids geärgert, die gleich mit vollen Händen in die Schale greifen? Einer pro Nase zeigt die Folgen …. Ein weiteres Event, dass auf den Grusel setzt, sind Wrestling-Kämpfe. Viele Kämpfer*innen setzen auf möglichst furchteinflößende Kostüme und Masken; was aber, wenn diese eine Geschichte haben: La Mascara de la Muerte!

Weitere Themenbereiche sind die alles beherrschende Natur, Kindergeburtstage oder eine Referenz an das Bildnis des Dorian Gray. Anlesetipps sind meiner Meinung nach noch zwei weitere Highlights: Haar greift das Thema auf, ob Menschen beschließen dürfen, Leben zu beenden und Die Brücke zeigt die unglaubliche Ignoranz einiger heutiger Kids gegenüber Regeln des Anstands.

Erfrischend vielseitig

Da keine*r der ausgewählten Künstler*innen mehrfach dran darf, haben wir es mit zehn unterschiedlichen Herangehensweisen zu tun. Gleich vorweg sei angemerkt, dass das deutlich größere Format der Splitter-Ausgabe keine negativen Folgen hat, die Seiten von Chris Burnham, Jorge Corona und Dani profitieren sogar davon! Auch das gewählte etwas matte Papier passt zu dem Inhalt. Die Coverzeichnung von Burnham und Lucas ist nahezu perfekt und führt das Konzept des Erzählers sehr prägnant ein.

Creepshow 1 page 8

Das vielleicht einzige Manko dieser Ausgabe ist, dass wir nur in den Genuss eines Covers kommen. Wenigstens sind die Originale (in sehr kleiner Form) im Anhang wiedergegeben. Die Stilrichtungen der Zeichnungen geben einen Überblick über den aktuellen amerikanischen Mainstream von realistisch über leicht vereinfacht bis hin zu einem sehr nervösen Strich. Auch europäisch geschulte Augen sollten sich hier schnell eingewöhnen können.

Ein vielversprechender Auftakt

Da die Serie im Original unter dem image-Dach erscheint, bleibt zu hoffen, dass sie ein wenig Bestand haben wird und wir ebenfalls mehr davon zu sehen bekommen werden. Um zum Einleitungsstatement zurückzukommen: Wenn EC eine 10 wäre, so ist Creepshow eine gute 8,5 bis 9. Sie vereint Talente und Spitzenkräfte, die Stories haben Biss und überraschen teilweise durchaus und die Zeichnungen sind ebenfalls überdurchschnittlich.

Detail Creepshow 1 page 13

Das Konzept des Erzählers ist ebenfalls gut umgesetzt. Was vielleicht ein wenig fehlt, ist die Übernahme des generellen Tons in ein Heftkonzept mit Seiten für die Leser*innen und redaktionellen Einleitungen. Das gewählte Format ist aber ein akzeptabler Kompromiss und der Sammelband wird sich auf dem deutschen Markt mit Sicherheit besser durchsetzen als Heftchen. Die Antwort auf die Eingangsfrage lautet also „Ja!“: Fans des Schauerlichen, des Erschreckenden, hier ist etwas, dass euren Durst nach gefrierenden Adern befriedigen wird!

Dazu passen der ebenfalls ein furioses Comeback feiernde Alice Cooper und eine Bloody Mary!

TM und © 2025 Evoke Entertainment Company, LLC | Splitter Verlag GmbH & Co. KG, Bielefeld 2025

Lee/Ditko, Kirby, Romita Sr. – Hulk. Vol. 1. 1962–1966

Marvel Comics Library. Hulk. Vol. 1

Story: Stan Lee
Zeichnungen: Steve Ditko, Jack Kirby, John Romita Sr.

Herausgeber: Douglas Wolk
Originalausgabe
– The Incredible Hulk 1 – 6 & Tales to Astonish 59 – 83

Taschen Verlag

Hardcover XXL | 670 Seiten | Farbe | 175,00 €

ISBN: 978-3-8365-9161-4

Cover Taschen Marvel Comics Library Hulk Vol. 1

Vor ein paar Jahren startete der Taschen Verlag die preisgekrönte Serie Marvel Comics Library: Im riesigen Format 28 x 39,5 cm werden die Superheld*innencomics der ersten Stunde peu a peu sorgfältig restauriert neu aufgelegt und mit einem Vorwort von Fachleuten versehen auf den Markt gebracht.  The Incredible Hulk passt natürlich in diese Reihe, ist er doch nach den Fantastic Four die zweite Schöpfung von Stan Lee und Jack Kirby. Im Gegensatz zu den anderen Bänden Avengers, X-Men, Spider-Man ist es aber keine Superheldenserie. Hier findet eine Verknüpfung der Science-Fiction-lastigen sonstigen Serien mit Motiven aus dem Horror-Genre statt!

Man or Monster or … both?

The Incredible Hulk ist die Erscheinungsform, in die Dr. Bruce Banner, einer der klügsten Menschen der Welt und seines Zeichens Wissenschaftler in einer US Army-Einrichtung, mutiert. Banner war der verantwortliche Leiter für einen Versuch mit einer experimentellen Bombe. Da er bemerkt hatte, dass ein Unbeteiligter sich auf das Gelände begeben hatte, wollte er ihn retten und wurde dabei einer sehr großen Menge an Gammastrahlung ausgesetzt. Der Junge, Rick Jones, entwickelt sich im Laufe der Zeit zu seinem Side-Kick und wird auch in anderen Serien auftauchen. Banner selbst überlebt die Bestrahlung, wird aber mit Einbruch der Nacht zum Hulk.

page 1 from the first The incredible Hulk

Das Monster ist eine der Marvel-Figuren, die eine bemerkenswerte Wandlung durchmachen mussten. Seine Hautfarbe war im ersten Heft noch grau, wurde dann aber aufgrund drucktechnischer Probleme zu grün umgewandelt. In seiner Origin-Story erfahren wir, dass sich der Mensch bei Einbruch der Nacht in ein Monster verwandelt. Diese Verwandlung wird bei Tagesanbruch rückwärts vollzogen. Später kann er sich mit Hilfe von Gammastrahlen in seine jeweils andere Inkarnation verwandeln, bevor dann starke Emotionen ebendiese auslösen. Im Laufe der Zeit kamen dann noch andere Inkarnationen hinzu die jeweils unterschiedliche Fähigkeiten und emotionale Besonderheiten besitzen.

Zudem waren sich Szenarist und Zeichner nicht immer einig: Obwohl es oftmals so aussah, als ob der Hulk fliegen könne, bestand sein Erfinder Stan Lee darauf, dass er nur zu unglaublich weiten und hohen Sprünge in der Lage sei. Davon unabhängig war der grüne Gigant somit in der Lage, sowie unerwartete Positionsveränderungen in seiner Inkarnation als Wissenschaftler als auch sichtbare in seiner Monsterform zu bewerkstelligen. Er stellt damit seine Verfolger, hauptsächlich in der Form von verbohrten, rachsüchtigen Militärs, immer wieder vor unlösbare Aufgaben.

Comic page within Taschen Marvel Comics Library Hulk Vol. 1

Blessing or curse?

Bei dem ambivalenten Charakter stellt sich die Frage, ob er einfach nur eine Katastrophe darstellt, die Eigentum vernichtet und Menschenleben in Gefahr bringt, oder ob sich hinter der oftmals ungelenken Gewalt eine hilfreiche Seele verbirgt.

Schon die kurzfristige Zusammenarbeit mit den Avengers lässt darauf schließen, dass die Grenzen nicht klar gezogen werden können. Aber auch in diesem Band sind widersprüchliche Aussagen verborgen. Einerseits rettet der Hulk alle Insassen eines Zuges vor einem Unglück mit schwerwiegenden Folgen und verteidigt mehrfach die Souveränität gleich der ganzen Erde gegenüber außerirdischen Invasoren, andererseits gerät er immer wieder in Situationen, in denen er, oftmals aus Wut, Verzweiflung oder Frustration, über die Stränge schlägt.

Im Zuge des Übereifers seiner Feinde beim Militär wird er sogar gleichzeitig von den amerikanischen Vertretern als Überläufer und Deserteur und von der kommunistischen Seite als Spion und Feind verfolgt. Kein Wunder, dass eine seiner Lieblingsbeschäftigungen die Zerstörung von Panzern jeder Seite ist. Da sein Hauptgegner nicht nur militärischer Kommandant, sondern auch gleichzeitig Vater seiner Angebeteten ist, wünschte sich wohl mehr als einer der pubertierenden Leser in ähnlichen Situationen gleichermaßen ausrasten zu können.

Comic page within Taschen Marvel Comics Library Hulk Vol. 1

Die Serie

Während es heute unvorstellbar ist, dass Pressevertriebe Einfluss auf die Anzahl der Serien hatten, war das in den 50-er und 60-er Jahren in den USA ein alltägliches Problem. Titel mussten also sehr gezielt ausgewählt und lanciert werden. The Incredible Hulk hatte dementsprechend nur eine kurze Laufzeit und kam gerade mal auf sechs Ausgaben. Schon die letzten beiden davon deuten aber daraufhin, wie es weiter gehen sollte, enthalten sie doch schon jeweils zwei halblange Stories. Und tatsächlich migrierte das Monster nach der Einstellung der eigenen Serie in eine Anthologie-Reihe, die Tales to Astonish! In diesem teilte er sich die Seiten zunächst mit dem Giant-Man, später dann mit dem Submariner.

Glücklicherweise erlaubt die perfekte chronologische Sammlung aller Solo-Abenteuer der ersten Jahre das Verfolgen der oftmals über mehrere Hefte laufenden Handlungsbögen. Das war damals nicht unbedingt üblich und verdeutlicht erneut die Sonderstellung der etwas unterschätzten Serie.

double page image from Taschen Marvel Comics Library Hulk Vol. 1

Wie immer erlauben die sorgfältigen Reproduktionen der Originalhefte eine Kombination aus einer den Originalen nachempfundenen Haptik und eine perfekte Abbildung der einzelnen Panel, die auf dem damaligen Papier deutlich schlechter aussahen. Das Großformat gibt den sorgfältig komponierten Seiten noch mehr Wirkung und die Bindung und die Aufmachung mit Lesebändchen und passendem Karton zeugt von Wertigkeit (und der Aufmerksamkeit des Verlages gegenüber klassischen „Schätzen“)!

Eine wachsende Sammlung

Die Taschen Marvel Comics Library (die mit der EC Comics Library gerade eine Schwester bekommen hat) wächst und wächst! Sie ist bereits eine unverzichtbare Sammlung der Anfänge der Marvel-Erfolgsgeschichte und bringt somit Meilensteine der Comic-Geschichte in unsere Regale. Da wir heutzutage immer mehr dazu neigen, Geschichte und Hintergründe zu verdrängen, ja, zu ignorieren, ist es auch wichtig, eine zeitgeschichtliche Einordnung mitzuliefern. Jeder Band enthält daher eine sehr persönliche, trotzdem aber auf alle Begleitumstände eingehende Einführung eines Experten. In diesem Fall ist es erneut Douglas Wolk, der die Innovationen und Wirkungen des Hulk verständlich darlegt.

Intro to Taschen Marvel Comics Library Hulk Vol. 1

Die Leser*innen in Deutschland und den Niederlanden müssen allerdings eine (kleine) Pille schlucken: Sowohl die Einführung als auch alle Comics sind in der Originalsprache, also in Englisch. Das XXL-Book ist zwar nicht für den Strandurlaub oder als zusätzliches Gepäckstück beim Wandern geeignet, sollte aber den Urlaub auf Balkonien zu einem Glanzstück werden lassen! Wie immer gibt es übrigens für Sammler*innen wieder eine limitierte Vorzugsausgabe mit Metallcover.

Dazu passen Andy & Joey mit „Your Wondering Now“ aus dem Jahr 1966 und ein Negroni, der gerade ebenfalls ein „Comeback“ feiert.

© der Abbildungen 2024 Marvel / 2024 Taschen Verlag

Stark, Headline/Kieran – Parker

Eine Falle für Parker

Story: Doug Headline nach dem Roman von Richard Stark

Zeichnungen: Kieran
Originaltitel:
 The Sour Lemon Score

schreiber & leser

Hardcover | 112 Seiten | dreifarbig | 22,80 €
ISBN: 
978-3-96582-197-2

Cover Eine Falle für Parker

Kriminalgeschichten gehen immer und können auch nicht wirklich zu alt werden. Aktuell werden zum Beispiel gerade fast 100 Jahre alte Romane von Georges Simenon als Comic adaptiert. Die Romane von Richard Stark (Pseudonym von Donald E. Westlake) über Parker wurden dagegen „erst“ zwischen 1962 und 2008 verfasst. Im Gegensatz zu vielen anderen Reihen, die Ermittler*innen zum Helden haben, ist Parker ein Krimineller: knallhart, hartgesotten, aber doch menschlich.

Ein Mann spielt falsch

Drei Männer verabreden sich zu einem Banküberfall. Da ein Fahrer als vierter Mann gesucht wird, schleppt Benny Weiss, ein alter Weggefährte, Uhl an. Obwohl die anderen kein gutes Gefühl haben, lassen sie sich darauf ein und führen den Überfall aus. Anders als geplant ist die Beute allerdings relativ gering. Noch am selben Abend erschießt der Neue zwei der Komplizen und verfehlt Parker nur knapp. Dieser kann zwar flüchten, muss sich aber nun mittel- und waffenlos durchschlagen.

Natürlich steht ihm der Sinn nach Rache und so macht er sich sofort auf die Suche nach dem Neuling. Zwar kommt er ihm langsam auf die Spur, setzt aber auch einen anderen von Uhl Betrogenen auf dieselbe. Während Parkers Methoden noch einigermaßen okay-isch sind, kennen die anderen Gangster keine Gnade. Daraus entwickelt sich unter anderem die titelgebende Falle für Parker.

Eine Falle für Parker page 17

Wie es so kommen muss, geraten dadurch auch Unschuldige ins Visier, am Rande Beteiligte müssen sich entscheiden, auf welcher Seite sie stehen wollen und wie hoch sie ihre Risikobereitschaft einschätzen. Die per se schon sehr spannende Story wirkt auch als Comicszenario; Doug Headline gibt – wie auch z.B. in Nada – Tätern wie Opfern Persönlichkeiten und lässt die extensive Gewalt nicht die Hauptrolle übernehmen.

Hommage an Darwyn Cooke

Die Zeichnungen von Kieran lassen sich durchaus als Hommage an die beiden vor rund 10 Jahren auf Deutsch erschienenen Graphic Novels von Darwyn Cooke (aktuell neben anderen in der Martini-Edition ebenfalls bei schreiber & leser erhältlich) lesen, sind aber komplett eigenständig. Harte Konturen in Schwarz, teilweise ergänzt durch Striche oder kleinere Flächen, blaue Füllungen und dadurch geschaffener Weißraum illustrieren die Geschichte. Diese zunächst nicht besonders einladende Gestaltung erschafft einen Sog, der einen nicht wieder loslässt und in der Story hält.

Obwohl nur mit beschränkten Mittel erzeugt, sind die Bilder ungemein realistisch, atmen aber gleichzeitig ein gewisses nostalgisches Flair aus, das zu der amerikanischen Mittelklasse, die den gesellschaftlichen Hintergrund bildet, passt. Man sieht den Rasenmäher nicht, hört nicht das Klicken der Eiswürfel im Glas, spürt nicht den Glauben an den amerikanischen Traum und nimmt doch genau diese Elemente wahr. Ein echter Tipp!

Eine Falle für Parker page 18

Hard-boiled und erfolglos

Eine Falle für Parker folgt den Genre-Spielregeln: Der „Held“ steckt ordentlich Prügel ein, stellt seine Rache über persönliche Beziehungen, weiß aber doch im Grunde schon am Anfang, dass das Ergebnis nicht das Gewünschte sein wird. Die Gewalt gehört definitiv dazu, ist aber nicht übertrieben dargestellt. Die Zeichnungen sind abseits der Norm und alles andere als durchschnittlich.

Das Hardcover im Albenformat passt zum Inhalt und sowohl Front- als auch Backcover sind stimmig gewählt. Wer also auf klassische Thriller steht, Umgebungen mit einem leicht nostalgischen Flair mag und nicht immer ein Happy End braucht, ist hier genau richtig!

Dazu The Rattles mit Sha-La-La-La-Lee und ein Old Fashioned.

© der Abbildungen 2025 The Estate of Donald E. Westlake | Dupuis, 2025 | 2025 Verlag Schreiber & Leser, Hamburg

Reddition 81 – Autos im Comic

Über eine sich ändernde Beziehung

Herausgeber: Volker Hamann
Verlag Volker Hamann, Edition Alfons
Heft Din A 4 | 84 Seiten | Farbe | 12,00 €
ISSN: n/a

Cover Reddition 81

Autos waren einmal das Sinnbild der Moderne, erlaubten einen schnellen Individualverkehr, der nicht mehr auf Pferde angewiesen war und seine Leistung dennoch in Pferdestärken angab. Aus der anfänglichen Besonderheit wurde Massenware, zu der sich immer auch Luxuseinheiten gesellten. Mittlerweile ist die positive Konnotation nicht mehr selbstverständlich: zu viele Tote und eine sehr negative Umweltbilanz stehen zu Buche.

Die unterschiedliche gesellschaftliche Wahrnehmung des Automobils zeigt sich auch in der Rezeption im Comic: Das Sinnbild der Moderne wurde zum Traum der Massen, der Wunsch nach dem immer Neuen wurde durch das Liebhaberstück, gar den Oldtimer ersetzt, das Auto selbst vom Star zum Gebrauchsgegenstand. Ein Teil dieser Reise wird in der aktuellen Reddition beschrieben.

Die Anfänge und die frankobelgische Hochzeit

In der Einleitung über die Anfänge des Autos im Comic beschreibt Volker Hamann in wie immer gut lesbarer Manier den Wechsel vom Spektakel zum Standard . Von ihm stammt auch der Überblicksartikel über Autos im Magazin Tintin. Nicht nur in der namensgebenden Serie spielten Autos eine herausragende Rolle, die noch heute in mehreren Serien von Modell-Autos ihre Fans findet, auch Rennsportserien wie Michel Vaillant oder die über den autobegeisterten Reporter Rick Master nahmen hier ihren Anfang.

Reddition 81 pages 4, 11

Der wohl bekannteste Comic über einen Rennfahrer – Michel Vaillant von Jean Graton – bekommt natürlich einen eigenen Artikel von Anselm Blocher, der auch auf die neue, zweite Staffel der Serie eingeht. Auch Christian Denayer, der anfangs sowohl bei MV als auch bei Rick Master assistierte und später mit den Draufgängern und Alain Chevallier (im ZACK als Rolf Thomsen) Autos prominent darstellte, wird ausführlich von Bernd Frenz beschrieben.

Stefan Schmatz beschreibt anschließend die Entwicklung beim größten Konkurrenten, dem heute noch erscheinenden Spirou-Magazin mit einem kleinen Franquin-Schwerpunkt und geht anschließend speziell auf Jidehem ein, der mit Starter und Sophie zwei auch bei uns erfolgreiche Klassiker geschaffen hat.

Die Spezialthemen

Was wäre der Überblick wert, wenn er hier aufhören würde? Und so folgen Artikel über Spezialthemen, die das Thema erst rund machen: Volker Hamann widmet sich den Auftritten der Marke Citroën, die jahrelang Comickünstler mit Zeichnungen für Mappen und Kalender beauftragte, und Stefan Schmatz blickt über den Teich auf Johnny Comet von Frank Frazetta und die Hot Wheels-Heftchen. The other Car, das Batmobil, darf natürlich ebenfalls nicht fehlen (Paolo Canappele und Günter Krenn).

Reddition 81 pages 50, 54

Die deutschen Klassiker werden erneut von Stefan Schmatz präsentiert, der an Bumm und den Grafen Trips erinnert, bevor Peter Osterried ein Gespräch mit Peter Mennigen, den Szenaristen ungezählter Bastei-Comics, führt.

Peter Nover wechselt die Blickrichtung und schaut in Gegenwart und Zukunft des Autocomics und präsentiert einen Überblick über aktuelle Comics und Veröffentlichungen, bevor Falk Straub sich Gedanken über das Auto der Zukunft macht. Nicht vergessen darf man natürlich den unerwähnten Sidekick des Autos: meistens notwendig und nur selten erwähnt: Die Straße – Gedanken dazu kommen von Peter Lau.

Ein Highlight!

Nur sehr selten gibt es etwas an dieser Zeitschrift auszusetzen. Natürlich gefallen nicht immer allen alle Themen, natürlich gibt es immer jemanden, der/die eine andere Auswahl getroffen hätte. Qualitativ aber sind die Ausgaben immer top. Bei dieser Ausgabe passt aber alles: Das Thema ist noch nicht bereits hundertfach bearbeitet worden, die Auswahl ist extrem breit gefächert (und sogar Akira findet hier Erwähnung), einige der besprochenen Serien sind (für deutsche Verhältnisse) immer noch sehr erfolgreich und schließlich ist der Gegenstand jeder/jedem bekannt.

Beilage Reddition 81

Die einzelnen Artikel sind detail- und kenntnisreich, aber nicht akademisch geschrieben und die gewählten Abbildungen sind einerseits stimmig, andererseits aber auch eben nicht bereits tausendmal gesehen. Wie immer gibt es dazu für Abonnent*innen eine limitierte Beilage mit einem der neuen Helden, Jacques Gibrat. Definitiv ein Must-Have für alle, die Comics nicht nur lesen wollen.

Dazu passen The Beatles mit „Drive my car” und ein Fahrbier, das alkoholfreie Bier für Autofahrer.

© der Abbildungen Cover © Graton Editeur 2011, 2012 by Jean Graton, sowie bei den jeweiligen Autoren und Verlagen / Verlag Volker Hamann, Edition Alfons 2025

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