Azzarello/Llovet – Faithless 2

Blut und Begierde

Story: Brian Azzarello

Zeichnungen: Maria Llovet

Originaltitel: US-A Monkey could do this – Faithless II 1 – 6

Panini Comics

Prestige | 164 Seiten | Farbe | 20,00 €
ISBN: 
978-3-7416-2161-1

Cover Azzarello/Llovet - Faithless 2

In Band 1 hatte Faith ihre Magie entdeckt und war auf dem Weg, eine gefeierte Künstlerin zu werden. Sie hatte allerdings ihre gesamten Freund*innen zurücklassen müssen – zumindest die, die noch am Leben waren. Und so geht die Hoffnung in eine weitere hoffnungslose Runde: Faithless!

Gibt es ein Grau zwischen weißer und schwarzer Magie?

Eine gehypte Künstlerin ist nur solange gut, wie sie Neues liefert. Und in den heutigen Tagen gilt: Je schräger, desto besser! Auch Faith steht vor dem Problem, ihren gerade erlangten ersten Ruhm verteidigen und bestätigen zu müssen. Für eine zweite Ausstellung ist eine noble Galerie in Turin gebucht, die Gemälde dafür fehlen aber noch. Während einer intimen Skype-Session mit Poppy wird Faith von Solomon überrascht und aus dem Akt entwickelt sich die Kunst: Die neuen Bilder sind mit ihrem Blut gemalt. Dieser Schockeffekt wird natürlich der gewünschte Knaller und ihr Ruhm steigt sogar noch. Louis macht allerdings auch klar, welchen Anteil er daran hat.

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Brian Azzarello entwirft eine düstere Story, die einerseits die verlogene überdrehte Kunstszene bloßstellt (und er scheint dabei sehr viel Spaß zu haben!), die andererseits aber auch die alte Geschichte vom Verkauf der Seele übernimmt. Natürlich ist Louis der Teufel und natürlich erfolgt das Verkaufen der Seele auch über intime Körperkontakte. Faith weiß sogar, dass der Erfolg als Künstlerin und das Entdecken der eigenen magischen Fähigkeiten nicht „verdient“ sind, glaubt aber, den Pakt beherrschen zu können. Auch die andere Seite bekommt im Laufe der Geschichte einen Vertreter, der im Übrigen mit den gleichen Methoden arbeitet, und die alte, scheinbar obdachlose Frau entpuppt sich als wichtiger Player in dem Spiel Schwarz gegen Weiß.

Klassische Architektur gegen moderne Kunst

Maria Llovet hat einige Herausforderungen zu bewältigen: Turin stellt architektonisch so viele Vorgaben die der klassischen Kunst entsprechend umgesetzt werden müssen: Gebäude, Statuen, Bilder. Viele der Handlungen finden in diesem Umfeld statt und werden bravourös gemeistert. Daneben muss aber auch die überdrehte moderne Kunst angemessen präsentiert werden und auch das gelingt der Künstlerin gut! Der dritte Aspekt sind die mehr oder weniger expliziten intimen Szenen oder Zurschaustellungen von Nacktheit als Event. Und auch hier schafft es Llovet, das Zusammenspiel von Emotionen, Leidenschaft und Machtausübung auf das Papier zu bringen.

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Dabei ist das Layout an sich gar nicht so modern denn es basiert auf den strikten, nur in der Anzahl unterschiedlichen Streifen. Die Höhe erlaubt das Wechseln der Geschwindigkeit zwischen dem Verweilen und dem hastigen „Streckemachen“. Ihre Figuren sind rau, mit grobem Strich gezeichnet und teilweise fast karikiert, andererseits aber detailliert genug, um ein Wiedererkennen und die Darstellung von Gefühlen zu ermöglichen.

Es hat gerade erst begonnen

Der Plot ermöglicht noch weitere Fortsetzungen. Das ist auch gut so, denn aufgrund der vielschichtigen Story, der Verbindung von Kunstkritik, Magie und adult Romance ist Faithless eine einerseits sehr trendige Geschichte, die andererseits aber auch sehr eigenständig ist: Keine Vampire, kein SM, keine Schottenhistory.

Illu Faithless 2
Die Kapitel starten literarisch…

Sicherlich nicht für alle, vom Verlag empfohlen ab 18, aber einen Blick wert. Ein weiterer provokativer Titel von Boom! der in seiner deutschen Ausgabe mit Variantcoverabbildungen daherkommt.

Dazu passen Babes in Toyland und ein Espresso, begleitet von einem Amaretto.

© der Abbildungen 2021 A Monkey could do this LLC / Panini Verlag

Rucka/Southworth – Stumptown 1

DER FALL DES MÄDCHENS, DAS SEIN SHAMPOO MITNAHM (ABER SEINEN MINI ZURÜCKLIESS)

Story: Greg Rucka
Zeichnungen: Matthew Southworth

Originaltitel: Boom – US-Stumptown 1 – 4 & Artefacts

Splitter Verlag

Hardcover Book | 160 Seiten | Farbe | 24,00 € | 
ISBN: 978-3-96792-026-0

Cover Rucka/Southworth Stumptown 1

Amerikanische Autoren hatten schon immer ein Faible für Private Ermittler und ihre Sorgen: nie genug Geld in der Kasse um Rechnungen zu bezahlen, zu viel Schnaps, ein hoher Eisverbrauch um die Veilchen und sonstigen Blessuren zu kühlen, und die Notwendigkeit, immer cool zu wirken um weiter bluffen zu können. Das Vorwort zu Stumptown bezieht sich dabei explizit auf Detektiv Rockford. Gut, James Garner brachte diesen Typ etwas weniger schmerzhaft rüber. Aber Portland ist ein heißes Pflaster und Dexedrine Parios geht dort ihrem Geschäft als PI nach.

Die verschwundene Charlotte

Die eröffnenden Seiten der neuen Serie machen sofort klar, was uns erwarten wird: Eine Frau wird an einem Ufer aus einem Kofferraum gezerrt und von zwei sehr unsympathischen Gesellen mit zwei Schüssen exekutiert. Kurz darauf erfahren wir, dass die Heldin Dex nicht gestorben ist und natürlich auch, warum es überhaupt zu dieser dramatischen Szene gekommen ist. Die Ermittlerin hält sich mehr oder weniger schlecht über Wasser, hat aber Spielschulden. Um sie abzulösen übernimmt sie einen Fall für die Besitzerin eines Casinos. Sie soll eine verschwundene 18-jährige wiederfinden die spurlos verschwunden ist. Alles deutet darauf hin, dass sie aus Angst untergetaucht ist.

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Und tatsächlich wird schnell klar, dass es mindestens eine andere Partei gibt, die die verschwundene Charlotte gerne finden würde. Verschiedene Familienmitglieder der Marencos scheinen ein Interesse an der jungen Frau zu haben, allerdings nicht unbedingt das gleiche. Die Familie wird verdächtigt, einen Clan zu führen und dementsprechend wenig zimperlich sind auch die Methoden. Es gibt jedoch Unterschiede zwischen den einzelnen Akteuren und so ist von Tricks über brutale, aber hirnlose Kriminelle bis hin zum Cleaner alles vertreten.

Greg Rucka zählt sicherlich zur Top-Riege der amerikanischen Autoren und hat auch schon den einen oder anderen Mega-Run, etwa von Batman, verantwortet. Mit Stumptown ist er eigene Wege gegangen und hat eine toughe, trotzdem aber im Rahmen des Genres sehr glaubwürdige Heldin geschaffen. Sie hat ihren eigenen Kodex, ist bereits lange genug im Geschäft, um ein Netzwerk zu besitzen aber noch nicht lange genug, um nur noch zynisch zu sein. Sie kümmert sich um ihren behinderten Bruder, versucht, wenigstens so viel Geld zu verdienen, dass das Auto noch fährt und das Leben so zu organisieren, dass der Bruder zu seiner Arbeit bzw. den Untersuchungen kommt. Zwischendurch steckt sie ein.

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Das Artwork – düster und rau

Ein auf Hochglanz poliertes Artwork würde heute nicht mehr zu diesen Inhalten passen. Es muss rau, andeutend und tough wirken. Matthew Southworth liefert Bilder, die die Personen fast wie Entwürfe wirken lässt. Alles ist schon da, wirkt aber noch ein wenig unfertig und kann dadurch auch Gewalt zeigen und gleichzeitig nicht in den Vordergrund stellen. Das Blut, die blauen Flecken sind natürlich erkennbar, aber eben nicht als Effekt, sondern als reine beschreibende Tatsache. In manchen Comics werden Verletzungen fast schon zelebriert, hier sind sie definitiv vorhanden, aber nur als Moment der Handlung, nicht als ihr Ersatz.

Die meisten Seiten sind in einer Grundfarbe gehalten, manchmal noch mit dezenten Einsprengseln einer weiteren Farbe und leben ansonsten vom Kontrast zu Schwarz. Dadurch wirken die Bilder ein wenig wie aus der Zeit gefallen, teilweise wie alte Photographien aus der Zeit vor den 795Milionen-Pixel-Handyfotos. Auch dieser Stil trägt zu der Distanz zwischen Betrachter*innen und handelnden Personen bei. Was hier abläuft ist wie ein Film; obwohl es verschiedene Handlungsorte gibt, wissen wir nicht mehr als die Heldin und folgen ihr.

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Vieles an amerikanischen Comics ist reine Massenware, geschuldet dem Druck, Monat für Monat 24 Seiten abzuliefern. Immer wieder findet man aber herausragende Exemplare, die es wert sind, auch von Nicht-Fans einer Serie beachtet zu werden. Stumptown ist so ein Besipiel! Und: Boom! entwickelt sich immer mehr zum Sammelplatz von coolen Stories abseits des Massenmarktes: Faithless, Angel, … in verschiedensten deutschen Verlagen.

Mehr davon!

Glücklicherweise haben sich Texter und Zeichner nicht damit begnügt, nur ein paar Hefte zu machen. Vier Bände sind bei Splitter angekündigt und dieser erste beinhaltet neben dem kompletten ersten Fall auch Bonusmaterial: Zum Start der Serie waren spezielle Zeichnungen und Artefakte erschaffen worden die hier präsentiert werden, unter anderem ein nur mit Lupe lesbarer Minicomic. Schon in diesem sind die Grundstrukturen ersichtlich.

Für Krimi, Noir und Hardboiled-Fans fast schon ein Muss! Dex Parios ist eine moderne Heldin der alten Schule und vereint die klassischen Vorbilder mit einem aktuellen Rollenverständnis und heutigen Thematiken. Ansonsten natürlich auch etwas für die Freund*innen der amerikanischen Comic-Pop-Kultur jenseits der Superheld*innen.

Illu Stumptown 1

Dazu passen mit all ihrer Tragik die Exploding Hearts aus Portland und ein Hefeweizen der Widmer Brothers.

© der Abbildungen Splitter Verlag GmbH & Co. KG ·Bielefeld 2021/ Boom! 2010 by Rucka, Southworth

Hill/Melnikov – Angel 1

Mensch Sein

Story: Bryan Edward Hill – Angel geschaffen von Joss Whedon

Zeichnungen: Gleb Melnikov – Angel geschaffen von Joss Whedon

Originaltitel: US-Angel Volume 1 – Being Human

Dani Books

Prestige | 136 Seiten | Farbe | 16,99 €
ISBN: 
978-3-95956-141-9

Vampire sind immer noch trendy und begeistern über viele Altersgruppen hinweg in Literatur, Comic, TV/Film oder Spielen. Selbst Vampir-Musicals waren vor Corona ausverkauft. Die Faszination des skrupellos Bösen, von keiner Seele, keiner Reue, keiner Religion Begrenzten scheint einem Urtrieb zu entspringen, sich das Böse ausmalen zu müssen. Und oft kommt sicherlich auch noch eine erotische Komponente der vollkommenen Hingabe hinzu.

Der Vampir mit der Seele

Angel, die von Joss Whedon ursprünglich im Zusammenhang mit Buffy, der Vampirjägerin geschaffene Figur, ist besonders! Der seit Jahrhunderten aktive Vampir erinnert sich an alle Aktionen, an die Gewalt und das Blut, die dadurch hervorgerufene Trauer und bedauert diese! Aufgrund eines Fluchs ist er nämlich der einzige Vampir, der seine Seele zurückerhalten hat und dementsprechend nun alle seine Un-Taten bereut. Er hat daraufhin sein „Leben“ der Bekämpfung von Vampiren, Dämonen und sonstigen Ausgeburten der Hölle gewidmet und ist dabei mehr oder weniger erfolgreich. Der Titel des ersten Sammelbandes, der die Folgen eins bis vier der neuen Serie enthält, lautet daher auch Mensch sein.

Die Serie Buffy – The Vampire Slayer hatte ihren Start 1997, das Spin-Off um Angel folgte nach der dritten Staffel 1999. Da die Figur also schon fast aus der Elterngeneration der heutigen Leser*innen stammt, ist nun der perfekte Zeitpunkt für einen Re-Start! Boom! ist spezialisiert auf crossmediale Stoffe und Kooperationen sowie groß und durch Provokationen wie Faithless bekannt genug für den Markt.

Bryan Edward Hill hat die Aufgabe übernommen, das Bekannte neu zu verpacken, dem heutigen Lesefluss anzupassen und Referenzen an vergangene Epochen zu übersetzen. Es hat im sicherlich geholfen, dass er mit Detective Stories schon einen Mega-Titel betreut hat. Sein Angel ist gestört. Er kann seine Schuld nicht verarbeiten, verletzt sich selbst mit Sonnenlicht und verliert doch immer wieder Vertraute an den Tod. Wieder holt die Vergangenheit den tragischen Helden ein als ein vor Jahren geretteter und nun verzweifelter Vater gewordener Mann Angel bittet, seine Tochter kennenzulernen und kurz darauf stirbt.

Krasses Nachtleben

Der Hauptteil der Geschichte spielt – natürlich – nachts und fern dem Sonnenlicht. Trotzdem schafft es Gleb Melnikov, die Umgebung klar darzustellen, die Düsterkeit aber zu betonen. Er arbeitet dabei mit Schatten und Schraffuren die teilweise Details verdecken, teils aber auch akzentuieren. Sehenswert!

Die Glaubwürdigkeit der Geschichte steht und fällt mit Akzeptanz der Leser*innen für die Abscheu, die Angel befällt, sobald er sich erinnert. Sein aus Verzweiflung entstandener Hass auf alles Vampirische oder Dämonenhafte darf nicht gespielt wirken. Natürlich gilt das ebenso für seine Abneigung gegenüber allem Magischem, selbst wenn er es zur Zielerreichung einsetzt. Meiner Meinung nach passt das hier!

Die Empfehlung

Ich muss zugeben, dass mir Buffy im Fernsehen vor 20 Jahren lieber war als der tragische Vampir Angel. In der aktuellen, neuen Umsetzung im Comic ist es genau anders, denn hier gefällt mir Angel besser! Die ersten Folgen haben genau den richtigen Mix aus romantischer Tragik und Action! Zudem stimmen die Dialoge und die Zeichnungen auch Dank der guten Kolorierung von Gabriel Cassata und Roman Titov!

Jano Rohleder hat mit dieser Serie für seinen Verlag Dani Books den richtigen Riecher gehabt; Angel Band 1 ist für alle Fans der alten Serie, Vampir-Fans, Gothics und Romantiker*innen geeignet! Wer nur Bones kennt, erhält die Gelegenheit das Gesicht von Agent Booth in einer neuen Rolle zu sehen. Und die Sammler*innen sollten einen Blick auf die auf 99 Exemplare limitierte Hardcoverausgabe werfen! Wer übrigens seinen Kaufbeleg scannt bekommt zusätzlich auch noch eine digitale Kopie. Lobenswerte Idee! Der Band enthält natürlich auch eine Galerie der schönsten Variantcover verschiedener Künstler*innen und eine zusätzliche Kurzgeschichte.

Dazu passen Black Country, New Road mit ihrem nervösen Sound und ein samtschwarzes Stout!

© der Abbildungen 2021 20th Television / 2021 dani books

Azzarello/Llovet – Faithless 1

Finstere Leidenschaft

Story: Brian Azzarello

Zeichnungen: Maria Llovet

Originaltitel: US-A Monkey could do this – Faithless 1 – 6

Panini Comics

Prestige | 164 Seiten | Farbe | 20,00 €
ISBN: 
978-3-7416-1947-2

Panini wagt sich an eine Mischung aus Lust und Magie im künstlerischen Umfeld. In der nicht für unter 16-jährige gedachten Serie geht es um Verlust und Trauerbewältigung, Leidenschaft in der künstlerischen Betätigung wie in der Liebe, Machtausübung und Verwirklichung sowie um verschiedene Formen der Pärchenbildung.

Das Fieber der Schöpfung

Faith ist eine junge Frau, die an Magie glaubt und sich in einem Setting mit Bekannten und #lieblingscafe irgendwie so durchschlägt. Durch eine Zufallsbegegnung gerät sie an Poppy; die beiden verbringen einen aufregenden Tag und landen schließlich zusammen im Bett. Jeder einzelne der sechs Teile hat eine entsprechende relativ explizite Szene, die die Grenzen zwischen zeigbarem und nicht-mehr-zeigbarem sehr eigenwillig definiert.

Im weiteren Verlauf wird deutlich, dass Faith tatsächlich über magische Kräfte verfügt und diese auch einsetzen kann als sie und Poppy von Hooligans belästigt werden. Daneben ist sie plötzlich in der Lage, ganz andere Kunst zu erschaffen als früher und stellt sogar Werke aus. Ihre neu gewonnenen Fähigkeiten scheinen in enger Beziehung zu stehen zu Poppys Vater, mit dem Faith ebenfalls ein Verhältnis beginnt. Dabei entfernt sie sich immer mehr von ihrer alten Clique.

In einem parallelen Strang wird deutlich, dass es mehrere magische Seiten zu geben scheint. Nicht nur sterben in Faith Umfeld mehrere Bekannte, es taucht auch immer wieder eine alte Frau auf, die Warnungen ausspricht. Es ist die klassische Storyline des Verkaufens der Seele (und einer angemessenen Gegenleistung) die Brian Azzarello hier in einem neuen Gewand ausbreitet. Nach eher klassischen Stories über DC-Ikonen und im Krimi-Umfeld (100 Bullets) ist er jetzt erstmals in einem Horror/Dark Romance-setting tätig und beweist auch hier seine Meisterschaft im Kreieren spannender Bögen über mehrere Hefte hinweg.

Übersinnliche Zeichnungen

Maria Llovet ist zwar keine Unbekannte mehr im Comicgeschäft, gehört aber bisher sicherlich nicht zur absoluten Top-Riege. Sie setzt stark auf Linien und so ist immer eine schwarze Abgrenzung zu sehen. Das passt allerdings zu der etwas nervösen, hektischen Anlage ihrer Panels, die einen filmorientierten Blick auf das Geschehen bieten. Etwas Graphic Novel, etwas Underground aber nicht zu viel um noch Mainstream werden zu können.

Das Grauen, die Lust, die Verzweiflung, ja, die Darstellung aller Emotionen macht ihr Spaß und sie nutzt die Seiten weidlich, um genau das zu tun. Azzarello gibt ihr dafür genügend Raum und treibt die Geschichte zwischendurch weiter. So gibt es immer wieder sehr langsame Parts, die sich mit solchen in beschleunigter Abspielgeschwindigkeit abwechseln. Langeweile kommt dabei nicht auf.

Die Wertung

Für zartbesaitete Gemüter ist das nichts! Wer aber dem Thema Dark Romance nicht gänzlich uninteressiert gegenübersteht, sollte einen Blick riskieren und feststellen, ob Comics die üblichen Romane nicht ergänzen könnten! Die Story ist von einem der Lieblinge der amerikanischen Comic-Szene verfasst und halten sein Nievau, die Zeichnungen ergänzen gleichwertig! Erotik wird hier in verschiedenen Facetten dargestellt, keine davon wird als Norm oder höherwertig klassifiziert. Für Traditionalisten also eher nicht das Richtige.

Wesentlich für mich ist aber auch eine Art von augenzwinkerndem Humor: Die klassische Bedrohung durch männliche Übergriffe wird so gekontert, dass sich die Herren im echten Leben ein solches Verhalten nie wieder trauen würden.  Wie immer gibt es nicht nur ein Vorwort, sondern auch Infos zu den Künstler*innen und Abbildungen der regulären und limitierten Cover.

Dazu passen ein magischer Aperol Spritz und Beth Ditto! Irgendwie Mainstream und irgendwie auch nicht.

© der Abbildungen 2020 A Monkey could do this LLC / Panini Verlag