mosaik 532 – April 2020

mosaik – mit den Abrafaxen durch die Zeit 532

Spuk unter Palmen

Story: Jens U. Schubert
Zeichnungen: 
Kollektiv

MOSAIK Steinchen für Steinchen Verlag


Kleinformat | 48 Seiten | Farbe | (einmalig) 3,80 € 
ISSN: 
0323-8857

Das mosaik ist eines der wenigen Printmagazine im (auch) Jugendbereich, das seine Auflagenhöhe über die Jahre hinweg nicht nur halten, sondern sogar ein wenig ausbauen konnte. In der relevanten Verkaufsstatistik liegt es damit mittlerweile hinter dem Lustigen Taschenbuch auf dem zweiten Platz. Das Konzept ist seit Jahren gleich: die drei Abrafaxe Abrax, Brabax und Califax werden per Zeitsprung in eine bestimmte Region zu einer bestimmten Zeit transportiert und erleben dort ihre Abenteuer. Begleitet werden die Comics dabei von Wissensschnipseln, Versuchen, Museumshinweisen etc. um den Leser*innen nicht nur historische Hintergründe zu erklären, sondern auch zu spielend erlerntem neuen Wissen zu verhelfen.

In diesem Monat startet die 20. Zeitreise, die die jungen Helden in die Südsee gegen Ende des 19. Jahrhunderts verschlägt. Ein Paradies mögen jetzt viele denken und für die atemberaubende Natur stimmt das sicherlich auch. Die Veränderungen durch die Zunahme des weltweiten Handels und der Kolonialisierung unter anderem durch das Deutsche Kaiserreich waren aber nicht immer einfach.

Das erste Heft

Die drei Kobolde fallen der Besatzung der „Heiderose“ buchstäblich vor den Bug und dürfen das Schiff entern. Die Besatzung ist in Aufregung, denn ein Geist scheint sich auf dem Handelsschiff eingenistet zu haben, und es gelingt den dreien, einen Deal auszuhandeln: Bringen Sie die verschwundene Mütze des Kapitäns zurück, werden sie nicht an Land gesetzt…

Mit dieser stimmungsvollen Einführung der Gegend und der Grundlagen des Kopra-Handels werden die Leser*innen auf die kommenden Geschichten eingestimmt: es gibt eine große Konkurrenz unter den Schifffahrtsnationen um Kopra, das getrocknete Fruchtfleisch von Kokosnüssen. Wie immer steht zu befürchten, dass es bei diesem Wettbewerb nicht immer fair zugeht und dass sowohl Einheimische als auch Handeltreibende darunter zu leiden haben werden.

Daneben gibt es aber natürlich auch die spaßige Seite: Der Ursprung der mysteriösen Vorgänge – so viel sei verraten – ist natürlich keinesfalls übernatürlich und wird noch für viele beinahe Nervenzusammenbrüche sorgen.

Die Beilage

Mittlerweile fast schon traditionell wird der Start in eine neue Welt von einer Beilage begleitet: Die Karte zeigt die Inselwelten der Südsee und führt in Tierwelt aber auch in geografische Besonderheiten ein. Und: Wer von euch könnte aus dem Stehgreif den Unterschied zwischen Melanesien, Polynesien und Mikronesien erklären und dann auch noch Neuseeland richtig verorten?

Die Möglichkeit für einen Neueinstieg! Tipp: Im Heft sind Hinweise für magische Momente versteckt! Mit Hilfe einer App können so weiterführenden Infos und Beiträge abgerufen werden.

Dazu passen „What a wonderful world“ von Israel Kamakawiwoʻole und ein Maracuja-Kokosnuss-Shake!

Abbildungen © 2020 MOSAIK Steinchen für Steinchen Verlag

Achdé – Lucky Luke 98

Lucky Luke 98 – Volle Fahrt voraus

Story: Achdé nach Morris
Zeichnungen: 
Achdé
Originaltitel: 
Kid ou double

Egmont EHAPA Media
A4 | 48 Seiten | Farbe | Softcover 6,90 € | Hardcover 12,00 €
ISBN: 
N/A | 978-3-7704-4064-1

© 2019 Lucky Comics by Achdé d’après Morris und 2020 Egmont EHAPA Medien GmbH

Das Album

Der Junge, der schneller zieht als sein Schatten ist zurück. Wie seit einigen Jahren üblich wechseln sich in der deutschen Lucky-Luke-Reihe die Abenteuer des Cowboys und von Lucky Kid ab. Die aktuelle Sammlung beinhaltet hauptsächlich One-Pager aus dem Leben der zukünftigen wildwest-Legende und einen Freunden Hurricane Lisette, Kleiner Kaktus oder Dopey. Auch Jolly Jumper ist bereits mit von der Partie.

© 2019 Lucky Comics by Achdé d’après Morris und 2020 Egmont EHAPA Medien GmbH

Die Geschichten sind für ein jugendliches Publikum geschrieben und daher harmlos. Im Gegensatz etwa zu dem kleinen Spirou haben sie keine schlüpfrigen Anspielungen auf die spätere Sexualität der Erwachsenen, leben aber ebenso von dem Widerspruch der von Kindern erlebten Erwachsenenwelt und bieten daher genügend Fläche für witzige Erzählungen etwa über spätere Schurken oder alkoholische Getränke.

Immer ist aber die schon bei Morris vorhandene und von Achdé weitergeführte Moralität der Geschichten zu bemerken: Es geht nicht um die Einhaltung der Gesetze, sondern um die dahinterstehende Gerechtigkeit! Das Recht der Indianer wird zwar tatsächlich mit Füssen getreten, in der kindlichen Vorstellung muss man aber trotzdem etwas tun und der konservative, Mauern bauende Rassist wird von einem kleinen Präriehund ad absurdum geführt. Diese Grundhaltung tritt nicht nur im Inhalt zu Tage sondern auch in der Bildsprache.

© 2019 Lucky Comics by Achdé d’après Morris und 2020 Egmont EHAPA Medien GmbH

Der Künstler

Achdé weiß natürlich sehr genau, welche Gesichtsausdrücke erwartet werden und wie ein traditioneller an Morris aufbauender Lucky Luke Comic aussehen muss. Das gelingt ihm aber mit einem für Leser*innen sichtbaren Vergnügen und begeistert daher auch hier erneut.

Dazu kommen verschieden wiederkehrende Szenarien; das meiner Ansicht nach am besten gelungene bringt Voraussagen oder Wunscherfüllungen des Medizinmannes: anarchistischer Humor wie bei Pippi Langstrumpf trifft auf skurrilen Humor a la Paddington!

© 2019 Lucky Comics by Achdé d’après Morris und 2020 Egmont EHAPA Medien GmbH

In Frankreich gibt es mittlerweile drei Serien um den berühmten Cowboy: die originalen Geschichten von Morris, die „neuen“ Geschichten nach Morris und die Jugendabenteuer. Da hier in Deutschland sowieso keine chronologische Veröffentlichungspraxis durchgezogen worden war, ermöglicht die Kombination in einer Reihe eine Generation übergreifende Ausgabe die die einen verführt, auch die harmloseren Geschichten zu sammeln, und die anderen, den Blick auf die erwachsene Seite zu werfen.

Vor allem in Hinblick auf die eröffnende längere Geschichte nicht nur für Komplettisten ein guter Kauf!

Dazu passen ein Kaffee und das erste Album von Kim Wilde gleichen Namens.

© 2019 Lucky Comics by Achdé d’après Morris und 2020 Egmont EHAPA Medien GmbH

© der Abbildungen 2019 Lucky Comics by Achdé d’après Morris und 2020 Egmont EHAPA Medien GmbH

Henseler/Buddenberg – Meine Freie Deutsche Jugend

Eine fast normale Kindheit in der DDR

Story: Thomas Henseler, Susanne Buddenberg nach dem Roman von Claudia Rusch
Zeichnungen: 
Thomas Henseler, Susanne Buddenberg

Originalausgabe

Ch. Links Verlag

Hardcover | 144 Seiten | S/W und Farbe | 18,00 € |

ISBN:  978-3-96289-083-4

Die Kindheit

Um seine Jugend in der DDR verbracht zu haben muss man ein Geburtsjahr haben, das spätestens aus den 70-er Jahren kommt. Für viele heute Graphic Novels lesende Menschen also weit vor dem eigenen Geburtsdatum. Die Geschichte erfordert also das Eintauchen in eine fremde, zumindest aber vergangene Zeit mit komischen Klamotten, Redewendungen und Modethemen, richtig? Naja, hier geht es nicht um eine Netflix-taugliche, hippe Verfilmung, sondern um Erinnerungen eines jungen Mädchens an die eigene Kindheit, erzählt auf einer sehr sympathischen und freundlichen Basis obwohl einem beim Lesen manchmal das Lachen etwas stecken bleibt…

Die Geschichte von Claudia Rusch beginnt an der Ostsee. Diese ist weder von menschenfressenden Ungeheuern bevölkert noch besonders stürmisch und doch sind viele Flüchtlinge aus dem damals „ummauerten“ Teil Deutschlands in ihr ertrunken und so empfindet auch die kleine Heldin sowohl eine grenzenlose Angst vor dem Wasser als auch den unbedingten Wunsch, einmal die Ostsee mit dem Malmö-Express zu überqueren. Thomas Henseler und Susanne Buddenberg, die sich schon mehrfach dem Thema DDR gewidmet haben, gelingt es in dem ganzen Buch, Claudia sympathisch darzustellen, ihre (Kinder-)Sorgen darzustellen und die damalige Situation darzustellen ohne dabei in Klischees abzurutschen. So benutzen sie in dieser Szene etwa angedeutete Tierfallen im Wasser der Ostsee.

Der Staat

Das kleine Mädchen hat auch Eltern. Während der biologische Vater nach der Scheidung keine allzu große Rolle mehr spielt (mal abgesehen von dem einen wichtigen Auftritt in Uniform), gehört ihre Mutter zum Kreis um die Dissidenten Havemann und ist daher ein Objekt für die Überwachung durch die StaSi. Ganz nebenbei wird hier ein Problem dargestellt, dass viele Beziehungen nachträglich unter ein unerträgliches Licht gestellt hat, denn die Bespitzelung machte weder um die Liebe noch die Familie einen Bogen …

Die Überwachung wurde aber auch öffentlich vollzogen und die „grauen Herren“ warteten auch in Wagen vor der Haustür oder folgten den Überwachten mehr oder weniger unauffällig und so ist eine meiner Lieblingsszenen der Marsch der kleinen Claudia durch den dunklen Wald um die Oma vom Bus abzuholen. Aus Furcht singt sie lauthals Parteilieder, was einerseits die ihr im Verborgenen folgenden Mutter verärgert, andererseits die der Mutter folgende StaSi verwirrt, kann es sich doch nur um Provokation oder Täuschung handeln – an Absurdität nicht mehr zu überbietender Slapstick vom Feinsten!

Die Graphic Novel

Eine andere grandiose Stelle beschreibt die Fähigkeit, mit den Gefühlen der Leser*innen zu spielen. In einem überfüllten Bus nimmt das kleine Mädchen auf dem Schoß eines älteren Herren Platz und die Dramatik der Bildfolge, ihrer sich verlangsamenden Geschwindigkeit und der wechselnden Frontalen der Gesichter des Herren, der Mutter und des Kindes lassen kein Missverständnis aufkommen: Hier wird etwas geschehen! Tut es auch, allerdings anders als heutzutage erwartet!

Das autobiographische Buch von Claudia Rusch war ein kleiner Bestseller, allerdings kein Mainstream, denn die Heldin wollte natürlich ein Ende der DDR aber keinen Anschluss, sondern die Möglichkeit auf eine eigenständige Entwicklung. Henseler und Buddenberg gelingt es kongenial, die Stimmungen der Heldin und ihrer Umgebung einzufangen und wiederzugeben, die Emotionen des Kindes (Kakerlaken!), der jugendlichen und auch der jungen Erwachsenen glaubhaft darzustellen und vor allem aber die DDR-Situation als bedrückend, feindlich und unerwünscht zu beschreiben ohne in eine „Verteufelung“ zu verfallen, die gerade Westler*innen so gerne präsentiert haben.

Insgesamt also eine brillante, unbedingt zu empfehlende Graphic Novel aus der jüngeren Deutschen Geschichte die ein differenziertes Bild auf die DDR wirft und dabei nichts verschweigt, die eine Jugend aus der unschuldigen Perspektive des Kindes zeigt, die erwachsene Wertung des Ganzen aber nicht unterschlägt und nebenbei auch noch wirklich gut gezeichnet ist! Gerade auch für „Wessies“ könnte die Lektüre die eine oder andere Erinnerung hervorholen und in einem neuen Licht erscheinen lassen: Während die „Schwerter zu Pflugscharen-Kampagne“ hier aus Ost-Sicht für westliche Infiltration gehalten wird, war sie im Westen ein Sinnbild für ostdeutsche Propaganda…

Für mich auf der Auswahlliste für die Graphic Novel des Jahres!

Dazu passen ein Radeberger und (passend zu ihrem 65. Geburtstag) Nina Hagen und ihre Entwicklung vom „Farbfilm“ zum „TV“.

© der Abbildungen Christoph Links Verlag, 2020

Jarry/Gomes – Broceliande – Der Wald des Kleinen Volkes 7

Band 7: Die Buche des Reisenden

Story: Nicolas Jarry
Zeichnungen: 
Francois Gomès

Originaltitel: Brocéliande 07: Le hêtre du voyageur

Splitter Verlag

Hardcover | 56 Seiten | Farbe | 15,00 € |

ISBN: 978-3-96219-163-4

Mit dem aktuellen siebten Band ist die erste Staffel der Geschichten aus dem Wald des kleinen Volkes abgeschlossen. Unterschiedliche Teams hatten verschiedene Orte in Broceliande als Schauplatz ihrer Interpretation der klassischen Legenden gewählt und die märchenhafte, verzauberte Stimmung wiedergegeben. Mehr zu dem Konzept in der Besprechung von Teil 1.

Die Geschichte

Monsieur Le Gern ist ein erfolgreicher Unternehmer; seine Werften und seine Handelsschiffe erwirtschaften reichen Profit. Leider erfordern sie auch seine Aufmerksamkeit und so begeht er den Fehler, den viele Väter begehen: er vernachlässigt seine Familie, ja, flieht sogar vor den Verpflichtungen seiner Frau und seiner kleinen Tochter gegenüber und ist lieber unterwegs als zuhause. Seine Frau ist bereits vor einigen Jahren gestorben und nun ist auch seine sechsjährige Tochter Lenaig einer Lungenentzündung erlegen ohne dass er sie noch einmal hätte sehen können.

Die Beerdigung findet in der Nähe seines Gutes in der Bretagne statt, Monsieur Le Gern ergibt sich seinem Selbstmitleid in dem strömenden Regen und macht sich die größten Vorwürfe. Er versucht, der Welt und seiner Stimmung im Wald zu entfliehen und trifft unter einer riesigen und uralten Buche winzige Gestalten, die ihr Gesicht hinter einer Maske aus Holz verbergen. Sie bieten ihm die Rückkehr seiner Tochter beim nächsten Vollmond an. Er müsse nur in der Nacht des Vollmondes mit einer Haarsträhne seiner Tochter und einem Laib Weißbrot wiederkommen.

Natürlich zweifelt der trockene, keinesfalls an Geister glaubende Mann an sich selbst, glaubt in seinem Wahn geträumt zu haben und hat die Aufgabe fast schon vergessen. In letzter Minute klaubt er die benötigten Gegenstände zusammen, übergibt sie dem kleinen Volk und erfährt tatsächlich, dass seine tote Tochter in genau einem Monat zurückkehren wird.

Wer jetzt an ein schnelles Happy End glaubt, gehört sicherlich nicht zur Zielgruppe dieser Geschichte! Tatsächlich ist bei allen Vereinbarungen mit Wesen der Zwischenwelt immer ein Haken an der Sache und so ist es auch hier. Dem schlechten Vater stehen einige Prüfungen bevor und die nächsten Jahre zeigen seinen Wandel vom ich-bezogenen „ich-mache-alles-wieder-gut-Typ“ hin zu einem tiefen Verständnis für die Bedürfnisse anderer und zu der Fähigkeit zur Empathie. Ohne inhaltlich vorgreifen zu wollen: Diese Wandlung wird glaubwürdig erzählt. Sie ist nicht frei von Irrungen und Wirrungen, ja sogar von Rückschlägen, führt aber letztlich doch zu einem positiven Ende.

Nicolas Jarry, ein 1976 geborener Franzose, ist ein erfolgreicher Szenarist im Bereich der Fantasy. Am bekanntesten ist sicherlich die Konzeptserie „Die Saga der Zwerge“, die weniger märchenhaft daherkommt. In der Buche des Reisenden darf er beweisen, dass er auch ohne Actionelemente erzählen kann!

Die Zeichnungen

Das Cover deutet schon den Detailreichtum an, den Francois Gomès in seinen Zeichnungen bietet! Wenn es in der Geschichte regnet, hört man fast die Tropfen gegen die Scheibe schlagen, im Wald ist das Rauschen der Blätter vernehmbar und während der Wartezeiten in dem großen Haus die Einsamkeit! Die Bilder transportieren die verwunschene Stimmung der Geschichte sehr gut und als Leser*in taucht man von Anfang an in die Geschichte ein!

Es sind aber nicht nur das Dekors und die Landschaften, die positiv hervorzuheben sind; Auch die Personen, ja sogar ihre Gesichter sind gelungen und heben sich wohltuend von der leider oft präsentierten Massenware ab. Die Mimik transportiert Emotionen, die zu der Geschichte passen ohne zu übertreiben und wechselt zwischen Nahaufnahme und Totale. Einzig der kleine Hund ist etwas zu niedlich überzeichnet.

Das Layout ist dabei sehr abwechslungsreich: Während die einzelnen Panele teilweise durch Weißraum getrennt sind, überlagern sie sich andernorts oder schweben über einem Hintergrund. Auch ihre Größe und Form ist variabel, dienen dabei aber immer der Geschichte und verändern so das Tempo. Viele Illustrationen könnten dabei auch ohne den Comic für sich selbst stehen und würden sich als Poster oder als ExLibris anbieten. Es bleibt eigentlich nur zu wünschen, dass wir von diesem Zeichner mehr auf Deutsch (oder Niederländisch) zu sehen bekommen werden.

Eine klare Empfehlung!

Wie immer ist an der handwerklichen Darbietung bei Splitter nichts auszusetzen! Ein wertiges Hardcover im etwas größeren Format, gute Farben auf festem Papier und in diesem Fall sogar noch ein durchgehendes Rückenbild über die sieben Teile der Serie 🙂

Für alle Liebhaber*innen von Sagen und märchenhaften Begegnungen mit dem kleinen Volk fast schon ein Muss. Die Geschichte ist dabei meines Erachtens sogar für verschiedene Altersgruppen lesbar und erlaubt eine unterschiedliche Rezeption, zeigt sie doch eigenständige Entwicklungen von Vater und Tochter und erlaubt somit unterschiedliche Blickwinkel und Erkenntnisse. Die Reihe ist auch auf Niederländisch bei Daedalus erhältlich, dieser Band ist aber noch nicht erschienen.

Dazu passen ein Getränk auf Apfelbasis (je nach Wunsch mit oder ohne Alkohol) und Musik aus der Gegend, etwa von Gwerz.

 © der Abbildungen Splitter Verlag, Nicolas Jarry, Francois Gomès 2020

35 Jaar Weekblad Kuifje – Klassiker des Quartals – Frühjahr 2020

35 Jaar Weekblad Kuifje – 35 Jaar Humor

Text: div

Zeichnungen: div

Herausgeber/Uitgever: Raymond Leblanc

De Lombard Uitgaven

Hardcover | 1981 |128 Seiten | farbig | (vergriffen)
ISBN: 90-6421-339-9

In der Reihe Klassiker des Quartals soll heute ein Magazin gewürdigt werden, das von 1946 an fast 50 Jahre lang wöchentlich erschienen ist und ursprünglich der niederländisch-sprachige Ableger des Brüsseler Magazin Tintin gewesen ist. Nach der Einstellung dieses Magazins 1988 lief die flämische Ausgabe Kuifje weiter und hatte von 1989 an eine eigene französische Ausgabe unter dem Titel Hello Bédé. 1993 war dann endgültig Schluss! Zwischenzeitlich waren von dem Heft wöchentlich über 600.000 Exemplare verkauft worden.

1981 erschien das Hardcover „35 Jaar Weekblad Kuifje – 35 Jaar Humor“ zur Feier des Jubiläums bei Lombard das antiquarisch noch für rund 10€ in lesbarem Zustand erhältlich sein sollte. Für besonders gut erhaltene Exemplare mit Schutzumschlag muss deutlich mehr angelegt werden.

Die Konkurrenz

Während der gesamten Zeit lieferte sich Tintin/Kuifje ein Wettrennen mit Spirou/Robbedoes. Versammelte das erstere hauptsächlich die Brüsseler Schule mit der Ligne Claire um sich, war das zweitere das Publikationsorgan der Ecole Marcinelle. Trotzdem wechselten Zeichner und Autoren zwischen den Magazinen. Andre Franquin war der einzige, der unter seinem Namen eine Zeitlang gleichzeitig für beide Magazine tätig war. Robbedoes/Spirou war anfangs auch während der deutschen Besetzung Belgiens erschienen und dann von den Deutschen verboten worden. Das Magazin aus dem Hause Dupuis bzw. sein Chefredakteur hatte dabei den Widerstand teilweise aktiv unterstützt. Hergé hatte sich während des Krieges dagegen unter das Dach der von Deutschen gesteuerten Le Soir begeben und sich nach Kriegsende wegen Kollaborationsvorwürfen verteidigen müssen. Der Popularität seiner Figuren tat das keinen Abbruch.

Mitte der 60-er Jahre war die Fortsetzung Kuifjes schon einmal gefährdet; der Inhalt entsprach nicht mehr dem Geschmack des „neuen“ jungen Publikums. Ab dem 1. Oktober 1965 änderte der gerade eingesetzte Chefredakteur Greg das Konzept und brachte längere Fortsetzungen und neue, moderne aber auch Gewalt nicht mehr aussparende Geschichten, etwa Luc Orient, Bruno Brazil oder Comanche. Diese Neuausrichtung war nicht nur ein zweiter Frühling, sondern etablierte eine ganze neue Generation von Serien und Künstlern. Konzeptgemäß sind in dieser auf die humorigen Serien fokussierten Ausgabe keine Beispiele der neuen Reihen enthalten. Obwohl das Blatt mit dem Spruch „von 7 bis 77 Jahren“ warb, waren ab diesem Zeitpunkt sicherlich nicht alle Inhalte auch für alle Altersgruppen gleich geeignet.

Mit der 68-er Bewegung kamen aber auch andere Herausforderungen auf die Macher der „alten“ Magazine hinzu. Das politische Klima liberalisierte sich mehr und mehr und die katholisch-konservative Ausrichtung von Kuifje war nicht mehr en-vogue. Künstler*innen wollten neue Sachen ausprobieren, Rechte an ihren Figuren behalten und gleichzeitig drohte die zunehmende Nutzung von Kino und Fernsehen den Printmedien erstmals die zahlenden Kund*innen wegzunehmen. Neben Fantasy/SF-lastigen Titeln wie Heavy Metal/Schwermetall kamen auch moderne Hefte wie Pilote oder (A Suivre) in die Regale. Im Endeffekt überlebt hat davon aber bis auf Spirou und eher Satire-lastige Magazine wie Charlie Hebdo keines.

Etwas anders sieht es im niederländisch-sprachigen Markt aus: Zwar sind das Suske-en-Wiske-Weekblad und Robbedoes mittlerweile ebenfalls verschwunden, das Eppo (vormals PEP) existiert aber wieder!

Der Inhalt

In diesem Band werden in chronologischer Abfolge Beispiele für die humorigen Comics aus Kuifje abgedruckt. Den Beginn macht dabei (natürlich) ein Zweiseiter von Hergé mit Kwik en Fluppke (dt. Stupps und Steppke) von 1947. Zu Beginn sind übrigens durchaus noch schwarzweiße bzw. schwarz-rote Beiträge dabei, da nicht jede Seite vierfarbig angelegt war.

Die Auszüge geben einen guten Überblick über die Entwicklung des Magazininhalts: Waren anfangs noch Slapstick und Humor in altbackener Weise gefragt, wandelte sich der Inhalt über die Jahre zu auch heute noch lesbaren Klassikern wie Dommel/Cubitus oder Roodoog/Häuptling Feuerauge. Deutschen Leser*innen sind die Serien teilweise aus dem alten Koralle-ZACK bekannt das anfangs einen Teil des Materials in Lizenz abgedruckt, später sogar einige der Zeichner und Szenaristen abgeworben und mit eigenen Verträgen ausgestattet hatte. Ganz zum Schluss kommen dann auch Karrikaturartige Beiträge hinzu.

Viele der Serien zählen noch heute zu den Klassikern! Dazu gehört sicherlich Ton en Tinneke (Mausi und Paul). Diese klassische Familienserie wurde von Greg und Franquin entwickelt als letzterer frustriert von den Zuständen bei Dupuis eine Alternative gesucht hatte. Im Endeffekt hatte das dann zu einer Doppelbelastung geführt die Franquins Gesundheit sicherlich nicht zuträglich war. In dieser Zusammenstellung ist nicht nur die erste Seite überhaupt von 1955 (mit einem Szenario von Peyo) enthalten, sondern auch weitere Versionen durch Attanasio (1966), Mittéï und Cricri (1974) sowie Walli (1981).

Daneben gibt es aber noch weitere Beispiele von aktuell laufenden Reihen, etwa Dirk-Jan, der im Eppo Heft für Heft dabei ist. Auch Olivier Blunder (Albert Enzian) oder Robin Hoed (Robin aus dem Wald) gehören dazu.

Kooperation mit Willy Vandersteen

Interessant ist auch, dass Suske en Wiske von 1948 bis 1959 ein Gastspiel in Kuifje geben hatte. Die acht Abenteuer, die heute unter der Bezeichnung „Blaue Reihe“ laufen, hatten einen etwas anderen Zuschnitt als die traditionelle („Rote“) Reihe und musste ohne Tante Sidonia und Jerom (auf Deutsch in den Bastei-Zeiten Wastl) auskommen. Nach einem Zerwürfnis zwischen Willy Vandersteen und Hergé wurde die vorgesehene neunte Geschichte nicht mehr veröffentlicht. In diese Zusammenstellung wurden von Vandersteen daher nur zwei Seiten seiner Serie über den kleinen Prinzen ´t Prinske aufgenommen.

Fazit

Heute würden die meisten der abgedruckten Gags nicht mehr als zeitgerecht empfunden werden. Als Dokument dieser Entwicklung ist die Sammlung aber gut geeignet. Zudem war das Magazin in seiner Zeit absolut stilprägend sowohl für die Niederlande und Flandern direkt als auch über die verschiedenen Publikationen aus dem Kauka-Imperium und das ZACK in Deutschland.

Dazu passen eigentlich nur der King (selbstverständlich ist in diesem Zusammenhang Elvis damit gemeint, der im Januar 85 Jahre alt geworden wäre), ein Tomaten-Mayonnaise-Pilz und ein klassisches Grolsch.

© der Abbildungen de Lombard Uitgaven, Brüssel 1981

Howard/Niemczyk – Age of Conan 1

Bêlit

Story: Tini Howard
Zeichnungen: 
Kate Niemczyk

Originaltitel: US-Age of Conan 1 – 5 (2019)

Panini Comics

Broschur | 116 Seiten | Farbe | 13,99 €
ISBN: 
978-3-7416-1380-7

Und damit wäre also auch die dritte neue Conan-Reihe bei Panini auf dem Markt. Während sich die beiden anderen um Conan selbst „kümmern“ stehen bei Age of Conan Nebenfiguren im Mittelpunkt. Es handelt sich also quasi um eine Reihe für Miniserien. Den Anfang macht Bêlit, die Piratenkönigin der schwarzen Küste. Die Originalerzählung ist übrigens vor kurzem in der Splitter-Reihe mit Interpretationen der Erzählungen von Robert E. Howard durch wechselnde europäische Teams erschienen.

Die Story

Tini Howard kreiert aus den wenigen Hinweisen ihres Namensvetters die Herkunftsgeschichte der starken Frau, die so gar nicht dem Pulp-Bild der schönen aber doch untergeordneten Frau entspricht. Bêlit wird als jugendliche Tochter des Königs der Piraten eingeführt. Sie träumt von gefährlichen Abenteuern, Meeresungeheuern und ihrer Zukunft als Piratenkönigin. Ihr Vater unterstützt sie zwar, hält sie aber noch nicht für reif genug um tatsächlich ein Kommando zu übernehmen.

Als er getötet wird, weil er sich zur Ruhe gesetzt hat und seine Position damit sozusagen vakant geworden ist, bleibt der jungen Frau nichts anderes übrig als sich den Gefahren zu stellen. Natürlich wird es dabei um Meeresungeheuer gehen, um Machtkämpfe und Führung aber auch um strategische Allianzen. Das ist auch die sehr positive Seite dieser Geschichte: Kraft und Hau-Drauf Mentalität alleine sind keineswegs ausreichend um eine führende Rolle zu spielen, wenn sie nicht von Geschick, Planung, Erfahrung und dem Willen, lernen zu wollen, begleitet werden. Insofern handelt es sich fast schon um eine Coming-of-Age Story.

Dazu passt auch, dass die junge Bêlit irgendwie an Pippi Langstrumpf erinnert. Sie akzeptiert keine Grenzen außer den selbsterfahrenen, verhält sich altersunangemessen und ist bereit, immer wieder aufzustehen und nicht aufzugeben.

Die Zeichnungen

Selten, aber wahr: Dieser Conan-Band ist nicht nur von einer Frau geschrieben, sondern auch von einer gezeichnet: Kate Niemczyk setzt die Vorgaben von Tini Howard in einer Weise um, die einerseits die erwarteten Leserfantasien erfüllt, etwa wenn es um die Tracht der dann schon etwas älteren Piratin geht. Andererseits ist sie aber in ihren Zeichnungen so jugendlich, dass auch bisher nicht typische Leserinnen sich wiederfinden können. Hier stehen nicht das Blut, der Muskel oder das Gemetzel im Vordergrund!

Dabei gelingt es Niemczyk auch, den Prozess des Reifens und Älterwerdens grafisch in Szene zu setzen. Das junge Mädchen wird zur Frau und auch die Umgebungen passen sich an!

Dabei ist das Ganze natürlich typisch amerikanisch: Das Heftchenformat erlaubt keine europäischen Layouts und der monatliche Erscheinungsrhythmus erfordert andere Qualitäten als alle zwei Jahre 48 Seiten abzuliefern.

Die Wertung

Eine in sich stimmige Story mit dazu passenden Zeichnungen versprechen einen sehr gelungenen Start in diese neue Reihe, setzen aber auch hohe Erwartungen an das Kommende! Natürlich gibt es auch wieder ein paar einführende und erläuternde Worte und die üblichen Abbildungen der unterschiedlichen Cover der Marvel-Hefte. Einziges Manko: Ich weiß nicht so richtig, ob die Frontcoverauswahl gelungen ist oder die Zielgruppe unnötigerweise eingrenzt.

Auf jeden Fall ein Tipp für alle nicht nur testosterongesteuerten Leser*innen!

Dazu passen Doro Pesch und ein Chai Latte!

© der Abbildungen 2019 Conan Properties international LLC c/o Panini Verlag GmbH

Ferri/Conrad – Asterix 38

Die Tochter des Vercingetorix


Story: 
Jean-Yves Ferri
Zeichnungen: 
Didier Conrad
Originaltitel: 
Asterix 38 – La fille de Vercingétorix

Egmont EHAPA Media
A4 | 48 Seiten | Farbe | Softcover 6,90 €  | Hardcover 12,00 €
ISBN: 
N/A | 978-3-7704-3638-5

(c) Asterix® – Obelix® – Idefix ® / © 2019 Les Éditions Albert René / Goscinny – Uderzo

Nun ist also der vierte Versuch von Ferri und Conrad alle Asterix-Nostalgiker zufriedenzustellen erschienen und wieder gibt es die Kritik, dass es sich nicht um einen „echten“ Asterix handeln würde. Naja, er ist nicht von dem gnadenlos guten Duo Goscinny/Uderzo und somit „latürnich“ kein ursprünglicher Asterix. Wer das erwartet hat, wird seit dem zu frühen Tod des Texters enttäuscht und hat diese Haltung wahrscheinlich längst verinnerlicht. Tatsächlich handelt es sich aber um eine Geschichte, die neue Figuren in das etwas altbacken gewordenen Dorf einführt, quasi „The Next Generation“, die politische Themen aufnimmt (Fridays for future), die den Generationenkonflikt auf die Schippe nimmt und die dann auch noch Zeit für kleine Sidestories mit Idefix hat.

(c) Asterix® – Obelix® – Idefix ® / © 2019 Les Éditions Albert René / Goscinny – Uderzo

Die Geschichte

Vercingetorix hatte eine Tochter, die auf dem Schlachtfeld von ihrem Vater ein Insignium erhalten hat, um später den Widerstand erneut anzuführen. Dazu muss sie aber zunächst vor „dem Verräter“ beschützt werden. Nachdem ihre beiden Bodyguards das jahrelang hinbekommen haben, brauchen sie nun kurzfristig eine Übergangslösung um ein Schiff nach Londinum zu besorgen. Was läge also näher als das Dorf der Unbeugsamen. Tatsächlich geht es dabei um die gesamte Gemeinschaft, die die junge Adrenaline, so der Name der  berühmten Tochter, schützen soll und nicht nur um die beiden Standardhelden. Das lässt Raum für altbekannte Gallier*innen, aber vor allem auch für neue andere Jugendliche. Selfix und Aspix, Söhne von Automatix und Verleihnix, nehmen dabei die größten Rollen ein, aber auch andere werden nicht nur mit Namen versehen, sondern tragen auch die Handlung. Alle sind leicht frustriert, lehnen nicht nur Wildschweinjagd sondern auch Römerkloppe ab und suchen die Gesellschaft von Troubadix, weil den auch keiner mag.

(c) Asterix® – Obelix® – Idefix ® / © 2019 Les Éditions Albert René / Goscinny – Uderzo

Adrenaline wird eingeführt mit dem Hinweis, dass sie gerne ausbüxe und das tut sie auch. Auf der Suche nach dem sagenumwobenen Thule trifft sie auf die Piraten, Epidemais, Römer und auch auf einen Hippie namens Letitbix. Natürlich macht ihr der Verräter Miesetrix zu schaffen und am Ende wird alles gut… – Wirklich? Irgendwie wird nicht einfach alles gut, sondern für viele erst mal anders und sicherlich auch komplizierter.

Ferri hat sich damit erstmals wirklich etwas emanzipiert von dem großem Vorbild Uderzo, der das Dorf eigentlich immer nur um Asterix und Obelix sowie Majestix und Miraculix konzentriert hatte. Alle anderen waren Beiwerk oder „Fremde“. So sind z. B. die Kampfszenen mit den Römern auch eher Zitate als Handlung,

Die Übersetzung von Klaus Jöken ist dabei gut gelungen! Es findet keine Anbiederung an „Jugendsprache“ statt und doch reden die Heranwachsenden anders. Die Zahnlücke des Surimix ist zu „hören“ und auch der Gote sticht wieder heraus.

Die Zeichnungen

Natürlich ist auch der 38. Band ein typischer Asterix. Die Streifen von Obelix Hose sind immer noch sehr dick, alles andere sieht aber bekannt aus. Alles? Nein, denn ein kleiner Charakter beginnt ein Eigenleben zu führen: Idefix klettert, fällt, strampelt und freut sich genauso, wie es ein Hund dieser Größe eben tut! Eine schöne Entwicklung, die beweist, dass Conrad sich mit den Figuren nicht mehr so schwer tut. Auch die Piraten bieten die eine oder andere Überraschung!

(c) Asterix® – Obelix® – Idefix ® / © 2019 Les Éditions Albert René / Goscinny – Uderzo

Die pubertäre Adrenaline ist einerseits sehr treffend geraten: Genervt, im nächsten Moment erfreut und wieder zurück. Auch ihre Weigerung, ein Kleid zu tragen, drückt sie körperlich aus und diese Posen gelingen Conrad gut. Die Pferde haben alle unterschiedliche Charaktere und sind damit fast schon Figuren anstelle von Statisten. Auch hier also sehr positive Ansätze.

Fazit

Wie bewertet man einen Comic, der so stark von Erwartungen belastet ist, der eine Startauflage hat, die die von Harry Potter übersteigt und der wahrscheinlich auch in diesem Jahr die Buchverkaufszahlen retten wird? Ich wurde nach dem ersten Lesen gefragt, was ich über den neuen Band erzählen könne und zum ersten Mal seit vielen Folgen fielen mir Passagen ein, Bilder, kongenial übersetzte Texte und Gags. Mehr kann man eigentlich nicht erwarten, oder?

Es ist kein Comic aus den Siebziger Jahren (IMHO: zum Glück!) sondern eine modernisierte Adaption. Auch Band 38 bietet einen Asterix für Kinder, der gleichzeitig auch einer für Erwachsene ist. Beide werden unterschiedliche Sachen wahrnehmen. Sowohl Texter als auch Zeichner haben sich freigeschwommen und setzten eigene, neue Akzente und die Story ist deutlich besser als in den letzten Abenteuern! Für mich ein gelungener Wurf!

(c) Asterix® – Obelix® – Idefix ® / © 2019 Les Éditions Albert René / Goscinny – Uderzo

Dazu passen bretonischer Cidre und genau die Musik, die ihr als erste LP, CD oder Download hattet und die euren Geschmack im Gegensatz zu dem eurer Eltern geformt hat. Bei mir war das „Can the Can“!

© der Abbildungen Asterix® – Obelix® – Idefix ® / © 2019 Les Éditions Albert René / Goscinny – Uderzo

Mosaik Doppelpack im Oktober

mosaik – mit den Abrafaxen durch die Zeit 526 (Oktober 2019) und mit den Abrafaxen um die Welt

Piratengold / Die Schokoladen-Expedition
Story: 
Jens U. Schubert
Zeichnungen: 
Kollektiv

Herausgeber (Schokoladen-Expedition): BMEL

MOSAIK Steinchen für Steinchen Verlag
Kleinformat | 52 Seiten | Farbe | 2,95 €  
ISSN: 
0323-8857

Der Oktober bringt kurz nach der Jubiläumsausgabe im Mai eine Premiere: Zum ersten Mal überhaupt erleben die Abrafaxe ihre Abenteuer in der Jetztzeit! Manche Themen sind zu wichtig um erst in einigen Jahrhunderten in einer Rückschau betrachtet zu werden und genau darum geht es in dem in Zusammenarbeit mit dem Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft entstandenen Sonder-MOSAIK!

Keine einfache Lösung in Sicht

Wo kommt die Schokolade für den leckeren Kakao eigentlich her? Wie wird sie geerntet und wer verdient daran? Wie sieht es mit Kinder- oder Sklavenarbeit aus und gibt es nachhaltige Produktionen? Wenn ja, kann ich diese erkennen? Fragen über Fragen die in der Schokoladen-Expedition auf leicht verständliche Weise beantwortet werden.

Und da es heute auch andere Möglichkeiten als das Lesen eines langen trockenen Artikels gibt, ist das Ganze als typische Reisegeschichte mit den drei Abrafaxen aufbereitet worden. Der einzige Unterschied: sie spielt heute und zeigt daher auch allen Leser*innen auf, was man selbst ganz konkret sofort umsetzen kann. Dazu gibt es wie gewohnt lehrreiche und wissenswerte Details, Rezepte und Tricks. Wer es im Handel tatsächlich nicht mehr bekommen hat findet es auf der Seite des Ministeriums unter Publikationen.

Aber: Auch leicht verständlich bedeutet nicht einfach! Die Probleme sind viel zu weitgehend um einfach gelöst zu werden! Trotzdem muss man nicht zu Zusehen, sondern kann selbst anfangen, etwas zu tun.

Das Hanseabenteuer geht weiter

Auch die reguläre Ausgabe hat es in sich: In Piratengold treffen endlich die vier Schatzerben aufeinander! Wirklich? Nein, aber die vier Botschaften aller Schatzerben sind erstmals vereint und die Expedition zum daraus abgeleiteten Versteck verlässt den Hafen. Abrax und Califax treffen sich nach langer Zeit der Trennung endlich wieder und Herr Lüneborg spinnt weiter seine Fäden um seinen Reichtum zu mehren. Geht er dabei über Leichen? Der Mittelteil bringt wieder Wissenswertes aus der Zeit der Hanse und unterstützt das Thema des Heftes.

Rundum gelungene Mischung aus Spaß, Information und Bildung und somit zurecht gefördert von der Stiftung Lesen!

Dazu passen Apfelsaft (selbst gesammelt?) und passend zum Thema Knut Kiesewetter „Leeder vun mien Fresenhof“.

Abbildungen © 2019 MOSAIK Steinchen für Steinchen Verlag und Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft

Sempé – Klassiker des Monats April 2019

Sempé – Das Geheimnis des Fahrradhändlers

Story: Jean-Jacques Sempé
Zeichnungen: 
Jean-Jacques Sempé

Übersetzung : Partrick Süsskind

Originaltitel: Raoul Taburin

Diogenes-Verlag

Hardcover | 112 Seiten | Farbe | 16,00 €
ISBN: 
978-3-257-06473-5

Cover Sempé - Das Geheimnis des Fahrradhändlers

Es ist an der Zeit, einen der ganz großen Bildgeschichtenerzähler Europas mit einem Beitrag zu würdigen, auch wenn seine Werke keine Comics im eigentlichen Sinne sind. Jean-Jacques Sempé, 1932 in Bordeaux geboren, hat unzählige Karikaturen veröffentlicht sowie neben eigenen Werke von Goscinny, Modiano und Süskind illustriert. Ihm zu eigen ist die Achtung vor dem Leben mit all seinen Niederlagen und der melancholische Ansatz, der die gezeichneten Personen so lebensecht und liebenswert macht.

Seine bekanntesten Werke sind wahrscheinlich die (auch verfilmten) Geschichten um den kleinen Nick, die er zusammen mit René Goscinny entwickelt hat. Hier soll es aber um das Geheimnis des Fahrradhändlers gehen:

Paul Tamburin arbeitet als Fahrradhändler in Saint-Céron, einem kleinen, typischen französischen Ort. Die Bewohner*innen sind es gewöhnt, Gegenstände wie „Schinken“ oder „Brille“ mit dem Namen des entsprechenden Händlers zu belegen und im Laufe der Zeit wird auch das Wort „Fahrrad“ durch den Namen Tamburin ersetzt. Kurzum, das Leben könnte für den glücklich verheirateten Vater zweier Kinder nicht schöner sein, wenn da nicht ein furchtbares Geheimnis auf seinem Leben liegen würde. Paul kann leider Fahrräder zwar reparieren, verkaufen und verbessern, fahren kann er sie nicht.

Sempé - Geheimnis des Fahrradfahres page 29

Es kommt aber die Zeit, wo scheinbar keine Ausrede mehr hilft und er ein Rad besteigen muss…

Die Geschichte ist so liebevoll erzählt wie es heutzutage fast nur noch in Frankreich möglich zu sein scheint. Engländer, Niederländer und Deutsche würden entweder in Komik abgleiten, psychologisieren oder aber ein Unterschicht-Drama kreieren; Franzosen können einfach erzählen. So gelingt es auch Sempé, die Geschichte trotz aller Dramatik und Tragödie mit Anteilnahme und Sympathie ablaufen zu lassen, seine Strichzeichnungen bringen dabei die einzelnen Begebenheiten visuell auf den Punkt. Manchmal wiederholen sie nur das bereits gesagt, manchmal fügen sie aber auch Aspekte hinzu, die so nie geschrieben hätten werden können. Sie sind dabei einerseits unheimlich fragil und flüchtig, transportieren gleichzeitig aber so viel vom täglichen Kampf um sich selbst, indem sie das kleine Individuum in die große Welt stellen, dass sie absolut liebenswert sind.

Sempés Helden sind keine Superwesen, Ausnahmeerscheinungen oder Monster, sie sind einfach nur wir alle.

Sempé - Geheimnis des Fahrradfahres page 46

Patrick Süskind hat diesen Band im Übrigen sehr gut übersetzt. Mir wird zwar nie ganz verständlich werden, warum die Namen der Handelnden geändert werden, den Satzbau, die Tempiwechsel und die Poesie der Sprache trifft er aber sehr gut.

Das Geheimnis ist ursprünglich bereits von 1996 und liegt seit 2005 in der besprochenen Ausgabe vor. Trotz seines Alters von 25 Jahren ist es aber auch heute noch lesbar, auch wenn es schon ein wenig den Charme der guten, alten Zeit zu versprühen scheint. Das Bändchen ist wie fast alles von Sempé bei Diogenes erschienen und noch lieferbar.

Dazu passen französische Chansons etwa von Coralie Clément und roter Landwein am besten.

©1996, 2005 Diogenes Verlag AG Zürich

Am 11. Mai 2019 ist Gratis Comic Tag

Header GCT

Am zweiten Samstag im Mai freuen sich Comic-Liebhaber*innen in Deutschland besonders, denn an diesem Tag gibt es Geschenke! Schon zum 10. Mal findet der Gratis Comic Tag nun statt!

Der deutsche GCT ist eine der größten verlagsübergreifenden Kooperationen der hiesigen Buchbranche. Zahlreiche Verlagshäuser, von den Marktführern bis zur Independent-Schmiede, tun sich auch 2019 zusammen, um die Erfolgsgeschichte fortzuschreiben: 2010: ca. 150 Standorte und 170.000 Hefte; 2015: ca. 230 Standorte und 230.000 Hefte; 2017: ca. 320 Standorte und 380.000 Hefte; 2018: ca. 420 Standorte und 1/2 Million Hefte. 2019 nehmen ca. 450 Standorte teil und die Gesamtauflage hat die Marke von über 600.000 Heften geknackt.

Viele Händler planen an diesem Tag besondere Aktionen, Signierstunden oder Gewinnspiele – Schaut einfach mal wieder bei eurem Lieblingsladen vorbei. Die Liste aller teilnehmenden Locations findet ihr hier: www.gratiscomictag.de/haendlersuche

In diesem Jahr gibt es sieben Hefte speziell für Kids und 27 Publikationen, die sich an ältere Leser*innen richten, erstmals zum Teil sogar mit 64 Seiten! Alle Titel gibt es hier: http://www.gratiscomictag.de/comics/

In Kürze werde ich hier den einen oder anderen Titel kurz vorstellen um euch ein paar Anregungen zu geben!