Hilda – Comics für Kinder

Hilda

Story: Luke Pearson
Zeichnungen: 
Luke Pearson
Originaltitel: Hilda

5 Bände bei Reprodukt 
Großformat | je 36 Seiten | Farbe | 18,00 €

2 Bände bei Reprodukt 
Softcover | je 40 Seiten | Farbe | 13,00 €

13 Folgen auf Netflix
Je 24 Minuten| Staffel 1 – 2018

cover Hilda und der Troll

Hilda ist ein Mädchen. Sie hat blaue Haare, ist unerschrocken, neugierig und immer bereit, sich auf etwas Unerwartetes einzulassen. Hilda hat ihren eigenen Willen. Hilda hat einen Hund. Hilda ist also genau die Heldin, die nicht nur Eltern, sondern vor allem Kinder in Geschichten lieben. Luke Pearson ist gelungen, was nur Wenige schaffen wie etwa Astrid Lindgren oder Sven Nordquist: Auch visuell wirkende Hauptfiguren für das Lese- und Seh-alter ab 6 Jahren. Nachdem der Berliner Reprodukt-Verlag in seinem Kindercomic-Programm Hilda schon seit einigen Jahren pflegt und zum Beispiel auch über den Gratis-Comic-Tag 2017 kräftig Werbung macht, ist Hilda jetzt plötzlich der Star vieler Feuilleton-Beiträge denn Netflix hat eine Serie daraus gemacht.

Hilda liebt Tiere und kann sich mit Ihnen verständigen. Sie ist aber auch fähig, die Wesen zu sehen, die andere nicht wahrnehmen: Trolle, Riesen, Wolkenartige und Wassergeister. Sie zeigt keine Angst, sondern ist bereit, die Welt der anderen zu verstehen, sieht die Gefahr, die von den achtlosen Erwachsenen ausgelöst wird und versucht zu vermitteln.

Detail aus Hilda und der Troll

Spielen die ersten beiden Bände noch im Wald und damit in einer der kindlichen Lebenswelt eher fremden Umgebung, müssen Hilda und ihre Mutter danach in die Stadt umziehen und erlauben somit Abenteuer, die aufgrund der bekannteren Umgebung direkt die kindliche Phantasie anregen können.

Pearsons Figuren haben klare Konturen, große Augen und nicht zu viele Details. Emotionen und Geschwindigkeiten werden in einfacher Bildsprache vermittelt so dass auch noch-nicht-Selbstleser gut folgen können. Die Bildaufteilung orientiert sich grundsätzlich am klassischen Raster, hat aber immer wieder ganzseitige Layouts und ist daher sehr abwechslungsreich.

Logo Netflix Hilda

Hier gibt es den Trailer von Netflix.

Die Umsetzung auf Netflix ist gut gelungen, insbesondere wurde die Altersgruppe erfreulicherweise getroffen. Hilda ist noch etwas kantiger und grobflächiger als im Comic, bewegt sich aber nicht so cartoonhaft wie etwa Heidi in der Umsetzung der 80-er Jahre. Der Charme der Geschichten bleibt erhalten und über die filmische Präsentation wird wahrscheinlich sogar ein noch größeres Publikum erreicht. Es bleibt zu hoffen, dass Eltern nicht nur auf die filmische Version setzen, sondern zusätzlich zu dem einen oder anderen Comic greifen, schon allein um den Kindern das Verstehen von gedruckten graphischen Erzählungen beizubringen.

Dazu passt Früchtetee, natürlich ungesüßt.

Abbildungen Hilda und der Troll © 2013 – 2018  Reprodukt

Abbildung Netflix-Logo © 2018 Netflix, Inc.

MOSAIK – Anna, Bella & Caramella – 37/2018

Herausgeber: Klaus D. Schleiter

Autor/Szenario: Jens U. Schubert

Zeichnungen: Jens Fischer
Verlag MOSAIK Steinchen für Steinchen Verlag
Heft KF | 52 Seiten | Farbe | 3,40 €
ISSN: 0323-8857

Mit einem Feuerwerk und einer Tortenschlacht feiert der Ableger der erfolgreichen Mosaik-Reihe mit den Abrafaxen bereits seinen 10. Geburtstag. Comix-online gratuliert herzlich!

Auch in diesem spin-off geht es um drei Zeitreisende, die ihre jeweiligen Charaktereigenschaften einbringen um gemeinsam Abenteuer erfolgreich zu bestehen. Im Gegensatz zur Hauptserie sind es hier aber drei Mädchen – Anna, Bella und Caramella – die für die Unterhaltung ihrer Leserinnen und Leser sorgen. Die Redaktion achtet dabei ausdrücklich darauf, keine Geschlechterklischees zu bedienen und entwirft sowohl die Reisen der Abrafaxe als auch diese hier für die ganze Familie. Trotzdem stehen hier starke Frauen im Mittelpunkt: so hatten zum Beispiel die Nobelpreisträgerin Marie Curie oder die weltweit erste Programmiererin und Mathematikerin Ada Byron schon ihren Auftritt.

Die aktuelle Ausgabe ist Teil des seit der Nummer 35 laufenden Abenteuers in London. Gekonnt werden personenbezogene Elemente der waghalsigen und kein Risiko scheuenden Anna und der organisierenden Bella mit zeitgeschichtlichem Flair vermischt. So gebietet die Ehre den Adligen selbstverständlich etwas Unwahres zu sagen, nicht aber, etwas Wahres möglicherweise zu verschweigen. Eingebettet in ein Fest mit geplantem Feuerwerk und ungeplanter Tortenschlacht versuchen die Heldinnen ihre Zeitkarte wieder zu erlangen und müssen dafür ein hohes Risiko eingehen.

Die Zeichnungen sind dabei sehr detailreich und teilweise karikierend. Die Panele sind immer drei-reihig angeordnet, umfassen aber oft in der horizontalen oder vertikalen Verbindungen und sind daher sehr aufgelockert.

Abgerundet wird das Ganze durch ein Preisrätsel, einen Bericht über den Weg von der ersten Idee bis zur fertigen Seite und die „Wissensbeiträge“ über physikalische und biologische Kenntnisse auf die im Heft angespielt wurde. Dazu gibt es dann noch ein Backrezept für die „einfachste Torte der Welt“ die sich mit dem beigefügten Bastelbogen noch verzieren lässt.

Auch ein Überblick über die Inhalte der letzten 10 Jahre und die Aufteilung der einzelnen Hefte auf die Handlungsbögen fehlt nicht.

Liebevoll, kind- und familiengerecht, ohne Plastikmüll und pädagogisch sinnvoll – eine ernsthafte Alternative zu vielen anderen Magazinen für diese Zielgruppe!

Und was hört und trinkt mensch dazu? Selbstgemachte Limonade und eine Kinderlieder-playlist natürlich.

Abbildungen © 2018 MOSAIK Steinchen für Steinchen Verlag

Knax – Das Comic-Magazin für junge Sparkassenkunden

KNAX 4/2018

Story: Götz Bachmann, Holger Fath, Barbara Behrendt
Zeichnungen: Roberto Freire, Boris Zatko, Franz Gerg

Deutscher Sparkassen Verlag
Heft | 24 Seiten | Farbe | gratis
ISSN: n/a

Mit dem Erscheinen des Heftes 4/2018 möchte ich auf das Comic-Magazin für junge Sparkassenkunden KNAX aufmerksam machen.

Schon seit 1974 erleben die KNAXianer und die mit ihnen im Clinch liegenden Felsensteiner alle zwei Monate ihre Abenteuer auf einer Insel ohne Einflüsse von außen. Damit handelt es sich um eine der am längsten laufenden Werbecomicserien in Deutschland und kann eine beachtliche Liste von kreativen Mitwirkenden verzeichnen. Den Anfang machte Peter Wiechmann und der Kauka-Verlag produzierte die ersten Ausgaben. Ein paar Jahre durfte dann Comicon ran bevor Kipkacomics im Jahr 1988 übernahmen. Fred Kipka hat sicherlich den längsten Run in dieser Sache, da er 20 Jahre lang alle Geschichten verfasste. Seit Sommer 2004 werden die Texte von einem Team um Götz Bachmann und das Artwork vom Studio R. (Roberto) Freire verfasst. Dabei hat sich der Coverschriftzug im Laufe der Jahre immer wieder verändert wie die folgenden Beispiele belegen:

    

Neben dem regulären Heft gibt es einen jährlichen Kalender, der teilweise einen Bastelbogen für einen Jahressammler enthält, und diverse Sonderausgaben. Die Hefte enthalten neben drei Comics auch redaktionelle Inhalte, eine Leserbriefseite und Gewinnspiele. Um die Figuren herum gibt es eine Internetseite und viele regionale KNAX-clubs der Sparkassen. Die Sparkassen benutzen das Figurenensemble auch zu Werbezwecken auf Hüpfburgen und zu besonderen Anlässen wie den Weltspartagen.

Thematisch relativ simpel versuchen die faulen Felsensteiner den KNAXianern Geld, Essen oder andere Errungenschaften abzunehmen, scheitern dabei aber immer wieder an ihrem eigenen Unvermögen. Wurde anfangs noch versucht, den jungen potentiellen Kunden den Geldkreislauf nahezubringen, sind die aktuellen Geschichten frei von erklärenden Ansprüchen. Nur die Botschaft, dass sich Arbeit immer lohnt und die Trickserei nie, ist ständig vorhanden.

Zeichnerisch sind die Geschichten auf einem für Werbecomics relativ hohen Niveau.

 

Die aktuelle Ausgabe ist thematisch jahreszeitenbedingt urlaubsorientiert. Cover, Hauptgeschichte und Gewinnspiel handeln von Ferien am Meer und zur Stärkung des Brandings bietet das KNAX-Heft zwei Motive in Postkartengröße, die ausgeschnitten und auf Postkarten geklebt werden können (old school :-)).

In der ersten Geschichte müssen Didi und Dodo einen Sandburgenwettbewerb gegen die Felsensteiner bestehen. Zielgruppengerecht wir wieder einmal bewiesen, dass Übereifer, Überheblichkeit und vor allem der Einsatz von unfairen Mitteln sich nicht auszahlt.

Die zweite Geschichte erzählt sehr liebevoll von einem typischen Männerplan eines Tages in der „Wildnis“ der etwas anders verläuft als geplant. Im Gegensatz zu Geschichten aus dem Land des neuen Weltmeisters überleben hier zwar alle Wildschweine. Sie müssen allerdings trotzdem unfreiwillig ihre Position räumen. Ihre Mimik vermag dabei zu überzeugen und ist sehr detailliert dargestellt.

Der One-pager, der traditionell das Heft beschließt, ist die eintausendste Wiederholung eines klassischen Gags, aber ebenfalls nett dargestellt.

Die Zeichnungen, insbesondere die Mundpartien, sind natürlich keine Super-Leistung. Angesichts der Laufzeit dieser Serie und des eingegrenzten Settings ist es aber trotzdem beachtenswert, dass dem Kreativteam immer neue Wendungen einfallen und allzu offensichtliche Wiederholungen unterbleiben.

Das Heft gibt es nur in Sparkassenfilialen für junge Kund*inn*en.

Dazu passt eigentlich nur ein Getränk: Capri-Sonne! Und der Soundtrack dazu? „Pack die Badehose ein…“

Ich wünsche allen einen schönen Urlaub!

Abbildungen © 2018 Deutscher Sparkassen Verlag

Jost, Culliford / De Coninck, Diaz: Die Schlümpfe 34: Die Schlümpfe und der Flaschengeist

Die Schlümpfe 34: Die Schlümpfe und der Flaschengeist

Story: Alain Jost und Thierry Culliford
Zeichnungen: Jeroen De Coninck und Miguel Diaz

Splitter Verlag – Toonfish
Hardcover | 48 Seiten | Farbe | 12.95 €
ISBN: 978-3-95839-905-1

Diese Rezension wartet schon ein wenig auf ihre Veröffentlichung. Mittlerweile ist bereits das 36. Abenteuer der Schlümpfe im Splitter-Imprint toonfish erschienen. Damit bleibt die deutsche Veröffentlichung nahe am Original und der geneigte Leser kann tatsächlich alle Bände auf Deutsch in einheitlicher Ausstattung genießen.

Die Schlümpfe gehören dabei zu den bekanntesten Figuren der Welt. Neben den Comics von Peyo gab es schon sehr früh extrem viel Merchandise der blauen Wichtel, mehrere Zeichentrickserien von Dupuis bzw. dem Studio Hanna-Barbera und mittlerweile immerhin drei „Realfilme“, die zu internationalen Blockbustern geworden sind. Sie haben sich dabei seit ihrem ersten Auftritt 1958 als Nebenfiguren in Johann und Pfiffikus zu absoluten Helden gewandelt. Zudem sind sie auch musikalisch sehr erfolgreich vermarktet worden, wenn auch zugegebenermaßen nicht jeder Geschmack damit getroffen wurde. International findet man sie unter den Trademarks „Smurfs“ oder „Schtroumpfs“.

Die Comics sind glücklicherweise durch diesen ganzen Ruhm nicht wesentlich anders geworden. Noch immer stehen die Alltagsprobleme der 100 Schlümpfe samt der später dazu gestoßenen Schlumpfine mit sich selbst und vor allem mit dem bösen Zauberer Gargamel im Mittelpunkt der Geschichten. Jeder der Schlümpfe hat dabei bestimmte Eigenschaften die sein Verhalten und seine Wünsche bestimmen und die meistens schon durch den Namen ausgedrückt werden. Im Mittelpunkt dieses Abenteuers stehen neben Schlumpfine, die als Archetyp aller positiven wie negativen Klischees die Frauenrolle bedient, Hefty und Schlaubi. Während ersterer ausgestattet mit Herz-Tattoo und Muskelkraft eher für die einfachen Lösungen zuständig ist, stellt der einzige bebrillte Schlumpf den Schlauberger dar, der jede Regel kennt, aber auch nicht eine davon brechen würde.

Beide zusammen entdecken eine Amphore im Bach, bergen und öffnen sie und stellen fest, dass diese scheinbar nur Kiesel enthält. Die zurückgelassene Amphore wird dann später von Gargamel gefunden. Tatsächlich waren in ihr aber auch zwei Dschinns, die nun ihren jeweiligen Befreiern dienen müssen. Was zunächst nach einem außerordentlichen Glücksfall aussieht, entpuppt sich als deutlich komplizierter, denn sosehr sich Agenoir und Adenior, so die Namen der Dschinn-Zwillinge, auch bemühen, ein funktionierendes Ergebnis entsteht nur dann wenn sich Schlaubi, Hefty und Gargamel gleichzeitig und ernsthaft dasselbe wünschen.

Bis die Schlümpfe gemerkt haben, dass eine Kooperation der beiden Antagonisten notwendig ist, hat der Dschinn, der im Schlumpfdorf untergekommen ist, bereits ebenso viel Unruhe gestiftet wie sein Zwilling in Gargamels Hütte. Und ebenso selbstverständlich ist das Spektrum der Wünsche der Schlümpfe vollständig inkompatibel mit dem des bösen Zauberers. Aber es bleibt ihnen allen nichts anderes übrig als zu kooperieren und nebenbei zu versuchen, die jeweils andere Seite auszutricksen. Die beiden Autoren bedienen sich dabei munter der klassischen Sagenwelt so dass der erwachsene und mitteleuropäisch sozialisierte Leser das Ergebnis bereits kennt und umso mehr Freude an der Herleitung hat!

In heutigen Zeiten ist man vielleicht versucht, in die Notwendigkeit zur Kooperation völlig unterschiedlicher kultureller Ansätze etwas hinein zu interpretieren, doch dieser Comic will einfach nur gut unterhalten ohne zu belehren (Naja, vielleicht ein bisschen, denn Eigennutz zahlt sich halt nie aus) oder Statements abzugeben. Genau das entspricht aber auch der Erwartungshaltung des Publikums seit fast 60 Jahren!

In einem zweiten Handlungsstrang geht es ebenfalls um ein Dauerthema, nämlich Eifersucht! Weil Schlumpfine sich um die beiden Dschinns kümmert, befürchten sofort einige Schlümpfe nicht mehr beachtet zu werden und fühlen sich vernachlässigt. Sie schlüpft dabei fast in eine Mutterrolle und steht dadurch Papa Schlumpf in seiner Verantwortung für alle an der Seite. Die anderen geraten dadurch natürlich in eine noch stärkere Kinderrolle, die für einiges Wiedererkennen sorgt :-).

Was man der Reihe absolut zu Gute halten muss, ist, dass sie nicht wie andere ähnliche Konzepte in den 50ern und 60ern stecken geblieben ist, sondern immer wieder neu Themen für sich gefunden hat, die auch die aktuelle Kindergeneration ansprechen. Selbst die allerersten Abenteuer sind dabei so zeitlos, dass sie immer noch funktionieren und nicht wie beispielsweise Jo, Jette und Jocko nur noch dokumentarischen Reiz haben.

Klassische vier Panelreihen als Grundlayout werden immer mal wieder durchbrochen. Obwohl die Figuren und die Farbgebung moderat modernisiert worden sind, unterscheiden sich die aktuellen Schlümpfe immer noch nur wenig von den Originalen und verbreiten den gleichen Charme wie früher. Einzig das Cover ist deutlich moderner und spricht die aktuelle Käufergruppe an ohne die alten Hasen zu verschrecken.

Nebenbei sei erwähnt, dass toonfish nicht nur die Alben der Schlümpfe sondern auch die Kurzgeschichten und verschiedene thematisch orientierte Zusammenstellungen veröffentlich hat. Die ebenfalls von Peyo stammenden und später fortgesetzten „Urväter“ Johann und Pfiffikus liegen in einer vorbildlichen Gesamtausgabe vor und auch Benni Bärenstark wurde mittlerweile in 14 Alben komplett veröffentlicht.

Wie gewohnt nun die Frage, welche Musik und welches Getraänk den Lesegenuss abrundet: Dazu passt „Vader Abraham“? Nein, nicht wirklich. Eher etwas chillige Lounge-Musik und natürlich ein Sarsaparilla-Cocktail! Da dieser etwas schwierig zu bekommen sein dürfte, geht auch etwas mit Himbeeren (eisgekühlt!) und Minze.

Abbildungen © 2016 Splitter