All Verlag – Das Programm 2022 Teil 1

Ansgar Lüttgenau zum Programm des All Verlag für das erste Halbjahr 2022

Der All Verlag hat mehr und mehr Serien im Programm, die früher im ZACK gelaufen sind. Man darf aber keinesfalls den Fehler machen, den Verlag auf die Titel für die Generation ZACK zu reduzieren. Im kommenden Jahr wird Ansgar Lüttgenau den Ausstoß seines Verlages noch einmal signifikant erhöhen. Wie mittlerweile üblich habe ich mit dem Verleger ein Gespräch geführt und ihm ein paar Aussagen zu den dreiundzwanzig neuen Titeln entlockt!

Neues für die Fans des alten ZACK

c-o: Hallo Ansgar! Wie immer um die Weihnachtszeit unterhalten wir uns über das Programm für die nächsten 6 Monate. Der All Verlag steht für eine Titelauswahl, die ZACK-Aficionados glücklich macht. Auch 2022 baust Du mit Kasimir und der ZACK-Chronik dieses Segment sogar noch aus. Ich gehe davon aus, dass Du eine gute Vorstellung davon hast, was der Markt bzw. das Budget deiner Kund*innen hergibt.

AL: Also wir machen keine Marktforschung, wenn du das meinst. Ich gehe da erstmal nach meinem persönlichen Geschmack und überlege mir dann im zweiten Schritt, ob man das dann auch verkaufen kann. Meistens passt das, aber manchmal liege ich natürlich auch daneben. Das darf allerdings nicht zu oft passieren, sonst hat der Verlag irgendwann ein Problem. Bisher haben die ausgewählten Titel aber fast immer zumindest die Kosten wieder eingespielt. Wobei meine Arbeitskraft nicht mit in die Berechnung eingeht.

Die Chronik

c-o: Was genau wird die ZACK-Chronik beinhalten?

AL:  Bernd Weckwert, der als Herausgeber für das Buch verantwortlich ist, hat unter anderem zu jedem Heft einen kleinen Text zu Besonderheiten und Wissenswertem verfasst. Natürlich werden alle Cover der Hefte (auch Auslandsversionen), Alben und Taschenbücher abgedruckt. Aber auch (fast) alle Zack Clubartikel, der Zack Dummy von Gigi Spina, Cover von geplanten aber nicht mehr realisierten Alben usw. usw.

Cover ZACK-Chronik

Hier schonmal eine grobe Inhaltsübersicht:

Vorgeschichte Der frankobelgische Comic in Deutschland bis 1972
Die Zeit der Vorbereitungen 1971/Anfang 1972
Cover Zack Magazin Für jeden Jahrgang eine kurze zweiseitige Einführung und ein Text zu jedem Heft
Cover Zack Alben
Zack Taschenbücher
Zack Zeitung/Zack Club
Zack-Merchandise
Galerie der Zack Poster
Die Zeit nach Einstellung von Zack in Deutschland
Die Zeit danach in Frankreich/Belgien und anderen Ländern
Verlagspolitik
Zack in der Außenwahrnehmung
Eigenproduktionen
Serienindex und Texter-/Zeichnerindex                     

c-o: Bruno Brazil, Dani Futuro, Luc Orient, Bob Morane und Pharao werden fortgesetzt – sind alle Titel bereits auf Deutsch erschienen oder sind auch hier wieder Erstausgaben dabei?

AL:  Bei Bruno Brazil sind zum einen die Skriptseiten der abgebrochenen Story „Die rote Kette“ in deutscher Übersetzung enthalten und zum anderen 1 Seite aus einem Jam-Comic die eine deutsche Erstveröffentlichung ist. Ansonsten ist der Inhalt bis auf den redaktionellen Teil identisch mit der Egmont Ausgabe. Bei Bob Morane ist Band 10 eine deutsche Erstveröffentlichung und Dani Futuro auch, aber ich bin mir nicht 100 % sicher.

Die Funny-Offensive

c-o: Mit Spaghetti und Kasimir geht es in Richtung Humor und auch Hägar passt dazu. Schon Valentin bediente diese Richtung ja. Sind diese Titel eher für den Comic-Markt oder für den regulären Buchhandel? Vor allem mit Hägar hast Du ja auch eine neue Langzeitserie gestartet. Das spricht immerhin dafür, dass du noch viel vor hast.

AL: Ich höre ja immer, dass es Funny-Titel in Deutschland so schwer haben. Ich habe diese Erfahrung bisher nicht gemacht. Allerdings mag das auch daran liegen, welche Namen auf dem Cover stehen. Bei Valentin und den neuen Serien Spaghetti und Kasimir ist ja Goscinny der Texter und das garantiert natürlich für eine gewisse Qualität.

Hägar erscheint in mehr als 2000 Zeitungen weltweit. Da ist natürlich auch bei Nicht-Comiclesern eine große Bekanntheit vorhanden. Deshalb wollen wir damit auch in den Buchhandel. Auch Hägar wird es übrigens mit signiertem Exlibris geben. Das ist ja dann vielleicht auch wieder was für den gemeinen Comicliebhaber. Übrigens veröffentlichen wir mit dem Jahrgang 2017 auch das erste Jahr das in der Gesamtausgabe von Egmont nicht mehr erschienen ist.

Cover Hägar Gesamtausgabe 1973

Für Erwachsene …

c-o: Mit Messalina wird dein Programm für Erwachsene fortgesetzt. Wie sind denn die bisherigen Titel gelaufen? Gibt es dafür neben dem Internet überhaupt noch einen Markt?

AL:  Ich habe die Lizenz schon einige Jahre und hab sie immer vor mir hergeschoben, weil ich dafür auch keinen wirklichen Markt mehr gesehen habe. Aber weit gefehlt. Beide Bände sind bis auf eine Handvoll Exemplare vergriffen. Das hat mich dann doch auch selbst überrascht. Deshalb werden wir im zweiten Halbjahr mit einem Sechsteiler eines sehr bekannten spanischen Zeichners nachlegen.

c-o: Mit Gil St. Andre und Malefosse setzt Du konsequent deine Integral-Reihen fort und bietest weiterhin jeweils eine limitierte Vorzugsausgabe an. Andere Verlage beschränken sich hier auf einige Bände der Serie. Gibt es bei langlaufenden Serien tatsächlich genug Käufer*innen für diese Schätzchen?

AL: Das kommt immer auf die Serie an. Mittlerweile gibt es aber einen festen Kundenstamm für diese Ausgaben. Natürlich ist es manchmal nicht so einfach das durchzuziehen, weil es kein geeignetes Bildmaterial gibt oder weil der Künstler vorsichtig gesagt etwas kompliziert ist. Aktuell hatten wir einigen Aufwand mit Loisel, der im Umgang etwas schwierig war und nicht so recht auf unsere Anforderungen eingehen wollte. Schlussendlich hat es dann doch alles funktioniert. Eigentlich wie immer.

Cover Die Wege von Malefosse Gesamtausgabe 5

Tops’n‘Flops

c-o: Da sich die Anzahl der angekündigten Titel deutlich erhöht hat, gehe ich mal davon aus, dass das letzte Jahr trotz COVID erfolgreich gelaufen ist. Magst du den Leser*innen von comix-online verraten, welche Titel besonders gut oder schlecht gelaufen sind?

AL:  Die bestverkauften Titel der letzten 12 Monate waren Hombre 3, Lady S 3, Die erotische Kunst des Wally Wood, Wunderwaffen 10 und Die Erzählungen von Lederstrumpf 2.

c-o: Ich persönlich freue mich vor allem auf Jerry Spring in Farbe. Hast du einen Lieblingstitel im Programm?

AL:  Jerry Spring ist für mich ja schon wieder Vergangenheit. Und selbst das kommende Programm ist eigentlich schon abgehakt. Aber da freue ich mich besonders auf Franka mit 32 Seiten redaktionellem Text in jedem Buch. Ich habe in letzter Zeit häufig mit Henk (Kuijpers, dem Zeichner von Franka) telefoniert und ihn als sehr angenehmen Gesprächspartner kennengelernt, was die Zusammenarbeit nochmal angenehmer macht. Und nicht zu vergessen, er spricht deutsch.

c-o: Vielen Dank für das Gespräch, Ansgar. Bis in sechs Monaten und viel Erfolg!

Das Programm im Überblick

Wie gehabt erscheint zu jedem Titel eine limitierte Vorzugsausgabe. Diese haben teilweise ein anderes Coverbild, immer einen Schutzumschlag und ein limitiertes ExLibris, das teilweise signiert ist. Sie sind auf 111 Exemplare beschränkt. Natürlich wird comix-online das Programm wie gehabt mit Rezensionen begleiten.

Februar 2022 
Bruno Brazil 10Dossier Bruno Brazil
Bruno Brazil 11Sonderband
Dani Futuro 3Iris von Andromeda
Dani Futuro 4Der verfluchte Planet
SpaghettiGesamtausgabe 1
HägarGesamtausgabe 1973 — Cartoon
HägarGesamtausgabe 2017 — Cartoon
März 2022 
Messalina 3Die Hure von Rom
Messalina 4Orgien und Spiele
Luc Orient 11Das Tal des tosenden Wassers
Luc Orient 12Das Kristalltor
Gil St. AndreGesamtausgabe 4
Mai 2022 
Bob Morane 2Die Söhne des Drachen
Bob Morane 10Die Gefangene des gelben Schattens
Kasimir 1Der Taxifahrer
Kasimir 2… und der Supertreibstoff
MalefosseGesamtausgabe 5
Juni 2022 
Jerry Spring 3Silbermond
Jerry Spring 4Waffenschmuggel
Pharao 2Eisiger Verstand
Pharao 3Die Inkarnation von Seth
FrankaGesamtausgabe 1
Die ZACK-Chronik— „Drumherum“

© aller Abbildungen 2022 All Verlag und jeweilige Lizenzgeber

ZEBRA-Sonderband 25

In der Tusche liegt die Wahrheit

Text und Zeichnungen: Rudolph Perez und Georg K. Berres Bill GoGer und Ludwig Kreutzner

ZEBRA (GoGer (at) web.de)

Prestige | 96 Seiten | s/w | 9,00 € |

ZEBRA Sonderband 25 Cover

Wie haben wir es bloß alle geschafft, durch die Pandemie zu kommen? Lange Zeit haben wir uns nicht getraut, diese Frage auch nur zu denken. Mittlerweile hat es so viele Diskussionen um Freedom Days, 2 oder 3 G und Echsenmenschen gegeben, dass ein Ende von Corona/COVID zwar immer noch nicht in Sicht ist, eine Rückkehr zu einem Alltag aber wieder wahrscheinlich. Wir werden also in Kürze die eine oder andere persönliche Aufarbeitung der Zeit sehen und lesen dürfen/müssen und uns fragen, ob es bei uns auch so war.

Ein Gemeinschaftsatelier unter veränderten Bedingungen

Die ZEBRAs publizieren nicht nur manchmal zusammen, sie sitzen auch oft genug gleichzeitig in ihren Gemeinschaftsräumen und arbeiten, diskutieren, streiten, feiern oder hängen zusammen ab. Somit unterscheiden sie sich in nichts Wesentlichem von jeder anderen Bürogemeinschaft. Und natürlich wurde auch ihre Routine gehörig über den Haufen geworfen. Im Gegensatz zu jeder „normalen“ Bürogemeinschaft besitzen die hier im Fokus stehenden aber die Möglichkeit, sich selbst, ihre Eigenarten und ihre Bewältigungsstrategien darzustellen. Das gelingt so gut, dass man sich fast schon eine tägliche Bildfolge wünschen möchte.

ZEBRA Sonderband 25 page 49

Gegenüber den Druckwerken gibt es übrigens mehr Strips und weniger Zeichnungen. Der nun schon 25. ZEBRA-Sonderband ist der Wahrheit gewidmet, die in der Tusche liegt. Diese ist nicht immer nett: Comiczeichner*innen können schon mal an Selbstüberschätzung leiden, eine Schaffenskrise kann zu Verzweiflung führen oder aber auch ungläubige Freude über die Aufnahme in eine Alfonz-Liste verursachen. Auf jeden Fall gibt es aber immer einen Konflikt zu lösen: Warum machen wir das, was wir mache und wer will das eigentlich wissen? Noch schlimmer: Wer will das eigentlich bezahlen?

Ein Handbuch, ein Fundstück und 100% Independent

Eine Antwort auf diese Frage ist natürlich, dass wir alle, Leser*innen und Käufer*innen der ZEBRA-Produktionen, das wissen wollen. Es könnten aber auch noch mehr werden und deshalb gibt es diese Rezension! Für alle, die nicht wissen, was sie suchen, ist dieses Handbuch für Comic-Leser (sic!) schon mal ein Anfang.

detail ZEBRA Sonderband 25 page 12

Rudolph Perez hat seine Mitstreiter Georg K. Berres, Bill GoGer und Ludwig Kreutzner wieder einmal versammelt, um die deutsche Independent-Szene zu erfreuen, mögliche neue Leser*innen zu gewinnen und das zu machen, was comic-Zeichner nun einmal tun: veröffentlichen! Das macht Spaß und ist eine wohltuende Abwechslung zu allem, was hochwichtig daherkommt. Fragt danach in dem Comicladen eures Vertrauens oder bestellt direkt über GoGer (at) web.de.

Dazu passen Attila, the Stockbroker, der im nächsten Jahr sein 40-jähriges Bühnenjubiläum feiern wird, und ein Kölsch.

ZEBRA Sonderband 25 Back-Cover

© der Abbildungen 2021 Rudolph Perez, Georg K. Berres, Bill GoGer und Ludwig Kreutzner

Katzenjammer Kauderwelsch

A Comic-Pionier-Story

Ein Film von Martina Fluck / YUCCA Filmproduktion

Uraufführung 3. November 2019, ab 2020 in den Kinos

Dauer 1:25

Film auf DVD plus Hardcover (64 Seiten)

ISBN: 978-3-96234-038-4 | 20,00 €

Cover Katzenjammer Kauderwelsch

Dies ist in gewisser Weise eine Premiere auf comix-online: Ich habe zwar schon mal einen Artikel verfasst über eine Fernsehserie nach einem Comic aber noch nie über einen eigenständigen Film! Tada! Katzenjammer Kauderwelsch führt uns zurück zu den Anfängen des Comic-Strips, zu den norddeutschen Wurzeln zweier Comic-Pioniere und ihrer Zielgruppe der deutschen Einwanderer. Nach einigen Vorführungen auf Festivals und einer Corona-bedingt eingeschränkten Kino-Präsenz ist er nun als Video für alle erhältlich.

Die Dirks-Brüder

Der Film von Martina Fluck ist als Dokumentarfilm eine sehr persönliche Annäherung eines Comic-Zeichners – Tim Eckhorst – an die Gebrüder Dirks. Basis des Ganzen ist die gemeinsame Geburtstadt, denn die beiden Brüder waren als Kinder in sehr frühem Alter mit ihren Eltern aus Heide in Schleswig-Holstein in die USA ausgewandert. Rudolph Dirks startete bereits 1897 mit einem Strip für Randolph Hearst, den Katzenjammer Kids und war damit unter den Pionieren der neuen, erfolgreichen und auch einträglichen Kunstform. Mehr zu der Geschichte der Zeitungsstrips in der Reddition 71.

Detail Cover Katzenjammer Kauderwelsch

Die Kids erzählten Geschichten über die Streiche zweier kleiner Jungen namens Hans und Fritz, die im Regelfall mit einer Tracht Prügel von Mama oder dem Captain endeten. Ein gewisser Einfluss von Max und Moritz ist dabei sicherlich nicht zu verkennen. Die Sprache der Akteure war eine Mischung aus Deutsch und Englisch und damit sehr nah an dem Mischmasch der deutschen Einwanderer, für Amerikaner aber immer noch gut verständlich. Dirks arbeitete bereits mit noch heute benutzten Elementen des Comics; Symbole anstelle von Worten, Lautworte und Bewegungslinien gehörten zu seinem Repertoire. Inhaltlich führte er wahrscheinlich die erste Patchworkfamilie ein, denn der Captain ist nicht der Vater der Jungen.

Es kommt zu einem im Film nachvollziehbar nachgestellten Konflikt. Rudolph Dirks möchte seine Serie für ein Jahr unterbrechen, möglicherweise auch einfach nur (noch) mehr Geld dafür bekommen. Jedenfalls kommt es zu einem Rechtsstreit in dem Hearst das Recht an dem Strip und seinem Titel, Dirks das Recht an den Figuren unter einem neuen Titel zugesprochen werden. 2006 ist dann Schluss für die Katzenjammer Kids, der zweite Dirks-Strip unter dem neuen Titel The Captain and the Kids war bereits 1979 eingestellt worden.

Gus (Gustav) Dirks war der jüngere Bruder. Da er nicht für eine lokal begrenzte Zeitung arbeitete, sondern für überregionale Zeitschriften war er aber auch der Bekanntere und Erfolgreichere. Sein Selbstmord mit 24 Jahren war eine landesweite Schlagzeile. Bekannt wurde er mit Tiergeschichten, bzw. der Vermenschlichung von Tieren. Und auch diese Anfänge haben mittlerweile eine lange Tradition.

Detail Cover Katzenjammer Kauderwelsch Gus

Der Film

Alle diese Inhalte werden von Tim Eckhorst im Film sowohl durch „Live“-Zeichnungen als auch durch Originale und Interviews verdeutlicht. Wir begleiten den Künstler aus Heide auf seinen Streifzügen durch New York und die Künstlerkolonie Ogunquit, besuchen Verwandte und den letzten Zeichner der Katzenjammer Kids und PopeyHy Eisman – und erfahren somit quasi in Echtzeit Stück für Stück das Leben und die Herausforderungen der beiden Ausnahmekünstler.

Die Regisseurin nimmt sich Zeit und lässt ihren Helden in eigenen Erinnerungen schwelgen oder über die potenzielle Lautmalerei von Krankenwagensirenen in New Yorker Baum-Zeichnungen sinnieren. Sie entschleunigt damit die heutige Welt, um Zeit zu haben für die persönliche Annäherung und das Begreifen der Persönlichkeiten. Die Zuschauer*innen bemerken dadurch gar nicht sofort, wieviel Information wirklich mitgeteilt wird und wieviel kenntnisreicher sie am Ende des Films seien werden.

Detail Cover Katzenjammer Kauderwelsch Dirks

Das Begleitbuch

Es wäre aber nicht genug, nur den Film zu sehen. Das Begleitbuch zum Film fasst wesentliche Kernpunkte zum Nachlesen zusammen und sichert dadurch ein wenig Nachhaltigkeit. Für mich besonders auffällig ist die Verknüpfung der grafischen Gestaltung mit den Inhalten. Der an Holzschnitte erinnernde Zeichenstil Tim Eckhorsts wird einerseits für Porträts der gerade vorgestellten Personen benutzt, dient aber auch der Darstellung der Umgebung oder prägender Szenen. Diese Illustrationen schaffen damit eine Verbindung über die Jahrhunderte von der Überschiffung aus Heide/Holstein in die USA 1884 über die Erfolge der Strips der Dirks-Brüder bis hin zu den Ausführungen des letzten Zeichners der Katzenjammer Kids – Hy Eisman.

Diese Zeichnungen schaffen aber auch die Verbindung zu dem Film, denn dort werden sie gemalt. Das Büchlein schafft es also, die Erinnerungen an die Inhalte an bekannte Elemente – die Zeichnungen – zu knüpfen und damit hoffentlich zu verstetigen.

Detail Cover Katzenjammer Kauderwelsch Rechtstreit

Warum man dieses Video haben sollte

Einerseits sollte sich jede*r Comicinteressierte über gut gemachte Sekundärliteratur freuen. Ein mehr an Wissen über die Herkunft und Geschichte der Künstler, die künstlerischen Methoden und die Rezeptionsgeschichte vergrößern den Genuss der Werke ungemein. Insbesondere natürlich dann, wenn auch dieses Wissen in einer tollen Form dargeboten wird. Dieses Werk ist ein wenig anders, denn das Wissen befindet sich nicht zwischen zwei Buchdeckeln, sondern liegt als Film vor. Das ist zwar nicht einzigartig aber doch Besonders und sollte auch angenommen werden.

Meine Empfehlung für einen der kommenden Abende an denen ihr aufgrund der Ausgangs- und Kontaktsperre sowieso zuhause seid! Dazu passen dann ein leicht gekühlter leichter Frühlingswein und natürlich ausnahmsweise mal keine Musik! Hier geht es zum Trailer.

© der Abbildungen 2019/2020 Yucca Filmproduktion / Ch. A. Bachmann Verlag / Tim Eckhorst sowie die jeweiligen Urheber der Abbildung

Reddition 71 – Zeitungscomics in Deutschland

Reddition 71 – Juli 2020

Herausgeber: Volker Hamann
Verlag Volker Hamann, Edition Alfons
Heft Din A 4 | 84 Seiten | Farbe | 12,00 €
ISSN: n/a

Es ist ein paar Monate her seit die letzte Reddition erschienen ist. Das Warten hat sich aber gelohnt denn Volker Hamann und Team haben wieder einmal einen Bereich von Grund auf erschlossen! Das Thema der aktuellen Ausgabe sind Zeitungscomics in Deutschland, also eine alltägliche Begegnung für die meisten von uns.

Die Tradition der Strips begann in den Zeitungen

Während Comics in Heft- und Albenform immer noch ein wenig mit dem Vorurteil zu kämpfen haben, doch eigentlich nur Kinderkram wenn nicht gar Schund zu sein, sind Strips in Zeitungen als Mittel der Kund*innenbindung akzeptiert und haben eine lange Tradition. Über die Ursprünge in den Vereinigten Staaten mit den Kampf zwischen Pulitzer und Hearst ist schon viel geschrieben worden und so verzichtet Michael Hein glücklicherweise darauf, alles zu wiederholen. Sein einführender Essay enthält genau die richtige Menge an Information um die Alleswisser nicht zu langweilen, den Einsteigern aber ein gutes Gerüst für den Rest des Dossiers zu bieten.

Der Fokus liegt auf der Entwicklung in Deutschland und so werden in einer guten Mischung einerseits Serien vorgestellt die hier eine gewisse Relevanz gehabt haben oder hatten. Es gibt daher Artikel etwa zu The Phantom (Empfehlung für alle, die zu wenig Zeit haben um alles zu lesen!) von Bernd Frenz, Rip Korby (sic!, so hieß der Gute hier) Modesty Blaise aber auch zu den Peanuts, Hägar oder Zits.

Etwas allgemeiner gehalten sind dagegen die Beiträge zu James Bond, Star Wars, Star Trek oder Doonesbury, die eher auf die Serien an sich eingehen. Natürlich dürfen auch Ausflüge in die europäischen Serien nicht fehlen und so finden sich auch die Vandersteen-Serien (Suske & Wiske, Bessy), Petzi und Tim und Struppi sowie die unvergesslichen Munins in diesem Heft.

Wie kommen die Folgen in meine Zeitung?

Was wäre ein Dossier zu Zeitungscomics ohne Artikel zu den Vertreibern der Strips? Nichts, genau! Deshalb werden auch Bulls Pressedienst und das presse-illustrations-büro vorgestellt. Zu ersterem gibt es sogar drei Artikel die sich verschiedenen Aspekten widmen. In einem Interview erläutert Markus Schindler von Bulls das Geschäft, das längst nicht mehr auf gedruckte Strips beschränkt ist.

Ich gehöre zu den glücklichen Lesern die noch Strips geboten bekommen: täglich Hägar und Magnus, montags zusätzlich die Schlümpfe und am Samstag Sherman’s Lagoon.Nicht die beste Auswahl aber immerhin. Was ist euer Favorit? Hinterlasst gerne einen Kommentar.

Die Reddition beweist erneut, dass das aktuelle Team sich in eine Vielzahl von Themen nicht nur einarbeiten kann sondern es auch schafft, das Ganze ansprechend und lesbar zu präsentieren. Hut ab! Ich bleibe bei meiner Meinung, dass es im deutschsprachigen Bereich keine andere regelmäßige Sekundärpublikation mit der Reddition aufnehmen kann.

Ein einziger Wermutstropfen sei zum Schluss dann doch noch vermerkt: Während des Lesens möchte zumindest ich immer wieder mehr Originalmaterial sehen/lesen. Zwar ist schon begleitend das eine oder andere abgedruckt, einen wirklichen Eindruck kann man damit aber nicht gewinnen. Wie schön wäre es, einen abgestimmten Reader zu haben der zu jedem Artikel 5-6 Seiten Beispiele präsentieren würde. Dass das Ganze weder betriebswirtschaftlich zu kalkulieren wäre noch der Aufwand für die ganzen Rechte in einem angemessenen Verhältnis stehen dürfte ist mir klar. Schön wäre es trotzdem.

Nur für Abonnenten gibt es wenigstens einen kleinen Schmankerl: Eine als Poster aufgezogene Sonntagsseite und einen Artikel über die Comic-Produktion aus dem Jahr 1950.

Dazu passen ein Indian Summer aus dem MalzKultWerk und The Slackers mit traditionellem Ska!

© der Abbildungen Verlag Volker Hamann, Edition Alfons 2020 und die Autoren