Besuch der Moebius-Ausstellung in Brühl

MOEBIUS – Surreale Comicwelten

Wann: 15. September 2019 bis 16. Februar 2020 (montags
geschlossen)

Wo: Max Ernst Museum Brühl des LVR, Comesstraße 42/Max-Ernst-Allee 1, 50321 Brühl

Eintritt: 10,50 €, ermäßigt 6,50 €; Kinder und Jugendliche sowie am letzten Donnerstag jeden Monats Eintritt frei

Porträt Jean Giraud, 2010, Foto: Isabelle Giraud © 2019 Mœbius Production

Moebius, so das Pseudonym des Zeichners und Szenaristen Jean Henri Gaston Giraud für die Science-Fiction orientierte Hälfte seines Schaffens, wird in einer großen Ausstellung im Max-Ernst-Museum Brühl des LVR gewürdigt. Moebius ist Wegbereiter, Pionier und Meister des modernen französischen Erwachsenencomics zugleich und hat Psychologie, Architektur, (Natur-)Religionen und Avantgarde in den Comic gebracht als der große Bruch erfolgte zwischen den klassischen, religiös geprägten Magazinen Tintin und Spirou auf der einen und Pilote und Metal Hurlant auf der anderen Seite.

Die Location ist durchaus passend gewählt, war doch Max Ernst als Expressionist, Dadaist und Surrealist ebenfalls immer auf der Suche nach neuen, noch besseren Ausdrucksmöglichkeiten. Für 10,50€ können beide Ausstellungen besucht werden. Der Keller ist dabei dem jüngeren gewidmet: Eine große, etwas unterteilte Fläche ermöglicht die Präsentation von verschiedenen Aspekten des Schaffens in Originalen oder vergrößerten Abbildungen der Zeichnungen.

Die Exponate

Besonders heraus stechen die großformatigen Bilder, die mit Hilfe eines kostenlosen WLANs und einer ebenfalls kostenlosen App namens Artivive animiert werden. Diese Augmented Reality passt zu dem Science-Fiction Sujet perfekt und macht zudem Spaß. Überall stehen Betrachter*innen, die auf ihr Smartphone starren… Da sich die Sequenzen teilen lassen, haben auch die zuhause gebliebenen Freunde und Verwandten etwas von der Ausstellung – ein großes Plus!

Dabei ist die Aufteilung der einzelnen Räume sehr durchdacht; acht Themenbereiche bieten einen Einblick in die verschiedenen Themenspektren, die jeweils von einem oder zwei Zitaten begleitet werden. Sie zeigen etwa in den Bereichen „Spiritualität und Alchemie“ oder „Abstraktionen“ das Moebius mehr ist als „nur“ ein Comiczeichner und nicht nur der Subgattung der Neunten Kunst, sondern der gesamten Kunst neue Aspekte hinzugefügt hat.

In „Der doppelte Mensch“ setzt sich Giraud mit der Schizophrenie auseinander. Seiner Meinung nach ist sie ein sehr menschlicher, positiver Zustand, der hilft zu überleben. Sie werde allerdings erst dann als Schizophrenie benannt, wenn sie beginne zu entgleisen. Diese Haltung wird in den gezeigten Werken, insbesondere in der Kampfszene deutlich. Aber auch hier gilt: Ohne Katalog oder Vorwissen eigentlich unverständlich. Trotzdem ist dieser Teil für mich der beeindruckendste, vielleicht weil er soviel persönliches beinhaltet und für jede*n Betrachter*in nachvollziehbar ist.

Die Präsentation

Wie so oft in Deutschland ist die Präsentation ansonsten aber nur etwas für Profis. Wer sich mit dem Thema und dem Künstler auskennt, wird den Besuch genießen: Viele Originale hängen an den Wänden und sind auch tatsächlich aus geringer Distanz betrachtbar. Informationen oder gar eine Erklärung, warum eben dieser Moebius so berühmt geworden ist, welche Techniken, Themen oder Gedanken er in den modernen französischen/europäischen Comic eingebracht hat (oder gar, wie der Comic vorher ausgesehen hat), fehlen vollkommen und auch das eine Bild mit der Abbildung von Mike S. Blueberry erklärt nicht wirklich den Unterschied zwischen Gir und Moebius

Dazu kommt die Tatsache, dass Max Ernst zwar in Brühl geboren worden ist, wesentliche Teile seines Lebens aber in den USA und Frankreich verbracht hat. Dementsprechend sind die Texte zu seiner Ausstellung auch dreisprachig. Solche Übersetzungen der Texte des französischen Künstlers aus dem Original der Abbildungen ins Deutsche oder aber der deutschen Zitate in Englische/Französische vermisst man leider im Keller bei der Moebius gewidmeten. Auch wenn Europa immer mehr zusammenwächst, der gegenseitige Museumsbesuch außerhalb von Großstädten scheint weiterhin nicht vorgesehen zu sein.

Es werden aber einige Veranstaltungen und Führungen angeboten; das Programm ist unter der Seite des Museums abrufbar.

Das Drumherum

Wer übrigens vor oder nach dem Kunstgenuss ein Getränk oder eine Speise zu sich nehmen möchte sollte tunlichst auch bei Starkregen ein paar Schritte in Richtung Bahnhof gehen und dort einkehren! Dort ist man in der Lage, auch bei größerem Andrang schnell und freundlich qualitativ hochwertige Produkte feilzubieten.

Fazit: Die Moebius-Schau sollte man als Fan von modernem europäischem Comic auf jeden Fall gesehen haben. Die Mitnahme eines/einer Gelegenheitskonsument*in erfordert aber eine eigene hohe Erklärungs- und Vermittlungsbereitschaft oder die Investition in einen Katalog (vor dem Verlassen). Dieser ist mit fast 50€ aber nicht billig. Eine Besprechung erfolgt in Kürze.

Mœbius, Trait de génie: Giraud-Moebius, 2000, Tusche und Aquarell auf Papier, 24 x 32 cm © 2019 Mœbius Production

Dazu passen ein aktuell im Ausschank befindliches Oktoberfestbier (s.o.) und Musik von Charles Mingus.

© der Abbildungen 2019 Mœbius Production.

Fotos der Ausstellung: © 2019 Sven Krantz-Knutzen

Preisträger 2019

Auch 2019 gibt es wieder eine Übersicht mit ausgewählten Comicawards aus diesem Jahr. Natürlich gibt es noch viel mehr. Wenn ihr einen bestimmten Preis in dieser Übersicht vermissen solltet, nutzt doch bitte die Kommentarfunktion.

Festival International de la Bande Dessinée Angoulême

Stripshap Prijzen

ICOM Independent Comic Preis

Eisner Awards

Was Machine Learning mit Krazy Kat zu tun hat

Krazy Kat ist ein Comic aus der Frühzeit der Zeitungsstrips von George Herriman. Er erschien von 1913 bis 1944 in den Zeitungen des Hearst-Gruppe und gehört aufgrund seines anarchistischen Humors und seines surrealistischen Stils zu den Lieblingen des Feuilletons, war zu seiner Zeit allerdings nicht unbedingt extrem erfolgreich. Dementsprechend unvollständig ist die Liste der erhaltenen Bildfolgen.

Joel Franusic hat es sich zur Aufgabe gemacht, bisher unbekannte Veröffentlichungen dieses Strips mit Hilfe von Machine Learning ausfindig zu machen und der Öffentlichkeit sowohl seinen Weg (inclusive Code) als auch die Fundstücke anzubieten.

Der Artikel lohnt sich schon alleine wegen des Praxisbeispiels, wie viel menschliche Arbeit hinter der künstlichen Intelligenz steckt, die dann allerdings die Fleißarbeit verrichtet, die ansonsten unbezahlbar wäre.

Asterix 38: Die Tochter des Vercingetorix

Der neue Asterix ist am 24. Oktober erschienen – Besprechung hier

Ein Satz vorweg: Mir gefällt der neue Band gut!

vorläufiges Cover Asterix 38

© ASTERIX®- OBELIX®- IDEFIX® / © 2019 LES EDITIONS ALBERT RENE

Beim Teutates! Der Titel des 38. Asterix-Albums offenbart ein lang gehütetes Geheimnis:

Vercingetorix, der Häuptling aller gallischen Häuptlinge, hatte eine Tochter!

Am 24. Oktober 2019 kreuzen sich die Wege des Mädchens und die unserer gallischen Helden.

DAS ALBUM

Vor 60 Jahren lieferten Albert Uderzo und René Goscinny ihren ersten Geniestreich ab: Asterix der Gallier! Nun, pünktlich zum Jubiläum meldet sich der unbeugsame Held mit einem neuen Abenteuer zurück! Nach den Strapazen ihrer letzten Reise hätten sich Asterix und Obelix gewünscht, die Ruhe im beschaulichen Aremorica zu genießen. Doch daraus wird leider nichts!

Ein geheimnisvolles Mädchen kommt ins Dorf, begleitet von zwei Arverner-Häuptlingen.

Die Drei sind auf der Flucht vor Julius Cäsar und seinen Legionären, und das aus gutem Grund: Im Dorf munkelt man, dass der Vater des jungen Mädchens kein Geringerer sei als Vercingetorix, der große Arvernerhäuptling, der einst bei Alesia von Julius Cäsar geschlagen wurde!

Am 24. Oktober erscheint in mehr als 20 Sprachen und mit einer Startauflage von über 5 Millionen Exemplaren das neue Abenteuer von Asterix und Obelix mit dem Titel Die Tochter des Vercingetorix. Es ist das vierte Album aus der Feder des Duos Jean-Yves Ferri und Didier Conrad.

Szene aus Asterix 38

„WESSEN TOCHTER??“

„Soweit wir wissen, ist die junge Dame ein Teenager in der rebellischen Phase”, verraten die Autoren.

„Als Tochter des legendären Vercingetorix hat man es schließlich nicht leicht!”

„Wir mussten sehr viele Nachforschungen anstellen, um herauszufinden, wie sie hieß, wie sie aussah, was für ein Mensch sie war usw. Jeder weiß, dass Vercingetorix sich sehr bedeckt hielt, was sein Privatleben anging. Auch die historischen Quellen geben nicht viel her. Aber wir konnten doch so Manches ans Tageslicht bringen, was für allerhand Überraschungen sorgen dürfte!”

Comix-online wird euch auf dem Laufenden halten!

© ASTERIX®- OBELIX®- IDEFIX® / © 2019 LES EDITIONS ALBERT RENE 

Am 11. Mai 2019 ist Gratis Comic Tag

Header GCT

Am zweiten Samstag im Mai freuen sich Comic-Liebhaber*innen in Deutschland besonders, denn an diesem Tag gibt es Geschenke! Schon zum 10. Mal findet der Gratis Comic Tag nun statt!

Der deutsche GCT ist eine der größten verlagsübergreifenden Kooperationen der hiesigen Buchbranche. Zahlreiche Verlagshäuser, von den Marktführern bis zur Independent-Schmiede, tun sich auch 2019 zusammen, um die Erfolgsgeschichte fortzuschreiben: 2010: ca. 150 Standorte und 170.000 Hefte; 2015: ca. 230 Standorte und 230.000 Hefte; 2017: ca. 320 Standorte und 380.000 Hefte; 2018: ca. 420 Standorte und 1/2 Million Hefte. 2019 nehmen ca. 450 Standorte teil und die Gesamtauflage hat die Marke von über 600.000 Heften geknackt.

Viele Händler planen an diesem Tag besondere Aktionen, Signierstunden oder Gewinnspiele – Schaut einfach mal wieder bei eurem Lieblingsladen vorbei. Die Liste aller teilnehmenden Locations findet ihr hier: www.gratiscomictag.de/haendlersuche

In diesem Jahr gibt es sieben Hefte speziell für Kids und 27 Publikationen, die sich an ältere Leser*innen richten, erstmals zum Teil sogar mit 64 Seiten! Alle Titel gibt es hier: http://www.gratiscomictag.de/comics/

In Kürze werde ich hier den einen oder anderen Titel kurz vorstellen um euch ein paar Anregungen zu geben!

Moebius-Ausstellung in Brühl

MŒBIUS
15.9.2019 – 16.2.2020
Max Ernst Museum Brühl des LVR

UPDATE: Hier geht es zu der Besprechung der Ausstellung

Das Max Ernst Museum Brühl des LVR zeigt eine Ausstellung mit visionären Bildwelten des bedeutenden französischen Comiczeichners und Szenaristen Jean Giraud (1938-2012), der unter dem Namen »Mœbius« international bekannt geworden ist. Mœbius erforschte die Sphären der Träume und der Science-Fiction. Mit seiner immensen Imaginationskraft schuf er in präziser Strichführung surreale Welten im ständigen Fluss. In seinen Geschichten treffen utopische Architekturen und futuristische, menschenüberfüllte Megametropolen auf Wüstenlandschaften und schamanistische Reisen durch Raum und Zeit.

Bei Mœbius verschwimmen die Genregrenzen zwischen Comicstrip und Kunst. Seine fantastischen Erzählungen werden für den Betrachter dabei zur Seelenreise in das Ich des großen Meisters der Linie und damit in unbekannte Bereiche der Fantasie, die überraschend detailgenau und suggestiv Form annehmen.

Die Ausstellung widmet sich dem umfangreichen Werk von Mœbius und seinen komplexen Bildgeschichten: Ausgehend von seinen Notizbüchern (»Carnets«), in denen er grundlegende Ideen seiner Bildproduktion konzentriert hat, über skizzenhafte Zeichnungen, szenisch gegliederte Comicfolgen, abstrakte Gemälde bis hin zu populären Druckgrafiken wird das Spektrum seiner faszinierenden Zeichenkunst ausgebreitet.

In Zusammenarbeit mit Moebius Production

Abb.: Arzak le rocher, 1995, Gouache und Acryl auf Papier © 2019 Moebius Production

Interview mit Max vom Splitter-Verlag

Der Splitter-Verlag ist mittlerweile der deutsche Comic-Verlag mit dem größten Output, zumindest, wenn man das Segment der Manga, Manhwa etc. einmal außen vorlässt. Zudem zelebriert er wie kein anderer sein Programm über die bekannten Vorhänge und zuletzt den Adventskalender. Im Folgenden ein Interview mit einem „Splitterer“ über den Verlag, das Programm und eine Annäherung an das Thema „Comics für Erwachsene“.

c-o: Kannst du dich unseren Leser*innen bitte kurz vorstellen?

Hallo, mein Name ist Max, und nehme bei Splitter verschiedene Aufgaben wahr, unter anderem die Pressearbeit und die Kommunikation nach außen. Außerdem habe ich ein offenes Ohr für Händler- und Kundenanfragen, schreibe unsere Marketingtexte und treibe mich in den sozialen Medien herum. Das meiste davon mache ich allerdings nicht allein. 

Max vom Splitter-Verlag
Max vom Splitter-Verlag

c-o: Zu Beginn ein Rückblick auf die Geschichte des Verlages, ihr habt im letzten Jahr schließlich ein Jubiläum gefeiert: Warum habt ihr euch eigentlich damals entschlossen, die „Alte Marke“ Splitter neu zu positionieren und einen eigenen Verlag zu gründen?

Der „neue“ Splitter Verlag wurde 2006 gegründet. Bis auf den Namen wurde auch nichts vom „alten“ Splitter Verlag übernommen (der 2000 aufgelöst wurde), weder Lizenzen noch Mitarbeiter oder sonstige Ressourcen. Aber wir arbeiten auch im frankobelgischen Comicsegment und in einer ähnlichen Genre-Ausrichtung. Die drei Gründer Delia Wüllner, Horst Gotta und Dirk Schulz sahen zum Zeitpunkt unserer Gründung genau da eine Lücke in der deutschen Szene. Damit hatten sie offensichtlich recht.

Splitters RDA
Die bisher erhaltenen Rudolph-Dirks-Awards des Splitter-Verlags

c-o: Während in den ersten Programmen Fantasy und Science Fiction dominierten, sind im Laufe der Zeit immer mehr Genres wie Western oder Mystery dazugekommen. Mittlerweile habt ihr auch immer mehr klassische franko-belgische Serien dazu genommen. Welchen Anspruch verfolgt ihr damit als Verlag?

Unsere Kernsegmente sind immer noch diese beiden Genres und dort v.a. neue Serien. Aber als der Verlag groß genug wurde, um Serien wie „Storm“, „Comanche“ oder „Dan Cooper“ als Lizenzen angeboten zu bekommen, mussten wir einfach zuschlagen. Wir sind schließlich selbst große Fans einiger Klassiker, und wir machen unsere Gesamtausgaben auch deshalb, weil wir diese Comics in bestmöglicher Qualität und zu fairen Preisen verfügbar halten wollen. Unser Anspruch an uns selbst ist dabei sehr hoch, und in die Aufbereitung des alten Materials fließt teilweise enorm viel Arbeit – Sammeln und Aufbereitung des alten Bildmaterials, Recherche der Publikationsgeschichte, redaktionelle Texte schreiben etc. pp.

c-o: Ihr macht „Comics für Erwachsene“. Kannst du das etwas näher definieren?

Der allergrößte Teil unseres Programms ist und war eben „für Erwachsene“, keine Comics für Kinder. Seit wir toonfish haben, stimmt das natürlich nicht mehr so ganz. Aber Comics sind für viele Deutsche immer noch „Kinderkram“, da sich ihr Wissen um das Medium mit „Asterix“ und „LTB“ erschöpft. Vielleicht ist dieses Label heute nicht mehr unbedingt nötig, da zumindest Graphic Novels einer breiteren Leserschaft bekannt sind.

Splitter-Archiv
Ein Teil des Archives

c-o: Viele Comics wie etwa Conan präsentieren ein absolut nicht mehr zeitgemäßes Rollenbild und bedienen auf den ersten Blick vor allem überholte Klischees. Warum sollte man das trotzdem veröffentlichen wollen? 

Was jetzt kommt, ist zu einem Großteil meine persönliche Meinung und nicht die offizielle Position des Verlags. Das Thema ist viel zu vielschichtig und „heiß“, um darauf als Firma vernünftig antworten zu können:
Wir beurteilen die meisten Comics tatsächlich erstmal anhand ihrer Zeichnungen. Und „Conan“ verspricht damit der Auswahl der beteiligten Künstler einfach Exzellenz. Gleichzeitig kann und sollte man diese Reihe als das lesen, was sie ist: werkgetreue Adaptionen von ziemlich alten, im positiven Sinne trashigen Romanen. Problematischer sind vielleicht moderne Reihen wie „Ekhö“ oder „Gunblast Girls“ die ein sehr sexualisiertes Frauenbild transportieren. Man kann den Protagonistinnen dabei durchaus zuschreiben, dass sie agierende und starke Charaktere sind, die nur „nebenbei“ auch sehr gut aussehen. Muss man aber nicht, das ist klar. Es ist auch schwer, eine Grenze zu ziehen, denn man kann auch die bloße Darstellung einer vollbusigen Dame im engen Kostüm (wie sie in Superheldencomics der Standard ist) bereits als anstößig empfinden. Oder wie ist zum Beispiel „Lady Mechanika“ zu betrachten, eine Reihe, die auch bei Leserinnen enorm beliebt ist? 
Wir als Verlag wollen vor allem Titel verlegen, an denen unsere Kunden Freude haben. Wir haben auch mehr als genug Bücher im Programm, die Themen wie Feminismus, Homosexualität, Ausgrenzung und Rassismus thematisieren: „Blau ist eine warme Farbe“, „Betty Boob“, „Liebe auf Iranisch“, „Die Frau ist frei geboren“, „7 Frauen“ und auf ihre Art auch Thriller wie „Katanga“ oder „SHI“… diese Liste lässt sich lange fortsetzen. Vieles davon ist Interpretationssache, aber wir versuchen wirklich, ein breites Spektrum anzubieten.
Die letzten drei deutschen Künstler, die wir ins Programm genommen haben, sind Frauen: Frauke Berger, Claudya Schmidt und demnächst Katrin Gal. Das liegt nicht daran, dass wir Künstlerinnen grundsätzlich bevorzugen würden, aber ich glaube wirklich nicht, dass wir zu einem Ungleichgewicht der Geschlechter in der Comicszene beitragen. Gleiches gilt für die anderen größeren Comicverlage in Deutschland, soweit ich das beurteilen kann. Die icom-Debatte will ich hier aber nicht noch mal aufwärmen.
Fakt ist jedoch, dass der durchschnittliche Comicleser männlich ist und Frankreich einen sehr viel offeneren Umgang mit Sexualität und Frivolität pflegt. Das schlägt sich auch in den Comics nieder, die dort immerhin fast ein Drittel aller Buchverkäufe ausmachen. Das hat natürlich große Auswirkungen auf die Lizenzen, die wir einkaufen und hier verlegen können. Würden wir „problematische“ Comics ausklammern, zu denen viele Klassiker übrigens auch gehören, könnten wir uns schlichtweg nicht am Markt halten, und wir würden auch unserem Anspruch als frankobelgischer Verlag in Deutschland nicht mehr gerecht werden.

Pausenraum
Der Pausenraum

c-o: Für die Statistiker: Welches sind eure größten Erfolge und was war der größte Flop?

Erfolge: „Die alten Knacker“ (Band 1 ist in der 6. Auflage), „Im Westen nichts Neues“ (5. Auflage), „Blau ist eine warme Farbe“ (4. Auflage). „Der Incal“, „Ekhö“, „Elfen“, „Storm“ und „Thorgal“ laufen als Reihen schon lange sehr gut. Von den neueren Serien sind vor allem „Lady Mechanika“ und „Black Hammer“ wirklich eingeschlagen.

Flops: „Terra Australis“ und die englische „Assassin’s Creed“-Reihe (die französische Serie lief gut) waren besonders schmerzhaft, weil beide sehr teuer in Einkauf und Herstellung waren und nur einen Bruchteil wieder einfahren konnten.

c-O: Zum Schluss ein Ausblick auf das kommende Programm: Worauf freut ihr euch am Meisten und was wird eurer Meinung nach die Leser*innenschaft am meisten begeistern?

Wir hoffen, dass unser neues Label „Splitter Diamant“ bei unseren Leser*innen gut ankommt. Uns werden oft solche XXL-Überformatausgaben in schwarz-weiß aus Frankreich in den Verlag geschickt, und es ist für uns ein kleiner wahrgewordener Traum, dass wir diese jetzt auch in Deutschland verlegen. Wir hoffen, dass wir das Segment in kommenden Programmen weiterführen können, denn es gibt so viele herausragende Comics, die eine derartige Präsentation verdienen!
Außerdem sind wir sehr stolz, die deutsche Künstlerin Katrin Gal verlegen zu können, die mit ihrem Sci-Fi-Comic „Radius“ wirklich tolle Arbeit geleistet hat. Und für die Nerds der alten Garde: Wir konnten das neue Projekt von Alain Ayroles und dem „Blacksad“-Zeichner Juanjo Guarnido sichern! Wir wissen selbst noch fast nichts darüber, aber wir freuen uns wahnsinnig darauf.

c-o: Ihr bringt zu dem neuen Bourgeon erstmals begleitendes Material in einer zeitungsartigen Form heraus und bietet den Fans dadurch erheblich mehr als „nur“ das Album. Habt ihr schon Reaktionen darauf erhalten?

Die Reaktionen sind eigentlich durchweg gut. Ein Bestseller sind die Zeitungen nicht, aber das war uns vorher klar, da die Käuferschaft für „Reisende im Wind“ Bd. 8 ziemlich klar definiert ist. In Frankreich werden solche Vorabveröffentlichungen häufiger gemacht, z.B. auch für „Das Schloss in den Sternen“, und wir wollten einfach mal schauen, ob das hierzulande auch funktioniert. Es ist sicherlich kein Konzept, das wir jetzt durchgängig und für viele Alben anbieten werden, aber man muss hin und wieder auch etwas Neues versuchen.

c-o: Vielen Dank, Max, für die ausführlichen Antworten! Ich bin sehr gespannt auf die Diamant-Ausgaben und war bisher in Comic-shops im Ausland immer sehr neidisch auf die dortigen Möglichkeiten. Viel Glück damit und macht weiter mit dem Ausprobieren!

Gehört auch dazu: Pepe

© der Abbildungen 2019 Splitter Verlag

© der Grafik 2019 comix-online

Am 24. Oktober 2019 erscheint das neue Asterix-Album!

Didier Conrad und Jean-Yves Ferry bleiben im Rhytmus! Wie der deutsche Verlag Egmont Ehapa Media GmbH soeben mitgeteilt hat, erscheint das 38. Album der Gallier am 24. Oktober und damit fast auf den Tag genau am 60.Geburtstag de Galliers am 29. Oktober.

Wie schon bei den letzten Alben ist der Inhalt streng geheim und es werden nur wenige Informationen gestreut. Auf jeden Fall bekommt das Dorf Besuch von einer bedeutenden Persönlichkeit…

© der Abbildung ASTERIX®- OBELIX®- IDEFIX® / © 2018 LES EDITIONS ALBERT RENE / GOSCINNY – UDERZO

Weitere News, auch zum kommenden neuen Asterix-Film Asterix – Das Geheimnis Des Zaubertranks , sobald verfügbar auf comix-online.

© der Abbildungen ASTERIX®- OBELIX®- IDEFIX® / © 2018 LES EDITIONS ALBERT RENE / GOSCINNY – UDERZO