Bob Morane ist eine Serie, die medienübergreifend funktioniert! Am Anfang standen die Romane für Jugendliche von Henri Vernes. Die ersten Comic-Umsetzungen erschienen dann in einem belgischen Magazin für moderne Frauen und eroberten von dort aus nicht nur andere Magazine, sondern auch Zeitungen im In- und Ausland. Hörspiele und Adaptionen für das Fernsehen folgten und mittlerweile erscheinen sogar Comics, die nicht mehr auf Romanen des Erfinders fußen. Die Anfänge gibt es gesammelt in der Bob Morane Classic Reihe.
Eine vertrackte Zeitreise und Verdächtigungen in Chinatown
Sollte jemand der Titel des Bandes bekannt vorkommen, hat dieser Mensch gut aufgepasst. Eine Version ist nämlich bereits vor rund zwei Jahren als ZACK Spezial 11 erschienen. Damals als Faksimile des Zeitschriftenabdrucks veröffentlicht, erscheint die Geschichte nun als acht Seiten kürzere Albumversion im Rahmen der Gesamtausgabe der Moranes von Attanasio und Forton.
Das Schwert des Paladin führt Bob und seinen Begleiter Bill Ballantime zurück in die Vergangenheit. Eine junge Frau wird bedrängt und angefeindet, da einer ihrer Vorfahren die fränkischen Truppen den Sarazenen ausgeliefert haben soll. Bob und Bill erinnern sich an das Rolandlied und greifen ein. Dabei treffen sie auf alte Bekannte und haben ohne ihr Wissen einen blinden Passagier dabei.
Die Perlenkette ist dagegen ein eher klassischer Kriminalfall. Unsere Helden sind in San Franciscos Chinatown unterwegs als ihnen ein bestimmter Laden empfohlen wird. Angeblich könne man dort Ming-Vasen erstehen. Tatsächlich werden sie dort aber niedergeschlagen und als Täter eines Raubes verdächtigt. Während Bill von der Polizei festgesetzt wird, muss nun Bob ihre Unschuld beweisen. Beide Geschichten vereinen die typische Mischung aus Spannung, unerwarteten Wendungen sowie starken Frauenfiguren und erfüllen somit alle Erwartungen der Leser*innen.
Klassische frankobelgische Comickunst
Gerald Forton ist ein typischer Vertreter der realistischen Comics aus dem französischen und belgischen Raum dieser Zeit, nämlich Anfang der 60-er Jahre. Die technischen Möglichkeiten, Bilder digital zu veredeln waren noch nicht gegeben, die Kolorierung durfte nicht zu filigran sein, da Drucktechnik und Papierqualität nicht mit heutigen Ansprüchen vergleichbar waren.
Trotzdem wussten die Akteure sehr genau, wie man Spannungsbogen zu konstruieren hatte und mitreißende Geschichten bildlich erzählen musste. Die Konkurrenz der bewegten Bilder um das Taschengeld war auch damals schon zu spüren!
Empfehlenswert
Die Reihe ist aufgrund des sehr flexiblen Settings so spannend, dass sie auch heute noch funktioniert. Die Klassiker sind grafisch aufgrund der Vorlagen nicht immer ein Augenschmaus, als Zeitdokument aber trotzdem ok. Und gerade der Vergleich mit der Zeitschriftenvariante ist zusätzlich reizvoll, ermöglicht er doch das Aufspüren der notwendigen Wiederholungen im sequenziellen resp. der Kürzungen im einheitlichen Publizieren.
Wie immer gibt es beim Verlag passende Drucke und für Vorbesteller jeweils ein Schmankerl für ein Abonnement über fünf Bände.
Dazu passt ein Hit des Jahres 1964, Millie mit „My Boy Lollipop“, und ein Dortmunder-Actien-Bier.
Es gibt nicht viele Ikonen der Popkultur deren Ruf unabhängig von Schauspieler*innen oder Künstler*innen ist. Abgesehen von einigen Superheld*innen gehören dazu anthropomorphe Wesen aus dem Disney-Universum, ein schwertschwingender Barbar, ein maskierter und berittener Rächer und auf jeden Fall auch die Erfindung von Edgar Rice Burroughs: Tarzan! Ob als Held von Pulp-Romanen, auf der Leinwand oder sogar als Musical-Star, Tarzan hat sich schon lange von seinen Ursprüngen befreit und ist zu einem Mythos geworden, der immer noch größer wird. Dazu beigetragen haben mit großer Wahrscheinlichkeit auch die Comics von Hal Foster!
Die kleine Flucht am Wochenende
Es ist schon viel über die Ursprünge der Zeitungsstrips geschrieben worden. Die Stars dieser Szene wurden zu Millionären, der Kampf der Zeitungsgiganten um die besten Talente war legendär. Und doch ist der Hintergrund relativ einfach: wie bekomme ich die Käufer*innen meiner Zeitung dazu, dass sie auch am nächsten Tag wieder zu meinem Blatt greifen? Der Tagesstrip musste also in einem Streifen die Leser*innen abholen, etwas Neues hinzufügen und mit einem Cliffhanger schließen, um die Neugierde in klingende Münze umzuwandeln.
Die Sonntagsseiten hatten es da viel einfacher. Das Prinzip ist natürlich das Gleiche, es stand aber eine ganze Seite zur Verfügung. Die Entwicklung der Figuren konnte ausführlicher geschehen, die Hintergründe konnten ausgearbeitet werden und nicht zuletzt waren diese Seiten farbig. Während heutzutage bei vielen die Assoziation Zeitungscomics gleich Kinderseite fällt, richteten sich die Werke damals explizit an Erwachsene. Foster musste daher gegenüber den Stories aus den Pulps keine Abstriche machen, Folter, Mord, freizügig gekleidete Frauen finden sich somit in allen Geschichten wieder.
Die erste Umsetzung erfolgte noch in Tagessteifen. 1929 erschien Tarzan of the Apes in 60 Folgen von jeweils fünf Bildern zu einem Auszug des Textes, der unter den Illustrationen platziert worden war. Die nicht kolorierten Streifen lassen die spätere Dynamik noch etwas vermissen, zeugen aber schon von der Kompositionsfähigkeit von Foster. Er weiß genau, wann es besser ist, eine Figur nur von hinten zu zeigen, wann eine Totale besser ist und wann Action dargestellt werden muss. Die Meisterschaft, das Gewünschte mit so wenig Strichen wie möglich darzustellen, fehlt zwar noch, die Beherrschung des Schwarzraums ist aber schon deutlich zu erkennen. Wie einige andere Vorläufer auch enthält der Band nicht nur die im Titel angekündigten Sundays, sondern auch diese Abfolge von Daylies!
Nach Abschluss dieses Runs, der in England veröffentlicht worden war, hatte der aufstrebende Zeichner Foster keine Lust, sich weiterhin auf den täglichen Stress und die weiteren Einschränkungen einzulassen. Trotzdem hatte die Umsetzung auch das Interesse der amerikanischen Newspapers geweckt. Wie der sehr gut lesbare und wissensreiche einführende Artikel (in drei Sprachen: Englisch, Deutsch und Französisch) beschreibt, war Burroughs mit den Ergebnissen seines Nachfolgers/Vorgängers allerdings alles andere als zufrieden. Und so kam es, dass Foster ab dem 27. September 1931 die Sonntagsseiten übernahm. Üblicherweise hatte der Künstler nun 12 Panels und eine über die ganze Breite gehende Kopfzeile zur Verfügung. Und auch in diesem Setting behielt er seine Angewohnheit bei, mit schwarzen Flächen zu arbeiten. Einige der zusätzlich abgedruckten, nicht kolorierten Beispiele zeigen, wieviel Tiefe diese Eigenheit den Bildern verliehen hat.
Das erste Abenteuer spielt in der Wüste in einer arabischen Gegend, 1932 geht es dann zurück in den Dschungel. Während einige der Gegner*innen durchaus stereotyp dargestellt werden, versucht Foster doch durchgehend, nicht nur Vorurteilen Raum zu geben, sondern auch „Gut“ und „Böse“ entsprechend darzustellen. Zudem war die zeitimmanente Erwartung, etwas „Exotisches“ präsentiert zu bekommen. Gegenstand der Zeichnungen sind immer wieder Kämpfe mit Tieren. Die Gegner sind Löwen, Affen oder Krokodile und fordern dem König des Dschungels alles ab. Natürlich hilft es dabei, einen muskelbepackten Körper zu haben der nur wenig von Stoff bedeckt ist. Auch diese Erwartungen an „den guten, weil weißen Wilden“ werden somit erfüllt.
Die männlichen Leser dürften neben der Anerkennung der Kraft eher die Bekleidungen der weiblichen Protagonistinnen wertgeschätzt haben. Auch hier wurden zwar nie Konventionen verletzt, ihre Grenzen wurden aber das eine oder andere Mal angetestet. Etwas Fantasy-lastig wird es dann später im Jahr. Man darf nicht vergessen, dass die Welt keineswegs vollständig erforscht war. Neben Gerüchten und Sagen über Meeresungeheuer gab es noch vollkommen unbekannte Landstriche in denen Tiere und Pflanzen aus der Vergangenheit hätte überdauern können. Und so muss sich auch Tarzan mit Dinosauriern herumschlagen.
1933 steht unter dem Motto „Das Monster“. Nicht nur in der realen Welt schwingt sich ein Massenmörder zum Herrscher einer Nation auf und wird schließlich eine ganze Welt in einen Krieg verwickeln, auch im Comic gibt es Menschen, die nur sich selbst für voll nehmen. 1934 sind dann schon erste Vorboten der späteren, noch erfolgreicheren Serie von Hal Foster zu sehen; Prinz Eisenherz wird die Geschichte eines Jünglings und späteren edlen Ritters erzählen, der Grenzen weder kennt noch akzeptiert. Sowohl die Konzeption der Seiten als auch die Farben sind bereits ähnlich, auch Frisuren lassen sich im Rückblick wiedererkennen.
Während 1935 im Zeichen der Liebe und der verschiedenen Frauen steht, die umworben, verstanden und verteidigt werden wollen, geht es 1936 ans Eingemachte. Tarzans Aufgaben erfordern zunächst wieder mehr Action, er wird allerdings verurteilt und muss sich beweisen. Wieder steht eine Frau in der Mitte des Konflikts. Am Ende erfolgt dann ein auch inhaltlich bedeutsamer Kontakt mit moderner Technik. Während die meisten bisherigen Stories fast zu jeder Zeit hätten spielen können, taucht nun die wirkliche Moderne in Form eines Flugzeugs auf. 1937 endet dann der Run, Prinz Eisenherz wird ab jetzt bis zum Ende das Comic-Schaffen von Hal Foster bestimmen.
Man mag den früheren Zeiten hinterhertrauern oder auch nicht. Mit Sicherheit war das Leben vor 100 Jahren mit dem heutigen in keiner Weise zu vergleichen. Natürlich gab es auch damals „gerade Lebensläufe“ die bruchlos von der Jugend bis ins hohe Alter verliefen. Viel häufiger waren aber Wendungen, die Ortswechsel, unterschiedliche Berufe und Leben an der Armutsgrenze einschlossen. Wer Glück hatte, fand schließlich genügend Halt, um eine Familie ernähren zu können, vielleicht sogar zu Ansehen zu gelangen; vielen gelang das allerdings nicht.
Auch der Weg von Hal Foster, der in der gut lesbaren und sehr informativen Einführung von Dian Hanson beschrieben wird, war alles andere als gradlinig oder erfolgversprechend. Zwar hatte der junge Hal den Vorteil, Bildung aufsaugen zu wollen, allein, die Verhältnisse ließen das nicht immer zu. Dieser Band ist für den einführenden Teil dreisprachig, die Comics sind als Faksimile naturgemäß nur auf Englisch abgedruckt. Es lohnt sich aber trotzdem, alle drei Teile zumindest durchzublättern, da sie alle unterschiedlich illustriert sind.
Die Autorin hat bereits mehr als 50 Bücher verantwortet, unter anderem den Taschen-Band über Frank Frazetta und Werke über Pin-Up und Fantasy Art.
Ein wertvoller Bestandteil einer guten Sammlung
Man kann Comics auf viele verschiedene Weisen genießen. Am einfachsten ist sicherlich die rein konsumtive Art: lesen, sich freuen, und weitergeben. Viele werden irgendwann anfangen, die besten Werke aufheben, sammeln und somit komplettieren zu wollen. Dann wird vielleicht aus dem Heft mit schlechter Papierqualität der Sammelband und aus diesem die Gesamtausgabe mit zusätzlichen Informationen und Illustrationen. Man fängt an, andere Serien der gleichen Künstler*innen haben zu wollen oder aber andere Highlights aus dem gleichen thematischen Bereich. Das ist der Anfang einer Sammlung!
Der zweite Schritt liegt oft darin, sich mit Werken über sein Hobby einzudecken: Fachzeitschriften und Bücher über Comics erlauben Einordnungen und stellen Beziehungen her. Gleichzeitig erlauben sie auch ein Verständnis über die Anfänge und Comic-Meilensteine, die bereits in der Vergangenheit liegen. Hal Foster’sTarzan ist ein solcher: die Qualität der Zeichnungen, die Foster über die Jahre entwickelt hat, die Beherrschung der Linien und Flächen, die zusammen ein Größeres ergeben, ist auch heute noch Maßstäbe setzend.
Natürlich sind die Seiten nicht das erste Mal publiziert worden. Das XXL-Format ermöglicht es aber, die Seiten quasi original aufzunehmen, entspricht das Format doch den früheren Sonntagsseiten weitgehend. Die Reproduktionen versuchen auch, die originalen Farben und Rasterungen so gut wie möglich wiederzugeben. Der Unterschied liegt daher in der Qualität des Papiers und in der hervorragenden Aufmachung als reichlich illustriertes Hardcover mit passendem Umverpackungskarton. Der Inflation geschuldet ist der Preis dieser Bände allerdings um 25 Euro auf nun 200 gestiegen. Der Band passt zu den anderen Comic-Libraries von Taschen: Carl Barks‘ Donald Duck, Weird Science, Marvel!
Dazu ein Raffo Lavorazione Grezza und einen Klassiker: Desmond Dekker mit „The Israelites“.
Band 1 dieser auf vier Teile angelegten Gesamtausgabe der schwarz-weißen Geschichten über den ehrenwerten Soldaten Sgt. Kirk, der das Gewissen höher hält als Befehle, hatte es auf comix-online zum Comic des Jahres geschafft.
Was ist gerecht?
Der Grundkonflikt der Geschichten von Hector Oesterheld ist natürlich geprägt durch die politische Situation in Argentinien, dem Heimatland des Autors und der aktuellen Wahlheimat des Zeichners Hugo Pratt. Nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges war das Land gespalten. Während einerseits hunderte von Nazis dort Asyl fanden und eine wichtige Rolle in der lokalen Gemeinschaft zu spielen begannen, war die Mehrheit der armen Bevölkerung politisch eher links eingestellt. Mehrere, schließlich erfolgreiche Militärputsche waren die Folge; Oesterheld selbst fiel dem letzten zum Opfer und wurde verschleppt und getötet.
Diese sehr oft gewaltsam ausgetragenen Gegensätze fanden ihre Entsprechung in den Kämpfen der oft tumben und ehrenlosen „Weißen“ gegen die eher naturverbundenen, nicht weniger brutalen, aber ehrenbewussten „Indianer“. Zwar gibt es auf beiden Seiten auch individuelle Abweichungen, das Prinzip aber stimmt. Und so ist Kirk, der immer wieder versucht, sich selbst so zu verhalten, dass er auf sich selbst stolz sein kann, ein Wanderer zwischen den Welten.
Von den Indianern als einer der ihren anerkannt, gilt er für die Weißen als Renegat und wurde zum Tode verurteilt. Um weiteres Töten in seinem Namen zu verhindern, beschließt er sich zu stellen. Seine Freunde inszenieren aber einen Angriff aus das Fort um ihn zu befreien und so muss er sich erneut taktisch falsch entscheiden. Die einzelnen zunächst im Misterix erschienenen Geschichten ergeben eine zusammenhängende Geschichte, erlauben aber trotzdem ein Einsteigen. Schließlich wollte man das Magazin ja auch an neue Leser*innen verkaufen können.
Die Kraft der Schatten
Pratt war schon immer jemand, der mit wenigen Strichen nicht nur Atmosphäre erschaffen, sondern auch eine Geschichte in einem Panel erzählen konnte. In diesen Bildern kommt aber auch seine Fähigkeit zum Tragen, den Schatten meisterhaft zu verwenden. Damit kreiert er nicht nur Tiefe, sondern auch Stimmung. Es war allerdings nicht nur die künstlerische Entscheidung, die zu diesen Techniken führte, es lag auch an der Qualität des benutzten Papiers, rau und saugfähig, wie es war.
Die Zeichnungen bieten alles, was die Liebhaber*innen eines klassischen Westerns sehen wollen: Pferde, Rodeo, Indianer und Soldaten, Kämpfe, Szenen im Fort, die unermesslich schöne, aber auch gefährliche Landschaft und die Lagerfeuerromantik. Sie stehen aber auch im Ziel der Zeitungsstrips und der Sonntagsseiten und erzählen in kleinen Häppchen eine große Geschichte.
Moderner als mancher glaubt
Die Frage nach der Ehrenhaftigkeit des eigenen Tuns, der Wunsch, das Handeln selbst dann an moralischen Leitlinien auszurichten, wenn es den Tod bedeuten könnte, ist keinesfalls altmodisch. Gerade heute in einer Zeit der sich überlappenden Krisen ist es wichtig, den moralischen Kompass zu beachten. Auch insofern ist Sgt. Kirk ein wichtiges Werk! Es macht aber auch Spaß, den Western zu genießen, der immer wieder auf großartige Filme des Genres verweist.
Zudem ist auch die Ausgabe ein paar Zeilen wert! Das Hardcover wirkt hochwertig, der gut zu lesende Anhang verweist in vielen kleineren Abschnitten auf historische Hintergründe der Geschichte selbst oder der Autoren sowie auf die Reminiszenzen. Dazu kommen ein paar kolorierte Titelbilder der italienischen Rintintin & Sgt. Kirk-Ausgaben.
Dazu passen Marty Robbins mit „The Hanging Tree“ und ein Cactus Jack.
Die nun wohl endgültige Gesamtausgabe der Geschichten mit den Minimenschen geht in die vierte Runde (von Zehn). Wer die Einzelausgaben besitzt und die Inhalte wiederfinden möchte, muss ein wenig hin- und herspringen, erfolgt die Ausgabe doch nun strikt chronologisch. Neben Kurzgeschichten, die Anfang der 90-er in den Minis Classics erschienen waren, enthält das Integral die Alben 7, 9 und 10.
Daheim und unterwegs
Das Vorwort weist bereits darauf hin: Im Universum der durch Kontakt mit einem Meteoriten verkleinerten Minimenschen gibt es storytechnisch Unterschiede zwischen den Kurzgeschichten, die oftmals im Umfeld der von den Minis bewohnten Höhle spielen und den längeren Geschichten, die die gesamte Welt viel stärker einbeziehen und oftmals größere Reisen beinhalten. Während erstere oftmals traditionell sind und eher das ruhige Leben mit kleinen Besonderheiten beschreiben, sind die Alben mit fantastischen Elementen versehen und gehören eher dem Science-Fiction-Genre an.
Die Liebesgrüße aus Nippon beginnen relativ harmlos: ein U-Boot lässt irgendwelche Stoffe vor der Küste Rochafleurs ab. Kurze Zeit später aber beginnen Ranken zu einer enormen Größe zu wachsen und scheinen dabei eine Intelligenz zu besitzen, die sie zu einem Atom-Zentrum führt. Seron bezieht hier klar Stellung gegen die unkontrollierte Risiken in Kauf nehmende Wissenschaftspolitik.
Der Zweiteiler Das Dreieck des Teufels und Das Volk der Tiefsee lässt die Minis das Geheimnis des Bermuda-Dreiecks lüften. Hier steht ein seit Generationen schwelender Konflikt zwischen zwei Völkern im Hintergrund und wieder kommt Serons humanistische Orientierung deutlich zum Vorschein!
Ein grandioser Klassiker
Über Pierre Seron gab es schon immer Diskussionen (die den Künstler zu seinen Lebzeiten übrigens schwer belastet haben). Die einen behaupten, dass er nichts anderes sei als ein, zudem noch schlechter, Epigone des „großen“ André Franquin, die anderen sehen in seinen Zeichnungen einen zwar ähnlichen, aber selbständigen Ansatz. Aufgrund der Verknüpfung von Humor und Humanismus sei das ein nirgendwo sonst zu findender Ansatz.
Wie dem auch sei, für mich sind die Geschichten manchmal etwas zu schematisch, erlauben aber auch beim x-ten Mal neue Entdeckungen. Die Mischung aus leichter Karikatur und dem typischen Marcinelle-Stil ist großartig und lässt zumindest mich immer wieder schmunzeln. Man darf allerdings keine heutigen Maßstäbe anlegen, denn auch Seron ist ein Kind seiner Zeit.
Eine ansprechende Gesamtausgabe
Wie man es von einer Gesamtausgabe erwarten kann, enthält auch dieses Integral zusätzliche Informationen, Illustrationen, Titelbilder der Magazin-Vorveröffentlichungen und bibliographische Angaben. Das Hardcover ist wertig, das Papier passt zu den Farben und die Kurzgeschichten bringen Auftritte mit weiteren Held*innen der damaligen Zeit wie etwa den Schlümpfen oder Gaston. Man kann also eigentlich nichts falsch machen!
Zusätzlich gibt es direkt beim Verlag wieder eine limitierte Vorzugsausgabe mit Variantcover und ebenfalls limitiertem Druck. Definitiv sollte das eine Überlegung wert sein!
Dazu passen Rocksteady von den Pioneers und ein bunter Fruchtsaftmix.
Wow, schon mehr als die Hälfte ist geschafft! Die auf zehn Bände konzipierte Integral-Reihe mit den Bodyguards Sammy & Jack ist mittlerweile in der zweiten Hälfte der 80-er Jahre angekommen. Die Ölkrise ist überwunden, Hollywood erzählt noch schöne Geschichten, produziert aber auch Horrormovies. Geschichten über die Mafia werden im Wesentlichen noch mit der Prohibitionszeit verbunden und nicht mit dem heutigen Drogen-, Sex- und Auftragskiller Konglomerat.
Katastrophen, Gags und strake Frauen
Der Zeitraum dieses Bandes umfasst zwar nur drei Jahre, in ihnen sind aber vier Alben erschienen. Wie immer erweist sich Raoul Cauvin als vortrefflicher Lieferant von Szenarien, die den beiden Helden weitere Entwicklungen erlauben. Miss Kay zeigt einen größtenteils vollkommen aufgelösten Mitarbeiter, der bei fast jeder Äußerung seines Chefs tiefer in den Sessel sinken möchte und haufenweise Tabletten schluckt. Der wahre Grund für diese Krankheit ist, dass er weiß, wer hinter dem Pseudonym Miss Kay steckt, es aber partout nicht verraten möchte.
Der Mann aus dem Jenseits ist eine Mischung aus Mystery und Rachekomödie. Ein Erblasser weigert sich, seine wohlverdiente, nun ja, seine Ruhe zu finden und geistert munter vor sich her, bis endlich sein ehemaliger Besitz an den richtigen Erben übertragen worden ist. Bei dieser Aktion gehen Sammy & Jack mehr als einmal die Nerven durch, es ist aber auch sonst nicht alles so, wie es zu sein scheint. Die Diva handelt dann wieder von einer starken Frau, die sich vor Stalkern schützen lassen möchte. Die Gorillas geben dabei kein gutes Bild ab.
Die abschließende Story spielt in großer und luftiger Höhe. Es scheint so, dass ein Bauunternehmer im Visier von irgendjemandem steht, der ständig auf die in großer Höhe arbeitenden Arbeiter schießt. Bevor sich niemand mehr traut zu arbeiten, werden unsere beiden Helden engagiert. Ein netter running Gag in Rififi in den Wolken ist die Frage der Chefposition!
Qualität im Akkord
Es ist schon erstaunlich, wie groß der Output von Szenarist*innen und Autor*innen sein kann. Noch beachtlicher ist es allerdings auf der Seite der Zeichner*innen. Neben all den zusätzlichen Illustrationen, Covern, Werbematerialien etc. schaffen die meisten Künstler*innen nach eigener Aussage etwa ein bis zwei Seiten pro Arbeitswoche. Abzüglich Urlaubes und Krankheit kommt das in etwa mit einem Album pro Jahr hin. Berck hatte sich selbst aber das Ziel gesetzt, in zwei Jahren drei Alben zu veröffentlichen. Trotz dieser hohen Zahl sind dabei allerdings keine Qualitätsabstriche zu verzeichnen!
Die Bilder von Berck sind sehr dynamisch, bewegen sich aber in einem sehr klassischen vierstreifigem Layout. Ziemlich oft explodieren Bomben und knattern Maschinengewehre wie man es in einem Comic, der im Mafiaumfeld spielt, auch erwartet. Trotzdem schafft der Zeichner es, die Bilder ohne Blut auskommen zu lassen. Sie sind daher nicht gewalttätiger als das, was zu dieser Zeit im Kinderfernsehen lief (Der rosarote Panther etwa oder Tom & Jerry). Cauvins Humor wird durch seine Gestaltung unterstützt; die beiden zusammen bilden ein starkes Team.
Ein Genuss für Fans der frankobelgischen Klassiker
Die Serie lief in Deutschland hauptsächlich in den Kauka Publikationen. Nach deren Einstellung gab es nur noch sporadische Versuche, deutsche Ausgaben zu lancieren. Die beiden letzten Alben erscheinen daher hier in deutscher Erstveröffentlichung! Der Band ermöglicht insofern nicht nur eine Reise in die Vergangenheit, sondern erlaubt auch, Neues zu entdecken.
Die Reihe hebt sich von anderen Gesamtausgaben durch einen sehr ausführlichen redaktionellen Teil ab; die beiden Comic-Journalisten Joris de Smet und David Steenhuijse haben wieder eine Unmenge an Fakten und Illustrationen ausgegraben und lesbar zusammengestellt. Die Übersetzung dieser Beiträge erfolgte durch den Verfasser dieser Zeilen. Natürlich gibt es auch wieder eine limitierte Vorzugsausgabe mit Variantcover und einem beigefügten Druck.
Dazu passen The Gems mit „Year of the Snake“ und ein Old Fashioned.
Was lange währt, wird endlich gut… Wenn es einen Titel gibt, auf den dieser Spruch passt, dann ist es wohl dieser. Es gab Verhandlungen und Absprachen, die Magazinveröffentlichung im ZACK lief wie geplant, eine Gesamtausgabe wurde angekündigt und plötzlich legte ein Erbe Einspruch ein. Die Folge war das Einstampfen der noch nicht ausgelieferten Auflage. Aber: Weder Martin Frei noch Georg F. W. Tempel ließen sich davon abhalten, am Ball zu bleiben. Nun wurden also alle Bezüge entfernt, einige Seiten neu gezeichnet und ein neuer Anlauf gemacht. Das Ergebnis ist gerade erschienen! Dieser Titel ist übrigens noch eine weitere Besonderheit: Während das ZACK normalerweise Titel für die deutsche Veröffentlichung lizenziert, ist es hier andersherum: Und so steht die Ballade der Carol Welsh auch in niederländischer Sprache in den Regalen unserer Nachbar*innen.
Rassismus im „Wilden Westen“
Das kleine Städtchen Snow Flake hatte in der Vergangenheit Probleme mit kriminellen Machenschaften. Ein Armeeoffizier war als Sheriff abkommandiert worden, hatte das Problem gelöst, das Herz der Lehrerin gebrochen, und war wieder abgezogen. Diese, die Heldin Carol Welsh, hat ihren eigenen Kopf, kann mit Waffen umgehen und „erdreistet“ sich, ihren Schützlingen in der Schule die Lehren von Charles Darwin nahezubringen. Da sie zudem menschlich mit einem wohnsitzlosen und alkoholabhängigen Indianer umgeht, wird sie von einigen konservativen Honoratioren angefeindet.
In der Umgebung des Städtchens machen sogenannte Wolfskrieger die Gegend unsicher. Sie sind nicht bereit, in ihrem Reservat zu bleiben, sondern sind auf dem Kriegspfad gegen die Weißen. Als die Frau des Bürgermeisters während einer Kutschfahrt erschossen wird, ist vielen in der Stadt sofort klar, wer dafür verantwortlich ist. Zudem wird die Lehrerin als Ketzerin und Kollaborateurin beschuldigt.
Martin Frei hat um das kleine Western-Städtchen und seine Bewohner*innen ein kleines Universum geschaffen, das für einige Geschichten die Basis bilden kann. Die Archetypen sind klar: der konservative Pfarrer (der trotzdem in der Lage ist, zu denken!), die bornierten mächtigen Männer, die fragenstellende und aufgeklärte Lehrerin, die sich nicht unterordnen will, der verliebte junge Mann, die Indianer mit allen positiven und negativen Facetten.
Realistisch und humorvoll
Auch die Zeichnungen von Martin Frei brauchen den internationalen Vergleich nicht zu scheuen. Zwar ist hier jetzt keine neuer Giraud plötzlich auf dem Markt aufgetaucht, aber darum geht es ja auch gar nicht. Die Figuren sind gut herausgearbeitet und vor allem die Mundpartien gelingen realistisch. Das ist nicht unbedingt immer gegeben! Während Personen und nähere Umgebung detailliert ausgefertigt sind, wird in der weiten Kinoeinstellung etwas weniger genau gearbeitet.
Die Unterscheidung der Traumsequenzen von der Realität gelingt gut und das Skelett in Uniform sieht sehr ansprechend aus. Daneben gelingt auch die Unterscheidung der „offiziellen Welt“ von der Subkultur (den Animierdamen sowie der alleinlebenden Indianer). Manche Lehrer*innen mögen sich zudem manchmal heimlich wünschen, Schulkinder so zu behandeln, wie Carol Welsh es darf…
Eine erfrischend neue Western-Serie
Dieser „neue“ Sammelband enthält eine Story, die im Streaming-Bereich als „Pilotfolge“ bezeichnet werden würde. Der Erfolg im Jahrespoll (und auch die Lizenzvergabe) haben bereits zu einer Fortsetzung geführt, die ebenfalls im ZACK vorabgedruckt worden ist. Für Western-Fans unbedingt zu empfehlen, die Klassifizierung „Made in Germany“ ist in diesem Falle nicht negativ zu werten. Sowohl Text als auch Zeichnungen genügen auch internationalen Erwartungen! Während in diesem Gerne immer noch männliche Helden den Standard setzen, unternimmt Martin Frei erfreulicherweise einen Perspektivenwechsel.
Die Gesamtausgabe kommt mit einem ausführlichen einführenden Beitrag (vom Verfasser dieser Zeilen), bibliographischen Angaben zur Veröffentlichung und einer mehrseitigen Pin-Up-Galerie. Natürlich gab es auch wieder eine mittlerweile bereits vergriffene Vorzugsausgabe mit Variantcover und zwei limitierten und signierten Drucken.
Dazu passen Bruce Springsteen mit einem Song über Rassismus in Amerika, „Streets of Minneapolis“, und ein mexikanisches Caguanita.
Jean-Michel Charlier war einer der produktivsten Szenaristen seiner Zeit und auch einer der erfolgreichsten. Zunächst arbeitete er an Buck Danny und für Dupuis an Serien wie Die Biber-Patrouille, später wechselte er zu Pilote und startete etwa Tanguy & Laverdure oder Leutnant Blueberry. Der studierte Jurist arbeitete zeitweilig an acht Serien zur gleichen Zeit. Eine davon war Marc Dacier, eine Reihe über die realistisch gezeichneten Abenteuer eines Journalisten. Nach dem Weggang von Eddy Paape, dem Zeichner, überarbeitete Charlier das bereits geplante nächste Szenario. Mit dem neuen Zeichner wurde daraus Brice Bolt!
Zu innovativ für Spirou
Prinzipiell hat sich am Setting nicht viel verändert: Der bekannteste Journalist der Zeitung L´Eclair, Brice Bolt, bekommt den Auftrag, eine Sensationsmeldung zu überprüfen. In der Südsee scheint eine Horde monströs großer Krabben eine Insel überfallen zu haben. Das Konkurrenzblatt Clairon beschließt, ebenfalls seinen besten Mann auf die Story anzusetzen um „das Schmierenblatt zu entlarven“.
Die Reise gestaltet sich von Beginn an sehr schwierig. Man versucht, Bolt zu überfahren, die Tickets werden storniert, die Wohnung des zweiten Reporters, Luc Deferre, wird in die Luft gesprengt. Bolt wird schließlich sogar in einer südamerikanischen Diktatur zum Tode verurteilt. Glücklicherweise hat Deferre aber seine eigene Auffassung von der Ehre des Berufstandes und so beschließen die Beiden, zunächst zusammenzuarbeiten.
Es gelingt ihnen schließlich, die Insel zu erreichen. Dort bewahrheitet sich nicht nur die Geschichte der Krabben, sie bekommen es auch mit weiteren riesenhaft vergrößerten Tieren und Insekten zu tun. Natürlich steckt dahinter ein Plan, doch werden sie lange genug überleben, um ihn aufdecken zu können? Charlier schöpft aus dem Vollen und präsentiert einen Wissenschaftsschocker vom Feinsten. Natürlich müssen die Finsteren Jungs auch einer uns Deutschen leider wohlbekannten Ideologie folgen…
Zeichnungen mit vielen Farben
Der Zeichner Artur Aldoma Puig bringt frischen Wind in das Spirou-Magazin! Seine realistischen Zeichnungen sind bunt eingefärbt, Grün- und Rottöne bestimmen die Panel. Seine Monster sind schrecklich und die Zeichnungen sind keineswegs auf ein kindliches Publikum ausgerichtet. Tatsächlich beschweren sich Leser*innen und vor allem Eltern zuhauf. Während das Magazin zunächst versucht, mit positiven Statements dagegen zusteuern, endet der Versuch schließlich doch mit dem zweiten Teil dieses Doppelbandes.
Puig war einer der spanischen Agentur-Zeichner, der für das Ausland, und hier vor allem für englische Magazine, arbeitete. Dieser Stil war auf dem Festland noch nicht wirklich bekannt und seiner Zeit in den damaligen Magazinen weit voraus. Umso erfreulicher ist es, dass wir mit dieser Gesamtausgabe jetzt in den Genuss dieser Zeichnungen kommen. Sicherlich Geschmackssache, für mich aber eine sehr willkommene, zu schnell verwelkte Blüte in der Zeit von Spirou!
Gesamtausgabe mit ausführlichen Dossier
Nicht nur, dass Georg F. W. Tempel mal wieder eine neue Reihe gestartet hat, die die vergessenen Perlen des großen Szenaristen (erstmals) auf den deutschen Markt bringt, die Bände sollen auch jeweils ein ausführliches Dossier mit Hintergründen zu der Zeit, der Serie und natürlich den Zeichnern enthalten! Wenn sie dem Muster dieses ersten Teils folgen, ist das großartig!
Die Reihe kommt als gut gebundenes Hardcover auf leicht glänzendem Papier. In der vollen Sonne ist das vielleicht nicht super gut lesbar, aber wer nimmt schon ein Hardcover mit an den Strand? Es bleibt zu hoffen, dass diese Reihe genügend Käufer*innen finden wird!
Dazu passen The Courettes mit „Shake“ und ein fruchtiger Cocktail eurer Wahl.
Die Landschaft der Jugendzeitschriften im katholischen Belgien und damit auch diejenige der Comicmagazine wäre ohne die Pfadfinderbewegung ganz anders verlaufen. Nicht nur das kirchliche Institutionen wie etwa Averbode (siehe hier) Möglichkeiten zur Veröffentlichung von Zeichnungen und Comics boten, auch als Thema von erfolgreichen Serien sind nicht nur international das Fähnlein Fieselschweif aus dem Disney-Universum, sondern lokal eben auch etwa De Donderpaatjes oder die Biber mehreren Generationen bekannt.
Jeden Tag eine gute Tat
Le Castors bzw. die Mitglieder der Biber-Patrouille sind ein Trupp von Pfadfindern, die im Laufe ihres Lebens schon einige Abenteuer erlebt haben. Ursprünglich hatte der Zeichner MiTacq die Serie zusammen mit dem Szenaristen Jean-Michel Charlier entwickelt. Nach 22 Alben war Schluss mit der Gemeinsamkeit, MiTacq setzte die Arbeit zunächst mit anderen Szenaristen wie etwa Marc Wasterlain beim ersten Band dieser Sammlung fort. Für die beiden anderen Geschichten holte er sich Hilfe von seinem langjährigen Freund Jacques Stoquart, mit dem er zusammen brainstormte.
Dieser abschließende Band der Gesamtausgabe enthält die letzten beiden Alben sowie die Anfänge einer zwar noch begonnen, aber nicht mehr fertiggestellten, die die SOS Kinderdörfer in den Vordergrund gestellt hätte. Außerdem sind als Bonus zwei Kurzgeschichten mit den Boms, einer anderen Serie des Zeichners enthalten. Flut über Mésin zwingt die Biber, unmittelbare Hilfe bei einer Überschwemmungskatastrophe zu leisten. Die Serie ist im Laufe der Jahre immer moderner geworden und so geht es auch um Geburtshilfe. Zudem zeigt sich, dass die Umwelt immer wichtiger wird. Dementsprechend klären die Helden auch ein schweres Entsorgungsverbrechen auf.
3 Jahre später erschien dann das letzte komplette Album, Der Blitzstein, das Anklänge an eine Science-Fiction-Story enthält. Während die Landbevölkerung sich in jahrhundertealten Vorurteilen ergeht, entdecken die Biber, dass ein radioaktiver Meteorit eine Rolle spielen könnte. In beiden Bänden müssen die Jugendlichen auch mit alterstypischen Problemen wie Angst vor dem Versagen, Beziehung der Eltern, Schule und Mädchen klarkommen. MiTacq gelingt eine vorurteilsfreie und einfühlsame Schilderung dieser Situationen.
Realismus im Dupuis-Stil
Anfang der 90-er Jahre war bei Dupuis ein realistischer Stil en vogue, der einerseits im Gegensatz zu den Knollennasen stand, andererseits aber doch meilenweit vom Realismus eines Hermann (etwa in Comanche) entfernt war. Selbst in größter Gefahr und einer körperlichen Auseinandersetzung gibt es keine Schweißperlen oder sichtbare Verletzungen. Trotzdem erlaubt die Gesamtausgabe einen Vergleich der Entwicklung des Zeichners über immerhin fast 40 Jahre. Mehrfach hat er seinen Stil an die aktuellen Anforderungen der Leser*innenschaft angepasst.
Und so ist es auch ein Glücksfall, dass die ersten Seiten des letzten Bandes, der Schiffbruch der Marie-Jolie, nur in der noch nicht kolorierten Reinzeichnung vorliegen. Sie enthalten eine weitere Entwicklung, die Handlungen werden expliziter und das bärtige Gesicht in der Totalen hatte man so vorher auch nicht gesehen. Dank dieser Ausgabe bei Salleck Publications liegen nun also alle Bände auf Deutsch vor, nachdem der Bastei-Verlag in der 80er-Jahren nur die von Charlier getexteten Geschichten veröffentlicht hatte.
Ein einflussreicher Klassiker
Die Biber-Patrouille wird von vielen, heute erfolgreichen Zeichner*innen aus dem frankobelgischen Raum als prägender Einfluss benannt. Die Gesamtausgabe bietet nicht nur eine angemessene Form für die Comics, mit den begleitenden Texten und den zusätzlichen Abbildungen und Illustrationen bleiben hier auch keine Wünsche offen.
Liebhaber*innen von gut konstruierten Abenteuern mit jugendlichen Held*innen sind bei den Bibern gut aufgehoben. Zudem wurde es Zeit, dass diese Serie auf Deutsch eine ansprechende Publikation bekommen hat. Wer also noch Hefte der Blauen Panther zu Hause hat, sollte sie gegen diese empfehlenswerte Sammlung eintauschen.
Dazu passen Pink Floyd mit „The Wall“ und ein Virgin Margherita!
Während die meisten Bob Morane-Geschichten zunächst in einem Magazin für Frauen mit jeweils ein oder zwei Seiten vorabgedruckt wurden, gab es einige wenige, die in einer belgischen Tageszeitung mit einem täglichen Streifen erschienen. Naturgemäß erforderte dieses Medium einen anderen Flow, musste es doch jeden Tag neu die potenziellen Leser*innen dazu animieren, auch am folgenden Tag Het Laatste nieuws zu kaufen. Dieser Band vereint jeweils ein Beispiel!
Ein Krimi und ein Western
Die erste Geschichte, Schach der schwarzen Hand, ist aus mehreren Gesichtspunkten heraus außergewöhnlich. Das Sujet klingt vertraut: Bill und Bob geraten auf der Straße in eine Schlägerei, retten eine (junge und hübsche) Frau und erfahren, dass sie in Schwierigkeiten steckt. Selbstverständlich wollen die beiden Helden ihr helfen, geraten dabei in Schwierigkeiten und bekommen es mit einem mächtigen Gegner zu tun. Hier geht es um die Mafia, ein großes Erbe und eine Quest. Wie immer meistert Vernes die Geschichte und hält die Leser*innen bei der Stange.
Während üblicherweise eine ganze Seite zur Verfügung steht, einen Strang zu entwickeln, bleiben bei Tagesstreifen aber nur 2 bis maximal 4 Bilder, um anzuknüpfen, weiterzuführen, und einen Cliffhanger zu präsentieren. Zudem waren die Originale verschollen. Und so wurden aus den schwarz-weißen Zeichnungen von Gérald Forton ihnen nachempfundene farbige von Jacques Géron.
Im Tal der Klapperschlangen haben unsere Bekannten eine Panne inmitten einer amerikanischen Wüstenlandschaft. Sie geraten in einen Streit zwischen weißen Farmern und der indianischen Besitzerin einer Ranch und beziehen Stellung, obwohl beide Seiten das eigentlich gar nicht wollen. Hübsche Geschichte, die traditionellen Pfaden folgt, sie aber nett kombiniert.
Eine besondere Form der Gesamtausgabe
Bei älteren Comics stellt sich generell die Frage nach der Qualität der Vorlagen. Der Taschen-Verlag hat für seine Libraries eine sehr aufwendige Reproduktionstechnik gewählt und die Modesty Blaise-Ausgabe enthält teilweise Scans von Zeitungsveröffentlichungen. Für die Geschichte mit der schwarzen Hand ging der damalige Verleger Claude Lefrancq 1992 einen zeitgemäßen Weg: Er bat einen bekannten Zeichner, neue Panel im Stile des alten anzufertigen. Jede*r möge selbst urteilen, ob das „gut“ ist. Meiner Meinung nach ist es jedenfalls gut genug, ermöglicht es doch auch anderen Fans von Bob Morane, die Geschichte lesen zu können. Zudem fällt die Geschichte als Strip sowieso aus dem Rahmen. Da ist es auch zu verschmerzen, dass die Gesichter etwas anders aussehen.
Das Tal der Klapperschlangen ist dagegen eine sehr typische Veröffentlichung. Forton besaß bereits genügend Routine mit den Hauptfiguren, um sich auf Details und Landschaften konzentrieren zu können.
Bergfest
Fünfzehn Bände sind in der Bob Morane Classic Edition geplant, gut die Hälfte ist jetzt erschienen. Während die Bände von Vance und Coria in Deutschland schon häufiger eine Heimat gefunden hatten, waren die von Attanasio und Forton fast komplett unveröffentlicht. Fans des unverwüstlichen Helden, der mittlerweile in seinem siebten Jahrzehnt steht, finden hier eine sorgfältige Veröffentlichung mit bibliographischen Angaben im Hardcover.
Zusätzlich gibt es beim Verlag passende Drucke und für Vorbesteller jeweils ein Schmankerl für fünf Bände.
Dazu passen The Kinks etwa mit „You really got me“ und ein 19 Crimes – The Uprising.
Das Western-Comic-Genre teilt sich in realistische und eher lustig gezeichnete Titel. Das bedeutet allerdings keinesfalls, dass auch die Inhalte von Titeln der zweiten Kategorie nur lustig sind. Zwar sind alle Bände der Blauen Boys humorig und enthalten teilweise sogar slapstickartige Szenen, oftmals aber ist es ein schwarzer Humor, der die Schrecken des Krieges nicht überdecken soll, sondern eher überspitzt deutlich macht. Nicht zuletzt deswegen handelt es sich um eine der erfolgreichsten aktuellen Comic-Reihen. Im Original ist gerade Band 69 erschienen.
Eine notwendige Re-Edition ist angeschlossen
Zwar sind (mit dem üblichen Verzug bei den aktuellen Bänden) alle Titel der Reihe auch in Deutschland erschienen. Während die bei Carlsen oder aktuell bei Salleck Publications veröffentlichten Alben gehobenen Qualitätsansprüchen bezüglich Präsentation und Übersetzung genügen, waren die früher bei Bastei unter dem Reihentitel Bud und Chester veröffentlichten Bände weder in Form noch in Inhalt ausreichend. Mit diesem sechsten Teil der Gesamtausgabe liegen sie alle neu übersetzt und gelettert als Hardcover vor!
Bronco Benny thematisiert ein „Nachschubproblem“ beider Armeen des amerikanischen Bruderkrieges: Während es immer noch halbwegs möglich war, neue Soldaten zu rekrutieren (dazu später mehr), gab es bei den dringend für die Kavallerie benötigten Pferden größere Probleme. Besagter Bronco Benny nun ist der berühmteste Pferdeeinreiter und soll eine Herde von Wildpferden für den Einsatz zureiten. Natürlich gibt es dabei mehr Probleme als bei einem üblichen Rodeo.
In EL Padre müssen Sgt. Chesterfield und Corporal Blutch über den Rio Grande nach Mexiko fliehen. Dort geraten sie in eine heftige Fehde zwischen blutrünstigen indianischen und mexikanischen Banden. Zu ihrem Glück hatten sie ihre Uniformen gegen ein Bauerngewand und eine Priesterkutte tauschen können. Als sie dann auch noch eine Entführung beenden wollen, kommt es fast zum Eklat zwischen den Beiden. Die Feuertaufe, der erste damals bei Carlsen erschienene Band, erzählt schließlich wie es dazu kam, dass Chesterfield und Blutch bei der Nordstaatenarmee anheuerten. Alkohol erweist sich wieder einmal als schlechter Helfer in Krisensituationen!
Routine, immer wieder neu erfunden
Man mag zu den Zeichnungen von Willy Lambil stehen, wie man will; er schafft es mit jedem Band aufs Neue, bekannte Ingredienzen neu zu mischen und spannend auf das Papier zu bringen. Nicht nur, dass er immer Tiere, die eigentlich gar nicht zur Handlung gehören, im Vordergrund einiger Panel platzieren kann, ist bemerkenswert. Auch die aus wenigen Hauptfiguren bestehende Serie immer wieder unterhaltsam zu komponieren ist faszinierend. Und so erzielt eine Kleinigkeit wie eine Tonsur eine beachtliche Wirkung!
Während einige Serien auf ein Produktionstempo von 5 Geschichten pro Jahrzehnt kommen, haben die Blauen Boys es im ersten 10-Jahres-Zeitraum auf 18 Alben gebracht! Schon die schiere Menge zwingt zu einem großen Respekt. Tatsächlich wird hier aber nicht ein Schema wiederholt, jede einzelne Geschichte benutzt zwar die gleichen inhaltlichen Pattern, ist aber wiederholungsfrei.
Ist das das Ende der Gesamtausgabe?
Ein finanzieller Motivator für die ersten sechs Bände der Gesamtausgabe der Blauen Boys war die Tatsache, dass die ersten 17 Bände in Deutschland quasi nie erschienen waren. Wer sie hatte genießen wollen, musste auf fremdsprachige Versionen zurückgreifen. Diese Aufgabe ist nun erfüllt, alle anderen sind – teilweise allerdings vor langer Zeit und vergriffen – verfügbar gewesen. Wer also weiterlesen möchte, möge diesen Wunsch bitte formulieren und sich direkt an den Verleger Eckart Schott wenden (Kontakt über die ober verlinkte Verlagsseite).
Für mich war es nie wirklich ersichtlich, warum diese geniale Serie in Deutschland doch eher ein Schattendasein führt. Qualitativ gibt es jedenfalls keine Unterschiede zu Lucky Luke, von den Verkaufszahlen allerdings schon … Zum Glück erscheinen ja aber wenigstens die aktuellen Bände weiterhin beim gleichen Verlag.
Dazu passen Bruce Springsteen, etwa mit seinen „Western“-Titeln, und ein Brooklyn Lager!