Vernes/Forton – Bob Morane Classic 9

Das Schwert des Paladins

Story: Henri Vernes
Zeichnungen: 
Gérald Forton
Originaltitel: 
L´Épée du Paladin & La Rivière des perles

Blattgold Verlag – ZACK Edition

Hardcover | 72 Seiten | Farbe | 24,00 € |ISBN: 978-3-949987-51-9

Cover Bob Morane Classic 9

Bob Morane ist eine Serie, die medienübergreifend funktioniert! Am Anfang standen die Romane für Jugendliche von Henri Vernes. Die ersten Comic-Umsetzungen erschienen dann in einem belgischen Magazin für moderne Frauen und eroberten von dort aus nicht nur andere Magazine, sondern auch Zeitungen im In- und Ausland. Hörspiele und Adaptionen für das Fernsehen folgten und mittlerweile erscheinen sogar Comics, die nicht mehr auf Romanen des Erfinders fußen. Die Anfänge gibt es gesammelt in der Bob Morane Classic Reihe.

Eine vertrackte Zeitreise und Verdächtigungen in Chinatown

Sollte jemand der Titel des Bandes bekannt vorkommen, hat dieser Mensch gut aufgepasst. Eine Version ist nämlich bereits vor rund zwei Jahren als ZACK Spezial 11 erschienen. Damals als Faksimile des Zeitschriftenabdrucks veröffentlicht, erscheint die Geschichte nun als acht Seiten kürzere Albumversion im Rahmen der Gesamtausgabe der Moranes von Attanasio und Forton.

Das Schwert des Paladin führt Bob und seinen Begleiter Bill Ballantime zurück in die Vergangenheit. Eine junge Frau wird bedrängt und angefeindet, da einer ihrer Vorfahren die fränkischen Truppen den Sarazenen ausgeliefert haben soll. Bob und Bill erinnern sich an das Rolandlied und greifen ein. Dabei treffen sie auf alte Bekannte und haben ohne ihr Wissen einen blinden Passagier dabei.

Bob Morane Classic 9 page 3

Die Perlenkette ist dagegen ein eher klassischer Kriminalfall. Unsere Helden sind in San Franciscos Chinatown unterwegs als ihnen ein bestimmter Laden empfohlen wird. Angeblich könne man dort Ming-Vasen erstehen. Tatsächlich werden sie dort aber niedergeschlagen und als Täter eines Raubes verdächtigt. Während Bill von der Polizei festgesetzt wird, muss nun Bob ihre Unschuld beweisen. Beide Geschichten vereinen die typische Mischung aus Spannung, unerwarteten Wendungen sowie starken Frauenfiguren und erfüllen somit alle Erwartungen der Leser*innen.

Klassische frankobelgische Comickunst

Gerald Forton ist ein typischer Vertreter der realistischen Comics aus dem französischen und belgischen Raum dieser Zeit, nämlich Anfang der 60-er Jahre. Die technischen Möglichkeiten, Bilder digital zu veredeln waren noch nicht gegeben, die Kolorierung durfte nicht zu filigran sein, da Drucktechnik und Papierqualität nicht mit heutigen Ansprüchen vergleichbar waren.

Trotzdem wussten die Akteure sehr genau, wie man Spannungsbogen zu konstruieren hatte und mitreißende Geschichten bildlich erzählen musste. Die Konkurrenz der bewegten Bilder um das Taschengeld war auch damals schon zu spüren!

Bob Morane Classic 9 page 4

Empfehlenswert

Die Reihe ist aufgrund des sehr flexiblen Settings so spannend, dass sie auch heute noch funktioniert. Die Klassiker sind grafisch aufgrund der Vorlagen nicht immer ein Augenschmaus, als Zeitdokument aber trotzdem ok. Und gerade der Vergleich mit der Zeitschriftenvariante ist zusätzlich reizvoll, ermöglicht er doch das Aufspüren der notwendigen Wiederholungen im sequenziellen resp. der Kürzungen im einheitlichen Publizieren.

Wie immer gibt es beim Verlag passende Drucke und für Vorbesteller jeweils ein Schmankerl für ein Abonnement über fünf Bände.

Bob Morane Classic 9 page 5

Dazu passt ein Hit des Jahres 1964, Millie mit „My Boy Lollipop“, und ein Dortmunder-Actien-Bier.

© der Abbildungen Vernes – Bob Morane Inc / Forton – Ed. Hibou | 2026 Blattgold GmbH, Bad Dürkheim

ZACK 324 (Juni 2026)

ZACK 324

Herausgeber/Chefredaktion: Georg F. W. Tempel

Blattgold Verlag

Heft Din A 4 | 100 Seiten | Farbe | 9,70 €
ISSN: 1438-2792

Cover ZACK 324

Wie schnell doch die Zeit vergeht … Hiermit ist bereits die Hälfte der diesjährigen ZACK-Nummern erschienen! Zwei komplett neue Serien starten mit dieser Ausgabe, dazu noch ein Auftritt von Isnogud; für lange Sommerabende allemal genug Lesestoff.

Die Neustarts

Coverboy ist ein Detektiv, nämlich Inspektor Arbuckle. Dieser ist der Held eines Frühwerkes von Étienne Willem namens Pfeifenrauch und Seidenstrümpfe. Teil 1, Der schwarze Fleck, enthält keine Fantasy-Elemente, wie wir es aus seinen späteren Geschichten kennen, besitzt aber bereits den gleichen Strich und auch einen sehr ähnlichen Humor. Die Geschichte führt zurück in das England, in dem Adel noch etwas ganz Besonderes war, in dem Verbrechen und dessen Aufklärung noch Handarbeit waren und eine Tasse Tee respektive ein Whisky selbst wichtige Probleme noch in der Priorität nach hinten schieben konnten. Die zweiseitige Einführung im Heft stammt im Übrigen vom Verfasser dieser Zeilen.

ZACK 324 page 5

Ebenfalls neu ist der Thriller Brigade Verhoeven von Pascal Bertho nach einem Roman von Pierre Lemaître. Mitten in einem Ausgehviertel explodiert eine Bombe. Gleichzeitig stellt Kommandant Camille Verhoeven einen neuen Mitarbeiter für sein Team zur Verbrechensbekämpfung ein. Dieses besteht aus schrägen Vögeln und scheinbar inkompatiblen Personen, ist aber sehr erfolgreich. Die modernen, aufgrund der Kolorierung etwas abstrahiert wirkenden Zeichnungen stammen von Yannick Corboz. Teil eins der dreiteiligen Serie trägt den Titel Rosie.

ZACK 324 page 73

Die Fortsetzungen

Harry & Platte sind auf der Suche nach dem Urheber eines Computervirus in der Gegend von Nizza. Ein Freund will ihnen bei einem privaten Rundflug die Gegend und die Wohnorte der möglichen ´Verdächtigen zeigen, als sie ein außer Kontrolle geratenes Feuer entdecken. Während die beiden Detektive später die einzelnen Personen abklappern, wird deutlich, dass es mehrere Feuer gibt die sowohl Eigentum als auch Helfer*innen bedrohen. Feuer und Schwert ist klassische Comickunst von Denis Lapière und Alain Sikorski.

ZACK 324 page 21

Weiter geht es mit dem Buckligen von Montfoucon. Unser Vater hat den mit ziemlich unfeinen Mitteln geführten Kampf zweier Parteien um den französischen Thron zum Inhalt. Nicht immer sind die Fronten klar und die Rolle der Frauen ist zeitgemäß leider noch ein zusätzliches Thema, erden sie doch bestenfalls ignoriert. Ein verzwicktes Historiendrama von Philippe Pelaez, gezeichnet von Eric Stalner mit ansprechenden Zeichnungen und frischem Layout.

ZACK 324 page 37

Zurück in die Gegenwart geht es in Heute frischer Fisch von und mit Charel Cambré und Marc Legendre. Die beiden Comickünstler auf der Suche nach dem Stoff für einen neuen Titel sind immer noch in einem kleinen, von der Außenwelt abgeschnittenen spanischen Dorf gestrandet. Ihre spezielle Art, mit Problemen umzugehen, führt zu vielen unschönen Situationen und die mangelhafte Beherrschung der Sprache tut ein Übriges. Nicht immer PC, aber sehr humorvoll, dieses moderne Roadmovie.

ZACK 324 page 56

Zum Schluss geht es noch einmal um die anspruchsvollen, aber leider auch leicht scheiternden Ansprüche an und für eine gerechte Gesellschaft: in Libertalia führen Die Wege zur Hölle. Die Gründe dafür sind vielfältig: Macht, Gier, toxische Lust aber auch falsche Ideale, vielleicht sogar auch ein zu optimistisches Menschenbild. Jedenfalls müssen die Initiatoren der anarchistischen Gemeinschaft feststellen, dass alles zusammenbricht. Anspruchsvolle und herausfordernde, zugleich aber auch lohnende Story von Rudi Miel & Fabienne Pigière mit eindringlichen Bildern von Paolo Grello.

Detail ZACK 324 page 85

Und sonst?

Die Onepager in diesem Heft zeigen drei Seiten aus einem aktuellen, bei Dani Books erscheinenden Isnogud-Bandes. In ihnen stellt sich der Möchtegern-Kalif aktuellen Fragestellungen. Außerdem gibt es den Keller, die Rezensionen und die News von Frank Neubauer, den Rückblick auf das ZACK vor 50 Jahren von Michael Klein und eine Vorstellung von Claudio Stassis República vom Verfasser dieser Zeilen.

Dazu passen The Easybeats mit „Friday on my mind“ und ein Weißburgunder eurer Wahl.

© der Abbildungen bei den jeweiligen Künstlern und Verlagen / Blattgold GmbH, Bad Dürkheim 2026

Graton, Duval/Graton – ZACK Spezial 19: Michel Vaillant präsentiert :

Der Unbekannte der Tour de France

Story: Jean Graton, Yves Duval

Zeichnungen: Jean Graton

Originaltitel: Palmares Inedit 6 – L´innconnu du Tour de France

Blattgold Verlag – ZACK Edition

Softcover | 64 Seiten | Farbe | 18,00 € | Limitiert auf 777 + 55 Exemplare | ISBN: n/a

Cover ZACK Spezial 19

Wie schon in der Besprechung zum ZACK Sonderheft 4 angemerkt: Michel Vaillant ist momentan wirklich präsent! Während sich die Gesamtausgabe der ersten Staffel dem Ende nähert, ist die zweite in voller Fahrt. Dazu kommen die Legenden, der Spinn-Off zu Henri Vaillant, dem Gründer des Unternehmens Vaillante, der Reboot von Julie Wood und erstmals Auszüge der Dossiers. Es fehlten dagegen noch die meisten Bände der Reihe Palmares Inedit. Während die Familie Labourdet ab dem Herbst ihre eigene Reihe bekommt, liegen die Sport-Stories nun erstmals komplett auf Deutsch vor.

Das berühmteste Radrennen der Welt im Fokus

Auch wer sich nicht unbedingt für den Radsport interessiert, hat auf jeden Fall schon einmal von der Tour de France gehört. Das TV-Programm wartet mit Sondersendungen und Livebildern auf und viele sonst nicht so sportbegeisterte Deutsche können den Unterschied zwischen einem Gelben und einem Gepunkteten Trikot erklären. Eine Zeitlang drehte sich die Diskussion hauptsächlich darum, wer des Dopings (noch nicht) überführt worden war; mittlerweile gilt die Sportart aber wieder als sauber.

Die Anfänge der Tour als Werbemaßnahme einer Sportzeitschrift, die Entwicklung von einem Rennen über wenige Etappen hin zu einem fast einen Monat andauernden Spektakel und die Helden der ersten Jahre sind aber weitgehend unbekannt. Jean Graton war nicht nur ein begeisterter Anhänger des Motorsports, zu Beginn seiner Karriere hat er sich auch dem Radsport sehr hingezogen gefühlt.

ZACK Spezial 19 page 4

Diese Leidenschaft merkt man den, teilweise zusammen mit Yves Duval geschriebenen Episoden an: der Sportsgeist, der unbedingte Wille, durchzuhalten und zu gewinnen, die Aufgaben im Team und sogar die Taktik während eines so langen Rennens sind Themen der Kurzgeschichten, die in spannende und auch noch heute lesbare Episoden verpackt worden sind. Natürlich haben sie alle einen kleinen nostalgischen Touch, aber sie handeln ja auch von den Anfängen!

Unverwechselbarer Graton-Stil

Die Leidenschaft für den Sport wird nicht nur in den Stories deutlich, auch die Zeichnungen sind akkurat und lassen die Anspannungen und Gefühle der jeweiligen Akteure fast greifbar erscheinen. Die meisten Geschichten würden heute wohl als „Bio-Pic“ bezeichnet werden, sie sind aber alles andere als distanziert. Die Leser*innen werden direkt in das Geschehen geworfen und sind quasi live mit dabei, wenn der Berganstieg ansteht oder der Reifen geflickt werden muss.

ZACK Spezial 19 page 5

Vom Stil her entsprechen die Zeichnungen dem frühen Graton, sind sie doch zwischen 1954 und 1964 erstmals im Tintin-Magazin erschienen. Fans des klassischen Michel Vaillants werden einige Gesichtszüge und Panel-Layouts wiedererkennen. Die Akribie und die Detailbesessenheit waren schon damals vorhanden und machen die Geschichten zu einem Genuss für alle Fans der Sportcomics.

Nicht nur für Komplettist*innen

Weiteres Lob hieße, Eulen nach Athen zu tragen. Sportcomics sind sicherlich nicht jedermanns Sache, Radsport im Allgemeinen ist nicht unbedingt ein Quotenhit. Hier aber geht es um eines der größten Events der Sportwelt, die Tour de France, und ihre Anfänge. Die Qualität von Duval und Graton steht außer Frage und es handelt sich auch keineswegs um einen Aufguss von Bekanntem, da der Band bisher nicht auf Deutsch erschienen war.

Ich bin mir ziemlich sicher, dass auch Band 19 der ZACK-Spezial-Reihe in Kürze als „vergriffen“ gelistet werden wird. Wer mag, kann sich beim Verlag auch noch einen dazu passenden, ebenfalls limitierten Druck bestellen. Dieser hat allerdings ein Auto-Motiv.

limitierter Druck zu ZACK Spezial 19

Dazu passen Queen mit „Bicycle Race“ und ein isotonisches Getränk eurer Wahl!

© der Abbildungen Dupuis 2003 by Jean Graton, Yves Duval, M. Deverchin | 2026 Blattgold GmbH

ZACK Sonderheft 4 (2026)

13 Stories aus dem Graton-Universum

Herausgeber/Chefredaktion: Georg F. W. Tempel

Blattgold Verlag

Heft Din A 4 | 100 Seiten | Farbe | 9,70 €
ISSN: 1438-2792

Cover ZACK Sonderheft 4
Variante A

Obwohl wir in Deutschland relativ gut versorgt sind was Michel Vaillant angeht, gibt es doch noch ein paar „blind spots“. Einer davon ist die Reihe Palmares Inedit. Ein Band war bei Seven Island erschienen, zwei sind mittlerweile in der ZACK-Spezial-Reihe (als Band 15 und 19) aufgelegt worden und die Geschichten über die Familie Labourdet sind ab dem Herbst geplant. Im zweimal pro Jahr erscheinenden ZACK-Sonderheft wird jetzt eine weitere Lücke angegangen.

Die großen Legenden des Motorsports

Denn daneben gibt es auch noch seit 1995 die Michel Vaillant Dossiers. Nur ein einziger Band dieser mittlerweile 18 Teile umfassenden Serie hat es bisher nach Deutschland geschafft: Das Buch über Louis Chevrolet erschien in einer limitierten Sonderauflage. Die Dossiers widmen sich „Legenden“: rennfahrende Schauspieler wie James Dean oder Steve McQueen, Formel 1 Piloten wie Senna oder Fangio, Konstrukteure wie eben jener Chevrolet oder Enzo Ferrari und mittlerweile auch Rennstrecken wie Paul Ricard oder Zandvoort.

Allen Ausgaben gemeinsam ist ein großer Anteil an Artikeln über die jeweiligen Themengebiete die geballte Fachkompetenz in lesbarer Art und Weise darbieten. MV ist bei unseren Nachbar*innen eben nicht nur ein Comic, sondern auch eine Marke, die aus dem Renngeschehen nicht wegzudenken ist. Außerdem erlaubt die dortige Comic-Tradition auch die Kombination aus Unterhaltung und Sachkenntnis. Natürlich dürfen auch zum Inhalt passende Comics nicht fehlen. Diese sind teilweise aus den regulären Alben entnommen, oft aber auch speziell entwickelt worden.

Cover ZACK Sonderheft 4
Variante B

Dreizehn der besten Geschichten sind in diesem Sonderheft versammelt. Die ersten reichen stilistisch einige Jahrzehnte zurück. Die frühen Comics wurden vom Studio Graton realisiert, die neueren von der aktuellen Garde, die wir auch aus der zweiten Staffel kennen. Gerade die Vielfalt der Themen und der jeweiligen zeichnerischen Umsetzungen macht den Reiz dieses Heftes aus.

Eine fragmentarische Geschichte des Motorrennsports in Bildern

Echte Fans haben in Deutschland keine andere Möglichkeit, als sich die Dossiers auf Französisch oder Niederländisch zuzulegen. Jetzt gibt es aber wenigstens die Möglichkeit, die besten Comics aus den Bänden genießen zu können. Falls sich das Heft gut genug verkauft, verspricht die Redaktion bereits einen Folgeband. Aber auch für die Leser*innen, die einfach nur mal in das Michel Vaillant Universum hineinschnuppern und den Erfolg dieser Serie nachvollziehen wollen, bietet das Heft einen guten Einstieg. Es geht eben nicht nur um eine Kunstfigur die losgelöst von der realen Welt im Kreis fährt, viele reale Menschen waren Teil dieser Geschichte(n) und haben es genossen.

Für das Heft wurden zwei verschiedene Covervarianten gedruckt. Im Bahnhofszeitschriftenhandel kann man sich die gewünschte Ausgabe aussuchen, bei der Bestellung muss man seinen Favoriten angeben. Zusätzlich enthält das Heft noch eine Einführung in die Serien des MV-Kosmos und einen Überblick über die bisherigen Dossiers vom Verfasser dieser Zeilen.

Dazu passen „Nothing like You“ von Cock Sparrer und natürlich ein Champagner.

© der Abbildungen Dupuis 1995 – 2025, Graton Éditeur 2026, by Jean Graton / Blattgold GmbH, Bad Dürkheim 2026

ZACK 323 (Mai 2026)

ZACK 323

Herausgeber/Chefredaktion: Georg F. W. Tempel

Blattgold Verlag

Heft Din A 4 | 100 Seiten | Farbe | 9,70 €
ISSN: 1438-2792

Kaum werden die Nächte kürzer, sitzt schon ein Buckliger mitten in der Nacht auf einem Gargoyle … Die Mai-Ausgabe des ZACK bringt wieder frischen und sehr abwechslungsreichen Lesestoff.

Cover ZACK 323

Die Neustarts

Wow, ein Heft für alle, die schon immer auf eine gute Gelegenheit zum Start gewartet haben, gibt es doch zwei komplette Neustarts und eine erste Kurzgeschichte von einer neuen Heldin.

Beginnen wir mit dem Coverboy, dem Buckligen von Montfoucon. Unser Vater ist der Titel der neuen Episode von Philippe Pelaez, gezeichnet von Eric Stalner. Karl VIII. sitzt auf dem französischen Thron, die Herrschaft wird allerdings durch die Aktivitäten von Louis d´Orléans bedroht. Es scheint zwei Dokumente zu geben die beweisen, dass Louis nicht der Sohn von Charles ist. In diesem Fall hätte er keinen Anspruch auf den Thron. Während Pierre und Quasimodo, der Bucklige, auf Seiten von Louis stehen, schickt die Schwester des Königs ihre grausamen Handlanger aus. Spannende und gut gezeichnete History-Serie.

ZACK 323 page 5

Ebenfalls neu ist das erste „lange“ Abenteuer der beiden Detektive Harry & Platte von Denis Lapière und Alain Sikorski. Band 41 heißt Feuer und Schwert und bringt die beiden wie auch schon in den Kurzgeschichten dichter an die Jetztzeit; sie müssen herausfinden, wer einen Virus in die IT einer Kapitalanlagegesellschaft bringen konnte. Klassische frankobelgische Zeichenkunst in modernem Layout und spannend obendrein!

ZACK 323 page 55

Bob Morane kennt jede*r ZACK-Leser*in, aber Caro Morane? Wie bereits vor einigen Ausgaben eingeführt, ist Vernes, der literarische Schöpfer von Bob, der Vormund von Caro. Die Geschichten beruhen angeblich auf den Erzählungen eines Zeitreisenden. Caro, mittlerweile eine junge Frau, macht sich in Kuba auf die Suche nach ihrer Herkunft und trifft dort auf Fidel … Spannendes, ursprünglich schwarz-weißes Experiment von Phil Cottarel! Der Hinweis auf Band 2 ist im Übrigen ein Druckfehler.

Picture ZACK 323 page 43

Die Fortsetzungen

Der Roadtrip Heute frischer Fisch von und mit Charel Cambré und Marc Legendre geht bereits in die dritte Runde von Brückenbauer. Noch immer sitzen die beiden in dem kleinen spanischen Dörfchen fest. Ihre neue Unterkunft erweist sich als frühere Strandbar und so prallen Erwartungen der Bevölkerung und Ambitionen der „Helden“ nicht wirklich zielgerichtet aufeinander. Die beiden spielen weiterhin lustvoll mit Vorurteilen und teilen kräftig aus.

ZACK 323 page 27

Und auch das grafisch anspruchsvolle Libertalia geht weiter. Der Tod der jungen Frau wird zwar gerächt, es handelt sich aber um einen Fall von Selbstjustiz. Das Experiment ist gefährdeter denn je. Zudem ist natürlich auch fast die gesamte Welt hinter den Freibeutern her. Ein freiheitliches Experiment darf keinesfalls gelingen und zu einem gesellschaftlichen Gegenentwurf aufsteigen. Die Wege zur Hölle beschreiben Rudi Miel & Fabienne Pigière sehr eindringlich – Anarchie ist alles andere als einfach. Paolo Grello setzt die Geschichte in Bilder um.

Detail ZACK 323 page 69

Der Abschied

Vorerst verabschiedet sich das Western-Genre wieder aus dem ZACK, denn Ray Ringos Rückkehr endet zunächst. Rays Zukünftige, Lean, konnte zwar befreit werden, musste von Ray aber in einer Höhle zurückgelassen werden. Sie ist jedoch nicht gewillt, dort zu bleiben und macht sich auf den Weg, nur um von ihren ehemaligen Peinigern aufgelesen zu werden. Das Finale von Devil’s Gate ist blutig und hat einen Cliffhanger, der es in sich hat. Glücklicherweise ist der Vertrag für den Abdruck des zweiten Bandes von Éric Corbeyran und Roman Surzhenko bereits unterschrieben.

ZACK 323 page 85

Und sonst?

Die Onepager in diesem Heft stammen von dem Ritter, Parker & Badger sowie Tizombi. Dazu stellt der Verfasser dieser Zeilen Simba Lee von Charlier und Herbert vor und Bernd Hinrichs den lesenswerten Band Siehst du es? über Siegfried Lenz. Abgerundet wird das Heft mit News, Meinung und Rezensionen sowie dem Rückblick auf das ZACK vor fünfzig Jahren.

Dazu passen The Pioneers mit „You keep telling me“ und ein Aperol Spritz.

© der Abbildungen bei den jeweiligen Künstlern und Verlagen / Blattgold GmbH, Bad Dürkheim 2026

ZACK 322 (April 2026)

ZACK 322

Herausgeber/Chefredaktion: Georg F. W. Tempel

Blattgold Verlag

Heft Din A 4 | 100 Seiten | Farbe | 9,70 €
ISSN: 1438-2792

Cover ZACK 322

Nach der Wärme kommt die Kälte zurück – so ist das Aprilwetter nun Mal. Umso besser, dass auch das ZACK 322 vollgepackt ist mit Comics und Informationen und dem Regen und Hagel somit den Schrecken nimmt.

Der Neustart

Das Coverbild zeigt einen der blutverschmierten Piraten aus der Serie Libertalia, die mit Die Wege zur Hölle in ihre letzte Runde startet. Ein Schiff kehrt zurück nach Libertalia, dem Rückzugsort an der Küste von Madagaskar, an dem alles anders sein sollte: gleichberechtigt, ohne Rassismus, und ohne äußere Zwänge. Wie so oft bei vergleichbaren Experimenten gibt es aber immer wieder einige wenige, die nicht mitspielen wollen und die Idee gefährden. Das ist hier auch nicht anders, einige Männer meinen, Frauen nicht nur benutzen, sondern auch töten zu können und sollen nun belangt werden. Kann die Idee überleben? Graphisch heraufordernde, aber überzeugende Serie mit Bildern von Paolo Grello nach Texten von Rudi Miel & Fabienne Pigière.

ZACK 322 page 5

Auch Neu ist Cor Morelli. Ein Mann fühlt sich verfolgt und kann sich nicht wirklich erklären, warum. Dabei ist es nur Der Nächste! Kein schlechter Anfang für Aloys Ooster.

ZACK 322 page 80

Die Fortsetzungen

Charel Cambré und Marc Legendre lassen sich selbst in Heute frischer Fisch auftreten. Auf ihrer Reise in den Süden, um neuen Stoff für ihre Comics zu finden, sind sie in einem kleinen Dorf gestrandet und aufgrund eines Erdrutsches von der übrigen Welt abgeschnitten. Das hindert sie allerdings nicht daran, weiterhin in jedes Fettnäpfchen zu treten und sich Feinde zu machen. Nicht immer PC, aber sehr spaßig!

ZACK 322 page 21

Ray Ringo, ZACK-Held von früher, ist mit einem Re-Boot zurück und überzeugt mit einem sehr klassischen Western, der natürlich an die heutigen Anforderungen angepasst ist. Nachdem Ringo seine Verlobte befreien konnte, erfährt er mehr über ihre Vergangenheit und auch über die der Mormonen, die er bereits kennengelernt hat. Beide Seiten sorgen dafür, dass ihre Ausgangsposition an Stärke gewinnt. Devil’s Gate von Éric Corbeyran geschrieben bleibt spannend, allerdings wesentlich unterstützt durch die sehr dynamischen Zeichnungen von Roman Surzhenko!

ZACK 322 page 33

Die Abschiede

Gleich drei Geschichten finden in dieser Ausgabe ihr Ende! Den Anfang macht Jeff Mistral mit Nahtoderfahrung. Der Franzose Olivier Andrieu war seines Jobs im Computerbereich überdrüssig geworden und hat eine Figur entwickelt, die an die klassischen frankobelgischen Detektive der 60-er erinnert. Humor, spannende Wendungen und gute Zeichnungen von Alain Julié machen die Serie zum Vergnügen, nicht nur für Fans alter Autos! Einzig das Lettering könnte etwas weniger aufdringlich ausfallen. Der zweite Teil ist schon fertig!

ZACK 322 page 47

Ebenfalls fertig hat Michel Vaillant. Erlösung trifft es allerdings nicht ganz. Zwar scheint der Substrang mit der Atomwaffendivision zunächst abgeschlossen zu sein, der Kampf gegen den Krebs ist es aber noch nicht. Und natürlich geht es auch um Rennen, stehen doch die 500 Meilen an: Steve kann nicht fahren, Michel wollte eigentlich nicht und Elsa steht vor einer großen Bewährungsprobe. Tolle Rennszenen von Marc Borugne & Eilam nach einer Story von Daniel Lapiere.

ZACK 322 page 65

Und schließlich ist auch der ZACK-Held der letzten Jahre, Rick Master, schon wieder als Abschied zu vermelden. Dead Sugar ist sicherlich eine seiner größten Herausforderungen, setzt sie doch darauf, Kriminelle nicht einer ungewissen Behandlung durch die Justiz zu übergeben, sondern zu erschießen. Als Nadine bei einem Unfall lebensgefährlich verletzt wird, stellt sie Rick vor eine Wahl. Nach etwas müdem Anfang hat die Story doch noch die Kehrtwendung geschafft und ist eine Fragen aufwerfende, spannende Geschichte geworden, die gleichzeitig die Figur der Nadine vom Sidekick zu mehr Eigenständigkeit verholfen hat. Gute Leistung von Simon Van Liemt mit ansprechenden Zeichnungen von Zidrou.

ZACK 322 page 85

Und sonst?

Dazu der zweite Teil des Interviews mit Dany, der sich in seinen Aussagen etwas verrennt, ein Beitrag vom Verfasser dieser Zeilen über die neue Reihe Elang Jawa in der ZACK-Edition, der Rückblick auf das ZACK vor 50 Jahren und News und Meinungen von Frank Neubauer.

Dazu passen Joe Jackson mit „I’m the Man“ und ein Frühlingsbock.

© der Abbildungen bei den jeweiligen Künstlern und Verlagen / Blattgold GmbH, Bad Dürkheim 2026

Seron – Die Minimenschen Gesamtausgabe 4

1976 – 1978

Story: Hao (=Mittéï), Stephen Desberg
Zeichnungen: 
Pierre Seron
Originaltitel: 
Les Petits Hommes – L´integrale 4: 1976 – 1978

Blattgold Verlag – ZACK Edition

Hardcover | 232 Seiten | Farbe | 45,00 € | ISBN: 978-3-949987-81-6

Cover Minimenschen Gesamtausgabe 4

Die nun wohl endgültige Gesamtausgabe der Geschichten mit den Minimenschen geht in die vierte Runde (von Zehn). Wer die Einzelausgaben besitzt und die Inhalte wiederfinden möchte, muss ein wenig hin- und herspringen, erfolgt die Ausgabe doch nun strikt chronologisch. Neben Kurzgeschichten, die Anfang der 90-er in den Minis Classics erschienen waren, enthält das Integral die Alben 7, 9 und 10.

Daheim und unterwegs

Das Vorwort weist bereits darauf hin: Im Universum der durch Kontakt mit einem Meteoriten verkleinerten Minimenschen gibt es storytechnisch Unterschiede zwischen den Kurzgeschichten, die oftmals im Umfeld der von den Minis bewohnten Höhle spielen und den längeren Geschichten, die die gesamte Welt viel stärker einbeziehen und oftmals größere Reisen beinhalten. Während erstere oftmals traditionell sind und eher das ruhige Leben mit kleinen Besonderheiten beschreiben, sind die Alben mit fantastischen Elementen versehen und gehören eher dem Science-Fiction-Genre an.

Minimenschen Gesamtausgabe 4 page 16

Die Liebesgrüße aus Nippon beginnen relativ harmlos: ein U-Boot lässt irgendwelche Stoffe vor der Küste Rochafleurs ab. Kurze Zeit später aber beginnen Ranken zu einer enormen Größe zu wachsen und scheinen dabei eine Intelligenz zu besitzen, die sie zu einem Atom-Zentrum führt. Seron bezieht hier klar Stellung gegen die unkontrollierte Risiken in Kauf nehmende Wissenschaftspolitik.

Der Zweiteiler Das Dreieck des Teufels und Das Volk der Tiefsee lässt die Minis das Geheimnis des Bermuda-Dreiecks lüften. Hier steht ein seit Generationen schwelender Konflikt zwischen zwei Völkern im Hintergrund und wieder kommt Serons humanistische Orientierung deutlich zum Vorschein!

Minimenschen Gesamtausgabe 4 page 17

Ein grandioser Klassiker

Über Pierre Seron gab es schon immer Diskussionen (die den Künstler zu seinen Lebzeiten übrigens schwer belastet haben). Die einen behaupten, dass er nichts anderes sei als ein, zudem noch schlechter, Epigone des „großen“ André Franquin, die anderen sehen in seinen Zeichnungen einen zwar ähnlichen, aber selbständigen Ansatz. Aufgrund der Verknüpfung von Humor und Humanismus sei das ein nirgendwo sonst zu findender Ansatz.

Wie dem auch sei, für mich sind die Geschichten manchmal etwas zu schematisch, erlauben aber auch beim x-ten Mal neue Entdeckungen. Die Mischung aus leichter Karikatur und dem typischen Marcinelle-Stil ist großartig und lässt zumindest mich immer wieder schmunzeln. Man darf allerdings keine heutigen Maßstäbe anlegen, denn auch Seron ist ein Kind seiner Zeit.

Detail Minimenschen Gesamtausgabe 4 page 18

Eine ansprechende Gesamtausgabe

Wie man es von einer Gesamtausgabe erwarten kann, enthält auch dieses Integral zusätzliche Informationen, Illustrationen, Titelbilder der Magazin-Vorveröffentlichungen und bibliographische Angaben. Das Hardcover ist wertig, das Papier passt zu den Farben und die Kurzgeschichten bringen Auftritte mit weiteren Held*innen der damaligen Zeit wie etwa den Schlümpfen oder Gaston. Man kann also eigentlich nichts falsch machen!

Zusätzlich gibt es direkt beim Verlag wieder eine limitierte Vorzugsausgabe mit Variantcover und ebenfalls limitiertem Druck. Definitiv sollte das eine Überlegung wert sein!

Cover Minimenschen Gesamtausgabe 4 VZA

Dazu passen Rocksteady von den Pioneers und ein bunter Fruchtsaftmix.

© der Abbildungen Dupuis 2012, by Seron, Hao, Desberg | 2026 Blattgold GmbH, Bad Dürkheim

Nugros/Kusbiantoro – Elang Jawa 1

Der Bandit von Pasar Setan

Story: Fajar Nugros
Zeichnungen: 
Apri Kusbiantoro
Originaltitel: 
Elang Jawa – Bandit Pasar Setan

Blattgold Verlag – ZACK Edition

Hardcover | 64 Seiten | Farbe |20,00 € | ISBN: 978-3-949987-80-9

Cover Elang Jawa 1

Über einen steten Zulauf von Western braucht man sich aktuell keine Sorgen zu machen und auch die Eastern aus chinesischer oder japanischer Vergangenheit haben in Deutschland einen relativ guten Stand. „Der Osten“ ist aber viel größer und so ist es schon deswegen zu begrüßen, dass die neue Serie Elang Jawa, übersetzt Java-Adler, diesem Mix auch den indonesischen Raum hinzufügt.

Ein Wettkampf und seine Vorgeschichte

Die Geschichte, die laut dem Vorwort des Szenaristen zwar nicht wahr, im indonesischen Raum aber verbreitet ist, erzählt die Entstehungsgeschichte der Grenzen zwischen Ost- und West-Mataram und spielt im Jahr 1755. Damals war die Insel für Händler und andere Wohlhabende kein schönes Pflaster. Hunderte von Banditen überfielen Transporte und Städte und hatten sich sogar eine eigene Infrastruktur mit Dörfern und Handelsplätzen geschaffen.

Es wurde daraufhin ein Mobiles Einsatz Kommando namens Paksi Katon unter der Führung von Patih Notonegora geschaffen, um diesem Albtraum ein Ende zu bereiten. Der wenig feinfühlige und brutale Soldat schaffte es tatsächlich, die Struktur von Pasar Setan zu zerstören. Dabei wurde der Bandit Wulung festgenommen.

Elang Jawa 1 page 3

Die niederländische Kolonialmacht hatte beschlossen, das bisherige Königreich aufzuteilen. Jedes der neuen Reiche sollte zum Sonnenaufgang einen Krieger entsenden, der Treffpunkt der beiden würde die neue Grenze markieren. Politik war schon damals manchmal ein schmutziges Spiel und so wurde Wulung dazu auserkoren, sein Land zu vertreten. Kurze Zeit vorher hatte er ein vom Anführer der Paksi Katon getötetes Exemplar des magischen Elang Jawa, des Java Adlers gefunden und ihn wiederbelebt…

Dynamischer Realismus

Während Nugros die Geschichte spannend erzählt, hat Kusbiantoro die ungleich schwierigere Aufgabe, Realismus und Magie miteinander zu vereinbaren. Es geht nicht nur um die dynamisch wiedergegebenen Kampfszenen, die wirklich gut gelungen sind, sondern auch darum, Magie so in die Geschichte zu integrieren, dass sie trotzdem noch einigermaßen glaubwürdig bleibt. Allerdings sind wir es natürlich von Märchen und Sagen aus vielen Kulture gewöhnt, dass Übernatürliches eine Rolle spielt. Und so ist auch der Elefantenmensch zu sehen.

Elang Jawa 1 page 6

Der Held kommt dabei etwas tollpatschig daher und hat somit – trotz seiner räuberischen Profession – von Anfang an die Sympathien auf seiner Seite. Zudem ist auch die Natur in ihren vielen Facetten ein Hingucker. Der Urwald kann gleichzeitig überwältigend schön und tödlich sein und genau dieser Gegensatz findet sich in den Bildern wieder.

Etwas Neues wagen!

Für unsere niederländischen Nachbar*innen hat Indonesien aufgrund ihrer eigenen kolonialen Vergangenheit einen viel höheren Stellenwert als bei uns. Kultur, Küche und Landschaft dieser Regionen sind keine Besonderheiten und auch der Austausch von Künstler*innen ist viel selbstverständlicher. Für uns Deutsche ist das Thema zwar keine Terra Incognita mehr, Bestandteil es Alltäglichen ist es aber auch nicht.

Cover Elang Jawa 1 VZA

Insofern ist es begrüßenswert, mit dieser neuen Reihe ein paar klitzekleine Einblicke bekommen zu können, vor allem, wenn sie so spannend und gut gemacht daherkommen! Für Liebhaber*innen gibt es beim Verlag wieder eine limitierte Vorzugsausgabe mit umlaufendem Variantcover und beigefügtem Druck! Es bleibt zu hoffen, dass die Serie genügend Käufer*innen finden wird und weitere Bände somit finanzierbar bleiben.

Dazu passen Ali Baba Ska! und ein Bittermen’s Friend.

© der Abbildungen NC Comics | 2026 Blattgold Gmbh

Garcia, Rouge/Rouge – Rio 3

Wilder Karneval

Story: Louise Garcia & Corentin Rouge
Zeichnungen: 
Corentin Rouge
Originaltitel: 
Rio: Carnaval Sauvage

Blattgold Verlag – ZACK Edition

Hardcover | 80 Seiten | Farbe |25,00 € | ISBN: 978-3-949987-23-6

Cover Rio 3

Immer mal wieder erreichen uns Nachrichtenmeldungen aus dem mittleren und südlichen Amerika über Unruhen und kriegsähnliche Zustände aus den Elendsgebieten der Megastädte. Dementsprechend ist auch der Begriff Favela bekannt und steht mittlerweile als Synonym für einen Slum, der von Drogenbanden kontrolliert wird. Über die Aufnahmen von Straßenschlachten und brennenden Gegenden hinaus ist aber wenig bekannt.

Ein mehrschichtiger Machtkampf

Rio ist eine lange Geschichte mit vier aufeinander aufbauenden Teilen. Sie beschreibt die Entwicklung einiger Bewohner*innen der Favelas von Rio. In dem Slum selbst gibt es drei Möglichkeiten, sich ein einigermaßen erfolgreiches Leben aufzubauen: Die unterste Stufe (der Erfolgreichen) sind Prostituierte, darüber stehen die verschiedenen Hierarchiestufen der Drogenorganisation vom Läufer bis hin zum obersten Chef. Daneben gibt es den Karneval bzw. die Sambaschulen.

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Während Rubeus in Wilder Karneval von seinen Adoptiveltern angefleht wird, das Land zu verlassen und mit in die Staaten zu kommen, möchte dieser den Tod seiner Schwester rächen. Dazu muss er sich allerdings wieder tief in das Ghetto begeben und läuft Gefahr, Opfer alter Rechnungen zu werden. Gleichzeitig versuchen sowohl Ratte als auch die Hexe Capitu, die aktuellen Machtstrukturen zu stürzen.

Louise Garcia beschreibt sehr eindringlich die Zustände in den Elendsgebieten, die Macht und die alltägliche Gewalt, aber auch die offiziellen Strukturen, die diese Zustände brauchen, um sich selbst rechtfertigen zu können. Und so gehen Korruption, Gewalt, Religionen und Kommerz (Samba) Hand in Hand…

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Intensiv

Die Zeichnungen von Corentin Rouge sind nichts für zartbesaitete Leser*innen. Er verdrängt die Armut und ihre Folgen nicht und zeigt die Folgen des Drogenkonsums und der Mangelernährung in Großaufnahme! Zudem sind seine Figuren teilweise so abgestumpft und enthemmt, dass die Gesichter zu Fratzen werden. Gleichzeitig sind aber auch die Hintergründe detailliert ausgearbeitet und bieten dem Auge viele Gelegenheiten, Neues zu entdecken oder zu verweilen.

Wer mehr über die Serie wissen möchte, sollte sich das sehr lange Interview in den ZACK-Ausgaben   317 und 318 zu Gemüte führen! Wer die Serie bisher noch nicht kennt, aber ein Interesse an Geschichten über das Drogenmillieu hat, sollte hier auf jeden Fall reinschauen. Vielleicht etwas weniger geglättet als im Stream, aber nicht weniger spannend.

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Sehens- und lesenswert

Das gar nicht mehr so kleine Portfolio der ZACK-Edition ist immer wieder spannend. Während es einerseits einige Albenausgaben von ZACK-Klassikern wie Michel Vaillant oder Tanguy & Laverdure bereithält, liefert es andererseits klassische frankobelgische Serien aus. Daneben gibt es aber immer wieder Perlen im Randbereich zum Graphic Novel Genre, die den deutschen Markt abseits von Nischenthemen bereichern. Rio gehört definitiv dazu!

Wie so oft, gibt es auch bei dieser Serie nur beim Verlag jeweils eine limitierte Vorzugsausgabe mit Variantcover und beigelegtem Druck. Empfehlenswert!

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Dazu passen Abraskadabra und ein Bohemia.

© der Abbildungen Editions Glenat 2018 by Louise Garcia & Corentin Rouge | 2025 Blattgold Gmbh

ZACK 321 (März 2026)

ZACK 321

Herausgeber/Chefredaktion: Georg F. W. Tempel

Blattgold Verlag

Heft Din A 4 | 100 Seiten | Farbe | 9,70 €
ISSN: 1438-2792

Cover ZACK 321

Spanien, eine Taperia, draußen sind es 20 Grad, und doch steht auf dem Cover der Aufdruck MÄRZ… Egal, auch dieses Heft ist eine gelungene Mischung und sollte keinesfalls bis zum nächsten Urlaub liegen bleiben.

Der Neustart

Zwei sympathische Künstler porträtieren sich selbst und ihre Reise in den Süden: Heute frischer Fisch ist von und mit Charel Cambré und Marc Legendre, den beiden, die auch schon Adaptionen von Spirou & Fantasio oder Amoras vorgelegt haben. Ihre Satire spielt mit Vorurteilen gegen Nationalitäten, sexuelle Orientierung, Berufe, Lifestyles und alles andere. Fettnäpfchen können gar nicht genug geschützt sein, die beiden finden sie und springen voll hinein. Dabei nehmen sie sich selbst nicht aus und das machte es dann zu einem Vergnügen. Auch Brückenbauer ist allerdings nichts für Überkorrekte!

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Zudem gibt Henri Vaillant seinen Einstieg in das Magazin: Die Kurzgeschichte Die Fliege mit den goldenen Augen ist nur in einer speziellen französischen Sonderausgabe des Bandes über den Gründer der Familiendynastie erschienen. Umso erfreulicher ist es, dass sie hier abgedruckt werden durfte. Sie vereint einen aktuellen Teil in einer etwas gewöhnungsbedürftigen Weise und einen zweifarbig gehaltenen Rückblick nach einem Szenario von Dennis Lapière mit Zeichnungen von Marc Bourgne.

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Die Fortsetzungen

Die Nahtoderfahrung erklärt zwar, wie der wertvolle Diamant gestohlen werden konnte, er ist aber immer noch verschwunden.  Jeff Mistral und die geheimnisvolle Lucie müssen sich aber zunächst mal aus ihrer Gefangenschaft befreien (wobei es etwas verwirrend ist, dass die beiden ersten Seiten in vertauschter Reihenfolge abgedruckt sind). Danach geht es Schlag auf Schlag weiter Ein spannender neuer „alter“ Krimi von Olivier Andrieu mit sehenswerten Zeichnungen von Alain Julié, der Lust auf mehr macht. Allein das Lettering könnte etwas weniger brüllend sein.

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Der wohl spannendste Cliffhanger der letzten Zeit (zumindest für Leser*innen, die keine Möglichkeit haben, den Originalveröffentlichungen im Ausland zu folgen) war der Tod von Michel Vaillant im letzten Heft. Wie gut, dass es sich nur um einen Traum gehandelt hat. Doch halt, keine Entwarnung, denn das bedeutet, dass der oder die Killer noch frei herumlaufen. Und tatsächlich kommt es in Erlösung zu einem Attentat mit einer sehr persönlichen Wendung für Steve Warson. Spannung, Krimi-Elemente, Drama und ansprechende zeichnerische Umsetzungen, ebenfalls von Daniel Lapière getextet und umgesetzt von Marc Bourgne & Eilam.

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Ray Ringo (der früher bei Koralle Hondo hieß) ist auf der Suche nach seiner entführten Verlobten und macht Bekanntschaft mit einem Trupp älterer Männer. Diese geben sich zwar als gottesfürchtige Reisende aus, dieser Schein trügt allerdings wie so oft.  Die Neuauflage dieser Serie von Éric Corbeyran mit Zeichnungen von Roman Surzhenko wirkt vertraut, nimmt sie doch viele klassische Elemente auf, überführt diese aber in einen modernen Zeichenstil und fügt auch ein paar härtere Szenen hinzu, die man bei der Shiloh Ranch oder High Chaparral eher nicht gesehen hätte. Für mich eine der Entdeckungen des noch frischen Jahres!

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Der schon wieder als Jahressieger in der Gunst der Leser*innenschaft stehende Rick Master steht in Konkurrenz zu seiner Freundin Nadine, die ebenfalls eine Titelseitenstory schreiben möchte.Tatsächlich gelingt ihr ein Scoop! Währenddessen trifft Rick auf vier als Beatles maskierte Idioten als Dead Sugar die Bühne betritt… Eine humorvolle, von Anspielungen auf Kultur und Politik nur so strotzende neue Folge von Simon Van Liemt, die garantiert wieder vorne landen wird. Zusammen mit Zidrou wurde der doch etwas altbackene Journalist runderneuert und besetzt nun das humorige Krimifeld fast ohne Konkurrenz.

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Der Abschied

Verabschieden dürfen wir uns von der abstrusen Geschichte von Jean Regnaud mit Aleksis Strogonov. Tamo lieferte eine Geschichte über Widerstandsbewegungen, die ihnen jede Berechtigung, ja auch jede Ernsthaftigkeit abspricht. Ich verstehe nicht, was Émile Bravo dazu gebracht hat, diesen Auftrag anzunehmen. Hier herrscht die reine Freude am Zerstören vor.

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Und sonst?

Erinnert sich noch jemand an den Skandal um die Spirou-Adaption von Dany? In diesem Heft kommt der Künstler selbst zu Wort, da der erste Teil eines längeren Interviews von ActuaBD mit ihm abgedruckt wird. Lesenswert! Dazu ein Beitrag vom Verfasser dieser Zeilen über die nun von Capia gezeichnete Fortsetzung von Das Paris der Wunder, Michael Klein mit dem Rückblick auf das ZACK vor 50 Jahren und Frank Neubauer mit News, Rezis und spitzen Worten.

Die kürzeren Comicbeiträge von Parker & Badger, Der Ritter und StarFixion dürfen natürlich ebenfalls nicht fehlen.

Dazu passen Dakka Skanks mit „You can’t cancel this“ und ein Boots Night Bier von Ahoi.

© der Abbildungen bei den jeweiligen Künstlern und Verlagen / Blattgold GmbH, Bad Dürkheim 2026

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