Jarry/Gomes – Broceliande – Der Wald des Kleinen Volkes 7

Band 7: Die Buche des Reisenden

Story: Nicolas Jarry
Zeichnungen: 
Francois Gomès

Originaltitel: Brocéliande 07: Le hêtre du voyageur

Splitter Verlag

Hardcover | 56 Seiten | Farbe | 15,00 € |

ISBN: 978-3-96219-163-4

Mit dem aktuellen siebten Band ist die erste Staffel der Geschichten aus dem Wald des kleinen Volkes abgeschlossen. Unterschiedliche Teams hatten verschiedene Orte in Broceliande als Schauplatz ihrer Interpretation der klassischen Legenden gewählt und die märchenhafte, verzauberte Stimmung wiedergegeben. Mehr zu dem Konzept in der Besprechung von Teil 1.

Die Geschichte

Monsieur Le Gern ist ein erfolgreicher Unternehmer; seine Werften und seine Handelsschiffe erwirtschaften reichen Profit. Leider erfordern sie auch seine Aufmerksamkeit und so begeht er den Fehler, den viele Väter begehen: er vernachlässigt seine Familie, ja, flieht sogar vor den Verpflichtungen seiner Frau und seiner kleinen Tochter gegenüber und ist lieber unterwegs als zuhause. Seine Frau ist bereits vor einigen Jahren gestorben und nun ist auch seine sechsjährige Tochter Lenaig einer Lungenentzündung erlegen ohne dass er sie noch einmal hätte sehen können.

Die Beerdigung findet in der Nähe seines Gutes in der Bretagne statt, Monsieur Le Gern ergibt sich seinem Selbstmitleid in dem strömenden Regen und macht sich die größten Vorwürfe. Er versucht, der Welt und seiner Stimmung im Wald zu entfliehen und trifft unter einer riesigen und uralten Buche winzige Gestalten, die ihr Gesicht hinter einer Maske aus Holz verbergen. Sie bieten ihm die Rückkehr seiner Tochter beim nächsten Vollmond an. Er müsse nur in der Nacht des Vollmondes mit einer Haarsträhne seiner Tochter und einem Laib Weißbrot wiederkommen.

Natürlich zweifelt der trockene, keinesfalls an Geister glaubende Mann an sich selbst, glaubt in seinem Wahn geträumt zu haben und hat die Aufgabe fast schon vergessen. In letzter Minute klaubt er die benötigten Gegenstände zusammen, übergibt sie dem kleinen Volk und erfährt tatsächlich, dass seine tote Tochter in genau einem Monat zurückkehren wird.

Wer jetzt an ein schnelles Happy End glaubt, gehört sicherlich nicht zur Zielgruppe dieser Geschichte! Tatsächlich ist bei allen Vereinbarungen mit Wesen der Zwischenwelt immer ein Haken an der Sache und so ist es auch hier. Dem schlechten Vater stehen einige Prüfungen bevor und die nächsten Jahre zeigen seinen Wandel vom ich-bezogenen „ich-mache-alles-wieder-gut-Typ“ hin zu einem tiefen Verständnis für die Bedürfnisse anderer und zu der Fähigkeit zur Empathie. Ohne inhaltlich vorgreifen zu wollen: Diese Wandlung wird glaubwürdig erzählt. Sie ist nicht frei von Irrungen und Wirrungen, ja sogar von Rückschlägen, führt aber letztlich doch zu einem positiven Ende.

Nicolas Jarry, ein 1976 geborener Franzose, ist ein erfolgreicher Szenarist im Bereich der Fantasy. Am bekanntesten ist sicherlich die Konzeptserie „Die Saga der Zwerge“, die weniger märchenhaft daherkommt. In der Buche des Reisenden darf er beweisen, dass er auch ohne Actionelemente erzählen kann!

Die Zeichnungen

Das Cover deutet schon den Detailreichtum an, den Francois Gomès in seinen Zeichnungen bietet! Wenn es in der Geschichte regnet, hört man fast die Tropfen gegen die Scheibe schlagen, im Wald ist das Rauschen der Blätter vernehmbar und während der Wartezeiten in dem großen Haus die Einsamkeit! Die Bilder transportieren die verwunschene Stimmung der Geschichte sehr gut und als Leser*in taucht man von Anfang an in die Geschichte ein!

Es sind aber nicht nur das Dekors und die Landschaften, die positiv hervorzuheben sind; Auch die Personen, ja sogar ihre Gesichter sind gelungen und heben sich wohltuend von der leider oft präsentierten Massenware ab. Die Mimik transportiert Emotionen, die zu der Geschichte passen ohne zu übertreiben und wechselt zwischen Nahaufnahme und Totale. Einzig der kleine Hund ist etwas zu niedlich überzeichnet.

Das Layout ist dabei sehr abwechslungsreich: Während die einzelnen Panele teilweise durch Weißraum getrennt sind, überlagern sie sich andernorts oder schweben über einem Hintergrund. Auch ihre Größe und Form ist variabel, dienen dabei aber immer der Geschichte und verändern so das Tempo. Viele Illustrationen könnten dabei auch ohne den Comic für sich selbst stehen und würden sich als Poster oder als ExLibris anbieten. Es bleibt eigentlich nur zu wünschen, dass wir von diesem Zeichner mehr auf Deutsch (oder Niederländisch) zu sehen bekommen werden.

Eine klare Empfehlung!

Wie immer ist an der handwerklichen Darbietung bei Splitter nichts auszusetzen! Ein wertiges Hardcover im etwas größeren Format, gute Farben auf festem Papier und in diesem Fall sogar noch ein durchgehendes Rückenbild über die sieben Teile der Serie 🙂

Für alle Liebhaber*innen von Sagen und märchenhaften Begegnungen mit dem kleinen Volk fast schon ein Muss. Die Geschichte ist dabei meines Erachtens sogar für verschiedene Altersgruppen lesbar und erlaubt eine unterschiedliche Rezeption, zeigt sie doch eigenständige Entwicklungen von Vater und Tochter und erlaubt somit unterschiedliche Blickwinkel und Erkenntnisse. Die Reihe ist auch auf Niederländisch bei Daedalus erhältlich, dieser Band ist aber noch nicht erschienen.

Dazu passen ein Getränk auf Apfelbasis (je nach Wunsch mit oder ohne Alkohol) und Musik aus der Gegend, etwa von Gwerz.

 © der Abbildungen Splitter Verlag, Nicolas Jarry, Francois Gomès 2020

35 Jaar Weekblad Kuifje – Klassiker des Quartals – Frühjahr 2020

35 Jaar Weekblad Kuifje – 35 Jaar Humor

Text: div

Zeichnungen: div

Herausgeber/Uitgever: Raymond Leblanc

De Lombard Uitgaven

Hardcover | 1981 |128 Seiten | farbig | (vergriffen)
ISBN: 90-6421-339-9

In der Reihe Klassiker des Quartals soll heute ein Magazin gewürdigt werden, das von 1946 an fast 50 Jahre lang wöchentlich erschienen ist und ursprünglich der niederländisch-sprachige Ableger des Brüsseler Magazin Tintin gewesen ist. Nach der Einstellung dieses Magazins 1988 lief die flämische Ausgabe Kuifje weiter und hatte von 1989 an eine eigene französische Ausgabe unter dem Titel Hello Bédé. 1993 war dann endgültig Schluss! Zwischenzeitlich waren von dem Heft wöchentlich über 600.000 Exemplare verkauft worden.

1981 erschien das Hardcover „35 Jaar Weekblad Kuifje – 35 Jaar Humor“ zur Feier des Jubiläums bei Lombard das antiquarisch noch für rund 10€ in lesbarem Zustand erhältlich sein sollte. Für besonders gut erhaltene Exemplare mit Schutzumschlag muss deutlich mehr angelegt werden.

Die Konkurrenz

Während der gesamten Zeit lieferte sich Tintin/Kuifje ein Wettrennen mit Spirou/Robbedoes. Versammelte das erstere hauptsächlich die Brüsseler Schule mit der Ligne Claire um sich, war das zweitere das Publikationsorgan der Ecole Marcinelle. Trotzdem wechselten Zeichner und Autoren zwischen den Magazinen. Andre Franquin war der einzige, der unter seinem Namen eine Zeitlang gleichzeitig für beide Magazine tätig war. Robbedoes/Spirou war anfangs auch während der deutschen Besetzung Belgiens erschienen und dann von den Deutschen verboten worden. Das Magazin aus dem Hause Dupuis bzw. sein Chefredakteur hatte dabei den Widerstand teilweise aktiv unterstützt. Hergé hatte sich während des Krieges dagegen unter das Dach der von Deutschen gesteuerten Le Soir begeben und sich nach Kriegsende wegen Kollaborationsvorwürfen verteidigen müssen. Der Popularität seiner Figuren tat das keinen Abbruch.

Mitte der 60-er Jahre war die Fortsetzung Kuifjes schon einmal gefährdet; der Inhalt entsprach nicht mehr dem Geschmack des „neuen“ jungen Publikums. Ab dem 1. Oktober 1965 änderte der gerade eingesetzte Chefredakteur Greg das Konzept und brachte längere Fortsetzungen und neue, moderne aber auch Gewalt nicht mehr aussparende Geschichten, etwa Luc Orient, Bruno Brazil oder Comanche. Diese Neuausrichtung war nicht nur ein zweiter Frühling, sondern etablierte eine ganze neue Generation von Serien und Künstlern. Konzeptgemäß sind in dieser auf die humorigen Serien fokussierten Ausgabe keine Beispiele der neuen Reihen enthalten. Obwohl das Blatt mit dem Spruch „von 7 bis 77 Jahren“ warb, waren ab diesem Zeitpunkt sicherlich nicht alle Inhalte auch für alle Altersgruppen gleich geeignet.

Mit der 68-er Bewegung kamen aber auch andere Herausforderungen auf die Macher der „alten“ Magazine hinzu. Das politische Klima liberalisierte sich mehr und mehr und die katholisch-konservative Ausrichtung von Kuifje war nicht mehr en-vogue. Künstler*innen wollten neue Sachen ausprobieren, Rechte an ihren Figuren behalten und gleichzeitig drohte die zunehmende Nutzung von Kino und Fernsehen den Printmedien erstmals die zahlenden Kund*innen wegzunehmen. Neben Fantasy/SF-lastigen Titeln wie Heavy Metal/Schwermetall kamen auch moderne Hefte wie Pilote oder (A Suivre) in die Regale. Im Endeffekt überlebt hat davon aber bis auf Spirou und eher Satire-lastige Magazine wie Charlie Hebdo keines.

Etwas anders sieht es im niederländisch-sprachigen Markt aus: Zwar sind das Suske-en-Wiske-Weekblad und Robbedoes mittlerweile ebenfalls verschwunden, das Eppo (vormals PEP) existiert aber wieder!

Der Inhalt

In diesem Band werden in chronologischer Abfolge Beispiele für die humorigen Comics aus Kuifje abgedruckt. Den Beginn macht dabei (natürlich) ein Zweiseiter von Hergé mit Kwik en Fluppke (dt. Stupps und Steppke) von 1947. Zu Beginn sind übrigens durchaus noch schwarzweiße bzw. schwarz-rote Beiträge dabei, da nicht jede Seite vierfarbig angelegt war.

Die Auszüge geben einen guten Überblick über die Entwicklung des Magazininhalts: Waren anfangs noch Slapstick und Humor in altbackener Weise gefragt, wandelte sich der Inhalt über die Jahre zu auch heute noch lesbaren Klassikern wie Dommel/Cubitus oder Roodoog/Häuptling Feuerauge. Deutschen Leser*innen sind die Serien teilweise aus dem alten Koralle-ZACK bekannt das anfangs einen Teil des Materials in Lizenz abgedruckt, später sogar einige der Zeichner und Szenaristen abgeworben und mit eigenen Verträgen ausgestattet hatte. Ganz zum Schluss kommen dann auch Karrikaturartige Beiträge hinzu.

Viele der Serien zählen noch heute zu den Klassikern! Dazu gehört sicherlich Ton en Tinneke (Mausi und Paul). Diese klassische Familienserie wurde von Greg und Franquin entwickelt als letzterer frustriert von den Zuständen bei Dupuis eine Alternative gesucht hatte. Im Endeffekt hatte das dann zu einer Doppelbelastung geführt die Franquins Gesundheit sicherlich nicht zuträglich war. In dieser Zusammenstellung ist nicht nur die erste Seite überhaupt von 1955 (mit einem Szenario von Peyo) enthalten, sondern auch weitere Versionen durch Attanasio (1966), Mittéï und Cricri (1974) sowie Walli (1981).

Daneben gibt es aber noch weitere Beispiele von aktuell laufenden Reihen, etwa Dirk-Jan, der im Eppo Heft für Heft dabei ist. Auch Olivier Blunder (Albert Enzian) oder Robin Hoed (Robin aus dem Wald) gehören dazu.

Kooperation mit Willy Vandersteen

Interessant ist auch, dass Suske en Wiske von 1948 bis 1959 ein Gastspiel in Kuifje geben hatte. Die acht Abenteuer, die heute unter der Bezeichnung „Blaue Reihe“ laufen, hatten einen etwas anderen Zuschnitt als die traditionelle („Rote“) Reihe und musste ohne Tante Sidonia und Jerom (auf Deutsch in den Bastei-Zeiten Wastl) auskommen. Nach einem Zerwürfnis zwischen Willy Vandersteen und Hergé wurde die vorgesehene neunte Geschichte nicht mehr veröffentlicht. In diese Zusammenstellung wurden von Vandersteen daher nur zwei Seiten seiner Serie über den kleinen Prinzen ´t Prinske aufgenommen.

Fazit

Heute würden die meisten der abgedruckten Gags nicht mehr als zeitgerecht empfunden werden. Als Dokument dieser Entwicklung ist die Sammlung aber gut geeignet. Zudem war das Magazin in seiner Zeit absolut stilprägend sowohl für die Niederlande und Flandern direkt als auch über die verschiedenen Publikationen aus dem Kauka-Imperium und das ZACK in Deutschland.

Dazu passen eigentlich nur der King (selbstverständlich ist in diesem Zusammenhang Elvis damit gemeint, der im Januar 85 Jahre alt geworden wäre), ein Tomaten-Mayonnaise-Pilz und ein klassisches Grolsch.

© der Abbildungen de Lombard Uitgaven, Brüssel 1981

ZACK 247

ZACK 247 (Januar 2020)

Herausgeber: Klaus D. Schleiter

Chefredaktion: Georg F. W. Tempel
MOSAIK Steinchen für Steinchen Verlag
Heft Din A 4 | 84 Seiten | Farbe | 7,90 €
ISSN: 1438-2792

Das neue Jahr beginnt mit der Rückkehr zweier alter Bekannter und vor allem wieder mit der Aufforderung, die ZACK-Serie 2019 zu wählen. Das geht wie gehabt per Brief, Fax oder online. Die Gewinnchancen sind nicht riesig, der Spaß dagegen schon, geht die Wahl des ZACK-Helden doch mittlerweile in das sechste kalendarische Jahrzehnt.

Die Neustarts

Investigativer Journalismus ist nicht immer leicht und manchmal kommt der Gegenwind aus unerwarteter Richtung: Rick Master muss in „Für Frankreich gefallen“ zum Militär. Während Rick die Sache anfangs noch recht locker nimmt ist Nadine am Verzweifeln. Zidrou und Simon van Liemt präsentieren bereits das vierte „neue“ Abenteuer des ZACK-Helden der ursprünglich von Tibet bearbeitet worden war.

Auch Empire USA kehrt zurück; Episode 2.2 beginnt mit einem recht freizügigen Rückblick von Jared auf seine Beziehung zu Scarlett und Duanne. Mit routiniertem Strich setzt Alain Queireix die Geschichte von Stephen Desberg um. Moderner Agentenstoff in schnellem und abwechslungsreichem Layout. Sicherlich deutlich über dem Durchschnitt.

Die Fortsetzungen

Die Bank geht bereits in den dritten Teil. Während der perfide Plan von Lord Rothschild aufgeht machen auch die beiden Geschwister Charlotte und Christian scheinbar ein gutes Geschäft. Ob es von Dauer sein wird? Der Thriller aus der Finanzwelt Mitte des 19. Jahrhunderts hat alle Elemente, die eine gute Geschichte benötigt: Ein neues, glaubwürdig erzähltes Thema, gut aufgebaute und ausgeschmückte Figuren, einiges an Spannung und gute zeichnerische Umsetzung! Eine echte Bereicherung des Portfolios!

Giant ist etwas experimenteller, zählt für mich aber zu genau den Serien, die mich dazu bewogen haben, das ZACK zum Magazin des Jahres 2019 zu küren! Mikaël hat sich einen Underdog zum Helden gesucht. Er ist ein einfacher Bauarbeiter und damit beschäftigt, New York größer und höher zu machen. Er ist kein Held, hat keine Familie, gehört keiner kriminellen Organisation an und ist somit eigentlich vollkommen uninteressant, wäre da nicht sein großes Herz und das wahnsinnige Artwork!

Ebenfalls erwähnt werden müssen natürlich auch die kleineren Serien: Tizombi, Parker & Badger und der Vater der Sterne haben genauso ihre Auftritte wie die ständigen Rubriken mit News und Informationen. Vorgestellt werden in diesem Heft die Netflix-Serie Titans und der Taschenband von Krazy Kat!

Der Abschied

Tanguy & Laverdue beenden ihr Wüstenabenteuer Sanddiamanten und dürfen feststellen, dass Politik im Gegensatz zum Fliegen das deutlich unschönere Metier ist. Sébastien Philippe setzt die Kampfjets genauso gut in Szene wie die Landschaften und die Akteure. Für technikbegeisterte Jungen (und junggebliebene) sicherlich ein Schmankerl. Diese Serie gehört seit Jahrzehnten in das ZACK, ist aber halt nur für einen – nicht unwesentlichen – Teil der Leser*innen.

Dazu passen die 30 Years Pearl Jubilee Edition von Spirit of Ska und ein winterlicher fruchtiger Likör!

Abbildungen © 2020 MOSAIK Steinchen für Steinchen Verlag und den jeweiligen Zeichnern und Verlagen

Jahresrückblick 2019

Die besten Comics des Jahres, Abschiede und alles Übrige

Und wieder ist ein Jahr vergangen, sind alte Bekannte von uns gegangen und haben andere ein Comeback erlebt. Ein persönlicher Rückblick mit meinen Favoriten und meinen Gedanken!

Zunächst ein Dank an alle Leser*innen für die Treue im Laufe des Jahres. Die Zahl der Abrufe hat sich verdoppelt, insofern trifft die Seite zumindest den Nerv von einigen. Vielen Dank auch an die Verlage, die die Berichterstattung mit Leseexemplaren oder PDFs, Interviews oder Bildmaterial unterstützen! Natürlich bespreche ich eher Titel, die mir gefallen oder interessant klingen. Ich werde Kritik aber auf jeden Fall wie auch in der Vergangenheit äußern und bleibe daher unabhängig.

Meine Wahl der besten Comics 2019

Reisende im Wind 8.1

Der Altmeister Bourgeon wollte es noch einmal wissen und hat seine Sage um die Freiheit um ein weiteres Kapitel ergänzt. Schauplatz ist das (nach-)revolutionäre Paris. Die Zeichnungen sind nicht mehr ganz so flüssig wie zu seinen Hochzeiten, die Charaktere aber immer noch gut getroffen und das Thema bleibt aktuell. Besonders lobend (und auch Begründung für den ersten Platz) ist die Veröffentlichungspolitik von Splitter: nicht nur die farbige Ausgabe fand den Weg in die Läden sondern auch eine vierteilige schwarz-weiße Magazinform, die neben den unkolorierten Seiten auch zusätzliche Informationen und Bildmaterial enthielt!

cover Reisende im Wind 8

Batman – Catwoman – Das Hochzeitsalbum

Das Batmanuniversum hat in dem vergangenen Jahr viele Highlights erleben dürfen und ist somit erstmals seit Jahren wieder ein Ort für spannende Geschichten geworden. Neben dem kontroversen Joker-Film war dafür die Rückführung des Dunklen Ritters auf menschliche Tragödien ausschlaggebend. Das Black Label versammelt entsprechende Geschichten ohne Götter, Superkräfte oder Megaevents dafür aber mit den inneren Abgründen und persönlichen Albträumen! Die andere Seite war das romantische Intermezzo des Kapuzenträgers mit der Feline Fatale das kurz vor der Hochzeit dann doch ein Ende fand. Das Hochzeitsalbum fasst die wesentlichen Elemente in einer tollen Sonderausstattung zusammen.

Post/Heuvel – Meimoorden

Eric Heuvel ist ein bei uns in Deutschland viel zu unbekannter Vertreter der ligne claire und hat eine geniale Umsetzung eines Romans von Jacques Post abgeliefert. Rotterdam wird 1940 von den Deutschen besetzt. Während dieser aufregenden Tage werden auch alte Rechnungen beglichen und neue aufgemacht. Die deutsche Übersetzung erfolgt ab März im ZACK!

Conan der Cimmerier 5

Als Beispiel für das erstaunliche x-ste Leben des Barbaren sowohl in seiner Marvelinkarnation als vor allem aber in der europäischen Interpretation durch wechselnde Kreativteams soll dieser Band gelten! Es geht dabei nicht um Kämpfe muskelbepackter Helden, sondern um erstaunlich aktuelle Parallelen zu heutigen Ereignissen, innovativ umgesetzt und spannend präsentiert!

Pietersma/Wijtsma – Jelmer

Und noch ein Titel von unseren westlichen Nachbarn hat es in die Bestenliste geschafft: Jelmer nimmt an einem Kreuzzug teil und stellt sich zwangsläufig den Fragen ob Glaube und Gottesfürchtigkeit in einer Verbindung zu diesem Unterfangen steht!

Graphic Novels des Jahres

Ich habe ein wenig mit mir gerungen, ob ich Comics von Graphic Novels separieren sollte. Im Endeffekt glaube ich aber, dass es thematisch und stilistisch Sinn macht. Nicht, dass Comics keine Inhalte transportieren könnten (siehe etwa Jelmer oder Reisende im Wind) aber der Fokus ist einerseits Unterhaltung und andererseits irgendetwas anderes.

Le Hénanff – Wannsee

DIE Veröffentlichung des Jahres ist sicherlich die Umsetzung der Konferenz von Wannsee in eine graphische Erzählung. Unsagbaren Schrecken, unsagbare Grausamkeit und unzweifelhafte Effizienz in Worte und Bilder zu fassen ist schwierig und sicher auch nicht widerspruchslos. Hier gelingt es aber eindrucksvoll!

Schwarwel – Gevatter

Auch das Thema „Tod“ ist ein wenig sperrig und bietet sich nicht unbedingt als Massenkompatibel an. Schwarwel versucht trotzdem, sich damit auseinanderzusetzen, Unsagbares in das Gespräch zu holen, Ängste zu thematisieren und Alternativen aufzuzeigen!

Mikolajczak/Möller – die spinne

Wie schwierig die Abgrenzung zwischen Comic und Graphic Novel ist, beweist dieser Titel: die spinne ist ein Thriller, ein Film noir, eine Abrechnung mit provinziellem Rassismus, eine Beschreibung unterdrückter Sexualität und zudem noch spannend! Zurecht ein toller Erfolg für die vorher nicht so wirklich bekannten Künstler!

Christin/Aymond – Ost-West

Die Biographie eines Szenaristen kann natürlich nichts anderes sein als ein Szenario. Dieser Band beschreibt das Leben eines der besten „Texter“ und wird von einem langjährigen Gefährten umgesetzt. Natürlich hilft es, ein spannendes Leben gehabt zu haben und ein Publikum, das wissen möchte, wie bestimmte Ideen zustande gekommen sind… Lesenswert!

Comeback des Jahres

Der All Verlag hat zwei klassischen ZACK-Helden eine mustergültige Gesamtausgabe in einzelnen Hardcover spendiert: Luc Orient und Bruno Brazil sind also wieder da, letzterer sogar auch mit neuen Abenteuern. Die Gesamtausgabenwelle ist zwar im Verebben, es erscheinen aber immer noch Schätze die es Sammler*innen erlauben, Jugendträume erneut (und qualitativ auf einem vieeel höheren Niveau) zu durchleben.

Magazine

ZACK

Platz eins geht in diesem Jahr an DAS deutsche Comic-Magazin. Das ZACK hat gerade sein zwanzig-jähriges Jubiläum gefeiert und bietet immer noch eine spannende Mischung aus runderneuerten alten Helden (wie Michel Vaillant, Rick Master oder Bob Morane), neuen Serien wie die Bank, Rhonda oder Harmony oder Experimenten wie Giant! Unbedingt empfehlenswert!

Reddition

Platz zwei geht an die Reddition die mittlerweile siebzigmal ein Heft einem oder höchstens zwei Themen gewidmet hat und so für vertiefte Information sorgt. Immer lesbar, immer gut und sinnvoll illustriert und immer spannend!

Strip Glossy

Quasi in der Mitte steht die Strip Glossy: einerseits randvoll mit Comics, andererseits voll mit Informationen, Interviews und Bewertungen! Die Strip Glossy ist unverzichtbar für alle, die im Bereich niederländischer Comics und Künstler*innen auf dem Laufenden bleiben wollen!

Sekundärliteratur

Der Zweite Weltkrieg im Comic

Der Titel des Jahres ist der Katalog zu der Ausstellung im Dortmunder schauraum: comic + cartoon „Nimm das, Adolf!“. Alexander Braun seziert die Comics aus dem amerikanischen Raum und ihrer Darstellung des Krieges vor, während und nach dem Zweiten Weltkrieg, die noch heute wirksamen Auswirkungen in Deutschland, den Konflikt in Belgien zwischen dem sich anpassenden Hergé und dem auf Konfrontation und Widerstand setzenden Spirou und wirft einen Blick auf die 68er-Rezeption! Nur erhältlich im Schauraum!

Hugo Pratt – Warten auf Corto

Platz 2 geht an die autobiographischen Gesprächsnotizen von Hugo Pratt die erstmals auf Deutsch erschienen sind! Wer auch immer Fragen zu diesem Thema hat, hier sind Informationen zu finden!

CAMP 3

Platz 3 geht ebenfalls an die Edition Alfons: Das Magazin CAMP widmet sich der Trivialkultur, ist eher ein Buch im Din-A4-Format und springt von Taschenbuchcovern über die Frage des Anteils von Bob Finger an der Figur Batman zu der Form von Weltraumraketen. Genau diese Mischung verspricht kurzweilige Aufnahme nutzlosen Wissens und damit genau das, was wir alle so lieben, oder?

Verabschieden mussten wir uns neben anderen von Tome, d. i. Phillipe Vandevelde. Der sympathische Szenarist verstarb am 5. Oktober. Er war im Hause Dupuis für viele Serien verantwortlich, am bekanntesten bei uns wohl mit Der Kleine Spirou und Soda – R.I.P.

Noch eine Bemerkung in eigener Sache: Der Klassiker des Monats nimmt mehr Zeit in Anspruch als ich aktuell habe! Ich möchte aber nicht ganz damit aufhören und ändere den Titel deswegen in Klassiker des Quartals. Viermal wird es also auch in 2020 die Vorstellung eines Titels geben, der neben dem Fokus auf die Neuerscheinungen eines Hinweises würdig erscheint! Schreibt mir eure Wünsche so vorhanden!

Zum Schluss wünsche ich Euch ein tolles, erfolgreiches neues Jahr!

comix-online Reporter
Immer für euch unterwegs

© der Abbildungen bei den jeweiligen Verlagen wie in den Besprechungen angegeben sowie den jeweiligen Künstler*innen.

All Verlag Programm 2020 und Interview mit Ansgar Lüttgenau

Das erste Halbjahr 2020 bringt Klassiker für alle! Überraschungen inklusive 🙂

Ansgar Lüttgenau, Programmleiter von All Comics beantwortete unsere Fragen

Das neue Jahr steht vor der Tür und damit auch die neuen Halbjahresprogramme der Comic-Verlage. Ich habe kurz vor Weihnachten das folgende Interview mit Ansgar Lüttgenau geführt. In den ersten sechs Monaten von 2020 werden insgesamt elf verschiedene Titel erscheinen. Jeden einzelnen davon wird es auch als limitierte Vorzugsausgabe geben!

c-o: Hallo Ansgar, kannst Du Dich den Leser*innen von comix-online kurz vorstellen? Was machst du, wenn Du nicht gerade am neuen Programm bastelst?

Obwohl wir mit mehr als 20 Neuerscheinungen im Jahr mittlerweile eine Größe erreicht haben, die eigentlich eine Vollzeitbeschäftigung voraussetzt, läuft der ganze Verlag immer noch als Hobby so nebenher. Den Lebensunterhalt verdiene ich im Vertrieb bei einer Wirtschaftsauskunftei und wenn ich nach Feierabend mal nichts für den Verlag machen muss, freuen sich auch die Kinder mal ihren Vater zu sehen.

c-o: Der All-Verlag wird immer mehr zu einem Ort für Klassiker; 2019 hast du einerseits alte ZACK-Recken wie Bruno Brazil und Luc Orient zurückgebracht, andererseits aber auch mit Wally Wood einen Altmeister der Science Fiction verlegt. Natürlich dürfen wir bei dieser Aufzählung auch André Franquin nicht vergessen. Welche Überraschung bietet das neue Programm?

Ein Verlag für Klassiker. Das ist tatsächlich die Richtung in die es gehen wird. Speziell Klassiker für die es keine Druckdaten im Ausland mehr gibt, sollen in den nächsten Jahren das Rückgrat des Programms bilden. In dem Bereich gibt es noch echte Perlen, an die sich wegen des Aufwands niemand sonst ranwagt. Sozusagen als Test veröffentlichen wir ab Mai die Serie Alain Chevallier von Christian Denayer von dem wir ja auch schon Wayne Shelton im Programm haben. Diese Rennfahrerserie, die es seit Jahrzehnten auch in Frankreich nur noch antiquarisch gibt, lief übrigens in den 1970er Jahren unter dem Titel Rolf Thomsen auch im alten Zack. Das hat dann natürlich auch was mit Autorenpflege zu tun, die uns sehr wichtig ist. Deshalb wird es auch weiteres Material von Paape und Vance geben. Aber das ist noch Zukunftsmusik.

Neben André Franquin werden demnächst (vielleicht) auch noch weitere große Namen zu den bei uns veröffentlichten Künstlern zählen. Los gehts in diesem Programm mit Goscinny und Tabary. An weiten Projekten z.B. von Moebius und Hermann arbeiten wir. Mal sehen, was da noch geht.

c-o: Wie schwierig ist es, gleichzeitig für Serien wie Hombre auf der einen und etwa Valentin auf der anderen Seite Werbung zu machen?

Da musst du unseren Grafiker fragen. Der hat da mehr oder weniger freie Hand. Im Prinzip macht das aber keinen großen Unterschied. Wichtig ist eigentlich nur, dass man die richtige Werbung im richtigen Objekt macht. Für den Franquin/Gotlib-Titel Slowburn haben wir zum Beispiel eine „Anzeige“ im aktuellen Buchjournal gemacht, das in einer Auflage von 220.000 Exemplaren in fast jeder Buchhandlung in Deutschland ausliegt. Das bot sich einfach an, weil wir für diesen Titel, der sich optimal als kleines Geschenk eignet, als Absatzkanal weniger den Comichandel sondern mehr den klassischen Buchhandel sehen. Außerdem versuchen wir natürlich immer auch außerhalb des klassischen Comicbereichs wahrgenommen zu werden und haben uns in letzter Zeit deshalb besonders gefreut, dass unsere Titel auch in Medien wie dem Tagesspiegel bzw. der Süddeutschen Zeitung Erwähnung gefunden haben.

Vorzugsausgabe von Alwilda 2

c-o: In den folgenden Monaten wirst Du einerseits vier Gesamtausgaben bringen, daneben startet mit Alain Chevallier aber auch ein Klassiker wieder mit Einzelbänden. Welche Überlegungen stecken dahinter? Oder folgst du damit den Vorgaben der Lizenzgeber?

Meiner Meinung nach geht der Trend grundsätzlich wieder zu Einzelbänden. Die nehmen zwar mehr Platz im Regal weg, bieten aber eine viel bessere Möglichkeit eine Serie zu präsentieren. Wenn es allerdings wie bei Lady S. oder Wayne Shelton bereits Einzelalben in adäquater Form gibt, entscheiden wir uns in der Regel für Gesamtausgaben. Aber keine Regel ohne Ausnahme. Welche Publikationsform wir wählen, entscheiden wir im Einzelfall. Nicht zuletzt spielt dabei natürlich auch die Überlegung nach der Verkäuflichkeit eine große Rolle. Vom Lizenzgeber gibt es diesbezüglich eigentlich normalerweise keine Vorgaben.

Vorzugsausgabe Lady S. 2

c-o: Im Regelfall erscheinen neben dem regulären Band auch Vorzugsausgaben. Warum sollte man sich diese zulegen?

Gute Frage. Unsere Vorzugsausgaben enthalten ja einen Schutzumschlag oder ein Variantcover und ein auf 111 Exemplare limitiertes nummeriertes und, wenn der Zeichner noch lebt, auch signiertes Exlibris. Das macht die Bücher grundsätzlich um einiges hochwertiger. Außerdem bekommt man nur in den Vorzugsausgaben das komplette Bildmaterial. Bei Luc Orient sind das zum Beispiel Illustrationen die für französische Exlibris, Poster usw. entstanden und als Drucke nur in unseren VZA enthalten sind. Bei Bruno Brazil sind es Cover der französischen Alben Neuausgaben und bei Hombre bzw. Wally Wood Alben- und Heftcover die nicht im Bonusteil auftauchen sondern die wir exklusiv nur für unsere Exlibris verwenden. Bei Alben von Künstlern die noch unter uns weilen, wie Lady S. oder Wayne Shelton lassen wir natürlich exklusiv neue Illustrationen anfertigen. Für mich ist dabei der direkte Kontakt mit dem Künstler eigentlich immer das interessanteste. Manchmal gibt es dabei aber auch Anforderungen die kaum zu erfüllen sind. So hatte sich der 79jährige Richard Corben ausbedungen die Exlibris Blätter von Schatten auf dem Grab nur zu signieren, wenn die Versand- und Zollformalitäten auch für die Rücksendung komplett von uns übernommen werden. Da das von Deutschland aus nicht möglich war, mussten wir einen in den USA lebenden Onkel meiner Frau, von dessen Existenz ich erst wenige Wochen vorher durch Zufall überhaupt erst erfahren hatte, bitten das für uns zu übernehmen. Das Ganze war eine ziemlich aufwändige Aktion die mehrere Monate gedauert hat und die ich mir so sicher nicht nochmal antun würde.

c-o: Wie sieht es 2020 mit Messen und Börsen aus? Kann man euch im nächsten Jahr irgendwo auch persönlich treffen?

Natürlich werden wir auch 2020 wieder im Mai und November einen Stand auf unserer „Heimbörse“ in Köln haben. Wer die nächsten Luc Orient Ausgaben oder die Valentin Gesamtausgabe von Goscinny bereits einige Zeit vor dem eigentlichen Verkaufsstart erwerben will, sollte dorthin kommen. Meist haben wir dort das Maiprogramm erstmals dabei. Die wichtigste Veranstaltung im nächsten Jahr wird für uns aber der Comic Salon in Erlangen sein. Da wir bis dahin auf fast 100 Veröffentlichungen zurückblicken können, ist es an der Zeit endlich auch in diesem Bereich etwas professioneller aufzutreten. Deshalb haben wir uns entschlossen eigens einen Messestand bauen zu lassen an dem wir dann mit Christian Denayer (Wayne Shelton/Alain Chevallier) und Philippe Aymond (Lady S./Bruno Brazil Neue Abenteuer) zwei unserer „Hauskünstler“ adäquat präsentieren können.

c-o: Dein Tipp für das erste Halbjahr? Was sollte man sich als Comicfan auf gar keinen Fall entgehen lassen?

Da müsste ich ja jetzt das komplette Programm aufzählen. Aber für mich persönlich sind natürlich die alten Zack-Serien Luc Orient, Bruno Brazil und aktuell Alain Chevallier (Rolf Thomsen) ein besonderes Highlight, weil ich damit aufgewachsen bin. Außerdem freue ich mich immer über einen neuen Band der Wally Wood Gesamtausgabe. Da erscheint der nächste Band aber erst wieder im 2. Halbjahr 2020. Übrigens eins der wenigen Bücher die ich nochmal lese, wenn sie von der Druckerei geliefert worden sind. Bei den meisten Büchern reicht es mir, wenn ich sie während des Produktionsprozesses x-mal gelesen habe.

Ex Libris der Hombre Vorzugsausgabe

c-o: Für die Statistik zum Abschluss noch ein kurzer Rückblick auf 2019: Was waren deine Topseller? Gab es positive oder negative Überraschungen mit denen Du so nicht gerechnet hättest?

Unser Topseller ist immer noch Wunderwaffen. Davon gehen immer jeweils deutlich über 1000 Exemplare mit der ersten Auslieferung in den Handel. Einige Bände sind bereits in der 3. Auflage und es stehen schon wieder weitere Ausgaben zur Neuauflage an. Ein unerwarteter Verkaufserfolg war auch Hombre. Obwohl wir uns in unserem Internetform einige Kritik wegen der nicht chronologischen Veröffentlichung gefallen lassen mussten, ist der Titel seit einigen Wochen, bis auf ein paar Büchern in unseren Shop, komplett vergriffen.  Voraussichtlich wird es eine Neuauflage zusammen mit Band 2 im Februar geben. Slowburn und Die neuen Abenteuer von Bruno Brazil werden wohl die nächsten Topseller werden. Genaueres kann man aber erst sagen, wenn die erste Abrechnung vom Vertrieb vorliegt.

c-o: Besten Dank und wir freuen uns mit Dir auf das starke Programm!

Das Programm im Detail:

Februar
Bruno Brazil 5 Die Nacht der Schakale
Bruno Brazil 6 Höllentanz in Sacramento
HombreGesamtausgabe Band 2
März
Alwilda 2 Die Piratin der Ostsee
Die Wege von Malefosse Gesamtausgabe Band 4
Mai
Luc Orient 5Der stählerne Wald
Luc Orient 6Das Geheimnis der 7 Lichter
Valentin Gesamtausgabe Band 1
Juni
Alain Chevallier 1 Ein Champion geht durch die Hölle
Alain Chevallier 8Die Rivalen
Lady S.Gesamtausgabe 2

© der Abbildungen All-Verlag 2020

Camp 3 – Dezember 2019

Camp – Magazin für Comic, Illustration und Trivialkultur– Ausgabe 3

Herausgeber: Volker Hamann und Matthias Hofmann
Verlag Volker Hamann, Edition Alfons
Heft Din A 4 | 148 Seiten | Farbe | 15,00 €
ISSN: n/a

Der Untertitel „Magazin für Comic, Illustration und Trivialkultur“ gibt ziemlich genau wieder was Leser*innen von CAMP erwarten dürfen! 148 prall gefüllte, stabile und mit unzähligen Abbildungen versehene Seiten entführen in völlig unterschiedliche Spielarten der Populärkultur und laden – jahreszeitlich passend – zu gemütlichen Stunden am Kaminfeuer ein. Das Schwesterprojekt „Reddition“ widmet sich dagegen seit über 30 Jahren jeweils einem oder zwei Themen aus der Welt der Comics.

Man mag bei der CAMP möglicherweise eine gewisse Konstanz vermissen, erschien doch die erste Ausgabe bereits 2014, die zweite dann 2016 und gerade noch in diesem Jahrzehnt nun die dritte! Das Konzept wurde aber beibehalten und nur modernisiert: lange, in die Tiefe gehende Artikel, auch, aber nicht ausschließlich über fast vergessene Comicschätzchen. Dazu kommen Beiträge über die (fast vergessenen) Illustrator*innen, die in der ersten Nachkriegsjahren mit ihren Titelbildern für den Siegeszug des Taschenbuchs gesorgt haben und neue Literatur in das geistig verdorrte Deutschland transportierten oder eine Untersuchung über die Form und Gestalt der Raumschiffe in der Science-Fiction-Literatur bzw. wiederum in ihren Titelillustrationen.

Comic-Geschichte

Der Schwarze Wolf hat es bei Bastei auf immerhin 119 übersetzte Episoden gebracht; Im Original bei Vaillant/Pif Gadget gab es 161. Durch die hier abgedruckte Geschichte reduziert sich die Lücke um eine weitere Geschichte. Ulrich Wick erzählt aber auch die Geschichte dahinter, den etwas anderen Anspruch des französischen Magazins aus dem Verlag der Kommunistischen Partei, und die Referenzen auf eben diese Serie in der französischen Literatur.

Bob Kane ist sicherlich den meisten ein Begriff, gilt er doch als der Erfinder von Batman. Wieviel wirklich von ihm stammt und welchen Anteil andere wie Bill Finger oder die verschiedensten Geisterzeichner gehabt haben könnten, untersucht Will Murray.

Dazu gibt es eine Übersicht über die verschiedensten Laurel & Hardy-Comics. Durch den Film im letzten Jahr wurden die Beiden wieder in das (Massen-)Bewusstsein gebracht; die Comics über sie sind eher keine Erfolgsgeschichte.

S. Clay Wilson ist ein Vertreter des amerikanischen Underground. Eine Zeitlang war er auch in Deutschland „hip“ und durfte etwa für 2001 Burroughs illustrieren. Seit 2008 ist der Künstler ein Pflegefall und auf Spenden angewiesen.

Den Grenzbereich vom Comic zur Illustration nimmt Loriot ein. Dietrich Grünewald erzählt, warum Loriot hier trotzdem richtig ist und führt in seine Werke ein.

Illustration

Magische Postkarten sind old-school. Sie lassen sich nur einmal in einen neuen Zustand versetzen, erlauben es dadurch aber eine sequentielle Geschichte zu erzählen. Man braucht nur eine Wärmequelle… Anfang des letzten Jahrhunderts waren diese auch im Comic-Bereich ein beliebtes Werbemittel. Sie sind aber leider ziemlich in Vergessenheit geraten. Hier erfolgt der blick zurück.

Bei Dave McKean sind die Ansichten durchaus geteilt: Während die einen von seinen neue Wege beschreitenden Bildern/Collagen schwärmen, die dem Comic etwa in Arkham Asylum neue Horizonte erschlossen hätten, halten andere es für artifiziellen überflüssigen Krams. Unzweifelhaft hat McKean aber eine völlig neue Darstellungsform in den US-Mainstream gebracht.

Trivialkultur

Abschließend wird noch der amerikanische Fanzine-/Magazin Herausgeber Charles N. Brown gewürdigt der das „Locus“ von 1968 bis zu seinem Tod im Jahre 2000 gemacht und geprägt hat. Das Locus gibt es immer noch und es ist immer noch eine der wichtigsten Informationsquellen in, über und für Science-Fiction!

Der Blick nach Japan darf nicht fehlen. Hier geht es aber nicht um eine der vielen Manga-Serien oder Richtungen, sondern um „ero guro“, ein zugrunde liegendes Kunstphänomen, das schon älter ist und viele Wildheiten mit sich bringt.

Fazit

Tiefergehende Information ist heute nicht unbedingt selbstverständlich und oft fehlt dafür auch wirklich die Zeit. Umso schöner, dass das CAMP unregelmäßig (und deshalb umso willkommener) dieses Bedürfnis befriedigt und „unnützes Wissen“ in seiner besten Form darbietet!

Viele, tiefgehende Artikel und sorgfältig ausgewählte ergänzende Illustrationen in einem stimmigen Layout sind die 15 € allemal wert! Mein Tipp für die anstehenden Urlaubstage zur Flucht in triviale Welten, gerne auch ohne einen Kamin!

Dazu passen irgendwie schräge und unbekanntere Klänge: Grabt doch mal nach deutscher Mod-Musik (zur falschen Zeit am falschen Ort) oder nach Northern Soul Perlen! Ein Bordeaux sollte dabei unterstützend wirken können.

© der Abbildungen bei den Autoren und Verlagen c/o Edition Alfons 2019

Regnauld/Seiter – Das Herz des Zorro

Das Herz des Zorro

Story: Roger Seiter
Zeichnungen: 
Pascal Regnauld

Originaltitel: Balle tragique pour une série Z

Schreiber und Leser

Hardcover | 64 Seiten | Farbe | 16,95 € |

ISBN:  978-3-96582-002-9

Eine der besonders netten Reihen bei schreiber & leser ist mit Nachtprogramm betitelt. Hier erscheinen aus dem Rahmen fallende Einzeltitel für Entdecker*innen und abenteuerlustige Leser*innen. Das Herz des Zorro ist darunter die aktuellste Veröffentlichung.

Der Inhalt

Wir springen in das Jahr 1957, mitten in den heißen Sommer. Jimmy White ist einer der typischen mittelmäßigen Männer dieser Zeit. Er hat schon als Stuntman gearbeitet, als Double und aktuell hat seine Agentin ihn als Statisten für die Disney-Serie Zorro untergebracht. Der Job ist nicht sehr anspruchsvoll, seine Frau ist vor kurzem verschwunden und die Polizei, genauer gesagt ein Detective glaubt, dass White sie umgebracht habe. Außerdem ist da noch die Sache mit dem Geldverleiher…

Bei einer Drehszene wird unser Held vom Star der Serie mit einem Degen verletzt, auf eine Kolumnistin wird ein Attentat verübt und ein Sternchen wird ermordet. Natürlich hofft Jason Boyd, dass er alle diese Verbrechen dieses Mal aufklären könne, und ist fest davon überzeugt, dass nur Jimmy als Täter in Frage kommen kann.

Glücklicherweise hat Jimmy aber auch noch seine Agentin Brenda, die bereit ist, viel mehr zu tun als üblich. Roger Seiter gelingt es, in dieser Story einerseits das Flair des klassischen Noir-Thrillers aufleben zu lassen. Andererseits tauchen aber auch viele der bekannten Gesichter des Filmbusiness der End-Fünfziger auf und die Studioatmosphäre wird perfekt wiedergegeben. Die Handlung läuft dabei ab wie ein Film.

Der gebürtige Straßburger Seiter ist im französischen Comic wahrlich kein Unbekannter, sein Werk hat es aber bisher im Wesentlichen nicht in die deutsche Sprache geschafft. Schade eigentlich.

Die Zeichnungen

Pascal Regnauld ist hierzulande bekannter, zeichnet er doch seit dem 10. Band an den Geschichten von Inspektor Canardo mit.

Er nimmt das filmische in seinen Zeichnungen auf und kombiniert Totale mit Weitwinkel und schnellen Schnitten auf schwarzem Hintergrund.

Die Figuren sind leicht grotesk überzeichnet und in den Details reduziert. Umso wesentlicher ist die ebenfalls von Regnauld ausgeführte Kolorierung, die mit Schattierungen Kontur gibt. Gedämpfte Farben ermöglichen ein sehr stimmiges Ambiente für diesen Thriller, dem man nicht auf den ersten Blick ansieht, dass er aus diesem Jahrzehnt stammt!

Die Empfehlung

Braucht ihr noch ein kurzfristiges Weihnachtsgeschenk? Wenn ja, mit diesem Band macht ihr nichts falsch für Filmfans, Noir-Adicts und Leser*innen guter Geschichten.

Der Band ist erschwinglich, gut verarbeitet und wertig, im Zweifel nicht bereits vorhanden, da doch eher aus einem Nicht-Mainstream-Verlag, und vor allem wirklich gut!

Dazu passen Madness mit ihrer neuen Single „The Bullingdon Boys“ und ein klassischer Whisky Sour!

© der deutschen Ausgabe 2019 Scheiber&Leser

© der Abbildungen Éditions Glenat 2019 by Roger Seiter & Pascal Regnauld

Nihoul/Mantovani – Cixi

Königliches Blut: Cixi – Die Drachenkaiserin

Story: Philippe Nihoul
Zeichnungen: Fabio Mantovani

Originaltitel: Les Reines de SangCixi

Splitter Verlag

Hardcover Überformat | 112 Seiten | Farbe | 22,00 € |

ISBN:  978-3- 96219-078-1

Die Reihe Königliches Blut versammelt ein- oder mehrteilige Geschichten über Herrscherinnen unter einem einheitlichen Logo. In ihnen werden natürlich Fakten und Fiktion verwoben, sind doch die Geschichtsschreibungen gerade über relevante Frauen oft schon selbst teilweise eher Mythos als Wiedergabe der Wirklichkeit. Trotzdem versuchen sie aber, die porträtierten Frauen in ihre Widersprüchlichkeit und ihrer Macht darzustellen.

Der Inhalt

Nach Isabella von Spanien, Alienor von Aquitanien und Kleopatra wagt sich der Splitter-Verlag jetzt erstmals in den Fernen Osten und stellt unter dem Label „Double“ die Drachenkaiserin Cixi vor. Cixi ist ein sehr hübsches Mädchen aus dem Stamm der Mandschu, der damaligen Herrscherkaste. Ihre Familie gehört aber nicht zu dem traditionellen Hochadel so dass sie eigentlich nur auf eine gute Heirat hoffen kann. Um ihren Ruf steht es aber nicht zum Besten und als sie bei einem Stelldichein mit einem jungen Mann erwischt wird, bleibt nur der Ausweg, sie als Kurtisane an den kaiserlichen Hof zu bringen.

Parallel dazu muss den Han-Chinese Li Lieng Ying erleben, was Armut heißt. Er fasst den verzweifelten Plan, sich zum Eunuchen machen zu lassen und am Hof aufgenommen zu werden. Dieser Plan erfordert aber das Eingehen einer großen Schuld bei den Kastraten.

Am Hof treffen sich die Beiden und Li Lieng Ying entwirft einen Plan für ihre Zukunft. Cixi soll den bisher kinderlosen Kaiser von sich abhängig machen und ihm einen Thronfolger schenken. Um diese Ziele einmal erreichen zu können muss Cixi erst die Kunst der Verführung und des Liebesspiels lernen. Tatsächlich ergibt sich die Chance, dass Cixi zum Kaiser gerufen wird und aufgrund des langen, ausdauernden Trainings verfällt er ihr tatsächlich. Als der Kaiser schließlich stirbt, wird seine Kurtisane als Mutter seines Erben zur Kaiserinwitwe. Eigentlich gleichberechtigt zu seiner Hauptfrau, die sich für solche Sachen aber nicht interessiert, übernimmt sie die Regentschaft für ihren Sohn. Ihr Begleiter wird zum Haupteunuch und die beiden regieren für insgesamt 24 Jahre das Reich der Mitte mit harter Hand.

Im Laufe der Geschichte kommt es immer wieder zu Konflikten, sowohl mit Männern, die einer Frau das Recht zu regieren absprechen wollen, aber auch mit den Langnasen, also den Europäern. Dabei spielen sowohl die Christianisierung und Ausbeutung des Landes eine Rolle als auch persönliche Eitelkeiten. Auch der sogenannte Boxeraufstand spielt dabei eine große Rolle. Die Geschichte endet mit dem Tod der Drachenkaiserin.

Philippe Nihoul gelingt es dabei sehr geschickt, geschichtliche Fakten und Stimmungen mit den Lebensgeschichten der beiden Hauptpersonen zu verbinden. Alles Notwendige wird mitgeteilt ohne dass dabei auch nur ansatzweise der Gedanke an einen drögen Geschichtsunterricht aufkommt. Konflikte mit anderen Staaten aber auch interne Intrigen bekommen dabei genügend Raum, lassen aber Platz für die genaue Zeichnung der Charaktere und ihrer Entwicklung. Sex spielt eine große Rolle in dieser Geschichte, steht aber nie als solches im Vordergrund, sondern treibt die Entwicklung und ist somit Mittel zum Zweck ohne Selbstzweck zu sein.

Die Zeichnungen

Fabio Mantovani hatte augenscheinlich Spaß an den zwei Bänden, die hier in einem Hardcover zusammengefasst worden sind. Chinesische Dekors und Landschaften vermitteln den Eindruck einer guten Recherche und auch die Figuren inklusiver der Gesichter sind gelungen. Man kann aber nicht übersehen, dass der Zielmarkt Europa ist; die Züge sind teilweise etwas überzeichnet.

Mantovani schreckt auch nicht davor zurück, abgeschlagenen Köpfe und Folterszenen ins Bild zu setzen, wenn ihm auch die lebenden Körper mehr zu bedeuten scheinen. Die Farben sind teilweise etwas zu aufdringlich, insbesondere rote Lippen wirken überbetont. Die Farbgewaltigkeit der Kleidung passt dagegen.

Beim Seitenlayout verlässt der Künstler die ausgetretenen Raster und packt Panele auf Hintergrundzeichnungen, arrangiert diese völlig frei und schafft daher ein sehr unruhiges aber anregendes und immer wieder wechselndes Seitenbild. Mehr davon!

Fazit

Auch die vierte in dieser Reihe porträtierte Herrscherin hat Geschichte geschrieben. In ihre Zeit fiel der Konflikt mit den Kolonisatoren, die das Reich der Mitte als neue Gewinnquelle für sich entdeckt hatten, begleitet von dem immer wieder aufkommenden Konflikt um die regionale Vorherrschaft mit Japan und dem bevorstehenden Wandel des abgeschotteten traditionsgebundenen Riesenreiches hin zur Moderne. Diese Thematiken werden ansprechend eingebunden und erzeugen sicherlich mehr bleibendes Wissen als unzählige Unterrichtsstunden.

Es darf aber auch nicht vergessen werden, dass trotz allem die Unterhaltung im Vordergrund steht und auch dieser Aufgabe wird der Comic gerecht. Die Ränke und Intrigen würden einem Krimiplot auch gut zu Gesicht stehen. Auch wenn es hier um Herrscherinnen geht, ist die Zielgruppe wohl im Wesentlichen männlich. Es wäre daher spannend, die gleiche Story von einem weiblichen Team umgesetzt zu sehen.

Obwohl Cixi eine der bedeutendsten Herrscherinnen Chinas war, die Geschichte erst 150 Jahre zurückliegt und sie schon immer von Legenden umrankt war, ist wahrscheinlich eine gute Idee gewesen, die Original-Bände 11 und 12 in eine deutsche Ausgabe zu packen. Das Thema China ist noch nicht im (Comic-)Mainstream jenseits des Mangas angekommen.

Ausstattungsmäßig erfüllt der Splitter-Verlag wie immer alle Erwartungen! Und 112 Seiten für 22 Euro sind absolut fair!

Dazu passen grüner Tee und Sake und alles Instrumentale von den Skatalites!

© der Abbildungen Splitter Verlag GmbH & Co. KG ·   Bielefeld 2019

© 2015, 2018 Èditions Delcourt / P. Nihoul / F. Mantovani

Aymond/Bollée – Bruno Brazil – Die neuen Abenteuer 1

Black Program Teil 1

Story: Lauren-Frédéric Bollée 
Zeichnungen: Philippe Aymond

Originaltitel: Les NouvellesAventures de Bruno Brazil – Tome 1 Black Program

All Verlag

Hardcover | 56 Seiten | Farbe | 15,80 € | 
ISBN: 978-3-946522-70-6

Der coolste Geheimagent der siebziger Jahre ist zurück mit neuen Abenteuern! Bruno Brazil hat drei Mitglieder seines Kommando Kaiman verloren, zwei weitere wurden schwer verwundet, weder Zeichner noch Texter der ursprünglichen Serie leben noch und doch geht es weiter.

Die Story

Bruno hat die Verluste in seiner Truppe, insbesondere aber den Tod seines Bruders (noch) nicht verwunden und ist in psychologischer Behandlung. Während er noch Trübsal bläst dreht die Welt sich aber weiter. Zunächst wird das Anwesen, auf dem Madison Ottoman gepflegt wird, Schauplatz eines Überfalls. Ottoman war der Kopf hinter der geheimen Sendeanlage im Dschungel, die den Startpunkt für das Kommando Kaiman gegeben hatte (siehe Bruno Brazil 2). Nur kurze Zeit später verschwindet Ottomans damalige Komplizin Rebelle aus einem Hochsicherheitsgefängnis. Alles scheint mit dem geheimnisvollen Black Program in Verbindung zu stehen.

LF Bollée schafft es, die neue Serie nahtlos an die letzte Geschichte anknüpfen zu lassen. Obwohl seitdem mehr als 40 Jahre vergangen sind, wirkt das Ganze aber nicht altbacken, sondern so frisch wie ein neuer Doppelnull-Geheimagententhriller! Brazil war schon immer der bessere, glaubwürdigere Held und die damalige Zeit erlaubt einerseits bereits technische Gadgets, ist aber von der modernen Komplett-Video-Überwachung, GPS-Tracking u.ä. meilenweit entfernt.

Brazil ist aber nicht mehr nur der harte „Soldat“, er hat ein bereits in der ursprünglichen Serie angelegtes Privatleben und auch dort sind Kämpfe zu bestehen: Wie kann man einen pubertierenden Jungen erziehen, der nicht der eigene ist und demgegenüber man extreme Schuldgefühle hat? Zudem ist die Frage zu klären, ob und wann der Beruf vorgehen darf. Während es eine Zeitlang Mode war, Krimihandlungen hinter den persönlichen Problemen fast untergehen zu lassen, halten sich die Themen hier die Waage. Sie versprechen für die Zukunft nicht nur spannende Agentenplots, sondern auch Anknüpfungspunkte für ergänzende und ablenkende Konflikte.

Da sich die Geschichte über mindestens zwei Alben erstrecken wird ist Geduld gefragt! Hoffen wir, dass sich die Beiden an den Rhythmus von einem Band pro Jahr halten werden.

Die Zeichnungen

Phillipe Aymond ist kein Unbekannter; seine Kariere begann mit einer Zusammenarbeit mit Pierre Christin, dessen Autobiographie er auch zeichnen durfte. Sein bisheriges Hauptwerk ist sicherlich die Agentenserie Lady S., die von Jean van Hamme getextet wurde. In diesem Sujet kennt er sich aus: brennende Autos, Mündungsfeuer und Kampfszenen beherrscht er wirklich! Das Gesicht der von Vance übernommenen Hauptfigur und auch die der Mitstreiter*innen können dagegen nicht vollkommen überzeugen! Das mag allerdings auch daran liegen, dass sich der Stil solcher Geschichten im Laufe der letzten 40 Jahre komplett gewandelt hat. Vielleicht fehlt auch nur noch etwas Routine.

Dekors und das Gefühl der Serie sind dagegen sehr gut getroffen. Die Siebziger-Jahre, die den Hintergrund der Geschichte bilden, atmen ihren Duft aus jedem einzelnen Panel, aus jeder Tapete im Hintergrund und aus jedem Möbelstück. Wenn auch die Mundpartie nicht immer gelungen ist, die Emotionen kommen trotzdem rüber und auch die Landschaften und Häuserschluchten sind stimmig!

Die Veröffentlichung

Der All-Verlag hat es sich zur Aufgabe gemacht, Meilensteine der Comic Geschichte in toller Ausstattung zu veröffentlichen. Dazu gehören unter anderem  die im EC-Verlag erschienenen SF und Fantasy-Geschichten von Wally Wood aber auch die beiden von Greg geschriebenen Reihen Luc Orient von Eddy Paape und Bruno Brazil von William Vance. Beide erscheinen erstmals chronologisch in einzelnen Hardcover-Bänden mit reichlich Zusatzmaterial.

In gleicher Reihenaufmachung, allerdings ohne zusätzliche Abbildungen, ist auch der erste Band der Neuen Abenteuer erschienen. Wie immer gibt es auch eine auf 111 Exemplare limitierte Vorzugsausgabe, die als Draufgabe ein signiertes ExLibris enthält!

Insgesamt also eine sehr gelungene Umsetzung, die sowohl Fans der alten Serie zufriedenstellen wird als auch neue gewinnen!

Dazu passen ein leicht nach Salz schmeckender Old Pulteney und Musik aus den end-Siebzigern: Cock Sparrer!

Ausschnitt aus dem ExLibris der Vorzugsausgabe

© der Abbildungen Éditions du Lombard (Dargaud-Lombard S.A.) 2019 by Aymond, Bollée

© der Deutschen Ausgabe All-Verlag Wipperfürth, 2019