Wenn es keinen Spaß mehr macht, Nachrichten anzuschauen, im Radio zu hören, oder gar die Tageszeitung am Frühstückstisch die Lust am Kaffee vergällt, ist es Zeit, die Probleme aus einer anderen Perspektive zu betrachten. Lachen hilft!
Schluss mit lustig? Echt jetzt?
Schon das Titelbild verwechselt Natur mit Moral und schafft daraus eine kreative Spannung. Die Cartoons in diesem Band folgen sehr unterschiedlichen Themen, von extrem persönlich über das Ausleben von Vorurteilen und Geschlechterrollen bis hin zur aktuellen Politik. So wie die Stilrichtungen von einem Bild, das wie hingekritzelt wirkt, bis hin zu einer Abfolge von Bildern, also einem Strip, reichen, sind auch die Themen und die „Bösartigkeit“ der Zeichner*innen sehr unterschiedlich.
Bei manchen Bildern möchte man, ja nun, zumindest ich, laut loslachen, bei anderen bleibt es mir „im Halse stecken“. Viele der Themen kommen nicht sehr überraschend, sind aber witzig umgesetzt. Dazu gehört etwa der allseits beliebte Vergleich von Panzern und SUVs oder die Situation auf dem Golfplatz. Der auf dem Wortwitz beruhende Singvogelvergleich ist dagegen eher ein Unikat.
Der politische Witz findet natürlich in dem Menschen, der selbst beim Fußball eingreifen muss, ein dankbares Opfer. Aber auch wenn die Sammlung doppelt so viele Arbeiten zeigen könnte, das Thema wäre nicht ausgereizt. Insofern ist es gut, dass nur einige Cartoons sich darauf beziehen. Aber es gibt ja auch noch die geleugnete Klimakrise, die Pflege, Krieg und Frieden und AI/KI.
Für den Strand, als Mitbringsel oder doch für das Örtchen
Die Sammlung ist wie immer handlich und mit 160 Seiten auch überschaubar und doch umfänglich. Der Preis erlaubt ein Geschenk – an sich selbst oder für andere. Und selbst am Strand mag das eine oder andere Sandkorn die Sammler*innen nicht wirklich erschrecken: die Auflage ist groß, der Preis ist niedrig. Die Fiesen Bilder sind für mich eine der besten Cartoon-Reihen in Deutschland und erlauben nicht nur den Rückblick auf die Themen der letzten 12 Monate, sondern vor allem die Möglichkeit, den ganzen aktuellen Irrsinn als genau solchen zu betrachten!
Dazu passen The Beat mit „Tears of a Clown“ und ein Red Ale.
Mit der Präzision eines Uhrwerks erscheint Jahr für Jahr das ICOM COMIC! Jahrbuch; die 26. Ausgabe im Jahr 2026. Wie meistens gibt es neben Berichten aus den Independent Werkstätten, Länderberichten, Interviews und natürlich den Preisträger*innen der diesjährigen ICOM Independent Comic Preise sowie der XPPen Preise auch wieder ein Schwerpunktthema. Angesichts des überall zu beobachtenden Rechtsrucks und dem Versuch, Geschichte neu zu schreiben, ist es kein Wunder, dass es in diesem Jahr um Comics über Rechtsextremismus geht.
Der Schoß ist fruchtbar noch
Auf fast 140 Seiten werden Comics zum Thema Faschismus/ Rechtsradikalismus/ Drittes Reich/ Neonazis vorgestellt. Dabei steht keineswegs nur der Bereich Independent im Vordergrund; hier geht es wirklich um einen zwar subjektiven, aber doch ziemlich umfassenden Überblick, der unabhängig ist vom Status der beteiligten Künstler*innen und Verlage. Thematisch sinnvoll gruppiert stellen verschiedene Autor*innen Comics mit bibliographischen Angaben, Inhaltsangabe, Einordnung und Abbildungen dar. Während ich solche Zusammenstellungen aus den Niederlanden durchaus kenne, ist mir ein derartig umfassendes Dossier aus Deutschland nicht bekannt.
Bevor sich jetzt die falsche Seite beschwert: Es geht dabei nicht um geschichtsklitternde Werke oder solche, die die Verbrechen der Deutschen Wehrmacht leugnen. Der Alltag im Dritten Reich, der Widerstand und Erlebnisse aus den besetzten Gebieten sind dagegen sehr wohl dabei. Es ist gut zu sehen, wie viele Comics es zu diesem Thema gibt, welche Vielfalt an Themen, Standpunkten und Stilrichtungen zu finden ist und wieviel Ernsthaftigkeit dabei zu Tage tritt. Die Demokratie ist noch nicht am Ende. Mit dabei ist zum Beispiel auch „Andi“, ein Comic vom Verfassungsschutz.
Die Preisträger*innen
Ein weiterer Schwerpunkt sind wie in jedem Jahr die von einer Jury Auserwählten. Alle nominierten Titel werden vorgestellt und bekommen dadurch ihre verdiente Bühne. Wie immer kommen dazu die Interviews mit den Gewinner*innen des letzten Jahres. Da das Jahrbuch immer passend zur Preisverleihung erscheint, kann es die aktuellen Besten zwar verkünden, Reaktionen aber nicht einschließen. Dies erfolgen dann jeweils im nächsten Jahr. Gleichzeitig ist dadurch ein erneuter Push für die Sichtbarkeit gewährleistet.
Bester Independent Comic in der Kategorie Selbstveröffentlichung wurde Herrmann von Ray Henderson. Der Autor veröffentlicht nicht nur im Selfpublishing, sondern auch beim ungarischen Verlag 5 Panels. Die Internationalität ist auch hier nicht mehr aufzuhalten! Der beste Independent Comic als Verlagsveröffentlichung ist in diesem Jahr Der Zahn von Ayse Klinge aus dem Kibitz Verlag. Comics für Kinder sind also nicht nur in Erlangen preiswürdig! Der Sonderpreis geht an Titus Ackermann und würdigt sowohl seine Arbeit für mogamobo, ein Umsonst (!) Comicmagazin mit einer Auflage von mittlerweile mehr als 2.000.000 verteilten Exemplaren als auch seine Miniserie Was vom Leben übrig bleibt!
Der XPPen-Preis für herausragende Digitale Comics geht an zwei Teams: Tinkerville Blues von Michael Mikolajczak und Andreas Möller, mehrere Noir-Kurzcomics, die im gleichen Universum spielen wie Die Spinne. Ebenfalls ausgezeichnet wurde der Fantasy-Titel Onaya – Rise of a Druidess von Luphialia und Mario Affenzeller. Auch hier gibt es Inhaltsangaben und Bildmaterial und somit genügend „Werbung“ um den Einen oder die Andere zum Kaufen zu überreden.
Ein Blick auf die Szene
Dazu kommen mehrere Interviews, die sowohl die Bereiche Comic als auch Cartoon/Karikatur beleuchten. Der Band enthält auch viele Cartoons, die in den üblichen Zusammenstellungen eher nicht enthalten sind und stellt somit eine wichtige Bereicherung dar. Die lesenswerten Länderberichte aus USA und den Niederlanden erlauben einen Einblick in die Szene. Hier geht es weniger um einzelne Titel, sondern mehr um Befindlichkeiten und Strategien. Den Schluss bildet wie üblich der Bericht über Kurz- und Trickfilme. Diese sind zwar offizieller Bestandteil und auch Teil des Covers, stellen aber nur einen kleinen, nichtsdestotrotz interessanten Anteil.
Muss das sein? – JA!
Es gibt viele Publikationen, Magazine und Wiederveröffentlichungen bei denen sich die Frage stellt, ob die Welt wirklich darauf gewartet hat. Und auch Erstveröffentlichungen hätten manchmal lieber nie das Licht der Welt gesehen. Das ICOM COMIC! Jahrbuch ist dagegen ein Highlight des deutschen Comicjahres. Nirgendwo sonst gibt es in dieser geballten Form Einblicke in und aus der Szene und Empfehlungen. Der Preis ist zudem unschlagbar günstig, die 268 Seiten kosten weniger als der aktuelle Lucky Luke Hardcover! Zudem ist es erfrischend zu lesen, dass eine Szene Stellung bezieht!
Dazu passen ein Erdinger Dunkel und im Hintergrund läuft das Mod-Radio UK!
Gabriele Di Caro ist in Deutschland längst kein Unbekannter mehr; seine Interpretation der Morde an Frauen im London des ausgehenden 19. Jahrhunderts (Maison Fleury) sowie seine Kurzgeschichten über Begegnungen (Hinter dem Paradies) haben bewiesen, dass man splitternackte Inhalte mit einem vernünftigen Inhalt verknüpfen kann.
Eine jahrzehntelange Feindschaft
Seine neue Serie, Die süßeste aller Früchte, spielt kurz nach Ende des Zweiten Weltkrieges irgendwo auf dem Land in den Vereinigten Staaten. Das örtliche Leben spielt sich zu großen Teilen im Diner ab, der Friseur weiß über alles Bescheid und ein, wenn nicht der Höhepunkt des Jahres ist der Wettstreit um die süßesten Früchte des Ortes. Ronald will ihn gewinnen, wenigstens ein Mal, doch bisher war Larry nicht zu schlagen.
Ein kleiner Reporter wird in das Örtchen gesandt, um über den Wettbewerb zu berichten. Während er sich einerseits mit seiner Vermieterin beschäftigt, holt ihn andererseits seine Vergangenheit in Form von zwei Geldeintreibern ein. Außerdem gibt es noch die Angestellte im Diner, die die Männer verrückt macht und den Vamp gibt.
Kern der Geschichte ist aber eine Fee die Ronald die süßesten Früchte verspricht. Er darf sie allerdings erst in sieben Tagen ernten und muss sie bis dahin beschützen. Das ist leichter gesagt als getan, handelt es sich doch bei den Früchten um sehr freizügige Frauen. Wird Ronald der Aufgabe gewachsen sein?
50-er Jahre Feeling
Die Geschichte spielt in den frühen 50-er Jahren und Di Caro vermittelt in seinen Zeichnungen genau dieses Flair. Man riecht die Mischung aus Schweiß von der harten Arbeit, den überall geduldeten Zigarettenqualm und der Parfüms, die zur Vervollständigung getragen werden. Dazu kommt der Sound dicker Schlitten und die Klänge aus der Music-Box. Dieses Setting ist wirklich gut gelungen!
Wie man bei dem Sub-Label allerdings erwarten darf, ist das nur die Bühne für körperliche Aktivitäten, die auch ziemlich explizit geraten. Der Band ist daher auch nur für Erwachsene geeignet. Bei seinen Werken ist der Künstler bemüht, die Frauen nicht zu Objekten zu machen. Der Blick bleibt allerdings der eines Mannes.
Mehr Haut als tragischer Held
Oft sind die heute noch bekannten Geschichten aus dem Amerika der 50-er Jahre sehr melodramatisch. Der Held ist zartfühlend und unverstanden, versteckt das Ganze aber unter einer rauen Schale. Die Frauen sind mitfühlend, können aber nicht wirklich helfen und leiden daher ebenfalls. Diese Grundstimmung fehlt hier. Es gibt zwar ebenfalls Verlierer, diese fügen sich aber in ihren Platz. Man weiß allerdings noch nicht, wie sich die Geschichte weiterentwickeln wird; für Drama ist jedenfalls noch Platz.
Auch dieser Splitternackt-Band wird sich nicht schlecht verkaufen, er ist handwerklich auch gut gemacht! Und auch die Story ist zwar genretypisch, hat aber ihre Kniffe. Für Fans gibt es ebenfalls eine limitierte Sonderausgabe mit Variantcover, Bonusmaterial und einem beigelegtem Druck! UPDATE: Band 2 ist gerade erschienen.
Dazu passen Bite Me Bambi mit „Do the Damned“ und ein Miller‘s!
Heft Din A 4 | 100 Seiten | Farbe | 9,70 € ISSN: 1438-2792
Die letzten Tage haben dazu verleitet, Bewegungen einzustellen und mehr zu lesen als gewöhnlich. Für die kommenden Tage ist es zwar nicht mehr ganz so heiß, die Ablenkungen durch die Fußball-WM dürften dafür bei vielen aber kleiner geworden sein, denn zumindest die Deutschen und ihre Nachbar*innen aus den Niederlanden, also der Großteil der Zielgruppe dieser Seiten, dürfen ja nicht mehr mitspielen. Das erste der beiden Sommer-Hefte ist übrigens eine Besonderheit, enthält es doch keinen Neustart.
Die Fortsetzungen
Das Titelbild entstammt der im letzten Heft gestarteten neuen Serie Brigade Verhoeven. Der Vierteiler von Pascal Bertho nach den Romanen von Pierre Lemaître ist ein Thriller, der fast schon zu dem Noir-Segment gehört. Band 1 – Rosie – begann mit einem Bombenanschlag mitten in Paris. Es stellt sich heraus, dass der Verursacher scheinbar noch mehrere dieser Sprengkörper besitzt und auch damit droht, sie einzusetzen. Was hat die Mutter des vermutlichen Täters mit der Sache zu tun? Dynamische Zeichnungen von Yannick Corboz mit anfangs teilweise verwirrenden Kolorierungen.
Der Bucklige von Montfoucon ist neben einem Historiendrama auch ein Stück über Rache und den Zwist zwischen Geschwistern. Der bereits dritte Teil von Unser Vater zeigt einen Kampf aus der Jugend der Brüder mit lebenslangen Folgen. Als sie sich lange Jahre später wieder gegenüberstehen wird sich zeigen müssen, ob Blutsverwandtschaft oder Feindschaft den Ausgang der Begegnung bestimmen werden. Hübsche Bilder von Eric Stalner machen das Mantel-und-Degen-Stück von Philippe Pelaez zu einem visuellen Genuss. Es empfiehlt sich aber, die Story am Stück (erneut) zu lesen.
Ein weiterer Kriminalfall, dieses Mal aus der Sparte „cosy & english“ ist mit Pfeifenrauch und Seidenstrümpfe betitelt. Inspektor Arbuckle, ein fülliger Pfeifenraucher, versucht seit Jahren Sir Walter Rutherford als Kriminellen zu überführen. Jetzt scheint er endlich einen Zeugen gefunden zu haben und versteckt ihn bei sich zu Hause. Mitten in der Nacht meldet die Katze allerdings einen unerwarteten Besucher, oder doch nicht? Der schwarze Fleck ist eine sehr nostalgische Story von Étienne Willem mit viel Humor, ausgeprägten Riechwerkzeugen und wunderbaren Stereotypen.
Das heiße Wetter der letzten Tage hat auch dazu geführt, dass man überall an die steigende Waldbrandgefahr erinnert worden ist. Harry & Platte werden während eines Auftrages in der Nähe von Nizza von gleich mehreren Feuern überrascht. Dramatische Szenen ergeben sich, als sie und ein ganzer Trupp von Feuerwehreinheiten zwischen der Feuerfront und einer abgerutschten Straße eingeschlossen scheinen. Denis Lapière und Alain Sikorski entwerfen eine spannende Story in der sich die Protagonisten nicht nur der menschlichen Gewalt erwehren müssen, sondern auch Naturgewalten gegenübertreten: Feuer und Schwert sozusagen!
Die Abschiede
Nichts geht mehr in Libertalia; das Konzept einer Gesellschaft von Freien ist gescheitert an der Machtgier und dem Egoismus Einzelner. Wie so oft enden revolutionäre Projekte mindestens genauso blutig, wie sie begonnen haben, und passenderweise heißt dieser Teil denn auch Die Wege zur Hölle. Rudi Miel & Fabienne Pigière haben eine etwas andere Piratenstory gebaut und sehr anspruchsvoll verflochten; Paolo Grello hat das in Bilder gepackt, die für ein frankobelgisches Magazin eher ungewöhnlich sind. Die stricheligen, an Gemälde erinnernden Bilder habe aber einen großen Reiz, vor allem am Stück (und damit im Zweifel erneut) genossen.
Nach dem Ende des zweiten Teils verlassen uns nun zunächst auch Charel Cambré und Marc Legendre wieder. In Heute frischer Fischwird endlich das abgetrennte Dorf wieder mit seinem Land vereint, Vorräte können erneut beschafft werden. Auch eine Feier wird veranstaltet die die beiden Helden zunächst vor ein großes Problem stellt, ihnen aber letztendlich einen Erkenntnisgewinn verschafft. Roadmovie, Kunstkritik, anarchistischer Humor und die Hinterfragung vieler Vorurteile machen Spaß, brauchen aber auch manchmal eine Pause. Insofern ist das Timing perfekt!
Und sonst?
Der Ritter und Parker & Badger sorgen für die Abwechslung zwischen den Serien. Das Gleiche wird auch von den News, dem Rückblick auf das ZACK vor 50 Jahren und die Rezensionen geleistet. Dazu kommt eine längere Einführung in die Brigade Verhoeven vom Verfasser dieser Zeilen und der erste Teil eines Interviews mit dem Mann hinter Natascha und anderen Serien: Francois Walthéry. Genügend Stoff also für einige Abende!
Dazu passen Dropkick Murphys mit „Body of an American“ und ein O’Hara‘s.
Die 80-er Jahre waren die große Zeit des Comic-Romans. Das Medium war erwachsen geworden, hatte über Science-Fiction und Erotik den Weg in die Vergangenheit unternommen und war nun bei den Themen der Jetztzeit angekommen, die eher in das psychologische gingen: Wie reagieren Menschen auf Veränderungen und Probleme. Neben den klassischen westeuropäischen Ländern tat sich insbesondere in Italien einiges. Während Hugo Pratt immer wieder als Vertreter des Comic-Romans genannt wird, fällt der Name seines Landsmannes Vittorio Giardino leider zu selten.
Ein Spion wider Willen
Die Rolle des „Spions“ ist in der Literatur und im Comic sehr unterschiedlich definiert. Während die einen sofort an 007 denken, an Glamour, Sex und Popcorn-Action, sind andere eher bei John Le Carré und dem eher unscheinbaren Typ, der nicht weniger gefährlich lebt, sich aber eher bedeckt hält. Max Friedman gehört eher zur zweiten Kategorie. Zwar ist er bekannt, kann sich also nicht unerkannt bewegen, ist aber kein Cocktailparty-Held. Seine aktive Zeit ist eigentlich vorbei, wie so oft in diesem Sujet ist es aber so, dass er sich der Vergangenheit nicht ganz entledigen kann. Und so ist die „Firma“ doch immer noch irgendwie Teil seines Lebens.
Die Geschichten spielen 1938; Europa hat die Auswirkungen des Ersten Weltkriegs noch nicht überwunden, steht aber schon wieder an der Schwelle eines neuen Kriegs. Hitler bedroht seine tschechischen und österreichischen Nachbarstaaten und das Russland unter Stalin ist vor allem für seine eigenen Leute eine tödliche Bedrohung. Außenpolitisch kann man es noch nicht richtig einschätzen. Diese Lage führt dazu, dass sich in den politischen Zentren Agent*innen aller Coleur gegenseitig bespitzeln, bekämpfen, Allianzen schließen und brechen und somit ihre eigene Berechtigung beweisen.
Max Friedman hatte seine aktive Zeit eigentlich schon beendet, wird aber trotzdem nach Budapest geschickt. Dort waren innerhalb kürzester Zeit gleich mehrere Agenten getötet worden. Max gelingt es, die letzte Überlebende der Gruppe ausfindig zu machen, sich in dem Haifischbecken zu behaupten und zu fliehen. Dabei kommt es zu einer kurzen Phase des privaten Glücks, die aber natürlich nicht lange anhält. Auch die Hetzjagd in Istanbul beweist die Ambivalenz der Dienste denen das „große Ziel“ oftmals über das Leben des Einzelnen geht. Giardino beschreibt die Menschen, packt sie unerwartete, herausfordernde Situationen und scheint teilweise selbst erstaunt darüber, wie sie sich verhalten. Diese fast schon wie beobachtende Distanz wirkende Methode lässt Max Friedman wie einen mehrbändigen Roman ablaufen.
Realismus in der Fassung der 80-er
Vittorio Giardino ist ein Meister der realistischen Zeichnung. Seine Darstellungen von Buda und Pest als auch von den unterschiedlichen Facetten Istanbuls zeugen von guter Beobachtungsgabe und der Fähigkeit, das selbst Gesehene um Jahrzehnte zurückversetzt transponiert wiederzugeben. Sein Held ist ein bürgerlicher, in sich selbst ruhender Mann. Er glaubt an das Gute, hat aber schon lange aufgehört, in seiner Arbeit idealistische Züge zu sehen. Diese Grundstimmung lässt sich in fast jeder Zeichnung als Grundmotiv erkennen: Es geht nicht um Action oder vordergründige Ziele.
Die Geschichten sind in italienischen Magazinen vorabgedruckt worden, die zweite in dem Corto-Maltese-Magazin. Während ansonsten in Italien die Fumetti vorherrschten – zu dieser Zeit auch schon mit einem hohen Anteil an Gewalt und Sex – waren die neuen Themen ebenfalls erfolgreich. Vieles davon profitierte von den Erfahrungen in Lateinamerika und der von dort mitgebrachten Art, Geschichten zu erzählen und politische Motive zu integrieren.
Eine vorbildliche Gesamtausgabe
Max Friedman hatte seinen ersten Auftritt in Deutschland 1985 beim Carlsen Verlag, damals noch unter dem Sublevel „comic art“. Beide hier zusammengefassten Bände erschienen damals. Band 3 bis 5 dagegen kamen erst ab 2000 bei Salleck Publications heraus. Nun also die mustergültig editierte Gesamtausgabe, die die Anfänge endlich wieder verfügbar macht.
Neben Einleitungen von Giardino enthält der Band eine große Anzahl von zusätzlichen Illustrationen und Skizzen sowie ein ausführliches Interview mit dem Künstler. Dieses gibt einen Einblick in das Verständnis für die Zeit vor dem Zweiten Weltkrieg, das Giardino in seinen Erzählungen versucht hat, umzusetzen: die Ablehnung von Totalitarismus, von der Behauptung, (als einziger) die absolute Wahrheit zu kennen und dem Willen, die eigene Meinung anderen auch mit Gewalt aufzuzwingen.
Dazu passen Bob Marley & Amy Winehousemit „Silent Thunder“ und ein guter Barolo!
In den 80-er Jahren gab es einige Comics, die das Superhelden-Genre für immer verändern sollten. Einer davon ist The Dark Knight Returns von Frank Miller und ein paar weitere Titel aus dem Batman-Universum. Ebenfalls aus dieser Zeit ist der erste Band der Graphic Novel Maus von Art Spiegelman deren Einfluss ebenfalls nicht unterschätzt werden darf. Dieses Dossier aber widmet sich der zwölfteiligen Miniserie Watchmen, einem Meilenstein der Comic-Geschichte, den beteiligten Künstlern, Neben- Folge- und Begleitprojekten sowie der Diskussion über die erlaubten Grenzen der Vermarktung.
Die Ausgangssituation
Watchmen und einige andere immer noch lesenswerte Superheldencomics aus dieser Zeit wären ohne die sogenannte „British Invasion“ nicht möglich gewesen. Der britische Comicmarkt war in den 70-ern nicht sehr international. Es gab zwar Kooperationen mit (hauptsächlich) spanischen Zeichnern und Studios, diese produzierten aber für den britischen Markt. Die Magazine enthielten kaum Lizenzmaterial und folgten eigenen Themen. Peter Schimkat beleuchtet in einigen Beiträgen den Markt und einige der britischen Szenaristen und Zeichner. Diese fanden, angelockt durch Talentscouts, durchaus ihren Weg in die Staaten.
Die Künstlerporträts
Im Laufe des wie immer sehr umfangreichen und gut recherchierten Dossiers werden Alan Moore, Len Wein, Bill Siekiewicz, Eddie Campbell und Dave Gibbons vorgestellt. Damit ist das Spektrum bewusst weit gefasst, um einen wirklichen Überblick bieten zu können. Die Autoren bemühen sich dabei, nicht nur die künstlerischen Elemente zu beschreiben, sondern auch auf die Psyche und die „Ticks“ der Personen einzugehen. Gerade im kreativen Bereich sind diese oft maßgeblich für das Ergebnis.
Dazu gehört dann eben auch, dass die Erfinder der Serie, die damals ein kongeniales Team gebildet haben, seit vielen Jahren nicht mehr miteinander reden und sehr unterschiedliche Auffassungen über andere Verwertungen wie bewegte Bilder oder Preqels haben.
Es gibt wieder einen Mix aus beschreibendem Artikel, Interview und einordnender Meinung. Einzig die Grammatik scheint einem Autoren etwas durcheinandergeraten zu sein (es mag sich allerdings auch um einen Dialekt handeln); beim Lesen überraschen jedenfalls einige der gesetzten Zeichen. Das ist allerdings ein „Meckern auf hohem Niveau“!
Die Verwertungen
Der Comic ist als Heftserie erschienen, als Sammelbandedition, als einbändige Ausgabe, als Jubiläumsausgabe, als … Sowohl DC Comics als auch die ausländischen Lizenznehmer (In Deutschland Carlsen und Panini) haben immer wieder neue Editionen verlegt. Fairerweise sei angemerkt, dass diese auch gekauft wurden! DC hat aber auch eine Passage des Vertrages ausgenutzt, um eine Reihe von Prequels, ein Crossover und ein Sequel zu veröffentlichen, die je nach Thema mehr oder weniger kritisch aufgenommen worden waren. Wie weit muss ein Verlag die Wünsche eines Autoren berücksichtigen? Und wie weit darf ein Verlag gehen, der unzweifelhaft Geld verdienen muss? Die Fragen werden gestellt, dankenswerterweise aber nicht von der Kanzel herab beantwortet. Jede*r Leser*in möge sich selbst ein Bild machen.
Als Service werden dabei alle Miniserien kurz vorgestellt und inhaltlich eingeordnet. Und auch die Versuche, das Werk in bewegte Bilder zu übertragen werden vorgestellt und bewertet. Dabei fällt auf, wie schwierig es ist, die Komplexität und Verschränkheit einer Literaturform (und ja, für mich sind Comics Teil der Literatur) im Medium Film darzustellen. Selbst der Comic nimmt schon viel der eigenen Vorstellungskraft, die es uns ermöglicht, das Gelesene wahrzunehmen und zu „erleben“. Trotzdem können Gleichzeitigkeiten quasi nachträglich im Gehirn erzielt werden. Im sequenziellen und passiven Sehen ist das deutlich schwieriger. So ist der Comic im Comic als Konzept völlig logisch, das Lesen eines Comics im Film aber unheimlich schwierig darzustellen.
Der perfekte Begleiter zur Serie
Viele Comics gehören in eine bestimmte Zeit, manchmal auch zu einem bestimmten Lebensabschnitt. Nur wenige Comics haben es wirklich verdient, über die Jahrzehnte hinweg immer wieder gelesen zu werden. Dazu gehören The Watchmen (oder Deutsch – „Die Wächter“) ganz ohne Zweifel! Wer schon immer mal wieder vorhatte, sich dieses Vergnügen erneut zu gönnen, sollte vorher dieses Dossier lesen und auf Grund der Lektüre in der Lage sein, neue Dinge zu entdecken. Allen anderen, die sich mit den Fragen von Politik, Bedrohung, Manipulation, Recht und Gerechtigkeit beschäftigen, einen sehr unterhaltsamen, gleichzeitig aber auch fordernden Ansatz mit immer noch überragenden grafischen Umsetzungen genießen wollen, können von der Einführung durch dieses Dossier nur profitieren.
Vielleicht noch der Hinweis, dass das Dossier einen Spoiler enthält, der einen wesentlichen Teil der Geschichte verrät. Dieser Spoiler ist im Zweifel aber sowieso bekannt. Für Abonnent*innen der Zeitschrift liegt der Reddition 83 wie immer ein Goodie bei. Dieses Mal eine wie immer von Volker Hamann sorgfältig recherchierte und bebilderte Bibliographie aller amerikanischen und deutschen Ausgabe der Watchmen und der assoziierten Serien zwischen 1986 und 2026 im Heftformat.
Dazu passen New Order mit „State of the Nation ” und ein Absinth.
Begonnen hatte die Blauen Boysanfangs hauptsächlich als humoriger Nachfolger für den von Spirou zur Konkurrenz gewechselten Lucky Luke mit Zeichnungen von Salverius nach Szenarien von Raoul Cauvin. Als Zeichner übernahm nach dem Tod des ersten Willy Lambil. Mittlerweile ist auch Cauvin verstorben und Kris hat die Aufgabe übernommen, die sich immer mehr zur Armee- und kriegskritischen Reihe entwickelten Abenteuer der beiden Soldaten der Nordstaaten fortzuführen.
Auswanderer im Mittelpunkt
Niemand mit weißer Hautfarbe in Amerika hat keine Migrationswurzeln. Umso erstaunlicher sind manche Debatten, die Einwander*innen ehrliche Motive absprechen wollen, schließlich sind viele der Zugezogenen unzweifelhaft „politische Flüchtlinge“ gewesen, die meisten jedoch waren Wirtschaftsflüchtlinge, die sich weniger Hunger und Prosperität versprachen. Viele davon kamen aus Irland. Wie alle anderen Gruppen auch brachten sie ihre Folklore mit sich und St. Patrick ist in den USA noch immer ein riesiges Fest.
Kris spielt mit den Vorurteilen über die Iren: traurige Lieder, fröhlich dargebracht, Stout, das vor dem Servieren „wie ein Soldat“ ruhen muss und der Wunsch für ein befreites, vereinigtes Irland. Sgt. Chesterfield, auffällig durch seine roten Haare, wird von einem Angehörigen der Irischen Brigade (der Nordstaaten) als Cousin identifiziert und rutscht langsam in eine emotionale Zwickmühle: Möchte er sich als „Corny“ seinen vermeintlichen Landsleuten anschließen oder weiterhin zusammen mit „seiner einzigen Familie“ Blutch in der Infanterie dienen.
Die Kritik an den Zuständen im Krieg, die Missachtung der menschlichen Schicksale durch die Generäle und der Widerspruch zwischen soldatischen Lebenswirklichkeiten und Befehlen wird deutlich, als sich Irische Brigaden auf beiden Seiten des Schlachtfeldes gegenüberstehen. Irish Melody ist eine traditionsbewusste und gelungene Fortführung der Erfolgsserie. Im Original gibt es mittlerweile schon weitere neue Bände.
Gelungene Überspitzung
Natürlich sind die Vorurteile gegenüber der irischen Kultur eine Steilvorlage für jeden guten Zeichner. Auch Lambil genießt es, Menschen in grünen Kostümen als Leprechaun oder am Tresen mit einem Guiness darzustellen. Und auch die Lust am Singen lässt sich den Bildern ablesen. Besonders gut gelingen ihm in diesem Band die Gesichtsausdrücke seiner beiden Helden, die darüber zweifeln, was sie tun sollen.
Und auch die Freund*innen der Natur kommen in diesem Band wieder auf ihre Kosten. Wie immer sind einige Tiere die Stars ihrer Panel, selbst wenn sie nur wie zufälliges Beiwerk wirken. Und auch der Detailreichtum der Hintergründe lädt zum Verweilen bzw. zum mehrmaligen Lesen ein. Mehr kann man von einer Reihe mit fast 70 Bänden nun wahrlich nicht verlangen!
Die Perpetuierung eines erfolgreichen Konzepts!
Die Blauen Boys sind eine echte Erfolgsgeschichte und haben schon lange bewiesen, dass sie mehr als ein lückenfüllender Ersatz sind. Mehr noch, da niemand mehr von der Originalbesetzung dabei ist, ist auch klar, dass das Konzept als Solches funktioniert. Natürlich braucht es auf künstlerischer Seite genügend Talent um das auch an die Käufer*innen zu bringen. Bei Lambil steht das außer Frage und Kris hat einen guten Start!
Gleichzeitig erscheint auch der siebte Band der Gesamtausgabe (Rezension folgt). Nachdem nun alle bei Bastei veröffentlichten Geschichten eine vernünftige Übersetzung und eine angemessene Form gefunden haben, werden auch die bei Carlsen erschienenen Bände aufgenommen. Damit wird ab jetzt der deutsche Sonderweg in der Zählung der Bände offensichtlich, hatte man sich damals doch entschieden, mit einer „1“ neu zu starten.
Dazu passen Keith and Tex mit „Gun Life“ und ein Starnberger Helles!
Der Titel Fünf Tage zum Sterben ist Programm: Schon lange habe ich keinen Western mehr gesehen, in dem diese Anzahl von Leichen die Wege der Protagonist*innen pflastern. Diese neue Serie beschreibt sich selbst in der Ankündigung als eine Geschichte aus mehreren Perspektiven, in der es keine Helden gibt. Der neue Western steht somit in der blutigen Tradition der Spaghetti-Western.
Eine Reihe an Massakern …
Wie mittlerweile relativ häufig auch bei Netflix und Co. zu beobachten, startet die Serie nicht chronologisch, sondern mit einem zukünftigen Ereignis. Dadurch sollen die Konsument*innen bei der Stange bleiben und sich in die neue Welt hineinziehen lassen. Auf der ersten Seite begegnen wir einem Mann und einer Frau, vermutlich beide verletzt, die als einzige Überlebende einer gewaltigen Schießerei nur noch auf die endgültige Entscheidung hinarbeiten können. Um sie herum liegen ungezählte Tierkadaver und menschliche Leichen.
Schon auf der zweiten Seite springt die Geschichte um einige Tage zurück: Ein Elternpaar entlässt ihren kleinen Jungen in die weite Welt; er soll ein Studium beginnen und es einmal besser haben, Während das Ehepaar noch versucht, mit dieser Trennung klarzukommen, haben Banditen den Jungen schon hingerichtet, um ein paar Pferde zu stehlen. Auch seine Eltern werden sterben, denn Zeugen sind unerwünscht.
Dazu wird später noch das Schicksal von Emma kommen, einer jungen Mutter, die die Entführung ihrer beiden Töchter rächen will, eine alte offene Rechnung zwischen einem zwielichtigen jungem Mann und einem alten Ranchero, ein paar alte Haudegen aus dem amerikanischen Bürgerkrieg und immer wieder gewissen- und skrupellose Banditen. Für Spannung, Konflikte und viel Blut zwischen all dem Pulverdampf hat der erfahrene Jean-Francois di Giorgio wahrlich gesorgt.
In einem abwechslungsreichen Layout
Fabrizio des Dorides ist in Italien durchaus bekannt und hat bereits an vielen Fumetti gearbeitet, gerade auch an Sachen im Bereich Mystery und Horror. Inhaltlich hat er daher wahrscheinlich kaum Anpassungsschwierigkeiten gehabt, sein Stil in dieser Serie verrät die Herkunft allerdings nicht. Die Seiten sehen sehr unterschiedlich aus, nutzen das große Albumformat perfekt und erinnern eher an moderne frankobelgische Werke.
Die Landschaft ist extrem detailreich, die Personen sehr realistisch und die Actionszenen sind glaubhaft. Teilweise nimmt er Techniken des Films auf und verwendet harte Schnitte aus nächster Nähe, um Dynamik zu erzeugen. An einigen Einstellungen lässt er zusätzlich seine Horrorerfahrungen einfließen und verursacht bei den Leser*innen eine Gänsehaut!
Gewalt und Können in Kooperation
Bisher kannten wir von Jean-Francois di Giorgio nur Eastern aus den Samurai und Sensei Reihen. Wer mit Abenteuern ohne Helden und somit auch ohne moralische Wertungen klarkommen kann, ist hier sicherlich gut bedient. Wer allerdings Western im Stil von Bonanza erwartet, sollte die Finger von Wyoming, 1863 lassen!
Story und Artwork ergänzen sich gut, die Orgien aus Gewalt, Gier, Rache und Verzweiflung werden glaubhaft und realistisch umgesetzt. Man sollte den Comic allerdings nicht in Gegenwart von Kindern herumliegen lassen, die Szenen sind definitiv nichts für deren Augen. Wer sich gerne Tarantino-Filme anschaut, dürfte aber nicht überfordert sein.
Dazu passen The Adicts mit „Straight Jacket“ und ein Moloko Plus!
Herausgeber: ZEBRA-Redaktion ZEBRA c/o Georg K Berres oder GoGer att web.de Din A4 geheftet | 32 Seiten | s/w | 0,00 € ISBN/ISSN: n/a
Wow, 40 Jahre ist es her, dass die erste Episode des Verwaltungsangestellten vom Planeten Meta-Pengo erschienen ist! Comix-online gratuliert!
Mittlerweile sind fünf Paperbacks mit Commander Corks Abenteuern (natürlich begleitet von seiner Assistentin Reena Torgan, einer Mutantin) erschienen und weitere sind laut der ZEBRA-Redaktion in Vorbereitung! Und auch in den regulären ZEBRA-Ausgaben sind weitere Episoden abgedruckt. Um das Spektakel (und ein solches ist es wirklich!) aus Science-Fiction, schwarzem und manchmal auch nur flachem Humor und Kritik an Verwaltungen im Allgemeinen zu feiern, ist zum Jubiläum eine Gratis-Leseprobe als ZEBRA-Sonderband 30 erschienen. Natürlich sind alle lieferbaren Publikationen gelistet.
In Erlangen wurden sie bereits verteilt, auf anderen Messen und beim Händler des Vertrauens mag es noch weitere Exemplare geben. Wer die Story bisher noch nicht kannte, sollte auf jeden Fall einen Blick darauf werfen! Wer nicht lacht, findet auch den berühmten Passierschein nicht lustig. Mehr über die Urgesteine der Independent-Szene hier oder hier.
Die Crew hat Köln als ihren Sitz. Daher passen dazu die Banana Peel Slippers, etwa mit „Fairground“ und ein Sommersud von Hellers.
Eine weitere Hommage aus deutschen Landen. Mawil und Ralf König hatten sich bereits mit dem Cowboy, der schneller schießt als sein Schatten beschäftigen dürfen, Flix brachte schon Spirou und das Marsupilami in die deutsche Hauptstadt. Und auch die Hauptserie hat immer mal wieder Bezüge zu deutschen Einwander*innen aufgenommen, zuletzt die deutsche Braukultur.
Märchen und ihre Folgen
Co-Helden dieser Geschichte sind die Brüder Grimm. Bekannt für ihre Sammlung von deutschen Märchen und ihre Beschäftigung mit der deutschen Sprache begeben sie sich in diesem Album auf eine Reise, die nie stattgefunden hat: Sie machen eine Lesetour durch die Vereinigten Staaten. Sie treten in verschiedenen Saloons auf, die mit europäischen Salons jedoch wenig gemein haben.
Zudem ist das amerikanische Publikum an ihren Haus- und Hofmärchen nicht interessiert. Lucky Luke hat jedoch eine Idee, wie die Reise möglicherweise gerettet werden könnte: Es müssten amerikanische Märchen präsentiert werden! Da die beiden allerdings Sammler und keineswegs Geschichtenerfinder wie ein gewisser Herr Andersen sind, muss zunächst eine Quelle gefunden werden.
Die Rettung scheint in Form von Ma Dalton gefunden zu sein: Das Publikum ist begeistert von der Erzählung über die Daltons. Diese allerdings fühlen sich auf das Übelste verleumdet, sollen sie doch plötzlich gut geworden sein. Das Spektakel möge beginnen… Flix schreibt recht witzig, baut viele Reminiszenzen ein und trifft auch den Ton einer Hommage recht gut.
Unverkennbar ein Kleist
Reinhard Kleist hat sich zuletzt immer wieder an Helden der Popkultur abgearbeitet und die Essenz ihres Lebens in Form von Graphic Novels veröffentlicht: Beispiele sind David Bowie und Johnny Cash. Insofern passt es, dass er den beiden deutschen Gelehrten, deren Werke immer noch in vielen deutschen Kinderstuben zur Grundausstattung gehören, ein fiktives Denkmal setzt. Wer genau hinschaut, wird Charaktere aus seinen anderen Werken hier wiederfinden.
Sein Strich ist stark angelehnt an die erwarteten Figuren, lässt sich aber eindeutig als „echter Kleist“ erkennen. Diese Mischung aus klassischem frankobelgischem Comic und künstlerischem Graphic Novel Stil ist zunächst einmal etwas verwirrend. Man muss sich erst ein wenig eingrooven, dann aber passt das Ganze zumindest für mich. Die Hintergründe sind allerdings manchmal etwas zu psychedelisch geraten, die Traumsequenz dagegen fantastisch!
Eine Hommage ist etwas anderes als ein One-Shot: Er soll einen fremden Blick auf wesentliche Elemente werfen, diese aber in einer freundlich anerkennenden, jedoch eigenen Weise darstellen. Das gelingt hier gut. Flix nimmt viele Elemente der Serie mit hohem Wiedererkennungswert auf, Kleist zeichnet die Figuren erkennbar und anders.
Die Idee, klassische Figuren der deutschen Literaturgeschichte in den Wilden Westen zu verpflanzen und sie dort als Fremdkörper agieren zu lassen, hat ihren Charme, wird außerhalb von Deutschland aber kaum funktionieren. Und insofern bestätigt dieser Comic sich in gewisser Weise auf der Metaebene selbst. Wie immer gibt es neben der Softcover-Kioskausgabe auch eine gebundene für den Buchhandel und eine limitierte Vorzugsaugabe mit Variantcover und Gimmicks.
Dazu passen Bruce Springsteen, etwa mit „Western Stars“ und ein Bulleit Rye.