Fliegerserien gab und gibt es in großer Anzahl. Mal steht der militärische Aspekt im Vordergrund, mal ein Krimiplot, teilweise ist es auch nur der Rahmen für eine Soap Opera. Und natürlich gibt es auch eine ganze Reihe von Serien, die mit dem Phänomen der Zeitreise spielen. Die Unterschiede bei letzterem sind gewaltig: von der Familienserie Suske und Wiske über das Abenteuer für Jungen in Bob Morane bis hin zu Stoffen wie die Zeitmaschine von H.G. Wells. Die Flügel der Zeit kombiniert die beiden Gattungen.
Feindliche Doppeldecker und ein übereifriger Agent
Eine Wissenschaftlerin und ein Pilot die sich zudem noch nicht einmal gut leiden können werden während eines experimentellen Hyperschallfluges durch die Zeit gewirbelt und befinden sich plötzlich kurz hinter den Linien im Frankreich des Jahres 1917. Während „sie“ versucht, die Rolle einer längst verstorbenen entfernten Verwandten einzunehmen, muss „er“ als Amerikaner zunächst als ihr Diener auftreten. Da sie für die Rückkehr in ihre Zeit aber ein paar Ersatzteile brauchen die es – wenn überhaupt – nur bei der Luftwaffe gibt, lässt „Dunk“ sich überreden, als Pilot die Deutschen zu bekämpfen. Soweit der Rückblick.
Die Beiden stehen aber in ständiger Gefahr der Entdeckung. Ihre erfundene Geschichte entspricht nicht der Aktenlage und in Kriegszeiten ist jede Ungewissheit ein Verdacht auf Spionage. Die Zeit drängt daher. Immerhin haben die beiden eine mögliche Lösung gefunden, die allerdings eine weit höhere Geschwindigkeit und Flughöhe erfordert, als die damaligen Maschinen bewältigen können. Sie müssen also zwangsläufig einen Ingenieur hinzuziehen.
Gefahr droht aber nicht nur von dem französischen Geheimdienst, auch die deutschen Piloten unter dem „Roten Baron“ scheinen unbesiegbar und fügen der französischen Luftwaffe schwere Verluste zu. Dunk versucht, die Lage zu entschärfen und schlägt eine andere Art der Luftüberwachung vor, gerät auf seiner ersten Mission aber sofort in eine Luftschlacht.
Luftschlachten und History
Olivier Jolivet ist kein Unbekannter im Bereich der Fliegercomics, hat er doch bereits das Team Rafale zu Papier gebracht. Die Flügel der Zeit ermöglichen es ihm, sich bei den Doppel- und Trippeldeckern auszutoben. Das Tempo der Schlachten ist deutlich reduziert, aus Luft-Luft-Raketen werden Maschinengewehre, die Action ist aber vergleichbar und gut gelöst!
Die Szenen, die die Zeit von vor 110 Jahren darstellen, sind ebenfalls gut gelungen. Ganz selten wirkt eine Körperposition leicht verunglückt oder passen Hintergrund und Vordergrund nicht ganz zusammen. Grundsätzlich aber ist die Arbeit sehr solide und übersteht auch ohne Weiteres ein zweites, langsameres Lesen! Wer sich beim ZACK abgeholt fühlt, wird auch hier sein Vergnügen haben.
Empfehlenswerter Sujetmix!
Es ist nicht ganz leicht, die Ansprüche von technikbegeisterten Leser*innen und solchen, die eher Wert auf eine ausgefeilte und ansprechende Rahmenhandlung Wert legen, gleichzeitig zu bedienen. Dem Team Patrice Buendia und Frédéric Zumbiehl gelingt das wie immer gut; die Kabbeleien, der Konflikt der heutigen Erwartung mit dem damaligen Verhalten und die Spannung betten die Luftkämpfe in ein ansprechendes Abenteuer ein.
Ob die Tiefe der Figuren für eine 20-bändige Reihe langen würde, weiß ich nicht. Da die Serie aber auf genau einen Handlungsbogen angelegt ist, macht das auch nichts. Für diesen Zweck sind die Figuren und ihre Konflikte allemal ausreichend und der Mix ist selten genug, um zu faszinieren; eine klare Empfehlung also für die Fans der klassischen frankobelgischen Comic-Unterhaltung.
Dazu passen „Flieger“ von Extrabreit und ein La Chouffe IPA.
Wir schreiben das Jahr 1977 – Science Fiction war ein großes Thema zumindest im deutschen Taschenbuchbereich und präsentierte sich vielfältig: Klassische Space Opera stand neben der (englisch) New Wave, Kurzgeschichtensammlungen hatten ihren Platz wie mehrbändige Serien und auch Fantasy in den unterschiedlichsten Ausprägungen gehörte dazu. Neben Verlagen wie Heyne oder Goldmann gehörte das Thema auch bei suhrkamp selbstverständlich dazu. Im Bereich der bewegten Bilder aber gab es eine gewisse Müdigkeit; das nächste „ganz große Ding“ ließ auf sich warten.
Und dann kam Star Wars!
Der Film brachte viele Dinge zusammen, die vorher separiert gewesen waren, revolutionierte die Tricktechnik und verstand es, eine Geschichte um die Geschichte zu verkaufen. Wer startet schon eine Reihe mit dem vierten Teil von Neun? Das Gesamtkunstwerk bestand aus dem Kinofilm, den Comics, Romanen und Merchandising und wurde zu einem riesigen Erfolg. Ein Selbstläufer? Nein!
Die Geschichte um die Comic-Reihe
Paul Duncan ist ein bekannter Filmhistoriker und kennt nicht nur erfolgreiche Mechanismen (und ihre erfolglosen Geschwister), er kann auch darüber schreiben! Erfreulicherweise würzt er seine Einführung mit zahlreichen Anekdoten; so erfahren wir unter anderem, was Richard Burton und Liz Taylor mit „The Star Wars“ zu tun haben.
Für George Lucas, das Mastermind hinter der Idee, war es wichtig, die Uraufführung des Films vorzubereiten und anzuteasern, trotzdem aber noch genügend Überraschungen in petto haben zu können. Der Comic zum Film sollte in 6 Heften erscheinen; das vierte sollte zeitgleich mit dem Kinostart auf dem Markt sein. Die Leser*innen der Hefte würden also Teile der Story bereits kennen, gleichzeitig aber mitfiebern, wie es weitergehen würde. Roy Thomas war dazu auserkoren, dass Filmdrehbuch in ein Comic-Szenario umzuwandeln, für die Zeichnungen hatte sich Lucas für den noch relativ jungen Künstler Howard Chaykin entschieden, der jedoch schon ein wenig Erfahrung mit dem SF-Comic besaß.
Die Produktionsprozesse der beiden Medien mussten parallel laufen, beide konnten sich ab einem gewissen Zeitpunkt nicht mehr aufeinander beziehen. Dementsprechend enthält der Comic Szenen, die zwar im ursprünglichen Skript standen, es aber nicht in den Film geschafft haben. Noch viel auffälliger waren allerdings Abweichungen im Aussehen der handelnden Wesen. Während Luke Skywalker bewusst älter und männlicher dargestellt wurde, war Chaykin bei Jabba the Hut auf sich gestellt. Zum Zeitpunkt der Zeichnung war noch kein Foto vorhanden und so sehen wir einen humanoiden Körper…
Marvel war eigentlich gar nicht an diesem Titel interessiert, hatte es doch genügend eigene Probleme. Angeblich änderte sich diese Meinung erst, als klar wurde, dass für die ersten 100.000 verkauften Exemplare keine Lizenzgebühren abzuführen wären. Tatsächlich verkauften sich von den ersten Exemplaren mehr als eine Million Hefte, Star Wars wurde zu einem Longseller und setzte sich für eine (kurze) Zeit an die Spitze der erfolgreichsten Marvel-Titel. Dieser Band versammelt die ersten 23 Hefte der Serie als restaurierte Reproduktionen, inklusive der Titelbilder, Fanseiten und Anzeigen in exzellenter Qualität!
Es ist nicht so einfach, den Hype zu verstetigen, vor allem dann nicht, wenn Restriktionen zu beachten sind. Die von Marvel verantworteten, der Filmadaption folgenden Stories durften nicht auf das Verhältnis von Luke und Leia eingehen, keine Konfrontation von Luke und Darth Vader beinhalten, den Staus Quo bezüglich des Imperiums und der Rebellen nicht verändern, … Kurz gesagt, sie durften eigentlich nichts von dem zeigen, was die Fans lesen wollten!
Diese Herausforderung löst das wechselnde Team von Kreativen iterativ. Am Anfang ist es naturgemäß schwieriger, herauszufinden, was das Publikum wollen wird. Man folgt also zunächst der Storyline, dass Han Solo in finanziellen Schwierigkeiten steckt und vergrößert diese noch. Dabei wird die Figur des Schmugglers ausgebaut und vertieft. Gleichzeitig steht das Verhältnis zwischen ihm und Chewbacca im Mittelpunkt.
Dem Comic gelingt es dabei immer besser, die im Film nonverbale Kommunikation auch ohne die dort verwendeten Töne in den Griff zu bekommen (das gilt im Übrigen auch für R2-D2, der im amerikanischen Original üblicherweise Artoo gerufen wird). Es entgeht jedoch trotzdem ein großer Teil des „Niedlichkeitsfaktors“, der nicht abgebildet werden kann. Dabei experimentiert das Team mit den aus der Mischung aus Fantasy und Space Opera erlaubten Ingredienzien: neue Wesen, Kombinationen aus Bekanntem und Unerwartetem, niedliches Aussehen und toughes Verhalten. Eines der Ergebnisse ist eine Art Killer-Hase, der für einige Episoden an der Seite von Han kämpft.
Action, Technologie und mehr
Sehr geschickt wird im Übrigen immer wieder mit den Grundelementen gespielt, die den Film (und das Franchise) so erfolgreich mach(t)en: Zum einen gibt es häufig psychologische Konflikte, etwa wenn Luke sich nicht entscheiden kann, seinem Wunsch auf die Akademie zu gehen zu folgen oder bei seinem Onkel zu bleiben, oder wenn er verzweifelt über den Egoismus von Han doziert, der persönliche Motive über den Kampf für die Freiheit stellt.
Zum anderen gibt es Todessterne und andere Kampfmaschinen, die alles bis dahin Vorstellbare übertreffen. Obwohl die feindliche Übermacht so unüberwindbar erscheint, gibt es aber doch immer diesen einen kleinen unentdeckten Punkt, der dem Gegner die Möglichkeit bietet, mit Mut und Geschick zu siegen. Hier zeigen sich klar Auswirkungen sowohl des „kalten Krieges“ in dem sich die Welt in den 70-ern befand, als auch die Traumata, die das überlegene US-Militär in Ostasien erlebt hatte. Dschungel-Rebellen waren in der Lage, die hochtechnisierte Armee auf Reisfeldern zu schlagen!
Ebenfalls einer Bemerkung wert sind die mitabgedruckten Anzeigen: Einerseits zeigen sie den Traum von jungen, amerikanischen Lesern (sic!): Fernrohre, Detektivspielzeug, Waffen. Diese Bedürfnisse werden von einem teils doch ziemlich militaristischen Setting in den Stories ohne Zweifel erfüllt. Der zweite Block der Anzeigen dreht sich – wie auch in den anderen Marvel-Titeln aus der Marvel Comics Library – um die Gründung eines eigenen Businesses mit Grußkarten oder ähnlichem. Das ist der amerikanische Traum …
Dazu aber kommen Anzeigen, die sich um Muskelaufbau und ähnliches bewegen und dem schmächtigen Jungen vorgaukeln, wie ein bei den Mädchen erfolgreicher Mann aussehen sollte. Diese (prä-)pubertären Vorstellungen finden ihre Referenz im Verhältnis von Luke und Leia, Han und Leia und in einigen Mitstreiterinnen von Han, die eher in einen Conan-Comic passen würden. Auch der Film spielt natürlich insbesondere während Leias Gefangenschaft mit dieser Motivation.
Der Star Wars Comic
Dieser Band enthält die ersten 23 Ausgaben der bei Marvel erschienen Reihe, die vom 12. April 1977 bis zum 27. Mai 1986 ohne Unterbrechung lief und insgesamt 107 reguläre Ausgaben umfasste. Wie in den Jahren üblich, kamen teilweise Annuals hinzu, in Summe allerdings nur drei. Es ist davon auszugehen, dass der Erfolg der Serie Marvel in den Jahren 1977 und 1978 vor dem Bankrott bewahrte und selbst 1979 und 1980 noch zu den erfolgreichsten Comic-Titeln gehörte.
Im Laufe der Zeit änderten sich der Geschmack der Leser*innen und die Publikationsmethoden: Mini-Serien und Trade-Paperbacks gewannen an Anteilen und Serien wurden oftmals neu gestartet um einerseits alte Kontinuitätsanforderungen zu beseitigen, andererseits neue Marketinganreize setzen zu können.
Mittlerweile gibt es eine fast unüberschaubare Vielzahl von Serien aus über die Zeiten unterschiedlichen Verlagen und mit ausdifferenzierten Zielgruppen: Comics für Erwachsene und für Jugendliche im traditionellen Stil, animated oder Manga-like, im Kanon und außerhalb … Es gibt sogar Werke für den deutschen Markt, die in Amerika nie erschienen sind. Hier ist mittlerweile alles bei Panini konzentriert, im Ursprungsland gehören Lucasfilm und Marvel schon lange zu Disney. Dementsprechend gibt es auch eine Art von Cross-over, in dem bekannte Entenhausener*innen die Rolle von Marvel-Helden übernehmen (z.B. Minnie im LTB 600). Für Star Wars blieb es allerdings bisher bei Parodien.
Ein wichtiger Bestandteil in der Reihe der Comic-Libraries
Taschen hat über die Jahre den Bereich der überformatigen Comic-Libraries Stück für Stück ausgebaut und Meilensteine der Comics in ihr veröffentlicht. Sicherlich ist diese Sammlung noch weit davon entfernt, komplett zu sein, sie enthält aber schon jetzt eine beachtliche Bandbreite: Alles hatte mit den bahnbrechenden ersten Jahrgängen der Marvel-Held*innen angefangen: Avengers, Hulk, Spider-Man und Co sind dadurch endlich im Original in perfekter Reproduktion und mit lesbaren und sinnvollen Einführungen versehen in den Regalen vieler Leser*innen vertreten.
Der Comic-Bereich ist aber natürlich viel breiter: EC-Comics mit einer Übersicht und dem ersten Band der Weird-Science folgten, Kompendien über Mickey und Donald wurden ergänzt durch eine Carl-Barks-Sammlung und schließlich schaffte es auch ein erster Zeitungscomic, Tarzan, in diese Reihe. Star Wars schließt nun eine Lücke zwischen den SF-Stories von EC und den Marvel-Superhelden. Mehr ist mit Sicherheit zu erwarten!
Kann das Buch die gleiche Sensation sein, die der Comic und der Film damals waren? Nein, natürlich nicht! Die Szenen des Films und die folgenden Geschichten sind längst Bestandteil des popkulturellen Bewusstseins und somit nichts atemberaubend Neues mehr. Die Sammlung kann aber Erinnerungen an die Zeit hervorrufen, als das Ganze Neu war und erstmals konsumiert wurde. Und auch das ist ein gutes Gefühl, das von Format und Druckqualität unterstützt wird.
Das Coffeetable-Book hat sein Gewicht auch buchstäblich, es wiegt mehr als 5,5 Kilo! Der XXL-Band hat allerdings auch ein Format von 28 * 39,5 cm und kommt mit 680 Seiten. Wem das nicht genug ist sei gesagt, dass es auch eine limitierte, in Kunstleder gebundene Ausgabe mit eingefasstem ChromaLuxe-Aluminiumprint gibt, die in einem Schuber verwahrt wird. Beide Ausgaben kommen mit einem speziellen, bedruckten Transportkarton.
Dazu passen die ebenfalls über lange Jahre erfolgreichen, damals revolutionären The Who, die eine Subkultur prägten, mit Rock-Opern erfolgreich waren und immer noch auf der Bühne stehen, sowie ein Social Butterfly Cocktail, der an die legendären Kneipenszenen erinnert.
Seit Jahren warten Fans der von Jean Graton erschaffenen Rennfahrerin aus dem Michel Vaillant-Umfeld auf die fehlenden Bände 2 und 3 der JW-Gesamtausgabe, mindestens aber auf eine deutsche Veröffentlichung des bisher fehlenden Bandes. Nun, bisher hat sich kein Verlag gefunden, der bereit wäre dieses Risiko einzugehen. Immerhin aber ist der Restart dieser Serie nicht nur im ZACK vorabgedruckt worden, sondern ist auch sehr zeitnah als Album erschienen!
Flat Track, Wheelies und ein paar schwere Jungs
Die zweite Staffel von Julie Wood ist ein wenig anders als die von Michel Vaillant. Während bei letzterem die Geschichte quasi weitererzählt wird, geht es für die Amerikanerin erneut von vorne los. Die Titelfigur lebt mit ihren beiden Brüdern bei ihrem Onkel, der sie nach einem tödlichen Verkehrsunfall der Eltern bei sich aufgenommen hat. Julie möchte professionelle Motocross-Fahrerin werden und trainiert mit ihren Freunden für eine Disziplin, das Flat Track.
Sie hat bereits lokale Rennen gefahren, möchte aber nun überregional punkten. Um dabei sein zu können, braucht sie allerdings Sponsor*innen für das Equipment und Follower*innen, um aus der Masse der Talente hervorzustechen. Einige Methoden versprechen zumindest letzteres, haben aber bestimmte Nebenwirkungen.
Parallel dazu geht es in einem zweiten Erzählstrang um den Tod eines Bikers. Eine Gruppe hatte mit Wheelies provoziert und war in eine Polizeikontrolle geraten. Einer der Beteiligten überlebte diese Kontrolle aufgrund einer Schusswunde nicht. Die Behörden gehen der Sache nach und eine Spur führt zu den Woods. Spannende Story von Philippe Pelaez, die das Original mit der Moderne mischt.
Bunte Bilder!
Während die Story von Tödliches Rodeo fast überall gut angekommen ist, schieden sich am Artwork die Geister. Puristen wollten „ihre“ Julie zurück und ließen an den Zeichnungen von Claudio Stassi kein gutes Haar, andere waren eher bereit, sich auf etwas Neues einzulassen. Tatsächlich gibt es leichte Defizite bei de Darstellung der Mundpartien, aber das ist nun wirklich kein Einzelfall. Die Komposition der Bilder und die Dynamik wird dagegen von Seite zu Seite besser.
Generell wirkt die Serie moderner und entspricht mehr den Lesegewohnheiten der aktuellen Konsument*innen. Während Graton für viele der Generation ZACK das Non-Plus-Ultra ist, zeigten schon die Verkaufszahlen bei MV ein anderes Bild. Nicht zuletzt deswegen hatte der Altmeister dem übernehmenden Team komplett freie Hand gelassen und sogar darum gebeten, ihn nicht zu kopieren.
Die Serie wird ihren Weg finden!
Rennsport und Technik ist etwas für Jungs … Dieses Vorurteil hält sich auch heute noch kräftig, obwohl es schon lange nicht mehr stimmt. Mittlerweile gibt es auch genügend Mechatronikerinnen, die das täglich beweisen! Dementsprechend ist es nicht verkehrt, eine der wenigen Serien, die aus diesem Bereich kommt und eine Heldin hat, neu aufzulegen. Auch die neue Julie ist sympathisch, erfolgreich und gleichzeitig empathisch genug, um Probleme anderer wahrzunehmen.
Das an Michel Vaillant erinnernde Logo und die Aufnahme in die gemeinsame Werbung für Sachen aus dem Graton-Bereich gibt hoffentlich genügend Anschub für Julie Wood, die es verdient hat, aus eigener Kraft zu laufen! Das zweite Abenteuer wird bereits ab dem ZACK 327 (September 2026) als Vorabdruck starten.
Dazu passen The Interrupters mit „Take back the Power“ und ein Chouffe Cherry.
Zwei Drittel der Bob Morane Classic-Reihe sind geschafft. Während die Bände von William Vance beim All-Verlag erscheinen, versammelt diese Reihe alle regulären Alben von Dino Attanasio und Gérald Forton, die zeitlich vor den anderen liegen. Als Vierter in der Reihe hatte Coria übernommen, eine Gesamtausgabe seiner 40 Folgen wurde gerade von Blattgold angekündigt.
Eine Suche im Dschungel
Grundlage für die Reihe sind die von Henri Vernes geschriebenen Bücher für Jugendliche; die Stories vereinen daher eine spannende Grundstory, die allerdings nicht übermäßig brutal sein darf, überraschende Wendungen, und einen Helden, der zwar nicht allmächtig ist, aber doch jedes Problem lösen kann. Außerdem ist üblicherweise eine schöne Frau beteiligt, die aber im Gegensatz etwa zu den Romanen von Edgar Wallace nicht jedes Mal gerettet werden muss.
Diesem Prinzip folgt natürlich auch das Geheimnis der 7 Tempel: Eine junge Frau beschwert sich an der Hotelrezeption über den Zustand ihres Zimmers und unser Held – ganz Kavalier der alten Schule – bietet ihr an, das Zimmer mit ihm zu tauschen. In der Nacht taucht ein schwerverletzter Mann in Moranes Zimmer auf, übergibt ihm eine Karte und stirbt. Natürlich hatte er erwartet, jemand anderen dort zu finden.
Tatsächlich macht sich eine Gruppe, zu der Morane, Ballantime und die junge Frau, eine Reporterin, gehören, auf, um das Geheimnis zu lüften. Der Weg führt durch den fast unüberwindbaren Dschungel, doch durch einen Zufall ist es gelungen, sich ortskundige Hilfe zu beschaffen …
Der Comic aus einer Frauenzeitschrift
Gerald Forton hat die Serie gleich in mehreren Zeitschriften betreut, diese Geschichte ist in Femmes d’Aujourd’hui, der weitverbbreiteten Zeitschrift für Frauen erschienen. Damit wurde nicht nur eine weitere Zielgruppe geschaffen, auch die Kinder der lesenden Mütter wurden so an das Medium herangeführt. Voraussetzung war dafür natürlich eine hohe und gleichbleibende Qualität: Weder durften die Stories die Mütter abschrecken, noch durften die Zeichnungen dem moralischen Kodex widersprechen.
Und so sind die Zeichnungen gleichzeitig realistisch und „nicht-alles-zeigend“. Verletzungen mögen einen Verband erfordern, bluten aber nicht. Der Urwald mag die Kleidung am Ärmel zerfetzen, der Oberkörper bleibt bedeckt. Dieser Spagat – der natürlich der ganzen Comic-Industrie in Frankreich und Belgien, die zu dieser Zeit streng katholisch geprägt war, zugrunde lag – gelingt Forton gut. Seine Bilder sind dramatisch genug für Jungen, aber harmlos genug für Eltern!
Ein Klassiker der Jugendliteratur
Bob Morane und Kommissar Maigret sind die bekanntesten literarischen Schöpfungen belgischer Autoren. Beide vereint eine die Zeiten überdauernde Spannung. Natürlich sind die Geschichten „veraltet“ und mit einem hohen Nostalgiefaktor versehen. Trotzdem funktionieren sie aber immer noch!
Bob Morane ist ein klassischer ZACK-Held, der es damals allerdings nur auf wenige Veröffentlichungen gebracht hat. Erst jetzt werden seine Geschichten endlich auch auf Deutsch zugänglich gemacht, zudem in einer sehr ansprechenden Form. Für Abonnent*innen gibt es von Zeit zu Zeit kleine Schmankerl, die Bände sind aber auch einzeln erhältlich!
Dazu passen Cock Sparrer mit „Because you’re young” und ein Kirsch-Korn-Mix.
Story: Patrice Buendia, Frédéric Zumbiehl Zeichnungen: Sébastien Philippe Originaltitel: Les Chevaliers du ciel Tanguy et Laverdure 10 – Une frontière obscure
Seit dem die beiden französischen Piloten Tanguy & Laverdure nicht nur im ZACK wie bereits früher ihre Zeitschriftenauftritte haben, sondern auch mit den Alben wieder unter das Dach der ZACK-Edition geschlüpft sind, haben zwei Mehrteiler bereits das Licht der Welt erblickt. Mit diesem Band startet ein neues Abenteuer, das wieder Politik und Fiktion verbindet und eine Geschichte erzählt, die so hätte passieren können.
Kriegswaffen und Industriespionage
Die beiden französischen Kampfpiloten werden zu einem Einsatz in dem osteuropäischen Staat Kuranie abkommandiert. Sie sollen die Grenzen patrouillieren, gegnerische russische Jäger abdrängen und europäische Präsenz zeigen, da das kleine Land, das früher einmal zum Warschauer Pakt gehörte, nun westlich ausgerichtet ist. Als die Story konzipiert wurde, war der Ukrainekrieg noch eine Möglichkeit, die Geschichte also in gewisser Weise prophetisch.
Schon auf dem Hinflug bemerken die beiden Piloten ein nicht identifiziertes Objekt, das sehr schnell unterwegs ist und auf dem Radar unsichtbar bleibt. Vermutlich handelt es sich um ein neues russisches Flugzeug mit Plasmatechnologie, die nicht nur die USA und andere westliche Staaten aus militärischer Sicht interessiert, sondern auch andere Flugzeughersteller.
Ein lokaler Anbieter, dessen Eigentümer es mit dem Recht nicht so genau nimmt, entwickelt einen teuflischen Plan, um in den Besitz der Maschine zu kommen. Gleichzeitig wird auch klar, dass die Bevölkerung des bedrohten Landes selbst gespalten ist. Während einige den prowestlichen Kurs unterstützen, sind andere Russland aus alter Tradition verbunden. Nicht immer bleiben die Konflikte friedlich.
(Nicht nur) für Technikbegeisterte!
Diese Serie lebt, wie auch andere Reihen aus dem gleichen Segment wie Buck Danny oder auch Michel Vaillant, davon, dass einerseits die Technik eine große Rolle spielt und realistisch dargestellt wird, andererseits genügend „Drumherum“ geboten wird, um auch andere Leser*innen zu gewinnen. Natürlich hilft es dabei, dass die Autoren aus eigener Pilotenerfahrung schreiben können. Die Luftkämpfe und Manöver sehen nicht nur gut auf den Bildern aus, sie werden so auch geflogen.
Sébastien Philippe, der die Serie bald nicht mehr als Zeichner betreuen wird, ist aber auch in der Lage, die Szenen in der Stadt und auf der Basis darzustellen. Sein Laverdure ist nicht so karikiert wie früher, sein Charme aber immer noch so altmodisch, dass seine Anbaggereien meistens erfolglos bleiben. Tanguys etwas verbiesterte, überkorrekte Haltung wird ebenfalls sehr überzeugend in Bildsprache übertragen.
Militär und Spionage
Serien, die im Bereich des Militärs spielen, sind oftmals reine Werbesendungen oder haben Leute als Helden, bei denen man sich als Leser*in fragt, warum sie zum Militär gegangen sind bzw. noch nicht unehrenhaft entlassen wurden. In Die Abenteuer von Tanguy & Laverdure wird zwar deutlich, dass die Helden und ihre Mitstreiter*innen ihren eigenen Kopf und teilweise andere Vorstellungen haben, im Prinzip aber zur Sache stehen. Die leichten „Abweichungen“ sind so etwas wie das Salz in der Suppe und machen die ansonsten auf eine kleine Zielgruppe schielende Geschichte für einen breiteren Kreis lesbar und spannend.
Zudem sind die Storylines so aktuell, dass es fast schon schwerfällt, nicht in den Zeitungen nach den Erlebnissen zu suchen. Und im Gegensatz zu früher ist es auch nicht mehr eine Voraussetzung, die verschiedenen Modelle unterscheiden zu können; ein mangelndes Vorwissen braucht niemanden mehr abzuschrecken.
Dazu passen Bad Religion mit dem immer noch fantastischen „Against the Grain“-Album und ein Frozen Aperol.
Alain Cardain erschien zwischen 1956 und 1960 zunächst in dem Magazin Risque-tout, später in Spirou. Der Detektiv arbeitet für das IFZ, das Internationale Forschungszentrum der UNO, die Geschichten sind im Grenzbereich zwischen wissenschaftlichem Abenteuer und Science-Fiction. Mit diesem Band liegen nun alle Seiten der Detektive des Himmels gesammelt vor!
Ein Exodus der Entrechteten
Die Welt ist verunsichert, denn im Laufe eines Mai werden an verschiedenen Stellen der Erde Eintritte von Raketen beobachtet. Oft sind sie bereits geborgen und verschwunden bevor offizielle Stellen Zugriff erlangen können. Als man doch einer unbeschädigten Rakete habhaft werden kann, stellt sich heraus, dass die Besatzung keineswegs außerirdisch ist: ein kleiner Affe ist der einzige Passagier.
Natürlich sind die Staaten der Erde nervös und sorgen sich um ihre Sicherheit. Neben den Militärs wird auch das IFZ der UNO beauftragt, herauszufinden, wer und was hinter den Starts steckt. Zwangsläufig findet der geniale Held schnell einen Hinweis und kann die Urheber lokalisieren. Es handelt sich um eine Gruppe Unterdrückter, zunächst Farbiger, schnell aber auch Betroffene anderer -ismen.
Da der Standort nun bekannt ist und vor allem klar ist, dass die angewendeter Technologie sehr fortschrittlich ist, versuchen einige Staaten, dieses Geheimnisses habhaft zu werden. Können die Anch ihren Plan umsetzen? Durchaus spannende, aber zeitgemäß vorhersehbare Geschichte mit interessanten Ideen von Yvan Delporte.
Realismus pur
Leser*innen der Reihe ist der Stil von Gérald Forton bereits aus mehreren Serien und Epochen bekannt. Alain Cardan liegt zeitlich vor Bob Morane, auch das vierseitige Vorwort weist darauf hin, dass hier trotzdem schon grafische Vorläufer zu finden sind.
Da einige Seiten in der originalen, zweifarbigen Kolorierung abgedruckt werden, erhöht sich der Nostalgiefaktor um Einiges. Fast geht dadurch unter, dass auch die Rückblicke in einem eigenen Farbschema ausgeführt werden.
Ein beachtliches „Frühwerk“
Forton war in den 60-ern einer der „Großen“ im frankobelgischen Comic-Zirkus! Alain Cardain hat sicherlich noch nicht alle Elemente der späteren Werke, zeigt aber bereits deutlich, wohin die Reise gehen wird.
Die Reihe ZACK-Spezial hat es sich zur Aufgabe gemacht, nicht nur Dinge anzureißen, sondern auch zu Ende zu bringen. Manchmal ist dafür nur ein Band nötig, wie etwa bei Patrick Leman, in diesem Fall brauchte es vier! Die ersten 17 Folgen sind bereits verlagsvergriffen, die limitierte Auflage ist also richtig kalkuliert. Wer will kann auch wieder einen dazu passenden Druck bestellen.
Dazu passen Elvis Costello & The Attractions mit „(What’s so funny ´bout) Peace, Love And Understanding“ und ein nicht überall verfügbares reines Wasser!
Der Splitter-Verlag hat einige Reihen mit Samurai in der Heldenrolle im Programm. Zudem ist er die deutsche Heimat für moderne französische Fantasyserien. Wen wundert es daher, dass der erste Band dieser neuen Folge über die Länder von Ynuma einen aus der Kriegerkaste zum Titelhelden hat.
Der Kodex als Leitfaden
Grundlage dieses neuen Kontinents ist eine Welt, die von menschenähnlichen Wesen bewohnt wird. Dazu gibt es allerdings auch noch andere Wesen wie Elfen oder Kugo. Titelheld ist der rote Samurai, ein Kugo, der sich aufgrund einer schicksalhaften Begebenheit in seiner Vergangenheit verpflichtet hat, den Weg des Kriegers zu gehen. Wir werden später erfahren, dass das nicht unbedingt auch der Wille seiner Familie gewesen ist.
Leider wird die Welt auch von Dämonen bevölkert; diese ernähren sich von Lebewesen, aber auch von ihren Erinnerungen und Emotionen und können die Gestalt von Toten übernehmen. Die Priesterin Mei-Jen, der sich der Samurai verpflichtet hat, ist eine Exorzistin, die gerufen wird, um die Dämonen zu bekämpfen. Während sie die Beschwörungen per Kalligraphie ausführt, hilft der Kämpfer mit dem Schwert.
Der erste Band besteht aus mehreren Episoden, die jeweils einen Kampf mit einer dämonischen Inkarnation beschreiben. Jarry nutzt die Erlebnisse, um die Figuren zu entwickeln und ihnen sowohl Geschichte als auch Interaktionen zu verleihen. Dabei wird vor allem klar, dass die Priesterin modern, offen und kreativ ist, der ältere Samurai schweigsam, regelgebunden und sich selbst verachtend. Allein schon die Einleitungsseiten sind ein Genuss.
Fernöstlich angehauchte Fantasywelt
Obwohl es sich eindeutig um eine Welt handelt, in der nichtmenschliche Lebensformen zum Standard dazugehören, legt Vax die Flora und Fauna so an, dass die Leser*innen sich in einer fernöstlichen Welt wähnen. Insofern brauchen auch die Hinweise auf einen Kodex nur wenige Erläuterungen, die Details mögen fehlen, die Richtung ist offensichtlich. Die Zeichnungen sind extrem detailreich, man möchte fast bei jedem Panel verweilen (und gleichzeitig schnell vorankommen). Ein Comic, der diese beiden widersprüchlichen Wünsche weckt, hat alles richtig gemacht!
Besondere Erwähnung verdient auch die Tatsache, dass im Gegensatz zu fast allen anderen modernen Comics, weder Liebe noch Sex zu den gezeigten Emotionen gehört! Die Bilder sind aber auch ohne dieses Beiwerk aussagekräftig genug, das Aussehen der Seiten ist immer wieder neu, trotzdem aber nicht beliebig. Das Layout folgt einfach der Notwendigkeit, Geschehnisse kleiner oder größer, kürzer oder länger darzustellen.
Eine spannende neue Welt – na ja, wenigstens ein neuer Kontinent
Was aussieht wie eine neue Welt, eben Ynuma, ist tatsächlich nur ein neuer Inselkontinent auf einem bekannten Planeten, nämlich Aquilon. Auf zwei anderen, Arran und Ogon, tummeln sich bereits einige sehr erfolgreiche Serien. Bestandteil einer Franchise zu sein, tut der Qualität dieses ersten Bandes aber keinen Abbruch. Das fernöstliche Ambiente, die Zeichnungen, die Kapiteleinführungsseiten und die Story sind jeden Cent wert!
Der einzige Wermutstropfen ist die Tatsache, dass die folgenden Bände – die Serie ist zunächst einmal auf fünf Bände angelegt – von anderen Teams verantwortet werden. Es bleibt zu hoffen, dass auch das kommende diese feine Mischung aus Horror und Humor hinbekommt und dabei östlichen Charme in den Zeichnungen verspüren lässt. Falls ja, gibt es keinen Grund, die Serie nicht zu sammeln!
Dazu passen Oreskaband mit ihrer Version von „Monkey Man“ und ein Hibiki Harmony!
Heft Din A 4 | 100 Seiten | Farbe | 9,70 € | ISSN: 1438-2792
Die Urlaubszeit ist in vollem Gange und man möchte hoffen, dass das aktuelle Cover kein Omen ist, zeigt es doch die Überreste eines abgestürzten Flugzeugs. Das Bild gehört zu der neuen Serie Ghost Squadron, die in diesem Heft ihren ersten Deutschland-Auftritt hat. Ansonsten passt das Heft aber natürlich sowohl in das Handgepäck, den Koffer oder den Tisch für den Urlaub auf Balkonien!
Die Neustarts
Ghost Squadron ist tatsächlich ein echter Neustart und keine Rückkehr, obwohl der Texter, Patrice Buendia, gerade ZACK-Leser*innen sehr bekannt ist, erscheinen doch sowohl Tanguy & Laverdure als auch die Flügel der Zeit unter diesem Label, lediglich Buck Danny findet sich woanders. Zeichner Damien Andrieu hat zwar mit Buendia schon anderweitig zusammengearbeitet, die Titel sind aber auf Deutsch (noch) nicht erschienen. Hier geht es um einen Deserteur, der 1953 von der CIA aufgespürt wird. Sein ehemaliger Vorgesetzter lässt dem ehemaligen Fliegerass die Wahl: Er begibt sich auf die Suche nach einem verschollenen Milliardär oder geht in den Knast. Das verfluchte Atoll ist der letzte bekannte Ort.
Wieder dabei ist dagegen Jolane, die mittlerweile zur Rani, der Frau des Radschah, geworden ist. In ihrem siebten und vorletzten Album Königin muss sie mit der Situation klarkommen, dass die Mutter ihres Gemahls sie bekämpft, da sie die heiligen Traditionen nicht achtet und den Radschah zu einem modernen, aufgeklärten Monarchen machen will. Gleichzeitig ist sie nicht „in der Lage“, für einen männlichen Nachkommen zu sorgen. Stress haben Jean Van Hamme und Alcante also wieder vorprogrammiert, Francis Vallès setzt das ursprünglich als TV-Serie konzipierte Geschehen professionell wie gewohnt um.
Die Fortsetzungen
Der kleinwüchsige Kommissar Verhoeven wird bei diesem Fall an sein eigenes, nicht aufgearbeitetes Verhältnis zu seiner Mutter erinnert, fordert der vermutliche Bombenattentäter doch die Freilassung seiner Mutter, die aufgrund der Tötung seiner Partnerin einsitzt. Während er sich gerne raushalten würde, scheitert Antiterror mit einem sehr zynisch dargestellten Versuch. Werden die Mitglieder der Brigade Verhoeven den Fall voranbringen können bevor die nächste Bombe explodiert? Rosie ist eine spannende Geschichte von Pascal Bertho nach den Romanen von Pierre Lemaître, die von Yannick Corboz sehr abwechslungsreich zu Papier gebracht wurde.
Pfeifenrauch und Seidenstrümpfe habe ich im letzten Review als „cosy & english“ bezeichnet. Hinzuzufügen wäre dem vielleicht, dass die Gegenspieler bei der Londoner Polizei keineswegs höflich miteinander umgehen und nicht einmal den Anschein dazu wahren. Das tut dem Genuss allerdings keinen Abbruch, der viel zu dicke Kommissar und sein viel zu dünner Gegenspieler können sich dadurch Bälle zuwerfen. Es scheint sich endlich eine Spur zu ergeben, allerdings ist Der Schwarze Fleck noch nicht überall gefunden worden. Ein vorzügliches Frühwerk von Étienne Willem.
Die Abschiede
Auch in diesem Heft gibt es zwei Abschiede, einer davon ist für immer.
Während Harry & Platte auf der Suche nach dem Brandstifter sind, der in der Gegend von Nizza mehrere Feuer gelegt hat, wüten tatsächlich die schlimmsten Feuer seit langer Zeit in Südeuropa und vertreiben Bewohner*innen, Tourist*innen und Landwirtschaft aus vielen Gebieten. Man kann nur hoffen, dass in der Realität die Löscharbeiten ebenfalls erfolgreich verlaufen werden. Denis Lapière und Alain Sikorski haben mit Feuer & Schwert eine klassische Story des Duos geschrieben und dem Ganzen doch ein wenig „Moderne“ verpasst, die allerdings auch schon mehr als 30 Jahre auf dem Buckel hat!
Der Bucklige von Montfoucon verlässt uns dagegen für immer, der History-Dreiteiler ist mit Unser Vater beendet. Wie wird der Bruderkrieg ausgehen? Noch scheinen Pierre und Quasimodo auf der siegreichen Seite zu stehen, besitzen sie doch den Brief, der die Legitimität des Königs anfechten kann. Eric Stalner kombiniert seine Panel zu anspruchsvollen und schönen Seiten, Philippe Pelaez hat dazu das passende Szenario verfasst, das historisches Ambiente und Kostüme, Verrat und Leidenschaft miteinander kombiniert.
Und sonst?
Als Pausenunterhaltung dienen Der Ritter, Parker & Badger und Tizombi mit sehr humorigen Einlagen, wie immer begleitet von News, dem Rückblick auf das ZACK vor 50 Jahren und einigen Rezensionen. Dazu kommt eine Vorschau auf die neue Reihe Aus der Spur vom Verfasser dieser Zeilen und der abschließende Teil eines Interviews mit Francois Walthéry, dem Mann hinter Natascha und anderen Serien, das aus dem Französischen übernommen wurde. Auch die August-Ausgabe des ZACK bietet damit genügend Stoff für ein paar Urlaubsmomente!
Dazu passen Sondaschule mit „Pommesbude“ und ein alkoholfreies Weizen von Brand.
Es gibt viele History-Serien über Konflikte im Frankreich von Ludwig XIII. und Kardinal Richelieu, einige davon gehören sogar zur Weltliteratur. Und natürlich gibt es auch genügend Serien, die von den Ideen des Tarots beeinflusst sind und sich mit schwarzer Magie beschäftigen. Die wenigsten allerdings vereinen diese beiden Themen. Ledergesicht enthält zudem noch Elemente eines Superheldencomics, verleiht doch die Maske übermenschliche Kräfte.
Eine umkämpfte Stadt
Wie in Band 1 eingeführt, gibt es einen Kampf zwischen verschiedenen Triaden im Zodiak des Teufels. Unser Held hat die Maske übergestreift und ist somit ein Teil des Spiels, ohne es allerdings bereits komplett zu verstehen. Insbesondere ist ihm nicht klar, ob scheinbare Verbündete nicht in Wahrheit doch ein eigenes Spiel spielen. Dementsprechend verheimlicht er auch, dass der vormalige Träger der Maske keineswegs gestorben ist und versteckt ihn.
Der König der Gräber, Oberster der ersten Triade, überschwemmt die Stadt Paris mit einer vernichtenden Droge. Eigentlich kann diese nur von dem Alchimisten, dem Anführer der zweiten Triade, hergestellt worden sein, doch dieser wird seit einem Jahr vermisst. Parallel dazu versucht der König der Gräber die lokalen Pariser Herrscher der nächtlichen Aktivitäten auszuschalten. Wird es gelingen, dem etwas entgegenzusetzen?
Pevel füllt auch diesen zweiten Teil mit spannenden Actionszenen in den Gassen und über den Dächern und schickt seine Akteure in verzwickte Handlungsstränge. Langweilig wird einem beim Lesen sicherlich nicht. Da zudem auch Hintergrund über die Triaden geboten wird und am Schluss wieder ein Tagebucheintrag Erhellendes enthält, ist auch für Leser*innen, die mit den Geheimnissen des Tarot nicht vertraut sind, die Handlung unproblematisch zu verstehen.
Ein düsteres Mantel-und-Degen Stück!
Créty verknüpft zwei verschiedene Stilrichtungen: einerseits erinnern seine dynamischen Zeichnungen an die typischen frankobelgischen Mantel-und-Degen Abenteuer. Die Linienführung ermöglicht es ihm, diese Szenen gleichzeitig glaubwürdig und actionreich wiederzugeben. Er kombiniert diese detailreichen Zeichnungen aber mit einer düsteren, an Dark Fantasy erinnernden Farbpalette und hebt dadurch die mystischen Elemente hervor.
Während des Lesens kann man sich in den Straßenschluchten verlieren, die Innenausstattung der Gebäude ist fast schon fotorealistisch und trotzdem vermeint man, den Umhang des maskierten Rächers rascheln zu hören. Damit spricht der Comic sowohl Leser*innen, die Batman gewöhnt sind, als auch Fans von D‘ Artagnan an!
Klassische Moderne!
Oftmals hat man den Eindruck, dass man sich zwischen klassischem Stil und modernem entscheiden muss. Pevel und Créty beweisen, dass es auch anders geht und mixen sowohl inhaltlich als auch zeichnerisch munter beide Welten. Diese Mischung hätte schief gehen können, tut sie aber nicht! Ledergesicht ist ein Genuss!
Wer will kann direkt beim Verlag eine limitierte Vorzugsausgabe mit Variantcover und limitierter Grafik bestellen. Diese verknüpft den Gothamartigen Einfluss mit dem Charme des vergangenen Paris!
Dazu passen The Specials mit „Friday Night, Saturday Morning“ von der Live from the Cathedral-LP und ein Pink Gin Tonic.
Das Koralle-ZACK war DAS Magazin, das den Comic frankobelgischer Provenienz in Deutschland salonfähig machte. Viele Serien hatten zwar vorher schon den Weg nach Deutschland gefunden, den Durchbruch aber nicht geschafft. Wegen der häufigen Erscheinungsweise (und den unseligen Kürzungen) ging aber der reiche Fundus an Geschichten irgendwann zur Neige. Eine der darauffolgenden Strategien bestand darin, auch Comics von italienischen und spanischen Künstlern zu übernehmen.
Ein Reporter im Wilden Westen
Das Vorwort zählt die verschiedenen Versionen auf, wie es wirklich zu der Idee für diesen Comic gekommen ist. Das Ergebnis war auf jeden Fall, dass nach dem Erfolg der Gentleman GmbH der Redakteur Gigi Spina, selbst gebürtiger Italiener, den Vertrag über diese neue Western-Comic-Reihe schloss. Sclavi und Cavazzano hatten schon miteinander gearbeitet und waren in der Lage, in einem dem frankobelgischen sehr ähnlichen Stil zu arbeiten. Die neue Serie sollte humoristisch sein und die Lücken zwischen den Geschichten von Lucky Luke füllen.
Star der Comics war ein Reporter namens Silas Finn, die Geschichten wurden im deutschen ZACK erstveröffentlicht und erschienen teilweise auch in den Schwestermagazinen in anderen Ländern. Tatsächlich hatte aber die Redaktion beschlossen, den Namen zu ändern; Peter O’Pencil war geboren. Im ersten, langen Abenteuer geht es um eine Schatzsuche als Gewinnspiel, organisiert von der Boston Tribune um die Auflage zu steigern. Der Held und sein Sidekick, ein etwas trotteliger und unwilliger Fotograf, begleiten eine Gruppe von Teilnehmern, die den sagenhaften Preis von 5000 $ gewinnen wollen und dafür fünf Aufgaben überstehen müssen.
Dem folgen drei deutlich kürzere Episoden, die sich weiteren Western-Legenden widmen. So wird unter anderem die wahre Natur von Buffalo Bill enthüllt. Die Stories sind sehr humorig und stellen gewisse Prinzipien in Frage oder sogar auf den Kopf. Dazu kommen einige Running Gags aus der Redaktion, aber auch bezüglich der Freiwilligkeit des Fotografen bei diesem Abenteuer. Einiges davon würde man heute vielleicht anders schreiben.
Detailreiche Zeichnungen
Cavazzano wurde in Italien teilweise mit Uderzo verglichen, definitiv war er von ihm beeinflusst. Die Panel sind sehr detailreich und akkurat ausgeführt, die Lust am Zeichnen komischer Dinge ist bei dem Zeichner, der bei Disney angefangen hatte, deutlich zu merken. Daher sind auch die Emotionen deutlich überzeichnet. Seite 34 ist ein gutes Beispiel für den filmischen Einfluss auf die Bildfolge.
Das Layout ist durchaus abwechslungsreich: Die Streifen werden munter ignoriert, Personen treten aus dem Rahmen und Textkästen wie auch Sprechblasen führen ein Eigenleben. Trotz dieser Dynamik konnte der Comic nie den gleichen Erfolg wie Umpah-Pah oder Lucky Luke verzeichnen.
Eine Reise zurück in die Vergangenheit
In Deutschland sind die Geschichten nie als Album erschienen; wer also keine Sammlung der alten Hefte besitzt, hatte kaum eine Gelegenheit, sie zu bewundern. In Italien selbst war die erste Geschichte tatsächlich vor dieser Gesamtausgabe nie erschienen. Insofern bietet die Peter O’Pencil Gesamtausgabe die Möglichkeit einer Zeitreise. Der abschließende zweite Band ist für das Frühjahr ´27 angekündigt.
Mir persönlich hat es gut gefallen, den Comic in Etappen zu lesen, also der ursprünglichen Zeitschriftenveröffentlichung zu folgen und die Suche in fünf Teile zu splitten. Dadurch werden die Running Gags besser als am Stück konsumiert. Die Einführung gibt einen guten Überblick und der Abdruck der damaligen ZACK-Cover erhöht die nostalgische Freude!
Dazu passen aus den 79-er Charts Toto mit „Hold the Line“ und eine Sarsaparilla!