1982 – 1984
Story: Raoul Cauvin
Zeichnungen: Willy Lambil
Originaltitel: Le Tuniques Bleues 19, 20, 21
Hardcover | 160 Seiten | Farbe | 34,90 € | ISBN: 978-3-89908-831-1

Eine der erfolgreichsten und langlebigsten Western-Serien aus dem frankobelgischen Raum entstand ursprünglich als Lückenfüller. Als Lucky Luke Spirou verließ, musste kurzfristig ein Ersatz gefunden werden. Mittlerweile sind sowohl der ursprüngliche Zeichner (Salverius) als auch der jahrzehntelange Texter Cauvin verstorben, die Blauen Boys allerdings reiten weiter. Die Gesamtausgabe bei Salleck enthielt zunächst in den ersten sechs Bänden Neuübersetzungen der in Deutschland bei Bastei erschienenen Teile, auch um sie endlich den mittlerweile akzeptierten Qualitätsanforderungen anzupassen. Aufgrund des Wunsches vieler Leser*innen geht es jetzt mit den bei Carlsen verlegten und vergriffenen Bänden weiter.
Die Tücken des Krieges
Anfangs war die Ausrichtung der Serie noch ein wenig unentschieden, die Fokussierung auf die Auseinandersetzungen zwischen Nord- und Südstaaten, einem der bisher blutigsten Kriege der Geschichte, hat sich aber schon lange etabliert. Und so bestimmen auch jetzt Themen des Kriegsgeschehens die drei Alben. Dazu kommen viele Abbildungen und zwei Einseiter als deutsche Erstveröffentlichung. Die Geheimwaffe beschreibt den Einsatz eines U-Boot-Vorläufers, der David, und seine verheerende Wirkung auf die Schiffe der Nordstaaten, die den Nachschub ihrer Gegner durch eine Seeblockade einschränken wollen.
Black Face thematisiert die Frage, ob es dem Norden wirklich um „die Befreiung der Sklaven“ ging. Immerhin dürfen sie sich im Norden zwar der Armee anschließen, allerdings nur um für weniger Sold Drecksarbeiten auszuführen. In Fünf Schwere Jungs steht das ständige Problem im Vordergrund, Nachschub an jungen Rekruten als Kanonenfutter zu finden. Das 22. Infanterieregiment wird zwar immer wieder aufgefüllt, außer Kommandant Stark und unseren beiden Helden überlebt aber kaum jemand. Die Schwierigkeiten der Rekrutierung stehen im Vordergrund dieses leicht zynischen Bandes.

Die Blauen Boys sind so erfolgreich, weil Cauvin es immer wieder schafft, Aspekte herauszugreifen und in den Fokus zu stellen, die die Absurdität des Krieges darstellen. Der nur saufende General, der aufgrund der fehlenden Sonne auf dem Schlachtfeld ganz bleich ist, der Trick, Verbrecher hinter die Linien zu schaffen, und der unverhohlene Rassismus zeigen auf, wo die Dinge wirklich im Argen liegen.
Knollennasen und Schachtfelder
Willi Lambil, nach Salverius der Zeichner der Serie, verbindet Knollennasen und Überzeichnungen in den Gesichtern mit der Darstellung des Krieges. Nach den Attacken liegen die Leichen auf den Feldern, ihre Positionen zeigen unmissverständlich den Schmerz und das Leid. Diese Szenen dienen der Untermalung der Ernsthaftigkeit und unterstützen das gemeinsame Anliegen, den Irrsinn des Krieges und die Möglichkeit, darin trotzdem zu überleben, zu zeigen. Während der Vorgesetzte, Sgt, Chesterfield, unermüdlich versucht, das alles zu ignorieren, versucht sein Untergebener, Corporal Blutch, unentwegt zu desertieren, wenigstens aber für das Überleben zu sorgen.

Dieser Gegensatz trägt mit seinem manchmal feinen, oft brachialen Humor die Geschichten und fasziniert seit rund 70 Ausgaben. Quasi als Gegensatz zur menschlichen Tragödie wirken die immer wieder eingestreuten Naturbeobachtungen. In einem beliebigem Panel tauchen unvermittelt sehr realistisch dargestellte „unschuldige“ Tiere auf. Genial!
Nicht aufhören, bitte!
Die ersten sechs Nummern der Gesamtausgabe waren für die deutschen Leser*innen fast wie eine Erstveröffentlichung, hatte die damalige Übersetzung doch eher Klamauk im Sinn als Werktreue. Glücklicherweise wird die Reihe aber fortgesetzt und ermöglicht es all denen, die die Serie nicht bereits in den 90-ern gut fanden, ihr angemessen zu folgen! Natürlich lassen sich die meisten Teile noch antiquarische finden, die Gesamtausgabe mit dem redaktionellen Teil, den Fotos und Aquarellen und nicht zuletzt der guten Aufmachung im Hardcover bieten aber doch deutlich mehr!

Dieser Band erklärt auch die Verwirrung bei der Zählung: Carlsen startete damals mit einer neuen Nummer 1 und ignorierte die Tatsache, dass das Original bereits die stolze „19“ trug. Eine klare Empfehlung für alle Western-Fans, die Liebhaber der Ecole Marcinelle und des bissigen Stils von Raoul Cauvin! Ein Hinweis: Auch die aktuellen Bände erscheinen bei Salleck!
Dazu passen Bruce Springsteen mit allem von „Nebraska“ und ein guter Kaffee!
© der Abbildungen DUPUIS 1982, 1983, 1984, by Cauvin & Lambil / 2026 Eckart Schott Verlag




































