1931 – 1937
Herausgeber/Autor: Dian Hanson
Artist: Hal Foster
Originalausgabe
Hardcover XXL | 392 Seiten | Farbe | 200,00 € | ISBN: 978-3-7544-0264-1 (EN, DE, FR)

Es gibt nicht viele Ikonen der Popkultur deren Ruf unabhängig von Schauspieler*innen oder Künstler*innen ist. Abgesehen von einigen Superheld*innen gehören dazu anthropomorphe Wesen aus dem Disney-Universum, ein schwertschwingender Barbar, ein maskierter und berittener Rächer und auf jeden Fall auch die Erfindung von Edgar Rice Burroughs: Tarzan! Ob als Held von Pulp-Romanen, auf der Leinwand oder sogar als Musical-Star, Tarzan hat sich schon lange von seinen Ursprüngen befreit und ist zu einem Mythos geworden, der immer noch größer wird. Dazu beigetragen haben mit großer Wahrscheinlichkeit auch die Comics von Hal Foster!
Die kleine Flucht am Wochenende
Es ist schon viel über die Ursprünge der Zeitungsstrips geschrieben worden. Die Stars dieser Szene wurden zu Millionären, der Kampf der Zeitungsgiganten um die besten Talente war legendär. Und doch ist der Hintergrund relativ einfach: wie bekomme ich die Käufer*innen meiner Zeitung dazu, dass sie auch am nächsten Tag wieder zu meinem Blatt greifen? Der Tagesstrip musste also in einem Streifen die Leser*innen abholen, etwas Neues hinzufügen und mit einem Cliffhanger schließen, um die Neugierde in klingende Münze umzuwandeln.
Die Sonntagsseiten hatten es da viel einfacher. Das Prinzip ist natürlich das Gleiche, es stand aber eine ganze Seite zur Verfügung. Die Entwicklung der Figuren konnte ausführlicher geschehen, die Hintergründe konnten ausgearbeitet werden und nicht zuletzt waren diese Seiten farbig. Während heutzutage bei vielen die Assoziation Zeitungscomics gleich Kinderseite fällt, richteten sich die Werke damals explizit an Erwachsene. Foster musste daher gegenüber den Stories aus den Pulps keine Abstriche machen, Folter, Mord, freizügig gekleidete Frauen finden sich somit in allen Geschichten wieder.

Vom illustrierten Text zu Prinz Eisenherz
Die erste Umsetzung erfolgte noch in Tagessteifen. 1929 erschien Tarzan of the Apes in 60 Folgen von jeweils fünf Bildern zu einem Auszug des Textes, der unter den Illustrationen platziert worden war. Die nicht kolorierten Streifen lassen die spätere Dynamik noch etwas vermissen, zeugen aber schon von der Kompositionsfähigkeit von Foster. Er weiß genau, wann es besser ist, eine Figur nur von hinten zu zeigen, wann eine Totale besser ist und wann Action dargestellt werden muss. Die Meisterschaft, das Gewünschte mit so wenig Strichen wie möglich darzustellen, fehlt zwar noch, die Beherrschung des Schwarzraums ist aber schon deutlich zu erkennen. Wie einige andere Vorläufer auch enthält der Band nicht nur die im Titel angekündigten Sundays, sondern auch diese Abfolge von Daylies!
Nach Abschluss dieses Runs, der in England veröffentlicht worden war, hatte der aufstrebende Zeichner Foster keine Lust, sich weiterhin auf den täglichen Stress und die weiteren Einschränkungen einzulassen. Trotzdem hatte die Umsetzung auch das Interesse der amerikanischen Newspapers geweckt. Wie der sehr gut lesbare und wissensreiche einführende Artikel (in drei Sprachen: Englisch, Deutsch und Französisch) beschreibt, war Burroughs mit den Ergebnissen seines Nachfolgers/Vorgängers allerdings alles andere als zufrieden. Und so kam es, dass Foster ab dem 27. September 1931 die Sonntagsseiten übernahm. Üblicherweise hatte der Künstler nun 12 Panels und eine über die ganze Breite gehende Kopfzeile zur Verfügung. Und auch in diesem Setting behielt er seine Angewohnheit bei, mit schwarzen Flächen zu arbeiten. Einige der zusätzlich abgedruckten, nicht kolorierten Beispiele zeigen, wieviel Tiefe diese Eigenheit den Bildern verliehen hat.
Das erste Abenteuer spielt in der Wüste in einer arabischen Gegend, 1932 geht es dann zurück in den Dschungel. Während einige der Gegner*innen durchaus stereotyp dargestellt werden, versucht Foster doch durchgehend, nicht nur Vorurteilen Raum zu geben, sondern auch „Gut“ und „Böse“ entsprechend darzustellen. Zudem war die zeitimmanente Erwartung, etwas „Exotisches“ präsentiert zu bekommen. Gegenstand der Zeichnungen sind immer wieder Kämpfe mit Tieren. Die Gegner sind Löwen, Affen oder Krokodile und fordern dem König des Dschungels alles ab. Natürlich hilft es dabei, einen muskelbepackten Körper zu haben der nur wenig von Stoff bedeckt ist. Auch diese Erwartungen an „den guten, weil weißen Wilden“ werden somit erfüllt.

Die männlichen Leser dürften neben der Anerkennung der Kraft eher die Bekleidungen der weiblichen Protagonistinnen wertgeschätzt haben. Auch hier wurden zwar nie Konventionen verletzt, ihre Grenzen wurden aber das eine oder andere Mal angetestet. Etwas Fantasy-lastig wird es dann später im Jahr. Man darf nicht vergessen, dass die Welt keineswegs vollständig erforscht war. Neben Gerüchten und Sagen über Meeresungeheuer gab es noch vollkommen unbekannte Landstriche in denen Tiere und Pflanzen aus der Vergangenheit hätte überdauern können. Und so muss sich auch Tarzan mit Dinosauriern herumschlagen.
1933 steht unter dem Motto „Das Monster“. Nicht nur in der realen Welt schwingt sich ein Massenmörder zum Herrscher einer Nation auf und wird schließlich eine ganze Welt in einen Krieg verwickeln, auch im Comic gibt es Menschen, die nur sich selbst für voll nehmen. 1934 sind dann schon erste Vorboten der späteren, noch erfolgreicheren Serie von Hal Foster zu sehen; Prinz Eisenherz wird die Geschichte eines Jünglings und späteren edlen Ritters erzählen, der Grenzen weder kennt noch akzeptiert. Sowohl die Konzeption der Seiten als auch die Farben sind bereits ähnlich, auch Frisuren lassen sich im Rückblick wiedererkennen.
Während 1935 im Zeichen der Liebe und der verschiedenen Frauen steht, die umworben, verstanden und verteidigt werden wollen, geht es 1936 ans Eingemachte. Tarzans Aufgaben erfordern zunächst wieder mehr Action, er wird allerdings verurteilt und muss sich beweisen. Wieder steht eine Frau in der Mitte des Konflikts. Am Ende erfolgt dann ein auch inhaltlich bedeutsamer Kontakt mit moderner Technik. Während die meisten bisherigen Stories fast zu jeder Zeit hätten spielen können, taucht nun die wirkliche Moderne in Form eines Flugzeugs auf. 1937 endet dann der Run, Prinz Eisenherz wird ab jetzt bis zum Ende das Comic-Schaffen von Hal Foster bestimmen.

Eine Karriere, die einen Roman ermöglichen würde…
Man mag den früheren Zeiten hinterhertrauern oder auch nicht. Mit Sicherheit war das Leben vor 100 Jahren mit dem heutigen in keiner Weise zu vergleichen. Natürlich gab es auch damals „gerade Lebensläufe“ die bruchlos von der Jugend bis ins hohe Alter verliefen. Viel häufiger waren aber Wendungen, die Ortswechsel, unterschiedliche Berufe und Leben an der Armutsgrenze einschlossen. Wer Glück hatte, fand schließlich genügend Halt, um eine Familie ernähren zu können, vielleicht sogar zu Ansehen zu gelangen; vielen gelang das allerdings nicht.
Auch der Weg von Hal Foster, der in der gut lesbaren und sehr informativen Einführung von Dian Hanson beschrieben wird, war alles andere als gradlinig oder erfolgversprechend. Zwar hatte der junge Hal den Vorteil, Bildung aufsaugen zu wollen, allein, die Verhältnisse ließen das nicht immer zu. Dieser Band ist für den einführenden Teil dreisprachig, die Comics sind als Faksimile naturgemäß nur auf Englisch abgedruckt. Es lohnt sich aber trotzdem, alle drei Teile zumindest durchzublättern, da sie alle unterschiedlich illustriert sind.

Die Autorin hat bereits mehr als 50 Bücher verantwortet, unter anderem den Taschen-Band über Frank Frazetta und Werke über Pin-Up und Fantasy Art.
Ein wertvoller Bestandteil einer guten Sammlung
Man kann Comics auf viele verschiedene Weisen genießen. Am einfachsten ist sicherlich die rein konsumtive Art: lesen, sich freuen, und weitergeben. Viele werden irgendwann anfangen, die besten Werke aufheben, sammeln und somit komplettieren zu wollen. Dann wird vielleicht aus dem Heft mit schlechter Papierqualität der Sammelband und aus diesem die Gesamtausgabe mit zusätzlichen Informationen und Illustrationen. Man fängt an, andere Serien der gleichen Künstler*innen haben zu wollen oder aber andere Highlights aus dem gleichen thematischen Bereich. Das ist der Anfang einer Sammlung!
Der zweite Schritt liegt oft darin, sich mit Werken über sein Hobby einzudecken: Fachzeitschriften und Bücher über Comics erlauben Einordnungen und stellen Beziehungen her. Gleichzeitig erlauben sie auch ein Verständnis über die Anfänge und Comic-Meilensteine, die bereits in der Vergangenheit liegen. Hal Foster’s Tarzan ist ein solcher: die Qualität der Zeichnungen, die Foster über die Jahre entwickelt hat, die Beherrschung der Linien und Flächen, die zusammen ein Größeres ergeben, ist auch heute noch Maßstäbe setzend.
Natürlich sind die Seiten nicht das erste Mal publiziert worden. Das XXL-Format ermöglicht es aber, die Seiten quasi original aufzunehmen, entspricht das Format doch den früheren Sonntagsseiten weitgehend. Die Reproduktionen versuchen auch, die originalen Farben und Rasterungen so gut wie möglich wiederzugeben. Der Unterschied liegt daher in der Qualität des Papiers und in der hervorragenden Aufmachung als reichlich illustriertes Hardcover mit passendem Umverpackungskarton. Der Inflation geschuldet ist der Preis dieser Bände allerdings um 25 Euro auf nun 200 gestiegen. Der Band passt zu den anderen Comic-Libraries von Taschen: Carl Barks‘ Donald Duck, Weird Science, Marvel!
Dazu ein Raffo Lavorazione Grezza und einen Klassiker: Desmond Dekker mit „The Israelites“.
© der Abbildungen 1929, 1931 – 1937, 2026 Edgar Rice Burroughs, Inc. / 2026 Taschen GmbH, Köln






































