ZACK 250

ZACK 250 (April 2020)

Herausgeber: Klaus D. Schleiter

Chefredaktion: Georg F. W. Tempel
MOSAIK Steinchen für Steinchen Verlag
Heft Din A 4 | 84 Seiten | Farbe | 7,90 €
ISSN: 1438-2792

Ich möchte mit einem Gratulationstusch starten: mittlerweile hat das „neue“ ZACK 250 Ausgaben geschafft und das Startpublikum der Koralle-ZACK-Aficionados deutlich erweitert! Viele neue Serien haben Eingang gefunden und aktuell scheint sich eine – aus meiner Sicht sehr erfreuliche – Kooperation mit dem niederländischen StripGlossy anzudeuten, werden die Morde im Mai doch mindestens von Spaghetti, vielleicht auch von den Macaronis begleitet.

Gefeiert wird das Jubiläum übrigens mit einem Variantcover für Abonnenten mit einer erotischen Szene aus Empire USA.

Der Neustart

Keine Landschaft auf einem fernen Planeten sondern in Mexiko!

Sauvage hat gerade den dritten Platz in der Wahl des ZACK-Helden 2019 belegt und die neue Episode Esmeralda wurde von vielen erwartet. Der Text von Yann ist dabei sicherlich spannend, verknüpft er doch die Ereignisse Mitte der 60-er Jahre des 19. Jahrhunderts in Mexiko mit den persönlichen Schicksalen der handelnden Personen und spielt dabei sehr geschickt mit persönlichen „Skills“ wie Naivität oder Skrupellosigkeit. Gleichzeitig wird die Kritik an der politischen Führung, etwa wegen des Befehls, keine Gefangenen mehr zu machen, sondern die Gegner noch auf dem Schlachtfeld zu erschießen, deutlich! Die Zeichnungen von Meynet sind aber zumindest in dieser von ihm selbst erledigten Kolorierung einfach nicht mein Favorit.

Die Fortsetzungen

Bisher fehlte die Leiche in dem aktuellen Abenteuer von Rick Master, nun ist sie da und auch bereits identifiziert. Das Motiv bleibt aber noch rätselhaft. Gleichzeitig wird in Für Frankreich gefallen aber auch deutlich, dass Rick beim Militär wenig Freunde hat und so hat Simon Van Liemt die ungewohnte Verpflichtung, den Helden seitenlang mit einem Veilchen darzustellen. Zidrou hat aus dem etwas altbackenen Liebling aller Schwiegermütter und noch mehr aus seiner Geliebten Nadine moderne Held*innen gemacht, denen man die kriminalistische Ader abnimmt.

Die History-Serie Rani von Van Hamme & Alcante nimmt Fahrt auf. Ging es bisher eher darum, dass die Heldin zeitbegingt ihrem ekligen Halbbruder hoffnungslos ausgeliefert ist, kommen nun politische Bezüge hinzu. Wie so oft gilt, dass der Böse nicht nur seine Familienangehörigen verrät, sondern auch kein ungetrübtes Verhältnis zu seinem Land hat. Francis Vallès darf dabei zeigen, wie gut er neben Kompositionen auch Landschaften und Gebäude zeichnen kann. Wie gut, dass es von dieser Serie bereits mehrere Folgen gibt.

Henk Maalbeck muss den ersten der Morde im Mai, nämlich den an seinem Vater, mitansehen. Trotzdem ist noch nicht wirklich klar, wie groß die Sache eigentlich ist. Auf jeden Fall ist schon mal deutlich, dass Deutsche die Verteidigung Rotterdams ausspioniert haben und wichtige Dokumente den Besitzer hätten wechseln sollen. Eric Heuvel hat den Roman von Jaques Post sehr stimmig in Bilder übertragen und so ist dieser Comic nicht umsonst bei unseren westlichen Nachbarn sehr erfolgreich gewesen.

Dazu kommen die witzigen Parker & Badger und Tizombi sowie neben dem Schlussstrip auch eine ganzseitige Episode des Vaters der Sterne. Zumindest für letzteren täte Abwechslung gut. Die Artikel featuren eine neue Netflix-Serie von DreamWorks und bringen ein interview mit Phillipe Aymond zu den neuen Abenteuern von Bruno Brazil – lesenswerte Abwechslung!

Der Abschied

In Empire USA wird der Teil 2.2 beendet und Jared ist mit seinen Untersuchungen zum Tod seines Freundes noch nicht wesentlich weiter. Immerhin ist deutlich geworden, dass die russischen Oligarchen keine einheitliche Gruppe darstellen, sondern sich verschiedenen Nachfolgegruppen der alten Nomenklatura angeschlossen haben. Spannender Thriller von Stephen Desberg mit realistischen Zeichnungen von Alain Queireix in anspruchsvollem Layout.

Variantcover mit Szene aus Empire USA

Sollte das ZACK dieses hohe Niveau halten können, dürfte der nächste Meilenstein (Ausgabe 293 und damit mehr Ausgaben als das „alte“ ZACK) leicht zu schaffen sein!

Dazu passen natürlich zum Anstoßen ein Glas Champagner und die alten No Doubt!

Abbildungen © 2020 MOSAIK Steinchen für Steinchen Verlag und den jeweiligen Zeichnern und Verlagen

ZACK 249

ZACK 249 (März 2020)

Herausgeber: Klaus D. Schleiter

Chefredaktion: Georg F. W. Tempel
MOSAIK Steinchen für Steinchen Verlag
Heft Din A 4 | 84 Seiten | Farbe | 7,90 €
ISSN: 1438-2792

Schon im Editorial verkündet Georg F. W. Tempel die erste Überraschung: (Der neue) Michel Vaillant hat es nach langer Pause mal wieder geschafft, die Spitze im Ranking der beliebtesten Serien zu übernehmen. Die klassischen Vaillant-Stories haben sich dabei zusätzlich noch auf Platz 4 schieben können. Gefreut haben mich ebenfalls die guten Platzierungen von der Bank und Harmony!

Der Neustart

Schon seit längerem im Forum und auch hier angekündigt, nun ist es endlich soweit: Die Mai-Morde haben ihren ersten Auftritt. Eric Heuvel ist in Deutschland alles andere als unbekannt, liegen doch sowohl seine „educational-Comics“, oft in Zusammenarbeit mit dem Anne-Frank-Haus entstanden, als auch seine rein fiktionalen Geschichten etwa um January Jones oder die autobegeisterte Baronin Carbeau auf Deutsch vor. Jacques Post hat bereits 1984 einen Roman über eine Kriminalgeschichte mit dem Hintergrund der parlamentarischen Untersuchungskommission zur Vorgänge während der Besatzung Rotterdams durch die Deutschen geschrieben und später zu einem Szenario umgearbeitet. Der Comic im Stil der ligne claire springt zwischen Anfang der 40-er und Ende der 40-er hin und her und schildert die Ermittlungen hinsichtlich der Morde im Mai. Mehr zu dem in den Niederlanden als Comic des Jahres nominierten Original hier, aber Achtung, Spoiler! Mit dem Abdruck ist dem ZACK ein echter Coup gelungen!

Die Fortsetzungen

Stephan Desberg‘s Empire USA zeigt die Verwicklung zwischen russischen Oligarchen und der alten politischen Nomenklatura sowie die benötigte Skrupellosigkeit, die erforderlich zum Mitspielen ist. Routinierter Spionageplot in modernem Gewand, angemessen von Alain Queireix umgesetzt.

In Rani, dem History-Drama aus der Feder von Altmeister Jean van Hamme und Alcante muss die Heldin erfahren, dass niedere Herkunft und weibliches Geschlecht eine sehr schlechte Mischung sind. Nach dem Tod ihres Vaters versucht der geld- und machtgeile Bruder sofort, seine Schwester an einen alten Lüstling zu verkaufen und das Erbe für sich zu behalten. Schöne Landschaftsbilder während eines Ausrittes zeigen, dass Francis Vallés auch dieses Sujet beherrscht! Sehr gute Unterhaltung auf hohem Niveau.

Rick Master muss gleich mit mehreren Schwierigkeiten kämpfen: Einerseits ist er unter seinen Kollegen nicht gut angesehen, andererseits wird er auch in der Kaserne mit einem mutmaßlichen Verbrechen konfrontiert; nur leider ist das Opfer unauffindbar. Und dann ist da ja auch noch Nadine, die ihren Geliebten vermisst. Moderner Krimi mit eingestreuter Gesellschaftskritik von Simon Van Liemt und Zidrou. Ein weiteres Bespiel für eine sehr gelungene Modernisierung eines alten ZACK-Klassikers aus den 50-er und 60-er Jahren.

Dazu kommen natürlich neue Episoden von Parker & Badger und Tizombi. Bei letzterer Serie bin ich übrigens ausdrücklich anderer Meinung als die meisten Leser*innen; sie ist mit ihrem schwarzen Humor eine echte Bereicherung des ZACK.

Die Artikel beleuchten die neue Geschäftsführung der schweizerischen Edition Moderne und geben einen Überblick in die Gedanken des Zeichners der neuen Blade-Runner-Comics.

Der Abschied

Nun ist es leider soweit, der erste Teil von Giant ist veröffentlicht und die geniale Serie von Mikaël damit zunächst beendet. Der Ire kann auch im letzten Teil nicht davon ablassen, anderen zu helfen, doch dieses Mal ist es anders, denn er legt sich mit einem Mobster an. Glücklicherweise enthält die letzte Seite den Hinweis, dass die Geschichte in ihrem zweiten Teil abgeschlossen werden wird, andernfalls wäre der Cliffhanger noch schlimmer…

Qualitativ befindet sich das ZACK einen Monat vor dem nächsten Meilenstein, der 250. Ausgabe, auf einem Höhenflug. Weiter so!

Dazu passen jahreszeitlich bedingt ein Ingwer-Curcuma-Shot und Klänge von The Business: “The Truth, the whole Truth and nothing but the Truth“!

Abbildungen © 2020 MOSAIK Steinchen für Steinchen Verlag und den jeweiligen Zeichnern und Verlagen

ZACK 247

ZACK 247 (Januar 2020)

Herausgeber: Klaus D. Schleiter

Chefredaktion: Georg F. W. Tempel
MOSAIK Steinchen für Steinchen Verlag
Heft Din A 4 | 84 Seiten | Farbe | 7,90 €
ISSN: 1438-2792

Das neue Jahr beginnt mit der Rückkehr zweier alter Bekannter und vor allem wieder mit der Aufforderung, die ZACK-Serie 2019 zu wählen. Das geht wie gehabt per Brief, Fax oder online. Die Gewinnchancen sind nicht riesig, der Spaß dagegen schon, geht die Wahl des ZACK-Helden doch mittlerweile in das sechste kalendarische Jahrzehnt.

Die Neustarts

Investigativer Journalismus ist nicht immer leicht und manchmal kommt der Gegenwind aus unerwarteter Richtung: Rick Master muss in „Für Frankreich gefallen“ zum Militär. Während Rick die Sache anfangs noch recht locker nimmt ist Nadine am Verzweifeln. Zidrou und Simon van Liemt präsentieren bereits das vierte „neue“ Abenteuer des ZACK-Helden der ursprünglich von Tibet bearbeitet worden war.

Auch Empire USA kehrt zurück; Episode 2.2 beginnt mit einem recht freizügigen Rückblick von Jared auf seine Beziehung zu Scarlett und Duanne. Mit routiniertem Strich setzt Alain Queireix die Geschichte von Stephen Desberg um. Moderner Agentenstoff in schnellem und abwechslungsreichem Layout. Sicherlich deutlich über dem Durchschnitt.

Die Fortsetzungen

Die Bank geht bereits in den dritten Teil. Während der perfide Plan von Lord Rothschild aufgeht machen auch die beiden Geschwister Charlotte und Christian scheinbar ein gutes Geschäft. Ob es von Dauer sein wird? Der Thriller aus der Finanzwelt Mitte des 19. Jahrhunderts hat alle Elemente, die eine gute Geschichte benötigt: Ein neues, glaubwürdig erzähltes Thema, gut aufgebaute und ausgeschmückte Figuren, einiges an Spannung und gute zeichnerische Umsetzung! Eine echte Bereicherung des Portfolios!

Giant ist etwas experimenteller, zählt für mich aber zu genau den Serien, die mich dazu bewogen haben, das ZACK zum Magazin des Jahres 2019 zu küren! Mikaël hat sich einen Underdog zum Helden gesucht. Er ist ein einfacher Bauarbeiter und damit beschäftigt, New York größer und höher zu machen. Er ist kein Held, hat keine Familie, gehört keiner kriminellen Organisation an und ist somit eigentlich vollkommen uninteressant, wäre da nicht sein großes Herz und das wahnsinnige Artwork!

Ebenfalls erwähnt werden müssen natürlich auch die kleineren Serien: Tizombi, Parker & Badger und der Vater der Sterne haben genauso ihre Auftritte wie die ständigen Rubriken mit News und Informationen. Vorgestellt werden in diesem Heft die Netflix-Serie Titans und der Taschenband von Krazy Kat!

Der Abschied

Tanguy & Laverdue beenden ihr Wüstenabenteuer Sanddiamanten und dürfen feststellen, dass Politik im Gegensatz zum Fliegen das deutlich unschönere Metier ist. Sébastien Philippe setzt die Kampfjets genauso gut in Szene wie die Landschaften und die Akteure. Für technikbegeisterte Jungen (und junggebliebene) sicherlich ein Schmankerl. Diese Serie gehört seit Jahrzehnten in das ZACK, ist aber halt nur für einen – nicht unwesentlichen – Teil der Leser*innen.

Dazu passen die 30 Years Pearl Jubilee Edition von Spirit of Ska und ein winterlicher fruchtiger Likör!

Abbildungen © 2020 MOSAIK Steinchen für Steinchen Verlag und den jeweiligen Zeichnern und Verlagen

Regnauld/Seiter – Das Herz des Zorro

Das Herz des Zorro

Story: Roger Seiter
Zeichnungen: 
Pascal Regnauld

Originaltitel: Balle tragique pour une série Z

Schreiber und Leser

Hardcover | 64 Seiten | Farbe | 16,95 € |

ISBN:  978-3-96582-002-9

Eine der besonders netten Reihen bei schreiber & leser ist mit Nachtprogramm betitelt. Hier erscheinen aus dem Rahmen fallende Einzeltitel für Entdecker*innen und abenteuerlustige Leser*innen. Das Herz des Zorro ist darunter die aktuellste Veröffentlichung.

Der Inhalt

Wir springen in das Jahr 1957, mitten in den heißen Sommer. Jimmy White ist einer der typischen mittelmäßigen Männer dieser Zeit. Er hat schon als Stuntman gearbeitet, als Double und aktuell hat seine Agentin ihn als Statisten für die Disney-Serie Zorro untergebracht. Der Job ist nicht sehr anspruchsvoll, seine Frau ist vor kurzem verschwunden und die Polizei, genauer gesagt ein Detective glaubt, dass White sie umgebracht habe. Außerdem ist da noch die Sache mit dem Geldverleiher…

Bei einer Drehszene wird unser Held vom Star der Serie mit einem Degen verletzt, auf eine Kolumnistin wird ein Attentat verübt und ein Sternchen wird ermordet. Natürlich hofft Jason Boyd, dass er alle diese Verbrechen dieses Mal aufklären könne, und ist fest davon überzeugt, dass nur Jimmy als Täter in Frage kommen kann.

Glücklicherweise hat Jimmy aber auch noch seine Agentin Brenda, die bereit ist, viel mehr zu tun als üblich. Roger Seiter gelingt es, in dieser Story einerseits das Flair des klassischen Noir-Thrillers aufleben zu lassen. Andererseits tauchen aber auch viele der bekannten Gesichter des Filmbusiness der End-Fünfziger auf und die Studioatmosphäre wird perfekt wiedergegeben. Die Handlung läuft dabei ab wie ein Film.

Der gebürtige Straßburger Seiter ist im französischen Comic wahrlich kein Unbekannter, sein Werk hat es aber bisher im Wesentlichen nicht in die deutsche Sprache geschafft. Schade eigentlich.

Die Zeichnungen

Pascal Regnauld ist hierzulande bekannter, zeichnet er doch seit dem 10. Band an den Geschichten von Inspektor Canardo mit.

Er nimmt das filmische in seinen Zeichnungen auf und kombiniert Totale mit Weitwinkel und schnellen Schnitten auf schwarzem Hintergrund.

Die Figuren sind leicht grotesk überzeichnet und in den Details reduziert. Umso wesentlicher ist die ebenfalls von Regnauld ausgeführte Kolorierung, die mit Schattierungen Kontur gibt. Gedämpfte Farben ermöglichen ein sehr stimmiges Ambiente für diesen Thriller, dem man nicht auf den ersten Blick ansieht, dass er aus diesem Jahrzehnt stammt!

Die Empfehlung

Braucht ihr noch ein kurzfristiges Weihnachtsgeschenk? Wenn ja, mit diesem Band macht ihr nichts falsch für Filmfans, Noir-Adicts und Leser*innen guter Geschichten.

Der Band ist erschwinglich, gut verarbeitet und wertig, im Zweifel nicht bereits vorhanden, da doch eher aus einem Nicht-Mainstream-Verlag, und vor allem wirklich gut!

Dazu passen Madness mit ihrer neuen Single „The Bullingdon Boys“ und ein klassischer Whisky Sour!

© der deutschen Ausgabe 2019 Scheiber&Leser

© der Abbildungen Éditions Glenat 2019 by Roger Seiter & Pascal Regnauld

Aymond/Bollée – Bruno Brazil – Die neuen Abenteuer 1

Black Program Teil 1

Story: Lauren-Frédéric Bollée 
Zeichnungen: Philippe Aymond

Originaltitel: Les NouvellesAventures de Bruno Brazil – Tome 1 Black Program

All Verlag

Hardcover | 56 Seiten | Farbe | 15,80 € | 
ISBN: 978-3-946522-70-6

Der coolste Geheimagent der siebziger Jahre ist zurück mit neuen Abenteuern! Bruno Brazil hat drei Mitglieder seines Kommando Kaiman verloren, zwei weitere wurden schwer verwundet, weder Zeichner noch Texter der ursprünglichen Serie leben noch und doch geht es weiter.

Die Story

Bruno hat die Verluste in seiner Truppe, insbesondere aber den Tod seines Bruders (noch) nicht verwunden und ist in psychologischer Behandlung. Während er noch Trübsal bläst dreht die Welt sich aber weiter. Zunächst wird das Anwesen, auf dem Madison Ottoman gepflegt wird, Schauplatz eines Überfalls. Ottoman war der Kopf hinter der geheimen Sendeanlage im Dschungel, die den Startpunkt für das Kommando Kaiman gegeben hatte (siehe Bruno Brazil 2). Nur kurze Zeit später verschwindet Ottomans damalige Komplizin Rebelle aus einem Hochsicherheitsgefängnis. Alles scheint mit dem geheimnisvollen Black Program in Verbindung zu stehen.

LF Bollée schafft es, die neue Serie nahtlos an die letzte Geschichte anknüpfen zu lassen. Obwohl seitdem mehr als 40 Jahre vergangen sind, wirkt das Ganze aber nicht altbacken, sondern so frisch wie ein neuer Doppelnull-Geheimagententhriller! Brazil war schon immer der bessere, glaubwürdigere Held und die damalige Zeit erlaubt einerseits bereits technische Gadgets, ist aber von der modernen Komplett-Video-Überwachung, GPS-Tracking u.ä. meilenweit entfernt.

Brazil ist aber nicht mehr nur der harte „Soldat“, er hat ein bereits in der ursprünglichen Serie angelegtes Privatleben und auch dort sind Kämpfe zu bestehen: Wie kann man einen pubertierenden Jungen erziehen, der nicht der eigene ist und demgegenüber man extreme Schuldgefühle hat? Zudem ist die Frage zu klären, ob und wann der Beruf vorgehen darf. Während es eine Zeitlang Mode war, Krimihandlungen hinter den persönlichen Problemen fast untergehen zu lassen, halten sich die Themen hier die Waage. Sie versprechen für die Zukunft nicht nur spannende Agentenplots, sondern auch Anknüpfungspunkte für ergänzende und ablenkende Konflikte.

Da sich die Geschichte über mindestens zwei Alben erstrecken wird ist Geduld gefragt! Hoffen wir, dass sich die Beiden an den Rhythmus von einem Band pro Jahr halten werden.

Die Zeichnungen

Phillipe Aymond ist kein Unbekannter; seine Kariere begann mit einer Zusammenarbeit mit Pierre Christin, dessen Autobiographie er auch zeichnen durfte. Sein bisheriges Hauptwerk ist sicherlich die Agentenserie Lady S., die von Jean van Hamme getextet wurde. In diesem Sujet kennt er sich aus: brennende Autos, Mündungsfeuer und Kampfszenen beherrscht er wirklich! Das Gesicht der von Vance übernommenen Hauptfigur und auch die der Mitstreiter*innen können dagegen nicht vollkommen überzeugen! Das mag allerdings auch daran liegen, dass sich der Stil solcher Geschichten im Laufe der letzten 40 Jahre komplett gewandelt hat. Vielleicht fehlt auch nur noch etwas Routine.

Dekors und das Gefühl der Serie sind dagegen sehr gut getroffen. Die Siebziger-Jahre, die den Hintergrund der Geschichte bilden, atmen ihren Duft aus jedem einzelnen Panel, aus jeder Tapete im Hintergrund und aus jedem Möbelstück. Wenn auch die Mundpartie nicht immer gelungen ist, die Emotionen kommen trotzdem rüber und auch die Landschaften und Häuserschluchten sind stimmig!

Die Veröffentlichung

Der All-Verlag hat es sich zur Aufgabe gemacht, Meilensteine der Comic Geschichte in toller Ausstattung zu veröffentlichen. Dazu gehören unter anderem  die im EC-Verlag erschienenen SF und Fantasy-Geschichten von Wally Wood aber auch die beiden von Greg geschriebenen Reihen Luc Orient von Eddy Paape und Bruno Brazil von William Vance. Beide erscheinen erstmals chronologisch in einzelnen Hardcover-Bänden mit reichlich Zusatzmaterial.

In gleicher Reihenaufmachung, allerdings ohne zusätzliche Abbildungen, ist auch der erste Band der Neuen Abenteuer erschienen. Wie immer gibt es auch eine auf 111 Exemplare limitierte Vorzugsausgabe, die als Draufgabe ein signiertes ExLibris enthält!

Insgesamt also eine sehr gelungene Umsetzung, die sowohl Fans der alten Serie zufriedenstellen wird als auch neue gewinnen!

Dazu passen ein leicht nach Salz schmeckender Old Pulteney und Musik aus den end-Siebzigern: Cock Sparrer!

Ausschnitt aus dem ExLibris der Vorzugsausgabe

© der Abbildungen Éditions du Lombard (Dargaud-Lombard S.A.) 2019 by Aymond, Bollée

© der Deutschen Ausgabe All-Verlag Wipperfürth, 2019

ZACK 246

ZACK 246 (Dezember 2019)

Herausgeber: Klaus D. Schleiter

Chefredaktion: Georg F. W. Tempel
MOSAIK Steinchen für Steinchen Verlag
Heft Din A 4 | 84 Seiten | Farbe | 7,90 €
ISSN: 1438-2792

Mit dieser Ausgabe endet das Jubiläumsjahr mit dem das ZACK das 20-jährige Bestehen gefeiert hat. Zeit also für einen kleinen Rückblick:  Alle bisherigen Chefredakteure und ihre jeweiligen Konzepte wurden mit einem Artikel bedacht, klassische ZACK-Helden erleben ihre Abenteuer immer noch oder wieder in ihren runderneuerten Varianten auf diesen Seiten, vieles Neues und auch Experimentelles ist aber dazugekommen. Das Publikum hat sich vom Nostalgiker zum an modernem Comic Interessierten gewandelt und das ZACK ist nicht länger ein Vorpublikationsorgan, sondern oft die einzige deutsche Veröffentlichung und somit auch ein Wert für sich. Dazu kommen fein ausgewogen Informationen von sehr kurz und knapp bis zu ziemlich ausführlich, Adressen und Titellistungen sowie zwei immer anregende Meinungskolumnen am Anfang und am Ende…

Die laufenden Serien

Den Opener macht Giant von Mikaël und aus dieser Serie stammt auch das Covermotiv. Zu Beginn der 1930-er Jahre war das Leben hart, speziell für Iren in den USA und Irinnen in Irland. Nicht immer waren die Männer in der Lage, ihre zurückgebliebenen Familien zu versorgen und nicht immer wussten die Frauen, warum. Manchmal geht es aber auch nur um die Hoffnung! Ein sozialkritisches Drama in einem sehr eigenen Stil!

Tanguy & Laverdue sorgen mit dem dritten Teil der Sanddiamanten eher für die Unterhaltung der technikbegeisterten Leser. Buendia und Zumbiehl haben eine Geschichte kreiert, die sich Nahe an den aktuellen Konflikten im Nahen Osten bewegt, die Freundschaft der beiden Piloten aber trotzdem in den Vordergrund stellen kann. Zudem geben sie Sébastien Philippe die Möglichkeit, Autos und Flugzeuge in Szene zu setzen. Diese Neuinterpretation hat den Sprung aus den 60-ern geschafft!

Die Bank zeigt gleich mehrere Konflikte auf, die im Übrigen auch heute noch nicht als gelöst betrachtet werden können: Sind Frauen als Handelnde akzeptiert oder werden sie vielmehr als Staffage betrachtet? Können sich Notleidende Moral leisten? Und zuletzt: In welchem Verhältnis stehen geschäftliche Notwendigkeiten und liebesbezogene Wünsche? Guillaume & Boisserie entwerfen ein spannendes Szenario, das von Maffre perfekt umgesetzt wird. Für mich einer der besten Starts in diesem Jahr!

Dazu kommen die üblichen kürzeren Sachen: Parker & Badger, Der Vater der Sterne und Tizombi sowie der schon fünfte Teil des Abrisses von Bernd Hinrichs über Verfilmungen frankobelgischer Comics und eine Würdigung von Amazon’s The Boys von Christian Endres.

Die Abschiede

Gleich zwei Serien verabschieden sich in diesem Heft für immer! Den Anfang macht Cassio von Stephen Desberg, gezeichnet von Henri Reculé. Der Römer hatte sich über neuen Alben mit den Attacken seines Halbbruders Tessio auseinandersetzen müssen. Dabei waren die Geschichten immer wieder zwischen verschiedenen Zeitebenen hin- und hergesprungen und hatten grafisch und inhaltlich unterschiedliche Themen und Stile benutzt. Der Abschluss löst die offenen Fragen tatsächlich auf, liefert grafisch mit einem schrägen Layout eine gute Unterstützung des Kampfes und endet tatsächlich mit einem Happy End.

Auch die Vorkommnisse rund um Christopher Dantès sind nun Geschichte. Er hatte Gefängnis, Folter, Reichtum und tiefen Fall, Intrigen und persönliches Glück durchlebt bis ihm nun mit der Entführung seines kleinen Kindes die seelische Vernichtung drohte. Guillaume & Boisserie haben nichts ausgelassen, gleichzeitig aber auch Hintergrundwissen der aktuellen Finanzwelt, der Umweltzerstörung und der unseligen Verflechtung von Politik und Wirtschaft geliefert. Erik Juszcak hat dem Ganzen einen angemessenen, eher klassischen Rahmen gegeben. Beide Serien gibt es im Übrigen auf Deutsch in keiner anderen Form!

In der gespannten Erwartung auf die bald kommende 250. Ausgabe empfehle ich zur aktuellen Lektüre Joy Crookes, etwa „London Mine“ und eine Tasse warmen Kakao mit Berliner Luft!

Abbildungen © 2019 MOSAIK Steinchen für Steinchen Verlag und den jeweiligen Zeichnern und Verlagen

Mikolajczak/Möller – die spinne

die spinne.

Story: Michael Mikolajczak
Zeichnungen: Andreas Möller

Originaltitel: Originalausgabe

Kult Comics

Hardcover | 200 Seiten | s/w | 25,00 € |

ISBN: 978-3-96430-075-1

Schon seit Jahren werden die Krimi- und Thriller-Bestsellerlisten auch von Autor*innen aus deutschen Landen angeführt. Im Comicbereich waren dagegen eher andere Themenbereiche mit Künstler*innen aus Deutschland assoziiert. Mit dem Band die spinne von Mikolajczak und Möller ändert sich das gewaltig!

Der Inhalt

Amerika im Jahre 1972: Kerle sind noch Kerle, Autos groß und blubbernd und LGTB, Selbstverwirklichung oder auch nur Toleranz unbekannte Worte ohne Bedeutung.

Die junge Amber hat die Kleinstadt Tinkerville im Streit verlassen und kehrt zurück. Allerdings kommt sie nicht allein, sondern mit ihrem Freund, der nicht nur als Fremder sofort abgelehnt wird. Da er eine dunkle Hautfarbe besitzt, lernt er sofort alle Feinheiten des kleinbürgerlichen Rassismus kennen und bezahlt mit seinem Leben.

Amber hingegen glaubt, dass er nur abgereist wäre und bezieht eine kleine Wohnung im Haus des Kriegsveteranen Jimmy. Dieser hat ein besonderes Verhältnis zu jungen Frauen, beobachtet sie durch Löcher in den Wänden und entspricht schon sehr schnell dem Muster eines Psychopathen. Eigentlich weiß der ganze Ort von all den verschwundenen Frauen, niemand erzählt es aber rechtzeitig genug für Amber.

Besonders beeindruckend sind zwei Narrative: Zunächst schafft es Michael Mikolajczak sehr glaubwürdig den typischen local Cop zu beschreiben: eigentlich obrigkeitshörig, regelorientiert und konservativ, andererseits aber auch bemüht, „Freunden“ zu helfen und im richtigen Moment wegzuschauen. Die andere sehr gelungene, durch ihre Widerkehr Struktur schaffende Situation ist der Barbier. Die Situation der Rasur scheint in den USA eine hier nur schwer zu verstehende Kommunikationszentrale darzustellen, in der über Leib und Leben entschieden wird.

Der Autor hat bei Kult schon einige Graphic Novels veröffentlicht!

Das Artwork

Andreas Möller lehrt Kunstdidaktik an der Hochschule der Bildenden Künste Saar. Er hat zwar schon Illustrationen für einen Tatort angefertigt und einen eher dem Horrorgenre zugehörigen Comic illustriert, ist aber eher noch neu im Geschäft. Die spinne im reinen schwarz-weiß veröffentlicht bringt seine Zeichnungen sehr gut zur Geltung. Die Körper sind anatomisch korrekt und dynamisch in ihren Bewegungen. Die Gesichter (aber auch die Körperhaltungen) deuten an, dass das Leben der meisten Akteure bisher kein Zuckerschlecken war.

Der Horror des Alltags aber auch der der Gefahr finden sich in den Figuren aber auch im Seitenaufbau wieder. Während oft rechte Winkel das Layout beherrschen, geraten auch die Begrenzungen in Schieflage, wenn es brenzlig wird! Auch der Wechsel zwischen Schwarz auf Weiß hin zu den bedrohlichen schwarzen Hintergründen gelingt perfekt und treibt die Geschichte genauso stark wie der Text.

Die Empfehlung

Kult Comics fördert schon seit längerem auch den Deutschen Comic. Gerade die spinne zeigt, wie richtig das ist, denn diese Graphic Novel braucht den Vergleich mit internationalen Werken nicht zu scheuen! Unbedingte Kaufempfehlung mit Spannung und unerwarteten Twists! Es gibt im Übrigen auch eine limitierte Vorzugsausgabe mit signiertem Exlibris!

Ex Libris der limitierten Vorzugsausgabe

Dazu passen The Adicts und Tennessee Whiskey.

© der Abbildungen 2019 Comic Combo, Leipzig und Michael Mikolajczak, Andreas Möller

ZACK 245

ZACK 245 (November 2019)

Herausgeber: Klaus D. Schleiter

Chefredaktion: Georg F. W. Tempel
MOSAIK Steinchen für Steinchen Verlag
Heft Din A 4 | 84 Seiten | Farbe | 7,90 €
ISSN: 1438-2792

Die Neustarts

Richtig gelesen: In diesem Heft fangen gleich zwei neue Serien an, die uns eine Zeit begleiten werden.

Das Titelbild gehört dieses Mal der neuen Reihe Die Bank von Philippe Guillaume & Pierre Boisserie, die damit gleich doppelt in der 245 vertreten sind, stammt doch auch das Szenario von Dantes von ihnen. Gezeichnet werden die ersten beiden Bände über die erste Generation einer Finanzdynastie von Julien Maffre, der in Deutschland am ehesten wegen seiner Serie Stern bekannt sein dürfte. In einem leicht karikaturesken Stil entwirft er ein wenig schmeichelhaftes Bild der Londoner Oberschicht des Jahres 1815. Empathielos werden mögliche Kriegsschicksale auf finanzielle Folgen hin untersucht und junge adelige Damen als Prostituierte vermittelt. Ein Auftakt, der spannendes verspricht!

Der zweite Start könnte inhaltlich kaum gegensätzlicher sein, denn in Giant geht es um einen irisch stämmigen Arbeiter im New York der großen Depression 1932. Mikael verantwortet Text und Bild der Geschichte aus dem Big Apple während des großen Baubooms, der Probleme durch eine große Migrationsbewegung hinein in die Großstadt, der Erstehung krimineller Strukturen und nicht zuletzt auch des harten Arbeitsalltags. Vielleicht fordern tatsächlich aber beide Neustarts ein wenig mehr als den leichten Genuss?

Die Fortsetzungen

Tanguy und Laverdue sind auf heikler politisch-militärischer Mission im Nahen Osten und geraten auch tatsächlich in einen Luftkampf mit feindlichen Maschinen. Während sie diesen noch gewinnen können stellt sich die Verfolgung eines kleinen Schmugglerflugzeugs als weniger erfolgreich heraus. Zwar gelingt es, das Flugzeug zu stellen, der Pilot wird aber scheinbar durch stattliche Stellen geschützt… Während die Story von Buendia & Zumbiehl scheinbar sehr nah an der möglichen Wahrheit befindet und die Konflikte darstellt (ohne europäisch allwissend daherzukommen), schafft Sébastien Philippe es in grandioser Weise, die Wüstenlandschaft zum Star vieler Seiten werden zu lassen!

Cassio nähert sich seinem Ende, es fehlt nur noch eine Teillieferung und die neun bände sind Geschichte. Nicht nur Cassios Mutter ist wieder da, auch Reptah greift in das Geschehen ein und damit kommt der Mystery-Teil noch mal voll zur Geltung.

Dantes Letzter Akt läuft dagegen noch etwas länger. Diese Serie der beiden Autoren der „Bank“ legt den Fokus auf die aktuelle Finanzwelt und seine mehr oder weniger edlen Akteure. Die Tochter von Dantes befindet sich immer noch in den Händen der Entführer aber er selbst und der leitende Capitaine haben eine Idee. Allerdings gibt es auch viele falsch Spielende… Solide Zeichenkost von Erik Juszezak.

Während im französischen Spirou 4253 gerade das fünfte Abenteuer von Harmony begonnen hat, geht hier das zweite zu Ende. Mathieu Reynès beschreibt die Schwierigkeiten einer Gruppe von kindlichen oder jugendlichen Mutanten, die von einer Regierungstruppe gefangen gehalten wird. Was als wissenschaftliches Experiment begonnen hatte ist mittlerweile eine rein militärisch getriebene Aktion und dient einzig und allein dem Zweck, die Kinder zu Waffen zu machen. Allerdings gibt es Widerstand. Während die Manga-beeinflussten Zeichnungen teilweise aussehen, als wären sie zu niedlich, ist der Inhalt an einigen Stellen knallhart. Ein modern erzählter Plot, grafisch sehr modern umgesetzt. Kein Wunder, dass diese Serie in Frankreich zu den Rennern gehört.

zum Schluss noch mal die Bank…

Und sonst?

Die Kurzgeschichten treten in dieser Ausgabe etwas zurück und so gibt es nur eine Seite mit Tizombi und den Ausklang mit dem Vater der Sterne, der zu Halloween passend mit Puppen spielt.

Allerdings gibt es dazu auch noch zwei Interviews: mit Garth Ennis über seine neuen Serien und den Schrecken der Realität und mit Andreas Eickenroth über sein Woyzeck Projekt. Dazu natürlich wieder viele Rezensionen, News und Meinungen!

Dazu passen The Valkyrians und Fanta Black!

Abbildungen © 2019 MOSAIK Steinchen für Steinchen Verlag und den jeweiligen Zeichnern und Verlagen

Headline/Cabanes – Nada

Nada – Nach einem Roman von Jean-Patrick Manchette

Story: Doug Headline
Zeichnungen: Max Cabanes

Originaltitel: Nada

Splitter Verlag

Hardcover Überformat | 192 Seiten | Farbe | 35,00 € |

ISBN:  978-3-96219-296-9

Nada ist zuallererst der Name einer nihilistischen, linken Splittergruppe aus Überlebenden verschiedenster Kämpfe und Milieus in Frankreich. Diese Gruppe aus mehr oder weniger gescheiterten Existenzen entwickelt einen gewagten Plan zur Verwirklichung ihres Manifestes: Der US-amerikanische Botschafter soll entführt werden.

Nada ist aber auch die Bezeichnung all dessen, was übrigbleibt, wenn ideologische Feierabend-Terroristen und ideologische Vertreter der bewaffneten Kräfte eines Staates aufeinandertreffen!

Nada ist vielleicht sogar das, was den Unterschied zwischen den Seiten ausmacht.

Nada ist aber auch der Titel eines Romans von Jean-Patrick Manchette von 1972 der bereits 1974 von Claude Chabrol verfilmt worden ist und nun seine Wiederentdeckung als Comic feiern darf.

Die Story

Zunächst einmal werden sehr langsam und ausführlich die handelnden Personen vorgestellt. Der Alkoholiker, der Philosoph, die kleine Hure und andere. Insbesondere in diesem ersten Drittel wird deutlich, dass ein Roman der Story zugrunde lag, denn die meisten Comicautoren nehmen sich diese Gelassenheit und Tiefe am Anfang nicht. Die Motive der Beteiligten sind unterschiedlich, alle eint aber die Ablehnung des Frankreichs der End-60er Jahre. Die Schlachten um Algerien sind geschlagen (und verloren), die Anarchisten haben in Spanien gleich zweimal verloren, gegen die Kommunisten zuerst und dann gegen die Faschisten und die alte Gesellschaft hat bisher alle Bedrohungen überstanden. Die Bevölkerung ist aber nicht mehr bereit alles hinzunehmen und so wird erneut eine Aktion geplant.

Die Handelnden kennen sich untereinander nur zum Teil und so dauert es etwas, Motivation auszutauschen und zu verstehen und vor allem, gegenseitiges Vertrauen aufzubauen. Bis auf einen machen aber alle mit. Der Plan lautet, den Botschafter bei seinem regelmäßigen Bordellbesuch zu entführen und auf einem ländlichen Unterschlupf zu verstecken. Schon der Überfall läuft aber nicht reibungslos und die Staatsmacht reagiert auf einen getöteten Polizisten mit Schaum vor dem Mund und Mordphantasien.

Natürlich ist dieser Teil extrem pointiert dargestellt aber die Wortwahl des Chefs und das Verständnis des Kettenhundes deuten schon an, dass ersterer nichts gesagt haben wird, sollte der Einsatz schief gehen. Im weiteren Verlauf kommt es dann zu einem brutalen Einsatz gegen die Entführer und zu einem Showdown zwischen einem aus der Gruppe und dem Einsatzleiter.

Spannender sind aber die Reflektionen über die Entführung, denn Sinn des Terrors und Gegenterrors und die Frage der Nutznießer solcher Aktionen, die von einem der Entführer für die Nachwelt festgehalten werden. Doug Headline hat die Vorlage gut in ein Szenario umgesetzt, das mit verschiedenen Tempi spielt und Raum für bildliche Elemente lässt.

Wer jetzt noch auf ein Happy End spekuliert sollte die Finger von diesem Comic lassen!

Die Zeichnungen

Max Cabanes ist kein Unbekannter und auch kein Freund von seichter Unterhaltung. Selbst seine erotischen Geschichten sind nicht voyeuristisch, sondern eher verstörend und für seine anderen Werke gilt das erst recht. Die Darstellung der eigentlich schon kaputten, gescheiterten Männer und der an sich selbst zweifelnden Frau sind auch ohne Text schon so ausdrucksstark, dass ihre spätere Handlung vorhersehbar wird. Der zähe Bärtige und der weiche Verheiratete zeigen ihre Belastbarkeit von Anfang an und auch die „Flics“ zeigen deutlich ihre Geisteshaltung in den Gesichtern.

Die Orte, sowohl verrauchte Kneipen als auch weite Landschaften, Häuserschluchten als auch die ärmlichen Räume des Unterschlupfes gelingen gut und die Farbwahl reflektiert die melancholische Stimmung. Dabei ist der Aufbau streng geregelt: fast immer drei Reihen, keine Ausbrüche aus ihren Kästen zulassend aber oft mit einem Maschinengetippten Text aus dem Off der über den Rahmen steht. Die tuscheartige Kolorierung verwischt dabei die Konturen, hebt sie aber gleichzeitig auch hervor.

Fazit

192 Seiten Noir-Thriller mit Tiefgang, was will man als Leser*in mehr? Natürlich ist das Unterhaltung! Sie wirft aber auch die eine oder andere Frage auf, die das übliche Schubladendenken in Frage stellt und aufzeigt, dass die Welt vielleicht doch nicht so schwarz-weiß, auf jeden Fall aber kein Ponyhof oder gar moralisch. Der Zynismus trieft teilweise kübelweise aus den Seiten und legt über das Ganze noch eine schräge weitere Ebene.

Dazu passen Ton, Steine, Scherben und Calvados.

© der Abbildungen 2018 Dupuis by Manchette, Doug Headline, Cabanes

© der Abbildungen Splitter Verlag GmbH & Co. KG ·   Bielefeld 2019

Vance/Albert – Bruno Brazil 2

Kommando Kaiman

Story: Louis Albert (Greg) 
Zeichnungen: William Vance

Originaltitel: Commando Caiman

All Verlag

Hardcover | 68 Seiten | Farbe | 15,80 € | 
ISBN: 978-3-946522-52-2

Auch der zweite Band der Abenteuer von Bruno Brazil aus der Feder von Louis Albert (d. i. Greg), gezeichnet von William Vance, ist bereits erschienen. War der weißhaarige Held in den Kurzgeschichten und im ersten Abenteuer noch solo als Geheimagent im Stile eines James Bond unterwegs, hat die Serie nun zu ihrer wahren Ausrichtung gefunden und präsentiert sich als knallharte Action.  Wer einen Vergleich der Wandlung möchte, kann sich den Wechsel in etwa von Bonanza zu einem Italo-Western vorstellen. Mit dieser neuen Ausrichtung schaffte die Serie endgültig den Sprung zu den beliebtesten Serien sowohl in Tintin als auch später im ZACK des Koralle-Verlages. Sowohl das ZACK als auch die spätere Albenveröffentlichung im Carlsen-Verlag startete dann auch aus Marketingerwägungen mit dieser zweiten Folge.

Die Story

In Fernsehprogrammen tauchen weltweit plötzlich Einblendungen auf, die von einer Piratenstation zu kommen scheinen. Geheimdienste befürchten, dass diese Sequenzen zur Manipulation der Zuschauer*innen geeignet sein könnten, und planen, den Störsender zu beseitigen. Immerhin ist auch der ungefähre Standort im Dschungel bekannt, eine Operation scheint aber sehr gefährlich. Also muss der beste Mann des Geheimdienstes, eben Bruno Brazil ran, der zur Bedingung erklärt, sein eigenes Team zusammenstellen zu dürfen.

Im Folgenden werden die einzelnen Teammitglieder vorgestellt, die zwar alle eine militärische Vergangenheit haben, in der Zwischenzeit aber bestenfalls im Zirkus, im schlechtesten Fall aber im Knast gelandet sind. Nach einer kurzen aber intensiven Trainingseinheit geht es los und schon vor dem wirklichen Beginn scheint der erste Kandidat, Gaucho Morales, aus dem Team zu fallen. Auch Brunos kleiner Bruder Billy steht im Mittelpunkt, denn er ist sich nicht sicher, ob er wirklich schon gut genug ist und leidet unter Komplexen.

Auf dem Gelände des Piratensenders kommt es zu einer harten Auseinandersetzung zwischen dem „Kommando Kaiman“, also der Spezialeinheit, und den Gangstern. Wer im ersten Band noch geglaubt hatte, dass Gewaltszenen nur angedeutet werden würden, wird hier eines anderen belehrt. Obwohl mit heutigen Augen betrachtet relativ harmlos, stellte die Serie (ähnlich einer anderen wohlbekannten Serie von Greg namens Comanche) eine neue Qualität für das früher eher betuliche Comic-Heft Tintin/Kuifje dar. Dazu kommt der harte Zeichenstil von Vance, der den einen oder anderen tapferen Pfandfinder unter den Leser*innen deutlich erschreckt haben dürfte.

Trotz aller Gewalt steht diese aber nicht als Selbstzweck im Raum, sondern versucht den Alltag dieser Sondereinsatztruppe darzustellen und damit auch die Bedrohung durch eine neue Art von Feind abzubilden. Der kalte Krieg ist in höchsten Zügen, das Feindbild des bösen Kommunisten in Europa aber schon nicht mehr vermittelbar und so müssen modernere Gegner geschaffen werden.

Die Umsetzung

Wie bereits erwähnt, hat William Vance mit diesem Album seinen harten Strich gefunden. Schraffuren schaffen Kontraste im Vordergrund und der Hintergrund wird oft nur durch die Kolorierung akzentuiert. Die Bildausschnitte wirken oft wie von einer begleitenden Kamera, die Schnitte sind teilweise schnell und von Perspektivwechseln begleitet. Das Grundraster der Seite bleibt aber zunächst traditionell im vierreihigen Layout mit gezielten Überspannungen in Actionszenen. Die Details der Menschen sind nur in Nahaufnahmen ausgearbeitet, mit zunehmender Distanz verschwinden die Genauigkeiten und werden durch Linien ersetzt, die nur noch Emotionen erkennen lassen.

Der moderne Stil kam nicht nur damals gut an und so ist die Serie auch so viele Jahre nach ihrer Erstveröffentlichung (die letzte Folge erschien im Tintin 29/69 heute vor genau 50 Jahren) immer noch ein Erfolg. Wie gut, dass die Generation ZACK mittlerweile genügend Geld hat, um alle ihre Jugenderinnerungen wieder neu zu erstehen. Der All-Verlag hat aber auch eine mustergültige Hardcover-Ausgabe vorgelegt und der editorielle Begleittext von Bernd Weckwert tut sein Übriges. Wie schon im ersten Band werden darüber hinaus viele Originalcover und Zeichnungen sowie Fotos präsentiert.

Ausschnitt aus dem Ex Libris der limitierten Vorzugsausgabe

Der All-Verlag setzt dabei auch seine Verkaufspolitik fort, limitierte Vorzugsausgaben anzubieten. Neben einem Schutzumschlag gehört dazu ein drucksigniertes Ex-Libris in einer Auflage von 111 Exemplaren!

In Fernsehkrimis gehen die Held*innen oft am Ende der Episode in eine nette Bar um etwas zu trinken. Zu diesem Comic passt das nicht wirklich und so könnte es eher ein nicht zu edler Whisky aus dem Flachmann im Wartebereich eines improvisierten Lazaretts sein; es passt dazu also ein typischer Whisky für Film-Agenten: Black & White. Musikalisch könnt ihr euch von eher anstrengen Klängen begleiten lassen: Die frühen Black Sabbath nehmen das Feeling ganz gut auf.

© der Abbildungen 2019 All-Verlag