Die Frauen und die Eroberung des Westens
Story: Tiburce Oger
Zeichnungen: 13 Zeichner*innen
Originaltitel: Women of the West
Hardcover Überformat |112 Seiten | Farbe | 25,00 € | ISBN: 978-3-98721-336-6

Und weiter geht es mit den Anthologien über die Eroberung des Westens unter unterschiedlichen Blickwinkeln. Dieser Band ist bereits der fünfte in der Reihe und folgt auf Young Men, Indians, Gunmen und Lawmen. Eine unbedingte Empfehlung für alle Fans des Western-Comics!
Was wäre der Westen ohne die Frauen?
Wie immer zeigt Tiburce Oger in einer Rahmenhandlung viele Facetten eines Themas. Eine junge Frau möchte mehr über die Rolle von Frauen während der Eroberung des Westens wissen und macht sich mit ihrem Begleiter zu einem Reservat in Oregon auf. Diese Aktion spielt 1974, also zu Zeiten des Aufbegehrens der modernen Frauenbewegung. Während sie zu einer Zeremonie in einer Hütte geladen wird, muss er draußen warten.
Während der Zeremonie erfährt sie, welches Leid Frauen während der letzten 3 Jahrhunderte ertragen mussten, welche Ignoranz ihnen gegenüber herrschte, aber auch welche Stärke sie besaßen. Oger hat für jede Geschichte ein oder zwei Frauen ausgewählt und sie jeweils von anderen Zeichner*innen umsetzen lassen. Im Unterschied zu den normalen Sammlungen sind hier die Zeichnerinnen in der Mehrheit!

Wir erfahren von Siedlerinnen, missbrauchten und sich befreienden Indianerinnen, befreiten Sklavinnen, Gesetzeshüterinnen, aber auch von bürgerlichen, lesbischen Frauen. Nicht immer gehen die Stories im klassischen Sinn „gut“ aus, immer aber beweisen sie, welche Frau die jeweilige Heldin gestanden hat! Eine wichtige und spannende Ergänzung der sonstigen Sichtweisen, die nicht weniger Schießpulver und Pferde als Beiwerk hat.
Abwechslungsreich
Der Vorteil eines Sammelbandes ist immer, dass man als Leser*in ein großes Menu serviert bekommt! Die Stile der Künstler*innen sind unterschiedlich, spielen anders mit Farben und Licht, Maltechnik und Detailschärfe. Einige Seiten sehen aus wie in jedem anderen modernen Western, andere erinnern eher an eine Graphic Novel oder an eine romantische Erzählung.

Mir fällt es schwer, einzelne Beiträge hervorzuheben! Obwohl sehr unterschiedlich, haben alle ihren Reiz und sind auf hohem Niveau angefertigt. Dementsprechend gibt es auch keinen „Hänger“.
Eine tolle Reihe!
Das einst bereits totgesagte Genre des Western-Comics ist in seinem x-sten Frühling. Neue Aspekte, ein veränderter Blick auf die Geschichte der Eroberung und die verherrlichte Männlichkeit, und nicht zuletzt investigative Journalist*innen haben es grundlegend verändert. Und so nimmt dieser Band auch ausdrücklich Stellung zu den bis in das jetzige Jahrzehnt durchgeführten Zwangssterilisierungen indigener Frauen, nicht nur in Kanada!

Es ist leider unglaublich, wieviel Elend Bigotterie und Machtmissbrauch sowie verlogene sog. „Christlichkeit“ angerichtet haben und wie selbstverständlich versucht wird, das als „das war damals halt so“ unter den Teppich zu kehren. Umso wichtiger ist es, diese Themen immer wieder auch in der Pop-Kultur anzusprechen und langsam aber stetig für ein anderes Bewusstsein zu werben.
Dazu passen The Slits mit „I heard it through the Grapewine“ und eine selbstgemachte Limonade mit Zitrone und Ingwer!
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