Serpieri – Lakota

Serpieri Collection – Western 1 – Lakota

Story: Paolo Eleuteri Serpieri
Zeichnungen: 
Paolo Eleuteri Serpieri

Originalausgabe

Schreiber und Leser

Hardcover | 160 Seiten | S/W und Farbe | 29, 80 € |

ISBN:  978-3-946337-84-3

Serpieri_Western 1 Cover

Paolo Eleuteri Serpieri ist den meisten Lesern wahrscheinlich wegen seiner erotischen Werke um Druuna bekannt. Weniger bekannt sein dürfte, dass der italienische Maler und studierte Architekt auch an der Reihe „Entdecke die Bibel“ mitgearbeitet hat.  Seine erste Leidenschaft aber waren Indianer und Geschichten über den Wilden Westen.

Schreiber und Leser, der Verlag, in dem im Rahmen der Serpieri Collection bereits die Druuna-Geschichten erschienen sind, bringt in gleicher Aufmachung jetzt eine dreibändige Gesamtausgabe der Western heraus. Laut Ankündigung soll jeweils eine Geschichte pro Band farbig sein, die anderen werden im schwarz-weißen Original abgedruckt. Die Bände haben übrigens einen anderen Inhalt als die fast zeitgleich bei Dark Dragon Books auf Niederländisch erschienenen Bände der Serpierie’s Western collectie.

Um das einzige Manko gleich an den Anfang zu stellen: Wir Leser*innen sind mittlerweile von den riesigen Mengen an Gesamtausgaben verwöhnt und erwarten ein wenig Begleitmaterial in Form eines Artikels und der einen oder anderen Abbildung, Skizze oder Coverwiedergabe. Hier finden sich leider „nur“ die Stories selber und auf der Einführungsseite jeweils eine Zeichnung aber nicht einmal Hinweise zum Erstveröffentlichungsdatum sind angegeben. Hier besteht sicherlich Potential für die Zukunft!

Serpieri Western Band 1 page 11

Ansonsten beweist Serpieri, dass er ein Meister des feinen Strichs ist. Die Zeichnungen sind voller Details und Landschaft, Kopfschmuck, Körperausdrücke und die damit verwobenen Stimmungen sind ausdrucksvoll! Wenige Künstler vermögen eine solche Dynamik in ihren Zeichnungen wiederzugeben. Während schon die erste, farbige Geschichte „Der Mann ohne Daumen“ einen Eindruck der Fähigkeiten vermittelt, die Farbe allerdings die Details naturgemäß nicht so zum Ausdruck kommen lässt, kommen die aus vielen feinen Strichen zusammengesetzten Kompositionen im schwarz-weiß voll zur Geltung. Die Herausgeber haben auf etwas festeres, leicht glänzendes Papier gesetzt, das die Kontraste und Details gut wiedergibt. Der Preis dieses Bandes ist daher vollkommen gerechtfertigt.

Inhaltlich drehen sich die Geschichten um Kampf, Heldenmut, Vernichtung von Indianern und Frauenfeindlichkeit. Serpieri beschreibt alles diese Elemente, verfällt aber keinesfalls in die Rolle eines Voyeurs. Für ihn sind die weißen Eroberer, brutal und machtbesessen, nicht als Vorbilder geeignet, er verfällt aber auch nicht in das Gegenteil und verherrlicht den „edlen Wilden“. In „Counting Coups“ zum Beispiel spielt er sogar mehrfach mit den Erwartungen seiner Leser*innen und lässt sie immer wieder in die Falle laufen. Dabei zeigt er immer wieder auf, wie wenig die Soldaten von eigentlich über ihre Gegner wissen. Es langt, eine andere Kultur zu verachten, Kenntnisse sind eher schädlich. Insofern ist der Inhalt sogar viel aktueller als so mancher bei diesem Künstler erwarten würde!

Serpieri Western Band 1 page 113

Auch die sinnlose Tötungswut, die schließlich zum selbstverschuldeten Massaker am Little Big Horn führen sollte, wird aus der Sicht der Beteiligten in zwei Folgen geschildert. Serpieri hat kein Erbarmen mit seinen Protagonisten und zeigt die eigene Überschätzung und die Erbarmungslosigkeit in jedem Gesichtsausdruck.

Daneben gibt es drei Geschichten um Crazy Horse und zwei weitere Abenteuer („Der Medizinmann“ und „Der Donnerstock“) und somit eine weite Bandbreite. Natürlich ist dieser Band ein Muss für Komplettisten.  Wer aber klassische Western mag oder Zeichnungen von Hogarth oder Foster sollte ebenfalls einen Blick riskieren!

Detail Sepieri Western Band 1 page 86

Dazu passen Songs von Blackfire wie etwa Overwhelming und Rye Whiskey.

© der Abbildungen 2019 Verlag Schreiber und Leser, Hamburg

ZACK Comic Box 9 – Klassiker des Monats Januar 2019

ZACK Comic Box 9 (Superband)

Story: Albert Weinberg, Greg

Zeichnungen: Albert Weinberg, Hermann, Eddy Paape

KORALLE Verlag GmbH (1974)

Album | 148 Seiten | Farbe | 5,80 DM

ISBN: n/a

Cover Zack Comic Box 9

Der Koralle-Verlag verlegte nicht nur das „alte“ ZACK sondern auch einige Sonderreihen wie die Zack (Comic) Box, die in Albenform Abenteuer der Zack-Helden präsentierte oder die Zack Parade, die im Taschenbuchformat entsprechendes Material enthielt. Insgesamt erschienen zwischen 1972 und 1981 43 Ausgaben. Anfang dieses Jahrtausends wurde der Brand kurzfristig für zwei Ausgaben (Dan Cooper und Luc Orient) von Salleck Publications fortgeführt.

Als Beispiel für diese Reihe soll hier der 1974 erschienene Band 9 näher vorgestellt werden, enthält er doch gleich drei Geschichten von klassischen Helden.

Dan Cooper von Albert Weinberg deckt dabei die Techniksparte ab, die in anderen Bänden von Mick Tangy (sic!) oder Michel Vaillant vertreten wird. Für die Zielgruppe der Jungen, technikbegeistert und motorenlärmaffin, wurde im Zack einiges geboten: Neben den Comics gab es Berichte über neue Motoren, Flugzeuge oder Rennberichte und Dan Cooper war als Testpilot, der auch Science-Fiction oder Krimi Elemente in seinen Geschichten zu durchleben hatte, einer der beliebtesten Charaktere dieser Ära. Mittlerweile gibt es im Splitter-Verlag eine 15-bändige Gesamtausgabe aller Dan Cooper Stories.

Die hier abgedruckte Geschichte „Die Männer mit den goldenen Flügeln“ ist der 16. Band der Originalreihe. Dan Cooper ist einer Kunstflugstaffel zugeteilt und so werden atemberaubende Kunststücke eingeübt und vorgeführt und nebenbei noch in einem Artikel erläutert. Natürlich ist Mut dafür von Nöten der allerdings nicht in Leichtsinn ausarten darf. Insgesamt sicher spannend, im Vergleich zu anderen Geschichten um Cooper allerdings eher Durchschnitt.

Zack Comic Box 9 - page 24

„Die Wölfe von Wyoming“, der dritte Band der Westernreihe „Comanche“ von Hermann (Huppen) und Greg (Michel Regnier) steht für das Thema Western, das im realistischen Bereich vor allem von Leutnant Blueberry und eben Comanche, aber auch durch Caine abdeckt worden ist. Im Funny-Bereich kamen mit Lucky Luke von Morris und Umpah-Pah von Goscinny und Uderzo aber auch Häuptling Feuerauge von Gordon Bess weitere Schwergewichte hinzu. Auch Comanche liegt mittlerweile in einer mustergültigen Fassung im Splitter-Verlag vor.

Die Serie Comanche spiegelt nicht den typischen sauberen Westernhelden; Red Dust ist ein ehemaliger Revolverheld der auf einer kleinen Ranch, die von einer Frau geleitet wird, angeheuert hat. Im Umfeld der Konflikte mit Indianern, großen Ranchern und Verbrechern müssen sich die Protagonisten, zu denen auch noch ein weißes Greenhorn, ein junger Farbiger und ein alter Mann gehören, immer wieder neu zusammenraufen und beweisen. Hier geht es um eine mörderische Bande und das alte Thema der Gerechtigkeit, das Hermann allerdings etwas brachialer angeht als andere. Das Artwork ist dabei allerdings grandios!

Detail Zack Comic Box 9 page 71

Vervollständigt wird die Zack Comic Box 9 mit dem „Krater des Verderbens“ von Luc Orient, getextet ebenfalls von Greg und gezeichnet von Eddy Paape. Neben den Fernsehadaptionen von Enterprise und Mondbasis Alpha 1 sowie den im Zack publizierten Geschichten um Valerian und Veronique wird damit der Bereich der Science-Fiction abgedeckt. Auch dieses Thema passte perfekt für die jugendlichen, männlichen Leser des Zack und war durch eine Vielzahl von Romanen etwa bei Heyne, Goldmann und Pabel/Moewig ein Topseller der damaligen Zeit. Luc Orient erschien vor einigen Jahren als fünfbändige Gesamtausgabe bei Egmont EHAPA und in neuen Hardcover Einzelbänden ab Februar dieses Jahres beim All-Verlag.

In diesem, im Original siebten Band geht es um seltsame Vorkommnisse in der Nähe eines durch einen Meteoriteneinschlag verursachten Kraters. Das Team von Eurocristal wird in die Untersuchungen eingeschaltet und muss nebenbei noch einen Mord aufklären. Dieses Abenteuer gehört nicht in die Reihe der Geschichten auf Terango, die im Magazin veröffentlicht wurden. Spannende Kost, die verschiedene Genres gut verknüpft und zeichnerisch ansprechend darbietet.

Zack Comic Box 9 page 128

Die Comic Boxen boten den damaligen Leser*innen zu einem erschwinglichen Preis lange Geschichten ihrer Lieblingshelden und dienten teilweise auch dem Test neuer Inhalte. Nicht immer handelte es sich um Erstveröffentlichungen und teilweise wurde der gleiche Inhalt mehrfach verwertet. Trotzdem ist der Versuch, Comics aus dem frankobelgischen oder amerikanischen Raum auch in Deutschland einem breiten Publikum zugänglich zu machen und aus der Schmuddelecke zu befreien, im Nachhinein nicht hoch genug zu würdigen. Viele der damaligen Jugendlichen hatten so einen – im Gegensatz zu den teilweise kruden Übersetzungen durch Kauka – unverfälschten Zugang zu den Highlights der aktuellen Comics und wurden dadurch so stark geprägt, dass die Serien sich heute noch gut verkaufen und die „Generation Lehning“ durch die „Generation Zack“ abgelöst worden ist. Das Maschinen-Lettering, die Papierqualität und der Druck sind allerdings nicht mehr zeitgemäß und wurden mittlerweile optimiert und auch die Übersetzungen sind angepasst worden.

Der Zack Comic Box Superband 9 sollte auf einschlägigen Plattformen oder im Comichandel noch gut erhältlich sein. In Super-Sammler-Qualität werden dafür in etwa 18 € fällig, „lesefähige“ Ausgaben sollten für unter 5 € gefunden werden können.

Dazu passt Nostalgisches:  KiBa und Glam-Rock, etwa von den Anfängen von The Slade oder The Sweet.

© der Abbildungen 1974 KORALLE Verlag GmbH und bei den jeweiligen Autoren

Aquaman – Der Thron von Atlantis

Aquaman – Der Thron von Atlantis – Die Inspiration zum Kino Blockbuster

Story: Geoff Jones
Zeichnungen: 
Paul Pelletier, Ivan Reis

Originaltitel: Justice League (2011) 15-17, Aquaman (2011), 15-16

Panini Comics
Prestige | 132 Seiten | Farbe | 14,99 €
ISBN: 
978-3-7416-1031-8

Cover Aquaman - Der Thron von Atlantis

Der seit Dezember 2018 in den Kinos recht erfolgreich laufende „Aquaman“ ist der aktuelle Film des DC Extended Universe mit Jason Momoa in der Titelrolle. Inspiriert wurde der Film durch die hier besprochene Story von 2011.

Aquaman ist Gründungsmitglied der Justice League und damit fester Bestandteil der DC Heldenvereinigung, die regelmäßig Schurken bekämpft und Probleme löst. Er hat allerdings ein Problem, denn Arthur Curry – so sein richtiger Name – ist der Sohn eines Menschen und einer atlantischen Prinzessin. Als solcher kann Arthur zwar unter anderem unter Wasser atmen, sich mit allen Meereslebewesen verständigen und besonders schnell schwimmen, er ist aber kein „reiner“ Atlanter und somit nicht von allen Wasserwesen akzeptiert. Aber auch seine Mitstreiter Batman, Superman und Wonder Woman zweifeln immer mal wieder gerne, ob er sich wirklich der menschlichen Seite anschließen wird oder doch den Atlantern.

Als sich Orm, der Halbbruder Aquamans und aktueller Herrscher in Atlantis, nach einem Angriff mit Marschflugkörpern auf die Zivilisation in der Tiefe entschließt, amerikanische Küstenstädte anzugreifen um es den Landbewohner heimzuzahlen, müssen die Superhelden alle Kräfte aufbieten um die Opferzahlen nicht zu hoch werden zu lassen.

Detail aus Aquaman - Der Thron von Atlantis

Im Laufe der Auseinandersetzungen stellt sich heraus, dass Orm genauso manipuliert wird wie auch menschliche Beteiligte und dass ein ganz anderer Gegner im Hintergrund die Fäden zieht. Trotzdem stellt sich die Frage der Bestrafung, schließlich wurden ja Menschen geschädigt. Die Frage sei erlaubt, ob die gleiche Logik bei einer Reaktion auf einen Angriff auf menschliche Stätten und einer scheinbaren Reaktion gegen den scheinbaren Feind angewendet worden wäre. Wenn ja, müsste der eine oder andere amerikanische Präsident sich wohl verantworten…

Der Comic bietet rasante Action, brillante Monster und epische Schlachten in Kino-Popcorn-Manier und Überbreite. Alle Beteiligten leben ihren emotionalen Background komplett aus und neben den „Hilfstruppen“ der Justice League – besonders liebenswert Element Woman – hat auch Mera einen starken Auftritt. Wer also den Film schon gesehen hat, darf getrost den Hintergrund erlesen. Wer den Film noch sehen möchte, die Zweitverwertung beginnt ja bald, kann den Comic getrost lesen, da es genügend Unterschiede gibt.

Jones liefert solide Superheldenkost ab und erlaubt im Hintergrund ein paar Fragestellungen über die Legitimation von Gewalt. Ob sie allerdings wirklich gestellt werden sollten oder ob sie sich nur bei einem nicht patriotisch nationalistischen Leser aufdrängen, sei mal dahingestellt. Das Artwork ist teilweise grandios, die atlantischen Hilfstruppen überzeugen mit ihrer Mischung aus Tiefseestyle und überzeichneten Beisserchen und selbst die Gesichter in Nahaufnahmen wissen durchaus zu überzeugen.

Detail aus Aquaman - Der Thron von Atlantis

Insgesamt also sehr gediegene Kost! Die Übernahme eines Filmmotivs als Covermotiv hilft, den Zusammenhang zwischen den beiden Welten des DC Universe herzustellen und für die Fans sind die „richtigen“ Originalcover selbstverständlich im Anhang abgedruckt.

Dazu passen Popcorn, Cola und Charts!

© der Abbildungen 2013, 2018 DC Comics, c/o Panini Verlag

Reddition 69 – Dezember 2018

Reddition 69 – Dossier Peyo und „Die Schlümpfe“

Herausgeber: Volker Hamann
Verlag Volker Hamann, Edition Alfons
Heft Din A 4 | 76 Seiten | Farbe | 10,00 €
ISSN: n/a

Cover Reddition 69

Die aktuelle Ausgabe der Zeitschrift für Graphische Literatur REDDITION widmet sich ganz dem Künstler Peyo, seinem Atelier und den Schlümpfen.

Auch dieses Mal erhalten Abonnenten wieder ein Schmankerl, nämlich eine auf 500 Stück limitierte Broschüre mit neun halbseitigen Werbecomics für Kellogg’s Corn Flakes von 1965 in deutscher Erstveröffentlichung.

 1958 hatten die blauen Kobolde ihren ersten Auftritt als Gäste in Johann und Pfiffikus auf den Seiten des belgischen Comic-Magazins Spirou doch schon bald sollte ihre Popularität die aller anderen Serien von Pierre Culliford, der als Peyo veröffentlichte, übertreffen.

Reddition 69 page 46

Über die Entstehung ihres Namens in Verbindung mit Wortfindungsstörungen für einen Salzstreuer ist schon oftmals geschrieben worden. Die Reddition bleibt aber nicht bei dieser Anekdote stehen, sondern beschreibt in einem Artikel von Volker Hamann auch die Wortkreationen für die verschiedenen Sprachen und die Entwicklung in Deutschland. Anfangs wurden die Wesen nämlich auch hierzulande noch unter einem ganz anderen Namen vertrieben.

Überhaupt bilden die Schlümpfe eine Besonderheit im Comic-Kosmos, waren sie doch die ersten, die ihren Siegeszug nicht (nur) im Comic, sondern vor allem im Merchandisebereich antraten und so gibt es wohl keinen Haushalt, der nicht schon einmal eine der Schleich-Figuren (oder eine der kurzfristigen Bully-Varianten) ihr Eigen genannt hat. Die Geschichte der Figuren beschreibt Falk Straub, wie immer reich bebildert und mit unzähligen kleinen Fakten angereichert.

Um die Popularität der Schlümpfe komplett zu verstehen, ist es aber ebenso wichtig, einen Blick auf ihre TV- und Filmkarriere zu werfen. Thorsten Hanisch erlaubt einen Überblick in die europäischen und vor allem amerikanischen Umsetzungen und ihre Verbreitungen. Dazu kommen Artikel über die Schlümpfe in Deutschland – hier ist vor allem zunächst wieder einmal Rolf Kauka und Fix und Foxi zu erwähnen – und in den USA. Natürlich findet auch Vader Abraham mit seinem Gassenhauer eine Erwähnung.

Reddition 69 Beilage
Beilage für Abonnenten

Da Peyo aber neben ungezählten Aufträgen für neues Schlumpf-Material auch seine anderen Serien (die bereits erwähnte Ritter-Story Johann und Pfiffikus aber auch Pussy und Benny Bärenstark) zu bedienen hatte, blieb ihm keine andere Möglichkeit als die Errichtung eines eigenen Ateliers mit ihm zuarbeitenden Künstlern. Diese nicht immer ganz rühmlich verlaufene Geschichte wird von Peter Osteried und Volker Hamann geschildert.

Das Dossier beginnt mit mehreren Artikeln über Peyo selbst, seiner Entwicklung von Jugendtagen an bis zu seinem Tod und der Übersetzung seines letzten Interviews aus dem Jahr 1992 und wird mit einer Bibliographie der Comics von Peyo und seinem Studio und ihrer deutschen Veröffentlichungen, die einzig die Erwähnung der limitierten Beilage „vergessen“ hat, abgerundet.

Was aber wäre die Reddition, wenn es nicht auch eine Auseinandersetzung mit den Inhalten gäbe? Uwe Zimmermann nähert sich analytisch auf zwei Weisen den Inhalten des Schlumpf-Universums. Während die Schlümpfe einerseits klassische Charaktere der Mythen und Abenteuergeschichten im niedlichen Gewand darstellen, symbolisieren ihre Konflikte andererseits typische Menschheitsprobleme. Diese inhaltliche Tiefe geht allerdings im Laufe der Entwicklung immer mehr verloren und am Ende sind es einfach (nur noch) routiniert erzählte aber austauschbare Geschichten.

Reddition 69 page 11

Wieder einmal beweist das Team der Reddition, dass es ein Thema umfassend bearbeiten kann. Das Konzept, zwei Mal im Jahr einen Komplex zu analysieren und darzustellen, also Breite und Tiefe anzubieten, geht auch in diesem Fall auf und belegt die Alleinstellung dieser Zeitschrift. Auch wenn nicht jedes Dossier für jede*n gleich interessant sein mag, es gibt keine andere Möglichkeit in Deutschland, Informationen über Comics, ihre Künstler*innen, Inhalte und Rezeptionen, so geballt und gut layoutet, zu bekommen.

Dazu passen eine Kanne Tee oder aufgebrühte Sarsaparille und BritPop, etwa von Blur.

© Verlag Volker Hamann, Edition Alfons 2018 und die Autoren

© Peyo 2018 I.M.P.S.

Rückkehr nach Belzagor

2 Bände

Story: Phillippe Thirault nach Robert Silverberg
Zeichnungen: 
Laura Zuccheri

Originaltitel: Retour sur Belzagor

Splitter Verlag

Jeweils Hardcover Überformat | 56 Seiten | Farbe | 14, 80 € |

ISBN: Band 1– 978-3-96219-015-6 | Band 2 – 978-3-96219-016-3

Cover Rueckkehr nach Belzagor 2

Der abschließende zweite Teil dieses Science-Fiction-comics ist zwar schon im Oktober 2018 erschienen, soll aber trotzdem noch gewürdigt werden.

Robert Silverberg, Autor der von Phillippe Thirault adaptierten Story, war in den 50-er Jahren einer der produktivsten SF-Autoren der USA. In den 60-ern wandelte er sich vom Massenschreiber zum literarisch mehr ambitionierten und modernen Autoren und Herausgeber. Daher rührt auch sein Einfluss auf die New-Wave der 70-er. Silverberg legte Wert auf die Entwicklung seiner Charaktere und ihre sozialen Hintergründe und folgte somit der Wandelung vom Outer Space orientierten Plot zum Inner Space basierten. Er gewann einige Hugo, Nebula und Locus-Awards und ist sowohl in die SF and Fantasy Hall of Fame aufgenommen worden als auch seit 2005 Grand Master der SF und Fantasy Writers of America. Die dem Comic zugrunde liegende Erzählung von 1969 war selbst für den Locus-Award nominiert, gewann aber nicht. Sie referenziert Joseph ConradsHerz der Finsternis“, eine Auseinandersetzung mit dem Kolonialismus als Gegensatz zur Zivilisation.

Detail Rueckkehr nach Belzagor 01 page 9

Thirault gelingt es beeindruckend, das klassische Sujet in der Bearbeitung durch Silverberg so aufzubereiten, dass es als Comic funktioniert. Die Handlung verläuft in zwei verschiedenen Zeitsträngen. In der Vergangenheit war Eddie Gundersen ein junger, vielversprechender und karrierebewusster Leutnant, der auf seiner ersten Mission auf Terra Holman eingesetzt worden war. Dort hatte er mit Kommandant Kurtz zusammenzuarbeiten, einem typischen Vertreter derjenigen, die sich nicht unbedingt um Gesetze scheren, wenn es darum geht Eingeborene oder lokale Ressourcen zum eigenen Vorteil einzusetzen. Gundersen hatte für eine Bestrafung Kurtz gesorgt, musste wegen eines eigenen Fehlverhaltens aber den Planeten verlassen.

Jetzt, 18 Jahre später, ist der Planet seinen intelligenten Bewohnern, Nildoror und Sulidoror, zurückgegeben worden und heißt wieder Belzagor. Gunderson wird von zwei Forschern, einem Pärchen, angeheuert um eine Expedition nach Belzagor zu organisieren die eine eigentlich illegale Aktion enthält. Während der Durchführung dieser Expedition kommt es einerseits zu der Auseinandersetzung von Gunderson mit seiner Vergangenheit und seinen Fehlern, insbesondere ausgelöst durch das Wiedersehen mit seiner damaligen Partnerin sowie mit Kurtz und Kollegen, aber genauso durch Gespräche mit einem Nildoror über das Ritual der Wiedergeburt und das alles umfassende Karma, das auf dieser Welt G’Rahk heißt.

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Auch das alles auslösende Forscherpärchen  muss erst einmal wieder zu sich selbst finden, Arbeit und Privatleben in Einklang bringen und Prioritäten richtig setzen. Die Unterscheidung zwischen Gut und Böse, notwendig und überflüssig wird hier zwar unter einem anderen Blickwinkel präsentiert, ist aber genauso elementar.

Die Handlung selbst führt zu einem Höhepunkt im letzten Viertel, der so nicht erwartet werden konnte und neue Fragen aufwirft. Auch das Ende lädt zu unterschiedlichen Interpretationen ein.

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In diese äußere Handlung integriert wird der Planet und seine Flora und Fauna beschrieben und von Laura Zuccheri kongenial in Bilder umgesetzt präsentiert. Wer schon einmal Geschichten von Leo oder Mézières gelesen hat, weiß, wie anders Bewohner fremder Planeten aussehen können. Zuccheri steht den beiden in keiner Weise nach, denn nicht nur die intelligenten Bewohner Belzagors sind graphisch gelungen umgesetzt. Auch die nicht so genau beschriebenen und damit vorgegebenen Bewohner und Pflanzen sehen gut aus und versprechen Überraschungen wie etwa das fleischfressende Moos. Zudem beherrscht die junge Künstlerin die Darstellung von menschlichen Körpern, ihrer Mimiken und Details so gut, dass auch Nahaufnahmen Spaß machen. Der Seitenaufbau ist dabei meist klassisch in drei oder vier Reihen von Panelen verteilt. Geschwindigkeit wird durch rasanten Perspektivenwechsel oder Zoomen auf Details vermittelt. Auch die Hintergründe sind sehr detailliert ausgeführt.

cover Rueckkehr nach Belzagor 1

Dazu passen ein Getränk auf Mango-Basis und Soca!

© der Abbildungen 2018 Splitter Verlag

ZACK 235 – Januar 2019

ZACK 235

Herausgeber: Klaus D. Schleiter

Chefredaktion: Georg F. W. Tempel
Verlag MOSAIK Steinchen für Steinchen Verlag
Heft Din A 4 | 84 Seiten | Farbe | 7,90 €
ISSN: 1438-2792

Cover Zack 235

Auch im zwanzigsten Jahr des Bestehens bleibt das ZACK-Magazin, das schon lange nicht mehr das „Neue“ ist, die wichtigste und beste Möglichkeit, einen verlags- und genreübergreifenden Einblick in aktuelle Comics zu bekommen. Monat für Monat erscheinen 4 -5 Serien sowie One-Pager und Informationen sowie Rezensionen, News und Überblicksartikel unter der Chefredaktion von Georg F. W. Tempel.

Das Editorial bietet einen ersten Ausblick auf das Jubiläumsprogramm; Viele neue Serien stehen in den Startlöchern und viele alte Bekannte kehren mit neuen Material zurück.

Ebenfalls bereits ein Klassiker seit den Tagen des „alten“ ZACK ist die Wahl zum Zackhelden des Jahres an der ihr noch bis Ende Februar teilnahmen könnt.

Zack 235 page 65

Neben dem mittlerweile dritten Band von Sauvage, einem Western aus der mexikanischen Revolutionszeit von Félix Meynet, der den Titel „Die Jule“ trägt, und mit farbenfroher Folklore startet, beginnt in diesem ZACK auch der zweite Zyklus von Empire USA. Stephen Desberg und Henri Reculé erzählen die neuen Abenteuer von Jared Gail, der die CIA mittlerweile verlassen hat und nun einen privaten Sicherheitsdienst leitet. Rasante Action, Verschwörungstheorien und Terrorismus in einer zu Zeiten von Fake News aus dem amerikanischen Präsidentenpalast gar nicht mehr sooo abwegigen Geschichte!

Fortgeführt werden in diesem ZACK die Serien Jack Cool und Der Weg des Untergangs. Da auch diese beiden Serien auf dem nordamerikanischen Kontinent spielen, dürfte es sich mit dieser Ausgabe um eine der ganz wenigen, wenn nicht sogar ersten Nummer handeln, in der keine Hauptserie in Europa angesiedelt ist. Wie gut, dass wenigstens das Schmankerl zum Jahresbeginn, das den Reigen der Jubiläumsaktivitäten einläutet, in Belgien endet: Die vierseitige Geschichte aus der Welt „der jüdischen Brigade“ über die Odyssee der jüdischen Flüchtlinge aus Deutschland im Jahre 1939 war ursprünglich ein Ex libris einer limitierten Sonderausgabe. Vielen Dank für die Bemühungen, den deutschen Leser*innen dieses Special zu gönnen!

Zack 235 page 77

Die Textbeiträge bieten Informationen zu dem untypischen Manga Der Jäger von Taniguchi und zum Geburtstag von Tim und Struppi.

Dazu passen prickelnde Getränke wie Sekt oder Frucht-Secco und eine nicht zu intensive Playlist mit – natürlich – amerikanischer Musik: Swing.

Abbildungen © 2018 MOSAIK Steinchen für Steinchen Verlag und den jeweiligen Zeichnern und Verlagen

Aus dem EC-Archiv: Wally Wood

Alle Science Fiction und Fantasy Stories Band 1

Story: Bill Gaines & Al Feldstein, Harry Harrison, Wallace Wood
Zeichnungen: Harry Harrison & Wallace Wood, Wallace Wood

Originaltitel: EC Archive 1

All Verlag

Hardcover | 160 Seiten | Farbe | 29,80 € |

ISBN: 978-3-946522-36-2

Wally Wood EC-Archive 1 cover

EC-Comics war der Verlag in dem zwei der bekanntesten klassischen Science-Fiction Comicreihen erschienen sind: Weird Science und Weird Fantasy und Wallace Wood ist derjenige, der am häufigsten als bester Zeichner dieser Reihen genannt wird. Lange Zeit war es sehr schwierig, überhaupt an Geschichten von Wally Wood auf Deutsch zu kommen, nun bringt der All-Verlag eine dreibändige Gesamtausgabe aller Wood-Geschichten aus diesen beiden Comics in chronologischer Reihenfolge heraus.

Neben dem regulären Band ist auch eine auf 111 Exemplare limitierte Vorzugsausgabe mit nummeriertem Ex-Libris und Variantcover zum Preis von 49,80 € erschienen.

Die erste Geschichte wurde im Mai 1950 veröffentlicht und von den damaligen Studiokollegen Wood und Harry Harrison gezeichnet. Beide hatten bereits andere Arbeiten vornehmlich im Romance- und Western-Bereich veröffentlicht, sahen aber ihre Zukunft im Bereich Science Fiction. Glücklicherweise konnten sie den EC-Herausgeber Bill Gaines von dieser Idee überzeugen und durften loslegen. Harrison sollte allerdings nur noch für vier Geschichten zur Verfügung stehen und sich dann komplett auf SF-Stories verlegen. Er wurde später zu einem Hauptvertreter der „neuen“ SF, vor allem mit seinen Romanen über die „stainless steel rat“. Wood dagegen konnte sein Talent in der graphischen Umsetzung der „klassischen“ SF perfekt umsetzen.

Detail wally Wood EC-Archive 1 page 75

Die 50-er Jahre waren einerseits noch geprägt von den Schrecken des Zweiten Weltkrieges und den weiter andauernden kriegerischen Verstrickungen der US-Streitkräfte und damit sehr empfänglich für Geschichten über böse Invasoren und „fremde“ Fieslinge. Andererseits war der Glaube in die Technologie noch ungebrochen; die Folgen der atomaren Strahlung und der chemischen Verseuchung waren unbekannt und jeder ging davon aus, dass überall, also auch in Raumschiffen, selbstverständlich geraucht werden würde. An den Kiosken gab es eine unzählbare Anzahl von Comic-Magazinen und die Selbstzensur durch den Comics Code war noch nicht abzusehen. In den Pulp-Magazinen waren SF, Fantasy und Mistery/Horror weit verbreitet und Frauen waren zwar nicht mehr nur schmückendes Beiwerk sondern hatten während der Kriegsjahre beweisen können, dass auch sie fähig und kompetent waren, hatten aber immer noch dem Schönheitsideal zu entsprechen.

Dieser erste Band bringt 19 Geschichten aus den Jahren 1950 und 51; sie thematisieren Tierversuche, Angst vor dem Fremden, Kolonialisierung des Weltraums und Zeitreisen. Die Stärken von Wally Wood liegen in den Dekors der Raumschiffe und den Landschaften, seien es natürliche oder kosmische. Seine Frauen sind groß, langbeinig und vollbusig, dabei aber handelnde Personen und kein Beiwerk. Seine Außerirdischen sind Monster, oft zu schrecklich anzusehen um einen gesunden Verstand behalten zu können und deshalb in der Wiedergabe entschärft. Trotzdem ist der größte Horror teilweise der einheimische Umgang mit dem Fremden. Wood ist kein Optimist und so holt er aus den Stories von Gaines und Feldstein alles heraus, was positiv und zukunftsgewandt beginnt und im Schrecken endet.

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Das Monster muss dabei nicht einmal außerirdisch sein, denn durch den außerirdischen Einfluss von Schimmel oder Sporen mögen sich auch Menschen in fremd aussehende aber ungefährliche bzw. in bekannt aussehende aber gefährliche Wesen verwandeln.

Die Story „Gerettet“ aus Weird Fantasy 6/51 ist auf den Seiten des All-Verlages als Leseprobe zugänglich. Mein absoluter Favorit aber ist die Geschichte „die Ausserirdischen“ aus Weird Science 7/51 da Wood hier meisterhaft mit Ängsten spielt und Taktik über Herz entscheiden lässt.

Der All-Verlag hat sich dankenswerterweise der Aufgabe verschrieben, das EC-Archiv mit den Werken von Wallace Wood in drei Bänden wieder zugänglich zu machen. Zu jeder Geschichte gibt es neben den editorischen Notizen den Abdruck des entsprechenden Covers der Ausgabe, meistens von Feldstein gezeichnet, und oft ein paar Bemerkungen von Jörg Winner der auch den Artikel über die ersten Jahre von Wood mit ergänzendem Bildmaterial sowie die Comic-Zeit von Harrison geschrieben hat.

Wally Wood EC-Archive 1 page 68

Das Papier ist den Comics angemessen: Das Hardcover umschließt dickeres, etwas mattes Papier, das den Eindruck der Pulps unterstützt, trotzdem aber ein sehr gutes Druckergebnis ermöglicht.

Der erste Band der SF- und Fantasy-Geschichten von Wood ist gleichzeitig auch der Klassiker des Monats Dezember. Mehr Klassik als diese Gesamtausgabe geht nicht!

Dazu passen Tom Collins oder Pink Squirrel als typische Cocktails dieser Zeit und Elvis Presley!

© der Abbildungen 2018 All-Verlag, Wipperfürth

© 2018 William M. Gaines, Agent, Inc

Tunga Integral 3

Band 3: 1974 bis 1977

Story: Edouard Aidans, Jacques Acar (Erzählung)
Zeichnungen: Edouard Aidans

Originaltitel: Originalausgabe

Kult Comics

Hardcover | 176 Seiten | Farbe | 29,95 € |

ISBN: 978-3-946722-39-7

Cover Tunga Integral 3

Edouard Aidans ist einer der ganz großen Comicschaffenden aus der „Generation ZACK“ bzw. „Tintin/Kuifje“ der 60-er und 70-er Jahre. Neben den in der Jetzt-Zeit spielenden Geschichten um Tony Stark (Gesamtausgabe ebenfalls bei Kult Comics) und Sven Janssen kennen ihn viele der Älteren insbesondere wegen Tunga, dem Ghmour, der seine Abenteuer vor 100.000 Jahren inmitten von Mammuts, Berglöwen und anderen steinzeitlichen Horden erlebt hat. Im Original firmierte die Serie als Tounga.

Aidans wurde 1930 in Andenne in Belgien geboren und ist am 6. September dieses Jahres verstorben. Seine Karriere begann in Spirou, doch schon 1956 wechselte er zu Tintin. Später sollte auch er wie so viele seiner Kollegen direkt für das ZACK und seine internationalen Ableger arbeiten. Mehr zu Aidans in der Sprechblase 238 (zur Rezension) und 239 sowie natürlich in dem von Volker Hamann verfassten Essay in den Integral-Bänden selbst. Die Abenteuer von Tunga erscheinen auf Deutsch jetzt erstmals komplett und chronologisch in Albenform. Neben den Magazinveröffentlichungen im alten und neuen ZACK sowie den Begleitprodukten waren früher bereits einmal (nur) drei Alben bei Feest erschienen.

Tunga Integral 3 page 63

Der jetzt erschienene dritte Band der Gesamtausgabe von Tunga umfasst die Jahre 1974 bis 1977. Er beinhaltet die Veröffentlichungen 19 bis 21, die jeweils in den siebzigern in verschiedenen ZACK-Paraden bzw. im ZACK selbst zu lesen waren sowie den Roman „Die große Wut der Geister“ von Jacques Acar mit Illustrationen von Aidans in deutscher Erstveröffentlichung. Dieser war wie auch die einzelnen Teile der „Rettung der Uru“ in Tintin Selection /Kuifje pocket erschienen, einer dreimonatlichen Taschenbuchergänzung zum eigentlichen Comic-Heft. Anfangs wurden dort noch hauptsächlich speziell angefertigte Originalgeschichten als Comic für das kleine Format hergestellt, später dann immer öfter durch illustrierte Erzählungen ergänzt. Diese sind allerdings nur selten ins Deutsche übersetzt worden. Umso größer ist das Verdienst von Kult Comics, diese in die deutsche Ausgabe integriert zu haben.

Die letzten fünf Teile der aus insgesamt acht Teilen bestehenden Saga über die Rettung der Uru, einer überalterten Kleingruppe, die von den Kwin-Khom bedroht werden, zeigen einen Tunga, der ohne die Begleitung seiner Side-Kicks mit wilden Tieren kämpfen muss, Gefangene befreien darf und auch noch durch ein „Bündnis“ mit einem Zebra eine siegreiche Schlacht gegen die Verfolger führt. Obwohl ursprünglich für das Taschenbuch-Format konzipiert, hat Aidans alle Seiten so angelegt, dass sie zu einer doppelt so großen Albumseite verlustfrei ummontiert werden können. Das Seitenlayout ist trotzdem variabel und bietet Raum für größere und kleinere Panele.

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Die im Original sechzig Taschenbuchseiten umfassende Erzählung von Acar ist keine große Literatur; sie besteht dafür aus zu vielen kurzen Sätzen und richtet sich eindeutig an ein jüngeres, männliches Lesepublikum. Wer also etwas im Stil von E. R. Burroughs oder R. E. Howard erwartet, wird möglicherweise enttäuscht sein. Zu beachten ist dabei aber das im Untertitel des Comic-Magazins angesprochene Publikum von sieben bis siebundsiebzig. Da der Fokus der Herausgeber eher auf der unteren Grenze denn auf der oberen lag, passt das Ganze dann wieder. Die ergänzenden schwarz-weißen Zeichnungen bieten einen anderen Einblick auf die Fertigkeiten des Zeichners und beweisen, dass er seinem Vorbild Burne Hogartherfolgreich nacheifert.

Die große Furcht“ ist dagegen eine als Album konzipierte Geschichte über die Flucht der Ghmour vor einem Vulkanausbruch mit begleitenden Erdbeben durch eine winterliche und unwirtliche Gebirgslandschaft. Aidans gelingt es, nicht nur Actionszenen und innere Entwicklung der Helden aufgrund der äußeren Bedrohungen deutlich zu machen, er versucht auch, theologische Fragestellungen auf Basis einer Naturreligion zu beantworten. Der Seitenaufbau ist dabei um vieles komplexer und spannender als in der ersten Geschichte und verlässt oft das klassische Schema.

Detail Tunga Integral 3 page 90

Die letzte Geschichte dieser Ausgabe schließt direkt daran an: „Jenseits der kalten Länder“ sieht die Ghmour weiterhin auf der Flucht aus der lebensfeindlichen Gebirgswelt mit dem dicken weißen Regen und vertieft die Krise des Helden Tunga. Er zweifelt an seiner Kraft, seinem Urteilsvermögen und seinem Nutzen für den Stamm und zieht sich immer mehr in eine aggressive, selbstbemitleidende Haltung zurück. Als er erneut versagt, beschließt er, den Stamm zu verlassen und auf eigene Faust Jagd auf die zurückgekehrten Gegner vom Stamm der Tolk zu machen. Ohne spoilern zu wollen bringt diese Geschichte am Ende nicht nur neue Bündnisse und ein Happy-End sondern auch Charaktere zurück in die Geschichte, die seit einiger Zeit verloren geglaubt waren…

Teilweise atemraubendes Layout mit wirklich guten Zeichnungen, einer spannenden Geschichte und sehr gut eingefügtem Lettering machen diesen Comic zu einem echten Lesevergnügen! Auch wer die Geschichten in seiner Jugend im ZACK verschlungen hat wird an dieser Neuausgabe sein Vergnügen finden, war doch gerade das Lettering nicht die Stärke der alten Präsentation. Als Zugabe finden sich die eine oder andere Zeichnung und ein paar Cover der belgischen Originale.

Natürlich drängen sich die Vergleiche mit Tarzan als dem Archetypus des Helden im Dschungel im Kampf gegen böse Mächte, wilde Bestien und für das „Gute“ auf. Beide spielen in einer nicht vom Menschen geformten Umwelt in der neben der physischen Kraft des Helden seine Intelligenz, Empathie und Teamfähigkeit, insbesondere auch mit den nichtmenschlichen Lebewesen, überlebensnotwendig sind. In den siebziger Jahren gab es nicht mehr genügend „weiße Flecken“ auf der Karte, ein Rückgriff auf die Frühzeit des Menschen bot da eine spannende und glaubwürdigere Alternative. Aidans gibt als eines seiner Vorbilder denn auch den wohl besten Tarzan-Zeichner Burne Hogarth an, der die Abenteuer von 1937 bis 1950 gezeichnet hatte. Wer einmal die Gelegenheit hatte, ein Original von Hogarth zu sehen, wird feststellen, dass seine Klasse von Aidans nicht ganz erreicht wird. Die Distanz ist aber gerade zu seinen besten Zeiten nicht überwältigend groß! Die Publikationsfähigkeiten der moderneren Zeiten mit besserem Papier, schärferem Druckbild und ganz anderen Möglichkeiten der Kolorierung unterstützen das natürlich ebenfalls.

Tunga Integral 3 page 124

Da es noch ein paar andere Serien von Aidans zu entdecken gibt bleibt die Hoffnung, dass die Leipziger nach Tony Stark und Tunga weitermachen! Zunächst erwarten uns aber noch zwei weitere Bände mit dem steinzeitlichen Helden.

Das Hauptgetränk der damaligen Zeit wird wohl Wasser gewesen sein, je nach Jahreszeit ergänzt durch Früchte. Ob es damals schon Musik im heutigen Sinne gegeben hat ist meines Wissens nach unbeantwortet. Etwas Vergleichbares ist daher definitiv nicht vorhanden. Ich würde daher empfehlen, das Fenster aufzumachen oder einen Ort unter freiem Himmel aufzusuchen und den Klängen der Natur zu lauschen.

© der Abbildungen 2018 Comic-Combo, Leipzig

das unabwendbare altern der gefühle

Story: Zidrou
Zeichnungen: 
Aimée de Jongh

Originaltitel: L´Obsolescene Progammee de nos Sentiments

Splitter Verlag

Hardcover | 144 Seiten | Farbe | 19,80 € |

ISBN: 978-3-96219-269-3

Cover das unabwendbare Altern der Gefühle

9 Monate stellen den Beginn und den Schluss dieser Geschichte dar. Tod und Geburt, Alter und Jugend, Verzweiflung und neuer Lebensmut sind die Gegensatzpaare, die ihr den Inhalt verleihen.

Um es vorwegzunehmen: Wer für Weihnachten noch ein Geschenk sucht, sollte sich diese Graphic Novel unbedingt anschauen und sie in die engere Wahl nehmen!

Mediterranee ist eine alleinstehende ältere Frau, die gerade ihre Mutter bis zu ihrem Tod gepflegt hat. Nun steht sie wieder nur noch in dem vom Vater übernommenen Käseladen und pflegt ihre Laibe.

Ulysses ist Witwer. Seine Tochter hat er im Alter von 16 Jahren verloren, sein Sohn ist verheiratet und lebt sein eigenes Leben. Als er seinen Job als Möbelpacker im Alter von 59 Jahren wegen einer „Verschlankung“ verliert, steht er ganz alleine dar und muss versuchen, mit seinem Leben klar zu kommen.

das unabwendbare Altern der Gefühle page 17

Beide treffen sich zufällig im Wartezimmer von Ulysses‘ Sohn, der als Arzt arbeitet. Im Vorfeld wurden beide Figuren näher vorgestellt und dabei sowohl die Geschichte als auch der Alltag beleuchtet. Zidrou gelingt es, die Situationen eindringlich zu beschreiben, sich den beiden Akteuren aber behutsam und wertschätzend zu nähern. De Jongh unterstützt diesen Ansatz und lässt sie in vielen kleinen Szenen leben, lächeln, verzweifeln oder auch einfach nur da sein. Überhaupt zeichnet die Ruhe und Gelassenheit die ganze Graphic Novel aus. Nie geht es darum, etwas einfach nur abzuhaken.

Beide kommen sich näher, ermöglichen sich gegen- und miteinander die Rückkehr von Spaß, Genuss, Freude und so langsam erblüht eine Liebe zwischen den Beiden. Der Comic spart das Thema Sex im Alter nicht aus, im Gegenteil, er zeigt in den Körperhaltungen der Beiden, wie wichtig und verjüngend die Liebe des jeweils anderen für das Selbstverständnis über den eigenen, als alt und verschrumpelt angesehen, Körper sein kann.

das unabwendbare Altern der Gefühle - Detail page 64

Die zarte Liebesgeschichte, die von  Ulysses‘ Sohn und dessen Frau her als lächerlich betrachtet wird, entwickelt sich nicht zu einer Katastrophe! Im Gegenteil, Mediteranee und Ulysses entschließen sich, den Rest ihrer Tage zusammen zu verbringen und dabei noch einmal einen kompletten und waghalsigen Neuanfang zu wagen.

Die Seiten bieten grundsätzlich einen in drei Reihen geteilten Aufbau wobei die Höhe durchaus der Situation angemessen variiert. Teilweise kommen aber auch andere Aufteilungen oder sogar ganzseitige Illustrationen zum Einsatz. Die Farben sind immer etwas gedämpft und unterstützen damit die liebevolle Betrachtung, die Grelles nicht vertragen würde. Die vereinzelt eingesetzte Nahaufnahme erlaubt dabei trotzdem eine Ehrlichkeit, die jede Lüge oder Beschönigung sofort unmöglich macht.

Das unabwendbare Altern der Gefühle Detail page 96

Die in insgesamt sieben Kapitel unterteilte Geschichte ist eine persönliche, liebevoll erzählte, Mut machende! Wenn sie vielleicht auch nicht den persönlichen Hintergrund von Selbsterfahrungs-Novels hat, da fiktiv, so ist sie doch ausgesprochen gut komponiert und auf sehr hohem Niveau umgesetzt. Ihr ist daher zu gönnen, dass sie nicht nur den Zuspruch des Feuilletons bekommt, sondern auch eine hohe Anzahl an Leserinnen und Lesern erreicht!

Zidrou (d. i. Benoît Drouise) ist ein alter Bekannter und unter anderem für Szenarien für Percy Pickwick, den neuen Rick Master, Leonardo oder Die Kannibalen verantwortlich. Am besten fand ich persönlich allerdings Das Licht von Borneo aus der Spirou und Fantasio Spezial Reihe.

Aimée de Jongh aus Rotterdam ist in Deutschland dagegen noch nicht veröffentlicht; In den Niederlanden kennt sie fast jede*r, hat sie doch 6 Jahre lang in der kostenlos verteilten Zeitung Metro ihre Serie Snippers veröffentlicht. Da sie erst 40 Jahre alt ist werden wir hoffentlich noch das eine oder andere zu sehen bekommen.

Das unabwendbare Altern der Gefühle page 140

In diesem Comic wird so viel Käse genussvoll gegessen und Wein dazu getrunken, dass einem der Appetit dabei von alleine kommt. Also korsischer Wein und französische, ruhige Musik, die sich nicht in den Vordergrund drängt, als Unterstützung des Lesevergnügens!

© der Abbildungen 2019 Splitter Verlag

Conan der Cimmerier 2

Band 2: Nathok, der Zauberer

Story: Vincent Brugeas nach Robert E. Howard
Zeichnungen: 
Ronan Toulhoat

Originaltitel: Le Colosse Noir

Splitter Verlag

Hardcover Überformat | 72 Seiten | Farbe | 15,80 € |

ISBN: 978-3-96219-203-7

Cover Conan der Cimmerier 2

Der zweite Band der europäischen Adaptionen der Geschichten von Robert Ervin Howard über den Barbaren aus Cimmerien beinhaltet das insgesamt siebte Abenteuer der Original-Reihe. Zu den Hintergründen über die Namenswahl und die Gemeinfreiheit siehe die Rezension zum ersten Band.

Im Nachwort von Patrice Louinet wird ein wenig über die Hintergründe dieser Story erzählt. Auf einen einzigen Satz heruntergebrochen: Howard hatte erkannt, dass nackte Frauen und muskelbepackte Helden in einem mit ominösen und bedrohlichen Kulten angereicherten Szenario eine gute Einnahmequelle darstellen!

Das Abenteuer beginnt mit einer packenden Erzählung über einen Meisterdieb, der es nach jahrelangen Vorbereitungen endlich schafft,die Grabkammer einer untergegangenen Zivilisation zu öffnen und damit eine Jahrtausende lang verborgene Macht befreit. Ronan Toulhoat schafft es sehr eindringlich, dieses in Bilder umzusetzen und setzt dabei Perspektivenwechsel sowie Größe und Anordnung der Panele filmreif um. Sowohl die Spannung als auch das Mysteriöse sind absolut greifbar und der Text aus dem Off ist perfekt integriert.

Conan der Cimmerier 2 page 9

Conan befindet sich mit anderen Söldnern in Khoraja, der Hauptstadt eines belagerten Königreiches, und wird von der dortigen Prinzessin als Heerführer angeworben, um dem drohenden Nachbarn entgegenzutreten. Sehenswert sind dabei die Szenen, in denen der rüpelige Conan den Adeligen des Reiches vorgesetzt wird! Natürlich haben sie keine andere Wahl, als ihn zu akzeptieren, und die Streitmacht bezieht ihre Stellung, um den zahlenmäßig überlegenen Feind zu erwarten.

Durchaus gelungen sind auch die Abschnitte, in denen sich Yasmela, die Prinzessin, mit Conan unterhält und ihre Ängste offenbart, während dieser sein Unbehagen über die ungewohnte Verantwortung und Rolle äußert.

Deatil aus conan der Cimmerier 2 page 32

Brugeas nimmt sich viele Seiten um die Schlacht der Heere episch aufzubereiten: wenig Worte und lange Kampfszenen sind die Folge. Auch das ist graphisch durchaus gekonnt umgesetzt, hätte meiner bescheidenen Meinung nach aber durchaus kürzer ausfallen können. Nichts ist langweiliger als die seitenweise Darstellung des Todes.

Nach der Vernichtung eines großen Teils beider Heere schnappt sich Nathok, der Zauberer, die Prinzessin und flieht mit ihr in die Grabkammer, in der alles begann. Während die sexuelle Komponente im Verhältnis Nathoks zu Yasmela schon vorher offensichtlich war, werden jetzt auch die Gelüste der männlichen Leser der erstmals 1933 erschienenen Geschichte befriedigt: Der Held Conan besiegt den uralten Zauberer und erhält dafür die Gelegenheit zu Sex in der Grabkammer. Toulhoat schafft es dabei aber glücklicherweise, voyeuristische Interessen nur marginal zu bedienen. In der Erstveröffentlichung in den Weird Tales hatte es diese Geschichte als erste der Conan-Abenteuer auf das Titelblatt geschafft; der Held wurde allerdings zu Gunsten einer nackten Frau vor einem antiken Altar verdrängt.

Deatail Conan der Cimmerier page 64

Muss man(n) diesen Comic lesen? Haben wir nicht schon genug Exemplare, die die veraltete männliche Weltsicht auf Frauen tagtäglich in den Medien verbreiten? Diese Frage betrifft allerdings nicht nur Conan sondern einen Großteil dieser Fantasygattung, insbesondere, aber bei Weitem nicht nur, der Werke vom Anfang des letzten Jahrhunderts. Eskapismus und Flucht in veraltete Rollenbilder ist immer wieder zu beobachten und ist ok, wenn mann sich dessen bewusst ist, dass es sich hierum eine Literaturgattung handelt. Sollten damit allerdings Machtphantasien und der Wunsch, alte Rollenverhältnisse wiederherzustellen, verbunden sein, ist das nicht mehr zu akzeptieren. Immerhin schaffen es die Kreativen, die Frauenrolle selbstbewusst und stark darzustellen: Yasmela bestimmt, was sie zulässt. Und das unterscheidet sie immerhin von einem Großteil der Protagonistinnen des heute überall verfügbaren Hausfrauenporns die allein triebgesteuert dargestellt werden.

Von dem Autoren liegen bisher keine weiteren Werke auf Deutsch vor; der Zeichner Toulhoat ist eifrigen Splitter-Sammler*innen dagegen kein Unbekannter und hat bereits Science Fiction, Mystery und Fantasy illustriert.

Insgesamt ist diese Idee in ihrer grafischen Umsetzung dem Original deutlich näher als der erste Band und dürfte daher auch den Fans der alten Conan-Comics gefallen. Auf jeden Fall ist der Ansatz, verschiedenen Teams freie Hand zu lassen und „ihren“ Barbaren entwerfen zu dürfen, als durchaus gelungen zu beschreiben und erweckt eine Spannung auf die noch kommenden Bände!

Dazu passen ein schwerer Rotwein aus einem großen Kelch und die kehligen Klänge von Argy Bargy etwa auf „Drinks, Drugs and Football Tunes“!

© der Abbildungen 2018 Splitter Verlag