Jones – Catwoman 1

Catwoman – Copycats

Story: Joëlle Jones
Zeichnungen/Tusche: 
Joëlle Jones, Fernando Blanco

Originaltitel: US-Catwoman 1 – 6 (2018/2019)

Panini Comics
Broschur | 148 Seiten | Farbe | 16,99 €
ISBN: 
978-3-7416-1281-7

Die Story

Catwoman ist eine typische Vertreterin für die Art von Held*innen, die es mit ihrer Serie in Paperbackform mal schaffen, die geforderten Absatzzahlen zu erreichen und mal nicht. Nach dem letzten Versuch von 2012, der immerhin 9 Bände schaffte, ist Selina Kyle jetzt also wieder solo unterwegs.

Die Geschichte startet direkt nach der Flucht vor der Hochzeit und wird sowohl geschrieben als auch gezeichnet von Joëlle Jones, die auch für das Hochzeitskleid der Katze verantwortlich war.

Selina hat Bruce verlassen, weil sie Gotham und der Welt ihren Beschützer nicht entreißen wollte und Gotham, weil sie es in Bruce Nähe nicht ausgehalten hätte. Sie ist daher nach Kalifornien gegangen um in der Stadt Villa Hermosa neu anzufangen. Natürlich ist sie in bestimmten Kreisen auch dort längst keine Unbekannte mehr und so muss sich Selina in rasanten Actionszenen sowohl mit der Polizei als auch mit der Organisierten Kriminalität im Umfeld der Politik auseinandersetzen.

Ersteres schafft sie in gewohnter Routine noch ziemlich gut, letzteres wird deutlich schwieriger, denn ihre Gegnerin ist die Mutter des Gouverneurs, Rania Creel. Ms. Creel hat alles legale und Illegale gegeben, um ihrem Körper ein jüngeres Aussehen zu verleihen und klebt mit allen Mitteln an der Macht. Sie lässt Catwoman ausrichten, dass sie entweder in der Creelschen Organisation arbeiten könne, verschwinden oder sterben. Schon aus dramaturgischen Gesichtspunkten bleibt natürlich kein anderer Ausweg als dem Kampf zu akzeptieren! Die Katze bekommt es daher mit einer großen Anzahl von als Catwoman verkleideten Kriminellen zu tun…

In einer parallelen Storyline geht es um Selinas Schwester, die an einen Rollstuhl gefesselt und unter starken Medikamenten scheinbar nichts mehr von ihrer Umwelt mitbekommt. Auch hier stellt sich die Frage, ob die Bedingungen nicht radikal verändert werden können.

Das Artwork

Joëlle Jones hat einen etwas nervösen Strich. Gesichter, Körper und Umgebung werden mit kleinen Linien konturiert und bekommen so ihren speziellen Look. Die Zeichnungen wirken dadurch erwachsener und härter und unterstreichen das mafiöse Szenario perfekt. Der Unterschied zwischen echter Realität und gezeigter „TV-Realität“ gelingt Jones und Blanco auf geniale Weise und je mehr Fake abblättert, umso nervöser werden die Darstellungen. Den Kampf der Katzenkostüme meistert sie mit einem schönen Trick, denn tatsächlich sind die Verkleidungen der Copycats nicht 100% identisch mit dem Original.

Wert des Anschauens sind im Übrigen sowohl die regulären Cover von Jones als auch die Variants von Stanley Lau, der fast fotorealistisch malt.

Auch von der Geschichte her macht dieser Neustart einiges her: Catwoman bleibt ihrer Ambivalenz zwischen Gut und Kriminell treu. Unrecht, Machtmissbrauch und Straßengewalt wird sie niemals akzeptieren und beginnt daher auch in ihrer neuen Umgebung fast unverzüglich für ihre Art des Lebens einzustehen. Ihre Gegner*innen sind keine Superwesen, keine Dämonen oder Magier sondern ganz normale Kriminelle und der Seitenhieb auf die Verstrickung von Politik und Kriminalität ist deutlich. Es bleibt zu hoffen, dass die Serie dieser Ausrichtung noch ein Weilchen folgt!

Natürlich gibt es für die Sammler*innen auch wieder ein limitiertes Variant im Hardcover.

Dazu passen ein Whiskey Sour und Soul! Warum nicht mal wieder Aretha Franklin?

© der Abbildungen 2018, 2019 DC Comics, c/o Panini Verlag

Pratt – Warten auf Corto

Warten auf Corto – Texte zur graphischen Literatur 3

Text: Hugo Pratt

Übersetzung: Dr. Peter Pohl

Verlag Volker Hamann Edition Alfons

Paperback | 164 Seiten | tw. Farbe | 19,95 €

ISBN: 978-3-946266-15-0

Hugo Pratt

Hugo Pratt ist einer der bekanntesten Comicschaffenden Europas, gleichzeitig sperren sich viele seine Werke der einfachen Rezeption.

Ende der 60-er Jahre wurde in Italien mit Sgt. Krk ein Comic-Magazin ausschließlich zu dem Zweck, Pratts Werke publizieren zu wollen, gegründet. In den 70-ern veröffentlichte Pratt Millionen-Auflagen in Frankreich und Italien und war gleichzeitig der einzige Autor, dessen Geschichte im damaligen ZACK noch während des Abdrucks des ersten Bandes von Corto Malteses Südseeballade abgebrochen werden musste.

Aktuell sind sowohl bei Schreiber & Leser mustergültige Ausgaben von Corto Maltese (in Schwarz-Weiß und in Farbe) und anderen Titeln aus der Zeit in Italien als auch z.B. beim avant-Verlag Eternauta oder Ticonderoga aus seiner Zeit in Argentinien erhältlich.

Über den 1995 gestorbenen Ugo Eugenio Pratt ist bereits viel geschrieben worden, zuletzt über die argentinischen Künstler Oesterheld, Breccia, Munoz aber eben auch Pratt in der Reddition 68. Seine Autobiographie war aber auf Deutsch bisher nicht verfügbar.

Die Gespräche

Nun gibt es die Möglichkeit, ihn im (übersetzten) Originalton kennen zu lernen. In Warten auf Corto erfahren wir, was der Autor seinem Freund Antonio de Rosa während einiger Autofahrten 1970 erzählt hat. War ursprünglich noch versucht worden, den Wortschwall irgendwie aufzubereiten, entschied man sich nach einigen erfolglosen Versuchen, die 10 Tonbandspulen zwar zeitlich sortiert, ansonsten aber unbearbeitet zu veröffentlichen. Mehr Original geht nicht! Die Geschichten fordern den/die Leser*in aber auch, denn sie sind nicht redaktionell geglättet, sondern sprunghaft, mal ernst mal angeberisch aber immer authentisch.

In sechs Kapiteln berichtet der Autor von seiner Jugend im faschistischen Italien und im italienisch besetzten Äthiopien, seinen Kriegserlebnissen, seiner Überfahrt nach Argentinien und seinen dortigen Erlebnissen mit Freund*innen, Kollegen und auch seinen Liebschaften.

Dr. Peter Pohl hat es übernommen, die Texte in das Deutsche zu übertragen. Im gelingt es ausgezeichnet, den erzählenden Menschen wiederzugeben. Man hört die Empathie, das Engagement und den Stolz aus den Zeilen heraus und ist fast mit in dem kleinen Fiat Millecento dabei.

Ergänzt wird der dritte Band der Texte zur graphischen Literatur durch eine Unzahl von Skizzen Pratts und Fotos und weiteren Abbildungen aus persönlichen Archiven. Der Text ist ursprünglich 1971 erschienen, 1986 und 1987 wurde er neu aufgelegt. Jeweils wurde neues Bildmaterial hinzugefügt und diese Veröffentlichung enthält nicht nur alle Abbildungen der bisherigen Ausgaben, sondern noch weiteres Material darüber hinaus! Dazu kommen noch eine Zeittafel und eine erneut überarbeitete Bibliographie der Comics von Hugo Pratt inklusive der deutschen Ausgaben.

Die Reihe

Volker Hamann bringt, oft zusammen mit Matthias Hofmann, in seinem Verlag Edition Alfons nicht nur die Magazine Alfonz und Reddition heraus, sondern mit den Texten auch Monographien zu bedeutenden Meilensteinen der Neunten Kunst. Im Vordergrund stehen dabei nicht wissenschaftliche Gründlichkeit, sondern populärwissenschaftliche Verständlichkeit.

Wer sich mit den Hintergründen von Pratts Geschichten beschäftigen oder aber Eindruck in die Entwicklung des Zeichners von jugendlichen, pubertären Skizzen hin zu einem der bedeutendsten italienischen Künstlern der Neuzeit gewinnen möchte, wird an diesem Band nicht vorbeikönnen!

Dazu passen ein gut gekühlter Aperol Spritz und als musikalische Untermalung die Geräusche der Stadt, die man hört, wenn man auf dem Balkon sitzt und liest.

© der Buchausgabe 2019 by Edition Alfons

Vatine/Varanda – Die lebende Tote

Die lebende Tote

Story:  Olivier Vatine
Zeichnungen: 
Alberto Varanda

Originaltitel: LA MORT VIVANTE

Splitter Verlag
Hardcover | 72 Seiten | Farbe | 18,00 €
ISBN:
978-3-96219-312-6

Die Story

Die lebende Tote ist sowohl ein Science Fiction Comic als auch eine Horror Graphic Novel und sie wird beiden Genreanforderungen gerecht! Die Geschichte beginnt wie eine klassische SF-Story: Die Erde befindet sich nach einer atomaren Katastrophe unter Quarantäne und beherbergt im Wesentlichen Schatzräuber, die alte Bibliotheken oder Labore ausräumen. Auf dem Mars haben sich die Überlebenden eingerichtet und die Benutzung von Artefakten von der Erde ist verboten. Trotzdem gibt es Wissenschaftler, die versuchen, das alte Wissen aus geschmuggelten Büchern zu verstehen und sich anzueignen.

Während des Versuches, Schätze aus einer alten Bibliothek zu bergen, fällt die 10-jährige Tochter der Chefin in die Tiefe und stirbt. Sie wird von krakenartigen Wesen aus der Tiefe den Menschen zurückgegeben, allerdings scheint es dabei zu einer kurzen Verbindung zwischen Tier und Mensch gekommen zu sein.

Martha, die Mutter, beauftragt ihre Helfer, den Wissenschaftler Joachim vom Mars zu holen. Joachim ist einer derjenigen, der mit dem alten Wissen gearbeitet hat. Er soll die verstorbene Tochter klonen und Martha einpflanzen. Während dieser Zeit kommen sich Joachim und Martha näher und werden sogar so etwas Ähnliches wie ein Paar. Parallel arbeitet Joachim mit dem Cyborg Hugo. Auch Hugo ist ein Fundstück und war der Leibwächter der verstorbenen Tochter. Nun bekommt er einen Sprachchip und Joachim geht eine direkte Verbindung seines Geistes mit dem des Cyborg ein.

Soweit so gut mit dem SF-Anteil. Als das neue, geklonte Wesen geboren worden ist beginnt der Horrorteil, der hier nicht vorweg genommen werden soll.

Die Umsetzung

Olivier Vatine, wahrlich kein Unbekannter in dem Metier und am bekanntesten wohl durch sein Szenario zu Aquablue, gelingt es, ein sehr spannendes und doch konsequentes Gebäude zu erschaffen. In mehrere Kapitel aufgeteilt schafft er es, zunächst eine zwar düstere, spooky Atmosphäre zu erschaffen die geschickt Elemente der SF und der Schauerromantik verbindet. Natürlich sind der Name des Cyborg und sein Aussehen Anspielungen darauf. Im weiteren Verlauf kommt aber immer mehr Entsetzen hinzu und es stellt sich die Frage, ob der Mensch wirklich alles machen muss, was er kann (und damit meine ich nicht nur das Fällen von Bäumen) und ob nicht das wirkliche Monster in allzu bekannter Gestalt durch die Gegend läuft.

Auch Albert Varanda ist bereits mit mehreren Reihen auf dem deutschen Markt platziert. Keine davon hat es bisher geschafft, ihn in die erste Reihe zu bringen. Hier passen seine Zeichnungen aber perfekt! Er verbindet sowohl SF Dekors mit viktorianischem Schauer-Ambiente als auch karikaturenhafte Gesichter der 10-jährigen mit absolut realistischen Darstellungen der Erwachsenen. Die Unterschiede zwischen leichtem Dekors und gerastertem Schwarz sind trotz Kolorierung von Vatine noch deutlich zu erkennen und bilden eine gute Grundlage für die Geschichte.

Von mir eine klare Empfehlung!

Die Vorzugsausgabe „Diamant“

Mit diesem Titel startet der Splitter-Verlag eine neue Darreichungsform. In Frankreich, Belgien und den Niederlanden ist es bereits eine lange Tradition, dass von ausgewählten Comics eine überformatige Luxusausgabe in schwarz-weiß erscheint, die es Leser*innen ermöglicht, die Kraft der Zeichnungen ohne Kolorierung zu erforschen.

Teilweise sicherlich nur etwas für Sammler*innen, in diesem Fall aber durchaus sinnvoll. Die Zeichnungen von Alberto Varanda mit ihren feinen Linien und der flächig gerasterten Schwärze eignen sich perfekt dafür! Die auf 444 Exemplare limitierte Vorzugsausgabe unter dem Reihentitel „Diamant“ enthält außerdem noch zusätzliche Seiten und kostet 69,00 €.

Dazu passen das Album „Tales and Mystery of Imagination“ von The Alan Parsons Project und ein alter Cognac.

© Splitter Verlag GmbH & Co. KG ·   Bielefeld 2019

Gautier/Oger – Mijn Oorlog

Mijn Oorlog – van La Rochelle tot Dachau

Story: G. P. Gautier
Zeichnungen: 
Tiburce Oger

Microbe Strips
Hardcover | 80 Seiten | Farbe | 21,95 €
ISBN: 
978-9492621443

Mijn Oorlog erzählt die (Über-)Lebensgeschichte von Guy-Pierre Gautier, einem französischen Resistance-Kämpfer mit sozialistisch/ kommunistischem Hintergrund. Nachdem er in Frankreich gefasst worden war, wurde er zunächst in Frankreich selbst interniert, später dann aber in das KZ Dachau überführt, dass als Stätte billiger Arbeitskräfte für die umliegenden Werke diente.

In den Niederlanden ist die Autobiographie bei dem kleinen Label Microbe erschienen, ein deutscher Verleger hat sich noch nicht gefunden. Vielleicht wäre das kommende 75-jährige Jubiläum der Befreiung von der Nazi-Herrschaft ja ein geeignetes Datum? Während die Schicksale der jüdischen Opfer in Deutschland zumindest nicht mehr verschwiegen, teilweise sogar sehr vielschichtig behandelt werden, und der bürgerliche Widerstand ebenfalls seinen Platz in der Aufarbeitung gefunden hat, sind der Kampf und die Verluste der Linken noch nicht so im (literarischen) Alltag angekommen.

Gautier erzählt ehrlich und eindringlich seinen Lebensweg vom unbedarften Jugendlichen aus La Rochelle zum Kämpfer gegen die Besatzung Frankreichs durch die Deutschen und beschreibt dabei einerseits, wie viele seiner Generation auf die verschiedensten Weisen „verheizt“ worden sind, andererseits aber auch, dass für viele eine Alternative gar nicht bestanden hat. In Rückblicken, ausgehend von der mit militärischen Ehren durchgeführten Verleihung des Ritters der Ehrenlegion für Guy-Pierre Gautier am 8. Mai 2015, werden schlaglichtartig Szenen aus dem Leben aufgereiht und verknüpfen sich so zu einer Geschichte.

Tiburce Oger hat die Erzählungen in Bilder übersetzt. In Deutschland bekannt ist er durch seine im Splitter-Verlag erschienenen Western Buffalo Runner und Canoe Bay. In diesem Werk darf er jedoch die Erinnerungen seines eigenen Großvaters mütterlicherseits umsetzen. Man merkt den Zeichnungen die persönliche Betroffenheit an, sie gehen unter die Haut und lassen keine Details aus. Teilweise erscheint „das Böse“ in den Gesichtern der Deutschen KZ-Aufseher und SS-Männer als Fratze, aber es gelingt Oger durchaus zu differenzieren.

80 Seiten sind einerseits viel zu wenig, um die – exemplarische – Leidensgeschichte Gautiers von 1943 bis zu seiner persönlichen Befreiung am 30. April 1945 zu beschreiben, andererseits sind sie aber genug, um sich vor Augen zu führen, dass so etwas nie wieder passieren darf; Nicht in Europa aber auch sonst nirgendwo!

Die Graphic Novel sollte überall in den Niederlanden und dem flämischen Teil Belgiens erhältlich sein.

Dazu passen Wasser, etwas abgestanden, und „Die Moorsoldaten“.

© Rue de Sèveres, Paris, 2017, Tiburce Oger

DC Black Label – Der Weisse Ritter

Batman  – Der Weisse Ritter

Story: Sean Murphy
Zeichnungen: 
Sean Murphy
Farben: Matt Hollingsworth

Originaltitel: US-Batman: White Knight 1-8

Panini Comics
Broschur | 220 Seiten | Farbe | 22,00 €
ISBN: 
978-3-7416-0984-8

Schon wieder eine neue Sub-Reihe? Ja, aber dieses Mal eine spannende! Unter dem neuen Black Label werden düstere Geschichten um die Recken aus dem DC-Universum erzählt, die nicht in die Kontinuität eingebunden sind und damit neue Perspektiven erlauben. Zudem muss niemand das Gefühl haben, dass er/sie ohne Lexikon nichts verstehen würde, denn diese Erzählungen sollen kein Wissen voraussetzen. Kommt euch bekannt vor? Erinnert an Elseworlds? Ja, natürlich, mich auch. Die Inhalte sollen aber düsterer sein. Klingt auf jeden Fall spannend, denn viele der besten Geschichten von früher sind genau unter diesem Label erschienen.

Der Weiße Ritter hat ein sehr modernes Thema: Die öffentliche Meinung und daraus resultierende, sich verselbständigende Bewegungen.

Batman, schon immer kein gewaltfreier Kämpfer, verprügelt den Joker vor laufender Kamera und zwingt ihn, unbekannte Substanzen zu schlucken, die er bei sich hatte. Aufgrund dieser „Medizin“ entwickelt sich der Joker zu dem angesehenen Politiker Mr. Jack Napier, der für das Ghetto Gothams, Backport, in den Gemeinderat einziehen will. Napier deckt auf, dass es einen geheimen Fonds gibt, der durch Batman verursachte Schäden bereinigt und zieht eine direkte Linie von Polizeigewalt und Korruption zu Batman. Unterstützt wird er dabei von allen Wahlbeamten, die ihr Fähnchen wie immer in den Wind hängen, und von Harley Quinn, die ihre alte Identität wieder annimmt.

Auch Batmans Gefährt*innen Nightwing und Batgirl sehen ihre Zweifel an der noch vorhandenen geistigen Gesundheit Batmans bestätigt und müssen sich für eine Seite entscheiden. Wird Gotham den Dunklen Ritter tatsächlich gegen den neuen Weißen Ritter austauschen? Gehört der Joker ins Rathaus und Batman nach Arkham?

Natürlich spielen auch andere Superschurken eine Rolle und geben sich ein Stelldichein… Besonders spaßig dabei die gedoppelte Harley, die je nach Extremstandpunkt den alten oder den neuen Joker liebt.

Viele Versatzstücke in dieser Miniserie kommen einem bekannt vor: Jokers Bemühen, von Batman geliebt zu werden und seine ständige Enttäuschung erinnern an das Lego-Movie. Fake-News und den wechselseitigen Einfluss von Medien und Bewegungen erleben wir jeden Tag neu und den Versuch, alle Schurken zu vereinen, haben wir auch bereits mehrfach miterlebt. Die Frage, ob Batman nicht eigentlich ein militanter Reaktionär oder sogar Schlimmeres sei, ist seit den 80-ern ebenfalls immer wieder aufgeworfen worden (und auch gar nicht so einfach zu beantworten).

Hier gelingt es Sean Murphy aber, etwas neues, Eigenständiges zu kreieren. Die Versatzstücke sind so stimmig, dass Napiers Aufstieg und seine vielfältige Unterstützung glaubwürdig werden. Die Talkshows kann man fast hören und die einfachen Antworten der Politiker im Kreuzfeuer leider auch. Die sich daraus entwickelnde zwangsläufige Abfolge, die fast schon Horror- oder Psycho-Elemente besitzt, ist ebenfalls klar definiert und ein Ausweg scheint nicht in Sicht.

Auch grafisch weiß Murphy zu überzeugen. Sein Werk ist nicht bahnbrechend, hat aber seine Qualitäten. Der Boxkampf zwischen Batman und Napier gehört mit Sicherheit zu den Seiten, die im Gedächtnis bleiben werden. Viele Soundwords und Speedlines lassen das Ganze wie Popcorn-Kino rüberkommen. Die Farben von Matt Hollingsworth tun ein Übriges. Im Gegensatz zur Klasse-Story ist das Artwork aber „nur“ guter Durchschnitt.

Die Ausgabe an sich lässt dagegen wieder einmal keine Wünsche übrig: der glanzapplizierte Joker vor dem Batman-Altar auf dem Cover ist schon ein echter Hingucker und auch die verschiedenen (Alternativ) Cover als Trenner zwischen den einzelnen Heften machen den ersten Black Label-Band zu einem schönen Stück in der Batman-Sammlung! Es existiert auch ein limitiertes, verlagsvergriffenes Hardcover mit anderem Covermotiv.

Dazu passen ein Bier mit (Arbeiter-)Tradition, etwa ein gekühltes Porter von Anchour, und eine Ghetto-taugliche Mischung aus Rap und Punk, etwa von Kevin Abstract.

© 2017, 2018 DC Comics c/o Panini Comics

Warnauts/Raives – Venezianische Affären 1

Venezianische Affären Gesamtausgabe Teil 1

Story: Eric Warnauts
Zeichnungen: 
Eric Warnauts, Guy Raives

Originaltitel: Les suites Véntiennes 1-3 (Intégrale 1)

Panini Comics
Hardcover Überformat | 160 Seiten | Farbe | 29,00 €
ISBN: 
978-3-7416-1288-6

Das Duo Eric Warnauts und Guy Raives ist in Deutschland wahrlich nicht unbekannt, gehörte aber bisher eher in die Kategorie Geheimtipp. In den neunziger Jahren brachte der Carlsen Verlag den Einzelband Congo 40, die Abrechnung mit Deutschlands Nationalsozialismus (Die zerbrochene Zeit) und die ersten vier Teile von Lou Cale, einer Krimiserie um einen Pressefotografen heraus, Finix führte vor ein paar Jahren fort. Panini hat bereits den Vierteiler Zeitenwende veröffentlicht, der ebenfalls im und kurz nach dem Zweiten Weltkrieg spielt.

Das Thema

Der aktuellen deutschen Erstveröffentlichung, die bei Casterman bereits vor rund 20 Jahren erschienen ist, liegt auch ein historisches Setting zugrunde: Das Venedig des 18. Jahrhunderts. Der Stadtstaat wird durch ein Konglomerat aus verschiedenen Institutionen beherrscht die sich wiederum aus traditionellen Familien rekrutieren. Dekadenz und Laster haben sich im Alltag der besser gestellten breitgemacht und unter der Fassade des Maskerade passieren die unglaublichsten Dinge.

Als mehrere Frauen ermordet und misshandelt aufgefunden werden, versucht Alessandro, die abscheulichen Verbrechen aufzuklären. Schnell wird klar, dass es sich bei der Serie um Ritualmorde handelt und dass Magie ebenfalls eine Rolle spielt. Zudem drängen sich Verbindungen in die Vergangenheit auf. Es scheint um Rache zu gehen… Außerdem spielen Rötelzeichnungen einer jungen, unbekleideten Schönheit eine große Rolle, allerdings erkennen nur wenige die Zeichen.

Die Titel der Einzelbände „Die Skizzen“, „Rotes Venedig“ und „Exil“ lassen den Handlungsablauf ein wenig erkennen, die Story ist aber vielschichtig genug, um nicht einfach nur einem Plot zu folgen: Es geht um (Miss-)Achtung, Rassismus und Machtgelüste, aber auch um den Versuch starker Frauen, sich eigenständig zu entwickeln und ihr Leben selbst in die Hand zu nehmen. Während einige Männer dieses verstehen können, müssen andere es leidvoll am eigenen Körper erfahren lernen.

Die Umsetzung

Warnauts und Raives setzen bei ihren Seiten auf die Macht des Bildes: oft werden sie von wenigen, großen Panelen beherrscht; ganze Seiten kommen ohne Text aus. Mal wird gegen ein dreireihiges, mal gegen ein vierreihiges Grundraster verstoßen und ständig wechselt die Anordnung. Dahinter liegt aber kein chaotisches Ausprobieren: Die Formen folgen der Notwendigkeit der Handlung und ihrer Dynamik. Das Überformat bringt dabei die Seiten noch mehr zur Geltung als es das typische A4-Format täte.

Die Gesichter sind durch die etwas großflächige Kolorierung manchmal etwas entstellt, wirken dadurch aber auch im Alltag fast maskenhaft und stören daher in diesem Zusammenhang nicht. Die Formen und die Anatomie der Figuren zeigen dagegen keine unerwünschten Besonderheiten, sondern sind korrekt. Auch das architektonische und kleidungsbezogene Dekors ist aufwändig und stimmig.

Panini hat für jeden Band das Einzelcover in Farbe und als Vorzeichnung mit aufgenommen. Insofern wird die Erwartung an eine Gesamtausgabe erfüllt. Es gibt auch einen kurzen Textteil, der in das politische Venedig der damaligen Zeit einführt. Editorische Notizen, ergänzende Illustrationen und Texte, also alles, was die Leser*innen heute in einem Integral typischerweise geboten bekommen, fehlen dagegen. Hier kann der Panini-Verlag sich sicherlich noch eine Scheibe von seinen Konkurrenten abschneiden.

Vor einigen Jahren wäre die Serie wahrscheinlich bei comicplus+ erschienen. Vielleicht hilft dieser Hinweis zur Einordnung des Ganzen. Spannende und vielschichtige Story mit ansprechendem Artwork!

Dazu passen gelassen prickelnder Pro Secco und italienische Musik: Klasse Kriminale (und im speziellen Johnny too bad).

© der Abbildungen Editions du Lombard (Dargaud-Lombard S.A.) 2016 by Raives, Warnauts, c/o Panini Verlag

Bennett/Kristantina – Insexts 1

InSEXts 1 – Metamorphose

Story: Marguerite Bennett
Zeichnungen: 
Ariela Kristantina

Originaltitel: InSEXts 1 – 7

Panini Comics
Prestige | 132 Seiten | Farbe | 20,00 €
ISBN: 
978-3-7416-1233-6

Horror ist eine Kategorie, die sich in den letzten Jahren erhöhter Beliebtheit erfreut. Es ist also nicht weiter verwunderlich, dass eine neue Reihe in diesem Gerne erscheint. InSEXts aber ist anders. Obwohl es einen gewöhnlichen Schauplatz gewählt hat, die Geschichte beginnt 1894 in London, und viele Versatzstücke verwendet, die alle an sich schon bekannt sind, ist diese Story der Amerikanerin Marguerite Bennett und der in Jakarta geborenen Ariela Kristantina neu: Frauen sind keinesfalls Opfer einer von Männern oder anderen Monstern dominierten Welt, sondern selbstbewusste, ihre eigene Sexualität lebende und vor allem mordende Handelnde! „Metamorphose“ beschreibt den Weg der unglücklich verheirateten Lady Bertram und Mariah – ursprünglich Dienerin, später aber Lebensgefährtin.

Mariah verhilft ihrer Lady zu einem „Kind“, dass in der Lady heranreift, später aber einen anderen Wirt brauchen wird um sich voll zu entwickeln. Durch dieses Geschenk verwandelt sich aber auch die Trägerin, die sich nun in ein Insekt verwandeln kann. In jener Form ist sie nahezu unverwundbar, allerdings auch tödlich für böse Männer. Wird Lady Bertram den Zustand der Verwandlung kontrollieren können?

Gleichzeitig treibt sich noch ein anderes Ungeheuer auf Londons Straßen herum. Wie es sich gehört, haben die beiden Mutanten natürlich unterschiedliche Auffassungen und versprechen einen netten Kampf. Als Begleitgeschichte gibt es die nervende Verwandtschaft, die versucht, Lady Bertram zu vertreiben. Vor allem aber im Vordergrund steht die Emanzipation und die zunehmend kleiner werdende Bereitschaft der beiden Frauen, Unterdrückung, Missachtung oder männliche Gewalt hinzunehmen.

Die Story ist nicht einzigartig, in ihrer Ausrichtung aber so selten, dass viele bekannte Versatzstücke hier in einem ganz anderen Licht erscheinen. Bennet lässt ihrer Wut auf die bekannte Welt freien Lauf. In ihrem Vorwort erläutert sie noch ein wenig, was dem Körper einer Frau innewohnt, wie er sich verändert (Metamorphose eben) und warum sie daraus eine Horrorgeschichte gemacht hat!

Kristantina zeichnet in einem schnellen, unsauberen Stil. Es ist nicht die (klassische) Schönheit, die sie darstellen will, sondern der Ausdruck, die Emotion, manchmal auch einfach nur der Moment in seiner Abfolge. Teilweise sind die einzelnen Bilder wie verwaschen, teilweise wirken die nicht glatten Linien wie noch nicht fertig. In der Gesamtschau wird daraus aber eine Form, die perfekt zum Inhalt passt. Die Fassade, die der Deckung dient, die Brutalität der Straße, der alltägliche Horror und derjenige zu seiner Beseitigung führen eben zu einem nicht netten Setting. Auch das Dunkel und das Dekors des alten London runden das Ganze im Übrigen ab. Die titelgebenden Szenen sind glatter und weicher gezeichnet, lustvoll aber nicht voyeuristisch und dementsprechend ebenfalls passend.

Lesenswert!

Die Panini-Ausgabe enthält das erste Jahr dieser Serie von Aftershock Comics in einem Band.

Dazu passen ein Glas Rotwein und The Slits!

© der Abbildungen 2019 Aftershock Comics, c/o Panini Verlag

ZACK 240

ZACK 240 (Juni 2019)

Herausgeber: Klaus D. Schleiter

Chefredaktion: Georg F. W. Tempel
Verlag MOSAIK Steinchen für Steinchen Verlag
Heft Din A 4 | 84 Seiten | Farbe | 7,90 €
ISSN: 1438-2792

Cover ZACK 240

240 Ausgaben ZACK bedeuten 20 Jahre monatliche Unterhaltung, fast 500 Artikel über Themen rund um Comics, hunderte Gewinnspiele, Interviews und vor allem natürlich tausende Seiten mit mehr oder weniger spannenden Comics aus aller Welt. Aber das alles sind eigentlich verfrühte Worte, das „richtige“ Jubiläumsheft kommt ja erst in einem Monat! Es wird 16 zusätzliche Seiten Umfang haben, die mit bisher in Deutschland unveröffentlichten Michel Vaillant Werbecomics gefüllt werden und ein Variant-Cover nur für Abonnenten. Soviel als Ausblick, nun aber zum Inhalt dieser Ausgabe.

Der Titelheld Michel Vaillant beginnt das siebte Abenteuer der zweiten Staffel im Gefängnis. Nicht jeder kann damit umgehen und so kommt es zu einem folgenschweren Treffen der „Next Generation“ das die Familie wohl noch lange beschäftigen wird. Steve Warson darf sich derweil mit dem Widerspruch zwischen politischem Image und authentischer Selbstdarstellung beschäftigen. Phillippe Graton und Denis Lapière haben mittlerweile den Bogen raus, die klassische Rennfahrerstory hat sich zu einer Mischung aus Krimi, Wirtschaftsthriller und Rennsport entwickelt und damit neue Zielgruppen aufgetan. So kann man eine Serie modernisieren ohne alte Leser*innen zu verlieren und doch den Anschluss halten. Dabei hilft natürlich sehr, dass die Zeichnungen von Benjamin Benéteau ebenfalls sehr behutsam neue Elemente einführen und genügend Anknüpfungspunkte für die alten Erwartungen bieten.

Millenium Saga nähert sich mit dem vierten Teil dem Höhepunkt des ersten Bandes. Lisbeth Salander und ihr Hacker Republic Kollege Rob bekommen es mit bewaffneten, vermummten Besuchern zu tun und müssen zunächst ihre Nachforschungen einstellen um ihr Leben zu retten. Mikael Blomquist hat ganz andere Sorgen. Natürlich stehen seine Ermittlungen gegen Die Republikaner Schwedens im Zusammenhang mit seiner journalistischen Arbeit aber hat er immer noch den internen Rückhalt? Rumberg und Ortega halten das hohe Tempo mit dem sie begonnen haben und haben den Krimiplot, den sie fortschreiben, gut getroffen. Tipp!

Der dritte Teil der Vorspeise in Haute Cuisine zeigt die Leiden eines Chefs, der sich kein gutes Personal leisten kann und die Kniffe, die trotzdem einen Einkauf bester Ware ermöglichen. Wie lange der Krug wohl noch zum Brunnen gehen kann bis alles in Scherben liegt. Erfrischende Kost der beiden Autorinnen Lehericey und Desmarès, gekonnt umgesetzt von Brahy. Ich bin mir ziemlich sicher, dass wir an den Dreien noch lange Spaß haben werden.

Christophe Gibelin versucht weiterhin, die Fäden seiner Flugzeugsabsturzfarce zu entwirren; In die Flügel des Herrn Plomb jagen sich Geheimdienste, Doppelagenten und Polizisten und im Zentrum steht in schönster klassischer Manier der Trottel, der überleben möchte. Obwohl der Plot eigentlich sehr traditionell ist, gelingt es Gibelin, genügend Wendungen einzuflechten, die den Leser auf neue Irrwege führen.

Auch Marvanos Bonneville wird fortgesetzt und so bietet der Rennsport eine schöne Klammer für dieses Heft! Die Meinungen sind vermutlich etwas zweigeteilt, da die Zeichnungen eher Illustrationen zu Erinnerungen und Tagebucheinträgen gleichen, die angeordnet worden sind als klassischen Comic-Panelen. So werden die vielen kleinen Details aber zueinander in Beziehung gesetzt und erlauben eine tiefgreifende Wissensvermittlung über die Geschichte des Geschwindigkeitswettlaufs.

In der Reihe der Interviews mit ehemaligen ZACK-Chefredakteuren ist diesmal Mark O. Fischer an der Reihe. In seine Zeit fielen der Ausbau der ZACK-Edition und damit viele Serien, die das ZACK lange geprägt haben. Dazu kommen dann natürlich noch Rezensionen, News und ein Artikel über die Netflix-Serie Love, Death + Robots, die wie ein reanimiertes Schwermetall wirkt.

Das ZACK bleibt auch im dritten Lebensjahrzehnt eine wichtige Bereicherung der deutschen Comicszene, die im Wesentlichen eine Albenkultur hat. Die Glückwünsche folgen dann im kommenden Monat!

Zum Rennsport gehört oft genug ein Bier. Um fahren zu können sollte es ein alkoholfreies sein! Zum Glück ist auch bei den Craftbrauereien mittlerweile angekommen, dass es nicht immer Alkohol sein muss! Die musikalische Untermalung für einen Genuss der Ausgabe im sonnigen Garten könnte dazu von El Bosso und den Pingpongs kommen.

Abbildungen © 2019 MOSAIK Steinchen für Steinchen Verlag und den jeweiligen Zeichnern und Verlagen

Die Hochzeit von Batman und Catwoman

Batman & Catwoman – Das Hochzeitsalbum

Story: Tom King
Zeichnungen: 
Mikel Janín/Joelle Jones, Mikel Janín und Gäste, Michael Lark/Lee Weeks

Originaltitel: US-Batman 44 & 50; US-Batman Annual 2

Panini Comics
Überformat | 124 Seiten | Farbe | 29,00 €
ISBN: 
978-3-7416-1162-9

Nach den Vorbereitungen für eine Hochzeit erfolgt typischerweise die Feierlichkeit als solche. Dazu gehören Rückblicke auf das Vorleben der Partner*in und gute Ratschläge für die Zukunft, witzige Spielchen und Geheimnistuerei, denn Braut und Bräutigam dürfen sich schließlich nicht in ihrem Outfit sehen, bevor es ernst wird. Der vorliegende, überformatige Prachtband aus dem Hause Panini ermöglicht genau das. Aber halt, gab es nicht schon im Vorfeld genügend Gerüchte, dass Batman und Catwoman nie heiraten würden? Wer nicht gespoilert werden mag, muss hier und jetzt aufhören, weiter zu lesen und sich den Band zulegen; er lohnt sich.

Detail Entwurf Hochzeitskleid aus Batman Catwoman Hochzeitsalbum

Der Band ist in drei Teile geteilt: die Auswahl des Brautkleides, die Hochzeitsnacht und eine elseworld-Story mit den verheirateten, mittlerweile alt gewordenen Bruce und Selina. Alle drei Geschichten sind mit einer so großen Anzahl von Verweisen auf die 80-jährige Vergangenheit der beiden gespickt, dass man sich dankenswerterweise entschieden hat, einen Artikel hinzuzufügen, der die referenzierten Comics und ihren Inhalt kurz vorstellt und Originalabbildungen enthält, die es dem/der Leser*in erlauben, die Kostüme zu identifizieren.

Das Kleid

Die Auswahl des Brautkleides läuft dabei für eine Diebin etwas anders ab als für den Erben eines großen Vermögens. Selina bricht standesgemäß bei einem Brautausstatter ein und durchlebt alle Stadien von Verzweiflung über (enttäuschte) Hoffnung bis hin zum abschließenden Triumph. Im Anhang wird das von Joelle Jones entworfene Kleid dann auch noch genügend gewürdigt! Für viele Jungs wahrscheinlich das erste Mal, dass sie sich mit Modeentwürfen beschäftigen.

Die Hochzeit

Nicht nur die Auswahl der Trauzeugen sorgt – zumindest auf Batmans Seite – für einen anrührenden, fast tränenreichen Moment. Auch die Hochzeit als solche steht unter einem komischen Stern. Es beginnt schon mit dem Ort: Soll es ein klassisches Ambiente sein oder vielleicht doch die Dächer als prägendes Moment der Beziehung? Darf der vollziehende Richter nüchtern sein und damit eine Gefahr für die Zukunft darstellen oder sollte er nicht doch völlig besoffen und damit der Erinnerungsfähigkeit beraubt sein? Und lassen die Umstände eine Hochzeit überhaupt zu?

Natürlich ist das US-Heft 50 bereits in der regulären Serie als 26. Ausgabe erschienen und auch die Presse hat damals wie jetzt darüber berichtet. Wer es wissen möchte, weiß daher bereits, dass die Hochzeit (noch) nicht stattgefunden hat.

Die Beiträge einer immensen Anzahl von Künstler*innen mit einer eigenen Seite, eingepasst in den flow dieser Jubiläumsnummer ist aber so genial und selten, dass selbst enttäuschte hier wohl unbedingt zuschlagen werden wollen. Immer abwechselnd treiben Mikel Janín auf einer Doppelseite und Gastzeichner*innen auf einer folgenden Doppelseite die Story von Tom King voran. Hier zeigt sich, was ein gutes Lektorat leisten kann! Fast alle Gastseiten sind so gut, dass man sie sich als Poster vorstellen könnte und gerade bei diesem Mittelteil kommt das Überformat besonders zur Geltung!

Die projizierte Zukunft

In der Geschichte aus dem Batman Annual 2 haben Bruce und Selina schließlich doch geheiratet. Auch hier spielen wieder Referenzen auf frühere Abenteuer eine Rolle, streiten sich die beiden doch über ihre gemeinsame Vergangenheit und die unterschiedlichen Erinnerungen daran wie es sich für ein Ehepaar gehört. Der Grundtenor ist trotzdem nicht fröhlich. Batman und Catwoman sind zwei der wenigen Ausnahmen im Superheldenkosmos, denn sie haben außer den antrainierten Fähigkeiten keine Superkräfte, sind folglich daher auch menschlichen Gebrechen nicht fern. Einer von beiden wird tatsächlich im Verlauf der Geschichte einer Krankheit erliegen und versucht vorher, sein Leben zu ordnen.

Detail Batman Catwoman Hochzeitsalbum Elseworld

Die Empfehlung

Loriot hat einmal gesagt, dass ein Leben ohne Mops möglich aber sinnlos sei. Ganz so verhält es sich hier natürlich nicht, ein Leben ohne das Hochzeitsalbum wird genauso gelingen wie eines mit. Trotzdem ist diese Zusammenstellung dieses ausgezeichneten Materials sehr gelungen. Die Ausstattung mit Hardcover, Glanzlackapplikation auf dem Cover und exzellentem Papier, das die Farben gut zur Geltung bringt, lässt die Zeichnungen der Creme de la Creme der Batmanzunft perfekt zur Geltung kommen. Die Hinzufügung der elseworld-Story ermöglicht ein klein wenig Hoffnung, dass die Beiden sich in ferner Zukunft doch noch finden werden, und die erläuternden Hinweise zur Aufklärung der geschichtlichen Referenzen helfen allen. Kauftipp für alle Fans amerikanischer Superhelden-Comics und ein schönes Sammlerstück. Natürlich kann man stattdessen auch die 80 verschiedenen Variants der Hochzeitsnummer 26 sammeln…

Dazu passen ein original italienischer Pro Secco und Frank Sinatra!

© der Abbildungen 2018, 2019 DC Comics, c/o Panini Verlag

Weyland – Aria Integral 2

Aria Integral 2

Text: Michel Weyland 
Zeichnungen: Michel Weyland

Originaltitel: Aria – La septième Porte | Les Chevaliers D`Aquarius | Les Larmes de la Déesse | Le Méridien de Posidonia

Kult Comics

Hardcover | 240 Seiten | Farbe | 35,00 € 
ISBN: 978-3-946722-89-2

Cover Aria Integral 2

Aria ist ein junge, blonde Kriegerin, die ihre Abenteuer in einer Welt erlebt, die dem Mittelalter der Erde entspricht. Sie könnte aber wegen einiger mythischer oder sogar Science Fiction-Elemente auch auf einem fernen Planeten spielen. 1980 erschien die erste Episode in Tintin, später wechselte Weyland mit der Serie zu Spirou. Die deutsche Veröffentlichungsgeschichte ist fast schon typisch. Nach einigen Bänden beim Rainer-Feest-Verlag unter dem Titel Ariane folgten weitere bei Epsilon unter dem „richtigen“ Titel Aria. Insgesamt gibt es aber noch viele unveröffentlichte Alben und weitere Geschichten zu entdecken. Dem hat sich jetzt der Leipziger Verlag Kult Comics angenommen und veröffentlicht eine Gesamtausgabe in 6 Integralen.

Die Gesamtausgabe druckt die Bände dabei nicht in der Reihenfolge des Erscheinens ab, sondern folgt in enger Absprache mit dem Autor und Zeichner Michel Weyland einem inhaltlichen Konzept. Da es sich bei den meisten Geschichten ohnehin um One-Shots handelt, fördert das den Lesefluss bestimmt. Teilweise wird dadurch aber die fließende zeichnerische Entwicklung sprunghafter.

Wie mittlerweile bei Gesamtausgaben üblich gibt es auch eine auf 99 Exemplare limitierte Vorzugsausgabe mit einem anderen Cover hat und einem nummerierten, signierten Ex Libris für 49,00€.

Der Inhalt

Die siebente Pforte“ beschreibt eindringlich die Schrecken des Schlachtfeldes. Ob im Western wie bei Blueberry oder den Blauen Boys, im History-Bereich wie bei Tardy oder im Fernsehen: Die Stilmittel sind unterschiedlich, die Inhalte ähneln sich. Aria hat heilende Kräfte übertragen bekommen und soll nun die Verletzten versorgen. Sie allerdings weigert sich. Im Laufe der Geschichte passieren immer mehr magische Dinge und es öffnet sich eine Welt unter der der Gegenwart und doch stehen beide in einem Zusammenhang. Und dann spielt da noch ein mehrere Generationen umfassendes weiteres Thema eine Rolle…

detail Aria Integral 2 page 65

Die zehnseitige Kurzgeschichte „Dieses Schicksal ist dir nicht bestimmt“ hat ebenfalls mehrere Ebenen; Während es einerseits um eine Sache zwischen Amazonen und Aria geht, greift auf einer anderen ein Gott unmittelbar ein. Die kleine Geschichte ist zum Verständnis von Arias Persönlichkeit sehr hilfreich, zeigt sie doch neben Verletzlichkeit und Zorn auch eine unbändige Freiheitsliebe.

Der Zweiteiler „Die Ritter van Aquarius“ und „Die Tränen der Göttin“ sind ein weiteres Beispiel für die Mehrschichtigkeit der Werke von Michel Weyland. Einerseits ist das Ganze eine spannende Abenteuergeschichte um Rache und Machtkämpfe mit SF- oder Horrorelementen. Ein von Emotionen fehlgeleiteter entflohener Sklave erschafft sich eine Armee aus (fast) unbesiegbaren Monstern und rächt sich an seinen Unterdrückern. Auf einer Meta-Ebene ist er aber auch als Beitrag gegen Atomenergie und ihre Beherrschbarkeit zu lesen und passt daher auch zu aktuellen Fridays-for-future-Diskussion. Darf der Mensch alles machen?

Auch „Der Meridian von Posidonia“ hat das Gleichgewicht des ganzen Planeten zum Thema. Hat es folgen, wenn die Erde zu stark ausgebeutet wird?

Aria Integral 2 page 195

Die Umsetzung

Diese letzte Geschichte ist in ihrer grafischen Umsetzung vielleicht die eindringlichste und zeigt, dass der Belgier Weyland mehr kann als leichtbekleidete Blondinen in anmutigen Bewegungen zu zeichnen. Einerseits stimmen Anatomie und Ausdruck, andererseits ist er aber auch ein Meister der Stimmungen und der sehr detaillierten Dekors. Seine Heldin ist keine „Bikini-Kämpferin“ wie Red Sonja. Obwohl auch diese kaum geschützt gegen Schwerthiebe ist, bevorzugt Aria weiße, luftige Kleidchen (deren Sitz teilweise ebenfalls magisch beeinflusst sein muss) die bereits andeuten, dass ihre bevorzugte Lösung nicht der Kampf ist. Auch die anderen Personen tragen übrigens vergleichbare Kleidung. Die Magie kommt nicht nur in ihrer bösen Form vor und die teilweise sehr fröhlichen Farben unterstützen diese Rezeption.

detail aus Aria Integral 2 Ex Libris
Ausschnitt aus dem Ex Libris der limitierten Ausgabe

Die Ausgabe ist in ein stabiles Hardcover gekleidet. Das matte, kräftige Papier bringt Zeichnungen und Kolorierung von Nadine Weyland gut zur Geltung und weist bereits auf den ersten Blick auf die Unterschiede zwischen Comic-Teil (weißer Grund) und Begleitmaterial (leicht gelblicher Grund) hin. Natürlich sind alle Cover der bisherigen deutschen und der französischen Ausgabe enthalten, aber auch sonstiges Bildmaterial, Skizzen, und Poster. Die inhaltlichen Beiträge kommen von unterschiedlichen Autoren, aber auch von Weyland selbst. Sie ermöglichen daher einen guten und originären Zugang. Selbst wer also schon den einen oder anderen band zu Hause hat, kann anhand der guten Ausstattung getrost zuschlagen.

Geplant ist ein sechsmonatiges Erscheinen der geplanten 6 Integrale.

Geeignet für alle, denen „Sword & Sorcery“/Schwert und Magie mehr bedeutet als Conan, für die, die es ertragen können, dass Prüfungen auch mit Köpfchen gelöst werden (wobei sich die Heldin im Kampf durchaus zu bewähren weiß!) und für alle, die den gewitzten Kampf für Gerechtigkeit mögen!

Dazu passen frisches, gezapftes Keller- oder Bockbier und Alternative, etwa von The Alarm.

© der Abbildungen 2019 Comic Combo, Leipzig