Oger – Ghost Kid

Ghost Kid

Story: Tiburce Oger
Zeichnungen: 
Tiburce Oger

Originaltitel: Ghost Kid

Splitter Verlag

Hardcover | 80 Seiten | Farbe | 22,00 €
ISBN: 
978-3-96792-066-6

Cover Oger - Ghost Kid

Tiburce Oger ist ein vielseitiger Künstler der sowohl allein als auch im Team arbeitet. Er hat bereits einige Werke zusammen mit Patrick Prugne veröffentlicht aber zum Beispiel in Überleben in Dachau auch die Geschichte von Guy-Pierre Gauthier, einem überlebenden Resistance-Kämpfer umgesetzt.

Plötzlich Vater

Ambrosius Morgan ist einer der letzten Cowboys des alten Schlags. Ihm macht sein Rheuma zu schaffen und er versteht nicht, warum plötzlich Stacheldrahtzäune Weidegebiete voneinander trennen. Er kann seine Tage sowohl in einer einsamen Hütte im tiefsten Schnee verbringen als auch im Bett seiner Chefin, einer verwitweten Ranchbesitzerin. Eines Tages erhält er jedoch einen Brief und erfährt von der Existenz seiner Tochter. Diese ist mit ihrem Mann gen Westen gezogen und wird vermisst.

Oger - Ghost Kid page 3

Der Held macht sich auf den Weg, muss aber zunächst noch seinen Revolver auslösen den er verpfändet hatte. Bei dieser Gelegenheit treffen nicht zum ersten Mal der alte Wilde Westen und die neue, finanzgetriebene Welt aufeinander. Auf seinem Weg aus dem verschneiten Norden gen den heißen Südwesten trifft er dann später den titelgebenden Jungen, der plötzlich wie aus dem Nichts auftaucht.

Ghost Kid ist ein Spätwestern. Die überzogenen Erwartungen an Freiheit und Selbstbestimmung haben bereits dem Frust über die Regeln der Städter Platz gemacht. Der Westen ist aber keineswegs befriedet und Banditen, rebellierende Indianer und mexikanische Freischärler sind genauso gefährlich wie verdorbenes Wasser oder Klapperschlangen.

Oger - Ghost Kid page 7

Realistische Karikaturen

Oger setzt seine spannende Story in einer ganz eigenen Stilistik um. Einerseits wirken die Zeichnungen sehr realistisch, andererseits haben die Physiognomien und Körper der Darsteller eine Kauzigkeit, die teilweise in die Karikatur hineinreicht. Dadurch nimmt Oger der Story ein wenig Schärfe und Brutalität, verwischt aber auch die Grenzen zwischen Gut und Böse.

Es ist eben kein Italowestern, der hier abläuft, sondern die Geschichte eines alten Haudegens, der plötzlich erfahren hat. Vater zu sein und jetzt alles gibt, um das Versäumte aufzuholen. In seinen Handlungen glaubt er sich nur vor sich selbst rechtfertigen zu müssen, ist aber trotzdem kein brutaler Egomane. Die Kauzigkeit trägt dabei zur Sympathiebindung bei.

Detail Oger - Ghost Kid page 11

Immer wieder streut Oger ganzseitige Illustrationen ein und ist auch sonst flexibel in der Seitengestaltung. Das Tempo der Handlung findet sich in den Panels wieder: gehetzt bis zur fast meditativen Ruhe am nächtlichen Lagerfeuer. Dadurch erlaubt er ein sehr abwechslungsreiches Lesevergnügen. Die Zeichnungen bieten dabei genug Tiefe für mehrere Lesedurchgänge, sind aber nicht so detailliert wie etwa bei Giraud.

Ein kleines Schmuckstück

Gerade im Westernbereich gibt es neben vielen Serien auch immer wieder Einzelbände. Sie müssen kein ganzes Universum erschaffen, das für mehrere Abenteuer taugt und können sich auf ein Motiv konzentrieren. Das mag langweilig sein, ist in diesem Fall aber perfekt. Offene Knoten, etwa die Beziehung zur Chefin, müssen nicht beendet werden, grobe Widersprüche können gar nicht erst auftreten.

Detail Oger - Ghost Kid page 10

Der eigenwillige Stil und die untypische Story machen Ghost Kid zu einem spannenden, unbedingt zu empfehlendem Schmuckstück! Das Cover bietet dazu eine Prägung mit Goldfarbe als passende Darbietung und gute Farbgebung auf festem Papier. Vielleicht wird ja auch der eine oder die andere dadurch angeregt, weitere Sachen von Tiburce Oger zu versuchen – es lohnt sich, auch wenn es nicht immer leichte Kost ist.

Dazu passen starker Kaffee und der alte Bob Seger.

© der Abbildungen 2020 Editions Glénat by Tiburce Oger / Splitter Verlag GmbH & Co. KG · Bielefeld 2021

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