Adams/Rodríguez – Die Insel des Dr. Moreau

Die Insel des Dr. Moreau

Story: Ted Adams, Gabriel Rodríguez nach H. G. Wells

Zeichnungen: Gabriel Rodríguez

Originaltitel: The Island of Dr. Moreau 1 & 2

Panini Comics
Hardcover | 108 Seiten | Farbe | 25,00 €
ISBN: 
978-3-7416-1752-2

Herbert George Wells ist einer der Wegbereiter der modernen Science-Fiction und als solches ein Klassiker, viele seiner Werke sind aber zu Unrecht ein wenig in Vergessenheit geraten. Teilweise liegt das daran, dass der Stoff keine Adaption in bewegten Bildern erfahren hat, teilweise wahrscheinlich eher daran, dass die Kinoversionen nicht in der Lage waren, sich nachhaltig in das Gedächtnis zu spielen.

Die Insel des Dr. Moreau gehört sicherlich zu den Letzteren, denn an sich ist der Roman an Aktualität und Thematik sehr frisch! Wenn er wie in dieser Fassung dann auch noch leicht modernisiert daherkommt ist ein Bestseller eigentlich schon vorprogrammiert. Hmmh, zumindest hätte er das verdient!

Die Story

Ellie Prendick ist eine studierte Biologin, die sich 1896 nach einem Schiffsunglück irgendwo im Pazifik an das Ufer einer abgelegenen Pazifikinsel retten kann. Dort trifft sie auf einen abgehalfterten Säufer, Mr. Montgomery, einen von der Hochschule suspendierten Wissenschaftler, Dr. Moreau, und ein paar kapuzenbewehrte Angestellte. Schnell erinnert sie sich an die grausamen Experimente des Dr. mit Lebewesen, wegen denen er Europa hatte verlassen müssen und muss feststellen, dass er seine Experimente nicht nur fortgesetzt hat, sondern auch Kreaturen geschaffen hat, die halb menschlich, halb tierisch zu sein scheinen.

Während einige der Kreaturen sich dieser Situation scheinbar klaglos unterordnen und andere durch eine Quasi-Religion gehalten werden, scheinen andere mit ihrer Rolle unzufrieden zu sein. Durch das Auftauchen der Fremden wird nicht nur Montgomery zu einem sabbernden Etwas, auch die Wesen erkennen, dass sich Machtverhältnisse verschoben haben.

Kaum ein Roman dieser Zeit ist so aktuell, wenn es um die Grenzen des Machbaren geht. Überall greift die Menschheit durch Gentechnik in evolutionäre Prozesse ein, verändert oder zerstört die Umwelt und lässt ethische Diskussionen über die eigene Tätigkeit nicht mehr zu. Geändert wurde in dieser Adoption von Ted Adams und Gabriel Rodríguez lediglich das Geschlecht der Besucherin, die im Original noch männlich war. Dadurch kommt in der Graphic Novel eine weitere Konfliktschicht hinzu.

Das Artwork

Rodríguez hat fast die gesamte Geschichte im Doppelseitenlayout angelegt; die Leserichtung geht also immer von links nach ganz rechts und macht nicht wie üblich in der Mitte der Seite halt. Dadurch ergeben sich ungewohnte Bildmöglichkeiten, insbesondere für Landschaften im Panorama-Modus und für Ansammlungen von Geschöpfen. Die Zeichnungen sind sehr detailreich und erlauben sowohl rasante Action durch die Abfolge vieler Panels in einer Reihe als auch ruhig bei flächefüllenden Illustrationen. Die Ausgabe bietet dabei die seltene Möglichkeit, das gesamte Werk in seinen Bleistiftzeichnungen vor der Kolorierung zu betrachten, da diese ebenfalls enthalten sind.

Erst diese reinen Zeichnungen bieten die Chance, den Zeichner in Reinkultur zu sehen, denn gerade im amerikanischen Raum können inks and colours sowohl in positiver als auch in negativer Seite den ursprünglichen Künstler komplett verändern. In dem zusätzlich auch noch abgedruckten Interview darf Gabriel Rodríguez dann auch noch erklären, warum er sich für dieses innovative Layout entschieden hat und warum die Beiden diesen Stoff adaptiert haben.

Die Empfehlung

IDW ist aktuell einer der innovativsten Plätze im amerikanischen Comic-Business. Diese Literaturadaption ist dafür ein weiterer Beweis, denn sie vereinigt handwerkliches Können auf hohem Niveau mit der Auswahl relevanter Themen und sinnvollen Goodies wie Reinzeichnungen und Interview.

Auch die deutsche Ausstattung ist angemessen: Hardcover mit Glanzlackapplikation, größeres Format und festes Papier lassen den Preis von 25 € als der Wertigkeit entsprechend erscheinen. Definitiv ein Band auch für diejenigen, die sonst mit Material aus den USA nicht so viel anfangen können! Für mich einer der Kandidaten für die Jahresbestenliste: politisches Thema wie aktuell auch z.B. bei Schreiber & Leser und gut gemachte Science-Fiction und nicht nur für die Älteren, die H. G. Wells noch in der Schule gelesen haben.

Dazu passen alter Hardrock in neuen Schläuchen von Samantha Fish und ein Bier aus der inklusiven Josefs-Brauerei Bigge.

© der Abbildungen 2020 Panini Verlags GmbH / Ted Adams, Gabriel Rodríguez & Idea & Design Works, LLC

Bennett/Kristantina – Insexts 2

InSEXts 2 – Nekropolis

Story: Marguerite Bennett
Zeichnungen: 
Ariela Kristantina

Originaltitel: InSEXts 8 – 13

Panini Comics
Prestige | 132 Seiten | Farbe | 17,00 €
ISBN: 
978-3-7416-1725-6

Der Bodyhorror der Amerikanerin Marguerite Bennet geht in die zweite Runde in Deutschland. Dementsprechend muss nicht mehr viel erklärt werden und die Story kann sofort Fahrt aufnehmen.

Männerwahn und alltägliche Gewalt

Vom Prinzip her geht es – wie so oft – darum, dass Frauen sich so zu verhalten haben, wie es von Männern gewünscht ist. Das gilt umso mehr als die Geschichte im viktorianischen Zeitalter spielt, Frauenrechte also noch vollkommene Wunschvorstellung waren. Es geht aber auch darum, dass nicht alle Frauen bereit sind, sich an diese Regeln zu halten und so finden wir die beiden Protagonisten des ersten Bandes in Paris wieder. Während sich Mariah um ihren kleinen Jungen gekümmert und ein sicheres Heim geschaffen hat, erwacht Lady erst jetzt wieder.

Sie machen Bekanntschaft mit einer jungen Frau – Haruspex – die ebenfalls außergewöhnliche Kräfte zu haben scheint sowie mit einer Gruppe junger Herren, die die Frau als klassisches Schönheitsideal verehren, ihr allerdings kein eigenes Leben erlauben wollen. Mit Hilfe eines magischen Gegenstandes verwandeln sie Frauen und machen sie wehrlos. Natürlich können die Heldinnen das nicht hinnehmen und so kommt es in und unter der Stadt Paris zu einem Showdown der Kräfte.

Die Umsetzung

Ariela Kristantina setzt die Story in einem ganz eigenen Stil um. Einerseits geht es um offenkundige Erotik zwischen den Frauen und um sexualisierte Gewalt der Männer. Andererseits steckt aber auch in der Kombination aus gefährlichem wie schönem Insekt und Frau so viel Poesie, dass es unfair wäre, es auf eines zu reduzieren. Insofern haben wir es hier mit Schauerromantik-Horror der besten Art zu tun!

Viele der Seitenlayouts basieren auf einem großen Bild, in das die die Handlung treibenden Panels eingebettet sind. Diese sind wiederum sehr flexibel in der form und können rechteckig, schräg oder rund sein und lassen daher keine Langeweile aufkommen. Besonders hervorzuheben sind allerdings die ganzseitigen Illustrationen am Anfang und Ende jedes Kapitels.

Auch wenn die Frauen in dieser Geschichte viele Herausforderungen zu bestehen haben und oft nicht nur ihre Identität, sondern auch ihr Leben verteidigen müssen, gibt es doch Hoffnung auf Verwirklichung, auf Liebe und auf eine Zukunft!

Für alle Liebhaber*innen moderner Horror/Schauerromantik abseits von Teenager-TV-Serien fast schon ein Muss!

Dazu passen ein gut gekühlter Rosé und die Downtown Boys, eine queere, diverse, fordernde Band!

© der Abbildungen 2019/2020 Marguerite Bennet/ Aftershock Comics, c/o Panini Verlag

DC Black Label – Der letzte Ritter auf Erden

Batman  – Der letzte Ritter auf Erden

Story: Scott Snyder
Zeichnungen: 
Greg Capullo
Tusche: Jonathan Glapion | Farben: FCO Plascencia

Originaltitel: US-Batman: Last Knight on Earth 1-3

Panini Comics
Broschur | 188 Seiten | Farbe | 20,00 €
ISBN: 
978-3-7416-1797-3

Greg Capullo ist seit Jahrzehnten einer DER Topzeichner auf dem amerikanischen Markt. Was bei image unter anderem mit Spawn und Angela begann (die Fans der alten comix-online-Seite werden sich erinnern) ging später bei DC mit Batman weiter. Gerade im Team mit Autor Scott Snyder erschienen unzählige moderne Klassiker des Bat-Mythos. Nun nutzen die beiden die Chance, eine Geschichte über den Dunklen Ritter abseits des Kanons zu schreiben. Das Black Label erlaubt eigenständige Stories jenseits aller Anforderungen der Kontinuität und ist damit so etwas wie das neue Elseworlds – nur wesentlich düsterer!

Die Story

Bruce Wayne erwacht in einer Zwangsjacke und das erste Gesicht, das er zu sehen bekommt, ist das des Jokers. Man versucht ihm klarzumachen, dass er „dieses ganze Batman-Sache“ nur in seinem Kopf zusammenphantasiere. Ständig verprügele er Menschen, zerstöre Sachen und werde nun hoffentlich endlich geheilt. Bruce glaubt diesen Berichten von Alfred allerdings nicht und flieht aus Arkham. Sein „Batanzug“ ist eine spezielle Art von Zwangsjacke, seine Maske dient angeblich seinem Schutz vor Selbstverletzungen.

Dazu kommt eine Reflektion ob möglicherweise der alles auslösende Moment in der Crime-Alley gar nicht so ungewollt war. Der gesamte Bat-Mythos steht plötzlich unter einem Fragezeichen und das muss man erst einmal schaffen!

In einer Tour de Force trifft Batman auf weitere Held*innen und erfährt peu a peu, dass er, Batman, die Welt zerstört habe und nun Omega herrsche. Dieser sei entweder Batman selbst oder aber zumindest von seinem Blute und schaffe eine Welt, die keine Gewalt und Auflehnung mehr zulasse, kurzum eine Diktatur. Begleitet wird Bruce auf seiner Tour von dem Kopf des Jokers, der in einer Art Laterne „wohnt“ und sich wünscht, der nächste Robin zu werden.

Zusammen mit Wonder Woman und anderen ehemaligen Mitstreiter*innen gelingt es Bruce schließlich, in das Hauptquartier Omegas einzudringen und den Showdown einzuläuten.

Die Wertung

Grafisch ist Greg Capullo immer noch ein Genuss! Realistische Gesichter mit Bartstoppeln und Emotionen, genügend Details um auch in einem europäischen Vergleich zu überzeugen und trotzdem dynamische Seiten wie in einem US-Comic und brillante, klar abgegrenzte Farben!  Dazu kommen sarkastische Züge und eine wenig Ironie in der Darstellung des Jokers.

Snyders Story ist einerseits sehr erfrischend: die bekannten Figuren in einem komplett neuen Setting wiederzufinden, ihre Verletzungen zu betrachten und ihren Sarkasmus. Andererseits ist Weniger manchmal Mehr und so frage ich mich, ob die beiden hier nicht etwas über das Ziel hinausgeschossen sind. Der letzte Ritter auf Erden ist ohne Vorkenntnisse zu lesen, das wirkliche Verständnis stellt sich aber erst ein, wenn man mit allen oder zumindest vielen Hinweisen etwas anfangen kann und die Unterschiede zum regulären Vorbild erkennt.

Insofern vermute ich, dass dieser Band möglicherweise nicht zu der langen Reihe an ewigen Klassikern gehören wird. Nichtsdestotrotz ist es aber eine spannende, grafisch geniale Geschichte über einen entwurzelten Batman der einmal mehr gegen sich selbst antreten muss und seine Ambivalenz aus Retter und Diktator ausspielt.

Cover der Variant Ausgabe

Für Fans der Fledermaus ein Muss, lassen Snyder und Capullo doch ihre gesamte Historie auflaufen, für Freunde des Capullo-Zeichenstils ebenfalls! Alle anderen mögen diesen Band als Einstieg begreifen, bei Interesse nach dem Original suchen und so rückwärts das Bat-Universum für sich erschließen! Für Sammler*innen gibt es natürlich auch wieder eine limitierte Hardcoverausgabe.

Dazu passen ein Faxe Starkbier und die Buzzcocks!

© der Abbildungen 2019, 2020 DC Comics c/o Panini Verlag

Andolfo – Mercy 1

Die Dame, die Kälte und der Teufel

Story: Mirka Andolfo
Zeichnungen: 
Mirka Andolfo

Originaltitel: Mercy – Prima Volume

Panini Comics

Hardcover | 68 Seiten | Farbe | 20,00 €
ISBN: 
978-3-7416-1756-0

Mercy ist eine neue Serie der Italienerin Mirka Andolfo die gleichzeitig in vier Ländern, Italien, Frankreich, USA und Deutschland, erscheint. Andolfo ist fast schon ein Star der Szene: Einerseits hat sie für die großen Verlage in den USA (Marvel, DC und Image) gearbeitet, andererseits ist ihr „Tier-Comic“ Contronatura – Tierisch menschlich auch hierzulande ganz erfolgreich. Ihre neue Serie hat weder etwas mit Superheld*innen noch mit Tieren zu tun, sondern ist eine Mischung aus Mystery und Horror! Und wie fast immer in diesem Genre hat der Horror auch eine sexuelle Komponente.

Das Setting

Der Schauplatz der Geschichte sind die USA zu einer Zeit da die Entfernungen noch in Pferdekutschen überbrückt wurden und Nachrichten sich nicht in Sekundenschnelle um die halbe Welt verbreitet haben. Lady Nolwenn Hellaine und ihr Begleiter, der sich als Butler ausgibt, kommen mitten in der Nacht während der Ausgangssperre in ein kleines Fleckchen namens Woodsburgh um das Herrenhaus wieder in Beschlag zu nehmen. Wir als Leser*innen wissen, dass die Lady nicht sehr menschlich ist: Weder nimmt sie normale Nahrung zu sich noch braucht sie Schlaf. Viel deutlicher ist allerdings, dass sie sich von Menschen ernährt!

Ebenfalls in diesem Städtchen lebt ein garstiger alter Mann der Waisen zu sich nimmt um sie für sich arbeiten zu lassen. Dazu gehört auch die kleine „Rothaut“, die übersinnliche Fähigkeiten zu haben scheint. Mindestens hat sie Visionen und erkennt auch die Lady in einer davon. Auf der ersten Gesellschaft der neuen adligen Bewohner kommt es zum Eklat…

Die Zeichnungen

Panini Deutschland bringt die Geschichte im Albenformat auf glänzendem Papier was den Zeichnungen mit ihren kräftigen Farben gut zu Gesicht steht. Im kleineren Heftformat würden einige der Details übersehen werden. Gerade die ganzseitigen Illustrationen mit eingestreuten kleineren Panels passen gut zu der Horror-Atmosphäre. Insgesamt wirkt die Kolorierung am Computer manchmal etwas flächiger als die per Hand, aber das ist nun mal ein Zeichen der Zeit.

Die Entwicklung der Figuren über verschiedene Stadien hinweg wird im Anhang netterweise vorbildlich aufgezeichnet; mehrere Entwürfe und Studien sowie die Entwicklung einer Seite vom ersten Entwurf bis zur Druckdatei finden sich als Extra in diesem schönen Hardcover.

Spannender Serienstart der Lust auf mehr macht! Hoffen wir, dass sich die Gute nicht zu viel Zeit mit dem nächsten Band lässt!

Dazu passen Kate Bush und italienischer Rotwein!

© der Abbildungen 2020 Mirka Andolfo / Panini Verlag

Feldstein/Wood – Aus dem EC-Archiv 2

Alle Science Fiction und Fantasy Stories Band 2 (1951 – 1952)

Story: Bill Gaines & Al Feldstein
Zeichnungen: Wallace Wood

Originaltitel: EC Archive 2

All Verlag

Hardcover | 160 Seiten | Farbe | 29,80 € |

ISBN: 978-3-946522-68-3

Let’s get weird!

Ach was waren das für Zeiten: unaufgeregt, von keiner Klima- oder Gesundheitskrise betroffen und zukunftsorientiert! Schick angezogene Männer und Frauen, gerne im Fantasie-Uniform-Style, laufen rauchend durch Raumschiffe, betreten fremde Welten und erkennen, dass der Schein manchmal trügt, gleiche Entwicklung auch gleiche Ergebnisse bringt oder dass heiraten tödliche Folgen haben kann.

In allen im zweiten Band der Sammlung von Wally Woods Geschichten aus den EC-Magazinen steht die Technik nicht im Vordergrund. Sie ermöglicht Raumflüge, Zeitsprünge und alles andere, hat aber immer nur unterstützenden Charakter. Der Mensch bleibt derjenige, der Katastrophen auslöst, wenn er sich mal wieder allmächtig fühlt, seinen sexistischen Vorlieben folgt oder einfach nur zu spät reagiert.

Dazu kommen dann auch noch Geschichten, die der Menschheit einen Spiegel vorhalten, etwa indem sich die Entdecker einer uralten Marszivilisation mit dem Konzept des „Monsters“ auseinandersetzen müssen.  Mein Tipp für ein erstes Reinlesen ist aber „ Projekt … Überleben“.

Die Umsetzung

Insgesamt 18-mal darf Wally Wood seine Zeichenkunst in Geschichten zeigen, 7-mal werden zusätzlich ganzseitige Illustrationen von Covermotiven integriert. Im Mittelpunkt stehen dabei wieder die beiden Reihen Weird Fantasy und Weird Science aber auch der in Shock Suspenstory 2 enthaltene Beitrag fehlt nicht.

Keiner kann Monster so genial in Szene setzen ohne im Vorfeld schon eine klare Richtung vor zu geben. Oft ist bis zum letzten pageturner nicht klar, auf welcher Seite sich Monstrositäten offenbaren werden und wo die Opfer zu verorten sind. Der Seitenaufbau ist dabei gar nicht mal so abwechslungsreich. Auf die grafisch ansprechende, individuelle (und in der deutschen Ausgabe perfekt übersetzte/angepasste) Startseite erfolgt ein relativ starres dreireihiges Schema. Dieses variiert in der Anzahl der Panele sowie der Höhe häufig und bietet anhand der Schraffuren und der vielen Details ein perfektes Gerüst für die kräftige aber immer noch unterstützende Kolorierung.

Wood bietet aber nicht nur anregende fremde Landschaften sondern auch einen fast perfekten Einblick in die Emotionen seiner Figuren über die Gesichtszüge und Körperhaltung und lässt sich den Stress der kurzen Abgabefristen nicht anmerken.

Abgerundet wird der Band durch den Essay von Helmut Kronthaler über das offizielle Verhältnis zwischen Verleger Gaines und Ideenlieferant Ray Bradbury sowie einer Comicographie der von Bradbury autorisierten Adaptionen seiner Stories in den EC-Titeln.

Der Ausblick

Leider wird es nur drei Bände geben, denn dann ist das Material erschöpft. Diese lohnen sich aber unbedingt und sollten nicht nur bei allen Liebhaber*innen klassischer Science Fiction, der Gruselgeschichten und der Pulps im Regal stehen, sondern auch bei denjenigen, die gute, kurze Geschichten lieben, die nicht vorhersehbar sind, spannend und ohne Popcornkinoelemente auskommen! Schade, dass aufgrund der politischen Umstände diese Blüte der Horror/Fantasy/Science Fiction-Literatur nur eine kurze Lebensspanne hatte. Aber vielleicht verdanken wir dieser Situation dafür die Langlebigkeit des MAD.

ExLibri der Vorzugsausgabe

Natürlich gibt es auch wieder eine limitierte Vorzugsausgabe mit anderem Cover und einem ExLibris. – Zu Band 1.

Dazu passen quietschbunte Cocktails und die herrlich schrägen Horrorpops!

© der Abbildungen 2019 All-Verlag, Wipperfürth

© 2019 William M. Gaines, Agent, Inc

Mikolajczak/Möller – die spinne

die spinne.

Story: Michael Mikolajczak
Zeichnungen: Andreas Möller

Originaltitel: Originalausgabe

Kult Comics

Hardcover | 200 Seiten | s/w | 25,00 € |

ISBN: 978-3-96430-075-1

Schon seit Jahren werden die Krimi- und Thriller-Bestsellerlisten auch von Autor*innen aus deutschen Landen angeführt. Im Comicbereich waren dagegen eher andere Themenbereiche mit Künstler*innen aus Deutschland assoziiert. Mit dem Band die spinne von Mikolajczak und Möller ändert sich das gewaltig!

Der Inhalt

Amerika im Jahre 1972: Kerle sind noch Kerle, Autos groß und blubbernd und LGTB, Selbstverwirklichung oder auch nur Toleranz unbekannte Worte ohne Bedeutung.

Die junge Amber hat die Kleinstadt Tinkerville im Streit verlassen und kehrt zurück. Allerdings kommt sie nicht allein, sondern mit ihrem Freund, der nicht nur als Fremder sofort abgelehnt wird. Da er eine dunkle Hautfarbe besitzt, lernt er sofort alle Feinheiten des kleinbürgerlichen Rassismus kennen und bezahlt mit seinem Leben.

Amber hingegen glaubt, dass er nur abgereist wäre und bezieht eine kleine Wohnung im Haus des Kriegsveteranen Jimmy. Dieser hat ein besonderes Verhältnis zu jungen Frauen, beobachtet sie durch Löcher in den Wänden und entspricht schon sehr schnell dem Muster eines Psychopathen. Eigentlich weiß der ganze Ort von all den verschwundenen Frauen, niemand erzählt es aber rechtzeitig genug für Amber.

Besonders beeindruckend sind zwei Narrative: Zunächst schafft es Michael Mikolajczak sehr glaubwürdig den typischen local Cop zu beschreiben: eigentlich obrigkeitshörig, regelorientiert und konservativ, andererseits aber auch bemüht, „Freunden“ zu helfen und im richtigen Moment wegzuschauen. Die andere sehr gelungene, durch ihre Widerkehr Struktur schaffende Situation ist der Barbier. Die Situation der Rasur scheint in den USA eine hier nur schwer zu verstehende Kommunikationszentrale darzustellen, in der über Leib und Leben entschieden wird.

Der Autor hat bei Kult schon einige Graphic Novels veröffentlicht!

Das Artwork

Andreas Möller lehrt Kunstdidaktik an der Hochschule der Bildenden Künste Saar. Er hat zwar schon Illustrationen für einen Tatort angefertigt und einen eher dem Horrorgenre zugehörigen Comic illustriert, ist aber eher noch neu im Geschäft. Die spinne im reinen schwarz-weiß veröffentlicht bringt seine Zeichnungen sehr gut zur Geltung. Die Körper sind anatomisch korrekt und dynamisch in ihren Bewegungen. Die Gesichter (aber auch die Körperhaltungen) deuten an, dass das Leben der meisten Akteure bisher kein Zuckerschlecken war.

Der Horror des Alltags aber auch der der Gefahr finden sich in den Figuren aber auch im Seitenaufbau wieder. Während oft rechte Winkel das Layout beherrschen, geraten auch die Begrenzungen in Schieflage, wenn es brenzlig wird! Auch der Wechsel zwischen Schwarz auf Weiß hin zu den bedrohlichen schwarzen Hintergründen gelingt perfekt und treibt die Geschichte genauso stark wie der Text.

Die Empfehlung

Kult Comics fördert schon seit längerem auch den Deutschen Comic. Gerade die spinne zeigt, wie richtig das ist, denn diese Graphic Novel braucht den Vergleich mit internationalen Werken nicht zu scheuen! Unbedingte Kaufempfehlung mit Spannung und unerwarteten Twists! Es gibt im Übrigen auch eine limitierte Vorzugsausgabe mit signiertem Exlibris!

Ex Libris der limitierten Vorzugsausgabe

Dazu passen The Adicts und Tennessee Whiskey.

© der Abbildungen 2019 Comic Combo, Leipzig und Michael Mikolajczak, Andreas Möller

Marvel Halloween-Horror

Monster, Zombies und mehr

Story: Fred van Lente, Gerry Dugan, Bill Hader & Seth Myers u.a. 
Zeichnungen: Kevin Maguire, Brad Anderson, Allessandro Vitti u.a.

Originaltitel: US-Avengers Halloween Special (2918), Halloween Special Issue (2008), Spider-Man: The short Halloween (2009) & Marvel Zombies Halloween (2012)

Panini Comics

Hardcover | 116Seiten | Farbe | 19,99 € | 
ISBN: 978-3-7416-1369-2

Happy Halloween! Der Herbstmonat Oktober bringt Regen, erste Stürme und fallende Blätter; das richtige Wetter also um sich einzukuscheln, den Kamin anzumachen und sich dem Grauen des Horrorcomics hinzugeben…

Ja, früher war alles besser und vor dem Comic Code war die eine oder andere Story freizügiger, gruseliger oder einfach auch nur unerwarteter. Aber auch heute gibt es noch gute und witzige Stories! Das Haus der Ideen hatte schon immer ein Faible für diese Gattung: Dracula oder Zombies tummelten sich hier vor und nach dem Code und so war es an der Zeit, ein Special mit verschiedenen Originalausgaben auf den deutschen Markt zu werfen.

Der Inhalt

Mich hat schon die schlichte Anzahl der Geschichten und ihrer Held*innen beeindruckt: Mehr als ein dutzend bekannter Gestalten gibt sich hier die Ehre! Das Spektrum reicht dabei von klassischer Superheldenstory, nur ein wenig gruseliger, bis hin zu Frankensteins Monster, dem Werwolf oder Untoten, die gleich mehrfach auftreten.

Und wie immer in diesen Geschichten ist ein Geschenk meistens nicht ohne. Wird es sich für Daredevil wirklich auszahlen, dass er Augen bekommt und plötzlich sehen kann? Ist eine zugelaufene (und somit vom Schicksal geschenkte) Katze wirklich großartig? Auch, wenn sie fortläuft und der kleine Sohn in einer zombieverseuchten Umgebung hinterherläuft? Lest selbst was geschrieben steht…

Hervorheben möchte ich aber vor allem den Auftritt von Peter Parker und Ronnie als Spider-Man! Einerseits eine klassische Verwechslungsstory, ein bisschen comig-of-Age, ein wenig Humor und Frauenpower, vor allem aber die Verzweiflung des gestressten Superhelden – „Ich hasse Halloween!“ Und wie Recht er haben sollte, denn solche Tage können bitter enden, auch wenn sie anderen (Plural!) erlauben, über sich hinauszuwachsen. Allein deswegen lohnt sich der Kauf schon.

Die Umsetzung

Die einzelnen Cover der Hefte finden ihren mustergültigen Platz in ganzseitigen Illustrationen, der Hardcover und das größere Format machen aus dem Buch einen perfekten Geschenkband zu Halloween der besser ist als Süßes oder Saures! Der zu Beschenkende wird sich dafür bestimmt sogar zu dem Aufsagen eines gereimten Spruches überreden lassen und sich bei der Kostümgestaltung extra viel Mühe geben.

Die Sammlung springt nicht nur durch die verschiedenen Themengebiete, sondern vereint auch verschiedene Stile. Auch hier soll ein Beitrag besonders herausgehoben werden. In letzter Zeit sind viele Cover-Variants bei Marvel in cartoonhaften Style erschienen, hier folgt nun eine weitere Geschichte in diesem Stil: Brad Anderson zeichnet Franklin Richards der seinem kleinen Roboter zu erklären versucht, was Monster sind. Ein Blitzschlag hilft dem Verständnis des Kleinen allzu sehr.

Die Sammlung präsentiert Halloween-Ausgaben aus vier verschiedenen Jahren mit unterschiedlichen thematischen Ansätzen und bietet daher den perfekten Sammelgenuss.

Dazu passen eine Bloody Mary und Musik von The Adicts!

© der Abbildungen 2019 Marvel Characters B.V. c/o Panini Comics Deutschland

Schwarwel – Gevatter 1

Kapitel 1: Verleugnung

Story: Schwarwel

Zeichnungen: Schwarwel

Glücklicher Montag

Heft | 36 Seiten | SW | 3,90 € |

ISBN: 978-3-9817615-7-3 (regulär) | 978-3-9817615-8-0 (variant)

Schwarwel ist dem einen oder der anderen frühen Leser*in von comix-online noch aus den Zeiten von EEE (Extrem Erfolgreich Enterprises) und als Mastermind des Schweinevogels bekannt. Mittlerweile hat er sich hauptsächlich auf das Zeichnen von Karikaturen verlegt, die unter anderem über Facebook für jede*n frei verfügbar sind und arbeitet bei „Glücklicher Montag“ unter anderem an Trickfilmen.

Gevatter ist Schwarwels erstes Comicprojekt seit einigen Jahren; der erste Teil ist gerade sowohl in einer regulären Ausgabe als auch als Variant mit einem Titelbild von Sascha Wüstefeld (Das UpGrade) erschienen. Die Hefte 2 – 5 sollen in kurzen Abständen folgen.

Der Inhalt

Die Graphic Novel wird von der FUNUS Stiftung herausgegeben die sich für einen unverkrampften Umgang mit dem Tod einsetzt. Jeder Mensch muss früher oder später sterben und mehr man sich im Vorfeld damit auseinandergesetzt hat, desto besser kann man damit umgehen. So veranstaltet die Stiftung z. B. das Leipziger Endlichkeitsfest „Die Stadt der Sterblichen“ vom 6. bis 29. September mit. Sie unterstützt aber auch Publikationen, die sich mit dem Tod beschäftigen und somit auch den Gevatter.

Schwarwel hat eine sehr persönliche Geschichte geschrieben: Tim, der in seinem Heranwachsen gezeigt wird, ist das Alter Ego des Autors. Es beginnt mit einem verzweifelten Anruf: der „Held“ dieser Story steht kurz davor, sich das Leben zu nehmen, ruft aber noch einmal einen Freund an, dem er damals in einer ähnlichen Situation geholfen hatte. Nun also muss der Freund das Gleiche tun…

In Rückblicken wird dann die Geschichte des kleinen jungen erzählt, der wie alle Kinder immer wieder mit dem Tod konfrontiert wird. Sei es die alte Frau, der verletzte Igel oder die potentiell tödliche Krankheit. Keinem Kind können diese Situationen erspart werden. Es bleibt aber zu hoffen, dass nicht alle Kinder mit ihren Fragen alleine gelassen werden…

Im weiteren Verlauf der Serie werden noch weitere persönliche Erlebnisse des Künstlers thematisiert werden: Alkohol, Depressionen, Sucht und Verzweiflung. Es gehört unheimlich viel Mut dazu, sein Innerstes so offen zu legen, sich angreifbar zu machen und die Deckung zu verlassen.

Gerade dieser Mut ermöglicht es aber auch, die im Anhang abgedruckten Adressen zur Hilfe bei Depressionen, schweren Krankheiten oder Trauerbegleitung nicht als Werbung zu verstehen sondern als Angebot von jemand, der weiß, wovon er spricht.

Genau diese Tiefe und der Wille zum Diskurs kommen auch aus den Interviews mit Schwarwel selbst, Sascha Wüsterfeld und Frank Pasic, dem Vorsitzenden von FUNUS zum Ausdruck.

Die Umsetzung

Die Graphic Novel erscheint in schwarz-weiß und damit in dem einzig passenden Rahmen. Farbe würde die Details überdecken und auch eine falsche Stimmung repräsentieren. Die Seiten folgen im Prinzip dem 3×3-Aufbau, sind aber flexibel und erlauben somit ein Zusammenfassen oder aber auch ein Verteilen des Motivs auf mehrere Panels.

Der Horror im Gesicht des jungen Tim, die Verzweiflung und Hoffnung im Gesicht des älteren brauchen keine Worte zur Unterstützung sondern erklären das gesamte Setting aus sich heraus. Machtverhältnisse, Schrecken und Rückzugsräume sind deutlich zu erkennen und erlauben eine fast filmische Rezeption.

Der faire Preis, die Gestaltung mit festem Einband und das Variantcover von jeweils unterschiedlichen Künstler*innen sollten ebenfalls dazu beitragen, dass die Geschichte über den Tod und den Umgang damit ihre Käufer*innen findet! Für mich definitiv ein Kandidat für die Top 5 des Jahres!

Dazu passen A place to bury strangers und ein Rotwein.

© der Abbildungen 2019 Glücklicher Montag und Schwarwel

Vatine/Varanda – Die lebende Tote

Die lebende Tote

Story:  Olivier Vatine
Zeichnungen: 
Alberto Varanda

Originaltitel: LA MORT VIVANTE

Splitter Verlag
Hardcover | 72 Seiten | Farbe | 18,00 €
ISBN:
978-3-96219-312-6

Die Story

Die lebende Tote ist sowohl ein Science Fiction Comic als auch eine Horror Graphic Novel und sie wird beiden Genreanforderungen gerecht! Die Geschichte beginnt wie eine klassische SF-Story: Die Erde befindet sich nach einer atomaren Katastrophe unter Quarantäne und beherbergt im Wesentlichen Schatzräuber, die alte Bibliotheken oder Labore ausräumen. Auf dem Mars haben sich die Überlebenden eingerichtet und die Benutzung von Artefakten von der Erde ist verboten. Trotzdem gibt es Wissenschaftler, die versuchen, das alte Wissen aus geschmuggelten Büchern zu verstehen und sich anzueignen.

Während des Versuches, Schätze aus einer alten Bibliothek zu bergen, fällt die 10-jährige Tochter der Chefin in die Tiefe und stirbt. Sie wird von krakenartigen Wesen aus der Tiefe den Menschen zurückgegeben, allerdings scheint es dabei zu einer kurzen Verbindung zwischen Tier und Mensch gekommen zu sein.

Martha, die Mutter, beauftragt ihre Helfer, den Wissenschaftler Joachim vom Mars zu holen. Joachim ist einer derjenigen, der mit dem alten Wissen gearbeitet hat. Er soll die verstorbene Tochter klonen und Martha einpflanzen. Während dieser Zeit kommen sich Joachim und Martha näher und werden sogar so etwas Ähnliches wie ein Paar. Parallel arbeitet Joachim mit dem Cyborg Hugo. Auch Hugo ist ein Fundstück und war der Leibwächter der verstorbenen Tochter. Nun bekommt er einen Sprachchip und Joachim geht eine direkte Verbindung seines Geistes mit dem des Cyborg ein.

Soweit so gut mit dem SF-Anteil. Als das neue, geklonte Wesen geboren worden ist beginnt der Horrorteil, der hier nicht vorweg genommen werden soll.

Die Umsetzung

Olivier Vatine, wahrlich kein Unbekannter in dem Metier und am bekanntesten wohl durch sein Szenario zu Aquablue, gelingt es, ein sehr spannendes und doch konsequentes Gebäude zu erschaffen. In mehrere Kapitel aufgeteilt schafft er es, zunächst eine zwar düstere, spooky Atmosphäre zu erschaffen die geschickt Elemente der SF und der Schauerromantik verbindet. Natürlich sind der Name des Cyborg und sein Aussehen Anspielungen darauf. Im weiteren Verlauf kommt aber immer mehr Entsetzen hinzu und es stellt sich die Frage, ob der Mensch wirklich alles machen muss, was er kann (und damit meine ich nicht nur das Fällen von Bäumen) und ob nicht das wirkliche Monster in allzu bekannter Gestalt durch die Gegend läuft.

Auch Albert Varanda ist bereits mit mehreren Reihen auf dem deutschen Markt platziert. Keine davon hat es bisher geschafft, ihn in die erste Reihe zu bringen. Hier passen seine Zeichnungen aber perfekt! Er verbindet sowohl SF Dekors mit viktorianischem Schauer-Ambiente als auch karikaturenhafte Gesichter der 10-jährigen mit absolut realistischen Darstellungen der Erwachsenen. Die Unterschiede zwischen leichtem Dekors und gerastertem Schwarz sind trotz Kolorierung von Vatine noch deutlich zu erkennen und bilden eine gute Grundlage für die Geschichte.

Von mir eine klare Empfehlung!

Die Vorzugsausgabe „Diamant“

Mit diesem Titel startet der Splitter-Verlag eine neue Darreichungsform. In Frankreich, Belgien und den Niederlanden ist es bereits eine lange Tradition, dass von ausgewählten Comics eine überformatige Luxusausgabe in schwarz-weiß erscheint, die es Leser*innen ermöglicht, die Kraft der Zeichnungen ohne Kolorierung zu erforschen.

Teilweise sicherlich nur etwas für Sammler*innen, in diesem Fall aber durchaus sinnvoll. Die Zeichnungen von Alberto Varanda mit ihren feinen Linien und der flächig gerasterten Schwärze eignen sich perfekt dafür! Die auf 444 Exemplare limitierte Vorzugsausgabe unter dem Reihentitel „Diamant“ enthält außerdem noch zusätzliche Seiten und kostet 69,00 €.

Dazu passen das Album „Tales and Mystery of Imagination“ von The Alan Parsons Project und ein alter Cognac.

© Splitter Verlag GmbH & Co. KG ·   Bielefeld 2019

Bennett/Kristantina – Insexts 1

InSEXts 1 – Metamorphose

Story: Marguerite Bennett
Zeichnungen: 
Ariela Kristantina

Originaltitel: InSEXts 1 – 7

Panini Comics
Prestige | 132 Seiten | Farbe | 20,00 €
ISBN: 
978-3-7416-1233-6

Horror ist eine Kategorie, die sich in den letzten Jahren erhöhter Beliebtheit erfreut. Es ist also nicht weiter verwunderlich, dass eine neue Reihe in diesem Gerne erscheint. InSEXts aber ist anders. Obwohl es einen gewöhnlichen Schauplatz gewählt hat, die Geschichte beginnt 1894 in London, und viele Versatzstücke verwendet, die alle an sich schon bekannt sind, ist diese Story der Amerikanerin Marguerite Bennett und der in Jakarta geborenen Ariela Kristantina neu: Frauen sind keinesfalls Opfer einer von Männern oder anderen Monstern dominierten Welt, sondern selbstbewusste, ihre eigene Sexualität lebende und vor allem mordende Handelnde! „Metamorphose“ beschreibt den Weg der unglücklich verheirateten Lady Bertram und Mariah – ursprünglich Dienerin, später aber Lebensgefährtin.

Mariah verhilft ihrer Lady zu einem „Kind“, dass in der Lady heranreift, später aber einen anderen Wirt brauchen wird um sich voll zu entwickeln. Durch dieses Geschenk verwandelt sich aber auch die Trägerin, die sich nun in ein Insekt verwandeln kann. In jener Form ist sie nahezu unverwundbar, allerdings auch tödlich für böse Männer. Wird Lady Bertram den Zustand der Verwandlung kontrollieren können?

Gleichzeitig treibt sich noch ein anderes Ungeheuer auf Londons Straßen herum. Wie es sich gehört, haben die beiden Mutanten natürlich unterschiedliche Auffassungen und versprechen einen netten Kampf. Als Begleitgeschichte gibt es die nervende Verwandtschaft, die versucht, Lady Bertram zu vertreiben. Vor allem aber im Vordergrund steht die Emanzipation und die zunehmend kleiner werdende Bereitschaft der beiden Frauen, Unterdrückung, Missachtung oder männliche Gewalt hinzunehmen.

Die Story ist nicht einzigartig, in ihrer Ausrichtung aber so selten, dass viele bekannte Versatzstücke hier in einem ganz anderen Licht erscheinen. Bennet lässt ihrer Wut auf die bekannte Welt freien Lauf. In ihrem Vorwort erläutert sie noch ein wenig, was dem Körper einer Frau innewohnt, wie er sich verändert (Metamorphose eben) und warum sie daraus eine Horrorgeschichte gemacht hat!

Kristantina zeichnet in einem schnellen, unsauberen Stil. Es ist nicht die (klassische) Schönheit, die sie darstellen will, sondern der Ausdruck, die Emotion, manchmal auch einfach nur der Moment in seiner Abfolge. Teilweise sind die einzelnen Bilder wie verwaschen, teilweise wirken die nicht glatten Linien wie noch nicht fertig. In der Gesamtschau wird daraus aber eine Form, die perfekt zum Inhalt passt. Die Fassade, die der Deckung dient, die Brutalität der Straße, der alltägliche Horror und derjenige zu seiner Beseitigung führen eben zu einem nicht netten Setting. Auch das Dunkel und das Dekors des alten London runden das Ganze im Übrigen ab. Die titelgebenden Szenen sind glatter und weicher gezeichnet, lustvoll aber nicht voyeuristisch und dementsprechend ebenfalls passend.

Lesenswert!

Die Panini-Ausgabe enthält das erste Jahr dieser Serie von Aftershock Comics in einem Band.

Dazu passen ein Glas Rotwein und The Slits!

© der Abbildungen 2019 Aftershock Comics, c/o Panini Verlag