Albert/Vance & Aymond/Bollée – Serienkompass Bruno Brazil

Der vielleicht coolste Geheimagent

Texter: Louis Albert (Greg), Lauren-Frédéric Bollée

Zeichner: William Vance, Philippe Aymond

Reihentitel: Bruno Brazil & Bruno Brazil – die neuen Abenteuer

Aktueller Verlag Deutschland: All Verlag

Verlag Original und Niederlande: Le Lombard / Dargaud

Aktuell 11 und 2 Bände

Veröffentlichungsstatus in Deutschland: Band 1 bis 9 der Gesamtausgabe erschienen, Band 1 und 2 der neuen Abenteuer erschienen

Ausschnitt aus dem Ex Libris der VZA Band 1

Das Thema Comicserie über Geheimagent*innen ist gar nicht so klein wie man im ersten Moment denken würde. Zunächst einmal gab es die Zeitungsstrips mit Klassikern wie Agent X/9, Modesty Blaise oder Nick Knatterton. Später diversifizierte sich das Thema in anarchistisch-humoristische Serien wie Spion & Spion oder Clever & Smart, eher actionorientierte Serien wie Lady S. oder XIII oder an den Kinoerfolg angelehnte Episoden um James Bond. Eine der zumindest im Comic wohl am meisten gefeierten Serien war aber Bruno Brazil.

Die Entstehungsgeschichte

Wir schreiben das Jahr 1967, die Auflage des belgischen Comicmagazins Tintin geht zurück und Greg (das ist Michel Régnier), Chefredakteur des Magazins muss sich etwas einfallen lassen. Die Zielgruppe der 8 bis 14-jährigen Jungen wartet nicht mehr unbedingt darauf, dass ein neues Heft erscheint, sondern hat u. a. mit Kinobesuchen auch andere Möglichkeiten, der Realität zu entfliehen. Er beginnt also neue Serien zu entwickeln und diese mit jungen Zeichnern umzusetzen.

Eine der Serien aus dieser Gruppe war Bruno Brazil, gezeichnet von William Vance. Dieser hatte schon Seefahrer und Westernhelden gezeichnet und mit Bob Morane eine dem Agentengenre verwandte Serie übernommen, war aber gerne bereit, auch eine neue, eigene Serie zu übernehmen. Greg war zu dieser Zeit so aktiv, dass er ein Pseudonym bevorzugte, um Abwechslung zu suggerieren. Dementsprechend erschienen die Geschichten um den Agenten und seinen Boss, Colonel L, unter dem Autorennamen Louis Albert.

Die Figur mit den markanten weißen Haaren wurde zunächst in ein paar Kurzgeschichten getestet. Diese wurden dann später mit einer Rahmenhandlung versehen und als letzter Band der originalen Serie veröffentlicht. Schon kurz darauf folgte mit „Der Hai, der zweimal starb“ die erste albenlange Geschichte. Diese zeigt schon sehr deutlich, wie es in den folgenden Geschichten abgehen wird, beginnt sie doch gleich mit einem Verkehrsunfall und drei Toten im ersten Panel. Diese Gewalt war in den belgischen Comics bis dahin nicht nur unbekannt, sondern sogar verpönt. Der neue Stil zog aber durchaus und die Verkäufe stiegen wieder. Im weiteren Verlauf geht es um einen angeblichen Goldschatz in einem gesunkenen U-Boot und einen untergetauchten Alt-Nazi.

Das Team der Kaimane entsteht

Bereits im zweiten Band Kommando Kaiman darf sich der Held ein Team zusammenstellen um eine im südamerikanischen Dschungel gelegenen geheime Operationsbasis einer kriminellen Organisation zu zerstören. Auch hier zeigt sich die actionorientierte Ausrichtung: Die Teammitglieder entsprechen nicht den Anforderungen der verantwortlichen Beamten (und sicher auch nicht denen der Jugendschützer) denn Bruno wählt sie aufgrund der Fähigkeiten aus. Und so treffen im Laufe der Zeit Kleinkriminelle, Scharfschützen, Artist*innen und Leute mit Alkoholproblemen ein und müssen sich zusammenraufen. Ihnen allen gemeinsam ist jedoch eine militärische Vergangenheit und so starten sie trotz aller Schwierigkeiten in das Abenteuer.

Trotz der Zerstörung der Basis konnten die Verantwortlichen fliehen und die Augen ohne Gesicht stellen gleich die nächste Herausforderung dar. Das Team soll eigentlich nur einen fast schon routineartigen Überprüfungsauftrag durchführen doch nach und nach werden Teammitglieder von einer unbekannten Macht kontrolliert. Die Gegner sind dabei nicht zimperlich und so droht die totale Vernichtung. Der Plot findet seine Fortsetzung und den Abschluss in Die erstarrte Stadt. In den beiden Bänden werden geschickt technische Errungenschaften genutzt, um das Team herauszufordern. Eine Ähnlichkeit mit den Plots von James Bond ist nicht von der Hand zu weisen, hier agiert allerdings im Gegensatz zum Geheimagenten ihrer Majestät ein Team und sexuelle Aspekte stehen nicht im Vordergrund. Die Serie bleibt aber trotz allem realistisch und driftet nicht in Richtung Science-Fiction.

Der Kampf mit der Mafia

Der folgende Zweiteiler bringt einen neuen Gegner ins Spiel. Bisher ging es quasi um Superschurken. Sie hatten noch Emotionen und waren irgendwie involviert. Die Mafia hat solche Skrupel nicht. Hier geht es um das Geschäft und eine Leiche mehr oder weniger spielt keine Rolle. Vergleichbar mit der Entwicklung des Westerngenres hin zum Italowestern brutalisiert sich hier das Agentengenre. Die Nacht der Schakale beginnt damit, dass der Vater von Gaucho Morales, einem der Kaimane, erpresst wird. Ganz Sacramento scheint korrupt und in der Hand der Gangster, doch wenige Aufrechte leisten der Schreckensherrschaft Widerstand: ein Geistlicher und ein Reporter.

Schließlich greift das Kommando Kaiman ein und der Höllentanz in Sacramento beginnt. Harte Schnitte, das gerasterte Layout löst sich fast vollkommen auf und die Leser*innen werden teilweise gezwungen, sich in dem Chaos zunächst einmal zu orientieren! Sicherlich ein Höhepunkt der graphischen Meisterschaft von William Vance! Das traditionell konservative Tintin-Magazin hatte sich sehr verändert, denn Comanche von Greg und Hermann verwandelte gleichzeitig das traditionelle Westernambiente in eine Gewaltorgie. Die Stories passten damit zu dem gesellschaftlichen Umbruch, der die althergebrachten Traditionen hinwegfegte und unter den Talaren lüftete.

Das Team verliert

Die Kaimane im Reisfeld beenden eine weitere Tradition: Held*innen einer Serie sterben nicht so schnell. Das Team soll in Thailand eine verschollene Waffe aufspüren. Während des Zweiten Weltkrieges war von den Japanern angeblich eine Rakete entwickelt worden, die die ganze Welt vernichten könnte. Wieder darf Vance eine grüne Hölle zeichnen doch dieses Mal zahlt das Kommando einen hohen Preis.

Die dezimierte Spezialeinheit darf sich einer Bewährungsprobe unterziehen und wird dafür mit dem Nomaden verstärkt. Der Einsatz richtet sich gegen Menschenschmuggler doch dem Team droht die Enttarnung und Improvisation ist gefragt. Der Sturm über den Aleuten stellt den Leser*innen deutlich die Frage, ob das Team noch das Ruder herumreißen können wird. Eine pessimistische Grundstimmung wird etabliert und das Grundvertrauen in das Überleben der Held*innen, das bisher die Basis jeder Geschichte war, verschwindet.

Ihren Höhepunkt findet diese Entwicklung in Alles oder Nichts für Alak 6. Wieder beginnt die Geschichte blutig mit einem Anschlag. Nach kurzer Zeit wird deutlich, dass eine fremde Macht versucht, eine Formel für einen Raketentreibstoff zu stehlen, wenigstens aber zu vernichten. Die verunsicherten Kaimane müssen als Band verkleidet in Mogadischu versuchen, den Fall zu lösen. Doch die Gegner scheinen übermächtig.

Der Übergang

Natürlich stellt sich in jeder Organisation nach so hohen Verlusten die Frage nach der Qualität des Chefs. Ist er ein Sicherheitsrisiko? Benötigt er vielleicht sogar mehr als psychologische Betreuung? Gaucho Morales, der trotz aller Fehler immer loyal Bruno gegenüber gewesen war, versucht auch jetzt alles zu geben und zu beweisen, dass Bruno keine Schuld trifft und er weiterhin den Anforderungen gewachsen ist. Es geht um das Dossier Brazil. Eigentlich hatte es danach weitergehen sollen. Aufgrund von Arbeitsüberlastungen kam es leider nicht mehr dazu.

Die Rückkehr des Bruno Brazil enthält drei weitere Kurzgeschichten mit einer Rahmenhandlung. Carlsen hatte diese damals nicht mehr veröffentlicht und die Lücke war es 3 Jahre später durch eine Ausgabe bei Stripspielgel geschlossen worden. Die Gesamtausgabe bei Egmont hatte diese wie auch die unvollendete Geschichte um die Rote Kette bereits integriert. Letztere war auch separat als auf 666 Exemplare limitiertes ZACK-Sonderheft 2 erschienen. Beim All Verlag sind die noch fehlenden beiden Bände angekündigt.

Cover Zack Sonderheft 2 Bruno Brazil

Der Neustart

Nach über 30 Jahren Pause war es dann endlich soweit: Laurent-Frédéric Bollée und der Lady S.-Zeichner Philippe Aymond starteten die neuen Abenteuer von Bruno Brazil und schließen mit dem Zweiteiler Black Program 1 und 2 direkt an die damaligen Geschichten an. Die Geschichte startet im September 1976 und Bruno ist tatsächlich in psychologischer Behandlung. Die Grundstimmung der Serie wird übernommen und die neue Geschichte startet sofort mit einem Anschlag auf ein Privatgelände. Dabei wird Madison Ottoman getötet, seines Zeichens Kopf der geheimen Sendeanlage im Dschungel, die damals in Band zwei zur Gründung der Kaimane geführt hatte.

Als auch noch seine damalige Komplizin Rebelle aus einem Hochsicherheitsgefängnis befreit wird, steht die Frage nach einer Reaktivierung von Bruno Brazil im Raum. Er macht sich auf die Suche nach den ehemaligen Mitgliedern, kann das Team tatsächlich auch reaktivieren und es geht erneut in den Dschungel im dem eine zweite Anlage vermutet wird. Alles steht in Verbindung mit dem geheimen Black Program. Mehr Science-Fiction-Anteile als früher aber eine gekonnte Fortsetzung die mit einem Cliffhanger endet. Wir dürfen also auf eine Fortsetzung gespannt sein.

Ein Grafischer Höhepunkt der Siebziger Jahre

Die Zeichnungen von William Vance stehen in ihrer innovativen Strahlkraft den neuen Erzählweisen von Greg nichts nach. Das klassische Seiten-Layout mit drei oder vier Streifen wird förmlich von den Explosionen, Zusammenstößen, ja fast allen Ereignissen weggesprengt. Bilder gehen ineinander über, verschränken und überlagern sich und nehmen die ganze Seite als Leinwand wahr. Die Erneuerung des verstaubten Magazins soll nicht nur inhaltlich passieren, sondern ihren Ausdruck auch in einer neuen Bildsprache finden.

Detail Bruno Brazil Band 6

Im Übrigen sind die Zeichnungen von Vance durch die schwarzen Umrisslinien und Akzente geprägt. Er beherrscht das Spiel mit den Schatten und ist damit im Einklang mit dem aktuellen Kino. Nicht die Schönheit steht im Vordergrund, sondern der Realismus und die Gewalttätigkeit der Gesellschaft. Sicherlich haben dafür die schwarz-weißen Zeitungsstrips Pate gestanden aber die Kolorierung macht die Geschichte moderner und auch heute noch zu einem (wieder-)lesbaren Klassiker.

Man darf nicht vergessen, dass die Geschichten ihre 50 Jahre auf dem Buckel haben. Sicherlich hat sich das Dekors geändert, auch die Technik ist eine andere und mit moderner Kommunikation würden die Plots heute etwas anders funktionieren. Grundsätzlich passen aber sowohl Zeichenstil als auch die Geschichten noch und treiben die Leser*innen erbarmungslos vor sich her, wenn ein Team erst mühsam gegen Widerstände aufgebaut und dann säuberlich wieder dezimiert wird. Mehr Spannung – aufrechterhalten über mehrere Bände einer Serie, geht nicht.

Detail Bruno Brazil Band 7

Der Neustart passt sich gut ein und verspricht einiges. Die Figuren sind dem neuen Team mittlerweile vertraut, strahlen einen gewissen „alten“ Charme aus, haben sich aber etwas modernisiert und wirken frisch. Die Zeichnungen kommen in den Dschungelmomenten an die Originale von Vance heran, bei den Themen „Körper im Raum“ und „Gesicht“ muss Aymond allerdings noch an sich arbeiten.

Die aktuelle Gesamtausgabe

In Deutschland hat die Serie eine bewegte Reise durch fast alle größeren Verlage mit frankobelgischem Schwerpunkt hinter sich. Den Anfang machte bereits 1969 MV Comix, 1972 kam dann das Koralle-ZACK. Bastei verlegte sie ersten drei Bände am Kiosk, Carlsen schaffte 10 als Album. Stripspiegel addierte den 11. Band und das „neue“ ZACK brachte in seiner Reihe der limitierten Sonderhefte die rote Kette auf den Markt. Egmont EHAPA hätte mit der mittlerweile vergriffenen Gesamtausgabe in drei Bänden fast den Kreis geschlossen.

Bruno Brazil - neue Abenteuer 2 page 26

Ansgar Lüttgenau hat sich allerdings entschieden, den Versuch mit Einzelbänden im Hardcover zu wagen. Alle bisherigen Versuche hatten ihre Probleme, oft genug wurde sogar der Inhalt verfälscht, wenn etwa der Nazi in Band 1 zu einem Mafioso wurde oder der Tod von Big Boy Lafayette im ZACK zu einer Verletzung umgeschrieben. Jetzt erscheinen die Bände in neuer originalgetreuer Übersetzung und auch die Titel entsprechen jetzt den französischen Originalen. Jedes Buch hat zudem einen redaktionellen Teil, viele zusätzliche Illustrationen und eine komplette Veröffentlichungshistorie. Für Sammler*innen sind auch limitierte Vorzugsausgaben mit Ex Libri erhältlich! Die noch fehlenden beiden Bände werden vermutlich noch im Laufe dieses Jahres erscheinen.

Und auch die neuen Abenteuer passen sich in das Erscheinungsbild ein. Das Rückenbild ist etwas anders und ein redaktioneller Teil fehlt, dafür sind die Ex Libris aber auch signiert. Bruno Brazil ist definitiv eine Zierde für jede Comicsammlung.

Die Titel

Bruno  Brazil

 Deutscher TitelHistorische AusgabenAktuelle Ausgabe
1Der Hai, der zweimal starbKoralle, Bastei, Carlsen, Egmont, GCTAll-Verlag
2Kommando KaimanKoralle, Bastei, Carlsen, EgmontAll-Verlag
3Augen ohne Gesicht (Die teuflischen Augen)Koralle, Bastei, Carlsen, EgmontAll-Verlag
4Die erstarrte Stadt (Die versteinerte Stadt)Koralle, Carlsen, EgmontAll-Verlag
5Die Nacht der SchakaleKoralle, Carlsen, EgmontAll-Verlag
6Höllentanz in SacramentoKoralle, Carlsen, EgmontAll-Verlag
7Kaimane im Reisfeld (Akashitos Vermächtnis)Koralle, Carlsen, EgmontAll-Verlag
8Sturm über den Aleuten (Bewährung für das Kommando Kaiman)Carlsen, EgmontAll-Verlag
9Alles oder Nichts für Alak 6 (Die Myxin-Formel)Koralle, Carlsen, EgmontAll-Verlag
10Dossier BrazilKoralle, Carlsen, Egmontgeplant
11Die Rückkehr des Bruno BrazilMV Comix, Koralle, Stripspiegel, Egmontgeplant
00Die rote KetteZACK, Egmontgeplant

Bruno Brazil – Die neuen Abenteuer

 Deutscher TitelAktuelle Ausgabe
1Black Program 1All-Verlag
2Black Program 2All-Verlag

© der Abbildungen Éditions du Lombard (Dargaud-Lombrd S. A.) by Greg, Vance, Koralle Verlag, Carlsen-Verlag, Stripspiegel Verlag, 2018-2021 All Verlag, Éditions du Lombard (Dargaud-Lombard S.A.) 2019/2020 by Aymond, Bollée

Durieux – Spirou und Fantasio Spezial 32

Pacific Palace

Story: Christian Durieux
Zeichnungen: Christian Durieux

Originaltitel: Spirou et Fantasio One-Shot: Pacific Palace

Carlsen Verlag
Softcover | 80 Seiten | Farbe | 13,00 €
ISBN: 978-03-551-78044-7

Cover Spirou und Fantasio Spezial 32 Pacific Palace

Bei den meisten klassischen Serien aus dem frankobelgischen Raum sind die Serienheld*innen nicht mehr an die Originalkünstler gebunden. Spirou war dabei in gewisser Weise ein Vorreiter, denn als Titelheld des gleichnamigen Magazins war er von Beginn an Eigentum des Verlages und wurde an unterschiedliche Künstler vergeben. Vor einigen Jahren ging man sogar noch einen Schritt weiter und fragte bei unterschiedlichen Teams Einzelbände an. Diese sollten einen eigenständigen Blick auf die Figuren werfen dürfen und so der Serie, die ihren Reiz zu verlieren drohte, neuen Atem einhauchen! In Deutschland erscheinen die Bände in der Reihe Spirou und Fantasio Spezial.

Zurück zu den Anfängen

Christian Durieux geht in seinem Band in gewisser Weise zurück zu den Anfängen der Serie. Spirou arbeitet als Hotelpage, wenn auch nicht mehr im zerstörten Moustique, so doch in einem ehrwürdigen Luxushotel namens Pacific Palace. Er hat es geschafft, seinen notorisch klammen Freund Fantasio ebenfalls als Page unterzubringen. Die Story beginnt damit, dass das Hotel bis auf wenige Bedienstete geräumt und von der Öffentlichkeit abgeschottet worden ist. Es steht ein auf wenige Tage begrenzter Besuch eines geflohenen osteuropäischen Diktators samt Familie bevor.

Spirou und Fantasio Spezial 32 page 3

Dieser Diktator war ein der französischen Regierung wohlgesonnener Verbündeter gewesen und jetzt ist die Frage zu klären, wie Frankreich sich wohl in Zukunft verhalten wird, um weder andere Verbündete zu verschrecken noch die neue Regierung zu verärgern.

Die Story, die Durieux um diese politischen Herausforderungen herum strickt, ist vielschichtig: Einerseits erfährt Spirou nach und nach einiges, auch persönliches, über seinen Vorgesetzten, der als Flüchtling sein eigenes Päckchen mit sich herumschleppt. Es entwickelt sich aber auch so etwas wie eine Romanze zwischen dem schüchternen Pagen und einer frechen jungen Frau, die durch slapstickhafte Eifersüchteleien seitens Fantasios aufgelockert wird.

Märchenhafte Zeichnungen

Schon das Cover deutet an, dass in diesem extradicken Band Action keine große Rolle spielen wird. Es geht um die leisen Töne, die Visualisierung von Stimmungen und die Reduktion von Hintergrund und Personen auf das Wesentliche. Dementsprechend sind die Gesichter auch eher Formen, haben dabei aber mehr Ausdruck als so manche realistische Darstellung!

Spirou und Fantasio Spezial 32 page 6

Die Zeichnungen sind in einem erdigen Grundton und wirken dadurch fast etwas nostalgisch. Trotz der Gedecktheit ermöglichen sie aber einerseits die Darstellung der Eskapaden des leicht trotteligen Fantasios, andererseits aber auch die zarte Annäherung der jungen Liebenden mit den weißen Highlights der Augen! Das ist auch mein Tipp für das Hineinschnuppern! Der Seitenaufbau ist im Übrigen mit meistens drei oder vier Panel-Reihen sehr klassisch und trägt damit zu der ruhigen Struktur bei.

Ein Kleinod!

Mit Pacific Palace hat Spirou und Fantasio Spezial ein weiteres Highlight hervorgebracht! Der 1965 in Belgien geborene Christian Durieux hat schon viele Comics geschrieben oder gezeichnet und dabei auch mit Stars wie Dufaux oder Gibrat zusammengearbeitet. In Deutschland war ihm bisher größerer Erfolg noch nicht vergönnt, es liegt außer diesem Werk nur ein von der EU veröffentlichter Sachcomic vor. Vielleicht ändert sich das ja jetzt.

Pacific Palace ist jedenfalls ein Kleinod in dem eine politisch brisante Story geschickt mit persönlichen Geschichten verknüpft wird. Die aufgeworfenen Fragen der Moral sind auf allen Ebenen zu beantworten und erlauben keine einfachen schwarz-weiß Szenarien! Dementsprechend zurückhaltend sind auch die Bilder und ihre Farbgebung. Hier schreit niemand die absolute Wahrheit heraus, sondern sucht nach möglichen Antworten. Die Zeichnungen ziehen einen bereits nach wenigen Seiten in die Story hinein was auch an der gewählten Perspektive liegt, denn oft genug steht der/die Leser*in hinter einer fragenden Person und ist damit Teil der Handlung.

Für alle Spirou-Fans ein Leckerbissen! Niemand sollte sich jedoch von dem Reihentitel abschrecken lassen: Es ist kein Vorwissen erforderlich und die Thematik könnte auch mit anderen Personen funktionieren. Der Band ist sicherlich einen Versuch wert!

Logo Jubiläum Spirou und Fantasio 2016
Motiv zur Serie ©Dupuis/Vehlmann, Yoann, 2013

Dazu passen die leicht jazzigen Klänge von Amy Winehouse‘ „Frank“ und ein typischer Hotelcocktail: Tequila (oder Virgin) Sunrise.

© der Abbildungen Dupuis/Durieux, 2021

Asterix 39 – Asterix und der Greif

Ankündigung Asterix 39
Egmont Ehapa Media GmbH – © Asterix® – Obelix® – Idefix ® / 2021 LES EDITIONS ALBERT RENE

Seit heute ist der Titel des neuen Asterix-Abenteuers, das am 21. Oktober 2021 bei Egmont Ehapa Medien GmbH erscheinen wird, bekannt: Asterix und der Greif

Mit seiner fünften Gemeinschaftsarbeit setzt das Autorenduo Jean-Yves Ferri und Didier Conrad das Werk von René Goscinny und Albert Uderzo fort, die das Asterix-Universum vor über 60 Jahren erschufen. Wie es die Tradition verlangt, gehen die Gallier im neuen Album erneut auf Reisen. Während Asterix und Obelix eine Partie Gallier-Schach spielen, schreckt der Druide Miraculix, der wohl gerade eingenickt war, plötzlich hoch und verkündet, dass ein alter Freund dringend seine Hilfe benötigt. Doch wer ist dieser Freund und weshalb benötigt er Hilfe? Und wohin führt uns die Reise und worum geht es?

Was ist ein Greif?

Szenerist Jean-Yves Ferri verrät uns etwas mehr darüber: „Wir haben ein mythologisches Tierwesen in den Mittelpunkt des Abenteuers gestellt. Dabei fiel meine Wahl auf den Greif: Halb Adler, halb Löwe und mit den Ohren eines Pferdes – ein durch und durch rätselhaftes Geschöpf!“

Ein Greif ist im Übrigen ein sehr altes Fabelwesen und schon vor rund 3500 Jahren im heutigen Iran und in Ägypten abgebildet. (Zumindest sind das die ältesten Abbildungen, von denen wir heute wissen.) Er folgt in den Asterix-Bänden einer längeren Tradition von Zentauren über Drachen, Elfen bis hin zu Einhörnern.

Cover Asterix 39
Egmont Ehapa Media GmbH – © Asterix® – Obelix® – Idefix ® / 2021 LES EDITIONS ALBERT RENE

Der letzte Band mit direktem Einfluss von Albert Uderzo

Parallel zur Titel-Ankündigung des neuen Albums jährt sich der Todestag das Asterix-Schöpfers Albert Uderzo. Am 24. März 2020 verstarb der Grand Seigneur. Jean-Yves und Didier erklären dazu: „Albert hat darauf vertraut, dass wir die Figuren, die er gemeinsam mit René Goscinny geschaffen hat, und das, wofür sie stehen, respektieren und in neuen Abenteuern fortführen. Wir sind sehr betroffen, dass er nicht mehr bei uns ist. Mit dem neuen Album, das hoffentlich viele Leser begeistern wird, setzen wir die Mission, die er uns anvertraut hat, fort.“

Zum allerletzten Mal hat Albert Uderzo seinen Einfluss und seinen genialen Humor in ein Asterix-Abenteuer eingebracht.

Comix-online wird auch weiter berichten. Hier geht es zu der Ankündigung.

Abbildungen © Asterix® – Obelix® – Idefix ® /2021 LES EDITIONS ALBERT RENE

Zack 262

ZACK 262 (April 2021)

Herausgeber/Chefredaktion: Georg F. W. Tempel

Blattgold Verlag

Heft Din A 4 | 84 Seiten | Farbe | 7,90 €
ISSN: 1438-2792

Cover ZACK 262

Der Frühling ist da und macht angeblich alles neu. Wie aber schon Theodor Fontane in Frühling verkündet hat:

Wohl zögert auch das alte Herz
und atmet noch nicht frei;
es bangt und sorgt: Es ist erst März,
und März ist noch nicht Mai.

Das April-ZACK 262 liegt genau dazwischen, ist aber schon eine seltene Pflanze, denn es enthält weder Neustart noch Abschluss einer Geschichte.

Die Fortsetzungen – Geschichten aus der Vergangenheit,

Das Titelmotiv stammt dieses Mal aus der Fantasy-Serie Saul von den beiden Niederländern Willem Ristier und Apriyadi Kusbiantoro. Der Held war im letzten Heft auf seiner Flucht von Zwergen gerettet worden. Diese hatten ihm den lebenden Mantel umgelegt, der nun langsam beginnt, Einfluss auf den Träger auszuüben. Er soll einen Krieger aus dem Träger machen. Derweil hat das auf Sauls Ergreifen ausgelobte Kopfgeld eine Jägerin angelockt. Auch sie begegnet dem Schneetiger, der ihr sein Geheimnis offenbart. Spannende Melange aus Action und bekannten aber neu gemixten Zutaten im Storm-Stil. Auffallend ist hier, dass die Zwerge nichts Niedliches an sich haben!

ZACK 262 Page 21

Danach geht es in das Frankreich des Jahres 1743. Die uneheliche Tochter des verstorbenen Marquis de Valcourt war zum Tode verurteilt worden und hatte von der Befreiung eines Anführers einer Truppe von Gesetzlosen profitieren können. Nicht alle im Lager sind aber über ihre Anwesenheit erfreut und auch sie selbst muss sich über ihre neue Lage klar werden. In Die Räuberin muss sich die zukünftige Rani langsam damit abfinden, dass ihre bisherigen Ansichten in einem neuen Leben nicht zählen werden. Spannende History-Serie von Altmeister Van Hamme und Alcante mit grandiosen Landschaften von Francis Vallés.

Jack Manini erzählt Geschichten über das Mädchen von der Weltausstellung in Paris. 1855 ist ein Auftritt des Kaisers Napoleon III. geplant und ein Offizier wird erpresst, um ihn öffentlich zu ermorden. Mit Hilfe der kleinen Julie versucht dieser, die Entführer zu enttarnen, um seine Geliebte aus ihren Fängen befreien zu können doch der Plan scheint schief zu gehen! Willem Étienne setzt die Geschichte gekonnt um. Er verwendet dabei durchaus moderne Layouts, bleibt aber grundsätzlich im vertrauten Streifenraster. Mit schnellen Schnitten schafft er Tempo und Dramatik und variiert dabei auch geschickt die Perspektive. Wer Bastos & Zakuski mochte wird auch hier erfreut sein!

ZACK 262 Page 38

Gegenwart und Zukunft

Nach all der Dramatik bringt Spaghetti den Klamauk zurück: Kampf um Fahrgäste mit allen Mitteln in Taxi! Der niederländische Tausendsassa Daan Jippes bringt die neuen Abenteuer der Figur von Dino Attanasio nach Geschichten von Frans Hasselaar zu Papier. Klassischer Füller in hoher Qualität!

ZACK 262 Page 53

Bei all der Vergangenheitsorientierung tut es gut, einen Sprung in die Zukunft zu machen: Terence Trolley öffnet das Fenster zum Gehirn und zeigt eine Welt, in der einige wenige Psy-Fähigkeiten haben. Natürlich rufen besondere Fähigkeiten auch die verschiedensten potentiellen Nutznießer*innen auf den Plan und nicht alle haben gute Absichten. Etwas ruppige Zeichnungen von Patrick Boutin-Gagné passen sehr gut zu dem Szenario von Serge Le Tendre das kein nettes Bild der Zukunft entwirft! Etwas erwachsener als das auf einem ähnlichen Grundsetting startende Harmony.

Abschließend bringt uns Empire USA 2.3 zurück in die Gegenwart. Der Kampf zwischen verschiedenen russischen Oligarchen und dem Amerikaner Marlin Deckart wird teilweise im Jet-Set ausgetragen, führt aber auch zu blutigen Auseinandersetzungen auf der Straße. Immer wieder sind auch Top-Models involviert. Und dabei versucht der Held, Jared, doch eigentlich nur die letzten Stunden vor der Ermordung seines Freundes zu rekonstruieren. Spannender Thriller mit ansprechenden Zeichnungen von Griffo der darauf wartet wegen der vielen Personen und Querverbindungen nach Komplettierung noch einmal am Stück gelesen zu werden! Ein guter Vertreter des Krimi-/Thriller-Genres!

ZACK 262 Page 68

Der ZACK-Held des Jahres 2019 ist … – Tusch!!

… wieder ein Western! Ich hatte meiner Meinung oft genug Ausdruck verliehen und dem One-Shot einiges zugetraut und tatsächlich hat Der Sheriff gewonnen! Auch sonst hat es einige Verwerfungen gegeben obwohl immer noch drei „Klassiker“ in neuem Gewand unter den ersten Fünf sind. Die Silbermedaille wurde von den Leser*innen an Rick Master verliehen! Von den in diesem Heft vertretenen Serien hat es Rani gleich mit dem ersten Teil auf das Treppchen geschafft – wie gut, dass hier noch einiges zu erwarten ist! Die komplette Liste gibt es online.

Und sonst?

Mein Lieblings-Onpager Tizombi hat es leider nicht in die Top Ten geschafft. Trotzdem lernen wir auch in dieser Ausgabe Neues über Schwierigkeiten auf dem Friedhof! Dazu kommen Parker & Badger und der Vater der Sterne mit alltäglichen Problemen. In einem Interview darf der deutsche Marvelzeichner Jonas Scharf über seine Projekte berichten und es geht um Rassismus im Geisterhaus. Das April ZACK 262 bietet einen bunten Frühlingsstrauß und dürfte alle Erwartungen erfüllen! Zum Schluss daher noch zwei Ankündigungen: Die Michel Vaillant-Gesamtausgabe wird im Herbst bei Egmont erscheinen (Näheres dazu bald hier) und ZACK-Abonnent*innen dürfen sich auf ein weiteres Spezial-Album freuen!

Zu diesem Heft passen ein frühlingshafter Kräuter-Gin mit Bitter Lemon und die guten alten Blechreiz mit „Which side are you on?“.

© der Abbildungen 2021 bei den jeweiligen Verlagen und Künstlern c/o Blattgold GmbH; © des Comix-online-Logos 2000 – 2021 Sven Krantz-Knutzen

Aymond/Bollée – Bruno Brazil – Die neuen Abenteuer 2

Bruno Brazil – Black Program Teil 2

Story: Lauren-Frédéric Bollée 
Zeichnungen: Philippe Aymond

Basierend auf den Charakteren von Greg und Vance

Originaltitel: Les Nouvelles Aventures de Bruno Brazil – Tome 2 Black Program

All Verlag

Hardcover | 56 Seiten | Farbe | 15,80 € | 
ISBN: 978-3-96804-028-8

Aymond Bollée Bruno Brazil neuen Abenteuer 2 Cover

In Bruno Brazil Band 9 war das Kommando Kaiman, eine Truppe von Geheimagent*innen unter Führung von Bruno Brazil, entscheidend geschlagen worden. Drei Agenten waren im Laufe der Einsätze gestorben, zwei weitere schwer verletzt und ihr Chef bedurfte der psychologischen Betreuung. Obwohl es schon in den siebziger Jahren Ideen gab, die Geschichte fortzuentwickeln, folgten nur noch ein paar Kurzgeschichten. 2019 war es dann aber endlich soweit:  Laurent-Frédéric Bollée schrieb ein zweiteiliges Szenario zu den Neuen Abenteuern und Philippe Aymond setzte das ganze grafisch um: Black Program war geboren!

Zurück zu den Wurzeln

Bereits in Teil 1 war es Brazil gelungen, seine Dämonen in Schach zu halten und die Reste des Teams wieder zusammen zu fügen. Altbekannte Gegner*innen waren plötzlich zu Opfern geworden und immer wieder tauchte ein Name auf: Black Program. Nun zeigt es sich, dass die NASA nach dem Ende der bemannten Raumfahrt zum Mond keineswegs aufgehört hatte, sondern eine geheime Apollo 18 Mission zum Mars durchgeführt worden war. Zwar hatte es Probleme gegeben, beide Astronauten hatten aber zur Erde zurückkehren können.

Black Program 2 page 23

Es wird klar, dass Ottoman und Rebelle nicht nur eine Basis im südamerikanischen Dschungel gebaut hatten und die zweite wieder in Benutzung zu sein scheint. Die dahinterstehende Organisation steht in Verbindung mit den anschlägen und auch mit dem überlebenden Astronauten. Bruno und Gaucho machen sich auf den Weg, diese zu suchen, und werden dabei von Nomade und Whip aus dem Hintergrund unterstützt. Dazu scheint es noch ein Geheimnis zwischen Bruno und Rebelle zu geben.

Die Story von Laurent-Frédéric Bollée ist sicherlich etwas anders gelagert als die damaligen Geschichten von Greg: Neben den weiterhin vorkommenden Agententhriller-Aspekten, den Actioneinlagen und der Teamchemie, bei denen der Originalton sehr passend weitergeführt wird, tauchen auch Science-Fiction-Elemente auf. Diese passen technologisch vielleicht nicht ganz zu den Gegebenheiten Ende der Siebziger Jahre, integrieren sich in das Storykonzept aber ganz gut und machen neugierig auf weitere Folgen. Das neue Kreativteam hat definitiv den Mumm, den Klassiker zwar ehrfürchtig fortzusetzen, dabei aber gleichzeitig auch kräftig zu erneuern!

Aymond Bollée Bruno Brazil neuen Abenteuer 2page 24

Brillante Hintergründe und viel Action

Während man die Story ohne größere Verrenkungen mit dem Original verbinden kann fällt das bei den Zeichnungen etwas schwerer! Natürlich hat Philippe Aymond einen eigenen Stil (und ich glaube auch nicht, dass Vance‘ Strich einfach zu kopieren wäre). Die Figuren haben auch einen hohen Wiedererkennungsfaktor, es fühlt sich aber trotzdem ein wenig so an als ob die Schauspieler*innen in der Staffelpause ausgewechselt worden wären. Dabei macht Aymond seine Sache gut; die Dschungelszenen sind erstklassig und auch die Darstellung des Weltraums, der technischen Labore, überhaupt aller Umgebungen gelingen ihm ausgesprochen gut.

Die Figuren wirken dagegen manchmal etwas unbeholfen was sich meines Erachtens nach auf eine einzige Schwachstelle zurückführen lässt: Die Mundpartie! Die Lippen sind zu Botox-lastig und die ewig-gleiche weiße Zahnreihe wirkt irritierend.

 Black Program 2 page 29

Das ist aber nur ein Schönheitsfehler! Actionszenen wechseln sich mit Meetings oder sogar Familienbildern ab und die eine oder andere Reminiszenz an andere Serien hat auch den Weg in das Album geschafft.

Fazit

Die Serie gehört sicherlich zu DEN Klassikern des europäischen Comics. Im Gegensatz zu vielen Anderen hatte sie allerdings nur eine relativ kurze Laufzeit und so ist es zu begrüßen, dass auch Bruno Brazil nun ein zweites Leben erlaubt worden ist. Story-technisch ist der Spagat zwischen reiner Nachahmung und moderner Weiterentwicklung gelungen. Zeichnerisch befindet sich das Team auf sehr gutem Weg dahin. Es bleibt also zu hoffen, dass weitere Abenteuer folgen werden!

Bruno Brazil - neue Abenteuer 2 page 26

Dankenswerter Weise bringt der All-Verlag aktuell nicht nur Bruno Brazil – die Neuen Abenteuer heraus, sondern legt auch die alten erneut auf. Im Buchregal passen also beide Reihen perfekt zueinander! Hardcover, Überformat, gutes Papier und die Möglichkeit, eine limitierte Vorzugsausgabe mit Schutzumschlag und signiertem ExLibris zu erwerben, sind ein Lob wert!

Dazu könnte sicherlich ein gut gekühltes Westcoast-IPA schmecken und Cock Sparrer, die in den letzten 5 Jahrzehnten jeweils mindestens einen Tonträger veröffentlicht haben, schlagen dazu die musikalische Brücke aus den Siebzigern!

Bruno Brazil - neue Abenteuer 2 ExLibris
ExLibris der limitierten VZA

© der Abbildungen Éditions du Lombard (Dargaud-Lombard S.A.) 2020 by Aymond, Bollée

© der deutschen Ausgabe All-Verlag Wipperfürth, 2021

Dufaux/Pellejero – Regenwolf

Gesamtausgabe Regenwolf

Story: Jean Dufaux
Zeichnungen: 
Rubén Pellejero

Originaltitel: Loup de Pluie – Intégrale complète

Schreiber und Leser

Hardcover | 144 Seiten | Farbe | 29, 80 € |

ISBN:  978-3-96582-049-4

Cover Dufaux Pellejero Regenwolf

Der Gattung Western haftete lange ein bisschen Anrüchiges an: Rassistisch, sexistisch, konservativ und altbacken. Es geht aber auch anders und viele sogenannte Neo-Western versuchen einen anderen Blickwinkel einzunehmen. Zunächst ging es darum, die amerikanischen Ureinwohner*innen nicht entweder als „Edle Wilde“ oder – entgegengesetzt – als „Untermenschen“ darzustellen. Nun wird vermehrt auch der Blick auf aktive weibliche Rollen gelenkt.

Klassische Inhaltselemente, neu gedacht und auf die Füße gestellt

Regenwolf ist dabei ein meiner Meinung nach extrem gut gelungener Versuch, einen anderen Blick zu ermöglichen. Jean Dufaux lässt die ganze Geschichte von einer Frau, Blanche McDell, erzählen und hat damit schon mal eine ganz andere Perspektive. Ein sehr unsympathischer Jüngling kommt in ein kleines Städtchen, um den Sohn eines Eisenbahnbarons wegen einer Frauengeschichte herauszufordern. Im Saloon kommt es zu einer Auseinandersetzung mit einem Indianer – Regenwolf – der anschließend den Fremden in Notwehr erschießt. Natürlich ist der rote Mann Schuld und kann nur durch das Eingreifen des Industriellen vor einem Lynchmord gerettet werden. Die Verwandten des Getöteten schwören aber Rache und starten einen Feldzug.

Dufaux Pellejero Regenwolf page 10

Im weiteren Verlauf verweben sich zwei bis drei Liebesgeschichten ineinander, rassistischer Hass bricht sich seine Bahn und findet in Dummheit einen perfekten Nährboden und mehrere Frauen stellen die Frage, ob Gewalt immer die richtige Lösung sein muss. Tatsächlich bleibt nur selten keine andere Wahl. Und auch andere Stereotypen wackeln: Der Tycoon ist auf der Seite der Guten und der junge Häuptlingssohn kann sein Temperament beherrschen. Nur die Dumpfbacken mit und ohne Colt bleiben was sie sind.

Es gibt aber noch eine mythologische Ebene, auf der anhand der Jagd auf den Weißen Bison die Frage nach dem Überleben der indianischen Kultur überhaupt gestellt wird. Ein weißer Misanthrop möchte ihn als Trophäe haben während für den der Kultur zugeneigten jüngeren Sohn der McDells und den titelgebenden Regenwolf eher der spirituelle Aspekt im Vordergrund steht. Und nicht zuletzt gibt es immer noch die Kraft der Liebe, die unterschiedliche Männer dazu bringt, Unerwartetes zu vollbringen und sich selbst zu opfern.

Dufaux Pellejero Regenwolf page 11

Die Entscheidung, die beiden Folgen in einem Integrale zu veröffentlichen, ermöglicht ein sehr dichtes Lesevergnügen. Dufaux hat sich Zeit gelassen, um Personen zu entwickeln, Beziehungen zuzuspitzen und Hintergründe zu beschreiben. Dadurch ist trotz der vielen Handlungsstränge auch nichts unlogisch! Aber der Name steht ja auch ansonsten für qualitativ gute Szenarien von Blake und Mortimer über Djinn bis hin zu Murena.

Das Spiel mit Farben und Schatten

Rubén Pellejero ist den Leser*innen von comix-online zuletzt mit den Fortsetzungen von Corto Maltese begegnet. Des Weiteren ist das von ihm gezeichnete Dieter Lumpen von Carlsen begonnen und von Finix beendet worden. Vielleicht beginnt sein Stern ja jetzt auch in Deutschland heller zu strahlen, denn Regenwolf ist ohne Frage nicht nur vom Szenario her ein Meisterwerk!

Er mag die klare, schwarze Linie als Kontur und zeichnet damit sowohl Gesichter in der Großaufnahme als auch Totalen. Gerade im ersten Teil sind die Gesichter teils noch etwas karikierend, der Realismus setzt aber mit fortlaufender Zuspitzung ein. Die Farben sind prinzipiell eher an Erdtöne angelegt, variieren aber entsprechend der Tageszeit. Sie fokussieren die emotionale Stimmung, wenn etwa das Abendrot vom Berg aufgenommen wird und die drohende Gewalt symbolisiert.

Detail  Regenwolf

Anwärter auf den Comic des Jahres

Dieser Western ist für mich ein klarer Anwärter auf eine sehr hohe Platzierung in der Wertung Comic des Jahres! Dufaux bringt neue Perspektiven in ein spannendes und sehr vielschichtiges Szenario, Pellejero setzt kongenial die Impulse in digital erstellte Bilder um die einen Kino-Soundtrack überflüssig machen können!

Sicherlich ist der Regenwolf für Western-Fans ein Must-have, aber auch für Graphic Novel-Leser*innen, die neue Perspektiven zu schätzen wissen, gut erzählten Geschichten folgen möchten oder einfach Spaß an guten Bildern haben. Dazu kommt natürlich die gute Ausstattung: Hardcover, Fadenheftung und sattes Papier mit leicht glänzenden Farben! Zwei eher am Westernfilm orientierte Essays über die herausragende Bedeutung des Regenwolfes von Regisseur Bertrand Tavernier und der Szenaristin Corine Jamar sowie einige teils ganzseitige Illustrationen machen das Vergnügen vollkommen!

Banner Regenwolf

Dazu passen eine Kanne Kaffee und moderne Klänge wie von den (älteren) Einstürzenden Neubauten.

© der Abbildungen Dargaud Benelux (Dargaud – Lombard S. A.) 2104, by Dufaux, Pellejero; 2021 Verlag Schreiber & Leser

Vance/Albert – Bruno Brazil 9

Alles oder nichts für Alak 6

Story: Louis Albert (Greg) 
Zeichnungen: William Vance

Originaltitel: Quitte ou double pour Alak 6

All Verlag

Hardcover | 68 Seiten | Farbe | 15,80 € | 
ISBN: 978-3-96804-026-4

Bruno Brazil 9 - Cover

Bruno Brazil war eine Agentenserie des neuen Typs in den Siebziger Jahren. Es ging nicht darum, einen strahlenden Helden zu zeigen, der sich mehr mit dem Anbaggern von Frauen beschäftigt als mit dem eigentlichen Auftrag. Dementsprechend waren auch die Geschichten eher blutig und die Auftraggeber kaltblütig.

Dance Hall Crusher

Der Geheimdienst hat sich für den Schutz der geheimen Myxin-Formel etwas ganz Besonderes einfallen lassen: Nur zwei Menschen kennen sie und zusätzlich ist sie in einem geschützten Rechenzentrum gespeichert. Als erst einer der Geheimnisträger ermordet wird und dann eine Bombe die gespeicherten Daten vernichtet wird das Kommando Kaiman benachrichtigt. Sie kommen allerdings zu spät um den Tod der zweiten Person zu verhindern.

Bruno Brazil 9 - page 24

Es stellt sich heraus, dass es einen Plan B gibt: Einem ziemlich erfolglosen Agenten war das Geheimnis unter Hypnose „eingepflanzt“ worden. Nun beginnt ein tödliches Spiel für die Kaimane, die sich als Musikkapelle verkleidet nach Mogadischu begeben, eben Alles oder Nichts für Alak 6. Greg hat ein extrem spannendes Szenario für die Agententruppe geschrieben für das eigentlich auch eine Fortsetzung vorgesehen war. Tatsächlich folgten aber nur noch ein paar Kurzgeschichten bevor ein neues Team vor kurzem mit den neuen Abenteuern den Faden wieder aufgenommen hatte.

Kongeniale Zeichnungen

William Vance ist hier auf der Höhe seiner Zeichenkunst. Ausdrucksstarke Personen in einem modernen 70-er Jahre Ambiente und Panels, die obwohl in einem traditionellen Raster angeordnet, immer wieder Überraschungen enthalten und erstaunlich vielseitig daherkommen. Vance arbeitet  vor allem mit Schraffuren und Linien, die Prägung durch schwarz-weiße Zeitungsstrips ist nicht zu verleugnen.

Bruno Brazil 9 - page 33

Die neuen, von Greg in Tintin lancierten Serien Bruno Brazil, Comanche oder Andy Morgan haben die frankobelgische Comiclandschaft komplett durchgerüttelt und sind heute noch stilprägend! Und so erscheint diese Geschichte nach Auftritten im Koralle-ZACK, bei Carlsen und Egmont EHAPA nun verdientermaßen in einem eigenständigen Hardcover, erstmals im Übrigen mit einem deutschen Titel, der dem Original entspricht.

Die Empfehlung

Bruno Brazil dürfte in keinem Comicregal fehlen und wer die Serie nicht kennt sollte definitiv einen Blick riskieren. Nicht nur, dass sie zeichnerisch und storytechnisch neue Maßstäbe gesetzt hat, sie hat auch heute noch nichts von ihrer Lesbarkeit eingebüßt. Mehr zu der Serie über den smarten Bruno und seine Kaimane in Kürze in einem Serienkompass. Auch in diesem Band gibt es einen Beitrag von Bernd Weckwert über „Brazils Väter“!

Bruno Brazil 9 - Ex Libris der VZA
Das Ex Libris der limitierten VZA

Natürlich gibt es auch von diesem Band eine limitierte Vorzugsausgabe mit exklusivem ExLibris! Für alle Krimifans, Liebhaber*innen von Agententhrillern, Genießer*innen guter Stories (ohne Happy End) und natürlich auch für die Generation ZACK ein echter Tipp!

Dazu passen The Ruts und ein Gentleman Jack’s.

© der Abbildungen Èditions du Lombard (Dargaud-Lombrd S. A.) by Greg, Vance, 2021 All Verlag

Morris – Lucky Luke 100

Die Ursprünge (Western von gestern)

Text: Morris

Zeichnungen: Morris

Originaltitel: Arizona & La mine d´or de Dick Digger

Egmont Ehapa Media

Softcover | 48 Seiten | Farbe | 6,90 € (als Hardcover 14,00 €)
ISBN: 978-37704-0122-2 (Hardcover)

Cover Lucky Luke 100
(c) Lucky Comics 2021

Gleich zwei neue Abenteuer des Mannes, der schneller zieht als sein Schatten von Morris? Kann das sein? Nun ja, natürlich erscheinen die beiden ersten Geschichten von Lucky Luke nicht erstmals auf Deutsch, sie waren aber bisher noch nicht Bestandteil der Reihe, die genau passend zum 75. Geburtstag der Western-Legende ihren 100. Band präsentiert! Mehr zum Jubiläum gibt es hier.

Die allererste Lucky Luke Veröffentlichung

1946 schrieb und zeichnete der gerade 23-jährige Maurice De Bevere die Geschichte Arizona 1880 und präsentierte erstmals einen Helden, der zur Legende werden sollte. Schon damals war Lucky Luke mit seinem typischen gelben Hemd, einem roten Halstuch und weißem Cowboyhut bekleidet. Der Look war trotzdem noch ein wenig anders was Dank des neuen Titelbildes des aktuellen Zeichners Achdé gut zu erkennen ist.

Back-Illustration Lucky Luke 100
(c) Lucky Comics 2021

Die Geschichte war Bestandteil des legendären Spirou-Almanachs 1947 und begründete den Ruhm des unter dem Pseudonym Morris arbeitenden Künstlers. Die Geschichte ist noch sehr Slapstick-lastig und beschreibt die Auseinandersetzung des Cowboys mit ein paar Gesetzlosen. Lucky Luke steht dabei auf der Seite des Gesetzes und bereits das erste Abenteuer endet damit, dass der Held auf seinem Pferd in den Sonnenuntergang reitet.

Weiter geht‘s

Auch die Goldmine von Dick Digger aus dem Jahr 1947 ist eher actionlastig und beinhaltet die eine oder andere Prügelei. Lucky Luke wird dabei keineswegs verschont: er wird von Steinen begraben, gefesselt und fast ertränkt, würde also in einer der früheren Zeichentrickshows mit Bugs Bunny oder Tom & Jerry kaum auffallen. Sein Körper ist weniger langgestreckt, der Kopf einfacher gestaltet und viele Details werden erst im Laufe der weiteren Jahre dazukommen.

Genau die Unfertigkeit macht aber den Reiz der ursprünglich als Teil der Lucky Luke Classics Band 1 und 3 veröffentlichten Stories aus. Viele wichtige Elemente sind bereits enthalten, die Geschichten haben sich dagegen glücklicherweise weiterentwickelt. Einen ersten Höhepunkt erlebten sie in der Phase als Rene Goscinny die Szenarien verfasste und das aktuelle Fackeln im Baumwollfeld von Jul und Achdé ist meiner Meinung nach eines der besten überhaupt.

Das Jubiläumsjahr

Morris hätte sich sicher nicht einmal gewagt zu träumen, dass sein Cowboy nach 75 Jahren immer noch reiten würde. Es gibt wenige Glücksfälle dieser Art und es gehört Mut und Geschick dazu, zu erkennen was nötig ist. Ein ganz wichtiger Schritt war sicherlich die Hinzunahme von Szenaristen, denn die Zeichnungen allein hätten den Erfolg nicht begründen können. So aber können wir in diesem Jahr nicht nur zwei alte Klassiker erneut würdigen (der Verlag spendiert dazu für die erste Auflage eine Goldfolie für die Titelzeile).

Logo 75 Jahre Lucky Luke
(c) Lucky Comics 2021

Es gibt auch eine neue Gesamtausgabe, eine weitere Hommage von Matthieu Bonhomme und nach Mawil bereits die zweite deutsche Interpretation des Helden. Ich bin sehr gespannt wie die manchmal doch sehr konservative Fangemeinde Ralf König feiern wird.

Zur Nummer 100 passen auf jeden Fall ein Getränk auf Agavenbasis und Willow Osborne mit ihrem Banjo, etwa Foggy Mountain Breakdown.

© der Abbildungen Lucky Comics 2021

Zack 261

ZACK 261 (März 2021)

Herausgeber/Chefredaktion: Georg F. W. Tempel

Blattgold Verlag

Heft Din A 4 | 84 Seiten | Farbe | 7,90 €
ISSN: 1438-2792

Cover ZACK 261

Diese Ausgabe läutet schon wieder den Abschied vom ersten Quartal des Jahres ein. Wir hatten in einigen Gegenden Deutschlands das erste Mal seit Jahren wieder Schnee und ansonsten haben wir coronabedingt aufgeräumt, viel gelesen oder ferngesehen und lustige Frisuren bekommen. Mit diesem ZACK lernen wir zwei weitere neue Serien kennen.

Die Neustarts

Den Anfang macht Terence Trolley, die neue Serie von Serge Le Tendre. Dieser ist in Deutschland alles andere als unbekannt, hat er doch sowohl im Fantasybereich mit Auf der Suche nach dem Vogel der Zeit als auch mit dem Western Chinaman schon große Duftmarken gesetzt. Letztere war im Übrigen auch im ZACK vertreten und wartet immer noch auf die angekündigte Gesamtausgabe. Die aktuelle Serie thematisiert die Frage wie weit „Wissenschaft“ gehen darf, wo genetische Manipulationen aufhören müssen. Patrick Boutin-Gagné zeichnet dazu in einem sehr rauen Stil; zarte Details sind seine Sache nicht, aber zu diesem Thema passt das ganz gut. Im ersten Teil von Das Fenster zum Gehirn fällt eine außergewöhnliche Gedankenkraft eines Jungen bei einem Rummelbesuch auf und wird weitergemeldet.

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Es gibt noch einen weiteren Neustart im Grenzbereich zwischen Fantasy und Science-Fiction: Saul, eine im Stil von Storm sehr realistisch gezeichnete Saga kommt aus dem StripGlossy. Der lebende Mantel erzählt die Geschichte eines Geflüchteten. Zu Unrecht eines Verbrechens bezichtigt, flieht er aus der Hauptstadt seines Planeten Boritas. Ein Wirbelsturm verschlägt ihn in das Land der Riesen, die ihn sofort töten wollen. Und auch eine Großkatze ist nicht gerade freundlich gesinnt. Willem Ritstier ist bei unseren westlichen Nachbarn ein sehr bekannter und vielseitiger Szenarist, der aus Lombok stammende Zeichner Apriyadi Kusbiantoro war bisher mehr in der Werbung unterwegs.

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Beide neuen Serien versprechen mit ganz unterschiedlichen Zeichenstilen spannende Unterhaltung!

Die Fortsetzungen

In eine ganz andere Zeit, nämlich das Frankreich des Jahres 1743, versetzt uns Rani. In Die Räuberin wird die unschuldig zum Tode Verurteilte befreit und entdeckt eine ganz andere Gesellschaft: die der Ausgestoßenen, Vertriebenen und Entrechteten. Jean Van Hamme und Alcante haben ein sehr dichtes Szenario geschaffen das Francis Vallès genügend Möglichkeiten lässt, Menschen in allen Lebenslagen und Landschaften zu zeichnen. Mehr zu den Hintergründen der schönen Historiengeschichte im Serienkompass, der aber Spoiler enthält!

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Spaghetti ist ein ganz klassischer Funny von Dino Attanasio und René Goscinny. Der rasende Lieferant von warmen Speisen wurde für das StripGlossy von Daan Jippes modernisiert. Hier darf er gleich zwei aufeinander aufbauende One-Pager nach Szenarios von Frans Hasselaar durchleiden. Empfehlenswert!

Das Mädchen von der Weltausstellung geht mit dem ersten Teil Paris, 1855 bereits in die dritte Runde. Ein Soldat war gezwungen worden, eine Bombe auf der Ausstellung zu platzieren, um seine Frau zu retten. Diese entpuppt sich zwar als Blindgänger zu Testzwecken, der nun folgende Auftrag ist aber noch gewaltiger. Kann Julie mit ihren hellseherischen Fähigkeiten helfen? Jack Manini erzählt eine spannende Geschichte rund um die Attraktionen der Weltausstellung und Willem Étienne setzt die Mischung etwa im Stil von Bastos und Zakusky kongenial um.

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In Empire USA 2.3 versucht Jared, der Held, immer noch herauszufinden, was sein Freund gemacht hat, bevor er ermordet worden war. Es ist klar, dass russische Oligarchen eine Rolle gespielt haben, und dass es eine Gruppe von ehemaligen KGB-lern gibt, die sich den neuen Verhältnissen angepasst haben. Es scheint aber auch Verbindungen zu Supermodels zu geben. Griffo zeichnet einen harten Thriller mit Blut und nackter Haut den Stephen Desberg entwickelt hat. Es würde mich nicht wundern, wenn diese Geschichte über kurz oder lang bei einem der Streaminganbieter auf der Liste stehen würde.

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Und sonst?

Natürlich gibt es neue Geschichten von der Friedhofs-WG um Tizombi, in der es um (misslungene) Romantik, das richtige Feiern und die Körperpflege geht. Wie immer unterscheiden sich dabei Gepflogenheiten von Lebenden und Untoten ein wenig. Der Vater der Sterne ist dabei, das grandiose Mechanica Caelestium wird vorgestellt, das frankoblegische Comic-Kino geht in die elfte Runde und Rezis, News sowie Frank Neubauers ZACK-Keller runden das Programm ab.

Der ZACK-Held sollte mittlerweile gewählt worden sein. Im Kommentar dürfen gerne Prognosen abgegeben werden. Sicherlich gute Chancen darauf hat Michel Vaillant dessen „Vater“ Jean Graton Anfang des Jahres gestorben ist. Natürlich würdigt das Editorial einen der letzten Vertreter der Generation, die das „alte“ ZACK geprägt haben.

Der Frühling kommt mit frischem Wind, der Winterschlaf ist zu Ende! Lasst euch also mitnehmen von zwei komplett neuen Serien, genießt das (zum zehnten Mal in Folge zu warme) Wetter und bleibt gesund! Dazu passen möglicherweise ein Altbier und als Ausblick auf das kommende die neue Single von den Dropkick Murphys!

© der Abbildungen 2021 bei den jeweiligen Verlagen und Künstlern c/o Blattgold GmbH

Taymans – Caroline Baldwin 17

Narco-Tango

Story: André Taymans

Zeichnungen: André Taymans

Originaltitel: Caroline Baldwin Narco-Tango

Schreiber und Leser

Hardcover | 48 Seiten | Farbe | 14,95 € |

ISBN:  978-3-96582-054-8

Cover Caroline Baldwin 17

Caroline Baldwin ist eine der wenigen Ermittlerinnen in der Comicbranche, die es auf eine lange Laufzeit gebracht haben. Dabei war das gar nicht geplant denn das erste Abenteuer war als One-Shot gedacht und die Heldin anfangs nur als Nebenfigur. Zum Glück kam es dann aber doch anders. Mehr zur Serie im Allgemeinen bei der Rezension des ersten Bandes der gerade parallel gestarteten Gesamtausgabe der Bände 1 bis 16 im Sub-Label Alles Gute! des Hamburger Verlages Schreiber & Leser.

Alte Tänze und neue Drogen

2007 war zunächst einmal Schluss mit neuen Geschichten um die selbstbewusste junge Frau. Charaktere abseits der üblichen Schemata sind aber gefragt und so hatte sich die Idee einer Verfilmung ergeben. Es wurde fleißig am Drehbuch gewerkelt, das dann aber doch nicht umgesetzt wurde. Glücklicherweise war es aber die Grundlage für einen neuen Zyklus, der die Heldin mit indianischen Wurzeln 2012 zurückbrachte.

Caroline erhält in Narco-Tango von einer Pharma-Firma den Auftrag, einen Wissenschaftler aufzuspüren, der vor kurzem mit wichtigen Unterlagen im Gepäck verschwunden war. Die Firma befürchtet, dass er zur Konkurrenz gewechselt sein könnte. Als die Heldin die Ermittlungen aufnimmt, erfährt sie von einem ehemaligen Schulfreund, dass die Stadt gerade von neuen Drogen überschwemmt wird. Und die ehemalige Assistentin des Forschers erzählt, dass er verrückt nach Tango gewesen wäre.

Caroline Baldwin 17 page 7

Natürlich lässt André Taymans seine Heldin also Tangounterricht nehmen, um die Ermittlungen in Fahrt zu bringen. Wie immer gerät sie dabei in Gefahr, muss verzwickte Verbindungen aufdröseln und das eine oder andere Getränk zu sich nehmen. Die Story ist spannend, gut konstruiert und funktioniert im Comic perfekt. Verfilmt kann ich mir das nicht ganz so gut vorstellen.

Die moderne Klare Linie

Taymans hat aber nicht nur das Szenario verfasst, sondern auch zeichnerisch umgesetzt. Er bleibt bei seiner modernen Interpretation der klaren Linie. Die Dynamik ist gut herausgearbeitet und sowohl Tanz- als auch Kampfszenen zeigen realistische Körperhaltungen. Die Panels sind konsequent in Streifen angelegt wobei Anzahl und Höhe wechseln. Die Geschwindigkeit wird daher allein durch Perspektivwechsel und Bildfolgendichte geregelt.

Caroline Baldwin 17 page 8

Gerade im Vergleich zu den Anfängen ist die Heldin nicht mehr so freizügig dargestellt. Sie ist erwachsener geworden ohne dabei langweilig oder weniger freigeistig zu werden und das ist gut so. Die Hintergründe sind, wenn benötigt, sehr detailliert, versuchen aber nicht, den Fokus auf sich zu lenken. Also genau so, wie man es erwartet hätte.

Die Empfehlung

Für Krimifans eine echte Empfehlung: Action mit einer zugrundeliegenden, relevanten Story und glaubwürdigen Akteur*innen. Wer auf selbständige, emanzipierte Heldinnen steht wird hier ebenfalls zufrieden sein und Fans der Klaren Linie sowieso. Die Serie strahlt zudem einen gewissen nostalgischen Charme aus, denn insbesondere Caroline Baldwin ist liberal im eigentlichen Sinn und offen für Neues. Schade, dass das heutzutage so selten geworden ist.

Ex Libris Caroline Baldwin 17 VZA
Ex Libris der limitierten VZA

Natürlich ist der Band mit seinen Glanzlackapplikationen auf weißen Hintergrund auch ein Schmuckstück für jede Sammlung. Wer es ganz edel möchte kann zur limitierten Vorzugsausgabe greifen der ein ExLibris beiliegt. Den Abschluss des Bandes bildet eine Seite mit Hinweisen von André Taymans zu dieser Geschichte und dem geplanten Film sowie eine unkolorierte Seite als Ausblick auf Band 18!

Dazu passen ein Manhattan und Joy Crookes, eigentlich mit allem.

© der Abbildungen 2017 Studio Caroline / André Taymans, 2017 BELG Prod. Sarl., 2021 Schreiber und Leser