Paape/Greg – Luc Orient 2

Luc Orient Band 2 – Die gefrorenen Sonnen

Story: Greg (Michel Regnier)
Zeichnungen: Eddy Paape

Originaltitel: Les soleils de glace

All Verlag

Hardcover | 68 Seiten | Farbe | 15,80 € |

ISBN: 978-3-946522-42-3

cover Luc Orient 2

Auch der zweite Band der neuen Werkausgabe von Luc Orient von Edouard Paape und Greg aus dem All-Verlag ist bereits erschienen. Wie schon Teil 1 enthält die Neuausgabe wieder 16 redaktionelle Seiten mit Informationen, Illustrationen und Cover-Abbildungen. Natürlich fehlen auch die editorischen Notizen zu den bisherigen Veröffentlichungen dieser Geschichte nicht.

Ein besonderes Schmankerl stellt der fortgeführte Abdruck des Werbecomics aus den 70-er Jahren über Val, den Eroberer des Weltraums dar. Dieser 17-seitige Werbecomic für Valfruit-Fruchtsäfte von Eddy Paape und Yves Duval ist ebenfalls Science-Fiction und stilistisch sehr stark an Luc Orient angelehnt. Natürlich handelt es sich dabei um eine deutsche Erstveröffentlichung. Jeder Band wird eine neue Seite enthalten.

Luc Orient 2 page 38

Volker Hamann legt in seinem begleitenden Beitrag dieses Mal den Schwerpunkt auf den Zeichner von Luc Orient, das historische Vorbild Flash Gordon und die für die niederländische Magazin-Ausgabe in Pep angefertigten Cover von Hanns G. Kresse. Diese Beiträge gehen sowohl tiefer als auch mehr in die Breite als die etwas kurzen Texte in den Ehapa-Integralen.

Für die möglichst originalgetreue Widergabe hat der All-Verlag übrigens die Originalschrift von Paape digitalisiert und für das Lettering verwendet. Die Farben sind ebenfalls restauriert worden. Es hat sich gelohnt!

Inhaltlich nimmt die Story Fahrt auf. Mussten im ersten Band zunächst noch die Akteure und das generelle Setting vorgestellt werden, können Greg und Paape hier voll in die Handlung einsteigen.

Detail Luc Orient 2

Das Tal von Sher-Dahng beherbergt eine seltsame und nicht ungefährliche Vegetation, die im Gegensatz zum Liger (Kreuzung aus Löwe und Tiger) im letzten Band nicht allein mit Mutationen zu erklären ist. Als die Gefährten feststellen müssen, dass Lora scheinbar entführt wurde, machen sich Kala, Toba und Luc zusammen mit zwei Einheimischen an die Verfolgung. Nach einer dramatischen Floßfahrt können sie sich in eine Grotte retten. Hier kommt es zum Kontakt mit zwei Außerirdischen, der trotz einiger Missverständnisse nicht zur gegenseitigen Vernichtung führt. Glücklicherweise hilft die Droge (aus Band 1) universell bei der Verständigung und unsere Helden erfahren das Geheimnis von den notgelandeten Raumschiffen, die als Drei Sonnen in die Legenden eingegangen sind. Eine Besatzung liegt aber aufgrund eines technischen Versagens noch in einem katatonischen Zustand, der die langen interstellaren Reisen erst ermöglicht.

Wird Kala die fremde Technologie und Physiologie soweit verstehen, dass er sie retten kann? Und: Was machen Argos, Toro und Rowney? Argos wird definitiv nicht aufgeben und die von ihm vermuteten Erkenntnisse für seine persönliche Machtergreifung nutzen wollen.

Detail Luc Orient 2

Die Handlung ist ein spannender Plot, der auch beim wiederholten Lesen noch Spaß macht und in keinster Weise zeitgebunden ist. Obwohl der Text seine 50 Jahre auf dem Buckel hat, könnte er problemlos sofort in die Netflix-/Amazon-Verfilmung gehen. Auch das Dekors von Paape ist zwar ein wenig in der damaligen Zeit verfangen was „Moderne“ angeht, keinesfalls aber so stark, dass man ihm sein Alter ansehen würde. Der Zeichenstil als solches ist dagegen heute nicht mehr en vogue da nicht computerkoloriert. Für mich schadet das nicht!

Von diesem Band ist – wie übrigens auch von jedem der noch erscheinenden Bände – eine auf 111 Exemplare limitierte Vorzugsausgabe mit nummeriertem Ex Libris erhältlich.

Dazu passen Orchestral Manoeuvres in the Dark und Singapore Sling!

© der Abbildungen 2019 All-Verlag, Wipperfürth

Am 11. Mai 2019 ist Gratis Comic Tag

Header GCT

Am zweiten Samstag im Mai freuen sich Comic-Liebhaber*innen in Deutschland besonders, denn an diesem Tag gibt es Geschenke! Schon zum 10. Mal findet der Gratis Comic Tag nun statt!

Der deutsche GCT ist eine der größten verlagsübergreifenden Kooperationen der hiesigen Buchbranche. Zahlreiche Verlagshäuser, von den Marktführern bis zur Independent-Schmiede, tun sich auch 2019 zusammen, um die Erfolgsgeschichte fortzuschreiben: 2010: ca. 150 Standorte und 170.000 Hefte; 2015: ca. 230 Standorte und 230.000 Hefte; 2017: ca. 320 Standorte und 380.000 Hefte; 2018: ca. 420 Standorte und 1/2 Million Hefte. 2019 nehmen ca. 450 Standorte teil und die Gesamtauflage hat die Marke von über 600.000 Heften geknackt.

Viele Händler planen an diesem Tag besondere Aktionen, Signierstunden oder Gewinnspiele – Schaut einfach mal wieder bei eurem Lieblingsladen vorbei. Die Liste aller teilnehmenden Locations findet ihr hier: www.gratiscomictag.de/haendlersuche

In diesem Jahr gibt es sieben Hefte speziell für Kids und 27 Publikationen, die sich an ältere Leser*innen richten, erstmals zum Teil sogar mit 64 Seiten! Alle Titel gibt es hier: http://www.gratiscomictag.de/comics/

In Kürze werde ich hier den einen oder anderen Titel kurz vorstellen um euch ein paar Anregungen zu geben!

Paape/Greg: Luc Orient 1

Luc Orient Band 1 – Die Feuerdrachen

Story: Greg (Michel Regnier)
Zeichnungen: Eddy Paape

Originaltitel: Les Dragons de Feu

All Verlag

Hardcover | 68 Seiten | Farbe | 15,80 € |

ISBN: 978-3-946522-40-9

Cover Luc Orient 1

Der blonde, muskulöse Wissenschaftler und Abenteurer Luc Orient ist zurück. Sieben Jahre nach dem Erscheinen der mittlerweile vergriffenen Integral-Ausgabe bei Ehapa startet der All-Verlag eine Neuausgabe der Serie in 18 großformatigen Einzelbänden. Die Science-Fiction-Serie von Greg und Paape war eine der Hauptsäulen des klassischen ZACK und hat auch nach über 50 Jahren noch ihre Reize!

War der die ersten fünf Teile umfassende Zyklus noch stark von Flash Gordon beeinflusst, sollte sich die Serie im Laufe der Zeit zu einer der bekanntesten und bedeutendsten frankobelgischen Science-Fiction-Serien entwickeln und die fast schon verschwundene Gattung zu neuer Blüte führen. Sie gehörte zu den ersten Serien die Greg nach seiner Übernahme der Chefredaktion von Tintin bzw. Kuifje in der „operation voltreffer“ startete und bewirkte einen stetigen Anstieg der Verkaufszahlen des Magazins.

Detail Luc Orient 1

Die Feuerdrachen ist erstmals 1967 im Magazin Tintin bzw. Kuifje veröffentlicht worden und begeisterte das deutsche Publikum bereits 1973 auf den Seiten des ZACK. Im Vergleich zu den bisherigen Ausgaben bei Bastei, Carlsen oder Ehapa ist die aktuelle aus dem All-Verlag aber bei weitem die Schönste! Dazu tragen nicht nur das größere Seitenformat sondern auch der handwerklich schöne Hardcovereinband mit dem grafisch ansprechenden Reihenlayout bei. Zusätzlich hat jeder Band noch einen ausführlichen redaktionellen Teil mit einem Text von Volker Hamann und einer großen Anzahl von zusätzlichem Bildmaterial. Als Gimmick gibt es in deutscher Erstveröffentlichung über die Reihe verteilt einen 17-teiligen Werbecomic von Eddy Paape aus den 70-er Jahren mit Val Sparkling.

Es ist übrigens auch eine auf 111 Exemplare limitierte Vorzugsausgabe mit nummeriertem ExLibris erschienen.

Kurz zum Inhalt der Geschichte: in einem abgelegenen Teil des Dschungels findet einer der ausgesandten Männer endlich ein unbekanntes Metall, das die Sagen über die drei Sonnen und den Feuerdrachen zu bestätigen scheint. Der Expeditionsleiter möchte das Material sofort Hugo Kala, dem Leiter des Labors „Eurocristall“ überbringen, stirbt aber kurz nach der Landung aufgrund der radioaktiven Strahlung. Kala, sein Mitarbeiter Luc Orient und die Assistentin Lora Jordan machen sich auf in den Dschungel und werden von Kalas Widersacher, dem bösen Dr. Argos und seinem Gorilla Toro verfolgt.

Detail 2 Luc Orient 1

Am Fundort angekommen werden sie von den dort lebenden Ureinwohnern empfangen. Sie behandeln die Drei sowie den dazu gestoßenen Toba mit einer chemischen Droge, die sie nicht nur gegen die Strahlung des seltsamen Metalls immun werden lässt sondern auch bewirkt, dass sie die Sprache des Stammes verstehen. Der Stamm möchte ihnen helfen wenn sie im Gegenzug von dem Feuerdrachenbefreit werden. Natürlich sind Toba und Luc in der Lage, das Untier, einen stark vergrößerten mutierten Liger, zu töten. Damit beginnt das Abenteuer aber erst, denn sie entdecken nicht nur die Drei Sonnen aus der Legende sondern auch zwei Außerirdische, die vor hunderten von Jahren mit ihren Raumschiffen auf der Erde gestrandet sind…

Bei der Story von Greg handelt es sich zunächst um eine relativ bekannte Grundidee. Neu für die frankobelgische Comic-Welt ist, dass die Geschichte von Anfang an über mehrere Alben konzipiert wurde und dass die Leser des Magazins nicht nur ein oder zwei Seiten pro Woche vorgesetzt bekamen, sondern Kapitel unterschiedlicher Länge, die jeweils einen Abschnitt aus der längeren Handlung abschließend aber mit Cliffhanger beinhalten sollten. Dieses Konzept verfing und wurde von vielen anderen Magazinen, nicht zuletzt dem ZACK, bis heute übernommen. Greg betätigte sich dabei nicht nur als Chefredakteur sondern auch als Szenarist einer Vielzahl von Serien Bruno Brazil (demnächst ebenfalls neu beim All-Verlag), Comanche (Splitter) oder Andy Morgan (Carlsen) sollten noch in den Siebzigern Lesern in Frankreich, Belgien, den Niederlanden und nicht zuletzt Deutschland in ihren Bann ziehen.

Edouard Paape, genannt Eddy, hatte in Spirou schon die eine oder andere Kurzgeschichte oder Mithilfe an größeren Serien abgeleistet und mit Marc Dacier auch seine eigene Figur entwickelt, war aber trotzdem unzufrieden. Mit dem Wechsel zu Tintin und der Serie Luc Orient startete er seine bekannteste Arbeit der er 40 Jahre treu bleiben sollte. Sie wird in den späteren Jahren ein perfektes Beispiel für die Hochzeit der frankobelgischen Comic abgeben: interessantes Layout, detailverliebt und doch actionreich und deshalb auch immer noch lesenswert!

Detail 3 Luc Orient 1

Wer sollte sich die Serie zulegen? Wer vor einigen Jahren die Integralausgabe verpasst hat, sollte jetzt unbedingt zuschlagen: Das Format und die zusätzlichen redaktionellen Seiten lohnen sich selbst dann, wenn die Integral-Bände schon im Regal stehen.

Wer intelligente SF mag, liegt hier richtig! Ja, die ersten Bände sind an Flash Gordon orientiert aber kein Abklatsch und die ganz abgedrehten englischen SF-Romane haben sich in eine andere Richtung entwickelt. Aus heutiger Sicht sind die Geschichten um Luc, Lora, Kala und Toba aber immer noch lesenswert.

Dazu passen Space Oddity von David Bowie und grüne Wiese !

© der Abbildungen 2019 All-Verlag, Wipperfürth

Ost-West

OST-WEST – Beobachtungen von Pierre Christin

Story: Pierre Christin
Zeichnungen: 
Philippe Aymond

Originaltitel: Est-Ouest

Carlsen Comics

Hardcover | 144 Seiten | Farbe | 22 € |

ISBN: 978-3-96219-192-4

Cover Ost-West

Ost-West ist die autobiographische Geschichte des Comicszenaristen Pierre Christin. Mehr als drei Jahre hat der  mittlerweile 80-jährige zusammen mit dem Zeichner Philippe Aymond an dieser Graphic Novel gefeilt. Sie beginnt noch während des zweiten Weltkrieges mit der ersten Begegnung zwischen Christin und Jean-Claude Mézières, dem späteren kongenialen Partner der Valerian und Veronique-Reihe. Später sollten diese beiden sich in den USA wiedertreffen und eine lange Reise zusammen unternehmen.

Reisen, nicht zu den touristischen Sehenswürdigkeiten sondern durch die weiten Landschaften und zu den kleinen Alltäglichkeiten, und sich verweigernde Transportmittel sind Konstanten in dem Leben Pierre Christins. Nach seiner Jugend in Frankreich, die durch Literatur und Liebe zu Jazz geprägt wird, nimmt er eine Stelle im Lehrkörper der Universität von Salt Lake City an. Dort lernt er einerseits viele Errungenschaften der Moderne kennen, erlebt andererseits aber auch den zugrundeliegenden Rassismus und die Verlogenheit der amerikanischen Gesellschaft aus erster Hand. Die auf den Reisen von diesem Basispunkt aus erlebten Eindrücke werden später die ersten gemeinsamen Abenteuer im Weltraum prägen. Mézières und Christin verbringen zunächst einige Zeit gemeinsam zu zweit. Später wird Pierres Familie nachkommen doch die beiden Freunde werden sich nie wieder aus den Augen verlieren.

Ost-West page 29

Während dieser Zeit entwickelt sich die Erkenntnis, dass Christins Begabung weder in der Musik noch in der Zeichnerei besteht. Ersteres wird zwar durchaus professionell als Mitglied verschiedener Jazz-Kapellen ausgeübt, aber es langt nicht zur Virtuosität. Letzteres wird nach einem Vergleich mit den Zeichnungen Girauds gar nicht mehr versucht. Immerhin beschließt der Franzose aber, es als Comic-Szenarist zu versuchen. Die ersten Gehversuche erscheinen noch unter Pseudonym um die universitäre Karriere nicht zu gefährden und Jean-Michel Charlier und René Goscinny leisten Schützenhilfe indem sie ein Beispiel eines Comicszenarios zeigen, aber schon bald entwickelt Christin seinen eigenen Stil und die ersten Werke, umgesetzt von Tardi und Mézières erscheinen.

Nach den Wirren der Revolte Ende der sechziger Jahre, dem Verlust des Glaubens an die Segnungen des amerikanischen Materialismus und der Erkenntnis, dass die östliche Lebenswirklichkeit nur durch eigene Erfahrung und Anschauung erkannt werden kann, bricht Christin erneut zu langen Reisen auf. Auf der anderen Seite des Vorhangs erlebt er andere Weiten, andere Begrenzungen und daraus angeleitete Wünsche, die der amerikanischen Lebenswelt einerseits total entgegengesetzt sind, andererseits in der Abstrahierung dann wieder ähnlich. Dazu kommen Pannen, die – wie Andreas C. Knigge in seinem Nachwort vermerkt – den Reisenden immer wieder aus seinen Träumen in die Wirklichkeit zurückholen.

Ost-West page 64

Neben den bereits erwähnten Comicschaffenden haben auch Annie Götzinger und Enki Bilal ihren Auftritt.

Alle geschilderten Abschnitte sind immer wieder mit Beziehungen zu den in der jeweiligen Zeit erschienenen Comics versehen, so dass wir als Leser*innen immer wieder eigene Leseerfahrungen und Erinnerungen mit den geschilderten Auslösern in Beziehung setzen können. Dadurch ist die Autobiographie viel näher am eigenen Leben als typischerweise wenn maximal äußere Begebenheiten das Leben des Akteurs und des Rezipienten verknüpfen.

Der Zeichner Philippe Aymond ist in Deutschland vor allem durch die Serie Lady S. bekannt. Nach dem Erscheinen einzelner Bände im ZACK-Magazin bzw. der ZACK-Edition wird die Serie jetzt komplett neu im ALL-Verlag erscheinen.

Ost-West page 103

Aymond variiert in seiner Seitenaufteilung zwischen ganzseitigen Illustrationen und zwei- bzw. dreireihigem Layout. Die Erinnerungen Christins sind als Textzeilen wiedergegeben die von Sprechblasen ergänzt werden. Der in Frankreich spielende, die westlichen und östlichen Reisen verbindende Teil ist teilweise in schwarz-weiß wiedergegeben. Die farbigen Panele sind mit einer gedämpften Farbpalette gezeichnet. Nie drängt sich dadurch ein  Detail in den Vordergrund, immer steht die gesamte Komposition im Blickfeld. Dabei beherrscht Aymond die in die unendliche Weite gehende Landschaft genauso gut wie die detaillierte fokussierte Nahaufnahme.

Abgerundet wird die durch das Hardcover sehr hochwertige Ausgabe durch einen mehrseitigen Beitrag von Andreas C. Knigge über eine Reise mit Pierre Christin in den Süden. Die beiden haben eine lange gemeinsame Geschichte und hatten unter anderem einen internationalen Sammelband mit Eindrücken zum Fall der Mauer und dem Ende der Sowjetunion herausgegeben. Dadurch werden noch einmal andere Zugänge zu Pierre Christin ermöglicht.

Dazu passen Kaffee und alter Jazz, etwa von Miles Davis, etwa das 1959 erschienene Kind of Blue.

© der Abbildungen 2019 Carlsen Verlag GmbH

Moebius-Ausstellung in Brühl

MŒBIUS
15.9.2019 – 16.2.2020
Max Ernst Museum Brühl des LVR

Das Max Ernst Museum Brühl des LVR zeigt eine Ausstellung mit visionären Bildwelten des bedeutenden französischen Comiczeichners und Szenaristen Jean Giraud (1938-2012), der unter dem Namen »Mœbius« international bekannt geworden ist. Mœbius erforschte die Sphären der Träume und der Science-Fiction. Mit seiner immensen Imaginationskraft schuf er in präziser Strichführung surreale Welten im ständigen Fluss. In seinen Geschichten treffen utopische Architekturen und futuristische, menschenüberfüllte Megametropolen auf Wüstenlandschaften und schamanistische Reisen durch Raum und Zeit.

Bei Mœbius verschwimmen die Genregrenzen zwischen Comicstrip und Kunst. Seine fantastischen Erzählungen werden für den Betrachter dabei zur Seelenreise in das Ich des großen Meisters der Linie und damit in unbekannte Bereiche der Fantasie, die überraschend detailgenau und suggestiv Form annehmen.

Die Ausstellung widmet sich dem umfangreichen Werk von Mœbius und seinen komplexen Bildgeschichten: Ausgehend von seinen Notizbüchern (»Carnets«), in denen er grundlegende Ideen seiner Bildproduktion konzentriert hat, über skizzenhafte Zeichnungen, szenisch gegliederte Comicfolgen, abstrakte Gemälde bis hin zu populären Druckgrafiken wird das Spektrum seiner faszinierenden Zeichenkunst ausgebreitet.

In Zusammenarbeit mit Moebius Production

Abb.: Arzak le rocher, 1995, Gouache und Acryl auf Papier © 2019 Moebius Production

ZACK 236

ZACK 236 (Februar 2019)

Herausgeber: Klaus D. Schleiter

Chefredaktion: Georg F. W. Tempel
Verlag MOSAIK Steinchen für Steinchen Verlag
Heft Din A 4 | 84 Seiten | Farbe | 7,90 €
ISSN: 1438-2792

Cover ZACK 236

In diesem Heft startet bereits die zweite der für 2019 angekündigten neuen Serien: Mortensens Abenteuer von Lars Jakobsen. Der dänische Autor und Zeichner ist in Deutschland möglicherweise wegen seines Strips über frustrierte Hennen bekannt; einige Folgen liefen als Zeichentrick in der Sendung mit der Maus. Zudem hat er bereits rund 250 Geschichten für Anders And, das dänische Donald Duck-Magazin verfasst. Die Geschichten um Mortensen sind Zeitreise-Abenteuer. Der Titelheld ist ein Zeitgeheimagent, der Kriminelle daran hindern will, die Vergangenheit ihrer Schätze zu berauben. Dafür benötigt er allerdings seine Zeitpistole… Graphisch startet der Comic, von dem im Original bereits 5 Bände erschienen sind, erst einmal im klassischen 4-Streifen Layout, das manchmal etwas aufgebrochen wird. Der Ankündigungstext benennt dazu Einflüsse von Herge, die teilweise auch zu entdecken sind.  Ich finde aber auch Anklänge an Tabary.

Zack 236 page 14

Fortgesetzt wird Sauvage, der für mich den größten Widerspruch im Heft darstellt: Der Text von Yann ist immer wieder spannend und auch der Plot der Geschichte ist keinesfalls reizlos, die Zeichnungen und insbesondere die Kolorierung von Felix Meynet macht aber immer alles wieder zu Nichte. Schade eigentlich.

Wesentlich stimmiger ist dagegen Jack Cool von Manini und Mangin. Die Merry Prankster sind im Haus von Tommy Neary angekommen um einer Erweckungszeremonie beizuwohnen. Während deutlich wird, dass sich Drogen und Feuer nicht unbedingt positiv ergänzen hat Jack ein Erfolgserlebnis, denn er findet die vermisste Tochter. Wie es mit dieser Story um die Mansfields weitergeht und ob sich zwischen Jack und Jesus-Grau noch etwas entwickelt, wird die Zukunft zeigen.

Detail ZACK 236 page 38

Der Weg des Untergangs findet dagegen leider in dieser Ausgabe sein Ende. Es bleibt zu hoffen, dass Corteggiani und Tisselli sich irgendwann einmal auf eine weitere Zusammenarbeit verabreden werden, denn der Western verknüpft spannende Thematik und grandiose Bilder äußerst gut und macht einfach Lust auf Mehr! Inhaltlich bekommt die Story auf den letzten Bildern noch einmal einen Twist, mehr sei aber nicht verraten!

In Empire USA 2.1 werden ein paar mehr Details über den mysteriösen Tod von Duanne Els bekannt und vielschichtige Verbindungen zu Russland und in die Türkei sowie zu Terroristen in Lettland spielen eine Rolle, der Leser*in fehlen aber noch entscheidende Versatzstücke. Genau so funktioniert des Konzept „Fortsetzung folgt…“ Graphisch ist Henri Reculé nicht der schlechteste Vertreter der aktuellen franko-belgischen (nicht-Fantasy-)Schule und daher definitiv sein Geld wert!

Detail ZACK 236 page 54

Ergänzend gibt es weitere Geschichten der gnadenlos guten Tizombi sowie die deutlich schlechteren aber immer noch bereichernden Parker & Badger, den zweiten Teil des Überblicks über Kinofilme nach franko-belgischen Comics (Asterix – Bäche und Flüsse), eine Vorstellung des Neustarts von Courtney Crumrin und lesenswerte Überlegungen von Bernd Glasstetter!

Mehr zum aktuellen Konzept des ZACK im Interview mit dem Chefredakteur.

Dazu passen das neue Album Encore von The Specials und kolumbianischer Hochlandkaffee.

Abbildungen © 2019 MOSAIK Steinchen für Steinchen Verlag und den jeweiligen Zeichnern und Verlagen

Bourgeon – Reisende im Wind 8

Die Zeit der Blutkirschen Buch 1 – Rue de L´Abreuvoir

Story: François Bourgeon
Zeichnungen: 
François Bourgeon

Originaltitel: Les Passagers du Vent 08: Le Sang des Cerises Livre 1

Splitter Verlag

Hardcover Überformat | 88 Seiten | Farbe | 18, 80 € |

Journal Din A 3 | jeweils 24 Seiten | s/w | 4,00 €

ISBN:  978-3-86869-011-8

ISBN Journale: 978-3-96219-279-2 | -280-8 | -281-5 | 282-2

Der Altmeister ist wieder da und er hat nichts verlernt; François Bourgeon meldet sich mit dem achten Band seiner Serie „Reisende im Wind“ zurück.

Die ersten fünf Bände der Reisenden im Wind erzählten die Geschichte der jungen Adeligen Isabeau de Marnaye und des Bretonen Hoel; Sklavenschiffe, Flucht, Emanzipation und Freiheit sowie das Leben in der Karibik sind die Stichworte, die diesen ersten Zyklus umschreiben.

Heldin des zweiten Zyklus ist die Urenkelin Isas, die von allen Zabo genannt wird. Die zwei Bände starten in New Orleans und auf einer Plantage in Baton Rouge, aber die Wirren des Sezessionskrieges verschlagen die Protagonistinnen auch an andere Orte.

Der jetzt erschienene erste Teil des dritten Zyklus „Die Zeit der Blutkirschen“ spielt im Paris, Ende des 19. Jahrhunderts und damit wieder in Europa. Zabo nennt sich nun Clara und ist fest verankert in einer Gruppe aus Überlebenden der Massaker an den Kommunarden, Künstlern am Montmartre und einigen Bretonen. Gleich am Anfang während der Beerdigung von Jules Vallès, einem Anführer der Pariser Kommune, treffen Clara und ein junges bretonisches Mädchen, das sich in Paris als Hausmädchen verdingen will, aufeinander. Klervi, so ihr Name, wird Clara später wiedertreffen, bei ihr wohnen und in ihre Gesellschaft eingeführt werden. Sie ist auch die Ich-Erzählerin des Werkes.  Bourgeon erzählt wie so oft nicht chronologisch, sondern inmitten von Einschüben auf verschiedenen Zeitebenen. Noch mehr als bei seinen früheren Bänden neigt er dazu, die geschichtlichen Hintergründe in Form wörtlicher Rede einzuführen, so dass die Panele teilweise etwas textlastig wirken. Es ist allerdings keine überflüssige Information, denn ohne sie wäre die Geschichte weniger verständlich. Wer noch mehr Informationen über die damalige Zeit, das Paris dieser Jahre und seine Gesellschaften, die Politik und die Karikatur sowie die Musik erfahren möchte, sei auf die vier bereits erschienenen Journale verwiesen.

Interview mit Bourgeon aus Reisende im Wind journal

In ihnen wird nicht nur der komplette Band in größerem Format (also fast im gezeichneten Entwurfsoriginal) in schwarz-weiß vorabgedruckt, es gibt zusätzlich noch ein über die vier Teile gesplittetes Interview mit Bourgeon über seine Intentionen, seine Arbeitsweise und seine Bezüge zur bretonischen und Pariser Kultur! Ergänzt werden die vier Zeitungsausgaben mit Artikeln über die Pariser Kunstszene am Montmartre, den Wert des Volksliedes, vor allem aber mit Artikeln über den Hintergrund der französischen Geschichte vor und während der Dritten Republik. Bedauert Bourgeon im Interview schon die Kenntnisse in Frankreich über diese Zeit, so dürfte dieses Wissen in Deutschland außerhalb von Geschichtsleistungskursen kaum vorhanden sein. Um es deutlich zu sagen: Für den Lesegenuss der Zeit der Blutkirschen ist kein Vorwissen erforderlich! Selbst ohne die beiden ersten Zyklen sind die Zeichnungen so grandios und die Geschichte so spannend, dass ein Kauf sich lohnen würde! Je mehr aber die Leser*in mitbringt, umso mehr ist an Tiefe zu entdecken da viele Hinweise auf Literatur, Geschichte und die früheren Bände eingearbeitet sind.

Detail Reisende im Wind 8 page 11

Der Vergleich der Journale mit dem fertigen Band erlaubt ein Verständnis der Arbeitsschritte, ist doch die Zeichnung sonst aufgrund der Kolorierung nur noch eingeschränkt sichtbar. Seit einiger Zeit benutzt François Bourgeon Filzstifte für seine Zeichnungen und koloriert später mit Aquarellfarben. Seine Farbgebung hat nichts verschwommenes oder mattes, sondern ist immer klar abgegrenzt. Wichtig ist ihm der Einfluss von Licht und Schatten. Um dieses korrekt hinzubekommen (und auch um fehler- und widerspruchsfrei arbeiten zu können) baut er oft Modelle von Objekten oder in diesem Fall sogar des ganzen Stadtviertels, indem Clara und Klervi leben.

Einen großen Teil dieser Geschichte nehmen die französischen und bretonischen Lieder ein, die gesungen werden. Während sich im Journal die Übersetzungen auf den Seiten finden sind sie in der Farbausgabe gesammelt am Schluss des Bandes untergebracht. Sie sind durchaus integraler Bestandteil der Geschichte und tragen zu dem Verständnis bei. In den Zeitungsausgaben finden sich daher auch weiterführende Hinweise zu dem einen oder anderen Text.

Religion ist immer noch nicht die Sache von Bourgeon und so lebt er seine Kritik am Personal, dem Kirchenbau und der politischen Repräsentanz der Kirche in seinen Zeichnungen aus:

Detail aus Reisende im Wind 8 page 43

Der Künstler beherrscht weiterhin die Darstellung menschlicher Körper sowohl in realistischer Manier als auch in karikativer Übertreibung. Die Gesichter tragen Ausdruck wenn nötig und bieten immer noch genügend Details und Tiefe, wenn nur „Ausschmückung“. Die ganzseitigen Illustrationen sind perfekt komponiert und stimmig, was Licht und Schatten angeht. Wer zum Beispiel die Szene mit dem Eifelturm bei Nacht betrachtet, kann die Beleuchtung des Turms wirklich sehen. Die Geschichte ist stimmig, spannend erzählt und trägt Aspekte des Gesellschaftsromans, eines Krimis, eines Dramas und nicht zuletzt einer politischen Beschreibung. Der Textanteil erinnert teilweise allerdings an Edgar Jacobs.

Zum Schluss der Hinweis, dass die Geschichte weitergehen wird, denn Clara/Zabo hat sich bereit erklärt, „alles“ erzählen wollen. Der zweite Band ist allerdings noch nicht terminiert.

Detail aus Reisende im Wind 8 page 81

Klare Kaufempfehlung sowohl für die reguläre als auch für die Journal-Ausgabe, die nicht nur eine Ergänzung ist, sondern einen eigenständigen Zugang erlaubt.

Dazu passen französische Chansons und roter französischer Landwein!

© der Abbildungen 2018, 2019 Splitter Verlag

ZACK Comic Box 9 – Klassiker des Monats Januar 2019

ZACK Comic Box 9 (Superband)

Story: Albert Weinberg, Greg

Zeichnungen: Albert Weinberg, Hermann, Eddy Paape

KORALLE Verlag GmbH (1974)

Album | 148 Seiten | Farbe | 5,80 DM

ISBN: n/a

Cover Zack Comic Box 9

Der Koralle-Verlag verlegte nicht nur das „alte“ ZACK sondern auch einige Sonderreihen wie die Zack (Comic) Box, die in Albenform Abenteuer der Zack-Helden präsentierte oder die Zack Parade, die im Taschenbuchformat entsprechendes Material enthielt. Insgesamt erschienen zwischen 1972 und 1981 43 Ausgaben. Anfang dieses Jahrtausends wurde der Brand kurzfristig für zwei Ausgaben (Dan Cooper und Luc Orient) von Salleck Publications fortgeführt.

Als Beispiel für diese Reihe soll hier der 1974 erschienene Band 9 näher vorgestellt werden, enthält er doch gleich drei Geschichten von klassischen Helden.

Dan Cooper von Albert Weinberg deckt dabei die Techniksparte ab, die in anderen Bänden von Mick Tangy (sic!) oder Michel Vaillant vertreten wird. Für die Zielgruppe der Jungen, technikbegeistert und motorenlärmaffin, wurde im Zack einiges geboten: Neben den Comics gab es Berichte über neue Motoren, Flugzeuge oder Rennberichte und Dan Cooper war als Testpilot, der auch Science-Fiction oder Krimi Elemente in seinen Geschichten zu durchleben hatte, einer der beliebtesten Charaktere dieser Ära. Mittlerweile gibt es im Splitter-Verlag eine 15-bändige Gesamtausgabe aller Dan Cooper Stories.

Die hier abgedruckte Geschichte „Die Männer mit den goldenen Flügeln“ ist der 16. Band der Originalreihe. Dan Cooper ist einer Kunstflugstaffel zugeteilt und so werden atemberaubende Kunststücke eingeübt und vorgeführt und nebenbei noch in einem Artikel erläutert. Natürlich ist Mut dafür von Nöten der allerdings nicht in Leichtsinn ausarten darf. Insgesamt sicher spannend, im Vergleich zu anderen Geschichten um Cooper allerdings eher Durchschnitt.

Zack Comic Box 9 - page 24

„Die Wölfe von Wyoming“, der dritte Band der Westernreihe „Comanche“ von Hermann (Huppen) und Greg (Michel Regnier) steht für das Thema Western, das im realistischen Bereich vor allem von Leutnant Blueberry und eben Comanche, aber auch durch Caine abdeckt worden ist. Im Funny-Bereich kamen mit Lucky Luke von Morris und Umpah-Pah von Goscinny und Uderzo aber auch Häuptling Feuerauge von Gordon Bess weitere Schwergewichte hinzu. Auch Comanche liegt mittlerweile in einer mustergültigen Fassung im Splitter-Verlag vor.

Die Serie Comanche spiegelt nicht den typischen sauberen Westernhelden; Red Dust ist ein ehemaliger Revolverheld der auf einer kleinen Ranch, die von einer Frau geleitet wird, angeheuert hat. Im Umfeld der Konflikte mit Indianern, großen Ranchern und Verbrechern müssen sich die Protagonisten, zu denen auch noch ein weißes Greenhorn, ein junger Farbiger und ein alter Mann gehören, immer wieder neu zusammenraufen und beweisen. Hier geht es um eine mörderische Bande und das alte Thema der Gerechtigkeit, das Hermann allerdings etwas brachialer angeht als andere. Das Artwork ist dabei allerdings grandios!

Detail Zack Comic Box 9 page 71

Vervollständigt wird die Zack Comic Box 9 mit dem „Krater des Verderbens“ von Luc Orient, getextet ebenfalls von Greg und gezeichnet von Eddy Paape. Neben den Fernsehadaptionen von Enterprise und Mondbasis Alpha 1 sowie den im Zack publizierten Geschichten um Valerian und Veronique wird damit der Bereich der Science-Fiction abgedeckt. Auch dieses Thema passte perfekt für die jugendlichen, männlichen Leser des Zack und war durch eine Vielzahl von Romanen etwa bei Heyne, Goldmann und Pabel/Moewig ein Topseller der damaligen Zeit. Luc Orient erschien vor einigen Jahren als fünfbändige Gesamtausgabe bei Egmont EHAPA und in neuen Hardcover Einzelbänden ab Februar dieses Jahres beim All-Verlag.

In diesem, im Original siebten Band geht es um seltsame Vorkommnisse in der Nähe eines durch einen Meteoriteneinschlag verursachten Kraters. Das Team von Eurocristal wird in die Untersuchungen eingeschaltet und muss nebenbei noch einen Mord aufklären. Dieses Abenteuer gehört nicht in die Reihe der Geschichten auf Terango, die im Magazin veröffentlicht wurden. Spannende Kost, die verschiedene Genres gut verknüpft und zeichnerisch ansprechend darbietet.

Zack Comic Box 9 page 128

Die Comic Boxen boten den damaligen Leser*innen zu einem erschwinglichen Preis lange Geschichten ihrer Lieblingshelden und dienten teilweise auch dem Test neuer Inhalte. Nicht immer handelte es sich um Erstveröffentlichungen und teilweise wurde der gleiche Inhalt mehrfach verwertet. Trotzdem ist der Versuch, Comics aus dem frankobelgischen oder amerikanischen Raum auch in Deutschland einem breiten Publikum zugänglich zu machen und aus der Schmuddelecke zu befreien, im Nachhinein nicht hoch genug zu würdigen. Viele der damaligen Jugendlichen hatten so einen – im Gegensatz zu den teilweise kruden Übersetzungen durch Kauka – unverfälschten Zugang zu den Highlights der aktuellen Comics und wurden dadurch so stark geprägt, dass die Serien sich heute noch gut verkaufen und die „Generation Lehning“ durch die „Generation Zack“ abgelöst worden ist. Das Maschinen-Lettering, die Papierqualität und der Druck sind allerdings nicht mehr zeitgemäß und wurden mittlerweile optimiert und auch die Übersetzungen sind angepasst worden.

Der Zack Comic Box Superband 9 sollte auf einschlägigen Plattformen oder im Comichandel noch gut erhältlich sein. In Super-Sammler-Qualität werden dafür in etwa 18 € fällig, „lesefähige“ Ausgaben sollten für unter 5 € gefunden werden können.

Dazu passt Nostalgisches:  KiBa und Glam-Rock, etwa von den Anfängen von The Slade oder The Sweet.

© der Abbildungen 1974 KORALLE Verlag GmbH und bei den jeweiligen Autoren

Interview mit Max vom Splitter-Verlag

Der Splitter-Verlag ist mittlerweile der deutsche Comic-Verlag mit dem größten Output, zumindest, wenn man das Segment der Manga, Manhwa etc. einmal außen vorlässt. Zudem zelebriert er wie kein anderer sein Programm über die bekannten Vorhänge und zuletzt den Adventskalender. Im Folgenden ein Interview mit einem „Splitterer“ über den Verlag, das Programm und eine Annäherung an das Thema „Comics für Erwachsene“.

c-o: Kannst du dich unseren Leser*innen bitte kurz vorstellen?

Hallo, mein Name ist Max, und nehme bei Splitter verschiedene Aufgaben wahr, unter anderem die Pressearbeit und die Kommunikation nach außen. Außerdem habe ich ein offenes Ohr für Händler- und Kundenanfragen, schreibe unsere Marketingtexte und treibe mich in den sozialen Medien herum. Das meiste davon mache ich allerdings nicht allein. 

Max vom Splitter-Verlag
Max vom Splitter-Verlag

c-o: Zu Beginn ein Rückblick auf die Geschichte des Verlages, ihr habt im letzten Jahr schließlich ein Jubiläum gefeiert: Warum habt ihr euch eigentlich damals entschlossen, die „Alte Marke“ Splitter neu zu positionieren und einen eigenen Verlag zu gründen?

Der „neue“ Splitter Verlag wurde 2006 gegründet. Bis auf den Namen wurde auch nichts vom „alten“ Splitter Verlag übernommen (der 2000 aufgelöst wurde), weder Lizenzen noch Mitarbeiter oder sonstige Ressourcen. Aber wir arbeiten auch im frankobelgischen Comicsegment und in einer ähnlichen Genre-Ausrichtung. Die drei Gründer Delia Wüllner, Horst Gotta und Dirk Schulz sahen zum Zeitpunkt unserer Gründung genau da eine Lücke in der deutschen Szene. Damit hatten sie offensichtlich recht.

Splitters RDA
Die bisher erhaltenen Rudolph-Dirks-Awards des Splitter-Verlags

c-o: Während in den ersten Programmen Fantasy und Science Fiction dominierten, sind im Laufe der Zeit immer mehr Genres wie Western oder Mystery dazugekommen. Mittlerweile habt ihr auch immer mehr klassische franko-belgische Serien dazu genommen. Welchen Anspruch verfolgt ihr damit als Verlag?

Unsere Kernsegmente sind immer noch diese beiden Genres und dort v.a. neue Serien. Aber als der Verlag groß genug wurde, um Serien wie „Storm“, „Comanche“ oder „Dan Cooper“ als Lizenzen angeboten zu bekommen, mussten wir einfach zuschlagen. Wir sind schließlich selbst große Fans einiger Klassiker, und wir machen unsere Gesamtausgaben auch deshalb, weil wir diese Comics in bestmöglicher Qualität und zu fairen Preisen verfügbar halten wollen. Unser Anspruch an uns selbst ist dabei sehr hoch, und in die Aufbereitung des alten Materials fließt teilweise enorm viel Arbeit – Sammeln und Aufbereitung des alten Bildmaterials, Recherche der Publikationsgeschichte, redaktionelle Texte schreiben etc. pp.

c-o: Ihr macht „Comics für Erwachsene“. Kannst du das etwas näher definieren?

Der allergrößte Teil unseres Programms ist und war eben „für Erwachsene“, keine Comics für Kinder. Seit wir toonfish haben, stimmt das natürlich nicht mehr so ganz. Aber Comics sind für viele Deutsche immer noch „Kinderkram“, da sich ihr Wissen um das Medium mit „Asterix“ und „LTB“ erschöpft. Vielleicht ist dieses Label heute nicht mehr unbedingt nötig, da zumindest Graphic Novels einer breiteren Leserschaft bekannt sind.

Splitter-Archiv
Ein Teil des Archives

c-o: Viele Comics wie etwa Conan präsentieren ein absolut nicht mehr zeitgemäßes Rollenbild und bedienen auf den ersten Blick vor allem überholte Klischees. Warum sollte man das trotzdem veröffentlichen wollen? 

Was jetzt kommt, ist zu einem Großteil meine persönliche Meinung und nicht die offizielle Position des Verlags. Das Thema ist viel zu vielschichtig und „heiß“, um darauf als Firma vernünftig antworten zu können:
Wir beurteilen die meisten Comics tatsächlich erstmal anhand ihrer Zeichnungen. Und „Conan“ verspricht damit der Auswahl der beteiligten Künstler einfach Exzellenz. Gleichzeitig kann und sollte man diese Reihe als das lesen, was sie ist: werkgetreue Adaptionen von ziemlich alten, im positiven Sinne trashigen Romanen. Problematischer sind vielleicht moderne Reihen wie „Ekhö“ oder „Gunblast Girls“ die ein sehr sexualisiertes Frauenbild transportieren. Man kann den Protagonistinnen dabei durchaus zuschreiben, dass sie agierende und starke Charaktere sind, die nur „nebenbei“ auch sehr gut aussehen. Muss man aber nicht, das ist klar. Es ist auch schwer, eine Grenze zu ziehen, denn man kann auch die bloße Darstellung einer vollbusigen Dame im engen Kostüm (wie sie in Superheldencomics der Standard ist) bereits als anstößig empfinden. Oder wie ist zum Beispiel „Lady Mechanika“ zu betrachten, eine Reihe, die auch bei Leserinnen enorm beliebt ist? 
Wir als Verlag wollen vor allem Titel verlegen, an denen unsere Kunden Freude haben. Wir haben auch mehr als genug Bücher im Programm, die Themen wie Feminismus, Homosexualität, Ausgrenzung und Rassismus thematisieren: „Blau ist eine warme Farbe“, „Betty Boob“, „Liebe auf Iranisch“, „Die Frau ist frei geboren“, „7 Frauen“ und auf ihre Art auch Thriller wie „Katanga“ oder „SHI“… diese Liste lässt sich lange fortsetzen. Vieles davon ist Interpretationssache, aber wir versuchen wirklich, ein breites Spektrum anzubieten.
Die letzten drei deutschen Künstler, die wir ins Programm genommen haben, sind Frauen: Frauke Berger, Claudya Schmidt und demnächst Katrin Gal. Das liegt nicht daran, dass wir Künstlerinnen grundsätzlich bevorzugen würden, aber ich glaube wirklich nicht, dass wir zu einem Ungleichgewicht der Geschlechter in der Comicszene beitragen. Gleiches gilt für die anderen größeren Comicverlage in Deutschland, soweit ich das beurteilen kann. Die icom-Debatte will ich hier aber nicht noch mal aufwärmen.
Fakt ist jedoch, dass der durchschnittliche Comicleser männlich ist und Frankreich einen sehr viel offeneren Umgang mit Sexualität und Frivolität pflegt. Das schlägt sich auch in den Comics nieder, die dort immerhin fast ein Drittel aller Buchverkäufe ausmachen. Das hat natürlich große Auswirkungen auf die Lizenzen, die wir einkaufen und hier verlegen können. Würden wir „problematische“ Comics ausklammern, zu denen viele Klassiker übrigens auch gehören, könnten wir uns schlichtweg nicht am Markt halten, und wir würden auch unserem Anspruch als frankobelgischer Verlag in Deutschland nicht mehr gerecht werden.

Pausenraum
Der Pausenraum

c-o: Für die Statistiker: Welches sind eure größten Erfolge und was war der größte Flop?

Erfolge: „Die alten Knacker“ (Band 1 ist in der 6. Auflage), „Im Westen nichts Neues“ (5. Auflage), „Blau ist eine warme Farbe“ (4. Auflage). „Der Incal“, „Ekhö“, „Elfen“, „Storm“ und „Thorgal“ laufen als Reihen schon lange sehr gut. Von den neueren Serien sind vor allem „Lady Mechanika“ und „Black Hammer“ wirklich eingeschlagen.

Flops: „Terra Australis“ und die englische „Assassin’s Creed“-Reihe (die französische Serie lief gut) waren besonders schmerzhaft, weil beide sehr teuer in Einkauf und Herstellung waren und nur einen Bruchteil wieder einfahren konnten.

c-O: Zum Schluss ein Ausblick auf das kommende Programm: Worauf freut ihr euch am Meisten und was wird eurer Meinung nach die Leser*innenschaft am meisten begeistern?

Wir hoffen, dass unser neues Label „Splitter Diamant“ bei unseren Leser*innen gut ankommt. Uns werden oft solche XXL-Überformatausgaben in schwarz-weiß aus Frankreich in den Verlag geschickt, und es ist für uns ein kleiner wahrgewordener Traum, dass wir diese jetzt auch in Deutschland verlegen. Wir hoffen, dass wir das Segment in kommenden Programmen weiterführen können, denn es gibt so viele herausragende Comics, die eine derartige Präsentation verdienen!
Außerdem sind wir sehr stolz, die deutsche Künstlerin Katrin Gal verlegen zu können, die mit ihrem Sci-Fi-Comic „Radius“ wirklich tolle Arbeit geleistet hat. Und für die Nerds der alten Garde: Wir konnten das neue Projekt von Alain Ayroles und dem „Blacksad“-Zeichner Juanjo Guarnido sichern! Wir wissen selbst noch fast nichts darüber, aber wir freuen uns wahnsinnig darauf.

c-o: Ihr bringt zu dem neuen Bourgeon erstmals begleitendes Material in einer zeitungsartigen Form heraus und bietet den Fans dadurch erheblich mehr als „nur“ das Album. Habt ihr schon Reaktionen darauf erhalten?

Die Reaktionen sind eigentlich durchweg gut. Ein Bestseller sind die Zeitungen nicht, aber das war uns vorher klar, da die Käuferschaft für „Reisende im Wind“ Bd. 8 ziemlich klar definiert ist. In Frankreich werden solche Vorabveröffentlichungen häufiger gemacht, z.B. auch für „Das Schloss in den Sternen“, und wir wollten einfach mal schauen, ob das hierzulande auch funktioniert. Es ist sicherlich kein Konzept, das wir jetzt durchgängig und für viele Alben anbieten werden, aber man muss hin und wieder auch etwas Neues versuchen.

c-o: Vielen Dank, Max, für die ausführlichen Antworten! Ich bin sehr gespannt auf die Diamant-Ausgaben und war bisher in Comic-shops im Ausland immer sehr neidisch auf die dortigen Möglichkeiten. Viel Glück damit und macht weiter mit dem Ausprobieren!

Gehört auch dazu: Pepe

© der Abbildungen 2019 Splitter Verlag

© der Grafik 2019 comix-online

Reddition 69 – Dezember 2018

Reddition 69 – Dossier Peyo und „Die Schlümpfe“

Herausgeber: Volker Hamann
Verlag Volker Hamann, Edition Alfons
Heft Din A 4 | 76 Seiten | Farbe | 10,00 €
ISSN: n/a

Cover Reddition 69

Die aktuelle Ausgabe der Zeitschrift für Graphische Literatur REDDITION widmet sich ganz dem Künstler Peyo, seinem Atelier und den Schlümpfen.

Auch dieses Mal erhalten Abonnenten wieder ein Schmankerl, nämlich eine auf 500 Stück limitierte Broschüre mit neun halbseitigen Werbecomics für Kellogg’s Corn Flakes von 1965 in deutscher Erstveröffentlichung.

 1958 hatten die blauen Kobolde ihren ersten Auftritt als Gäste in Johann und Pfiffikus auf den Seiten des belgischen Comic-Magazins Spirou doch schon bald sollte ihre Popularität die aller anderen Serien von Pierre Culliford, der als Peyo veröffentlichte, übertreffen.

Reddition 69 page 46

Über die Entstehung ihres Namens in Verbindung mit Wortfindungsstörungen für einen Salzstreuer ist schon oftmals geschrieben worden. Die Reddition bleibt aber nicht bei dieser Anekdote stehen, sondern beschreibt in einem Artikel von Volker Hamann auch die Wortkreationen für die verschiedenen Sprachen und die Entwicklung in Deutschland. Anfangs wurden die Wesen nämlich auch hierzulande noch unter einem ganz anderen Namen vertrieben.

Überhaupt bilden die Schlümpfe eine Besonderheit im Comic-Kosmos, waren sie doch die ersten, die ihren Siegeszug nicht (nur) im Comic, sondern vor allem im Merchandisebereich antraten und so gibt es wohl keinen Haushalt, der nicht schon einmal eine der Schleich-Figuren (oder eine der kurzfristigen Bully-Varianten) ihr Eigen genannt hat. Die Geschichte der Figuren beschreibt Falk Straub, wie immer reich bebildert und mit unzähligen kleinen Fakten angereichert.

Um die Popularität der Schlümpfe komplett zu verstehen, ist es aber ebenso wichtig, einen Blick auf ihre TV- und Filmkarriere zu werfen. Thorsten Hanisch erlaubt einen Überblick in die europäischen und vor allem amerikanischen Umsetzungen und ihre Verbreitungen. Dazu kommen Artikel über die Schlümpfe in Deutschland – hier ist vor allem zunächst wieder einmal Rolf Kauka und Fix und Foxi zu erwähnen – und in den USA. Natürlich findet auch Vader Abraham mit seinem Gassenhauer eine Erwähnung.

Reddition 69 Beilage
Beilage für Abonnenten

Da Peyo aber neben ungezählten Aufträgen für neues Schlumpf-Material auch seine anderen Serien (die bereits erwähnte Ritter-Story Johann und Pfiffikus aber auch Pussy und Benny Bärenstark) zu bedienen hatte, blieb ihm keine andere Möglichkeit als die Errichtung eines eigenen Ateliers mit ihm zuarbeitenden Künstlern. Diese nicht immer ganz rühmlich verlaufene Geschichte wird von Peter Osteried und Volker Hamann geschildert.

Das Dossier beginnt mit mehreren Artikeln über Peyo selbst, seiner Entwicklung von Jugendtagen an bis zu seinem Tod und der Übersetzung seines letzten Interviews aus dem Jahr 1992 und wird mit einer Bibliographie der Comics von Peyo und seinem Studio und ihrer deutschen Veröffentlichungen, die einzig die Erwähnung der limitierten Beilage „vergessen“ hat, abgerundet.

Was aber wäre die Reddition, wenn es nicht auch eine Auseinandersetzung mit den Inhalten gäbe? Uwe Zimmermann nähert sich analytisch auf zwei Weisen den Inhalten des Schlumpf-Universums. Während die Schlümpfe einerseits klassische Charaktere der Mythen und Abenteuergeschichten im niedlichen Gewand darstellen, symbolisieren ihre Konflikte andererseits typische Menschheitsprobleme. Diese inhaltliche Tiefe geht allerdings im Laufe der Entwicklung immer mehr verloren und am Ende sind es einfach (nur noch) routiniert erzählte aber austauschbare Geschichten.

Reddition 69 page 11

Wieder einmal beweist das Team der Reddition, dass es ein Thema umfassend bearbeiten kann. Das Konzept, zwei Mal im Jahr einen Komplex zu analysieren und darzustellen, also Breite und Tiefe anzubieten, geht auch in diesem Fall auf und belegt die Alleinstellung dieser Zeitschrift. Auch wenn nicht jedes Dossier für jede*n gleich interessant sein mag, es gibt keine andere Möglichkeit in Deutschland, Informationen über Comics, ihre Künstler*innen, Inhalte und Rezeptionen, so geballt und gut layoutet, zu bekommen.

Dazu passen eine Kanne Tee oder aufgebrühte Sarsaparille und BritPop, etwa von Blur.

© Verlag Volker Hamann, Edition Alfons 2018 und die Autoren

© Peyo 2018 I.M.P.S.