ZACK 326 (August 2026)

ZACK 326

Herausgeber/Chefredaktion: Georg F. W. Tempel

Blattgold Verlag

Heft Din A 4 | 100 Seiten | Farbe | 9,70 € | ISSN: 1438-2792

Cover ZACK 326

Die Urlaubszeit ist in vollem Gange und man möchte hoffen, dass das aktuelle Cover kein Omen ist, zeigt es doch die Überreste eines abgestürzten Flugzeugs. Das Bild gehört zu der neuen Serie Ghost Squadron, die in diesem Heft ihren ersten Deutschland-Auftritt hat. Ansonsten passt das Heft aber natürlich sowohl in das Handgepäck, den Koffer oder den Tisch für den Urlaub auf Balkonien!

Die Neustarts

Ghost Squadron ist tatsächlich ein echter Neustart und keine Rückkehr, obwohl der Texter, Patrice Buendia, gerade ZACK-Leser*innen sehr bekannt ist, erscheinen doch sowohl Tanguy & Laverdure als auch die Flügel der Zeit unter diesem Label, lediglich Buck Danny findet sich woanders. Zeichner Damien Andrieu hat zwar mit Buendia schon anderweitig zusammengearbeitet, die Titel sind aber auf Deutsch (noch) nicht erschienen. Hier geht es um einen Deserteur, der 1953 von der CIA aufgespürt wird. Sein ehemaliger Vorgesetzter lässt dem ehemaligen Fliegerass die Wahl: Er begibt sich auf die Suche nach einem verschollenen Milliardär oder geht in den Knast. Das verfluchte Atoll ist der letzte bekannte Ort.

ZACK 326 page 5

Wieder dabei ist dagegen Jolane, die mittlerweile zur Rani, der Frau des Radschah, geworden ist. In ihrem siebten und vorletzten Album Königin muss sie mit der Situation klarkommen, dass die Mutter ihres Gemahls sie bekämpft, da sie die heiligen Traditionen nicht achtet und den Radschah zu einem modernen, aufgeklärten Monarchen machen will. Gleichzeitig ist sie nicht „in der Lage“, für einen männlichen Nachkommen zu sorgen. Stress haben Jean Van Hamme und  Alcante also wieder vorprogrammiert, Francis Vallès setzt das ursprünglich als TV-Serie konzipierte Geschehen professionell wie gewohnt um.

ZACK 326 page 37

Die Fortsetzungen

Der kleinwüchsige Kommissar Verhoeven wird bei diesem Fall an sein eigenes, nicht aufgearbeitetes Verhältnis zu seiner Mutter erinnert, fordert der vermutliche Bombenattentäter doch die Freilassung seiner Mutter, die aufgrund der Tötung seiner Partnerin einsitzt. Während er sich gerne raushalten würde, scheitert Antiterror mit einem sehr zynisch dargestellten Versuch. Werden die Mitglieder der Brigade Verhoeven den Fall voranbringen können bevor die nächste Bombe explodiert? Rosie ist eine spannende Geschichte von Pascal Bertho nach den Romanen von Pierre Lemaître, die von Yannick Corboz sehr abwechslungsreich zu Papier gebracht wurde.

ZACK 326 page 21

Pfeifenrauch und Seidenstrümpfe habe ich im letzten Review als „cosy & english“ bezeichnet. Hinzuzufügen wäre dem vielleicht, dass die Gegenspieler bei der Londoner Polizei keineswegs höflich miteinander umgehen und nicht einmal den Anschein dazu wahren. Das tut dem Genuss allerdings keinen Abbruch, der viel zu dicke Kommissar und sein viel zu dünner Gegenspieler können sich dadurch Bälle zuwerfen. Es scheint sich endlich eine Spur zu ergeben, allerdings ist Der Schwarze Fleck noch nicht überall gefunden worden. Ein vorzügliches Frühwerk von Étienne Willem.

ZACK 326 page 50

Die Abschiede

Auch in diesem Heft gibt es zwei Abschiede, einer davon ist für immer.

Während Harry & Platte auf der Suche nach dem Brandstifter sind, der in der Gegend von Nizza mehrere Feuer gelegt hat, wüten tatsächlich die schlimmsten Feuer seit langer Zeit in Südeuropa und vertreiben Bewohner*innen, Tourist*innen und Landwirtschaft aus vielen Gebieten. Man kann nur hoffen, dass in der Realität die Löscharbeiten ebenfalls erfolgreich verlaufen werden. Denis Lapière und Alain Sikorski haben mit Feuer & Schwert eine klassische Story des Duos geschrieben und dem Ganzen doch ein wenig „Moderne“ verpasst, die allerdings auch schon mehr als 30 Jahre auf dem Buckel hat!

ZACK 326 page 65

Der Bucklige von Montfoucon verlässt uns dagegen für immer, der History-Dreiteiler ist mit Unser Vater beendet. Wie wird der Bruderkrieg ausgehen? Noch scheinen Pierre und Quasimodo auf der siegreichen Seite zu stehen, besitzen sie doch den Brief, der die Legitimität des Königs anfechten kann. Eric Stalner kombiniert seine Panel zu anspruchsvollen und schönen Seiten, Philippe Pelaez hat dazu das passende Szenario verfasst, das historisches Ambiente und Kostüme, Verrat und Leidenschaft miteinander kombiniert.

ZACK 326 page 83

Und sonst?

Als Pausenunterhaltung dienen Der Ritter, Parker & Badger und Tizombi mit sehr humorigen Einlagen, wie immer begleitet von News, dem Rückblick auf das ZACK vor 50 Jahren und einigen Rezensionen. Dazu kommt eine Vorschau auf die neue Reihe Aus der Spur vom Verfasser dieser Zeilen und der abschließende Teil eines Interviews mit Francois Walthéry, dem Mann hinter Natascha und anderen Serien, das aus dem Französischen übernommen wurde. Auch die August-Ausgabe des ZACK bietet damit genügend Stoff für ein paar Urlaubsmomente!

Dazu passen Sondaschule mit „Pommesbude“ und ein alkoholfreies Weizen von Brand.

© der Abbildungen bei den jeweiligen Künstlern und Verlagen / Blattgold GmbH, Bad Dürkheim 2026

Pevel/Créty – Ledergesicht 2

Die Witwe

Story: Pierre Pevel

Zeichnungen: Stéphane Créty
Originaltitel: 
Gueule de cuir: La veuve

Blattgold Verlag – ZACK Edition

Hardcover | 64 Seiten | Farbe |20,00 € | ISBN: 978-3-949987-64-9

Cover Ledergesicht 2

Es gibt viele History-Serien über Konflikte im Frankreich von Ludwig XIII. und Kardinal Richelieu, einige davon gehören sogar zur Weltliteratur. Und natürlich gibt es auch genügend Serien, die von den Ideen des Tarots beeinflusst sind und sich mit schwarzer Magie beschäftigen. Die wenigsten allerdings vereinen diese beiden Themen. Ledergesicht enthält zudem noch Elemente eines Superheldencomics, verleiht doch die Maske übermenschliche Kräfte.

Eine umkämpfte Stadt

Wie in Band 1 eingeführt, gibt es einen Kampf zwischen verschiedenen Triaden im Zodiak des Teufels. Unser Held hat die Maske übergestreift und ist somit ein Teil des Spiels, ohne es allerdings bereits komplett zu verstehen. Insbesondere ist ihm nicht klar, ob scheinbare Verbündete nicht in Wahrheit doch ein eigenes Spiel spielen. Dementsprechend verheimlicht er auch, dass der vormalige Träger der Maske keineswegs gestorben ist und versteckt ihn.

Der König der Gräber, Oberster der ersten Triade, überschwemmt die Stadt Paris mit einer vernichtenden Droge. Eigentlich kann diese nur von dem Alchimisten, dem Anführer der zweiten Triade, hergestellt worden sein, doch dieser wird seit einem Jahr vermisst. Parallel dazu versucht der König der Gräber die lokalen Pariser Herrscher der nächtlichen Aktivitäten auszuschalten. Wird es gelingen, dem etwas entgegenzusetzen?

Ledergesicht 2 page 3

Pevel füllt auch diesen zweiten Teil mit spannenden Actionszenen in den Gassen und über den Dächern und schickt seine Akteure in verzwickte Handlungsstränge. Langweilig wird einem beim Lesen sicherlich nicht. Da zudem auch Hintergrund über die Triaden geboten wird und am Schluss wieder ein Tagebucheintrag Erhellendes enthält, ist auch für Leser*innen, die mit den Geheimnissen des Tarot nicht vertraut sind, die Handlung unproblematisch zu verstehen.

Ein düsteres Mantel-und-Degen Stück!

Créty verknüpft zwei verschiedene Stilrichtungen: einerseits erinnern seine dynamischen Zeichnungen an die typischen frankobelgischen Mantel-und-Degen Abenteuer. Die Linienführung ermöglicht es ihm, diese Szenen gleichzeitig glaubwürdig und actionreich wiederzugeben. Er kombiniert diese detailreichen Zeichnungen aber mit einer düsteren, an Dark Fantasy erinnernden Farbpalette und hebt dadurch die mystischen Elemente hervor.

Ledergesicht 2 page 4

Während des Lesens kann man sich in den Straßenschluchten verlieren, die Innenausstattung der Gebäude ist fast schon fotorealistisch und trotzdem vermeint man, den Umhang des maskierten Rächers rascheln zu hören. Damit spricht der Comic sowohl Leser*innen, die Batman gewöhnt sind, als auch Fans von D‘ Artagnan an!

Klassische Moderne!

Oftmals hat man den Eindruck, dass man sich zwischen klassischem Stil und modernem entscheiden muss. Pevel und Créty beweisen, dass es auch anders geht und mixen sowohl inhaltlich als auch zeichnerisch munter beide Welten. Diese Mischung hätte schief gehen können, tut sie aber nicht! Ledergesicht ist ein Genuss!

Cover Ledergesicht 2 VZA

Wer will kann direkt beim Verlag eine limitierte Vorzugsausgabe mit Variantcover und limitierter Grafik bestellen. Diese verknüpft den Gothamartigen Einfluss mit dem Charme des vergangenen Paris!

Dazu passen The Specials mit „Friday Night, Saturday Morning“ von der Live from the Cathedral-LP und ein Pink Gin Tonic.

© der Abbildungen 2025 – Drakoo par Pevel, Créty & Maffre | 2025 Blattgold GmbH, Bad Dürkheim

Lapière/Dutreuil – Michel Vaillant Legenden 4

Das Rennen des Jahrhunderts

Story:  Denis Lapière
Zeichnungen: 
Vincent Dutreuil
Originaltitel: 
Michel Vaillant Légende Tome 4 – La course du siècle

Blattgold Verlag – ZACK Edition

Hardcover | 72 Seiten | Farbe | 24,00 € | ISBN: 978-3-949987-15-1

Cover Michel Vaillant Legenden 4

Michel Vaillant ist untrennbar mit dem Namen seines Schöpfers, Jean Graton, verbunden. Jahrzehntelang verantwortete er die Geschichten der nunmehr so genannten „Ersten Staffel“ bevor er das Zepter an ein neues Team übergab. Trotzdem sind seine Geschichten immer noch auf der Wunschliste von vielen, was nicht zuletzt durch das Interesse an seinen Bänden über die Tour de France und über andere Sportarten dokumentiert wird. Die Reihe Michel Vaillant Legenden interpretiert klassische Abenteuer aus seiner Feder neu und fügt eine andere Sichtweise hinzu.

Der Höllenzirkus – neu betrachtet

Der jetzt auf Deutsch vorliegende vierte Band der Reihe, Das Rennen des Jahrhunderts, basiert auf dem Band Der Höllenzirkus und lässt sich sogar bei einigen Panel direkt davon inspirieren. Das Vorwort fordert denn auch dazu auf, diese zu finden! Die Geschichte beginnt im Juni 1966; bei den 24 Stunden von Le Mans belegt Ford die ersten drei Plätze. Im daran anschließenden 24 Stunden-Rennen von Daytona im Februar 1967 liegen drei Ferrari auf den ersten Plätzen. Dementsprechend fordert Henri Vaillant sein Team, vor allem aber seinen Sohn Jean-Pierre dazu auf, dass bei der 67-er Ausgabe von Le Mans drei Vaillante dieses Kunststück wiederholen müssen.

Natürlich gibt es Vereinbarungen über Kooperationen, die eingehalten werden müssen, und andere Widrigkeiten. Trotzdem schaffen es die Mechaniker, konkurrenzfähige Autos zu bauen. Es scheint aber wie verhext zu sein; immer wieder passieren seltsame Unfälle. Sollte es einen Saboteur in den eigenen Reihen geben oder sind es doch nur Zufälle und kleine Fahrfehler?

Michel Vaillant Legenden 4 page 3

Quasi als Zugabe gibt es noch eine Kurzgeschichte, die im Jahr 1970 spielt. Wieder geht es um die 24 Stunden von Le Mans und in jenem Jahr fuhr ein Wagen außer Konkurrenz mit, da Filmaufnahmen für das Rennspektakel mit Steve McQueen gedreht wurden. Leider hat sich allerdings Steve Warson den Magen verdorben und scheint den planmäßigen Wechsel mit seinem Partner Michel Vaillant nicht durchführen zu können – Deine Sache, Steve …

Im Retrostil

Wie auch schon in den anderen Bänden hat sich Vincent Dutreuil bemüht, den klassischen Strich zu treffen, dem Ganzen aber auch eigene Akzente zu verleihen. Die Leser*innen dürfen Ansichten aus dem Inneren der rasenden Rennmaschinen bewundern, sehen aber auch eine fast vierseitige Folge, die fast ohne Text auskommt und den Gedankenprozess des Firmenbosses glaubhaft darstellt.

Michel Vaillant Legenden 4 page 4

Natürlich fehlen auch die vielen Szenen aus den Werkstätten und den Boxen nicht, die einen großen Teil des Reizes der Serie ausmachen. Nirgendwo sonst können Normalsterbliche so dicht am Geschehen sein wie in diesen Bildern. Gleiches gilt für die Unfälle, die zwar glimpflich ablaufen, oft genug aber auch anders ausgegangen sind. Und nicht zuletzt ist es die Teilnahme der „echten“ Fahrer, die diese Serie heraushebt.

Dicht am Geschehen

Während sich die zweite Staffel durch lange Handlungsbögen auszeichnet und Renngeschehen und Soapanteile gut durchmischt darbietet, konzentrieren sich die Legenden auf das Renngeschehen. Natürlich gibt es begleitende Elemente, der Fokus ist aber doch ein anderer. Das Ziel ist Motorsport der 60-er und 70-er Jahre in Reinkultur!

Michel Vaillant Legenden 4 page 8

Der Band hat wieder einen kleinen Anhang, der einen Einblick in die Entstehungsgeschichte des Comics erlaubt und auch ein paar Vorzeichnungen präsentiert. Der Tradition folgend gibt es auch erneut eine limitierte Vorzugsausgebe mit Variantcover und nummeriertem Druck.

Dazu passen Bowling for Soup mit „Where’s The Love?“ und ein Gewinner-Champagner.

© der Abbildungen 2025 DUPUIS, by Lapière, Dutreuil | 2026 Blattgold GmbH, Bad Dürkheim

Cauvin/Lambil – Die Blauen Boys GA 7

1982 – 1984

Story: Raoul Cauvin
Zeichnungen: Willy Lambil

Originaltitel: Le Tuniques Bleues 19, 20, 21

Salleck Publications

Hardcover | 160 Seiten | Farbe | 34,90 € | ISBN: 978-3-89908-831-1

Cover Die Blauen Boys Gesamtausgabe 7

Eine der erfolgreichsten und langlebigsten Western-Serien aus dem frankobelgischen Raum entstand ursprünglich als Lückenfüller. Als Lucky Luke Spirou verließ, musste kurzfristig ein Ersatz gefunden werden. Mittlerweile sind sowohl der ursprüngliche Zeichner (Salverius) als auch der jahrzehntelange Texter Cauvin verstorben, die Blauen Boys allerdings reiten weiter. Die Gesamtausgabe bei Salleck enthielt zunächst in den ersten sechs Bänden Neuübersetzungen der in Deutschland bei Bastei erschienenen Teile, auch um sie endlich den mittlerweile akzeptierten Qualitätsanforderungen anzupassen. Aufgrund des Wunsches vieler Leser*innen geht es jetzt mit den bei Carlsen verlegten und vergriffenen Bänden weiter.

Die Tücken des Krieges

Anfangs war die Ausrichtung der Serie noch ein wenig unentschieden, die Fokussierung auf die Auseinandersetzungen zwischen Nord- und Südstaaten, einem der bisher blutigsten Kriege der Geschichte, hat sich aber schon lange etabliert. Und so bestimmen auch jetzt Themen des Kriegsgeschehens die drei Alben. Dazu kommen viele Abbildungen und zwei Einseiter als deutsche Erstveröffentlichung. Die Geheimwaffe beschreibt den Einsatz eines U-Boot-Vorläufers, der David, und seine verheerende Wirkung auf die Schiffe der Nordstaaten, die den Nachschub ihrer Gegner durch eine Seeblockade einschränken wollen.

Black Face thematisiert die Frage, ob es dem Norden wirklich um „die Befreiung der Sklaven“ ging. Immerhin dürfen sie sich im Norden zwar der Armee anschließen, allerdings nur um für weniger Sold Drecksarbeiten auszuführen. In Fünf Schwere Jungs steht das ständige Problem im Vordergrund, Nachschub an jungen Rekruten als Kanonenfutter zu finden. Das 22. Infanterieregiment wird zwar immer wieder aufgefüllt, außer Kommandant Stark und unseren beiden Helden überlebt aber kaum jemand. Die Schwierigkeiten der Rekrutierung stehen im Vordergrund dieses leicht zynischen Bandes.

Die Blauen Boys Gesamtausgabe 7 page 132

Die Blauen Boys sind so erfolgreich, weil Cauvin es immer wieder schafft, Aspekte herauszugreifen und in den Fokus zu stellen, die die Absurdität des Krieges darstellen. Der nur saufende General, der aufgrund der fehlenden Sonne auf dem Schlachtfeld ganz bleich ist, der Trick, Verbrecher hinter die Linien zu schaffen, und der unverhohlene Rassismus zeigen auf, wo die Dinge wirklich im Argen liegen.

Knollennasen und Schachtfelder

Willi Lambil, nach Salverius der Zeichner der Serie, verbindet Knollennasen und Überzeichnungen in den Gesichtern mit der Darstellung des Krieges. Nach den Attacken liegen die Leichen auf den Feldern, ihre Positionen zeigen unmissverständlich den Schmerz und das Leid. Diese Szenen dienen der Untermalung der Ernsthaftigkeit und unterstützen das gemeinsame Anliegen, den Irrsinn des Krieges und die Möglichkeit, darin trotzdem zu überleben, zu zeigen. Während der Vorgesetzte, Sgt, Chesterfield, unermüdlich versucht, das alles zu ignorieren, versucht sein Untergebener, Corporal Blutch, unentwegt zu desertieren, wenigstens aber für das Überleben zu sorgen.

Die Blauen Boys Gesamtausgabe 7 page 133

Dieser Gegensatz trägt mit seinem manchmal feinen, oft brachialen Humor die Geschichten und fasziniert seit rund 70 Ausgaben. Quasi als Gegensatz zur menschlichen Tragödie wirken die immer wieder eingestreuten Naturbeobachtungen. In einem beliebigem Panel tauchen unvermittelt sehr realistisch dargestellte „unschuldige“ Tiere auf. Genial!

Nicht aufhören, bitte!

Die ersten sechs Nummern der Gesamtausgabe waren für die deutschen Leser*innen fast wie eine Erstveröffentlichung, hatte die damalige Übersetzung doch eher Klamauk im Sinn als Werktreue. Glücklicherweise wird die Reihe aber fortgesetzt und ermöglicht es all denen, die die Serie nicht bereits in den 90-ern gut fanden, ihr angemessen zu folgen! Natürlich lassen sich die meisten Teile noch antiquarische finden, die Gesamtausgabe mit dem redaktionellen Teil, den Fotos und Aquarellen und nicht zuletzt der guten Aufmachung im Hardcover bieten aber doch deutlich mehr!

Die Blauen Boys Gesamtausgabe 7 page 10

Dieser Band erklärt auch die Verwirrung bei der Zählung: Carlsen startete damals mit einer neuen Nummer 1 und ignorierte die Tatsache, dass das Original bereits die stolze „19“ trug. Eine klare Empfehlung für alle Western-Fans, die Liebhaber der Ecole Marcinelle und des bissigen Stils von Raoul Cauvin! Ein Hinweis: Auch die aktuellen Bände erscheinen bei Salleck!

Dazu passen Bruce Springsteen mit allem von „Nebraska“ und ein guter Kaffee!

© der Abbildungen DUPUIS 1982, 1983, 1984, by Cauvin & Lambil / 2026 Eckart Schott Verlag

Charlier/Herbert – Simba Lee Gesamtausgabe

Jean-Michel Charlier präsentiert Band 2

Story: Jean-Michel Charlier

Zeichnungen: Herbert (Geldhof)
Originaltitel: 
Jean-Michel Charlier  présente: Simba Lee 1 & 2

Blattgold Verlag – ZACK Edition

Hardcover | 128 Seiten | Farbe | 39,00 € | ISBN: 978-3-949987-74-8

Cover Jean-Michel Charlier präsentiert - Simba Lee

Während viele der Werke von Jean-Michel Charlier Welterfolge sind und in vielen Sprachen und Editionen in den Regalen stehen (Blueberry, Der rote Korsar, Tanguy & Laverdure, Marc Dacier, …), gibt es doch eine ganze Reihe von Serien, die nicht diese Bekanntheit erlangt haben, trotzdem aber keineswegs reizlos sind. Die Reihe Jean-Michel Charlier präsentiert hat es sich zur Aufgabe gemacht, diese Schätze erneut zu heben und ansprechend zu präsentieren. Das bedeutet zugleich, dass alle Ausgaben ein Dossier haben, das auf die Hintergründe eingeht, zusätzliche Illustrationen präsentiert und Kontext gibt. Auf Deutsch erscheint die Sammlung in der ZACK-Edition.

Im tiefsten Dschungel

Simba Lee ist ein weißer Akteur, der in einer gewissen Tradition steht: Jungle Jim, Tiger Joe und natürlich auch die „Ur-Väter“ Tarzan von E. R. Burroughs und die Figuren von H. R. Haggard standen Pate für den Abenteurer. Er hat gute Kontakte zu den indigenen Stämmen, gleichzeitig aber auch großen Respekt vor den noch unerforschten Gegenden im Herzen Afrikas. Die ursprünglichen Bewohner*innen werden mit europäischen, (post-)kolonialen Augen gesehen. Daher sind einige von ihnen „vor kurzer Zeit noch Kannibalen gewesen“ und Fremden gegenüber misstrauisch und abergläubisch.

Trotzdem werden sie in Safari nach Dialo benötigt. Drei verschiedene Personengruppen möchten Lee, der den verliehenen Vornamen „Simba“ angenommen hat, zu einer Expedition verleiten. Dabei geht es um Fußabdrücke, die an ein urzeitliches Monstrum denken lassen, den Gewinn einer Safari und die Unterstützung einer jungen Frau, die auf der Suche nach ihrem verschollenen Vater ist. Die Expedition gerät mehrfach in lebensbedrohliche Situationen, erreicht aber schließlich ihr Ziel. Dort klären sich tatsächlich einige offene Fragen, die von der spannenden und verzweigten Geschichte aufgeworfen worden waren.

Simba Lee GA page 19

Auch die zweite Geschichte, Das Karapata-Reservat, bringt eine ähnliche Figurenkonstellation. Wieder ist es eine junge Frau, die von den patriarchalisch argumentierenden Männern ausgeschlossen werden soll, sich aber in das Abenteuer hineindrängt (und auch tatsächlich eine aktive, mitentscheidende Rolle einnimmt)! Hier geht es um Korruption, skrupellose Großwildjäger und den Verlust angestammter Privilegien. Beide Stories sind nicht frei von Vorurteilen und nicht mehr angemessenen Darstellungen, gehen aber thematisch in die richtige Richtung hin zu Gleichberechtigung und Verantwortung.

Ein visuell überzeugendes Afrika

Der Zeichner, mit dem Charlier hier zusammengearbeitet hat, kennt Zentralafrika aus eigener Anschauung, hat er doch mehrere Jahre dort gelebt und gearbeitet. Ohne jetzt die Geschichte der Belgier*innen im Kongo detailliert aufzuarbeiten, darf doch vermutet werden, dass es für Herbert (Geldhof) schwierig gewesen sein muss, sich komplett von den rassistischen und kolonialen Gegebenheiten frei zu machen. Seine Bilder von Afrika und seinen Bewohner*innen sind zwar nicht komplett frei davon, beweisen aber eine genaue Beobachtungsgabe, Detailtreue und Respekt!

Simba Lee GA page 20

Zeitgenössische Kritiker bemängelten teilweise, dass seine Figuren etwas hölzern wirken würden. Tatsächlich wirken die Personen in ganz seltenen Fällen wie „eingeklebt“. Die sehr große Mehrheit der Zeichnungen ist aber zwar zeitgebunden und wirkt daher etwas nostalgisch, gleichzeitig aber vollkommen in Ordnung! Herausstechend sind jedoch definitiv die Panel, die die Natur zum Helden machen!

Empfehlenswerte Dossiers!

Gerade bei etwas älteren Serien vermisst man als heutige*r Leser*in teilweise den Kontext. Ausdrücke und Situationen sind nicht mehr selbstverständlich, Spannungsbögen teilweise nur schwer nachvollziehbar. Das beste Beispiel dafür ist eine Autopanne aus der Zeit, in der es noch keine Mobiltelefone gab, denn die daraus resultierende Gefahr ist heute kaum noch nachzuvollziehen. Die Dossiers geben eine gut lesbare Einführung in die Hintergründe des belgischen Kolonialismus, die begleitenden Comics in anderen Magazinen und die Marktsituation.

Detail Simba Lee GA page 23

Und auch die beruflichen Veränderungen von Charlier spielen eine Rolle, taucht doch sein Name nur auf einer einzigen Seite während der lange laufenden Vorveröffentlichungen auf. Eine mögliche Erklärung dafür findet sich in dem Text. Dazu kommt eine Vielzahl an Abbildungen, Originalseiten und Fotos. Alle Seiten wurden einheitlich neu koloriert und damit an heutige Standards angepasst. Eine klare Empfehlung für die Fans des klassischen frankobelgischen Abenteuer-Comics, der hier zudem auch noch Frauen aufweist, die sich der typischen Opferrolle entziehen.

Dazu passen „Tonight“ von Social Distortion und ein Kaluha.

© der Abbildungen Fordisbooksandpictures, 2025 | 2026 Blattgold GmbH, Bad Dürkheim

Taymans – Roxane

Gesamtausgabe

Story und Zeichnungen: André Taymans

Originaltitel: Les tribulations de Roxane

schreiber & leser Alles Gute !

Hardcover | 160 Seiten | Farbe | 29,80 € | ISBN:  978-3-96582-240-5

Cover Roxane Gesamtausgabe

Toughe Heldinnen sind im Comicbereich nicht gerade Massenware; viel zu oft beschränkt sich die Rolle von Frauen, so sie denn überhaupt im Abenteuer/Action-Bereich auftauchen, auf eine Staffage oder im besten Fall auf eine Co-Heldin. André Taymans nimmt daher eine Sonderstellung ein. Er ist zwar nicht der Einzige, der Heldinnen zum Einsatz kommen lässt, setzt aber konsequent auf sie und schafft sogar Verbindungen zwischen Caroline Baldwin, Eden und eben Roxane.

Die Flucht und Abenteuer im Himalaya

Während Caroline Baldwin für ein eher erwachsenes Publikum geschrieben wurde, suchte der Redakteur von Bayard nach einer weiteren Geschichte, die sich an jugendliche Leser*innen richten sollte. Taymans akzeptierte und der erste Band von Roxane erschien in OKAPI, wurde aber nicht fortgesetzt, da sich der Künstler auf seine erfolgreiche Hauptreihe konzentrieren wollte. Trotzdem baute er die Heldin in einige Geschichten ein und ließ sie somit behutsam altern. 2014 schließlich kehrte er mit einem Doppelband zurück. Alle drei Geschichten sind in dieser Gesamtausgabe enthalten.

Der Pfadfinder erzählt von der späten Jugend der Heldin. Aufgewachsen in mehreren Kinderheimen und Pflegefamilien war das Mädchen schließlich geflohen und in einem besetzten Haus untergekommen. Auf der erneuten Flucht vor der Polizei macht sie sich auf zu ihrem einzigen noch lebenden Verwandten, ihrem Großvater. Sie fühlt sich von ihm ausgesetzt und ignoriert; nur sehr langsam kommt es zu einem Gespräch.

Roxane Gesamtausgabe page 7

Jahre später ist die nunmehr erwachsene Frau beruflich mit einem Klienten in Nepal verabredet. Er erzählt ihr von der Hand von Panghoche, einem Relikt, das angeblich aus den Knochen einer Yeti-Hand besteht. Dieser Hand wurde ein Finger entfernt, der nun wieder mit der Hand vereint werden soll. Der Auftrag entpuppt sich als gefährlich und kostet einige Menschenleben. Während Roxane anfangs sehr skeptisch ist, versteht sie mehr und mehr von der zugrundeliegenden Legende. Schließlich stellt sich heraus, dass das komplette Artefakt eine Art Schlüssel zu einer unterirdischen Anlage darstellt und dass Roxane eine mythische Rolle zu spielen hat, ob gewollt oder nicht, da sie als „der Tiger“ ausgewählt worden ist. In einem dramatischen Ende erfüllen sich schließlich einige Prophezeiungen.

Bergwelten in vielen Facetten

Alle drei Teile der Geschichte spielen mehr oder weniger in den Bergen und erfordern von Taymans als Zeichner, die großartige Natur angemessen darzustellen. Der Schnee, das Eis, die Schluchten, die Aufstiege erfordern eine Kenntnis von dem, was dargestellt werden muss (und auch die entsprechende Kunstfertigkeit)! Die Bilder geraten sehr stimmig und machen die Atmosphäre fast schon greifbar. Das gilt ebenfalls für die Szenen in den Städten, Klöstern und Stätten im Himalaya, die Schauplätze der Handlung werden.

Roxane Gesamtausgabe page 8

Ohne in eine „Exotik“ abzugleiten werden die Besonderheiten dargestellt und in die Handlung eingebunden. Taymans verstand die Seiten des dritten Bandes auch als eine Referenz an das schwere Erdbeben, dass die als Schauplatz dienende Landschaft 2015 schwer traf und verwüstete. Auch so kann Erinnerung unterstützt werden! Es dürfte im Übrigen niemanden verwundern, dass Roxane wie eine Verwandte von Caroline aussieht. Seine Art, Frauen zu zeichnen ist sehr typisch.

Eine runde Sache

Die Gesamtausgabe enthält neben den drei Bänden eine schwarz-weiß Seite, die nach dem Erdbeben spielt, eine kurze Einführung und einen Anhang mit Skizzen und großformatigen Illustrationen. Selbstverständlich sind auch die Titelbilder der Alben enthalten. Das Preis-Leistungs-Verhältnis ist ausgesprochen gut und wer Taymans mag, wird hier unbedenklich zuschlagen wollen.

Detail Roxane Gesamtausgabe page 14

Für alle anderen gilt: Die Landschaften des Himalayas, die Kultur und auch ein wenig Mythologie, gepaart mit einer Frau, die sich nichts gefallen lässt, gleichzeitig aber in der Lage ist, sich selbst in Frage zu stellen und eine perfekte Ausgabe sollten Argument genug sein, hier auch ohne Vorkenntnisse einzusteigen! Update: Typo korrigiert am 13.7.26

Dazu passen The Specials mit „Live from the Cathedral“ und ein Kathmandu Premium Lager.

© der Abbildungen André Taymans / Studio Caroline / 2025 | 2026 Verlag Schreiber & Leser, Hamburg

ZACK 325 (Juli 2026)

ZACK 325

Herausgeber/Chefredaktion: Georg F. W. Tempel

Blattgold Verlag

Heft Din A 4 | 100 Seiten | Farbe | 9,70 €
ISSN: 1438-2792

Cover ZACK 325

Die letzten Tage haben dazu verleitet, Bewegungen einzustellen und mehr zu lesen als gewöhnlich. Für die kommenden Tage ist es zwar nicht mehr ganz so heiß, die Ablenkungen durch die Fußball-WM dürften dafür bei vielen aber kleiner geworden sein, denn zumindest die Deutschen und ihre Nachbar*innen aus den Niederlanden, also der Großteil der Zielgruppe dieser Seiten, dürfen ja nicht mehr mitspielen.  Das erste der beiden Sommer-Hefte ist übrigens eine Besonderheit, enthält es doch keinen Neustart.

Die Fortsetzungen

Das Titelbild entstammt der im letzten Heft gestarteten neuen Serie Brigade Verhoeven. Der Vierteiler von Pascal Bertho nach den Romanen von Pierre Lemaître ist ein Thriller, der fast schon zu dem Noir-Segment gehört. Band 1 – Rosie – begann mit einem Bombenanschlag mitten in Paris. Es stellt sich heraus, dass der Verursacher scheinbar noch mehrere dieser Sprengkörper besitzt und auch damit droht, sie einzusetzen. Was hat die Mutter des vermutlichen Täters mit der Sache zu tun? Dynamische Zeichnungen von Yannick Corboz mit anfangs teilweise verwirrenden Kolorierungen.

ZACK 325 page 5

Der Bucklige von Montfoucon ist neben einem Historiendrama auch ein Stück über Rache und den Zwist zwischen Geschwistern. Der bereits dritte Teil von Unser Vater zeigt einen Kampf aus der Jugend der Brüder mit lebenslangen Folgen. Als sie sich lange Jahre später wieder gegenüberstehen wird sich zeigen müssen, ob Blutsverwandtschaft oder Feindschaft den Ausgang der Begegnung bestimmen werden. Hübsche Bilder von Eric Stalner machen das Mantel-und-Degen-Stück von Philippe Pelaez zu einem visuellen Genuss. Es empfiehlt sich aber, die Story am Stück (erneut) zu lesen.

Detail ZACK 325 page 23

Ein weiterer Kriminalfall, dieses Mal aus der Sparte „cosy & english“ ist mit Pfeifenrauch und Seidenstrümpfe betitelt. Inspektor Arbuckle, ein fülliger Pfeifenraucher, versucht seit Jahren Sir Walter Rutherford als Kriminellen zu überführen. Jetzt scheint er endlich einen Zeugen gefunden zu haben und versteckt ihn bei sich zu Hause. Mitten in der Nacht meldet die Katze allerdings einen unerwarteten Besucher, oder doch nicht? Der schwarze Fleck ist eine sehr nostalgische Story von Étienne Willem mit viel Humor, ausgeprägten Riechwerkzeugen und wunderbaren Stereotypen.

Detail ZACK 325 page 53

Das heiße Wetter der letzten Tage hat auch dazu geführt, dass man überall an die steigende Waldbrandgefahr erinnert worden ist. Harry & Platte werden während eines Auftrages in der Nähe von Nizza von gleich mehreren Feuern überrascht. Dramatische Szenen ergeben sich, als sie und ein ganzer Trupp von Feuerwehreinheiten zwischen der Feuerfront und einer abgerutschten Straße eingeschlossen scheinen. Denis Lapière und Alain Sikorski entwerfen eine spannende Story in der sich die Protagonisten nicht nur der menschlichen Gewalt erwehren müssen, sondern auch Naturgewalten gegenübertreten: Feuer und Schwert sozusagen!

ZACK 325 page 69

Die Abschiede

Nichts geht mehr in Libertalia; das Konzept einer Gesellschaft von Freien ist gescheitert an der Machtgier und dem Egoismus Einzelner. Wie so oft enden revolutionäre Projekte mindestens genauso blutig, wie sie begonnen haben, und passenderweise heißt dieser Teil denn auch Die Wege zur Hölle. Rudi Miel & Fabienne Pigière haben eine etwas andere Piratenstory gebaut und sehr anspruchsvoll verflochten; Paolo Grello hat das in Bilder gepackt, die für ein frankobelgisches Magazin eher ungewöhnlich sind. Die stricheligen, an Gemälde erinnernden Bilder habe aber einen großen Reiz, vor allem am Stück (und damit im Zweifel erneut) genossen.

ZACK 325 page 39

Nach dem Ende des zweiten Teils verlassen uns nun zunächst auch Charel Cambré und Marc Legendre wieder. In Heute frischer Fisch wird endlich das abgetrennte Dorf wieder mit seinem Land vereint, Vorräte können erneut beschafft werden. Auch eine Feier wird veranstaltet die die beiden Helden zunächst vor ein großes Problem stellt, ihnen aber letztendlich einen Erkenntnisgewinn verschafft. Roadmovie, Kunstkritik, anarchistischer Humor und die Hinterfragung vieler Vorurteile machen Spaß, brauchen aber auch manchmal eine Pause. Insofern ist das Timing perfekt!

ZACK 325 page 85

Und sonst?

Der Ritter und Parker & Badger sorgen für die Abwechslung zwischen den Serien. Das Gleiche wird auch von den News, dem Rückblick auf das ZACK vor 50 Jahren und die Rezensionen geleistet. Dazu kommt eine längere Einführung in die Brigade Verhoeven vom Verfasser dieser Zeilen und der erste Teil eines Interviews mit dem Mann hinter Natascha und anderen Serien: Francois Walthéry. Genügend Stoff also für einige Abende!

Dazu passen Dropkick Murphys mit „Body of an American“ und ein O’Hara‘s.

© der Abbildungen bei den jeweiligen Künstlern und Verlagen / Blattgold GmbH, Bad Dürkheim 2026

Kris/Lambil – Die Blauen Boys 49

Irish Melody

Story: Kris
Zeichnungen: Willy Lambil

Originaltitel: Le Tuniques Bleues 66

Salleck Publications

Softcover | 48 Seiten | Farbe | 12,00 € | 
ISBN: 978-3-89908-847-2

Cover Die Blauen Boys 49

Begonnen hatte die Blauen Boys anfangs hauptsächlich als humoriger Nachfolger für den von Spirou zur Konkurrenz gewechselten Lucky Luke mit Zeichnungen von Salverius nach Szenarien von Raoul Cauvin. Als Zeichner übernahm nach dem Tod des ersten Willy Lambil. Mittlerweile ist auch Cauvin verstorben und Kris hat die Aufgabe übernommen, die sich immer mehr zur Armee- und kriegskritischen Reihe entwickelten Abenteuer der beiden Soldaten der Nordstaaten fortzuführen.

Auswanderer im Mittelpunkt

Niemand mit weißer Hautfarbe in Amerika hat keine Migrationswurzeln. Umso erstaunlicher sind manche Debatten, die Einwander*innen ehrliche Motive absprechen wollen, schließlich sind viele der Zugezogenen unzweifelhaft „politische Flüchtlinge“ gewesen, die meisten jedoch waren Wirtschaftsflüchtlinge, die sich weniger Hunger und Prosperität versprachen. Viele davon kamen aus Irland. Wie alle anderen Gruppen auch brachten sie ihre Folklore mit sich und St. Patrick ist in den USA noch immer ein riesiges Fest.

Kris spielt mit den Vorurteilen über die Iren: traurige Lieder, fröhlich dargebracht, Stout, das vor dem Servieren „wie ein Soldat“ ruhen muss und der Wunsch für ein befreites, vereinigtes Irland. Sgt. Chesterfield, auffällig durch seine roten Haare, wird von einem Angehörigen der Irischen Brigade (der Nordstaaten) als Cousin identifiziert und rutscht langsam in eine emotionale Zwickmühle: Möchte er sich als „Corny“ seinen vermeintlichen Landsleuten anschließen oder weiterhin zusammen mit „seiner einzigen Familie“ Blutch in der Infanterie dienen.

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Die Kritik an den Zuständen im Krieg, die Missachtung der menschlichen Schicksale durch die Generäle und der Widerspruch zwischen soldatischen Lebenswirklichkeiten und Befehlen wird deutlich, als sich Irische Brigaden auf beiden Seiten des Schlachtfeldes gegenüberstehen. Irish Melody ist eine traditionsbewusste und gelungene Fortführung der Erfolgsserie. Im Original gibt es mittlerweile schon weitere neue Bände.

Gelungene Überspitzung

Natürlich sind die Vorurteile gegenüber der irischen Kultur eine Steilvorlage für jeden guten Zeichner. Auch Lambil genießt es, Menschen in grünen Kostümen als Leprechaun oder am Tresen mit einem Guiness darzustellen. Und auch die Lust am Singen lässt sich den Bildern ablesen. Besonders gut gelingen ihm in diesem Band die Gesichtsausdrücke seiner beiden Helden, die darüber zweifeln, was sie tun sollen.

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Und auch die Freund*innen der Natur kommen in diesem Band wieder auf ihre Kosten. Wie immer sind einige Tiere die Stars ihrer Panel, selbst wenn sie nur wie zufälliges Beiwerk wirken. Und auch der Detailreichtum der Hintergründe lädt zum Verweilen bzw. zum mehrmaligen Lesen ein. Mehr kann man von einer Reihe mit fast 70 Bänden nun wahrlich nicht verlangen!

Die Perpetuierung eines erfolgreichen Konzepts!

Die Blauen Boys sind eine echte Erfolgsgeschichte und haben schon lange bewiesen, dass sie mehr als ein lückenfüllender Ersatz sind. Mehr noch, da niemand mehr von der Originalbesetzung dabei ist, ist auch klar, dass das Konzept als Solches funktioniert. Natürlich braucht es auf künstlerischer Seite genügend Talent um das auch an die Käufer*innen zu bringen. Bei Lambil steht das außer Frage und Kris hat einen guten Start!

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Gleichzeitig erscheint auch der siebte Band der Gesamtausgabe (Rezension folgt). Nachdem nun alle bei Bastei veröffentlichten Geschichten eine vernünftige Übersetzung und eine angemessene Form gefunden haben, werden auch die bei Carlsen erschienenen Bände aufgenommen. Damit wird ab jetzt der deutsche Sonderweg in der Zählung der Bände offensichtlich, hatte man sich damals doch entschieden, mit einer „1“ neu zu starten.

Dazu passen Keith and Tex mit „Gun Life“ und ein Starnberger Helles!

© der Abbildungen DUPUIS 2022 – Lambil & Kris / 2026 Eckart Schott Verlag

di Giorgio/des Dorides – Wyoming, 1863 1

Fünf Tage zum Sterben

Story: Jean-Francois di Giorgio

Zeichnungen:  Fabrizio des Dorides

Originaltitel: Wyoming, 1863, volume 1

Splitter Verlag

Hardcover Überformat |56 Seiten | Farbe | 18,00 € | ISBN: 978-3-98721-328-1

Cover Wyoming, 1863 1

Der Titel Fünf Tage zum Sterben ist Programm: Schon lange habe ich keinen Western mehr gesehen, in dem diese Anzahl von Leichen die Wege der Protagonist*innen pflastern. Diese neue Serie beschreibt sich selbst in der Ankündigung als eine Geschichte aus mehreren Perspektiven, in der es keine Helden gibt. Der neue Western steht somit in der blutigen Tradition der Spaghetti-Western.

Eine Reihe an Massakern …

Wie mittlerweile relativ häufig auch bei Netflix und Co. zu beobachten, startet die Serie nicht chronologisch, sondern mit einem zukünftigen Ereignis. Dadurch sollen die Konsument*innen bei der Stange bleiben und sich in die neue Welt hineinziehen lassen. Auf der ersten Seite begegnen wir einem Mann und einer Frau, vermutlich beide verletzt, die als einzige Überlebende einer gewaltigen Schießerei nur noch auf die endgültige Entscheidung hinarbeiten können. Um sie herum liegen ungezählte Tierkadaver und menschliche Leichen.

Schon auf der zweiten Seite springt die Geschichte um einige Tage zurück: Ein Elternpaar entlässt ihren kleinen Jungen in die weite Welt; er soll ein Studium beginnen und es einmal besser haben, Während das Ehepaar noch versucht, mit dieser Trennung klarzukommen, haben Banditen den Jungen schon hingerichtet, um ein paar Pferde zu stehlen. Auch seine Eltern werden sterben, denn Zeugen sind unerwünscht.

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Dazu wird später noch das Schicksal von Emma kommen, einer jungen Mutter, die die Entführung ihrer beiden Töchter rächen will, eine alte offene Rechnung zwischen einem zwielichtigen jungem Mann und einem alten Ranchero, ein paar alte Haudegen aus dem amerikanischen Bürgerkrieg und immer wieder gewissen- und skrupellose Banditen. Für Spannung, Konflikte und viel Blut zwischen all dem Pulverdampf hat der erfahrene Jean-Francois di Giorgio wahrlich gesorgt.

In einem abwechslungsreichen Layout

Fabrizio des Dorides ist in Italien durchaus bekannt und hat bereits an vielen Fumetti gearbeitet, gerade auch an Sachen im Bereich Mystery und Horror. Inhaltlich hat er daher wahrscheinlich kaum Anpassungsschwierigkeiten gehabt, sein Stil in dieser Serie verrät die Herkunft allerdings nicht. Die Seiten sehen sehr unterschiedlich aus, nutzen das große Albumformat perfekt und erinnern eher an moderne frankobelgische Werke.

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Die Landschaft ist extrem detailreich, die Personen sehr realistisch und die Actionszenen sind glaubhaft. Teilweise nimmt er Techniken des Films auf und verwendet harte Schnitte aus nächster Nähe, um Dynamik zu erzeugen. An einigen Einstellungen lässt er zusätzlich seine Horrorerfahrungen einfließen und verursacht bei den Leser*innen eine Gänsehaut!

Gewalt und Können in Kooperation

Bisher kannten wir von Jean-Francois di Giorgio nur Eastern aus den Samurai und Sensei Reihen. Wer mit Abenteuern ohne Helden und somit auch ohne moralische Wertungen klarkommen kann, ist hier sicherlich gut bedient. Wer allerdings Western im Stil von Bonanza erwartet, sollte die Finger von Wyoming, 1863 lassen!

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Story und Artwork ergänzen sich gut, die Orgien aus Gewalt, Gier, Rache und Verzweiflung werden glaubhaft und realistisch umgesetzt. Man sollte den Comic allerdings nicht in Gegenwart von Kindern herumliegen lassen, die Szenen sind definitiv nichts für deren Augen. Wer sich gerne Tarantino-Filme anschaut, dürfte aber nicht überfordert sein.

Dazu passen The Adicts mit „Straight Jacket“ und ein Moloko Plus!

© der Abbildungen Èditions Soleil by Jean-Francois di Giorgio & Fabrizio des Dorides – 2024 | Splitter Verlag GmbH & Co. KG, Bielefeld 2026

Vernes/Forton – Bob Morane Classic 9

Das Schwert des Paladins

Story: Henri Vernes
Zeichnungen: 
Gérald Forton
Originaltitel: 
L´Épée du Paladin & La Rivière des perles

Blattgold Verlag – ZACK Edition

Hardcover | 72 Seiten | Farbe | 24,00 € |ISBN: 978-3-949987-51-9

Cover Bob Morane Classic 9

Bob Morane ist eine Serie, die medienübergreifend funktioniert! Am Anfang standen die Romane für Jugendliche von Henri Vernes. Die ersten Comic-Umsetzungen erschienen dann in einem belgischen Magazin für moderne Frauen und eroberten von dort aus nicht nur andere Magazine, sondern auch Zeitungen im In- und Ausland. Hörspiele und Adaptionen für das Fernsehen folgten und mittlerweile erscheinen sogar Comics, die nicht mehr auf Romanen des Erfinders fußen. Die Anfänge gibt es gesammelt in der Bob Morane Classic Reihe.

Eine vertrackte Zeitreise und Verdächtigungen in Chinatown

Sollte jemand der Titel des Bandes bekannt vorkommen, hat dieser Mensch gut aufgepasst. Eine Version ist nämlich bereits vor rund zwei Jahren als ZACK Spezial 11 erschienen. Damals als Faksimile des Zeitschriftenabdrucks veröffentlicht, erscheint die Geschichte nun als acht Seiten kürzere Albumversion im Rahmen der Gesamtausgabe der Moranes von Attanasio und Forton.

Das Schwert des Paladin führt Bob und seinen Begleiter Bill Ballantime zurück in die Vergangenheit. Eine junge Frau wird bedrängt und angefeindet, da einer ihrer Vorfahren die fränkischen Truppen den Sarazenen ausgeliefert haben soll. Bob und Bill erinnern sich an das Rolandlied und greifen ein. Dabei treffen sie auf alte Bekannte und haben ohne ihr Wissen einen blinden Passagier dabei.

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Die Perlenkette ist dagegen ein eher klassischer Kriminalfall. Unsere Helden sind in San Franciscos Chinatown unterwegs als ihnen ein bestimmter Laden empfohlen wird. Angeblich könne man dort Ming-Vasen erstehen. Tatsächlich werden sie dort aber niedergeschlagen und als Täter eines Raubes verdächtigt. Während Bill von der Polizei festgesetzt wird, muss nun Bob ihre Unschuld beweisen. Beide Geschichten vereinen die typische Mischung aus Spannung, unerwarteten Wendungen sowie starken Frauenfiguren und erfüllen somit alle Erwartungen der Leser*innen.

Klassische frankobelgische Comickunst

Gerald Forton ist ein typischer Vertreter der realistischen Comics aus dem französischen und belgischen Raum dieser Zeit, nämlich Anfang der 60-er Jahre. Die technischen Möglichkeiten, Bilder digital zu veredeln waren noch nicht gegeben, die Kolorierung durfte nicht zu filigran sein, da Drucktechnik und Papierqualität nicht mit heutigen Ansprüchen vergleichbar waren.

Trotzdem wussten die Akteure sehr genau, wie man Spannungsbogen zu konstruieren hatte und mitreißende Geschichten bildlich erzählen musste. Die Konkurrenz der bewegten Bilder um das Taschengeld war auch damals schon zu spüren!

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Empfehlenswert

Die Reihe ist aufgrund des sehr flexiblen Settings so spannend, dass sie auch heute noch funktioniert. Die Klassiker sind grafisch aufgrund der Vorlagen nicht immer ein Augenschmaus, als Zeitdokument aber trotzdem ok. Und gerade der Vergleich mit der Zeitschriftenvariante ist zusätzlich reizvoll, ermöglicht er doch das Aufspüren der notwendigen Wiederholungen im sequenziellen resp. der Kürzungen im einheitlichen Publizieren.

Wie immer gibt es beim Verlag passende Drucke und für Vorbesteller jeweils ein Schmankerl für ein Abonnement über fünf Bände.

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Dazu passt ein Hit des Jahres 1964, Millie mit „My Boy Lollipop“, und ein Dortmunder-Actien-Bier.

© der Abbildungen Vernes – Bob Morane Inc / Forton – Ed. Hibou | 2026 Blattgold GmbH, Bad Dürkheim

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