Gaiman/Buckingham – Mögliche Geschichten

Aus der Neil Gaiman Bibliothek

Story: Mark Buckingham nach Neil Gaiman
Zeichnungen: 
Mark Buckingham

Originaltitel: US – Likely Stories

Dantes Verlag

Hardcover | 84 Seiten | Farbe | 20 € |

ISBN:  978-3-946952-64-0

Cover Gaiman/Buckingham Mögliche Geschichten

Es gibt verschiedene Spielarten von Horror. Die einen verstehen darunter Schocker mit viel Blut und Spezialeffekten, die anderen eher gruselige Erzählungen. Beide reklamieren für sich, dass es darauf ankomme, das Blut in den Adern gefrieren zu lassen. Sie sind sich auch darüber einig, dass das Nicht-Vorhersehbare den Reiz ausmacht.

So könnte es gewesen sein

Die möglichen Geschichten von Neil Gaiman gehören eindeutig zur zweiten Kategorie: Geschichten, die im Hintergrund ein Kaminfeuer oder eine Taschenlampe als Beleuchtung implizieren und den leisen Grusel in den Vordergrund stellen. Die vier in diesem Band versammelten Stories stammen von dem preisgekrönten Bestsellerautor, die Adaption als Comicszenario und die passende Rahmenhandlung hat Mark Buckingham verfasst.

Gaiman/Buckingham Mögliche Geschichten page 1

Sie alle haben etwas mit einem Londoner Club zu tun. Bis 2005 gab es in UK eine Sperrstunde und Pubs, Bars und Restaurants hatten sie einzuhalten. Allein Clubs durften exklusiv für Mitglieder weiterhin geöffnet haben und Alkohol ausschenken. Hier geht es um den fiktiven Diogenes Club im Zentrum von London.

Fremdartige Teile handelt von einem jungen Mann der sich, obwohl sexuell nur mit sich selbst beschäftigt, eine Geschlechtskrankheit eingefangen hat. Die Krankheit erfordert eine Änderung seiner Vorlieben. In Esser und Fütterer erlebt ein Untermieter, dass ein freundlicher Hilfsdienst gegenüber einer Nachbarin eine Kette von Ereignissen auslösen kann. Diese Geschichte hätte sicherlich auch in eines der EC-Magazine gepasst.

Früher waren nackte Körper nicht so präsent wie heute. Viele Jungen gewannen ihre ersten Eindrücke in Magazinen wie etwa Penthouse und wurden dadurch auf bestimmte Erwartungen geprägt. Die Geschichte einer besonderen Obsession erzählt Auf das Mädchen hoffen und Closing Time wird bestimmt von der Mutprobensituation in die sich kleine Jungen immer wieder gegenseitig bringen. Niemand möchte ein Feigling genannt werden und so passieren unglaubliche Dinge.

Das Artwork

Mark Buckingham ist nicht nur ein guter Geschichtenerzähler, er kann diese auch gut in Bilder umsetzen. Wie gut zeigt der Anhang, in dem einige Vorzeichnungen und Zeichnungen in schwarz-weiß abgedruckt sind. Die Linien zeigen geprägte Gesichter, die den erlebten Horror nie wieder vergessen werden. Es ist fast schon schade, dass einige der Emotionen durch die Kolorierung etwas überdeckt werden. Schaut man allerdings genau hin, sind sie auch dort zu finden.

Gaiman/Buckingham Mögliche Geschichten page 2

Die Seitenaufteilung ist klassisch und streng; kein Schnickschnack lenkt vom Inhalt ab und so plätschern auch die Zeichnungen anfangs dahin bis dann der Moment kommt wo man in die Erzählung hineingezogen wird. Dazu kommt der immer mitschwingende britische Grundton. Alles ist etwas distinguierter und nicht umsonst wird auf die Avengers (Deutsch als Mit Schirm, Charme und Melone) Bezug genommen. Großes Kino!

Die Ausgabe

Der Dantes-Verlag hat sich dankenswerter Weise die Aufgabe gesetzt, eine Neil Gaiman-Bibliothek zu veröffentlichen. Neben seinen Werken aus dem Sandman-Universum und dem Streaming-Hit American Gods hat dieser nämlich eine Vielzahl an Kurzgeschichten geschrieben die oftmals als Comic adaptiert worden sind. Als solcher ist er vielleicht am ehesten mit Ray Bradbury zu vergleichen, dem Altmeister der Science-Fiction und des gepflegten Horrors.

Gaiman/Buckingham Mögliche Geschichten page 4

Neben der Beigabe von Skizzen und Zeichnungen hat dieses Hardcover im Übrigen auch noch Anmerkungen zu den im Text vorkommenden Londoner Örtlichkeiten und Anspielungen auf englische Zeitschriften oder Fernsehsendungen die außerhalb von GB möglicherweise sonst nicht verstanden würden. Das Format ist etwas größer als das typische US-Heft und das kommt dem Ganzen natürlich zu gute.

Also: Wer Gruselgeschichten mag, das Un- oder Übernatürliche nicht unbedingt sehen muss, um zu wissen, dass es da ist und gut erzählte Geschichten mag, sollte hier zuschlagen! British Humor, etwas old fashioned, aber definitiv eine Empfehlung!

Dazu passen Fun Boy Three, etwa mit The Lunatics have taken over the Asylum und ein klassischer schottischer Whisky, zum Beispiel ein Glenmorangie.

© der Abbildungen Innenteil: © 2020 Dantes Verlag und Neil Gaiman; Szen. Neil Gaiman/Mark Buckingham; Illu. Mark Buckingham & Cover: © 2020 Dantes Verlag und Neil Gaiman; Illu. Mark Buckingham

Smith/Duursema – Avatar

Avatar – Tsu’Teys Pfad

Story: Sherri L. Smith (nach James Camerons Film)

Zeichnungen: Jan Duursma, Doug Wheatley (Brüder)

Originaltitel: US-Avatar: TsuTey’s path 1 – 6, Avatar – Brothers (from Free Comic Book Day 2017)

Panini Comics

Broschur | 148 Seiten | Farbe | 18,00 €
ISBN: 
978-3-7416-1432-3

James Camerons Avatar von 2009 ist immer noch einer der erfolgreichsten Filme der Welt und eröffnete tricktechnisch ganz neue Horizonte. Was folgt aus einem Blockbuster? Richtig: die große Maschine läuft an und neben Merchandising erfolgt eine Zweitverwertung in Comic und Literatur und aus einem Film wird eine Reihe. Bei Avatar hat das alles ein wenig länger gedauert als üblicherweise und so handelt es sich bei Tsu’Teys Pfad tatsächlich um die erste offizielle Comicveröffentlichung.

Der Inhalt

Auf dem Mond Pandora wohnen die Na’Vi im Einklang mit der Natur. Obwohl sie keine Vegetarier sind und sich von gejagten Tieren ernähren, stehen sie doch mit ihrer Umwelt und allen anderen Lebewesen in direktem Kontakt. Sie können sich über eine Art außen liegender Synapsen mit anderen Lebewesen und Pflanzen verbinden und darüber Gefühle und Gedanken austauschen. Ihre Lebensweise kommt der Vorstellung eines Paradieses wohl relativ nahe. Natürlich gibt es Gefahren und auch Tod, das Ganze ist aber im Rahmen einer akzeptierten Ordnung.

Gestört wird das gesamte Gefüge durch die Menschen. Sie haben entdeckt, dass der Mond Bodenschätze beherbergt, die abgebaut werden sollen. Wie so üblich interessieren ökologische Aspekte bei wirtschaftlich getriebenen Projekten herzlich wenig und so wird der Abbau durch militärische Aktionen begleitet und die Vernichtung des ökologischen Systems steht bevor. Sollte sich jemand an die Ereignisse im Regenwalt erinnert fühlen?

Die Menschen haben es geschafft, Avatare zu erschaffen. Menschen können einen Körper steuern und sich somit in das Leben des Stammes der Omatikaya „einschleichen“. Die Himmelsmenschen werden zwar als Traumwanderer erkannt, sind aber trotzdem Teil des Alltags. Ihre Aufgabe ist es, die Aktionen zu unterstützen, den Widerstand zu spalten und schlussendlich auszuschalten. Auch Jake Sully ist einer dieser Grenzgänger, verliebt sich aber in eine der Na’Vi – Neytiri – und zweifelt an seinem Auftrag.

Im Gegensatz zum Film wird die bekannte Story aus anderer Perspektive erzählt. Tsu’Tey ist einer der größten Krieger der Omatikaya und traut den Traumwandlern nicht. Eigentlich würde er sie gerne töten, muss aber hinnehmen, dass sie Teil der Stammesgemeinschaft werden. Als es zum Kampf kommt wird diese Kooperation aber auf eine neue Probe gestellt.

Zusätzlich ist auch noch die Kurzgeschichte Brüder abgedruckt; Bei ihr handelt es sich eher um eine Fingerübung für Sherry L. Smith: Verschmelzungen zwischen Na’Vi und Tier, Gefühlsübertragung und Action. Das scheint hilfreich gewesen zu sein, denn ihr Aufbau der Geschichte ist sehr stringent und logisch. Nicht immer ist es einfach, eine bekannte Story neu zu erzählen, weil der Spannungsbogen anders trägt. Ihr gelingt es aber in einer sehr lesenswerten Version die zwischen „privaten“ und kämpferischen Stellen sehr geschickt wechselt.

Die Zeichnungen

Auch Jan Duursma ist nicht unbekannt im Bereich der Comicadaptionen von filmischer Science-Fiction. Ihm gelingt es (für mich ehrlicherweise unerwartet) gut, die 3-D animierten Na’vi in zweidimensionale Bilder zu übertragen. Landschaft, fremdartige Wesen und auch die Humanoiden Handlungsträger sind ansprechend und „anders“ genug! Bei einigen Hintergründen wirken die Figuren allerdings wie draufkopiert. Insgesamt ist das aber eine gute Leistung!

Das Seitenlayout ist eine gute Mischung aus traditioneller Erzählweise und komponierten Bildern mit komplexerer Struktur. Kein innovatives Feuerwerk, aber das wäre bei einem Blockbuster, somit also bei einem Mainstreamwerk eher hinderlich!

Fazit

Gelungener Auftakt der Reihe mit Geschichten aus dem Avatar-Universum! Im Laufe der nächsten Jahre werden nicht nur drei neue Filme auf den Markt kommen, sondern auch ihre Adaptionen und wahrscheinlich auch begleitende Geschichten. Wir können gespannt sein! Wie immer gehören natürlich auch alle Cover zum Lieferumfang

Dazu passen die sehr melodischen Guitar Gangsters die mittlerweile auch schon über 30 Jahre dabei sind und ein Red Ale.

© der Abbildungen 2020 Panini Verlags GmbH / Twentieth Century Fox Film Corporation