Gazzotti/Vehlmann – Allein 11

Allein 11 – die nächtlichen Nagler

Text: Fabien Vehlmann
Zeichnungen: Bruno Gazzotti

Originaltitel: Seuls – Les Cloueurs de nuit

Piredda Verlag

Hardcover | 56 Seiten | Farbe | 14,95 €
ISBN:978-3-941279-90-2

Cover Allein 11

Allein ist eine Serie über Kinder, die sich nach ihrem Tod in einer Zwischenwelt wiederfinden. Zunächst geht es einzig um das Zurechtkommen von Dodji, Leila, Yvann, Camilla und Terry in ihrer gewohnten Umgebung aber ohne Eltern, Freund*innen, überhaupt scheinbar ohne andere Menschen. Nur die Gebäude und alle Sachen sind noch da, aber auch die entlaufenen Tiere aus dem Zoo. Was anfangs noch wie eine nette Gruselstory aussieht, entpuppt sich schnell als Mystery-Story, denn es gibt neben den 5- bis 12-jährigen Kindern noch andere Bewohner*innen der Zwischenwelt, die dort teilweise ohne zu altern und ohne wirklich sterben zu können teilweise schon seit Jahrhunderten leben. Dementsprechend haben sich dort auch Machtstrukturen und Legenden entwickelt und neben freundlichen Akteuren gibt es auch Kriminelle und Despoten.

Die ersten beiden Bände erschienen zu Zeiten von Mirko Piredda und Martin Surmann im ZACK (näheres dazu hier), alle Bände sind als Hardcover im Piredda Verlag erschienen. Nach rund eineinhalb Jahren Pause ist jetzt der aktuelle Band 11 ausgeliefert worden!

In „die nächtlichen Nagler“ steht der neunjährige Yvan im Mittelpunkt. Er muss sich in einer kleinen Hafenstadt alleine durchschlagen und wird von einer Instanz Camillas besucht. Er erkennt, dass sie das Mitternachtskind ist (siehe Band 9) und vernimmt ihre Warnung vor den Naglern, die Yvan für das untere Terrain gewinnen wollen.

Gleichzeitig ist Anton weiterhin fleißig dabei, Theorien über die Zwischenwelt und den zeitlichen Ablauf aufzustellen. Da sich auch in dieser Serie alles auf einen fulminanten Schlusspunkt hin entwickelt, ist die gehäufte Ankündigung eines Kampfes sicherlich ernst zu nehmen.

Im weiteren Verlauf, der eindeutige Horrorelemente hat, wird Yvan in seiner Behausung von einem geheimnisvollen Jungen, dessen Kopf komplett von Fliegen umhüllt und somit nicht erkennbar ist und zombieartigen Kindern überfallen und auf einen Billardtisch genagelt. Als Yvan am nächsten Tag aufwacht, fehlt ihm ein Teil seiner selbst und er weiß, dass die Nagler wiederkommen werden…

Ergänzt wird das Hardcover durch ein mehrseitiges Interview mit Fabien Vehlmann über die Story von „Allein“, seinen Lieblingscharakter und sein Verhältnis zu Bruno Gazzotti, illustriert mit vielen Skizzen und Entwürfen, sowie dem Abdruck der ersten Seite des angekündigten Spinn-Offs „Geschichten aus der Zwischenwelt“, das größeren Fokus auf Details und Nebenfiguren werfen wird.

Gazzotti hat sie Serie als klassischen frankobelgischen Funny im SPIROU/Marcinelle-Stil angelegt. Detailreiche Umgebungen und Hintergründe, dynamische, filmartige Sequenzen und detaillierte Gesichtszüge mit zum Teil karikaturesken Ergänzungen. Durch diese teilweise kindliche, abmildernde Darstellung wird der Horror gekonnt verstärkt, denn er passt nicht in die helle, freundliche Darstellung und wirkt durch diesen Gegensatz umso befremdlicher. Seitenlayout-technisch sollte der/die Leser*in aber nicht allzu viel Innovation erwarten.

Die Figuren sind von Vehlmann über mittlerweile 11 Bände gut entwickelt und haben alle „ihre“ Macken, die sie so sympathisch machen. Es gibt auch genügend Querverbindungen zu alten Hinweisen oder auf noch unbekannte Ereignisse um die Spannung aufrecht zu erhalten. Dabei hilft sicherlich, dass die gesamte Geschichte in aktuell drei Zyklen unterteilt ist.

Die Serie Allein ist eine der besten aktuell laufenden Reihen! Sie ist bereits für jüngere Leser*innen ab 12 – 14 Jahren (je nach Person) lesbar, hält aber für Ältere noch weitere Schichten bereit, die sie ebenfalls lesenswert machen. Die Ausstattung lässt ebenfalls keine Wünsche übrig!

Dazu passen haltbare Getränke, die es in die Zwischenwelt schaffen und sowohl zeitlich als auch gegenüber äußeren Einflüssen äußerst robust sind, also praktisch jedes Getränk in Dosen, und leicht verstörende Musik etwa von The Other (Dreaming of the Devil als Beispiel).

© der Abbildungen 2019 Piredda Verlag, Berlin