Lucas Museum of Narrative Art

A sweeping journey through the images that tell our stories

Herausgeber/Autor: Jessica Hundley

Mit Beiträgen von: George Lucas, Guillermo del Toro, Ryan Linkof

Originalausgabe

Taschen Verlag

Hardcover 2 Bände im Schuber | 832 Seiten | Farbe | 175,00 € | ISBN: 978-3-7544-0564-2 (EN)

Cover Lucas Museum of Narrative Art
Art © Don Maitz

George Lucas hat ein eigenes Museum for Narrative Art eröffnet. Das ist zunächst schon mal eine gute Nachricht, denn sie enthält die Mitteilung, dass das, was eine der bedeutendsten Geschichten der Science-Fiction hat entstehen lassen, nachvollziehbar wird. Die Nachrichtensendungen transportieren diese Meldung, zeigen die wunderschöne moderne Architektur des Museumsgebildes mit seinen 30 Galerien, und verweisen auf die Person des Stifters und dass sein Kunstbegriff auch unterhaltende Kunst umfasst. Das ist die eine Seite!

Die andere ist, dass hinter diesem Museum und seiner Eröffnungsschau eine Theorie der erzählenden Kunst steht, die so ausführlich und anschaulich dargestellt ihrer Gleichen sucht. Es gibt viele Sammler*innen von Kunstwerken. Viele von ihnen sammeln sogar mit einem Ziel: ein*e Künstler*in, eine Richtung, eine Geografie, ein Thema, oftmals weiter eingeschränkt. George Lucas hat im Laufe der Jahre 40.000 Artefakte gesammelt, die ihn berührt haben, ohne auch nur ein einziges davon wieder zu verkaufen. Diese persönliche Motivation hat dazu geführt, dass die Werke sich in einer Weise ähnelten, die es erlaubte, eine Theorie damit zu unterfüttern.

Alle diese Kunstwerke erzählen eine Story, unterfüttern sie oder stellen sie in Frage, selbst wenn das des Schaffenden nicht immer ausdrücklich klar war!

Ein Bild ist neutral?

Keinesfalls! Ein Bild steht fast immer in einem Zusammenhang. Es normiert Erwartungen, schafft einen Rahmen des Erwartbaren, Erlaubten, Frivolen, … Selbst eine Flucht in eine romantische Landschaft, ein abstraktes Muster, ein Stillleben ist eine Aussage, erst recht die Darstellung einer soziologischen Begebenheit.

Das fängt bei den Geschichten für Kinder an: Ist es eine heile, konservative Welt mit einem normierten Familienbegriff? Oder gibt es Patchworkhintergründe und queere Eltern? Sind die Kinder gemischt nach Ethnien, Geschlecht und Alter oder separiert? Alle diese scheinbar unwesentlichen Details bilden den Hintergrund der ersten Prägung, die nicht von den Eltern ausgeht und damit quasi objektiv wahrgenommen wird. Die Darstellung der heilen Familie in der Vorstadt (Stichwort: Tradwives) unterscheidet sich von der Influencer-Welt, der Schichtarbeit, der Land-WG. Es ist aber nicht nur die Darstellung, die sich unterscheidet, es ist auch der damit bezweckte Impetus.

Lucas Museum of Narrative Art drawing from Rockwell
Norman Rockwell
Age of Romance, cover for The Saturday Evening Post,
November 10, 1923. Oil on canvas, 30 x 24 in. (76.2 x 61 cm)

Ganz plump ausgedrückt: Unterstützen das Bild und seine Narration die herrschenden Verhältnisse, stellen sie sie in Frage oder rufen sie gar zu einer revolutionären Aktion auf? Es ist wichtig, sich der Tatsache bewusst zu sein, dass Bilder in einem Kontext lesbar sind.

Der Massendruck bot eine Möglichkeit, dieses Medium in viele Haushalte zu bringen, die Rezeption war aber immer noch individuell: beim Zeitung-/Magazinlesen, beim Betrachten des Kunstdruckes an der Wand, beim Durchblättern eines Bildbandes.

Vom Individuum zur Gruppe

Jede individuelle Rezeption mag Folgen haben, sie mag sogar im Gespräch mit Anderen Unterstützung finden und somit kollektive Entscheidungen beeinflussen; das ist aber kaum planbar. Anders ist es mit öffentlichen Präsentationen: ein Mural (Wandbild) erreicht nicht nur die gesamte Nachbar*innenschaft, sondern zieht vielleicht sogar Auswärtige an, eine Ausstellung, noch mehr ein Film garantiert eine Gleichzeitigkeit des Erlebens und ermöglicht dadurch Interaktion und kollektive Beeinflussung.

Das soll im Übrigen keineswegs nur negativ klingen! Eine Unterstützung von Tierschutz und Umweltbewusstsein, eine Änderung im täglichen Verhalten wie Mülltrennung, Aufklärung über krankheitsfördernde Umstände sind – zumindest für mich – sehr positive Folgen dieser subtilen, aber wirksamen Präsentation von narrativer Kunst. Nicht zuletzt basiert unsere demokratische, freie Gesellschaft auf der Interaktion und der Vereinbarung auf das Beste für Alle.

Ein weiterer Aspekt kommt hinzu: Gemalte Bilder und erschaffene Skulpturen haben immer etwas Subjektives und unterliegen damit einem gewissen Vorbehalt. Ein Foto hingegen bildet die Realität ab, niemand kann es anzweifeln (nun ja, schon immer konnten Fotos manipuliert werden, aber nie war es einfacher als heute mit AI). Dokumentarfilme mit bewegten Bildern waren noch eindringlicher: Seeing is believing!

Lucas Museum of Narrative Art drawing from Colescott
Robert Colescott
George Washington Carver
Crossing the Delaware:
Page from an American History
Textbook, 1975. Acrylic on
canvas, 78 1/2 x 98 1/4 in.
(199.4 x 249.6 cm)


© Estate of Robert Colescott / VG Bild-Kunst, Bonn 2026

Der Museumskatalog führt nicht nur diese Gedanken sehr viel tiefer aus, allerdings auf Englisch, er führt auch eine Vielzahl an Beispielen aus der umfangreichen Sammlung an. Diese belegen positive wie negative Elemente, zeigen an Gegensätzen die Wirkung und hinterfragen ein ums andere Mal die teilweise behauptete Objektivität. Schon die Auswahl des Motivs hat einen Einfluss!

Die Glaubwürdigkeit der Kulisse

Der erste Band des zweiteiligen Kataloges schließt mit dem filmischen Star Wars Universum. Es geht nicht nur darum, welch großartige Story der Film erzählt (oder besser die Vielfältigkeit der erzählten Geschichten, die sich zu einem modernen Mythos verbinden), sondern auch darum, was man tun muss, um die Glaubwürdigkeit zu erreichen.

Das fängt damit an, dass die Kulissen, Raumschiffe und Kleidungsstücke nicht sauber poliert sind. Die damaligen SF-Filme sahen oftmals so aus, als ob die Putzkolonne das Setting gerade verlassen hatte. In Star Wars waren die Sachen alt, geflickt, staubbedeckt und damit … glaubhaft! Die Sandleute hatten nicht nur Männer, sondern auch Kinder und Frauen; diese unterschieden sich in ihren Klamotten. Die heute ikonische Prinzessin Leia trug etwas, das Adel ausstrahlte, im Kampf aber nicht behinderte, die Fahrzeuge und die fremden Wesen waren erkennbar anders, konnten aber funktionieren.

George Lucas hatte nie vor, nur einen erfolgreichen Film zu drehen, er wollte ein Universum erschaffen, bevölkern und mit den Geschichten in diesem Setting Prinzipien Gehör verschaffen, Probleme des Erwachsenwerdens, des Gegensatzes von Gut und Böse, von Machtmissbrauch thematisieren und ernst genommen werden. Dafür ist/war es notwendig, sich mit diesem Setting alle Mühe zu geben, um eine glaubwürdige Basis zu haben.

Lucas Museum of Narrative Art drawing from Chiang
Doug Chiang
Starship Landing Platform (detail), production art for Star
Wars: Episode II — Attack of the Clones, 2000. Acrylic on board,
10 5/8 x 17 3/4 in. (27 x 45.1 cm)

© & TM Lucasfilm Ltd. All Rights Reserved

Der zweite Band des monumentalen Werkes bleibt bei der erzählten Geschichte, führt sie allerdings von der Leinwand zurück auf das Papier. Imaginierte Welten entführen die Betrachter*innen und zeigen etwas, das nicht existiert, aber doch eine bestimmte Funktion erfüllen soll. Diese kann zunächst einmal positiv sein, also ein Ideal darstellen oder eine Auffassung von gemeinsamer Geschichte definieren.

Ein Beispiel dafür ist die Besiedlung des sog. „Wilden Westens“. Weder war dieser leer, noch gingen die ursprünglichen Bewohner*innen freiwillig. Die Neuankömmlinge waren keineswegs immer friedlich oder voll mit guten, demokratischen Gedanken. Trotzdem ist auch durch die Darstellung in Pulps, in Gemälden und Comics eine Basis für ein Verständnis dieser Geschichte geschaffen worden, dass als Gründungsmythos dient (und natürlich auch von Foto und Film unterstützt wurde). Im Endeffekt beruht ein Großteil der Identität der Vereinigten Staaten auf dieser – die Geschichte nicht unwesentlich formenden – erzählten „Wahrheit“.

Diese Welten beziehen sich aber nicht nur auf die Geschichte, sie sind auch in anderen sowohl soziologischen als auch philosophischen Bereichen spürbar. Da wäre zunächst der Bereich Romantik und Abenteuer. Natürlich werden die zukünftigen Erwachsenen auch durch das geprägt, was sie als Kinder und Jugendliche als Rollenbilder vorgesetzt bekommen. Die heile Familie, der allen Gefahren trotzende und Andersartige abschlachtende Held sind die eine Seite, das hilfsbereite Kind in einer offenen Gesellschaft, das solidarische Leben von Erwachsenen die andere.

In enger Wechselwirkung dazu stehen die Themen Science-Fiction und Fantasy; Während erstere eher gesellschaftliche Visionen und Dystopien beschreibt, spielen in letzterem wieder die Helden, seltener Heldinnen, und Machtstrukturen eine Rolle. Abschießend geht der Katalog auf wenige Künstler*innen spezifisch ein, die pars pro toto stehen.

Must Have!

George Lucas und seine Frau Mellody Hobson haben letzte Woche bei der Eröffnung des Museums den ersten 100 Besucher*innen persönlich die Hand geschüttelt. Das neu errichtete Bauwerk ist schon ohne Ausstellung einen Besuch wert, die Schau mit ihren fast eineinhalb Tausend Stücken erst recht! Wer es aus welchen Gründen auch immer wie die meisten von uns nicht nach Kalifornien schaffen sollte, hat mit dem Katalog Lucas Museum of Narrative Art eine echte Alternative! Gut aufbereitet, informativ und einordnend und trotzdem locker lesbar ist das Werk ein heißer Anwärter für das Sachbuch des Jahres!

Wer sich auf die Reise macht, sollte den Katalog vorher lesen, sich seine eigenen Gedanken machen und versuchen, diesen im Gebäude mit seinen 30 Sälen zu folgen. Die Werke sind im Original mit Sicherheit noch eindrucksvoller, die Theorie des visuellen Erzählens und seine Folgen ist in Häppchen vorab genossen wahrscheinlich besser verständlich als bei einem Besuch.

In beiden Fällen ist der Schuber mit seinen zwei Bänden nicht nur ein Hingucker im Regal, sondern auch ein lehrreicher und begeisternder Zeitvertreib bei allen Wartereien!

Dazu passen Gustav Holst mit „Die Planeten“, ein Espresso (aus Äthiopischen Bohnen) und ein guter Bordeaux.

© der Abbildungen 2026 Lucas Museum of Narrative Art | 2026 Taschen GmbH, Köln

Braun – Staying West!

Comics vom Wilden Westen

Autor: Alexander Braun

Originalausgabe

Salleck Publications

Hardcover | 272 Seiten | s/w & Farbe | 49,00 € | 
ISBN: 978-3-89908-800-7

Cover Braun - Staying West!

Alexander Braun ist in Deutschland der bekannteste und berühmteste Kurator von Ausstellungen, die sich mit einzelnen Aspekten von Comics befassen. Die Mehrzahl von ihnen nimmt ihren Anfang in dem Dortmunder schauraum comic + cartoon, einem Museum (mit freiem Eintritt!), das dem Hauptbahnhof genau gegenüber liegt. Wieviel Arbeit in diesen Ausstellungen steckt und mit welch groß angelegtem Anspruch Alexander Braun an diese Konzeptionen heran geht, wird allerdings erst durch die großformatigen und voluminösen Ausstellungskataloge deutlich, die die Ausstellungen begleiten.

Der Wilde Westen und Befindlichkeiten

Es ist noch nicht allzu lange her, da brandete eine Diskussion in Deutschland auf, ob neben dem N-Wort noch weitere Begriffe, ja, ganze Autor*innen und Literaturgattungen nicht mehr zeitgemäß wären. Pipi Langstrumpf wurde bereinigt, das I-Wort an den Pranger gestellt, Karl May in Frage gestellt. Braun beginnt seinen zweiten Band der Kataloge über Comics, die den „Wilden Westen“ thematisieren mit einer Einordnung der verschiedenen Fragestellungen.

Während viele Publikationen heute (vor allem allerdings in Talkshows) lieber auf die schnelle Emotion setzen und Fakten eher als hinderlichen Ballast betrachten, setzt Braun in Staying West! auf die tiefergehende Analyse. Er leitet her, dass Indianer(*innen) durchaus ein benutzbares Wort ohne rassistische Konnotation ist, die Übersetzung von Carl Barks‘ Werken durch die hochgelobte Erika Fuchs dagegen sehr wohl in Frage zu stellen ist. Kulturelle Aneignungen passieren immer wieder. Auch hier kommt es allerdings darauf an, sich dem Thema verständnisvoll zu nähern und nicht nur nach einem Dampfhammer zu suchen. Allein schon diese Kapitel rechtfertigen die Anschaffung!

Braun - Staying West! page 32

Argentinien und Italien

Die erste Ausstellung über Comics mit Westernbezug, Going West!, hatte ein paar Lücken gelassen, die nun geschlossen werden. Dazu gehört die Hochzeit des argentinischen Comics, die durch die Militärdiktatur beendet worden war. Über Oesterheld, Pratt und die anderen ist schon viel geschrieben worden. Braun stellt allerdings den Gegensatz zum amerikanischen Mainstream in den Mittelpunkt. Während dort noch munter der Macho im Vordergrund stand, der kaltblütig die Natur und die angestammte Bevölkerung vernichtet, waren die argentinischen Stories schon Jahrzehnte weiter und stellten die White Supremacy deutlich in Frage!

Diese grandiose Zeit wäre nicht möglich gewesen ohne eine Vielzahl von italienischen Künstlern, die dazu beigetragen haben. Einige von ihnen sind dann über den Umweg England wieder in ihre alte Heimat zurückgekehrt. Dort fanden sie zunächst eine Vielzahl an Western vor bis nach und nach Tex Willer alles überstrahlte. Dieser hat erstaunlicherweise in Deutschland bisher nicht Fuß fassen können.

Karl May, Bessy und Mosaik

Dankenswerter Weise nimmt Braun das Thema der kulturellen Aneignung im Zuge der Karl May Adaptionen nochmals auf. In den 60-er Jahren gab es eine große May-Welle, da die Schutzfrist abgelaufen war. Nicht nur Pierre Brice prägte das Bild, es gab auch Comic-Umsetzungen. Die Hintergründe habe ich noch nie so ausführlich und kombiniert präsentiert bekommen.

Dem folgt ein langer Artikel über Bessy, Silberpfeil und Co, natürlich unter besonderer Berücksichtigung des Verhältnisses der Schöpfer Vandersteen und Sels. Nirgendwo außerhalb von Deutschland war die Popularität dieser einfachen, nach einem cleveren Schema konstruierten Geschichten so hoch wie hier und der Bastei-Verlag hatte nicht nur die teilweise aus ausgeschnittenen Elementen zweitverwerteten Geschichten im Programm, er druckte auch noch die eine oder andere Geschichte mehrfach ab.

Braun - Staying West! page 15

Die DDR hatte dagegen eine andere Tradition. Übernommen hatte man die Abneigung gegen Bildgeschichten, vor allem solche mit Sprechblasen. Der schädliche Einfluss auf die Jugendlichen wurde mit sehr ähnlichen Worten begründet wie in dem amerikanischen Kreuzzug des Dr. Wertham, hatte aber natürlich eine komplett andere Vorstellung über das Ideal der Erziehung der Jugendlichen. Trotzdem konnte das Mosaik eine Episode über Amerika bringen in der die Helden (natürlich) Partei für die Unterdrückten ergreifen konnten.

(Semi-)Funnies

Für das Schlusskapitel verlässt Alexander Braun den Realismus wieder etwas und geht über zu den Funnies: Natürlich treffen wir hier wieder auf Carl Barks und seine Epigonen, die die Zeit am Klondike beschreiben oder heroisieren. Hier lesen wir aber auch über eine etwas andere Beschreibung eines Siedlertrecks, in der nicht die bösen Roten als Horrorszenario beschrien werden: Go West ist eine geniale, etwas unterschätze Serie von Derib und Greg. Und auch die Blauen Boys, die in mittlerweile 67 Alben die Schrecken und die Sinnlosigkeit des (amerikanischen Bürger-)Krieges thematisieren, werden vorgestellt.

Staying West - Alexander Braun
Dr. Alexander Braun während der Ausstellungseröffnung
Foto (c) schauraum comic + cartoon, Maximilian Mann

Unverzichtbar!

Das Western-Genre war das langlebigste und umfangreichste Genre der Populärkultur im 20. Jahrhundert: im Groschenroman, auf der Kinoleinwand, im Fernsehen und nicht zuletzt im Comic. Wer hier etwas näher einsteigen möchte wird sehr schnell merken, dass es gewaltige Unterschiede in den Sujets, der Ausrichtung und der Stilmittel gab (und gibt). Die beiden Kataloge von Alexander Braun zu diesem Thema sind nicht nur ein umfangreiches Kompendium mit einer Vielzahl von Abbildungen und Querverweisen und bieten einen sonst nirgendwo erhältlichen Gesamtüberblick. Vor allem sind sie lesbar und spannend geschrieben und machen daher Spaß.

Alexander Braun geht alle seine Themen (etwa Will Eisner) gründlich an. Er bringt nicht nur Theorien, die bei der Einordnung helfen, und bezieht auch psychologische Aspekte mit ein, er scheut sich auch nicht, seine Stimme in aktuellen Debatten zu erheben und sachlich, wie auch genüsslich, von ihm als falsch erkannte Positionen zu entlarven und auseinanderzunehmen. Danke dafür! Das Werk erscheint auch in dem richtigen Umfeld: Eckart Schott bietet in seinem Verlag Salleck Publications einer Vielzahl von Western-Serien an: Chinaman, Sauvage, Die Blauen Boys, Yakari, aber eben auch Einzelbände wie Go West oder Jessie Jane. Das Hardcover liegt trotz des Überformates noch gut in der Hand. Das Papier bringt die Illustrationen gut zur Geltung, die Bindung hält, was sie verspricht!

Braun - Staying West! page 73

Die Ausstellung Staying West im schauraum comic + cartoon läuft vom 23. September 2023 bis zum 3. März 2024: Max-von-der-Grün-Platz 5-7, 44137 Dortmund.

Dazu passen Gene Autry, etwa mit “Ghost Riders in the Sky” und ein Cowboy Schwarz Bier der Hummelbrauerei!

© der Abbildungen 2023 Alexander Braun / 2023 Eckart Schott Verlag

MOCA  – 70 Jahre Donald Duck

Die dritte Ausstellung im niederländischen Comic-Museum: 70 jaar Vrolijk Weekblad Donald Duck

Adresse: Bomstraat 11, 2202 GH Noordwijk
Öffnungszeiten: Mittwoch bis Sonntag 12 – 17 Uhr geöffnet
Eintritt: 8 €, Kinder die Hälfte

Logo MOCA 70 jaar een vrolijk weekblad

Das MOCA oder Museum of Comic Art befindet sich in Noordwijk an Zee vom Strand aus kommend gleich zu Beginn der Fußgängerzone und hat sich mittlerweile etabliert. Aktuell läuft bereits die dritte Ausstellung, die sich mit der niederländischen Ausgabe von Disney’S Donald Duck beschäftigt. Wie in einigen anderen Ländern auch ist das Magazin über die Jahre am Markt geblieben, weil es sich ständig angepasst und immer wieder lokale Bezüge hergestellt hat.

Sieben unterschiedliche Jahrzehnte

Die Ausstellung ist chronologisch aufgebaut und hat pro Jahrzehnt eine einführende Tafel mit niederländischem und englischem Text, der die Schwerpunkte herausstellt. Natürlich fing alles mit dem amerikanischen Lizenzmaterial an. Schon bald aber kamen wie beim italienischen Topolino auch eigene Kreationen dazu. Dadurch war es möglich, auf den lokalen Geschmack einzugehen.

Impression MOCA 4

Jeder Abschnitt zeigt repräsentative Originale. Gerade die moderneren Künstler*innen sind auch in Deutschland bekannt, bringt der hiesige Verleger Egmont doch viele Lizenzen in seinen verschiedenen Disney-Reihen. Trotzdem gibt es abseits der Mega-Namen wie Carl Barks, Don Rosa oder Daan Jippes noch genügend Neues zu entdecken.

Dazu kamen im Laufe der Jahre auch viele Serien, die auch eigenständig einen Markt bei unseren Nachbarn hatten. So finden sich etwa auch Texte über und Originale von Tom Poes und Douwe Dabbert. Hier hat es auch teilweise eine Überschneidung im künstlerischen Bereich gegeben. Überhaupt ist es interessant zu verfolgen, wer alles für den niederländischen Donald gearbeitet hat.

Nicht nur für Regentage

Obwohl der Eintritt mit 8€ nicht gerade ein Schnäppchen ist, kann man sich in dem kleinen, aber feinen Museum doch ganz gut aufhalten. Neben den Ausstellungswänden gibt es noch einige Vitrinen, ein Videokino, eine Malwerkstatt und vor allem eine gut bestückte Bibliothek, in der man seinen Horizont erweitern kann.

Impression MOCA 2

Wer will kann auch noch ein Foto mit Asterix und Obelix machen und somit seine Verbundenheit mit Urlaubsort und Hobby auf dem social media Kanal der Wahl teilen. Wem die naturgemäß kurzen Texten nicht ausreichen, kann mit dem Erwerb eines Katalogs geholfen werden. Dieser ist reich illustriert und vertieft die Themen. Alle Kataloge sind übrigens im gleichen Format und haben jeweils noch eine Beilage. Aber Vorsicht: Der Ausgang führt durch einen sehr gut sortierten Shop. Wer Prints, Figuren oder limitierte Luxusausgaben sucht, wird hier garantiert fündig werden.

Ein empfohlener Besuch

Wer sich eh schon in der Nähe von Noordwijk befindet und sich für Comics interessiert, sollte unbedingt einen Abstecher einplanen. Parkplätze sind mittlerweile genügend vorhanden und der Strand ist auch sonst zu empfehlen. Hervorzuheben ist der jeweilige Bezug auf die lokale Szene unter ganz unterschiedlichen Thematiken. Infos zu den aktuellen Öffnungszeiten finden sich im Web.

Impression MOCA 1

© der Abbildungen 2022 MoCA / Disney und die jeweiligen Künstler*innen; Fotos Sven Krantz-Knutzen

BeVrijd

De Tweede Wereldoorlog in Strips

Herausgeber: Erik de Graaf, Tonio van Vugt, Stichting Beeldverhaal Nederland
Originalausgabe anlässlich Stripweekend Haarlem 2 t/m 4 Oktober 2020

Stichting Beeldverhaal Nederland

A4 Broschüre | 48 Seiten | Farbe | 5,00 €
ISBN: 
N/A

Eigentlich passt die Besprechung dieser Broschüre nicht in das Schema von comix-online, ist sie doch weder neu noch ein Klassiker. Sie ist mir während meines Sommerurlaubes im wirklich empfehlenswerten Comic-Shop Yendor in Rotterdam in die Hände gefallen und ist zwar schon zwei Jahre alt, trotzdem aber noch sehr aktuell.

Gezeichnet für ein Leben

Unter dieser Überschrift leitet Adriaan Van Dis die Sammlung ein. Er beschreibt seine eigene (Nachkriegs-) Jugend und erklärt, was er aus den Comic-Klassikern der Weltliteratur, die er während einer langen Krankheit verschlungen hat, gelernt hat. Er drückt schließlich die Hoffnung aus, dass auch die heutige Jugend aus den grafischen Erzählungen über den Krieg und die Folgejahre lernen möge.

Die folgenden Seiten sind so aufgebaut, dass sich längere Artikel, Ausschnitte aus Comics und als Must-Reads klassifizierte Kurzvorstellungen abwechseln. Während letztere einen guten, aber natürlich auch subjektiven Überblick über das große Themenfeld geben und dazu anregen sollen, an dem Wochenende im Oktober 2020 bei den anwesenden Händler*innen in einige Werke hineinzuschauen, bieten erstere direkte Einblicke.

Zunächst stellt Kees Ribbens zwei sehr frühe Comics über den Weltkrieg von Edmond-Francois Calvo (dt. Die Bestie ist tot) und Ton van Tast vor. Ersterer erschien bereits 1946 und nahm die Darstellung des Geschehens mit Hilfe von Tieren vorweg, die später auch Art Spiegelman in Maus benutzen sollte. Peter van Dongen nimmt auf und erläutert Details zu seinem Werk Rampokan über den folgenden Unabhängigkeitskrieg der niederländischen Besetzungen in Indochina. Vier Seiten aus Rampokan bieten dabei einen ersten Eindruck.

Kriegscomics ohne Verherrlichung

Illustrationen von L. L. Jordan zeigen die Schrecken des Krieges und Brian Elstak & Marga Altena widmen sich (erneut mit Beispielen) der systematischen Weigerung, den Beitrag der „Schwarzen“ an der Befreiung anzuerkennen. Auf keinen Fall fehlen dürfen Émile Bravo mit seiner Erzählung über Spirou zur Zeit der Besetzung Belgiens und Eric Heuvel mit den Meimoorden im besetzten Rotterdam.

Plakat StripWeekend Harlem Oktober 2020

Rik Spanjers bietet einen guten Überblick über (Anti-)Kriegscomics: Angefangen bei EC’s Frontline Combat über Maus und Kraut bis zu japanischen Zeichnern wie Mizuki zeigt sein Artikel, wie unterschiedlich man sich mit dem Thema auseinandersetzen kann. Das Leben der normalen Menschen hat Erik de Graaf in seinem Zweiteiler Scherven und Littekens im Blick. Auch hier erzählt der Ausschnitt viel mehr über das Werk als jeder Text könnte. Schließlich geht es noch um den Wert von Solidarität in einem Beitrag von Aimée de Jongh.

Empfehlung

Fünf Euro sind gut angelegt für diese Broschüre. Natürlich ist die Auswahl der Titel alles andere als komplett und selbstverständlich subjektiv. Ich persönlich finde es aber sehr spannend, auf dieses Thema mal mit einem nicht-deutschen Auge zu schauen und mir die Begründungen für die must-reads durchzulesen.

Die Webseite der Stichting Beeldverhaal scheint momentan allerdings nicht erreichbar zu sein und so bleibt nur auf das Glück zu hoffen, im Fachhandel oder auf einschlägigen Gebrauchtseiten ein Exemplar zu ergattern.

© der Abbildungen bei den jeweiligen Verlagen und Künstler*innen, 2020 Stichting Beeldverhaal Nederland

Cartoons gegen Rassismus

Virtuelle Ausstellung im
schauraum: comic + cartoons

Caught in Hate: Get out!

„Caught in Hate: Get out!“ ist der Titel einer neuen virtuellen Ausstellung
im bzw. am schauraum: comic + cartoon: Vom 13. Dezember 2021 bis
30. April 2022
werden Cartoons gegen Rassismus von 50
Zeichner*innen aus aller Welt präsentiert. Zu sehen sind sie nonstop
rund um die Uhr: Die Ausstellung läuft auf einem Monitor, der im großen
Außenfenster des Comic-Schauraums angebracht ist. Alle Bilder stammen von internationalen Comiczeichner*innen und
Cartoonist*innen, die ihre Arbeiten im weltgrößten Social Network für
Cartoons „toonpool.com“ hochgeladen und veröffentlicht haben. Zum
Thema „Cartoons gegen Rassismus“ hat Toonpool-Gründer Bernd
Pohlenz
aus über 300.000 Bildern von allen Kontinenten Zeichnungen
ausgewählt. Das virtuelle Ausstellungsprojekt ist ungekürzt auch
abrufbar unter www.dortmund.de/comic und topticker.de.

Bild: Sven Krantz-Knutzen

schauraum: comic + cartoon, Max-von-der-Grün-Platz, 44137
Dortmund

Jan Kruis Museum

Das liebenswerte Comic-Museum in Orvelte

Adresse: Melkwegje 5, 9441 PH Orvelte, Nederlands

Öffnungszeiten: Montags und Freitags geschlossen; aktuelle Öffnungszeiten unter https://jankruismuseum.nl/openingstijden/

Eintritt: 4,50 €

Das Jan Kruis Meseum in Orvelte
Das Jan Kruis Meseum in Orvelte

Orvelte ist ein kleines Museumsdorf in den Niederlanden, dicht an der Grenze zu Deutschland. An beiden Ortseingängen gibt es große Parkplätze, das Dorf bleibt daher weitgehend autofrei. Es gibt Kunsthandwerk, Honig, Restaurationen und Spielplätze und ein kleines, aber feines Comic-Museum das dem Andenken an Jan Kruis gewidmet ist.

Detail Jan Kruis Museum

Comics,

Der 1933 in Rotterdam geborene und 2017 verstorbene Kruis begann schon früh mit Zeichnungen; das ist oft so, aber in seinem Fall sind sie sogar erhalten geblieben und können in einer Vitrine in Augenschein genommen werden. Anfangs veröffentlichte Kruis den einen oder anderen Strip, unter anderem auch Sjors en Sjimmie, der wirkliche Erfolg stellte sich aber erst mit der Serie Jan, Jans en de kinderen ein. Der Familienstrip, sehr gagbasiert und ausschließlich aus One-Pagern bestehend, enthielt starke autobiographische Elemente. Seine Familie war nicht nur die Zeichenvorlage, auch viele ihrer Erlebnisse flossen in die Geschichten ein.

Detail Jan Kruis Museum - Jan, Jans en de kinderen

Lokal waren die Geschichten durch die Provinz Drenthe geprägt und somit schließt sich der Kreis zu dem Museum, denn Orvelte liegt in eben dieser Provinz. Betrieben wird das Museum übrigens im Wesentlichen durch Freiwillige.

… Kunst,

Kruis zeichnete neben Comics auch Portraits, unter anderem von seinem ersten „Meister“ Martin Toonder, in dessen Studio er zeitweise gearbeitet hatte. Auch ein riesiges Porträt der Königsfamilie stammt von ihm. Zusätzlich war er sehr aktiv als Werbegrafiker. Mehr dazu selbstverständlich in der Ausstellung selbst, aber auch in der Festschrift zu seinem 35. Jubiläum (in 2003) deren Restexemplare in der Ausstellung noch erhältlich sind.

Seine letzten Arbeiten drehten sich um den Tod. Karikaturen zeigen teils selbstreflexiv seine Versuche, sich mit dem Unvermeidlichen auseinander zu setzen und auch anzufreunden. Und so bekommt der Gag vom „Guten Zeichner“ eine ganz andere Bedeutung. Die einzelnen Bereiche sind thematisch gegliedert und bieten einen guten Überblick über die verschiedenen Schaffensperioden. Originale lassen halt die Arbeitsweise des Künstlers ganz anders wirken als retuschierte, kolorierte Alben oder gar Zeitschriftendrucke.

Nicht unerwähnt bleiben sollte das soziale Engagement von Jan Kruis für die Leprastiftung!

… und das Drumherum.

Das Museum hat natürlich einen, sich selbst als den fröhlichsten Museumsshop überhaupt bezeichnenden „Winkel“ mit einer großen Auswahl rund um den Künstler und seine Werke und sehr freundliche Mitarbeiter*innen.

Für Kinder gibt es eine eigene Mal-Ecke so dass jede*r schon mal ausprobieren kann, ob auch in ihm oder ihr eine zukünftig ausgestellte Person schlummert.

Wer schon mal in dem Museumsdorf angekommen ist, kann das natürlich auch nutzen, um andere Drenther Spezialitäten kennenzulernen. Der Eintrittspreis für das Jan Kruis Museum ist absolut fair, eine Stunde sollte man für einen Besuch rechnen.

© der Abbildungen Jan Kruis Museum 2021; Fotos: Sven Krantz-Knutzen, 2021

AUSSTELLUNG: HIER UND JETZT

DER ZEITGENÖSSISCHE TSCHECHISCHE COMIC

Ort: Tschechisches Zentrum, Prinzregentenstr. 7, 80538 München

Dauer: 11. Mai bis 18. Juni 2021

Eintritt: frei

Terminvereinbarung unter:ccmunich@czech.cz

Wie sieht es in der heutigen Comicszene Tschechiens aus? Welche Namen muss man kennen und welche Trends und aktuellen Richtungen lassen sich ausmachen? Eine neue Ausstellung im Tschechischen Zentrum München stellt die zeitgenössische tschechische Comic­Kunst in der Vielfalt ihrer Formen vor.

Plakat Hier und Jetzt

Was wird gezeigt?

Nie zuvor hat sich der tschechische Comic so dynamisch und so lange ohne störende Elemente von außen entwickelt. Infolgedessen hat die lokale Szene in den letzten zwei Jahrzehnten bereits drei Wellen von Künstler*innen erlebt, die die Möglichkeit des freien Schaffens und Publizierens ergriffen haben. Diese Vitalität drückt sich in einer breiten Schicht etablierter Comic-­Künstler*innen und einer mindestens ebenso breiten Schicht jüngerer Talente aus. Lucie Lomová etwa, die Schöpferin vieler beliebter Kindercomics, oder der in Deutschland vor allem durch Alois Nebel bekannt gewordene Jaromir 99 stehen in der tschechischen Comicszene nun dicht gedrängt neben neuen Meister*innen wie beispielsweise Štěpánka Jislová, die unlängst den Muriel­-Preis für den besten Comic 2020 gewonnen hat.

Arbeiten von zehn der prominentesten Vertreter*innen der aktuellen Comicszene bilden den Kern der Ausstellung. Ergänzt werden diese um Kurzprofile der jeweiligen Künstler*innen sowie Informationen zur heutigen Gattungslandschaft im Allgemeinen. Die Ausstellung knüpft lose an das frühere Projekt Währenddessen an einem anderen Ort: Ein Jahrhundert des tschechischen Comics an, welches 2019 im Tschechischen Zentrum und auch im Erika-­Fuchs-­Haus zu sehen war. Konzipiert wurde sie von zwei Comic­-Liebhabern, die sich auch wissenschaftlich mit der Theorie und Literaturgeschichte des Comics auseinandersetzen. Pavel Kořínek ist wissenschaftlicher Mitarbeiter des Instituts für tschechische Literatur an der Akademie der Wissenschaften in Prag. Tomáš Prokůpek ist Leiter der Abteilung für Literaturgeschichte am Mährischen Landesmuseum in Brno.

Wo und wie?

Die Ausstellung ist Teil des Comicfestivals München (3. – 6. Juni 2021). Die geplante Begleitveranstaltung Vom Roman zur Graphic Novel über das „Übersetzen“ von Belletristik in Comicform muss leider coronabedingt verschoben werden, aber stattdessen präsentiert das Tschechische Zentrum während des Festivals exklusive neue Comicstrips auf seinem Instagram-­Profil (www.instagram.com/tschechisches_zentrum_muenchen).

Öffnungszeiten:
Mo – Mi: 13 – 17 Uhr | Do: 13 – 19 Uhr | Fr: 12 – 15 Uhr

Aufgrund der aktuellen Situation ist ein Besuch nur nach vorheriger Anmeldung per E-­Mail möglich. Es gelten die Hygieneregeln des Tschechischen Zentrums. Siehe dazu www.czechcentres.cz/munich.

Veranstalter:
Das Tschechische Zentrum München ist eine Mittlerorganisation des tschechischen Außenministeriums. Mit Veranstaltungen aus den Bereichen Kultur, Kunst und Wissenschaft präsentiert es seit zwanzig Jahren die Tschechische Republik im süddeutschen Raum.

In Kooperation mit dem Institut für tschechische Literatur der Akademie der Wissenschaften in Prag, dem Mährischen Landesmuseum in Brno sowie dem Comicfestival München.

Will Eisner Ausstellung in Dortmund virtuell geöffnet!

WILL EISNER Graphic Novel Godfather

Wann: 24.02. bis 27.06.2021

Wo: schauraum comic + cartoon Dortmund, Max-von-der-Grün-Platz 7, 44137 Dortmund oder virtuell

Eintritt: frei

Ausstellung Will Eisner, Godfather der Graphic Novel 2

Was hätte es in den letzten Monaten für schöne Ausstellungen gegeben, wenn man sie denn hätte besuchen können. Einige wurden gar nicht erst eröffnet, andere fanden fast unter Ausschluss der Öffentlichkeit statt oder werden in ein paar Monaten wiederholt. Und ein paar haben den Weg der digitalen Transformation beschritten und sind wenigstens virtuell zu besichtigen.

Der schauraum

Glücklicherweise gehört dazu auch die neue von Dr. Alexander Braun, dem Kurator des schauraums in Dortmund. Der Raum, gleich gegenüber dem Dortmunder Hauptbahnhof zentral gelegen, lädt zu kostenlosen Besuchen ein und zeigt an ein paar Wänden und in Schaukästen seltenes Material zu ausgewählten Themen. Vertiefend bietet jeweils ein Katalog vertiefte Informationen. Der Autor schafft es dabei, die neunte Kunst ohne verschwurbelte Worte zu erklären, bisher Unbekanntes herauszuarbeiten und Beziehungen herzustellen. Zudem ist es unglaublich, welche Schätzchen Alexander Braun jeweils herbeizaubern kann.

Ausstellung Will Eisner, Godfather der Graphic Novel 1

Dortmund hat sich mit den bisherigen Ausstellungen zu Carl Barks, dem zweiten Weltkrieg im Comic und über Animes in Deutschland einen führenden Ruf in Deutschland erarbeitet und der wird durch die jetzt gerade gestartete Schau über den Godfather der Graphic Novel, Will Eisner, bestimmt nicht geschmälert werden. Alles könnte also so schön sein, wenn nicht das bereits anfangs erwähnte Virus dem einen Strich durch die Rechnung machen würde.

Der großartige Will Eisner

Als einzige Lösung bleibt daher die Ausstellung digital zugänglich zu machen: Mit dem virtuellen Rundgang kann jede*r ab sofort die Ausstellung coronagerecht von zuhause erkunden. Noch besser: Niemand steht zwischen den Betrachter*innen und dem Kunstwerk oder drängelt von hinten. Und man darf sogar mit einem Getränk oder einem Snack vor dem eigenen Rechner sitzen. Gezeigt werden dabei Originale, Druckplatten, Originalausgaben und Devotionalien.

Ausstellung Will Eisner, Godfather der Graphic Novel 3

Die Ausstellung ist in mehrere Bereiche gegliedert und orientiert sich an Graphic Novels von Will Eisner. Es gibt in dem Rundgang jeweils Punkte auf die sich virtuelle Betracher*innen stellen können. Texte, die mit einem i gekennzeichnet sind, können geöffnet werden und geben thematische Einordnungen, an die Bilder selbst kann man mit der Maus heranscrollen.  Mehr geht nicht!

Zunächst war Eisner ein Comic-Zeichner wie viele andere auch. Schon sein Spirit setzte aber neue Maßstäbe und veränderte unter anderem die Beziehung zwischen Leser*in und betrachtetem Comic indem es Leser*innen in den Kontext einbezog, ihnen mehr Wissen erlaubte als den Handelnden Personen des Strips und dadurch Spannung aufbaute. Zudem waren die eröffnenden Splash-Panels Meisterleistungen. Später verlegte sich Eisner mehr und mehr auf graphische Erzählungen über das Leben, den Antisemitismus und Religiosität. Damit nicht genug war Eisner auch einer der Ersten, der eine Theorie entwickelt hatte, wie man Bilder aufbauen müsste, um damit zu lehren, wie Bildfolgen, um damit grafisch erzählen zu können.

Ausstellung Will Eisner, Godfather der Graphic Novel 4

Der Katalog

Natürlich wird auch diese Ausstellung von einem Katalog begleitet, er wird in Kürze beim avant-Verlag erscheinen. Ich konnte bereits einen ersten Blick hineinwerfen und bin mir jetzt schon sicher, dass er den Weg in die comix-online-Jahresbestenliste 2021 schaffen wird! Eine Fülle von Illustrationen, eingebettet in einen Text von Dr. Alexander Braun der einordnet, erklärt und die Relevanz hervorhebt. Ich bin mir sicher, dass selbst eingefleischte Eisner-Fans hier Neues entdecken werden. Eine ausführliche Besprechung erfolgt hier in Kürze.

Vielen Dank also an das Team vom Dortmunder schauraum comic + cartoon für die Möglichkeit, die Ausstellung trotzdem besuchen zu können und in der Hoffnung, das virtuelle Vergnügen dann auch vor Ort vertiefen zu können!

© der Abbildungen Kulturbetriebe der Stadt Dortmund 2021

Fix & Foxi – Die Entdeckung von Spirou, Lucky Luke und den Schlümpfen

Katalog zur Ausstellung im Karikaturmuseum Krems, Krems an der Donau

Text: Martin Budde, Volker Hamann, Roland Mietz

Verlag Volker Hamann Edition Alfons

Klappenbroschur Überformat | 140 Seiten | tw. Farbe | 29,00 €

ISBN: 978-3-946266-18-1

© aller Abbildungen 2020 Dr. Stefan Piëch; © Fix, Foxi, Lupo und andere Kauka-Figuren: 2020 YFE – Your Familie Entertainment

Es ist schon ein wenig schräg in Zeiten wie diesen einen Ausstellungskatalog zu besprechen. Weltweit sind wir aufgefordert, zuhause zu bleiben und soziale Distanz zu wahren und gleichzeitig haben sich überall Kunstschaffende bemüht, kulturelle Werke zu proben oder vorzubereiten. Trotzdem: Theatervorstellungen und Konzerte fallen aus, neue Filme werden verschoben und Ausstellungen hängen zwar an den Wänden, können aber nicht gezeigt werden. Gut, dass es für letztere oft wenigstens Kataloge gibt!

Die Ausstellung

Ausstellungen mit Originalen der Fix & Foxi-Produktion, ihren Ablegern und ihrem aktuellen Wirken als TV-Helden in ihrem eigenen weltweiten Kanal hat es in den letzten Jahren schon ein paar gegeben, unter anderem in Oberhausen. Zu danken ist dabei unter anderem Dr. Stefan Piëch, der das umfassende Archiv Rolf Kauka’s nicht nur für sich erworben hat, sondern es auch der Öffentlichkeit zeigen möchte. Die aktuelle Ausstellung „Fix & Foxi XXL – Die Entdeckung der Schlümpfe, Spirou und Lucky Luke“ vom 15. März bis 26. Oktober 2020 im Karikaturmuseum Krems ist momentan natürlich nicht zu besichtigen, bildet aber als neuen Schwerpunkt die Rezeption frankobelgischen Materials ab. Kaukas Produktionen boten erstmalig umfangreiche Klassiker aus den französischen und belgischen Magazinen und bereiteten somit den Boden für den späteren Erfolg des Koralle-ZACK.

© aller Abbildungen 2020 Dr. Stefan Piëch; © Fix, Foxi, Lupo und andere Kauka-Figuren: 2020 YFE – Your Familie Entertainment

Das spiegelt sich natürlich auch in dem vorliegenden Katalog wieder. Die ursprüngliche Grundlage bildeten Texte von Roland Mietz für das Lexikon der Comics, die dann zu einem Themenschwerpunkt in der Reddition ausgeweitet worden waren. Daraus entstand dann zunächst der mittlerweile vergriffene erweiterte Katalog für die Ausstellung im Wilhelm-Busch Museum in Hannover 2016 und jetzt die erneut wesentlich erweiterte Ausgabe für Krems. Diese Ausgabe kommt nicht nur in einem wesentlich größeren Format daher (Coffee-Table) und bietet daher noch mehr Raum für die abgebildeten Zeichnungen, Drucke und Fotos, sondern enthält auch intensiv aufbereitete Informationen zu den lizensierten Stoffen.

Lucky Luke & Co.

Gerade diese Periode wird oft auf die unsägliche „Eindeutschung“ von Asterix verkürzt. Vergessen wird dabei gerne, dass unzählige Klassiker wie Schnief und Schnuff, Pit und Pikkolo, Jojo, Prinz Edelhardt und Kukuruz, Gin und Fizz aber auch Bobo und Old Nick neben Lucky Luke und den Schlümpfen hier ihre ersten großen Auftritte hatten und dadurch auch für den großen kommerziellen Erfolg von Fix & Foxi und Lupo (modern) gesorgt haben. Wer darüber mehr erfahren möchte, sollte bei diesem Katalog unbedingt zuschlagen! Darüber hinaus bietet das Werk viele Illustrationen von Kauka-Zeichnern, die ihre eigenen Figuren in Interaktion mit den lizensierten Helden zeigen.

© aller Abbildungen 2020 Dr. Stefan Piëch; © Fix, Foxi, Lupo und andere Kauka-Figuren: 2020 YFE – Your Familie Entertainment

In weiteren Kapiteln werden die Anfangsjahre dargestellt, die von Tierfabeln und Eulenspiegeleien ausgehend die Entwicklung hin zu modernen, schließlich sogar einheitlich aussehenden anthropomorphen Figuren reicht. Die Idee von Rolf Kauka war es nie, ein Magazin zu verlegen, seine eigentliche Leidenschaft war der Trickfilm. Trotzdem hat er ein Imperium mit mehreren Titeln und unzähligen Neben- und Merchandiseprodukten geschaffen. Die Zeichner – soweit bekannt – die die Werke schufen, aber auch die Konflikte um Urheberrechte und Bezahlung sowie natürlich auch der unlängst verstorbene Peter Wiechmann werden ebenfalls vorgestellt.

Die Empfehlung

Wie bei der Edition Alfons Tradition fehlt auch hier ein Werkverzeichnis nicht! Ein Muss für jeden Fix & Foxi-Fan ist dieser Katalog definitiv schon wegen der Abbildungen. Meines Erachtens aber auch für alle, die sich für die frankobelgischen Klassiker interessieren! Viel wichtiger als Horrido oder der Heitere Fridolin waren Lupo und die diversen anderen Kauka-Produktionen die das Material in Heften aber auch in Alben oder Taschenbüchern unter das Volk brachten.

© aller Abbildungen 2020 Dr. Stefan Piëch; © Fix, Foxi, Lupo und andere Kauka-Figuren: 2020 YFE – Your Familie Entertainment

© aller Abbildungen 2020 Dr. Stefan Piëch

© Fix, Foxi, Lupo und andere Kauka-Figuren: 2020 YFE – Your Familie Entertainment

© der Texte: 2020 Edition Alfons

Jacques Tilly-Ausstellung in Oberhausen

Politik und Provokation – Karrikaturen XXL

Wann: 02. Februar bis 14. Juni 2020 (Montags geschlossen, Di – So 11-18 Uhr)

Wo: LUDWIGGALERIE Schloss Oberhausen, Konrad-Adenauer-Allee 46,

46049 Oberhausen

Eintritt: frei

Der Künstler

Möglicherweise ist Jacques Tilly namentlich gar nicht so vielen Bewunder*innen seiner Kunst bekannt. Tatsächlich sehen Jahr für Jahr Millionen Menschen seine Kunstwerke, entweder live beim Düsseldorfer Karneval oder aber weltweit in der Berichterstattung darüber. Nun hat er es endlich geschafft, auch museal gewürdigt zu werden!

Jacques Tilly, Atelier, 2017 © Laura Thorenz

Der 1963 geborene Düsseldorfer hat Kommunikationsdesign studiert und eigentlich nur aufgrund der hohen Papierkram-Hürden für das BAFöG mit einem Nebenjob in der Düsseldorfer Wagenbauhalle angefangen. Dieses Thema hat ihn aber nie wieder losgelassen und so ist er nun der mit Abstand bekannteste Wagenbauer Deutschlands. Aber nicht nur das, er ist auch der Wagemutigste unter ihnen. Ralf König brachte es in seiner Eröffnungsrede auf den Punkt: Während Köln versucht, den (nicht existenten) Kompromiss aus Witz und Harmlosigkeit zu finden, darf Jacques Tilly in Düsseldorf mittlerweile unter der Herrschaft der Narrendiktatur seine Satire wehtun lassen.

Die Ausstellung

Die LUDWIGGALERIE im Schloss Oberhausen hat sich schon immer im Bereich Comic und Satire engagiert. So ist es auch passend, dass der 3D-Karrikaturist hier erstmals eine Bühne für seine Pappmache-Plastiken, vor allem aber auch für seine Skizzen und Entwürfe findet. Die Exponate zeigen, dass sich der Urheber keinesfalls verstecken muss. Auch die gemalten Entwürfe haben bereits alles, was sich später auf den Wagen wiederfinden wird: eine ganz klare, international verständliche Bildsprache, beißenden Humor und eine tiefe humanistisch geprägte Grundhaltung gegen Rassismus, Egomanie und Gewaltherrschaft!

Im Schlosshof

Die Ausstellung im Kleinen Schloss bedeutet keinesfalls eine Limitierung des Angebotes, allein der zur Verfügung stehende Platz ist begrenzt: So befinden sich 6 Großplastiken, mehrere kleinere Plastiken und über 200 bildliche Exponate in dem Saal. Das passt dann auch wieder zum Karneval als Ausgangssituation. Zwar werden hier keine altbierlustigen, singenden Menschenmassen erwartet, es geht aber auch nicht um eine einschüchternde, stille Atmosphäre wie vor alten Meistern. Die Kunst von Jacques Tilly soll aufrühren, zu Diskussionen anregen, ja, vielleicht sogar verstören! Und dazu braucht es dann auch die Diskussion!

Dankeswerterweise gibt es übrigens noch einen zweiten Ausstellungsraum mit über 500 Zeitungsausschnitten, Berichten und sonstigen Reaktionen aus aller Welt auf die von Tilly kreierten Wagen. Besser kann man nicht zeigen, dass ein Künstler Einfluss hat. Vielleicht trägt diese Ausstellung ja dazu bei, dass er nun auch als Karikaturist seine verdiente Anerkennung bekommt.

Die Eröffnung

Die Eröffnung am 2. Februar war jedenfalls schon mal ein hoffnungsvoller und gelungener Auftakt. Viel zu viele Interessierte waren gekommen um der Bürgermeisterin der Stadt Oberhausen, Frau Albrecht-Mainz, der Kuratorin der Ausstellung Frau Dr. Vogt und dem Initiator der Ausstellung Ralf König zu lauschen und erste Blicke auf die Exponate zu werfen. Ralf König erinnerte in seiner Laudatio noch einmal daran, dass die Frage, was Satire dürfe, völlig falsch und überflüssig sei. Niemand wolle in einem Land leben, in dem Satire aus politischen oder religiösen Gründen nicht alles dürfe, eine Antwort erübrige sich daher. Mir ist es bei dieser Gelegenheit gelungen, mit Ralf ein Interview zu führen das in Kürze auf comix-online verfügbar sein wird.

Ralf König und Jacques Tilly während der Eröffnungsrede

Abschließend muss noch auf den zur Ausstellung erschienenen Katalog hingewiesen werden (96 farbige Seiten | ISBN 978-3-932236-43-3 | 14,90€). In einem schön gemachten Hardcover finden sich nicht nur Texte von Ralf König und Christine Vogt über Jacques Tilly, sondern vor allem natürlich Abbildungen seiner Zeichnungen und Entwürfe! Besonders gelungen finde ich dabei die Seiten, die den Weg vom gezeichneten Entwurf über Konstruktionspläne zum Foto des Wagens und damit der 3D-Karrikatur abbilden!

Klarer Tipp nicht nur für verregnete Wochenenden, sondern ein Muss für alle an der politischen Karikatur interessierten!

© Plakat 2020 LUDWIGGALERIE Schloss Oberhausen

© Atelierfoto 2017 Laura Thorenz

© sonstige Fotos 2020 Sven Krantz-Knutzen

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