BeVrijd

De Tweede Wereldoorlog in Strips

Herausgeber: Erik de Graaf, Tonio van Vugt, Stichting Beeldverhaal Nederland
Originalausgabe anlässlich Stripweekend Haarlem 2 t/m 4 Oktober 2020

Stichting Beeldverhaal Nederland

A4 Broschüre | 48 Seiten | Farbe | 5,00 €
ISBN: 
N/A

Eigentlich passt die Besprechung dieser Broschüre nicht in das Schema von comix-online, ist sie doch weder neu noch ein Klassiker. Sie ist mir während meines Sommerurlaubes im wirklich empfehlenswerten Comic-Shop Yendor in Rotterdam in die Hände gefallen und ist zwar schon zwei Jahre alt, trotzdem aber noch sehr aktuell.

Gezeichnet für ein Leben

Unter dieser Überschrift leitet Adriaan Van Dis die Sammlung ein. Er beschreibt seine eigene (Nachkriegs-) Jugend und erklärt, was er aus den Comic-Klassikern der Weltliteratur, die er während einer langen Krankheit verschlungen hat, gelernt hat. Er drückt schließlich die Hoffnung aus, dass auch die heutige Jugend aus den grafischen Erzählungen über den Krieg und die Folgejahre lernen möge.

Die folgenden Seiten sind so aufgebaut, dass sich längere Artikel, Ausschnitte aus Comics und als Must-Reads klassifizierte Kurzvorstellungen abwechseln. Während letztere einen guten, aber natürlich auch subjektiven Überblick über das große Themenfeld geben und dazu anregen sollen, an dem Wochenende im Oktober 2020 bei den anwesenden Händler*innen in einige Werke hineinzuschauen, bieten erstere direkte Einblicke.

Zunächst stellt Kees Ribbens zwei sehr frühe Comics über den Weltkrieg von Edmond-Francois Calvo (dt. Die Bestie ist tot) und Ton van Tast vor. Ersterer erschien bereits 1946 und nahm die Darstellung des Geschehens mit Hilfe von Tieren vorweg, die später auch Art Spiegelman in Maus benutzen sollte. Peter van Dongen nimmt auf und erläutert Details zu seinem Werk Rampokan über den folgenden Unabhängigkeitskrieg der niederländischen Besetzungen in Indochina. Vier Seiten aus Rampokan bieten dabei einen ersten Eindruck.

Kriegscomics ohne Verherrlichung

Illustrationen von L. L. Jordan zeigen die Schrecken des Krieges und Brian Elstak & Marga Altena widmen sich (erneut mit Beispielen) der systematischen Weigerung, den Beitrag der „Schwarzen“ an der Befreiung anzuerkennen. Auf keinen Fall fehlen dürfen Émile Bravo mit seiner Erzählung über Spirou zur Zeit der Besetzung Belgiens und Eric Heuvel mit den Meimoorden im besetzten Rotterdam.

Plakat StripWeekend Harlem Oktober 2020

Rik Spanjers bietet einen guten Überblick über (Anti-)Kriegscomics: Angefangen bei EC’s Frontline Combat über Maus und Kraut bis zu japanischen Zeichnern wie Mizuki zeigt sein Artikel, wie unterschiedlich man sich mit dem Thema auseinandersetzen kann. Das Leben der normalen Menschen hat Erik de Graaf in seinem Zweiteiler Scherven und Littekens im Blick. Auch hier erzählt der Ausschnitt viel mehr über das Werk als jeder Text könnte. Schließlich geht es noch um den Wert von Solidarität in einem Beitrag von Aimée de Jongh.

Empfehlung

Fünf Euro sind gut angelegt für diese Broschüre. Natürlich ist die Auswahl der Titel alles andere als komplett und selbstverständlich subjektiv. Ich persönlich finde es aber sehr spannend, auf dieses Thema mal mit einem nicht-deutschen Auge zu schauen und mir die Begründungen für die must-reads durchzulesen.

Die Webseite der Stichting Beeldverhaal scheint momentan allerdings nicht erreichbar zu sein und so bleibt nur auf das Glück zu hoffen, im Fachhandel oder auf einschlägigen Gebrauchtseiten ein Exemplar zu ergattern.

© der Abbildungen bei den jeweiligen Verlagen und Künstler*innen, 2020 Stichting Beeldverhaal Nederland

Cartoons gegen Rassismus

Virtuelle Ausstellung im
schauraum: comic + cartoons

Caught in Hate: Get out!

„Caught in Hate: Get out!“ ist der Titel einer neuen virtuellen Ausstellung
im bzw. am schauraum: comic + cartoon: Vom 13. Dezember 2021 bis
30. April 2022
werden Cartoons gegen Rassismus von 50
Zeichner*innen aus aller Welt präsentiert. Zu sehen sind sie nonstop
rund um die Uhr: Die Ausstellung läuft auf einem Monitor, der im großen
Außenfenster des Comic-Schauraums angebracht ist. Alle Bilder stammen von internationalen Comiczeichner*innen und
Cartoonist*innen, die ihre Arbeiten im weltgrößten Social Network für
Cartoons „toonpool.com“ hochgeladen und veröffentlicht haben. Zum
Thema „Cartoons gegen Rassismus“ hat Toonpool-Gründer Bernd
Pohlenz
aus über 300.000 Bildern von allen Kontinenten Zeichnungen
ausgewählt. Das virtuelle Ausstellungsprojekt ist ungekürzt auch
abrufbar unter www.dortmund.de/comic und topticker.de.

Bild: Sven Krantz-Knutzen

schauraum: comic + cartoon, Max-von-der-Grün-Platz, 44137
Dortmund

Jan Kruis Museum

Das liebenswerte Comic-Museum in Orvelte

Adresse: Melkwegje 5, 9441 PH Orvelte, Nederlands

Öffnungszeiten: Montags und Freitags geschlossen; aktuelle Öffnungszeiten unter https://jankruismuseum.nl/openingstijden/

Eintritt: 4,50 €

Das Jan Kruis Meseum in Orvelte
Das Jan Kruis Meseum in Orvelte

Orvelte ist ein kleines Museumsdorf in den Niederlanden, dicht an der Grenze zu Deutschland. An beiden Ortseingängen gibt es große Parkplätze, das Dorf bleibt daher weitgehend autofrei. Es gibt Kunsthandwerk, Honig, Restaurationen und Spielplätze und ein kleines, aber feines Comic-Museum das dem Andenken an Jan Kruis gewidmet ist.

Detail Jan Kruis Museum

Comics,

Der 1933 in Rotterdam geborene und 2017 verstorbene Kruis begann schon früh mit Zeichnungen; das ist oft so, aber in seinem Fall sind sie sogar erhalten geblieben und können in einer Vitrine in Augenschein genommen werden. Anfangs veröffentlichte Kruis den einen oder anderen Strip, unter anderem auch Sjors en Sjimmie, der wirkliche Erfolg stellte sich aber erst mit der Serie Jan, Jans en de kinderen ein. Der Familienstrip, sehr gagbasiert und ausschließlich aus One-Pagern bestehend, enthielt starke autobiographische Elemente. Seine Familie war nicht nur die Zeichenvorlage, auch viele ihrer Erlebnisse flossen in die Geschichten ein.

Detail Jan Kruis Museum - Jan, Jans en de kinderen

Lokal waren die Geschichten durch die Provinz Drenthe geprägt und somit schließt sich der Kreis zu dem Museum, denn Orvelte liegt in eben dieser Provinz. Betrieben wird das Museum übrigens im Wesentlichen durch Freiwillige.

… Kunst,

Kruis zeichnete neben Comics auch Portraits, unter anderem von seinem ersten „Meister“ Martin Toonder, in dessen Studio er zeitweise gearbeitet hatte. Auch ein riesiges Porträt der Königsfamilie stammt von ihm. Zusätzlich war er sehr aktiv als Werbegrafiker. Mehr dazu selbstverständlich in der Ausstellung selbst, aber auch in der Festschrift zu seinem 35. Jubiläum (in 2003) deren Restexemplare in der Ausstellung noch erhältlich sind.

Seine letzten Arbeiten drehten sich um den Tod. Karikaturen zeigen teils selbstreflexiv seine Versuche, sich mit dem Unvermeidlichen auseinander zu setzen und auch anzufreunden. Und so bekommt der Gag vom „Guten Zeichner“ eine ganz andere Bedeutung. Die einzelnen Bereiche sind thematisch gegliedert und bieten einen guten Überblick über die verschiedenen Schaffensperioden. Originale lassen halt die Arbeitsweise des Künstlers ganz anders wirken als retuschierte, kolorierte Alben oder gar Zeitschriftendrucke.

Nicht unerwähnt bleiben sollte das soziale Engagement von Jan Kruis für die Leprastiftung!

… und das Drumherum.

Das Museum hat natürlich einen, sich selbst als den fröhlichsten Museumsshop überhaupt bezeichnenden „Winkel“ mit einer großen Auswahl rund um den Künstler und seine Werke und sehr freundliche Mitarbeiter*innen.

Für Kinder gibt es eine eigene Mal-Ecke so dass jede*r schon mal ausprobieren kann, ob auch in ihm oder ihr eine zukünftig ausgestellte Person schlummert.

Wer schon mal in dem Museumsdorf angekommen ist, kann das natürlich auch nutzen, um andere Drenther Spezialitäten kennenzulernen. Der Eintrittspreis für das Jan Kruis Museum ist absolut fair, eine Stunde sollte man für einen Besuch rechnen.

© der Abbildungen Jan Kruis Museum 2021; Fotos: Sven Krantz-Knutzen, 2021

AUSSTELLUNG: HIER UND JETZT

DER ZEITGENÖSSISCHE TSCHECHISCHE COMIC

Ort: Tschechisches Zentrum, Prinzregentenstr. 7, 80538 München

Dauer: 11. Mai bis 18. Juni 2021

Eintritt: frei

Terminvereinbarung unter:ccmunich@czech.cz

Wie sieht es in der heutigen Comicszene Tschechiens aus? Welche Namen muss man kennen und welche Trends und aktuellen Richtungen lassen sich ausmachen? Eine neue Ausstellung im Tschechischen Zentrum München stellt die zeitgenössische tschechische Comic­Kunst in der Vielfalt ihrer Formen vor.

Plakat Hier und Jetzt

Was wird gezeigt?

Nie zuvor hat sich der tschechische Comic so dynamisch und so lange ohne störende Elemente von außen entwickelt. Infolgedessen hat die lokale Szene in den letzten zwei Jahrzehnten bereits drei Wellen von Künstler*innen erlebt, die die Möglichkeit des freien Schaffens und Publizierens ergriffen haben. Diese Vitalität drückt sich in einer breiten Schicht etablierter Comic-­Künstler*innen und einer mindestens ebenso breiten Schicht jüngerer Talente aus. Lucie Lomová etwa, die Schöpferin vieler beliebter Kindercomics, oder der in Deutschland vor allem durch Alois Nebel bekannt gewordene Jaromir 99 stehen in der tschechischen Comicszene nun dicht gedrängt neben neuen Meister*innen wie beispielsweise Štěpánka Jislová, die unlängst den Muriel­-Preis für den besten Comic 2020 gewonnen hat.

Arbeiten von zehn der prominentesten Vertreter*innen der aktuellen Comicszene bilden den Kern der Ausstellung. Ergänzt werden diese um Kurzprofile der jeweiligen Künstler*innen sowie Informationen zur heutigen Gattungslandschaft im Allgemeinen. Die Ausstellung knüpft lose an das frühere Projekt Währenddessen an einem anderen Ort: Ein Jahrhundert des tschechischen Comics an, welches 2019 im Tschechischen Zentrum und auch im Erika-­Fuchs-­Haus zu sehen war. Konzipiert wurde sie von zwei Comic­-Liebhabern, die sich auch wissenschaftlich mit der Theorie und Literaturgeschichte des Comics auseinandersetzen. Pavel Kořínek ist wissenschaftlicher Mitarbeiter des Instituts für tschechische Literatur an der Akademie der Wissenschaften in Prag. Tomáš Prokůpek ist Leiter der Abteilung für Literaturgeschichte am Mährischen Landesmuseum in Brno.

Wo und wie?

Die Ausstellung ist Teil des Comicfestivals München (3. – 6. Juni 2021). Die geplante Begleitveranstaltung Vom Roman zur Graphic Novel über das „Übersetzen“ von Belletristik in Comicform muss leider coronabedingt verschoben werden, aber stattdessen präsentiert das Tschechische Zentrum während des Festivals exklusive neue Comicstrips auf seinem Instagram-­Profil (www.instagram.com/tschechisches_zentrum_muenchen).

Öffnungszeiten:
Mo – Mi: 13 – 17 Uhr | Do: 13 – 19 Uhr | Fr: 12 – 15 Uhr

Aufgrund der aktuellen Situation ist ein Besuch nur nach vorheriger Anmeldung per E-­Mail möglich. Es gelten die Hygieneregeln des Tschechischen Zentrums. Siehe dazu www.czechcentres.cz/munich.

Veranstalter:
Das Tschechische Zentrum München ist eine Mittlerorganisation des tschechischen Außenministeriums. Mit Veranstaltungen aus den Bereichen Kultur, Kunst und Wissenschaft präsentiert es seit zwanzig Jahren die Tschechische Republik im süddeutschen Raum.

In Kooperation mit dem Institut für tschechische Literatur der Akademie der Wissenschaften in Prag, dem Mährischen Landesmuseum in Brno sowie dem Comicfestival München.

Will Eisner Ausstellung in Dortmund virtuell geöffnet!

WILL EISNER Graphic Novel Godfather

Wann: 24.02. bis 27.06.2021

Wo: schauraum comic + cartoon Dortmund, Max-von-der-Grün-Platz 7, 44137 Dortmund oder virtuell

Eintritt: frei

Ausstellung Will Eisner, Godfather der Graphic Novel 2

Was hätte es in den letzten Monaten für schöne Ausstellungen gegeben, wenn man sie denn hätte besuchen können. Einige wurden gar nicht erst eröffnet, andere fanden fast unter Ausschluss der Öffentlichkeit statt oder werden in ein paar Monaten wiederholt. Und ein paar haben den Weg der digitalen Transformation beschritten und sind wenigstens virtuell zu besichtigen.

Der schauraum

Glücklicherweise gehört dazu auch die neue von Dr. Alexander Braun, dem Kurator des schauraums in Dortmund. Der Raum, gleich gegenüber dem Dortmunder Hauptbahnhof zentral gelegen, lädt zu kostenlosen Besuchen ein und zeigt an ein paar Wänden und in Schaukästen seltenes Material zu ausgewählten Themen. Vertiefend bietet jeweils ein Katalog vertiefte Informationen. Der Autor schafft es dabei, die neunte Kunst ohne verschwurbelte Worte zu erklären, bisher Unbekanntes herauszuarbeiten und Beziehungen herzustellen. Zudem ist es unglaublich, welche Schätzchen Alexander Braun jeweils herbeizaubern kann.

Ausstellung Will Eisner, Godfather der Graphic Novel 1

Dortmund hat sich mit den bisherigen Ausstellungen zu Carl Barks, dem zweiten Weltkrieg im Comic und über Animes in Deutschland einen führenden Ruf in Deutschland erarbeitet und der wird durch die jetzt gerade gestartete Schau über den Godfather der Graphic Novel, Will Eisner, bestimmt nicht geschmälert werden. Alles könnte also so schön sein, wenn nicht das bereits anfangs erwähnte Virus dem einen Strich durch die Rechnung machen würde.

Der großartige Will Eisner

Als einzige Lösung bleibt daher die Ausstellung digital zugänglich zu machen: Mit dem virtuellen Rundgang kann jede*r ab sofort die Ausstellung coronagerecht von zuhause erkunden. Noch besser: Niemand steht zwischen den Betrachter*innen und dem Kunstwerk oder drängelt von hinten. Und man darf sogar mit einem Getränk oder einem Snack vor dem eigenen Rechner sitzen. Gezeigt werden dabei Originale, Druckplatten, Originalausgaben und Devotionalien.

Ausstellung Will Eisner, Godfather der Graphic Novel 3

Die Ausstellung ist in mehrere Bereiche gegliedert und orientiert sich an Graphic Novels von Will Eisner. Es gibt in dem Rundgang jeweils Punkte auf die sich virtuelle Betracher*innen stellen können. Texte, die mit einem i gekennzeichnet sind, können geöffnet werden und geben thematische Einordnungen, an die Bilder selbst kann man mit der Maus heranscrollen.  Mehr geht nicht!

Zunächst war Eisner ein Comic-Zeichner wie viele andere auch. Schon sein Spirit setzte aber neue Maßstäbe und veränderte unter anderem die Beziehung zwischen Leser*in und betrachtetem Comic indem es Leser*innen in den Kontext einbezog, ihnen mehr Wissen erlaubte als den Handelnden Personen des Strips und dadurch Spannung aufbaute. Zudem waren die eröffnenden Splash-Panels Meisterleistungen. Später verlegte sich Eisner mehr und mehr auf graphische Erzählungen über das Leben, den Antisemitismus und Religiosität. Damit nicht genug war Eisner auch einer der Ersten, der eine Theorie entwickelt hatte, wie man Bilder aufbauen müsste, um damit zu lehren, wie Bildfolgen, um damit grafisch erzählen zu können.

Ausstellung Will Eisner, Godfather der Graphic Novel 4

Der Katalog

Natürlich wird auch diese Ausstellung von einem Katalog begleitet, er wird in Kürze beim avant-Verlag erscheinen. Ich konnte bereits einen ersten Blick hineinwerfen und bin mir jetzt schon sicher, dass er den Weg in die comix-online-Jahresbestenliste 2021 schaffen wird! Eine Fülle von Illustrationen, eingebettet in einen Text von Dr. Alexander Braun der einordnet, erklärt und die Relevanz hervorhebt. Ich bin mir sicher, dass selbst eingefleischte Eisner-Fans hier Neues entdecken werden. Eine ausführliche Besprechung erfolgt hier in Kürze.

Vielen Dank also an das Team vom Dortmunder schauraum comic + cartoon für die Möglichkeit, die Ausstellung trotzdem besuchen zu können und in der Hoffnung, das virtuelle Vergnügen dann auch vor Ort vertiefen zu können!

© der Abbildungen Kulturbetriebe der Stadt Dortmund 2021

Fix & Foxi – Die Entdeckung von Spirou, Lucky Luke und den Schlümpfen

Katalog zur Ausstellung im Karikaturmuseum Krems, Krems an der Donau

Text: Martin Budde, Volker Hamann, Roland Mietz

Verlag Volker Hamann Edition Alfons

Klappenbroschur Überformat | 140 Seiten | tw. Farbe | 29,00 €

ISBN: 978-3-946266-18-1

© aller Abbildungen 2020 Dr. Stefan Piëch; © Fix, Foxi, Lupo und andere Kauka-Figuren: 2020 YFE – Your Familie Entertainment

Es ist schon ein wenig schräg in Zeiten wie diesen einen Ausstellungskatalog zu besprechen. Weltweit sind wir aufgefordert, zuhause zu bleiben und soziale Distanz zu wahren und gleichzeitig haben sich überall Kunstschaffende bemüht, kulturelle Werke zu proben oder vorzubereiten. Trotzdem: Theatervorstellungen und Konzerte fallen aus, neue Filme werden verschoben und Ausstellungen hängen zwar an den Wänden, können aber nicht gezeigt werden. Gut, dass es für letztere oft wenigstens Kataloge gibt!

Die Ausstellung

Ausstellungen mit Originalen der Fix & Foxi-Produktion, ihren Ablegern und ihrem aktuellen Wirken als TV-Helden in ihrem eigenen weltweiten Kanal hat es in den letzten Jahren schon ein paar gegeben, unter anderem in Oberhausen. Zu danken ist dabei unter anderem Dr. Stefan Piëch, der das umfassende Archiv Rolf Kauka’s nicht nur für sich erworben hat, sondern es auch der Öffentlichkeit zeigen möchte. Die aktuelle Ausstellung „Fix & Foxi XXL – Die Entdeckung der Schlümpfe, Spirou und Lucky Luke“ vom 15. März bis 26. Oktober 2020 im Karikaturmuseum Krems ist momentan natürlich nicht zu besichtigen, bildet aber als neuen Schwerpunkt die Rezeption frankobelgischen Materials ab. Kaukas Produktionen boten erstmalig umfangreiche Klassiker aus den französischen und belgischen Magazinen und bereiteten somit den Boden für den späteren Erfolg des Koralle-ZACK.

© aller Abbildungen 2020 Dr. Stefan Piëch; © Fix, Foxi, Lupo und andere Kauka-Figuren: 2020 YFE – Your Familie Entertainment

Das spiegelt sich natürlich auch in dem vorliegenden Katalog wieder. Die ursprüngliche Grundlage bildeten Texte von Roland Mietz für das Lexikon der Comics, die dann zu einem Themenschwerpunkt in der Reddition ausgeweitet worden waren. Daraus entstand dann zunächst der mittlerweile vergriffene erweiterte Katalog für die Ausstellung im Wilhelm-Busch Museum in Hannover 2016 und jetzt die erneut wesentlich erweiterte Ausgabe für Krems. Diese Ausgabe kommt nicht nur in einem wesentlich größeren Format daher (Coffee-Table) und bietet daher noch mehr Raum für die abgebildeten Zeichnungen, Drucke und Fotos, sondern enthält auch intensiv aufbereitete Informationen zu den lizensierten Stoffen.

Lucky Luke & Co.

Gerade diese Periode wird oft auf die unsägliche „Eindeutschung“ von Asterix verkürzt. Vergessen wird dabei gerne, dass unzählige Klassiker wie Schnief und Schnuff, Pit und Pikkolo, Jojo, Prinz Edelhardt und Kukuruz, Gin und Fizz aber auch Bobo und Old Nick neben Lucky Luke und den Schlümpfen hier ihre ersten großen Auftritte hatten und dadurch auch für den großen kommerziellen Erfolg von Fix & Foxi und Lupo (modern) gesorgt haben. Wer darüber mehr erfahren möchte, sollte bei diesem Katalog unbedingt zuschlagen! Darüber hinaus bietet das Werk viele Illustrationen von Kauka-Zeichnern, die ihre eigenen Figuren in Interaktion mit den lizensierten Helden zeigen.

© aller Abbildungen 2020 Dr. Stefan Piëch; © Fix, Foxi, Lupo und andere Kauka-Figuren: 2020 YFE – Your Familie Entertainment

In weiteren Kapiteln werden die Anfangsjahre dargestellt, die von Tierfabeln und Eulenspiegeleien ausgehend die Entwicklung hin zu modernen, schließlich sogar einheitlich aussehenden anthropomorphen Figuren reicht. Die Idee von Rolf Kauka war es nie, ein Magazin zu verlegen, seine eigentliche Leidenschaft war der Trickfilm. Trotzdem hat er ein Imperium mit mehreren Titeln und unzähligen Neben- und Merchandiseprodukten geschaffen. Die Zeichner – soweit bekannt – die die Werke schufen, aber auch die Konflikte um Urheberrechte und Bezahlung sowie natürlich auch der unlängst verstorbene Peter Wiechmann werden ebenfalls vorgestellt.

Die Empfehlung

Wie bei der Edition Alfons Tradition fehlt auch hier ein Werkverzeichnis nicht! Ein Muss für jeden Fix & Foxi-Fan ist dieser Katalog definitiv schon wegen der Abbildungen. Meines Erachtens aber auch für alle, die sich für die frankobelgischen Klassiker interessieren! Viel wichtiger als Horrido oder der Heitere Fridolin waren Lupo und die diversen anderen Kauka-Produktionen die das Material in Heften aber auch in Alben oder Taschenbüchern unter das Volk brachten.

© aller Abbildungen 2020 Dr. Stefan Piëch; © Fix, Foxi, Lupo und andere Kauka-Figuren: 2020 YFE – Your Familie Entertainment

© aller Abbildungen 2020 Dr. Stefan Piëch

© Fix, Foxi, Lupo und andere Kauka-Figuren: 2020 YFE – Your Familie Entertainment

© der Texte: 2020 Edition Alfons

Jacques Tilly-Ausstellung in Oberhausen

Politik und Provokation – Karrikaturen XXL

Wann: 02. Februar bis 14. Juni 2020 (Montags geschlossen, Di – So 11-18 Uhr)

Wo: LUDWIGGALERIE Schloss Oberhausen, Konrad-Adenauer-Allee 46,

46049 Oberhausen

Eintritt: frei

Der Künstler

Möglicherweise ist Jacques Tilly namentlich gar nicht so vielen Bewunder*innen seiner Kunst bekannt. Tatsächlich sehen Jahr für Jahr Millionen Menschen seine Kunstwerke, entweder live beim Düsseldorfer Karneval oder aber weltweit in der Berichterstattung darüber. Nun hat er es endlich geschafft, auch museal gewürdigt zu werden!

Jacques Tilly, Atelier, 2017 © Laura Thorenz

Der 1963 geborene Düsseldorfer hat Kommunikationsdesign studiert und eigentlich nur aufgrund der hohen Papierkram-Hürden für das BAFöG mit einem Nebenjob in der Düsseldorfer Wagenbauhalle angefangen. Dieses Thema hat ihn aber nie wieder losgelassen und so ist er nun der mit Abstand bekannteste Wagenbauer Deutschlands. Aber nicht nur das, er ist auch der Wagemutigste unter ihnen. Ralf König brachte es in seiner Eröffnungsrede auf den Punkt: Während Köln versucht, den (nicht existenten) Kompromiss aus Witz und Harmlosigkeit zu finden, darf Jacques Tilly in Düsseldorf mittlerweile unter der Herrschaft der Narrendiktatur seine Satire wehtun lassen.

Die Ausstellung

Die LUDWIGGALERIE im Schloss Oberhausen hat sich schon immer im Bereich Comic und Satire engagiert. So ist es auch passend, dass der 3D-Karrikaturist hier erstmals eine Bühne für seine Pappmache-Plastiken, vor allem aber auch für seine Skizzen und Entwürfe findet. Die Exponate zeigen, dass sich der Urheber keinesfalls verstecken muss. Auch die gemalten Entwürfe haben bereits alles, was sich später auf den Wagen wiederfinden wird: eine ganz klare, international verständliche Bildsprache, beißenden Humor und eine tiefe humanistisch geprägte Grundhaltung gegen Rassismus, Egomanie und Gewaltherrschaft!

Im Schlosshof

Die Ausstellung im Kleinen Schloss bedeutet keinesfalls eine Limitierung des Angebotes, allein der zur Verfügung stehende Platz ist begrenzt: So befinden sich 6 Großplastiken, mehrere kleinere Plastiken und über 200 bildliche Exponate in dem Saal. Das passt dann auch wieder zum Karneval als Ausgangssituation. Zwar werden hier keine altbierlustigen, singenden Menschenmassen erwartet, es geht aber auch nicht um eine einschüchternde, stille Atmosphäre wie vor alten Meistern. Die Kunst von Jacques Tilly soll aufrühren, zu Diskussionen anregen, ja, vielleicht sogar verstören! Und dazu braucht es dann auch die Diskussion!

Dankeswerterweise gibt es übrigens noch einen zweiten Ausstellungsraum mit über 500 Zeitungsausschnitten, Berichten und sonstigen Reaktionen aus aller Welt auf die von Tilly kreierten Wagen. Besser kann man nicht zeigen, dass ein Künstler Einfluss hat. Vielleicht trägt diese Ausstellung ja dazu bei, dass er nun auch als Karikaturist seine verdiente Anerkennung bekommt.

Die Eröffnung

Die Eröffnung am 2. Februar war jedenfalls schon mal ein hoffnungsvoller und gelungener Auftakt. Viel zu viele Interessierte waren gekommen um der Bürgermeisterin der Stadt Oberhausen, Frau Albrecht-Mainz, der Kuratorin der Ausstellung Frau Dr. Vogt und dem Initiator der Ausstellung Ralf König zu lauschen und erste Blicke auf die Exponate zu werfen. Ralf König erinnerte in seiner Laudatio noch einmal daran, dass die Frage, was Satire dürfe, völlig falsch und überflüssig sei. Niemand wolle in einem Land leben, in dem Satire aus politischen oder religiösen Gründen nicht alles dürfe, eine Antwort erübrige sich daher. Mir ist es bei dieser Gelegenheit gelungen, mit Ralf ein Interview zu führen das in Kürze auf comix-online verfügbar sein wird.

Ralf König und Jacques Tilly während der Eröffnungsrede

Abschließend muss noch auf den zur Ausstellung erschienenen Katalog hingewiesen werden (96 farbige Seiten | ISBN 978-3-932236-43-3 | 14,90€). In einem schön gemachten Hardcover finden sich nicht nur Texte von Ralf König und Christine Vogt über Jacques Tilly, sondern vor allem natürlich Abbildungen seiner Zeichnungen und Entwürfe! Besonders gelungen finde ich dabei die Seiten, die den Weg vom gezeichneten Entwurf über Konstruktionspläne zum Foto des Wagens und damit der 3D-Karrikatur abbilden!

Klarer Tipp nicht nur für verregnete Wochenenden, sondern ein Muss für alle an der politischen Karikatur interessierten!

© Plakat 2020 LUDWIGGALERIE Schloss Oberhausen

© Atelierfoto 2017 Laura Thorenz

© sonstige Fotos 2020 Sven Krantz-Knutzen

Katalog zur Moebius-Ausstellung in Brühl

Katalog MOEBIUS – Surreale Comicwelten

Hardcover Überformat | 272 Seiten | Farbe | 49,90 € |
ISBN: 978-3-944453-18-7

Wo: Im Museumsshop des Max Ernst Museum Brühl des LVR, Comesstraße 42/Max-Ernst-Allee 1, 50321 Brühl noch bis zum 16. Februar 2020 (montags geschlossen) – VERLÄNGERT bis zum 29. März!!

Es gibt zwei Arten von Ausstellungskatalogen

Auf der einen Seite stehen diejenigen, die ein Thema aufnehmen, Leser*innen abholen wo auch immer sie stehen mögen und die gezeigten Exponate im Kontext des Textes präsentieren. Im comic-Bereich wären Beispiele dafür etwa die Kataloge von Dr. Alexander Braun (Going West oder die beiden Dortmunder Ausstellungen zu Carl Barks und dem Zweiten Weltkrieg im Comic) oder zur Ausstellung in Oberhausen über Rolf Kauka und sein Universum. Bei diesen handelt es sich eher um bebilderte Sekundärwerke.

Auf der anderen Seite stehen die Kataloge, die sich eher am traditionellen Kunstbetrieb orientieren. Die Ausstellung, also die ausgestellten Werke stehen im Vordergrund und sollen in möglichst farbechter, angemessener Weise die Ausstellungsbesucher*innen noch Jahre später an den Besuch erinnern. Auch hier gibt es natürlich begleitenden Text. Dieser richtet sich aber nicht an die Masse, sondern führt einen kunsthistorischen oder kunstphilosophischen Diskurs (fort).

Porträt-Jean-Giraud-2010-Foto-Isabelle-Giraud-©-2019-Mœbius-Production

Beide habe ihre Vor- und Nachteile, bedienen sie doch vollkommen unterschiedliche Segmente der Besucher*innen und schließen sich in gewisser Weise sogar aus.

Der Katalog zur Moebius-Ausstellung

gehört eher in die zweite Kategorie. Hochpreisig und auf gutem Papier präsentiert er die meisten Exponate der Ausstellung und ist in gewisser Weise selbst Kunst, keinesfalls aber ein Gebrauchsgegenstand. Natürlich enthält er die notwendigen Fakten über den Künstler Jean Giraud und ebenso natürlich ist ihm die Begründung zu entnehmen, warum die Exponate des Visionärs genau hier im Max-Brühl-Museum gezeigt werden; welche Verbindungslinien können zwischen dem als entartet beschimpften Mitbegründer der Moderne und dem Träumer und visionär gezogen werden, wo sind Grenzen? Moebius ist also einer der Comicschaffenden, der den Sprung vom Alltagsvergnügen bereitenden zum Künstler (der 9. Kunst) geschafft hat.

©-2019-Mœbius-Production

Viele dieser Verbindungen laden möglicherweise sogar zu einem zweiten, jetzt informierteren Besuch in die Ausstellungen ein!

Auch das Informationsbedürfnis des Comicfans wird aber bedient. In verschiedenen Beiträgen wird auf die Inhalte, die Motive und Inspirationen eingegangen und nicht nur analysiert, sondern auch erklärt. Insbesondere wird auf Moebius als Wanderer zwischen Innen- und Außenwelt eingegangen, seine Reisen, die die Welten ermöglicht haben und das ständige Bedürfnis, ‚aus dem Rahmen zu fallen‘.

Im Mittelpunkt aber stehen die Abbildungen: großformatig, manchmal allerdings über zwei Seiten ausgeführt, erlauben sie es, den Genuss zu verlängern.

Für Fans sicherlich kaum eine Entscheidungsfrage. Gelegenheitsbesucher*innen, die sich vertieft mit Moebius beschäftigen wollen, finden mit dem Katalog einen soliden Startpunkt! Da der Katalog zweisprachig ist (deutsch/english) kann man ihn guten Gewissens auch allen Besucher*innen empfehlen!

©-2019-Mœbius-Production

Der Katalog ist leider ausverkauft und nur noch mit Glück antiquarisch zu bekommen.

Dazu passen ein leicht temperierter Barolo und Jean Michel Jarre.

© der Abbildungen 2019 Mœbius Production.

Schauraum Dortmund – Der Zweite Weltkrieg im Comic

Nimm das, Adolf! – Ausstellung und Katalog

Wann: 13. Oktober bis 15. März 2020 (Montags
geschlossen)

Wo: schauraum: comic + cartoon, Max-von-der-Grün-Platz
7, 44137 Dortmund

Eintritt: frei

Im schauraum: comic + cartoon in Dortmund läuft bereits die zweite Ausstellung unter der Leitung von Dr. Alexander Braun, dem aktuell wohl profiliertesten Kurator in diesem Bereich. Unter dem Titel „Nimm das, Adolf!“ wird in dem kleinen, rund 160 m² großen Raum gegenüber vom Dortmunder Hauptbahnhof der Zweite Weltkrieg im Comic thematisiert. 80 Jahre nach Beginn des Krieges werden fast 100 seltene, zumeist erstmals ausgestellte Originalzeichnungen und Dokumente gezeigt.

Superhelden gegen Adolf

Die USA waren zunächst nicht bereit, in das (europäische) Kriegsgeschehen einzugreifen. Nach dem japanischen Angriff auf Pearl Harbor im Dezember 1941 und der daraufhin erfolgten Kriegserklärung Nazi-Deutschlands an die USA änderte sich die Situation grundlegend. Nun begannen auch die sich gerade in ihrer ersten Blüte befindenden Superhelden den Kampf gegen die faschistischen Staaten Deutschland und Italien sowie gegen Japan aufzunehmen. Auch der Zeitungsstrip konnte und wollte das Thema nicht länger ignorieren. – Im schauraum sind viele Beispiele zu sehen, der aktuelle Katalog gibt allerdings noch einen viel tieferen Einblick und ist unbedingt zu empfehlen!

Es wird aber nicht nur die amerikanische Seite gezeigt, denn auch in Deutschland nahmen sich Zeichner und Journalisten des Themas an. Eine noch heute nicht ganz überwundene Folge des Ganzen ist die Verfemung der Sprechblase als dekadent, kulturlos und „entartet“.

Spirou und Tintin – zwei Strategien

Der Situation in dem von den Deutschen besetzten Belgien sind gleich zwei Themenblöcke gewidmet: Während sich die Zeitschrift Spirou in zivilem Ungehorsam übte und verboten wurde, wechselte Hergé mit Tintin zur deutsch kontrollierten Le Soir, verdoppelte deren Auflage und sorgte damit für eine bessere Verbreitung der deutschen Ideologie. Die Diskussion ist in dem beschränkten Raum der Ausstellung sicherlich nicht zu führen, auch hier sei aber der Hinweis auf die vertieften Inhalte im Katalog erlaubt.

Von den 70-ern bis heute

Ein weiterer Schwerpunkt widmet sich der Enthistorisierung des Themas: Nazi-Zombies, Pornos und Satire verwenden den Hintergrund nur noch als einen Bestandteil der Pop-Kultur. Andere Wege gehen graphic novels wie etwa Maus oder aber Wannsee, die sich bemühen, historisch korrekt Aufarbeitung in einer besonderen Kunstform, dem Comic, zu ermöglichen. Auch hier werden Originale und Werke aus Italien gezeigt wie auch zwei Originale von Fabrice Le Hénanff.

© Fabrice Le Hénanff © Editions Casterman 2019

Gerade in heutigen Zeiten in denen Populisten weltweiten Zulauf haben und die jüngere deutsche Geschichte massiv umgedeutet wird kann es nicht schaden, sich diesem Thema zu widmen. Es muss ja nicht gleich ein 1000-Seiten Wälzer sein.

Die Ausstellung läuft noch bis zum 15. März 2020 täglich außer Montags ab 11:00 Uhr. Der Eintritt ist frei. Der bereits mehrfach erwähnte Katalog von Alexander Braun (ISBN: 978-3-9820732-1-7) ist nur im schauraum erhältlich und ist jeden Cent seiner 20 EURO wert! Er umfasst 224 Seiten und enthält rund 340 Abbildungen.

Zum Katalog passen eine Kanne fair gehandelter Biokaffee und Banda Bassotti aus Italien.

© der Abbildungen Kulturbetriebe der Stadt Dortmund 2019

© Fotos Sven Krantz-Knutzen 2019

Besuch der Moebius-Ausstellung in Brühl

MOEBIUS – Surreale Comicwelten

Wann: 15. September 2019 bis 16. Februar 2020 (montags
geschlossen) – VERLÄNGERT bis zum 29. März!!

Wo: Max Ernst Museum Brühl des LVR, Comesstraße 42/Max-Ernst-Allee 1, 50321 Brühl

Eintritt: 10,50 €, ermäßigt 6,50 €; Kinder und Jugendliche sowie am letzten Donnerstag jeden Monats Eintritt frei

Porträt Jean Giraud, 2010, Foto: Isabelle Giraud © 2019 Mœbius Production

Moebius, so das Pseudonym des Zeichners und Szenaristen Jean Henri Gaston Giraud für die Science-Fiction orientierte Hälfte seines Schaffens, wird in einer großen Ausstellung im Max-Ernst-Museum Brühl des LVR gewürdigt. Moebius ist Wegbereiter, Pionier und Meister des modernen französischen Erwachsenencomics zugleich und hat Psychologie, Architektur, (Natur-)Religionen und Avantgarde in den Comic gebracht als der große Bruch erfolgte zwischen den klassischen, religiös geprägten Magazinen Tintin und Spirou auf der einen und Pilote und Metal Hurlant auf der anderen Seite.

Die Location ist durchaus passend gewählt, war doch Max Ernst als Expressionist, Dadaist und Surrealist ebenfalls immer auf der Suche nach neuen, noch besseren Ausdrucksmöglichkeiten. Für 10,50€ können beide Ausstellungen besucht werden. Der Keller ist dabei dem jüngeren gewidmet: Eine große, etwas unterteilte Fläche ermöglicht die Präsentation von verschiedenen Aspekten des Schaffens in Originalen oder vergrößerten Abbildungen der Zeichnungen.

Die Exponate

Besonders heraus stechen die großformatigen Bilder, die mit Hilfe eines kostenlosen WLANs und einer ebenfalls kostenlosen App namens Artivive animiert werden. Diese Augmented Reality passt zu dem Science-Fiction Sujet perfekt und macht zudem Spaß. Überall stehen Betrachter*innen, die auf ihr Smartphone starren… Da sich die Sequenzen teilen lassen, haben auch die zuhause gebliebenen Freunde und Verwandten etwas von der Ausstellung – ein großes Plus!

Dabei ist die Aufteilung der einzelnen Räume sehr durchdacht; acht Themenbereiche bieten einen Einblick in die verschiedenen Themenspektren, die jeweils von einem oder zwei Zitaten begleitet werden. Sie zeigen etwa in den Bereichen „Spiritualität und Alchemie“ oder „Abstraktionen“ das Moebius mehr ist als „nur“ ein Comiczeichner und nicht nur der Subgattung der Neunten Kunst, sondern der gesamten Kunst neue Aspekte hinzugefügt hat.

In „Der doppelte Mensch“ setzt sich Giraud mit der Schizophrenie auseinander. Seiner Meinung nach ist sie ein sehr menschlicher, positiver Zustand, der hilft zu überleben. Sie werde allerdings erst dann als Schizophrenie benannt, wenn sie beginne zu entgleisen. Diese Haltung wird in den gezeigten Werken, insbesondere in der Kampfszene deutlich. Aber auch hier gilt: Ohne Katalog oder Vorwissen eigentlich unverständlich. Trotzdem ist dieser Teil für mich der beeindruckendste, vielleicht weil er soviel persönliches beinhaltet und für jede*n Betrachter*in nachvollziehbar ist.

Die Präsentation

Wie so oft in Deutschland ist die Präsentation ansonsten aber nur etwas für Profis. Wer sich mit dem Thema und dem Künstler auskennt, wird den Besuch genießen: Viele Originale hängen an den Wänden und sind auch tatsächlich aus geringer Distanz betrachtbar. Informationen oder gar eine Erklärung, warum eben dieser Moebius so berühmt geworden ist, welche Techniken, Themen oder Gedanken er in den modernen französischen/europäischen Comic eingebracht hat (oder gar, wie der Comic vorher ausgesehen hat), fehlen vollkommen und auch das eine Bild mit der Abbildung von Mike S. Blueberry erklärt nicht wirklich den Unterschied zwischen Gir und Moebius

Dazu kommt die Tatsache, dass Max Ernst zwar in Brühl geboren worden ist, wesentliche Teile seines Lebens aber in den USA und Frankreich verbracht hat. Dementsprechend sind die Texte zu seiner Ausstellung auch dreisprachig. Solche Übersetzungen der Texte des französischen Künstlers aus dem Original der Abbildungen ins Deutsche oder aber der deutschen Zitate in Englische/Französische vermisst man leider im Keller bei der Moebius gewidmeten. Auch wenn Europa immer mehr zusammenwächst, der gegenseitige Museumsbesuch außerhalb von Großstädten scheint weiterhin nicht vorgesehen zu sein.

Es werden aber einige Veranstaltungen und Führungen angeboten; das Programm ist unter der Seite des Museums abrufbar.

Das Drumherum

Wer übrigens vor oder nach dem Kunstgenuss ein Getränk oder eine Speise zu sich nehmen möchte sollte tunlichst auch bei Starkregen ein paar Schritte in Richtung Bahnhof gehen und dort einkehren! Dort ist man in der Lage, auch bei größerem Andrang schnell und freundlich qualitativ hochwertige Produkte feilzubieten.

Fazit: Die Moebius-Schau sollte man als Fan von modernem europäischem Comic auf jeden Fall gesehen haben. Die Mitnahme eines/einer Gelegenheitskonsument*in erfordert aber eine eigene hohe Erklärungs- und Vermittlungsbereitschaft oder die Investition in einen Katalog (vor dem Verlassen). Dieser ist mit fast 50€ aber nicht billig. Eine Besprechung erfolgt in Kürze.

Mœbius, Trait de génie: Giraud-Moebius, 2000, Tusche und Aquarell auf Papier, 24 x 32 cm © 2019 Mœbius Production

Dazu passen ein aktuell im Ausschank befindliches Oktoberfestbier (s.o.) und Musik von Charles Mingus.

© der Abbildungen 2019 Mœbius Production.

Fotos der Ausstellung: © 2019 Sven Krantz-Knutzen

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