Jacques Tilly-Ausstellung in Oberhausen

Politik und Provokation – Karrikaturen XXL

Wann: 02. Februar bis 14. Juni 2020 (Montags geschlossen, Di – So 11-18 Uhr)

Wo: LUDWIGGALERIE Schloss Oberhausen, Konrad-Adenauer-Allee 46,

46049 Oberhausen

Eintritt: frei

Der Künstler

Möglicherweise ist Jacques Tilly namentlich gar nicht so vielen Bewunder*innen seiner Kunst bekannt. Tatsächlich sehen Jahr für Jahr Millionen Menschen seine Kunstwerke, entweder live beim Düsseldorfer Karneval oder aber weltweit in der Berichterstattung darüber. Nun hat er es endlich geschafft, auch museal gewürdigt zu werden!

Jacques Tilly, Atelier, 2017 © Laura Thorenz

Der 1963 geborene Düsseldorfer hat Kommunikationsdesign studiert und eigentlich nur aufgrund der hohen Papierkram-Hürden für das BAFöG mit einem Nebenjob in der Düsseldorfer Wagenbauhalle angefangen. Dieses Thema hat ihn aber nie wieder losgelassen und so ist er nun der mit Abstand bekannteste Wagenbauer Deutschlands. Aber nicht nur das, er ist auch der Wagemutigste unter ihnen. Ralf König brachte es in seiner Eröffnungsrede auf den Punkt: Während Köln versucht, den (nicht existenten) Kompromiss aus Witz und Harmlosigkeit zu finden, darf Jacques Tilly in Düsseldorf mittlerweile unter der Herrschaft der Narrendiktatur seine Satire wehtun lassen.

Die Ausstellung

Die LUDWIGGALERIE im Schloss Oberhausen hat sich schon immer im Bereich Comic und Satire engagiert. So ist es auch passend, dass der 3D-Karrikaturist hier erstmals eine Bühne für seine Pappmache-Plastiken, vor allem aber auch für seine Skizzen und Entwürfe findet. Die Exponate zeigen, dass sich der Urheber keinesfalls verstecken muss. Auch die gemalten Entwürfe haben bereits alles, was sich später auf den Wagen wiederfinden wird: eine ganz klare, international verständliche Bildsprache, beißenden Humor und eine tiefe humanistisch geprägte Grundhaltung gegen Rassismus, Egomanie und Gewaltherrschaft!

Im Schlosshof

Die Ausstellung im Kleinen Schloss bedeutet keinesfalls eine Limitierung des Angebotes, allein der zur Verfügung stehende Platz ist begrenzt: So befinden sich 6 Großplastiken, mehrere kleinere Plastiken und über 200 bildliche Exponate in dem Saal. Das passt dann auch wieder zum Karneval als Ausgangssituation. Zwar werden hier keine altbierlustigen, singenden Menschenmassen erwartet, es geht aber auch nicht um eine einschüchternde, stille Atmosphäre wie vor alten Meistern. Die Kunst von Jacques Tilly soll aufrühren, zu Diskussionen anregen, ja, vielleicht sogar verstören! Und dazu braucht es dann auch die Diskussion!

Dankeswerterweise gibt es übrigens noch einen zweiten Ausstellungsraum mit über 500 Zeitungsausschnitten, Berichten und sonstigen Reaktionen aus aller Welt auf die von Tilly kreierten Wagen. Besser kann man nicht zeigen, dass ein Künstler Einfluss hat. Vielleicht trägt diese Ausstellung ja dazu bei, dass er nun auch als Karikaturist seine verdiente Anerkennung bekommt.

Die Eröffnung

Die Eröffnung am 2. Februar war jedenfalls schon mal ein hoffnungsvoller und gelungener Auftakt. Viel zu viele Interessierte waren gekommen um der Bürgermeisterin der Stadt Oberhausen, Frau Albrecht-Mainz, der Kuratorin der Ausstellung Frau Dr. Vogt und dem Initiator der Ausstellung Ralf König zu lauschen und erste Blicke auf die Exponate zu werfen. Ralf König erinnerte in seiner Laudatio noch einmal daran, dass die Frage, was Satire dürfe, völlig falsch und überflüssig sei. Niemand wolle in einem Land leben, in dem Satire aus politischen oder religiösen Gründen nicht alles dürfe, eine Antwort erübrige sich daher. Mir ist es bei dieser Gelegenheit gelungen, mit Ralf ein Interview zu führen das in Kürze auf comix-online verfügbar sein wird.

Ralf König und Jacques Tilly während der Eröffnungsrede

Abschließend muss noch auf den zur Ausstellung erschienenen Katalog hingewiesen werden (96 farbige Seiten | ISBN 978-3-932236-43-3 | 14,90€). In einem schön gemachten Hardcover finden sich nicht nur Texte von Ralf König und Christine Vogt über Jacques Tilly, sondern vor allem natürlich Abbildungen seiner Zeichnungen und Entwürfe! Besonders gelungen finde ich dabei die Seiten, die den Weg vom gezeichneten Entwurf über Konstruktionspläne zum Foto des Wagens und damit der 3D-Karrikatur abbilden!

Klarer Tipp nicht nur für verregnete Wochenenden, sondern ein Muss für alle an der politischen Karikatur interessierten!

© Plakat 2020 LUDWIGGALERIE Schloss Oberhausen

© Atelierfoto 2017 Laura Thorenz

© sonstige Fotos 2020 Sven Krantz-Knutzen

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