Der Schatz von San Inferno
Story: Lewis Trondheim
Zeichnungen: Fabrice Tarrin
Originaltitel: L e Trésor de San Inferno
Carlsen Comics
Softcover | 48 Seiten | Farbe | 12,00 €
ISBN: 978-3-551-80575-1

Schon seit sehr langer Zeit wird die ehemalige „Hausserie“ des Spirou-Magazins nicht mehr von einem festen Team betraut. Das hat den großen Vorteil, dass viele verschiedene Interpretationen auf den Markt kommen und so für Abwechslung gesorgt wird. Der deutsche Verlag dieser Abenteuer setzt allerdings auf eine eigene Nummerierung, hat er doch auch klassische Werke etwa von Rob-Vel in diese Reihe integriert.
Wird es endlich der Pulitzer-Preis?
Ein ständiger Traum von Fantasio ist es, endlich mit einer Reportage den Pulitzer-Preis gewinnen zu können. Sein ständiger Albtraum dagegen besteht darin, dass seine Kollegin Steffanie im zuvorkommt. In Der Schatz von San Inferno ist beides möglich. Fantasio hat einen heißen Tipp für eine Sensationsmeldung bekommen und ist mit Spirou und dem Marsupilami in eine Wüstengegend aufgebrochen. Tatsächlich hat seine Konkurrentin aber seine Aufregung richtig gedeutet und ist ebenfalls unterwegs. Sie hat mit ihrem Gefährt jedoch mitten in der Wüste eine Panne und kurzfristig überlegt unser Held, sie dort verdursten zu lassen.

Natürlich siegt jedoch die Menschlichkeit. Am Ziel, dem sehr spannend in Felsen gehauenen Wüstennest San Inferno, angekommen, zeigt sich, dass der Traum des Reporters wahr zu werden scheint: in den Katakomben liegt ein Skelett eines Aliens. Bevor Fantasio es dokumentieren kann, wird es jedoch entführt. Nicht alle Dorfbewohner scheinen die mögliche Sensation gut zu finden.
Im weiteren Verlauf gibt es noch mehr Sensationen, aber auch Gefahren durch Skorpione, Hinterhalte und Wassermangel. Selbst ein Erdbeben nimmt seinen Lauf. Lewis Trondheim gelingt eine spannende Geschichte im Stil der Spirou-Historie. Alle Figuren haben Format und die Wendungen halten die Leser*innen bis zum letzten Panel auf Trab! Für ihn ist es schon die zweite Geschichte mit dem Marsupilami in kurzer Zeit.
Eine Hommage an Franquin
Fabrice Tarrin hat im Laufe seiner Karriere schon einige Bände und Serien gezeichnet, ist aber in Deutschland bisher noch kein Star. Am bekanntesten sind seine Asterix-Sonderbände (Im Reich der Mitte & das Geheimnis des Zaubertranks) sowie Die Gruft derer von Rummelsdorf, das ebenfalls in der Spirou & Fantasio Spezial-Reihe erschienen ist. Laut Nachwort wollte er eigentlich gar kein weiteres Album dieser Art zeichnen, aber …

Kaum ein Zeichner kann dem Angebot widerstehen, das Marsupilami zeichnen zu dürfen! Tarrin gelingt es, einerseits seine Hochachtung vor André Franquin auszudrücken, andererseits den Stil leicht zu modernisieren. Und so darf Steffanie in einem Kabinenroller verunglücken, die Leuchtmittel werden noch mit fossiler Energie betrieben, die Frauenfiguren sind aber weniger schablonenhaft. Und die Plapparos sind eine sehr witzige Bereicherung der Fauna dieser Reihe.
Für alte und neue Fans
Der Schatz von San Inferno dürfte sowohl die Fans der klassischen Hochzeit als auch die modernen Leser*innen der Serie mitnehmen. Der Humor ist zeitlos, die Gagdichte hoch, die Zeichnungen einfach genug, um nicht zu überfordern, aber detailliert genug, um nicht zu langweilen. Die Figuren sind in ihren Handlungen leicht modernisiert, folgen aber immer noch den erwartbaren Mustern.

Spirou & Fantasio in dieser Machart sind ein Vergnügen für die ganze Familie. Das konnte man in der Vergangenheit besonders bei den Spezialbänden nicht immer sagen. Wer also aus der Asterix-Schiene kommend neu einsteigen möchte, findet hier einen guten Zugang. Und für die Generation ZACK, die mit Franquin aufgewachsen ist, lohnt sich der Kauf ebenfalls!
Dazu passen Chaka Demus & Pliers mit „Murder she wrote“ (R.I.P. Sly!) und ein Corona.
© der Abbildungen Dupuis 2025 | 2026 Carlsen Verlag GmbH, Hamburg