Das Konzert unter Wasser
Story: Hannes Hegen
Zeichnungen: Ulf S. Graupner, Steffen Jähle
MOSAIK Steinchen für Steinchen Verlag
Kleinformat | 24 Seiten | Farbe | 15 €
ISSN: N/A

Zum 70. Geburtstag kann man sich schon mal etwas gönnen! Zumal, wenn es die eigene Geschichte betrifft! Die aktuelle Serie hat gerade neu begonnen.
Der Hintergrund
1963 übte der Verlag „Junge Welt“, ein DDR-Staatsbetrieb zunehmend Druck auf Hannes Hegen, das Mastermind hinter der erfolgreichen Comic-Zeitschrift Mosaik, aus. Die laufende Story um den Erfinder Wilhelm Bauer war nicht konform genug mit den ideologischen Zielen des Staates: zu klamaukig, zu sehr Bürgertum-orientiert, zu wenig Bezug auf die Errungenschaften der Arbeiterklasse … Sie wurde daher abrupt beendet, die historisch angelegte Ritter-Runkel-Serie begann.
Hegen hatte aber schon zwei weitere Hefte fertig getextet; diese hätten die Geschichte zu einem guten Ende gebracht. Teil 1 davon, Das Duell an der Newa, erschien zum 100. Geburtstag von Johannes Hegenbarth (das ist Hannes Hegen), der abschließende zweite Teil, Das Konzert unter Wasser, liegt nun auch vor. Die Texte stammen aus dem Nachlass, die Zeichnungen wurden unter Anlehnung an das damalige Konzept von Ulf S. Graupner ausgeführt. Steffen Jähle liefert dazu die Hintergründe und die Kolorierung.

Ein nasses Vergnügen
Anlässlich der Krönung des Zaren Alexander II. soll in Kronstadt, einer St. Petersburg vorgelagerten Festung, eine Flottenparade durchgeführt werden. Ursprünglich hätte dort auch das Tauchboot des Erfinders Wilhelm Bauer präsentiert werden sollen.
Der Geheimdienst des Zaren befürchtet nun aber preußische und österreichische Spione, die aktuellen Arbeitgeber von Dig und Dag, und versucht den Auftritt zu verhindern. Allerlei klamaukhafte Vorkommnisse sorgen aber für ein nasses Spektakel, das auch heute noch mit 60 Jahren Verzögerung lesenswert ist. Nur die Sprache ist ein wenig veraltet und Texte setzt man mittlerweile nicht mehr unter die Zeichnung, sondern platziert sie in Sprechblasen.

Das Heft ist im Zeitschriftenhandel nicht erhältlich und kann nur über einen speziellen Shop bestellt werden. Während einerseits der Preis für 24 Seiten auf den ersten Blick ein wenig hoch erscheint, muss man sich doch die Frage stellen, wieviel man sonst für Zeitgeschichte bezahlt. Für den Preis eines Kinoabends (ohne Getränke und Popcorn) bekommt man ein Heft direkt aus dem Giftschrank. Hautnaher kann man deutsche (Comic-)Geschichte nicht erfahren!
Freuen wir uns also, dass so direkte Eingriffe der Zensur bei uns noch nicht wieder möglich ist. Die Erfahrungen aus anderen Ländern zeigen allerdings, wie schnell es dazu kommen kann.
Dazu passen Billy Bragg mit „City of Heroes” und ein Wernesgrüner.
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