Grafische Erzählungen über den Schriftsteller Siegfried Lenz
Hrsg: Siegfried Lenz Stiftung & Studiengang Illustration HAW Hamburg
Story:Siegfried Lenz, 16 Autor*innen
Zeichnungen: 16 Zeichner*innen
Originalausgabe
Carlsen Comics
Hardcover | 272 Seiten | Farbe | 26,00 €
ISBN: 978-3-551-80941-4

Am 17. März dieses Jahres wäre der 2014 verstorbene Siegfried Lenz 100 Jahre alt geworden. Es gibt nur sehr wenige Literaten seines Kalibers in der deutschen Nachkriegsgeschichte und so ist es nicht weiter verwunderlich, dass auch eine grafische Annäherung an ihn erscheint. Zusammen mit der von Lenz selbst gegründeten Stiftung hat der Studiengang Illustration des Fachbereichs Design der HAW Hamburg 19 Episoden versammelt, die sich mal sehr persönlich, mal distanziert beschreibend mit verschiedenen Etappen aus dem Leben des Autors befassen.
Ein ganzes Leben in Bildern, …
Die Sammlung ist chronologisch aufgebaut und beginnt bereits mit der Kindheit des Jubilars. In Ostpreußen geboren liebt der kleine Junge das Wasser, das Fischen und das Lesen, kann sich aber auch der Hitlerjugend nicht entziehen. Der Krieg folgt und die Diskrepanz zwischen Propaganda und Realität wird erlebbar.
Von nun an steht der Schriftsteller im Mittelpunkt. Wahres Schreiben kommt von innen heraus und so ist das Leben, sind die Gedanken und Gefühle nicht von dem Prozess des Schreibens trennbar. Der Mensch braucht eine geeignete Umgebung, um produktiv sein zu können. Für Lenz war das Norddeutschland und Dänemark, war das Geborgenheit in der Familie und im Umfeld, waren das herausfordernde Gespräche und alltägliche Begebenheiten, die es ihm erlaubten, exemplarische Romane, Erzählungen und Essays zu schreiben.

Seine zwei Ehen, seine Freundschaft mit Helmut und Loki Schmidt, sein vertrautes Verhältnis zu seinem Lektor tauchen immer wieder auf und bilden das Gerüst, in dem Lenz sich entfalten konnte. Jede einzelne Episode aus seinem Leben besteht dabei in diesem Band aus zwei Teilen: die grafische Darstellung nach dem Gusto des/der Zeichner*in, und ein passender Originaltext aus dem vielfältigen Werk. Und dabei werden größtenteils keine Ausschnitte aus dem literarischen Werk genommen, sondern Briefe, Vorträge oder Beiträge, die nicht schon hundertmal gelesen worden sind!
… sehr unterschiedlichen Bildern, …
Wie es sich für einen Sammelband gehört, noch dazu für die Arbeiten der Teilnehmer*innen eines Studienganges, sind die Arbeiten stilistisch sehr unterschiedlich. Einige der Beiträge entsprechen dem, was man als Leser*in unter dem Stichwort „Graphic Novel“ erwarten würde. Anderes dagegen sieht eher aus, wie eine Abfolge von Illustrationen, wie sie etwa die „Fliegenden Blätter“ fabriziert haben.

So unterschiedlich die Zeichnungen auch sind, allen gemeinsam ist der Respekt vor der Person Siegfried Lenz. Er wird zwar nicht auf ein Denkmal gestellt und somit verfremdet, er wird aber auch nicht in Frage gestellt. Durch die Originaltexte kommt eine sehr schöne Spannung auf. Manchmal übernehmen die Arbeiten Passagen aus dem jeweils folgenden Abdruck, manchmal erzählen sie auch komplementär.
… dass es wert ist, präsentiert zu werden.
Für mich ist Siegfried Lenz einer meiner Lieblingsschriftsteller und daher war ich sehr gespannt, ob diese Hommage mich begeistern würde. Der Stil der Zeichnungen trifft nicht immer meinen Geschmack, ist aber handwerklich vollkommen in Ordnung! Die Behutsamkeit der Annäherung und die Achtsamkeit gegenüber dem Menschen (nein, eigentlich gegenüber allen Menschen, über die geschrieben und gezeichnet wird) ist aber deutlich.

Für Menschen meines Alters, für die Helmut Schmidt, Günter Grass und auch die bleierne Zeit erlebte Gegenwart waren, ist der Band ein Genuss. Ob Jugendliche damit begeistert werden können, wage ich zu bezweifeln. Aber das ist sicherlich auch nicht die Aufgabe dieses Werkes!
Dazu passen Inga und Wolf mit „Was ich noch zu sagen hätte“ und ein Glas Lübecker Rotspon.
© der Abbildungen 2026 Carlsen Verlag GmbH, Hamburg