Abschlussband : 1990 – 1994
Story: MiTacq
Zeichnungen: MiTacq
Originaltitel: La Patrouille des Castors – L´integrale 8
Hardcover | 224 Seiten | Farbe | 39,90 € | ISBN: 978-3-89908-826-7

Die Landschaft der Jugendzeitschriften im katholischen Belgien und damit auch diejenige der Comicmagazine wäre ohne die Pfadfinderbewegung ganz anders verlaufen. Nicht nur das kirchliche Institutionen wie etwa Averbode (siehe hier) Möglichkeiten zur Veröffentlichung von Zeichnungen und Comics boten, auch als Thema von erfolgreichen Serien sind nicht nur international das Fähnlein Fieselschweif aus dem Disney-Universum, sondern lokal eben auch etwa De Donderpaatjes oder die Biber mehreren Generationen bekannt.
Jeden Tag eine gute Tat
Le Castors bzw. die Mitglieder der Biber-Patrouille sind ein Trupp von Pfadfindern, die im Laufe ihres Lebens schon einige Abenteuer erlebt haben. Ursprünglich hatte der Zeichner MiTacq die Serie zusammen mit dem Szenaristen Jean-Michel Charlier entwickelt. Nach 22 Alben war Schluss mit der Gemeinsamkeit, MiTacq setzte die Arbeit zunächst mit anderen Szenaristen wie etwa Marc Wasterlain beim ersten Band dieser Sammlung fort. Für die beiden anderen Geschichten holte er sich Hilfe von seinem langjährigen Freund Jacques Stoquart, mit dem er zusammen brainstormte.
Dieser abschließende Band der Gesamtausgabe enthält die letzten beiden Alben sowie die Anfänge einer zwar noch begonnen, aber nicht mehr fertiggestellten, die die SOS Kinderdörfer in den Vordergrund gestellt hätte. Außerdem sind als Bonus zwei Kurzgeschichten mit den Boms, einer anderen Serie des Zeichners enthalten. Flut über Mésin zwingt die Biber, unmittelbare Hilfe bei einer Überschwemmungskatastrophe zu leisten. Die Serie ist im Laufe der Jahre immer moderner geworden und so geht es auch um Geburtshilfe. Zudem zeigt sich, dass die Umwelt immer wichtiger wird. Dementsprechend klären die Helden auch ein schweres Entsorgungsverbrechen auf.
3 Jahre später erschien dann das letzte komplette Album, Der Blitzstein, das Anklänge an eine Science-Fiction-Story enthält. Während die Landbevölkerung sich in jahrhundertealten Vorurteilen ergeht, entdecken die Biber, dass ein radioaktiver Meteorit eine Rolle spielen könnte. In beiden Bänden müssen die Jugendlichen auch mit alterstypischen Problemen wie Angst vor dem Versagen, Beziehung der Eltern, Schule und Mädchen klarkommen. MiTacq gelingt eine vorurteilsfreie und einfühlsame Schilderung dieser Situationen.
Realismus im Dupuis-Stil
Anfang der 90-er Jahre war bei Dupuis ein realistischer Stil en vogue, der einerseits im Gegensatz zu den Knollennasen stand, andererseits aber doch meilenweit vom Realismus eines Hermann (etwa in Comanche) entfernt war. Selbst in größter Gefahr und einer körperlichen Auseinandersetzung gibt es keine Schweißperlen oder sichtbare Verletzungen. Trotzdem erlaubt die Gesamtausgabe einen Vergleich der Entwicklung des Zeichners über immerhin fast 40 Jahre. Mehrfach hat er seinen Stil an die aktuellen Anforderungen der Leser*innenschaft angepasst.
Und so ist es auch ein Glücksfall, dass die ersten Seiten des letzten Bandes, der Schiffbruch der Marie-Jolie, nur in der noch nicht kolorierten Reinzeichnung vorliegen. Sie enthalten eine weitere Entwicklung, die Handlungen werden expliziter und das bärtige Gesicht in der Totalen hatte man so vorher auch nicht gesehen. Dank dieser Ausgabe bei Salleck Publications liegen nun also alle Bände auf Deutsch vor, nachdem der Bastei-Verlag in der 80er-Jahren nur die von Charlier getexteten Geschichten veröffentlicht hatte.
Ein einflussreicher Klassiker
Die Biber-Patrouille wird von vielen, heute erfolgreichen Zeichner*innen aus dem frankobelgischen Raum als prägender Einfluss benannt. Die Gesamtausgabe bietet nicht nur eine angemessene Form für die Comics, mit den begleitenden Texten und den zusätzlichen Abbildungen und Illustrationen bleiben hier auch keine Wünsche offen.
Liebhaber*innen von gut konstruierten Abenteuern mit jugendlichen Held*innen sind bei den Bibern gut aufgehoben. Zudem wurde es Zeit, dass diese Serie auf Deutsch eine ansprechende Publikation bekommen hat. Wer also noch Hefte der Blauen Panther zu Hause hat, sollte sie gegen diese empfehlenswerte Sammlung eintauschen.

Dazu passen Pink Floyd mit „The Wall“ und ein Virgin Margherita!
© der Abbildungen DUPUIS 2017, Bastei-Verlag 1980 / 2025 Eckart Schott Verlag