Davor
Story: Pascal Bertho nach dem Roman von Pierre Lemaître
Zeichnungen: Guiseppe Liotti
Originaltitel: Cadres Noirs – Volume 1 de 3 : Avont
Blattgold Verlag – ZACK Edition
Hardcover | 72 Seiten | Farbe | 24,00 € | ISBN: 978-3-949987-95-3

Romane von Pierre Lemaître bieten sich für eine Umsetzung als Comic an; neben dieser neuen Serie in der ZACK-Edition läuft gerade im Magazin die Serie Brigade Verhoeven, die ebenfalls von Pascal Bertho zu einem Comic-Szenario umgearbeitet wurde. Aus der Spur ist unter anderem eine bitterböse Satire über Arbeitslosigkeit und die Auswirkungen auf die Psyche der Menschen.
Ein gescheitertes Leben
Der Held, Alain Delambre, war ein erfolgreicher Manager. Aufgrund von wirtschaftlichen Erfordernissen wurde sein Arbeitsvertrag allerdings gekündigt und nun versucht er seit vier Jahren, eine neue Stelle zu finden. Zwar gibt es einen Mangel an Fachkräften, trotzdem findet nicht jede*r sofort einen neuen Job, der den Fähigkeiten entspricht, das Alter der Bewerber*innen akzeptiert und zudem wenigstens in der Nähe des Wohnortes ist.
Alain ist bereits so verzweifelt, dass er einen Lagerjob angenommen hat, der weit unter seinen Qualifikationen liegt. Er ist allerdings auch emotional „flexibel“ und legt sich immer wieder mit seinem Chef an. Dieser fordert – seiner eigenen Macht bewusst – von seinen Angestellten weit mehr, als der Vertrag hergibt.

Da bietet sich eine Chance bei einem Assessmentcenter der besonderen Art. Doch zurück zum Anfang: Gleich die erste Seite zeigt, wie Alain von einem Sondereinsatzkommando abgeführt wird. Seine Familie versteht ihn immer weniger und seine Tochter, eine Anwältin, möchte ihn eigentlich nicht verteidigen. Bertho (und Lemaître) zeigen in diesem Sozialthriller deutlich die Schritte, die in den Abgrund führen …
Realismus pur!
Die Geschichte ist teilweise schon sehr zynisch, Guiseppe Liotto setzt mit seinen Zeichnungen noch einen drauf: die diabolischen Gesichtsausdrücke der handelnden Personen drücken die Emotionen deutlicher aus, als Worte sie beschreiben könnten. Macht und das (falsche) Gefühl, Macht zu haben, verzerren die Gesichter! Großartig!

Ansonsten sind die Bilder mit vielen Details angereichert und daher sehr atmosphärisch. Die kleinen Gegenstände und Flecken schaffen ein stimmiges Ambiente, da sie extrem realistisch wiedergeben, was zu sehen ist. Das Auge erkennt zwar die Zeichnung, nimmt aber die Umgebung fast wie von einem Foto war.
Ein stimmiger Thriller!
Aus der Spur ist ein gut lesbarer und noch besser wahrnehmbarer Comic, der als eine Mischung aus Sozialstudie und Thriller daherkommt. Durch die vielen Rückblicke werden die Leser*innen Stück für Stück mit den Hintergründen vertraut gemacht, lernen den Helden besser kennen und verstehen, entwickeln aber keine Sympathie für den Antihelden.

Die Ausstattung als Hardcover ist – wie immer bei der ZACK-Edition – fehlerfrei und ansprechend, der Preis sicherlich am oberen Rand, aber angesichts der allgemeinen Preisentwicklung und der Größe des Verlages in Ordnung! Zudem ist eine in drei Bänden abgeschlossene Serie auch kein endloses Unterfangen.
Dazu passen The Addicts mit „Picture the Scene“ und ein Billigbier.
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