Sclavi/Cavazzano – Peter O’Pencil GA 1

1979 – 1980

Story: Tiziano Sclavi

Zeichnungen: Giorgio Cavazzano

Originaltitel: Silas Finn Volume 1

Splitter Verlag – Toonfish

Hardcover Überformat |120 Seiten | Farbe | 29,95 € | ISBN: 978-3-69258-014-2

Cover Peter O'Pencil Gesamtausgabe 1

Das Koralle-ZACK war DAS Magazin, das den Comic frankobelgischer Provenienz in Deutschland salonfähig machte. Viele Serien hatten zwar vorher schon den Weg nach Deutschland gefunden, den Durchbruch aber nicht geschafft. Wegen der häufigen Erscheinungsweise (und den unseligen Kürzungen) ging aber der reiche Fundus an Geschichten irgendwann zur Neige. Eine der darauffolgenden Strategien bestand darin, auch Comics von italienischen und spanischen Künstlern zu übernehmen.

Ein Reporter im Wilden Westen

Das Vorwort zählt die verschiedenen Versionen auf, wie es wirklich zu der Idee für diesen Comic gekommen ist. Das Ergebnis war auf jeden Fall, dass nach dem Erfolg der Gentleman GmbH der Redakteur Gigi Spina, selbst gebürtiger Italiener, den Vertrag über diese neue Western-Comic-Reihe schloss. Sclavi und Cavazzano hatten schon miteinander gearbeitet und waren in der Lage, in einem dem frankobelgischen sehr ähnlichen Stil zu arbeiten. Die neue Serie sollte humoristisch sein und die Lücken zwischen den Geschichten von Lucky Luke füllen.

Star der Comics war ein Reporter namens Silas Finn, die Geschichten wurden im deutschen ZACK erstveröffentlicht und erschienen teilweise auch in den Schwestermagazinen in anderen Ländern. Tatsächlich hatte aber die Redaktion beschlossen, den Namen zu ändern; Peter O’Pencil war geboren. Im ersten, langen Abenteuer geht es um eine Schatzsuche als Gewinnspiel, organisiert von der Boston Tribune um die Auflage zu steigern. Der Held und sein Sidekick, ein etwas trotteliger und unwilliger Fotograf, begleiten eine Gruppe von Teilnehmern, die den sagenhaften Preis von 5000 $ gewinnen wollen und dafür fünf Aufgaben überstehen müssen.

Peter O'Pencil Gesamtausgabe 1 page 9

Dem folgen drei deutlich kürzere Episoden, die sich weiteren Western-Legenden widmen. So wird unter anderem die wahre Natur von Buffalo Bill enthüllt. Die Stories sind sehr humorig und stellen gewisse Prinzipien in Frage oder sogar auf den Kopf. Dazu kommen einige Running Gags aus der Redaktion, aber auch bezüglich der Freiwilligkeit des Fotografen bei diesem Abenteuer. Einiges davon würde man heute vielleicht anders schreiben.

Detailreiche Zeichnungen

Cavazzano wurde in Italien teilweise mit Uderzo verglichen, definitiv war er von ihm beeinflusst. Die Panel sind sehr detailreich und akkurat ausgeführt, die Lust am Zeichnen komischer Dinge ist bei dem Zeichner, der bei Disney angefangen hatte, deutlich zu merken. Daher sind auch die Emotionen deutlich überzeichnet. Seite 34 ist ein gutes Beispiel für den filmischen Einfluss auf die Bildfolge.

Peter O'Pencil Gesamtausgabe 1 page 10

Das Layout ist durchaus abwechslungsreich: Die Streifen werden munter ignoriert, Personen treten aus dem Rahmen und Textkästen wie auch Sprechblasen führen ein Eigenleben. Trotz dieser Dynamik konnte der Comic nie den gleichen Erfolg wie Umpah-Pah oder Lucky Luke verzeichnen.

Eine Reise zurück in die Vergangenheit

In Deutschland sind die Geschichten nie als Album erschienen; wer also keine Sammlung der alten Hefte besitzt, hatte kaum eine Gelegenheit, sie zu bewundern. In Italien selbst war die erste Geschichte tatsächlich vor dieser Gesamtausgabe nie erschienen. Insofern bietet die Peter O’Pencil Gesamtausgabe die Möglichkeit einer Zeitreise. Der abschließende zweite Band ist für das Frühjahr ´27 angekündigt.

Peter O'Pencil Gesamtausgabe 1 page 11

Mir persönlich hat es gut gefallen, den Comic in Etappen zu lesen, also der ursprünglichen Zeitschriftenveröffentlichung zu folgen und die Suche in fünf Teile zu splitten. Dadurch werden die Running Gags besser als am Stück konsumiert. Die Einführung gibt einen guten Überblick und der Abdruck der damaligen ZACK-Cover erhöht die nostalgische Freude!

Dazu passen aus den 79-er Charts Toto mit „Hold the Line“ und eine Sarsaparilla!

© der Abbildungen 2026 Tiziano Sclavi / Giorgio Cavazzano | Splitter Verlag GmbH & Co. , Bielefeld 2026

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