Tod in Venedig
Story: Noël Simsolo
Zeichnungen: Frédéric Bézian
Originaltitel: Docteur Radar: Morts à Venise
Blattgold Verlag – ZACK Edition
Hardcover | 64 Seiten | Farbe | 22,00 € | ISBN: 978-3-949987-20-5

Nicht nur die TV-Serien wie Babylon Berlin erlauben eine Rückkehr in vergangene Zeiten, auch Comic-Romane sind dazu vorzüglich geeignet. Im Gegensatz zum Film können sie aber auch mit Leichtigkeit nicht nur die Zeitreise ermöglichen, sondern sich durch die Zeichnungen auch stilistisch viel besser annähern als es der Film jeweils könnte.
Radar ist zurück!
Die mit diesem Band abgeschlossene Miniserie spielt Ende des zweiten Jahrzehnts des letzten Jahrhunderts. Schon das ist eine wilde und anregende Zeit, setzte sich doch die Moderne erstmals großflächig durch und in Szene. Autos bevölkerten die Straßen und selbst Flugzeuge waren nicht mehr nur noch auf Fotos zu bewundern. Dabei bestimmt die Gleichzeitigkeit von Gegensätzen die Zeit: Die Mode war nie freizügiger und doch waren die Anzüge hochgeschlossen. Der Champagner floss und die Leute verhungerten. Der Fortschritt versprach Frieden und brachte Krieg.
In diesem Rahmen spielten sich verschiedene Settings von verschrobenen Kriminellen ab, sei es Fantomas oder Gestalten von Fritz Lang. Auch der Held dieser Geschichte, Doktor Radar, ist ein solcher Typ. Von sich selbst überzeugt, möchte er Herrscher der Welt werden, und setzt dazu seine Schergen ein, die mit äußerster Brutalität zu Wege gehen.

Dem wirken nur seine ewigen Widersacher Ferdinand Straub und Pascin entgegen, die natürlich ebenfalls ihre Rolle in diesem Spiel haben. Drama, Gewalt und Größenwahn sind die Elemente in dieser vorzüglichen Geschichte
Expressionistisches Comic-„Kino“
Bézian hat genau die richtige Weise gefunden, dieses Drama zu Papier zu bringen: In kräftigen Farben und einem hohen Schwarz-Anteil zeichnet er Fratzen, maskenhafte Gesichter mit großen Augen, die auf angedeuteten Körpern sitzen, gerasterte Klamotten tragen und die ständige Überspitzung glaubhaft umsetzen. Die sehr zurückhaltende Bildsprache übernimmt die Sprache des Stummfilms und schafft damit eine einzigartige Atmosphäre!

Leider ist der Comic bisher nicht so erfolgreich, wie er es verdient hätte. Während heutzutage teilweise Gekritzel preiswürdig ist, hat es echte Kunst oftmals schwierig, ein Publikum zu finden. Dabei kommen hier künstlerisches Vermögen, Anspruch und eine sehr gut lesbare Geschichte zusammen. Niemand muss befürchten, nicht gut unterhalten zu werden!
Fast schon ein Must-Have!
Doktor Radar ist anders als der typische Thriller, sicherlich. Wer Blofeld oder seine Nachfolger als den typischen Welteroberer sieht, wird in diesem Vorgänger trotzdem sein Vergnügen haben! Wer lieber Basam Damdu in dieser Rolle sieht, hat es noch leichter! Allein die Zeichnungen wirken auf den ersten Seiten nicht vertraut, ziehen aber die/den /Leser*in magisch ein und machen es schwer, vor dem Ende aufzuhören.

Wer also schon auf der Suche nach Weihnachtsgeschenken ist oder sich selbst etwas Gutes tun möchte, sollte unbedingt einen Blick in diesen Dreiteiler werfen! Es lohnt sich. Direkt beim Verlag gibt es übrigens eine limitierte Vorzugsausgabe mit Variantcover und exklusiven Drucken…
Dazu passen Poems for Layla mit „Doscyk Doscyk“ und ein Absinth.
© der Abbildungen Editions Glénat 2021, by Noël Simsolo & Frédéric Bézian | 2026 Blattgold GmbH, Bad Dürkheim