Oesterheld/Pratt – Sgt. Kirk 2

Zweite Epoche

Story: Héctor Oesterheld

Zeichnungen: Hugo Pratt
Originaltitel:
 Sargento Kirk; Misterix 264 – 265, 266 – 267, 268 – 269, 270 – 272, 273 – 275, 276 – 277, 278 – 280, 281 – 283, 297 – 302, 303 – 308.

schreiber & leser

Hardcover | 196 Seiten | Farbe | 32,80 € | ISBN: 978-3-96582-218-4

Cover Sgt. Kirk 2

Band 1 dieser auf vier Teile angelegten Gesamtausgabe der schwarz-weißen Geschichten über den ehrenwerten Soldaten Sgt. Kirk, der das Gewissen höher hält als Befehle, hatte es auf comix-online zum Comic des Jahres geschafft.

Was ist gerecht?

Der Grundkonflikt der Geschichten von Hector Oesterheld ist natürlich geprägt durch die politische Situation in Argentinien, dem Heimatland des Autors und der aktuellen Wahlheimat des Zeichners Hugo Pratt. Nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges war das Land gespalten. Während einerseits hunderte von Nazis dort Asyl fanden und eine wichtige Rolle in der lokalen Gemeinschaft zu spielen begannen, war die Mehrheit der armen Bevölkerung politisch eher links eingestellt. Mehrere, schließlich erfolgreiche Militärputsche waren die Folge; Oesterheld selbst fiel dem letzten zum Opfer und wurde verschleppt und getötet.

Diese sehr oft gewaltsam ausgetragenen Gegensätze fanden ihre Entsprechung in den Kämpfen der oft tumben und ehrenlosen „Weißen“ gegen die eher naturverbundenen, nicht weniger brutalen, aber ehrenbewussten „Indianer“. Zwar gibt es auf beiden Seiten auch individuelle Abweichungen, das Prinzip aber stimmt. Und so ist Kirk, der immer wieder versucht, sich selbst so zu verhalten, dass er auf sich selbst stolz sein kann, ein Wanderer zwischen den Welten.

Sgt. Kirk 2 page 10

Von den Indianern als einer der ihren anerkannt, gilt er für die Weißen als Renegat und wurde zum Tode verurteilt. Um weiteres Töten in seinem Namen zu verhindern, beschließt er sich zu stellen. Seine Freunde inszenieren aber einen Angriff aus das Fort um ihn zu befreien und so muss er sich erneut taktisch falsch entscheiden. Die einzelnen zunächst im Misterix erschienenen Geschichten ergeben eine zusammenhängende Geschichte, erlauben aber trotzdem ein Einsteigen. Schließlich wollte man das Magazin ja auch an neue Leser*innen verkaufen können.

Die Kraft der Schatten

Pratt war schon immer jemand, der mit wenigen Strichen nicht nur Atmosphäre erschaffen, sondern auch eine Geschichte in einem Panel erzählen konnte. In diesen Bildern kommt aber auch seine Fähigkeit zum Tragen, den Schatten meisterhaft zu verwenden. Damit kreiert er nicht nur Tiefe, sondern auch Stimmung. Es war allerdings nicht nur die künstlerische Entscheidung, die zu diesen Techniken führte, es lag auch an der Qualität des benutzten Papiers, rau und saugfähig, wie es war.

Sgt. Kirk 2 page 11

Die Zeichnungen bieten alles, was die Liebhaber*innen eines klassischen Westerns sehen wollen: Pferde, Rodeo, Indianer und Soldaten, Kämpfe, Szenen im Fort, die unermesslich schöne, aber auch gefährliche Landschaft und die Lagerfeuerromantik. Sie stehen aber auch im Ziel der Zeitungsstrips und der Sonntagsseiten und erzählen in kleinen Häppchen eine große Geschichte.

Moderner als mancher glaubt

Die Frage nach der Ehrenhaftigkeit des eigenen Tuns, der Wunsch, das Handeln selbst dann an moralischen Leitlinien auszurichten, wenn es den Tod bedeuten könnte, ist keinesfalls altmodisch. Gerade heute in einer Zeit der sich überlappenden Krisen ist es wichtig, den moralischen Kompass zu beachten. Auch insofern ist Sgt. Kirk ein wichtiges Werk! Es macht aber auch Spaß, den Western zu genießen, der immer wieder auf großartige Filme des Genres verweist.

Logo Sgt. Kirk 2

Zudem ist auch die Ausgabe ein paar Zeilen wert! Das Hardcover wirkt hochwertig, der gut zu lesende Anhang verweist in vielen kleineren Abschnitten auf historische Hintergründe der Geschichte selbst oder der Autoren sowie auf die Reminiszenzen. Dazu kommen ein paar kolorierte Titelbilder der italienischen Rintintin & Sgt. Kirk-Ausgaben.

Dazu passen Marty Robbins mit „The Hanging Tree“ und ein Cactus Jack.

© der Abbildungen 1953, Cong S.A., Schweiz | 1953 Hoirie Oesterheld | 2026 Verlag Schreiber & Leser, Hamburg

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